757 rücksichtlich der gesammten am Rothbach in Frage kommenden Schwellenund Wasserpolizei. Jn den Bereich dieser Schwellenpolizei fallt auch die Handlungsweise des Pächters Bohnenblust und es liegt darum die Begründung der vom Kanton Bern diessalls in Anspruch genommenen

Jurisdiktion ausdrücklich in dem Staatsvertrage von 1823.

Die reserirende Kommission stellt mit Rücksieht auf ihre Anbringen den Antrag aus Zustimmung zum Besehlusse des Ständerathes vom 8. Rovember 187l, respektive aus Abweisung des Rekurses der Regierung von Aargan.

B e r n , den 7. Februar 1872.

Für d i e K o m m i s s i o n : B. Ficher Note.

Angenommen am 7. Februar 1872.

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der

.kommission der Bundesversammlung betreffend den .Kompetenzkonflikt des Kantons Hessin gegen die .bereinigten Schweizerbahnen in Sachen der Lukmanier-Kaution

(Von. 8. Februar 1872.)

Tit.l Der Kanton .Hessin gab den 4. Ehristmonat 1856 der dentschschweizerischen Kreditbank in St. Gallen eine Eisenbahnkonzession von der sardinischen Grenze bei Brissago dureh den Kanton Hessin bis an die Grenze.

von Graubündten auf dem Lukmanier, welche vom Bund genehmigt wurde. Der Art. 23 dieser Konzession schreibt vor, .,dass alle Streitigkeiten, die zwischen der Regierung von Hessin und der Gesellschast entstehen sollten, vor einem Schiedsgericht zu erledigen sind, für welches

jeder Theil gleich viele Mitglieder zu ernennen hat. Die Schiedsrichter

758 haben bei gleichgetheilten Stimmen ...ne.. Obmann ^ wählen, welcher zu entscheiden hat. Wenn eine ^....th... die Wahl nicht vornimmt oder die Angabe der ^ahl verweigert, oder u..enn die Schiedsrichter über die .Wahl des Obmanns sieh nicht einigen konnen, s o w i r d d a s B u n d e .. g e r i ch t d i e ^ a h l .^ .. r S ch i e d s r i ch t e r b e s t i m m e n u n d .^ i e W a h l d e r d i c h t e r n n d d e s O b m a n n s v o r n e h m e n d (Vide Konzes.ion ^ 23, 15.)

Jn Folge der Konzession ^ur^e in zweien Malen von den Kon^essionären zusammen l 50^000 Franken Kantion erlegt. Gegen Ende des J.^res ....6l ..^nrde durch den Grossen Rath von Dessin die KonCession als erloschen erklärt und ...en .). ^.uar 1862 erkläre die Mehrheit des Grossen Raths, entgegen einem Antrag der Regierung ans .^er...usgab.. der Kaution, die lettere als dem Kanton verfallen. Als später im Jahr l ^69 .^.ie l^nion suisse als behauptete Rechtsnaehsolgerin der Kreditbank die Kantion ..,nrück.....rlang^e, ^nrde .^iese verweigert, ebenso wurde oie Bestellung oes Schiedsgerichts verweigert un... als ...ie Klägerin in ^olge dieser Weigerung an^s ^nndesgerieht gelangte, bestritt der Kanton .Hessin, resv. .^er ^taatsrath Ramens des Kantons, die Kom^ petenz des ^undesgerichts znr Wahl .^er Schiedsrichter ans dem Grnnde, weil die Konzession dahingefallen sei und der Artikel betreffend das Schiedsgericht nur beim nnd ^ähren.^ d..^ ^^.ftandes des Vertrags Sinn.

Bedeutung unl^ l^^sten^ habe. .^omeit der für ^ie Entscheidung der Bundesversammlung erhebliche ..^ h a t l.. e st a n .^ Die Kommission glaubt sich und Jh..en die Entsch..i^..ng zn erleichtern, wenn sie vorerst mit Bestimmtheit ansspricht, ..^as in der .^ache von der Bundesversammlung n i eh t zu untersuchen, nicht ^n entscheiden ist.

^l^t ^ur Streitfrage (wie sie sich sur uus gehaltet ^ g.^hvrt unserer Ansieht nach.

