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Schweizerisches Bundesblatt.

35. Jahrgang. II.

Nr. 17.

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14. April 1883.

Bericht des

Bundesrathes an die Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1882.

iV. Geschäftskreis des Handels- und Landwirthschaftsdepartements.

L Förderung des Handels und des Gewerbewesens.

Gewerbliche Enquête.

Am 26. April 1882 hat die Bundesversammlung folgendes Postulat angenommen : ,,Der Bundesrath ist eingeladen, eine U n t e r s u c h u n g über die Lage derjenigen I n d u s t r i e n und G e w e r b e z u veranstalten, w e l c h e s i c h ü b e r d i e H a n d e l s v e r t r ä g e b e s c h w e r e n , u n d z u prüfen, in welchem Maße zur Hebung dieser Industrien und des Handwerks. beigetragen werden könnte, sei es durch die Umarbeitung des Zolltarifs, sei es durch Unterstützung von Handwerker- und Kunstgewerbeschulen, sei es durch andere Mittel."

Das Handels- und Landwirthschaftsdepartement arbeitete hierauf ein Fragenschema aus, welches in Anbetracht der ihm zuBundesblatt. '35. Jahrg. Bd. II.

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kommenden Wichtigkeit -- es sollte zum Ausgangspunkte der ganzen Untersuchung dienen -- noch durch eine Kommission von Sachverständigen berathen wurde; dieselbe bestand aus den HH. Nationalrath Karrer, Aarau; ' Ständerath Göttisheim, Basel; Direktor Dr. Guillaume, Neuenburg ; ,., Kummer, Bern; ,, Autenheimer, Winterthur.

Wir haben das aus der Berathung hervorgegangene Schema gutgeheißen und das Handels- und Landwirthschaftsdepartement mit der weitern Vollziehung und Mittheilung desselben beauftragt. Sein Inhalt ist wesentlich folgender: A. Welche Industrien beschweren sieh über die Handelsverträge ?

B. Welcher Art sind die Beschwerden jeder einzelnen Industrie gegenüber den Handelsverträgen, und würden diese Beschwerden ohne Handelsverträge nicht bestehen?

C. Gibt es nicht, unabhängig von den Handelsverträgen, Ursachen, welche wesentlich zu der schwierigen Situation genannter Industrien beitragen?

D. Ueber das Verhältniß der in Frage stehenden Industrien zu den andern und zu der Landwirtschaft.

B. Ueber die Mittel, welche vorgeschlagen werden, um der mißlichen Lage jener Industrien abzuhelfen : 1) Umarbeitung des Zolltarifs.

2) Vervollkommnung des Berufsunterrichts.

3) Andere Mittel.

F. In welchem Maße kann oder soll der Staat Beiträge leisten an die als nothwendig erscheinenden Abhülfsmittel? Bis zu welchem Grade ist die Wahl und Anwendung dieser Mittel der Privatthätigkeit zu überlassen?

Das Fragenschema wurde am 23. Mai sämmtlichen Kantonsregierungen, dem schweizerischen Handels- und Industrieverein, dem schweizerischen Gewerbeverein, der schweizerischen gemeinnützigen Gesellschaft, dem schweizerischen Grütliverein, sowie Privaten übermittelt, mit der Einladung, für die getreue Beantwortung desselben wirken zu wollen. Ueber das Vorgehen bei den Erhebungen wurden keine nähern Weisungen ertheilt, indem wir als zweckmäßig erachteten, hiebei freie Hand walten zu lassen. Die Kan-

195 tonsregievungen werden dasjenige Verfahren einschlagen, welches ihnen mit Rücksicht auf die kantonalen Einrichtungen angezeigt erscheint.

Die Enquête ist gegenwärtig noch nicht abgeschlossen und wird es auch so bald noch nicht sein. Die einlaufenden Antworten werden gesichtet und zusammengestellt, und es wird sich dann hiebei zeigen, ob noch weitere Untersuchungen im Sinne der M o t i o n Fr e y vom 26. Juni (,,Der Bundesrath wird eingeladen, darüber Bericht zu erstatten, ob es sich nicht empfehle, in theilweiser Ergänzung der bisherigen statistischen Erhebungen eine das gesammte Gebiet der schweizerischen Volkswirtschaft umfassende Enquete zu veranstalten") vorzunehmen seien oder nicht. Nachdem bereits anläßlich der Revision der Handelsverträge und des schweizerischen Zolltarifs Enqueten vorgenommen worden sind , und wenn die gegenwärtig im Gange befindlichen betreffend die Landwirtschaft (Motion Planta), Auswanderungswesen und die Industrien, welche sich über die Handelsverträge beschweren , vollendet sein werden, sind wir der Ansicht, daß damit auch die Motion Frey nahezu ihre Erledigung gefunden haben werde.

Die einheitliche Leitung liegt, wie bemerkt, dem Handels- und Landwirthschaftsdepartement ob. Eine Uebertragung derselben an ein nicht offizielles Organ war schon mit Rücksicht auf die Mitwirkung der Kantonsregierungen nicht thunlich und auch gar nicht nothwendig. Dagegen wurden solchen Vereinen, welche sich durch Ausarbeitung von Gutachten , schriftliche oder mündliche Erhebungen etc. bethätigen, finanzielle Beiträge an die Kosten in Aussicht gestellt.

Handelsregister und Handelsamtsblatt.

Gemäß unserer am 29. August / 7. Dezember 1882 erlassenen Verordnung über Handelsregister und Handelsamtsblatt ist die Vorberathung und Besorgung der das Handelsregister und Handelsamtsblatt betreffenden Geschäfte dem Handels- und Landwirthsehaftsdepartement übertragen worden.

Zum Zwecke, den von den Kantonsregierungen zu ernennenden Registerbeamten das Verständniß der einschlägigen Bestimmungen des Obligationenrechts und der. genannten Verordnung zu erleichtern und so auf eine möglichst richtige und gleichmäßige Registerführung von Anfang an hinzuwirken, hat das Departement unterm 17. Oktober eine Instruktion für die Registerführer nebst einem Anhang von Mustern der verschiedenen denkbaren Journaleinträge aufgestellt.

196 Um ferner dem Handelsstande für die Abfassung der schriftlichen Anmeldungen zur Eintragung ins Handelsregister Anleitung zu geben und diesen Anmeldungen dadurch zugleich die wünschenswerthe Gleichförmigkeit hinsichtlich des Formats und der Abfassung zu verleihen, wurde vom erwähnten Departement ein einheitliches Anmeldungsformular mit eineih abtrennbaren Anhang von Anmeldungsmustern aufgestellt und den Kantonsregierungen zum Kostenpreis zur Verfügung gestellt.

Die Kantone Zürich , Luzern , Schwyz , Zug, Freiburg , Solothurn, Appenzell A.-Rh., St. Gallen, Graubiinden, Aargau, Thurgau, Tessin , Waadt, Wallis, Neuenburg und Genf haben von diesem Formular Gebrauch gemacht und zusammen 21,000 Exemplare davon bezogen.

Die einheitlichen Registerformulare, welche zugleich mit unserer Verordnung vom 29. August festgestellt und der genannten Instruktion für die Registerführer beigeheftet worden sind, wurden den Kantonsregierungen auf Bestellung hin ebenfalls zum Kostenpreis geliefert. Die Regierungen von Aargau, Tessin und Neuenburg haben es vorgezogen , den Druck der für sie nöthigen Registerformularien nach dem Muster des von uns aufgestellten selbst zu besorgen. An die übrigen Kantone- wurden zusammen 14,980 Bogen Journal, 20,000 Bogen Firmenbuch, 9635 Bogen Prokuraertheilungen gemäß OR. 422, Absatz 3, 11,525 Bogen chronologisches Buch (besonderes Register) und 9280 Bogen alphabetisches Buch (besonderes Register) abgegeben.

In die Zeit dieser Vorbereitungen für die rechtzeitige Eröffnung der Register fallen die Eingaben des Vororts des schweizerischen Handels und Industrievereins und der am 18. Oktober in Zürich stattgefundenen Konferenz von Vertretern verschiedener Kantonsregierungen, auf welche Eingaben wir durch unser Circularschreiben vom 30. September 1882 an die Kantonsregierungen geantwortet haben und über welche wir Ihnen durch unsere Botschaft vom 27. November Vorlage machten. Sie haben alsdann unterm 7. Dezember unserm Antrag gemäß die theilweise Aenderung der die Gebühren betreffenden Artikel 30 und 31 unserer citirten Verordnung im Sinne der Milderung und Vereinfachung eines Theils derselben gutgeheißen.

Die Frage, ob die Register bezirksweise geführt werden oder ob die Eintragungen in einem einzigen kantonalen Bureau centralisirt werden sollen, ist in den verschiedenen Kantonen verschieden gelöst worden. In den kleinern Kantonen war es die Rücksicht auf die geringe räumliche Ausdehnung oder geringe Vertretung

197 kaufmännischer Gewerbe , die zur Beschränkung auf ein einziges Register mit Bureau im Hauptorte führte. So in den Kantonen Uri. Schwyz , Unterwalden, Glarus, Zug, Baselstadt, Baselland, Appenzell A.-Rh., Schaffhausen, Genf.

In den Kantonen Zürich, Luzern, Thurgau führte die Rücksicht auf die Vortheile einheitlicher Einrichtung und Durchführung, sowie leichterer Ueberwachung der Registerführung dazu, einem Zentralregister im Hauptort den Vorzug zu geben, wobei auch die Zuläßigkeit schriftlicher Anmeldung, die überdies durch die erwähnte Aufstellung einheitlicher Anmelduugsformulare nebst Mustern erleichtert erschien, in Betracht fiel.

Die Kantone Bern, Freiburg, Solothurn, Appenzell I.-Rh., St. Gallen, Graubünden, Tessin, Waadt, Wallis haben dagegen der bezirksweisen Registerführung den Vorzug gegeben, in Neuenburg und Aargau endlich wurde die, wohl zweckmäßigste Einrichtung getroffen, daß bis zu erfolgter Eintragung der vor 1. Januar 1883 entstandenen Firmen ein nach Bezirken abgetheiltes Zentralregister errichtet wurde, um dann nachher, wenn nur noch die neu entstehenden Firmen einzutragen sein werden, die Dezentralisation des Registers in der Weise eintreten zu lassen, daß die Gerichtsschreibereien (Amtsschreiber, Greffes de tribunal, Bezirksbeamten) die Eintragungen an ihrem Amtssitze und je für ihren Bezirk fortzusetzen haben.

In den Kantonen Baselstadt und Luzern sind die Bureaux, in Hinsicht auf den dieses Verfahren ausdrücklich billigenden Art. 32 unserer Verordnung, schon vor Neujahr 1883 eröffnet worden, wodurch einer späteren Stauung der Arbeit iu sehr zweckmäßiger Weise vorgebeugt wurde.

Aufgabe unseres n ä c h s t j ä h r i g e n Berichtes wird es sein, die hier und in den übrigen Kantonen gemachten Erfahrungen zusammenfassend darzustellen.

Ihrem in Ihrer Dezembersession ausgesprochenen Wunsche gemäß haben sieh die Departemente für Finanzen, Zoll und Handel zum Zwecke der gemeinsamen Benützung des Handelsamtsblattes als Organ für ihre Bekanntmachungen und sonstigen Mittheilungen vereinigt. Als Organ der genannten Departemente und für die im Obligationenrecht vorgesehenen Veröffentlichungen muß das Handelsamtsblatt namentlich für die schweizerische Geschäftswelt einen hohen praktischen Nutzen bieten und schon von Anfang-an, wenigstens zum großen Theile, das gewähren, was von den kompetenten Vertretern der schweizerischen Handelsinteressen schon seit Jahren gewünscht worden ist.

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Konsulatsberichte.

Von Neujahr 1883 an bringen wir die Konsulatsberichte odev Auszüge daraus im Schweizerischen Handelsamtsblatt zur Veröffentlichung, hoffend, daß sie auf diesem Wege in Geschäftskreisen mehr gelesen werden, als es bei der bisherigen Form ihrer Veröffentlichung der Fall war.

Das Handelsdepartement sowohl als die Konsuln sind übrigens bestrebt, die Berichte immer mehr zu dem zu machen, was sie für den schweizerischen Handelsstand sein sollten und sein könnten : mahnende Wegweiser namentlich für die Handelsbeziehungen mit den überseeischen Absatzgebieten, und besooders für kleinere Geschäftshäuser, welchen das Mittel der Reisen und der Errichtung von Zweigniederlassungen oder Agentschaften nicht zu Gebote steht.

Die Berichte sollen daher von langen statistischen und sonstigen Auseinandersetzungen allgemeiner Natur immer mehr befreit werden und dafür praktische Beobachtungen und spezielle Fingerzeige enthalten, welche der einzelne Geschäftsmann in (-"einem Geschäftsleben verwerthen kann. Andererseits ist allerdings nicht aus dem Auge zu verlieren, daß die Konsulatsberichte in erster Linie dazu bestimmt sind, die eidgenössischen Behörden über die Geschäftsführung der Konsulate sowohl als über die Verhältnisse und Thatsachen aufzuklären, welche speziell für unsere H a n d e l s p o l i t i k in Betracht kommen. Viele unserer Konsuln liefern in dieser Hinsicht werthvolle Beiträge, welche aber zum Theil, eben ihres handelspolitischen Inhalts wegen, nicht zur Veröffentlichung geeignet sind. Es dürfen daher die veröffentlichten Berichte nicht als Inbegriff des gesammten schweizerischen Konsularberichtswesens betrachtet werden.

Wir lassen diesen Bemerkungen die gewohnte Uebersicht der Konsulate, welche über das Jahr 1881 Berichte erstattet haben, folgen : Algier, Amsterdam, Antwerpen, Ba.hia, Barcelona, Batavia, Bordeaux, Bremen, Brüssel, Budapest, Bukarest, Campioas, Christiania, Frankfurt a.M., Galatz, Genua, Hamburg, Havre, Liverpool, Livorno,.

London, Lyon, Mailand, Manila, Marseille, Melbourne, Messina, Mexiko, Moskau, München, Neapel, New-York, Odessa, Oran, Philadelphia, Riga, Rio de Janeiro, Rotterdam, San Franzisko, St. Petersburg, Valparaiso, Venedig, Warschau, Washington.

Es fehlt in dieser Liste beinahe die Hälfte unserer Konsulate.

Diese Beobachtung gibt uns allerdings zu dem Wunsche Anlaß, es möchten inskünftig die übrigen ebenfalls solche Berichte einsenden.

Zugleich müssen wir aber die schon oft gemachte Bemerkung er-

199 neuern, daß unsere Konsulate keine materielle Entschädigung für ihre eigentlichen, oft mühevollen Konsulatsfunktionen erhalten, sondern ihre Belohnung in dem ehrenvollen Vertrauen suchen müssen, welches ihnen vom Vaterlande geschenkt wird, und in dem Ansehen, dessen jeder schweizerische Konsul genießt, welcher seine Pflichten gehörig erfüllt. Unsere Konsulate sind Ehrenämter; die Institution der Berufskonsuln ist uns, mit Recht oder Unrecht, noch fremd; trotzdem aber dürfen wir im Großen und Ganzen mit wahrer Befriedigung und Beruhigung auf die Leistungen unserer Konsuln blicken und konstatiren, daß gerade, was speziell das Berichtswesen über Handel und Industrie betrifft, ihre Thätigkeit sich würdig an diejenige ihrer Kollegen anderer Staaten stellt, in welchen aus Industrie- und Handelskreisen gelegentlich trotz der Institution der Beruf'skonsulate die gleichen Klagen über ungenügende BerichterstattungO der Konsuln vernommen werden,l wie sie dann und wann -- jetzt weniger als früher -- sich in der Schweiz geltend machen.

Was von uns abhängt, werden wir immer thun, um unsere Konsuln in würdiger Weise an ihre Pflicht zu erinnern. Hinwiederum müssen wir aber auch die musterhafte, von ebenso viel Verständniß als Opfersinn für die Interessen des Vaterlandes getragene ,Wirksamkeit einer Reihe schweizerischer Konsuln in den verschiedensten Ländergebieten anerkennen und daß wir im Falle sind, diese unsere Anerkennung auszusprechen, beweist uns, daß nicht die Anwendung dieses oder jenes Systems für die Ersprießlichkeit der Konsulatsthätigkeit entscheidet, sondern vor Allem die Wahl der r i c h t i g e n Persönlichkeiten.

Eine sorgfältige Wahl ist es daher, auf welche wir in erster Linie unser Augenmerk richten müssen und auch stets richten werden. Das Handelsdepartement versäumt es daher auch nie, die kompetenten Vertreter des schweizerischen Handelsstandes, namentlich den Vorort des schweizerischen Handels- und Industrievereins, um Auskunft über die Konsulatskandidaten oder um Vorschläge von passenden Persönlichkeiten für vakante Konsnlatsposten zu ersuchen, und findet denn auch stets die größte Bereitwilligkeit in diesen Kreisen, die nöthigen Erkundigungen einzuziehen und uns mit zuverläßigen Nachrichten und Gutachten an Hand zu gehen.

Kontrolirung von Gold- und Silberwaaren.

Der Geschäftsbericht
über das Jahr 1881 hat Ihnen die Errichtung von neun Kontroiämtern mitgetheilt. Zu diesen ist seit Oktober 1882 das neu errichtete Kontroiamt in Madretsch getreten.

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Biel Chaux-de-fonds Fleurier . .

Genf . . .

St. Immer .

Locle . . .

Madretseh .

Neuenburg .

Schaffhausen .

Tramlingen .

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Total

Ausgeführte 1 Handelsproben.

Gestempelte ßijonteriegegenstände.

Von der Stempelung zurückge- 1 wiesene Schalen.

Kontroiamt.

Plombirte Uhrschalen.

Gestempelte Uhrschalen.

Den von den Aemtern eingesandten vierteljährlichen Berichten entnehmen wir folgende Resultate über deren Thätigkeit während des Jahres 1882.,

14 173,847 198 2,599 1,424 286,539 4,343 1,818 1,763 4,208 932 378 35,181 6 874 52,848 208 16,158 880 614 10 99,369 1,049 199 2,745 103,771 566 192 23,623 13 491 541 189 23,405 160 489 27,253 34,879 3,382 383 94 77,845 186

911,307 10,297

3,763 48,549 11,750

Da nach Art. l, Alinea A, des Bundesgesetzes vom 23. Dezember 1880 nur die mit Feingehaltsangabe versehenen Uhrengehäuse der Stempelung unterliegen, so darf obige Zusammenstellung nicht als Maßstab für die schweizerische Uhrenproduktion des Jahres 1882 angesehen werden.

Um eine gleichmäßige Ausübung der gesetzlichen Vorschriften über die Stempelung herbeizuführen, wurde am 12. Juni 1882 eine mit den Kontroiämtern vereinbarte Instruktion erlassen (Bundesblatt 1882, III, 175).

Der Umstand, daß die gesetzlichen Bestimmungen über obligatorische Stempelung» umgangen und dadurch der Ruf der schweizerischen Uhrenindustrie gefährdet wird, veranlaßte uns, die betheiligten Kantonsregierungen auf diese Thatsache aufmerksam zu machen, und ihnen zu empfehlen, mit aller Strenge und in Anwendung des Bundesgesetzes betreffend das Verfahren bei Uebertretung fiskalischer und polizeilicher Bundesgesetze (Amtliche Sammlung I, 87) gegen diese Gesetzesübertretungen einzuschreiten.

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Außerdem wurde von unserm Handels- und Landwirthschaftsdepartement unterm 1. November 1882 eine Instruktion über das administrative Vorgehen bei Peststellung von Uebertretungen des Bundesgesetzes betreffend die Kontrolirung erlassen (Bundesblatt 1882, IV, 436).

In Folge mehrfacher Ansuchen wurde die Frist für die Stempelung ad hoc von Uhrschalen zuerst bis 31. Januar 1882 (Bundesblatt 1882, I, 44) und schließlich bis 30. April 1882 verlängert.

Weitere, theils vom Handels- und Landwirthschaftsdepartement, theils vom Präsidenten des eidgenössischen Kontroiamtes erlassene Instruktionen betrafen : lì die Bezeichnung 58 für goldene Uhrschalen (4. und 18. März 1882); 2) die richtige Handhabung und Instandhaltung der Kontroistempel (18. September 1882); 3) die Ausführung der Handelsproben an Silberbarren (31. Oktober 1882); 4) die Stempelung der boîtes billées (8. November 1882).

Vom schweizerischen Generalkonsulat in St. Petersburg wurde uns eine Verordnung der russischen Regierung betreffend Stempelung von Blattgold, sowie das neue russische Reglement über die Kontrolirung von Gold- und Silberwaaren mitgetheilt, welche beide veröffentlicht wurden.

In Folge von Reklamationen wegen Beschlagnahme schweizerischer Uhrensendungen durch russische Zollämter wurde die russische Regierung angefragt, warum solche Sendungen beanstandet werden, da doch laut neuem russischen Reglement die Uhrschalen von der Stempelung befreit seien. Die Regierung bestätigte zwar diese Bestimmung des Reglements, theilte aber im Ferneren mit, daß sie sich allein das Recht vorbehalte, Gold- und Silberwanren mit den Zeichen 84 und 56 zu stempeln, und daß daher importirte Uhren, welche diese Zeichen tragen, von den Zollämtern konfiszirt werden könnten. "^ Wie wir Ihnen im Geschäftsbericht des Jahres 1881 mittheilten, fand im Wintersemester 1881/1882 am Polytechnikum ein Kurs für Heranbildung von Probirern statt. Am Schlüsse desselben wurde, auf Antrag der bestellten Kommission, 8 Bewerbern das eidgenössische Diplom als beeidigte Probirer ertheilt (Bundesblatt 1882, I, 481). Im Oktober wurde einem weitern Kandidaten auf Grund bestandener Prüfung das Diplom zuerkannt (Bundesblatt 1882, [V, 349). In Zukunft sollen Lehrkurse und Prüfungen nur dann

.·ranstaltet werden, wenn eine genügende Anzahl von Gesuchen orliegt.

II. Handelsverträge.

Die Staaten, mit welchen bis jetzt die Schweiz Handelsverträge oder Handelskonventionen abgeschlossen hat, sind in alphabetischer Ordnung folgende: 1. Belgien; 2. Dänemark; 3. Deutschland; 4. Frankreich; 5. Großbritannien; 6. Hawaiisn-Inseln; 7. Japan; 8. Italien; 9. Niederlande; 10. Oesterreich-Ungarn ; 11. Persien; 12. Portugal; 13. Rumänien; 14. Rußland; 15. Serbien; 16. Spanien; 17. Türkei; 18. Vereinigte Staaten von Nordamerika.

Ad 1. Der Freundschafts-, Niederlassungs- und Handelsvertrag mit Belgien vom 11. Dezember 1862 ist von uns am 12. November 1878 gekündet worden. Unterm 9. Januar 1880 haben wir sodann mit der Regierung des Königreichs Belgien das Uebereinkommen getroffen, daß vom Ablauf des Vertrages an in Bezug auf die Rechtsverhältnisse, welche in demselben geregelt worden sind, beide Staaten sich gegenseitig auf dem Fuße der Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation behandeln.

Dieses Uebereinkommen dauert bis zum Abschluß eines neuen Vertrages oder bis einer der beiden Theile von demselben zurücktritt.

Ad 2. Ein Freundschafts-, Handels- und Niederlassungsvertrag wurde am 10. Februar 1875 mit Dänemark abgeschlossen. Derselbe ist am 10. Juli J875 (Auswechslung der Ratifikationsurkunden) in Kraft getreten. Die Vertragsdauer ist auf 10 Jahre festgesetzt.

Es ist dies ebenfalls ein sogenannter Meistbegünstigungsvertrag: ,,Keine der Vertragsparteien darf für die Einfuhr, die Ausfuhr, die Magazinirung und den Transit der Boden- oder Industrieerzeugnisse des andern Landes andere oder höhere Gebühren als diejenigen fordern, welche von gleichartigen Boden- oder Industrieerzeugnissen der meistbegünstigten Nation gegenwärtig oder künftig erhoben werden. u Ad 3. De^ Handelsvertrag, welcher am 23. Mai 1881 mit Deutschland vereinbart und am 1. Juli gleichen Jahres in Kraft getreten ist, dauert bis zürn 30. Juni 1886. Ein Konventionaltarif ist bekanntlich mit demselben nicht verbunden und es hat bis jetzt überhaupt Deutschland mit keinem fremden Staate einen solchen vereinbart. Am deutschen Generaltarif sind seit Inkrafttreten des-

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selben (1. Juli 1881) zu wiederholten Malen Erhöhungen von Zollansätzen vorgenommen worden. Der Verkehr mit Deutschland wird deßhalb immer schwieriger. Das Handels- und Landwirthschaftsdepartement verfolgt stets die Wirkungen des Vertrages und den Gang des Verkehrs mit Deutschland. Es ist dies unumgänglich nöthig, da wir bald vor dem Endtermin des Vertrages und damit vor der Frage der Revision desselben stehen.

Ad 4. Ueber den am 23. Februar 1882 mit Frankreich abgeschlossenen Handelsvertrag mit Konventionaltarif, welcher am 16. Mai gleichen Jahres in Kraft getreten ist und bis 1. Februar 1892 vollziehbar bleibt, haben wir Ihnen am 21. März 1882 einen eingehenden Bericht erstattet. Mittelst Bundesbeschluß vom 22./26.

April gleichen Jahres ist dem Vertrage die Genehmigung ertheilt worden und es hat sodann am 12. Mai die Auswechslung der Ratifikationen stattgefunden.

Ad 5. Im Freundschafts-, Handels- und Niederlassungsvertrag vom 6. September 1855 sichern sich die Schweiz und Großbritannien in Allem, was die Einfuhr, die Niederlage, die Durchfuhr und die Ausfuhr von gesetzlich erlaubten Handelsartikeln betrifft, die Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation zu. Der Vertrag ist auf die Dauer von 10 Jahren, vom Tage der Auswechslung der Ratifikationen an gerechnet, abgeschlossen und bleibt in Kraft bis nach .Ablauf von 12 Monaten, nachdem eine Kündigung erfolgt sein wird.

Ad 6. Mit den Hawaiian-lnseln haben wir am 20. Juli 1864 auf die Dauer von 10 Jahren von der Auswechslung der Ratifikationsurkunden an gerechnet (18. November 1868) einen Freundschafts-, Niederlassungs- und Handelsvertrag abgeschlossen, mit welchem in Bezug auf Handels- und Zollsachen die Behandlung auf dem Fuße der Meistbegünstigung zugesichert worden ist. Eine Kündigung erfolgte bis jetzt von keiner Seite und es dauert der Vertrag fort.

Ad 7. Wie wir in unserra vorigen Geschäftsberichte rnitgetheilt, hat Japan den Entwurf zu einem neuen Handelsvertrag und Konventionaltarif mitgetheilt. Die Prüfung des Tarifprojektes, die das Handels- und Landwirthschaftsdepartement unter Mithülfe des Vororts des schweizerischen Handels- und Industrievereins vorgenommen hat, führte zu dem Resultate, daß dasselbe für uns als Basis der Unterhandlungen unannehmbar sei. Im Laufe des Jahres fanden in Tokio Unterhandlungen über die Revision der japanesisclien Handelsverträge statt. Denselben wurde der österreiehisch-japanesisehe Vertrag einstimmig zu Grunde gelegt. An den Unterhandlungen

>i waren folgende Staaten vertreten : einerseits Japan, andrerseits die Schweiz, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen und Schweden, Oesterreich, Portugal, Rußland, Spanien, Vereinigte Staaten von Nordamerika. Die Unterhandlungen sind im Berichtjahre nicht zum Abschlüsse gekommen.

Ad 8. Die temporäre Handelsübereinkunft, welche am 28. Januar 1879 für die Dauer bis zum 31. Dezember gleichen Jahres mit Italien abgeschlossen worden ist, wurde zu wiederholten Malen prolongirt, das letzte Mal bis zum 30. Juni 1883. Wie wir Ihnen im Geschäftsberichte pro 1881 mitgetheilt, sind die sämmtlichen beim Verkehr mit Italien betheiligten Kreise bei den Vorbereitungen für die Revisionsuuterhandlungen herbeigezogen worden. Das umfangreiche Material, welches sich dadurch bildete, wurde vom Handels und Landwirthschaftsdepartement zusammengestellt und für die Instruktionen zu den Unterhandlungen vorbereitet. Es war aus verschiedenen Gründen nicht möglich, die Unterhandlungen im Berichtjahre zur Hand zu nehmen; dieselben sind nunmehr für die ersten Monate des Jahres 1883 in Aussicht genommen.

Da wir demnach baldigst im Falle sein werden, Ihnen über diesen Vertrag, über die Vorbereitungen für die Revision desselben und über das Resultat der Unterhandlungen einen Spezialbericht vorzulegen, so beschränken wir uns hier auf diese wenigen Bemerkungen.

Ad 9. Der am 19. August 1875 mit den Niederlanden abgeschlossene Freundschafts-, Handels- und Niederlassungsvertrag ist von der Schweiz am 19. August 1878 und von den Niederlanden am 2. September 1878 ratifizirt worden. Der Tag des Inkrafttretens wurde auf den 1. Oktober 1878 angesetzt ; Vertragsdauer 10 Jahre, somit bis 1. Oktober 1888. Betreffend die Zollabgaben beschränkt sich dieser Vertrag ebenfalls auf die Zusicherung der Gleichstellung mit der meistbegünstigten fremden Nation.

Ad 10. Unser Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn datirt vom 14. Juli 1868 und ist auf die Dauer von 8 Jahren, einen Monat vom Austausch der Ratifikationsurkunden an gerechnet, abgeschlossen worden. Dieselben sind am 5. Jänner 1869 ausgewechselt worden. Gemäß Art. VII des Vertrages bleibt derselbe in Kraft bis zum Ablauf eines Jahres von dem Tage ab, an welchem der eine oder der andere der Kontrahenten denselben gekündet haben wird. Dies ist bis jetzt von keiner Seite geschehen. Bss, erscheint indessen je länger desto mehr angezeigt, daß wir die

205 Frage, ob das bestehende auf dem Fuße der Meistbegünstigung beruhende Vertragsverhältniß fortbestehen soll, einer eingehenden Prüfung unterwerfen. Der österreichische Generaltarif mit sehr hohen Zollansätzen vom Jahre 1878 wurde nämlich nicht mehr als genügend erachtet und einer Revision unterworfen, um eine Reihe von Ansätzen noch mehr zu erhöhen. Der neue Zolltarif datirt vom 25. Mai 1882 und ist am 1. Juni gì. J. in Kraft getreten.

