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Schweizerisches Bundesblatt

XXIV. Jahrgang. L...

Nr. 32.

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13. Juli 1872.

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des

Schweiz. Konsuls in Liverpool hrn. Ch. Borget, von Genf) tiber das Jahr .l 871.

(Vom 28. Februar 1872.)

An den hohen schn.eiz. Bundesrath Tit. l Die Rükkehr des Friedens und die verhältnissmässige politische Ruhe , die stch daran knüpft , haben dem Handel einen bedeutenden ...Schwung verliehen. Rachsolgende Zahlen weisen den Umfang der Geschäste und die Prosperität, welche hieraus für alle Klassen der Gesellschast hervorgegangen, auf's schlagendste nach.

Die Einfuhr ist auf den Werth von 326 Millionen Pfd. Sterl.

und die Ausfuhr auf 220 Millionen gestiegen, - gegen das Vorjahr ein Mehr von 10 Brozent.

Die Einfuhr besteht aus einer grossen Menge von Waaren , von denen ich einige der wichtigsten und interessantesten hier bezeichnen will : Baumwolle 15,844,000 Zentner, Werth 56 Millionen.

Wolle 319,511,000 Bfund, Seide 8,251,000 ., Hanf, Flachs .e. 3,917,000 Zentner, Leder 1,278,000 ,, Bauholz u. A.

Bundesblatt. Jahrg. XXIV Bd. 11.

,, ,. 171/2 ,, ,, 9 ,, " 8 ,, , , 4 ,, ,, 12 62

,, ,, ,, ,,

.^78 Auch die Einfuhr von Korn, Thieren und Vietualien ist enorm Getreide überhaupt 42 Mill.

Ochsen, Hammel ...^5^ " Schweineschmalz, gesalzenes Fleisch 41/2 ,, 31/2 Käfe 7 Butter Eier 11/2

Reis Wein

Thee Kaffee

Oel

Betxoleum Oelkuchen

21/2 7 111/2 51/2 6

11/^2

^etroknete Trauben 2 Mill.

Zuker und Melasse 181/2 Tabak 1^..

Orangen n. Eitronen 1 Hopfen 1

Weingeist als Supple-

ment des hier faWirten 3 Guano 2 Oelsaamen 7

Talg Jnd^

Eaoutchoue Handschuhe.

3 1

11/2 11/2

Hinzuzurechnen sind noch 12 Millionen , als Werth der in England eingeführten baumwollenen, wollenen und seidenen Gewebe, während doch gerade in diesem Lande Fabriken aller Art die Erzeugnisse in grössern Mengen liefern als anderwärts.

An der Spize der Ausfuhr stehen von Rechtswegen die Erzeugnisse der englischen Jndustrie, mittelst deren ein Theil der Bevölkerung der Erde gekleidet werden soll. ..^ie baumwollenen ..Gewebe, welche in Jndien und Ehina den stärksten Absaz finden, erreichen die Ziffer von

^ 57,635,000 und repräsentiren 3,410 Millionen ^ards oder 9 Miltionen per Tag ; wollene Gewebe

27 Mill. Sterl.,

^ Zeu^e 71/2 ,, Seidenwaaren 2 ,, Garn, baumwollenes 15 ,, 6 wollenes 2 ,, flächsenes ^ seidenes

Kleidungsstüke

^

,, . Hauptsächlich nach Eanada, nach den Vereinigten Staaten und Australien bestimmt.

Stiefel, Schuhe und Sattlerarbeiten 21/2 Millionen.

Der Export von Guss- und anderm Eisen, Erzeugnisse des Landes

und seiner Arbeit steigt auf 3,172,000 Tonnen , im Werthe von 26 Millionen. Die Vereinigten Staaten sind die wichtigsten Abnehmer.

879 .^ Eisenbahnschienen für 4 Mill., Telegraphen^Drähte sür l1/2Mill.,^ Verarbeitetes .^npfe... und anderes 3 Mill.,

Blei und ^inn

11/2 ,,

Dampfmaschinen Andere Maschinen

2 4

,, ,,

wovon ein grosser Theil für russische Rechnung.

....^uineaillerie und Messerschmiedwaaren 4 Mill.

Töpserwaaren .

1^... ,,

Bohlen, 13 Mill. Tonnen, Werth ^ 6,267,000. .

Ale und Bier, ea.

,, 2,000,000. Der Werth des Exportes nach Jndien betrug ^

Militärausrüstungs-.^egenstände

350,000.

21/2 Miil.