  1. Die Untersn.hu..g,^ ob der richtige Kläger vor ...^uu^esgerieht ansgetreten sei, mit andern Worten, ob der Kanton ..Hessin ^en Rechts. übergang an die t^nion suisse noch bestreiten konne, resp. ob die l..linon suisse sieh als Rechtsna.hsolger der Kreditbank schon ansgewiesen oder noch auszuweisen hat ^ b. Rieht zu unserer Untersuchung gehort ferner die .^rage, ,^ob Hessin allsällig auch jet^t noeh die Wahl seiuer Schiedsrichter selbst vornehmen kann oder ob die Wahl des Gerichts bereits definitiv an die Kompetenz des Bnndesgeri^hts übergegangen sei.^ c. Endlich nicht ^u untersuchen ist sür nns, welcher der beiden theile materiell Recht habe, resp. ob ......essin die 150,000 ^r. behalten kann oder wieder an.^hinzngeben hat. Alle diese Fragen müssen dem schließlich kompetent erklärten Gerichte vorbehalten bleiben.

759 Was wir zu untersten nnd zu entscheiden haben, ist lediglich die ^rage : .,Mnss der K a n t o n T e s s i n vor d e m in der K o n z e s s i o n b e s t e l l t e n S c h i e d s g e r i c h t Recht nehmen, r e s p . h a t d a s B u n d e s g e r i c h t ( i m m e r nach d e m W o r t l a u t d e r K o n z e s s i o n ) d a s e i n z i g k o mp e t e n t e G e r i c h t s ü r d i e B a r t h e i e n in S a c h e n z u b e st e l l e n , s o s e r n H e s s i n d i e W a h l v o n S ch i e d s .. i ch t e r n a b l e h n t ^ ^ Zu dieser letztern Frage stellt nun Tessiü zwei Einwendungen .

  1. Die Bundesversammlung sei in der Sache ganz und gar nicht kompetent.
  2. Das Schiedsgericht sei mit dem Hinsall der Konzession ebensalls dahingesallen. ...^it andern Worten soll das ....ohl heissen . Ein vertragsgemäß Schiedsgericht könne überhaupt nur mährend des Bestandes de... Vertrags, in ^em es stipnlirt sei, sunttioniren.

Diess fin^, wie nns scheint., d.e einzigen zwei Eln.veudungen, deren ..^rund o^er Ungrund zu untersuchen ist.

Wir halten nnn ^ur ersten Einwendung allerdings die BundesVersammlung zu diesem Entscheid sür kompetent, ja geradezu sür einzig kompetent, denn ^enn dieser Rath nicht entscheiden kann, so ist die eine Barthei in d i e s e r F r a g e , in der .^rage des Gerichtsstandes, o h n e Richter , die e i n e Barthei hätte dann g ü l t i g gegen die a n d e r e entschieden, dass der Vertragsgerichtsstand nicht Blatz greife, mit andern Werten, ...in^ Baxthei .^ürde von der andern in einer klaren Vertragsfrage rechtlos erklärt.

Die Bundesversammlung ist^ aber anch positiv nach der Bundesverfafsnng und den Bundesgese^eu kompetent^

Die ^.lrt. 92 und 93 des Bundesgese^es in bürgerlichen RechtsStreitigkeiten vom 22. Rovember 1850 sagen klar, wenn ein Beklagter

die Kompetenz des Bundesgerichts 3 Wochen vom Empfang der Klag-

schrift an bestreitet, so werden die Akten im ^all des Kompetenzkonflitts dem Kläger ^nrüekgestellt und ihm überlassen, ^en Entscheid der BundesVersammlung anzurusen. Soweit das Gesetz. Die Bundesverfassung,

Art. 74, Zisf. 17, in Verbindung mit Art. 80, besagt ausdrücklich, dass

,, K o m p e t e n z streitigkeiten ^ von der Bundesversammlung zu entscheiden sind. Es ist nicht richtig und der l a n g j ä h r i g e n B r a r ^ i s in dieser Frage auch durchaus e n t g e g e n , dass es sich hiebei um Streitigkeiten staatsrechtlicher Ratur handeln müsse ^ wiederholt sind rein civile Streitigkeiten hierunter subsumirt worden. Die staatsrechtlichen Streitigkeiten stehen ja unter einer besondern srühern Ziffer (t6). Es ist niel,t einmal gesagt, dass bei diesen Kompetenzstreitigkeiten gerade und ausschließlich Kanton gegen Kanton oder Kanton gegen Bund stehen.

