189

ST

B

e

r

i

ch

t

der ^

Minorität der nationalräthlichen Kommission über Abschaffung des Uniformrotes (Vom 26. Januar 1859.)

Tit.!

Unterm 22. dieses Monats hat der Ständerath beschlossen : 1) es sei der llniformrok bei der eidg. Armee zu beseitigen und durch Einführung der Aermelweste zu erfezen ; .2I der Bundesrath ist einzuladen, zu untersuchen, ob nicht eine weitere Modifikation des Reglements über Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung im Sinne der Vereinfachung , als z. B. Abschaffung der Epauletten, und Abänderung des Lederzeuges, eintreten sollte.

Wie Jhnen der Präsident der zu Begutachtung dieser beiden Beschlüsse niedergesezten kommission eröffnet hat, ist die kommission über den zweiten Beschluß einig. Jn Beziehung auf den ersten schlägt die Minderheit derselben die direkte Annahme desselben v o r , also Abschaffung des Uniformrokes und Einführung der Aernielweste.

Die Minderheit der kommission adoptirt den Grundfaz, daß bei Ausrüstung und Organisation einer Milizarmee nur auf .dasjenige zu sehen sei, was im Kriege von praktischem Nuzen ist, daß somit speziell im Kleidungswefen zwei Hauptmomente in Anfchlag kommen , einInal der G e s u n d h e i t s z u s t a n d des S o l d a t e n und dann die Zwekdienlichkeit der Kleidung bei seinen Dienstverrichtungen. Jn die Categorie der Nebenrüksichten fällt alles. was ans den sogenannten P a r a d e - und Eamas c h e n d i e n s t hinsteuert. Uniformstüke, welche den Schmnk und den Glanz . des Soldaten bezweken , sind nur dann zu rechtfertigen , dann aber auch . zu wünschen . wenn sie in Bestreitung der Kosten gleichmäßigen Stand mit weniger Schinukvollein , aber gleich Gutein halten, oder denselben wenigstens nicht auf belästigende Weise überschreiten.

Vergleichen wir nach diesen Momenten die beiden in Frage stehenden Kleidungsstükei Hier gilt die Stimme und das Benehmen des Soldaten als maßgebendes Urtheil mehr als die Meinung und Ansichten von Ossizieren , die nie unter Tornister und Gewehr gestanden find. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß der Uniformxok dein Soldaten als eine.

^

190 Last und Beschwerde erscheint. Einmal nimmt e.r den größten Rauin in seinem Tornister ein uud erschwert denselben nnverhältnißinäßig, ist uner^ träglich fast, wenn ex als naß verpakt werden muß. Aus Märschen wird Aernielweste und ^apnt gebraucht; für größere. andauernde Manövers wünscht der Soldat stets die Tenue der ^...rIuelwefte. Von den Tirailleurs namentlich hört man häufig die BeuIerrnng, daß fie in der Aermelweste bei ihren Exereieien um ein Merkliches fich leichter fühlen und be^ wegen. Die gleiche Beobachtung will man bei der in Linie exereirenden Jnfanterie gemacht haben. Die Ursache dieser Wirkung vermag sich der Referent inzwischen nicht zu erklären ^ denn die Schöße des sogenannten Schwalbenschwanzes können nicht von so hinderndem Gewichte sein.

Die Ursache muß in der Eonstriietion des Uniformsrakes liegen, um denselben passend und dem Leibe anschmiegend zu machen.

Wenn aber für den Soldaten die ^eit der Ruhe und Mnße eingetreten ist, dann läßt er sich seinen Unifoxinrok wohl gesellen, so daß man diesen gewöhnlich nur bei großen Revüen und Paraden prangen sieht. Ein gewiegter eidg. Stabsoffizier sagte einst: er würde auch bei Paraden lieber geschmierte als gewichste Schuhe sehen, lieber die Aermelir.este als den G al a r o k.

Was die Gesundheitsfrage anbetrifft, so wollen viele Sachkenner dein Frake Vorzüge einräumen; andere stellen sie in Abrede. Hierüber sei einem Laien bloß die Bemerkung erlaubt . daß man nie von .^ranlheitsfällen gehört hat, welche dem Nichttragen de^ Unifvrmsrakes Angeschrieben worden wären, und man kann der angeblichen Behauptung den Unistand entgegen halten. daß im bürgerlichen Leben der größere Theil der Soldaten an Kleider gewöhnt sind , i^ie. in Schnitt und Form der AerInelweste ähnlicher kommen, als dein Frale, f^.e soii^t an die Entbehrung der durch die Schöße des l.l.niformrokes gewährenden Dekung gewöhnt sind.

Sei dein übrigens, wie ihm wolle i Haus. Hof und Heimat für den Soldaten ist fein E a p u t . Wende man an dieses erste und vorzüglichste ^leidungsstük die möglichste Sorgfalt, und nI...In wird dem Soldaten den größeren Dienst erweisen, als durch die Beigabe des feinsten Galarokes.

Jm Weitern , Tit., stellt man an eine Uniform die Forderung, daß sie g e f a l l e , und das niit Recht; immerhin unter der oben angegebenen Beschränkung in Beziehung auf ZIve^dieniichr^ und den Kostenpunkt.

