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ST

Aus den Verhandlungen des Schweiz. Bundesrathes.

(Vom 28. Oktober 1881.)

In Vollziehung vom Artikel 14 des Banknotengesezes vom 8. März dieses Jahres hat der Bundesrath zwei Garantie-Formulare für die eidgenößischen Stände festgestellt, welche sie in Betreff der Banknoten-Emission in ihrem Kanton dem Bunde einzureichen haben.

Das diesfalls erlaßene Kreisschreiben und die erwähnten Formulare lauten also: ,,Getreue, liebe Eidgenoßen!

,,Nach Artikel 14 des Bundesgesezes über die Ausgabe und Einlösung der Banknoten vom 8. März "1881 (A. S., n. F., V, 400) liegt uns die Feststellung des Formulars derjenigen Garantieerklärung ob, welche die Kantone für ihre allfällige nicht durch Hinterlage von Werthschriften oder den Bestand des Wechselportefeuille gedekte Notenemission auf ihrem Gebiete nach Artikel 12 des erwähnten Gesezes dem Bunde einzureichen haben.

,,Da mit dem Beginn des künftigen Jahres das Gesez in Vollziehung tritt und etwanige Erklärungen bis zum 1. Juli 1882 eingereicht werden müssen, so haben wir die Ehre, Ihnen anmit die beiden von u äs genehmigten Formulare zu geneigter Kenntnißnahme zuzustellen und dieselben mit folgenden Bemerkungen zu begleiten : 1) Für die Verpflichtung derjenigen Kantone, welche die Garantie für die Notenemission von Banken nach Maßgabe des Banknotengesezes vom 8. März 1881 übernehmen, dient in der Regel das Formular Nr. I, vorbehalten die in Ziffer 2 hienach vorgesehene Ausnahme.

2) Diejenigen Kantone, welche schon infolge früherer legislatorischer Akte die unbedingte Garantie der Verbindlichkeiten einer Bank übernommen haben, können die durch das Banknotengesez vom 8. März 1881 vorgeschriebene Garantieerklärung nach dem Formular Nr. II ausstellen.

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,,Indem wir nicht ermangeln, Sie hievon in Kenntniß zu sezen und die beiden erwähnten Formulare beizuschließen, benuzen wir den Anlaß, Sie, getreue, liebe Eidgenoßen, sammt uns in Gottes Obhut zu empfehlen."

Formular I.

Verpflichtungsschein des

Kantons NN betreifend

Garantie für die Banknoten-Emission der NN

(Firma der Finanzanstalt).

Kraft der von den verfaßungsmäßigen Organen des Kantons NN gefaßten Beschlüße, für die Banknoten-Emission der NN (Firma der Finanzanstalt) die in Art. 12, 14 und 30 des Bundesgesezes vom 8. März 1881 über Ausgabe und Einlösung von Banknoten vorgesehene Garantie zu leisten, verpflichtet sich die unterzeichnete Regierung, Namens des Kantons NN , im Falle einer Zwangsliquidation der besagten Finanzanstalt d e n d u r c h d i e v o r h a n d e n e B a a r s c h a f t (Art. 1 0 des a n g e f ü h r t e n Bundesgesezes) nicht gedekten Betrag der a u s s t e h e n d e n N o t e n bis auf 60% der Emission in d i e K o n k u r s m a s s e zurBefriedigung d e r N o t e n g l ä u b i g e r e i n z u w e r f e n .

Dessen zur Urkunde wird diese Erklärung zu Gunsten der Notengläubiger der obgenannten Finanzanstalt ausgestellt und dem Schweizerischen Bundesrathe zu deren Händen zugefertigt.

(Datum von Ort und Zeit.)

(Unterschrift der Kantonsregierung.)

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Eormular II.

Verpfliechtungsschein.

des

Kantons NN betreffend

Garantie für die Banknoten-Emission der NN . . . . Bank in X . . . .

