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Botschaft über die Beschaffung von Kampf- und Schulflugzeugen vom 12. November 1980

Sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, Wir unterbreiten Ihnen eine Botschaft und den Entwurf zu einem Bundesbeschluss über die Beschaffung von Kampf- und Schulflugzeugen mit dem Antrag auf Zustimmung, Wir versichern Sie, sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, unserer vorzüglichen Hochachtung.

12. November 1980

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Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Chevallaz Der Bundeskanzler: Huber

1980-807

Übersicht und Zusammenfassung der Beschaffungsanträge Die Beschaffungen, denen Sie mit den Rüstungsprogrammen 1974 und 1975, der Botschaft über die Beschaffung von Kampfflugzeugen Tiger und den Rüstungsprogrammen 1977, 1978 und 1979 zugestimmt haben, werden zurzeit abgewickelt. Mit dem Rüstungsprogramm 1980 und der vorliegenden Botschaft, einer Flugzeugvorlage, setzen wir die Anstrengungen für die Anpassung unserer Armee an die Erfordernisse der modernen Kriegführung fort.

Es wird folgendes Material zur Beschaffung

beantragt: Mio. Fr.

38 Kampfflugzeuge vom Typ Tiger (zweite Serie) 40 Turboprop-Schulflugzeuge vom Typ Pilatus PC-7

770 110

Total

880

Ihren vorberatenden Kommissionen werden vom Eidgenössischen Militärdepartement zusätzliche Angaben zur Verfügung gestellt, die sich wegen militärischem oder kommerziellem Geheimhaltungsinteresse, oder weil sie zu fachtechnisch sind, nicht für die Veröffentlichung eignen.

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Botschaft I II

Allgemeines Verwirklichung des Armee-Leitbildes 80

In unserem Bericht vom 29. September 1975 an die Bundesversammlung über das Leitbild der militärischen Landesverteidigung in den achtziger Jahren (Armee-Leitbild 80) (BB1 7975 II 1706) haben wir der Erwartung Ausdruck gegeben, dass die entscheidenden Vorhaben bis Mitte der achtziger Jahre verwirklicht werden können. Dabei setzten wir für die Erneuerungs- und Ausbauvorhaben im Rüstungs- bzw. Baubereich unserer Armee folgende Schwergewichte: - Panzerabwehr (Vermehrung und Leistungssteigerung der Panzerabwehrwaffen, Modernisierung von Panzern) ; - Luftverteidigung (Raumschutz-Flugzeuge und Modernisierung der Fliegerabwehrmittel) ; - Elektronische Kriegführung und Aufklärung; - Ausbildung (Erweiterung und Verbesserung bestehender und Bau neuer Schiess-, Waffen- und Übungsplätze, Simulatoren komplexer Waffensysteme und Ausbildungshilfen); - Schutz der Truppe (einschl. individuelle Ausrüstung und Schutzbauten sowie Mittel für die Geländeverstärkung).

Neben diesen vorrangigen Vorhaben ergeben sich aus der Konzeption und Struktur der Armee der achtziger Jahre zusätzliche, kostenmässig ins Gewicht fallende Ausbaubedürfnisse: - Automatisierung der Feuerleitung der Artillerie; - Mittel zur Verbesserung der Nachtkampftauglichkeit; - Bauten (Kampfbauten und logistische Bauten einschl. Sanitätsanlagen).

Im Rahmen der schrittweisen Verwirklichung des Armee-Leitbildes 80 konnte bisher eine Reihe wichtiger Vorhaben realisiert oder eingeleitet werden. Die in den letzten Jahren nicht mit den Bedürfnissen gewachsenen Finanzmittel zwangen allerdings bereits zu einer gewissen Verlangsamung des ursprünglich geplanten Beschaffungsrhythmus.

Als Folge der unerfreulichen Lage der Bundesfmanzen war es nicht möglich, allen angemeldeten Rüstungsbedürfnissen vollumfänglich Rechnung zu tragen.

Dies bedingt Abstriche auf jenen Gebieten, welchen bei der Beurteilung des Dissuasions- und Kampfwertes kein absoluter Vorrang zukommt.

Demgemäss sollen in dieser Legislaturperiode die verfügbaren Mittel vorrangig dafür eingesetzt werden, die materiellen Vorhaben im Bereich der Luftverteidigung und der Panzerabwehr möglichst vollständig zu verwirklichen. Es sind dies zur Hauptsache: - Verbesserung der Fliegerabwehr zugunsten der Mechanisierten Verbände (Fliegerabwehr-Lenkwaffensystem Rapier) ; - Verbesserung der Feuerleitung bei der Mittelkaliber-Fliegerabwehr (Nachbeschaffung von Feuerleitgeräten 75 Skyguard); - Kampfwertsteigerung der Flugwaffe durch Ersatz überalterter Kampfflugzeuge (Nachbeschaffung Tiger) ; 192

-- Einführung der Panzerabwehrlenkwaffen Dragon bei der Landwehr-Infanterie;

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Verstärkung der Luftkriegsmittel und der Panzerabwehr

Im Rahmen der dargelegten Zielsetzung haben wir Ihnen mit dem Rüstungsprogramm 1980 die Beschaffung des Fliegerabwehr-Lenkwaffensystems Rapier sowie die Nachbeschaffung von Feuerleitgeräten 75 (Skyguard) beantragt. Um die tragenden Pfeiler des Armee-Leitbildes 80, nämlich die Verstärkung des Panzerabwehrvermögens und der Luftverteidigungsmittel, in einem ausreichenden Masse zu verwirklichen, sollen im Jahre 1981 die noch nicht erfüllten Vorhaben hoher Dringlichkeit in Rüstungsbotschaften aufgenommen werden. Mit dem Ersatz der drei restlichen Venom-Staffeln durch Tiger-Flugzeuge und der Ablösung überalterter Schulflugzeuge werden die Mittel unserer Fliegertruppe auf den mit dem Armee-Leitbild 80 angestrebten Stand gebracht. Der dringend notwendigen Steigerung unserer Panzerabwehrkraft dient die Beschaffung leistungsfähigerer Munition (Pfeilgeschoss) für die 10,5-cm-Kanone unserer Panzer und jene der Panzerabwehrlenkwaffe Dragon für die Landwehr-Infanterie.

Das übliche Verfahren, die im gleichen Jahr einzuleitenden Rüstungsvorhaben dem Parlament in einem einzigen Paket vorzulegen, kann 1981 nicht eingehalten werden. Neben der vorliegenden Botschaft werden wir Ihnen die Einleitung der beiden Vorhaben zur Verstärkung der Panzerabwehr mit einem Verpflichtungskredit von rund 550 Millionen Franken zu einem späteren Zeitpunkt vorschlagen. Für die Zweiteilung des Programms sind die nachstehend aufgeführten Gründe massgebend: - Eine Verzögerung der Beschaffung von zusätzlichen Tiger-Flugzeugen zur Vermeidung der erwähnten Zweiteilung lässt sich aufgrund der daraus resultierenden Mehrkosten und Verzögerungen in der Auslieferung nicht vertreten.

Für die dritte, der Landwehr-Infanterie zukommende Tranche ist vorgesehen, auch die Lenkwaffen im Inland herzustellen. Für dieses Vorgehen sprechen : - der bis in die neunziger Jahre wiederkehrende Bedarf an Übungslenkwaffen, - die von uns angestrebte Autonomie auf dem Munitionssektor, - der mit der Lizenzproduktion verbundene Transfer von Know-how und die daraus resultierenden Aufträge an die Schweizer Industrie.

Beschaffungsvorbereitungen für eine Lizenzproduktion beanspruchen mehr Zeit als ein reiner Kauf; in diesem besonderen Fall vor allem wegen den langwierigen Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung über die Ab193

tretung der Rechte sowie den umfangreichen technischen, industriellen und finanziellen Abklärungen und Verhandlungen für die Lizenzproduktion. Es war deshalb nicht möglich, dieses Vorhaben in die vorliegende Rüstungsbotschaft aufzunehmen. Wir werden prüfen, ob allenfalls durch ein Vorengagement die Auslieferung der für die Kriegsbereitschaft wichtigen Zielgeräte beschleunigt werden könnte, so dass die Nichtberücksichtigung der Dragon-Beschaffung in der vorliegenden Rüstungsvorlage diesbezüglich keine negativen Folgen hätte, Die Pfeil-Munition für die 10,5-cm-Panzerkanone wurde im Herbst 1980 teilweise aus Vorseriefabrikation - für die Erprobung in der Schweiz erhältlich. Nach Abschluss der technischen Erprobung und der Truppen versuche sollten die Entscheidungsgrundlagen für die Typenwahl und die Beschaffung Ende März 1981 vorliegen. Eine Aufnahme in die vorliegende Rüstungsvorlage musste deshalb ausgeschlossen werden.

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Wirtschaftspolitische Aspekte dieser Rüstungsvorlage

Bei der Beschaffung unseres Armeematerials entstehen zuweilen insofern Zielkonflikte, als die Erfüllung der Rüstungsbedürfnisse mit den Beschäftigungserwartungen der Inlandwirtschaft nicht dauernd und auf allen Gebieten in Einklang zu bringen ist. Der Grund hiefür liegt einerseits im sporadisch anfallenden Bedarf, anderseits aber auch in der Erkenntnis, dass ein Kleinstaat nur auf Teilgebieten mit der modernen Rüstungstechnik Schritt zu halten vermag. Wir verfolgen deshalb ein Konzept der Erhaltung gewisser militärischer Produktionsbereiche, innerhalb derer im Hinblick auf den langfristigen Bedarf und eine angemessene Kapazität eine kontinuierliche Entwicklungs- und Herstellungstätigkeit angestrebt wird und auch erreicht werden kann. Ausserhalb dieser Teilbereiche hingegen wird weiterhin im Ausland beschafft werden müssen. Bei namhaften Auslandbeschaffungen wird jeweils die Möglichkeit einer Beteiligung der Schweizer Industrie abgeklärt.

Einern inländischen Rüstungsteilbereich ist das in dieser Vorlage enthaltene Schulflugzeug Pilatus PC-7 zuzuordnen. Es wurde in der Schweiz entwickelt und wird daselbst - unter teilweiser Verwendung ausländischer Komponenten auch hergestellt. Es handelt sich um eine Entwicklung auf der Grundlage unseres Schulflugzeuges Pilatus P-3.

Beim amerikanischen Kampfflugzeug Tiger konnte die direkte Beteiligung der Schweizer Industrie gegenüber der Erstbeschaffung erweitert werden. In Ergänzung dazu wurden neue Kompensationsvereinbarungen abgeschlossen.