Einen Konventionaltarif, welcher auch auf die Waaren schweizerischer Provenienz Anwendung findet, hat freilich Oesterreich am 27. Dezember 1878 mit Italien auf die Dauer bis 31. Dezember 1887 abgeschlossen. Derselbe hat indessen für unsern Exporthandel nach Oesterreich eine nur untergeordnete Bedeutung, indem er selbstverständlich in Bezug auf den österreichischen Eingangszoll für italienische Erzeugnisse berechnet ist. Ein Vertragstarif würde im gegenseitigen Interesse liegen und wir werden auch auf einen solchen hinwirken. Weigert sich Oesterreich, zu einem solchen Hand zu bieten, so halten der schweizerische Handel und die Industrie für fraglich, ob das jetzt bestehende Verhältniß weiterbestehen soll.

Ad 11. Ebenfalls auf der Basis der Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation hat die Schweiz am 23. Juli 1873 mit Persien einen Freundschafts- und Handelsvertrag abgeschlossen.

Derselbe ist am 27. Oktober 1874 (Auswechslung der Ratifikationsurkunden) in Kraft getreten. Die Vertragsdauer ist auf 12 Jahre festgesetzt mit der üblichen Klausel betreffend die Fortdauer.

Ad 12. Der Handelsvertrag, welcher am 6. Dezember 1873 mit Portugal abgeschlossen worden ist, enthält in Art. 10 die Bestimmung, daß derselbe bis 31. Dezember 1878 in Wirksamkeit bleibe. Der Vertrag dauert auch von letzterm Datum an fort bis ein Jahr nach erfolgter Aufküudung durch einen der vertragschließenden Theile. Mit demselben wird in Handels- und Verkehrssachen die Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation zugesichert; ohne Konventionaltarif. Eine Kündigung ist bis jetzt nicht erfolgt, doch scheint Portugal eine solche und damit eine Revision zu beabsichtigen.

Ad 13. Auf die Dauer von 7 Jahren, vom Tage der Auswechslung der Ratifikationsurkunden an gerechnet (4. Dez. 1878), ist am 30. März 1878 mit Rumänien eine Handelskonvention abgeschlossen worden. In derselben sichern sich die vertragschließenden Theile gegenseitig in Allem, was die Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr betrifft, die Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation zu.

Außerdem sind in einem Zusatzartikel für einige schweizerische

206 Erzeugnisse ermäßigte Zollansätze für den Import in Rumänie» eingeräumt und zwar: Geflechte und Gewebe aus Stroh Fr. 20 per 100 kg., Uhren mit Schalen aus natürlichem (nicht versilbertem oder vergoldetem) Metall (oder mit versilberten -oder vergoldeten Schalen) 75 Ct. per Stück, unter der Bedingung, daß sie auf der einen Seite der Sehale das Wort ^metal"1 eingravirt tragen.

Ad 14. Mit Rußland wurde am 26./14. Dezember 1872 eia Niederlassuqgs- und Handelsvertrag auf die Dauer von 10 Jahren abgeschlossen. Derselbe ist am 30. Oktober 1873 in Kraft getreten und würde demnach am 30. Oktober 1883 zu Ende gehen. Wenn indessen eine der beiden paciscirenden Parteien nicht zwölf Monate vor Ablauf der 10 Jahre ihre Absicht, denselben aufzuheben, kund gegeben, so besteht der Vertrag bis zum Ablauf eines Jahres, vom Tage an gerechnet, an welchem eine Kündigung erfolgt, in Kraft.

Der Vertrag ist auf der Basis der Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation abgeschlossen. Konventionaltarife hat Rußland bis jetzt keiner Nation zugestanden.

Ad 15. Mit dem Fürsleuthum Serbien haben wir am 29. Mai/10. Juni 1880 eine provisorische Handelsübereinkunft abgeschlossen, gemäß welcher die Erzeugnisse schweizerischen Ursprungs oder schweizerischer Provenienz, welche nach Serbien eingeführt werden, und die Erzeugnisse serbischen Ursprungs oder serbischer Provenienz, welche nach der Schweiz eingeführt werden, hinsichtlich der Einfuhr-, Ausfuhr- und Durchfuhrzölle, sowie in Betreff der Wiederausfuhr, der Mäkler- und Lagergebühr, der örtlichen Abgaben und Zollformalitäten der nämlichen Behandlung unterliegen, wie die Erzeugnisse der meistbegünstigten Nation.

Die Uebereinkunft ist vom angegebeneu Datum an für die Dauer eines Jahres abgeschlossen. Im Falle jedoch, daß sechs Monate vor Ablauf dieser Frist keine der beiden Regieruagen ihre Absicht kund gegeben haben wird, dessen Wirkungen aufhören zu lassen -- was bis jetzt nicht geschehen ist -- bleibt er für ein ferneres Jahr in Kraft und so weiter von Jahr zu Jahr.

«

Ad 16. Wie wir Ihnen anläßlich des Geschäftsberichtes pro 1881 berichtet haben, ist die zwischen der Schweiz und Spanien am 27. August 1869 abgeschlossene Handelskonvention,l mit welcher ö O in Hinsicht auf Handels- und Zollangelegenheiten gegenseitig die Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation zugesichert worden ist, von Spanien gekündet worden.

Im Berichtsjahre sind die Unterhandlungen über einen neuen Vertrag an Hand genommen worden. Sobald dieselben zum AbO O

207 Schluß gelangt sind, werden wir Ihnen das Resultat in einem Spezialbericht mittheilen.

Die gekündete Konvention ist bis zum 15. März 1883 prolongirt.

Ad 17. Zwischen Frankreich und der TUrkei ist am 29. April 1861 ein Handelsvertrag auf die Dauer von 28 Jahren abgeschlossen worden. Dabei hat sich jeder der beiden kontrahirenden Staaten das Recht vorbehalten, nach Ablauf des vierzehnten und des einundzwanzigsten Jahres der Vertragsdauer diejenigen Abänderungen vorzuschlagen, welche nach der gemachten Erfahrung als zweckmäßig erscheinen. Mit dem Vertrage ist ein Konventionaltarif verbunden, welcher am 13. März 1862 in Kraft und Anwendung getreten ist. Dieser Tarif findet auch auf die Waaren schweizerischer Provenienz Anwendung, wie es von der Schweiz bei Abschluß des Vertrages gewünscht worden ist.

Die türkische Regierung hat in Anwendung der erwähnten Vertragsbestimmung eine Revision' des Vertragstarifes verlangt.

Indem, wie bemerkt, der Tarif auch auf die Schweiz Anwendung findet, werden wir an den Revisionsverhandlungen durch Delegirte theilnehmen. Als solche haben wir ernannt die Herren: Pridolin Heer, vom Hause Andrea Heer in Konstantinopel ; J. Belart-Lanz, Chef der gleichnamigen Firma in Konstantinopel ; J. Jenny, vom Hause Jenny, Kölla & Cie. in Konstantinopel; Lebet, vom Hause David Lebet et fils Victor in Konstantinopel.

Das Handels- und Landwirthschaftsdepariement hat über die Frage, welche Begehren von der Schweiz bei den Revisiousuuterhandlungen zu stellen sind, eine eingehende Untersuchung vorgenommen, welche für die Eintheilung der Instruktionen an die Delegirten als Grundlage diente. Bis jetzt haben die Unterhandlungen noch nicht begonnen.

Ad 18. Der Vertrag,-welchen die Schweiz am 25. Nov. 1850 auf die Dauer von 10 Jahren mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika abgeschlossen hat, bezieht sich auf den Handelsverkehr, Niederlassung und Auslieferung. In Bezug auf die Einfuhr-, Ausfuhr- und Durchfuhrzölle haben sich die beiden Staaten die Gleichstellung mit der meistbegünstigten Nation zugesichert und sich verpflichtet, keiner Nation, keinem Nationenvereine, keinem Staate und keiner Gesellschaft bezüglich des Handels eine Vergünstigung zu gestatten, ohne daß der andere Theil nicht auch unmittelbar in den Genuß derselben gesetzt würde. Der Vertrag dauert fort bis nach Ablauf eines Jahres, von dem Tage an gerechnet, an welchem eine Kündigung erfolgt ist. Nordamerika hat

208 mit keinem auswärtigen Staate einen Konventionaltarif vereinbart; es ist somit für die Importzölle der G-eneraltarif maßgebend. Die schweizerischen Industrieerzeugnisse, weiche nach Nordamerika exportirt werden, sind mit folgenden Zöllen belegt: Seidenwaaren 60 % vom Werth ; Baumwollgarne 35 °/o vom Wei-th ; Wollengewebe 50 Cents per Pfund mit Zuschlag von 35 °/o vom Werth; Stickereien 35 °/o vom Werth; Stroh- und Roßhaargeflechte 35 °/o vom Werth; Uhren und Uhrenbestandtheile 25 °/o vom Werth; Musikdosen 30 °/o vom Werth; Käse 4 Cents per Pfund; Leder 25 % vom Werth.

Der Kongreß beschäftigt sich mit der Revision des Generaltarifs, allein es ist wenig Aussicht vorhanden, daß dieselbe eine Ermäßigung der Zölle auf fremden Industrieerzeugnissen zur Folge haben werde.

III. Anstände beim internationalen Handels- und Zollyerkehr.

Bei den dieses Jahr sehr zahlreichen internationalen Anständen dieser Art, für deren Erledigung unsere Intervention gewünscht wurde, hat sich das Handelsdepartement stets mit kompetenten Vertretern der betreffenden Industrie- und Handelszweige in's Einvernehmen gesetzt. Unsere Reklamationen durch diplomatische Vermittlung waren meistens von Erfolg begleitet, wo es sich nicht, wie es nicht selten vorkommt, um einen bloßen Irrthum oder Formfehler der Petenten oder um unrichtige Zollbehandlung der betreffenden Waaren handelte. Die meisten Anstände ergaben sich im Verkehr mit Frankreich, nämlich 14; die Zahl der fraglichen Anstände mit den übrigen Ländern beträgt für Deutschland 2, Oesterreich 3, Italien 4, Rußland \, Rumänien l, Spanien 2, Aegypten 1.

Frankreich. Von der zuständigen französischen Behörde erfolgten auf unsere verschiedenen Reklamationen auf Grund von Gutachten des Comité consultatif des arts et manufactures u. A. folgende Bescheide : 1. B l e c h b ü c h s e n , welche Konserven von Fleisch, Fischen, Gemüse oder kondensirter Milch enthalten, sind zollfrei, wenn sie so zugelöthet sind, daß sie nicht geöffnet werden können, ohne verletzt zu werden. Durch diesen Entscheid wurde einer Reklamation der Milchkondensationsgesellschaft in Romanshorn entsprochen.

2. P i l z t ü c h e r für die Papierfabrikation, mit Kette und Schuß, unterliegen je nach dem Stoff, aus welchem sie bestehen, dem Zoll

209 für die betreffenden Gewebekategorien, also Wollenfllz dem Zoll der entsprechenden Klasse von Wollengeweben etc. Nur die eigentlichen Filze, aus ganz kurzen Fasern zubereitet (nicht gewoben), unterliegen den (bedeutend hohem) Spezialansätzen für Filz, gemäß Position Nr. 579 des französischen Zolltarifs. Die Beschwerde eines schweizerischen Filztuchf'abrikauten wurde hiedurch ebenfalls in günstigem Sinne erledigt.

3. H a n d - o d e r P f e r d e g ö p e l für den Betrieb landwirtschaftlicher Maschinen genießen den gleichen Zoll wie diese letztern.

Nur die Dampfmotoren, welche keiaen integrirenden Beslandtheil der betreffenden Apparate bilden, sind den bezüglichen SpezialZöllen unterworfen. Durch diese Auslegung wurde die Reklamation einer schaffhausischen Maschinenfabrik als berechtigt erkannt.

4. Bei be dr u ck ten B au m w o l l g e w eb en auf g e f ä r b t e m Grund ist die Grundfarbe bei Berechnung des Zolles als e i n e Farbe zu zählen; dies gilt namentlich auch für die Grundfarbe ,,chamois".

0 Die durch e i n m a l i g e n Walzen- oder Plattendruck erhaltene Farbenwirkung ist als eine einzige Farbe zu zählen.

Die weiße Grundfarbe ist nicht als Farbe zu zählen.

Diese Entscheidungen entsprechen nicht in allen Theilen den darauf bezüglichen Reklamationen verschiedener Glarner Firmen ; es wurde gewünscht, daß die Grundfarbe chamois, die meistens nicht durch einen eigentlichen Färbprozeß, sondern bloß durch eine Art von Apprêt mit minimem Kostenaufwand erlangt wird, nicht als Farbe gezählt werde. Trotz unserer Bemühungen und derjenigen der schweizerischen Gesandtschaft in Paris vermochten wir indessen diese Auffassung nicht zur Geltung zu bringen. Der Handelsvertrag, resp. Vertragszolltarif mit Frankreich gewährte uns hiefür keine bestimmten Anhaltspunkte.

Im Verkehr mit Spanien begegneten wir Schwierigkeiten hinsichtlich einer Reklamation des schweizerischen Konsuls in Barcelona, Hrn. Johannes Hohl, welchem von der spanischen Zollbehörde im Frühjahr hinsichtlich verschiedener, vor Jahren erhaltenen Waarensendungen nachträglich die Differenz des Zollbetrages zwischen den beiden spanischen Zolltarifen (für Vertragsstaaten und Nichtvertragsstaaten) gefordert wurde, weil in den betreffenden Ursprungszeugnissen das Bruttogewicht in anderer Schrift ausgesetzt sei, als die übrigen Angaben. Es ist unsern wiederholten, durch den schweizerischen Generalkonsul in Madrid bewirkten Einwendungen noch keine Folge gegeben worden, trotzdem seither eine Verordnung erBundesblatt. 35. Jahrg. Bd. II.

14

210 lassen wurde, wonach künftig die Zollverwalter für fehlerhafte Ursprungszeugnisse, welche sie angenommen haben, verantwortlich sind.

Deutschland. Einer Reklamation der Regierung des Kantons Thurgau, betreffend Wiedereinführung einer vor' zwei Jahren aufgehobenen Vergünstigung, daß die in der Stadt Konstanz beschäftigten Arbeiter aus der schweizerischem Umgebung pro Tag.

und Kopf zwei Schoppen Landwein oder Obstmost zoll- und steuerfrei in das deutsche Zollgebiet einführen durften, hatte durch Vermittlung der schweizerischen Gesandtschaft in Berlin den gewünschten, Erfolg.

Die Oeffnung der Nestle'schen Kindermehlbüchsen bei der Einfuhr in Rußland, zum Zwecke der Nachsuchung nach verbotenen Schriften, welche auf ähnlichem Wege eingeführt worden sein sollen, wurde auf unsere Verwendung hin sistirt.

Für den Transit von Elephantenzähnen aus dem Gebiet des Königs von Schoa durch Aegypten mußten einige Schweizer, welche im Dienst genannten Königs standen und von demselben durch fragliche Zähne entschädigt worden waren, 8 % Durchfuhrzoll entrichten. Im türkisch-französischen Handelsvertrag ist nur eine Transitgebühr von l °/o vorgesehen. Da nur der diesem Vertrag beigefügte Zolltarif für die Ein- und Ausfuhr, nicht aber der Vertrag selbst für die Schweiz gültig ist, konnten wir der Beanspruchung fraglichen Vertragstransitzolles durch genannte Petenten keine Geltung verschaffen.

IY. Maß und Gewicht.

Im abgelaufenen Jahre kamen keine neuen Fragen von größerer Bedeutung zur Erledigung. Ein Entwurf zu einer Verordnung betreffend die Eichung von Meßapparaten für Petroleum und andere leichtflüchtige Flüssigkeiten wurde vorbereitet, und im Fernern die Direktion der Eichstätte beauftragt, eine etwas ausführlichere Instruktion für die Prüfung der verschiedenen Arten von Waagen vorzubereiten. Beide Arbeiten werden im laufenden Jahre ihren Abschluß finden.

In Folge einer Anfrage von Seite einer kantonalen Behörde hat unser Handelsdepartement entschieden , daß auch Stroh- und Korbflaschen (analog wie Fässer) auf eine beliebige Zahl von ganzen und halben Litern geeicht werden können, sofern der Inhalt 5 1. übersteigt. Mehrere Besehwerden gegen Verfügungen kantonaler Behörden, betreffend Gebrauch unrichtiger und ungesetzlicher

211

Maße etc., mußten alle als unbegründet abgewiesen werden. Dagegen waren wir auch in diesem Jahre wieder in der Lage, gegen einen Eichmeister, welcher ungesetzliche und fehlerhaft konstruirte Waagen fabrizirt und geeicht hatte, bei der betreffenden Regierung Klage zu erheben, welche den Fehlbaren bestrafte.

Die im Jahr 1878 wieder aufgenommenen Inspektionen wurden fortgesetzt, und die Kantone Luzern, Zug, Schwyz, beide Unterwaiden, Uri und Tessin besucht. Ueber die Resultate dieser Inspektionen geben ausführliche Berichte Aufschluß, auf welche wir hier verweisen. Wir entnehmen denselben nur, daß in einem der genannten Kantone die Organisation des Maß- und Gewichtswesens bedeutende Mängel zeigt, welchen durchaus abgeholfen werden muß. Ueber einen Eichmeister eines anderen Kantons lautete der Bericht besonders ungünstig, und wir haben die betreffende Regierung eingeladen, die Amtsführung desselben genauer zu überwachen.

In mehreren Kantonen ist der Handel mit Brennmaterialien (namentlich Brennholz) durchaus noch nicht gehörig geordnet und es kommen namentlich im Holzhandel vielfach die alten Maße in Anwendung. Wir ermangelten nicht, die betreffenden Behörden auch hierauf aufmerksam zu machen und dieselben einzuladen, für Abhülfe zu sorgen.

Indem wir an unsern vorjährigen Beschluß, wonach die Kosten allfälliger Eicbmeisterkurse vom Bund getragen werden, erinnern, bemerken wir, daß drei neu gewählte Eichmeister eine mehrtägige mündliche Instruktion auf der eidgenössischen Eichstätte, verbunden mit einigen praktischen Hebungen, erhielten. Ferner langten mehrere Probemäßbestellungen bei der Eichstätte ein, und eine Anzahl älterer Maße wurde neu justirt, ebenso die Miren, welche bisher zum Präzisionsnivellement der Schweiz dienten, noch einmal mit dem dazu dienenden Eisenstab verglichen.

Weitere Untersuchungen der Eichstätte bezweckten die Contrôle der. amtlichen Verrichtungen einzelner schweizerischer Eichmeister. Eine Anzahl Dezimalwaagen aus dem Ausland, deren Eichung von einer Eichstätte verweigert worden war, wurde auch von der eidgenössischen Eichstätte als nicht eichfähig bezeichnet. Bei wiederholten Nachmessungen von Fässern hatten sich erhebliche Differenzen ergeben zwischen der ursprünglichen Faktur und den Messungsresultaten eines Faßsinners und einer Eichstätte. Die Prüfung des angewendeten Sinnkessels ergab, daß die seiner Zeit durch einen schweizerischen Eichmeister ausgeführte Theilung vollständig richtig sei, daß aber wahrscheinlich der Sinner

212 jenen nicht vorschriftsgemäß gefüllt habe, wodurch bei jeder Füllung des G-efässes von 30 1. Inhalt Fehler bis zu 2 und 3 dl. möglich wurden. Es liefert dieser Fall einen neuen Beweis dafür, daß die Beamten eine möglichst sorgfältige Instruktion erhalten sollten.

Laut dem Bericht des Herrn Prof. Dr. Hirsch in Neuenburg, Mitglied des internationalen Komite für Maß und Gewicht, ist im verflossenen Jahr auch Rumänien der M e t e r k o n v e n t i o n vom 20. Mai 1875 beigetreten, so daß die Zahl der Vertragsstaaten auf 18 gestiegen ist. Die Herstellung der neuen Prototype durch das Haus Matthey in London hat begonnen ; das internationale Komite bezeichnete ein Mitglied zur Ueberwachung dieser Arbeiten, und es sind überhaupt alle Garantien gegeben, daß diese neuen Prototype den Bestimmungen der Meterkonvention gemäß geliefert werden. Das Komite hat ferner beschlossen, daß die fertigen Meter und Kilogramme sofort nach ihrer Ablieferung mit den internationalen Urmaßen verglichen werden sollen, damit Fabrikation und Verifikation Hand in Hand gehen. Die in unserm letzten Bericht erwähnte Vergleichung der neuen Prototype mit den alten Urmaßen der Archive ist beendigt, und es können also die spätem Arbeiten mit aller Sicherheit ausgeführt werden. Um das internationale Bureau in der Zwischenzeit und bis die Hauptarbeiten begonnen werden können, zu beschäftigen, wurde ferner beschlossen, daß auch Präzisionsmaße von wissenschaftlichen Anstalten, Gelehrten etc. zur Vergleichung angenommen werden, ebenso Hülfsinstrumente, wie Thermometer und Barometer, und hiefür ein besonderes Reglement ausgearbeitet. Der zweite Band der ,,Travaux et Mémoires" soll im nächsten Frühjahr erscheinen.

V. Ausstellungen.

Schweizerische Landesausstellung in Zürich.

Die Vorbereitungen für diese Ausstellung haben im Großen und ©anzen mit dem Programm Schritt gehalten.

Die im Bundesbeschluß vom 21. Dezember 1881 vorgesehene Bundessubventionsrate pro 1882 haben wir dem Centralkomite zur Hälfte im März, zur Hälfte im September ausbezahlt, nachdem wir uns davon überzeugt hatten, daß der Fortgang des Unternehmens ein entsprechend befriedigender war.

Ihren, am 30. Juni 1882 gefaßten Beschluß betreffend eventuelle Gewährung einer Nachsubvention von Fr. 100,000 glaubte das Centralkomite so interpretiren zu können, daß aus den Betriebseinnahmen in erster Linie das Betriebskapital sammt Zins zu o °/o

213 zurückzuzahlen sei und daß, nachdem dies geschehen, die Nachsubvention nach Maßgabe des sich ergebenden Standes der Betriebseinnahmen in Anspruch genommen werden könne.

Außerdem wünschte das Komite zu vernehmen, ob und zu welchen Bedingungen auch die für das Jahr 1883 in Aussicht genommene Subventionsrate von Fr. 215,000 und eventuell die Nachsubvention schon gegen Ende 1882, dem Fortschritt der Bauten entsprechend, aus der Bundeskasse erhältlich zu machen wäre, und ob es thunlich sei, daß es, in theilweiser Abänderung des generellen Ausstellungsprogramms, den Aktionären eine Betheiligung am allenfalls sich ergebenden Gewinn in der Höhe von einem Viertel in Aussicht stelle, so daß noch drei Viertel des Gewinns für den laut Programm vorgesehenen Zweck verbleiben würden.

Wir mußten dem Komite erwidern, daß seine Auslegung des Bundesbeschlusses vom 30. Juni, angesichts des klaren Wortlautes desselben, unzuläßig sei ; es müsse eine Mehreinnahme beim Betrieb und beim Diversen vielmehr in erster Linie für die Deckung allfälliger Mehrkosten für die Bauten verwendet werden. Dem Wunsche ferner, die Subventionsrate pro 1883 und die Nachstibvention schon im Laufe dieses Jahres zu erheben, könne laut Art. 2 des Bundesbeschlusses vom 21. Dezember 1881 nicht entsprochen werden.

Die Kate von Fr. 215,000 könne erst auf das Budget pro 1883, die Nachtragssubvention, gemäß Art. 3 des Bundesbeschlusses vom 30. Juni 1882, eventuell erst auf dasjenige pro 1884 genommen werden.

Gegen die angedeutete Aenderung betreffend Gewinnverteilung hatten wir nichts einzuwenden.

Das Centralkomite hat sieh dann die nöthigen Mittel in anderer Weise zu verschaffen gewußt.

Einer Anregung des Handelsdepartements, dem Ausstellungskatalog jeder Gruppe eine Einleitung, mit den zum vollen Verständniß der Gruppe nöthigen technischen, historischen und statistischen Aufschlüssen und Notizen, vorangehen zu lassen und zu diesem Zwecke die nöthigen Anordnungen zu treffen, ist das Centralkomite aus eigenem Antrieb zuvorgekommen.

Internationale Ausstellung in Melbourne.

Wir hatten die Ehre, Ihnen in unserm letzten Berichte einige vorläufige Mittheilungen über das Ergebniß dieser Ausstellung zu unterbreiten.

214 Der Vorort des schweizerischen Handels- und Industrievereins, welcher für dieselbe in Verbindung mit einer vom Handelsdepartement eingesetzten interkantonalen Kommission der Aussteller in verdienstvoller Weise die Funktionen des Generalkommissariats ausübte, hat uns im Mai über die Anwendung des für die Aussteller, bestimmten, Fr. 25,000 betragenden Tbeils der Bundessubvention von Fr. 40,000 Rechenschaft abgelegt. Die Rekapitulation derselben lautet wie1 folgt : Budget.

Auslage.

Fr.

Fr.

Entschädigung an Hrn. Icely . .

4000 4000. -- Kosten d e r Kommission . . . .

1000 1162. -- Entschädigung an den Vorort des schweizerischen Handels- und In1000. -- dustrievereins 1000 Druckkosten 500 24. 50 Gehalt des Hrn. Eugster 7000 7000. -- Gehalt seines Adjunkten 2500 Büreaumiethe und Büreaubedürfnisse . 1000 Katalog und Bericht 1000 11,790. 05 Dekoration 1000 Sicherheitsdienst 4000 Unvorhergesehenes . . . . . . . 2000 23. 45 Saldo -- 25,000

25,000. --

Die Auslagenrechnung nebst Personalentschädigung für den schweizerischen Abgeordneten zu der internationalen Jury für die Klasse: Uhren etc. belief sich auf Fr. 24,772, überstieg somit das Budget von Fr. 15,000 um Fr. 9772. Zum Zwecke der Deckung des hieraus sich ergebenden Gesammtdefizits von Fr. 11,407. 35 haben wir Ihnen mittelst Botschaft vom 9.' Juni einen Nachtragskredit verlangt, und es ist derselbe von Ihnen bewilligt worden.

Außer den von den einzelnen schweizerischen Ausstellern erlangten Medaillen und Diplomen sind uns von der Ausstellungskommission in Melbourne l Goldmedaille und Diplom, 3 silberne Medaillen mit Diplom und 12 bronzene Medaillen mit Diplom zum Zwecke der Vertheilung unter diejenigen Persönlichkeiten, welche sich um die schweizerische Ausstellung in Melbourne am meisten verdient gemacht haben, zur Verfügung gestellt worden. Wir haben diese Vertheilung nach gemeinsamen Vorschlägen des Vororts und der interkantonalen Kommission der Aussteller vorgenommen und das Verzeichnis dieser und sämmtlicher übrigen, auf schweizerische

215 Betheiligte entfallenen Auszeichnungen im Bundesblatt vei'öffentlicht {1882, III, Seite 253).

Die große Bedeutung, welche die Ausstellung ganz besonders für die schweizerische Uhrenindustrie hatte, welch letztere in Melbourne aus dem Wettbewerb mit ihren Konkurrenten so glänzend hervorgegangen ist, ließ es zweckmäßig erscheinen, die Betheiligung dieses schweizerischen Industriezweiges, nebst ihren Schwesterindustrien : der Bijouterie und Musikdosenfabrikation, zum Gegenstand eines besondern, mit aller .Sorgfalt ausgearbeiteten und die nöthigen authentischen Dokumente reproduzirenden Berichts zu machen, der nach Form und Inhalt namentlich auch geeignet wäre, durch die betheiligten schweizerischen Aussteller in großer Zahl an ihre Klienten im In- und Auslande geschickt zu werden. Die reichhaltigen Berichte der Herren Kommissäre Eugster in Melbourne und Preisrichter Alexis Favre in Genf, sowie des Vororts, boten den nöthigen Stoff hiefür, und die Herren Staatsrath Comtesse, Präsident der interkantonalen Kommission der Aussteller, und H. Etienne, Präsident der Société interkantonale des industries du Jura, hatten die dankenswerthe Gefälligkeit, mit ihrer Sachkenntniß die Verarbeitung dieses Berichtstoffes zu einem passenden Ganzen zu besorgen. Dieser werthvolle Bericht wurde gedruckt und an die betheiligten Kreise, namentlich auch an die Mitglieder der Bundesversammlung, versandt. -- Diese Ausstellungsangelegenheit ist damit zum Abschluß gelangt.

Internationale Kolonial- und Export-Ausstellung in Amsterdam.

Am 4. Februar hat der Niederländische Generalkonsul in Lausanne im Auftrag seiner Regierung die Einladung an uns gerichtet, sich an der am i. Mai 1883 zu eröffnenden und 5 Monate dauernden Ausstellung vertreten zu lassen.

Trotz der ermüdenden Häufigkeit internationaler Ausstellungen, sowie des Umstandes, daß gleichzeitig mit fraglicher Ausstellung in Amsterdam die schweizerische Landesausstellung in Zürich stattzufinden hatte, würden wir es als unsere Pflicht erachtet haben, den schweizerischen Theilnehmern an der Amsterdamer Ausstellung die nöthigen Erleichterungen durch offizielle Organisation und Vertretung der schweizerischen Ausstellungs-Sektion in Amsterdam zu gewähren, wenn sich eine entsprechende Zahl von Anmeldungen ergeben hätte. Unsere bezüglichen provisorischen Ermittelungen ließen jedoch auf eine äußerst sehwache Betheiligung von Seiten schweizerischer Industrieller schließen. Einige Anmeldende machten ihre definitive-Betheiligung ausdrücklich von der G-ewährung einer eidg.

