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81.044

Botschaft über die Teilrevision der Krankenversicherung vom 19. August 1981

Sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, Wir unterbreiten Ihnen den Entwurf zu einem Bundesgesetz betreffend die Änderung des Bundesgesetzes über die Kranken- und Unfallversicherung (Erster Titel des KUVG) mit dem Antrag auf Zustimmung.

Wir beantragen Ihnen ferner, die Standesinitiative des Kantons Waadt vom 4. Oktober 1968 betreffend Revision des KUVG (N 9. 12. 68; S 10. 12. 68) sowie die folgenden parlamentarischen Vorstösse abzuschreiben: 1962 P

zu 8 251

1962 P 1963 P

8 279 8 728

1966 P

9 433

1968 P

9 980

1968 P

9 993

1968 P

10 000

1968 P 1969 P 1969 P

10 006 10 146 10208

1970 P

10594

1971 1972 1972 1972 1973 1973 1973

11 061 10 856 10 901 10 945 11 713 11 535 11 572

P P P P P P P zu

1981-261

Durchführung der obligatorischen Krankenversicherung durch private Versicherungsgesellschaften (S 22.3.62, Kommission des Ständerates) Mutterschaftsversicherung (N 2. 10. 62, Leuenberger) Einführung der Familienversicherung (N 5. 12. 63, Bachmann-Wollerau) Neuregelung der Verhältnisse zwischen Ärzten und Krankenkassen (N 29. 6. 66, Trottmann) Aufhebung der Franchise in der Krankenversicherung (N 20. 12. 68, Trottmann) Revision der Krankenversicherung (N 20. 12. 68, FischerBern) Revision des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes (S 3. 12. 68, Lusser) Revision der Krankenversicherung (N 20. 12. 68, Martin) Revision des KUVG (N 20. 3. 69, Muheim) Beiträge der Arbeitgeber in der obligatorischen Krankenversicherung (N 25. 6. 69, Vincent) Physiothérapie bei der Invalidenversicherung (N 30.9.70, Haller) Unterstützung der Schulzahnkliniken (S 2. 12. 71, Roulin) Resozialisierung psychisch Kranker (N 16. 3. 72, Tanner) Krankenversicherung (N 15. 3. 72, Martin) Krankenversicherung (N 15. 3. 72, Müller-Bern) Spitäler, Finanzierung (S 19. 9. 73, Bächtold) KUVG. Revision (N 14. 3. 73, Gehler) Bundesverfassung. Krankenversicherung (S 25.9.73, Kommission des Ständerates)