Vom beantragten Gesamtkredit für die vorliegende Flugzeugvorlage von 880 Millionen Franken werden unter Berücksichtigung der Kompensationsvereinbarungen rund 35 Prozent im Inland beschäftigungswirksam. Bei den beiden Beschaffungsvorhaben stellt sich der Inlandanteil wie folgt: - Kampfflugzeuge Tiger rund 32 Prozent, -, Schulflugzeuge Pilatus PC-7 rund 55 Prozent.

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2 21

Beschaffungsvorhaben Kampfflugzeuge vom Typ Tiger (2. Serie)

211 211.1

Militärische Aspekte Militärische Begründung

Mit Bündesbeschluss vom 16. März 1976 über die Beschaffung von Kampfflugzeugen haben Sie der Beschaffung der ersten Serie von 72 Kampfflugzeugen vom Typ Tiger zugestimmt. Die Gründe, die zur Wahl dieses Flugzeuges führten, haben wir Ihnen in unserer Botschaft vom 27. August 1975 Über die Beschaffung von Kampfflugzeugen (BB1 1975II 881) dargelegt. Die Flugzeuge der ersten Serie reichen aus, um die geforderte Bekämpfung bzw. Bindung einer grösseren Zahl gleichzeitig und im gleichen Raum angreifender Flugzeuge in täglich wiederholten Aktionen von längerer Dauer zu gewährleisten. Damit kann ein wirkungsvoller Raumschutz für die Aktionen eines Armeekorps oder der Schutz von Einsätzen grösserer Verbände eigener Erdkampfflugzeuge, allenfalls zusammen mit dem Raumschutz für ein Armeekorps, gewährleistet werden.

Mit unserer Botschaft vom 7. Mai 1980 (BB1 1980 II 563) über die Beschaffung von Kriegsmaterial haben wir Ihnen u. a. die Beschaffung des FliegerabwehrLenkwaffensystems Rapier beantragt. Damit kann die terrestrische Komponente des Schutzes von Erdtruppen vor feindlichen Fliegerangriffen verwirklicht werden.

Eine Analyse der Bedrohung zeigt, dass bei ausländischen Streitkräften seit 1975 in grosser Zahl neue Flugzeuge eingeführt wurden, die bezüglich ihrer Reichweite und Kampfzuladung erlauben, von ihren heutigen Friedensstandorten aus in unserem Lande eingesetzt zu werden. Es ist somit ab Beginn eines Konfliktes mit einer Bedrohung unserer Infrastruktur, unserer Mobilmachung und der Erstellung der Kampfbereitschaft unserer Erdarmee zu rechnen. Zur Abwehr einer solchen weiträumigen Bedrohung, deren Ziele nicht im voraus erkannt werden können, eignen sich dank ihrer Beweglichkeit vor allem Flugzeuge.

Zudem hat die Anzahl Schutz beanspruchender Mechanisierter Verbände unserer Feldarmee in den letzten Jahren weiterhin zugenommen, so u. a. durch die Umstrukturierung der Panzerformationen und die zusätzliche Eingliederung von Panzerhaubitzverbänden.

Zusätzliche Raumschutzmittel sind somit vor allem erforderlich für den erweiterten Schutz - der Infrastruktur zu Beginn eines Konfliktes im Ausland, - der Mobilmachung, - des Aufmarsches, - der Erstellung der Kampfbereitschaft und des Einsatzes mechanisierter Truppen.

Diese zusätzlichen Aufgaben können nicht allein von den Tiger der ersten Serie übernommen werden, da infolge der bei der Erfüllung dieser Aufgaben zu erwartenden Verluste die ihnen zugedachte Hauptaufgabe - der Schutz von Aktionen eines Armeekorps und der eigenen Erdkampfflugzeuge - nicht mehr gewährleistet werden könnte.

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Neben dieser notwendigen Steigerung unseres Abwehrpotentials geht es nicht zuletzt auch darum, im Sinne einer Erhöhung der Dissuasionswirkung unserer Flugwaffe die drei noch vorhandenen veralteten Venom-Staffeln zu ersetzen.

Die in der Zwischenzeit laufend durchgeführte Beurteilung des internationalen Flugzeugmarktes hat bestätigt, dass - bei gleichbleibender Aufgabenstellung auch heute kein anderes, kosten- und leistungsmässig vergleichbares Flugzeug als Konkurrenzprodukt vorhanden ist. Wohl ist seit der letzten Evaluation eine Reihe neuer Kampfflugzeuge serienreif geworden und wird zum Teil bereits abgeliefert. Diese zählen jedoch überwiegend zur Kategorie der polyvalenten Hochleistungsflugzeuge und sind entsprechend teurer im Ankauf und aufwendiger im Betrieb. Mit den vorgesehenen finanziellen Mitteln könnte von diesen Kampfflugzeugen nur eine kleine Flotte beschafft werden, welche die ihr zugedachte Aufgabe nicht mehr zu erfüllen vermöchte. Zudem würde der Aufwand für Betrieb und Unterhalt unverhältnismässig gross. Echte Alternativlösungen zum Tiger liegen heute nicht vor.

Die zahlenmässige Vergrösserung der Tiger-Flotte, unter Eliminierung des Flugzeugtyps Venom, führt zu folgenden Vorteilen: - höhere Einsatzflexibilität der Flugwaffe, - Mitbenützung bereits vorhandener Einrichtungen für den Unterhalt, - Vereinfachung der Ausbildung von Piloten und Bodenpersonal.

Wir kommen deshalb zum Schluss, dass eine Beschaffung weiterer Tiger-Flugzeuge notwendig ist und in jeder Beziehung eine zweckmässige Lösung darstellt.

211.2

Erfahrungen der Truppe mit dem Tiger und seine Eignung

Seit Oktober 1978 werden vom Eidgenössischen Flugzeugwerk Emmen TigerFlugzeuge laufend und termingerecht ausgeliefert. Im Einführungsprogramm der Truppe konnten bis Ende 1980 programmgemäss folgende Ziele erreicht werden: - Zwei Fliegerstaffeln des Überwachungsgeschwaders sind technisch und taktisch auf Tiger umgeschult und einsatzbereit.

Bis Mitte 1980 wurden bereits einige tausend Stunden geflogen.

Die mit dem Tiger-Flugzeug bei der Truppe gemachten Erfahrungen sind positiv.

Im fliegerischen Bereich hat sich bestätigt, dass der Tiger-Pilot durch einfache Flugzeugbedienung und das «gutmütige» Verhalten des Flugzeuges in allen Lagen seine Aufmerksamkeit nahezu lückenlos auf den Kampfablauf ausrichten kann. Das rasche Erreichen der vollen Kampfbereitschaft ist nicht zuletzt durch den Einsatz der sechs beschafften Kampfzweisitzer F-5F ermöglicht worden.

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Auch die Wartungs- und Unterhaltsfreundlichkeit des Flugzeuges sowohl bei der Truppe als auch beim Bundesamt für Militärflugplätze entspricht den Erwartungen.

Es hat sich somit gezeigt, dass unsere Miliztruppe den Anforderungen des Tiger gewachsen ist. Seine Truppentauglichkeit hat sich bestätigt.

211.3

Hilfen für die Pilotenausbildung

Mit der ersten Tiger-Serie wurden zwei Radar-Trainingssimulatoren beschafft, welche eine kostengünstige Pilotengrundausbildung in der Bedienung des Bordradars und der Navigationsanlage erlauben. Die Resultate im Einsatz dieser Simulatoren sind durchweg positiv. Sie vermögen auch die Bedürfnisse kommender Umschulungen auf den Tiger zu decken.

In einer laufenden Studie über die Grundausbildung von Pilotenanwärtern der Flugwaffe wird geprüft, inwieweit eigentliche Flugzeugsimulatoren kostengünstig eingesetzt werden können.

211.4

Eingliederung bei der Truppe

Die Tiger-Flugzeuge der zweiten Serie sollen die Flugzeuge der drei VenomStaffeln ersetzen.

Die Umschulung der Piloten und der Flieger-Bodentruppe wird im heutigen bewährten Rahmen erfolgen. Da vermehrt Milizpiloten umzuschulen sind, wird aufgrund der sehr guten Erfahrungen in den bisherigen Umschulungskursen die Beschaffung von weiteren sechs Kampfzweisitzer-Flugzeugen Tiger F-5F beantragt.

212

Technische Aspekte

212.1

Beschreibung des Flugzeuges

Die Flugzeuge F-5E bzw. F-SF Tiger wurden von der Northrop Corporation, Aircraft Division in Hawthome, Kalifornien (USA) entwickelt.

Der F-5E ist ein einsitziges, für den Luftkampf optimiertes Überschallflugzeug.

Die Auslegung ist konventionell, mit langgestrecktem Rumpf, kurzem, schwach gepfeiltem Trapezflügel, mit vollbeweglichen Höhenrudern und einfachem Seitenleitwerk (siehe nachfolgende Abbildungen). Zwei Triebwerke vom Typ J85-21 der General Electric Company, Aircraft Engine Group in Lynn, Massachusetts (USA), bieten mit je 22250 N (2270 kp) Standschub ein günstiges Verhältnis zwischen Triebwerkschub und Flugzeuggewicht. Sie zeichnen sich durch eine hohe Beschleunigung sowie eine rasche Reaktionsfähigkeit aus. Zusammen mit einem wirkungsvollen Klappensystem am Flügel gewährleisten sie dem Tiger eine ausgezeichnete Manövrier- und Kurvenfähigkeit sowie gute Start- und Landeeigenschaften.

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Die kleine Silhouette und die spezielle Tambemalung bringen besonders unter schweizerischen Verhältnissen weitere Vorteile im Luftkampf, weil sie die Sichtung für den gegnerischen Piloten wesentlich erschweren.

Zur Erfüllung seiner Hauptaufgabe - den Einsatz als Raumscbutzjäger - verfügt der Tiger F-5E über mit Infrarot-Suchkopf ausgerüstete Luft-Luft-Lenkwaffen vom Typ Sidewinder an den Flügelenden sowie zwei im Rumpf eingebaute 20mm-Kanonen. Diese Kanonenanlage zeichnet sich durch ihre hohe Schusskadenz und die grosse Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses aus. Die damit erreichte gestreckte Geschossflugbahn und dichte Garbe im Ziel gewährleisten eine hohe Präzision und Wirkung gegen alle Luftziele.

Die Verweilzeit im Kampfraum kann durch das Mitführen eines abwerfbaren, zentral unter dem Rumpf angebrachten Zusatztreibstoffbehälters verlängert werden.