216 Subvention und dem Zustandekommen einer offiziellen Organisation: und Vertretung abhängig. Angesichts der schwachen Betheiligung mußte von jedweder amtlichen Mitwirkung in fraglicher Hinsicht, Umgang genommen werden. Wir haben deßhalb die schweizerischen Industriellen, welche sich um Eintheilung näherer Auskunft über Einzelheilen betreffend die Ausstellung an uns wendeten, an den schweizerischen Konsul in Amsterdam, Herrn H. Hässig, gewiesen, von dessen Bereitwilligkeit, seinen Landsleuten bei diesem Anlasse mit Rath und That an Hand zu gehen, wir uns überzeugt halten durften.

Wir erhielten bei den Vorbereitungen für die Amsterdamer Ausstellung im Allgemeinen den Eindruck, daß unsere Industriellen, von der Unaufhörlichkeit der Ausstellungen sehr ermüdet sind und sich zur Theilnahme an neuen Ausstellungen nur entschließen können, wo sie befürchten müssen, daß gefährliche Konkurrenten von ihrer Abwesenheit ungebührlichen Vortheil zögen. In der That scheint uns zur Zeit das Gelingen der internationalen Ausstellungen sich in bedenklichem Grade durch Konkurrenzzwang zu erklären, und doch stehen neue große Ausstellungen in Boston, Berlin und Rom in Sicht.

Es ist außer Frage, daß in den bedeutenden Staatsopfern, welche in allen Ländern gebracht zu werden pflegen, um die nationale Industrie zur Betheiligung zu bewegen, mit ein Grund liegt, daß die Ausstellungen so häutig wiederkehren ; wir fragen uns ernstlich, ob diese Staatsopfer Angesichts dieser Häufigkeit der Ausstellungen, welche den eigentlichen Nutzen derselben aufhebt, gerechtfertigt seien und nicht viel mehr es an der Zeit wäre, die Ausstellungssubventionen mit weniger Freigebigkeit zu bewilligen.

Hinsichtlich der kunstgewerblichen Ausstellung, welche in Paris vomì. August bis 15. November 1882 stattgefunden hat, beschränkten wir uns auf die nöthigen Publikationen im Bundesblatt.

An der internationalen Maschinen - Ausstellung, welche am 15. Februar in Buenos-Ayres eröffnet wurde, nahmen ebenfalls schweizerische Aussteller Theil und bildeten eine besondere, schweizerische Sektion.

217

VI. Ausführung des Bundesgesetzes über die Arbeit in den Fabriken.

Wir dürfen nicht verschweigen, daß das Fabrikgesetz sich immer noch nicht in den industriellen Kreisen so eingelebt hat, wie man wünschen möchte. Es hält denselben sehr schwer, sich seinen eingreifenden Vorschriften anzupassen, um so mehr, als der Uebergang vom frühern, fast durchwegs freiheitlichen Regime zu der Gesetzgebung des Bundes, welche weiter geht, als diejenige irgend eines unserer Nachbarstaaten, ein ziemlich unvermittelter war.

Die 4 Jahre, während welcher das Fabrikgesetz in Kraft besteht, vermochten eine Ausgleichung nicht zu bewirken, und die bisherigen Erfahrungen lehren, daß es hiefür noch einer längern Periode bedarf. Die hauptsächlichste Schwierigkeit bildet der elfstündige Normalarbeitstag, welchem man sich nur mit Widerstreben unterzieht, und den man durch alle möglichen Mittel zu umgehen trachtet. Wir geben zu, daß die Versuchung hiezu, namentlich bei Industrien, welche sich einer starken Konkurrenz zu erwehren haben, groß ist, und müssen konstatiren, daß die kantonalen Aufsichtsbehörden von solchen Verhältnissen leicht beeinflußt werden, und es oft an der nöthigen Festigkeit fehlen lassen. Die in den Kantonen bei der Ausführung des Fabrikgesetzes herrschende Praxis ist überhaupt eine ungleiche, und es ist schwierig, diesem Mißverhältnisse zu begegnen, indem jene durch Art. 17 des Gesetzes den Regierungen der Kantone, resp. deren Organen vindizirt ist, und die Thätigkeit der letztern sich der Kontrole (Art. 18) leicht entzieht. Wir hoffen, daß in dieser Richtung die in Art. 17 vorgesehene B e r i c h t e r s t a t t u n g d e r K a n t o n s r e g i e r u n g e n über die Vollziehung des Fabrikgesetzes von günstiger Wirkung sein werde. Diese Berichterstattung ist bis jetzt unterblieben, indessen haben wir sie mit Kreisselireibeu vom 19. September sämmtlichen Ständen in Erinnerung gebracht und zugleich verlaugt, daß dieselbe sich über den Zeitraum vom Inkrafttreten des Gesetzes an bis Ende 1882 erstrecke. Wir gedenken einstweilen die Berichte der Kantonsregierungen und der Fabrikinspektoren -- von diesen wurden sie bisher alljährlich erstattet -- einander abwechseln zu lassen, so daß das eine Jahr die erstem, das andere die letztern jeweilen über eine zweijährige Periode rapportiren würden.

Im Laufe des Jahres
hatten wir verschiedene Male Gelegenheit, p r i n z i p i e l l e B e s c h l ü s s e zu fassen. Wir lassen eine kurze Darstellung derjenigen Fälle, welche von allgemeinem!

Interesse sein möchten, folgen.

218 In Stickereien, namentlich im kleinern, kommt es häufig vor, daß d i e S t i c k m a s c h i n e n a n E i n z e l s t i c k e r i n P a c h t gegeben werden, um sich so dem Pabrikgesetz zu entziehen, dessen Vorschriften die einzelnen Arbeiter nicht beobachten zu müssen glauben. Nach Einholung eines Gutachtens des Fabrikinspektorats und im Einverständniß mit den Regierungen der Kantone St. Gallen, Appenzell A.-Rh. und I.-Rh., Thurgau und Zürich haben wir diese Verhältnisse durch folgenden, vom 9. Mai datirten Beschluß geregelt: ,,In Stickereien, welche von mehreren Miethern betrieben werden, ist der jeweilige Eigenthümer des Etablissements für die Handhabung des Fabrikgesetzes verantwortlich ; doch steht es ihm frei, unter seinen Miethern einen verantwortlichen Stellvertreter zu bezeichnen, welchem im Falle eines durch Zuwiderhandlung gegen ·das Gesetz entstandenen Nachtheils das Rückgriffsrecht auf den Verschulder dieses Nachtheils zusteht. Wo nur e i n Miether ein Etablissement übernommen hat. tritt dieser in Bezug auf die Verantwortlichkeit an die Stelle des Eigentümers. Für Untermiether ist der Miether in gleicher Weise verantwortlich.11 (Bundesblatt 1882, II, 8210 Ueber d i e V e r w e n d u n g v o n K i n d e r n u n t e r 14 J a h r e n in den ostschweizerischen Stickereien sind uns bittere Klagen zugekommen. Die größten Uebelstände sind bei der Hausindustrie zu finden, aber auch in den dem Gesetze unterstellten Geschäften sind die Verhältnisse oft sehr traurige. Es ist konstatirt, daß sogar Kinder der 1. und 2. Primarschulklasse bis Mitternacht zum Fädeln angehalten, und die raffi nirtesten Mittel erfunden werden, um die Sache zu verheimlichen, wenn dies gegenüber den betreffenden Aufsichtsbehörden überhaupt nöthig ist. Wir haben durch unser Handelsdepartement den Regierungen derjenigen Kantone, in welchen die Stickerei betrieben wird, an's Herz gelegt, ihr Möglichstes dafür zu thun, daß das Verbot der Kinderarbeit in Fabriken, diese Perle des Fabrikgesetzes, allen Ernstes in die Wirklichkeit übertragen werde.

Aus unserer Thätigkeit betreffend die Vollziehung des Fabrikgesetzes , wie sie sich aus unserer Stellung als Kontroibehörde (Art. 18) ergibt, heben wir Folgendes hervor: Im verflosseneu Jahre gelangten 17 G e s u c h e u m E x e m p t i o n vom Fabrikgesetze an uns. Entsprochen wurde dem Gesuche je einer Sägerei, Gerberei, Mehlmühle, Cementwaarenfabrik, Hafnerei, Buchdruckerei, mechanischen Ofenfabrik, Tuchfabrik, Spiritus- und Liqueurfabrik und einer Hadernsortirerei ; abgewiesen wurden zwei mechanische Werkstätten, je eine Cementfabrik, Buch-

219 druckerei, Uhrenfabrik, Cigarrenfabrik und Kinderwagenfabrik.

Mehrmals wurde der Versuch gemacht, sich durch unrichtige Berechnung der Arbeiterzahl, willkürliche Zerlegung eines Geschäftes in kleinere, der Definition ,,Fabrik" nicht mehr entsprechende Theile, etc., dem Gesetze zu entziehen.

N a c h t a r b e i t resp. S o n n t a g s a r b e i t wurde innert den gesetzlichen, in unserm Berichte pro 1879 (Bundesblatt 1880, II, 116) angegebenenen Schranken bewilligt: zwei Cellulosefabriken, je einer Buchdruckerei, Papierfabrik, Cartonfabrik, Ziegelei, Glashütte, Alizarinfabrik und einer Telephonindustriegesellschaft. Das Gesuch einer Glashütte, die Nachtarbeit junger Leute unter 18 Jahren auf 11 Stunden ausdehnen zu dürfen, wurde abgewiesen (Art. 16, AI. 3).

Auf theilweise sogar von Gemeindebehörden unterstützte Petitionen einiger Etablissemente (Seidenspinnereien, Seidenweberei etc.)

um Bewilligung r e g e l m ä ß i g e r 1 2 - S t u n d e n a r b e i t , sowie auf diejenige einer Buchdruckerei um Gestattung der 11-stündigen Arbeit an V o r a b e n d e n von S o n n t a g e n konnte selbstverständlich nicht eingetreten werden (Art. 11). Es kamen Fälle zum Vorschein, wo die Uebersehreitung des gesetzlichen Normalarbeitstages Jahre lang die Regel bildete, wobei aber bemerkt werden muß, daß hieran theilweise das von einigen kantonalen Behörden zur Anwendung gebrachte System, Bewilligungen zur Verlängerung der Arbeitszeit ,, a u f u n b e s t i m m t e D a u e r " 1 zu ertheilen, Schuld ist. Wir trugen Sorge, daß der Wiederholung solcher mit dem Gesetze in Widerspruch stehender Vorgänge möglichst vorgebeugt würde.

S t a t i s t i s c h e s ^ Es wurde in Erfahrung gebracht, daß die Kontrole, welche vom Handelsdepartement über den B e s t a n d der F a b r i k e n geführt wird, mit den Verzeichnissen der Kantone oft nicht übereinstimmte, indem einzelne der letztern die stattgefundenen Mutationen anzuzeigen oder auf ihren eigenen Listen einzutragen unterließen. Da überdies seit der Anlegung der Kontrole in Bezug auf Zahl, Alter der Arbeiter etc., manche Aenderungen eingetreten sein mußten, ließen wir durch die Fabrikinspektoren eine alle Fabriken der Schweiz umfassende neue statistische Aufnahme machen und die eidgenössischen und kantonalen Listen mit derselben in Uebereinstimmung bringen. Die Zahl der gegenwärtig (auf 1. Februar 1883) dem Fabrikgesetz unterstellten Etablissemente der Schweiz beträgt 2608, darunter circa 90 Buchdruckereien (siehe Kreisschreiben des Bundesrathes vom 6. Januar 1882, Bundesblatt 1882,. I, 11; Geschäftsbericht pro 1881, Bundesblatt 1882, II, 136). Eine ausführliche Statistik derselben wird bald vollendet sein.

220

Das bisher zur Eruirung der im Sinne von Art. l des Gesetzes als Fabriken zu betrachtenden Etablissemente verwendete F r a g e n s c h e m a , aufgestellt im Jahre 1877, wurde erheblich vereinfacht.

Betreffend die in unserm Berichte pro 1880 (Bundesblatt 1881, Band II, Seite 20) besprochene M o r b i d i t ä t s s t a t i s t i k der schweizerischen Fabrikarbeiter bemerken wir, daß an derselben stetsfort gearbeitet wird, ein Abschluß dagegen noch nicht so bald erwartet werden darf.

Die Anbahnung einer i n t e r n a t i o n a l e n F a b r i k g e s e t z g e b u n g ist während des abgelaufenen Jahres nicht weiter gediehen.

Haffpflicht aus Fabrikbetrieb.

Am 28. April hat der Nationalrath folgende M o t i o n des Hrn. K l e i n beschlossen : y,Der Bundesrath ist eingeladen, der Bundesversammlung Bericht und Anträge vorzulegen über die Ausdehnung des Haftpflichtgezetzes vom 25. Juni 1881 auf solche Gewerbe, welche dem Gesetze über die Arbeit in den Fabriken vom 23. März 1877 nicht unterstellt sinda.

Wir haben in dieser Angelegenheit vorab unser Justizdepartement beauftragt, zu prüfen, ob die allgemeinen Bestimmungen des Obligationenrechts für dem Fabrikgesetz unterstellte Gewerbe nicht genügend und daher neue Ausnahmen zu statuiren seien.

In zwei Btablissementen, einer Schalenmacherei und einer mechanischen Werkstätte, welche nicht auf dem Fabrik verzeichniß standen, kamen U n f ä l l e vor, welche Anlaß gaben, zu untersuchen, ob nicht jene Btablissemente in letzteres hätten eingetragen werden sollen, und somit das Haftpflichtgesetz auf die beiden Unfälle anzuwenden sei. Die Frage wurde von uns, nach Einholung eines Berichtes der betreffenden Kantonsregierungen, in beiden Fällen bejaht (Art. 14 des Haftpflichtgesetzes).

Wir erwähnen noch, daß wir über die Ausführung von Art. 5, litt, d des Fabrikgesetzes, lautend : # ,,Der Bundesrath wird überdieß diejenigen Industrien bezeichnen, die erwiesenermaßen und ausschließlich bestimmte gefährliche Krankheiten erzeugen, auf welche die Haftpflicht auszudehnen ista,

221

eine Untersuchung angeordnet haben, schlossen ist.

welche noch nicht

abge-

Fabrikation von Zündhölzchen.

Ihrem P o s t u l a t vom 20. J u n i 1881, die Verhütung der Fabrikation von Zündhölzchen betreffend, deren Gebrauch mit Gefahr verbunden ist, haben wir durch unsere Botschaft vom 6. Dezember 1881 (Bundesblatt 1881, IV, 620) Folge gegeben. Wir beantragten, es möchte der Bundesrath, in Ergänzung des Bundesgesetzes vom 23. Dezember 1879, welches in dieser Beziehung als unvollständig sich erwies, für die Dauer von zwei Jahren ermächtigt werden, auf dem Verordnungswege diejenigen Maßregeln zu ergreifen, welche er für Fabrikation, Verpackung, Verkauf und Transport der Zündhölzchen für nöthig erachten würde. Der Nationalrath beschloß jedoch am 31. Januar 1882, die Zündhölzchenfrage an den Bundesrath zurückzuweisen, mit dem Auftrage : 1) die signalisirten . neuen Erfindungen (Schwarzen bach) durch Experten prüfen zu lassen; 2) die Frage zu beantworten, ob Zündhölzchen, die sich an jeder rauhen Fläche entzünden, zuzulassen seien, wenn sie keinen gelben Phosphor enthalten ; 3) die Frage zu untersuchen, ob es nicht am Platze wäre, das Gesetz vom 23. Dezember 1879 über Fabrikation von Zündhölzchen aufzuheben oder doch nur insoweit beizubehalten, als es Bestimmungen zum Schütze der Gesundheit der Arbeiter enthält ; 4) auf die Junisession Bericht und Antrag darüber zu hinterbringen, und in der Zwischenzeit durch die gesetzlichen Mittel gegen den Schmuggel und die verbotene Fabrikation vorzugehen.

Ueber die Resultate unserer, auf Erledigung dieser vier Punkte gerichteten Untersuchung gibt unser Bericht vom 16. Mai 1882 Aufschluß, auf welchen wir hiemit, um Wiederholungen zu vermeiden, hinweisen (Bundesblatt 1882, II, 959}. Wir kamen in demselben zum Schlüsse, daß trotz der außerordentlichen Schwierigkeiten, welche der Ausführung des Gesetzes vom 23. Dezember 1879 entgegen standen, dasselbe im Prinzip aufrecht erhalten werden sollte, und empfahlen Ihnen neuerdings die Annahme unserer oben erwähnten Propositionen vom 6. Dezember 1881, als einziges Mittel, ,,wodurch der Administrativbehörde diejenige Freiheit gewährt wird, welche nothwendig ist, um einerseits den Wünschen

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des Publikums und der Sorge für die Gesundheit der Arbeiter, andererseits den Interessen einer von den Folgen des Gesetzes hart mitgenommenen Industrie möglichst Rechnung zu tragen". Es beliebte Ihnen indessen die Annahme eines Bundesgeset.zes, vom 22. Juni 1882, durch welches dasjenige vom 23. Dezember 1879, somit auch das Verbot des gelben Phosphors, aufgehoben wurde.

In der Folge liefen zahlreiche Eingaben ein, welche sich theils darüber beschwerten, daß von einzelnen Fabrikanten gleich nach Bekanntwerden Ihres Beschlusses mit der Verarbeitung des gelben Phosphors begonnen werde, theils auch solche, welche formell die Erlaubniß hiefür nachsuchten. Wir erließen daher am 4. Juli ein Kreisschreiben an die Kantonsregierungen (Bundesblatt 1882, III, 4303, mit der Einladung, in ihren Kantonen bekannt zu machen, daß bis nach Ablauf der R e f e r e n d u m s fr ist von 90 Tagen das Gesetz vom 23. Dezember 1879 in Kraft bleibe. Diesen Standpunkt festhaltend, und wegen mangelnder Kompetenz konnten wir auch einem Kollektivgesuche schweizerischer Zündholzfabrikanten und -Arbeiter, dahingehend, es möchte die Fabrikation und der Verkauf von Zündhölzchen mit gelbem Phosphor vor Ablauf der Referendumsfrist für das Gesetz vom 22. Juni 1882 wenigstens provisorisch gestattet werden, nicht entsprechen (Beschluß vom 8. August).

Nachdem die Einspruchsfrist für das Bundesgesetz vom 22. Juni unbenutzt abgelaufen, erklärten wir dasselbe in Vollziehung seines Art. 4 in Kraft und vom 10. Oktober an wirksam (Amtl. Samml. n. F. VI, 499).

Laut Art. 2 und 3 ist der Bundesrath ermächtigt, ,, vermittelst Reglementen alle diejenigen Maßregeln zu treffen, welche er für die Fabrikation der Zündhölzchen, für die Verpackung, den Transport und den Verkauf derselben für nöthig erachtettt, sowie ,,innerhalb den Schranken des Art. 19 des Gesetzes betreffend die Arbeit in den Fabriken, vom 23. März 1877, für die Uebertretung der Vorschriften der bezüglichen Réglemente Strafbestimmungen aufzustellen'1.

Das Handels- und Landwirthsehaftsdepartement hat hierauf den Entwurf zu einem R é g l e m e n t e b e t r e f f e n d F a b r i k a t i o n und V e r k a u f von Z ü n d h ö l z c h e n angefertigt und denselben einer Kommission zur Berathung vorgelegt. Diese Kommission bestand aus folgenden Mitgliedern: HH. Regierungsrath Dr. Stößel, Zürich; Regierungsrath Dr. Gobat, Bern; Professor Dr. Rössel, Winterthur ; Dr. Schären, Frutigen ; 0 Fabrikinspektor Dr. Schuler, Mollis; Fabrikinspektor Nüsperli, Aarau ; Dr. Kaufmann, Adjunkt des eidg. Handelsbüreau.

223 Nachdem der Entwurf das Stadium der Vorberathung durchlaufen, ertheilten wir demselben unsere Genehmigung (Amtliche Sammlung n. P. VI, 501). Das Reglement unterwirft die Zündholzindustrie den Bestimmungen des Bundesgesetzes betreffend die Haftpflicht aus Fabrikbetrieb, vom 25. Juni 1881 (siehe Art. 3 des letztern), prohibirt die als Hausindustrie betriebene Fabrikation von Zündhölzchen, und enthält die nothwendigsten Vorschriften über die Fabrikation, die Verpackung, den Verkauf und Transport der Zündhölzchen, sowie endlich Strafbestimmungen. Es trat mit dem 1. November in Kraft. Seine Vollziehung ist den Kantonsregievungen übertragen, worauf letztere von unserm Handels- und Landwirthschaftsdepartement in eiaem Kreisschreiben vom 24. Oktober speziell aufmerksam gemacht wurden.

Die seiner Zeit so vielfach besprochene Zündhölzchenfrage scheint nunmehr eine Zeit lang ruhen zu wollen, dagegen wollen wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß die bedauernswerthen Polgen des wiedereingeführten alten Regimes, nämlich N e k r o s e e r k r a n k u n g e n , neuerdings sich wieder bemerkbar machen. Wir werden, so viel an uns liegt, nichts versäumen, um diesem Uebel möglichst wirksam entgegenzutreten; einerseits dient diesem Zwecke das genannte Reglement, andrerseits haben wir, da vieles nicht erzwungen werden kann, sondern dem guten Willen des Einzelnen überlassen bleibet! muß, eine Sammlung von Rathschlägen zusammenstellen lassen, welche zur Belehrung der an der Zündholzindustrie Betheiligten dienen soll.

VII. Gewerbliches, literarisches und künstlerisches Eigeuthum.

  1. Fabrik- und Handelsmarken.

Im Laufe des Jahres 1882 wurden 201 schweizerische Marken (Nr.

100 französische ,, (Nr.

28 englische ,, (Nr.

16 deutsche ,, (Nr.

4 belgische ,, (Nr.

eingetragen : 656--856), 475--574), 142--169), 113--128), l -- 4).

Dieselben vertheilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Industriezweige :

224 , , , .

.

Industriezweig.

Schweizerische Marken.

Chemische und pharmaceutische Produkte Lacke, Firnisse, Oele .

.

.

.

Zündwaaren .

.

.

.

.

Seifen, Kerzen, Parfümerien .

.

.

Kaffeesurrogate, Kolonialwaaren Wein, Bier, Spirituosen .

.

.

Confiserie, Conserven, Milchprodukte .

Cernent, Thonwaaren .

.

.

.

Uhrmacherei, Musikdosen, Bijouterie .

Eisen- und Metallwaaren, Apparate .

Spinnerei u n d Zwirnerei .

.

.

Weberei, Manufakturwaaren, Zeugdruck Tricoterie, Mercerie, Bettwaaren, Hüte Posamenterie, Seilerwaaren , Strohge- flechte Tabak, Cigarren, Artikel für Raucher .

Papeterie, Buchdruckerei, Kunstdruck .

Leder- und Kautschukwaaren .

.

Verschiedenes .

.

.

.

.

12 3 3 6 9 14 8 l 70 9 3 2 8 .

l 41 4 3 4

Ausländische Marken.

31 3 -- 3 l ,29 15 l 10 22 16 3 5 3 l -- l 4

Total 201 148 Die Eintragungen von Marken werden seit Anfang 1883 nicht mehr im Bundesblatt, sondern im schweizerischen Handelsamtsblatt veröffentlicht.

Gemäß Urtheilsspruch des Bundesgerichts, des aargauischen Obergerichts und des Friedensrichteramtes der Stadt Bern wurden die Marken Nr. 379, 581 und 611 aus den Registern gelöscht.

Die Marken Nr. 461, 605, 643 und 649 sind von ihren Besitzern zurückgezogen worden.

Mit dem 16. Mai 1882 trat die neue, am 23. Februar mit F r a n k r e i c h abgeschlossene K o n v e n t i o n z u m gegenseitigen S c h u t z d e r F a b r i k - u n d H a n d e l s m a r k e n , d e r Handelsfirmen und der industriellen Zeichnungen und Mod e l l e in Kraft. Gemäß Art. l und 2 derselben haben die französischen Markenbesitzer, welche den schweizerischen Schutz erwerben wollen, die durch das Bundesgesetz vom 19. Dezember 1879 vorgeschriebenen Formalittäen zu erfüllen; hinsichtlich der Eigenschaften

225 der Marke gelten dagegen die Bestimmungen des französischen Gesetzes. Ueber die Auslegung dieser zwei Artikel machten sich abweichende Ansichten geltend, indem die Union des fabricants in Paris, als Organ für die Hinterlegung französischer Marken in der Schweiz, die Meinung vertrat, es seien alle französischen Markenbesitzer, welche in Frankreich Schutz genießen, zur Erwerbung des schweizerischen Schutzes berechtigt, während dagegen unser Markenamt den in Artikel 7 des Bundesgesetzes niedergelegten Grundsatz festhielt, wonach nur Industrielle und Handeltreibende mit fester Niederlassung schutzberechtigt sind. Da auf die ausführliche Begründung dieses Standpunktes hin keine Einwendungen mehr gegen die verlangte Einsendung eines amtlichen Zeugnisses über feste Niederlassung erhoben wurden, so seheint der Anstand gehoben.

Am 25. September 1882 wurde mit P o r t u g a l eine K o n v e n t i o n b e t r e f f e n d g e g e n s e i t i g e n S c h u t z cier F a b r i k - u n d H a n d e l s m a r k e n abgeschlossen. Dieselbe unterliegt noch der Genehmigung durch die portugiesischen Kammern.

Eingegangene Klagen über Nachahmung schweizerischer Marken in O e s t e r r e i c h veranlaßten uns, der Regierung dieses Staates unsere Bereitwilligkeit kundzugeben, in Unterhandlungen über eine Konvention betreffend Markenschutz einzutreten.

Diese Anregung ist noch nicht beantwortet worden.

Analoge Reklamationen wurden erhoben wegen Nachahmung schweizerischer Marken in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n N o r d a m e r i k a s . Angesichts des Umstandes, daß am 18. November 1879 der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten das damala bestehende Markenschntzgesetz als unkonstitutionell erklärt hatte, erschien es zweckmäßig, über die Schutzkraft des neuen, vom 3. März 1881 datirten amerikanischen Markenschutzgesetzes Erfahrungen zu sammeln, bevor Unterhandlungen über eine Konvention angeknüpft würden. .

2. Schutz der Erfindungen.

Unterm 28. April 1882 haben Sie einen Zusatz zum Artikel 64 der Bundesverfassung genehmigt, wonach dem Bunde das Gresetzgebungsrecht über den Schutz der Erfindungen verliehen werden sollte; bekanntlich ist er jedoch am 30. Juli 1882 vom Volke abgelehnt worden.

Zahlreiche a.us dem In- und Auslande eingelaufene Begehren um Eintheilung von Erflndungspatenten, wie auch Gesuche um provisorische Hinterlegung von Erfindungen, welche in der HoffBundesblatt. 35. Jahrg. Bd. II.

15

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nung auf ein bald zu erlassendes schweizerisches Patentgesetz gemacht werden wollten, mußten abgewiesen werden.

3. Internationale Uebereinkunft zum Schütze des gewerblichen Eigenthums.

Anschließend an den Geschäftsbericht des Jahres 1880 sei vorerst bemerkt, daß wir unterm 15. März 1881 dem Entwurf einer internationalen Vereinigung zum Schütze des gewerblichen Eigenthums, wie er von der internationalen Konferenz in Paris im November 1880 aufgestellt worden war , unsere Zustimmung erth eilten.

Die französische Regierung hat nun die Abhaltung einer neuen internationalen Konferenz für nöthig erachtet, und als Zweck derselben kundgegeben, es solle wo möglich der Konventionsentwurf vom Jahr 1880 dergestalt umgeändert werden , daß er mit den Gesetzgebungen anderer, der Vereinigung bisher ferngebliebener Staaten in bessere Uebereinstimmung trete und so deren Beitritt ermögliche. Der Zusammentritt der Konferenz ist von der französischen Regierung ursprünglich auf den 15. Januar, seither aber auf den 5. März 1883 angesetzt worden, und es ist die Schweiz an derselben durch Hrn. Minister Lardy in Paris und Hrn. Ingenieur Weibel in Genf vertreten.

4. Literarisches und künstlerisches Eigenthum.

Das B u n d e s g e s e t z b e t r e f f e n d das Urheberr e c h t a n Werkender Literaturr u n d K u n s t , welches wir Ihnen im Entwurf am 9. Dezember 1881 vorgelegt haben, ist vom Nationalrathinia theilweismodifizirteri- Fassung am 13. Dezember angenommen worden und bildet nun ein Traktandum des Ständerathes.

Am 23. Februar a. c. wurde zwischen der S c h w e i z und F r a n k r e i c h anläßlich der Erneuerung des Handelsvertrages eine neue U e b e r e i n k u n f t z u m g e g e n s e i t i g e n S c h ü t z e des l i t e r a r i s c h e n u n d k ü n s t l e r i s c h e n Eigent h u m s abgeschlossen, welche Sie am 2., die französischen Kammern am 11. Mai ratifizirt haben (Amtl. Samml. n. F. VI, 417).

Gemäß derjenigen vom 30. Juni 1864 mußten Werke, welche in Frankreich zum ersten Male veröffentlicht wurden, innerhalb drei Monaten einregistrirt werden; mit dem 15. Mai a. c. trat an Stelle dieser Uebereinkunft diejenige vom 23. Februar, laut welcher jene Einregistriru nicht mehr vorgeschrieben ist. Diejenigen literari-

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sehen und künstlerischen Werke indessen, welche noch unter der Herrschaft der frühem Uebereinkunft, also vor dem 16. Mai in Frankreich veröffentlicht wurden, ließen wir durch die schweizerische Gesandtschaft in Paris noch während der drei folgenden Monate, somit bis und mit den 15. August 1882 einregistriren, wenn die Erfüllung dieser Formalität verlangt wurde.

Außer mit Frankreich hat die Schweiz s. Z. noch mit folg e n d e n S t a a t e n K o n v e n t i o n e n zum gegenseitigen Schütze des literarischen und künstlerischen Eigen thums: mit Belgien, abgeschlossen am 25. April 1867; mit Italien, ,, am 22. Juli 1868; mit Deutschland, ,, am 23. Mai 1881.