Bundesblatt. 133. Jahrg. Bd. II

1117

1973 P

11822

1973 P 1973 P

11 729 11 786

1974 1975 1975 1975 1975 1975 1975 1975

P P P P P P P P

12 029 12 206 12 199 12 209 12207 12202 75.352 12 198

1975 P 1976 P 1976 P

75.341 76.332 76.301

1976 P

75.495

1976 P 76.352 1976 M zu 11 958 1977 P

76.329

1977 P 76.334 1977 P 76.500 1977 M zu77.010 1978 P

77.436

1978 P

77.490

1978 P

77.454

1978 P 1978 P0

78.443 77.428

1979 1978 1979 1979 1979

M1) P1) M1) P P

77.428 77.429 77.429 78.367 78.479

Kranken- und Unfallversicherung. Beitritt in Sonderfällen (N 28. 11. 73, Leutenegger) Hauskrankenpflege (N 11. 12. 73, Meyer Heien) Trunksucht. Krankenkassen-Leistungen (N 28. 11.73, Sauser) Mütterschutz (N 25. 9. 74, Wicky) Krankenversicherung (N 19. 3. 75, Bächtold-Bern) Kranken- und Unfallversicherung (N 19. 3. 75, Barchi) Krankenversicherung (N 19. 3. 75, Jelmini) -Gesundheits-Risikoversicherung (N 19. 3. 75, Naegeli) Krankenversicherung. Sofortmassnahmen (N 20. 3. 75, Ribi) KUVG. Familienplanung (N 19. 6. 75, Sahlfeld) Krankenversicherung (N 19.3.75, Sozialdemokratische Fraktion) Zahnprothetiker und KUVG (N 2. 6. 75, Welter) Psychotherapie und Krankenkassen (N 24. 6. 76, Condrau) Krankenkassen. Vorbeugende gynäkologische Untersuchungen (N 17. 12. 76, Sozialdemokratische Fraktion) Lohnersatz für Eltern (N 17. 12. 76, Sozialdemokratische Fraktion) Krankenversicherung (N 8. 10. 76, Ziegler-Solothurn) Schwangerschaftsunterbrechung. Volksbegehren (N 2. 10. 75, Kommission des Nationalrates; S 14. 12. 76) Krankenversicherung. Dringliche Revision (N 23.3.77, Trottmann) Krankenversicherung. Häftlinge (N 23. 3. 77, Villard) Krankenkassen-Beiträge (N 23. 3. 77, Fischer-Bern) Kostendämpfung im Gesundheitswesen (S 3. 5. 77, Ständerat; N 4. 5. 77) Krankenkassen. Nicht anerkannte Medikamente (N 19.1.78, Besuchet) Krankenkassen. Prämiengleichheit für Männer und Frauen (N 9. 3. 78, Spreng) Mutterschaftsversicherung und Schutz der Arbeiterinnen (N 3. 10. 78, Carobbio) SUVA. Krankenversicherung (N 5. 10. 78, Forel) Schutz von Mutter und Kind (N 3. 10. 78, Christlich-demokratische Fraktion) (N 3. 10. 78; S 14. 3. 79) Mutterschaftsversicherung (N 3. 10. 78, Meier Josi) (N 3. 10. 78; S 14. 3. 79) KUVG. Stellung der Frau (N 7. 3. 79, Morf) Krankenversicherung. Aufhebung der Aussteuerung (N 8. 3. 79, (Miville)-Eggli-Winterthur)

') Diese in der Form von Motionen eingereichten Vorstösse wurden teilweise als Postulate und Motionen angenommen.

1118

1979 P

78.432

1979 P

78.528

1979 M

'78.583

1979 P 1980 P 1980 P

79.376 80.347 79.556

1980 P 1981 P;

79.572 80.554

Krankenversicherung. Kostendämpfung (S 5. 6. 79, Gun"tern) Krankenversicherung (N 24.9.79, Sozialdemokratische Fraktion) Krankenkassenleistungen für'Gefängnisinsassen (N 15:3.79, Eggli-Winterthur; S 2. 10. 79) Spitalwesen. Koordination (N 27. 11. 79, Jelmini) Gesundheitswesen. Statistik (S '3. 6. 80, Miville) Krankenversicherung. Aufgabenteilung (N 25. 9. 80, Mascarin) Preiskontrolle für Medikamente (N 25. 9. 80, Mascarin) Krankenversicherung. Wirtschaftlichkeit (N 19. 6. 81, Zehnder) , ' .

·· · .

Wir versichern Sie, sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, unserer vorzüglichen Hochachtung.

19. August 1981

Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Purgier Der Bundeskanzler: Buser

1119

Übersicht Das Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung (KUVG) stammt aus dem Jahre 1911. Es regelt im ersten Titel die von den anerkannten Krankenkassen betriebene Krankenversicherung, die eine bundesrechtlich freiwillige, durch Subventionen geförderte Individualversicherung mit Pflege- und Geldleistungen ist. Der zweite Titel des Gesetzes mit den Bestimmungen über die obligatorische Unfallversicherung wird durch das neue Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG), das Sie am 20. März 1981 verabschiedet haben, abgelöst.