Vier weitere Flügelunterstationen erlauben das Mitführen von zusätzlicher Bewaffnung oder zwei weiteren Treibstoffbehältern. Damit wäre in späteren Jahren eine Umrüstung des Tiger für andere Aufgaben, z. B. für den Erdkampf, mit vertretbarem Aufwand möglich.

Die Avionik des Tiger entspricht seiner Einsatzaufgabe als Raumschutzjäger.

Ein modernes, leistungsfähiges Feuerleitsystem ermöglicht das Suchen und Bekämpfen von Luftzielen. Das Bordradar erlaubt die optimale Ausnützung der Einsatzmöglichkeiten der Waffen, insbesondere auch gegen tieffliegende Ziele, und das rechnergesteuerte Zielgerät moderner Konstruktion liefert einen wesentlichen Beitrag zum Kampfwert dieses Flugzeuges.

Das genaue und flexible Inertial-Navigationssystem erlaubt autonome Blindflüge im Hin- und Rückflug und sichere Eintrüge, auch unter schlechten Wetterbedingungen, in den Landeradarbereich unserer Flugplätze im Alpenraum.

Der Waffeneinsatz - bedingt durch die Art der Bewaffnung - erfolgt im Normalfall unter Sichtbedingungen, also ausserhalb der Wolken. Das Waffensystem erlaubt jedoch einen Einsatz der Luft-Luft-Lenkwaffen auch nachts, sofern der Pilot das gegnerische Flugzeug mit seinem Bordradar verfolgen und mit der Infrarot-Lenkwaffe erfassen kann. Beim Kanoneneinsatz ist jedoch ein visueller Kontakt Voraussetzung.

Der F-5F ist die Zweisitzer-Version des F-5E. Seine Flug- und Manövrierlei, stungen sind praktisch gleich wie jene des Einsitzers. Er stellt eine wertvolle Ausbildungshilfe dar und kann im Kriegsfall als vollwertiger Kampfjäger eingesetzt werden. Mit der Ausnahme, dass er nur über eine Kanone verfügt, entsprechen seine Bewaffnung und Avionik dem Einsitzer. Die beiden Piloten sitzen hintereinander in Tandemanordnung. Im Gegensatz zum Einsitzer verfügt der Zweisitzer über ein Flüssigsauerstoff-System, wodurch er zwar nicht ab Kavernen, jedoch aus oberirdischen Unterständen eingesetzt werden kann.

212.2

Erfahrungen mit der ersten Tiger-Serie aus technischer Sicht

Die vom Hersteller angegebenen Leistungsdaten wurden in der Praxis bestätigt oder zum Teil sogar übertroffen. Einzig die speziell für die Schweiz entwickelte 199

Antiblockier-Vorrichtung der Radbremsen erbrachte auf nassen Pisten anfangs noch nicht die geforderte Leistung. Nach Modifikationen sowie gründlichen Versuchen in den Vereinigten Staaten und in der Schweiz konnte die verbesserte Ausführung für die erste Serie freigegeben werden. Mit dieser modifizierten Antiblockier-Vorrichtung werden auch die Tiger der zweiten Serie ausgerüstet.

Im praktischen Betrieb sind bisher mit dem Tiger im Vergleich zu anderen Flugzeugtypen wenig technische Schwierigkeiten aufgetreten.

Die technisch ausgereifte Konstruktion und die grosse Flugerfahrung, welche weltweit mit diesem Flugzeug vorhanden ist, lassen aus heutiger Sicht auch für eine zweite Serie keine ins Gewicht fallenden Probleme erwarten.

212.3

Besonderheiten der zweiten Serie

Grundsätzlich werden die Tiger der zweiten Serie die gleiche Konfiguration aufweisen wie jene der ersten Serie. Die bei der Erstbeschaffung vorgenommenen technischen Anpassungen an unsere Verhältnisse müssen wiederum berücksichtigt werden. Diese umfassen die folgenden Punkte: - verstärkte Aufhängebeschläge der Einsitzerflugzeuge für den Kavernenbetrieb, - Ersatz des flüssigen durch gasförmigen Sauerstoff bei den Einsitzern, - Ausrüstung der Flugzeuge mit einem zweiten Funkgerät und einem Zusatzgerät zum Freund-Feind-Erkennungssystem, - Antiblockier-Vorrichtung zu den Radbremsen, - metrische Skalen für zwei Bordinstrumente (Höhenmesser und Variometer), - Registriergerät zur Überwachung der Zellenbeanspruchungen, - Notpaketinhalt des Schleudersitzes, angepasst an die Verhältnisse eines Absprungs in unserem Hochgebirge.

Unterschiede zur ersten Serie betreffen die Funkausrüstung, die Bedienung des Klappensystems am Flügel und die Formgebung der Rumpfspitze und Flügelvorderkante : - Infolge der kürzlich erfolgten internationalen Neuzuteilung der Wellenbereiche und zur Erhöhung der Sicherheit im Funkverkehr wird anstelle von zwei UHF, je ein UHF- und ein VHF-Funkgerät eingebaut.

Diese Änderungen sind bereits auf Tiger-Flugzeugen für andere Kunden realisiert worden und ihre nachträgliche Einführung bei der ersten Tiger-Serie ist in Abklärung.

Die Erprobung derselben ergab in jeder Hinsicht positive Ergebnisse, wodurch die technische Beschaffungsreife auch für die neue Konfiguration ausgesprochen werden konnte.

Die noch verbleibenden Risiken sind gering und überblickbar.

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213

Beschaffungsaspekte

Bei dieser Folgebeschaffung sollen grundsätzlich die gleichen Beschaffungsprinzipien angewendet werden wie bei der laufenden Beschaffung von TigerKampfflugzeugen. Dies gilt sowohl für die organisatorische Durchführung als auch für die vertragliche Abwicklung des Geschäftes. Die Gruppe für Rüstungsdienste wird erneut die Generalunternehmerfunktion für die Gesamtbeschaffung übernehmen.

Die Beteiligung der Schweizer Industrie an der Herstellung dieser Folgeserie soll gegenüber der Erstbeschaffung erweitert werden: - Nebst der Endmontage der Kampfflugzeuge F-5E (Einsitzer) sollen nun auch die Kampfzweisitzer F-SF im Eidgenössischen Flugzeugwerk Emmen endmontiert werden.

Nachdem der direkten Beteiligung aus Kostengründen recht enge Grenzen gesetzt sind, war es angezeigt, der Schweizer Industrie wiederum durch Kompensationsvereinbarungen zusätzliche Auftragsmöglichkeiten zu eröffnen. Als Folge neuer Richtlinien beim amerikanischen Verteidigungsdepartement musste ein etwas anderes Vorgehen gewählt werden als 1975, wobei die Erfahrungen bei der ersten Tiger-Beschaffung berücksichtigt wurden.

Materiell und finanziell wichtigster Bestandteil der beantragten Beschaffung ist wiederum der Abschluss von Kaufverträgen mit der US-Luftwaffe im Rahmen des «Foreign Military Sales» (FMS)-Verfahrens, über welches wir Ihre Militärkommissionen im Zusammenhang mit anderen Rüstungsbeschaffungen (Panzerhaubitzen 74, Panzerabwehrlenkwaffen Dragon, Kampfflugzeuge Tiger 1. Serie) wiederholt orientiert haben.

Schliesslich wird im Rahmen des Projektes eine Anzahl von Direktbeschaffungen, insbesondere von Bodenmaterial, bei in- und ausländischen Privatfirmen, durchgeführt.

213.1

Beschaffungsorganisation

Gemäss Rüstungsablauf obliegt dem Rüstungschef die Verantwortung für die Durchführung der Beschaffung. Im Rüstungsausschuss orientiert er den Generalstabschef und den Kommandanten der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen periodisch über den Stand der Beschaffung.

Bei der Beschaffung eines Kampfflugzeuges handelt es sich um ein Projekt von ausserordentlicher technischer Komplexität, grosser wirtschaftlicher Bedeutung und komplizierter kommerziell-organisatorischer Natur. In Geschäften mit der US-Regierung sind weitgehende Spezialkenntnisse über die äusserst umfangreichen amerikanischen Beschaffungsvorschriften und -verfahren notwendig.

201

Gestützt auf diese Erkenntnis wurde bereits 1973 im Eidgenössischen Militärdepartement eine Projekt-Organisation für die Evaluation des gesuchten Raumschutz-Flugzeuges eingesetzt. Dem Projektoberleiter wurden die Projektleiter der an dieser Beschaffung beteiligten Gruppen und Dienstabteilungen unterstellt. Diese Projektorganisation ist auch heute noch für die Durchführung und Überwachung der laufenden Beschaffung von Kampfflugzeugen Tiger verantwortlich. An regelmässig stattfindenden Sitzungen werden der Projektverlauf in allen Einzelheiten besprochen und die notwendigen Massnahmen zur Lösung aufgetretener Probleme veranlasst.

Die Vorbereitungen zu der nun beantragten Beschaffung von zusätzlichen Kampfflugzeugen vom Typ Tiger wurden von dieser eingespielten Projektorganisation durchgeführt. Sie soll auch für die Abwicklung der beantragten Beschaffung eingesetzt werden.

213.2

Beteiligung der Schweizer Industrie

Wie wir in unserer Botschaft über die Beschaffung von Kampfflugzeugen vom 27. August 1975 (BB1 1975 II 881) ausgeführt haben, musste bei der ersten Beschaffung von Tiger-Kampfflugzeugen nach umfangreichen Abklärungen aus Kostengründen die inländische Beteiligung auf die Wieder- und Endmontage beschränkt werden. Als teilweiser Ersatz für den Verzicht auf eine Teillizenzfabrikation wurde 1975 mit dem US Department of Défense ein Kompensationsabkommen zugunsten der Schweizer Industrie abgeschlossen.

Die Möglichkeit einer schweizerischen Beteiligung wurde erneut geprüft, weil das Kompensationsabkommen für die schweizerische Flugzeugindustrie nicht im gleichen Ausmass positive Ergebnisse gebracht hat, wie z. B. für die Werkzeugmaschinen-Industrie.

Nach gründlicher Abwägung aller Möglichkeiten konnte ein Programm definiert werden, welches der schweizerischen Flugzeugindustrie durch direkte Beteiligung ein Auftragsvolumen von rund 65 Millionen Franken und die Auslastung von rund 130 direkt produktiven Arbeitskräften während etwa zweieinhalb Jahren bringt.