Auf Grund der von den verfaßungsmäßigen Organen des Kantons NN gefaßten und noch zu Recht bestehenden Beschlüße, nämlich : verpflichtet sich die unterzeichnete, Regierung, Namens des Kantons NN , um die in den Art. 12, 14 und 30 des Bundesgesezes vom 8. März 1881 vorgesehene Garantie für die Banknoten-Emission der NN Bank zu leisten, im Falle einer Zwangsliquidation der besagten Finanzanstalt d e n d u r c h d i e v o r h a n d e n e B a a r s c h a f t (Art. 1 0 des angeführten Bundesgesezes) nicht g e d e k t e n B e t r a g der a u s s t e h e n d e n N o t e n bis auf 60 % der Emission in die Konkursmasse zur Befriedigung der Notengläubiger einzuwerfen.

Dessen zur Urkunde wird diese Erklärung zu Gunsten der Notengläubiger der obgenannten Finanzanstalt ausgestellt und dem Schweizerischen Bundesrathe zu deren Händen zugefertigt.

(Datum von Ort und Zeit.)

(Unterschrift der Kantonsregierung.)

79 (Vom 1. November 1881.)

Mit Schreiben vom 27. vorigen Monats hat der schweizerische Konsul in Bremen, Herr F. von H e y m a n , dem Bundesrathe angezeigt, daß ihm ein Konsulat für Brasilien angeboten worden sei, und suchte gleichzeitig, nach Art. 22 des Konsularreglements vorn 26. Mai 1875,*) die Ermächtigung des Bundesrathes zur Annahme dieses Konsulates nach, welche Ermächtigung ihm auch ertheilt wurde.

°

Mit Zuschrift vom 20. Oktober abbin machten die R U 11 i s c h ü z e n dem Bundesrathe die Mittheilung, daß sie am 9. dieses Monats, als dem Tage dés Bundesschwures im Rütli, auf jener geweihten Stätte ein Schüzenfest abhalten werden, und verbanden damit das Gesuch um Verabreichung einer Ehrengabe als Auszeichnung für den besten Schüzen.

In Betracht, daß diese patriotische-Feier, namentlich für die Schüzen der Waldstätte, ein Sporn ist, welcher wesentlich auf den Eifer für das Schießwesen einzuwirken geeignet ist, beschloß der Bundesrath, es sei für das R ü t l i s c h i e ß e n ein Ordonnanzstuzer, Modell 1878, als Ehrengabe zu verabfolgen.

Auf einen Vortrag des eidgenößischen Militärdepartements genehmigte der Bundesrath die Einführung eines neuen Visirs mit Graduation bis 1600 Meter.

Mit Rüksicht auf die nächstens (wahrscheinlich auf 1. Dezember dieses Jahres) stattfindende Eröffnung der Eisenbahn M u r i - R o t h k r e u z hat der Bundesrath beschießen: 1) Auf den Zeitpunkt der Eröffnung der Bahnlinie M u r i - R o t h k r e u z sind folgende Postkurse aufzuheben : a. Sins-Cham, Doppelkurs; b. Muri-Gisikon, Doppelkurs; c. Muri-Affoltern am Albis, Doppelkurs; d. Affoltern am Albis-Bremgarten, über Obfelden und Merenschwand.

*) Siehe eidg. Gesezsammlung, neue Folge, Band I, Seite 528.

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2) Neu zu errichten sind dagegen die Postkurse : a. Bremgarten-Muri, über Birri, täglich l Mal j b. Affoltern am Albis-Ottenbach, über Obfelden, Doppelkurs» 3) Der noch verbleibende Postkurs Bremgarten-Jonen-Affoltern am Albis ist, sowohl im Hin- als im Herwege, über Obfeldea zu leiten.

Der Bundesrath hat den von der Generalversammlung der Aktionäre der T ö ß t h a l b a h n am 1. September- dieses Jahres getroffenen Abänderungen der Gesellschaftsstatuten die Genehmigung, ertheilt.

Der Bundesrath hat, kraft der ihm von den eidgenößischen Räthen unterm 27. Juni dieses Jahres ertheilten Vollmacht zur Bewilligung dringlicher Fristerstrekungsgesuche, die für die Vollendungund Betriebseröffnung der Linie M u r i - S i n s - R o t h k r e u z der Aargauischen Südbahn angesezte Frist bis zum 1. Dezember 1881 verlängert.