760

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müsse. Die Ziffer lautet allgemein .^Kompetenzstreitigkeiten^ und beispielsweise nur wird zugefügt : ^insbesondere ob. ein Gegenstand in. den Bereich des Bundes oder der Kantonalsouverainität gehore, ob in die Kompetenz des Bundesraths oder des Bnndesgerichts.^ Andere Falle sind aber keineswegs ausgeschlossen.

Jm gegebenen Fall ist indessen selbst der Eharakter nicht zu ver^ kennen, dass ein Kanton vertragsgemäß einen Theil seiner Gerichtskompetenz im Jnteresse eines mit dem Kanton Kontrahirenden an den Bund, an das Bundesgericht nän.lich , abgetreten hat, so dass auch die formalsten Bedingungen zutreffen. Die Bestimmung in der Konzession, dass Tessin auf seine kantonalen Gerichte nicht nur verzichtet und ein

Schiedsgericht als einzig kompetent erklärt, sondern dass auch die Durchführung dieser Vertr^agsbestimmung unter den Schutz des Bundes gestellt wird, ist^von vorleuchten^er und signifikativer Bedeutung in der Sache.

Der Mitkontrahent sichert^ sich hoehst vorsichtig d i e s e s S c h i e d s -

g e r i e h t, entgegen der kantonalen ..Staatshoheit, indem im Vertrag bestimmt wurde, wenn eine Barthei sich dem Schiedsgericht entziehen wolle, die Richter nicht wähle oder den Obmann nieht bestellen helfe,

so gehe die Bestellung des ganzen Gerichts. resp. die Bestellung des in Sache einzig zuständig erklärten vertr..gsgemässen Forums, an das BundesBericht über.

Wir konnten unsern Schlussantrag ebensogut in der ^orm geben, ,,dass ...as Bnn.^esgerieht, sosern Tess.n das Schiedsgericht nicht will bestellen helfen, von sich aus das Schiedsgericht zu bestellen habe.^ Diess wäre in der Sache und sür die klagende Barthei ganz das Gleiche.

Die Kommission ist demnach der Meinung, dass der vorliegende Fall unter jedem Gesichtspunkt in die Kompetenz der Bundesversammlung

fällt.

^

Die zweite Einwendung Tessin's, dass ,,das vertragsgemäß schied.^ gerichtliche Forum mitdahingesallen sei, weil ....ie Konzession selbst dahingefallen sei,^ will der Kommission noch viel weniger einleuchten. Jn

der ......hat hat man anfänglich Mühe, diesen juridisch zugespi^ten Ge-

danken überhaupt nur in sich auszunehmen und einer ^lnal^se zu unterstellen. Wie . ein vertragsgemäss ausgestelltes ^orum soll (notabene über Streitigkeiten, die s i e h a u s dem V e r t r a g e h e r l e i t e n) von selbst und ohne dass diess im Vertrag gesagt wäre, dahinsallen, wenn etwa die. Zeit des Vertrags abgelaufen ist, oder der Vertrag sonst da-

hinfällt^

Rehmen wir ein Beispiel: Mehrere Gesellschafter haben einen ^oeietäts-Vertrag geschlossen, der über alle Streitigkeiten aus dem Vertrag ein ,,Vertr...gssorum^ festsetzt. Der Vertrag sei auf 3 Jahre

