756

ST

B

e

r

i

ch

t

des

schweiz. Konsulates in Messina über das Jahr

1862.

Vom 16. Januar 1863.)

Tit..

Die bereits in meinem letzten Bericht angeführten Schwierigkeiten, welche einer Umgestaltung der verschiedenen Verwaltungszweige im Allgemeinen und der ans den Handel sich näher beziehenden insbesondere eutgegenstehen, haben seither fortbestanden und u..urde dureh sie der HandeisAufschwung , den man sich für hiesige. Stadt unter einer freisinnigen Regierung versprechen durste und noch darf, auch ferner gehemmt. Jmmerhin hat sich der Hafenverkehr, über welchen mir zwar genaue Angaben abgehen, merklich gehoben, wie selbst einem oberflächlichen Beobachter nicht entgehen wird. Die Anzahl der Dampffehiffe mit regelmässigen Fahrten hat noch zugenommen. seitdem die Verwaltung des kaiserlieh franzosischen Postschiffdienstes die hauptablage sur das Mittelmeer von Malta nach Messina verlegt hat. Dem Handel diese:. Stadt kann dies nur forderlich sein und wenn die Folgen noch nicht so sichtbar hervortreten, so muss der Grund hievon in der ini .Allgemeinen wenig günstigen Lage des Handels gesucht werden. Der Krieg in Amerika lastete miltel- und unmittelbar aus dem Handel dieser Gegenden ; wenn aber einmal dieser Druck aushort und die beschlossenen Eisenbahnen in Sizilien und Kalabrien ausgeführt sind, so wird dieser herrliche Hasen seine grossen Vorzüge sü.: Handel und Schiffahrt ohne Zweisel geltend zu machen wissen.

. Jn meinem vorjährigen Berichte äusserte ich die Ansicht, die Regieruug dürste früher oder später die Freihafenvorrechte der Stadt ausheben.

Wirklich ist das Gesetz, welches dieselben nur bis zum 31. Dez. 1865

fortbestehen lässt, bereits

kundgemacht und von der Abgeordnetenkammer

vorläufig genehmigt worden. Auch die endgültige Genehmigung dieser

Verfügung , welche ebenso die Rechtsame von .Livorno und Aneona aufhebt, ist nicht zn bezweifeln. Dagegen bleibt die Riederlagssreiheit aufrecht , auch hat die Regierung die Erstellung geeigneter Docks für die

757 neue Einrichtung in den drei , bisher lm Genusse der Freihasenvorrechte stehenden Städten , znr Mitbewerbung aussehreiben lassen. Jch glaube, dass die neue Anordnung dem Handel dieser Stadt forderlich sein wird, ^a sie ein unnatürliches Verhältniss beseitigt, das sieh notwendig aus dem Freihafe..gesetze von 1852 entwickeln musste, indem dasselbe das Hasenvorrecht wie den Innenhandel stülpen wollte , wobei denn eben die gleichzeitige Rücksicht auf so widerstrebende Grundsätze eine Menge Henun^ nisse hervorrufen musste. Jm Juli 1862 hatte die Regierung ein neues Gesetz über den Freihafen von Messina erlassen, welches aber, wiewol es sieh etwas mehr dem ^reis^stem zuneigt und den Küstenhandel entsprechend einschränkt, doeh dem Handelsstand nicht genügen konnte. Wenn derselbe

sich das Gesetz gefallen lasst, so geschieht es nnr im sichern Hinblick darauf, dass der 1. Januar 1866 allen diesen zweideutigen Bestimmungen ein Ziel setzen und eine klare Lage herbeiführen wird, die ihm eine freie Bewegung gestattet.

Eine Mitursache der gedrückten Handelslage liegt auch im Missrathen einiger Hanpterzeugnisse.

Der ...^ e i d e n ertrag fehlte im südliehen Jtalien fast ganz, indem die Krankheit des Seidenwnrmes noeh mit grosserer Heftigkeit auftrat, als in frühern Jahren.