Die Z a h l der E i n t r a g u n g e n betrug : bei der schweizerischen Gesandtschaft in Paris 657 (1. Januar bis 15. August); bei der schweizerischen Gesandtschaft in Rom 395; beim schweizerischen Konsulat in Brüssel keine.

Vili. Versicherungswesen.

Wie wir in unserm letztjährigen Geschäftsberichte bemerkt haben, ist von einer Kommission ein ,,Entwurf der einstweilen zur Vollziehung des Art. 34 der Bundesverfassung (Versicherungswesen) in Anwendung kommenden Vorschriften"' ausgearbeitet worden.

Derselbe sollte dem Plenum der Expertenkommission betreffend das Versicherungswesen zur Berathung vorgelegt werden, es gelang aber leider trotz mehrmaliger Versuche nicht, sie zu versammeln, indem stets einige Mitglieder an der Theilnahme verhindert waren.

Wir werden es uns angelegen sein lassen, zunächst eine durch den Austritt des Hrn. de Seigneux, Advokat in Genf, nöthig gewordene Ersatzwahl zu treffen, sodann die Zahl der Mitglieder überhaupt zu vermehren, um der Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse, wie der oben bemerkten, vorzubeugen.

IX. Förderung der Landwirthschaft im Allgemeinen und Beiträge an landwirtschaftliche Unternehmungen im Eesondern.

I. Hebung der schweizerischen Pferdezucht

  1. L i q u i d a t i o n d e s F o h l e n h o f e s . Unterm 28. Juni 1881 hat die Bundesversammlung beschlossen , es habe die Auf-

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hebung des eidgenössischen Fohlenhofes successive und mit thunlichster Beförderung zu erfolgen. Die Vollziehung dieses Beschlusses hat in den ersten Monaten des Berichtsjahres stattgefunden. Unterm 28. Juni 1881 befanden sich nämlich noch sechs Fohlen in Thun; davon wurden drei im Jahre 1881 abgegeben. Der Verkauf der drei übrigen erfolgte im März 1882 und erzielte einen Erlös von Fr. 3800. Der Heuvorrath wurde una den Preis von Fr. 1021. 42 an die Regieanstalt abgegeben. Die Gesammteinnahmen belaufen sich sonach auf Fr. 4821. 42. Der Unterhalt der Pferde und die Entschädigung des mit der Leitung der Anstalt betrauten Personals erforderten eine Ausgabe von Fr. 1090. 27. Nach erfolgter Liquidation seines Bestandes an Pferden wurde die Verwaltung der Liegenschaft des Fohlenhofes dem Finanzdepartement zugewiesen, welches Gelegenheit fand, dieselbe als Fohlenweide zu verpachten.

b. S t u t f o h l e n p r ä m i r u n g e n . Unter den Anregungen, welche für Verbesserung der schweizerischen Pferdezucht anläßlich der Berathung über die Verwendung des Pferdezuchtkredites pro 1881 gemacht worden sind, findet sich auch der Vorschlag, es sei dahin zu wirken, daß ausgezeichnete, zur Zucht geeignete Stutfohlen dem Lande erhalten bleiben. Dieses Ziel kann nach unserm Dafürhalten am besten dadurch erreicht werden, daß für die auszuwählenden Stutfohlen Prämien ausgesetzt werden, deren Zuwendung die Inhaber derselben verpflichtet, ihre Thiere während einer bestimmten Zeit der Zucht im Inlande zu erhalten.

Sie haben zu diesem Zwecke den bisherigen Kredit von Fr. 24,000 für Hebung der Pferdezucht um Fr. 16,000 erhöht und in Folge der Liquidation des eidgenössischen Fohlenhofes konnte eine weitere Summe für jene Prämien bestimmt werden. Ueber die Art und Weise, wie die Auswahl der zu prämirenden Stutfohlen stattfinden soll, uud die Bedingungen, die an die Prämienvertheilung geknüpft werden sollen, haben wir unterm 24. Februar 1882 ein Reglement aufgestellt (Bundesblatt 1882, I, 363), welches bestimmt, daß zur Prämirung von Stutfohlen, welche nachweisbar mit Bundessubvention importirte oder irn eidgenössischen Fohlenhof aufgezogene Hengste zu Vätern haben, und sich durch korrekte Körperformen, Stellungen und Gangarten auszeichnen, von dem eidgenössischen Pferdezuchtkredite eine Summe von Fr. 15,000--20,000 verwendet werden soll.

Die Höhe der Prämien wurde für Fohlen im Alter von l lk his 2 Jahren auf Fr. 50, für Fohlen im Alter von 2*/2 bis 3 Jahren auf Fr. 150 festgesetzt.

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n^SSDie Verpflichtung der Eigenthümer der l Va- bis 2-jährigen Stutfohlen besteht darin, ihre Thiere ein Jahr zu behalten ; die Eigenthümer der 2 Va bis 3jährigen Stuten sollen nur einen Drittel des Betrages der zuerkannten Prämie am Tage der Auswahl erhalten, die zwei andern Drittel aber erst auf den amtlich beglaubigten Ausweis hin, daß die betreffende Stute als Sjährig von einem mit Bundessubvention importirten oder im eidgenössischen Fohlenhof aufgezogenen Hengste bedeckt worden sei und innert 12 Monaten nach dem Tage der Beschälung ein lebendes Fohlen geboren habe.

Die Stutfohlenschauen wurden auf den Vorschlag der Kantonsregierungen festgesetzt; mit der Auswahl der zu prämirenden Thiere wurde je ein Experte beauftragt.

Schauen fanden statt in Kaltbrunn, Buchs, Altstätten, Ruswyl, Liestal, Sitten, Gampel, Martigny, Landquart, Lachen, Einsiedeln, Schwyz, Moudon, Yverdon, Lausanne, Aubonne, Tramelan, Delsberg, Kehrsatz, Zollbrücke, Zweisiramen, Thun, Herzogenbuchsee, Unterseen, Freiburg, Bulle, Münster und Zürich.

Gemäß obigen Vorschriften wurden im Jahr 1882 Stutfohlen prämirt : im Kanton l1/* bis S1/« 21/» bis 3 jährige.

jährige.

Bern ' 4 3 27 Luzern . . . .

l l Schwyz . . . .

5 l Frei bürg . . . .

12 l Solothurn . . . .

l -- Baselstadt . . .

l -- Basellandschaft .

3 2 S t . Gallen . . .

5 5 Graubünden . . .

3 4 Aargau . . . .

-- l Waadt . . . .

12 4 Wallis . . . .

!;6 .

l Neuenburg . . .

2 -- Total 94 47 Es wurden somit Fr. 7050 für Prämien ausbezahlt und gleichzeitig vom Bund die Verpflichtung übernommen, im Jahr 1883 Fr. 4700 an die Eigenthümer der prämirten 2 J /a jährigen Stutfohlen zur Auszahlung gelangen zu lassen.

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Wir geben uns der Hoffnung hin, daß diese Maßnahme dazu führen wird, das weibliehe Zuchtmaterial so zu verbessern, daß die schweizerische Pferdezucht einen wesentlichen Theil des Remontebedarfs nach Verlauf einiger Jahre wird decken können und überhaupt sich lukrativer gestaltet als bis anhin.

c. A n k ä u f e im A u s l a n d e . Gesuche, um Ankauf von Zuchtpferden im Auslande gingen im Ganzen für 12 Hengste ein. Der Ankauf fand wie im vorigen Jahrein Caen (Normandie) statt. Die Kaufpreise, die Transport- und Expertenspesen beliefen sich im Ganzen auf Fr. 36,761. 90. Der Durchschnittspreis per Pferd beträgt also Fr. 3063. 49, oder nach Abzug von 30% Bundessubvention Fr, 2144. 44 gegen Fr. 2434. 20 im Jahr 1881. Die Preise waren im Jahre 1882 deßhalb niedriger, weil die französische Verwaltung selbst eine geringere Anzahl von Ankäufen als gewöhnlich ausführen ließ. Die in die Schweiz gekommenen Thiere aber standen in keiner Hinsicht den früheren Importationen nach, weßhalb auch, eine Ausnahme abgerechnet, die Abgabe an die Kantone ohne Schwierigkeit erfolgen konnte. Die Transport- und Expertenkosten kamen zusammen auf Fr. 4471. 90 oder per Pferd auf Fr. 372. 65 gegen Fr. 381. 26 im Vorjahr zu stehen. Von diesen Hengsten kamen 5 in den Kanton Bern, l in den Kanton Waadt und je 2 in die Kantone Freiburg, St. Gallen und Aargau.

Nach diesem Ankauf, welcher im Oktober stattfand, wurden noch Subventionen an die Erwerbung von 3 weiteren Hengsten gewährt, von denen 2 in den Kanton Waadt kamen und von dem Uebernehmer selbst angekauft worden waren, und der dritte von einem Mitgliede der Expertenkommission für den Kanton Sotothurn in der Normandie geholt wurde. Die Summe dieser nachträglichen Subventionen beläuft sich auf Fr. 3045. 20.

d. A n d e r w e i t i g e U n t e r s t ü t z u n g der Pferdez u c h t . Wie in frühem Jahren, wurde auch im Berichtsjahr der Pferdezuchtgesellschaft der romanischen Schweiz eine Subvention verabfolgt, welche ausschließlich zur Verbesserung der Prämien für die an der Pferdeausstellung in Yverdon aufgeführten Mutterstuten und Fohlen verwendet wurde. Mit Rücksicht darauf, daß die genannte Gesellschaft in kräftiger und rationeller Weise für die Hebung der Pferdezucht thätig ist, daß Pferde aus der ganzen Schweiz an der Ausstellung prämirt werden konnten, und Sie in Ihrem Beschlüsse vom 28. Juni die Unterstützung von Pferdeaus-

231 Stellungen veranstaltenden Kantonen und Vereinen ausdrücklich unter den Arten der Verwendung des Pferdezuchtkredites aufgeführt haben, wurde die bisherige Unterstützung von Fr. 500 um Fr. 300 erhöht.

Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben.

  1. E i n n a h m e n .

Jahreskredit . x Erlös aus dem Verkauf von drei Hengstfohlen ,, ,, ,, Heuvorrath des Fohlenhofes.

.

.

Fr. 40,000. -- 3,800. -- fl ,, 1,021. 42 Fr. 44,821. 42

B. A u s g a b e n .

Fohlenhof: Unterhalt und Gratifikation .

.

.

. F r . 1,090. 27 Stutfohlenprämien .

.

. ,, 800. -- Kommissionssitzung,Expertisenetc. ,, 1,899. 45 Verschiedenes ,, 914. 50 ,, Nicht verwendet wurden sonach

25,928. --

Fr. 18,893. 42

2. Rindviehzucht.

Für Hebung der Rindviehzucht im Allgemeinen und Verbesserung der kleinen Rindviehschläge im Besondern haben Sie uns einen Kredit von Fr. 20,000 eröffnet. Unterm 23. Dezember 1881 haben Sie uns eingeladen , über die Verwendung dieses Kredites Bericht und Antrag einzubringen. Mit Bericht vom 5. Juni 1882 (Bundesblatt 1882, III, 921) beantragten wir Ihnen, es sei von der Verwendung des Kredites bis zu dem Zeitpunkte Umgang zu nehmen , wo die Untersuchungen über die Art und Weise, wie die Interessen der Landwirtschaft im Allgemeinen durch dea Bund gefördert werden können, abgeschlossen seien; eventuell sei die Subvention unter die Kantone nach Maßgabe ihres Viehbestandes zur Zeit der jüngsten Viehzählung und ihrer effektiven Auslägen für die Hebung der Viehzucht zu vertheilen , und es haben die Kantone die ihnen zufallende Quote auf Grundlage

232

ihrer in Kraft bestehenden Viehzuchtgesetze zu verwenden. Dieser Antrag war eine Kombination der Vorschläge , wie sie von der weitaus größten Zahl der Kantonsregierungen dem Departemente gemacht worden waren.

Noch ehe Sie in die Lage kamen , hierüber einen Entscheid zu fassen, wurde vom schweizerischen landwirtschaftlichen Verein das Gesuch anher gerichtet, es möchte der Kredit von Fr. 20,000 für Hebung der Rindviehzucht zu Gunsten einer in Aussicht genommenen permanenten Vieh- und Milchwirthschaftsausstellung, welche einen Theil der Landesausstellung in Zürich bilden solle, verwendet und eine Subvention von gleicher Höhe für dasselbe Unternehmen in das Budget pro 1883 eingesetzt werden.

Unterm 30. Juni beschlossen Sie sodann, in Genehmhaltung unseres definitiven Antrages, es seien von dem mehrgenannten Kredite im Berichtjahre Fr. 3000 zur Verbesserung der kleinen Rindviehschläge des Gebirges zu verwenden. Einen Entscheid über das Gesuch des schweizerischen landwirthsehaftlichen Vereins haben Sie sich vorbehalten. Da die Ausführung des Projektes einer permanenten Vieh- und Milchwirthschaftsausstellung zu Zürich auf Schwierigkeiten stieß, erklärte der landwirtschaftliche Verein, dasselbe aufgeben zu müssen, und Sie kamen deßhalb nicht in den Fall, über die Verwendung der übrigen Fr. 17,000 einen Entscheid zu treffen. So kam es, daß dem Bundesrathe nur die ursprünglichen Fr. 3000 zur Verbesserung der Gebirgsviehschläge zu verwenden blieben.

In Bezug auf die Bemerkungen, die gegen die bisherige Art und Weise der Unterstützung der G-ebirgsviehzucht laut geworden sind, glauben wir an dieser Stelle die Ansicht unserer Experten setzen zu sollen, daß es unmöglich sei, nach Verlauf von zwei bis drei Jahren über die Ersprießlichkeit der zur Umgestaltung und Verbesserung der Bergviehschläge getroffenen Maßnahmen ein Urtheil zu fällen.

Wir haben uns urn so weniger veranlaßt sehen können, von dem bis anhin verfolgten Modus abzugehen, als derselbe auch dazu dient, die Verhältnisse der Viehzucht im Hochgebirge zu untersuchen, und die Verbesserungsmittel nur allmälig eingeführt werden können. Allmälig nur können die Züchter der betreifenden, meist ärmlichen Gegenden dazu geführt und durch die ausgeworfenen Prämien ermuntert werden, selbst etwelche Opfer, sei es durch Anschatfung besserer Zuchtstiere, sei es durch Verbesserung der Weiden, zu bringen.

233 Ueber die Verwendung des Kredites sind wir Folgendes zu berichten im Falle: a. Oberhasleschlag. Im verflossenen Jahre wurde versucht, durch Ankauf von Znchtstieren die Verbesserung der Viehzucht im Oberhasle zu fördern, und es wurde von uns für diesen Zweck eine Bundessubvention von Fr. 600 in Aussicht gestellt. Aber die Bemühungen der Behörden, die Züchter zu jenem Ankauf zu bestimmen, blieben ohne Erfolg. So wurde denn die Bundessubvention im Jahre 1882 wieder, wie in den frühern Jahren, zu Zulagen zu den kantonalen Prämien verwendet, welche an der Herbstviehschau in Meiringen vertheilt wurden. Dieser Modus hat immerhin den Vortheil, daß eine größere Anzahl von Viehzüchtern ermuthigt werden kann. Es wurden an der Schau 47 männliche und 49 weibliehe Thiere aufgeführt; die kantonale Prämiensumme betrug Fr. 900, der Zuschuß des Bundes Fr. 400. Unser Experte fand, daß eine erhebliche Besserung nicht eingetreten, daß aber auch keine Ursache zu der Annahme vorhanden sei, daß es nicht ge lingen werde, durch Fortsetzung der Subvention bessere Leistungen zu erzielen. Er empfahl den Züchtern, die Kälber länger mit Milch zu ernähren , bessere Fütterung des Viehes überhaupt, Errichtung von Stallungen und Anlagen von Heuvorräthen auf den Alpen, und schließlich , das gute männliche Zuchtmaterial nicht außer Landes zu geben. Daneben fand er, daß die gedrückte Lage des Oberhasle einen Entzug der Subvention keinenfalls rechtfertige.

b. Graubünden. Wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche konnten im Jahr 1881 die Viehausstellungen in den sieben Bezirken, welche hätten an die Reihe kommen sollen, nicht abgehalten werden. Die Regierung von Graubünden beschloß deßhalb, im Jahr 1882 in 14 Bezirken Viehausstellungen zu organisiren, und "stellte bei uns das Gesuch, es möchte in Berücksichtigung des Umstandes, daß im Jahr 1881 eine ßundessubvention nicht habe beansprucht werden können, pro 1882 eine um so höhere ertheilt wer- .

den. Wir setzten dieselbe auf Fr. 1200 fest; da aber die Ausstellung in zwei Bezirken nicht zu Stande kam, wurden nur Fr. 1010. 21 davon verwendet.

Im Uebrigen beschränken wir uns darauf, auf die speziellen Berichte zu verweisen, welche von den Experten erstattet worden und im Organ des schweizerischen landwirtschaftlichen Vereins erschienen sind.

c. Der Regierung des Kantons Wallis war bis anhin alljährlich eine Subvention von Fr. 750 zum Zwecke der Verbesserung der Eringer Race unter der Bedingung gewährt worden , daß der

234 Staat Wallis eine Summe von gleicher Höhe dafür verwende. Da aber im Jahre 1882 eine Schau behufs Auswahl prämirungswiirdiger Thiere nicht angeordnet wurde und die Regierung von Wallis einen Kredit für gedachten Zweck erst für das Jahr 1883 wieder aussetzen zu sollen glaubte, waren auch wir nicht im Falle, der letztern eine Subvention zu gewähren.

Es blieben unverwendet Fr. 17,978. 94.

3. Landwirthschaftilche Vereine.

Für das Jahr 1882 haben Sie den landwirthschaftlichen Vereinen folgende Beiträge bewilligt: 1. Dem schweizerischen Obst- und Weinbauverein: a. Für Weinanalysen b. Für Förderung des schweizerischen Obst- und Weinbaues .

2. Dem alpenwirthschaftlichen Verein für Verbesserung und Versuche auf dem Gebiete der Alpund Milch wirthschaft 3. Dem schweizerischen landwirthschaftlichen Verein 4. Der Fédération des sociétés d'agriculture de la Suisse romande

für .Förderung der Wandervorträge und Verbreitung landwirtschaftlicher Fachschriften

Total

Fr.

600

,,

1,500

,,

6,000

,,

4,000

,,

2,000

Fr. 14,100

  1. Die Analyse realer Schweizerweine, ein vom schweizerischen Obst- und Weinbauverein im Jahre 1880 begonnenes Unternehmen,0 hätte im Berichtjahre abgeschlossen werden sollen. Es ging aber trotz Aufforderung an Vereine und Private, Muster einzusenden, nur wenig Material ein. An den meisten Orten fehlt es an Vorräthen wirklich rein gehaltener unverfälschter Weine der jüngsten Jahrgänge, indem die ,,Weinverbesserung" durch Zucker und Wasser vielfach Eingang gefunden, um die sauren und geringen Produkte mundgerechter zu machen. Ganz besonders aber waren an der gelingen Lust, sich bei dem Unternehmen zu hetheiligen, die schlechten Jahrgänge schuld. So kam es, daß nur wenige Weine im Jahre 1882 untersucht wurden. Nichtsdestoweniger hofft der Verein, es werde das Unternehmen im Jahr 1883 zu Ende geführt werden können, indem die Landesausstellung Gelegenheit bieten werde, allfällige Lücken auszufüllen. Die Resultate der ausgeführten

235 Analysen wurden jeweilea in der Monatschrift für Obst- und Weinbau publizirt, und ein allgemeiner Bericht soll über das ganze Unternehmen demnächst den Subvenienten erstattet werden. Es sind noch zu untersuchen die Weine der Kantone Aargau, Schaff hausen und ein Theil derjenigen der Kantone Zürich, Thurgau, St. Gallen und Graubünden. Aus obigen Gründen wurden denn auch von der Bundessubvention von Fr. 600 nur Fr. 110. 85 verausgabt. Ueber die Bedeutung der Analysen wird zur Zerstreuung allfälliger Irrthümer bemerkt, daß dieselben nicht den Zweck haben, über die Güte, die Qualität der Weine Aufschluß zu geben, sondern festzustellen suchen, welches die möglichen Maximunis- und Minimunisgrenzen der Bestandteile besserer oder ordinärer Naturweine sind.

Ein Urtheil vom Standpunkte des Geschmackes und Geruches fällt der Chemiker nicht. Untersucht werden die Weine auf das spezifische Gewicht, Säure, Alkohol, Extrakt, Asche, Essigsäure, Glycerin und Weinstein.

2. Den Obstbau sucht derselbe Verein hauptsächlich durch unentgeltliche Abgabe von Edelreisern, die Prämirung von Obstbaumpflanzungen, durch Wandervorträge, Mitwirkung bei kantonalen und lokalen Obstausstellungen zu heben. Edelreiser wurden im Berichtjahre 46,666 Stück abgegeben. Diese verschiedenen Maßnahmen, sowie die Herausgabe einer Monatsschrift für Obst- und Weinbau verursachten dem Verein eine Ausgabe von Fr. 5360.61; seine Einnahmen, inklusive Bundesbeiträge, beliefen sich auf Fr. 6881. 66. Leider ist es dem Verein noch nicht gelungen, die zweite Lieferung des Obstbilderwerkes erseheinen zu lassen. Die Originalbilder von 58 Aepfel-, 22 Birn-, 4 Pflaumen-, 4 Kirschen-, 5 Trauben-, l Aprikosen- und l Pfirsichsorte, deren Erstellung der Bund in n'amhafter Weise unterstützt hat, sind fertig, aber der Verleger will eine Vervielfältigung nur dann übernehmen, wenn 1500 Abonnenten vom Verein garantirt werden, und bis jetzt haben sich nur 120 angemeldet.

3. Der alpwirthschaftliche Verein hat auch im Berichtjahre eine rege Thätigkeit entfaltet. Durch Wandervorträge war er bestrebt, die für die Praxis verwendbaren Resultate der Erfahrung und Forschung auf dem Gebiete der Alp- und Milchwirthschaft zu verbreiten. Er hat deren in der Zeit vom 1. Juli 1881 bis 1. Juli 1882 39 in der deutschen und 18 in der romanischen Schweiz abhalten lassen. Daneben veranstaltete er noch drei öffentliche und zwei private Kurse. In denselben wurden behandelt: a. die verschiedenen Verwerthungsarten der Milch, die Milchprodukte und ihre Preisverhältnisse;

236 b. die Zusammensetzung und Veränderung der Milch, die Prüfung derselben; c. die Käsereigebäude und Gerätschaften ; d. die verschiedenen Arten der Fabrikation ; e. die Vorgänge bei der Käsefabrikation ; f. die Butterfabrikation ; g. die Buchhaltung etc.

Die Verbreitung alp- und milchwirthschaftlicher Schriften wurde auch im Berichtjahre fortgesetzt. Dieser Verein befaßt sieh auch mit der Inspektion der Alpen, und prämirt solche, die gut bewirthschaftet befunden werden. Für diesen Zweck verwendet er alljährlich aus der Bundessubvention Fr. 1000.

Was speziell die Milchversuchsstation in Lausanne anbetrifft, so ist bekannt, daß dieses Institut unter seiner vortrefflichen Leitung immer mehr bei der landwirthschaftlichen Bevölkerung Anklang findet. Sie ist in der That das geworden, was man bei der Gründung derselben im Auge hatte, eine populäre Lehr- und Auskunftsanstalt für die Milchwirthschaft. Sie befaßt sich vorzugsweise mit praktischen Versuchen, Erforschung der Konkurrenz- und Absatzverhältnisse der Milchprodukte, ertheilt Aufschlüsse und Rathschläge zu Händen der Käseproduzenten und gibt Anregungen nicht allein über die Behandlung der Milch und deren Produkte, sondern auch über Fragen, welche die Bewirtschaftung der Alpen betreffen.

An Einnahmen verzeichnet der jüngste Jahresbericht der Station Fr. 12,834. 64; an Ausgaben Fr. 10,080. 44.

4. Der schweizerische landwirtschaftliche Verein "hat im Berichtjahre eine Revision seiner Statuten vorgenommen. Veranlaßt hiezu sah er sich sowohl durch Zunahme der Zahl seiner Sektionen als durch die Vermehrung seiner Obliegenheiten. Die neuen Statuten sehen die Errjchtung eines ständigen Bureau vor, welches die Aufgabe hat, mit den kantonalen landwirthschaftlichen Vereinen und den Behörden in stetigem Verkehr zu sein, überhaupt die Geschäfte vorzubereiten, welche an den Direktionssitzungen und Abgeordnetenversammlungen zur Erledigung kommen sollen. Als hauptsächliche Angelegenheiten, mit denen der Verein im Jahr 1882 sich zu befassen hatte, werden aufgeführt : Fortführung des schweizerischen Heerdebuches, Einfuhr von Zuchtschweinen und Schafen, Abhaltung von Futterbaukursen und Versuchen, Abwicklung der Geschäfte betreffend die landwirtschaftliche Ausstellung in Luzern und Vorbereitung für die

237

landwirtschaftliche Ausstellung in Zürich, Enquete der landwirthschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz und Vorschläge betreffend die vom Bunde zu ergreifenden Maßnahmen. Daneben befaßte er sieh mit der Frage des landwirtschaftlichen Bildungswesens, der Organisation von Wandervorträgeu und Pachkursen, der Verbreitung populär gehaltener landwirtschaftlicher Schriften, und studirte das landwirtschaftliche Kreditwesen.

Wir lassen hier eine Zusammenstellung der Wandervorträge und Kurse nach Kantonen und Materien folgen, da speziell diese Unternehmungen des Vereins vom Bunde unterstützt werden.

  1. Wandervorträge.
  2. Landwirthschaftl. Verein Aargau . . 9, 4 1 1 2 2.

,, Baselland . 1 -- -- -- --5 3.

,, Appenzell .

-- --1 -- -- -- 4.

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10 1 8.

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9.

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,, ,, Zürich . . -- -- 1 -- 1 13 Obwalden

19. Schweiz, alpwirthschaftlicher Verein .

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15. Oekonomische Gesellschaft Oberaargau 16.

,, ,, Bern . .

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i^itterungskun Lanzenkrankhei Vermessung, Entwässerung

Bienenzucht.

Düngerlehre.

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Tabakbau.

Gemüsebau.

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B. Fachkurse.

  1. Landwirthschaftlicher Verein Aareau . .

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1

240

Die Zahl der vertheilten laüdwirthschaftlichen Fachschriften beläuft sich auf 482.

5. Auch der Verband der landwirthschaftlichen Vereine der romanischen Schweiz hat im verflossenen Jahre eine rege Thätigkeit entfaltet und wie bis anhin insbesondere der Abhaltung von Wandervorträgen und Kursen die meiste Sorgfalt zugewendet. Bei dem Abgang landwirthschaftlicher Schulen findet dieses Mittel, landwirtschaftliches Wissen zu verbreiten, weil es einfach, Jedermann leicht und ohne große Kosten zugänglich, immer mehr den Beifall der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Die mit der Organisation der Wandervorträge und Kurse betrauten Personen lassen es sich angelegen sein, daß die Themata nicht allein in einer der Fassungskraft und dem Wissen der Zuhörer angepaßten Weise behandelt werden, sondern auch, daß die Wahl der Gegenstände den Bedürfnissen der einzelnen Landestheile entspricht. Besonders interessante Vortrage werden gedruckt und erhalten auf diese Weise eine weitere Verbreitung. Nach unserm Dafürhalten sollte aber auch dafür gesorgt werden, daß in die Abhaltung der Kurse und Vorträge etwas mehr System gebracht würde, in dem Sinne, daß nach Verfluß einer Anzahl Jahre ein solcher Cyklus von Thematen behandelt worden, welcher sämmtliche landwirtschaftliche Branchen umfaßt.

Den größten Nutzen haben die landwirthschaftlichen Vereine ohne Zweifel dadurch, daß sie nach allen Seiten hin die mannigfaltigsten Anregungen geben und die erprobten und bewährten Resultate der wissenschaftlichen Forschung auf landwirtschaftlichem Gebiete, welche in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen hat, in Kreisen zu verbreiten suchen, welche bekanntlich als der Einführung neuer Verfahren nicht besonders günstig gelten. Bedauert wird von den Vereinen, daß sie von Seiten vieler Kantone nicht mehr Unterstützung finden. Wir führen hier beispielsweise an, daß in den Rechnungen des landwirthschaftlichen Vereins pro 1881 und 1882 kein Beitrag von Kantonsregierungen figurirt.

6. Einführung von Zuchtebern und Zuchtschafen. Auf das Gesuch des schweizerischen landwirthschaftlichen Vereins haben Sie zur Bestreitung der Kosten einer Einfuhr von Zuchtebern reiner englischen Race eine Bundessubvention von Fr. 2000 in das Budget pro 1882 aufgenommen. Da beabsichtigt wurde, mit dem Ankauf von Schweinen auch die Erwerbung von Zuchtschafen zu verbinden, wurden dem Verein aus dem Kredit für Hebung der Landwirthschaft im Allgemeinen Fr. 1000 zur Verfügung gestellt. Auf eine an die Kantonsregierungen gerichtete Anfrage gingen Bestellungen

,24l ein: für 4'o Eber, 71 Mutterschweine, 10 Schafböcke und 9 Mutterschafe. Betheiligt waren an den Ankäufen die Kantone Zürich (4), Bern (21), Luzern (3), Uri (5), Nidwaiden (2), Solothurn (25), Basellandschaft (7), Sehaffhausen (13), Appenzell A.-Rh. (3), St. Gallen (2), Aargau (23), Thurgau (17), Waadt (4), Wallis (4), Neuenburg (1), Genf (2 Thiere). Die mit dem Ankauf betrauten Experten verreisten im Juli nach London, wo sie anläßlich einer Kleinviehausstellung die bestellten Thiere einzukaufen gedachten. Da aber daselbst die Maul- und Klauenseuche herrschte, effektuirten sie den Ankauf in Hannover und Oldenburg.