Der Bundesrath hat den von der Konferenz der schweizerischen Bahnverwaltungen vorgelegten Reglementen, betreffend 1) denTransport inländischer Armen und 2) die Polizeitransporte auf schweizerischen Eisenbahnen, vom 9. Juli 1881, die Genehmigung ertheilt, unter Vorbehalt der weitergehenden Ansprüche, welche einzelne Kantone auf Grund von Konzessionen oder Verträgen geltend zu machen in der Lage sein sollten.

Zugleich wurde Vormerkung genommen, daß auch die Verwaltungen der W ä d e n s w e i l - E i n s i e d e l n - und der A p p e n z e l l e r b a h n , sowie diejenige der Linie Lausanne-Echallens,, diese in demselben Umfange wie die S u i s s e - O c c i d e o i t a l e und die S i m p l o n b a h n , den beiden Reglementen beigetreten sind, und daß die U e t l i b e r g - , sowie die R o r s c h a c h - H e i d e n B a h n das Reglement über den Armentransport ebenfalls angenommen haben.

Die betreffenden Bahnverwaltungen wurden eingeladen, die beiden genannten Réglemente spätestens auf l. Januar 1882 in Kraft zu sezen.

81 Vom Bundesrathe ist als Telegraphist in Ponte Campovasto (Graubünden) gewählt worden: Herr Max Gartmann, Posthalter daselbst.

(Vom 4. November 1881.)

In Anwendung von Art. l des Bundesgesezes vom 7. Juni dieses Jahres, betreffend die Hebungen und Inspektion der Landwehr*), hat der Bundesrath die Reihenfolge bestimmt, in welcher die Infanteriebataillone, die Feldbatterien, die Positionskompagnien und die Cadres der Geniebataillone zum Wiederholungskurs einzuberufen sind, nämlich: Infanterie.

Schüzenbataillone und überzählige Bataillone der Landwehr.

1 4 5

Landwehr-Brigaden Nr.

1882: 1883: 1884: 1885:

I III II

iv

VII V VIII

vi

IX XI X

xn

XIII XV XIV

2 7

xvi

3 98

6

99 8

Artillerie.

  1. Feldbatterien.
  2. Nr. 6 (Aargau), Nr. 8 (Waadt), 1883: ,, 1 (Zürich), ,, 2 (Bern), 1884: ,, 3 (Luzern), ,, 7 (Thurgau), 1885: ,, 4 (Solothurn), ,, 5 (St. Gallen).
  3. Positionskompagnien.
  4. I. Abtheilung, Kompagnien Nr. 12, 13, 14 und 15, 1883: II.

,, ,, ,, 3, 4, 5 und 6, 1884: m.

,, ,, '- ,, 7, 10 und 11, 1885 : IV. u. V. Abth., ,, ,, 1, 2, 8 und 9.

1882: 1883: 1884: 1885:

Genie.

Bataillon Nr.

,, ,, ,, ,, ,, ,,

l und 4, 2 ,, 3, 5 ,, 7, 6 ,, 8

*) Siehe eidg. Gesezsammlung, neue Folge, Band V, Seite 512.

;82 Der Bundesrath hat als Oberlieutenants der Sanitätstruppen XAerzte) breyetirt: Hrn.

,, ,, ,, ...,, ,, .,,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, y, ,, T,

Alfred V o n w i l l e r , von und in St. Gallen; Maximin V a l l a i , von Pruntrut, in Bern; André J e a n n e r e t , von Chaux-de-Fonds, in Genf; Rudolf J e e k l i n , von Chur, in Fürstenau bei Thusis (Graubünden); Friedrich C a u m o n t , von Zürich, in Münsterlingen; Louis B l o c h , von Winterthur, in Zürich; Eugen H o w a l d , von Graben (Bern), in Bern; David Sul z e r, von Winterthur, in Zürich; Rudolf P r o b s t , von und in Bellach (Solothurn); Jakob L an z, von Wiedlisbach, in Münsingen (Bern); Victor de M es t r al, von Lausanne, in Etoy (Waadt); Adolf A m m a n n, von Ermatingen (Thurgau), in Basel; Jakob A l b r e c h t , von Hemmishofen (Schaff hausen), in Zürich ; Josef S c h e i b e r t, von Muotathal, in Brunnen (Schwyz) ; Karl L e h m a n n , v. Merishausen (Schaffhausen), in Zürich; Max B r ü g g e r , von und in Bern; Oskar S u r b e r, von und in Zürich.

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