gestellt , er enthalte die Bedingung, dass beim Eintritt oder Riehteiütritt

76l bestimmter Thatsachen der Vertrag dahinfalle und dergleichen. Der Vertrag ist ^un ausgelaufen oder dahingesallen. Es ergeben sich aber erst bei der Liquidation oder noch später Streitsragen aus d e m V e r t r a g . Welchem Richter wird einfallen, zu sagen, dass sich jeder frühere .Kontrahent naeh Belieben dem unter den ......Teilnehmern festge.stellten und allen zugesicherten Forum entziehen konne^ Das sehiedsgerichtliche ^.orum ist in der Konzession ja gar nicht an die Z e i t gebunden worden, sondern an den U m s t a n d , dass die Streitsragen aus dem Rechtsverhältniss resultiren müssen. 1n casn .var die Kaution ja von der K o n z e s s i o n gefordert und ist mit Rücksieht ans die K o n z e s s i o n gegeben worden. Hessin empfieng sie und behält sie, weil es behauptet, dass sie krast Bestimmungen des Vertrags , resp. wegen Richtersüllung desselben versallen sei. Die Gegenpartei ihrerseits behauptet, dass kraft anderer Bestimmungen des gleichen Vertrags eben diese Kaution nicht versallen sei und zurückgegeben werden müsse. Wie kann man, auch abgesehen von der wie uns scheint gänzlich haltlosen Theorie der Gül.^ tigkeit des ......ertragssorums nur während der Dauer des Vertrags selbst, sich aus der einen ^eite aus einen Vertrag beruseu, aus einem Vertrag seine Rechte und Handlungen herleiten und aus der andern Seite der

zweiten Vertragspartei das Recht, Artikel des gleichen Vertrags (Art. 23)

hier geltend zu machen, bestreiten, durch einseitigen ^arthei^Spruch weg^ dekretiren^ Jn der That, ich dars durch weitere Raisonnements diese .^ache nicht sortspinnen. Jch müsste fürchten, Jhre Geduld zu ermüden.

Jn Rückblick ans vorstehende ^rorterung bringt Jhnen die Kommission den ausgetheilten ...lntrag: Die der

Bundesversammlung

schweizerischen

Eidgenossenschaft,

nach Einsieht einer Zuschrift des Bundesrathes vom 1. Rovembex 1871, der Zusehr^ft ^er Generaldirektion der Vereinigten Schweizerbahnen vom 22. Juni 1871 und der Antwort des ^taatsrathes ^es Kantons Hessin vom 25. Oktober 1871, in Anwendung des ^ 74, Ziffer 17 der Bundesverfassung und

der ^ 92 und 93 des Bnndesgese^es für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten vom 22. November

1850,

besehliesst: 1. Der Kanton Hessin hat in dem Rechtsstreite, betreffend ,,Verfalt. o.^er Rückgabe der von den Konzessionären des Eisenbahnprojekts über den Lnkmanier (siehe Bundesbesehluss vom 22. Ehristmonat 1856)

762 hinterlegten Kautionssumme" por dem in Art. 23 der sachbezüglichen .Konzession festgestellten Schiedsgerichte Recht zu nehmen.

2. Mittheilung des Beschlusses an das Bnndesgerieht und di...

Partheien durch Vermittlung des Bundesrathes.

B e r n , den 8. Februar

1872.

Rumens der ..kommission, Der B e r i c h t e r s t a t t e r .

Kappeler.

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Bericht der

ständeräthlichen kommission betreffend den Rekurs Eggmann und Konsorten.

(Vom 16. Februar 1872.)

Die Thatsachen, welche dem Rekurse zu Grunde liegen, sind folgende.

.Am 22. August 1871 wurden mehrere, theils verheiratete, theils unverheiratete Männer in Basel vo.n dortigen Kriminalgeriehte, wie vom korrektionellen Gerichte, wegen Schändung von Minderjährigen und Unzucht mit Kindern von 13 bis 16 Jahren zu Strasen verurtheiit.

Einige derselben erklärten die Appellation, andere nahmen das ertassene Strafurtheil an.

Die Angeklagten, welche appellirt hatten, stellten vor Appellationsgericht das Verlangen, dass sämmtliche Protokolle der Kriminal-, resp.

korrektionellen Gerichtsverhandlungen, zu den Akten gebracht werden, somit auch jene, welche die übrigen Angeklagten betrossen, die nicht

appellirt hatten.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht der Kommission der Bundesversammlung betreffend den Kompetenzkonflikt des Kantons Hessin gegen die Vereinigten Schweizer bahnen in Sachen der LukmanierKaution (Von. 8. Februar 1872.)

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Jahr

1872

Année Anno Band

1

Volume Volume Heft

16

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

20.04.1872

Date Data Seite

757-762

Page Pagina Ref. No

10 007 228

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