Die aus die Auswanderung bezüglichen offiziellen Zahlen find noch nicht veröffentlicht ; wir wissen jedoch , dass von .Liverpool im Jahr.^

1871 1870

166,186 Bersonen und 163,032 abgereist find.

Dieser enorme Verkehr erheischt begreiflich vexhältnissmässige Transportmittel, und um Jl^.en hievon einen Begriff zu geben, erlaube ich mir , die in den offiziellen Berichten angegebene, im Jahre 1871 zur Verwendung gekommene Tonnenzahl. mittheilen.

Eingelausen sind in den Häfen ^ross^Britanniens : 111/2 Mill. Tonnen, unter englischer Flagge, -- eine mehr als im .

lezten Jahre.

5 Mill. Tonnen, unter fremder Flagge , -.-- eine halbe Mill..

mehr als im lezten Jahre.

161/2 Mill. Tonnen, gegenüber von 15 im lezten Jahre : 131/2 Mill. kamen aus ausländischen Häfen und 3 Mill. aus den britischen Bedungen.

Ausgelaufen sind aus unsern Häfen : 131/2 Mill. Tonnen, unter englischer Flagge, d. h. eine Vermeh-

rung .^on 11/2 Mill.

51/2 Mill. Tonnen , untet fremder Flagge , d. h. eine Vermehrung von .1/2 Mill.

19

Mill. Tonnen, Vermehrung Davon gingen :

16 3

Mill. nach ausländischen Häfen und Mill. nach den britischen Bedungen.

21/2 Mill.

^80 Die grosse Ausdehnung des Handels und die Thätigkeit der Jn-.

dustrie , welche einen allgemeinen Wohlstand geschassen und eine be^ merkbare Erhohuug der Lohne sür die Arbeiter aller .Klassen herbeigeführt haben, änsserten auch aus die Eisenbahnen unseres Landes eiuen grosseu Einflnss. Die Jahreseinnahmen haben diejenigen aller frühern Jahre um Vieles übertrofsen . alle Eisenbahn.Aktien stiegen ausserordent-

lich , und die im Jahr 1871 den Aktionären ausbezahlten Dividenden

.^ontrastiren aus^s angenehmste mit denen der Vorjahre.

Das Steigen der Lohne kann auf die Retto-Einnahmen der Eisenbahnen von Einfluss sein. Jn der Gegenwart aber , wo alle grossen Reze ausgebaut und die Mehrzahl der kleinen Städte gut versehen ist, wird die Errichtung von neuen Linien in nur kleinem Massstabe statt^ finden, und der vorläufig unverzinslichen Kapitalien wird es verhältnissmassig nur wenige geben.

Man beschäftigt sich seit einiger Zeit vielfach mit der Fnfion einiger Gesellsehaslen , die in den nämlichen Distrikten ihren Siz haben. Es würde.. hiednrch sür die .^letionare grosse Vortheile erhielt : den per-

derblichen Eifersüchteleien würde ein ^iel gesezt , es konnte Alles weit

passender organisirt und grosse Ersparnisse gemacht werden. Die Genehmig^.ng des ^ Parlaments ka..n jedoch nur dann erfolgen, wenn sormelle Garantien geleistet und zu Gunsten des Publikums Zugestandnisse gemacht werden.

Die Transportmittel betreffend , ist einer tiefgreifenden Verande^ xung Er.vähnn..g zu thun, die sich seit einigen Jahren und namentlich seit jüngster Zeit mit grosser Raschheit vollzieht. Die Segelschiffe werden allmälig dnrch Dampfschifse ersezl ^ uur wenige der erstern werden noch gebaut. während in allen unsern Häfen die Schiffsbaumeister mit dem .^au von Dampfern vollauf zu tl^un haben. Die Kohlenpreise spüren die vermehrte Ra^.hsrage und werden sie noch weiter zu spüren haben.

Wie es in Zeiten allgemeiner Vrosperität gewohnlich ges^hiel.t, so hat man in England wie aus ^em Kontinente eine Menge von Anleihen und .^tienunterneh.nungen aller .^lrt angeboten und emittirt. Bei der Betheiligung rechnet man nicht genug und geht, wie ich glaube, einem Zeitalter der Spekulation entgegen , welches früher oder später ernste Storungen^ und kritische Eonse.^uenzen nach sich ziehen wird.

^.^^^-^

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Bericht des Schweiz. Konsuls in Liverpool (Hrn. Ch. Forget, von Genf) über das Jahr l871.

(Vom 28. Februar 1872.)

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