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Schweizerisches Bundesblatt.

^^. Jahrgang. ll.

Nr. 1^.

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.^. April 18^.

i ch t

des schweiz. Bundesrathes

an die h. Bundesversammlung über

seine Geschäftsführung im Jahr 18^.

Geschäftskreis des Justiz- und Polizeidepartements.

  1. Gesezgebung, Konkordate, Bertrage ^e.

Das Justiz und Bolizeidepartement halte im Lanfe des BerichtJahres , wie es schon seit einer Reihe von Jahren der Fall war und die Ratur der Verhältnisse es mit sich bringt, nur mit solehen g e s e z g e b e r i s e h e n A r b e i t e n sich zu befassen, die ihm entweder durch Beschlüsse eines oder beider eidg. Räthe ausgetragen, oder die aus dem Vetitions-.

wege angeregt waren.

Jn Folge Anstrags der Räthe wnrden drei gesezgeberische Arbeiten vorgelegt . .

1 . Das Nachtragsgesez betreffend die g e m i scht e n E h e n , welches am 3. Hornung 1862 die definitive Sanktion der gesezgebenden

R.ithe erhalten hat. (Eidgenossische Gesezsammlung , Band Vll, Seite 126.^

Der Bundesrath hat dieses Gesez dnreh Kreisschreiben von.

t..). Februar 1862 sämmtlichen Kantonen mit dem Bemerken mit getheilt, dass nach der Fassung desselben es ganz in ihr eigenes Er-

Bundesblatt. Jahrg. ^v. Bd. .I.

3

26 messen gelegt werde, ob sie ihre Matrimonialgefezgebnng im Sinne der .Bestimmungen dieses Bundesgesezes vervollständigen wollen , indem nur

für den ^all, als solches nicht geschähe, subsidiär das Bm.desgericht und

das bezeichnete Bnndesrecht zur Anwendung käme. Das in Art. 7 des Gesezes den. Bundesgericht vorbehalteue Reglement ist von demselben am 5. Heumonat l 862 erlassen worden. (Vll, 2.)3).

2. Die R e v i s i o n ^es B n n d e s g e s e ^ e s über die Bundesx e e h t s p s l e g e . ^tere Vorlage hat ihre definitive Erle...igu^g gefunden durch das Bundesgesez vom 16. Heumonat .^862. (^ll . 302.)

3. Der Gese^sertwurs, betressend Regulirnng verschiedene.. i u t e rk a n t o n a l e r . . S t r e i t f r a g e n iu ^ R i e d e r l a s s u u g s v e r h ä l t u i s s e n , weleher beim Jahreswechsel vom Bundesrath erledigt worden war.

Auf dem B e t i t i o u s w e g e dagegen ist vou dem Vereine ..H.^veti..^

mit Rüksicht aus die für einige Kreise günstigen Resultate der Volleszählung vom Dezember 1860 eine sosortige Revision des Bundesg...s^es betreffend die Bestimmung der eidgen. Wahlkreise für die Nationalrathswahlen angeregt und dem Just^ und ^olizeidepartemente ^ur Beguta.htung überwiesen worden. Unser diessfälliger Bericht (Bundesblatt, l 862, ll, 4^.))

schliesst mit dem Antrage, es soll die Revision des fraglichen Gesezes bis

nach offizieller Konstatirung des Ergebnisses der Volkszählung verschoben, und im Uebrigen vor der Jntegralerneuerung im Jahre 1863 keine dnrch die Volkszählung von l 86..) bedingten Nachwahlen in den Nationalrath angeordnet werden. Am 24. und 25. Juli 1862 haben ^ie daran^hin

d^e er^äl.^nt... Vetitiou abgewiesen. (Bu..desblatt 1862, lll, ll3.)

Die Schlussnahme des Nationalrathes vom 30. Januar 1862 betrefsend die Wünschbarkeit eines sehwei^erisehen Handelsrechtes hat sowol bei der juristischen als bei der Handels^ elt ein sehr empfängliches Terrain und Anerkennung gesunden. Die juristische Gesellschast der .Schweiz hat dem Jnsti^- und ^olizeidepartement dur.h ihren derzeitigen Vorstand den e.i n m ü t l.. i g e n Bes.hluss notisi^iren lassen, sie spreche die ^.vel.mäss.gkeit und Wü^schbarkeit aus, in unserm Vaterlande .^ine e i n h e i t l i eh e Handels^ und Weehseigesezgebnng einzuführen. Auch verschiedene Gesellschaften l^aben in ähnlichem ...^inne sich ausgesprochen. Das Justizdeparteu.ent seinerseits hat nicht ermangelt , dieser ^rage eine besondere Anfmerksamkeit zn schenken. Es erhob zunächst von drei Fachmännern Gutachten einerseits über den gegenwärtigen Zustand der Han^.elsgese^gebnng in den verschiedenen Kantonen über die Vortheile einer^ einheitlichen Gesetzgebung, über die Schwierigkeiten derselben und über den wüus^hbaren Umsaug eines solchen schweiz. Gesezbu.hes. Diese drei Fachmänner sind: Hr. Rathsherr Dr. Burkhardt Fürstenberger in Basel, der bekannte Verfasser des Wechselrechtkonkordates , Hr. Professor l)r. Mun^inger in Bern, welcher schon von der Regiernng von Bern mit einer ähnlichen Arbeit betraut worden war, und Herr Dr. ..^ck, Professor des Handels- und We.hselreehts in Zürich,

27 der in dieser Materie besondere Studien gemacht hat. .^ämmtliehe drei Gutachten stimmen darin überein , dass es im höchsten Masse wünschbar wäre . wenn ein einheitliches Handelsrecht (einschliesslich ein gemeinsames Eisenbahnrecht und eine einheitliche Wechselordnung) für die Schweiz erstellt werden konnte. Zwei von diesen Gutachten sind durch die Verfasser der wissen schastlu.hen Welt dureh den Druk zugänglich gemacht und als werthvolle Mittel ^ur Aufklärung über unser vielgestaltiges Rechlsleben begrüsst worden. Diese Arbeiten sind ans eine sehr anerkennenswerthe Weise von den Experten befördert worden. Schon am 7. August 1862 war das Jnsti^departemeut in der Lage, seine weitern Anträge vorlegen zu können.

^ Jn Uebereinstimmung damit wurde beschlossen, ^nr Anordnung einer ersten Redaktion vorzuschreiten und Herrn Brosessor l)r. Munzinger in Bern die deutsche und Hrn. Nationalrath Earlin die französische Redaktion des Entwurfes eines Handelsgesezbuches zu übertragen. Es wurde hiebet davon ausgegangen , dass bevor der Bundesversammlung ein bestimmter .Bericht und .Antrag hinterbracht werden könne, vor Allem das Tableau der zu be^ handelnden Materien genauer geprüft, beziehungsweise ein erster Entwurf gemacht werden n.üss^, damit der Umfang der beabsichtigten .Kodifikation und die Tragweite derselben von den Kantonen wie von der Bundesversammlung übersehen werden könne. Das Justizdepartement hat in ^olge dessen mit den beiden Herren Redaktoren ein Schema in .Beratlmu^ ge^ z.^en, und Herr Mu..zinger hat sodann seine Arbeit begonnen. Dem .^er^ nehmen nach ist sie schon bedeutend vorgerükt, so dass ein erster Entwurf in deutscher Redaktion bald vorliegen wird.

Zwischen den ständen Zürich, Aargau, A p p e n z e l l A. Rh., T h u r g a u und Glarus ist ein neues Konkordat abgeschlossen worden, betreffend g e g e n s e i t i g e Z u l a s s u n g e v a n g e l i s c h - r e s o r m i r t e r G eist-

licher in den Ktrchendienst, welches mit dem 19. Februar 1862 in Kraft getreten und in die offizielle Sammlung Band Vll, ..^eite 1^4 aufgenommen ist.

Dem Konkordate über Bestimmung und G e w ä h r der Viehh a u p t m ä n g e l vom .^. August 1852 ist auch der Kautou ^ehw^z beigetreten (Vll, 283).

Gegenwärtig stehen 13^ Kantone in diesen. Konkor date. -..- Um einem diesssälligen Uel^elstande zu begegnen, ist angeordnet worden , dass künstig jeder nachträgliehe Beitritt ^u Konkordaten den sämmtliehen srüher ^.getretenen Kantonen angezeigt werden soll.

Jm Weitern sind zwei V e r t r ä g e z w i s c h e n K a n t o n e n vorgelegt worden, um im ^inne.vo.. Art. 7 der Bundesverfassung die Genehmigung des Bundesrathes ^u erhalten, ^ie auch, so weit dieser Artikel Anwendung finden konnte, ertheilt wurde. Der eine dieser Verträge war geschlossen ^wischen deu Kantonen Zürich, ^ u ^ e r n und Z u g , betreffend Begründung einer Eiseubahnunteruehmung zwis.hen Zürich und Luzern, in welchem auch Verbindlichkeiten vorkommen , welche lediglich Beziehungen der betreffenden Kantone unter sieh beschlagen. Der zweite ist ein Vertrag

28 zwischen den Ständen Zürich nnd Sehw^, betreffend den Bau und Unterhalt einer Strasse von Richterschwr^l nach Wollerau.

Betreffend V e r t r ä g e u n d K o n v e n t i o n e n m i t d e ni A u s l a n g e , welche das Geschästsgebiet dieses Departements besehlagen, ist zunächst zu erwähnen , dass die Konsnlarkonvention mit Brasilien nun

die allseitige Genehmigung erhalten hat (^H, 250).

Dem Anslieserungsvertrage mit Belgien vom 11,^l4. Herbstmonat 1846 sind die Kautone Wallis nnd Graubünden beigetreten; ebenso die Kantone S c h w ^ z und R e u e n b u r g dem Staatsvertrage mit dem Grossher^ogthum Baden , betreffend die Formlichkeiten bei wechselseitigen Heirathen a..s dem ein^.n ^and in das andere, vom 23. August 1.^08.

Dem erstern Vertrage sind gegenwärtig alle Kantone beigetreten , dem

leztern Wallis allein nicht.

Ein neues G .sez hat im Grossher^ogthum Baden eine Vereinfachung der Formli..h..eit^ zum Abschluss von Ehen eingeführt. Es scheint, dass dadurch auch die Formen vereinfacht werden für Ehen , bei denen die Brautleute verschiedenen Staaten angehoren. Die Regierung von Zürich hat neulich einen Fall signalisirt, aus welchem sieh ergab, dass die badisehen Behorden für Verheiratung badischer Angehöriger ins Ausland nicht mehr so weitläufige Erlaubnissscheine ausstellen , wie der Staatsvertrag vorschreibt. Die badisehe Gesandtschaft bestätigte mit Rote vom 7. Mai.

1862, dass die badische Regierung diesem einsachern lithographirten Formulare eines Trauscheines in allen Fällen dur.haus dieselbe Wirkung beilegen werde, als ob es genau nach der Vorschrift der Art. 2-^4 des ....^.taatsvertrages vom 23. Angust 1808 verfasst wäre. Die Regierung von Zürich fah fich andererseits veranlasst , einen Fall ^ur Ken.n..iss zu bringen, in welchem ein badisehes Vfarramt die l^e ein.^.s ^nrchers mit einer Badenserin kopnlirt hat, ohne dass ihm die Bewilligung der züreheri^ sehen Behorden vorgelegen hätte, wie der oben erwähnte ^taatsvertrag vorschreibt. Auf unsere diesssällige Mittheilung hat das grossher^ogliehe Mini^ sterium eine Verordnung erlassen, wodurch den badischen Behorden die genaue Beobachtung jenes Vertrages in Fällen der erwähnten Art empsohlen wurde.

Die schon im Jahr 186l in Aussicht genommenen Unterhandlungen mit F r a n k r e i c h , betreffend den Absehlnss eines Vertrages über Handelsund verschiedene Rechtsverhältnisse haben im ^ause des Berichtjahres die Prüfung einiger einschlägiger Verhältnisse dnrch das Justi^departement veranlasst, wie namentlich betretend das Aufenthalts- und Riederlassnugswesen, die Jsraeliten, den Schuz literarischen, artistischen und industriellen Eigenthums ..e. ^- Ebenso haben ähnliehe Fragen zum ^wete der Unterhandlungen über einen Staatsvertrag mit O e st e r r e i eh das Departement beschäftigt.

29 Die E m a n z i p a t i o n d e r J s r a e l i t e u sehreitet in der Schweiz allmalig vor, doch hat sie mit bedeutenden und beharrlichen Gegnern zu kämpfen. Jm Kanto.. S l a r g a u. ist ein Gesez, das bestimmt war, die eigenen Jsraeliten des Kantons den übrigen Bürgern gleiehznstellen , einer allgemeinen Volksabstimmung erlegen. Die Vorsteherschaften der israelitischen Gemeinden Lengnau und Oberendingen haben daraufhin die Jntervention des Bundes angerufen, und es ist die AnBeledenheit noch pendent. Es ist ^u hoffen, dass durch ein nenes Gesez der Kanton Aar^au den sachbe^ügli..hen Bundesbesehlüssen Vollziehung verschassen werde. Der Bundesrath hat denn auch in diesem Sinne den Rekürrenten den S^huz des Bundes zugesichert.

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Während in dieser Weise der eine Kanton nur. mit Kampf eine humanere Gesetzgebung zu erringen vermag , erfreut das friedliche Gelingen in andern. So hat der Kauton Z ü r i eh mit einem Gese^ vom 3. März 1862 auch die legten Beschränkungen, welchen die Juden mit Bezug aus den Verkehr und die Niederlassung dort noch unterworsen wa..en, unbedingt aufgehoben. Jn ^t. G a l l e n ist ebensalls ein nenes Gesez in Berathnng, durch welches nach dem Antrag der Grossrathskommission das Gleiche erreicht würde. Jn B a s e l - . ^ t a d r hat der Grosse Rath schon im Mai l 860 dem Kleinen Rathe Vollmachten gegeben, welche ihn in den Stand sezen, den neuern Anschauungen vollig gerecht zu werden. Dagegen bieten die gesezliehen Zustände in den Kantonen B a s e l - L a n d s c h a s t u n d S o l o t h u r n noch oster Anlass zu Besehwerden.

Jm erstern Kanton ist die Niederlassung der Judeu immer noch verboten, und einer Ausnahme haben steh fast nur diejenigen zu erfreuen , welche schon lauge Zeit im Kanton sind. Die Verweigerung neuer Niederlassung wird so konsequent durchgesührt, dass z. B. der Besuch und die zeitweilige Vflege , die ein im Elsass wohnhafter Sohn seinem alten, kranken Vater in Bafel Landsehast angedeihen lassen wollte, Gegenstand diplomatischer Verhandlungen werden musste. Jm Kanton ^ o l o . t h u r n hinwieder steht die Bewilligung zum Ausenthalte an Jsraeliten gänzlich im Belieben der Gemeinden. Gegenüber dem Kanton .^ehw.^ l.ig eine Beschwerde der französischen Gesandtschast vor, Ramens .^weier in Zurieh niedergelassener Jsraeliten, denen im Kanton Sehw^ die Hausirpatente, die ste doch seit drei Jahren unbeanstandet erhalten hatten, a.^s dem Grunde nicht mehr ertheilt wurden, weil in Frankreich der Hausirhandel verboten sei, dagegen die vom Bundesrathe genehmigte Markt^ und Hausirverordnung des Kantons Sch.v^ vom Jahr^185l Hausirpatente nnr an solche Ausländer zu ertheilen gestatte, die im Kanton niedergelassen seien, und ^gleich das G.egenreeht von Seite ihres Heimatftaates nachweisen konnen. Der Bundes-

rath sprach sich jedoch am 25. April 1862 gegenüber der Regierung von

Sehw^z ^ahin aus, wenn sie aus Grund des ^ 9 der er.vähnten Verordnung zu dem. angedeuteten Verfahren si^.h berechtigt halte, so koune der Bundesrath diese Ansteht nieht theilen. ^eit 1851 habe die Frage der Verkehrs-

30 freiheit durch mannigfache bekannte Beschlüsse der Bundesversammlung eine etwas veränderte Gestaltung gewonnen, so dass die damalige Genehmigung jener Verordnung von Seite des Bundesrathes^ nicht mehr absolute Giltigkeit habe. Raeh der gegenwärtigen Sachlage stehe seft, dass

  1. der Vorbehalt des Gegenrechts ^als mit Art. 48 der Bnndesverfassnng im Widerspruch stehend, gegenüber Schweizern anderer Kantone und Ausländern, welche durch Verträge gleichberechtigt sind, nicht mehr als ^lässig betrachtet werden konne .
  2. dass laut Art. ^1 des Staatsvertrages mit Frankreich vom 30. Mai l 827 die Franzosen in der Schweiz gleich den Angehörigen anderer Schweizerkantone behandelt werden müssen ; ^ 3)

dass ebenso den sra ..z o si sch e n Jsraeliten die gleichen Rechte wie den schweizerischen zustehen, und dass bezüglich der leztern ausdrüklieh alle Beschränkungen im Handel und ....Verkehr als dem absoluten Wortlaute des Art. 29 der Bnndesversassung widersprechend ausgel.oben worden seien. (Bnndesbeschluss vom 24. Herbstmonat 1856.

Offiz. Smlg. V, 406.)

Aus de.n Gesagten ergebe sich nun, dass die von der Regierung ausdrükli.h hervorgehobenen Abweisungsgründe unzureichend seien, und dass sie siel. lediglich daraus beziehen konne , dass der Kanton Sehw^ dem Staatsvertrage mit Frankreich vom 30. Mai 1827 fremd geblieben sei.

Diesen leztern Grund müsse der Bundesrath als berechtigt anerkennen.

Freilieh entstehe bei dessen Jnauspruehnahme das Missverhältniss, dass den Franzosen demzufolge im Kauton ^.hw..^ Re^te versagt werden , welche derselbe gemäss den nenern Staatsverträgen den Engländern , Jtalienern u. s. f. gewähre.

Um b^uglich dieses Missverhältnisses etwaigen Reklamationen ans.^ zuweisen, hät.^e der Bundesrath geumnscht, dass die Regierung von ^ehw.^ von diesem Rechte einen moglichst beschränken Gebrauch ma.he und ^ B.

im vorliegenden ^alle , sofern gegen die Versonen der Detenten nichts Begründetes eingesendet werden konne , der erhobenen Beschwert srei-

willig Rechnung trage.

Die Regierung von ^chw^ hat hieraus geantwortet, dass sie de.n^ näch^ stens zusan.^mentretenden Kantonsrathe den Beitritt zn dem .^..taat.svertrage von 1827 antragen werde, wodurch ähnliche Reklan.ationen von selbst wegsallen. Eine positive Erklärung über diesen Beitritt ist uns noeh nicht Zugekommen.

Die zur Ertheilnng der bundesgemässen G a r a n t i e der n e u e n V e r f a s s u n g e n der Kantone .^t. Gallen und Waadt vorgenommenen Prüfungen derselben haben je zu einigen Bemerkungen Anlass geboten, ^hne dass die betreffenden Vunkte erheblieh genng er^ienen wären , um

die Garantie nur bedingt zu ertheilen. (VlI, 12l und 123.)

31 Die E i n w o h n e r g e m e i n d e B i e l sah si.h veranlasse, die in ihrem Vrozess gegen den . ^ t a a t Bern, betreffend Entschädig...^ für das ausgehobene ....^h.ugeld der ^tadt Bi.el, schon im Jahr 185.) an den Bundesrath erlassene ..^treitvertündung zu erneuern , da der Staat Bern das in erster Jnstanz zn seinen Ungutsten ergangene Urtheil appellate.

Der Bundesrath wiederholte einfach seine Rechtsverwahrung von 185.). ^eitl..er hat nun auch ^er Appellations^ un^ Kassationshos des Kantons Bern die Klage der Gemeinde Biel im Brinzipe gntgeh..issen , womit nun der Gegenstand jener Streitver..ündung dahin gefallen ist.

Was. die M i t w i r k u n g z u r B u n d e s ....... eh t s p f i e g e betrifft, so beschränkte si.^ diese auf die Ueberweisnug von zwei Klagen ge-

mäss Art. .)l) des Bm.deszivilpro^esses. Die eine bezog sich aus die Kan^ tone Uri, Schw^. U..terwalden, Zng und Wallis als Kläger, gegen die Kantone Ludern und ^reiburg, als Beklagte, betreffend Abrechnung der Kriegskosten von 1847. Jn der andern Klage trat die Regierung von Solothuru als .^rin^ipalintervenient aus im bekannten Prozesse ^wischen Basel-Lands..hast und der Eentrall.^ahn, betreffend Rükleitnug^ des ^Homburgerbaehes.

Die . . . S a m m l u n g d e r st a a t s r echt l i ch e n E n t sche i d e , bearbeitet dureh Hrn. Obergerichtspräsident U l l m e r in ^ürieh, ist im Laufe des Beriehtjahres beendigt worden und im Druke ersehienen. ^Jezt erst recht, da diese bedeutende Arbeit vorliegt, erkennt ma.... welche grosse Luke auszufüllen war. Die gediegene Art und Weise, wie es geschah, er-

hält allseitige und gerente Anerkennung. Dem doppelten Winke der

ftänderäthliehen Konunission in ihrem Berichte über die Geschästssührung im Jal.,r 186l , nämlich dass a^s selbstverständlich vorausgeht werden dürfe, der Bundesrath werde, um das Werk allgemein zugänglich zu machen, einerseits eine sranzosische lleberseznng anordnen und andererseits dasür sorgen, dass ein mogliehst niederer Ankaufspreis festges.^t werde, ist genügt worden.

Die Ueberse.^nng wird durch Hrn. Eugen B o re l, Untersuchungsrichter in Reuenburg und Uebersezer des schweif. Rationalrathes , besorgt und soll bis Ende September l 863 ^um Druke bereit sein. Der Ankaufspreis ist für beide Angaben aus ^en verl^ältuissmässig sehr minimen Betrag von ^r. 5 sestgese^t. Diese Herabs.^uug hat jedoch nur durch ...utsprechende Beiträge ans der Buudeskasse erkauft werden konneu.

^.

Justiz.

.I. ^lt^meine^ und ^tati^i^.

Jm Lause des^ Beriehtjahres waren ^25 Reknrse in Behandlung, wovon 16 aus dem Jahr 1861 übergetragen und 10.) neu eingegangen

32 sind, also gegenüber dem Jahr 186l ei..e Vermehrung von 23 Rekursen.

Die 13 pendent gebliebenen Falle haben darum ihre Erledigung nieht gesunden, weil sie von den betreffenden Kantonen noch nicht beantwortet waren.

Jhrem Gegenstande nach haben von jenen Rekursen 27 ans Arrest und Geriebtsftand sich bezogen, l 4 auf Eheverweigernng (7 Luzern, 4 Solothurn, Sehwpz, Aargau und St. Gallen je 1) l l auf Steuerfragen. 10 aus Beschlagnahmen von Legitimationspapieren. 13 auf Ausweisung, resp. Entzug der Niederlassung ^.

Reben der oben er..

wähnten Zahl spricht noch die Thatsache für die fortwährend Annehmende Vermehrung der Rekurse, dass im Jannar 1862 7, im Januar 1863 aber sehon 14 eingekommen sind. .^lm ausfallendsten trifft die Vermehrung

den Danton Freiburg, ans welchem i. J. 1861 nur l2, 1862 dagegen 27 eingekommen sind. Von jenen im Januar 1863 eingekommenen betressen schon wieder 4 den Danton Freiburg.

Betreffend das Jahr 1862 Uebersicht zu entnehmen :

ist weiteres Detail aus der folgenden

Dle ^ekurs.. waren gerlchte gegen .^...^ beho^ den.

Cantone.

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.^ürich

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18 2 2 1

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4 12 4 2 2 2 l 1 9 5 3 3 t 4 5 3 3 3 7 5 ^l

B^

^icht^ Summa.

eln^ treten.

7 8 .l 2 5 2 ^2 1 1 27 7 5 l 3 1 7 7 4 6 3 8 ^

4 1 4 1

125

32

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grunde^ welsung erllarung

2

2 3 t ^. ^ 2

5 2 l 1 1 3 3 1 2 1 2

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1 2 1 l 1

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Bleiben pendent.

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3.4 ..... ^nt^.^d... u l. e r ..^ n ... ... nd n n .^ der ^ a n d e ^ e r f... ^ ng . ^ ) I. V e r k e h r s - und G e w e r b s b e s c h r ä n k u n g e n .

  1. Die Herren Z w e i f e l und Elmer in Lintthal, Kts. Glarns, haben von den Brüdern Mattli ans Ennetmärch, Gemeinde Sp.ringeu,

Kts. Uri, ein ans der Alp Ennetmärch gebautes Haus gekauft.

Auf

Einsprache der Gemeinde Spiringen erklärte die Regierung von Uri diesen Kauf ungültig, in Anwendung von ^. 97 des Landbnches, dahin lautend: ,,Ausser obiger einstweiliger Gestaltung soll kein fremder noch Bei,,oder Ansass die Allmenden benutzen, aueh keine Hüttenreehte ans hiesigen ...Alpen bauen oder kaufen und mit keinem Landmann in einiger Gemein^sehaft stehen, bei angemessener über deu ^all ^u verhängender Strasse.^ .,Es soll auch kein solcher neben einem Landmann ^(Dienst in einer gemeinen Alphirte) bitten mogen.^

in

Hirtenen

Die Käufer erhoben Beschwerde, und machten dabei geltend, dieser Varagraph sei im Widerspruch mit Art. 4l und 48 der Bundesverfassung. Das gekaufte Haus sei kein Hüttenrecht, sondern Eigenthnm der Verkäuser, welche es auch mit Bsandschuldeu belastet haben.

Die Verkäufer erklärten später, vo.n Kaufe zurüktreten zn wollen, unter Anerkennung der von der Regierung von Uri für die Aushebung desselben geltend gemachten Gründe. Die Regierung glaubte daher, es

liege hier nur die reiu zivilreehtliche Frage über ^ie Gültigkeit des Kauses

^or. Uebri^ens sei die Beschwerde auch materiell unbegründet. Es handle sieh keineswegs um einen reinen Vrivatbesi^ , sondern um ein Aeeidens des Genossenreehts, welches sraglichen Gebäuliehkeiten in Ursprung und Zwek einen besondern Charakter ^aus^rüke.

Dieselben konnen ges.ezlieh nur unter Korporationsgenossen Gegenstand des offentliehen Verkehres sein, denn deren Besser haben sie nur in der Eigens.haft .als Genossen des Bezirkes Uri nnd nur zum Zweke der Ausübung ihres Genossenrechtes und wieder unter den vorgeschriebenen Besehränknngen erwerben konnen.

Der Bundesrath hat am 2l. Mär.. l 862 diese Besehwerde als unbegründet abgewiesen.

Gründe.

  1. Der .Entscheid über die fragen, ob im ^.pe^ialsalle ^.. die Verkäuser Korporatious- oder freies Eigenthn^n verkaust l,.aben, h. o..^ der Kauf persekt geworden, beziehungsweise ob und mit welchen rechtlichen Folgen ein Rüktritt der Verkäufer ^nläfsig gewesen sei, - sällt in die Kompetenz der Urners..hen Gerichte.

^) Zur .Erleichterung des praktischen Gebrauches wird die Anordnung der T^el .^lb.^alten , wie sie in dem Wer^ ,,diestaatsrechtliche.^ra^is der schweizerischen Bundesbehorden aus den fahren 1848 ...-18.^..^^ von Ullmer enthalten ist.

35 ^) Hierorts bleibt einzig zu prüfen übrig, ob, wie die Rekurrenten behaupten, ^. 97 des Urnerschen Landbuches mit Art. 41 und 48 der Bundesverfassung im Widerspreche stehe.

.3) Diese .^rage mnss verneint werden, indem eine Genossame als Eigenthümerin einer Allmend unstreitig berechtigt ist, uber das Rnzungsrecht maßgebende Bestimmungen aufzustellen, so weit sich dieselben innerhalb der Schranken des Brivatreehtes bewegen (si^he Entscheid der Bundesversammlung , betreffend den Rekurs der Gemeinde .^ehuls vom .^13. Juli 1861), im Uebrigen kann von einer Ver.e^.ng der Art. 4l und 48 der Bundesverfassung um so weniger die Rede sein , da die betretenden Bestimmungen auch gegenüber allen andern .^antonsbürgern und Niedergelassenen des Kantons Uri, sobalo dieselben nicht zugleich Bürger des Bezirkes Uri sind, gleichmassig ihre Anwendung siuden.

2) Die in S t a n z , Kls. Ridwalden, bestehenden sogenannten Z ü n f t e

des heil. Joseph, der heil. Erispin und Erispinian und der heiligen .^aver

und Johannes von ....epomnk haben ..Statuten erlassen , welche am 8. Januar 1862 die Genehmigung des Landrathes von Ridwalden erhielten. Der Art. 2 dieser Statuten bezeichnet als Z.vek die Hebung der Handwerke, die Forderung der zum Rnzen derselben gestifteten Ansta.ten .und die Vorsorge für hilfsbedürftige Mitglieder.

Art. 3 lautet wortlich . ,,Jedem Handwerker ist die freie Ausübung ,,seines Handwerkes, wenn er aneh keiner Znnst angehort, nach eigenem Ermessen gestattet, dagegen hat derjenige,^ welcher auf .^undsame Ge..,,sellen führen und Lehr^ungen^ annehmen will, zu dem in Art. 2 ange,, führten. Zweke eine Auflage von ^r. 15 zuhanden der Zunft zu ent-

,,richten u^.d wir^ mit Entrichtung dieser ^umme Meister und Mitglied ,,dieser .^uuft, sofern er ,,a. hiesiger Bürger oder als Niedergelassener hier sesshaft ist , ,,b. in bürgerlichen Rechten und Ehren stellt uud einen sittlich religiosen ^Lebenswandel sührt.^

Gegen diesen Artikel 3 ist von 16 Bürgern in Stanz Beschwerde erhoben worden, weil derselbe einen Zunftzwang für diejenigen enthalte, welche in Ridwalden mit Gesellen oder Lehrlingen aus .^undsame .arbeiten.

Ein solcher .^wang mit Androhung gewisser Re.htsnachtheile für den Fall des Ri^htbeitrittes konne naeh der Verfassung nur von der gesezgebenden Gewalt, nämlich von der Rachgemeinde, vorgeschrieben werden.

Der .Landrath habe somit seine .^ompeten^ überschritten. Materiell widerspreche jene Bestimmung den versassungsmässen Grundsäzen der Gleichheit vor dem Geseze un... der Freiheit von Handel und Verkehr.

Früher seien in Ridwalden die Zünfte kirchliche Brüderschaften gewesen; solche VerBindungen entsprechen aber d.^r jezigen Zeit nieht mel.^r.

Die Regiernng von Ridwalden entgegnete, es sei die Ansicht irrig,

36 dass di..se Angelegenheit por die Gesez^ebungsbehorde gehore. Art. 4^, Zifs. 12 der Kantonsverfassung bezeichne den Landrath als überwachende Behorde der Vereine und ihrer Statuten. Er sei es auch, der d.e zeitgemässe Abänderung der in Frage stehende^ Statuten veranlagt habe, also müsse er aueh zu deren Genehmigung kompetent sein. Die Rekurrenten beabsichtigen bloss , die unleugbaren grossen Vorlheile der Zunftorganisation steh zu Ru^en zu machen, ohne die Kosten tragen zu helfen.

So lange ein Handwerker allein arbeite, braaehe er nicht in eine Zunft ^u treten , sondern nur wenn er Geselleu oder Lehrlinge halte. Es arbeiten sogar Viele im Kanton mit Gesellen , ohne sieh in eine Zunft ausnehmen zu lasseu. Von Znnstzwaug sei also keine Rede. Die kireh- .

liehe Brüdersehast sei von dem Zuustverbaude Durchaus unabhängig , die . Mitglieder der ledern brauchen nieht nothwendig in die erstere einzutreten.

Der Bundesrath hat am 28. Rovember l 862 den Rekurs in dem Sinne begründet erklärt, dass die Vereine anzuweisen seien, sich bis auf Weiteres aller Zwangsmassregeln gegen diejenigen Handwerker, welche nicht beitreten wollen, zu enthalten, uu^ zwar gestüzt ans folgende Erwägungen .

  1. Betreffend den materiellen Jnhalt des angefochtenen Art. 3 der Vereinsstatuten muss der Bundesrath den Bestrebungen der Handwerker, welche sieh sür Hebung des Handwerkerstandes im Allgemeinen und sür bessere Bildung und Unterstü^ung der Gesellen und Lehrlinge freiwillige Opfer auferlegt haben, vorerst feine volle Anerkennung ausspreehen ; namentlich find die im Rekurse gemachten Andeutungen nicht gerechtfertigt, welche dahin gehen, es finde dnrch die betreffende Bestimmung ein .^wang zum Eintritt in eine kirchliche Brüderschaft statt, indem die Verwaltung des Vereins nieht im Zusammenhange mit der Brüders.hast steht und eben so wenig sich von einen. eigentlichen Zunst^wang im gewohnliehen .^inne des Wortes sprechen lässt, da kem Handwerker in seinem Arbeitsbetrieb beschränkt, so wie auch das Vublikum keineswegs auf die sogenannten zünftigen Handwerker angewiesen ist.