Die Bestimmungen über die Krankenversicherung wurden im Jahre 1964 teilweise revidiert, ohne dass allerdings an der bestehenden Versicherungsstruktur grundlegende Änderungen vorgenommen wurden. Bestrebungen, die Krankenversicherung auf Verfassungsebene neu zu ordnen, scheiterten im Jahre 1974 in der Volksabstimmung. Seither verlangten zahlreiche parlamentarische Vorstösse eine Revision der Krankenversicherung im Rahmen des geltenden Verfassungsartikels (Art. 34b's BV). Die gegenwärtige Vorlage geht im wesentlichen auf einen Vorentwurf des Departementes des Innern zurück, der im Vernehmlassungsverfahren im grossen ganzen positiv aufgenommen worden ist. Sie beschränkt sich auf Änderungen, die als besonders dringlich erachtet werden, und trägt den Vorschlägen über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen Rechnung.

Im Bereich der Krankenpflegeversicherung (ambulante und stationäre Behandlung von Krankheiten) wird auf die Einführung eines bundesrechtlichen Obligatoriums verzichtet. Hingegen soll der Zugang zur Versicherung für einzelne Personengruppen durch Milderung der Vorbehaltsregelungfür Kinder und durch Erhöhung der Altersgrenze erleichtert und der Ausschluss von Versicherten etwas eingeschränkt werden. Die Leistungen werden massvoll ausgeweitet. Insbesondere soll die zeitliche Beschränkung für die Leistungen bei stationärer Behandlung aufgehoben und die Möglichkeit der Versicherung von Vorsorgeuntersuchungen und Zahnbehandlungen geschaffen werden. Sowohl im Bereich der Leistungen wie der Tarife werden Massnahmen vorgeschlagen, die der Eindämmung der Kostensteigerung dienen: so sollen die Leistungen, die den Krankenkassen Überbunden werden, verstärkt auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft und die Tarife nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ausgestaltet werden. Speziell die Spitalleistungen sollen - weiterhin auf kantonaler Ebene - als kostenbezogene Pauschalen festgelegt werden.

Die Finanzierung der Krankenversicherung erfolgt weiterhin durch Beiträge und neu gestaltete Kostenbeteiligungen der Versicherten und öffentliche Subventionen.

Die öffentlichen Subventionen belaufen sich auf 900 Millionen Franken im Jahr und werden nach geänderten Kriterien bemessen, um eine gezieltere Verwendung der Mittel namentlich zugunsten von Frauen und Kindern zu erreichen. Einen Teil der Beiträge an die Krankenversicherung haben die Kantone zu übernehmen, wobei ihrem Eigenaufwand im Spitalwesen Rechnung getragen werden soll. Die Kantone haben ferner für Prämienverbilligungen bei wirtschaftlich schwachen Versicherten zu sorgen.

1120

Die Krankengeldversichenmg (Ersatz des Erwerbsausfalles bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit) soll für Arbeitnehmer obligatorisch werden. Die gesetzliche Ordnung dieser Versicherung soll weitgehend jener der obligatorischen Unfallversicherung nachgebildet werden. Bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit erbringt die Versicherung .grundsätzlich vom 31. Tag an ein Taggeld von 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Die Leistungsdauer ist so festgesetzt, dass bei langdauernder Krankheit der Übergang zur Rente der Invalidenversicherung möglichst nahtlos erfolgt. Die obligatorische Krankengeldversicherung wird von Krankenkassen und von privaten Versicherungsgesellschaften durchgeführt werden.

Die Mutterschaftsversicherung bleibt wie bisher in die Krankenversicherung integriert. Das Fehlen einer obligatorischen Pflegeversicherung wird dadurch gemildert, dass auch nichtVersicherte Frauen, soweit notwendig, in einen teilweisen Genuss der Pflegeleistungen gelangen können. Ein ins Gewicht fallender Ausbau der Pflegeleistungen drängt sich nicht auf. Hingegen wird die Leistungsdauer von bisher 10 auf 16 Wochen erweitert, was vor allem für Frauen, die dem Obligatorium in der Krankengeldversicherung unterstehen werden, eine deutliche Verbesserung des Versicherungsschutzes bringen wird.