Als Ergänzung dieser direkten Beteiligung an der Herstellung der Schweizer Flugzeuge wurden zugunsten der Schweizer Industrie Kompensationsvereinbarungen mit den Hauptlieferanten Northrop und General Electric abgeschlossen.

Mit dem US Department of Défense wurde ein Nachtrag zum bestehenden Kompensationsabkommen unterzeichnet, welcher der Schweizer Industrie den Zugang zu Aufträgen des amerikanischen Verteidigungsdepartementes erleichtert.

213.21

Endmontage

Die Lehren, Vorrichtungen und technischen Unterlagen sowie das Know-how für die Endmontage der F-5£-Kampfflugzeuge in Emmen sind aus der Erstbeschaffung bereits vorhanden. Es wäre deshalb wenig sinnvoll, für die zweite Serie auf die Endmontage in der Schweiz zu verzichten; dies umsomehr, als die 202

Erfahrungen mit der ersten Serie gezeigt haben, dass durch die Endmontage in der Schweiz der Fliegertruppe ein qualitativ besseres Flugzeug abgegeben werden kann, indem kleinere Mängel an den angelieferten Baugruppen während der Endmontage beseitigt werden können.

Aufgrund der positiven Erfahrungen bei der laufenden Beschaffung soll nun die Endmontage für die zweite Serie auch auf die Kampfzweisitzer F-5F erweitert werden.

In diesem Zusammenhang erinnern wir daran, dass im Falle eines Kaufes die für den Transport aus den USA teilweise zerlegten Flugzeuge in Emmen ohnehin wieder montiert werden müssten. Dies ist mit ein Grund für die Verhältnismassig geringen Mehrkosten von rund 3 Millionen Franken, welche mit der Endmontage der zweiten Serie Flugzeuge verbunden sind.

213.22

Lizenzfabrikation von einzelnen Baugruppen

Die Erkenntnisse der Abklärungen von 1974/75 über eine allfällige Beteiligung am Bau dieses Flugzeuges, welche den Bundesrat veranlassten, auf eine Teillizenzfabrikation in der Schweiz zu verzichten, haben grundsätzlich auch heute noch Gültigkeit. Den unvermeidlichen Mehrkosten und terminlichen Verzögerungen einer Beteiligung müssen entsprechende Vorteile gegenüberstehen, welche den Verzicht auf die raschere und billigere Beschaffung durch Kauf rechtfertigen.

Bezüglich der Mehrkosten, bzw. der Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Flugzeugindustrie, hat sich die Situation seit der ersten Beschaffung - trotz der Entwicklung beim Wechselkurs - aus folgenden Gründen zugunsten der inländischen Industrie etwas verbessert: - starker Teuerungsauftrieb in den USA, - starker Rückgang der Produktionsraten der Tiger-Kampfflugzeuge beim Hersteller, - weltweit guter Auftragsbestand in der Flugzeugindustrie.

Diese Entwicklung erlaubt es, eine Lizenzfabrikation von einzelnen Baugruppen unter Inkaufnahme vertretbarer Mehrkosten von rund 22 Millionen Franken vorzuschlagen.

Bei der Auswahl dieser Baugruppen wurde nicht in erster Linie die Beschäftigungswirksamkeit, sondern militärischer Nutzen und Gewinn von technischem Know-how angestrebt.

Die vorgesehene Lizenzfabrikation bringt der Industrie wertvolles Know-how auf dem Gebiet der Metallwabenverbund-Technologie und der Plexiglas-Verarbeitung. Dieses Know-how ist für die Flugzeugindustrie von grosser Bedeutung; es verbessert ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Flugzeugmarkt unter anderem auch im Zusammenhang mit der Sicherung von Kompensationsaufträgen.

Die für den Unterhalt verantwortliche Stelle, nämlich das Bundesamt für Militärflugplätze, ist an der inländischen Fabrikation gewisser Bauteile interessiert.

Die Gründe hiezu liegen in der Möglichkeit, einerseits Reservematerial in einem 203

für die Truppe optimalen Fertigungszustand zu beschaffen und anderseits den allfällig notwendigen Nachbau solcher Teile auch noch in einem Zeitpunkt zu veranlassen, wenn die Produktion im Ursprungsland bereits eingestellt ist.

213.23

Kompensationsabkommen

Wir benützen einleitend die Gelegenheit, das im Sommer 1975 im Zusammenhang mit der Beschaffung der ersten Serie Tiger zwischen dem Eidgenössischen Militärdepartement und dem amerikanischen Verteidigungsdepartement abgeschlossene Kompensationsabkommen zu würdigen. Wir haben Sie seit 1976 im Rahmen unserer Berichte zur Aussenwirtschaft regelmässig über den Stand der abgeschlossenen Gegengeschäfte informiert. Diesen Darlegungen ist zu entnehmen, dass das Minimalziel der Vereinbarung Ende Mai 1980 - also drei Jahre vor Ablauf des Abkommens - erreicht war. Bis Ende September 1980 wurden durch die Schweizer Industrie Gegengeschäfte im Betrag von 140 Millionen Dollar abgeschlossen.

Eine brauchen- und firmenmässig unterschiedliche Beurteilung der erzielten Ergebnisse ist unverkennbar. Während die Werkzeugmaschinenindustrie die bisherigen Erfolge als befriedigend bis sehr gut bezeichnet, zeigte sich die Flugzeugindustrie, wie bereits erwähnt, vom Resultat enttäuscht. Wird das erzielte Ergebnis mit dem Erfolg von Kompensationsvereinbarungen anderer Länder mit den USA verglichen, so sieht das Bild für die Schweiz recht günstig aus, dank der getroffenen Massnahmen zur Ausschöpfung der Geschäftsmöglichkeiten und der Hartnäckigkeit, mit der Industrie und Verwaltung die schweizerischen Interessen vertreten. Verglichen mit ändern Möglichkeiten der Exportförderung ist der von allen Beteiligten zu leistende Aufwand ira Verhältnis zum erzielten Auftragsvolumen allerdings sehr gross.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Kompensation nur dann zur Anwendung gelangen sollte, wenn andere Beteiligungsarten wie Lizenz- und Teillizenzfabrikation oder die Beteiligung im Unterlieferantenverhältnis nicht oder nur in beschränktem Masse realisiert werden können.

Dementsprechend wurden auch für diese Folgebeschaffung zugunsten der Schweizer Industrie Kompensationsverhandlungen mit dem amerikanischen Verteidigungsdepartement und den Firmen Northrop und General Electric geführt.

Aufgrund der Erfahrungen mit dem eingangs erwähnten Kompensationsabkommen von 1975 und als Folge eines im Mai 1978 vom amerikanischen Verteidigungsministerium erlassenen Memorandums, wurde für die zweite Serie ein etwas anderes Vorgehen gewählt.

Die neuen Richtlinien des amerikanischen Verteidigungsdepartementes sehen vor, dass Kompensationsabkommen grundsätzlich mit den vom Verkauf profitierenden amerikanischen Finnen und nicht mit der amerikanischen Verwaltung abzuschliessen sind. Falls das amerikanische Verteidigungsdepartement - um das Zustandekommen eines wichtigen Rüstungsgeschäftes zu ermöglichen ausnahmsweise dennoch Kompensationsverpflichtungen eingehen muss, so darf 204

die entsprechende Vereinbarung keine wert- oder prozentmässig festgelegten Kompensationsverpflichtungen enthalten.

Der mit dem US Departement of Défense unterzeichnete Nachtrag zum Abkommen von 1975 sieht nun vor, dass die Schweizer Industrie nach Ablauf der ersten Vereinbarung im Jahre 1983 für weitere vier Jahre - also bis Mitte 1987 Gelegenheit erhält, sich zu den gleichen Bedingungen wie amerikanische Firmen um Aufträge des amerikanischen Verteidigungsdepartementes zu bewerben.

Das US Departement of Défense verzichtet dabei auf Verlangen der schweizerischen Anbieter und soweit amerikanische Gesetze und Vorschriften dies zulassen, weiterhin auf die Erhebung von Einfuhrzöllen und die Anwendung von administrativen Handelshemmnissen zugunsten der amerikanischen Konkurrenz.

Mit den beiden Hauptlieferanten wurden darüber hinaus Kompensationsvereinbarungen unterzeichnet, welche die Firmen verpflichten, den ihnen aus diesem Rüstungsgeschäft zugehenden Anteil des Kaufpreises - insgesamt rund 280 Millionen US Dollar - so weit wie möglich, mindestens aber bis zu einem Wert von 50 Prozent, durch Gegengeschäfte mit der Schweizer Industrie auszugleichen.

Im Falle von Northrop wird dabei die in den Ziffern 213.21 und 213.22 beschriebene direkte Beteiligung angerechnet.

Von beiden Firmen wurde im übrigen verlangt, dass sie ihre Kompensationsanstrengungen insbesondere auf die Bedürfnisse der schweizerischen Flugzeugindustrie ausrichten. Dementsprechend sind in der Vereinbarung mit Northrop bereits konkrete Projekte zugunsten dieses Industriezweiges definiert.

Zur Erreichung der beschriebenen Kompensationsziele werden trotzdem grosse Verkaufsanstrengungen seitens der Schweizer Industrie erforderlich sein.

213.3

Geschäftspartner

Der Gruppe für Rüstungsdienste als Generalunternehmer für die Gesamtbeschaffung stehen - nebst den in Ziffer 213.23 erwähnten - folgende Geschäftspartner gegenüber: - US- Verteidigungsdepartement und

US-Luftwaffe

Im Auftrag des US-Verteidigungsdepartementes ist die US-Luftwaffe für den FMS-Verkauf der Tiger-Kampfflugzeuge zuständig. Sie ist Trägerin der Systemverantwortung, d. h. der Verantwortung für das technisch richtige Funktionieren des Flugzeuges und seiner Ausrüstung.

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213.4

Offerten und Verträge

Gemäss den Bestimmungen des «Arms Export Control Act» der USA offerieren die Dienststellen des amerikanischen Verteidigungsdepartementes Rüstungsgüter und Dienstleistungen an ausländische Regierungen in Form sogenannter «Letter of Offer and Acceptance». Diese von der zuständigen Dienststelle des Verteidigungsdepartementes einseitig unterzeichneten Verkaufsofferten mit zeitlich beschränkter Gültigkeit werden durch Gegenzeichnung des Käufers zu rechtsgültigen Verträgen. Integrierende Bestandteile dieser Offerten sind ihre Anhänge, in welchen der Beschaffungsumfang und der Beschaffungsablauf sowie die Spezifikationen des zu liefernden Materials definiert sind.

