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Schweiz. konsnls in Algier hrn. Eugène Joly von.

Granges, ts.

Waadt) über das Jahr 1871.

(Vom 16. März 1872.)

An den hohen schmeiz. Bundesrath Generalhandel des Departements Algier.

E i n s u h r.

Unter den neununddreissig Artikeln, welche den Einfnhrhandel der Häfen des Departements bilden, bezeichnet man 22, die gegenüber dem Vorjahre eine Vermehrung und 17, die eine Verminderung ausweisen.

Es ist eine ziemlich schwierige Sache, sich über die Ursachen Re..henschast zu geben, welche das Mehr oder Weniger der verschiedenen Jmportationen bewirkt haben. Die Einfuhr von Waaren, denen Algerien nichts Gleichartiges an die Seite zu sezen hat, bietet von einem Jahre zum andern keine fühlbare Differenz dar.

Wohl konnte man sich, im Hinblike aus die stattgefnndenen Unxuhen, auf eine bedeutende Verminderung der für die Eingebogen bestimmten Artikel, wie Kaffee, roher Zuker, baumwollene und wollene Gewebe gefasst machen, aber gerade das Gegentheil ist eingetroffen.

^ ^ .^

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Die Vergleichung einiger Ziffern wird diess beweisen :

Kaffee . . . .

Roher Zuker . .

Baumwollene ^ewebe Hänfene ^ewebe .

Wollene ,, .

Seidene ,, .

1870.

1871. Vermehrung.

. Kil. 942,588 1,095,492 152,964 . .

439,501 646,629 207,128 . ., 11,532,868 15,102,614 3,569,746 . . 1,700,314 2,324,4^1 ^624,087 . ,, 3,535,083 5,252,863 1,717,780 . ,, 880,562 1,677,^83 797,221

Was die Gewebe anbetrifft, so mussten, infolge der im Jahre 1870 bestandenen Unmöglichkeit, aus den vom Feinde besezten D..partementen die von diesen produzirten Artikel zu beziehen, die Waarenlager erneuert werden. Rebstdem ist den Ankäufen Rechnung zu tragen, die in der Absicht, den Zoll aus den aus dem Elsass stammenden Geweben zu vermeiden, gemacht worden sind.

Diess sind die wahrscheinlichen Ursachen der oben bezeichneten ...^ermehrungen.

England hat in diesem Jahre eine grosse Menge seiner Gewebe für den Gebrauch der Eingebogen eingeführt. Diese Sendungen brachten sogar unter dem Zollpersonale eine gewisse Ansregnng hervor; dasselbe suhlte sich, unter dem Voewaude, ^ie nationale Jndustrie vor der immer stärker werdenden Ueberschwemmung mit fremden Waaren zu schüfen, persucht, mit Strenge vorzugehen.

Es hat nicht den Anschein, als ob von der Schweiz aus Vieles nach Algier ausgeführt worden wäre. Die englischen Fabriken machen ihr eine sehr gefährliche Konkurrenz. Unter Anderm ist diess der Fal.l mit den ,,A.drianopler Mouchoirs^, welche sie während des verflossenen Monats .^lugnst zum Durchschnittspreise von Fr. 5. 45 erliessen, Werth bei der Douane deklarirt, d. h. mit Hinzurechnung der Commissionsgebühren für Transport und Versicherung, Unter den andern Artikeln bemerken^ wir noch :

1870.

1871. Vermehrung.

Gesalzenes Sehweinefleisch Kil. 268,950 348,492 79,542 Käse . . . . . . ,, 414,448 415,744 1,296 Mehl . . . . . . ,, 1,857,500 2,043,456 185,956 Kartoffeln . . . . ,, 3,046,565 3,936,092 889,527 Tabak in Blättern und Rippen . . . . " 363,573 494,003 130,430 Weine von allen Sorten, Liter 16,706,484 17,362,831 656,347

^96 Dagegen hat die Einsuhr nachstehender Artikel abgenommen: .^orn .

ferste ,

1870^ 1871. Verminderung.

. ^entner 124,964 6,452 118,512 19,239 55,681 ,, 74,920 Kilogr. 887,114 82.^593 62,521 Meter 1,529,530 822,390 707,140 .^ilogr. 2,859,609 2,497,214 362,395

. .