2)

Wenn es nnn zwar keinem Zweifel unterliegt, dass Handwerker, die sieh in einen Verein sammeln , sieh selbst gewisse Lasten znm allgemeinen Besten auflegen konnen, so entsteht doeh auf der andern Seite die Frage, ob diese vereinigten Handwerker nun aueh dritte Bernfsgenossen, welche dem Vereine nicht freiwillig beitreten wollen, ^,um Beitritte und zur Uebernahme der gleichen Lasten zwingen konnen.

3) Diese ^rage mnss nnn vom rechtlichen Standpunkte aus verneint werden, so lange nicht die G e s e t z g e b u n g des Kantons selbst einen solchen Zwang für ^lässig erklärt, wozn sie hn Uebrigen

37 vollig kompetent ist, da Art. 2.) der Bundesverfassung in dieser Begehung keine beschränkenden Bestimmungen ausstellt.

4)

Es bleibt somit lediglich in Frage, ob schon die vom Landrathe ausgesprochene Genehmigung der Vereinsstatuten dem Vereine jene gesezliehe Ermächtigung in gehöriger Form Rechtens gewährt habe.

5) Diese Frage mnss den, weil

aus konstitutionellen

Gründen verneint wer-

  1. ^36 der Verfassung von Ridwalden die Raehgemeinde als e i n z i g e gesezgebende Behorde des Kantons erklärt, .so weit dieselbe nicht nach ^. 40 dem Landrathe eine besondere Vollmacht ausgestellt hat, in ihrem Ramen neue Geseze zu erlassen.
  2. ^. 47 der Verfassung ^..ar dem Landrathe, als p o l i z e i v e r ^ w a l t e n d e r Behorde, allerdings die Ueberwachnng der Vereine und ihrer Statuten zutheilt, aber mit dem selbstverständlichen, übrigens aueh in dem Sehlusssaze: ,,naeh den b e s t e h e n d e n G e s e z e n ^ enthaltenen Vorbehalte, dass das Ueberwachungsr e eh t des Lan^rathes zwar gesezliche Ausschreitungen der .Vereine verhindern, keineswegs aber von sich aus zu solchen ermächtigen kann.
  3. Unter solchen Umständen ist der Bundesrath gemäss Art. 90, Zifser 2 der Bundesverfassung verpflichtet, zu verlangen, dass bis .

zu einer anderweitigen gesezlichen Re^.uliruug des Verhältnisses durch die Raehgemeiude Art. 3 der Statuten nur in so weit Giltigkeit habe, als der Eintritt in den Verein und die Bezahlung der damit verbundenen Gebühr nicht zwangsweise vorgesehrieben wird.

l l.

R i e d e r l a s s u n g s v e r h ä l t n i s s. e.

  1. . E r w e r b der ^ e d e r l a s s u n g .

3.

Die Beschwerde eines Freiburgers gegen elnen Entseheid^ der Regierung von ^reiburg, wodurch seiue Ausweisung aus einer freiburgisehen Gemeinde bestätigt ..vorden ist, wurde als unstatthast abgewiesen, weil das Riederlassungsrecht durch Art. 4l der Bundesverfassung nnr so weit znr Bundessache erklärt wird, als es sieh um i n t e r k a n t o n a l e Verhältnisse handelt (4. Jnni 1862).

4. Ein Berner, der längere Zeit im Danton ^reiburg als Aufenthalter lebte, und dann einen Berus begonnen hat, der ihn verpflichtete, eine sormliehe Riederlassnngsbewiltignng zu losen, versäumte, ein Bitten-

und Ehrensäl.igkeitszeugniss beizubringen und die Aufenthaltsgebühren zu bezahlen. Er wur^e daher aus dem Kanton ^reiburg gewiesen. . Run erst verschaffte er sieh ein Sittenzeugniss und rekurrirte au deu Bundesrath.

^eine Besehwerde wurde jedoch^ am 22. Oktober 1862 abgewiesen :

38 1) Art. 41, Biffer 1 der Bundesverfassung garantit dem ..^.hweizerbürger die Niederlassung in einem andern Kanton nnr dann, wenn er unter anderm ein Zeugniss sittlicher Ausführung und eine BeReinigung, dass er in bürgerlichen Rechten und Ehren stehe, besizt, und wenn er die gesezlichen Riederlassungsgebühren bezahlt.

2) Reknrrent hatte zur Zeit des Erlasses des Beschlusses des Staats- .

rathes von Freibnrg vom 2.). Juli 1862, geg.m welchen sein Rekurs sieh richtet, den vorgenannten Erfordernissen kein Genüge geleistet, und somit war der ..^.taatsrath zur Verweigerung der Riederlassung voltig berechtigt.

3) Wenn Rel.nrrent sich seit der Zeit ein Zengniss sittlicher Ausführung vers^asft hat, so ist damit den in Zisser 1 bezeichneten Erfordernissen noeh nicht genügt, ans jeden Fall aber wäre anf Grund einer veränderten Sachlage das begehren um Gewährung der Niederlassung vorerst wieder bei den sreiburgischen Behorden anzubringen und um Revision der frühern ...^chlussnahme na.hznsnchen, indem der Bundesrath zur Zeit lediglich darüber zu entscheiden hat, ob der Besehluss des .^taatsrathes vom 2.). Juli nach damaliger Aktenlage die Vorschristen der Bn..desversassnug verlebt habe, was offenbar verneint werden muss.

5. Am 2l... Dezember 1862 sprach sich der Bundesrath in einem Spezialsalle im gleichen Sinne wie am 3. Oktober 184.) (Staatsrechtliche Brax^is Rr. 84) dahin aus, dass der blosse Zweifel an der Erwerbssähigkeit nicht berechtige, eine nachgesu.hte Niederlassung zn verweigern.

I... ^ r e i e G e w e r b s a u s ü b u n g dex N i e d e r g e l a s s e n e n .

^ 6 . Dem in ^reiburg niedergelassenen ..^..hmied .^imon Limat ist die Errichtuug einer .^^hmiede verweigert worden , theils weil kein Bedürsniss bestehe. theils aus feuerpolizeilichen Gründen. Er beschwerte sieh, gestuft aus Art. 41, Ziffer 4 der Bundesverfassung wegen Beschränkung der Gewerbssreiheit. Der Bundesrath hat se.^oel. am 13. Januar ^862 diese Beschwerde abgewiesen, weil Art. 41, Ziffer 4 der Bundesverfassung die freie Gewerbsausübung uur zustch^rt nach Massgabe der Geseze und Verordnungen der Kantone, die in diesen Beziehungen die Riederg.. lassenen den eigenen Bürgern gleich zu halten haben , Rekurrent nun aber selbst nicht behauptet und noch viel weniger nachweist, dass er in seiner Eigenschast als Niedergelassener an der projektirten Errichtung einer ....^ehmiede gehindert worden sei.

c. p f l i c h t e n g e g e n die ^ l e d e r l a s s u n g ^ g e m e l n d e .

7. David R u s s b a u m , protestant, Bürger des Kantons Bern, niedergelassen in der Bfarrei Ueberstors, Kautons ^reiburg, wnrde zuhanden der Bsarrpsrund Ueberstors sür eine jährliehe Abgabe von seinem Grnndeigenthum , bestehend in zwei Mäss Roggen oder deren Werth,

39 belangt.

Diese ^.ordernng wird anf ein Urbarinm von t 595 basirt, und

ist dnreh Urtheil des Friedensrichters des dritten Se^.sebezirkes begründet

erklärt worden, weil sie nicht eine gewohnluhe Abgabe sei, sondern auf dem Grund und Boden hafte, also eine Grundsteuer (genannt Bremiss) oder eine Reallast ^devance konciere^ sei und nur durch gegenseitige Uebereiukunft losgekauft werden koune. Russbaum beschwerte sieh hiegegen, weil er bereits Abgaben an die protestantische Kirche bezahle und nach Art. 8 des sreiburgisehen Gesezes vom 24. Februar l 854 nicht zugleich auch noch an die katholische Kirche beizutragen verpflichtet sei. Es würde diess die konfessionelle Gleichheit und die Art. 48 und 44 der BundesVerfassung verleben , so wie die freie Niederlassung (Art. 4l) und die Gleichheit vor dem Geseze (Art. .) der Kantonsverfassung) beeinträchtigen.

Der Bundesrath hat am 15. Januar 1862 diese Beschwerde abgewiesen aus folgenden Gründen .

  1. Der Entscheid über die Steuerpflieht des Reknrre..ten hängt lediglieh von der Frage ab, ob die ^teuerpflicht auf ^er Person desselben , oder ob sie aus dem Grundstüke haftet , dessen derzeitiger Eigentümer er ist, oder mit andern Worten, ob die Steuer den Eharal.ter einer Bersonalftener oder denjenigen einer Reallast hat.
  2. Die Beurtheilung dieser Frage liegt nun offenbar ausserhalb der

.Kompetenz der Bnndesbehorden , nnd steht lediglich dem freiburgi-

scheu Richter zu. der Beschwerdeführer hatte dah^r, wenn er den sriedensrichterliehen Entscheid als unrichtig anfechten wollte, denselben im Weg... der Appellation vor die obern Jnstanzen ^u bringen.

3) Wenn entgegen dieser Anschauungsweise vom Rekurreuten die Behauptung aufgestellt wird, es seien durch jenen friedensri.hterlichen

Entscheid die Art. 48, 44 und 4l der Bundesverfassung und Art.

9 der Ka..tonalversass..ng verlebt worden,

so fällt diese Be-

hauptung augenscheinlich dahin, sobald entschieden ist, dass die Auflage gar keinen persönlichen, sondern einen ^inglich^.. El^arakter hat; vielmehr liegt unter der ledern Voransse^ung klar vor, dass Re^ kurrent einen rechtswidrigen Vortheil erlangen würde, wenn er von einem mit einer Reallast belasteten nnd darum muthmasslieh um geringern Breis von ihm erworbenen Grnndstük wegen gewisser Zufälliger ^nalitäten, die seiner Berson als derzeitigem Eigenthümer

^es Grnndstükes anhasten, jene privatrechtliehe Verbindlichkeit beliebig abschütteln konnte.

d. ....ükhallung der ...Iuswe^schri^en.

8. Keine der 10 Besehwerden dieser Art hat einen formliehen Entseheid nöthig gemacht. Der Bundesrath hielt darauf, dass vorerst sämmtliehe kantonalen Jnstanzen durehlansen sein müssen. Wo diess nicht der ^all war, hat eine einfache Empfehlung an die betreffende Kantonsregierung genügt, um eine entsprechende Erledigung zu bewirken.

^0 ll.l. Bürgerrecht.

9. Jakob B a t u e e l l i von Breseia hat, als vermeintli.her Heimat.loser, im Jahr 1856 durch Dekret des ..^taatsrathes das Bürgerrecht des Kantons Tessin und der Gemeinde V i a n d er a erl.alten und dasür die nb...

liehen Gebühren von zusammen Fr. 300 be..al..lt. Als er im Jahre 1862 ^on Mailand aus die Erneuerung seines tessinisehen Basses verlangte, ^vurde das Einbürgernngsdekret widerrufen nnd ihm ein neuer Bass ver.weigert, weil inzwischen ermittelt w.orden sei, dass er seine italienische Nationalität und das Bürgerrecht zu Breseia nicht verloren habe , also .der Grund der Einbürgerung, die Heimatlosigkeit, weggesallen sei.

Bei dem Entscheide über die Beschwerde des Battelli (1^. Juni .1862) ist der Bundesrath von solgenden Gesichtspunkten ausgegangen .

  1. Art. 43, Lemma 2 der Bundesverfassung bestimmt, es durse kein . Kanton Ausländern das Bürgerrecht ertheilen , wenn sie nicht ans dem frühern ...^taatsverbande entlassen worden sind ; 2) im vorliegenden Falle ging der Staatsrath von Tessin bei Ertheilung des Bürgerrechtes an den Beschwerdeführer von der irrthüm^ lichen Voranssezung aus , es habe derselbe sein Bürgerrecht in Breseia verloren.

.3) sofern der Beschwerdeführer nicht nachträglich die Entlassung ans dem srühern ^taatsverbande nachzuweisen vermag , so ist der Staatsrath von Tessin berechtigt, aus sein Dekret vom 17,^22.

Dezember 1856 zurüt^ukommen und dasselbe aufzuheben ;

4) jedoch darf selbstverständlich bei Aushebung jenes Dekretes der Besehwerdeführer aneh die Rükerstattung der von ihm an den .Kanton Tesstn und die Gemeinde Biandera bezahlten Einkaussgebnhren beanspruehen , und hat beschlossen : 1) es sei aus die Beschwerde nicht einzutreten, so lange der Beschwerdeführer nicht nachweist, dass er ans dem frühern ^taatsverbande .entlassen sei ;

2) dagegen bleibe demselben für den ^all der Aushebung des tessinisehen ...Staats- und Gemeindebürg erreeh tes das Rechet der Rüksordernug der bezahlten Einkaufsgebühren vorbehalten.

10. Anna Maria Sophia R i e h a n s ^von Bern, Angehörige der dasigeu Zunft zu Schmieden, ist 1852 uaeh Nordamerika ausgewandert und hat am 23. Rovember 1853 in Madison, Staat Jndiana, mit .Konrad Kuh n von Bülach, Kantons Zürich, eine Zivi.lehe geschlossen. Jm Juli 1860 kehrte sie mit drei Kindern nach Bern zurük , von wo sie 1862 wegen Mangels an Legitimationspapieren ausgewiesen werden wollte.

^Jn ihrer hiegegen erhobeneu Beschwerde beanspruchte sie ihr angebornes Bürgerreei^ von Bern , sowie den damit verbundenen Mitgenuss au den

41 Gütern der Znnst zu Schmieden. Die Vorsteherschaft dieser Zunft verweigerte beides, weil die Riehans das Bürgerrecht von Bülach erworben oder^ nach ^ 1l1 des zürcheris..hen Zivilgesetzbuches die Mogliehkeit habe,

die Ehe nachträglich als gültig erklären zn lassen , andernfalls moge sie zu ihrem Manne nach Amerika zurükkehren. Die erwähnte Znnst sei aber

nicht schnldig, bis jene Statnsändernng bewerkstelligt sei, die Frau Kuhn und ihre Kinder als Angehörige anzuerkennen.

Der Bundesrath hat am 6. Juni 1862 diese Beschwerde im Sinne der folgenden Erwägungen entschieden: 1) Wenn zwar nach der Aktenlage einige Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden ist, dass Betentin auswärts eine Ehe eingegangen habe, so fehlt es doch hiesür wegen mangelnder Beurkundung des Aktes der

Ehe selbst, wie wegen Unklarheit der ^rage über die Rechtsgiltig-

keit eines solchen Aktes, an jeder Gewissheit ; somit muss Betentin bis zum Nachweise des durch Verehelichung stattgehabten Erwerbes eines andern Bürgerrechts gemäss Art. 43 der Bundesversassnng in dem unbestrittenermassen ihr zustehenden bernischen Bürgerrecht und der darin enthaltenen Berechtigung zum Aufenthalte in ihrer Heimat für sieh und ihre Kinder geschüzt werden, 2) wenn dagegen ^etentin von der ^tadt Bern, resp. von der Gesellschast ^n .^hmieden eiue ,,formliche e i n s t w e i l i g e Bürgerrechtsa n e r k e n n u n g uud Mitgenuss der Bürgernuzungen^ verlangen will, so hat sie hiefür den gewohnten Rechtsweg zu besehreiten, indem derartige ^ehlussnahmen theils ausserhalb der Kompetenz des Bundesrathes liegen würden . theils bei gegenwärtiger Sachlage gar keine Veranlassung dazu vorhanden ist.

t 1 . Matthäus M a d e r von ......rasadin^.eu , Kantons ^chasfhause.., wünschte sich in der Gemeinde Guntershausen, Kantons Thurgau, einzubürgern, erhielt aber unter'm 21. Juni 1862 von der Regierung dieses Kantons die Antwort, dass er vorher zu einer einjährigen Niederlassung in besagter Gemeinde verpflichtet sei. Mader beschwerte sich hiegegen, gestüzt auf Art. 48 der Bundesverfassung, indem ein Thurganer zu einem soleheu .Probejahre nicht verpflichtet sei.

Der Bnnd..srath hat hierüber unterem 15. Augnst 1862 in Er-

wäguug gezogen.

  1. ^. 14 des thurga.uschen Gesezes vom 8. Mai l 806 enthält die Vorsehrist, dass ein Kanton^fremder, welcher ein Gemeindsbürger..

re.^t zu erlangen wünscht, sich allervorderst das K an t o n s bürgerrecht vers^hass...n niüsse, und dann schreibt ^ 15 als Bedingung für den Erwerb des Kanlousbürgerreehtes vor, dass der betretende Bewerber sich ein Jahr lang nach erhaltener Riederlassn^gsbewilliguug im K a n t o n ausschalten haben müsse.

2) . diese Bestimmungen nun enthalten niehts , was mit Art. 48 oder

Bund^bla^. .^al.rg. .^v. Bd. II.

4

42 mit irgend einem andern Artikel der Bundesverfassung im Widerspruehe wäre , 3) dagegen darf vom Rekurrenten allerdings nicht verlangt werden, dass er gerade in derjenigen .Gemeinde, in welcher er das GemeindsBürgerrecht erwerbeu will, ein Jahr niedergelassen gewesen sein müsse, da die gleiche ^or^erung an Kantonsbürger, die in einer andern ..gemeinde ein Bürgerrecht zu erwerben wunsehen, nicht gestellt wird.

Art. 48 der Bundesverfassung verpflichtet aber die Kantone absolut, alle Sehwei^erbürger christlicher Konsession in der Gesetzgebung den Bürgern des eigene.. Kantons gleich zu halten; und beschlossen : Es sei die Beschwerde in der Hauptsache als unbegründet abgewiesen, in dem ^in..e jedoch, dass der Beschlnss des Regierungsrathes von ^.hurgau von.^21. Jnni 1862 nicht in einem, der Erwägung 3 dieses Beschlusses widersprechenden Sinne e^uirt werden solle.

12. Jm Jahre 185.) ist dem Herrn Adols Botoki aus Warschau das Bürgerrecht des Kantons Basel^andschaft und der Gemeiude Basel^ Augst ertheilt worden. ^.chou in ihrem diessfällig.m Autrage au den Landrath vom 6. April 185.) hatte die Regierung erklärt, dass ^ar dem Art. 43 der Bundesoerfassu.^ uieht gefügt worden, da ^otoki politischer Flüchtling sei. Jn neuester Zeit sah sich die genannte Gemeinde veranlasst, gestü^t ans diesen Umstand, an den Bundesrath das Gesuch ^u stellen , dass er jene Bürgerrechtsertheiluug an den wegen gemeinen Verbrechens kriminell verurtheilten Votok^ als ungültig erklären mochte. ^otoki selbst sprach sich hierüber zustimmend aus. ^ie Regierung von Basel-Landschast beschränkte sieh darauf, ihr Versahren da^uit ^u rechtsertigen, dass nach den Gese^ebuugen der nieisten deutschen Staaten diejenigen, welehe ohne Erlaubuiss auswandern, das ^taatsbürgerrecht verlieren. Dieselben müssen somit de k^^..to al^ entlassen betrautet werden. Unter diese Kategorie ^ahlen

die politischen ^lüehtlinge.

^Der Bundesrath hat am 2.). Oktober

gesasst, iu Erwägung .

l 862 folgenden Beschluss

  1. Rach Art. 43 , ^a^ 2 der Bundesverfassung dars keiu Kanton Ausländern das Bürgerrecht erteilen, wenn sie nicht aus dem srühern .^taatsverbande entlassen worden sind, und nach Art. .)0, Zisser 2 l.^t der Bundesrath für Beobachtung der Bundesversassung ^u wachen und ^ur Handhabung derselben vou sich aus oder auf eingegangene Besehwerde die erforderlichen Verfügungen ^u treffen.
  2. Rach dem Entscheide der Bundesversammlung vom 3. ^...bruar

18.^3 ist nun ^war die in Art. 43 ausgestellte Bedingung der Eut^ lassu..g aus dem srühern ^taatsverbande nicht bloss durch Vorlegung einer je ans die betreffende Berson lautenden Entlassung.^

43 urkunde , sondern auch durch Beibringung anderer Beweismittel, deren Zulängliehkeit der Bundesrath jeweils im einzelnen Falle anerkennt, als erfüllt zu betrachten.

3^ Dagegen wurde die von der Regierung von Basel-Landfch^st ausgespro-

chene Ansicht, es konne bei politischen Flüchtlingen der Verlust des

frühern Staatsburgerreehtes ohne weiters präsnmirt werden, im namliehen Beschlufse der Bundesversammlung als unstiehhaltig erklärt.

vielmehr muss jeweilen die Gesetzgebung desjenigen Staates , wel-

ehem der Flüchtling bisher angehörte , geprüft und in der Regel

darnach entschieden werden.

4) Jm vorliegenden Falle kommt somit wesentlich in Frage, ob Votoki nach der russischen Gesetzgebung sein srüheres Bürgerrecht verloren habe . diese Frage muss nun aber verneint werden , da jene Gese^-

gebung die politischen Flüchtlinge zwar mit Verlust der burger-

lichen Rechte und Verbannung bedroht, den förmlichen Verlust des russischen Staatsbürgerrechtes aber nicht ausspricht.

5) Der Bundesrath konnte nun zwar vielleicht dennoeh in den Fall kommen, auch gegenüber russischen oder polnischen Flüchtlingen bei ganz besondern individuellen Verumständungen die .Forderung des Art. 43 als erfüllt zu betrachten ; es ist jedoch im vorliegenden Falle ^u einer derartigen ^..sondern Berüksichtigung kein genügender Grund vorhanden , zumal da die Richtanerkennung des ertheilteu schweizerischen .Kantons- und Gemeindebürgerrechtes in den Wünsehen aller Interessenten zu liegen scheint.

^) Der Bundesrath hat dagegen immerhin für den Fall, als wider Voraussicht in der Folge Heimatlosigkeit der Familie Botoki eutstehen sollte, seine Rechte gegenüber dem Danton Basel^an.^sehaft und der Gemeinde Basel^Augst zu wahren , beschlossen :

  1. Es sei die Ertheilung des Gemeindebürgerrechtes von Basel-Augst und des Laudrechtes von Basel-Landschast an Herrn Adolf Votoki aus Warschau und dessen Familie als den. Art. 43 der Bnndesver^ fassung widersprechend, ungültig erklärt und aufgehoben.
  2. Es sei für d.^n ^all spaterer Heimatlosigkeit dieser Familie die Ge^ meinde Basel..Angst und der Kanton Basel^Landschast als haftbar erklärt.
  3. Ein Herr Eugen R u l a n d , ...^ehriststeller aus .^reussen, geb.

1835, hat nach einjährigem Aufenthalt im Kanton ^uzern das Bürgerrecht der Gemeinde Menzingen, Kantons Zug, erworben. Er hat jedoch eine Entlassnng ans dem preußischen ...^taatsverbande nicht erhalten, weil

er sieh der Militärpflicht entzogen habe, und desshalb gerichtlich verfolgt werde. Dagegen unterzeichnete er eine Urkunde, womit er aus sein prenssisches Bürgerrecht förmlich verzichtet hat. Die Anfrage der Regierung von

44 Zug, ob unter solchen Umständen dem Herrn Rula..d das Kantonsbürgerrecht ertheilt werden konne, ^vurde vom Bundesrath am 1.). September 1862 verneinend beantwortet. .^war sei Art. 43 der Bundesverfassung durch Bundesbeschluss vom 3. ^ebruar 1853 (....^ffi.,. Sammlung lll, 543) dahin interpretirt worden, dass nicht gerade eine formliche U r k u n d e der Entlassung nothig sei, sondern ^ass ein etwaiger Verlust des Staatsbürgerr^htes au.h durch Beibringung anderer Beweismittel dargethan werden konne. Wenn also .^. B. die Gesezgebung eines Staates für bestimmte Fälle den Verlust des Staatsbürgerrechtes androhe, so konne der Bundesrath in einem ........pe^ialfalle , wo der eingetretene Verlust gehorig

konstatirt sei, die Bedingung des Art. 43 als ersüllt betrachten.

Eine bloss einseitige Verzichtleistung auf das bisherige Staatsbürger-

recht zu einer ^eit , wo dasselbe naeh der Gesetzgebung des betreffenden Staates noch vollständig fortbestehe, kon..e jedoch nicht an die Stelle der geforderten Entlassung aus diesem Staate treten. Es müsse daher ein schweizerisches Bürgerrecht dem Herrn Ruland so lange verweigert werben, als nicht zum mindesten die Bestimmungen der preussischen Gese..gebnng über den Verlust des dortseitigen Staatsbürgerrechtes vollständig erfüllt seien, wobei alsdann eine sormliche Verzichtleistung des Betreffenden immerhin noch gefordert werden dürste. -.- (Das preussisehe Bürgerrecht geht verloren, wenn der Betreffende .l^renssen ohne Erlanbniss verlässt und während 10 Jahren nicht dahin zurükkehrt, oder wenn, ini Falle die preussischen Staaten ohne Erlaubniss verlassen wnrden^, eine Rükl.ehr dahin inner 10 Jahren nach Ablaus der Gültigkeit der ausgestellten Reiseschristen nicht erfolgt.)

14. Die Munizipalität der G e m e i n d e Elaro, Kantons Hessin, hat im Jahr 185l einem Giovanni E i a p p a einen geschriebenen Heimatschein ausgestellt, aus welchen gestüzt Eiappa mit seiner ^amilie seither im Kanton Graubünden niedergelassen war. Als die Behorden dieses Kantons einen neuen, nach den Vorschriften d^s Konkordates von l 854 ansgestellten Heimatsehein verlangten , verweigerte die Gemeinde Elaro einen solchen, weil diese Familie nieht in ihren Gemeinderegistern erscheine, die frühere Munizipalität somit bei Ausstellung jenes Heimatscheines unbefugt gehandelt habe. Die Regierung von Hessin unterstüzte diese Weigerung und verwies die ^amilie Eiappa, um ihr Bürgerrecht geltend ^n machen, aus den Rechtsweg.

Die Regierung von Graubünden besehwerte sich hierüber u..^ sah sich veranlagt, in zwei ganz gleichen fällen ebenfalls Beschwerde zu erheben. --^ Der Buudesrath hat am 28. November 186 .. alle drei Fälle.

in gleicher Weise entschieden. Jn Sachen Eiappa wurde, in Erwägung : 1)

Thatsächl^ch steht als unbestritten fest, dass von der Munizipalität der Gemeinde Elaro, Kantons Hessin, sür Giovanni Eiappa und dessen ^amilie ein Heimatschein mit der Erklärung , dass Jnhaber

45 das dortige Gemeindebürgerrecht besize und von der Gemeinde zu jeder Zeit und unter allen Umständen in ihrer Gemeinde aufgenommen werde , ausgestellt und bei den graubündneris^en Behorden behuss Niederlassung deponirt worden ist.

2) Raeh der Ratur der Sache ist eine Derartige Erklärung sur die betreffende Gemeinde Dritten gegenüber durchaus bindend, und Leitern kann keineswegs ^ugemuthet werden , im Vrozesswege die materielle

Richtigkeit der Erklärung der Munizipalität noch weiter zu be-

weisen.

3) Mit dieser Anschauungsweise stimmt aueh Art. 22 des Bundesgesezes betreffend die Heimatlosigkeit, vom 3. Dezember 1850

vollig überein, indem dort ausdrüklich sestgesezt ist, dass sür solche

4)

  1. .

2)

3)

4)

Amtshandlungen von Beamten oder Angestellten der betreffende Danton hafte, mit Regress aus die schuldigen Gemeinden, Beamten, Angestellten oder privaten.

Wenn demgemäss die vorgenannte Gemeinde sich durch die Erklärung ihrer Munizipalität in ihren Rechten beeinträchtigt findet, so bleibt ihr unbenommen, gegen die betreffenden Beamten eine Regressklage anzustellen, wogegen sie dem Kanton Graubünden gegenüber bei der ausgestellten Bürgerreehtsanerkennuug behastet bleibt; beschlossen: Der Kanton Tessin , resp. die Gemeinde Elaro ist verpflichtet, die Heimatsbereehtigung des Giovanni Eiappa, seiner ^rau ^ueia, geb.

.^tevenini, und ihrer Kinder anzuerkennen.

Dem Kanton Graubünden wird gestattet , den Giovanni Eiappa mit ^amilie aus dem Kanton wegzuweisen , sofern derselbe nieht inner einer ihm anzuberaumenden ^rist die verlangten neuen Legitimationspapiere in aller Form Rechtens vorlegt.

Sofern der Kauton Tessin oder die Gemeinde Elaro sich weigern sollte , dem Giovanni Eiappa und seiner Familie derartige neue Le^timationspapiere zuzustellen. so behält sich der Bundesrath aus Beschwerde hin weitere Verfügungen vor.

Die Regierung von Tessin wird eingeladen , den Gemeinden ihres Kantons das Unstatthaste und Gesährliche eines solchen, ihre eigenen amtliehen Erklärungen diskreditirenden Verfahrens vorzustellen uud dieselben zugleich aufzufordern, in Zukunft ihre Heimatscheine nach dem durch Konkordat von. 28. Dezem.er l 854 vereinbarten Formnlare auszustellen.

t 5. ^wischen den Regierungen der Kantone S o l o t h u r n und B e r n wallet seit 1858 ein Anstand über den bürgerrechtlichen Status des 1854 im Kanton ...^olothurn ausserehelich gebornen Kindes einer Bürgerin von Signau, Kantons Bern, welch^ lettere 185^ einen solothur-

46 nischen Bürger heirathete, ohne ^ass sie ihrer Heimatgemeinde von der Existenz jenes Kindes jemals .^enntniss gegeben hätte. Die Regierung von Solotl.mrn verlangte endlieh, dass der Bundesrath diesen Fall als ^eimatlosensall behandeln oder dem Bundesgerieh^e überweisen möchte, da sie den von Bern bezeichneten Weg , dass die Gemeinde Signan vor den bern^ scheu Berichten zur Anerkennung der fraglichen Binder zu belangen sei, nicht anerkennen könne.

Der Bundesrath sprach sich am 8. August 1862 über das zu be.^ obachtende Versahren dahin aus: er halte dasür, dass Bern formell vollständig im Rechte sei , d. h. darin im Rechte , dass offenbar nur seine Behörden Anständig seien, den .Status eines unehelichen Kindes einer Bernerin zu bestimmen. Auf der andern .^.eite werde das Beharren aus diesem formellen Reehte Bern wenig nü^en , denn seine Behorden dürsten bei der Entscheidung der ..^.tatnssrage nur die Sachlage des Jahres 1854 zu Grunde legen , sie hätten also keine andere Wahl , als das Kind der Mutter zuzusprechen. Wenn sie weiter gehen und aus Ereignissen, die im Jahre 1856 eingetreten sind, einen veränderten Statns des Kindes solgern wollten, so würden die bernischen Behorden augenscheinlich zu allen derartigen Sehln^.ahm..n inkompetent sein, und es mussten dieselben daher vom Bundesrathe ans Beschwerde hin ausgehoben werden. Vielmehr wäre es offenbar der solothnrnis.he Richter , welcher über die Frage einer spätern Veränderung des .^tatns des Kindes zu entscheiden h.itte. Unter solchen Umstanden glaube der Bundesrath, der Regierung von Bern em^ psehlen zu dürfen, das schliessliche Anerbieten der Regierung von ..^.olothurn zu aeeeptiren und die Sache, zwar nicht als Heimatlosenstreit, wohl aber als Streit zwischen zwei Kantonen (Art. l 01 der Bundesverfassung) vor das Buudesgericht zu bringen, indem damit alle einschlägigen fragen, die sonst sueeessive die bernischen und dann die solothurnischen Gerichte

beschästigen müßten, gleichzeitig erledigt werden konnten.

lV. K o n f e s s i o n e l l e V e r h ä l t n i s s e 16. Der protestantische Christian von Ri e d e r h ä u s e r n aus dem Kauton Bern, niedergelassen im Kauton Freiburg , ist dnreh Urlheil des Friedensrichters von Lasers zu ^r. l.) ..Busse ver^rtheilt worden wegen

Entheiligung des katholischen Festtages, freitags den 15. Augnft 1862

(Maria Himmelfahrt), durch Einsammeln von Feldfrü.hten. Dieses Urtheil gründet sich aus ^as Gesez des Kantons ^reibnrg vom 24. Rovember 1859, betretend Heilighaltung von ^onn- und .^esttagen, welches bekenntlich Gegenstand eines Rekurses an die Bundesversammlung war.