Der für die beantragte Beschaffung vorliegende «Letter of Offer and Acceptance» der US-Luftwaffe ist das Ergebnis achtzehnmonatiger Abklärungen und Verhandlungen zwischen den beteiligten Geschäftspartnern.

Die Beschaffung von Rüstungsgütern im Rahmen des «Foreign Military Sales» (FMS)-Verfahrens des amerikanischen Verteidigungsdepartementes hat Vorund Nachteile für den Käufer. Die wichtigsten Merkmale dieses Verfahrens lassen sich wie folgt zusammenfassen: - Sämtliche FMSrVerkäufe erfolgen in amerikanischer Währung.

206

Optionsverträge mit den amerikanischen Lieferanten abgesichert sind. Im Interesse grösstmöglicher Zuverlässigkeit der Kostenangaben bestanden wir seinerzeit für die Beschaffung der ersten Serie auf einer Sonderregelung und erreichten, dass die US-Luftwaffe die Verträge für die fertig oder in Baugruppen anzuliefernden Flugzeuge, die Reservetriebwerke und einen Teil der Ausbildung, vor der Unterzeichnung des «Letter of Offer and Acceptance» aushandelte.

In Anlehnung an diese Sonderbehandlung ist es auch für die beantragte zweite Serie gelungen, die US-Luftwaffe zu veranlassen, wenigstens den Vertrag mit dem Hauptlieferanten Northrop für die Lieferung der Flugzeugbaugruppen vor Unterzeichnung des «Letter of Offer and Acceptance» auszuhandeln, so dass der Beschaffungsentscheid nun in Kenntnis des diesbezüglichen Verhandlungsergebnisses getroffen werden kann. Für die entsprechenden Preisverhandlungen zwischen der US-Luftwaffe und Northrop wurden Produktionsratbn angenommen, welche davon ausgehen, dass in den Jahren 1982-1984 durchschnittlich 50 Kampfflugzeuge F-5E/F-5F pro Jahr hergestellt werden. Grössere Änderungen in diesen Auslieferungsraten hätten neue Preisverhandlungen zur FolgeFür den restlichen FMS-Umfang, der insbesondere die Triebwerke, das Ersatz- und Bodenmaterial sowie die Munition umfasst, wird die Air Force die Verträge mit ihren Lieferanten erst nach Unterzeichnung des «Letter of Offer and Acceptance» unserseits, also nach dem 1. Juli 1981, abschliessen.

Für den Erwerb der Lizenzrechte und die Gewährung der technischen Unterstützung für das schweizerische Beteiligungsprogramm liegt eine verbindliche Offerte der Firma Northrop vor. Der Erwerb dieser Rechte erfolgt durch eine Erweiterung des bestehenden Lizenzvertrages zwischen dem Eidgenössischen Flugzeugwerk Emmen und der Firma Northrop. Ein entsprechender Nachtrag zum Vertrag ist ausgehandelt und unterschriftsbereit.

Das Eidgenössische Flugzeugwerk als Generalunternehmer für das schweizerische Beteiligungsprogramm hat mit den beteiligten Schweizer Firmen Optionsverträge abgeschlossen, welche Preis- und Termingarantien enthalten.

Für den restlichen Beschaffungsanteil liegen grösstenteils verbindliche Offerten von in- und ausländischen Firmen vor. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Geräte, Instrumente sowie Ersatz- und Bodenmaterial, wobei die Beschaffung gemäss den bei der Gruppe für Rüstungsdienste üblichen kommerziellen Verfahren erfolgt.

207

213.5

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Beschaffung erfolgt nach folgendem Terminplan: Bestellung Juli 1981 Anlieferung der Flugzeug-Baugruppen aus den USA Herbst 1982 bis Frühjahr 1984 Fabrikation von Flugzeug-Komponenten bei der Schweizer Industrie Mitte 1982 bis Mitte 1984 Endmontage der Flugzeuge im Eidgenössischen Flugzeugwerk Emmen Ende 1982 bis Frühjahr 1985 Ablieferung der Flugzeuge an die Truppe Mitte 1983 bis Frühjahr 1985 214

Beschaffungsumfang und -kosten

214.1

Beschaffungsumfang

Zur Beschaffung beantragt sind 32 Kampfflugzeuge F-5E, 6 Kampfzweisitzer F5F sowie Munition, Ersatz- und Bodenmaterial, Dokumentation und Ausbildungshilfen. Ausserdem sind die Lehren und Vorrichtungen zur Realisierung einer schweizerischen Beteiligung sowie der Änderungsdienst an dem zu liefernden Material im Beschaffungsumfang enthalten.

Bei unserem parlamentarischen Verfahren der Gewährung von Verpflichtungskrediten für Rüstungsbeschaffungen steht dem festen Kredit grundsätzlich ein ebenso fester Beschaffungsumfang gegenüber. In Ziffer 213.4 haben wir erläutert, dass es sich bei dem uns von der US-Luftwaffe unterbreiteten Verkaufsangebot um bestmögliche Schätzungen handelt. Ferner mussten bezüglich der Entwicklung der Teuerung und des Wechselkurses Annahmen getroffen werden.

Damit besteht die Möglichkeit, dass mit dem festgelegten Beschaffungsumfang die voraussichtlichen Endkosten nicht erreicht werden. Wir beantragen nun, dass für diesen Fall der Bundesrat ermächtigt wird, im Rahmen des beantragten Verpflichtungskredites bis zu vier zusätzliche Kampfflugzeuge Tiger zu beschaffen.

Die Reserve für die unabwendbare Abnützung der Tiger-Flotte im Zeitraum von über 20 Jahren ist im Rahmen der verfügbaren Kredite auf das äusserste Minimum begrenzt worden. Eine Erhöhung der Beschaffungszahl um vier Flugzeuge würde den notwendigen Flottenbestand langfristig besser gewährleisten.

214.2

Beschaffungskosten

Die Kosten für die Beschaffung von 38 Tiger-Kampfflugzeugen und weiterem Material gemäss Ziffer 214.1 belaufen sich auf 770 Millionen Franken. Darin eingeschlossen sind die durch die Beteiligung der Schweizer Industrie entstehenden Mehrkosten von rund 25 Millionen Franken, die voraussichtlich bis zur Auslieferung des Materials anfallende Teuerung sowie ein allgemeiner Risikozuschlag von rund 5 Prozent. Den Kostenberechnungen liegt ein Wechselkurs von 1.70 Franken je US-Dollar zugrunde.

208

214.3

Vorengagement

Im Zusammenhang mit dem Beschaffungsvorhaben Tiger zweite Serie hat es der Bundesrat für notwendig erachtet, das Militärdepartement unter Vorbehalt der Zustimmung durch Ihre Finanzdelegation zu ermächtigen, vorzeitige Verpflichtungen gemäss Artikel 26 Absatz 4 des Bundesgesetzes über den eidgenössischen Finanzhaushalt im Höchstbetrag von 50 Millionen Franken einzugehen.

Dies unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass von den Verträgen jederzeit zurückgetreten werden kann, und zwar mit möglichst geringem finanziellen Risiko. Der oben erwähnte Höchstbetrag ist im angeforderten Verpflichtungskredit enthalten.

Das Eingehen der vorzeitigen Verpflichtungen hat folgende positiven Auswirkungen, welche in den Kosten- und Terminangaben dieser Botschaft bereits berücksichtigt sind: - Die Anlieferung der Flugzeug-Baugruppen aus den USA kann um rund sechs Monate beschleunigt werden. Dadurch wird es möglich, trotz Beteiligung der Schweizer Industrie, Beginn und Abschluss der Auslieferung der Flugzeuge an die Truppe praktisch gleich zu halten, wie dies bei einem Kauf der fertigen Flugzeuge aus den USA der Fall wäre.

214.4

Preisvergleich

Gegenstand besonderer Abklärungen war die Frage des Vergleiches der Kosten der laufenden Erstbeschaffung mit jenen der hier beantragten zweiten Serie.

Ein einfacher Vergleich der Gesamtkosten der ersten mit der zweiten Serie ist infolge veränderter Rahmenbedingungen nicht ohne weiteres möglich und muss u. a, folgenden Faktoren Rechnung tragen: - Entwicklung der Teuerung seit der Erstbeschaffung, - Rückgang der Produktionsraten der Tiger-Kampfflugzeuge in den USA, - Erweiterung der Schweizer Beteiligung an der Herstellung der Flugzeuge, - reduzierte Seriegrösse der beantragten Beschaffung (72/38 Flugzeuge), - unterschiedlicher Beschaffungsumfang beim Ersatz- und Bodenmaterial, bei der Munition, Dokumentation, Ausbildung usw., - Veränderung des US-Dollar-Kurses, - Erhöhung der administrativen Zuschläge der amerikanischen Regierung beim FMS-Verfahren.

Ein Vergleich der Gesamtkosten ist auch deshalb schwierig, weil für die Beschaffung der ersten Serie die Endkostenabrechnung der US-Luftwaffe noch nicht vorliegt. Aufgrund der laufend und in enger Zusammenarbeit mit der US209

Luftwaffe erfolgenden Kostenkontrolle kann jedoch festgestellt werden, dass die Kostenentwicklung für die erste Serie günstig verläuft.

Bereits sicher ist, dass infolge dieser günstigen Kostenentwicklung auf das in unserer Botschaft vom 27. August 1975 über die Beschaffung von Kampfflugzeugen (BB1 1975 II 881) in Aussicht gestellte teuerungsbedingte Zusatzkreditbegehren verzichtet werden kann. Ferner muss der im bewilligten Verpflichtungskredit von 1170 Millionen Franken enthaltene allgemeine Risikozuschlag voraussichtlich nicht benötigt werden.

Im Rahmen der Beschaffungsvorbereitungen hat die Gruppe für Rüstungsdienste Preisberechnungen für in den USA fertig hergestellte Flugzeuge auf der Basis vergleichbarer Flugzeugpreise (sogenannter «Fly Away-Preise») in US-Dollar vorgenommen.

Diese Berechnungen zeigen, dass der «Fly Away-Preis» eines Kampfflugzeuges F-5E in den USA gegenüber der ersten Serie um rund 88 Prozent gestiegen ist.

Bei einem Preisvergleich in Franken beträgt die Preissteigerung, als Folge des veränderten US-Dollar-Kurses, lediglich rund 28 Prozent. Die Gründe für die gestiegenen Produktionskosten wurden mit der US-Luftwaffe eingehend diskutiert. Hauptgrund ist die zwischen 1978 (Schwerpunkt der Auslieferung der ersten Serie) und 1983/84 (Schwerpunkt der Auslieferung der zweiten Serie) also während rund fünf Jahren - in der amerikanischen Flugzeugindustrie eingetretene, beziehungsweise zu erwartende Teuerung.