Einer besseren Koordination der Krankenversicherung mit den anderen Sozialversicherungszweigen, namentlich mit der Unfallversicherung und der Invalidenversicherung, misst die Vorlage grosses Gewicht bei. ,

1121

Botschaft I

Allgemeiner Teil

II

Die Krankenversicherung im politischen Beziehungsfeld

Die soziale Krankenversicherung bildet einen wichtigen und traditionsreichen Teil unseres sozial- und gesundheitspolitischen Instrumentariums. Sie steht in enger Beziehung zu den übrigen Sozialversicherungen und wird durch deren Entwicklung beeinflusst. Sie ist ferner wegen der starken finanziellen Beteiligung des Bundes und der besonderen Dynamik ihrer Aufwendungen von erheblicher finanzpolitischer Relevanz. Sie ist schliesslich eng mit dem - vorwiegend kantonalen - Gesundheitswesen verknüpft und daher neuerdings in die Diskussionen um die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen einbezogen worden. Es dürfte daher zweckmässig sein, das politische Beziehungsfeld, in dem die Krankenversicherung steht, kurz zu beleuchten, bevor wir im einzelnen auf ihre bisherige Entwicklung und die zahlreichen Revisionsbestrebungen eingehen.

III

Sozialversicherungspolitik

Die schweizerische Sozialversicherung hat sich stufenweise entwickelt. Zu Beginn des Jahrhunderts konzentrierten sich die Bemühungen des Bundesgesetzgebers auf die Ablösung der Fabrikhaftpflicht durch eine Unfallversicherung und den Ausbau der Krankenversicherung. Kurz vor dem ersten Weltkrieg konnte die Kranken- und Unfallversicherung gesetzlich geordnet werden und bildete in der Folge - zusammen mit der Militärversicherung und einem Förderungsgesetz zur Arbeitslosenversicherung - das bundesrechtliche Sozialversicherungssystem der Zwischenkriegszeit.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine kräftige Breitenentwicklung ein. Die Erfahrung einer umfassenden Solidarität, wie sie während des Krieges mit der Lohn- und Verdienstersatzordnung verwirklicht worden war, verband sich mit der Idee eines Mindestschutzes der Bevölkerung gegen die Folgen von Alter, Tod und Invalidität. Die AHV wurde als obligatorische Volksversicherung geschaffen und später durch die IV erweitert. Neben diesen Volksversicherungen wurden die übrigen Sozialversicherungszweige zwar zum Teil revidiert, strukturell aber nicht grundlegend verändert: die Krankenversicherung und die Arbeitslosenversicherung blieben weitgehend freiwillig, die obligatorische Unfallversicherung umfasste nur einen Teil der Arbeitnehmerschaft und von der neu geschaffenen verfassungsmässigen Möglichkeit zur Schaffung einer Familienzulageordnung machte der Bundesgesetzgeber nur für den Bereich der Landwirtschaft, von jener zur Schaffung einer Mutterschaftsversicherung nur im Rahmen der Krankenversicherung Gebrauch. Anderseits entwikkelte sich auf öffentlich- und privatrechtlicher Grundlage das Pensionskassenwesen, die sog. 2. Säule der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, zu einem wichtigen Faktor der sozialen Sicherheit. In der zweiten Hälfte der sechziger und der ersten Hälfte der siebziger Jahre erfuhren Prämien und Leistungen dieses recht heterogenen Sozialversicherungssystems vor allem unter dem 1122

Einfluss der Hochkonjunktur und wichtiger politischer Optionen eine kräftige Ausweitung. Die Anhangtabelle l zeigt die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben im Zeitraum von 1969 bis 1979.