(Osfi^. Sammlung Vll , 124.) Gestüt ans den b^üglleh..n Bundes-

.besehluss beschwerte sieh von Riederh.iusern gegen ienes Ur^heil, indem er ^nsührte, es habe ein Gewitter gedroht, das am gleichen Tage noch die Gegend mit ^agelschlag heimgesn^t hab^. . übrigens habe eine Stor...ng .des Gottesdienstes nicht stattgefunden, da derselbe beendigt gewesen und

47 das betreffende Feld eine gnte halbe Stunde von der Kirche entfernt liege.

Die Regierung von Freiburg berief sich daraus, dass die Bnndesoersassnng jeden Schweizer unter ^ie Gese^gebnug seines ^iederlassnngskantons stelle.

Der Bundesrath hat am 12. Rovember 1862, in Erwägung .

  1. Jn. ^pezialsail kann nieht.^ die Rede davon sein , dass die Arbeit der Einsammlung von Feldsrüehten den kirchlichen Kultns gestört habe, sondern die Strafe wurde in Gemässheit des .^lrt. 4 des Gesezes vom 24. Rooember .85.) vom Friedensrichteramte Rasers nur deshalb verhängt, weil R^urrent überhaupt am Tage der Himmelfahrt gearbeitet hatte.
  2. Die Bundesversammlung hat in.^ess mit Schlussnahme vom 25.^31 .

Januar 1862 den ..^.taatsrath von Freiburg eingeladen, dafür zu sorgen, dass das G^z vom 24. Rovember l 859 so weit nöthig in dem Sinne modifiât werde , dass zwar an ^en Feiertagen der einen Konfession die Bekenner der andern steh jeder, den kirchlichen Kultus storenden Beschäftigung enthalten sollen, eine weiter gehende Beschränkung der bürgerliehen Gewerbsthätigkeit, welche sieh lediglieh aus den besondern Vorschriften der betreffenden Koufessiou ergebe, den lezteru dagegen nicht ..userlegt werden dürfe.

3) Da jedoch der ^taatsrath von ^reibnrg dieser Einladung noch nicht entsprochen ^u haben scheint, so liegt e.^ unter solchen Umständen in der ^flicht des Bundesrathes , dafür zu sorgen , dass die .^lnweuduug des betreffenden Gesezes, so weit von der Bundesversammlung dessen Modifikation verlangt wurde, snspen.^irt werde.

beschlossen .

  1. Es sei das rekurrirte Urtheil des Friedensrichters von Tafers vom ^. .^epteml.^er 1862 aufgehoben.
  2. Es sei der ^taatsrath vvn ^.reiburg eingeladen , beförderlich der Einladung der Bundesversammlung vom 31. Januar 1862 nachzukommen und inzwischen die ..^u^penfion der bezüglichen Gesezes^ stellen anzuordnen.

l 7. Jn gle^ch.er Weise nnd mit der nämlichen Begründung wnrde, ebenfalls am l 2. Rovember l 862, die Beschwerde entschieden, welche ein Johann Burri, ..protestant ans ^e^n Kanton Bern, wohnhaft in der Gemeinde Tasers, Kantons ^reiburg, erhoben hatte. Dieser ist zu ^r. 1l) Busse vernrtheilt worden, weil am Feste des Schu^patrons der Bfarrei Reehtl..aiten einer von seinen .Arbeitern in einer an der Grande der Gemeinde allein stehenden ...^^eune Raehmitt^gs einige Reparatnren vorgeno^nmen hatte.

18. Dagegen wnrde eine dritte ähnliche Beschwerde von ..^eite des protestantischen Abraham A e s c h l i m a n n aus dem Kanton Bern, Pächter eines Gutes in der Gemeinde Tafers, welcher wegen u..be.villigl.em. Ein-

48 sammeln von Korn an einem gewöhnlichen Sonntage gestraft worden war, abgewiesen (12. Rovember 1862^: 1) Es handelt sich im vorliegenden Falle uni eine gan^ gewohnliehe Uebertretung der Sonutagspoli^eivorsehristen.

2) Die Bundesversammlung hat sieh zwar veranlasst gesunden , ^ürsorge zu treffen , dass nieht eine Konfession die andere in ungebührlieher Art zur Mitseier besonderer konfessioneller Festtage zwinge , dagegen hat der Bund keinerlei Grund , sieh in die Handhabung der ^olizei an den gewöhnlichen, beiden Konsessionen gemeinsamen Sonn- und festlagen einzumis.hen.

V. B r e ß s r e i h e i t.

19. Herr Speisewirth Ludwig B ü t t i g k o f e r in Freiburg hat im Rovember 1861 gegen die Erben des Hrn.

Bnehdruker W.^ss in Langnau , Herausgeber des ,,Emmenth.^ler Blattes.^ eine Zivilklage er..

hoben auf Ersa^ des Schadens, der ihm durch einen, seine Ehre tränkenden Artikel senes Blattes verursacht worden sei. Der in Frage stehende Artikel ist im Mai 186l erschienen und Herr W^ss bald nachher gestorben.

Seine Erben stellten nun jener Klage zunächst die Einrede der Jnkompeten.. der Zivilgerichte entgegen, gestü^t anf Art. 1 des bernischen Vressgesezes un.^ Art. 63 der Verfassung , wodnrch die Bressvergeh..n vor das Gesehworneugerieht verwiesen werden. ^.ür die im gleichen Urtheile festenstellende Vrivatg^.nugthnung sei das Vorhandensein eines ^ressvergehens absolut uuerlässliehe Vorausse.^ung. Ein ^ressvergehen konne aber versassungsgemäss nicht durch ^en Zivilrichter konstatirt werden. ^er Art. 27 der ersten Redaktion des bernischen Br.^.ssgese^es, welcher den.. Beleidigten ein Wahlrecht zwischen der Brivatklage im Wege des Zivilpro.^esses und der ossentlieheu ^trafklage einzuräumen bestimmt gewesen , sei durch Besehluss des Bundesrathes vom 11. März 1853 aufgehoben worden. ^ie Erben W.^ss konneu aber prozessnalisch uicht nachtheiliger gestellt sein, als der Buchdruker W..,ss es wäre, wenn er uoch leben würde.

Die erste Jnstan^ entschied zu Gunsten dieser Einrede. ^er Appellations- und Kassationshof des Kantons Bern dagegen hat sie verworsen, und der Bundesrath wies den gegen dieses Urtheil gerichteten Rekurs der Erben W^ss mit Besehluss vom ^. Dezember 1862 ebenfalls ab, gestuft auf folgende Erwägungen .

  1. Vorerst entsteht die allgemeine ^ra^e , ob ^ 63 der beruis.hen ^taatsverfassung, lautend : ,,Für Kriminal-, politische und Vressvergehen sind Geschwornengeri^hte eingeführt,^ anch die ^ulässigkeit einer blossen ^ivilanspraehe aus .^chadenersa^ vor den ordentlichen Zivilgerichten aussehliesse, .wenn dnreh den Tod des Angeschuldigten

die Möglichkeit der Verfolgung der ofsentliehen Klage vor den Gesehwornengerichten beseitigt ist.

49 2) Diese Frage muss augenscheinlieh verneint werden, indem der Wortlaut des ^ 63 zu einer solchen, den allgemein anerkannten .Rechtsgrundsäzen widersprechenden Annahme gar keine Rothigung enthält und durch eine derartige Beseitigung der zivilen Schadenersa^ansprüche geradezu ^ 83 der nämlichen Verfassung verlezt würde, welcher die Unverlezlichkeit alles Eigenthnms erklärt , worin Forderungsreehte mitinbegrisfen sind.

3) Wenn somit von einer Verlegung des ^ 63 der Verfassung nicht die Rede sein kann, so bleibt lediglieh die Frage übrig, ob für die Behandlung von Bressvergehen eine Ausnahme von jenen Grund. säzen gemacht worden sei.

4) Der Bundesrath hat nun allerdings dem ursprünglichen Art. 27 des beruhen Bressgese^es mittelst Beschlusses vom 1 l . März 1 853 die Genehmigung versagt, und es ist daraushin von den bernisehen Kantonsbehorden jener Artikel wirklich sallen gelassen worden. indessen folgt hieraus nicht ohne weiteres, dass der vorbe^eiehnete allgemeine Rechtsgrundsa^ bei Vressvergehen a b s o l u t beseitigt worden sei, indem nach dem Sinn- und Wortlaute des Beschlusses der Bundesrath damals nur den Fall ins Auge fasste, dass die Beurtheilung j e d e s Vressvergehens durch jene Wahl ^wischen zwei Gerichtsständen der .Kompetenz der Jur^ künstlieh e n t z o g e n werden konnte, wovon gerade in Fällen der vorliegenden Art nicht die Rede .sein kann , weil hier eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Geriehtsständen gar nicht moglich ist, hingegen vom Bundesrathe keineswegs absolut entschieden worden ist, dass der Zivilpunkt selbst dann nicht mehr Gegenstand der Beurtheilung durch die Zivilgeriehte bilden dürfe, wo ohne Hinzuthun des .Klägers die Kompetenz des Geschworenengerichts von selbst dahingesallen ist.

5) Vielmehr besteht das natürliche Verhältniss darin , dass für solche Fälle auch bei Vressdelikten die gewohnlichen Regeln für Beurthei-

lung des Zivilpunktes in Deliktssällen naeh Massgabe der allge-

meinen Gese^gebung des Kantons Bern wieder eintreten.

20. Der im Geschästsberichte pro 1861 (Bnndesblatt l 862, Bd.

Il, ^. 25l) erwähnte Rekursentscheid in Aachen des Herrn U R i n g e r ,

betretend die Zulässigkeit des Zeitungsstämpels im Kanton Zürich, ist von

Herrn U^inger und einigen andern zürcherischen Zeitungsverlegern an die Bundesversammlung gezogen worden. Es sind jedoch beide Räthe, und zwar der Nationalrath am 23. Jannar 1863 und der Ständerath am 26. gleichen Monats zur Tagesordnung gesehritten. (Bundesblatt 1863,

I, 39.) u. 404.)

Vl. Gleichstellung der Riehtkantonsbürger.

  1. . ^ a t e r s . h a f ^ k l . . g e .
  2. Der Präsident des Gerichts der Veve^se , Kantons Freiburg, hat die Vatersehastsl^lage der Sophie W e i l e r von Massonger , Kan-

^0 .tons Wal.lis , wohnhaft in Remaufens , Kantons Freibnrg , gegen AleBander ^aehe von und zu Remaufens, dahin entschieden, dass der von der Klägerin geborne Knabe mit allen gesezlichen Folgen der Mutter zuge^pro..hen sei, weil ihr nach den Art. l 42, 150 und l 233 des ZivilgesezRuches des Kantons Wallis der Ergän^ungseid nicht zu gut komme und nach Art. 226 des Code ci^l des Kantons Freiburg einer fremden Weibs^ Person in Vatersehastssachen gegen einen Kantonsangehörigen nur insofern ^ein Ktagereeht zustehe , als sie beweise , dass dieses Klagrecht in ihrer .Heimat einer .^lngehorigen des Kantons Freiburg gegen ein Landes^ind ebenfalls zustehe.

Der Bundesrath hat die Beschwerde der Sophie Weiler mit Be- .

^sehluss vom 3l). Mai 1862 mit der in ein^.m ähnliehen Entscheide aus

dem Jahr 1861 (siehe Geschästsbericht pro 1861, Bundesblatt 1862,

.Bd. ll, Seite 264) enthaltenen Begründung gutgeheißen und das frei^urgische Gericht eingeladen , das sreiburgische Gesez in Anwendung zu ^ringen.

i^. S t e u e r w e s e n .

22.

Ein S e h a s s h a u s e r ist sür Fr. ^0 gebüsst worden, weil er ein Schreiben an die Regierung von Zug nieht auf zugerisehes Stämpelpapiex

geschrieben tratte. Die diessfälliae Beschwerde wnrde am 3l. März 1862 abgewiesen, aus folgenden Gründen .

  1. Die Gesezgebung über das Steuerwesen und die damit zusammenhängenden Bestimmungen, betreffend Uebertretuug von Fiskalgesezen, zu welchen auch die geglichen Forschriften über die Stempelsteuer gehoren , sallen unzweifelhaft in ^eu Bereich der Kantonalgese^gebung, so weit sie nicht direkt gegen Vorschristen der Bundesverfassn..g verftossen.

2)

Jm vorliegenden ^alle wurde durch die Erhebung der betretenden ..^.tämpelbnsse keine Vorschrift der Bundesverfassung verlebt, wie denn auch Rekurrent selbst keine Vorschrift der Bundesverfassung namhast zu n.achen in. Falle war, welche durch den Beschluss der Re^.

gieruug von Zug verlebt worden wäre.

.3) Wenn Rekurrent anführt , es hätten die znger^sehen Behorden ihn vor der Bestrafung belehren sollen , so dürste solches allerdings

in einem ^alle , wie der vorliegende , aus Billigkeitsrüksiehteu pas^ send gewesen sein, zumal ^ 92 des zuger'sehen Gesezes über Bestreitnng der Staalsauslagen die Mogliehkeit zu einem derartigen

Verfahren gewährt hätte. indessen ist die Erwägung solcher Billig-

keitsrül.sichten einzig Sache der zuger^schen Behorden, und kann sür den Entscheid des Bundesrathes nicht massgebend sein.

^) Da der Betretende die Busse bereits bezahlt zu haben scheint, so steht die Mogliehkeit der E^ekntiou solcher Bussen im Weigernngsfalle gegen Kantonssremde hier nieht weiter in Frage.

51 23. Der im Geschäftsbericht pro 1861 (Bundesblatt 1862, Band Il, Seite 262) erwähnte Rekursentscheid des Bundesrathes in Sachen de.^ Herrn alt Nationalrath Dür in Burgdors, betretend Erbschaftssteuer, ist durch Beschluß der eidgen ossischeu Räthe vom 25. Heumonat l 862 ausgehobeu und durch einen materiellen Entscheid erseht worden, dahin gehend, dass die R.gierung des Kantons Bern die bezogene Erbsehaftssteuer von den im Kauton Freiburg befindlichen Liegenschaften ^er Witwe von Diesbaeh den. Herrn Dur zurük^uerstatten eingeladen sei. (^iehe die Berichte der nationalräthlichen Kommission, Bundesblatt l 862, Band l, S. 428 und denjenigen der Kommission des Ständerathes, Bundesblatt l862,

Band lll, ^eite 34, und Bundesbeschluß Ossi... Smlg. Vll, 323.,.

24. J.n September 1860 ist Fräulein Salome .^ouisa B r a u n von L.,on in Lausanne gestorben, wo sie seit vielen Jahren niedergelassen war. Jhr bedeut..ndes Vermogen bestand ausschliesslieh in Werthschriften, und befand ^...h ^um Theil in Frankreich, zum Theil im Kanton Waadt.

Während nun in Frankreich bloss von den dort befindlichen Vermögenstheilen die Erbsteuer bezahlt werden musste, forderten sie die waadtländisehen ^Behorden von der gesammten Erbschast, nach Abzug der in Frankreich bezahlten Erbstener. Gegen diese doppelte Besteurnug besehwerten sieh die Erben Braun, wurden aber mit Buudesrathsbeschluss vom 6. August

1862 abgewiesen, gestü^t aus folgende Erwäguugen:

  1. Die Bundesversammlung hat in ihrem jüngsten Reknrsentscheide in Aachen Dür den Grnndsaz ausgestellt , es dürfe die Erbschaftssteuer vom ^iederlassungskanton ^oar vom gesamu^ten bewegliehen Vermogen des Erblassers erhoben werden, nicht aber auch von dem zu der Erbschaft gehoreuden Grunde i g e n t h u m , welches in einem andern Kauton liege.
  2. Art. l des Staatsvertrages mit Frankreich vom 30. Mai 1827 sezt sest, dass die ^ran^osen sowol mit Be^.g auf ihre Personen als ihre Güter in sedem Kanton gleich den Angehörigen der andern Kantone behandelt u.erden sollen . l^er Kanton Waadt ist diesem ..^taatsvertrage beigetreten , somit bestellt für ^interlasseuschasten sranzosischer Angehöriger ^as gleiche , indess aneh kein besseres Recht als für die Angehörigen anderer Schwei^a..tone.
  3. Jm vorliegenden ^alle liegt nach dem Erbschaftsinventar kein Grundeigenthum in Frankreich, und demnach ist gemäss dem vor^ezeichneten Grnndsa^e der Kanton Waadt berechtigt , die Erbsehastsstener vom gesammten Vermogen zu erheben.

Die Erben Braun haben diesen Entscheid noch an die Bundesversau.ml^ug reknrrirt, find aber von beiden eidgenossisehen Räthen am 17^23.

Januar l 863 ebenfalls abgewiesen worden. (Bundesblatt von 1863,

l, 464.)

Die

Kommission des Nationalrathes, welche die . Priorität hatte,

sprach si.h in ihrem Berichte einu.üthig sür die Anschauungsweise des

52 Bundesrathes aus. Rach ihr^.r Ansicht kommt es bei der Frage, welcher Staatshoheit Forderungsreehte, industrielle Werthsehristen u. dgl. in Rüksieht aus die Bestenrung unterworsen seien , nicht aus die Berson des Schuldners , beziehungsweise auf die Lage des betretenden industriellen Etablissements an, vielmehr entscheidet der Wohnsiz des Berechtigten als der Vereinigungspunkt aller derartigen unkorperliehen Rechtsobjekte. Jn Bezug auf solche entspricht es mehr der Ratur der Sache , den Bereehtigten analog als Besser zu betrachten, als den Verpflichteten. Von einer Verlegung des .^taatsvertrages mit Frankreich ist keine Rede, da auch der einzige sranzösische Erbe gehalten wird, wie die Bürger des Kantons.

c. ^ r e m d e n p ^ l l z e i .

25. Die Verordnung über F r e m d e n p o l i z e i und das R i e d e r l a s s u n g s w e s e n im K a n t o n U n t e r w a l d e n ob dem Wald vom 10.

Juni 1854 enthält in Art. 16 die Bestimmung, dass die Meister und

Dienstherren ..e. pfli.htig seien , für erwiesene S^nlden ihrer angestellten fremden Arbeiter bis zum Betrage von Fr. 30 auf einen Monat nach ihrer Abreise gut zu stehen , sofern diese Schulden nicht von geliehenem Gelde herrühren. Diese Bestimmung gab der italienischen Gesandtschaft Ramens mehrerer italienischer Strassenarbeiter Anlass zu einer Beschwerde, indem gestüzt auf dieselbe ihr Arbeitsherr jedem ^r. 30 von seinen.. Arbeitslohn als Garantie während eines Monats zurül.behalten hatte.

Der Bundesrath sprach sich dahin aus, dass der Art. l 6 jener Verordnung augenscheinlich mit Art. 48 der Bundesverfassung im Widersprnehe sich befinde. Die von der Regierung von Obwalten gegebene Auskunst, dass derselbe auch aus Kantonsbürger, die ausser dem Kanton niedergelassen seien, Anwendung finde, sei theils mit Art. 1 der nämliehen Verordnung nicht in Uebereinstimmung, theils überhaupt ungenügend, da Art. 48 vollständige Gleichstellnug der übrigen S..hweizerbürger mit den auch im Kanton sesshaften Bürgern des eigenen Kantons verlange.

Ebenso verstosse jene Bestimmung auch gegen Art. 4l, Ziffer 2 der Bundesverfassung , we^he naeh bisheriger Vra^is auch sür die A u s e n t h a l t e r g.eiehmässig in Anwendung gebracht worden sei. Gemäss dem Staatsvertrage mit Jtalien vom Jahr 18..^ (Offi^. Sammlung, ll, 405) müssen aber die Jtaliener den Sehweizerbürgern gleich behandelt werden.

Die Regierung von ^bwalden wnrde deshalb eingeladen , den bezeichneten Artikel ausser Vollziehung ^u sezen und gelegentlieh abzuändern.

Vll. V o l l z i e h u n g k a n t o n a l e r U r t h e i l e .

26. Zwischen den G e m e i n d e n R o v e r e d o und S. V e t t o r e , Kantons Graubünden, einerseits, und den Gemeinden Lumino und Arb e d o , Kantons Tessin^ andererseits, resp. zwischen den beiden genannten Kantonen, bestehen Anstand.., betretend die Grannen jener Gemeinden,

53 wodurch zugleich die Kantonsgränzen in Frage gestellt werden. Die beiden Regierungen vereinigten sich a..s dem Korrespondenzwege und unter Zustimmung d^.r Gemeinden, den Entscheid einem Schiedsgerichte zu übertragen , in welches von jeder Seite ein Mitglied gew.ihlt werden sollte.

Für den ^all, dass diese beiden sich nicht einigen konnten, sollte der Obmann vom Bundesrathe gewählt werden. Ferner wnrde vereinbart, das Schiedsgericht soll nach stremgem Rechte urtheilen, vorher aber noch im Beisein der .Parteien die Bestätigung der Lokalitäten vornehmen. . ^Dieser Augenschein fand am 1.). September 1860.statt^, in Folge dessen die Varteien noch die ^aknltät erhielte^, .^ie Akten dur .h weitere Nachträge zu erg.in^en. was anch von den tessinischen Gemeinden geschah. Ungesähr gegen Ende Rovember l 860 Bereinigten sich die beiden Schiedsrichter per Korrespondenz zu einem Entscheide,. den sie vom Tage des Augenscheins, Roveredo l..). ..September 1860, datirte... Die tessinisehen Gemeinden weigerten sieh jedoch zur Vollziel^nug dieses Urtheiles mitzuwirken, weil sie es nicht als ein Urtheil anerkennen konnen, sondern nur als einen Bergleiehsvorsehlag betrachten. Es trage keine der zu einem Urtheile nothigen ^ormeu^an sich, man kenne nicht einmal den Tag, an welchem die Uebereinstimmung ^er Richter erfolgt sei. Die Urteile und ihre Daten dürfen aber nicht Vermutungen, sondern müssen Wirklichkeit sein.

Das Urtheil, welches ein der Wahrheit .widersprechendes Datum trage, oder weiches, wenn das Datum richtig n.^ire, zu einer Zeit ausgefallt sein würde, ^a die Sache noch nicht sprnehreis gewesen, sei nieht ein Akt, für den man die Vollziehung verlangen konne, i^n Gegentheil ein Akt, dessen Unwirksamkeit und ^iehti^l.eit ofsen vorliege. Uebrigens sei das

angebliehe Urtheil naeh der tessinisehen Gese^g..buug nicht rechtskrästig, da bei der Jntimation nicht die in Art. 2^ u. ss. des tessinischen Zivilprofesses vorgeschriebenen Formen beobachtet worden seien und deshalb ungewiss sei, oon welchem Zeitpunkte an die sur Anhebnng einer Rulli-

tätsklage durch Art. 5.^8 des gleichen Gese^s eingeräumte ^rist von 15 Tagen ^u datiren sei. Daher mi.sse die Rullitätsklage jezt noeh als zulässig erscheinen. Endlich gewähre die Bnndesverfafsung blossen Brivaturtheilen keinen Schuz.

Die Regierung von Tesfin u^.terstüzte diese Weigerung von Seite der dortigen Gemeinden und berief sich ebenfalls darauf, dass der in Frage stehende schiedsrichterliche ^prneh ni.ht rechtskräftig sei. Raeh dem tes-

sinischen ^ivilprozesse uuisse die Reehtskrästigkeit durch ein Zeugniss der

Gerichtsbehörde bewiesen werden. ^ier sei Dieser Beweis nicht moglich, weil die J^timation nicht nach ^.n vorgeschriebenen For^nen stattgefunden

habe. Die Rnllitätsklage sei also ^.lässig. Uebrigens liege nicht ein

Streit zwischen zwei Kartonen vor, sondern ein solcher ^wischen Gemeinden. Die Jnteressen der Cantone seien minim gegenüber deujenigen der Gemeinden. Es tonne daher weder Art. 9l), Ziffer 5 der Bundesverversassnng, noch Art. 4..) derselben auf das augebliche ^chiedsurlheil Anwendung finden.

54 Der Bundesrath hat die bezügliche Besehwerde der Regierung von Graubünden unterm 24. Februar 1862 dahin entschieden, in Erwägung: 1) Vorerst kann keinem Zweifel unterliegen, dass der schiedsgerichtliehe Entscheid, datirt vom 1.). September 1860, nicht die Ratur eines Vergleiehsvorschlages an die streitenden Parteien, sondern diejenige

eines formlichen schiedsgerichtliehen Urtheils habe.

2) Ebenso kann keinem gegründeten Zweifel unterliegen, dass schieds-

gerichtliche Zivilurtheile gleich den Urtheilen der ordentlichen Ge-

richte gemäss Art. 49 der Bundesverfassung aus Vollziehbarkeit in der ganzen Schweiz Anspruch haben, was übrigens in Art. .)0, Ziffer ^ der Bund^verfassnng bezüglich schiedsgerichtlicher Sprüche über Streitigkeiten zwischen Kantonen ausdrüklieh bestätigt wird.

3) Unter solchen Umständen bleibt lediglich die Frage übrig, ob das betretende schiedsgerichtli.h.. Urtheil als ein reehtskrästiges betrachtet werden konne. Hiebei entsteht aber die Vorfrage, von welcher

Behorde und nach welchen Rechtsgrundsäzen die diessfälligeu Ein-

reden zu erledigen seien.

4) Für Beurtheil^ng dieser allerdings zur Zeit no.h nicht ganz liquiden ^rage der Rechtskrast des ausgesällten Schiedsspruches dürfte nnn

das Bundesgericht die geeigneteste Behorde se..n, da uach Art. 101 der Bundesverfassung das Buudesgerieht als Zivilgericht Streitigkeilen nicht staatsrechtlicher Ratur ^wischen zwei Kantonen zu er-

ledigen hat und dieser Fall hier wirklich vorliegt, indem die g.^genwärtige Streitigkeit über die Rechtskraft eines Urteils unstreitig vorherrschend zivilrechtlicher Ratur ist, und es nach dem ganzen Gange der Angelegenheit ebenfalls keinem Zweifel unterliegt, dass mit und neben der Streitigkeit zwischen mehreren Gemeinden aueh ein Streit ^wischen den beiden Kantonen vorhanden ist, indem es sich sowol um Bestimmung der Kantons- wie der Gemeindsgränzen handelt, und demgemäss auch die .^hiedsri^ter ihr Mandat vom Kanton wie von den Gemeinden erhielten ; beschlossen: 1. Es sei die ^rage der Rechtskrast des unterm 19. September l 860

ausgefällten schiedsgerichtlichen Urteils dem vorgangigen Eulscheide

des Bundesgeriehtes zu unterstellen.

2. Es bleibe der Regierung des Kantons Graubünden überlassen, bei dem Bundesrathe zuhandeu des Bundesgeriehtes eine diessfällige

Klage anhängig zu machen.

Vlll. G e r i c h t s s t a n d .

  1. G e r i c h t s s t a n d d e ^ W o h n o r t ^ .
  2. Christian B l a t t e r in Bern kauste im Juni l860 von einem Ehristian Moser in ^chwarzenburg, Kantons Bern, ein in der Gemeinde

55 Heitenried, .Cantons Freiburg, liegendes Heimwesen , welches Moser im ^ebrüar vorher von der Ehefrau eines Goitlieb ^enn in der Wa.tismatt, Kantons Freiburg, gekaust hatte. D...r Verkäufer erklärte sieh notarialisch für den Kaufpreis bezahlt, welche Bezahlung jedoch nur auf die Weise bewerkstelligt worden war, dass der Käufer die ans den .Liegensehaften haftenden Kapitalien (worunter ein Reversbrief vo... ^r. 2^0 zu Gunsten der .^rau Senn) übernahm und für den Rest des Preises die Gesammtheit seines Vermögens hastbar verschrieb.

Bald hernach,

nämlich im Juli 1860, verkaufte glatter ein^n Theil der fraglichen

Liegenschaften an den Sohn der Frau Senn und erklärte sich ebensalls für den Kaufpreis bezahlt. Da Blatter vermögenslos ist, so verlangte und erhielt Frau .^..enn im Rooember 1860 von den Gerichten des Kantons Freiburg gegen Moser den Zuspruch eines andern Theils der srag-

liehen Liegenschaften als Real.siru..g der fälligen Rate (Fr. 1000) des oben erwähnten Reversbriefes. Moser erhob nun seinerseits Klage auf Betrug, welche jedoch von der Anklagekammer des Kantons Freiburg nicht zugelassen wurde.

Hierauf leitete er bei den sreiburgischeu Zivilgerechten eine Zivilklage ein gegen Blatter und den Sohn Senn, dahin

gehend, dass die beiden Käufe vom Juni und Juli 1860 nichtig erkläre werden, unter Kostenssolge und Schadensersaz. Der Appellations- und Kassationshof des Kantons Bern verweigerte jedoch am ..). März 1861 die Vorladung an Blatter, weil es sich um eine persönliche Ansprache handle. Die sreib^rgischen Gerichte gieugen indess auf dem Kontmuazialwege vor, was den Christian Blatter ^..ranlasst.^, am 4. ^uni 186l vor dem Gerichte des ...^ensebe^irkes ^u erscheinen, um seine forideklinatorische Einrede zu begründen und zu erklären, dass er fich in der Hauptsa^e nur vor den Gerichten seines Wohnortes im Kanton Bern einlasse.

Das erwähnte Gericht erklärte sich jedoch am 2. ^uli l 861 kompetent,

weil, wenn auch die Klage uicht unmittelbar aus Vindi^iruug eiues unbeweglichen Gutes gehe, doch die Annnllirung von Kausverlrägen und in Folge dessen die Wiedereinsezung in den Besiz von Grnudstüken verlangt wer^e. Es liege somit eine dingliche Klage vor. Blatter erklärte sosort, gegen dieses Uriheil an den Bundesrath rekurriren zu wollen, wosür ihm Moser gerichtlich eine ^rist von 1l) Tagen einräumen liess, welche von ersterm jedoch versäumt wurde.

Später ha.^te Blatter dennoch den Rekurs wirklich eingereicht und der Bundesrath am 17. Januar 1862 deuselben begründet erklärt, in

Erwägung :

  1. Die erste formelle Frage, ob nid.t der beklagte Blatter durch Anbringen einer sorideklinatorischeu Einrede bei .^...m sreiburgischen Riehter sieh vor diesen. eingelassen und dessen Kompetenz anerkannt habe, muss gemäss konstanter Bra^is verneint werden, indem die Ablehnung der Kompetenz eines Richters nicht als eine Anerkennung desselben aufgefasst werden kann.

56 2) Ebenso kann die zweite formelle Einrede, es habe Blatter durch .....ichtbeachtung der ihm vom sreiburgischen Richter angesäten Frist zur Erhebung seiner Besehwerde bei dem Bundesrathe sein diessfälliges Reknrsrecht verwirkt, nicht als begründet augesehen werden, weil der sreiburgische Richter keine Befugniss hatte, über die Bedingungen der Berechtigung zur Beschwerde an die Bnndesbehorde zu statuiren, indem dieses nur Sache der ieztern ist und die Bundesgesezgebung bezüglich der Beschwerde über .^erfassungsverlezungen keine fatalen Ternane kennt, wogegen es immerhin Sache des sreiburgischen Richters bleibt, gegenüber ungehörigen ^rozessver..

schleppungen einer Bartei, die andere durch Auflage von Kosten, Entschädigungen un.^ nothigensalls anch durch Ordnungsstrafen zu sehüzen.

.3) Die Hauptsrage betreffend, so handelt es si.h einsaß darum, ob die ge^en Blatter erhobene Klage als eine dingliehe od..r als eme personliche betrachtet werden müsse, hierüber kann nun aber ein Zweifel nicht wohl walten, indem von allen andern Grn.^en abgesehen, von dem Vorhandensein einer dinglichen Klage gegen Blatter schon darum nicht gesprochen werden kann, weil ih.u an den in Frage stehenden Grundstufen gar kein dingliches Recht mehr zusteht.

4) Demzufolge bleibt lediglich noch in Frage, ...... diese Sachlage sich dadurch verändert habe, dass Blatter mit den Eigentümern der im Streite liegenden Grnndstüke, welchen gegenüber die Klage allerdings einen dinglichen Eharakter haben mag, in eine passive Streitgenossenschast verbunden wurde , es muss jedo.h anch diese Frage verneint werden, indem die Berechtigung zn dieser von..

