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Bericht des

schweizerischen Konsularagenten in Knoxville Tennessee, (Hrn.

Peter Staub von Bilten) über das Jahr 1871.

(Vom 1. Februar 1872.)

An den hohen schmeiz. Bundesrath.

Tit..

Der Gegenstand, welcher im Ra...on meiner konsularischen Wirk..

samkeit mich am meisten, jedoch nicht in ebendemselben Masse wie in den beiden verflossenen Jahren, beschäftigt, ist die Ansiedluug von Grandi Connty. Heute darf ich erklären, dass diese so viel verlästerte .Kolonie einer gedeihlichen Zukunst entgegengeht. Alle Berichte, die wöchentlich von dorther bei mir einlausen, lauten dahin, dass die Kolonisten in diesem Jahre für ihren eigenen Unterhalt und denjenigen

ihres Viehes hinlänglich produzirt haben. Eine gewisse Anzahl der-

gelben hat im verflogenen Jahre die Kolonie verlassen , die Zurük gebliebenen aber kauften den Wegziehenden ihr dortiges Eigenthum ab.

Fünfzig zurükgebliebene Familien besizen jezt doppelt soviel Vieh, wie früher deren achtzig. Die Aussichten der Kolonie berechtigen jezt zu den fehonsten Hofsnungen. Roch giebt es Raum genug für Solche, die den schweren Anfang zu überwinden vermogen, um sich eine angenehme

Existenz zu gründen, auch sür das gesellsehastiiche Leben, die Ausbildung

der heranwachsenden Jugend und die kirchlichen Bedürfnisse wird immer .besser gesorgt. Was ich bereits früherhin über die Einsuhr von ErZeugnissen schweiz. Jndustrie gesagt habe, gilt mehrtheils auch für dieses Jahr. Unsere Uhren sind ..m Süden sehr geschäht. Die Handelshäuser

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sind fortwährend mit Schweizermousseline, mit Seidenwaaren und seidenen Bändern angefüllt. Jm Süden dauern die .klagen wegen der ...bermässig hohen Zolle fort :. man ist hierdurch. genothigt, sich für viele Artikel an die Manufakturen der Rordstaaten z... wenden, deren Brodukte mehr für den Sehein als den Gebrauch angefertigt find.

Der politische Zustand bessert sich täglich ; von der gesürehteten Gesellschaft .,I.^I..1u.^ weiss man hier nichts. Leben und Eigenthum sind ebenso sicher, wie nur irgendwo im Osten, Westen und Worden der Vereinigten Staaten.

Die leztjährige Ernte in Tennessee war im Durchschnitt eine sehr mittelmäßige, trozdem stehen die Preise der Lebensmittel sehr niedrig.

Sehnlich wünscht man hier Schweizereinwanderung herbei. Rach meiner aus vielsache Ersahrungen gegründeten Ansieht dürfen den Aus^ wanderern empfohlen werden: ^er Staat Tennessee, ganz besonders Ost^.

und Mittel-Tennessee, Rord-Alabama, Rord-Georgia , Virginien und ein Theil^ von Rord-Karolina. Das milde Klima, die gesunde .Lage, die angenehme Abwechslung von Berg und Thal, die fliessenden Gewässer. das theilweise sehr fruchtbare Land, die sür Wein- und Obstbau, für Milchwirtschaft und Käsereien paffende Lage, all' Diesem werden unsere Landsleute bei weitem den Vorzug vor den kahlen, baumlosen Brairien des Westens einräumen.

Die Bevölkerung von Knox^ville bezeugte unsern Landsleuten bei

Gelegenheit der Gedächtnissfeier des Grütlischwurs, welche am 17. ...^o-

pember 1871 stattfand, ihre ^mpathien. .^ Unser Gesangverein hat sich mit dem deutschen verschmolzen, ein Umstand, der allein schon hiereicht, um die Harmonie zu konstatiren, die zwischen den Emigranten beider

.Länder besteht.

Schliesslich erlaube ich mir noch, über die Frage der Auswanderung im .Allgemeinen einige Worte beizufügen. Was ich hierüber äussere, beruht aus einer vieljährigen Ersahrung. Sehon seit 1856 war das Wohl und Wehe meiner Landsleute in dieser Gegend Gegenstand meiner besondern Sorge. .^lm meisten war meine Aufmerksamkeit auf die Schwierigkeiten gerichtet, mit denen die Reuangekommenen zu kämpfen und darum den Rath eines Mannes, der sie aus eigener Ersahrung kennt, nöthig haben.