Die Minderheit der kommission ist .^ber der entschiedenen Anficht, und mit ihr sehr Viele, daß eine gut gemachte Aermelweste den Mann .

ebenso militärisch herausstelle, als der ^rak. Der gut gebaute Mann verliert durch fie nicht die Gestaltung seines Wuchses; der in dieser Be^ ziehung weniger von der Natur .Begünstigte wird mindestens durch die Aermelweste nicht noch mehr entstellt, wie dies häufig bei dem Frake geschieht.

Ueber G e s e h m a k s f a c h e n wollen wir übrigens iins weiterer Einläßlichkeit enthalten, um so ..mehr, als das Terrain desjenigen Theiles des Frakes, gegen weichen die zweideutigsten Anfechtungen in der Regel gerichtet sind, von der Aefihetik aufgesucht wird.

, Der Soldat muß an seiner Uniform Freude baben.

19^

Das erregt^

oder erstikt bei ihm das im Militärleben so hochgeschäzte Selbstge-

f ü h l , die Lust zur Reinlichkeit^ und Propretät. und es wäre ein großer.

Mißgriff der Gesezgebung , wenn sie dieses in der Natur des Menschen.

liegende Element außer Acht sezte. Man kann sich in dieser Beziehung.

wegen der Aernielweste vollkommen beruhigen. . Gebe man der Aermeiweste noch einen etwas gefälligern Schnitt, statte fie mit einigen in die Augen fallenden Zierarten aus, was mit unmerkli.^en Kosten geschehen kann. und man wird ein Uniformstük erhalten, das an militärischer Schönheit den antiken Galarok übertrifft, und den Anforderungen der lebensfrohen Jugend ein Genüge leistet.

Diesen vielleicht zu weit in das Einzelne sich verlierenden Bemerkungen zur Bestätigung unserer Ansieht, daß die Aermelweste als das in jeder Beziehung ^zwekmäßigste Ersazmittel für den Unisormrok anzusehen ist, führen wir einige Stellen aus dem Berichte der nationalräthlichen kommission an, welche im November 1850 über die gleiche Frage berathen hat.

Es heißt dort:^ ,,Bezüglich des Waffenrokes erscheine derselbe. mit ,,dem Eapute getragen, als zu lästig; derselbe käme niit langen Schößen ,,auch theuer zu stehen, und überdieß habe er sich noch bei keiner Armee ,,in Winterfeldzügen erprobt.

,,Der bisherige Uniformrok erscheine allerdings als veraltet. Jn der ,,Mitte nun zwischen beiden dürste für. die Uebergangsperiode die AernIel,,weste beibehalten werden, in welcher der Mann sich laicht und frei be,,wege, die zudem wohlfeil zu stehen ka^e, und welch e in V e r b i n d u n g ,,mit einem g u t e n E a p u t r o k e a l l e n A n f o r d e r u n g e n g e n ü g e ,,und den Soldaten zwekmäßig kleide. Der Uniformrok koste Fr. 15, die^ ,,Aermelweste Fr. .^1,^.

,,Für die gewöhnlichen Exexeieien dürste eine zweite Aernielweste von.

,,Zwillich zu empfehlen sein, welche der Mann selbst anzuschaffen hätte. ...

So sprach sich jene kommission aus. ^uch wir halten ans den Fall, daß die Aermelweste an di.. Stelle des Fxakes trete , die Anschaffung einer zweiten, aber geringern Aermelweste, al,... unabweisbares Bedürfniß.

Von dem Wassenroke hat die Minderheit Jhrer Eonimiffion zum Voraus abstrahirt, weil si.^ glaubt^ wi^ der Ständerath, an der Tendenz der Vereinfachung, der Kostenersparniß und der Zwekdienlichkeit festhalten..

zu sollen; denn a^ diesen .Anforderungen entspricht der Waffeurok nicht.

Was den K o s
t e n p u n k t anbelangt, so nimmt die Minderheit der^ kommission den Unterschied zwischen dem Fr..ke und einer schön a.isgestatteten Aermeiwefte aus Fr. 6 ..u.

Wäre man nun im Falle, Tit., die dieses J.^hr eintretende Mili^ma.insehast mit der Aermelweste auszustatten^ so würde nach einer approdimativen Berechnung, .welcher die Anshebung eines Rekruten aus 250 Seelen.

^

^2 .und die Bevölkexungszahl der Kantone zu Grunde liegen . eine Ersparniß .von Fr. 57,324 erzielt, welche Summe zu 4 % ein Kapital von 1.433,100 repräsentirt, was als eine schöne Belohnung für das lobenswerthe Be..

streben nach Vervollständigung des Equipenient der Milizniannschaft be^ brachtet werden könnte.

Von dem Wunsche durchdrungen, daß schon dieses Jahr die Wohlthat fraglicher Ersparniß den Kantonen zu Theil werde, beantragt die Minderheit der Commission : 1) es ist an dem ständeräthlichen Befchlusse festzuhalten; 2) der Bundesrath wird beauftragt, sofort ein obligatorisches Modell der Aermelweste anfertigen zu lassen ; 3) der Bundesrath ist einzuladen, über Art und Weise der weitern Ausführung der vorgeschlagenen Umänderung der nächsten Bundesversammlung Berichte und Gutachten zu hinterbringen.