Kläger versuchten Verbindung vom Beklagten eben beftrit^en roird, nach allgemeinen Rechlsregeln eine .^treitgenosseuschaft überhaupt nur ^a ^nlässig ist, wo die Klage gegen Mehrere in ihrem reehtlichen Fundamente gleichartig ist und jedenfalls kein Beklagter sieh eine solche passive .^treitgenossenschast gefallen zu lassen braucht, wenn er dadurch in seinen verfassungsmäßigen Rechten beeinträeh^

tigt wird.

5) Demnach ist, gem.iss Art. 50 der Bundesverfassung, Blatter vor dem Richter seines Wohnortes in Bern zu belangen und das Ur-

theil des Bezirksgerichtes der Sense vom 2. Juli 1861 als der Bnndesversassuug widersprechend aufzuheben.

28. Herr Laudammann Muh ei m in Altdors, Eigenthümer eines Landgutes in Tafers, Kantons ^reiburg, ist von Herrn Elaude Wiukler, Bauunternehmer in ^reiburg, für Fr. 96 für die Anfertigung eines auf dieses Landgut be^üglieheu Bauplanes vor den Gerichten des Kantons Freiburg belangt worden. Der Kassationshof des Kantons ^reiburg be^ freite ihn jedo.h , gestü^t anf Art. 50 der Bundesverfassung, von der

57 Einlassung vor den freiburgischen Gerichten und erklärte diejenigen des Kantons Uri als kompetent.

Jn der Beschwerde gegen diesen Entscheid wurde von Herrn Winkler ausgeführt, es sei gleichgiltig, ob Herr Muheini sein Domizil in Altdorf noch beibehalten habe, entscheidend dagegen sei, ob er ein solches auch im Kanton Freibnrg erworben habe.

Art. 42 der Bundesversassnng anerkenne die Möglichkeit mehrerer Domizile. Herr Muheim habe wirl^ lich ein solches im Kanton Freibnrg, denn er besize einen Permis de s.^onr ch,.r^. der nach dem Zeugniss der dortigen Volizei die Bedeutung einer Riederlassnngsbewilligung habe.

Art. 50 der Bundesversassung müsse also auf eine Weise interpretirt werden, die dem vorhandenen und

versassungsmässig zulässigen doppelten Domizil entspreche.

Der Bundesrath erklärte jedoch am 1l). Dezember 1862 diese Beschwerde als unbegründet, gestüzt aus sollende Erwägungen .

  1. Der Rekursbeklagte hat uuzweiselhast sein ordentliches Domizil im

2)

Kanton Uri und ist bereit, vor dem Richter dieses Kantons dem Reknrrenlen für seine personliche Forderung Rede und Antwort zu geben.

Nachdem nun Reknrrent den Reknrsbeklagten vor einen andern ^ Richter geladen, u.ar es zunächst Sache dieses Richters, darüber zu entscheiden, ob der Beklagte ausnahmsweise ein doppeltes Domizil habe und somit auch die Kompetenz des sreiburgischen Richters

begründet sei.

3) Da jedoch der freil...rgische Richter das Vorhandensein jener Ausnahu.e selbst verneint und seine Kompetenz abgelehnt hat, so steht den. Bundesrathe keinerlei Berechtigung zu, diesen Entscheid abzuändern, da es nur ...^ache des Bundesrathes ist, die Regel des Art. 50 der Bundesverfassung gegen Beeinträchtigungen zu Ungunsten eines Beklagten zu schüfen.

I.. G e r i c h t s s t a n d der g e l e g e n e n Sache.

29. HerrFeli^Knbli, Handelsmann in Retstal, Kautons Glarns, hat bei Anlass einer rechtlichen Betreibung gegen Jakob .^ommerhalder in ...^ftringen, Kantons Aargau, die Psäudung verschiedener Waaren erlangt, welche von der .^ran ^ommerhalder als Eigentum angesprochen wurden.

Diese erhob daher bei dem Gerichte il^res Wohnortes eine Klage, dahin gehend, einerseits, dass H^.rr Kubli ihr Eigenthu.nsrecht anerkenne, andererseits ihr den aus der Bsäudung sür sie erwachsenen Schaden erseze. Herr Kubli beschwerte si.h gegen den Gerichtsstand, die aargauische Gesetzgebung anerkenne sür Bewegliches nicht den Gerichtsstand der gelegenen Sache, sondern jenen des Vin^ikationsbeklagten . er hosfe mit dieser Einrede vor den ^arganisehen Gerichten durchzuringen.

Ausser allem Zweisel aber gehore die .^chadensersazklage, als eine personliche, vor den Gerichtsstand des Beklagten. Fran ^omu.erhalder il..rer-

Bunde.^bla^. J^ra.. ^v. Bd. Il..

5

58 seits stellte das ..Besuch, dass mit dem Entscheide des Bundesrathes Herrn ^ubli eine Frist zum Rekurse an die Bundesversammlung angesezt werden mochte.

Mit Beschlnss von. 25. April 1862 hat der Bundesrath sämmtliche Begehren als unbegründet abgewiesen. gestüzt aus folgende Erwägungen: 1) Vorerst hindert Art. 50 der Bundesverfassung, welcher vom Ge...

richtsstande sur personliehe Ansprachen handelt, keinen Kauton, sür

Vindikationsklagen, welche dinglicher Ratnr sind, den Gerichtsstand

der gelegenen Saehe ^korum rei s^ zu konstitmren ; somit ist im Spe^ialsalle kein Grund vorhanden, die von ^rau Sommerhalder bei den aarganisehen Gerichten erhobene Vindikationsklage als m^ der Bundesverfassung im Widerspruche stehend zu bezeichnen.

2) Die weitere Frage, ob die aargauiseheu Gerichte auch für Beurtheiluug der Sehadensersa^srage zuständig seien, welche ^rau Sommerhalder, gestüzt aus die von ihr behauptete widerrechtliche Bsän.^ dung ihres Eigentums mit ihrer Vindikationsl^lage verbunden hat, muss ebenfalls bejaht werden , weil die von.. Reknrreuten vorgenommene Zerlegung jeuer einheitlichen und zusammengehorenden Klage in eine dingliche und eine personliehe durchaus unnatürlich und unstatthaft ist, vielmehr diesem zweiten Theile der Klage bei näherer Betrachtung des Klagsundaments ebenfalls ein dinglicher Eharakter beigelegt werden muss, da es sieh im Grunde darum han..

delt, über eine durch den Re^urrenten bewirkte, von der Gegenpartei als rechtswidrig bezeichnete B e s i z e s e u t s e ^ u u g sammt damit verbundenen Folgen, nieht aber über selbstständige personliche Ansprachen ab^uurtheilen..

3) Dagegen kann dem Verlangen der Rekursbeklagten um Anseznn^ einer ^rist sür den Rekurrenten behufs allfälliger Eingabe eines Rekurses au die Bundesversammluug nicht entsprochen werden, da dem Bundesrathe zur Zeit das Recht zu solchen ^..istanse^ungeu gesezlieh nicht zusteht.

.^. .^eriehl^stand in .^rb scha s t s s a e h e n .

30. Jm Mai 186l ist eine Anna ^choeh, Bürgerin zu ^isehenthal, Kautons Zürich, in Rapperschw^l, Kantous St. Gallen, wo sie seit 1848 niedergelassen war, gestorbeu. Jhre Verlassenschaft bestand nur in Banknoten und Baarsehaft und besand sich in waisenamtlicher Verwaltung zu Rapperschw.^l. Jhre Erben sind drei Kinder .von zwei Brüdern, sämmtlich Bürger und .vohnhast in der Gemeinde ^isehenthal.

Es wurde nun ^wischen diesen streitig, ob die Theilnng der Erbschaft nach zürcherschem Geseze, d. h. nach Stämmen, oder nach. demjenigen von St. Gallen mit K o p s t h e i l un g vorzunehmen sei. Beide Theile thaten rechtliche ^chrilte.^ Heinrich Schoch und Anna Bertsehinger, g^b. Sehoch, Kinder des einen Brnders der Erblasserin , machten ihr Rechtsbegehr^n aus ^ der Erbschaft vor Vermittleramt Rapperschw.^l geltend. Da^.a,en

59 trat Kaspar Rüegg, Ramens fe.ner Ehefrau Barbara, geb. .^choch, Tochter des andern Bruders der Erblasserin, vor dem Friedensrichteramt Fischenthal aus mit der Klage gegen erstere beide Miterben, dass sie zu verurtheilen seien, ihm Fr. 257.). 13 Rappen als die Halste des Nachlasses der in Rapperschw^l verstorbenen Anna Schoch ^u bezahlen. Dieser leztere Vrozess gelangte zuerst ^ur gerichtlichen Verhandlung und wurde am 9. Januar 1862 von der Zivilabtheilung des Obergerichtes des Kantons

Zürich leztiustanzlieh dahin entschieden : es sei die Klägerin berechtigt,

die Hälfte des Nachlasses der in Rapperschw.^l verstorbenen Anna Schoch anzusprechen und seien die Beklagten verpflichtet, ihr diese Halste zukommen zu lassen und Zinse davon zu 5 ^ vom 18. Oktober 1861 au zu bezahlen.

Die

von den Beklagten bestrittene Kompetenz der züreherischen Ge-

richte ist in diesem Urtheile in folgender Weise gerechtfertigt: Die Beklagten als Bürger und wohnhaft im Kanton Zürich haben ihren ordent-

lichen Gerichtsstand vor den zürcherischen Gerichten. Die dortige Gerichts-

prar^s anerkenne ^war für Erbschastsstreitigkeiten vor der Theilung auch einen Gerichtsstand des Wohnortes des Erblassers, allein er stehe in Konkurreuz mit dem Gerichtsstande des Beklagteu. Bei solcher Konkurrenz sei die Bräveution entscheidend, welche hier für die zürcherischen Gerichte vorhanden sei. Es komme daher nach ^. 3 des privatrechtlichen Gese^buehes das zürcherisehe Recht in Anwendung.

Barbara Rüegg, geb. S^hoch. erhob nun gegen die Beklagten den Rechtstrieb aus Bezahlung der obigen ..^umme.

Die Regierung von

St. Gallen machte Einsprache gegen die Ablieseruug der Erbschaft bis zur gütlichen oder rechtlichen Erledigung des Erbschastsstreites, und bean-

spruehte sür leztern die Jurisdiktion ihres Kautons.

Die Beklagte..

konnten dennoch die Suspeusion der bis zur Konkurseinleitung vorgesehrittenen Betreibung von den züreherischen Gerichtsbehörden nicht erlangen, indem sie durch die Jntervention der Regierung von ^t. Gallen nicht gehindert seien. ihrer persönlichen Verpflichtung aus obigem Urtheile

zu geuügen. Auf diessfälliges Begehren hat jedoch der Bundesrath pro..

visorisehe .^istirung versügt.

Jn diesem Stadium gelangten Heinrich ....^choch und Anna Schoeh, verehelichte Bertsehiuger, mit einer Beschwerde au den Bundesrath, welcher

nach Anhörung der Gegenpartei am 29. August 1862 den Rekurs be-

gründet erklärt und das Urlheil des Obergerichtes des Kantons Zürich vom ..). Januar 1862 ausgehoben hat, gestü^t aus folgeude Erwägungen : 1) Bei Beurteilung des vorliegenden Rechtsstreites hängt Alles davon ab, welcher Ratur die gegen die Rekurrenten erhobene gerichtliehe Klage ist, indem für den Fall, als der Klage die Ratnr einer personlichen Ansprache Ankäme, die Rekurreuten nach Art. ^ der Bundesverfassung von dem kompetenten Richter beurtheilt worden wären , wobei, die Kompetenz des zürcherischen Richters einmal vorausgeht, in der Anwendung

60 des zürcherischen Rechts und in der Vollziehung des gegebenen Urtheils durch denselben ein Stoff zu begründeter Beschwerde nicht liegen konnte.

2) Run hat der Kläger in dem betreffenden Brozesse sich alle Mühe.

gegeben, um dar^uthnn, dass die Kla^e die Rat^r eines Delikts- oder

wenigstens einer personlichen Erbtheilungsklage habe , das Obergericht des

Kantons Zürich wies jedoch in seinem Urtheile selbst diese Versuche . die ^.Klage zu denaturiren, zurül^ und a^.alifizirte dieselbe mit vollem Recht als

dingliche Erbschaftsklage.

3) Diesen Charakter der Klage konftatirt, ist das natürliche Verhältniss osfenbar das, dass die St. Gallischen Gerichte über Erbtheilungsklagen einer auf ^t. Gallischem Gebiete verfallenen und daselbst liegen-...^

den Erbschaft entscheiden, und es mnss als ein Eingriff in das durch

Art. 3 der Bundesverfassung garantirle Sonveränitätsverl.ältniss des Kantons St. Galleu betrachtet werden, wenn die zürcherischen Gerichte, gestüzt aus ein subsidiares allgemeines Fornm des Wohnortes des Beklagten,

das natürliche ..^pezialforum für dingliche Erbsehastsklagen beseitigen wollen.

Gegen diesen Entscheid beschwerte sich hinwieder Barbara Rüegg , geb. Sehoch, bei den gesezgebenden Räthen, welche sieh jedo.h ans einen bestimmten Entscheid nicht einigen konnten. Der Nationalrath hat am 15. Januar 18^3 die Beschwerde abgewiesen, der Ständerath dagegen am 26. gl. Mts. den Rekurs begründet und den Entscheid des Bunt.esxathes als abgehoben erklärt. Unterm 2^. und 30. Januar beharrten

beide Räthe definitiv auf ihren Sehlussnahmen. ^Bnndesblatt 1863, l, 465.)

31. Ein Herr Beter E o t t i e r , ursprünglich im iezigen Kanton Waadt, später an.h in Saanen, Kantons Ber.., verbürgert, l..at in einem Testamente vom ^. Rovember 1747 die L a n d s c h a f t ............. n .. n in dem Sinne als Erbin eingesät, dass der Ertrag seines Vermögens den Armen und Schulen zukommen solle. Herr Eottier war lange in Saanen wohnhaft und ist auch daselbst am 28. Rovember 1747 gestorben.

Seither hat die ^andschast Saanen dessen Verlassenschast, welche vorzngsweise ans Liegen sehasten besteht , die in benachbarten , seither vom Kanton Bern abgetrennten, jezt waadtländischen Gemeinden liegen, unter dem Ramen Eottier-^tistung besessen und verwaltet. Jm Juli 1861 hat nun Louis .^onmi zu Rougemont, Kantons Waadt, für sich und übrige Jntestaterben des Beter Eottier, die Verwaltung der .Landschaft Saanen vor die Gerichte des Kantons Waadt geladen, bei welchen er eine Klage angehoben ^hatte, dahin gehend: Das fragliche .Testament enthalte die Bedingung, dass von den Wäldern und Weiden nie und in keiner ^orm etwas verkauft, vertauscht oder geschwächt werden dürse ; jene Verwaltung habe aber diese Bedingung verlebt; es trete somit die Jntestaterbsolge ein, und es müssen demzusolge die im K a n t o n W a a d t liegenden Jmmobilien an die jezt lebenden natürlichen Erben des Beter Eottier zurükfallen. Die Verwaltung der Landschaft Saanen verweigerte

^1 die Annahme der Vorladung, und der Appellations^ und Kafsationshof des .Kantons Bern billigte diese Weigerung, da es sich um eine Streitigkeit über eine Erbschaft handle, die bei dem Gerichtsstande des Wohnsizes des Erblassers anhängig zu machen sei und also der Gerichtsstand der gelegenen Sache nicht der zuständige sein konne.

Da das waadtländische Gerieht im Kontumazia .verfahren weiter prozedirte, so sah sich die Landschaft Spanen zur Beschwerde bei dem Bundesrathe veranlasse. Sie stellte daher, gestuft aus Art. 4, 48 und 50 der Bundesverfassung das Gesuch, dass die Gerichte des Kantons Bern kompetent erklärt werden mochten . da hier eine hereditatis .^etitio, nicht ^eine vmdicatio in rem vorliege, für erftere aber die Gese^geb.ingen beider Kantone den Gerichtsstand des Wohnsizes des Erblassers, resp. des Anfalles der Erbschast, kompetent erklären. Der Umstand, dass die Klage nur aus die in Kanton Waadt liegenden Jmmobilien beschränkt werde, ändere ihre Ratur uicht. Das kornm rei sit.^ sei hier durch die spe-

zielle Erbschaftsklage ausgeschlossen.

Der Bundesrath hat am 5. Mai 1862 diesen Rekurs abgewiesen, a.estüzt aus folgende Erwägungen : 1) Jn der Hauptsache kommt in Frage, ob die waadtläudischen Gerichte zur Beurteilung einer Vindikations- oder Erbschastsklage von waadtländischen Erbberechtigten gegenüber einem im Kanton Bern verstorbenen Waadtländer, so weit dessen Vermogeu sich im Kauton Waadt befindet, zuständig seien. .- Diese Frage muss nun im Allgemeinen gemäss der nach Art. 3 der Bundesversassung deu Kantonen zustehenden .^ouperänetät innerhalb ihres Gebietes besaht werden, sofern nicht nachweisbar ist, dass diese Souveränität durch anderweitige Bestimmungen der Bundesverfassung im Fragefall beschränkt sei.

^) Ju lezterer Beziehung hat die Rekurreutin hauptsächlich Art. 50 der Bundesversassung angerufen, wonach personliche Auspraeheu vor dem Richter des Wohnortes des Schuldners anhäugig gemacht werden sollen, und es fragt sieh nun, ob die vorliegende Klage den Eharatt..r einer personlichen Kl^ge habe.

3) Die Varteien sind nun ^war darüber streitig , ob die erhobene Klage die Ratur einer Vindikationsklage habe, wie die Kläger, und zwar.

im Eingang mit ihrem Rechtsbegehreu und mit der gemeinrechtlich herrsehenden Theorie behaupten, oder ob dieselbe die Ratur einer Erbsehastsklage ^l.eredn.^.s petitio) habe, wie die Beklagte sie bezeichnet. in beiden Fällen aber ist gleichmässig die Klage dinglicher Rat..r, da es ganz irr-

thümlich ist, wenn die Rekurrentin der Erbsehaftsklage den dinglichen

Eharakter desshalb abspricht, weil sie nach vielen Gese^gebuugen (aus Gründen der Gesezgebuugspolitik) am Wohnorte des Erblassers zu er-^ heben sei . somit ist Art. 50 der Bundesverfassung hier nicht massgebend.

4) Sodann kommt weiter in Frage, ob, wie Rekurreutin behauptet, durch das Vorgehen der waadtländischen Gerichtsbehörden Art. 48 sammt^

62 Art. 4 der Bundesverfassung verlebt werde, weil nach der waadtländischen

Gesezgebung ebenfalls der Grundsaz gelte, dass sür Erbschastsftreitigkeiten der Gerichtsstand des legten Wohnsizes des Erblassers, be^iel..nug.^weise

des Ortes der Erofsnung der Erbschaft, massgebend sei.

5) Run sind allerdings nach dem waadtländischen Code d^ proc^ dure civile, Art. 15, f und ^, sür Erbschaften, die im Kanton Waa^t eröffnet werden, die bezeichneten Grundsäze giltig, und konnen auch von den Schweizern anderer Kautone ^u ihren Gunsten angerufen werden , aber der daraus gezogene Schluss muss als irrig bezeichnet werden, weil es sich hier gerade um den umgekehrten Fall einer Erbschaft handelt, die im Kanton Bern eroffuet worden ist, und nun nachgewiesen werden müsste, dass der Kanton Waadt sich dem Kanton Bern gegenüber durch ^taalspertrag (Konkordat) verpflichtet habe, das Forum des Wohnortes des Erblassers im Kanton Bern für Erbsausprachen von Waadtländern anch dann anzuerkennen, wenn die Erbschastsstüke im Kanton Waadt liegen .

ein solches Konkordat besteht nun aber zwischen den beiden Kantonen nicht. vielmehr hat Waadt sich auch gegenüber einem sachbezügliehen Konkordate von l 822 seine Konvenienz vorbehalten.

6) Sonnt erscheint durch die Art. 50, 48 und 4 der Bundesverfassung das normale Verhältnis. des Art. 3 der Bundesverfassung im vorliegenden Falle n^ht beschränkt, und es ist desshalb die Rekurrentin gehalten, si.h vor den waadtländisehen Gerichten einzulassen und deren Entscheid über die Kompetenzsrage sieh zu unterziehen.

Die Lauds.hast Saanen sezte ihren Reknrs auch noch an die Bnndesversammlung sort , und es hat der Nationalrath am 24. Henmonat 1862 beschlossen: ,,Es sei der Rekurs begründet und daher das von ,,Louis Soumi von Rongemout und Mithasten, Klägern, gegen .^ie ,,Laudsehast .^aanen, als Beklagte, vor den Gerichten des Kantons ,,Waadt eingeleitete Rechtsverfahren als wirkungslos und die von dem ,,bernischen Appellations- und Kassationshos verfügte Verweigerung der ,,Laduug an die Beklagte als gerechtfertigt erklärt.^ Der Ständerath stimmte diesem Besehlusse am 12. Cannar 1863 bei. (.^iehe Bericht

des Bundesrathes und Kommisstonsberiehte, Buudesblatt l 862, Band lll, Seit^u 56 und 255 und den Beschluss, Bnndesblatt l 863, Band l,

Seite 1..)l).)

32. Die in den Kantonen ..^hurgau und .^t. Gallen wohnhaften Erben eines in langweil, Gemeinde Egnach, Kantons Thnrgan, verstorbenen Johann Anton A n g e h r , weleher sowol in der tl,.^rgauisehe^ Gemeinde Hagenweil als au^.h in der St. Gallischen Ge..

meinde Muolen verbürgert war, sind darüber streitig geworden, nach welchem Erbgeseze die nur in Beweglichkeiten bestehende Verlassenschast zu theilen sei. Die Regierungen der beiden Kantone waren zwar, freilich diejenige von .^..t. Galleu nur mit Vorbehalt, darüber einver^ standen, dass das Obergericht des Kontons Thurgan zunächst darüber

63 .entscheide, ob das Vergehen des thurga^ischen Bezirksgerichtes ein kompetentes gewesen sei. Diejenigen Erben aber , welche den St. ..gallischen Gerichtsstand und die Anwendung des dortigen Erbrechtes beanspruchten, beschwerten sich beim Bundesrathe und bemühten si.h zu beweisen, dass der Erblasser, der einen Bienenhandel getrieben und die Bienen in beiden .Kantonen zerstreut untergebra.ht hatte, sein eigentliches Domizil in Mnolen gehabt, wo er auch die Steuern bezahlt habe, und wohin er von feineu vielen Reisen znr pflege der Bienen stets wieder zurükgekehrt sei.

Der Bundesrath hat am 1l. Angnst 1.^2 diesen Rekurs abge^ wiesen, mit sollender Begründung .

.l) Zwischen den Kantoren Thurgau und St. Gallen besteht kein Konkordat über erbrechtliehe Verhältnisse, indem St. Gallen dem Konkordate vom 15. Juli 1822 nicht beigetreten ist, somit konnen aus diesem Konkordate von keiner Seite rechtliche Folgerungen gezogen werden 2) Jn Ermanglung eines Konkordates mit andern Kantonen ist jeder Danton nach Art. 3 der Bundesverfassung berechtigt , seine Gesez^ebung und ..Gerichtsbarkeit sur alle in Folge des Wohnortes des Erblasers aus seinem Gebiete erosfneten Erbsehasten in Anwendung zu bringen.

3) Rn.. ist es nach den Akten ^r hoehsten Wahrscheinlichkeit erbracht , dass der Erblasser ini gegenwärtigen ^alle im Gebiete des Kantons Tlmrgau wohnhaft gewesen sei, indem nach dem Jnventar selbst sein Bett, seine Kleider, sein Handwer^eug, kurz sein gesammtes Mobiliar, wie auch sein übriges ...^ermogen, sich ..^- und zwar offenbar seit längerer Zeit -..- in ^eng^veil, Kantons Thurgau, befand, wo derselbe auch gestorben ist.

4) Der Umstand, dass der Erblasser seit einigen Jahren auch an seine St. Gallische H..im..t.^emeinde Steuern bezahlte, bildet keinen genügenden Beweis dafür, dass er auch an seinem Heimatsorte in St.

Gallen wohnhaft gewesen sei, indem sich eine solche Steuerzahlung auch ans andern Motiven erklären lässt.

5) Unter solchen Umständen ist sür den Bnudesrath kein Grund vorhanden, die weitere Behandlung dieser Erbschastsli^nidation den thurgauischen Behorden zu entziehen.

d.

..^..xich^stand de... V e r g e h e n s .

33. Herr Geschäftsagent J. .fausser in Aaran ist vom AmtsBerichte .^lte.^Gosgen, Kantons Solothurn, wegen Beschimpfung, deren er sich durch Korrespondenz gegenüber Hrn. Lehrer Marti in Rohr, Kantons Solotl.urn, schuldig gemacht habe, zu Fr. 50 Busse, ^atisfaktion und Bezahlung der Geriehtskosten verurtheilt worden.

Diese Verurteilung saud in contumali^m statt, da fausser aus die Vorladnngen nicht erschien, sondern schristlieh gegen den Gerichtsstand pro-

64 testirte, indem nur die Gerichte seines Wohnortes kompetent seien.

Hausser wandte sich in einer schriftlichen Eingabe an das Obergericht des Kantons Solothurn, worin er gegen das erwähnte Urtheil zu appeliiren sich erklärte. Das Obergericht anerkannte in seinen. Entscheide

vom 14. Dezember l 861, dass das Amtsgericht Olten-Gosgeu nicht kompetent gewesen wäre; Beschwerdeführer habe aber nicht die zu einer Appellation vorgeschriebenen Förmlichkeiten beobachtet.

Auch der Bundesrath hat am 14. Juli 1862 die gegen leztern Entscheid erhobene Beschwerde des Hausser abgewiesen , weil dieser auf das ihm ursprünglich zugestandene Reeht des Art 50 der Bnndesverfassung dur h eine mit Vrotestationen vermischte materielle Einlassung

tatsächlich verachtet habe.

Hausser rekurrirte nun auch noch au die Bundesversammlung. Der Nationalrath bes.hloss am 20. Januar 1863, es sei dieser Rekurs als begründet ^ erklären und der Entscheid des Bundesrathes vom 14.

Juli 1862 aufzuheben. Der Ständerath ist am 23. Jauuar I863 diesem Beschlösse beigetreten. (Buu.^esblatt l 863, l, 471.)

34. Verena D u n k e l von Merishanseu, Kantons Schaffh.^usen, hat sich an ihrem mehrjährigen Riederlassungsorte Frauenfeld des Ehebruchs schuldig gemacht. Während eines vorübergehenden Ausenthaltes in Schaffhausen wurde sie vor die dortigen Gerichte geladen und ungeachtet ihrer forideklinatorischeu Einrede wegen jenes Vergehens bestraft.

Sie beschwerte sich, weil nach Art. 3 und 5 der Bu..desversassnug nur die thurgauischen Gerichte kompetent seien und sie Gefahr lause, von diesen auch noch bestraft zu werden.

Der Rekurs wurde am 19. Dezember 1862 angewiesen.

Gründe .

  1. Kraft der in Art. 3 und 5 der Bundesverfassung den Kan^.

tonen gewährleisteten ^onveränetät n.uss jedem Kanton das Recht znstehen, sowol ^erbrechen, die aus seinem G e b i e t e begangen wnrden, als sol^e, die von Kantonsangel.^origen a u eh ausser dem Gebiete, ja selbst solche, die von Kantons sreu.d en a u s s e r h a l b des Kantons, aber gegen den Kanton oder dessen Angehörige begangen wurden, so weit sie von der Gesetzgebung des betreffenden Kautons mit Strafe bedroht sind, ^ur Beurtheilung und Bestrafung ..u ziehen.

2) Dieser Grundsa.^ hat überdies. noch ini Bundesgese^ über die Auslieferung von Verbrechern u..d Angeschuldigten von.. 24. Juli 1852 ausdrükliehe .^auktion gesunden, indem nach Art. t, Lemma 2 den Kantouen gestattet wird, die Auslieferung ^u verweigern, sobald der Kanton, dem solche Versonen durch B ü r g e r r e c h t oder Niederlassung angehoren, sich verpflichtet, dieselben nach seinen Gesezen zn beurteilen und zu bestrafen.

3) Jm vorliegenden ^alle hat das Gesez des Kantons ^chasfhausen

6^ das Vergehen des Ehebruchs von Kantonsangehorigen mit Strafe bedroht, und es ist diese Strafe vom kompetenten Gerichte ausgefällt worden.

4) Die Befürchtung , es konnte wegen des gleichen Vergehens ein^ Zweite Strase im Kanton Thurgan erfolgen, hat nicht die mindest...

Wahrscheinlichkeit für sieh ; im Uebrigen aber ble.bt für diesen Fall da.^ Recht der Besehwerde bei den Bnndesbehorden ossen.

l.^. Arrest.

35. Joseph von Burg von Lommisw...l, Kautons Solothnrn,.

..^domizilirt in Reuenbnrg, hat sich unter Berufung ans Art. 50 der^ Bundesverfassung gegen eine Verfügung des Gerichtspräsidenten von.

Solothurn-Läbern beschwert, wodurch dem Johann von Bnrg in Lom^ misw^l der Arrest aus ein in Lommiswr^l befindliches Guthaben de^ Erstern bewilligt wurde. Der Arrestnehmer bestritt die Anwendbarkeit des Art. 50 der Bundesverfassung, weil der Reknrrent keinen festen Wohnst habe, beinahe vermögenslos sei und über die Rechtmässigkeit des Arrestes zunächst vor den solothurnischen Gerichten ^ hätte Recht suchen müssen, aus diese Besugniss aber durch Ablauf der uüzliehen Frist verziehtet habe.

Der Bundesrath erklärte am 8. Dezember 1862 den Rekurs al^ begründet und hob den Arrest aus, im Wesentlichen auf folgende Er^

wägung gestuft: Jm vorliegenden ^alle ist durch die Arrestbe.mlliguug des Gerichts-

präsidenten von ^olothurn^Labern auf ein im Kanton Solothurn befindliehes Vermogensstük des in Reuenburg dom^ilirten Reknrrenten Art. 50^ der Bundesverfassung verlezt worden, indem a. die bl.osse Behauptung, dass Rekurrent sich in misslichen Vermögensumständen befinde, den Arrest nicht rechtfertigt, so lange jener auf.-

rechtstehend geblieben, d. h^ nicht in Konkurs gefallen ist,

b. ebenso kein genügender Grnnd vorhanden ist zur Annahme , dass^ Rekurrent keinen festen Wohnsiz habe, da aus den Akten erhellt, dass derselbe sammt Familie schon seit Februar 186l seinen Wohnsi^ in Reuenbnrg genommen hat und daselbst auch als militärpslicht^ betrachtet wird.

36. Heinrich T r ü b von Borgen, Kantons Zürich, wohuhast in Bern, hat im Jal.r 1858 seinen Heimatschein dem .^einrieh Goll i^ Horgen zur Sicherung sur eine Forderung des leztern in Versaz gegeben, und der Gerichtspräsident von Horgen hat zu diesem Zweke die Deposition des Heimatseheines bei dem Gemeindammaunamte bewilligt.

Später verwendete sich Trüb, unterstüzt vom Gemeinderathe zu Horgen,.

wiederholt u^n Herausgabe des Heimatscheines, was jedo.h von seinem Kreditor beharrlich verweigert wurde. Das Obergericht von Zürich hat

66 diese Weigerung als berechtigt aner^nnt, weil eine derartige Beschlag..

nahme, welche allerdings nicht als .Arrest ans Vermogensobiekte, sondern als eine Art des Versonalarrestes sid.. darstelle , nicht nnr in der Gerichtsprax^is anerkannt, sondern auch dnreh Geseze und Verordnungen als Zulässig erklärt sei , und weil unzweifelhaft ein Schuldner von Ansang an durch Vertrag das Recht einräumen konne. seine Ausweispapiere znrük.,uhalten.

Die Bes.hwerde des Heinrich Trüb, welcher ans den Entscheid der Bundesversammlung, betreffend Aushingabe der Legitimationspapiere von Seite der Heimats- oder Ausenthaltsgemeinde. sowie ans Art 50 der Bundesverfassung sich berufen zu kennen glaubte, ist vom Bundesrathe am 26. September 1862 ebensalls abgewiesen worden.

Gründe .

  1. Anerkanntermassen liegt im vorliegenden Falle ein zivilrechtliches .^erhältn.ss vor, indem der sr...gli.^e Heimatsehein von dem Besehwerdesührer selbst als Bfand für eine Schuld bestellt wnrde.
  2. Unter solchen Umständen kommt Art. 50 der Bnndesversassung hier nicht in Frage, da der Arrest von keiner Behorde gelegt wnrde, (vergl. Entscheid des Bundesrathes, Bundesblalt Jahrgang l 858, Band I,

Seite 258).