Aus der Tabelle ergibt sich, dass die obligatorischen Rentenversicherungen, also die AHV, IV und EL, den stärksten Zuwachs aufweisen. Dies geht namentlich auf die 8. AHV-Revision zurück, durch die die Renten einigermassen existenzsichernd gestaltet wurden. Die günstige wirtschaftliche Lage erlaubte aber auch einen Ausbau der freiwilligen beruflichen AHI-Vorsorge, in der vor allem die Zahl der Versicherten zunahm. Eine beträchtliche Zunahme des Prämien- und Leistungsvolumens zeigt sich auch in der Krankenversicherung. Diese Zunahme ist allerdings nicht so sehr eine Folge der Erweiterung der Versichertenbestände oder des Leistungsspektrums, sondern geht in erster Linie auf die außergewöhnliche Steigerung der Krankenpflegekosten zurück. In der Unfallversicherung kombinierten sich - bei gleichbleibenden Rechtsgrundlagen - die Kostensteigerungen bei der Heilbehandlung mit den durch Lohnsteigerungen bedingten Erhöhungen der lohnabhängigen Leistungen. Der Zuwachs bei den übrigen Sozialversicherungen (MV. A1V, EO, FZ) geht hauptsächlich auf die Steigerung der Arbeitslosenleistungen zurück. Die Tabelle1 zeigt auch das Gewicht der einzelnen Sozialversicherungszweige. Im internationalen Vergleich ist das Gewicht der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge im Verhältnis'zu jenem der Krankenversicherung in der Schweiz etwas grösser als in den übrigen westeuropäischen Staaten; dies rührt vor allem daher, dass die Krankenversicherung namentlich für Spitalbehandlungen bei uns nur einen Teil des tatsächlichen Aufwandes vergütet.

Die veränderten wirtschaftlichen und finanzpolitischen Verhältnisse führten in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre zu einer gewissen Umorientierung der Sozialversicherungspolitik. Die Tendenz ging nun weniger auf einen Leistungsausbau als auf die Abrundung und zeitgemässe Ausgestaltung der Systeme und die Behebung von Lücken im Versicherungsschutz. Ferner kam der finanziellen Konsolidierung der einzelnen Sozialversicherungszweige vorrangige Bedeutung zu. Schliesslich musste eine verbesserte Koordination und ein effizienteres Zusammenwirken unter den einzelnen Zweigen .angestrebt werden. Diese Zielsetzungen bestimmten bereits die Richtung der 9. AHV-Revision. Sie beeinflussten auch die Behandlung der Vorlage über die berufliche Vorsorge, bei der es um die Ausdehnung bestehender Versicherungssysteme auf alle Arbeitnehmer und um die Einhaltung bestimmter Mindestnormen geht. Ebenso waren sie mässg'ebend für die Neuordnung der Unfallversicherung, bei der die Erweiterung des Obligatoriums auf alle Arbeitnehmer und die Koordination mit anderen Sozialversicherungszweigen im Vordergrund steht, und für die Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherung als allgemeine Arbeitnehmerversicherung. Von ähnlichen Überlegungen lassen sich auch unsere Vorschläge zur Teilrevision der Krankenversicherung leiten.

112

Finanzpolitik

Der Bund hat der Krankenversicherung immer einen hohen sozialen Stellenwert beigemessen und gewährt den Krankenkassen seit dem Inkrafttreten des KUVG 1123

Subventionen. Anfänglich wurden für jedes Mitglied frankenmässig festgesetzte Kopfbeiträge nach relativ schwach differenzierten Ansätzen für Männer, Frauen und Kinder, ferner Gebirgszuschläge und Wöchnerinnenbeiträge ausgerichtet.

Mit der Revision des KUVG vom Jahre 1964 wurden die Kopfbeiträge und damit rund 90 Prozent der Bundessubventionen (Grundsubventionen für versicherte Männer, Frauen und Kinder sowie Bergzuschläge) in Prozenten der landesdurchschnittlichen Krankenpflegekosten festgesetzt und durch einige Sondersubventionen (Mutterschaft, Tuberkulose, Krankenpflege Invalider) ergänzt.