Die Gelernte war verschwindend gering. An G e t r e i d e gewann man keineu mittleren Ertrag und wenn die Lebensmittelpreise sich aus einem massigen Ansatze halten , so verdankt man dies lediglich den fortwährenden Anfuhren aus^der Levante, welche die Ausschlagstenden^en der reichen Grundbesitzer vereiteln. Von den Hanpter^.ugnissen ist nur der W e i n gut geratheu , dank der allgemein und reichlich angewendeten ^ehwefelnng. Die B a u m w o l l e fiel im V.rhältn.ss zur Aussaat befriedigen.^ ans; man sehätzt die Ausbeute auf's Dreifache der vorjährigen.

Ohne Zweifel werden die jetzigen Vreise dieses Artikels viele Grundbesitzer veranlassen, denselben vorzugsweise vor jedem andern Erzeuguiss anzubauen und die Vflege dieser Wollsorte durfte einen ganz andern Massstab, als in den letzten Jahren annehmen. Die Regierung liess Versuche mit amerikanischer und Sea-Jsland-Baum.volle anstellen, welche sämmtli.h günstig ausfielen.

Die B a u m w o l l i n d u st r i e sah sieh sur den Augenblick genothigt, die Vroduktion beinahe ganz einzustellen. Die Käuser liessen sich Preise, welche mit den Kosten des Rohstosses irgendwie Schritt hielten, nicht gefallen, u..d sie hatten hierin bis jetzt . mit Rucksi.ht auf die zur Zeit des bedeutenden Aufschlags vorhandenen, allerdings noch beträchtliehen Vorrath.., ni^t Unrecht; aber in dem Masse, wie die Vorrathe erschopst werden , nimmt l^ie Fabrikation die Arbeit nieder ans , .oie^ohl aller Wahrscheinlichkeit nach die Vroduktiou uoch auf lang^. Zeit hinaus uicht mehr so reiehlieh wie früher sein wird. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass viele G^.^rbe von der Banm.^olle ^nm ^.hs üb^rgeh^n werden,

758 dessen Anbau in Sieilien sehr an Ausdehnung gewonnen hat. Die Einfuhr von Geweben im Allgemeinen und von baumwollenen im Besondern hat im Jahre 1862 sehr abgenommen. Bei einem gewohnliehen Verbrauch, wie er ans eine gute Ernte zu folgen pflegt, wären die Vorräthe an Baumwollwaaren bereits gänzlich erschöpft. Das Bedürsniss wird die Konsumenten wol bald nöthigen, sieh den gegenwärtigen Breisen zu fügen.

Der Handel mit U h r e n und S c h m u c k w a a r e n liess sieh unter dem Drucke der oben berührten Vernmständnngen nur flau an. Jndessen sehen wir doch neue Geschäfte nnserer Landsleute entstehen und unterliegt es keinem Zweifel, dass ein vorgeschritteneres Verkehrsleben und das Vertrauterwerden mit den norditalischen Verhältnissen den Absatz jener Artikel nach den hiesigen Gegenden merklich heben wird.

ST

B

e

r

i

ch

t

des

schweiz. Konsulates in Priest über das Jahr

1862.

(Vom 19. Januar 1863.)

Au den h o h e n Bundesrath.

Tit. l Ju Folge des aus allen Handlungen ersichtlichen und bei jedem Anlasse ausgesprochenen sesteu unabänderlichen Entschlusses S. M. des Kaisers, aus der betretenen eonstitnlionellen Bahn zu l.eharren, sowie der

erspriesslichen Thätigkeit des Reichsraths, welcher sich durch Mässigung, und, in Berücksichtigung der Reuheit dieser Justitntion, durch erstaunliehe Gewandtheit auszeichnete, hat seit einigen Wochen die Meinung die Oberhand gewonnen, dass die materiellen Verhältnisse Oesterreichs sieh wesentlieh gebessert haben, und ein ersreulieher Anssehwung in allen ostexreiehischen Staatspapieren und eine ansehnliche Besserung der Valuta hat stattgefunden. Es beweist dieses einen glücklichen Umschwung der öffentlichen

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht des schweiz. Konsulates in Messina über das Jahr 1862. (Vom 16. Januar 1863.)

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1863

Année Anno Band

2

Volume Volume Heft

27

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

27.06.1863

Date Data Seite

756-758

Page Pagina Ref. No

10 004 094

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv digitalisiert.

Le document a été digitalisé par les. Archives Fédérales Suisses.

Il documento è stato digitalizzato dell'Archivio federale svizzero.