Die Ankaufspreise für die Eber variirten je nach dem Alter derselben zwischeu Fr. 45 und 250, diejenigen für die Mutterschweine zwischen Fr. 35 und 110; die Schaf bocke kamen auf je Fr. 300, die Mutterschafe auf Fr. 150 das Stück zu stehen. Sämmtliche Thiere wurden in Aarau unter die Betheiligten versteigert; der Erlös betrug Fr. 6838 für die Eber und Fr. 7599 für die Mutterschweine; die Schafe wurden zum Schätzungswerte abgegeben. Das günstige Resultat ermöglichte es, bei der Zuschlagsumme für erstere eine Reduktion um SSVa^o und für letztere eine solche um 20% eintreten zu lassen. Bei der Schlußrechnung über das Unternehmen ergab sich dann noch ein fernerer Ueberschuß der Einnahmen von Fr. 1464. 74, welcher theilweise zu einer weitern Reduktion der Preise der Schweine Veranlassung gab, theilweise zur Errichtung von Stammregistern für Kleinvieh Verwendung findet.

7. Hebung des Futterbaues und Beschaffung eines Versuchsfeldes für die Samen-Kontrolstation. Auch dieser Kredit wurde vom schweizerischen landwirthschaftlichen Verein verlangt, aber nur in der Höhe von Fr. 2000. Sie haben beschlossen, denselben auf Fr. 10,000 zu erhöhen, und wir hielten es deßhalb für angemessen, an demselben auch den landwirthschaftlichen Verein der romanischen Schweiz participiren zu lassen, c Ueber die Verwendung dieses Kredites sowohl seitens der eidgenössischen Samen-Kontrolstation als der beiden landwirthschaftlichen Vereine wird ein besonderer Bericht abgefaßt und Ihnen zugestellt werden.

8. La nd w i r t hs e h a f t l i e h e A u s s t e l l u n g e n .

  1. Mit der landwirthschaftlichen Ausstellung, welche im Jahr 1881 in L u z e r n stattfand, hatten wir uns im Berichtsjahr noch insoweit zu befassen, als vom Centralkomite der Ausstellung und dem schweizerischen landwirtschaftlichen Verein ein Gesuch an uns gerichtet wurde, es möchte zur Deckung des Defizits der Ausßjndesblatt. 35. Jahrg. Bd. II.

16

242

Stellung im Betrage von 47,000 Franken aus Bundesmitteln eine Subvention gewährt werden. Nachdem das Centralkomite selbst sich angestrengt hatte, durch Einforderung des garantirteli Aktienkapitals das Defizit bis auf Fr. 15,000 zu decken, beantragten wir Ihnen mit Botschaft vom 9. Juni 18b2, dem,Gesuche zu entsprechen, und eröffneten Sie uns hiefür einen Kredit im Betrage von Fr. 15,000 (Amtl. Samml. n. F. VI, 259).

b. Das Centralkomite des landwirthschschaftlichen Vereins in Karlsruhe hatte die Mittheilung a.nher gelangen lassen, daß beabsichtigt werde, im September 1882 eine M o l k e r e i a . u s a t e l i u n g mit besonderer Berücksichtigung der Käserei für Deutschland und die benachbarten Gebirgsländer in C o n s t a n z abzuhalten. Damit wurde das Gesuch verbunden, der Bundesrath möchte das Unternehmen unterstützen, einen Vertreter für die Schweiz in die Ausstellungskommission ernennen und die Kantonsregierungen zur Gewährung eines entsprechenden Geldbeitrages zu den allgemeinen Kosten einladen.

Aus den von den Kantonen auf ein bezügliches Kreisschreiben eingelangten Antworten ging hervor, daß in sämmtlichen Kantonen wenig Lust zur Beschickung der projektirten Ausstellung vorhanden war. Insgemein war man der Ansicht, daß die praktischen Erfolge, welche durch solche Ausstellungen erreicht zu werden pflegen, bei einer allzuraschen Wiederkehr derselben den gehegten Erwartungen, den Anstrengungen und Opfern, die mit einer Beschickung verbunden sind, nicht entsprechen. In allen Kantonen wurde eine gewisse Ausstellungsmüdigkeit konstatirt, deren Folge, eine geringe Betheiligung, einen richtigen Schluß auf die Erzeugungsfähigkeit eines Landes an der Hand der Ausstellungsergebnisse nicht mehr zu ziehen gestattet. Die Kantonsregierungen konnten sieh daher, und namentlich auch, weil kurz vorher die landwirthschaftliche Ausstellung in Luzern stattgefunden und diejenige in Zürich bevorsteht, nicht dazu verstehen, an die Kosten des projektirten Unternehmens einen Beitrag zu gewähren. Auch ist darauf hingewiesen worden, daß die Schweiz kein Interesse dabeihaben könne, sich an einer Molkereiausstellung eines Landes zu betheiligen, das die Molkereiprodukte, Käse und Butter, mit einem Zolle von Fr. 25 per 100k. belaste, einem Zoll, der einem Einfuhrverbote gleichkomme.

c. Vom Senat der freien Stadt
Hamburg wurde die Mittheilung gemacht, daß im Juli 1883 in H a m b u r g eine i n t e r n a t i o n a l e l a n d w i r t h s c h a f t l i c h e T h i e r a usstell ung stattfinde, und das Ansuchen gestellt, es möchte der Bundesrath die Betheiligung der schweizerischen Viehzüchter an der Ausstellung zu fördern suchen.

Durch das Mittel der beiden landwirtschaftlichen Hauptvereine

243

wurde den Viehzüchtern von dem Vorhaben Kenntniß gegeben und die erstem ersucht, sich in den landwirtschaftlichen Kreisen zu informiren, ob Lust zur Beschickung derselben vorhanden sei. Da nach den eingelangten Berichten die Hamburger Ausstellung von den meisten Viehzucht treibenden Staaten Europas beschickt wird, dürfte es im Interesse der Schweiz liegen, derselben nicht fern zu bleiben.

Es wurden deßhalb alle Anstrengungen gemacht, um die schweizerischen Viehzüchter zu veranlassen, mit wenn auch nur wenig, aber sorgfältig ausgewählten Kollektionen die Ausstellung zu beschicken, und es hat die Regierung des Kantons Graubünden selbst einen Staatsbeitrag zugesichert. Ein Gleiches ist auch von uns geschehen. Der weitere Verlauf der Angelegenheit fällt nicht in das Berichtsjahr.

d. Auch die B e t h e i l i g u n g der L a n d w i r t h s c h a f t an der L a n d e s a u s s t e l l u n g in Z ü r i c h hat das Handels- und Landwirthschaftsdepartement im Berichtsjahr vielfach beschäftigt. Das Spezialprogramm für die Gruppe 26 der Ausstellung wurde von demselben in Gemäßheit des Regulativs über Abhaltung allgemein schweizerischer landwirtschaftlicher Ausstellungen vom 26. Juli 1870 (Bundesblatt 1877, II, 259) genehmigt.

Nach einer Vereinbarung zwischen dem Handels- und Landwirthsehaftsdepartement und den landwirtschaftlichen Hauptvereinen soll die Betheiligung der Landwirthschaft an der Landesausstellung in Zürich als die vierte allgemein schweizerische landwirthschaftliche Ausstellung betrachtet werden. In Folge dessen wurde ihr die Bundessubvention, welches jenes Regulativ vorsieht, in Aussicht gestellt. Näheres über die Angelegenheit enthält die Botschaft zum Budget pro 1883 (Bundesblatt 1882, IV, 198 u. ff.).

e. In Betreff der Ausstellung von Erzeugnissen der Landwirthschaft etc. in Bordeaux und f. der internationalen Molkereiausstellung in 8t. Lò beschränkten wir uns auf eine Publikation im Bundesblatt (Bundesblatt 1882, I, 288 und II, 109).

g. und h. Dem Gartenbauverein in Genf und demjenigen des Kantons Waadt wurde eine Subvention von je Fr. 250 als Beitrag au die Kosten einer Gartenbauausstellung gewährt. Wenn die Bundesbehörde sich in den letzten zwei Jahren herbeigelassen hat, neben den allé 4 Jahre stattfindenden allgemein schweizerischen landwirthsehaftlichen Ausstellungen auch Spezialausstellungen auf dem Gebiete des Gartenbaues durch Beiträge zu unterstützen, so geschah es mit Rücksicht auf die Maßnahmen, welche gegen die

244

Einschleppung der Reblaus getroffen werden mußten. Es schien uns wünschenswert!!, daß die schweizerischen Handelsgärtner sich bestreben, vom Auslande so unabhängig als möglich zu werden und sich allmälig in den Stand zu setzen, von auswärtigen Bezügen, die zum Theil für unsere Weinberge eine große Gefahr in sich bergen, Umgang zu nehmen. Immerhin wurde den beiden Vereinen bedeutet, die Ausstellungen in Zukunft weniger rasch hintereinander abzuhalten und in etwas größere räumliche Entfernung von einander zu verlegen.

i. Es ist eine feststehende Thatsache, daß der Getreidebau in der Schweiz mehr und mehr zurückgeht und dem Wiesenbau Platz macht.

Die Folge davon ist, daß ein großer Bedarf an Streue irn Inlande nicht mehr gedeckt werden kana und man zu Bezügen, namentlich auch von Torfstreu, aus dem Auslande sich genöthigt gesehen hat. Es ist deßhalb die Frage aufgeworfen worden, ob nicht dieses neue Streuemittel in der Schweiz beschafft werden könnte, und es wurde eine Besichtigung schweizerischer Torfmoore veranstaltet. An die Rosten derselben trugen wir 2/5 (Fr. 260) bei ; die übrigen wurden von der Regierung des Kantons Bern und von Privaten getragen. Es wurden besichtigt die Torfmoore bei Les Ponts, bei Grrissach am Zihlkanal und diejenigen von Witzwyl und Düdingen (Kanton Freiburg).

Der mit der Untersuchung betraute Generalsekretär der oldenburgischen Landwirthschaftsgesellschaft kommt zu dem Schlüsse, die Schweiz besitze genügend Faserstofflager, um ihre eigenen Bedürfnisse an Streumitteln für viele Jahre damit zu decken, nicht aber um Export zu treiben. Die Verwerthung der Ergebnisse der Untersuchung, über welche Sie bei den Akten einen einläßlichen Bericht finden, muß der Privatinitiative überlassen werden.

10. Landwirthschaftliche Enquête. Anläßlich der Berathung des eidgenössischen Budgets pro 1881 hat die Bundesversammlung folgendes Postulat angenommen : ,,Der Bundesrath wird eingeladen, einläßliche Nachforschungen und Untersuchungen über die Art und Weise, über die Größe der Beiträge und über die verschiedenen Institutionen anzuordnen, mittelst deren in den übrigen Staaten Europa's die Hebung der Landwirthschaft angestrebt und gefördert wird, und sodann Bericht und Anträge einzubringe" über die aus diesen Erhebungen für unsere Verhältnisse sich ergebenden Anforderungen.

Mit der
Abfassung des vorläufigen Berichtes über die Art und Weise, wie in unseren Nachbarstaaten die Hebung der Landwirthschaft von Staatswegen angestrebt und gefördert wird, wurde Herr

245 Dr. A. Krämer, Professor an der landvvirthschaftlichen Abtheilung des eidgenössischen Polytechnikums, beauftragt Mit Kreisschreiben vom 6. Juli ist Ihnen dieser Bericht mitgetheilt worden. Nachdem so dem ersten Theil Ihres Auftrages nachgekommen worden war, handelte es sich darum, ,,die Anforderungen' 1 festzustellen, welche sich aus den im Auslande gemachten Erhebungen für die Schweiz ergeben sollten. Wir fanden aber, daß es nicht genüge, die verschiedenen Institutionen, Mittel, Wege und staatlichen Leistungen zu kennen, durch welche in anderen Ländern man die Lundwirthschaft zu fördern sucht, um zu bemessen, welche Vorkehrungen bei uns zu treffen sind, um die Landwirthsohaft unseres Vaterlanrtes zu heben. Da der Bund keine eigenen Organe besitzt, um direkt auf dem Gebiete intervenire:! zu können, sondern nur entweder im Verein mit den Kantonen oder durch das Mittel der landwirthschaftlichen Vereine Maßnahmen zu Gunsten der Landwirthschaft treffen oder Institutionen schaffen kann, schien es vor Allem aus angezeigt, die gemachten Untersuchungen zu ergänzen und eine klare Anschauung über den Umfang zu gewinnen, in welchem die Behörden der Kantone und die landwirthschaftlichen Vereine sich bis anbin der Pflege der Landwirtschaft angenommen haben. Eine genaue Feststellung der Grenzen, innerhalb derer sich die diesfälligen Maßregeln der Kantone auf Grund der herrschenden Auffassung, Verfassung und Gesetzgebung bewegten, schien vor Allein geeignet, die Ermittlung derjenigen Forderungen zu erleichtern, welche in Zukunft an die Ein- und Mitwirkung des Bundes zu richten sind. Diese Erwägungen und die Vorsorge, daß die vom Bunde zu treffenden Maßnahmen nicht den von Kantonen bereits getroffenen entgegen laufen, sondern sie ergänzen, veranJaßte uns, die "Regierungen der Kantone einzuladen, uns eine gedrängte, aber vollständige Uebersicht zu übermitteln, aus welcher alle die Maßregeln und Einrichtungen entnommen werden könnten, welche zur Förderung der Landwirthsc-haf't bei ihnen getroffen worden, sich aber auch ergebe, welche Ausgaben auf Grund der letztjährigen Budgets vom Staate gemacht worden. Ueberdies wurden sowohl die Kantonsregierungen als auch die landwirtschaftlichen Vereine ersucht, uns ihre Ansichten über die Anregungen des Herrn Dr. Krämer zur Kenntniß zu bringen und sich auch darüber vernehmen zu lassen, was an denselben modiflzirt oder wie dieselben kompletirt werden könnten.

Wir räumen ein, daß durch das eingeschlagene Verfahren die Erledigung der hochwichtigen Angelegenheit etwas hinausgeschoben wird. Aber es darf picht außer Acht gelassen werden, daß es sich um die Aufstellung von Normen handelt, die für viele Jahre Geltung haben sollen, daß es sich um ein Gebiet handelt, auf dem

246

ein unsicheres Tasten, die Folge mangelhafter Vorstudien, und ein Anstellen von volkswirtschaftlichen Versuchen ausgeschlossen werden muß. Um nicht in den Fall zu kommen, Eingeführtes wieder aufgeben zu müssen, bezügliche gesetzgeberische Erlasse öfters zu revidiren, und damit die schließlich adoptirten Maßregeln sich einer gewissen, von den Fortschritten der Wissenschaft und der Erfahrung empfohlene Veränderungen allerdings nicht ausschließenden Stabilität erfreuen können, glaubten wir uns die nöthigen Aufschlüsse über die Bedürfnisse unseres Landes in einer der großen Bedeutung der Sache entsprechenden, möglichst umfassenden Weise verschaffen zu sollen, ehe wir mit bestimmten Anträgen an die Bundesversammlung gelangen. Den solchergestalt konsultirten Organen wurde zur Binreichung ihrer Berichte Frist bis zum \. März 1883 gegeben.

X. Viehseuchenpolizei.

  1. Allgemeines.

Der Stand der Viehseuchen während des Jahres 1882 kann im Vergleich zu dem des Vorjahres als ein ganz günstiger bezeichnet werden. Es waren nach den eingelangten Anzeigen im Jahr 1882 779 Ställe von Maul- und Klauenseuche und 2 Ställe von Lungenseuche heimgesucht worden, gegen 2338 resp. 21 Ställe im Jahr 1881.

Januar.

Kantone.

Februar.

Mai.

April.

März.

Juni.

HaulMaulManlMaulMaulMaulLungen- nnd Lungen. und Lungen- und Lungen- und Lungen- und Lungen- und senche. Klauen- Seuche- Klauen- Seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauenseuche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

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Ställe.

Ställe.

Ställe.

Ställe.

Stalle.

Ställe.

Ställe.

Ställe.

Ställe. Ställe.

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Ställe.

5 23

Total.

Ställe.

7

36

Uri Unterwaiden ob dem Wald Unterwaiden nid dem Wald --

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Basel-Stadt Basel-Landschaft . . . .

--

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--

St. Gallen Graubünden Aargau . . .

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. .

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. .

Wallis Neuenbnrg . . . .

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--

21 20

2 59 30 5 7

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1

--

8

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--

9

--

--

--

--

--

2

E

--

1

--

1 10

6

--

--

--

1

August.

Juli.

Kantone.

September.

Oktober.

November.

Dezember.

MaulMaulMaulMaulMaulMaulCiungen- and I/ungen- und Lungen- und jungen- und Lungen- und jungen- und seuche, Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. öauen- seuche. Klauenseuche.

seuche.

seuche.

seuche.

senche.

seuche.

Ställe.

Ställe.

Ställe.

. 2

Ställe.

14 1 3

Ställe.

Ställe.

18

Ställe.

Ställe.

24

Stalle.

7 4

Ställe.

11

Stalle.

13

Ställe.

6 8

Uri

Unterwaiden ob dem Wald Unterwaiden nid dem Wald

Solothurn Basel-Stadt Basel-Landschaft . . . .

Schaffhansen Appenzell A.-Rh Appenzell I.-Kh S t . Gallen . . . .


--

Aargau Waadt. .

Wallis Neuenburg Genf

--

Total x

--

--


--

--

186

--

4

--

1 89

34 56 4

--

--

--

--

--

--

--

--

46 2

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2 160 105 18 15 781

249

Von anderen Thierkrankheiten wurden dem Departement einberichtet: 72 Fälle von Milzbrand, 27 Fälle von Rotz, 35 Fälle von Hundswuth, 267 Fälle von Rauschbrand, 74 Fälle von Fleckfiebei- (Rothlauf) bei Schweinen, 2 Fälle von Räude und 3 Fälle von Beschälkrankheit: im Ganzen 1226 Fälle. Wiederum muß bemerkt werden, daß die Vermuthung nahe liegt, daß nicht alle Fälle von Hundswuth zur Anzeige gelangten; so wurde aus dem . Kanton Waadt, der sich doch zu einer kantonalen Hundesperre veranlaßt sah, kein einziger Fall von Hundswuth einberichtet. Auch in anderer Beziehung lassen manche kantonale Seuchenberiehte zu wünschen übrig ; es geben dieselben nämlich über die ätiologischen Verhältnisse dei- Seuchen nur ungenügend Auskunft. Diese Wahrnehmung hat uns zur Prüfung der Frage geführt, ob nicht durch Aufstellung eines von allen Kantonen gleichmäßig zu verwendenden Berichtformulars erreicht werden könnte, daß in Zukunft über den Ursprung jedes Seuchenfalles, die Zahl der erkrankten Thiere genauer einberichtet wird. Immerhin konnte so viel eruirt werden, daß die meisten Seuchenfälle aus dem Ausland, zumeist aus Italien, eingeschleppt waren. Und zwar handelte es sieh mit Ausnahme deiini Kanton Graubünden konstatirten Seuchenfälle, welche größtentheils durch Sömmerungsvieh eingeschleppt wurden, fast immer um Handelsvieh, Mastochsen, deren Transportziel die größeren Städte der Schweiz waren, von wo durch Berührung mit einheimischem Vieh die Seuche nuf das Land verschleppt wurde. Die Thiere kommen in der Regel gesund an der Grenze an, oder befinden sich da in den ersten Tagen der Inkubationszeit, -çvo es der minutiösesten Untersuchung nicht gelingt, die Infektion zu konstatiren, und einige Tage darauf sind sie von der Seuche befallen, nachdem sie dns Kontagium bereits an mehreren Orten zurückgelassen.

Des gänzlichen verschont blieben auch, wie io früheren Jahren, einige Gegenden der Innerschweix. Am meisten Seuchenfälle hatten die Kantone Graubünden, Waadt, Wallis, Zürich, Aavgau und Bern zu verzeichnen; Waadt war während des ganzen Jahres nicht seuchenfrei.

Den niedrigsten Stand wiesen die Monate Januar, März bis Mai und November und Dezember auf, während in den Monaten, in welchen das Vieh der Bergkantone auf den Alpen sich befindet, am meisten Fälle vorkamen. In der That sind denn aueh die Alpweiden von der Maul- und Klauenseuche in 101 Fällen heimgesucht worden.

Ueber den Stand der ansteckenden Thierkrankheiten des Auslandes, namentlich der an die Schweiz grenzenden Gebiete, wurde durch das allmonatlich im Bundesblatt erseheinende, den kantonalen Behörden und einer großen Anzahl Thierärzte mitgetheilte Bulletin

250

Entsprechend dem im Allgemeinen günstigen Stand der Seuchen in der Schweiz waren wir auch nur selten im Falle, Maßnahmen betreffend den internen Verkehr zu treffen.

B. Internationale Beziehungen.

\. Zur Verhütung einer Verschleppung der Rinderpest aus und über Oesterreich-Ungarn nach Bayern hat die. Regierung des letztem Staates zu Anfang des Berichtjahrs die Einfuhr von Rindvieh aus der Schweiz nur dann zu gestatten beschlossen, wenn durch ärztliches Zeugniß der mindestens dreißigtägige Aufenthalt der einzuführenden Thiere an einem seuchenfreien Orte der Schweiz nachgewiesen werden könne.

2. Im Juli kamen im Kanton Waadt mehrere Fälle von Hundswuth vor und es waren selbst mehrere Personen, sowie auch Viehwaare von tollen Hunden gebissen worden. Von den kantonalen Behörden waren zwar die nöthigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen und u. a. ist im eanzen Kanton der Hundebann verhängt worden.

Da die meisten tollen Hunde erwiesenermaßen von Frankreich hergekommen und jenseits der Grenze nicht die erforderlichen Maßnahmen schienen getroffen worden zu sein, wandten wir uns an die französische Regierung, damit dieselbe in den Departementen des Jura und des Doubs im Interesse der Sicherheit der Grenzbevölkerung das Nöthige anordne. Laut einem Berichte der Gesandtschaft in Paris wurden daraufhin den Präfekten der beiden Departemente strenge Weisungen im Sinne unseres Ansuchens ertheilt.

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3. Mit Note vom 27. Oktober frug die österreichisch-ungarische Gesandtschaft im Auftrage ihrer Regierung an , ob wir nicht geneigt seien, mit letzterer einen Vertrag behufs Abwehr ansteckender Thierseuchen abzuschließen. Wir erklärten uns bereit, über den Gegenstand in Unterhandlungen zu treten , und gewärtigen zur

251

Stunde noch die österreichischen Vorschläge betreffend Zeit und Ort der Verhandlungen. Im Berichtjahr ist die Angelegenheit nicht weiter gediehen.

4. Das wichtigste und a.m meisten in Anspruch nehmende Geschäft auf dem Gebiete der Viehseuchenpolizei wurde veranlaßt durch die Einfuhr von Vieh, insbesondere Sömrnerungsvieh, aus Italien auf die Alpen des Kantons Graubünden und durch die daherigen Anstände mit jenem Staate.

In unserm Geschäftsbericht pro 1881 haben wir Ihnen mitgetheilt, daß wir die schweizerische Gesandtschaft in Rom beauftragt haben, die italienische Regierung anzufragen, welche Maßnahmen sie geneigt sei, gegen eine Verschleppung der Maulund Klauenseuche durch auf schweizerische Alpen zu treibendes Sömmerungsvieh zu ergreifen, eventuell, ob sie zu einem Abkommen über Vorkehrung gemeinschaftlicher Maßregeln die Hand bieten würde.

Unterm 9. Mai 1882 wurde uns hierauf zur Kenntniß gebracht, daß die vorgeschlagene Errichtung von Quarantänestallungen für an Maul- und Klauenseuche erkranktes und zur temporären Einfuhr in die Schweiz bestimmtes Vieh von den italienischen Behörden nicht nur nicht für thunlich, sondern mit Bücksicht auf die wenigen Eingangspunkte und die starke Anhäufung des Sömmerungsviehes an denselben sogar für gefährlich erachtet werde. Dagegen erklärte sich die italienische Regierung bereit, den Aufzug von solchem Vieh auf die Alpen zu verbieten, das aus infizirten Ortschaften kommt, und diejenigen frovinzen, aus denen gewöhnlich auf die hierseitigen Alpweiden Vieh getrieben wird, einer speziellen Ueberwachung zu unterstellen und überhaupt diejenigen Maßnahmen zu ergreifen, die ihr zur Verhinderung einer Verschleppung der Seuche geeignet erscheinen. Wir konnten uns aber von diesen Versprechungen keineswegs befriedigt erklären, sondern wünschten, daß die italienische Regierung in bestimmter Weise auf unsere Anfrage antworte und angebe, worin die Maßregeln bestehen, die sie zu ergreifen Willens sei. Es genüge, erwiderten wir, nach unserm Dafürhalten nicht, daß vor dem Eintrieb durch eine amtliche Bescheinigung der Nachweis geleistet werde, daß das betreffende Vieh aus seuchenfreien Gegenden herkomme, sondern es müsse auch feststehen, daß dasselbe auch nur seuchenfreie Gegenden passirt habe.

Die weitern Verhandlungen über das Regime, welchem das italienische Sömmerungsvieh in Zukunft zu unterwerfen ist, wurden deshalb fortgesetzt, gelangten indessen im Berichtsjahre nicht zum Abschlüsse.

D. Anstände, Interpretationen und anderweitige auf die Viehseuchenpolizei bezügliche Geschäfte.

  1. Nachdem der um die Regelung der Viehseuchenpolizei i» der Schweiz hochverdiente eidgen. Viehseuchenkommissär Herr Oberst Zangger mit Tod abgegaogen, wählte der Bundesrath unterm 21. April provisorisch an.dessen Stelle den eidgen. Oberpferdearzt Hrn. Potterat. Bei diesem Anlasse wurden die Funktionen und Entschädigungen eines eidgen. Viehseuchenkommissars genau festgesetzt.
  2. Von einer Kantonsregierung wurde die Anregung gemacht, es sollte die in § l der Verordnung vom 3. Oktober 1873, betreffend Maßregeln zur Tilgung der Maul- und Klauenseuche, enthaltene Vorschrift in dem Sinne abgeändert werden, daß wenigstens für Milchschweine die amtlichen G-esundheiistcheine nicht mehr erforderlich wären.

Zur Begründung dieser Anregung wurde namentlich vorgebracht, daß die Vorschrift für die landwirtschaftliche Bevölkerung mit verschiedenen Inkonvenienaen und mit Kosten verbunden sei, daß die genannte Thierart meistens auf Viehmärkten $urn Verkauf gebracht werde und daß endlich die Maul- und Klauenseuche schon seit längerer Zeit in den meisten Kantonen als erloschen betrachtet werden könne.

Wir glaubten dieser Anregung^ keine Folge geben zu sollen und zwar aus folgenden Gründen : Die Maul- und Klauenseuche konnte seit 1873 nie als vollständig erloschen betrachtet werden.

Wenn das Viehseuchenbülletin auch hie und da einmal keinen Seuchenausbruch verzeichnet, so darf dennoch die bezügliche Verordnung nicht sofort außer Kraft gesetzt werden. Denn einerseitshaben nach dem Gesetze selbst die Maßregeln zur Seuchetilgung die Erhärtung des Verschwindens der Krankheit zu überdauern und anderseits kann das Verhältniß der Seuche im benachbarten Ausland oder auch begründeter Verdacht auf Verheimlichung der-' selben im Inlande die Behörde bestimmen, eine Gegend, resp. einen Zeitraum nicht als seuchenfrei anzuerkennen und Präkautions- wie Repressionsmaßregeln aufrecht zu erhalten.

Der Bemerkung, daß Ferkel fast ausschließlich auf Märkten zum Verkauf gebracht werden und daselbst eine Kontrole ohnedies stattfinden müsse, wurde entgegengehalten, daß die Erfahrung lehrt, daß Seuchen am häufigsten durch Marktvieh verschleppt werden und dass wissenschaftlich nicht anzunehmen ist, daß Milchschweine für die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche weniger gefährlich sind.

253

V,

Die durch die Beibehaltung der bezüglichen Vorschrift entstehenden Kosten sind überdies überall derart niedrig gehalten, daß sich im Hinblick auf den Zweck der Vorschrift die landwirtschaftliche Bevölkerung am allerwenigsten beklagen sollte.

3. Infolge der Wahrnehmung, daß sehr viele Einschleppungen der Maul- und Klauenseuche in den Kanton Bern durch aus Italien eingeführte Mastochseu stattgefunden, welche einige Tage nach der Ankunft, bei welcher sie seuchenfrei befunden worden, erkrankten, beabsichtigte die hernische Direktion des Innern, eine Verordnung zu erlassen, wonach särnmtliche aus dem Auslande eingeführte Schlachtochsen sofort in einen mit Bann zu belegenden Stall zu bringen wären. Aus diesem Stalle sollten die Thiere nur zum Zwecke der Ablieferung an die Schlachtbank entfernt werden; anderweitiges Vieh dürfte nicht in die Stallung gebracht werden.

Wir erklärten auf gestellte Anfrage, daß wir die vorgeschlagene Maßregel für ganz zweckmäßig halten und deren Einführung nur begrüßen können, sofern ein Unterschied gemacht werde zwischen solchem Vieh, das bereits verkauft ist, und solchem, das zwar ebenfalls für die Schlachtbank bestimmt, aber noch nicht verkauft ist. Letzteres darf nach unserm Erachten nur dann in einem mit Bann zu belegenden Stall untergebracht werden, wenn kein Gesundheitsschein oder ein unregelmäßiger dafür vorgewiesen wird, oder wenn das Vieh krank oder krankheitsverdächtig ist.

Würde diese Unterscheidung in dem zu erlassenden Réglemente nicht gemacht, so ist zu befürchten, daß die Besitzer von nicht verkauftem, aber gesundem und mit regelmäßigen Gesundheitsscheinen versehenem Vieh über unmotivirte Beeinträchtigung des Viehverkehrs Beschwerde führen. Da die Entfernung aus dem Stalle nur zum Zwecke der Ablieferung an die Schlachtbank gestattet wäre, würden sich manche Viehbesitzer gezwungen sehen, ihre Viehhabe unter dem wahren Werthe an die Metzger abzugeben , was offenbar einer Beeinträchtigung der Handelsfreiheit gleichkäme, die durch viehsanitätspolizeiliche Rücksichten nicht gerechtfertigt werden könnte.