Damit verdoppelte sich der Bundesbeitrag und stieg in der Folge wegen des überproportionalen Wachstums der Krankenpflegekosten ausserordentlich stark an. Die Anhangtabelle 2 setzt für die Jahre 1966 bis 1979 die Ausgaben der Krankenkassen und die Krankenkassensubventionen des Bundes in Beziehung zu den Gesamtausgaben des Bundes. Sie zeigt die Entwicklung dieser Grossen und vor allem das Gewicht, das den Subventionen im Bundeshaushalt zukommt.

Mit der Verschlechterung der Finanzlage des Bundes seit der Mitte der siebziger Jahre sahen sich denn auch Bundesrat und Parlament gezwungen die stets zunehmende Belastung aus den Krankenkassensubventionen einzugrenzen. Mit einer ersten Serie von Sparmassnahmen (BB über den Abbau von Bundesbeiträgen vom 31. Jan. 1975; SR 611.02 und gestützt darauf erlassene BRB und Verordnungen) wurden die Bundessubventionen für 1975/1976 um 10 Prozent und für 1977 um 11,5 Prozent herabgesetzt und ausserdem ab 1977 die Subventionen an die Krankengeldversicherung aufgehoben. Mit einem zweiten Sparpaket (BG über Massnahmen zum Ausgleich des Bundeshaushaltes vom S.Mai 1977; SR 611.04) wurden ab 1978 für die Grundsubventionen die Kopfbeiträge für 1976 als massgebend erklärt und die übrigen Subventionen auf die Leistungen im Jahre 1976 begrenzt, was praktisch zur Plafonierung der Bundessubventionen auf rund 880 Millionen Franken führte. Schliesslich ist durch ein drittes Sparpaket (BB über die Herabsetzung von Bundesleistungen vom 20. Juni 1980 und Verordnung vom 2. Juli 1980; SR 611.02) der Gesamtbetrag der Subventionen ab 1981 um 5 Prozent, also auf rund 840 Millionen Franken reduziert worden.

Durch alle diese Sparmassnahmen wurden die ursprünglich vorgesehenen Subventionen für die Jahre 1975 bis 1979 gesamthaft um rund 630 Millionen Franken geschmälert.

Bei den verschiedenen Eingriffen ins Subventionssystem ist stets darauf hingewiesen worden, dass im Zusammenhang mit der Teilrevision der Krankenversicherung Ziel und Höhe der Bundesbeiträge überprüft werde. Dies ist im Blick auf die gegenwärtige Vorlage geschehen. Die Subventionen sollen - wie im einzelnen noch zu zeigen sein wird - gezielter für Frauen und Kinder sowie für den Ausgleich der sog. Sozialhypotheken der Krankenkassen eingesetzt werden.

Was den Gesamtbetrag betrifft, so sind wir der Meinung, dass der Subventionsabbau der letzten Jahre zwar den Versicherten zusätzliche Belastungen gebracht hat, dass aber diese Belastungen das tragbare Mass nicht überschritten und den Krankenkassen in der Durchführung einer umfassenden sozialen Krankenversicherung keine offensichtlichen Nachteile gebracht haben. Wir sind deshalb der Meinung, dass auch für die künftigen Subventionen von einer Richtgrösse von 900 Millionen Franken ausgegangen werden soll. Hievon würden rund zwei Drittel - im Sinne einer Leistungsvorgabe - jeweils für drei Jahre festgesetzt,

1124

wogegen ein Drittel direkt kostenabhängig wäre. Auf die Frage der Beteiligung der Kantone an den Subventionen für die Krankenkassen werden wir unter Ziffer 113 näher eingehen.