. .

Reis . . .

Tannenholz .

Rassinirter Znker

Danu kommen die Baumaterialien, Steinkohlen, der Eisenguss, Branntwein u. s w.

Die Ehokolade des Hauses S u c h a r d von Reuenburg ist in Algier ..usserst beliebt.

Ausfuhr.^ Troz der durch die Jnsnrrektion herbeigeführten Krisis hat die Aus-

^fuhr diejenige von 1870 überstiegen. Von 37 Artikeln weisen 27 eine ^Vermehrung aus.

An Schafen waren 1871 Stül^ 195,341 vorhanden. 1870 gab ^s deren nur 144,435., das Mehr betragt also 50,906 Stük.

Ferner wurden ausgeführt : ^Rohe Häute .^oile . .

.Rohes Wachs ^Mehl . .

^rüchte, frische . .

,, getroknete und

gepresste . . . .

..Leinsaamen Tabak

.

.

.

.

.

^livenol . . . .

1870.

193,220 Kil. 668,182 23,358 ,, 3,404,300 ,, 28,220 Rentner Kil. 1,096,387 59,678 ,, 1,734,850 ,, 1,295,752 ,, 740,419

1871.

280,746 1,486,832 32,533 4,978,042 73,546 2,115,939 1,011,514 2,852,975 1,636,348 2,263,550

Vermehrung.

87,526 818,650 9,375 1,573,742 43,326 1,019,552

951,836 1,118,125 340,596 1,523,131

Es ergibt sich aus diesen Zahlen, dass der Exporthandel einen ^.euen Aufschwung nahm; man darf hieraus folgern, dass er, namentlich ..vas das Getreide anbetrifft, das zum grössten Theile während des Krieges auf dem Halme zerstort wurde, noch weit bedeutender hätte.

ausfallen können.

Es ist also glaublich, dass es der Ueberschuss des Vorjahres wax.^ der die Grundlage der vermehrten Aussuhr bildete.

Der Verlust an der Ernte, wie sie unter gewohnlichen Verhältnissen sich gestaltet haben würde, wird aus zwei Fünftel berechnet; die .Ursache wird der anhaltenden Trokenheit zugeschrieben, welche während

des ganzen Frühlings geherrscht hat.

897 ^

^

^

Dagegen war der viele Regen im Herbst ein Hinderniss, das für die Vornahme der Feldarbeiten keine günstigen Umstände zuliess. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Flachs , wenigstens was diejenigen Theile der Ebene anbetrifft , wo das Wasser nur ausserst langsam abläuft, gut ausfallen werde.

Banken.

Reue Banken sind keine entstanden, noch immer sind esdie,,Bank von Algerien^ und die ,,Algierisehe Gesellschaft^, die den ersten Rang einnehmen.

Durch Emission von 10,000 ^Aktien, zu Fr. 500 per Aktie, nebst einem weitern für den statutarischen Reservefond und zur Dekung perfeh.edener Auslagen bestimmten Betrag von Fr. 200, hat die Bank ihr .Kapital vervollständigt.

Die Diskontgeschäfte vom 1. Rovember 1870 bis 1. Rovember 1871 beliefen sich: in Algier . . . . ans Fr. 42,.)^,7l2. 85 ,, Bona . . . . ,, ,, 13,372,295. 26 ,, Konstantine . . , , , , 55,65^,075. 33 ,, Oran . . . . ,, ,, 38,949,032. 82 zusammen Fr. 150,931,116. 26 (Fr. 2,220,530. 79 weniger als 1870).

Der Ertrag an Agio belief sich auf .^r. 1,926,887. 08, was einer Vermehrung von Fr. 629,193. 74 gleichkommt, die hauptsächlich aus den Finanzoperationen zwischen Bank und ^taat entstanden ist.

Wirklich betrugen die Vorschüsse an den Staat nicht weniger als zwölf Millionen Franken.

Die mittlere Zirkulation der Bankbillets hat sich um Vieles ver-

mehrt: am 31. Oktober lezthin war sie auf Fr. 34,732,450 gestiegen.

Bekanntlich war die Bank zu einer Erhohung ihrer Zirkulation auf .34 Millionen ermächtigt worden.