3) Die Behauptung des Reknrrenten, er werde wegen Zurül.haltung seines Heimatscheines in seinen Aufenthaltsverhältnissen gehemmt, mag zwar richtig sein, aber rechtlich ist sie ni.ht von Bedeutung, da er sieh durch Verpfändung seines Heimats.heiues selbst in diese Lage verseht hat und durch Bezahlung seiner Schuld sich selbst daraus besreien kann.

37. Herr Benedi' F r ä n k e l , Vserdeh.indler von Frankfurt a. M., hat sieh über einen Arrest beschwert, den H..rr Oberst Hosstetter in ...^t.

Gallen für seine Forderung an Pferdehändler Conrad Meverhofer von Buch am Jrehel , Kantons Zürich . wohnhast in Zürich , anf ein Gnthaben, das ursprunglieh dem Me.^erhofer aus Herrn Otto .^and in ^t.

Gallen Anstand, aber von ihm an ^errn ^ränkel abgetreten wnrde, getegt hatte Die Regierung von ^t. Gallen wies die Beschwerde ab,

weil sie erst nach Ablanf der in Art. 2^5 des St. Gallischen Zivilpro-

Cesses hiefür eingeräumten ^rift eingereicht worden sei. Herr Fränkel gründete seinen Rekurs daraus, ^ass Me.^erhofer nie selbst Kreditor des Herrn ^au... ge.oorden sei, da er nur in seinem Ramen und als sein Angestellter das sragliche ^ferd an Herrn ^and verkaust habe. Herr Hosstetter moge Me.^erhofer, der solvabel sei, an dessen bekanntem Domi^il belangen. Der Art. 265 des Zivilprozesses von .^t. Gallen stehe im Widerspruehe n.it Art. 5l) der Bundesverfassung . welcher dergleichen Beschlagnahmen a b s o l u t verbiete, jener aber sie naeh einer Frist von .^0 Tagen zulasse.

67 Der Bundesrath hat am 3l. Oktober 1862 den Rekurs abgewiesen, aus folgenden Gründen :

ebenfalls

  1. Art. 50 der Bundesverfassung verbietet allerdings sur Forderungen aus einen ausrechtftehenden schweizerischen Schuldner ausser dem Kanton, in welchem er wohnt, Arrest ^u legen.
  2. Jm vorliegenden Falle kann jedoch Herr Fränkel wegen der in St. Gallen stattgehabten Arrestlegnng auf eines seiner Guthaben sieh mit Grnnd über Verlegung des Art. ^l.) der Bundesverfassung nicht beschweren, weil er in der Schweiz keinen festen Wohnst^ hat und fomit ihm gegenüber einsaß die Bestimmungen der St. Gallischen Gesetzgebung ^massgebend sind.
  3. Rekurrent scheint zwar ^u glauben, er habe mit der Eession der Forderung von Seite eines Sehweizerbürgers (Me.^erhofer) auch die diesem zustehenden konstitutionellen Rechte, die aus Art. 50 der BundesVerfassung sliessen, miterworben ; diese Ansicht ist indess aus selbstverständ-

liehen Gründen unstatthaft.

4) Die Beschwerde über die Verfassungswidrigst des St. Galli-

sehen Zivilpro^esses vom 8. Marz l 850, resp. des Art. 265 desselben anbelangend, so ist einstweilen kein Grund vorhanden, daraus weiter einzutreten, wodurch übrigens spatern Entscheidungen keineswegs präjudizirt sein soll.

3.

^nwenI.nna. t.er .^unde^e^e.

l. B u n d e s g e s e z über die gemischten Ehen.

38. Von den l 4 Beschwerden dieser Art sind zunächst 6 ohne weiteres Eintreten von der Hand gewiesen worden, weil in 4 Fällen beide Verlobte katholisch waren un^ in den zwei andern zwar gemischte Ehen ^ beabsichtigt, allein von den Be^enten in formeller Beziehung gegenüber ihren Kantonsregierung.n nieht die nothigen Rachweise vorgelegt worden waren.

Jn einem Falle wurde der .latent au.h darum an seine Kantonsregierung ^urükgewiesen, weil seine Verhältnisse seit ihrem Entscheide sich wesentlich gebessert und die bezüglichen Ausweise derselben noch nicht vorgelegen hatten, en.. ..h seit deren Beschluss 5 Monate verstrichen waren.

3.). Der im Geschäftsberichte pro 1861 (Bundesblatt l 862, Band ll, ^eite 255) enthaltene Ents.heid des Bundesrathes in Sachen Anton B i s a n g ist von den gese^gebenden Räthen bestätigt worden.

Der dagegen erhobene Rekurs der Regierung von Luzern wurde nämlich vom ^tänderathe am 28. Juli 1862 und vom Rationalrathe am 14.

Januar l 863 als unbegründet abgewiesen.

(Siehe die Bots.haft des

Bundesrathes nnd die Komniissionsberiehte in^ Bundesblatt l 862, Band ll,

68 Seite 774, Band lll. Seite 2..^ und im Bundesblatt 1863, Band l, Seite 164 und l 72.)

40. Die Beschwerde des Auton B e ^ e r von Willisau -Stadt, Kantons Ludern, wegen Verweigerung der .^on ihm tendirten gemischten Ehe ist am l. September 1862 begründet erklärt .oor^en, gestuft auf folgende Erwägungen .

  1. Wenn das Bundesgesez über die gemischten Ehen eine Be-

deutung haben und die Möglichkeit gewähren soll, die Eingehung von

gemischten Ehen zu garantiren, so muss den Bnndesbehorden eine Beurtheilung der Motive zustehen, aus denen eine solche Ehe nicht bewilligt wird.

2) Die Regierung von Luzern gibt in ihrem Entscheide vom 24. Januar 1862 zu, es liege gegen den Leumund der Verlobten ausser einem mitsammen begangenen Fehltritte nichts Rachtheiliges vor. dagegen stüzt sie ihre Verweigerung zur Bewilligung der Ehe daraus, es habe Reknrrent sein Erbtheil von Fr. 3.^0 theilweise verbraucht, bis dahin nicht mehr als ^r. 40l) Ersparnisse gemacht, es besize auch die Verlobte gegenwärtig noch .venig oder kein Guthaben, und der vorgebliehe Verdienst der Verlobten reiche zur Erhaltung einer allsälligen Familie nicht aus.

3) Aus dem bei den Akten liegenden Auszug aus der Beistands^ rechnung ergibt sieh jedoch, dass dem Rekurrenten wegen des theilweisen Verbrauches seines Erbtheils keine begründeten Vorwürse gemacht werden konnen ; dass er serner u..ter obwaltenden Umständen recht befriedigende Ersparnisse aus seinem Verdienste gemacht; dass seine Verlobte einen gut^.n ^Verdienst besi.^t und aus demselben ebenfalls schon einige Erspar^ nisse gemacht, und dass schliessli.h die Verdienstverhältnisse des Reknrrenten (bei einem Woehenverdienst^ von eirta ^r. 18, abgesehen von dem Verdienste der Verlobten) der Art sind, dass nach menschlicher Voraussicht von einer begründeten Besorgniss , Rekurrent mochte seiner Gemeinde ^ur Last fallen, nicht die Rede sein kann.

4) Unter solchen Umständen darf gemäss konstanter Vra^is (Ullmer, staatsrechtliche Vra^is Rr. 477, 486 und 4.^7) dem Rekurrenten die Berechtigung ^ur Eingehung einer gemischten Ehe um so weniger verweigert werden, als das luzernische Gese^ über Ehebewilligungen vom ll.

März 1835 die Verweigerung der Ehe nur dann gestattet, wenn eine b e g r ü n d e t e Besorgniss abwaltet, dass die Verlobten mit ihrer ^amilie der Heimatgemeinde ^ur Last sallen werden, indem sie kein hinlängliches eigentümliches Vermogen o d e r in Abgang desselben hinreichenden Verdienst haben.

Die Regierung von Ludern hat auch gegen diesen Entscheid an die Bundesversammlung rekurrirt, jedoch in ^olge der Abweisung ihres Rekurses in Sachen des Anton Bisang (siehe oben Rr. 39) diesen Rekurs am 15. Jannar l 863 zurükgezogen.

69 41. Jakob M e i e r von Ue^.l, Kantons Aargan, Dienstknecht im Kanton Zürich , verlobt nnt einer znrcherisehen Seidenweberin , ist mit seinem Begehren uni Ehebewilligung durch Urtheil des ^.bergerichtes des Kantons Aargan vom 23. Januar 186l gegenüber seinem heimatliehen Gemeinderalhe abgewiesen worden. Die gnten Sitten, Arbeitsfähigkeit und ^.leiss der Brautleute werden zwar durch das Urtheil anerkannt ; dagegen wird bei Meier der Mangel an haushälterischem Sinne konstatirt.

Das Urtheil enthält noch den Beifaz, dass binnen zwei Jahren eine Ehevertü...^u..g sur Jakob Meier nicht mehr stattfinden ^ürfe. Meier reknrrirte und bewies, dass sein Jal.resver.^ienst Fr. 22...., der Verdienst seiner Braut in zirka 1 ^ Jahren dagegen Fr. 6l 0 beträgt. Der Rekurs wur.^e dennoch verworfen , da die Einspraehsgründe erheblich genug erschienen, insbesondere da die Abweisung nur eine temporäre und dem Rekurrenten damit Gelegenheit gegeben sei, das Mangelude naehzubringen. (24. Januar l 862.)

Es hatte sich hiebei ergeben, dass der Gemeinderath von Ue^w^l, ungeachtet Meier abgewiesen worden war . das von ihm für die Braut bezahlte Ein^uggeld zurükbehalten und unter ..Pflegschaft gestellt hatte. Dieses ist auch in einem andern ^alle geschehen, in welchem der Ehepetent zweimal die Einzugsgebühren von je zirka ^x. ^)l) bezahlen musste, je.^oeh abgewiesen wurde und dennoch jene Gebühren nicht zurük erhielt.

Bei dem Entscheide in Sachen Meier hat der Bundesrath die Regierung von Aargan ans dieses seltsame Verfahren aufmerksam gemacht.

42.

Dem Konrad von D ä n i k e n von Stüsslingen, Kantons So-

lothurn, ist von der Regierung dieses Kantons die Bewilligung der Ehe verweigert worden, weil er ein leichtsinniger Mann sei und nicht im Stande wäre, eine Familie zn ernähren. ......on Dä.nken beschwerte sich hiegegen und suehte zu beweisen, dass der wahre Grund darin liege, dass seine Braut Protestantin sei. Er wnrde aber dureh Beschluß des Bundesxathes vom 17. September 1862 ebenfalls abgewiesen.

Gründe : l) Art. 3. des Bundesgesezes vom 3. Dezember 1850 spricht den

Grundsaz aus, dass die Bewilligung zum Absehluss gemischter Ehen auszustellen sei, sobald gegen eine solche Ehe sonst keine geglichen Hindernisse bestehen . der Bundesrath h^.t somit ohne weiteres Eintreten auf konfessionelle Verhältnisse im ...^pezialsalle jeweilen nur zu untersnehen, ob nach der Gesezgebung des betreffenden Kantons gesezliche Hindernisse bestehen.

2) Diese ^rage muss i^n vorliegenden Faile nun ^allerdings bejaht werden, indem nach den auf amtlichen Glauben Anspruch habenden, durch

die übrigen^Zeugnisse nicht genügend widerlegten Mitteilungen der Re-

gierung von .Solothurn, Relurent eine so unordentliche u^.d verschwenderische Lebensweise führt, dass allerdings gemäss ^. 9.) des solothnrnisehen Zivilgesezes mit Grnnd bezweifelt werden ^ars, ob er eine Familie mit Ehren durehzubringen vermöchte.

70 43. Dem Gabriel H o o g von Ober-Gösgen, Kantons Solothurn, wohnhaft in Sehonenwerd , gleichen Kantons , ist von seiner Regierung die Bewilligung zur Ehe mit der protestantischen Anna Muri, von Schinznach, gestüzt, ans ^. .).) des Zivilgesezbuches verweigert worden, weil ex wegen Mangel an Fleiss und Sparsamkeit voraussichtlich mit seiner Familie der Gemeinde ^ur Last sallen würde. Hoog ist Schuster, seine Verlobte Fabrikarbeiterin. Beide wiesen sieh durch amtliche Zeugnisse aus, über ihre Arbeitsamkeit und Sparsamkeit, so wie über sittliches Betragen. Der Wochenverdienst des Hoog beträgt durchschnittlieh ^r. 15.

Die Beschwerde des Hoog wurde am 27. Oktober 1862 begründet erklärt, gestüzt ans folgende Erwägungen : 1)^ Gleichlautend mit Erwägung 1 bei Rr. 42 oben.

2) Run gewährt ^. .).) des solothurnischen Zivilgesetzbuches den Eltern resp. Gemeinden insofern ein Einspruchsrecht gegen die Verehelichnug volljähriger Bersonen, wenn ste darthun, dass im Falle der VoltZiehung der Ehe die Ehegatten ausser Stande wären, ihren Unterhalt durch ihr Vermogen oder ihre Arbeit zu bestreiten.

3) Jm vorliegeudeu Falle konnte nun dieser Einsprachsgrund offenbar in keiner Weise genügend erbracht werden ; vielmehr ist nachgewiesen, dass die Verlobten eines guten Ruses geniessen, arbeitsam find und gehorigen Verdienst haben ; insbesondere ist die Thatsache, dass die Verlobten unter Eheversprechen ein Kind erzeugt haben, noch nicht geeignet, deren guten Leumund ^u zerstoren; desgleichen kann der vorhandene Leistenbruch einen genügenden Eheeinspruehsgrund nicht bilden, da er nach mehrfachen ärztlichen Zeugnissen den Hoog an der Arbeit nicht hindert; ferner bildet au.h die ^.hatsache, dass Rekurrent während drei Jahren den Militärpfiichtersaz von zusammen Fr. ..) nicht entrichtete, keinen Belastuugsgruud gegen ihn, da es allen Veruu.stä..duugen nach sehr unwahrscheinlich ist, dass ihm diese Steuer rechtzeitig abgesordert wurde, und endlich hat der dem Rekurrenten gemachte Vorwurs mangelnder Ersparnisse aus srühern Jahren sich vollig zn seinen Ehren aufgeklärt durch die mehrfach bezeugte und unwidersprochene Thatsaehe, dass er mit seinem Verdienste namentlich beigetragen hat, seine Mutter und ^wei jüngere Brüder ohne Belästigung der Gemeinde durchzuringen.

44. Ein Jakob .^uter von Schnottw.^l, Kantons Solothurn, hat seine Beschwerde gegen die Regierung von ..^olothuru wegen Ver^ weigerung seiner (rein protestantischen) l^he auf Art. 48 der Bundesverfassung basirt, weil, da gegen Bitten, Eharakter und Vermogen der Brautleute nichts eingewendet werden konne, nur der Umstand habe entscheidend sein müssen, dass die Braut eine Bernerin sei.

Es ist in diese Besehwerde am 30. ^uni 1862 nicht eingetreten worden, weil 1^ Art.

48 von der Gleichhaltnng sämmtlicher ...^chwei^erbürger in

7l der G e s e z g e b u n g und im g e r i c h t l i c h e n V e r f a h r e n handelt, wahrend im vorliegenden Falle ein Administrativakt vorliegt, und demnach hoehstens in Frage gezogen werden konnte, ob die solothurnischeu Behordeu in der Anwendung ihres mit der Bundesverfassung im Einklang befindlichen Gesezes gegenüber den Kantonsfremden, um dieser Eigenschaft willen, ungünstiger verfahren feien. und weil 2) dem Bundesrathe in Ermanglung pofitiver Vorschriften der Bundesverfassung oder Bundesgesezgebuug eine so weit gehende Koutrole über alle Akte der kantonalen A.^ministrativbehorden nicht Ansteht nnd desshalb auf die erhobene Beschwerde, abgesehen davon, dass sie auch materiell nicht begründet erseheint, nicht weiter eingetreten werden kann.

ll. G e s e z , b e t r e f f e n d die A u s l i e f e r u n g von V e r b r e c h e r n .....

45. Ein Jakob S p i n n e r , von Asfoltern, Kantons Zürich, von Zug ans wegen Diebstahl verfolgt, ist in seiner Heimat arretirt und nach Zug ausgeliefert worden. Bei der Arrestation war er im Besiz von Fr. 50, Erlos von Eisen, das er bei dem fragliehen Diebstahl entwendet hatte und das vom Käufer wieder zurükgegeben werden musste.

Die Regierung von Zug verlangte auch noch die Herausgabe jener Fr. 50, was jedoch von dem Statthalteramte Assoltern sowol, als von der Regierung von Zürich verweigert wurde, weil nicht erwiesen , dass jene Summe ein Objekt des Verbrechens, und weil sie überdiess von dem Käufer des Eisens gerichtlieh mit Arrest belegt worden sei.

Der Bundesrath hat am 3l). ^uli 1862 in Erwägung gezogen: 1) Art. 6 des Bnndesgesezes über die Auslieferung von Verbrechern sehreibt nur vor, es seien mit einem Angeschuldigten auch alle bei ihm vorgefundenen W a h r z e i c h e n , so wie die noch vorhandenen O b j e k t e des V e r b r e c h e n s , z. B. gestohlene Effekten, auszuliefern; dagegen wird vom Gesez nicht verlangt, da^ überhaupt alle im Hause oder auf dem Korper eines Angeschuldigten vorgefundenen Effekten mitausgeliefert werden sollen.

2) Sosern die Regierung von Zug nun nachzuweisen im Falle ist, dass die streitigen ^. 5l) Baarsehast zu den Wahrzeichen oder den Objekten des Verbrechens des S p i n n e r gehoren, so hat die Auslieferung

dieser Effekten stattzufinden, wobei es ganz gleichgültig ift, ob dieselben seither gerichtlich verpfändet worden seien oder nicht, und beschlossen .

es sei auf das von der Regierung von Zug gestellte Begehren so lauge nicht einzutreten, bis ste den in Erwägung 2 bezeichneten Ra.hweis ge-

leistet hat.

46. Ein Joseph f o n t a n a ans Mailand und Jofeph D e b o u e h .....

und dessen ^ r a u aus ^...on wurden in Zürich eines gemeinsam verübten Betruges angeklagt. Jn Lugano sind fontana und Frau De-

^2 touche arretirt und die zahlreichen Essekten der leztern mit Beschlag be..

^gt worden. Die Regierung von ^ürich verlangte die Auslieferung, .wogegen die beiden Verhafteten die Verwendung ihrer resp. Gesandtschas^ .ten anriefen. Die italienische Gesandtschaft begnügte s^.h, über den ^.hatbestand sich i..for.niren zn lassen. Die sranzosische Gesandtschaft dagegen verlangte die Freilassung der Fran Debouche unter .Vorbehalt der Klage aus Schadensersaz. ^Sie machte hiebei die Ansieht geltend, ....ass ein fremder Uuterthan auf blosses Gesuch des einen Kantons an ...inen andern ohne Jnteroention des Bundes und ohne ausdrükliche An^rage an die Regierung des Staates , dem das Jndividuum augehore, nicht ansgeliesert werden dürfe. Der Bundesrath hat jedoch die AusLieferung angeorduet und die Theorie der srauzosisehen Gesandtschaft nicht^ anerkannt unter Hinweisung ans ^as Bundesgesez, wonach die Aas^ Lieferung von Kanton ^u Kanton in der Regel ohne Mitwirkung des Bundesrathes und auch ohne Anfrage des. dritten Kantons, den. der Verbrecher heimatlich anafore, erfolge, in gleicher Weise wie im Jnnern .von Frankreich durch die Gesezgebnng die Kompetenz der Gerichte geord..

net sei und keine Einsprache von ^eite der S.hweiz gehort würde, wenn ....m schweizerischer Verbrecher z. B. von dem Gerichte zu H.....re an dasjenige von Marseille überliefert werden sollte. Ueberdiess sei in dem Staats^ertrage mit Frankreich eine solche vorherige Anfrage bei Auslieferung nirgends vorgeschrieben.

lll. B u n d e s g e s e z über die Militärorganisation.

47. Heinrich M n n z von Don^hausen , Kantons Th^r^an, be^chwerte sieh, dass er durch zwei Beschlüsse der Regierung dieses Kautons angehalten werde, für seiuen 1841 geboruen, seit Mai l 861 nach RordAmerika ausgewanderten .^ol^n Konrad die Militärsteuer ^u befahlen, während nach dem ^taatsvertrage mit Nordamerika von 1850^185.^ der ^.ach Nordamerika ausgewanderte Schweizer den Militärpflichtersaz da zu .leisten l^abe, wo er wohne.

Der Bundesrath hat hiebei in seinem Beschlösse vom 15. ^lngust

.l862 in Erwägung gezogen.

  1. .^ach Art. 145 des Gesezes über die Militärorgani.sation der

.schweizerischen Eidgeuossenschast vom 8. Mai 18.^0 hat jeder Wehr.Pflichtige, der aus Grnn.^ ber Entlassung ans dem Militärdienst besteuert ^wird, die Steuer in demjenigen Kauton zu bezahlen , in dem er niedergelassen ist, eine Bestimmung , die offenbar auch den Zwel. hat , den Schwei^erbürger gegen doppelte Bestenrung für den gleichen Z.ve.. ^u ..chüzen.

2) Diese doppelte Besteurung eines Bürgers darf nun eben so ^venig ^laz greisen, wenn ein solcher sich, statt in einem andern Sehwei^erkantone, in Nordamerika niedergelassen hat, nachdem in Art. 2 d..s Staatsvertrages mit Nordamerika die ..^chwei^ das Recht zum Befuge

73 des Militärpfliehtersazes von ihren Bürgern förmlich an Nordamerika

konzedirt und ausgetauscht hat gegen das gleiche Recht der Schweiz zur

Jnanspruchnahme ^er hier niedergelassenen nordamerikanischen Bürger.

....) dagegen muss im ^pezialsalle nachgewiesen sein, dass ein Rekla..

mant in Nordamerika niedergelassen ist und dort Militärpflichtersaz bezahlt, indem sonst das Motiv der Richtbefteurang eines Bürgers wegen Eintrittes der Doppelbesteurung fehlen würde ; im vorliegenden Falle aber es zur ^eit an diesem Nachweis noch mangelt , und beschlossen : ...-. es sei aus die Beschwerde im Sinne von Erwägung 3 ^ur Zeit nieht einzutreten.

.^. .^nwen.^n..^ der .^nl.^rdate.

l.

K o n k o r d a t b e t r e t e n d das K o n k u r s r e c h t in Falliments-

fällen.

48. Die Masse des am 25. Juli l 862 in Konkurs gekommenen ^einrieh von Gunten aus dem Danton Bern, etablirt in Eormondreehe, Kantons Reuenbnrg, reklamirte zu den Kon kursaktiven drei Duzend silberne Uhren schalen mit Envetten , welche bei Herrn ^Jakob Kochli in Biel lagen.

Die Aushingabe wurde verweigert, weil Herr KempsTie.he in Biel ^ur Dekuug eines Wechsels von ^r. 432 auf von Gunten am l. Juli 1862 ei^.en Arrest ans jene Uhreusehalen erwirkt hatte, den er am gleichem 25. Juli an von Junten notifiziren liess und der am 5. Angust im Kontumatialverfahren die gerichtliche Bestätigung

erhielt.

Der Rekurs des Verwalters der von Guntenschen Konkursmasse wurde am 1.). Dezember 1862 mit Aushebung des fraglichen Arrestes begründet erklärt; einerseits, weil zur ^..it der Arrestlegung von Gnnten noeh ausreehtstehend gewesen und seften Wohnsiz gehabt, also naeh Art. 50 der Bundesversas.ung an diesem hät..e belangt werden sollen und Art. 610 des berniseheu ..^ollziehungsversahrens im Kollisionssalle dem eidgenossiischen Rechte weisen müsse, andererseits zur Zeit der gerichtlichen Bestätigung des Arrestes naeh Art 3 des für ^ie Kantone Bern uno Reu^.nburg verbindlichen Konkordates vom 8. Juli l8l8 ein Arrest aus bewegliches Gut des ^alliten nicht mehr anders als zu Gnnsten der ganzen ..^ehuldenmasse gelegt werden konnte.

49. Am 10. Dezember l861 wurden die Beweglichkeiten eines Fra^ Jo^.ph B ü n t e r von Wolsenschiessen, Kantons U.nerwalden nid dem Wald, niedergelassen in tarnen, Kantons Unlerwalden ob dem Wald, für ^r. 270 gepsandet. Hieraus ^og er mit Allem naeh dem .Kanton Ridwalden, wo er einen Theil der Fahrhabe, wie Vieh nnd dergl. verkaufte uni. Anderes an Zahlungsstatt abgab. Jnzwischen v..r-

Bund^bla^. Ja^rg. ^.v. Bd. II.

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74 langten die Behorden von Obwalden von denjenigen von Ridwalden die Arrestnahme der aus^ der Bfandschaft verschleppten Waaren , was jedoch nur unter Vorbehalt der von den nidwaldenschen Einwohnern darauf er..

worbenen Rechte geschah. Die Vorladung des Günter nach Obwalden konnte wegen dessen Abwesenheit nicht vollzogen werden. Am 31. De^ember 1861 wurde dort der Konkurs über ihn erossnet und eine Strafuntersuehung gegen ihn eingeleitet. Jn Folge dessen reklamirte die Re^ giernug von Obwalden von derjenigen von Ridwalden die Ablieferung der mit Arrest belegten Gegenstände in. die allgemeine Konkursmasse.

Lettere Regierung weigerte sieh dessen , weil die nidwaldensehen Käufer ^ und Besser derselben schon vorher eine Klage vor dem nidwaldensehen Richter gegen die obwaldenschen Massaknratoren angehoben hatten, damit il..re Ansprüche gerichtlich erhärtet werden. Das Gericht in Ridwalden leitete nun das Kontumazialversahren gegen die Büntersche Konkursmasse ein, woraus die Regierung von Obwalten bei dem Bundesrathe Beschwerde erhob , mit .^.m Begehren , dass die Auslieferung der Effekten des Bunter vou Ridwalden an Obwalden angeordnet werden mochte ; ein Entscheid des Gerichtes von Ridwalden über die Eigentlmmssrage sei nicht abzuwarten, weil schon nach allgemeinem Rechte entwendetes Gut zurükerstattet werben müsse. Darum auch sinde Art. 2 des Konkordates vom 8. Juli 1818 hier keine Anwendung. Raeh dem Geseze von .^bwalden sei Bunter nicht berechtigt gewesen, an der mit Vsaud belegten Habe etwas zu ändern.

Am 21. Mai l 862 hat der Bundesrath diese Beschwerde abgewiesen unter folgender Begründung :

  1. Vou Seite des Bundesrathes ist einzig die Frage zu erledigen,

ob der Entscheid darüber, wem an den .Bünterschen ^ahrhabestüien das bessere Vsandreeht Ankomme, den Gerichten vou ^bwalden oder denjenigen von Ridwalden Anstehe, indem die Erledigung aller weiter.. , in den versehiedeneu Reehtssehristen erorterteu materiellen uud prozessualischen Rechtsfragen dann ^ Sache des kompeteuteu Geri.htes ist.

2) Da die bestritteueu Effekten nun in Ridwaldeu liegen uud zwar in Händen dort wohnhafter Bürger als ^fandinhaber, so kam. es keinem ^weisel unterliegen, dass sowol nach Art. 50 der Buudesverfassung, als nach de^u klaren Wortlaute des Konkordates vom 7. Juni

1810, bestätigt deu 8. Juli l818, die Gerichte von Ri.^waldeu die zuständigen sind.

H. K o n k o r d a t über Bestimmung und G e w ä h r der V iehh au^tmängel.

....l). Johann F l ük ige r von Aefligen, Amtsbezirkes Bergdorf, Kantons Bern, hat am 14. Januar 1861 aus dem Marl^t zu ^reibnrg von Stephau Rossier ^u Eourlaue^, .^hudie d..r Geu.einde Avr..., sur Matrau, Kantous ^reiburg, eine Stute gekaust für Fr. 240 und sogleich

75 bezahlt.

Am .l. Februar liess er diesem amtlich eröffnen, dass das ..^ferd an einem kaufaushebenden Fehler leide. Rossier gab jedoch keine Antwort. Den 2. Februar verlangte und erhielt Flükiger von l^em Gerichtspräsidenten zu Burgdors die Bezeichnung von zwei patentirten Thierärzten, der Herren Bill und Brobst, und ^als Ersazmann Herrn Jfeli, znr Vornahme der durch die ^. 8 und 9 des Konkordates von 1853 vorgeschriebenen Untersuchung des Bserdes.

Diese fand statt durch die Herren Bill und Jfeli, wobei konstatirt wurde, dass dasselbe an Dampf leide. Dieses Gutachten wurde durch Notifikation des Gerichtspräsidenten in Burgdors vom 5. Februar in amtlicher Abschrift dem Rossier notiert, gelangte jedoch erst am 27. Februar zu dessen Kenntniss.

Flükiger erhob nun gegen Rossier den Brozess und produite mit der Klage vom 13. März amtliche Versügung und Expertise vom 2. Februar. Sein Klageschluss ging dahin, dass Rossier zur Rüknahme des ..^serdes , zu Sehadenersaz und Bezahlung des Futtergeldes verurtheilt werde. Während dem Lause dieses Brousses, nämlich am 12. Juli 1861, ist das Bferd abgegangen und eine ^welte Untersuchung durch die

Herren Thierärzte Alt und Bill bestätigte am l 3. Juli das vorhanden-

fein des im amtlichen Gutachten vom 2. Februar erwähnten Gewehrsmangels. Am 1.). Juli wurde auch dieser zweite Bericht dem Rossier notis^irt, welcher am 31. gleichen Monats mit einer Re^.htsverwahrung und protestation anwortete.

Mit Urtheil vom 7. Rovember 1861 hat das Gericht des Sarinebe^irkes die Klage des ^.lükiger abgewiesen und diesen in sämmtliche Kosten verfällt, weil für die Gültigkeit der tierärztlichen Verbalprozesse der Anf^ trag des betreffenden Gerichtspräsidenten wesentliches Ersorderniss sei, ^lü-

kiger jedoch nicht bewiesen habe , da^ die Thierärzte Jseli und Bill von dem Gerichtspräsidenten zu Burgdorf ernannt und ^u der von ihnen vorgenommenen Untersuchung berufen worden seien, der produite Verbalprozess somit ohne amtliehen Eharakler sei und ihm die geglichen Wirkuugen nicht zuerkannt werden konnen , welche das Konkordat nur einer regelmäßigen Expertise einräume.

Das Kantonsgericht von ^reiburg , an welches ^lükiger appellirle, verweigerte ihm zunähst das Armenreeht , veranlagte ihn dann , die der ersten Jnstanz geleistete Kautiou vo^ Fr. 3l)l) noch um ^r. .^l) zu erhohen und wies hierauf die Appellation von der .^..and, weil der .StreitGegenstand uieht ^r. 400 alte Währung erreiche, wie Art. 111 des Organisatiousgesezes für die Appellabili^ät erfordere; denn als eigentliches Vrozessobjekt tonne uur der Kaufpreis oon Fr. 240 angesehen werden, und es dürfen die Entschädigungssorderung von Frk. 1.^0 und das Futtergeld von Fr. 1. 50 Rp. per Tag nicht hinzugere..huet werden.

Der gegen diese beiden Urtheile erhobene Rekurs des ^lükiger wurde unterm 4. Juli 18^2 dahin entschieden, in Erwägung: 1) Rach Art. .^0, Ziff. 2 der Bundesversassung hat der Bundes-

76 ...ath für Beobachtung der Vorschriften e .dgen ossischer Konkordate zu wachen und zu Handhabung derselben aus eingegangene Beschwerden die erfor^ derlichen Verfügungen ^n treffen; da nun im vorliegenden Falle wegen Verlegung des zwischen den Kantonen Bern und Freiburg u. s. s. im Jahr 1853 abgeschlossenen Konkordates über Bestimmung und gewähr der Viehauptmängel geklagt wird, so kann an der Kompetenz des Bundesrathes zur Entscheidung über die Beschwerde nicht gezweifelt werden ; übrigens ist es selbstverständlich, dass der Bundesrath eben so gut darüber zu wachen und im ^i.^tbeachtnngssalle einzuleiten l^at, wenn von den Behorden eines Kantons die pro^essualischen Bestimmungen des Konkordates übertreten worden sind, w.e wenn solche die materiellen Bestimmungen^.

ausser Acht gelassen haben.