113

Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen

Verfassungsrechtlich ist die Krankenversicherung dem Bund, das Gesundheitswesen zur Hauptsache den Kantonen zugewiesen. Zwischen den beiden Bereichen bestehen enge Beziehungen. Der Bund :bezeichnet die Pflichtleistungen, die die Krankenkassen bei ambulanter und stationärer Behandlung ihrer Versicherten zu erbringen haben, und beeinflusst damit indirekt das Angebot von Gesundheitsleistungen. Die Vergütung dieser Leistungen wird - abgesehen von den Arzneimitteln und Laboranalysen - grundsätzlich durch Verträge zwischen Krankenkassen und ihren Partnern im Gesundheitswesen festgesetzt, wobei bisher Tarifvereinbarungen mit Ärzten und Spitälern durchwegs auf kantonaler Ebene, jene mit anderen Medizinalpersonen vorwiegend gesamtschweizerisch festgelegt worden sind. Im Falle eines vertragslosen Zustandes hat die Kantonsregierung nach einem eingehend geregelten Verfahren für eine Tarifordnung zu sorgen. Diese Regelung führte namentlich im Bereich der Spitaltarife zu ganz erheblichen Unterschieden zwischen den Kantonen, sowohl was die Struktur der Vergütungen wie auch die sog. Deckungsquote, also das Verhältnis 'Vergütung/Kosten, betrifft, und stellte die Versicherung vor schwierige Aufgaben.

Tendenziell liess sich dabei in den letzten Jahren eine Mehrbelastung der Krankenversicherung im Spitalbereich beobachten. In verschiedenen parlamentarischen Vorstössen wurde denn auch eine verstärkte Einflussnahme des Bundes auf die Kostenentwicklung und auf die Planung im Spitalwesen verlangt.

Die Expertenkommission für die Teilrevision der Krankenversicherung befasste sich einlässlich mit'den Kosten- und Tariffragen und strebte im Spitalwesen die Einführung kostenbezogener Leistungen der Krankenkassen bei einer festen Deckungsquote von 50 Prozent und damit eine klare Abgrenzung der Leistungspflicht zwischen Krankenkassen und Spitalträgern an. Ferner sollte eine transparentere Rechnungsführung der Spitäler die Kostenermittlung erleichtern und Betriebsvergleiche unter den Spitälern ermöglichen. Diese Vorschläge fanden im Vernehmlassungsverfahren eine geteilte Aufnahme. Die grosse Mehrheit der Kantone lehnte die vorgeschlagene feste Deckungsquote ab, wogegen private Organisationen den Vorschlag im grpssen ganzen positiv aufnahmen.

Parallel zu den Vorarbeiten für die Teilrevision der Krankenversicherung liefen Untersuchungen einer Studienkommission über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen. Die Kommission prüfte dabei auch die Zusammenhänge zwischen Krankenversicherung und Gesundheitswesen. Sie kam zum Schluss, dass die Umschreibung der Pflichtleistungen in der Krankenversicherung unzweifelhaft Bundessache sei. Dagegen erarbeitete sie zwei Varianten zur Frage der Tarifautonomie. Eine;Variante I sah die Beibehaltung der bisherigen Taxhoheit der Kantone vor, wobei die Kantone die Hälfte der Subventionen für die Krankenkassen zu tragen hätten. Die Variante II sah in Anlehnung an die Vorschläge der Expertenkommission für die Teilrevision der Krankenversicherung vor, dass der Bund für Spitäler einen Höchstbetrag der Deckungs1125

quote festlegen könne, anderseits aber die Beitragsleistung an die Krankenkassen voll zu übernehmen habe. Die Vernehmlassungen zu diesen Vorschlägen ergaben, dass 22 Kantone, 5 Parteien und 17 Organisationen für die Variante I, l Kanton, 2 Parteien und 13 Organisationen für die Variante II und 3 Kantone, l Partei und 2 Organisationen gegen beide Varianten eingestellt waren.

Ausgehend von diesen Stellungnahmen schlagen wir Ihnen nun eine Lösung vor, die sich an die erwähnte Variante I der Neuverteilung der Aufgaben anlehnt.