Diese ist an der oben erwähnten Preiserhöhung mit rund 80 Prozent beteiligt.

Die restlichen 20 Prozent sind die Folge stark rückläufiger Tiger-Produktionsraten (1978 = 12-13 Flugzeuge pro Monat/1983/84 = 4-5 Flugzeuge pro Monat) sowie gestiegener FMS-Zuschläge der amerikanischen Regierung zur Deckung der ihr aus der Abwicklung der Beschaffung erwachsenden Unkosten. Ein Vergleich mit der Preisentwicklung anderer Kampfflugzeuge ergibt durchweg ähnliche Verhältnisse. Wir werden ihren Militärkommissionen weitere Informationen zu diesem Fragenkreis zugehen lassen.

Zusammenfassend kann folgendes festgehalten werden : - Die US-Luftwaffe verfügt durch den jährlichen Kauf von Tiger-Kampfflugzeugen über grosse Erfahrung und besitzt weitgehende Einsichtsrechte in die Kalkulation der Lieferanten. Für FMS-Beschaffung werden die gleichen Beschaffungsprinzipien angewandt wie beim Einkauf für die eigenen Streitkräfte. Dadurch ist Gewähr dafür geboten, dass die uns schliesslich verrechneten Preise unter Berücksichtigung der allgemeinen Kostenverhältnisse auf dem internationalen Flugzeugmarkt angemessen sind.

210

214.5

Kommerzielle und terminliche Beschaffungsrisiken

Obwohl es sich bei der beantragten Beschaffung um eine Folgebeschaffung handelt, sind gewisse Risiken nicht auszuschliessen; diese sind jedoch überblickbar und werden gesamthaft als vertretbar beurteilt. Soweit sie sich finanziell abdecken lassen, wurde ihnen durch einen allgemeinen Risikozuschlag bei der Berechnung der Beschaffungskosten Rechnung getragen. Die kommerzielle Beschaffungsreife ist damit gegeben.

Bei Grossprojekten der vorliegenden Art sind vor allem folgende Punkte für die Risikobeurteilung massgebend : - mögliche Kostenfolge beim Auffangen technischer Risiken, - Vollständigkeit in der Festlegung des Beschaffungsumfanges, - Absicherung der Beschaffungskosten durch Optionsverträge oder verbindliche Offerten, - Beurteilung der Zuverlässigkeit der Kostenberechnungen, insbesondere auch bezüglich der Teuerungsentwicklung und der Wechselkursverhältnisse, - Beurteilung der Geschäftspartner und der Beschaffungsorganisation, - Beurteilung des Geschäftsablaufes aus organisatorischer und terminlicher Sicht.

Risiken besonderer Art waren wie bei der Erstbeschaffung im Zusammenhang mit der Entwicklung der Teuerung und des Wechselkurses zu beurteilen. In den budgetierten Kosten für die zweite Serie ist die geschätzte Teuerung bis zur Auslieferung des gesamten Materials eingeschlossen. Den Berechnungen liegt wie erwähnt ein Wechselkurs von 1.70 Schweizerfranken pro US-Dollar zugrunde. Sollten sich diese Annahmen während der Abwicklung des Geschäftes als zu tief erweisen, und die entsprechenden Mehrkosten nicht im Rahmen der eingestellten Risikobeträge auffangen lassen, so müssten zu gegebener Zeit teuerungs-, beziehungsweise währungsbedingte Zusatzkreditbegehren eingereicht werden.

22

Turboprop-Schulflugzeuge vom Typ Pilatus PC-7

221 221.1

Militärische Aspekte Militärische Begründung

Mit dem schrittweisen Verschwinden der Venom aus der Flugwaffe ergibt sich auch für den Pilotennachwuchs eine neue Lage. Die Tiger der zweiten Tranche sollen die sowohl taktisch als auch technisch weit überalterten Venom der letzten drei Milizstaffeln ersetzen; aus wirtschaftlichen Gründen wird dieses Flugzeug auch in der Schulung nicht mehr eingesetzt. Damit ändert sich in kurzer Zeit auch die Zielsetzung der Pilotenausbildung für die Flugwaffe. Deren Gros wird ab 1985 mit Hunter und Tiger ausgerüstet sein. Für diese Staffeln haben die Fliegerschulen den entsprechend ausgebildeten Nachwuchs zu stellen. Das Potential beider Kampfflugzeuge liegt 40-80 Prozent über demjenigen des Venom; dementsprechend steigen auch die Ansprüche an die Piloten.

Um das Milizsystem nicht durch ungebührlich lange Dienstleistungen zu gefährden - ein erheblicher Teil der Piloten nimmt nach der Brevetierung das Stu211

dium wieder auf oder geht der Berufstätigkeit nach - soll die heutige Ausbildungsdauer beibehalten werden. Mit der Erreichung der Flugreife auf Hunter oder Tiger, für je die Hälfte der Schüler, soll jedoch das Ausbildungsziel wesentlich erhöht werden.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, müssen die Anforderungen an den künftigen Piloten sowohl bei der Selektion als auch in der Grundschulung gesteigert werden ; die Erfahrung hat gezeigt, dass dies möglich ist. Voraussetzung hiefür ist jedoch ein anspruchsvolleres Grundschulflugzeug mit einem etwa doppelt so grossen Ausbildungspotential als jenes des P-3.

Anspruchsvoll bedeutet: - gute Flugeigenschaften, die aber doch den Schüler fordern; - Instrumentierung und Bedienung auf die anschliessend verwendeten DüsenTrainingsflugzeuge ausgerichtet; - Flugleistungen im Bereich von 400km/h Reise- und 500km/h Spitzengeschwindigkeit und ein Steigvermögen von 10 m/s, die alle wesentlichen Flugmanöver auszuführen erlauben. Anderseits liegen diese Leistungen weit unterhalb einer Schwelle, welche die Bewaffnung dieses Grundschulflugzeuges als sinnvoll erscheinen lässt.

Die Verbindungsaufgaben innerhalb der Flugwaffe werden mit dem P-2 und P3 durchgeführt. Die Kolbenmotorflugzeuge P-2 (vor 30 Jahren wurden davon 52 Stück beschafft) werden aus Altersgründen laufend ausser Betrieb gesetzt.

Für die Verbindungsaufgaben stehen künftig nur noch die Schulflugzeuge P-3 zur Verfügung. In einer späteren Phase wird der Ersatz des P-3 geprüft werden müssen.

Mit der Beschaffung des PC-7 für die fliegerische Grundausbildung wird auf Jahrzehnte hinaus der Anschluss an moderne düsenbetriebene Schul- und Kampfflugzeuge sichergestellt.

Wenn dieses Schulflugzeug auch, trotz seiner guten Eignung für die Pilotenausbildung, im Kriegsfall leider nicht für Kampfaufträge eingesetzt werden kann, so ist doch seine Verwendung als Verbindungsflugzeug vorgesehen.

Erforderliche Anzahl Schulflugzeuge und ihre Zuteilung Mit den zur Beschaffung beantragten 40 PC-7-Flugzeugen ist es, unter Beachtung einer straffen zeitlichen Staffelung der flugzeugintensiven Ausbildungsphasen, möglich, die verschiedenen Schulen von der Selektionsphase bis zur Pilotenbrevetierung auszurüsten.

221.2

Beurteilung des PC-7 durch die Truppe

In einer mehrmonatigen Tmppenversuchsphase wurde das Schulflugzeug PC-7 in einer Versuchsklasse der Fliegerschule mit Erfolg eingesetzt. Gegenüber den wie üblich auf dem P-3 geschulten Pilotenanwärtern erreichten in derselben Zeit alle PC-7-Schüler einen um 20-30 Prozent höheren Ausbildungsstand. Dieses Resultat war möglich, weil der PC-7 dank seiner höheren Leistung eine grössere Zahl von Übungen pro Flugstunde zulässt. Gegenüber der Schulung auf dem 212

konventionellen Kolbenmotor-Flugzeug P-3 konnten zusätzlich noch folgende wesentliche Vorteile festgestellt werden : - Bedeutende Lärmvermindemng für die im Übungsraum wohnende Bevölkerung, bedingt durch die grössere Leistungsfähigkeit, die steilere Steigflüge und ein Flugtraining in grösseren Flughöhen ermöglicht.

221.3

Eingliederung in die Fliegertruppe

Mit dem Ersatz der P-3-Flugzeuge durch die Turboprop-Schulflugzeuge PC-7 wird ein Ausbildungsmittel beschafft, das nicht durch die Fliegerbodentruppen, sondern durch das Bundesamt für Militärflugplätze betrieben wird. Demzufolge hat die Beschaffung keine Auswirkungen auf die Organisation der Stäbe und Truppen. Es sind weder zusätzliche Bauten noch Personalerhöhungen notwendig. Die Benützung der vorhandenen Infrastruktur ist gewährleistet.

222

Technische Aspekte

222.1

Beschreibung des Flugzeuges

Das Turboprop-Schulflugzeug PC-7 ist ein Tiefdecker mit zwei Pilotensitzen in Tandemanordnung, einziehbarem Fahrwerk und elektrisch betätigten Landeklappen. Ein Turbo-Triebwerk der Firma Pratt & Whitney Aircraft of Canada Ltd. verleiht ihm in Verbindung mit einem Verstellpropeller gute Flugleistungen.

Das Flugzeug ist in halbtragender Ganzmetall-Schalenbauweise ausgeführt. Lediglich nichttragende Verschalungen sind teilweise aus glasfaserverstärktem Polyester-Kunststoff gefertigt.

Der PC-7 ist bezüglich Lufttüchtigkeit nach international gültigen Normen ausgelegt und konstruiert. Die Zertifizierung durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt liegt vor.

Die wichtigsten Flugzeugkomponenten des PC-7 können wie folgt umschrieben werden: - Der Rumpf enthält zwei Pilotensitze, welche hintereinander auf gleichem Niveau angeordnet sind. Die Sichtverhältnisse sind für den Pilotenschüler und den Fluglehrer gut.

9

BundesbUtt. 133,Jahrg. Bd.]

213

Der freitragende, einteilige Flügel weist Trapezform auf. Er enthält die Treibstofftanks mit einem Fassungsvermögen von total 475 Liter.

Das Triebwerk, eine sogenannte Freiwellen-Gasturbine, vom Typ PT 6A-25A, ist akrobatiktauglich. Eine Version davon ist auch beim bereits in der Flugwaffe vorhandenen Flugzeug PC-6-Turbo-Porter eingeführt.