Die Liquidation der prorogirten Werthe erfolgte in ziemlich befriedigeuder Weise. ohne die Fortdauer der Unruhen in der Vrovinz Konstantine wäre sie noch günstiger abgelaufen.

An Effekten sind unbezahlt geblieben : in Algier . . . . Fr. 14,139. 66 ,, Bona . . . . ,, 21,201. I3 " Eonstantine . . ,, 248.950. ,, Oran . . . . ,, 3,820. 45 Total Fr. 288,111. 23

898 An Zinsen und Dividenden wurden im ganzen per Aktie Fr. 66 vertheilt.

Troz der Gunst, deren sich die Bank seitens der Regierung zu erfreuen hat, ist es dem Handelsstand nicht gelungen, eine Verminderung des Diskontfusses zu erwirken. Er bleibt unabänderlich aus 6 ^ fest^se.^

Verkehrswege.

Nachdem nun die Linie Algier-Oran in vollem Betriebe steht, tritt j^zt die Eisenbahnverbindung Eonstantine^Algier in den Vordergrund.

Bereits sind, in Bezug hieraus, der Regierung Anträge gemacht wor-

den sür den Fall, dass die Gesellsehast des ^aris-L^on-Med^r.^....

nicht sür den Bau des Werkes ihr Bxivileginm geltend machen wollte.

..^ran^rtmittel zur See.

Der Gesellschaft der Vostdampsschisse ist der Bostdienst zwischen

Marseille, Algier, Bhilippeville und Oran, sowie der Küstendienst durch die Gesellschaft Vale.^v, frères, in Marseille entwunden worden.

Richts desto weniger hat sie eine wöchentliche Fahrt beibehalten, mit Abgang von Marseille an den Samstagen und von Algier an den Dienstagen.

Aus Gründen besonderer Konvenienz wurde die Gesellschaft Valez.., ermächtigt, ihre Dienstagsabsahrten nach Marseille und .Bona aus Mittwoch zu verlegen.

Ausser diesen Verbindungen hat auch die gemischte Schisssahrtsgesellschaft einen Dienst zwischen Marseille und Algier. Die Abfahrten finden Donnerstags statt und diejenigen der ^o^élé ^.n..^.... aérienne

Dienstags Abends 5 Uhr.

Assekuranzen.

Die Seeversichernngs^Gesellschaft ^ne Agentur errichtet.

,,La Lyonnaise^ hat in Algier

^esezlicher ^in^sn^.

Die zum Zweke der ^Ermässigung des gesezlichen Ziuss..sses, von 10 aus 6Vroze^t, stattgesundenen Verhandlungen haben, troz der günstig lautenden Gutachten der Handelskammern, zu nichts geführt.

899 .

Einwanderung.

Es werden Versuche gemacht, um die lothringischen und elsässischen Auswanderer nach Algerien zu ziehen. Zu ihren Dunsten sind von der Nationalversammlung 100,000 Hektaren angewiesen worden.

Da offizielle Rachweise uns nicht zur Versügung stehen, so ist es unmöglich, die Bedeutung dieser Einwanderung mittelst fahlen zu definiren. Es scheint aber nicht, dass sie bis jezt den Erwartungen der Beförderer des Brojekts entsprochen habe.

Schweizergesellschaft.

nichts Reues.

ST

Bericht

des Schweiz. Generalkonsuls in Neapel hrn. Oskar Meuricoffre von Frauenfeld) über das Jahr 1871 (Vom 23. März 1872.)

An den hohen s.chmeiz. Bundesrath.

Tit. l Obgleich sieh in den ersten Monaten des Jahres 1871 der franzofiseh-deutsche Krieg noch sehr fühlbar machte, so ging es doch, troz dem dureh die zweite Belageruug von Baris erlittenen Gegenstosse nicht lange, bis dem Friedensschluß ein Aufschwung in kommerzieller, in..

dustrieller und finanzieller Hinsicht nachfolgte, dessen wohltätige Wirkungen sich während der übrigen Monate des Jahres immer weiter ver.breiteten.

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Bericht des schweiz. Konsuls in Algier Hrn. Eugène Joly von. Granges, Kts. Waadt) über das Jahr 1871. (Vom 16. März 1872.)

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13.07.1872

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