2) Aus der Prüfung der Akten ergibt sich nun, dass im Spezialsalle vollständig genau naeh den Vorschriften des bezeichneten Konkordates verfahren worden ist, indem Rekurrent aus die Wahrnehmung, dass das ^ kaufte Bferd krank sei , vor dem Auslaufe der Währs.hastszeit durch den Gerichtspräsidenten von Burgdors zwei patenl.irte Thierärzte bezeichnen liess .^ur Untersuchung des Thieres (^ 8) , indem diese inner 24 Stunden die Untersuchung vornahmen und ein übereinstimmendes Gutachten dahin abgaben , dass das Pferd an ^...ampf leide (^ .)) , indem der GerichtsPräsident pon diesem Gutachten dem Verkäufer des Pferdes eine Absehrist ^ustel.len liess mit der Anfrage, ob er das Vorhandensein eines Gewähr^ mangels bei dem untersuchten ......hier anerkenne (^ 13).

3) Sodann kommt weiter in Frage, ob Returrent die vorbereiteten Beweise dem Richter gehvrig produit habe.

4^ Jn dieser Beziehung stellt das Urtheil die Behauptung aus, es habe ^lükiger nieht bewiesen , dass die ...^hierär^te Jseli unl^ Bill vom Gerichtspräsidenten m Burgdors mit der Untersu.^un^ des Pferdes beaustra^t worden seien, wesshalb der darauf gestüzte Verbalpro^ess nicht aus amtlichen Glauben Anspruch machen dürse, indessen hat der Gerichtshof steh gelrrt,^ indem anf der Rükseite des ersten .^tten^lükes des .^lktenheftes

der Auftrag des Gerichtspräsidenten gehorig konftatirt ist, der Gerichtshof

aber muthmasslieh diese erste Expertise mit der zweiten vom 13. Juli l8^1, vorgenommen dureh die ..^hierärzte Alt und Bill, verwechselt hat, welche allerdings nnr durch den Eigentümer selbst veranlasst wurde und insofern auf amtliehen Glauben nieht ...lnspru^t. machen dars, was übrigens rechtlich

gleichgültig ist, da diese zweite Expertise vom Konkordate nicht gefordert war, und somit ein rechtlicher Maugel derselben für das Ilrtheil nicht massgebend sein kann.

5) Wenn sodann, zwar nicht von dem Richter, sondern von der beklagten Vartei , noch eingewogen werden will , es seien die bezeichneten ...lktenstüke nicht beweiskräftig gewesen , weil ihnen die Legalisationen der Staatskan^eien von Bern und Freiburg zur .^eit der Urtl^eilssällnng gemaugelt habeu , so mnss dieser Einwurf als volli^ werthlos betrachtet

77 werden, da im vorliegenden Falle alle bezüglichen Aktenstüke entweder vom Gerichtspräsidenten von Bnrgdors selbst ausgingen oder in gehörig beglaubigt.m Abschriften durch ihn der Gegenpartei insinuirt wurden, und das Konkordat eine weitere Beglaubigung der Unterschrist des Gerichtspräfidenten nirgends fordert, es aber keineswegs im Belieben eines Kantons steht, hemmende und kostspielige Formen anzufügen , welche den Ruzen, den das Konkordat durch Vereinfachung des Rechts und des Prozesses be^weken will, wieder aufheben würden.

6) Da somit das Gericht die Vorsehrist des ^ 14 des Konkordates, ^ dass die übereinstimmenden Gutachten der gehorig berufenen untersuchenden Thierärzte für das richterliehe Urtheil maßgebend seien, nieht beachtet hat, so liegt eine Verlegung des Konkordates vor, und das rekurrirte richterIiche Urtheil kann neben demselben nicht zu Recht bestehen.

7) Auf das Begehren um Aufhebung auch des kantonsgerichtliehen Urtheils .st nicht einzutreten, da die vom Kantonsgericht entschiedene Frage

über die ^ulässigkeit der Appellation wegen zn geringen Werthes des

^treitob^ekt..s ausser der Kompetenz des Bundes liegt und andererseits das Kantonsgerieht mit der im Streite liegenden Materie des ^ro^esses sich weder in den Erwägungen, noch im Dispositiv seines Urtheils befasst hat; beschlossen .

  1. Es sei das rekurrirte Urtheil des Bezirksgerichtes der Sarine vom 7. Rovember 1861 als koukor^ats...udrig ausgehoben.
  2. Es sei der Regierung von ^reiburg mittheilen , dass es dem Bundesrathe wünschbar schiene, wenn die weitere Beurtheilnug des Balles durch das Kantonsgericht einem andern Bezirksgerichte übertragen werden

konnte, sosern diess gesezlieh zulässig sei.

5l.

Christian H o f s t e t t e r in Ueberstorf, Kantons ^reiburg, hat am 21. April 1862 dem Speisewirth Hofmann in Bern ein Bserd verkauft, lezterer ihm aber sogleich a.u 23. A^ril aug^eigt , dass es an einem geglichen Gewährsmangel ,,Koller^ lei^e. Da Hosstetter hierauf keine Antwort gab, so bewirkte Hofmann am 5. Mai durch den GerichtsPräsidenten in Bern eine Expertise, durch welche das Vorhandensein jener

Kranlheit konstatirt wurde. ^^ Folge Verfügung des Gerichtspräsidenten

vom 7. Mai ist dieses Gutachten e..m 14. Mai den. .^offtetter amtlieh eroffnet worden , welcher nuu sogleich erklärte , dass er einen Gewährsmangel nicht anerkenne. Hierauf bewilligte der Gerichtspräsident von Bern am 17. Mai die Todtnng des Thieres, um auel.. no.h die schon im ersten Gutachten iudi^irten inueru .^..^uptome der Krankheit ^a konstatiren. Die am 22. Mai ersolgte Todtung bestätigte das erste Gutachten im vollsten Umfange. Run wurde a..s Klage des Hofmann der Verkäufer Hofstetter

dnrch Urtheil des Bezirksgerichtes der Sense, Kantons ^reiburg, d. d.

5. August 1862, zur Aufhebung des Kaufes, Rük^ahlu..g des Preises,

Bezahlung des Unterhaltes des ^ferdes .... verurth^ilt.

78 Hosstetter rekurrirte gegen dieses Urtheil, weil die Experten der durch das Konkordat geforderten Unparteilichkeit entbehren, da sie im Laufe des gleichen Jahres das nämliche Vserd in einem andern Brousse wegen des gleichen Gewährsmangels untersucht und ^damals schon für das Vorhandensein desselben sieh ausgesprochen haben, obschon von drei andern Experten diese Ansicht bestritten worden sei. Sodann seien wesentliche Förmlichkeiten nicht beachtet worden , indem die allein maßgebende ^weite Expertise 10 Tage nach Ablauf der Währseh^ftsfrift vorgenommen und

schon die erste 2 Tag.^ nach der gesezlichen Frist ihm mitgetheilt

worden sei.

Der Bundesrath hat am 14. Rovember 18^2 diese Besehwerde abgewiesen.

Gründe :

  1. Es steht in Frage, ob durch das Urtheil des freiburgischeu Gerichtes der Sense das zwischen ^reiburg und Bern bestehende Konkordat über Bestimmung und Gewähr der Viehauptmängel verlebt worden sei.
  2. Diese Frage mnss in jeder Begehung verneint werden, indem a. die gegen die Bersonen der tierärztlichen Experten erhobenen Einweudungen in jenem Konkordate selbst gar keinen Anhalt finden, im Uebrigen auch materiell um so wertloser sind, als die nachherige Sektion des Thieres den srühern Befund jener Experten im weitesten Umfange bestätigt hat,
  3. die Behauptung , es müsse der Währschaftsmangel innerhalb der Währsd.astszeit definitiv festgestellt sein, mit dem klaren Wortlaute des ^ 12 des Konkordates im Widerspruche steht, indem dort nnr verlangt wird, dass die e r s t e Untersuchung eines Thieres innerhalb der Wahrsehafts^eit vorgekommen werden müsse, c. Rekurrent selbst zugibt, dass seine weitere Beschwerde, dass ihm eine Abschrift des ..rötlichen Befunde.^ ers.. 2 Tage nach Ablauf der Währsehaftszeit mitgetheilt worden sei, im Konkordate selbst keinen Anhaltspunkt habe , somit auch d.... Bundesrath nicht veranlassen kann , wegen Koukordatsverlezung einzuschreiten . und ^war nm fo weniger, als die Forderung, es müsse selbst die Abschrift des Besnndes innerhalb der Währschastszeit mitgetheilt worden sein, auch

materiell ganz grundlos ist , weil die ärztliche Untersuchung mog-

licher Weise erst in der legten Stunde der Währschast^eit erfolgen kann und somit die ^othwendigkeit der Erfüllung jener Forderung eine ganz unberechtigte Verkürzung der Währs.hafts^eit selbst ,^nr ^olge haben würde.

7^ ^. .^ant^n^er^assunaen.

^. F r e i h e i t der G e m e i n d e v e r w a l t u n g .

52. Die K o r p o r a t i o n s g e m e i n d e W e g g i s , Kantons Lnzern, hat bei Anlass der Revision ihres Regimentes über die Benuznng der

Korporatiousgüter am 22. Januar 1860 bezüglich der Ta.^en für das

Treiben. des Viehes aus die Alpen und rüksichtlich der Gebühren für Benuzung des Korporationslandes, genannt die W e i h e r g ä r t e n , em Spstem angenommen, ^wodureh ein Theil^ der Korporationsbürger in ihrer Gleichberechtigung sieh benachteiligt fand. Auf ihre Beschwerde ordnete die Re^ giernng von Ludern eine Expertise an, wobei die drei Experten einstimmig dahin sich erklärten, dass der Ansa., für den Alpauftrieb zu der Raturalnuzung nicht in billigem Verhältnisse stehe, demnach zu erhohen sei, und dass eine rationelle Bewirtschaftung der Weihergärten eine Versteigerung empfehle, ..umal schon hohere Angebote vorliegen, als die Ansage im Reglemente betragen. Die Regierung von ^u^ern beschränkte sich nun zunächst darauf, der Genossengemeiude Weggis die vorgeschlagenen hohern Ansähe der Experten, so wie auch die übrigen Verbesserungsvorschläge derselben zur Annahme zu empfehlen. Als jedoch die Gemeinde zwei Mal dessen steh geweigert und zweimaligen Beschlüssen der Regierung nur in beschränkten. Masse .Vollziehung gegeben hatte, so erhohte die Regierung von sich aus die oben erwähnten beiden Gebühren im Sinne des Er^pertengut^ achtens, ordnete die Expedition des Reglements mit den entsprechenden Aenderu..gen an, ertheilte diesem die Genehmigung und stellte es der Kor^ porationsgemeinde .zu, damit sie es in einfacher Beschlusfesform nachtrage.

Diese weigerte si..h abermals und beschwerte sieh bei dem Grossen Rathe, indem die Regierung die Autonomie ^er Gemeinde beeinträchtigt und eine Kompetenz si.h beigelegt habe, die ihr nach der Verfassung und dem Organisationsgese^e nicht ^ukomu.e. Der Grosse Rath hat jedo..h mit Hinsicht aus Art. 84 der Verfassung, auf das .^rga..isatio..sgese.. vom 6. Januar

1853 und das Gesez über Vertheilung der Gemeindegüter vom 24. Mai 1837

diese Besehwerde abgewiesen.

Die Korporationsge^neinde Weg^is reknrrirte nun auch noch an den Bundesrath und stellte das Gesu.l.., dass ^ie Regierung von Luzern angehalt n werde, das von der Gemeinde aufgestellte Reglement zn ratisiziren.

Am 29. Dezember 1862 hat jedoeh auch der Bundesrath diese Beschwerde abgewiesen, geftüzt aus folgende Gründe .

  1. Den Bnndesb^.horden steht led.glich die Vrüfnng der. ^rage zn, ob durch die Beschlüsse des Regieru..gs- und des Grossen Rathes von .Ludern Art. 84 der Staatsversassnng dieses Kantons verlebt worden sei, während die w.^itere^ Frage, ob jene Behorden materiell die richtigen Anordnungen getrofsen haben , ausserhalb dem Bereiche der Brüfung der Bundesbehorden liegt.
  2. Eine Verlegung des genannten Versassungsartikels liegt offenbar

^0 im gegenwärtigen Falle nicht vor, da derselbe den Gemeinden zu...r aller-

dings das Recht der selbstständigen Besorgung ihrer Angelegenheiten znsichert, dabei aber die verfassungsmäßigen und gesezliehen ...^ranken jenes Rechtes vorbehält.

3) ^ie Rekurrenten behaupten nun selbst nicht, es habe die Regie^ rung bei Ausübung ihres Rechtes andere v e r s a s . s u n g s m ä s s i g e Schranken überschritten, sondern beschweren sich blos darüber , dass Dieselbe die g e s e z l i c h e n Vorsehristen nicht inne gehalten habe, so dass es sich srag.^ konnte, o b , nachdem der Grosse Rath von .Ln^ern diese Besehwerde als unbegründet erfunden hat, den Bnndesbehorden überhaupt noeh ein wei^ teres Entscheidungsrecht hierüber zustehe.

4) Wenn man aber auch diese Frage noch bejaht und znr Untersnehnng der Schlussnahme des Regiernngsrathes vom Standpunkte der lu^ernischen Gesezgebung aus vorschreitet, so erscheint doch die Beschwerde abermals als vollig unbegründet.

5) Rach der ..^es^gebung des Kantons Ln^ern sind es nämlich aller^ dings zunächst ^ie Korporationsgeuossen , welche die Reglemente über die Rnzung des Korporationsgutes zu erlassen haben ; indessen behält das Gese^

ausdrüklich die Ratifikation des Regiernngsrathes vor und ^. 286 des Organisationsgese^es maeht demselben in Besehwerdefällen selbst eine eingehende materielle Brüfnug der Beschlüsse der Korporationsgemeindeversammlungen ^ur Bflieht.

6) Wenn nun die Rel.urrenteu dieses Recht der Ratifikation aus eine Art von blossem Veto des Regierungsrathes redn^iren wollen , so siudet sieh hiesür weder im Wortlaute des Gesezes, noeh in der Ratur der ^aehe irgend ein Anhaltspunkt ; vielmehr muss dem Regierungsratl^e kraft seines Aussiehtsrechte^ nothwendig die Berechtigung zustehen, im ^alle der Renitenz ein...r Ge^ueinde seinen Willen nicht bloss negativ, sondern auch durch positive Vorsehristen ^ur Geltung zu bringeu.

ll. ^ o m p e t e n z ü b e r s e h r e i t u n gen.

53. ^er ^ . 2 5 der Verfassung des K a n t o n s Uri bestimmt.

,,^er ..^taat (Kanton) besorgt gegen Bezug der Zollentsch^igm.gen den ,,Bau und Unterhalt der grossen Land- und Transitstras.eu (Kautons,,strassen) und die da^u gehorigeu Brüken.^ und Uferbauteu, sowie auel^ die ,,Kanto..s^ebäude.

Audere Rebeustrassen saunnt da^n gehörigen Brüken ^übernehmen die betreffenden Bewirke und Gen.einden, wie bisher, unter ,,Oberaufsi.ht des Staates.^ Als es sich um die eidgen ossiseh e Gewährleistnng dieser Verfassung

durch die Bundesversammlung haudelte, hat der Tl.^alrath d.^.s Bezirkes

Ursern auch bezüglich jenes ^. 25 Beschwerde erhoben. ^ie B^ndesversammlung sprach sich in ihrem Garantiebeschlnsse vom 1l. August 185l

(Offiz. Sammlung Bd. ll, Seite 392) in Erwägnng 3 h dahin aus,

^ ,,dass es hinsichtlich des Art. 25 dem Kanton Uri freistehen mnss , das ....^trassenwesen durch die Versassung oder Gese^gebung aus gutfindeude ,, Weise zu ordnen, wobei indessen der Rechtsweg den beiden Bezirken Ur^ ,,uud Ursern offen bleiben muss für den Fall , dass die bisherigen Zoll^einnahmen bei einer zwekmässigen und vollständigen Unterhaltung der ,,Hauptftrassen einen durchschnittliche^ Ueberschuss abgeworfen bätten und ..diese Bewirke ein wohlerworbenes Brivatrecht auf diesen Uebers.hnss nach,,weisen wollen ^ Der ^. 25 erhielt dann nur in diesem ...^inne die eidgenossische Garantie.

Rach.^em nun durch Bun.^esbesehluss vom 26. Heumouat l861 (Off.

Sml. Bd. Vll, S. 70) die Errichtung der Furka-, Ol.eralp- und ^eu^ strassen mittelst Subvention des Bundes an die betheiligten Kantone gesichert .var und ledere im September 186t die Ausscheidung der Beitrags.^uoten uuter sich vollzogen hatten, hat die Regierung von Uri di.^ Be.,irksgemeinden von Uri und Urseru eingeladen , über die ihrerseits zu leistenden Beiträge sich ausznspreehen .

Der Bezirksrath von Uri anerbot an die A^enftrasse einen Beitrag von Fr. 40,..)00 nebst Abtretung des für den Bau und für die Gew.nnung des erforderlichen Baumaterials nol.higen Allmendbodens. Diesel Anerbieten erhielt die allseitige Genehmigung.

Bezüglich des vom Bezirke Ursern zu leistenden Beitrages an die Furka^ und Obera lpftrassen dagegen konnte keine Verständigung erzielt werdeu. Die steigenden Angebote d...r Thalgemeinde von Urseru wurden nieht als genügend erklärt. Verschiedene ihr angesäte Termine .,ur Annahme eines am 13. Rovember 186t vom .....andrathe des Kanton^ Uri unter Androhung der gesezlichen Regulirung gemachten Vorschlages.

verflossen ohne Resultat.

Am 4. Mai 1862 genehmigte dann wirklich die Landsgemeinde des Kantons Uri ein Gesez ,,in der Absicht, die Verpflichtungen des Kantons, ,,der Bezirke und Gemeinden, bezüglich des Baues und Unterhaltes der ,,Strassen, in näherer Aussühruug des ^. 2.^ der Kantonsverfafsnug^ genauer ^u bestimmen. ^. l des Gesezes theilt die ^trassen des Kantons^ Uri in vier Klassen ein. ^. .... definirt. , , K a n t o u s s t r a s s e n sind solche,.

,,welche, den Kanton von einer Grande zur andern in unmittelbarer Linie ..durchschneidend, vorzüglich dem allgemeinen Verkehre und Trausite in.

,,bedeutendem Masse dienen, und mit ähnliehen Verkehrsa..stalten der an.,gr^enden Kantonsgebiete in Verbindung stehen.^ Dahin ^ählt das.

Gesez dermalen die Gotthardstrasse und die A r ^ e n s t r a s s e , als ^ortsezun^ der erstern.

Die zweite Gruppe naeh ^. 3 : ,,Rebenstrassen erster K l a s s e sind diejenigen Fahrstrassen, welche,.

,.als Seitenlinien der Hauptstrasse, diese sowol als einen einzelnen Be....

,,zirk oder einen bedeutenden .Landestheil. im vorzüglichen Jnteresse des-

82 ,,selben, mit der ^ahrftrasse eines angrenzenden Kantons verbinden.^ Jn diese Klasse rubrizirt das Gesez die Sustenstrasse. die O b e r a l p s t r a s s e und die F u r k a s t r a s s e .

Rach ^ . 7 sind die Kosten sur den Bau und Unterhalt der K a n ^ t o n s strass e n fortan Sache des Kantons. Rach ^. 8 dagegen liegen die Anlage und Unterhaltung der ......ebenstrasseu, unter Oberaussicht des Staates, den Bewirken ob, inner deren Gränzen sie sich befinden, wogegen ihnen auch der Entscheid über den Reubau oder die Korrektion solcher Strasseu in der Regel zukommt. Es gelten dabei jedoch folgende ^lusnahmen .

,,1) Wenn der Kanton nach der ihm zustehenden Kompetenz, aus ,,Rü^icht des ^rossen Rubens und Bedürfnisses eines Bezirkes, selbst den ,,Bau oder die erhebliehe Korrektion einer R e b e n f t r a s s e e r s t e r K l a s s e ,,bes^hliesst und über ^.ragnng der Bau- und Unterhaltskosten kein be...sonderes Einverständniss zwischen Kanton und Be.^ir^ stattfindet, ^so hat ,,der Bau und Unterhalt derselben aus Rechnung des Kautons, mit all..

fälligen ^.bsidien des Bundes, zu geschehen^ Der betrefseude Bewirk

.,ist jedoch zu folgenden Leistungen verpflichtet.

,,a. Er übergibt dem Kantone den znr Strassenbaute und zur Aus,,beatung alles erforderliehen Strassenmaterials notwendigen Grunl^ ,,und Boden (Eigen und Allmend) uueutgeldlich , oder aber den .,daherigen Kostenbetrag au Baar.^ .,b.

er hat an die jährlichen Uuterhaltskoften dem Kantone die ^älfte ,, beizutragen.^

Die ^halgemeinde des Bezirkes Ursern erhob nun beim Bundesrathe eine Beschwerde gegen dieses Gese^ , daraus gestuft, dass dasselbe mit ^. 25 der Verfassung im Widerspruel^e stelle und den^ in ^. 2 l garantirten Grnudsa^ der Gleichheit in ^.ragung der direkten und indirekten Steuern verlebe.

Der Bundesrath hat mit Beschluss vom 3l). Juni 1862 diese Beschwerde begruudet und den.nach das ermähnte Gesez vom 4. Mai l 862 als aufgehoben erklärt.

Gründe .

  1. Der Entscheid über die vorliegende B^s.hwerde häugt hauptsächlich von der ^rage ab , ob das von der ^audsgemeinde von Uri unte.ru. 4. Mai 1^.62 erlassene Gesez, betreffend die Bau- und Untere ^altnugspflicht der Strassen, mit ^. 25 der Urners.hen Kantonsversassung

im Einklang sei.

2) Diese ^rage mnss nun verneint werden , weil jener ^. 25 der Verfassung nur ...wei Arten von ^trassen kennt ^. Kantonsstrassen und Rebenstrasseu ^-. und mit Be.^ug auf diese beiden Arten die Bau- und

.Unterhaltungspflicht dal,in ganz bestimmt ordnet, dass Bau- und Unter.haltungspflieht bei den erstern dem Kanton in seiner Gesammtheit , bei

83 den leztern aber den betretenden Bewirken und gemeinden überbunden wird , währ.md das Gesez vom 4. Mai vier Kategorien von Strassen ausstellt, und darunter insbesondere unter dem Titel von ^Rebenstrassen erster Klasse^ eine mittlere Kategorie, welche mit Bezug anf .^ie gleichzeitige Zutheiln..g von Verpflichtungen aus den Kanton und auf die Bezirke augenscheinlich in keine der ^vei von der Versassung bestimmt bezeichneten Arteu mehr passt.

3) Dnrch ein solches Abgehen von ^. 25 der Verfassung wird sodann naturgemäß aueh der in ^. 21 derselben sanktionirte Grundsaz

der Gleichheit in Tragung der Staatslasten gestort.

^ 4) Wenn die Gesezgebung überhaupt nicht berechtigt ist, bestimmte Vors.hrislen der Kautonsverfassung zu modisi^iren, so ist im vorliegenden Falle diess noch um so weniger zulässig , weil jener ^. 25 , wie theils Dessen Wortlaut im Eingang (gegen B.^zug der Zollentschädignngen), theils ..^s von der Bundesversammlung bei dessen Ratifikation ange.hängte Reservat beweist, das Resultat einer Transaktion zwischen dem Kanlo.. ...nd d...n Bezirken .var, an welcher bis zu einer Revision jenes Verfassungsartikels festgehalten werden mnss.

5) Wenn demzufolge das rekurrirte Gesez neben der Versassung nicht zu R^eht bestehen kann und ausgehoben werden muss , so lässt sieh aus der andern ^eite vom Bezirke Ursern erwarten, er^werde im Hinblik aus die b...sondern Vortheile, welche ihm durch den Bau der Furka- und Ol.eralpftrasse erwachsen, dem Kantou im Wege des freiwilligen Entgegen^ komu^ens die Ausführung der beiden .^trassen mogliehft erleichtern.

Bei einer unter Mit.virknng des Bundesrathes nachher stattgehabten Verhandlung zwisehen den. Kanton Uri und dem Bezirke Ursern ist sodann dieser Gegenstand gntli.h erledigt worden.

54. Der ^ a n d r a t h des K a n t o n s Uri hat am l1. April 1862 beschlossen, es haben bei ^er im Mai vorzunehmenden Erueuernngswahleu des L.an^rathes ^ie ..^eu.einden uoeh die bisherige Mitgliederzahl ^u wählen.

Es s^i die ^rage entstanden,. welche Aendernng die lezte e.dgenossische .Volkszäh.ung von 186l) in der Repräsentantenzahl der Gemeinden bewir^. Da aber al^ stimmfähige Biirg^r nur die Gemeindsbürger und die g..sezli^, Niedergelassenen angesehen .verden konnen , so ergebe eine nach diesem Grundsaze vorgeno^umene ^rüsnng der Volkszählungstabellen, dass keine Gemein^ zu ein^r Veränderung in ihrer Repräsentanz berechtigt wäre.

Der G e m e i n d e r a t h v o n A l t d o r s bes.hwert sich gegen diesen Beschluß, ^eil er d^u Art. 44 .^er Verfassung widerspreche, welcher dahin laute. ,,Der .^andrath besteht aus dem Landammann und ....... (nach ,,der l^ten Volkszählung aus 48) von den Gemeinden nach ihrer V o l k s ^ahl gewählten Mitgliedern, im Verhältnis von je einem Mitgliede ,,anf 300 S e e l e n , wobei eine Ueberzahl von 150 S e e l e n ^ur Wahl

84 Deines Mitgliedes berechtigt. Je die lezte amtliche Volkszäh,,lung w i r d als G r u n d l a g e a n g e n o m m e n .

Es wählt demnach ,,nach der Volkszählung vom Mär^ 1850 die Gemeinde Altdorf 7 Mit,,glieder für 2112 S e e l e n . ^ Die Volkszählung von 1860 sei die lezte, auch uu.^veiselhast amtliehe, und daher massgebend. Diese erweise nun in Altdorf eine Bevolkerung von 2431 Seelen. Es komme also dieser Gemeinde 8 Mitglieder des Landrathes ^u wählen zu, während sie nach den. angefochtenen Be- .

schlösse nur 7 ^u wählen hätte. Die Volks^al..l sei nach der Verfassung identisch mit der Seelen^ahl, also sei es unzulässig, wenn jener Beschluß bloss die Zahl der wirtlich stimmsähigen Bürger anrechnen wolle. J^ der von der Versassung anerkannten Bevölkerung von Altdors (2112

Seelen) seien 2.)7 Ausenthalter, 3 politische Flüchtlinge und sogar 24

Heimatlose inbegrisfen.

Die Regierung von Uri begründete ihren Antrag auf Abweisung dieser Beschwerde dahin : Der angefochtene Beschluss habe einen bloss vorübergehenden Eharakter. Die Volkszählung von 1850 sei als amtliche erklärt, müsse allein gelten, und diejenige von 1860 sei für kantonale Verhältnisse nur erst dann massgebeud , wenn sie von der kompetenten Kantonalbeho^.de als verbindlieh erklärt worden, was im Kanton Uri nicht geschehen sei. Bei Berechnung der Seelenzahl einer Gemeinde konnen die andern Gemeinden angehorigen Bürger (die Aufenthalter) ni.ht ge..

^ählt werden , da sie zur Bevolkeruug dieser andern Gemeinde gehoren.

Aus dieser Grundlage berechnet . habe Altdors bei der Volkszählung von 1860 2 l 72 Seelen gewählt, welche Zahl gerade ^u der bisherigen Repräsentanz berechtige.

Mit Beschluss vom 16. Mai 1862 hat der Bundesrath die Be.^ sehwerde ^war materiell begründet gesunden , jedoeh ^ur Zeit abgewiesen.

Gründe : 1) Die vorliegende Besehwerde geht dahin, es seien durch den Laud^ rathsbesehluss vom 1l. April 1862 Art. 44 der Verfassung von Uri und die verfass^ugsmässigen Rechte der Bürger beeinträchtigt worden, somit ist gemäss Art. 5 der Bundesversafsnng, sammt Art. 90, Ziffer 2 und 3 derselben, ^ie Kompetenz des Bundesrathes znm Entscheide über die Besehwerde begründet.

2) Die Hauptsache anbelangend , so steht nach Art. 44 der Verfassung des Kantons Uri als unzweifelhaft fest, dass di^ Repräsentation im Landrathe von den Gemeinden nach Verhältuiss ihrer Volksza^l stattzusinden hat, serner, dass unter dem Ausdruke V o l k s z a h l die Seele.^ahl ^..r Geu.einden in. Momente der legten amtlichen Zählung verstanden ist .

endlieh dass nach dem von der Verfassung selbst ausgestellten Mnster sür die Berechnungen es im ossenbaren Willen derselbe^ liegt, dass jeweileu die Zahl der in einer Gemeinde bei der Zählung auwesenden Seelen

85 (immerhin mit Ausschluss blosser Durchreisender und umgekehrt mit Zu^ählung von bloss aus einer Reise Abwesenden) massgebend sein soll ; unter solchen Umständen liegt es nicht in der Kompetenz des Landrathes, ein von der V^.rfassnng selbst bestimmtes Verhältnis^ durch weitere künstliehe A b ^ un.^ Zuzählungen zu verändern.

3) Somit bleibt lediglieh in Frage, was als lezte amtliehe Zählung

gelte. Es liegt nun unzweiselhaft in der Befugniss der Kantone, beliebige (z. B. jährliche oder fünfjährige) Volkszählungen neben der eidgenossischen zu veranstalten und denselben für kantonale Verhältnisse inner d.^.

Sehranken der Versassung (vide Erwägung 2), massgebenden Eharakter zu verleihen; jedoch ist aus der andern Seite jede eidgenossische Volks.^lung ohne weiters ebenfalls als amtliche im Sinne des Art. 44 der Verfassung des Kantons Uri anzusehen , indem die von der Bundes...^sammlung gegebenen Geseze und Beschlüsse für alle Kantone eben so gut als amtliche massgebend sind, wie die von den gesezgebenden Räthen der Kantone selbst erlasseneu, wenn daher der Landrath von Uri im Jahr 1850 für gnt gefunden hat, die eidgenossische Volkszählung noch ausdrüklieh als für Uri ebenfalls massgebend zu bezeichnen, so hat er damit lediglich etwas Ueberflüssiges gethan, woraus für die vorliegende Frage gar keine Folgerungen gezogen werden tonnen.

4) Obgleich somit das Begehren der Beschwerdeführer in allen Bunkten gerechtfertigt ist, so kann .^r Bundesrath dennoch die Beschwerde zur Zeit nicht begrabet erklären , weil der legten eidgenössischen Volkszählnng des Jahres 1860 in diesem Momente die amtliebe Sanktion durch die Bundesversammlung noeh nicht ertheilt wurde.

HL A m t s z w a n g .

55. Herr Melchior Britschgi von Lungern, Kantons Unterwalden ob dem Wald, ist im Mai 186l, obschon er entschieden ab^lmte, von seiner Heimatgemeinde zum Mitglied des ....^..drathes von Ob.va..^ den gewählt worden. Da er den entsprechenden Pflichten nicht genügte und die Verwarnungen erfolglos geblieben waren, so hat der Landrath am 3. August 1861 beschlossen, Herr Britsehgi habe sich entweder in ^eit eines Monates der aus ihn gesallenen Wahl zu unterziehen, oder die Gemeinde ^ungern während seiner Amtsbaner ^u verlassen. .^err Britsehgi verlangte und erhielt nun wirklieh die Legitimationssehristen zum Aufenthalte ausser dem Kanton und .vählte die Gemeinde Gis....il, Kantons Unterwalden nid dem Wald. Jndessen wurde er später dem ^trafrichter überwiesen, ....eil er die Ausweisung nicht gehörig beobachtete.

.^un erst trat er bei der Regierung von Ob.valden mit einer Eingabe auf, worin er darzuthun suchte, dass eine rechtliche Verpflichtung zur Annahme jenes Amtes nicht bestehe, und eben so wenig konue ex aus seiner Heimatgemeinde verwiesen, noch wegen seiner Rükkehr bestraft

werden. Die Regierung hat jedoch am 18. Mär^ ^862 die srühern

86 Beschlüsse, gestüzt auf Art. 24 der Verfassung, bestätigt und bezüglich der Uebertretnng derselben Herrn Britsehgi sür die Vergangenheit einen Verweis ertheilt, sür die .^nknnft aber Bestrafung angedroht.

Herr Britsehgi rekurrirte an den Bundesrath, welcher diese Beschwerde am 14. Juli 1862 ebenfalls abgewiesen hat, gestüzt auf folgende Gründe: 1) Art. 24 der Verfassung von Obwalden erklärt jeden Bürger als pflichti^, Beamtungen, welche ihm durch unmittelbare Volkswahlen übertragen werden, anzunehmen . Rekurrent befindet sich in diesen. Falle und es ist die Einrede, die Verfassung lege in jeuer Bestimmung dem Bürger nnr eine moralische, nicht aber eine Reehtspfli.ht auf, ganz willkürlich und unstichhaltig, wie schon ans den, jenem Grnndsaze beigefügten,

Ausnahmen ersichtlich ist.