5. Noch erwähnen wir, daß dem Kanton Neuenburg nach Maßgabe von Artikel 20 des Bundesgesetzes vom 8. Februar 1872 über polizeiliche Maßregeln gegen Viehseuchen (A. S. X , 1029) an die Kosten, welche ihm durch Maßregeln zur Tilgung der Lungenseuche in den Jahren 1880 und 1881 erwachsen sind, ein Bundesbeitrag von Fr. 4763. 90 bewilligt worden ist. Die Gesammtauslageu des Bundes für die Viehseuchenpolizei im Jahre 1882 belaufen sich auf Fr. 6635. 97.

254

XI. Allgemeine Maßnahmen gegen die Schäden, welche die landwirthschaftliche Produktion bedrohen (Phylloxéra).

Unterm 6. Dezember 1881 haben wir Ihnen unsere Botschaft zu der internationalen Phylloxeraübereinkunft vom 3. November 1881 (Bundesblatt 1881, IV, 921) vorgelegt, welch' letzterer Sie unterm 20./25. April 1882 die vorbehaltene Ratifikation ertheilt haben. Auf die Unterschiede zwischen dieser neuen Konvention und der irn Jahr 1878 abgeschlossenen haben wir in vorerwähnter Botschaft einläßlich aufmerksam gemacht. Die Frist für die Auswechslung der Ratifikationen ging mit dem 3. Mai zu Ende.

Schon am 29. April waren die Bevollmächtigten der Schweiz, des Deutschen Reichs und Oesterreich-Ungarns in der Lage, jene Auswechslung vorzunehmen, und es trat sonach für diese Staaten die Konvention laut Artikel 12 derselben den 14. Mai 1882 in Kraft. In Portugal erfolgte die Ratifikation erst am I.Juni, und es fand dieAuswechslung der Ratifikationsinstrumente dieses Staates mit denen der übrigen Vertragsstaaten am 8. Juni statt. (Siehe A. S. n. F., VI, 227.)

Da in Artikel l der Konvention vom Jahr 1881 die Vertragsstaaten von der Uebereinkunft vom 17. September 1878 zurückzutreten erklären, Serbien und Luxemburg aber, welche der letztern beigetreten waren , die erstere aber nicht mitunterzeichnet hatten, so ergab sich der eigenthümliche Umstand, daß diese beiden Staaten allein noch durch die Konvention vom Jahr 1878 gebunden warenIn der Annahme, daß die beiden Staaten ein solches Verhältniß nicht aufrecht erhalten zu lassen wünschten, frugen wir die Regierungen derselben an, ob sie es nicht für angemessen erachteten, der revidirten Konvention, welche unbestreitbar größere Garantien gegen die Einschleppung der Reblaus biete und gleichzeitig gewisse,, für den Handel mit Gartenbauprodukten lästige Bestimmungen unterdrückt habe, beizutreten.

Untertn 12. Juni erfolgte sodann der Beitritt Belgiens zur Konvention und unterm 18. August derjenige - Luxemburgs. Der Beitritt dieser zwar wenig weinbautreibenden Staaten war insbesondere deßhalb .zu begrüßen, weil dieselben bekanntlich einen ausgedehnten Handel mit Gartenbauprodukten betreiben und insbesondere aus Belgien eine bedeutende Einfuhr von Pflanzen in die Schweiz stattfindet. Serbien ist .bis anhin der Konvention fern geblieben. .

255 mit Rücksicht auf die Eröffnung der Gotthardbahn, als vvünschensvverth bezeichnet worden , und es hat der Ständerath bei Genehmigung der revidirten Phylloxerakonvention beschlossen, es sei der Bundesrath einzuladen, sich dafür zu verwenden, daß auch Italien nachträglich dem Vertrage beitrete. Obwohl dieser letztere Beschluß von Ihnen schließlich fallen gelassen worden, glauben wir dennoch auf das Verhältniß der Schweiz zu Italien in Bezug auf den Gegenstand Einiges bemerken zu sollen.

In erster Linie erachten wir es dermalen für unpassend, nachdem jener Staat zu verschiedenen Malen zum Beitritt eingeladen worden ist, nochmals diplomatische Schritte zur Erreichung dieses Beitritts zu thun. Waltet aber die Absicht, es sollte Italien durch Maßnahmen zum Beitritt veranlaßt werden, die auf eine Restriktion der Einfuhr von Weinbauprodukten, Gemüsen, Zierpflanzen, Bäumen und Gesträuchen abzielen, so müssen wir daran erinnern, daß solche Maßnahmen bereits getroffen sind, daß wir uns bei Aufstellung derselben einzig von der Rücksicht auf die Gefahr der Einschleppung der Reblaus und den Umstand leiten lassen mußten, daß die Untersuchung der italienischen Weinberge auf das Vorhandensein der Reblaus vermuthlich nicht so weit gediehen ist, daß von irgend einem Theile mit Sicherheit behauptet werden kann, daß die Reblaus in demselben nicht vorkommt.

In zweiter Linie müssen wir darauf aufmerksam machen, daß durch zu weit gehende Restriktionen auch hierseitige Interessen geschädigt würden. Schon die bestehenden Vorschriften , zufolge welchen Weinlesetrauben , Trester etc. aus den Staaten nicht eingeführt werden dürfen, welche der internationalen Konvention nicht beigetreten sind, haben im verflossenen Herbst zahlreiche Klagen hervorgerufen, welche indessen nur insoweit Berücksichtigung finden konnten, als sie auf den Import nach solchen Gegenden sich bezogen, die in der Nähe der italienischen Grenze gelegen sind.

In dritter Linie müssen wir wiederholen, daß die Maßregeln, welche in Italien gegen die Einschleppung und Verbreitung der Reblauskrankheit getroffen werden, das Fernbleiben dieses Staates vom Verbände nicht als eine Gefahr für die Schweiz erscheinen lassen. Es wäre vielmehr zu wünschen , daß Italien seine Vorschriften betreffend die Einfuhr von für gefährlich gehaltenen Gegenständen milderte und insbesondere den hierseitigen Besitzern von auf italienischem Gebiete liegenden Rebbergen gestattete, den Dünger auf dieselben einzuführen. Bereits in frühern Jahren in diesem Sinne gethane Schritte hatten leider keinen Erfolg, weil das Verbot der Düngereinfuhr in einem Gesetze aufgestellt ist, die italienische Regierung sonach sich nicht kompetent erachtet, die

256

Einfuhr zu gestatten. Dagegen anerkennen wir, daß die italienische Regierung stetsfort uns über die Ausdehnung der Reblau&krankheit in Italien des G-enauesten auf dem Laufenden hält.

Anläßlich der Ratifikation der internationalen Reblauskonvention haben Sie unterm 26. April 1882 folgendes Postulat angenommen.

,,Der dem Bundesrath am 21. Februar 1878 ertheilte Auftrag, den Gesetzesentwurf betreffend Maßnahmen gegen die Phylloxéra einer erneuerten Prüfung zu unterbreiten und Bericht zu erstatten (Postulat Nr. 151, Amtliche Sammlung n. P. III, 337), wird unter Hinweis auf die in Art. l der Konvention vom 3. November 1681 eingegangene Verpflichtung erneuert.1 Der Bundesrath hält nun dafür, es sei zur Stunde wenigstens keine Veranlassung vorhanden, ein Reblausgesetz zu erlassen, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Durch Ihren Beschluß vom 21. Februar 1878 haben Sie uns ermächtigt, eine angemessene Ueberwachung der Weinberge, sowie die erforderlichen Schutzmaßregeln gegen die weitere Verbreitung der Reblaus anzuordnen, die Einfuhr, Cirkulation und Ausfuhr von Pflanzen, Stoffen und Produkten, welche Träger der Reblaus sein können, zu verbieten und die Uebertretung dieses Verbotes mit entsprechenden Bußen zu belegen.

In Ausführung dieses Beschlusses sind die Kantone durch Vollziehungsreglement vom 18. April 1878 (Amtliche Sammlung u. F. III, 443), seither revidirt und ersetzt durch dasjenige vom 6. Februar 1880 (Amtliche Sammlung n. F. V, 10) beauftragt, die Ueberwachung ihrer Weinberge, Gärten, Baumschulen, Treibhäuser und Orangerien zu organisiren, sowie für die zur Auffindung dei' Reblaus erforderlichen Untersuchungen und Ermittlungen zu sorgen.

Sämmtliche Weinbau treibende Kantone der Schweiz haben nun in den letzten Jahren bezügliche Gesetze oder Réglemente erlassen, Lokalkommission und Experten aufgestellt, welche die nöthige Beaufsichtigung ausüben und genaueste Nachforschungen in der Zeit vom Juni bis September zu machen haben. In fünf Kautonen besteht sogar schon eine obligatoriiäche, vorn Staate geleitete Versicherung gegen Reblausschaden, so daß der Kampf gegen den Rebenfeind auf der ganzen Linie insoweit als wohlorganisirt betrachtet werden kann, als die Mittel zur Vertilgung desselben bekannt sind.

Was die Gegenstände anbetrifft, welche die Reblaus bringen oder verbreiten können, so ist je naoh dem Grade der Gefährlichkeit derselben ihre Einfuhr in die Schweiz oder ihre Ausfuhr aus

257

den inßzirten Gegenden Neuenburgs und Genfs verboten oder an sichernde Bedingungen geknüpft (vgl. das eit. Reglement, §§ 4--10 und unsero Beschluß vom 18. August 1880; Amtliche Sammlung n. F., Band V, 191).

Verfügungen betreffend die Strafen, welche bei Uebertretungen der angeordneten Maßregeln auszumessen sind, enthalten § 12 des Reglements sowohl als die kantonalen Erlasse.

2. In Bezug auf die Maßnahmen, welche bei Ausbruch der Phylloxéra zu ergreifen sind, haben wir bis anhin keine bindenden Bestimmungen aufgestellt, und es scheint uns auch keineswegs angezeigt, dies zu thun, indem es viel rationeller ist, die Tilgungsmaßregeln jeweilen den Erfahrungen anzupassen. Immerhin haben wir durch Kreisschreiben vom 17. September 1879 (Bundesblatt 1879, III, 387), 6. Februar 1830 Cßundesblatt 1880, I, 348) und vom 7. Juli 1881 (Bundesblatt 1882, II, 169 ff.) den Kautonsregierungen über die Anwendung von Insektengiften , die Ausdehnung der Sicherheitszonen uod die Zeit, während welcher ein wegen der Reblauskrankheit zerstörter Weinberg nicht mit Reben bepflanzt werden darf, einläßliche Weisungen zugehen lassen.

3. Die Frage schließlieh, welchen Beitrag der Bund den Kantonen leisten solle, welche sich veranlaßt gesehen haben, Maßnahmen gegen die Reblaus zu treffen, und unter welchen Bedingungen eidgenössische Entschädigungen beansprucht werden können, ist durch Ihre Beschlüsse vom 15. Juni 1877 und 21. Februar 1878 geregelt, für so lange wenigstens, als diese Entschädigungen die Summe von Fr. 50,000 nicht überschreiten.

Angesichts dieser verschiedenen Erlasse und der Konvention selbst erachten wir daher den Erlaß eines speziellen Gesetzes unter den obwaltenden Umständen zur Zeit für uunöthig.

Auch im Berichtsjahre ist von unserem Handels- und Landwirthschaftsdepartement ein spezieller Bericht über den Stand der Reblauskrankheit in der Schweiz ausgearbeitet und Ihnen, sowie <3en Kantonsregierungen und den Vertragsstaaten übermittelt worden.

Vielfach ist schon die Anregung gemacht worden, es sollte die Anpflanzung von widerstandsfähigen amerikanischen Reben oder die Pfropfung von amerikanischen auf einheimischen Reben eingeführt oder überhaupt für einen Ersatz für den Fall gesorgt werden, daß die Reblaus weiter utn sich greifen werde.

Wenn auch insbesondere nach den Erfahrungen, die im Jahre 1882 gemacht worden sind, nicht anzunehmen ist, daß wir in nahe liegender Zeit von der Reblausplage befreit, werden, so erachten wir dennoch, daß es bedenklich wäre, jener Anregung Folge zu Bundesblatt. 35. Jahrg.

Bd. II.

17

258 geben. In Italien ist der Versuch gemacht worden, die Kultur amerikanischer Reben durch Stecklinge aus Frankreich einzuführen; es wurden alle nur erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen;, die Stecklinge wurden in Montpellier, wo sie gekauft worden, und in Monte Cristo vor ihrer Anpflanzung desinfizirt; nichtsdestoweniger konstatirte man an denselben nach einiger Zeit 'die Reblaus.

Die Krankheit hat in der Schweiz noch nicht die Ausdehnung erlangt, daß schon an dieses letzte Aushilfsmittel gedacht zu werden braucht. Selbst in Frankreich ist die Anpflanzung amerikanischer Reben nur in denjenigen Departementen gestattet, deren Weinberge von der Reblaus des gänzlichen verheert sind. Die Anpflanzung amerikanischer Reben auf die eine oder andere Weise birgt eben die Gefahr in sich, daß, wenn, sie von der Phylloxéra heimgesucht werden, sie die Krankheit länger als die europäischen Reben im latenten Zustande haben können; eines der hauptsächlichsten, die Kosten der Maßnahmen bedeutend reduzirenden Ziele im Kampfegegen die Reblaus ist aber gerade die rasche Entdeckung derselben. So lange sonach der Theil des schweizerischen Rehgeländes, welcher vor der Invasion sicher zu stellen ist, noch bei weitem größer ist als derjenige, welcher dem Verderben geweiht ist, darf nach dem übereinstimmenden Gutachten der eidg. Phylloxerakommission von der Einführung amerikanischer Rebsortcn keine Rede sein. Daneben es noch keineswegs über alle Zweifel feststeht, ob es überhaupt Rebsorten gibt, welche der Reblaus absolut widerstehen.

Die Auslagen, welche dem Kanton Neuenburg durch Maßnahmen zur Tilgung der im Jahr 1881 konstatirteo Reblausherde erwachsen sind, beliefen sich auf Fr. 25,902. 15 und diejenigen des Kantons Genf auf Fr. 7411. 70. Behufs Leistung der Entschädigungen, welche von Seiten des Bundes diesen beiden Kantonen in Gemäßheit der Bundesbeschlüsse vom 15. Juni 1877 und 21. Februar 1878 zu Gute kamen, haben wir von Ihnen mit Botschaft vom 7. Dezember 1882 einen Nachtragskredit von Fr. 11,104. 62 verlangt, welchen Sie uns mit Schlußnahme vom 22. Dezember 1882 (Amtl. Samml.

n. F., Bd. VI, S. 633) bewilligt haben. Davon erhielt der Kanton Neuenburg Fr. 8634. 05, der Kanton Genf Fr. 2470. 57, welche Summen je einen Drittel derjenigen von diesen Kantonen gemachten Auslagen repräsentiren, welche sich nicht auf die allgemeine Ueberwachung der Weinberge und die Entschädigung der betroffenen Rebeneigenthümer beziehen. Die Gesammtauslagen des Bundes für Maßnahmen gegen die Reblaus während des Jahres 1882 belaufen sich auf Fr. 12,745. 74.

Auch im Berichtjahre sind in den beiden Kantonen neue Reblausherde und zwar in größerer Anzahl und theilweise auch in bedenklicherer Lage entdeckt worden, als in den vorausgegangenen.

259 I. Im K a n t o n N e u e n b u r g .

Im Bezirk Boudi-y wurde bis zum 15. August an 51 Punkten die Reblauskrankheit konstatirt; 766 Stöcke waren angegriffen, welche sich auf folgende Lokalitäten vertheilen : 1) 2) 3) 4)

zu zu zu zu

Trois-Rods 26 Punkte mit 137 Stöcken; Boudi-y 12 Punkte mit 337 Stöcken; Colombier 9 Punkte mit 83 Stöcken; Auvernier 4 Puakte mit 209 Stöcken.

Im Bezirk Neuenburg sind bis zum gleichen Datum 56 Flecken mit 768 erkrankten Stöcken entdeckt worden, welche sich folgendermaßen vertheilen : 1) zu Serrières 20 Punkte mit 92 Stöcken ; 2) zu Neuenburg auf 6 verschiedenen Herden, 16 Punkte mit 504 Stöcken; 3) in la Coudre auf einem früheren Herde, zu La Favarge und le Sordet, 4 Punkte mit 28 Stöcken; 4) in Haute-Rive auf einem alten Herde, genannt Monthaux und les Theyers zu Champréveyres, 13 Punkte mit 78 Stöcken, und 5) zu St-Blaise auf einem früheren Herde, genannt les Couquards, 4 Punkte mit 66 Stöcken.

Die Weinberge des Kantons Neuenburg, so kann aus diesen zahlreichen und sehr zerstreuten Herden geschlossen werden, scheinen von Anfang an weit mehr angegriffene Stellen enthalten zu haben, als man glaubte. Es muß angenommen werden, daß, als im Jahr 1877 zur Zerstörung der inflzirten Rebberge zu Colombier und Trois-Rods geschritten wurd.e, das geflügelte Insekt vom Winde getrieben schon an vielen anderen Stellen des neuenburgischen Kebgeländes sich niedergelassen hatte, während die verheerende Thätigkeit desselben erst später begann. Sehr viele Fälle rühren nach dem Dafürhalten der neuenburgischen Behörde auch davon her, daß Arbeiter, welche in den verschiedenen von der Reblauskrankheit in latentem Zustande bereits heimgesuchten Rebbergen beschäftigt waren, das Insekt an den Schuhen oder Werkzeugen weiter verschleppten. Bei zwei Herden zu Neuen bürg konnte der Ursprung auf amerikanische Reben zurückgeführt werden, welche früher in der Nähe derselben gestanden und im Jahr 1877 ausgerissen und verbrannt worden waren.

Trotz dieser fatalen Entdeckungen, deren Zahl und zerstreute Lage den Kampf gegen den Rebenfeind ungemein erschweren und kostspielig machen, ist der Kanton Neuenburg entschlossen, denselben mit allen Mitteln weiter zu führen.

260 II. I m K a D t o n G e n f .

In Grand-Saconnex wurden in einem Weinberg an zwei entgegengesetzten Seiten je 6 Punkte mit 1 -- 6 erkrankten Stöcken vorgefunden, weßhalb die Ausrottung des ganzen Weinbergs verfügt wurde. Nach den in den Jahren 1880 und 1881 auf demselben vorgenommenen Zerstörungen verblieben noch 5246 m 2 zu zerstören.

In der Nähe des vorgenannten Herdes liegt ein anderer, von dem ebenfalls ein Theil im Jahr 1880 zerstört worden war, und in der Nähe dieses Theiles wurde im Jahr 1882 l Punkt mit 9 Stöcken und in ziemlicher Entfernung davon l Punkt mit 4 Stöcken infizirt befunden. (Mit Einschluß der Sicherheitszone betrug die erstere Infektion 171,45 und die zweite 90 m 2 . In ziemlicher Entfernung von diesen Herden wurde ein neuer beträchtlicher entdeckt ; er enthielt 20 angegriffene Stöcke und machte die Zerstörung einer Parzelle von 120 m 2 nothwendig. Eine fernere, ebenfalls in der Nähe eines im Jahr 1881 zerstörten Herdes konstatirte Infektion von 2 Stöcken machte, mit Einschluß der Sicherheitszone, die Zerstörung von 60,80 m 2 nöthig. In Chambésy förderten die Nachforschungen zu Tage: a. einen Herd von 200 300 Stöcken und 2 infizirte Punkte von 2 3 Stöcken; die der Zerstörung geweihte Fläche beträgt 565 m 2 ; b. unterhalb Pregny einen Herd von ungefähr 200 Stöcken, einen zweiten von 20--30 Stöcken; die der Zerstörung geweihte Fläche beträgt 554,50 m 2 ; c. mehrere kleinere, welche zusammen mit der Sicherheitszone eine Fläche von 1793,15 m 2 repräsentiren.

Ebenfalls zu Chambésy in der Richtung nach Pregny zu wurden mehrere Herde konstatirt, welche mit der Sicherheitszone 2475,50 m 2 umfaßten und zerstört wurden. Zwei kleinere Herde, von denen der eine 60 --80 erkrankte Stöcke enthielt, umfaßten mit der Sicherheitszone 356,50 m2.

Zu Anfang des Monats September wurde dann die Reblaus noch in einer bis dahin gänzlich verschonten Gegend des Kantons aufgefunden, nämlich in der Nähe von Valavran, in einer in der Gemeinde Genthod liegenden Rebparzelle. Glücklicherweise ist dieselbe ganz isolirt, indem sie mitten in Wiesen liegt; dagegen ist diese Infektion deßhalb fatal, weil dieselbe nur wenige Kilometer von dem bis anhin verschonten waadtländischen Rebgelände entfernt ist. Die Parzelle enthält 580 m 2 .

261 - -^ In Bezug auf den Ursprung der verschiedenen Herde kann ungefähr das Gleiche bemerkt werden, wie in Bezug auf die im Kanton Neuenburg konstatirten Herde. Die Behandlung der infisdrten Stöcke erfolgte wie in früheren Jahren mit Schwefelkohlenstoff.

Zur Zeit, als die letzten Berichte über den Stand der Krankheit uns eingingen, waren die Winterarbeiten im Kanton Neuenburg noch nicht vollendet. Dem Kanton Genf erwuchsen im Jahr 1882 aus den Maßnahmen gegen die Reblaus folgende Auslagen : a. für Ueberwachung der Rebberge in den bis anhin von der Krankheit nicht heimgesuchten Gegenden . Fr. 1,381. 10 b. für Nachforschungen auf den alten Herden und in der Nähe derselben ,, 593. 25 c. für Entschädigungen an die Eigenthümer der zerstörten Reben .

.

.

.

.

. 6,593. 2 0 d. für Behandlung der infizirten Reben mit Gift.

und Ausreißen derselben ,, 21,533. 30 e . f ü r Verschiedenes . . . . . . .

622. 5 0 Total Fr. 30,723. 35 Im Mai des Jahres 1882 berichtete die Regierung des Kantons Graubünden, daß im Misoxerthale ein neuer Rebenfeind aufgetreten .sei, der für den Weinstock sehr verderblich zu werden und sich rasch zu vermehren scheine. Mit dieser Mittheilung wurde das Gesuch verbunden, es möchte die Bundesbehörde auf zweckmäßige Vorkehrungen gegen weitere Verbreitung und für die Vertilgung des Käfers, der in S. Vittore und Roveredo schon ziemlichen Schaden angerichtet habe, Bedacht nehmen.

Eine im Auftrage des Departements von Herrn Dr. G-. Schoch in Zürich angestellte Expertise konstatirte, dali es sich um eine Art Borkenkäfer handelte, der in Italien, in Oesterreich und Süddeutschland schon oft aufgetreten und von den Entomologen Sinoxylon muricatum genannt werde. Der Käfer bohrt siuh in l bis 2 cm. dicke Aeste immer an Knospen ein und rhinirt einen horizontalen Gang aus, so daß die Aeste leicht abbrechen und die Cirkulation der Säfte unterbrochen wird. Die öfter zerfressenen Reben sterben rasch ab.

Unser Experte hält es für wenig wahrscheinlich, daß der Käfer, welcher sich bis anhin nur auf der Südseite der Alpen gezeigt, sich auch auf der Nordseite einnisten werde. Seine eigentliche Wohnung sei jedoch nicht der Weinstock, sondern die Eiche.

262

Aus andern Ländern sind seine Schädigungen an Reben zeitweise berichtet worden, aber nach kurzer Zeit verstummten die Klagen wieder, ein Beweis, daß der Käfer wirksame Feinde hat, welche ihn jeweilen auf ein bescheidenes Maß reduziren.

Angesichts dieser Thatsachen sei für unsere Weinkultur wenig zu befürchten und den bis jetzt betroffenen Distrikten nur zu empfehlen, so rasch als möglich alle angegriffenen Stöcke abzuschneiden und sofort zu verbrennen, keine Reisigbündel von Rebschossen liegen zu lassen, da der Käfer besonders abgestorbenes Holz angreift, und eine etwas bessere Forstkultur in der Umgebung von Weinbergen zu betreiben.

XII. Forstwesen.

Die O r g a n i s a t i o n des F o r s t w e s e n s erlitt im Kanton Bern eine vollständige Umgestaltung, indem derselbe laut Dekret des Großen Rathes vom 9. März und Verordnung des Regierungsrathes von 1882 in 3 Forstinspektionen und 18 Forstkreise eingetheilt wurde. Wir fanden weder gegen diese Eintheilung mit Bezug auf denjenigen Theil des Kantons, der dem eidg. Forstgebiet angehört, noch gegen die getroffenen Wahlen etwas einzuwenden.

In den Kantonen Glarus, Graubünden, Tessin und Wallis sind noch nicht alle Forststellen, welche wir zur Durchführung des eidg.

Forstgesetzes für unumgänglich erachten, besetzt. Wir haben daher Glarus und Graubünden zur Wahl je eines weitern Försters mit wissenschaftlicher Bildung bis 1. Juni, resp. 1. April 1882 eingeladen und auf Gesuch der betreffenden Regierungen den Termin hiezu um ein Jahr verlängert.

Im Tessin wurde eine Stelle durch Rücktritt vakant und sind in Folge dessen jetzt 3 Kreisförsterstellen unbesetzt. Dagegen hat der Kanton 2 junge Forstleute als G-e.hüIfen (alunni) angestellt, deren Wahl zu Kreisförsteru stattfinden wird, sobald sie sich über die erforderlichen forstlichen Kenntnisse hinreichend ausgewiesen haben werden.

Im Wallis sind von den 6 Kreisförsterstellen nur 3 besetzt. Auf unsere Veranlassung hin hat der Staatsrath die Wahl für eine 4. Stelle getroffen. Da jedoch der betreffende Forstmann, der zwar das Diplom von der Forstschule in Zürich besitzt, sich über eine hinreichende forstlich-praktische Bildung auszuweisen nicht im Falle war, so haben wir die Genehmigung der Wahl an die Bedingung geknüpft, daß der Gewählte sich vor Antritt des Dienstes praktisch

263

für denselben befähige und zwar bei einer geeigneten Forstverwaltung außer dem Kanton, da in Wallis selbst gegenwärtig noch keine gehörig geordnete Verwaltung besteht.

Ein, in Folge dieses Beschlusses sich erhebender Kompetenzkonflikt zwischen uns und der Regierung von Wallis führte erst den 1. Februar 1883 zu einem endlichen Einverständniß.

Unsere Empfehlung einer angemessenen Erhöhung der gar zu niedrigen Besoldung der Forstbeamten genannten Kantons, deren wir in unserm letzten Bericht Erwähnung gethan, fand bis anhin noch keine Beachtung.

Ende des Berichtjahres waren in der Schweiz 146 wissenschaftlich gebildete Förster angestellt, wovon ungefähr 51 im eidgenössischen Forstgebiet. Letztere Zahl kann deßhalb nicht genau angegeben werden, weil die Grenzen des eidg. Forstgebietes gewöhnlich nicht mit den Grenzen der Forstkreise übereinstimmen.

Zur H e r a n b i l d u n g von U n t e r f o r s t e r n fanden im Berichtjahr 2 Kurse statt, der eine im Frühling in Ragaz als Fortsetzung des im Herbst 1881 in St. Gallen begonnenen, der andere in Bellinzona. An dem erstgenannten betheiligten sich 9 Zöglinge aus dem Kanton St. Gallen, 3

3 3 2

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Schwyz,

Obwalden, Graubünden, Wallis.

20

Die Leitung des Kurses war Hrn. Oberförster Wild in St. Galleu übertragen unter Assistenz des Hrn. Oberförster Schulder und Hrn.

Forstkandidat Enderlin.

Der Kurs in Bellinzena war von \ 5 tessinischen und 4 graubündnerischen Zöglingen, zusammen 19, besucht und von Hrn. Forstinspektor Zarro unter Mithülfe des Hrn. Kreisförsters Giovanoli geleitet.

Der interkantonale Kurs in St. Gallen hatte ein sehr befriedigendes Resultat, ein geringeres derjenige in Tessin, wegen zu schwacher vorbereitender Bildung der Schüler.

In unserm Geschäftsbericht vom Jahr 1881 haben wir geglaubt, mit Bestimmtheit den Abschluß der A u s s c h e i d u n g d e r S c h u t z w a l d u n g e n gemäß Art. 4 und 5 des eidg. Forstgesetzes in Aus-

264 sieht stellen zu dürfen. Leider hat sich unsere Erwartung nicht ganz erfüllt, indem in Graubünden und Tessin die gegen die Ausscheidung erhobenen Reklamationen noch immer nicht ihre Erledigung gefunden.

Dagegen hat Tessin zum Schutze der Gotthardbahn auf seinem Gebiete besondere Maßnahmen ergriffen, die der Bahndirektion zur Kenntniß gebracht worden sind.

Mit Uri finden gegenwärtig diesfällig Verhandlungen statt unter Vermittlung des eidg. Post- und Eisenbahndepartements.

In Schwyz und Zug ist die Schutz Waldungsausscheidung vollendet, es konnte indeß die Prüfung derselben noch nicht vorgenommen werden. Mit Glarus bestehen noch einige unwesentliche Differenzen.

B e w i l l i g u n g e n zu U r b a r i s i r u n g e n in S c h u t z w a l d u n g e n (Art. 11, Absatz 5 des eidg. Forstgesetzes) wurden 10 an den Kanton Bern ertheilt, mit einer Gesammtfläch von 4,49 ha., unter der Bedingung eines vollen Ersatzes durch neue Waldanlagen.

Die von 3 Kantonen im Berichtjahr z u m B e z ü g e von B u n d e s b e i t r a g e n a n g e m e l d e t e n und g e n e h m i g t e n P r o j e k t e ü b e r A u f f o r s t u n g e n und zum Theil damit verbundenen Verbaue belaufen sich auf einen Gesammtkostenvoranschlag von Fr. 52,373. 40 und stellen sieh wie folgt zusammen : Kostenbetrag.

Fr.