Der geräuscharme Verstellpropeller der Firma Hartzell Propeller Inc. (USA) besteht aus drei Leichtmetall-Blättern sowie der Nabe mit dem Verstellmechanismus. Eine Enteisuhgsvorrichtung erlaubt auch Flüge in den Wolken.

Das Flugzeug ist im vorderen und hinteren Pilotenraum mit konventioneller Knüppel/Pedal-Steuerung ausgerüstet.

Die Funk-, Navigations- und Flugüberwachungsinstrumente entsprechen dem heutigen Standard moderner Grundschulflugzeuge und machen den PC-7 blindflugtauglich.

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Turboprop-Schult'lugzeug PC-7

222.2

Die Flugeigenschaften

Handhabung, Stabilität und Steuerbarkeit des Flugzeuges im Normalflug, Blindflug und in der Akrobatik sind sehr gut. Das Flugzeug ist leicht zu fliegen und weist keine unangenehmen Eigenschaften auf. Die vom Hersteller angegebenen Leistungswerte konnten bei der technischen Erprobung vollumfänglich nachgewiesen werden. Mit seiner Ausrüstung, seinen Flugeigenschaften und Flugleistungen erfüllt das Turboprop-Schulflugzeug PC-7 die auf eine moderne 214

Ausbildung ausgerichteten militärischen Anforderungen und erlaubt eine wirtschaftliche Schulung unserer zukünftigen Militärpiloten.

222.3

Werdegang des PC-7 und seine technische Reife

Der PC-7 ist eine Weiterentwicklung unseres bisherigen Grundschulflugzeuges P-3. Die Firma Pilatus ist für die Weiterentwicklung von der Zelle des P-3 ausgegangen und hat diese mit einer modernen Propeller-Turbine ausgerüstet. Letztere weist mehr als die doppelte Leistung des früheren Kolbenmotors auf.

Mitte der sechziger Jahre wurde ein erster Prototyp gebaut und erfolgreich erprobt. Die damaligen Verhältnisse verhinderten vorerst einen Erfolg des Flugzeuges auf dem Weltmarkt. In den letzten Jahren haben sich jedoch - nicht zuletzt auch als Folge der Ölkrise - die Ausbildungsbedürfnisse der Flugwaffen sowie die Situation auf dem Sektor der militärischen Trainingsflugzeuge wesentlich verändert. Der Trend zu leistungsfähigeren und wirtschaftlicheren Flugzeugen hat sich verstärkt. Durch die Entwicklung von modernen und in der Handhabung entsprechend anspruchsvolleren Düsentrainern ist eine grosse Lücke zu den Grundschulflugzeugen entstanden.

Im Frühling 1975 begann die Firma Pilatus mit dem Bau eines zweiten PC-7Prototyps. Im Jahre 1978 wurde das Flugzeug einem Prinzipversuch der Fliegertruppen unterworfen. Leistungen und Ausbildungserfolg waren überzeugend, sodass anfangs 1979 durch die Gruppe für Ausbildung eigentliche Truppenversuche angeordnet wurden; diese verliefen positiv.

Bis Sommer 1980 wurden mit mehreren Ländern Verträge für rund 140 Flugzeuge abgeschlossen, wovon über 50 bereits im Einsatz standen.

222.4

Konkurrenten des PC-7

Das Militärdepartement wird Ihren Militärkommissionen die Gründe darlegen, weshalb der PC-7 folgenden Konkurrenten vorgezogen wird : - AS-32T der Flugzeugwerke Altenrhein AG (FWA) (in Entwicklung) - T-34C Turbo-Mentor von Beech Aircraft Corp. (USA) (in Produktion) - ATI-2 Fantrainer von Rheinflugzeugbau GmbH, Bundesrepublik Deutschland (in Erprobung) - T-27 von Embraer, Brasilien (in Entwicklung) 223

Beschaffungsaspekte und Beschaffungskosten

223.1

Beschaffungsorganisation

Für diese Beschaffung wird keine besondere Projektleitung eingesetzt. Das Projekt wird im Rahmen der normalen Linienorganisation des Eidgenössischen Militärdepartementes abgewickelt. Das Schulflugzeug PC-7 wird von der Firma Pilatus Flugzeugwerke AG, Stans, hergestellt. Wie bereits beim Kauf der P-2, P-3 und PC-6-Flugzeuge liegt auch bei dieser Beschaffung die Generalunternehmerfunktion bei Pilatus.

215

223.2

Beteiligung der Schweizer Industrie

Etwa 55 Prozent (rd. 60 Mio. Fr.) des Beschaffungsumfanges werden im Inland beschäftigungswirksam. Die Firma Pilatus wurde vertraglich verpflichtet, rund die Hälfte des an sie erteilten Bestellungsumfanges (ohne Triebwerke und Propeller) an andere in der Schweiz produzierende Unternehmen zu vergeben. Dies hat zur Folge, dass über 100 einheimische Zulieferanten mit kleineren und grösseren Aufträgen an der Beschaffung mitwirken können.

Etwa 45 Prozent (rd. 50 Mio. Fr.) des Beschaffungsumfanges gehen ins Ausland.

Es handelt sich dabei insbesondere um die Triebwerke, Propeller und Normteile der Zelle. Spezielle Funk-, Navigations- und Flugüberwachungsinstrumente werden von der Gruppe für Rüstungsdienste im In- und Ausland beschafft und der Firma Pilatus zum Einbau angeliefert.

223.3

Geschäftspartner

Die Firma Pilatus ist eine Tochtergesellschaft der Oerlikon-Bührle Holding AG, Zürich. Pilatus ist der Gruppe für Rüstungsdienste von der Geschäftsabwicklung früherer Beschaffungen her bekannt. Sie bietet Gewähr für eine einwandfreie Ausführung und Vertragsabwicklung. Im weiteren verfügt die Firma über ein eingespieltes Projekt-Management. Ihre Tätigkeit erstreckt sich neben der Fabrikation der beiden Flugzeuge PC-6 und PC-7 auch auf Modifikationen sowie Wartungs- und Unterhaltsarbeiten an zivilen und militärischen Flugzeugen.

223.4

Offerten und Verträge

Mit der Firma Pilatus wurde ein Optionsvertrag mit Gültigkeit bis 15. Juli 1981 abgeschlossen.

223.5

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Auslieferung der PC-7-Flugzeuge erstreckt sich über drei Jahre, wobei 1982 12 Flugzeuge, 1983 24 Flugzeuge und 1984 die restlichen 4 Flugzeuge abgeliefert werden. Die Logistik wird zum grössten Teil bis Ende 1982 ausgeliefert sein.

Dies erlaubt den Beginn der Pilotenausbildung mit PC-7 im Jahre 1983.

223.6

Beschaffungsumfang und -kosten

Zur Beschaffung beantragt werden 40 Flugzeuge Pilatus PC-7, das Ersatz- und Bodenmaterial sowie die Dokumentation.

Die veranschlagten Beschaffungskosten von 110 Millionen Franken sind das Ergebnis eingehender Vertragsverhandlungen mit der Firma Pilatus und schliessen die mutmassliche Teuerung bis zur Auslieferung ein.

216

Der Preis des PC-7 kann aufgrund der vorgenommenen Preisvergleiche als angemessen bezeichnet werden.

223.7

Kommerzielle und terminliche Beschaffungsrisiken

Bei der Bemessung der Beschaffungsrisiken gelangten grundsätzlich die gleichen Kriterien zur Anwendung, wie unter Ziffer 214.5 im Zusammenhang mit der beantragten Beschaffung der zweiten Serie Tiger-Flugzeuge angeführt. Dabei war zu berücksichtigen, dass der PC-7 bei der Firma Pilatus seit 1978 für ausländische Kunden in Serie hergestellt wird und zudem rund 80 Prozent des Beschaffungsumfanges durch Optionen oder verbindliche Offerten abgedeckt sind.

Die verbleibenden kommerziellen und terminlichen Beschaffungsrisiken sind überblickbar und vertretbar. Ein besonderes kommerzielles Risiko besteht lediglich in bezug auf die Entwicklung der Teuerung und der Wechselkurse, welchem durch einen Zuschlag von rund 3 Prozent Rechnung getragen wurde. Wir verweisen diesbezüglich auch auf die Ausführungen unter Ziffer 31 dieser Botschaft.

3

Zusammenfassung der Beschaffungskosten Mio. Fr.

38 Kampfflugzeuge vom Typ Tiger 40 Turboprop-Schulflugzeuge vom Typ PC-7 .,

770 110

Total Verpflichtungskredit

880

31

Hinweise zu den Kostenberechnungen

Die Teuerung wurde bei beiden Beschaffungsvorhaben bis zur vollständigen Auslieferung des Materials vorausgeschätzt und in die Berechnungen einbezogen. Für den Fall, dass diese während der Abwicklung der Beschaffungen den angenommenen Rahmen überschreiten sollte, bleiben Zusatzkreditbegehren vorbehalten.

Die Berechnungen beruhen ferner auf der Annahme einer normalen Abwicklung der Beschaffungsvorhaben und schliessen keine Reserven für heute nicht voraussehbare Ereignisse ein, wie z. B. Zurückstellung der Auftragsvergebung, Wechselkursänderungen, weitere Reduktion der jährlichen Tiger-Produktionsraten bei den Herstellern in den USA und andere Entwicklungen, die sich unserem Einfluss entziehen.

217

32

In der Rüstungsbotschaft nicht berücksichtigte Kosten

In den anbegehrten Verpflichtungskrediten nicht enthalten sind: - Die WUST auf dem Importanteil.

Dieser aufgrund der bisherigen Ansätze total auf 40 Millionen Franken geschätzte Betrag wird der Rubrik «Warenumsatzsteuer auf Importen» belastet.

Dieser total auf 8 Millionen Franken geschätzte Betrag wird der Rubrik «Transportkosten» belastet.

4

Finanzielle und personelle Auswirkungen

41

Zahlungskreditbedarf

Die vorliegende Rüstungsbotschaft erfordert einen Verpflichtungskredit von 880 Millionen Franken. Die Abwicklung dieses Geschäfts wird sich bis Ende 1985 erstrecken. Der daraus entstehende Bedarf an Zahlungskrediten steht in Übereinstimmung mit der mittelfristigen Finanzplanung.