2) Somit war der Landrath von Obwalden berechtigt, den Rekurrenten aufzufordern, in seiner Mitte zu erseheinen, oder im Weigerungsfalle die angemessene Bestrafung desselben zu verlangen.

3) ^ie Beschlüsse des Landrathes waren sämmtli..h der Sachlage angemessen und inner den Schranken der .Kompetenz des Landrathes gehalten, indem es gan^ irrig ist, wenn Rekurrent den Beschluß vom

3. August 1861 als ein Stra^urtheil darstellen will, da derselbe viel-

mehr nur die Ratnr einer legten peremtorisehen Aufforderung hat, wie ^er Wortlaut jeues Beschlusses selbst, noch viel schlagender aber der .Landrathsbeschluss vom 11. Oktober 1861 beweist, wo der Landrath erst zur .^er^eiguug des Herrn Britsehgi bei der .^.trafbehorde schritt.

4) Ebenso war der Regiernngsrath, als die durch Art. 60 der Verfassung vou Obwalden aufgestellte erste Jnstanz in Strafsachen, zur Beur^ theilung des Rekurrenten kompetent, und es kann sieh deshalb bloss noch fragen, ob das ..^trasurtheil selbst, welches aus Gemeindsverweisung lautet, verfassungswidrig sei.

5) Run verbietet keiue Verfassung, weder diejenige des Bundes, noch diejenige von ^bwalden, die Gemeindsverweisuug als Strafart ; vielmehr besteht dieselbe fast in allen Kantonen zu Recht, und die Einwendung, dass dieselbe mit Art. 43 der Bundesverfassung im Widerspruehe sei, ist vollig irrig, weil dieser Artikel von dem hier gar nicht in Frage kommenden Verluste des Bürgerrechtes handelt, und eben so irrig ist die Berufung auf Art. 5 der Verfassung vou Obwaldeu , welcher die Freiheit der Niederlassung, d. h. der Riederlassung ausser der Heimatgemeinde, (da der Bestand eiues Riederlafsungsverhältnisses in der .^eimatgemeinde selbst rechtlich undenkbar ist) garantirt, welche ebenfalls dem Rekurreuten ^ur Zeit von keiner .^eite her verkümmert wird.

6.

^mpeten^ de^ .^nnde^rathe^.

56^ J^ Jahr 1^^^ ^st ^n Eoffona^, Kantons Waadt, ein Heinrich S c h e l l e n b e r g von Bsafsikon , Kantons Zürich., gestorben und dessen

87 Witwe Anna, geb. Guer^, von den waadtländischen Chorden den hinterlassenen Kindern als Vormünderin bestellt worden, worauf sie im Ramen der leztern den Zutritt der Erbschaft erklärte. Jm Jahr 1859 wurden die K i n d e r S c h e l l e n b e r g von dem Vormunde der Binder d e s Francois Gue^Bere... in Eossona.... (Kinder eines Bruders der Frau ^chellenberg) für Fr. 11,308. 73 gerichtlich belangt, und weil Niemand in ihrem Ramen erschienen ist, am ..). Mai 185.) von dem Bezirksgeriete Eosfo..a^ in ^ont..im^i^m zur Bezahlung der bezeichneten ^..mme verurtheilt , wozu jedoch il..r Vermogeu nicht ausreichte. Als im Jahr 1855 der Grossvater der Kinder Sehellenberg, Martin Sehellenberg, in der Gemeinde Bsäffikon gestorben war, ist ihnen ein Erbe von zirk^ ^r. 11,000 zugefallen, welches die ....aadtländische ......ormundschastsbehorde unter die dortige Verwaltung rekla.nirte. .Die ^üreheriseheu Behorden weigerten steh dessen . da sie als Behorden des Heimatortes der Kinder Sehellenberg zu dieser gesonderten Vormundsehast berechtigt seien, und der Bundesrath, an welchen erstere rekurrirten, erklärte am 26. Mai

1857 diese Weigerung begründet. Run brachte ^ die Witwe Guer^, geb.

Bere..., als Vormündern ihrer Kinder Gue^, gegen den zürcherisehen Vormund der Kinder Sehellenberg vor den ^..rcherischen Gerichten die Frage zum Entscheide, ob dieser nicht schuldig sei, deu Kindern Gue^ die Summe von Fr. l 1,308. 73 Rappen und Zinsen aus dem unter ..üreherischer Verwaltung liegenden Vermogen zu bezahlen^ Durch ^ Urtheil des .......bergerichtes des Kantons Zürich vom l0. Juli 1860 wurde diese Rechtsfrage verneint. es handle sieh um eine selbständige Klage und nieht um ein Gesuch um Anerkennung und Vollziehung des waadtländisehen Kontumazurlheils. Art. 4.) der Bundesverfassung komme also nicht zur Anwendung. Run seien aber die Kinder Schellenberg nicht Erben ihres Vaters, des ursprünglichen Schuldners, geworden, weil die Witwe Schellenberg ^um verbiudliehen Erbantritte sur die Kinder nicht besagt gewesen. sei, da nach dem ^ürcheriseheu , hier allein anwendbaren Rechte der Heimat, noeh die Zustimmung der ziixeherisehen Vormuudsehastsbehorden erster und zweiter Jnstan^ ersorderlieh gewesen wäre.

Run gelangte der derzeitige Vormund der Kinder Gue^ mit einer Bes.hwerde an die Bundesversammlung uul^ stellte das Gesneh, dass das

^ürcherische Urtl^eil aufgehoben und das Urteil des Bezirksgerichtes von

Eossonai^ vom .). Mai 18^9 als voll^iehbar erklärt werden mochte. Die eidgenosisehen Räthe haben steh in ^u.ei Si^ungen mit dieser Angelegenheit

beschäftigt, nämlich im Jannar 1862 und im Juli 1862.

Ju der

Zwischenzeit verlangte der Vormund der Kinder Gue^ aueh bei den ziircherischen Behorden Vollziehung des Urtheils von Eossona^, indem er gestüzt auf dasselbe dort die rechtliche Betreibung gegen deu ^ürcheris..hen Vormnud der Kinder ...^chelleuberg anhob.

Das .^ber^ericht des Kantons ^ürich hat jedoch unterm 3. April 1862 die Exekution verweigert,

weil ^^ abgesehen von Gründen snr die Richtigkeit des Urtheils von Eossoua^ -. die ^rage ,

ob das spätere züreherische Urtheil mit den

^8 ^..rnndsä^en des Bundesrechtes im Widerspreche stehe, bei den BundesBehörden in Behandlung liege.

Jn der .^ommersession von 1862 haben dann die eidgenossischen .Räthe die Sache definitiv erledigt. Der Nationalrath hat am 8. und 1.). Juli 1862 die Beschwerde materiell abgewiesen, der Ständerath .aber am l1. und 2l. Juli dahin sieh ausgesprochen, es sei gegenwärtig .auf die Besehwerde nicht mehr einzutreten, weil die Sachlage dadurch sieh geändert, dass Reknrrent inzwischen d^e Vollziehung des Urtheils von ^ossonah in Zürich verlangt habe und abgewiesen worden sei ; es bleibe .daher die weitere Besehlnsssassung sür den Fall vorbehalten, wenn gegen den nachfolgenden Entscheid des Bundesrathes in ^olge (neuer) Be- .

schw^rdefuhrnng über. das Urtheil des zürch..risehen Obergerichtes vom .3. April 1862 von der einen oder andern ^artei nach Art. 74, ^isser 5 der Bundesverfassung Rekurs an die Bundesversammlung ergrissen würde.

(Sielte die Berichle des Bundesrathes und der Kommissionen d.^r eidge-

nossischen Räth.., Bnndesblatt von l 861, Band lll, Seite 66, von 1862, .Band l, Seite 432, und Band lll, .^eite l 59.)

Gegen das Ende dieser Verhandlungen reichte der Vormund der Binder Gne.^ eine Erklärung ein, datirt vom l9. Juli 1862, womit er seinen Rekurs an die Bundesversammlung ^urükzog, mit dem Vorbehalte,

^egen das obergeri.htliche Urtheil von ^ürich von. 3. April 1862 den bundesräthliehen Sehuz au^urusen. Diese Erklärung ist jedoch erst am 21. Juli eingelangt, d. h. nachdem beide Räthe ihre definitiven Beschlüsse im Sinne des Art. 6 des Bundes^ese^es über den Geschäftsverkehr derselben gesasst hatten.

Endlich unterm 27. Juli l 862 kam der Vogt der Kinder Guer^ bei dem Bundesrathe mit dem Gesuche ein, dass das Urtheil von Eossonav als vollziehbar erklärt werden mochte, wurde nun aber am 12. Rovember.

1862 im ^inne sollender Erwägungen ebenfalls abgewiesen .

  1. Jm vorliegenden ^alle kommt vorerst in ^rage, ob der Bundesrath ohne besondere Ermäehtiguug der Bundesversammluug sich in der .Lage befinde, einen materiellen Rekursentscheid aussällen ^u konnen.
  2. Der Bundesrath glaubt im Hinblik auf den bisherigen Gang dieser Angelegenheit diese ^rage verneinen zu sollen, weil a. die Rekurrenten mit ihrer frühern Beschwerde sich direkt an die Bundesversammlung selbst wandten und diese ebeusalls, ohne den Bundesrath z.. einem ersten Entscheide zu veranlassen, in die materielle ^rüfnng der Beschwerde eiutrat und darüber Beschlüsse fasste, uaehdem sie im Uebrigen, gemäss dem ihr nach Art. l 3 des Bnndesgese^es über den Geschäftsverkehr zwischen dem Rationalund dem Ständerath^ zustehenden Rechte, den Bundesrath zn einer Berichterstattung über den Gegenstand veranlasst hatte.
  3. der Nationalrath in seiner Sehlussnahme vom 1..). Juli l 862 aus^

8^

drüklich den Beschluss des Ständerathes vom 1l. Juli, welcher den Bundesrath zu einer erstinstanzlichen Beurtheilung des Falles einladen wollte, verworsen hat, c. die Zurü^iehung des an die Bundesversammlung gerichteten Reknrses erst erfolgte, nachdem die beiden Räthe schon ihr definitives Beharren ans den gesagten .^.hlussnahmen ansgespro.hen hatten.

3) Wenn nun nachträglich vo^ der reknrxirenden Partei die Entseheiduug des Bundesrathes angernse.i wird, so widerspricht dieses Versahren dem Art. 6 des erwähnte.. Gesezes, da dieser für den Fall, als die beiden R....h.. ans ihren abweichenden Ansichten definitiv beharrt haben, ^.vorschreibt, es bleibe der Gegenstand liegen, bis er auf die für die Gese^gebung vorgeschriebene Weise wieder angeregt werde, was somit moglich ist durch eine Petition d..r beteiligten Parteien , dnrch Motion eines Mitgliedes , wie auch durch einen Antrag - nicht zu verwechseln mit einem Entscheide - des Bundesrathes.

4) Jn der Tl.^at werden nur durch ein solches Verfahren die konstitutionelleu Stellungen der Räthe gehorig gewahrt, indem der Bundesrath nicht^ in der Lage ist, weder auf direkte, noch auf indirekte Art Konflikte ^wischen den g. ^gebenden Käthen ^u entscheiden.

5) Auf der andern Seite hätte jedoch der Bundesrath keinen Grund, einen Entscheid abzulehnen, wenn ex von der Bundesversammlung in Abänderung der in Erwägung 2 h bezeichneten Sehlussuabmen hiezu autorisirt werden sollte.

7. ^...u^iehnna l..ande...r..thti^er ^..el..nr...ent^e.^.

57. Maria Elisabet^a T h o m a s , Bürgerin des Kantons Reuenburg. wohnhaft in Freiburg, ist von den Gerichten des Kantons ^r..iburg mit ihrer ^aterschaftstlage gegen den ^reibnrger Joseph Eorminboeuf abgewiesen worden, weil sie einem .^e.nton angehore, .oo ^ie Vaters^astsklag... uieht zugelassen ^oerde. ^er Bundesrath hat sedoeh an. 20. Rovember t 861, g..stü^t anf Art. 48 der Bundesverfassung, diese Urteile aufgehoben und die sreiburgisehen Gerichte eingeladen , die Elisabetha Thomas zu halten, wie die Bürgerinnen des Kantons Freiburg. (^iehe

Geschästsberi^t de^ Bundesrathes für l 861, Bundesblatt 1862, Band ll, Seite 264.)

Während dem Laufe jenes Rekurses wurde die Thomas von Eorminboeuf augehalten und gerichtlich verurtheilt, di.^ kosten an leztern zn bezahlen, welche ihr dnrch die reknrrirten Urlheile i.u Betrage von ^irka Fr. l 30 auferlegt worden waren. Rach dem Entscheide d...s Bundesrath^s .^nd gestü^t anf denselben hat die Thomas einerseits die F.^rtsezung des Prozesses und andererseits Rükvergütung der mit aller .^ärte geforderten und von ihr bezahlten Prozesskosten verlangt. ^ie freiburgisehen Gerichte suspendirten jedoeh in beiden Beziehungen die weitern Ver-

Bund^blatt. Jahrg. .....v. Bd. tt.

7

90 handlnngen, da Eormiuboeuf den Rekurs an die Bundesversammlung zu ergreifen erklärte.

Jn der ersten Richtung, nämlich betreffend die Baternitätsklage, hat der Bundesrath am 16. .Dezember 1861 die Geriehtsbehorden des Kautons Freiburg zur ^ortse^ung des Brousses eingeladen , weil nach bestehender Vrar^is Rekurse gegen ..^.scheide des Bundesrathes in der Regel keine Suspeusivwirkung haben. Es wurde dann diesem Bes.hlusse wirklich

Folge gegeben.

Jn der ^weiten Richtung dagegen. nämlich betreffend die Rükfor-

derungsklage der Thomas, beharrte das Kautonsgericht anf der ^uspension bis nach dem Entscheide der Bundesversammlung, weil der Beschluss des Bundesrathes nicht ei.. definitiver sei und eine Verlegung des Grnndsazes der Trennung der Gewalten enthalte, da der erstinstan^liehe E..tscheid einer Admiuistrativbehorde nicht die Vollziehung eines Urtheils zu hindern vermoge, das ein verfassnngsmässiges Gericht innerhalb seiner Kompetent erlassen habe.

Auf erneuerte Besehwerde der Thomas hat der Bundesrath am 7. Mär^ 1862,

in Erwägung .

  1. ^urch ^..ispositiv l des bundesräthlichen Entscheides vom 20. November 1861 sind die Urtheile der sreiburgischen Geruhte vom
  2. Dezember l860 und 2.). Juli 1861 in Baternitätssachen der Maria Elisabeth Thomas, in ihrem gesammmten Bestaude, also selbstverständlich

auch hinsichtlich des Kosten- und Entschädigungspunktes . aufgehoben worden.

2) Gegen senen bundesräthlichen Entscheid ist bis dahin keinerlei Beschwerde erhoben worden^), im Uebrigen l..älte eine solche Beschwerde, falls sie auch erhoben würde, keinen ...^uspensivesfekt , wie solches der

Bundesrath schon unterm l^. De^nber 186l ausdrüklieh erklärt hat, und wie solches in der Ratnr der Sa eh e liegt, indem die Anschauungweise , es habe eiu bundesräthlieher Entscheid den l^haralter eines erstinstanzli.heu, gegen welchen au die Bundesversammlung als an die .^..berinstand u.it ^uspenstveffekt appellirt werden konne, mit den elementarsten staatsrechtlichen Begriffen und n.it der ganzen Vrar^is der Bundesbehorden

im vollständigsten Widerspruche steht.

3^ Unter solchen Umständen kann das Urtheil des Kanlonsgerichtes von ^reiburg vom 10. ^ebruar 1862 neben den erwähnten Bundesrathliehen Entscheiden nicht zu Recht bestehen und ist darum aufzuheben, wobei es deu gemachten Erfahrungen zufolge gleichzeitig nothwendig wird, gegenüber ferner^ Versuchen solcher Rechtsverweigerung die nothigen Vorkehren ^u treffen ; ^) .^ine solche Beschwerde ist selbst .^ auf h.^n^ (Tag .^r Berichterstattung) nicht eingegangen.

91

beschlossen
  1. Der Rekurs wird begründet erklärt und das sachbezügliche Urtheil des Kantonsgerichtes von Freiburg vom 1l). Febrnar 1.^,2 aufgehoben.
  2. Das Kantonsgericht wird in seiner Gesammtheit und in seinen einzelnen Mitgliedern fur allen Schaden verantwortlich erklärt, welcher der Rekurrentin von jezt an aus der Riehtbeachtnng der bundesrathliehen Beschlüsse oder ^ einer verlängerten Verweigerung der Justiz erwachsen sollte.

^. Polizei.

l.

^...liti^e ..^ii^tlin.^. ....^e^rteur.^ ^.

Die politischen Verhältnisse haben sich im Lause des Bericht^ahres

so gestaltet, dass die politisch-polizeilichen Beziehungen zum Auslande keine besondern hervorragenden Erscheinungen dargeboten haben.

Frankreich sah sich zu einer Beschwerde veranlasst, einerseits wegen vorgeblicher Anhäufung politischer Flüchtlinge in Gens und andererseits wegen Ver-

breitung oder Begünstigung der Verbreitung von Schmähschristen gegen die kaiserliehe ^amilie, ebensalls in Genf. Die angestellten Erkundigungen haben ergeben , .^ass in beiden Riehtungen grosse Uebertreibungen stattgefunden haben. Ueberhaupt ist die Bolidi in Gens in neuerer Zeit bedeutend verbessert worden, und sie steht mit der benachbarten sranzosischen Polizei auf gntem Fnsse. Die früher so zahlreichen Deserteure sind weggewiesen worden, und politische Flüchtlinge, z^mal sranzosische, befinden sich sast keine dort. Die Anwesenden geben zu keinen Besorgnissen Anlass. Der Druk von Schriften der angedeuteten Art fand weder in Gens, noch überhaupt in der Schweiz statt, die Eol^ortage mit denselben wurde sehou früher nenerdings wiederholt mit Strafe bedroht und verhindert.

Um die Mitte des Jahres sind oft Ungarn, die in der ungarischen Legion in Jtalien gedient hatten, nach der Schweiz gewiesen worden, ohne dass für ihren Anf.^.thalt, noch für ihre Weiterreise ökonomisch g.^orgt gewesen wäre. Die Vässe, die sie in Jlalien erhielten, lauteten eiusach ^ur Reise nach der Sehwelz, ohne die Rükreise oder die Weiterreise nach einem andern Staate zu sichern. Da der ...Schweiz nieht ^ugen.nthet werden kann, diese Leute bei sich aufzunehmen oder mit Uebernahme der erforderliehen Kosten weiter zn spediren, während Jtalien es ist, das ihre fräste in Anspruch genommen hat, so sah sich der Bundesrath veran.^ lasst, einerseits den Gränzstationen die geeigneten Instruktionen zukonmien ^u lassen, andererseits in Turin sieh für Abhilfe ^u verwenden. Diese wurde zwar Zugesichert, allein später sah sich die italienische Regierung doch noch

92 veranlasst, das sormliche Ansuchen zu stellen um Bewilligung des Durchpasses von solchen Jndivi.^ue.. , welche ...ie ^ehwei.^ bloss zn traverstren beabstchtigten , um nach einem andern Staate ^u gelangen , zu welchem Zweke an der Grande ste jedem 50 Fr. auszuzahlen anerbot. Um die gleiche Zeit machte die k. k. osterreiehisehe Gesandtschaft die Mitteilung, dass denjenigen u n g a r i s ch en . L e g i o n ä r e n , welche nicht Deserteure sind , die straffreie Rükkehr ^gesichert sei und dieselben bei dem k. k.

Volkskommissariate zu Bregen^ weitere Justradirnng nach ihrer Heimat zu erwarten haben. Wir konnten dah^.r unbedenklich das Ansuchen der italienischen Regierung bewilligen , indem wir rüksichtlich der Deserteure einfach die früher schon wiederholt gegebenen Instruktionen erneuerten.

Durch ^.reisschreiben vom l0. Rov. 1862 (Bundesblatt 1862, llI, 423)

wurde sämmtlichen Kantonen zu ihrem Verhalte hievon Mittheilnng gem.i.^ht.

Rach einer weitern Mitteilung des schweizerischen Geschäftsträgers

in Wien ist am t.). Rovember l 862 au.h den ...urch die Militärgerichte in U n g a r n verurteilten politischen Sträflingen der Rest der Strase er..

lassen , die Einstellung der hängigen Untersuchungen angeordnet und den ohne Erlaubniss bereits zurükgekehrten politischen Flüchtlingen Straflosigkeit gewährt worden.

Ebenso wurde am 17. Rov. 1862 den Militärpflichtigen des Gross-

fürstenth..ms S i e b e n b ü r g e n , welche sich der Militärpflicht entzogen haben, volle Rachsicht ^.gesichert, wenn sie bis Ende Januar 1863 znrül^

kehren (Bundesblatt 1862, lIl, 565).

Die italienische Gesandtschaft sah stch auch im Beriehtjahre veranlasst, wiederholt aus die schon im lezt.m Geschäftsberichte erwähnte Erseheinung der zahlreichen Desertion von Ko..s^riptio..spsli.htig.^ au^ Jtalien ^nrükzukommen. ^ie glaubte aus verschiedenen Anzeichen und namentlich daraus, dass zahlreiche jnnge Jtalieuer durch schweizerische Aus^oande^ rungsageuteu nach verschiedenen Weltgegeuden spedirt werden , ^en Beweis ableiten zu konnen , dass die Desertion von der Schweiz aus ^l.ismuuternug und Uuterstüzung erhalte. Raeh den erhobenen Erkundigungen kann jedoch legeres mit allem Grund bestritteu werden , wenn auch ^ie Desertion uach der ..^chwei^ (und wie es seheint a u eh in andern Richtungen) im Allgemeinen nieht bestritten werden kann. Da Frankreich für den Durchpass von Auswanderern keine .^egitimationspapiere fordert, als bloss den Reisevertrag, so ist allerdiugs das Fortkommen nicht wenig erleichtert.

Allein es kann nicht Aufgabe der Schweiz sein. nach Mitteln zu suchen, um die Desertiou in Jtalien zu verhindern oder den Aus.

tritt vou Deserteurs aus den kouiglich..italieuischen Staaten unmöglich ^u machen. Diess ist zunächst Sache des betressenden ....^taat^s selbst.

Dagegen kann mit Recht gesordert werden, dass von ^er Schweiz aus di^ Desertion nicht absichtlich begünstigt und unterstüzt werde. Es sind jedoch keine Anzeichen vorhauden, dass diess geschehe, und es haben jedenfalls die Behorden der Gränzkantone den besten Willen , keine derartigen st^s-

93 baren Umtriebe aus ihrem Gebiete zu dnlden. Der Bundesrath hat steh der italienischen Regierung gegenüber mehrfach in diesem Sinne ausgesprühen.

ll.

.^.^mesen.

Die Bassverhältnisse mit den auswärtigen Staaten besehlagen das politische Departement. Was die innern Verhältnisse betrifft, fo hat eine Aufrage der osterreichischen Gesandtschaft über die faktischen und geglichen Rustaude und über die Folgen der Abschassnng der Bassvisa und der .^ freiern Richtung im Basswesen überhaupt eine bezügliche Anfrage an die Kantone veranlasse Das nicht uninteressante Resüme der eingegangenen Berichte besteht im Folgenden.

  1. Die gesezliehen Vorschriften, die in den meisten Kantonen aus den Jahren 1815-^1820 datiren, sind noch n.cht geändert worden. Jh...

Jnhalt entspricht uugefähr den damals überall im Bolizei- und Basswesen prakti^irten Anschauungen. Dagegen sind sie seither vielfach modifizirt worden, theils durch Geseze über Ausenthalts- und Riederlassnngsverhältnisse der Kantone, theils durch Regiernngserlasse in Folge einzelner in andern Staaten eingetretener Erleichterungen, und theils durch die wesentlieh von den Eisenbahnen bewirkten Modifikationen in der Brax^is. Es hat noch kein Kanton ein neues Gesez aus Grundlage der nenern polizeiliehen Bra^is erlassen.

2) Der Eintritt von Ausländern in die Schweiz oder der Durchpass durch die einzelnen Kantone ist faktisch keiner Kontrole mehr unterworfen. Es wird kein Bass und kein Visum mehr als regelmässiges Re-

Cuisit gesordert. Dagegen behält sieh die Bolizei überall das Recht vor,

wenn sie durch besondere Thatsachen dazu veraulasst .vird. sei es über die Bersonliehkeit des Reisenden, sei es über andere Verhältnisse desselben, sich Gewissheit zu verschossen. Aus diesem Gruude ist es wünschenswerth und für den Reisenden nü^lieh, dass er mit einer Legitimation versehen sei.

3) Reben dieser mehr ^.sälligen bestehen z.vei weitere regelmässige Ausnahmen : a. Für längern Ausenthalt oder sür Niederlassung oder für eiuen Erwerb, de... aus Batentertheilnng beruht, müssen Ausweisschriften bei den betreffenden Staats- (Kantons-) Behorden vorgewiesen und deponirt werden.

b. Handwerksgesellen , Arbeit suchende Dienstboten , Gewerbslente , .Krämer u. dgl. haben regelmässig ^egitimationspapiere vorzuweisen, und zwar wird dieses Recht auch innerhalb der Sehweizergränzen von jedem Kanton genbt.

4) Gegenüber den eigenen Angehörigen wird ein Zwang zum Bezuge eines Basses nicht geübt. Es wird dem Ermessen des Einzelnen

94 überlassen, ob er sich damit versehen will. Sein Entschluß hängt natürlieh daoon ab , welche Vorschriften in jenen Staaten , in die er sich begeben will, hierüber bestehen. Da die unter 3 erwähnten Vorschriften auch gegenüber Schweizern beobachtet werden, so ist wenigstens für einen bleibenden auswärtigen .^lnsenth lt eine Legitimation (..^ass od..r Heimatsehein) überall erforderlich. Die Kantonsgeseze verbieten aber in der Regel, sie an Minderjährige, oder bei erlassenem Militärausgebot, oder an Dirnen, Vaganten .^e. zu verabsolgen.

5^ An die Stelle de... Bassvorweisnngen und Visirnngen ist keine spezielle Neuerung getreten; beides wurde indessen in der Schweiz vo^. jeher nicht besonders strenge geübt. Jn einigen kantonalen Berichten wiro im ^ Allgemeinen erwähnt, dass seit Erossnnng der Eisenbahnen eine grossere Aufmerksamkeit der Bolizei und bei jeder Station ein Polizeiposten erforderlich sei. Jn einigen Kantonen wird auch aus genauere Führung der sogenannten Rachtbücher gedrungen , in welchen alle in den Gasthäusern übernachtenden Bersonen eingetragen werden müssen und wovon jeden Abend der Volizei ein Auszug mittheilen ist.

Jndessen bemerken andere Berichte, dass diese Bücher von sel^r problematischem Werthe seien.

6) Es sind nirgends besondere Erscheinungen in Bezug anf die ossentliche Sicherheit zu Tage getreten, seit das Reisen ohne Vässe oder ohne besondere Visa häufiger geworden ist.

95 H l .

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l i ^ e r n n a e n .

  1. Statistik der von der Schweiz bei auswärtigen Staaten nachgesuchten Auslieserungen :

Anzahl der Ansge- Blieben ZurükunentJndi- lieferte. dekt. nahmen viduen.

Kantone.

^euer.burg Ridwalden

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Staaten, von welchen diese Auslieserungen verlangt wurden.

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^6 B. Statistik der durch die Schweiz an auswärtige Staaten bewilligten Auslieferungen.

Anzahl der

Staaten.

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Frankreich .

Oesterreieh Jtalien .

Baden Bauern Württemberg Vrenssen .

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Kantone, von welchen diese Auslieferungen verlaugt wurden.

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3

.)7 Das ...Besuch der sranzosischen Gesandtschaft um Auslieferung eines.

Franzosen, Ramens E u i s s a r d , wegen Roth.,ucht, wurde von der Regierung von Wallis dahin beantwortet, dass der Vertrag von 1828 nicht da^u verpflichte. -- Die französische Gesandtschaft erwiderte mit Rote vom 1. September 1862: nach der Ansicht ihrer Regierung habe man schon lange anerkannt , dass d..r Art. 5 des Vertrages zwischen der

Schweiz und Frankreich vom 18. Juli 1828 nicht limitata sei. Jn

Wirklichkeit sei er schon osl aus andere Verbrechen ausgedehnt worden , als diejenigen , die dort spe^ifi^irt seien , wenn wenigstens diese Verbrechen in beiden Ländern mit Leibes- und entehrenden Strafen bedroht seien. Ans diesem Grunde habe ein Dekret von.. 24. Juni 1858 auf Begehren des Bundesrathes die Auslieferung eines gewissen Fahr n i bewilligt, welcher in der Schweiz wegen des Verbrechens des Rothzuehtversuches an einem Mädchen unter 15 Jahren und wegen zahlreicher Attentate aus die Unschuld junger, seiner Sorge anvertrauter Mädchen augeklagt gewesen. Eben so habe 1842 die Regieruug von Bern einen^ gewissen B urgere..., an die franzosische Regierung ausgeliefert, welcher in Frankreich wegen Rothznehtversuchen verfolgt worden sei. Jndem das franzosisehe Ministerium diese Brä^edentien in Erinnerung bringe, geschehe diess mit dem Wunsche , das Entstehen einer andern Vra^is zn verhindern ,.

was sehr bedauerlieh wäre. Das Ministerium hoffe daher , dass diese Betrachtungen die Regierung von Wallis zu einem andern Entscheid in Sachen E u i s s a r d veranlassen werden.

Der Bundesrath sprach gegenüber der Regierung von Wallis die^ Geneigtheit aus, aus das Begehren der franzosischen Regierung einzutreten und die Auslieferung bei Roth^uehtverbreehen, welche ohnehin in den Ablieferungsverträgen mit Baden , Oesterreich , Sardinien , Belgien , Bauern, Holland und Nordamerika vorgesehen seien, auch der sranzosisehe^ Regierung aus eine formliehe Gegenreehtszusieherung zu bewilligen, um s^ mehr, als sch^vei^eriseherseits das Bedürsniss nach einen. derartigen Verfahren schon wiederholt zu Tage getreten sei.

D..e Regierung von Wallis spraeh

Reziprozität ans.

sieh nun für Beobachtung der

Der Franzose ^eli^. Delair, welcher in Frankreich .^es ausgezeichneten Diebstahls angeklagt und desshalb ausgeliesert worden war, ist von dieser Anklage sreigesprochen , aber gleichzeitig wegen Desertion zu sünf Jahren Zuchthausstrafe verurtheilt worden. Der Bundesrath hat daher bei der franzosischen Regierung die Rüklieserung des Delair verlangt, weil seine Auslieferung nur wegen des im Staatsvertrage vorgesehenen Verbrechens stattgefunden habe, die Desertion aber in demselben nicht enthalten und eine Auslieferung wegen dieser Anklage von Seite der Schwe^ stets verweigert worden sei. Die franzosische Regierung hat diesem Begehren wirklich entsprochen.

.

.

) .

.

.

.

Eine Auslieferung wurde von der französischen Regierung anfänglich verweigert , weil von der betreffenden Kantonsbehorde ein einfacher Vorführungsbesehl ^m.indat démener) produzirt wurde , während der Staats^ertrag von 1828 die Vorlage en.es sormliehen Verhastsbefehles (m.^nd^t.

darret) fordert.

Jn einen. Spezialfalle hat der Bundesrath anerkannt, die Unterschlagung der Kompagniekasse durch einen französischen Sergenten sei eine solche von öffentlichen Geldern ; es finde somit der Staatsvertrag betreffend die Auslieferung von Verbrechern seine Anwendung.

Es wird die Vrax^is immer konstanter, dass im Falle verlangter Auslieferung des Angehörigen eines dritten Staates der Regierung dieses .dritten Staates Kenntniss gegeben wird. Jeder ..^taat hat übrigens das Recht, über die ans seinem Territorium befindlichen Versonen zu verfügen.

Jndessen wird die Bflicht zur Kenntnissgabe ost in Auslieferungsverträgen formlich stipnlirt , oder durch einen Modus vivendi als Regel anerkannt, ^der auch stillschweigend geübt. ^er Bundesrath hat im Lanse des Berichtjahres dieses Verfahren einige Male einzuschlagen Anlass gehabt, z. B.