  1. Bern, 5 Projekte (Balmweid-Byberg, Kntibelweiden, Gustigrat-Vorsaß, Hegenalp) .
  2. Nidwaiden, l Projekt (Rübegraben) 3) Appenzell A.-Rh., l Projekt (Unter-Rechstein) 7 Projekte

Beiträge aus der Bundeskasse. Hülfsmillion.

Fr.

Fr.

46,959. -- 25,606. 25

Zusammen.

Fr.

--

25,606. 25 2,073. 56

4,931. 40

2,073. 56

-

483. --

193. 20

--

193. 20

52,373. 40

27,873. 01

--

27,873. 01

A n 5 Kantone wurden für, i m Berichtjahr a u s g e f ü h r t e A u f f o r s t u n g e n u n d V e r b a u e Fr. 25,374. 60 Beiträge ausgerichtet, wovon Fr. 22,622. 55 aus der Bundeskasse und Fr. 2752. 05 aus der Hülfsmillion. Dieselben vertheilen sich wie folgt auf genannte Kantone: 265

Kostenbetrag.

Fr.

Beiträge aus der ßundeskasse. Hülfsmillion.

Fr.

Fr.

  1. Bern, 5 Projekte (Schwanden, Stock-Riese- und Schwendi-Lauenen,Wandfluhgvaben,Großwald,Wengi) 27,399. 45 11,507. 20 -- l Projekt tRumpfelwald), Aconto-Zahlung .

.

-- 1,500. -- -- 2) Schwyz, l Projekt (Trosenwald) .

.

.

. 6,259. 42 2,503. 77 -- l Projekt (Rütibach), Aconto-Zahlung .

. 1,604. 10 721. 84 -- 3) St. Gallen, 4 Projekte (Uznach, Sevelen, Stein, Ebnat) 3,527. 70 1,414. 78 93. 20 4) Graubünden, 2 Projekte (Dorfwald Sufers, ThusisRheinsandl 3,818. 97 1,725. 89 763. 79 l Projekt (S. Carlo, Morissen), Aconto-Zahlung 760. 02 418. 01 152. -- 5) Waliis, l Projekt (Brusthorn) 2,220. 88 666. 26 444. 18 l Projekt (Scion und Faces), Aconto-Zahlung . 9,693.40 2,164.80 1298.88 17 Projekte

55,283. 94

22,622. 55

2752. 05

t*

Zusammen.

Fr.

11,507. 20 1,500. -- 2,503. 77 721. 84 1.507. 78 2,489. 68 570. 01 1,110. 44 3,463.68 25,374. 60

Die diesfälligen Ausgaben blieben somit immer noch um Pr. 7378 unter dem diesfälligen Büdgetposten von Fr. 30,000.

Der Stand der S a a t - und P f l a n z s c h u l e n ist in verschiedenen Kantonen des eidg. Forstgebietes leider in Bezug auf Ausdehnung und Pflege noch immer nicht auf der gewünschten Höhe und geschieht in dieser Hinsicht namentlich im Kanton Wallis, dessen Pflanzgärten bei einer Flächenausdehnung der Waldungen von 63,360 ha. nur l ha. messen, noch viel .zu wenig.

Im ganzen Forstgebiet nehmen die Pflanzgärten laut folgender Zusammenstellung 82.85 ha. ein, somit 7.59 ha. weniger als 1881 , was von einer Verminderung der Pflanzgärtenflächen im Kanton Bern um 9.34 ha. herrührt. Hievon abgesehen hat sich das Maß derselben anderwärts seit Jetztem Jahr um 1.75 ha.

vermehrt.

g

Stand der Saat- und Pflanzschulen in den Kantonen des eidg. Forstgebietes im Jahr 1882.

Staatswaldungen.

Kantone.

Zürich Bern

°

Glarus , Zuff .

Freiburg Appenzell A.-Kh I.-Rh. .

St Gallen .

.

Privatwaldungen.

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109.00 109.00 49.10 248.00

8.00 35.00 7.00 50.00

110.96 165.00 75.00 1638.56

904.10 79.00 14.00 1286.30

1537.98 100.58

460.25 826.05

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Total

Stand des Jahres 1881 . .

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12.00 1.20

7.00 0.50

12.00 319.75 10.00 466.00 24.51

14.00 18.75 131.50 5.50

15.00

8.00

Auf Total.

1000 ha.

WaldVerfläclie Flächetaauswendeter fallen Pflanzsch. dehnung. Same.

Aren.

ha.

kg.

0.458 13.8 15.25 24.2 14.390 358.60 8.160 ?

50.7 0.815 .

7.8 20.00 8.058 283.00 47.0 1.618 84.50 13.1 1.190 17.2 64.00 1.673 65.00 13.5 60.00 164.7 4.210 4.446 139.00 48.8 6.407 99.00 136.2 0.944 12.00 96.0 6J.9 17.140 413.75 6.04'9 192.70 6.2 904.10 1.110 1.9 3.680 149.50 22.3 2.508 100.00 3.9 82.856 2960.40 22,0

Aren.

9.80 690.48 628.00 81.50 799.60 161.77 82.00 166.11 421.00 323.60 211.90 35.30 1000.00 580.44

20.00 282.50 84.50 47.00 64.50 60.00 117.00 45.25 5.00 232.25 187.20

188.00 175.84 5555.34

62.50 86.00 1480.40

1091.66

193.70

6306.79

2494.55

1200.06

275.50

90.448

3230.30

751.45

1014.15

108.40

81.80

7.952

269.90

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Zu den 1882 im eidg. Forstgebiet a u s g e f ü h r t e n K u l t u r e n wurden 5,918,090 Nadelholz- und 336,615 Laubholzpflänzlinge, zusammen 6,254,705 Stück und circa 620 kg. Samen verwendet, ungefähr gleich viel wie 1881. Im Verhältniß zum Waldareal haben die Kantone Zug, beide Appenzell und St. Gallen am meisten geleistet; weitaus am wenigsten der Kanton Wallis mit nur rund 93,000 Pflanzen oder 1.4 Pflanze auf die Hektar Waldfläche des Kantons.

T r i a n g u l a t i o n . Durch das eidg. topographische Bureau wurde die Triangulation der höhern Ordnungen (I, II und III) fortgesetzt , für welche, im Interesse der Forstvermessungen im eidgenössischen Forstgebiet, ein besonderer jährlicher Kredit von Fr. 15,000 bewilligt ist.

Für die Triangulation IV. Ordnung wurde eine Instruktion entworfen und den Kantonen zur Benutzung Übermacht.

Im Laufe des Jahres 1882 wurde von mehreren graubündnerischen Gemeinden im Rheingebiet bei Chur und von der Gemeinde Teufen in Appenzell A.-Rh. die Triangulation IV. Ordnung in Angriff genommen. An die Kosten der erteren fand die Ausrichtung einer Abschlagszahlung von Fr. 2790 statt.

Die durch das Gesetz vorgeschriebene V er m a r eh u n g der W a l d u n g e n wurde leider auch innert der, von uns bis Ende vorigen Jahres gestellten Frist in den meisten Kantonen des eidg.

Forstgebietes nicht beendet und sehen wir uns in Folge dessen genöthigt, dieselbe neuerdings zu erstrecken.

Es ist bei dem im Allgemeinen noch zu wenig zahlreichen und zu schwach besoldeten Forstpersonal und der laxen Behandlung dieser Angelegenheit seitens einiger Kantone kaum zu erwarten, daß irn Jahre 1883 die Vermarchung zum Abschluß gelange, obwohl wir nicht ermangeln werden, an die betreffenden Kantone neuerdings bezügliche Einladungen zu richten.

Auf Grund dieser und der Instruktion für die Triangulation IV. Ordnung werden wir diejenigen Kantone, in welchen die Waldvermessung noch nicht vollendet ist, einladen, diese Arbeit nun mit aller Energie an die Hand zu nehmen, oder fortzusetzen, wo dieselbe bereits im Gange ist, und hiezu angemessene Fristen anberaumen. Vermessen sind im eidg. Forstgebiet die Waldungen der Kantone Zürich, Freiburg und VVaadt und auch St. Gallen besitzt von den meisten "Waldungen wenn auch meist nur ältere Pläne.

Zur Nr. 28 des Bundesblattes.

Nachweisung der im Monat März 1883 auf den schweizerischen Eisenbahnen beförderten Zöge und deren Verspätungen.

Zusammengestellt vom schweizerischen Post- und Eisenbahndepartement.

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--

108,013 2,401,01 273,702 7,323,18 9,795

97,37

174,441 5,244,63 2,083

107,897 2,396,45 233,511 5,499,63

47

1,033

7,696

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12

2

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135,667 3,434,84

44

13,278

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40

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0.31

3,155

79,880 26.7

88 10,479

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9,795

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5

1,110

2,835

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-

341

10

16

39

708

60

1,953

1,498

570

4

273

246,135 6,526,861 217,56« 5,054,711

63

1,465

9,219

44

14

15

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186

--

62

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--

7

70

1,810

5

14

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1,054

17 186

14

15.9

0.19

13

1,283

13,102

93,088 1,869,352 3,596 1 321

79

1,583 14,801 ' --

33 614

14

130

3 833

7

21 94

4117

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97

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14

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5,230

248

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23951

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4,029 93,606

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5,230 54,304

0.17

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14 5

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Totale und Durchschnittszahlen

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264

4,273 7,385 3,546

18

865

,128,770 9,262,993 947,929

0,977,809

44

969

9,987

151

14

82

38

128

51

20

22

46

85

306

106

8

5

182

5

200

31

17

0.92

0.44

4,740 104,889

26

In Monat Man 1883

2,703

264

3,239 7,551

10

298

917,992 3,223,981 825,184 8,832,070

40

906

8,592

95

14

53

38

123

31

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40

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8,969 204,696

25.7

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2,420

»

') Incl. Wald-Rüti, Toggenburgerbahn und Rapperewyl-Pfäffikon.

) ,, Bötzbergbahn, Sulgen-Goßau und Effretikon-Hinweil.

1 ,, Aarg. Südbahn und Wohlen-Bremgarten.

*) ,, Bulle-Romont.

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1

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10

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3 596

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73

139,796 3,011,238 119,287 2,317,622

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21

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25

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35

362

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19

310

127

-

17

52,39

16,292

-

35

693

1,538

-

894 10,242

248

10,729

35

38

1,889

15

Wädensweil-Einsiedeln

4,260 1,891

--

-

292

Lansanne-Echallens .

513

228

45

Jura-Bern-Lnzern-Bahn

1,806

715

Basler Verbindungsbahn .

Emmenthalbahn

8

312

Die starken Schneefälle vom 13.--15. März haben Verkehrsstörungen auf den Linien der N.O.B., der T.T.B., der J.B.L., der S.O. und S. hervorgerufen.

17.4

Nachweisung der im Jahre 1882 auf den schweizerischen Eisenbahnen beförderten Zügen und deren Verspätungen 1.

2.

4.

3.

5.

7.

6.

8.

10.

9.

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Schweizerische Centralbahn *) .

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2,805,750

68,282,161

37

910

123,433

--

1

128,812

1,390,000

128,530

1,386,316

35

375

34,750

8,336

104

73

1,899,808

56,149,257

1,571,991

41,909,964

43

1138

144,716

5

125

108,664

26,209 10,633 3,920 2,920

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8

553

5

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0.76

0.91

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26.6

17.6

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146

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1

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6

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11,457

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53

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354

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29

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20.9

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10

123

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37,068,020

1,411,563

29,310,794

46

953

108,704

731

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046

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208

153

20

46

58

263

1276

574

9

16

616

61

702

222

43

2.28

2.74

2,011 41,753

7,147

92

731

2,884,105

75,530,783

2,611,667

61,258,729

62

1460

106,682

634

14

363

36

220

217

21

59

56

280

1273

519

9

15

724

6

754

75

22

1.80

1.62

3,464

730

25

98

22,532

301,991

19,021

255,864

7

33,555

73

13

21

30

57

-

917,828

24,741,857

676,885

13,918,929

71

130,909

515

14

375

44

330

83

22

-- 14

514

42,849

392,101

42,562

388,896

14

--

2

17

1

1

18

-

39

--

128

--

52

3 5

2,780

-

121

730

--

47

-

26,140

--

--

--

--

--


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--

-

94

89

307

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1 --

5

-

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-

--

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51,173

12.8

-

5.70

0.20

1,253

25,776

26

19.8

0.07

0.33


81,245 -27.1

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21,281 194,448

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59,973

633,474

59,688

629,642

8

89

42,232

47,999

368,962

46,150

352,660

17

127

21,704

40,909

318,958

40,284

315,164

14

106

22,783

31

12

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6

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39

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17

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32

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2

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12

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-

14.5

0.43

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3,846

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-

16.6

0.20

0.35

6,714 82,527

13.6

11.4

1.18

3,183

73,373

26

17.3

3,355

78,304

25.8

17.4

12,361,033 318,163,221 10,862,768 250,422,870

42

967

112,824

3849

14

1777

37

330

704

21

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3413

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264 159,030 89,742 26,436 1051

3943

10,933,879 282,661,827

9,871,227 230,371,059

40

926

106,104

3764

15

1441

33

262

700

20

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2781

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incl. Aufenthalt zurück:

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Durchschnitt-

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34,295

--

40.

Kilometer kommen auf eine Verspätung auf eigener B ïhn.

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-

39.

236

6485

» 99 Tage & 2703 km.

52 2732 188 2890 28 2930

38.

456

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.

37.

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Totale und Bmchselmittszahlm .

36.

19

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-

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15--30 Minuten über 30 Minuten

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35.

1,538,236

--

-

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34.

Anschlüsse

Gemischte Züge

f

33.

19,171

--

2,254

32.

137,602

-

-

31.

29. | 30.

543,320

15

14

28.

1,543,290

189

17

27.

20,703

659

Wädensneil-Einsieclcln

26.

138,168

-- 1,882

Waläenburgerbain

25.

17

8,277 4,566

7,079

24.

2Î.

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2,795

--

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7,592


21.

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-

15

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490,390

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Appcnzellerbahu

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1063

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1,173

mit Versp .tung von: 10--20 Minuten aber 20 Minuten

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263

2,521

45

19.

Schnell- uad Personeuzüge

1

Kilometer.

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An den Endpunkten der Fahrt trafen ein:

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30,325,536

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30,865,551

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1,289,278

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dieser Züge.

17.

16.

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.

Trifft im Durchschnitt

15.

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21,989

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13.

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Züge.

312

.

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Davon entfallen auf die fahrplanmäßigen gemischten Züge.

Extra-

fahrplanmäßigen

12.

11.

') I"kl Wald-Enli, Toreenbaigerbahn nid Bapperswyl-PfSffikon.

·) « Bölzbergbahn, Snlgen-Gossen und Effretikon-Hiiiwf.il.

8 ) » WohlenrBremgarteD und Aarganische Südbahn (vom 1. Juni an aach Brngg-Wohlen mit 17 km.).

') . Bnlle-Romont *) Am 1. Jaunar iat der große Gotthardtairaet (15 km.), am 10. April die Strecke Beilenz-Lugano (29 fern.), am 1. Jnni die Linien LnzernGoschenen nnd Airolo-Biasca (141 km.) nnd am 4. Dezember die Linie Bellenz-Lnino (40 km.) dem Betriebe übergeben worden.

3091

--

269

Im Berichtjahr kamen im Allgemeinen nach den Vorschriften <der Konkordatskantone folgende Waldflächen zur Aufnahme : Kanton.

Besitzer.

Fläche.

ha.

Bern (Forstkreis Oberhasle) Nidwaiden Appenzell A.-Rh.

Staat Bern Staat Nidwaiden Korporation Huudwy] Staat und Korporationen Gemeinde Tamins

182.32 12.00 16.10 201.00 471.00 882.42 Obwohl der im eidg. Forstgesetz bestimmte Termin zur Einführung p r o v i s o r i s c h e r W i r t h s c h a f t s p l ä n e bereits mit dem 10. August 1881 abgelaufen, so sind die Kantone noch heute mit dieser Arbeit nicht fertig, ausgenommen in dem kleinen zürcherischen Kantonstheil des eidg. Forstgebietes. Das Oberforstamt Uri hat vorläufig annähernd die1 Nachhaltigkeit der Nutzungen in den öffentlichen Waldungen festgesetzt, leider fehlt aber dort noch die erforderliche Kontrole bei den Holzabgaben, worauf wir die dortige Regierung aufmerksam gemacht. In folgender Tabelle sind die im Jahre 1882 entworfenen und genehmigten provisorischen Wirthschaftspläne aufgeführt.

Kanton.

Zahl der prov. Wirthshhaftspläne.

Fläche ha.

Bern 7 1,995 Luzern 8 · 14 Nidwalden l 199 Appenzell I.-Rh.

l 400 St. Gallen 21 4,517 Graubünden 11 1,690 Wallis 14 7,206 Total ~63~ 16,021 Mit Einführung ' d e f i n i t i v e r Wi r t h s c h a f tsp l ä n e-haben sich bisher und so auch im Berichtjahr noch wenige Kantone befaßt, da die Vermessungen der Waldungen denselben vorauszugehen haben. Zu Stande gekommen sind 1882 folgende: Kanton.

Zahl der définit. Wirthschaftspläne.

Bern Schwyz Freiburg Appenzell A.-Rh.

St. Gallen Graubünden

l l 6 2 l 3 TotafTi

Fläche ha.

284 865 2,179 266 82 2,728 6,404

270

Appenzell A.-Rh. hat eine Instruktion für die Aufstellung definitiver Wirthschaftspläne eingesandt.

Auf forstamtliche Anzeige hin, daß die Forstkommission von Appenzell I.-Rh. der K o r p o r a t i o n D o r f S c h w e n d i im sog.

wilden Bann, nachdem derselben bereits 1878 und dann wieder 1880 unter gewissen unerfüllt gebliebenen Bedingungen Bewilligungen zu Holzschlägen ertheilt worden waren, neuerdings einen solchen, die Nachhaltigkeit überschreitenden Hieb bewilligt, fanden wir uns veranlaßt, den Entwurf eines provisorischen Wirthschaftsplans und die Festsetzung des Etats für diese Waldung 'in verlangen.

Nachdem diese Arbeiten ausgeführt worden waren und wir die Regierung von Appenzell I. - Rh. eingeladen , die festgestellte nachhaltige Nutzung nunmehr einzuhalten, glaubte dieselbe dennoch, von der in Artikel 16, Absatz 3, des eidg. Forstgesetzes eingeräumten diesfälligen Kompeteoz Gebrauch machen und den bereits bewilligten Holzschlag bestätigen zu sollen. Die Regierung übernimmt damit die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß die im erwähnten Artikel vorgeschriebene Einsparung der Uebernutzung beobachtet werde, und werden auch wir nicht ermangeln, darüber zu wachen.

. · In der Korporation (patriziato) P o n t o - Val e n t i n o , C a s t r o und M a r c i t a , Kanton Tessin, hatte der Große Rath in Folge Streitigkeiten unter genannten Gemeinden das Reglement über Benutzung der Korporationsgüter aufgehoben, ohne dasselbe vorher durch ein anderes zu ersetzen.

Da zu deu betreffenden Liegenschaften auch Waldungen gehören, so erließen wir an die Regierung Tessins die Einladung, jede Holznutzung, mit Ausnahme der für den inneren Bedarf dieser Korporation dringendsten, bis auf Weiteres zu untersagen, einen provisorischen Wirthsehaftsplan für dieselben entwerfen zu lassen und far eine provisorische Verwaltung und Aufsicht besorgt zu sein.

Da die Regierung dieser Einladung nicht nachgekommen, vielmehr die Versteigerung einer Holzparthie durch die Korporation, zu welcher sie früher schon die Bewilligung ertheilt hatte, unterstützte, fanden wir uns veranlaßt, den bereits in Angriff genommenen Schlag des verkauften Holzes einstellen zu lassen und unser Oberforstinspektorat mit einer sachbezügliehen Mission zu beauftragen, und namentlich auch daraufhin zu wirken, daß der verlangte provisorische Wirthschaftsplan entworfen werde. Letzteres ist kürzlich geschehen und werden wir nun die Regierung einladen, pflichtgemäß über Beobachtung desselben zu wachen.

*

271

A b l ö s u n g von D i e n s t b a r k e i t e n (Art. 14 des eidg.

Forstgesetzes) fanden im Berichtjahr 19 statt in einem Ablösuugsbetrag von Fr. 21,583 laut folgender Zusammenstellung. Wir bemerken diesfalls, daß Freiburg und auch Zürich, soweit dieser Kanton dem eidg. Forstgebiet angehört, die Ablösung bereits durchgeführt haben.

Ablösungen mit Fr.

  1. Schwya : l Weidrecht, l Gert- und Fachruthenrecht 2) Glarus: l durch Geld, 3 durch gütliche Uebereinkunft .

.

.

.

.

3 ) Appenzell : Trattrechte .

.

.

.

4) St. Gallen: Weidrechte, 5 durch Geld, l durch Wald- und Weideausscheidung, l durch Uebereinkunft .

.

.

.

5) Graubünden : l Weid- und 3 Waldrechte, 2 durch Auskauf, 2 durch Austausch .

Total

2

5,495

4 2

2,000 --

7

13,238

4

850

19

21,583

Ein außerordentlich starker Föhnsturm, der den 27. Oktober 1882 die Forstinspektion Oberland (Kant. Bern), mit einziger Ausnahme des Kreisforstamtes Emmenthal, durchzog, warf 64,800 Stämme mit einer Holzmasse von 28,600 m3.

Da wir in unsern frühem Berichten auch der W e i d e n k u l t u r und K o r b f l e c h t e r e i als dem Forstwesen naheliegende Zweige der Volkswirthschaft Erwähnung gethan, so bemerken wir auch hier in Kurzem, daß auch im Jahr 1882 neue Anlagen zu Stande gekommen, so eine von Privaten auf dem, in Folge Korrektion des Seelandes gewonnenen Strandboden bei Cheires am Neuenburgersee, eine andere bei Altikon an der Thur. Eine Anlage von circa l ha.

wird nächstens von Privaten in der Gegend von Villeneuve (Waadt) in Angriff genommen werden. Mehrere ältere Weidenheger wurden erweitert.

Die Korbfleehtschule in Winterthur hat einen befriedigenden Fortbestand und beschäftigt durchschnittlich 11 Lehrlinge. Es sind aus derselben bereits mehrere tüchtige Arbeiter hervorgegangen, auch fehlt es an Absatz der Korbwaare nicht.

Die kantonale Flechtschule in St. Gallen hat nach einem Bestehen von l lk Jahren aufgehört. Dagegen hat der Korbflechtmeister des Kurses unter dem Protektorat einer Privatgesellschaft eine Werkstätte mit Korbhandel gegründet, in welcher meist frühere

272

«

Zöglinge des Kurses beschäftigt siud. Andere haben sieh anderswo im Kanton als Korbflechter niedergelassen, so daß die Anregung des Kantons zur Hebung dieses Industriezweiges nicht ohne Erfolg geblieben.

Immerhin bedarf aber sowohl in Winterthur als auch in St. Gallen die Korbflechtindustrie zu einem größereu Aufschwung noch der Stütze gemeinnütziger Männer.

XIII. Jagd und Fischerei.

  1. Jagd.

Nachdem durch Verordnung vom 2. August 1881 die J a g d h a n n b e z i r k e auf weitere 5 Jahre festgestellt worden waren, fand sich der Bundesrath auf eingegangene Gesuche und Empfehlung der betreffenden Regierungen hin veranlaßt, die Grenzen zweier Bezirke theilweise abzuändern. Im Bezirk Bernina, Kanton Graubünden, wurde zur Ermöglichung der Wasserjagd längs dem Inn von Samaden an abwärts die Grenze vom Inn auf die nahe Landstraße verlegt, und im Bezirk Tours d'Aï und. Naye, Kanton Waadt, von der Thal tiefe annähernd an die untere Waldgrenze.

Nach den Bestimmungen obiger Verordnung durfte die Jagd in den zu verlassenden Bezirken, zum Schutz des sich dort ansammelnden Wildes im Jahre 1881 nicht vor dem 20., im Jahr 1882 nicht vor dem 10. Herbstmouat eröffnet werden. Von nun an stehen diese Gebiete unter den allgemeinen Jagd Vorschriften, ohne besondere Beschränkung, und hört damit auch die besondere Wildhut auf.

Im Berichtsjahr gingen Gesuche um Verlegung der Bannbezirke Dent de Brenleire, Kanton Freiburg, Bernina, Kanton Graubünden, Maggia-Leventina und Camoghè, Kanton Tessin, ein, welche laut obiger Verordnung neuerdings auf 5 Jahre gebannt worden waren.

Wir sahen uns nicht veranlaßt, diesen Gesuchen vor Ablauf der · neuen Bannperiode zu entsprechen, und dies um so weniger, als die betreffenden Regierungen seiner Zeit sich mit der Beibehaltung derselben einverstanden erklärt hatten.

Das Projekt der Bildung eines Jagdbannbezirkes Glärnisch seitens der Kantone Schwyz und Glarus kam nicht zu Stande und

273 besteht in Folge dessen der nicht zweckmäßig begrenzte Bezirk tìrieselstoek und Bisithal noch fort.

Auf Veranlassung des Bundesrathes wurden zur Wildhut des Bannbezirkes Kärpf'enstock, Kanton Grlarus, statt der bisherigen Landjäger besondere Wildhüter angestellt.

Vorzüglich geordnet ist gegenwärtig der Wildhutdienst im Bannbezirk des Kantons Waadt, für welchen bei einer Fläche von 225 km 2 5 Wildhüter angestellt sind, deren Leitung und Beaufsichtigung dem Kreisförster übertragen ist, in dessen Kreis der ·> Bannbezirk liegt.

Im Allgemeinen kommen die Wildhüter ihren schwierigen und oft gefährlichen Dienstobliegenheiten gewissenhaft nach, doch sind Manche noch nicht hinreichend in den Dienst eingeführt und im Abschießen von Raubzeug; zu wenig thätig, namentlich in Kantonen, wo leider noch keine Schußprämieu bestehen.

Die Wildhut im urnerischen Theil des Bannbezirkes Rothstöcke leidet unter zu geringer Besoldung und zu schlechter Ausrüstung des Wildhüters. Unsere Schritte bei der Regierung von Uri zur Hebung dieser Uebelstände blieben bis dahin leider unberücksichtigt.

In den Bannbezirken, wo gute Hut ausgeübt und dem Raubzeug emsig nachgestellt wird, so namentlich in den Kantonen Bern, Freiburg, St. Gallen, Graubünden, Waadt, hat sich der Wildstand, namentlich derjenige der Gemsen und Murmelthiere, beträchtlich vermehrt, weniger derjenige des Federwilds, dessen Brüten unter ungünstiger Witterung, besonders späten Schneefällen, und allerdings auch von Raubwild gelitten haben.

Von unsern Herren Jagdexperten kamen im Berichtsjahr zur Inspektion die Baunbezirke Rothstöcke, Kärpfenstock, RothhornSchratten, Tours d'Aï und Naye, Aletsch-Mainghorn, Goms, linke Thalseite, Weiümies-Mischabel und Camoghè.

Die Ausgaben für die Wildhut sammt Schußgeldern im Jahr 1882 belaufen sich, mit Ausnahme derjenigen in den Kantonen Uri und Schwyz, welche uns nicht mitgetheilt wurden, auf: 1) für fixe Besoldungen und Taggelder .

. Fr. 33,743..01 2) für Ausrüstung der .Wildhüter . . .

. ,, 2,727. 78 3) für Aushülfe und Stellvertretung .

. ,, 1,014. 70 4) für Schußgelder ,, 753. 90 zusammen Bundesblatt. 35. Jahrg. Bd. II.

Fr. 38,239. 93 18

274

An diese Auslagen leistete der Bund den gesetzlichen Beitrag von einem Drittel oder Fr. 12,746. 45.

Die Wildhutberichte der Kautone lassen zum Theil an Vollständigkeit zu wünschen übrig und wir werden künftighin für dieselben ein einheitliches Schema entwerfen zur Ermöglichung einer statistischen Zusammenstellung auch über Wildstand, Abschuß von Raubzeug und Anderes.

Da die J a g d auf S c h w i m m v ö g e l auf Seen (Art. 9 des Jagdgesetzes) von den meisten Kantonen nicht geregelt war, so sahen wir uns veranlaßt, dieselben durch Kreisschreiben vom 8. Juli hiezu einzuladen.

Zur Verbreitung der Kenntniß der nützlichen Vögel in den Schulen wurden von der betreffenden Verlagshandlung im 'Berichtsjahr 260 Exemplare des V o g e l b i l d e r w e r k e s L e b e t , an 3 Kantone abgeliefert, an welche Kosten der Bund, zu Fr. 3 das Exemplar, Fr. 780 beitrug.

Schließlich erwähnen wir mit Vergnügen, daß sich ein schweizerischer Jagdverein ,,Diana" gebildet, der seine Thätigkeit bereits begonnen und zur Hebung der Jagd das Seinige beitragen wird.

Auf das P o s t u l a t vom 31. Dezember 1881 hin, b e t r e f f e n d d e n S c h u t z n ü t z l i c h e r Vögel u n d d i e F r ü h l i n g s j a g d in den Nachbarstaaten, haben wir uns an unsere Gesandtschaften in Berlin, Wien und Rom gewandt.

Nach einer hierauf erfolgten Mittheilung von Berlin hat die kaiserliche. Regierung dem Reichstage den in der Session desselben unerledigt gebliebenen Entwurf eines Gesetzes betreffend den Schutz nützlicher Vögel nebst Motiven zur Beschlußfassung wieder vorgelegt.

Einem früheren Berichte war eine Tabelle der bestehenden Schonzeiten für Zugvögel in verschiedenen deutschen Staaten beigefügt.

Laut einer Mittheilung unserer Gesandtschaft in Wien hat sich dort seit dem früheren Berichte vom 24. Februar 1881 in Sachen nichts geändert und wäre daher eine erneuerte Anregung derselben jetzt noch, und namentlich vor Einführung eines einheitlichen Vogelschutzgesetzes für das Deutsche Reich, erfolglos.