Es wird sich nämlich, Tit. , fragen , ob eine Umänderung der iezigen .Uniforinfräke in Aermelwesten statt zu finden habe, oder ob die Aermeltesten nur bei neuen Anschaffungen zu effeetuiren seien und somit das Verschwinden der Fräke der Dauer und dem Ende der Uebergangsperiode zu überlassen sei. Mag das Eine oder das Andere beliebt werden , das System der Aermelwesten^ wird keine wesentlichen Jneönvenienzen im Vergleich der durch sie erzwekten militärischen Vortheile mit sich führen.

Der ungewisse Zustand über die Basis des Kleidungswesen muß end^ lich einmal gehoben werden. Schlagen Sie. Tit., den ^eg ein, den der Majoritätsantrag anweist , so werden Sie in einen Kreislauf hinein gexathen und an kein ^nde kommen. Geben Sie hingegen der Umwand.^ lungsoperation eine bestimmte, positive. Grundlage , wie die Minderheit es Vorschlägt, so werden Sie. die Sache leichter. ungleich s c h n e l l e r , so.

wie auch mit großen, vielseitigen peeuniären Vortheilen ausführen. -Sie werden, Tit., das Beste beschließen.

Bern, den 26. Januar 1859.

Namens der Minderheit der Eoinmisfion: ^. Eichel, Berichterstatter.

.^

.193

Erklärung zwischen

..dem schlveiz. .Bundesrathe und der K. B.a^erschen Staatsregiernng, betreffen^ gegenseitige .Befreiung vom Militardienste.

(Vom 26. Wiutermonat 1858.)

Der schweizerische Bundesrath

erklärt, in Folge der zwischen sämmtlichen Kantonen der Eidgenossenschaft .und der Königlich Bayerschen Staatsregierung durch seine Vermittlung getroffenen Uebereinkunft: Daß die Königlich Ba.^erfchen Unterthanen, wenn sie kürzere oder längere Zeit einen der Schweizerkantone bewohnen, daselbst weder zu irgend welchem Militärdienste , noch zu einer Ersazleistung hiefiir angehal.ten werden sollen, und daß die Verbindlichkeit dieser Erklärung erst nach Ablauf eines halben Jahres nach der .beiderseits freistehenden Kündigung erlösche.

Dessen zur Urkunde hat der schweizerische Bundesrath die gegenwärtige Erklärung , welche gegen eine andere damit übereinstimmende des Königlich Bayerschen Staatsministeriums des Königlichen Haufes und des Aeußern auszuwechseln ist, ausgestellt und mit den üblichen Unterschriften.

.und Siegel bekräftigt.

Bern, den 26. Wintexinonat 1858.

.^I..I. ..^.^

Jm Namen des fchweiz. Bundesrathes, Der B u nd e s p r ä si d e n t : l^r. .^urrer.

Der Kanzler der Eidgenossenschaft.. Schieß.

^undes...latt. Jahx^. XI. Bd. I.

..^2 .

194

Erklärung . ^wischen

dem schweiz. Bnndesrathe und der K. .^iirttembergischen Re.^ giernng. betreffend gegenseitige Befreiung vom .^ilitär^ dienste.

(Vom 4. März 1859.)

Der schweizerische Bundesrath erklärt hiermit, in Folge der zwischen den sämmtlichen Kantonen der Eidgenossenschaft, mit. .alleiniger Ausnahme des Kantons Waadt , und der hohen Königlich Wüxttembexgischen Regierung durch seine Vermittlung getroffenen Uebereinkunft : Daß die Angehörigen des Königreichs Württemberg, wenn sie kürzere oder längere Zeit in den dieser Uebereinkunft beitretenden Kantonen wohnen. daselbst weder zu irgend einem Militärdienste, noch zu einer Ersaz^ leistung hiefür den sogenannten Pflichtersaz -- angehalten werden sollen.

Dessen zur Urkunde ist gegenwärtige Erklärung ausgestellt , in hierorts üblicher Form unterschrieben und besiegelt und gegen eine entsprechend^ Gegenerklärung des Königlich Württembergischen Ministeriunis der auswärtigen Angelegenheiten, vom 10. Februar 1859, ausgewechselt worden.

Bern, den 4. März 18!59.

Jm Namen des schweif. Bundesrathes,

^I... ^.^

Der^Bundesprästdent: Stämpfli.

Der Kanzler der Eidgenossenschaft: S...hieß..

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht der Minorität der nationalräthlichen Kommission über Abschaffung des Uniformrokes (Vom 26. Januar 1859.)

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1859

Année Anno Band

1

Volume Volume Heft

11

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

12.03.1859

Date Data Seite

189-194

Page Pagina Ref. No

10 002 710

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv digitalisiert.

Le document a été digitalisé par les. Archives Fédérales Suisses.

Il documento è stato digitalizzato dell'Archivio federale svizzero.