Im Legislaturfinanzplan des Bundes für die Jahre 1980 bis 1983 sind für Investitionen des Eidgenössischen Militärdepartementes (Bauten und Material) Zahlungskredite von 7,6 Milliarden Franken vorgesehen, wovon für Rüstungsbeschaffungen rund 3,8 Milliarden. Nach Abzug des Zahlungskreditbedarfs für restliche Verpflichtungen aus früheren Rüstungsvorlagen (bis und mit 1979) im Umfange von rund 1,8 Milliarden Franken, verbleiben bis 1983 für neue Rüstungsvorhaben rund 2 Milliarden. Unter dem Zwang, unsere finanzpolitischen Ziele zu erreichen, musste dieser Betrag im Zusammenhang mit dem Voranschlag 1981 und dem Finanzplan 1982/83 um 130 Millionen gekürzt werden.

Nach Berücksichtigung des Zahlungskreditbedarfs aus dem Rüstungsprogramm 1980 von rund l Milliarde Franken können die aus dieser Rüstungsbotschaft bis 1983 notwendigen Zahlungen von rund 700 Millionen mit den voraussichtlich verfügbaren Zahlungskrediten gedeckt werden.

42

Folgekosten für Ausbau und Anpassung der Infrastruktur

421

Kampfflugzeug Tiger

Die Stationierung der zusätzlichen Tiger-Flugzeuge erfordert die Anpassung der Stromversorgungs- und Krananlagen in Flugzeugkavernen. Vor diesen Kavernen müssen Halteplätze erstellt werden. Ferner sind die Einrichtungen von Flugzeugunterständen den Bedürfnissen der Tiger-Flugzeuge anzupassen.

Für den friedensmässigen Einsatz hat die Vergrößerung der Tiger-Flotte die Anpassung von Bereitstellungsplätzen auf zwei zusätzlichen Trainingsflugplätzen zur Folge.

Wegen der Verlegung von Hunter-Staff ein auf Kriegsflugplätze, auf denen bisher Venom-Flugzeuge stationiert waren, werden zusätzliche Schutzbauten notwendig, da der Hunter bedeutend mehr Platz zur Unterbringung beansprucht als der Venom. Zudem muss die restliche Infrastruktur dieser Kriegsflugplätze den Hunter-Flugzeugen angepasst werden.

218

Als direkte Folge der beantragten Tiger-Beschaffung werden für bauliche Anpassungen Kosten in der Höhe von rund 3 Millionen Franken entstehen. Die Kosten für die Schutzbäuten, die durch die Verlegung der Hunter notwendig werden, belaufen sich auf rund 20 Millionen Franken.

Entsprechende Anträge werden in die nächsten Baubotschaften aufgenommen.

422

Turboprop-Schulflugzeug PC-7

Für die Schulflugzeuge PC-7 kann die vorhandene Infrastruktur benützt werden. Es sind keine zusätzlichen Bauten notwendig.

Der PC-7 weist aus logistischer Sicht Gemeinsamkeiten mit den beiden in unserer Flugwaffe eingeführten Flugzeugen Pilatus P-3 und PC-6 auf, mit letzterem z. B. in bezug auf das Triebwerk. Somit kann das Flugzeug in eine weitgehend vorhandene Infrastruktur eingegliedert werden, was sich entsprechend kostengünstig auswirken wird.

43

Jährlich wiederkehrende Kosten

431

Kampfflugzeug Tiger

Die jährlich wiederkehrenden Folgekosten werden hauptsächlich durch drei Faktoren bestimmt: - den Arbeitsaufwand für die Bereitstellung und den Unterhalt; - den Treibstoff-Verbrauch; - das laufend zu beschaffende Ersatzmaterial.

Der totale Arbeitsaufwand für eine Tiger-Flugstunde wird ungefähr doppelt so gross sein wie derjenige für einen Venom, jedoch nur etwa drei Viertel des Aufwandes einer Mirage-Flugstunde betragen.

Die anfallenden jährlichen Arbeitsfcosten des Bundesamtes für Militärflugplätze werden aufgeteilt in die Personalkosten und in Kredite für die Vergebung entsprechender Unterhaltsarbeiten für andere Flugzeugtypen an die Industrie.

Nach den bisher gemachten Erfahrungen verbraucht ein Tiger mit seiner doppelt so grossen Triebwerkleistung etwa 70 Prozent mehr Treibstoff pro Flugstunde als ein Venom.

Gleichzeitig mit der Beschaffung der Flugzeuge erfolgt auch die Beschaffung des Ersatzmaterials. Bestimmtes Ersatzmaterial mit beschränkter Lagerdauer (Pneus usw.), muss laufend nachbeschafft werden. Sodann können Nachbeschaffungen von Ersatzmaterial, die sich aus neuen Erkenntnissen des Betriebsverhaltens ergeben, notwendig werden.

Die Gesamtkosten einer Tiger-Flugstunde sind etwa doppelt so hoch wie diejenigen für eine Flugstunde des Venom, während - als Vergleich dazu - eine Mirage-Flugstunde etwa 40 Prozent mehr kostet als eine Tiger-Flugstunde.

Unter Berücksichtigung der Ausserbetriebsetzung der verbleibenden 75 Venom wird die zweite Serie Tiger inklusive Personalkosten jährlich Mehraufwendungen von rund 9 Millionen Franken zur Folge haben.

219

432

Turboprop-Schulflugzeug PC-7

Die jährlich wiederkehrenden Folgekosten werden durch die drei gleichen Faktoren wie beim Kampfflugzeug Tiger bestimmt.

Die mit der Einführung der PC-7 Schulflugzeuge anfallenden Folgekosten werden durch die Ausserbetriebssetzung der P-2 Verbindungsflugzeuge weitgehend aufgefangen.

44

Personelle Auswirkungen

441

Kampfflugzeug Tiger

Die komplexere Ausrüstung des Tiger gegenüber dem Venom (zwei Triebwerke mit Nachbrenner, Radar, Inertial-Navigations-System usw.) lässt den zu leistenden Aufwand für die Bereitstellung und den Unterhalt der Flugzeuge wesentlich ansteigen. Bei der ersten Serie Tiger konnte dieser Bedarf durch Organisations- und Rationalisierungsmassnahmen beim Bundesamt für Militärflugplätze, sowie durch die Revision 80 der Organisation der Stäbe und Truppen bei der Flugplatzbrigade 32 noch einigermassen gedeckt werden.

Der durch die Beschaffung der zusätzlichen Tiger-Flugzeuge für das Bundesamt für Militärflugplätze zu erwartende Aufwand für die Bereitstellung und den Unterhalt erhöht sich um rund 140 000 Arbeitsstunden pro Jahr: Typ

Anzahl

Venom 75 Tiger . , . . . . . 38

Flugstunden .

pro Jahr

Arbeitsstunden BAMF pro Flugstunde

Total Arbeitsstunden BAMF

50 100

33 70

123 750 266 000

Mehraufwand pro Jahr

1 42 250 Stunden o.der 80 Mannjahre

Die Personalsituation im Eidgenössischen Militärdepartement und beim Bundesamt für Militärflugplätze im besonderen erlaubt es nicht mehr, die für den Mehraufwand von rund 140 000 Arbeitsstunden benötigten rund 80 Stellen aus eigenen Mitteln freizustellen. Beim Bundesamt für Militärflugplätze ist das zugeteilte Stellenkontingent längst ausgeschöpft und aus der Bewirtschaftung der strukturellen Vakanzen des Eidgenössischen Militärdepartement stehen ebenfalls keine Stellen für diese Aufgaben mehr zur Verfügung.

Wir sind uns allerdings bewusst, dass ein Begehren zur Freigabe von rund 80 Stellen zugunsten des Eidgenössischen Militärdepartement kaum Aussicht auf Erfolg hätte. Das Bundesamt für Militärflugplätze ist deshalb gezwungen, einem Teil des Mehraufwandes für Bereitstellung und Unterhalt des Tiger gegenüber dem Venom durch vermehrte Abgabe von Unterhaltsarbeiten an Dritte zu begegnen. Dies ist aber mit Mehrkosten verbunden und läuft unseren Bestrebungen zuwider, die Betriebsausgaben unter dem Druck der fehlenden Finanzen möglichst einzuschränken. Auch so bleibt aber die Zuteilung von neuen Stellen unerlässlich. Wir beantragen deshalb die Zuteilung von 20 Stellen für 220

das Bundesamt für Militärflugplätze, wobei 10 Stellen im Jahre 1983 und 10 Stellen im Jahre 1984 beansprucht würden.

442

Turboprop-Schulflugzeug PC-7

Der für die PC-7-Schulflugzeuge zu erbringende personelle Aufwand wird durch das Ausscheiden der Verbindungsflugzeuge P-2 kompensiert. Es ist kein zusätzliches Personal notwendig.

5

Richtlinien der Regierungspolitik

Diese Vorlage ist im Finanzbedarf für Investitionen von 7,6 Milliarden Franken inbegriffen, den wir in den Richtlinien der Regierungspolitik in der Periode 1979-1983 (BEI 1980 I 630), Ziffer 132, angekündigt haben. Es handelt sich dabei um ein Vorhaben erster Priorität.

6

Verfassungsmässigkeit

Die verfassungsmässige Zuständigkeit der Bundesversammlung beruht auf den Artikeln 20 und 85 Ziffer 10 der Bundesverfassung.

7507

221

Bundesbeschluss Entwurf über die Beschaffung von Kampf- und Schulflugzeugen

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 12. November 1980'), beschliesst:

Art. l ' Der Beschaffung von 38 Kampfflugzeugen vom Typ Tiger und 40 TurbopropSchulflugzeugen vom Typ Pilatus PC-7 und weiterem Material nach der Botschaft vom 12. November 1980 wird zugestimmt.

2

Es wird hierfür ein Verpflichtungskredit von 880 Millionen Franken bewilligt.

3

Der Personalbestand der allgemeinen Bundesverwaltung wird zugunsten des Eidgenössischen Militärdepartements in den Jahren 1983 und 1984 um je zehn Etatstellen erhöht.

Art. 2 > Der jährliche Zahlungskreditbedarf ist in den Voranschlag aufzunehmen.

2

Der Bundesrat regelt die Durchführung dieser Beschaffung.

3

Der Bundesrat wird ermächtigt, im Rahmen des bewilligten Verpflichtungskredites höchstens vier weitere Kampfflugzeuge Tiger zu beschaffen.

Art. 3

Dieser Beschluss ist nicht allgemeinverbindlich; er untersteht nicht dem Referendum.

7507

') BEI 1981 I 190

222

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Botschaft über die Beschaffung von Kampf- und Schulflugzeugen vom 12. November 1980

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1981

Année Anno Band

1

Volume Volume Heft

03

Cahier Numero Geschäftsnummer

80.081

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

27.01.1981

Date Data Seite

190-222

Page Pagina Ref. No

10 048 236

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