Die vom Kanton Bern angeregte Angelegenheit betreffend eine Konvention mit ,P r a,n k r e i c h zur U n t e r d r ü c k u n g d e r J a g d f r e v e l in den W a l d u n g e n des Gr e n a r ayons, ähnlich derjenigen über Forstfrevel, wird zur Unterhandlung vorbereitet.

275

G e n e h m i g t w u r d e n im Berichtsjahr: 1) ein Reglement der Regierung von Wallis vom 25. Januar 1882, betreffend Bewilligungen zur Jagd auf schädliche und reißende Thiere; 2) das Verbot der Jagd auf Rehe im Kanton Waadt, vorn 27. desselben Monats; 3) die revidirte Vollziehungsverordnung des Kantons Appenzell A.-Rh. vom 27. März 1882 zum eidgenössischen Gesetz über Jagd und Vogelschutz; 4) diejenige des Kantons Luzern vom 7. Juni 1882; 5) diejenige des Kantons Thurgau vom 20. November 1882; 6) das zürcherische Gesetz über Jagd und Vogelschutz vom 22. August 1882.

b. Fischerei.

Dem Fischereiwesen haben wir auch im letzten Berichtsjahre unsere ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet und namentlich auf eine strengere Handhabung des eidgenössischen Fischereigesetzes und Hebung der künstliehen Fischzucht hingearbeitet.

Die Genehmigung des Bundesrathes erhielten : 1) eine Abänderung des Artikels 6 der Vollziehungsverordnung des Kantons Uri zum eidgenössischen Fischereigesetz, vom 15. Februar 1882; 2) ein Gesetz des Kantons .Neuenburg über die Fischerei in der Reuse und dem Seyon, vom 24. November 1881 ; 3) die Bildung von Schonrevieren seitens des Kantons Bern : a. in der Aare von Brunnadern, etwas oberhalb der Stadt Bern, bis zur Amtsgrenze gegen Aarberg; b. in der Emme von der Einmündung der Ilfis bis zu derjenigen des Heimiswylerbaches; c. für das Flußgebiet der Ränder.

4) Der Kanton Graubünden erklärte auf die Initiative der Gemeinden St. Moriz und Celerina den St. Morizersee und den Inn von der St. Morizer Badbrücke bis zur Grenze zwischen Celerina und Samaden für den Zeitraum von 3 Jahren als Schonstrecke.

Noch keine Vollziehungsverordnung zum Fischereigesetz besitzen die Kantone Glarus, Zug, Tessin, Waadt und Wallis. Eine von Graubünden entworfene und an's Volk ausgeschriebene Voll-

276 Ziehungsverordnung wurde von demselben verworfen, in Folge dessen ein neuer Vorschlag in Berathung liegt.

Die unterm 28. Dezember 1880 mit F r a n k r e i c h abgeschlossene F i s c h e r e i k o n v e n t i o n wurde von der Schweiz den 1.4. Januar 1881 , von Frankreich am 16. Dezember 1882 ratifichi und die Ratifikationen den 22. Dezember in Paris ausgetauscht.

Ebenso wurde die mit I t a l i e n am 15. September 1880 abgeschlossene Fischereikonvention voo der Schweiz den 10. November 1882, von Italien den 16. Januar 1883 ratifizirt und die Ratifikationen in Bern arn 14. Februar 1883 ausgetauscht.

Da die an Frankreich und Italien angrenzenden Kantone Tessin, Waadt und Wallis mit Ausarbeitung ihrer Vollziehungsverordnungen bis nach Genehmigung obiger Konventionen glaubten zuwarten zu sollen, da.rf nun in Bälde die Einsendung der diesfällig rückständigen Vorlagen erwartet werden.

Auf unsere Noten an die Regierungen der Bodenseeuferstaaten vom 9. Dezember 1881, betreffend Hebung der Fischereizustande am Bodensee, sind uns bis anhin noch keine Antworten zugekommen.

Auch im Stande der Angelegenheit betreffend übereinstimmende Maßnahmen seitens der Rheinuferstaaten zur Hebung der Lachsfiseherei ist seit unserm letzten Geschäftsbericht keine Aenderung eingetreten.

Zur Durchführung des Artikels 5 'des eidgenössischen Fischereigesetzes , betreffend freien Zug der Fische in den offenen Gewässern , haben wir verschiedentlich Veranlassung genommen, an Wuhren und Sehwellen, welche die Fische nicht zu übersteigen im Falle sind, auf Anbringung von Fischleitern hinzuwirken. Nachdem Freiburg und die Papierfabrik Cham bereits Fischleitern erstellt, ist nun auch Luzern mit Errichtung einer solchen an der sogenannten Nadelwehr in der Stadt Luzern gefolgt: Auch mehrere Fabrikbesitzer in Baden (Kanton Aargau) und an der Birs (Kantone Bern und Baselland) haben sich hiezu bereit erklärt.

Einen in ^unserm Auftrag ausgearbeiteten Bericht über die Verunreinigung des Rheins durch Abfallstoffe der Fabriken im Basler Industriebezirk von Hrn. Apotheker C. Nienhaus-Meinau in Basel haben wir durch Druck vervielfältigen lassen.

Derselbe wird für die nächstens stattfindende Konferenz mit Abgeordneten des Großherzogthums Baden und des Reichslandes

277

Elsaß-Lothringen, betreffend übereinstimmende Maßnahmen gegen schädliche Verunreinigungen der Grenzgewässer, von wesentlichem Nutzen sein.

In manchen Kantonen werden die zum Schütze des Laichgeschäfts der edlern Fischarten festgesetzten Schonzeiten noch mangelhaft gehandhabt und die besondere Erlaubniß zum Fischfang während demselben im Interesse der künstlichen Fischzucht zu bereitwillig ertheilt, auch nicht immer die erforderliche Kontrole über den Fang und Verkauf der Fische und die Gewinnung des Brutmaterials geführt.

In Folge dessen werden zum- Nachtheil der inländischen Fischbrutanstalten große Mengen Fischlaich ins Ausland verführt und nimmt der Stand der Fische überhaupt immer mehr ab.

Es gab uns die» Veranlassung, unterm 26. September 1882 durch Kreisschreiben an die Kantone die Ausfuhr von Fischrogen außer die Schweiz zu verbieten, mit Ausnahme des Austausches von Eiern, wozu indeß die Bewilligung des eidgenössischen Handelsund Landwirthschaftsdepartements einzuholen ist (Bundesblatt 1882, n. F., Bd. III, S. 741).

Ferner erließen wir unterm 21. September eine Instruktion betreffend die Fischereiagenteu und diejenigen Fischer, welche während der Schonzeiten Bewilligungen zum Fischfang erhalten, und unterm 2. Dezember eine Anleitung für die Fischereiagenten zur Gewinnung von Bratmaterial.

Zu letzterei' fanden wir uns in Folge vielseitiger Klagen von Fischzüchtern über mangelhafte Befruchtung des Rogens bewogen.

Unserer Einladung zur Bestellung von Fischereiagenten an diejenigen Kantone, welche während der Schonzeiten Bewilligungen zum Fischfang ertheilten, kamen leider nicht alle nach und war es denn in Folge dieser Unterlassung auch möglich , daß aus dem Kanton Schwyz Fische und Rogen ohne Bewilligung der betreffenden Behörden ins Ausland verführt wurden.

Laut beiliegender Zusammenstellung bestunden 1881/S2 Schweiz 30 Fischbrutanstalten (1880/81 nur 25). lieber weitere Anstalten kamen uns keine Berichte zu. ]u den führten wurden rund 5,600,000 Eier zur Brut ausgesetzt und rund 3,700,000 Fischchen gewonnen.

in dur einige aufgedavon

Es wurde hauptsächlich auf künstliche Vermehrung von Hachund Seeforellen, Salmen, Bastarden von Lachsen und Forellen und Rötheli Bedacht genominen.

Zur Seite 277.

Aufforstungen im eidgenössischen Forstgebiet während des Jahres 1882.

Kanton.

Fichten.

Weißtannen.

Lärchen.

Uebrige Nadelhölzer.

Kiefern.

Total.

Laubliölzei-,

Nadelhölzer.

Versa mite Pflan zen.

Unverschulte Pflanzen.

Total.

Verschulte Pflanzen.

Unverschulte Pflanzen.

Total.

Verschnlte Pflanzen.

Unverschulte Pflanzen.

Total.

PflanzenRang zahl im per ha.

KnltnrGesammtwesen.

waldfläche.

Same.

kg-

Zürich Bern Luzern Uri

Schwyz Obwalden Nidwaiden .

Grlarus Zug . .

56,650 851,010 251,800 20,660 563,545 69,430 39,100 120,000 213,200

Freiburg .

503,700

Appenzell A.-Rh

237,500

,, L-Rh St. Gallen . . .

Graubünden Tessin . . . .

Waadt .

Wallis . .

1,200 221,140 48,800 1,100 6,150 2,017 4,300 19,910 11,900

58,610 1,185,230 209,250 74,300 212,650 59,050

37,850

8,140 4,450

1,000 82,295 7,250 4,740 49,280 12,230 350 10,000 900 6,100 6,750 300 34,090 135,980 12,630 37,935 27,668

58'650 32,780 2,500

1,174,305 310',350

14,390 54,100

33,790 631b535

23,870

197^547

10,600 5,000

54,350

6,930

117,000

1,400 7,200 10,520 650 31,290 14,830 38,680

202^960 343,800 266^670 58,560

560 29,950

450 Total

1881 1

Wovon 90,000 Pflanzen vom lanton Luzern zur Anfforstnng der TeufLmattalp (Gemeinde Giswil) iverwendet.

» 15,000 Stecklinge.

1885

( Mehr

.

l Weniger

Lis 1881

1,274,800 3791,920 2lll80

200 19,850

58,850 1,194,155 310,350

7,100 41,540 6,000 1,000 18,000 32,450 173,200 14,300 1,000 14,220 18,230 108,880

40,890 673,075 203,547 55,350 135,000 235,410

1,250 18,370 3,000 4,500

7,500

2,100 4,895 3;380 2,150

5,000 410

9,730

1,350 18,370 3,000 4,500 7,500 2,100 9,495 8,380 2,560 4,000 9,730

36,480

398,150

18,830

130,060 250,585

6,300

87J,168

87,168

5,800

455,970

5,919,140

116,785

647,673

5,934,903

154,239

175940

172,520

15,763

1,192,675 313,350 38,290 631,535 199,647 59,245 120,380 205,110 343,800 276,400

25,300

25,300

400

6,700

1,311,280 398,750 21,180 256,885

5,800

92,968

219,830

336,615

5,579,955

206,972

361,211

5,441,469

209,000 18,830

37,454

92,968

18.2 20.3 19.5 4.3 39.7 16.7 9.3 11.6 93.1 57.2 60.9 60.6 54.1 3.3 2.8 15.6 1.5

675,800

6,255,755

15.1

854,645

6,296,114

717.25

178,845

40,359

99.50

60,200 1,212,525

300 19,850

313,350

7,100 49,040 6,000 5,600 23,000 32,860 177,200 14,300 1,000 186,740 18,230 134,180 400

45,390 680,575 1

205,647 64,845 143,380 237,970 521,000 290,700

2

59,560 1,498,020 416,980 155,360 257,285

9 7 8 14 6

i'o 13 12 1 4 .

2 3 5 15 16 11 17

28.75

4.00 6.00 96.50 6.00 16.00 89.00 2.00 4.50 97.00 78.50 40.00 149.50

617.75

138,486

12,858 191,703

59,900

58,560

59,560 1,289,020

250,585

5,463,170 5,287J230

4,600

4,000

517,000 280,970

100

24,596

278

Die ßundesbeiträge an die Brutanstalten kamen wie folgt zur ·Veri heil ung: Zürich . . .

. Fr. 2000 Bern ·n 1000 Luzern .

200 11 Frei bürg 150 f> 120 Baselstadt · . · n Basel lanci 160 . ,, .

.

^ 600 Se'hnffhausen .

·n 25 Graubünden .

11 Aargau , 360 ·n 800 Waarlt .

·n *

Summa

Fr. 5415

1880/81 .

. , . Fr. 4000 Bei Ausrichtung der Beiträge brachten wir den Kantonen zur Kenntniß, daß künftig den Berichten über die Brutanstalten amtliche Bescheinigungen darüber beizulegen seien, in welche Fischereigewässer die gewonnenen Fischchen ausgesetzt worden, mit Angabe der Anzahl letzterer, getrennt nach Arien für jedes einzelne Gewässer. Zugleich wurde bemerkt, daß für die Gewinnung von Fischen, die in private Gewässer ausgesetzt werden, von welchen aus die Fische nicht in freier unmittelbarer Verbindung mit den offenen Gewässern stehen, der Bund künftighin keine Beiträge mehr verabfolgen werde.

Die Fischereiverhältnisse im Wallensee ließen wir in Folge erhaltener Mittheilung, daß der Fischstand in demselben sehr stark abgenommen , durch Hrn. Dr. Asper untersuchen und theilten den erhaltenen Bericht den betreffenden Gebietskantonen Glarus und St. Gallen mit.

Die Regierung von St. Gallen hat sich hierauf bereit erklärt, zur Wiederhebung des Fischstandes im Wallensee Hand bieten zu wollen, wogegen Glarus bemerkte, daß der Kanton sich in Bezug auf die Fischereigesetzgebung noch im Stadium des Provisoriums befinde, daß aber bei günstiger Gestaltung derselben fragliche Angelegenheit wieder zur Sprache gebracht werden könne.

Hrn. Dr. Asper haben wir zu ichthyologischen Studien und Ausarbeitung und Veröffentlichung einer populären Schrift über schweizerische Fische die Unterstützung des Bundes zugesagt und ihm einen angemessenen Kredit ausgesetzt.

Auf Anregung unseres Handels- und Landwirthschaftsdepartements wurde vom schweizerischen Schulrath beschlossen, an der

279 Forst- und Landwirthschaftsabtheilung des eidgenössischen Polytechnikums Vorlesungen über Fischerei, jedoch ohne obligatorischen Charakter, einzuführen.

Betreffend die Fischereiausstellung in Edinburg im April 1882 und diejenige in London, deren Beginn auf 1. Mai 1883 angesetzt ist, wurden behufs allfälliger Betheiligung die nöthigen Bekanntmachungen erlassen. Einer Einladung zur offiziellen Betheiligung an letzterer konnten wir wegen der auf die gleiche Zeit fallenden Landesausstellung in Zürich nicht entsprechen.

Im September 1882 hat sich ein schweizerischer Fischereiverein gebildet, nachdem schon seit dem 22. Mai 1881 ein basellandschaftlicher Verein bestanden. Seither hat sich auch in der Stadt Bern und in Ilanz, Kanton Graubünden, ein Lokalverein konstituirt.

XIV.

Auswanderungswesen.

So sehr auch dieser Geschäftszweig die BundesBehörde im Berichtjahre beschäftigt hat, so kann hier doch nur wenig darüber berichtet werden, da die meisten Geschäfte sich auf Gegenstände allgemeiner Natur, wie auf die Anstellung von Unteragenten, die Kautionen der Agenturen und Anfragen und Auskünfte über Inhalt und Bedeutung von Bestimmungen des Bundesgesetzes betreffend den Geschäftsbetrieb von · Auswanderungsagenturen, vom 24. Dezember 1880, bezogen.

Patentirt wurden im Jahr 1882 zwei Agenten; eine Agentur ist eingegangen, so daß es Ende 1882 zehn Agenturen in der Schweiz gab, nämlich diejenige von: 1) Wirth-Herzog in Aarau; 2) Joh. Baumgartner in Basel (Firma-Inhaber : Joh. Baumgartner und Simon Vonbrunn); 3) A. Zwilchenbart in Basel (Firma-Inhaber: Karl Joh. Imobersteg und Joh. Imobersteg) ; 4) Schneebeli & Cie. in Basel (Firma-Inhaber : SchneebeliGentner) ; 5) Ph. Rommel & Cie. in Basel (Firma-Inhaber: Ph. Rommel und Joh. Jak. Bolliger) ; 6) Otto Stör in Basel; 7) M. Goldsmith in Basel; 8) Christ-Simmener in Genf; 9) Isaak Leuen berger in Biel ; ° 10) Franz Louis Kaiser-Kilchsperger in Basel.

280

t!

Ì

Zürich . . . .

Bern . . . .

Luzern Uri Schwyz . .

Obwalden Nidwaiden . .

Glarus . . . .

Zug . . . .

Freiburg .

Solothurn .

Baselstadt . .

Baselland .

Schaffhausen .

Appenzell A.-Rh.

Appenzell I.-Rh.

St. Gallen . .

Grau bünden .

Aargau Thurgau . .

Tessin . . . .

Waadt . . .

Wallis . . . .

Neuenburg . . .

Genf . . . .

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1 Leuenberger.

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Christ-Simmener. 1

Kantone.

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Schneebeli.

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Zwilcheabart.

1

Verzeichhiß der Unteragenten, nach Kantonen geordnet.

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15 50 7 5 11 4 3 12 2 4 11 11 1 9 1 -- 22 17 38

9 27 2 6 5 1 273

281 Die Zahl der Unteragenten auf Ende 1881 betrug 184; genehmigt wurde im Jahr 1882 die Anstellung von 145; 56 wurden entlassen, so daß Ende 1882 273 Unteragenten in Funktion waren, eine Zahl, welche zu Bedenken Veranlassung gibt Nach Art. 5 des zitirten Bundesgesetzes ist es den Agenten gestattet, sich mit Unteragenten zu versehen. Diese müssen dieselben Bedingungen erfüllen wie die Hauptagenten, d. h. sie müssen einen guten Leumund genießen, in bürgerlichen Rechten und Ehren stehen, mit der Geschäftsführung der Auswanderung vertraut und im Stande sein, die sichere Beförderung der Auswanderer zu, besorgen, und in der Schweiz ein festes Domizil haben. Weiteren Beschränkungen unterliegt die Anstellung von Unteragenten nicht, während vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes in vielen Kantoneft die Agenturen auch da Kautionen zu leisten hatten, wo sie Unteragenten beschäftigten. Daraus erklärt sich, daß zur Stunde es weit mehr Unteragenten gibt, als vor Inkrafttreten des Gesetzes. Die Konkurrenz zwingt die eine Agentur, überall da Unteragenten zu haben, wo die andere ebenfalls welche hat, und die (Jnteragenten suchen sich gegenseitig bei der Engagirung von Auswanderern zu überbieten. Es beschränken sich dieselben nicht darauf, mit Leuten Auswanderungsverträge abzuschließen, die sich spontan bei ihnen dafür anmelden, sondern sie scheinen auch durch allerlei Vorspiegelungen zur Auswanderung aufzumuntern. Dies dürfte namentlich dann der Fall sein, wo Unteragenten Inhaber von Wirthschaften sind, und wir haben deßhalb die Frage geprüft, ob nicht die Anstellung von Wirthen als Unteragenten zu verbieten sei, mußten aber ·/.u unserm Bedauern finden, daß das Gesetz keine Handhabe für einen solchen Ausschluß gibt. Wir hegen die Ueberzeugung, daß in der Zahl der von den Agenturen beschäftigten Unteragenten eine nicht zu unterschätzende Ursache für die Zunahme der schweizerischen Auswanderung zu suchen ist.

Anläßlich des Eingehens einer Agentur mußte die Frage geprüft ·werden, ob die von derselben hinterlegte Kaution auf den Namen einer anderen Agentur übertragen werden könne. Da, die letztere die eingegangene Agentur übernahm und sich verpflichtete, alle berechtigten Ansprüche an dieselbe zu befriedigen, ohne im Bestände der Kaution eine Aenderung eintreten zu lassen, wurde die Frage bejaht. Ebenso wurde gestattet, daß für die Agentur ein Dritter die Kaution deponire, dabei indessen bemerkt, daß in den Faustpfand vertragen nur die Agentur selbst als Eigenthümerin der Kaution figuriren könne und die Eidgenossenschaft keine Verantwortlichkeit zu Gunsten des wirklichen Eigenthümers übernehme.

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Zahlreich waren die gegen die Agenturen eingelaufenen Klagen.

Dieselben betrafen: 1) die Beförderung von Personen, welche keine Ausweisschriften über Herkunft und Bürgerrecht besaßen; 2) die Beförderung von militärdienstpflichtigen Schweizerbürgern, die sich nicht ausgewiesen, daß sie die vom Staate erhaltenen Militäreffekten zurückerstattet haben ; 3) die Beförderung von Personen, welche nach Bestreitung der Reisekosten ohne Hilfsmittel am Bestimmungsorte anlangten ; 4) die Beförderung von Personen, die wegen Gebrechlichkeit arheitsunfähig waren ; 5) Nachzahlungen über die im Auswanderungsvertrage festgesetzten Leistungen ; 6) Verwendung von Personen, deren Anstellung vom Bundesrath nicht genehmigt worden war, zum Verkehr zwischen den Agenturen und den Auswanderern; . 7) ungenügender Aufschluß auf von den Polizeibehörden wegen Fahndung auf Verbrecher gestellte Anfragen ; 8) verspätete Ankunft des Gepäcks am Bestimmungsorte.

In 11 Fällen mußten wir von Art. 18 des Bundesgesetzes Gebrauch machen und Bußen verhängen. Der Ertrag dieser letztern beläuft sich auf Fr. 590.

In verschiedenen Fällen war es vorgekommen , daß Agenten glaubten, als Ausweisschrift über Herkunft und Bürgerrecht könne auch das Militärdienstbüchleiu angesehen werden. Sie beriefen sich dabei darauf, daß das genannte Büchlein von Civil- und Militärbehörden im In- und Auslande vielfach als persönliche Ausweisschrift im Sinne der bundesräthlichen Botschaft zum Bundesgesetz vom 24. Dezember 1880 betrachtet werde. In dem Entwürfe des Bundesrathes (Bundesblatt 1879, III, 929) sind jedoch bloß im Allgemeinen ,,Ausweisschriften" 1 verlangt worden. Die Bundesversammlung ergänzte aber diese Bestimmung, indem sie genauer bezeichnete, welcher Art die Ausweise sein müssen, und fügte deßhalb bei, daß den Agenten die Beförderung von Personen verboten sei, welche keine Ausweisschriften über H e r k u nft und B ü r g e r r e c h t besitzen. Es wurde deßhalb die Berufung auf die bundesräthliche Botschaft als unstatthaft erklärt und den Agenturen zu ihrem Verhalten bemerkt : Der Nachweis über Herkunft und Bürgerrecht kann in richtiger Weise nur durch einen Heimatschein oder eine andere gleichlautende Ausweisschrift (wie Artikel 45 der Bundesverfassung für

*w

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-die Niederlassung vorschrei li t) geleistet werden. Für das Formular der Heiaiatscheine ist zur Zeit noch das Konkordat vom 28. Januar 1854 (A. S. IV, 357) maßgebend. Eine gleichbedeutende Ausweisschrift kann nur eine solche sein, die, wenn auch nicht in gleicher Form wie ein Heimatschein, doch in gleich bestimmter Weise die Herkunft und das Bürgerrecht des Inhabers und seiner Familie beurkundet und speziell zu diesem Zwecke ausgestellt ist. Das Militärdienstbüchlein kann nicht als eine dem Heimatscheine gleichbedeutende Ausweisschrift anerkannt werden, da dasselbe gar nicht zu dem Zwecke ausgestellt wird , um über Herkunft und Bürgerrecht seines Inhabers auszuweisen. Auch die Pässe, Wanderbücher und Auszüge aus dem Civilstandsregister können nicht als Ausweisschriften über Herkunft und Bürgerrecht anerkannt werden. Wenn auch iu diesen Schriftstücken der Heimatort des Inhabers angegeben .sein mag, so sind sie doch in keiner Weise geeignet, das Heimatrecht selbst zu beweisen,' weil sie oft von andern als den Heimatbehoïden ausgestellt sind und nur den Zweck haben, das Reisen zu erleichtern. ·'··*'· Vielerorts herrscht in Beziehung auf die Instanzen, durch welche Uebertretungen des Bundesgesetzes betreffend den Geschäftsbetrieb von Auswanderungsagenturen zu bestrafen sind, noch große Unklarheit. So gelangte an uns eine Reihe von Eingaben, mit welchen wir ersucht wurden , Agenturen zu verhalten , Entschädigungen für verspätete Ankunft des Reisegepäcks oder für Schädigungen, welche letzteres unterwegs erlitten, zu gewähren. Wiewohl Artikel 17 des Gesetzes Auswanderer oder deren Rechtsnachfolger mit Entschädigungsklagen an die Gerichte des Kantons verweist, in welchem der Reisevertrag schriftlich abgeschlossen worden ist, haben wir uns immerhin angelegen sein lassen, die den Klagen zu Grunde liegenden ^tatsächlichen Verhältnisse einerseits in der Absicht zu untersuchen , den Klageführenden die Kosten eines Prozesses unter Umständen zu ersparen, andererseits ein gütliches Abkommen zwischen den Parteien zu erleichtern.

Andere nicht vom Bundesrathe zu erledigende Fälle sind diejenigen, in welchen Personen, welche weder als Agenten noch als Unteragenten in der Hmtlichen Kontrole üguriren, Auswanderungsgeschäfte betreiben oder dazu behülflich sind. Dafür zu sorgen, daß eine Beförderung von Auswanderern durch solche Personen nicht stattfindet, daß von letztern keine auf die Auswanderung bezüglichen Publikationen erlassen werden, ist Sache der kantonalen Polizeiorgane und die Bestrafung solcher Personen Sache der kantonalen Gerichte.

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Eine größere Anzahl schweizerischer Auswanderer veröffentlichte in mehrern schweizerischen Zeitungen eine Reihe von Klagen liber die Behandlung, die ihnen bei der Ueberfahrt auf dem Dampfer .,,Labrador" der Compagnie générale transatlantique an Theil geworden sei. Mit Rucksicht darauf, daß dem Bundesrath die Berechtigung zusteht, die Benutzung von Transportgelegenheiten, welche den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 24. Dezember 1880 nicht entsprechen und zu begründeten Klagen Anlaß geben, zu untersagen, glaubten wir eine Untersuchung über die Angelegenheiten einleiten zu sollen, und beauftragten damit den schweizerischen Konsul in Havre.

Dem Berichte dieses Beamten war zu entnehmen, daß der ,,Labrador"1 bei seiner Ueberfahrt gegen ungewöhnlich heftige Stürme anzukämpfen hatte und die Ankunft in New-York infolge dessen erheblich verspätet erfolgte. Es läßt sich leicht denken, daß der Aufenthalt im Zwischendeck sehr beschwerlich war und daß allePassagiere von der Seekrankheit mehr oder weniger mitgenommen wurden, welcher Umstand ihre Verstimmung hervorgerufen haben und einen schlechten Eindruck von dem Schiffsleben überhaupt bei ihnen zurückgelassen haben mag. Die Auswanderer, wurde versichert, seien während der ganzen Dauer der Fahrt Gegenstand der aufmerksamsten Sorgfalt gewesen. Die in gewöhnlichen Zeiten eingehaltene Regelmäßigkeit in der Vertheilung von Lebensmitteln und der Verabreichung der Speisen habe natürlich nicht beobachtet werden können.

Es sei zu bedauern, schließt der Bericht, daß die Auswanderer den beschwerlichen Umständen keine Rechnung getragen und ohne Kenntniß von den wechselvollen Vorfällen einer überseeischen Fahrt bei Ereignissen höherer Gewalt eine Behandlung erwartet hatten, wie sie nur bei günstigen Winden möglich sei.

Im Oktober "1882 theilte das Konsulat der argentinischen Republik dem Handels- und Landwirthschaftsdepartement mit, daß ein gewisser Hilaire Dupouts aus Paris von der Regierung der argentinischen Republik abgeordnet worden sei, um in Europa Arbeiter zii engagiren, welche beim Bau von Eisenbahnen in Argentinien beschäftigt werden sollen, und daß eine Auswanderungsagentur in Basel von Dupouts beauftragt worden, in der Schweiz Arbeiter für dieselben aufzusuchen. Es wurde dem Konsulate hierauf erwidert, daß nach dem Bundesgesetz betreffend den Geschäftsbetrieb von Auswariderungsagenturen die Beförderung von Auswanderern aus der Schw.eiz nur solchen Personen und Gesellschaften gestattet sei, welche hiefür vom Bundesrathe ein Patent erhalten

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haben, und daß daher die von Herrn Dupouts in der Schweiz beabsichtigte Thätigkeit eine Verletzung dieses Gesetzes bilden würde, vor welcher gewarnt werden müsse. Schon in der in einem baslerischen Blatte erschienenen bezüglichen Annonce läge eine vollzogene Gesetzesverletzung, wenn die Insertion nicht unter Mitwirkung einer patentirten Agentur stattgefunden hätte. Im Uebrigen könne die Bundesbehörde dem Konsulat nicht verhehlen, daß sie aus den ihr vorgelegenen Aktenstücken den Bindruck erhalten habe, es handle sich nicht um ein Unternehmen, das unseren schweizerischen Arbeitern empfohlen werden könne. Es sei fraglich, ob die Arbeiten, die den Auswanderern in Argentinien warten, Leuten zusagen, die an das dortige Klima nicht gewöhnt seien.

Ob Herr Dupouts wirklich0 von der argentinischen Republik bevollmächtigt sei, und welche Garantien für gennue Innehaltung 1 der gemachten Versprechungen geboten seien, darüber liegen keine offiziellen Aktenstücke vor, und es könne dies auch dem Schreiben des Konsulats nicht entnommen werden. Insbesondere falle auch auf, daß die Arbeiter sich verpflichten müssen, unter allen Umständen ein ganzes Jahr an den projektirten Eisenbahnen zu arbeiten. Die Bundesbehörde behalte sich vor, nach Eingang von genaueren Aufschlüssen das Gutfindende vorzukehren.

Leider scheinen nichtsdestoweniger Speditionen nach Argentinien vorgenommen worden zu sein. Dupouts selbst aber befand sieh zur Zeit, wo eine Strafuntersuchung gegen ihn eingeleitet werden sollte, nicht mehr in der Schweiz.

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Bericht des Bundesrathes an die Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1882.

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1883

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2

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17

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14.04.1883

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193-285

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