Man hat der schweiz. Bundesregierung seiner Zeit angerathen, im ^üden und Westen der Vereinigten Staaten Emigrationsbüreaux^ zu errichten oder deren Einrichtung zu begünstigen. Mit dieser Meinung stehe ich in schnurgeradem Widerspruche: es würde damit nur unnöthig Geld verschleudert und unsere Landesregierung überdies mit einer Verantwortliehkeit beladen, wofür ihr, mit Reeht, .Niemand Dank wüsste.

Es wäre eine sehädliehe Bevormundung, wollte man unsere Landsleute.

808 so lange leiten, bi... fie Amerikaner geworden und fähig, sich selbst zu genügen. Statt zu nüzen, würde man ihnen Schaden znsügen. man würde den Augenblik hinausschieben, wo sie notgedrungen sieh i.1 die Umstände fügen lernen, wo sie sich mit der Sprache vertraut machen, gewisse Vortheile sich aneignen und Sitten und gebrauche sowie die Lebensweise der Amerikaner annehmen. Die Regierung hat ihrer ..^flieht ein genüge gethan, wenn ste , durch Vermittlung ihrer Konsuln, den Emigranten während dex Reise und bei der Ankunst ihren Schuz an-

gedeihen lässt. Eine Einmischung in die personlichen Angelegenheiten

dieser Leute ist unpassend ; besser ists, sie gleich von Ansang a.. auf

ihre eigenen Füsse zu stellen. Das wichtigste Ersorderniss sur sie ist die Erlernung der Sprache ; hierbei erlernen sie zugleich alles Dasjenige, was sie über Eharakter und .Lebensweise der .Amerikaner zu wissen nothig haben. Die äusserst zahlreichen Schweizervereine suehen ihnen zur Arbeit zu verhelfen und sehüzen sie durch ihren Rath vor dem Beschwindeltwerden.

Was das von der Schweiz zu beobachtende Verfahren anbetrifft, so ermuthige sie weder die Auswanderung nach den Vereinigten Staaten, noch entmuthige sie dieselbe. Ein solcher Entsehluss muß mit vollster Freiheit gesasst werden. Jch muss jedoch gestehen, dass ich in den durch die Emigration geschaffenen neuen Verhältnissen bloss jnnge .Leut^ und

solche in der Krast ihres Alters glüklich gefunden habe. Leute von

vorg^rüktem Alter fühlen sich in den neuen Verhältnissen änssers^ übel und sollten eine solche Veränderung zu vermeiden suchen.

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Bundesrathsbeschluß betreffend

die Konzession eines zweiten Telegraphendrathes zwischen Basel und Olten an .das .Direktorium der schweizerschen Centralbahn in Basel.

(Vom 15. April 1872.)

Der Schweizerische B u n d e s r a t h , nach Einsieht eines Gesuches des Direktoriums der schweizerischen Eentxalbahn in Basel, vom 2. Februar 1872; nach Einsieht des Berichtes des schweizerischen Bostdepartements,

...om 13. April 1872;

m Anwendung von Art. 1 des Bundesgesezes betreffend die Organisation der .......elegraphenvexwaltung , vom 20. Dezember 1854,

b e schl i esst : Dem Direktorium der schweizerischen Eentralbahn in Basel wird eine Konzession zur Anbringung eines zweiten Teleg...aphendr..thes längs der Eisenbahnlinie zwischen den Bahnstationen Basel und Olten unter folgenden Bedingungen bewilligt: 1. Der zur Verbindung der beiden oben bezeichneten Vunkte bestimmte Telegxaphendrath soll durch den Konzessionär und auf dessen Kosten nach vorhergegangener Verständigung mit der Telegraphenverwaltung erstellt werden.

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Bericht des schweizerischen Konsularagenten in Knoxville, Tennessee, (Hrn. Peter Staub von Bilten) über das Jahr 1871. (Vom 1. Februar 1872.)

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Jahr

1872

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1

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16

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

20.04.1872

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806-809

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