.bei Auslieserung eines Oesterreichers an Frankreich. Aus der andern Seite ist es auch von Frankreich geübt worden bei Aulass der Auslieferung eines Schweizers an Belgien und von der Schweiz gegen Belgien wegen Anslieferung eines Belgiers an Frankreich. Der erste ^all gab jedoch Gelegenheit, die Ansicht der osterreichischen Gesandtschaft von der Hand zu weisen , als ob für die Begründung der Auslieferung des Oesterreiehers an Frankreich d^e Bedingungen ersüllt sein müssten , w .1che der Staatsvertrag zwischen Oesterreieh und Frankreich vom 27. Dezember l 855 festsezt. Es wurde diesem Verlangen entgegengehalten, dass durch den Vertrag zwischen der Schweiz und .^esterreich eine Anfrage nicht vorgeschrieben fei und derjenige ^wischen ^esterreieh und Frankreich die S^veiz nicht verpflichte. Der Bundesrath habe nnr aus sreundnaehbarliehen Ruksiehten der österreichischen Gesandtschaft von dem Spezialfalle Kenntniss gegeben, deren

.allfällige Gegenbemerkungen übrigen^selbsoerftändlieh der freien Entsehliessnng

des Bundesrathes nieht hätten präjndi^iren kounen. Von einem Re^iprozitätsbegel.^ren habe er abstrahirt, von der Ansicht ansgehend, dass es besser sei, bei den Bestimmungen des Vertrages stehen ^u bleiben, vorkommenden Falls aber aus sreien Stüken sreundnaehbarliche Rüksichten walten zu lassen.

Der Ausliesernngsvertrag mit Bauern von 1852 (Off. ..^ml. Hl,

219) bestimmt in Art. ^ ausdrüklich: ^,Die durch .^ie Verhastung,

,,die Gesangenhaltung und den Transport des Auszuliesernden . . . ver,,ursachten Kosten werden von demjenigen Staate, in dessen Gebiete der ,, Verfolgte ergriffen worden ist, bis zur Gränze seines Staatsgebietes ge,, tragen.^ Die Volizeibehorde eines Kantons versuchte geltend zu machen, dass der Bnnd diese Kosten zn tragen habe. Diese Ansicht wurde jedoch nicht als richtig anerkannt. Der Bund tritt zwar gemäss der BundesVerfassung gegenüber dem Auslande in Vertragsangelegenheiten als Ein-

..)9 heit aus , aber es ist keinerlei Bedürsniss vorhanden , in Vertragen mit auswärtigen Staaten auch das Verhältniss zu regulären, wie es im Jnnern der Schweiz selbst gel,.alt.m werden soll. Das ^erh.iltniss der Kantone unter sich und znm Bunde ist aliein durch die Bundesverfassung reg..lirt, die also hier entscheidend ist. Run verfügt ab.r die Bnndesversassnng nichts über die Handhabung der Fremdenpoli.,ei , vielmehr ist diese als ein ...lusfluss der Sonveränetät den Kantonen überlassen, worans mit Roth-

wendigkeit folgt, dass diejenigen Lasten, welehe durch die Ansübung dieses

Hoheitsreehtes erwachsen, von den Berechtigten, d. h. von den Kantonen zu tragen sind. U^.brigens ist die Brar^is hierüber eine so feste , dass der Bund sür solche Zweke noch nie etwas ausgelegt hat und auch noch von ^ keinem andern Kanton dafür angesprochen wurde.

IV. A u s w ä r t i g e r Militärdienst, W e r b u n g .

Von dem auswärtigen Militärdienste in speziellen S c h w e i z e r k o r p s kann ma... gegenwärtig unbedenklich sagen, dass er ansgehort habe.

Die verhaltnissmässig geringe Zahl von Schweizern, die noch in romischen Diensten si^h befinden , ist mit den Fremdeutruppen verschmolzen. Jn Algier ebenso , wo übrigens durch die Auslosung d^.s ersten Fremden^ regimentes, in welchem viele Seh^vei^er dienten, die Zahl sich vermindert hat. Die Rül^ehr der leztexn veranlagte einige Vorkehrungen zu ihrer Em.

psanguahme in Havre und Basel. Jn Ostindien seheinen nur noch wenige ^urükgeblieben ^u sein. Dagegen befinden sieh viele Schweizer in beiden Heerlagern der Rordstaaten von .Amerika. Judess dürste diese Gruppirnng mehr nnr eine ^usällige und d..reh die momentane Anwesenheit in einem speziellen Staate zur ^eit der Rekrutirung gegeben gewesen sein.

Jedenfalls ist der direkte Zufluss aus der Schweig lediglieh zum Zweke des Militärdienstes ein sehr unbedeutender, und von formlieher Werbung ist uns nichts bekannt geworden. Ueberh^upt lässt si.h s.^hon aus den angedeuteten .^hatsaehen schliessen, dass auch die Werbung in der Schweiz selbst ansgehbrt haben muss. Wenigstens haben die Raehsorschungen, welche durch zweimal ansgetauehte Gerüchte von Werbungen , das eine Mal sür den ^apst, das andere ^al sür den Konig .^ranz ll. veranlagt worden sind, nicht ..^e mindesten Anhaltspunkte geliesert. Vielmehr scheinen dergleichen Gerüchte in der italienischen Bresse nicht ohne seindliche Tendenz gegenüber der Sehwei^ verbreitet worden zu sein.

Jn dieser Weise redu.,irte si^.h die ^h.itigkeit in Werbsachen fast aussehliesslich nur ans die Bereinigung der Rükstände in einigen Kantonen, d. h. in der Abrechnung bezüglich der dnreh Bestrafungen entstandeneu Kosten und in der Vorbereitung der Begnadigungsgesuche. Es sind .43 solcher Gesuche eingekommen, und es hat die Bundesversammlung Allen entsprochen, mit Aufnahme eines einzigen, der als gewerbsmäßiger Werber bestraft worden war.

100 ^. .^eimatlosenwesen.

l.

^irl.li.^^ .^eimatl.^e und Vaganten.

Der lezte Geschäftsbericht geigte in dieser Kategorie noch 33 Fälle mit l 44 Personen pendent.

Jm Laufe des B^.richtjahres kamen 10 neue ^älle mit 36 Personen hinzu, es waren somit 43 mit 180 Personen in Untersuchung. Davon sind 13 Fälle mit 39 Bersoneu (7 mit 22 Personen von ^en neu eingegangenen) erledigt worden. Diese Erledigung gen fanden in der Wei e statt , dass in 8 Fällen 22 Personen durch sormliche Beschlüsse des Bundesrathes bestimmten Kantonen zur Einbürgerung zugesprochen wurden; drei Fälle mit 15 Personen wnrden dadurch erledigt, dass die auswärtige Angehorigkeit der leztern in Folge der Untersuchung zur Anerkennung gebracht werden konnte; in zwei Fällen mit zwei Personen wurde durch die Untersuchung die ursprüngliche Angehorig..

keit in gewissen Kantonen ermittelt.

Von den erwähnten acht Bnudesrathsbeschlüssen sind süns mit nenn Personen von den belasteten Kantonen anerkannt und bezüglich auf sieben Personen ist bereits die erfolgt^ Einbürgerung angezeigt worden.

Ein Entscheid dagegen mit vier Personen wurde protestirt, und es hat unverzüglich die Expedition der Klage an das Bundesgericht stattgefunden.

Mit Rüksicht auf die übrigen neun Personen ist bei der Abfassung dieses

Berichtes die Auerkeunung der bundesrätl^lichen Zutheilung auch von acht Personen sicher, und es wird eine gerichtliche Kla^e nur bezüglich einer einzigen Person aus der gleichen Familie, bei der aber andere Kantone betheiligt sind, erfolgen müssen.

Was die Vollziehung früherer Einbürgerungsbeschlüsse betrifft, so sind die noch im Rükstande befindlichen Kantone gemahnt worden. Bezüglich auf 20 Personen wurde der Ausweis über die erfolgte Einbür^

gerung geleistet.

Ausser den oben erwähnten eigentlichen Heimatlosenfällen haben noeh neun andere mit 2..) Personen vielfach beschäftigt und acht ^u diplomatischen Verhandlungen geführt.

Ein Fall ist im ^anfe der Untersuchung dnrch den T.^d der betreffenden Person erledigt worden. Drei Fälle sind noch pendent; in ^wei fällen ersolgte abschlägige Antwort, so dass die fraglichen zw..i Personen einfach den betreffenden Kautouen zufielen. Dagegen wurde in drei fällen mit 8 Personen die Anerkennung der ausländischen Angehorigkeit wieder erlangt.

Mit Hinzurechnung der 10 neu eingegangenen Heimatlosensälle ist die Gesan.mt^ahl der diesssälligen Untersnehungen auf 283 mit l 004 Personen angewachsen, wovon, wie bereits er.vähut, nur uo.h 30 mit

141 Personen pendent sind. Bis Ende des Berichtjahres sind nämlich

49.) Personen einzelnen Kantonen ^ur Eiubürgernng zugesprochen, und

bezüglich ans 364 Personen. ist ermittelt worden , dass sie fälschlich als

10l Heimatlose sich ausgaben , vielmehr entweder in der Schweiz oder im Auslande eine Heimat besten.

Jn einigen rülständigen Untersuchungen haben noch Vexvollftändi-

gungen der ...tlten stattgefunden, und es wird die definitive Einbürgerung der betretenden Personen bald stattfinden, nach Massgabe der Zeit, welche die permehrten Departemeutalgeschäste hiesür disponibel lassen.

ll.

^lerirte,. .^andsa^en etr.

Ju dem legten Geschäftsberichte sind die Kantone Bern , ^reiburg,

Tessi.., Waadt, Wallis nnd Reuenburg ausgeführt, welche mit der Ein^ bürgernng .^er ihren Kantonen angehorig.m Heimatlosen, Tolerirleu, Lan.^sassen und andern derartigen Personen noch im Rükstande sich befinden. Dieselben wurden auch im Berichtjahre, gemäss der bestehenden Aufträge der Bundesversammlung und der uns obliegenden Vflicht, für die Vollziehung des Bundesgesezes ^u sorgen, jeder .^en speziellen Verhältnissen entsprechend, ^ur endlichen Bereinigung dieser Angelegenheit

gemahnt. Die Resultate sind sür das Berichtjahr wirklich befriedigend,

wie aus den folgenden ...^pezialberichten sich ergeben wird : 1. Bern. - Laut dem Berichte der Regierung und den uns mitgetheilten Ausweisen ist die Einbürgerung der Heimatlosen und Landsassen dieses Kantons nun als beendigt ^u betrachten. Es gab hier aber ausser diesen, dem ganzen Kanton angehorigen Klassen, noch einige andere (10), die nur bestimmten Landschaften oder Gemeinden angehoreu. So z. B. ^ie a l l g e m e i n e n L a n d l e u t e vou ^Jnlerlaken, ^irl.a 400 Versonen, die si^h ans 15 Gemeinde.. vertheileu. die L a n d s c h a s t s b u r g e r von Saanen, 22 Kopfe, drei Bnrgergemeinden zusallend. die Halbburger von Belp, deren Zahl noch nicht ermittelt ist, und die dieser Gemeinde allein angehoren ^e. Die bis jezt ermittelte Zahl dieser Klassen beträgt zirka ^l7 Kopfe, wovon jedoch eine Klasse bereits erledigt ist: die K i r c h h o r e b u r g e r von Grosshoehstetten , 13.) Kopse, welche in die betresfendeu füus Bnrgergemeindeu eingebürgert worden sind. Der bezüg-

liehe Berieht der Regierung von Bern stellt a..ch die Einbürgerung aller

andern Klassen in nahe Aussicht, worüber wir einen Schlussberi..ht gewär-

tigen.

Was die Einbürgerung der Heimatlosen nnd Landsassen betrifft,

so sind im alten Kantonstheil ^u de^. ini legten ..^..sehästsberiehte aug..gebeuen 2^65 (nicht 27.^7) Personen im Laufe des Beriehtjahres noch weitere 3^ Versoneu eiugebnrgert Borden. ^m Ganzen waren es somit 2802 Jndivi^uen. ^ornnter jedoeh nur 4l eigentlich heimatlose. Eine besondere Schwierigkeit bot si.h in der merkwürdigen Erscheinung dar, dass viele Gemeinden nicht ^urgergemeinden sein sollten, und dass diese ihre Eigenschaft erst festgestellt werden mnsste. Die Zahl der Burgergemeinden des alt.^n Kartons ist bei diesem Anlass auf 354 si^irt Borden.

--- Alle Eingebürgerten erhielten einen vom Regiernngsrathe unterzeichneten

l02 und besiegelten Einbürgerungsakt, welcher den betreffenden Bnrgergemeinden zur Eintragung in den Burgerrodel zugesandt wurde, verbunden mit der Ausforderung, den neuen Bürgern Heimatscheine auszustellen.

Die Zahl der dem neuen Kantonstbeil angehörenden heimatlosen ist aus 39 Jndividuen ermittelt, wovon im Laufe des Berichtjahres 20 eingebürgert worden sind. Die noch restirenden 19 werden ebenfalls ein^ gebürgert, sobald sie sich einstellen und ihren Wohnort angeben.

Die Zahl der Burgergemeiuden dieses Kantonstheiles ist 161.

Zu bemerken ist noch, dass hiermit auch die aus der allgemeinen schweizerischen Einbürgerung bis jezt dem Kanton Bern durch Entscheide ^ des Bundesrathes oder des Bundesgerichtes zugesprochenen Heimatlosen eingebürgert worden sind.

2. Freiburg. --- Jm Lause des Beriehtjahres ist die Einbürgernng in diesem Kanton vollständig vollzogen worden.

Es blieb die Bosition von 19 Heimatlosen und 43 paroissiens non commnmers zu ordnen. Die ledern sind in z.vei Gemeinden eingebürgert worden.

Bezüglich der erstern hat sieh ergeben, dass ^vier gar nicht mehr heimatlos, sondern bereits Bürger einzelner Gemeinden des Kantons waren. Zwei find Kriminalisiere und brauchten daher nach Art. 3 des Bundesgese^es

zur ^eit nicht eingebürgert zu werden. Bezüglich der übrigen l 3 Jndividnen ist dagegen die Einbürgerung tu gehöriger Form erfolgt.

3. Tessin. --^ Am 7. Januar 1862 ist das in srühern Berichten wiederholt in Aussicht gestellte neue Gesez erlassen, dem Bundesrathe jedoch erst auf erneuertes Verlangen am 12. Rovember 1862 mitgetheilt worden. Dieses Gesez enthält einige ungewöhnliche Grundsä^e, und zieht die Aufmerksamkeit auch darum auf sieh , weil iu demselben ...^äze euthalten sin^, die der Bundesrath vorher als unzulässig erklärt und andere nicht aufgenommen wurden , die der Bundesrath mit Rüksieht ans den .Standpunkt der tesstnisehen Gesetzgebung erforderlieh eraehtet hat.

Es ers.^emt daher am Blaze, diese sich widersprechenden Ansichten hier zn konstatiren.

Zunäehst bestimmt das ermähnte Gese^ in Art. 1 in der allgeuieinsten Weise, dass diejenigen Personen, welche das Buudesges....^ als heimatlos betrachte, iu Gemeinden eingebürgert werden müssen. Es find davon nur ausgenommen diejeuigen, welche ^u kriminellen oder entehren^en ^trafen verurtheilt worden stnd (mit Ausnalune wegen politischen Verbrechen) bis zur Rehabilitation.

Art. 2. Wer vor dem 4. Juli 1830 in den Kanton gekommen, oder daselbst geboren ist uud bis zur Gegenwart immer darin g.^vol.mt hat, hat die gesezliche .^räsumtion für sich, dass er sein ursprüngliches Heimatre^ht verloren habe. Doch wird ^iese Vergünstigung, welche ^ugleich d^e Bereinigung der Angelegenheit erleichtern soll, et.oas geschmälert durch den beigefügten Vorbehalt des Beweises des Gegentheils.

.

l03 W...r dagegen seit dem 4. Juli 1830 im Kanton wohnt, muss nach Art. 3 seinerseits beweisen, dass die Bedingungen für die Einbürgerung bei ihm zutreffen.

Art. 4. Dieser Beweis ist zu leisten dur^ ein authentisches Zeugniss von Seite derjenigen Behorde des ursprünglichen Heim^.tftaates, welche das Heimatxecht seiner eigenen Angehörigen zu beurkunden kompetent ist.

Der Betent hat überdiess ein ^..ugniss bei^ubringen , dass er noch nie im Sinne des Art. 1 bestrast worden sei.

Art. 5. Betreffend die Heimatlosen, welche man von Seite der Bundesbehor..eu unverschuldet dem Kanton überwunden glauben würde, ^wird der Staatsratl. Ramens und aus Kosten des Staates die nothigen Massnahmen treffen.

Art. 6. Das Begehren um Einbürgerung ist direkt an den Staatsrath zu richten, welcher gestüzt aus die Betition und Replik des Betenten, und auf die Antwort und Duplik der angesprocheneu ..gemeinde, in erster Jnstanz entscheidet, und zwar sollen hiebei die ini Gesez über Adminiftrativftr...itigkeiten für Fälle der IV. Klasse vorgeschriebenen formen und Termine beobachtet werden.

Jm Falle einer Appellation entscheidet eine Jur... (Kommission) des Grossen Raths, wie das gleiche Gesez vorschreibt. - Dieses Versahren findet auch in Streitigkeiten zwischen Gemeinden über die Aufnahme eines Einzubürgernden statt, wie auch im Falle von ^treitgkeiten zwischen einen. Judividuum und dem Staate, und zwischen Gemeinden und den. Staate.

Rach Art. 7 hat der ^taatsrath die bei seinen Entscheiden im Bundesgese^ über ^ie Heimatlosigkeit Art. 11 und 22 enthalteneu Grundsäze anzuwenden und weiter noch den geleisteten Militärdienst und die an Gemeinden bezahlten Steuern zu berüksieht.gen.

Bezüglich der Wirkungen der Einbürgerung ist in Art. 8 beinahe wortlich der Art. 4 des Bundesgesezes reproduzirt. Jm Weitern wird aber beigefügt. Jn der Einbürgerung sind ^die burgerg.mosse..schastlichen Rechte und Befugnisse nicht begriffen ^i diritti e le ...omp^eu^e p^.i^.iali). - Bis .^er Entscheid über die Einbürgerung eiu definitiver ist, kann der Eingebürgerte keine Ehe als Tessiuer eingehen.

Art. .). Den Eingebürgerten wird eine Urkunde ausgestellt, gegen Be^ahluug einer Gebühr, welche der .^taat.^rath bestimmt und welche bis aus ^r. 400 betragen kann. --- Die^euigeu, welche im Sinne von Art. 2 eingebürgert werden . befahlen eine solche Gebühr nur bis auf 100 ^r. Jene aber, welehe schon eine Urkunde uber das einfache oder passive Bürgerrecht besten, und iene, deren Aufenthalt vor den 16. Mai 1803 hiuaufreicht, find von dieser Ta^e befreit.

Eine Verkleidung dieses neuen Gesezes mit den srüher im Kanton Tessin bestandenen Vorschriften ^eigl allerdings erhebliche Fortschritte; allein nicht minder zeigen sich auch Mangel, die der Bundesrath in frühern Korrespondenzen schon wiederholt als solche bezeichnet hat. Wesshalb

104 ^ie bezüglichen Bemerkungen ihre .Anwendung nicht gesunden haben, die .nothig gewesen wäre, um das neue Gese^ iu volligen Einklang mit den.

.Bnndesgeseze zu bringen, ist nicht klar. Dass aber das u.^ G^.z di.^ Uebereiustimmung noch nicht hevorgebracht hat und wieder Bestimmungen enthält, die nicht zulässig erscheinen, glauben wir hier mehr nur andeuten, .als erschopsend beweisen zu sollen.

Wir wollen uns bei der Bestimmung nicht ausmalten, wonach die .Heimatlosigkeit bewiesen werden soll durch eine Erklärung der ursprung.lichen Heimatbehorde.. , obschon die tessinischen und graubündnerschen Behorden so zahlreiche Erfahrungen gemacht haben, wie leicht jene Jndi^iduen, die überhaupt im Falle siud, einer solchen Vorschrift zn genügen,.^ von ihren ursprünglichen Gemeinden als nie, oder nicht mehr, dort an.gehorig erklärt werden. Wichtiger aber ist, dass bloss eine einige Klasse von tessinisehen Heimatlosen (Deserteure, Einwanderer ..e. aus Jtalien) ^ine gesezliche Vorschrift von solcher ...lllg^.meiuheit veranlassen konnte.

Der Kanton Hessin hat aber etwa sieben verschiedene Klassen von J..dividuen, welche unter das Bundes^esez fallen, von welchen jedenfalls eine sehr bedeutende Zahl jeuer Vorschrift nicht genügen kann, vorab natürlich die eigentlichen Heimatlosen nicht.

Wichtiger ist aber der Umstand, dass diejenigen Jndividuen, welche eingebürgert zu werden verlaufen, sich selbst melden und den Beweis führen , so wie auch eine bedeutende Tar^e für die Einbürgerungsurkunde bezahlen sollen, wobei freilich der Spielraum von Riehts bis aus 400 ^r.,

xesp. l 00 Fr. die Berüksichtignng der Vermogeusverhält^isse gestattet.

Derartige Vorschriften sind von. Bundesrathe s.hon wiederholt gegenüber .andern Kantonen als unzulässig erklärt worden, z. B. gegenüber Wallis

(Ges.hästsberi.ht pro 185.), Bnudesblatt l 860, ll, 66) und Genf (Gesch..ftsbericht pro 186l), Bundesblatt 1861, l, 45I.)

Bezüglich des Kantor T..ssin ist noch aus den bedeutungsvollen

Unistand a..smerl^sam ^u machen , dass das nene Gesez nirgends ...ie Ertheilung des K a u t o n s b ü r g e r r e e h t e s (wo^u im Kanton Tessin nur der Grosse Rath kompetent ist) vorschreibt, so .^ass alle Versonen , auf welche j^.nes Anwendung findet, dem gewohnliehen Geseze über die Naturalisation vom 13. Januar 1840 unterstellt sind. Darnach muss der Vetent beweisen, dass er ein freies liegensehaftliehes Ver^nogen von 1000 Fr. a. W.

oder in andern Objekten von 2000 Fr. a. W. besize. Derjenige aber, welcher die cittadinanza civile, d. h. .^ssiva ^^si^t, muss d^e Hälfte obigen Vermögens ausweisen. A l l e aber müssen für das Diplom 16 ^r.

und ansserdem eine Einkaufsunnne befahlen , welche der Grosse Rath be-

stimmt und welche von 25l) ^r. bis 2000 Fr. a. W. beträgt. (Raccolta

^ener.^le, p..^. 33 ..^ 3^.) Ferner ist lant einem Gxossrathsdekrete vom 14. Juni 1854, Rr. 16, sür das Diplom der Naturalisation (.^atnra^ li^^a^ione c^^t^^^ eiue Ka^leigebühr von 100 Fr. ^n bezahlen, wozu also no.l. ^ie in ...lrt. .) des in Frage stehenden Gesezes bestimmte Ge-

105 bühr bis aus 400 Fr., xesp. 100 Fr. für das Diplom über die Gemeindseinbürgerung kommt.

Solche Grnndsäze werden noch im Gesez vom 7. Januar l 862 festgehalten, nachdem der Bundesrath in seinen Schreiben an den Staatsrath von Hessin vom 26. .November 1858 und 28. Dezember 18.^

dahin sich ausgesprochen hat, dass nach Vorschrift des Bundesgesezes die

Einbürgerung von Amtes wegen zu geschehen habe , dass den betreffenden Jndividuen nicht bloss ein Gemeinde^, sondern auch das Kantonsbürgerrecht verschafft werden müsse (Art. 3 des Bnude^gesezes) und dass sie weder Sporteln noch Ta^en zu bezahlen haben, sofern dass die Einbürgerung mit dem in Art. 4 jenes Gesezes umschriebenen Minimum von Rechten unentgeldlieh erfolgen müsse. Diejenigen, welche hinlängliches Vermögen besten, konnen ausnahmsweise nur in der vom Bundesgeseze vorgeschriebenen Weise zum Einkaufe angehalten werden, der sich aber stets nach der Grosse ihres Vermögens zu richten habe , woraus solge, dass einheitliche und absolute Ansähe ausgeschlossen seien.

Was die Vollziehung des Gesezes betrifft, so sind bereits Einlei.

tnngen dazu getrossen. Es ist die Aufnahme von Listen angeordnet .^orden, die jedoch wieder nicht einen klaren Ueberblik ^über die Grosse der Ausgabe im Allgemeinen, noch über die Zahl der verschiedenen Klassen nach ihren Besonderheiten gewahren. Es sind meistens nur die ^amilienhaupter ausgenommen. Die .Listen enthalten 748 einzeln genannte Jndividuen und 312 Familien. Wenn diese, wie der Staatsrath von Dessin fruher einmal gethan, zu 5 Kopsen gerechnet werden, so bleiben im Hessin im Ganzen noch 2308 Jndividuen einzubürgern. diesem Resultate gegenüber ^eigt die Volkszählung von 1860 im Kanton Tessin

bloss 68 Heimatlose.

Mit Uebersendung der erwähnten .Listen bemerkt der ..^taatsrath von Dessin, dass 30 Reklamationen von Gemeinden gegen Entscheide des ^taatsrathes, wodurch ihnen Heimatlose zur Einbürgerung ^gesprochen worden , und zwei andere Reklamationen von angeblieh heimatlosen, denen der ^taatsratl^ die Einbürgerung verweigert habe, bei dem Grossen Rathe pendent seien. Bei dem .^taatsrathe selbst seien se^hs Einbürgernngsbegehren zum Entscheide bereit, und etwa 15 seien nach dem in Art. 6 des neuen Gesezes vorgeschriebenen Bro^edere pendent.

4. W a ad t. ^^ Die Heimatlosenangelegeuheit ist in diesem Kanton in demjenigen Stadium geblieben, wie es im legten Gesehästsberichte bezeichnet ist. Zwar ist im Rovember vorigen Jahres das G.sez über Auf^ losung der Corpor.^o.^ v.^udoise dem Grossen Rathe vorgelegt, von diesem aber verschoben worden, um zunächst das Schiksal des vom Veto des Volkes bedrohten neuen Stenergesezes abzuwarten, da dureh jenes Vrojekt eine neue Ausgabe von 115,000 ^r. in Aussicht steht. Für den Fall der Annahme des Steuergesezes wird die Vorlage des erwähnten projettes .n der ordentlichen Grossrathssizung vom Mai 1863 zur Verhandlung

Bundesblatt. ^ahrg. Xv. Bd. II.

8

106 kommen.

Die 13 Heimatlosen würden dann mit den Mitgliedern der Corporation vau.doise verschmolzen und gleichzeitig eingebürgert.

dagegen ist merkwürdiger Weise seit dem lezten Berichte eine neue blasse von Heimatlosen im Bezirke .^veu.^hes entdekt worden , eine ziemlich grosse ^ahl ^ewiger Einwohner.^ .^hi^.nts per.^tuels^, welche allgemein nur unter dem Ramen ^et.ts hou.^eoi.^ bekannt sind.

Das Justiz- und Bolizeidepartement des Kantons Waadt berichtet, dass es sich sogleich mit einigen Dekreten zur Einbürgerung auch dieser Klasse besehäftigt und solche ^ur Vorlage an den Grossen Rath in der nächsten Maisession vorbereitet habe. Die Ramensliste werde übersendet werden, sobald diese Angelegenheit erledigt sei.

5. Wallis. ^ Aneh hier sind die Verhältnisse die gleichen geblieben, wie sie in srühern Geschäftsberichten geschildert wurden... Der Bundesrath gedenkt, im .^aufe des Jahres .^63 den diesssältigen Verhältnissen im Kanton Wallis wie im Danton Tessin seine besondere Ausmersamkeit zuzuwenden.

6. Reneuburg. - Hier dagegen ist die Bereinigung der Hei.natlosenangelegenheit viel gefordert worden. Die Einbürgerung der Uneheliehen ist wirklieh na.h Vorsehrist des Gesezes von. 5. Jnli 1859 beendigt, und bezüglich der eigentlichen Heimatlosen, 1586 Jndividuen zäh-

lend, hat ^er Grosse Rath am 20. Dezember 1862 das in Art. 4 des

erstern vorgesehene besondere Gesez angenommen. Es gehort dasselbe zu den umsichtigsten und liberalsten Kantonalgesezen in dieser Materie. Die

Einbürgerung ist fogleich eine vollständige. Art. 4 schreibt nämlieh vor.

dass vom Momente der Einbürgerung an ^ie Eingebürgerten alle Rechte genießen, die mit der Eigenschaft eines Bürgers der Gemeinde, welcher sie ^.getheilt worden, verbunden sind, und ^war auf dem gleichen Fusse,

wie die andern Gemeindsbürger. Einzig sind die in Art. 3 des Bundesgesezes gestatteten Ausnahmen beibehalten. Diese drei Klassen, Männer über 60 Jahre, ^ranen über 50 Jahre alt und die Kriminalisirten, zählen 298 Jndividuen, das Gesez verpflichtet aber den .^taat, sie im Rothfalle zu u..terstüzen.

Diejenigen Heimatlosen , welche genügendes Verlogen besten , worüber der Staatsrath entscheidet, konnen nach Verl.^ltniss ihres Ver.

mogens zur Bezahlung der ganzen oder eines theiles der Einkaussumu^e in eine Gemeinde angehalten werden. Der ^taatsrath bestimmt naeh Würdigung aller Verhaltnisse für jeden einzelnen ^all die zu bezahlende ^umme. Gegen dieses Dekret steht den Beteiligten inner einer Vräklustvsrist der Rel.urs an den Grossen Rath offen.

Aus den^ srühern Berichten ist bekannt, dass die Position jedes einzelnen Jndividunms, das Vermogen derselben und der Gemeinden dur^.h eine Kommission festgestellt wurde.

Gestuft aus diese klare und solide Basis wird eine neue Kommission von 12 Mitgliedern ^.- eines von jedem der sechs Be^rke durch Repr.^

107 sentanten der Gemeinden des Bezirkes und die sechs andern durch den Staatsrath, auch je eines aus jedem Bezirke, gewählt und prasid.rt durch den .Direktor des Jnnern .--. alle einzubürgernden Jndividnen in vier Klassen theilen, und dann nach bestimmten, im Geseze speziell ausgestellten Regeln die Vertheilung aus die Gemeinden vornehmen. Sodann wird jeder Gemeinde eine Liste der ihr zugetheilten Individuen mitgetheilt.

Von diesem Momente an haben die Gemeinden 60 Tage Frist, nm von den Akten Einsicht zu nehmen und allsällige Reklamationen anzubringen.

Dann tritt jene Kommission abermals zusammen und entscheidet endgültig.

. Damit ist die Einbürgerung vollendet, und jedes Jndividuum erhält vom Staatsrathe einen Einbürgerungsakt, und die Gemeinden haben ihre neuen Bürger in die Bürgerverzeichnisse einzutragen.

Als

es sich um die Einbürgerung der Unehelichen handelte,

wurde

durch das Gesez von 1859 ihre uuentgeldliche Einbürgerung durch die Gemeinden vorgeschrieben, aber damals s.hon (Art.

4) im Bringe fest-

gestellt, dass sie dann bei Einbürgerung der Heimatlosen entschädigt werden sollen.

Dieser Bflicht des Staates wird nun durch das neue

Gesez in der Weise genügt, daß er statt der jährlich auf zirka Fr. 10,000

ansteigenden Armenunterstü^ung an diese Leute eine Summe von Fr. 200^000 zur Errichtung einer oder mehrerer Wohlthätigkeitsanstalten ausseht, was nach den bestehenden Verhältnissen mehr im Jnteresse der 75 Gemeinden zu liegen schien , als jene Summe aus sie zu vertheilen. Mit dieser Summe werden noch diejenigen Summen verschmolzen, welche die vermogliehen Heimatlosen für ihre Einbürgerung zu bezahlen haben. Ebenso diejenigen Summen, welche s. Z. einzelne Jndividnen für ihre ....aturalisation oder Toleranz deponiren mussten. Diesen leztern ist übrigens eine

Frist bis 25. März 1863 eingeräumt, damit sie mit ihren deponierten

Summen ein Gemeindebürgerreeht nach ihrer Wahl ankansen. Geschieht dieses nicht, so wird über die Depositen in angegebener Weise verfügt.

Die Vollziehung dieses Gesezes hat laut Berieht des Staatsrathes vom 23. Januar 1863 bereits begonnen.

Die Wahl der Kommission war im Gange und sie sollte im Lause des Monats ^ebruar zusammentreten.

Unter diesen Umständen ist der ...^taatsrath zu der .^osfnung berechtigt, dass im Lause des Jahres 1863 das Wort ,,heimatlos^ aus dem neuenburgischen Diktionär werde ausgestrichen werden.

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Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1862.

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1863

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2

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15

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02.04.1863

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25-107

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