Diese Lösung trägt der Zuständigkeit der Kantone im Gesundheitswesen und in der Spitalpolitik Rechnung. Mit der Botschaft über erste Massnahmen zur Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen werden wir Ihnen vorschlagen die Kantone demgegenüber von ihrer Beteiligung an der AHV zu entlasten. Die Beteiligung der Kantone an der Krankenversicherung wird in diesem Sinne erst dann in Kraft gesetzt werden, wenn die Kantone durch die Neuverteilung der Aufgaben in anderen Bereichen eine angemessene Entlastung erfahren. Die vorgesehene Umverteilung der Lasten erscheint uns deshalb sinnvoll, weil die AHV praktisch ausschliesslich durch Bundesrecht gestaltet wird, während anderseits die Krankenversicherung wegen ihres engen Zusammenhanges mit dem Gesundheitswesen zahlreiche Berührungspunkte mit Aufgaben der Kantone aufweist. Die Kantone verfügen namentlich im Bereich der Finanzund Tarifpolitik im Spitalwesen über eine breite Gestaltungsfreiheit und können daher die Kosten der Krankenversicherung wesentlich beeinflussen. Ihre Beteiligung an der Finanzierung der Krankenversicherung muss daher vorgesehen werden, um einer ungerechtfertigten Überwälzung der Spitalkosten auf die Krankenversicherung entgegenzuwirken und um für die Kosteneindämmung im Gesundheitswesen auch auf der Ebene der Kantone einen Anreiz zu schaffen.

Eine andauernde, die Entwicklung der Löhne wesentlich übertreffende Kostensteigerung in der Krankenversicherung würde nämlich letztlich das heutige, auf einkommensunabhängigen Versicherungsprämien beruhende Krankenversicherungssystem als solches gefährden. Bei der vorgeschlagenen Lösung zählen wir daher auch auf eine verantwortungsbewusste Tarifpolitik der Kantone. Für finanzschwächere Kantone soll die Belastung aus der Neuverteilung der Aufgaben über den allgemeinen Finanzausgleich in einem tragbaren Rahmen gehalten werden.

12

Die Entwicklung der Krankenversicherung

121

Allgemeines

Die Verfassungsgrundlage der sozialen Krankenversicherung bildet der im Jahre 1890 in die BV aufgenommene Artikel 34bis, der den Bund ermächtigt, die Krankenversicherung unter Berücksichtigung der bestehenden Krankenkassen einzurichten und allgemein oder für einzelne Bevölkerungsklassen obligatorisch zu erklären.. Ein erster Versuch, mit der sog. Lex Forrer eine teilobligatorische Krankenpflege- und Krankengeldversicherung einzuführen, scheiterte im Jahre 1900 am negativen Volksentscheid. Das hierauf in mehrjähriger Beratungen ausgearbeitete Bundesgesetz vom 13. Juni 1911 über die Kranken- und Unfallversicherung (KUVG) beschränkt sich im wesentlichen auf die Anerkennung und 1126

Subventionierung der Krankenkassen und. die Regelung der Aufnahme und Freizügigkeit der Mitglieder, der Mindestleistungen und der Finanzierung; die Einführung eines Obligatoriums wurde den Kantonen und allenfalls den Gemeinden überlassen. Damit erhielt die soziale Krankenversicherung ihre noch heute gültige Form einer bundesrechtlich freiwilligen Individualversicherung, die durch anerkannte und subventionierte Krankenkassen durchgeführt wird.

Das KUVG blieb bis 1964 praktisch unverändert.

Die Aufnahme von Artikel 34quinquies Absatz 4'in.die BV im Jahre 1945, der den Bund mit ' der Einrichtung einer Mutterschaftsversicherung beauftragte, führte zu keiner Trennung zwischen Kranken- und Mutterschaftsversicherung.

Mit der Revision des KUVG von 1964 wurden zwar die Leistungen der Krankenversicherung erweitert und einige spezifische Mutterschaftsleistungen eingeführt, ferner das Arztrecht und die Rechtspflege neu gestaltet sowie die Subventionen erhöht; aber die Struktur der Versicherung wurde nicht verändert. Wir haben in der Botschaft vom 19. März 1973 zu den Verfassungsvorlagen zur Kranken-, Unfall- und Mutterschaftsversicherung die Rechtsentwicklung in diesen Bereichen einlässlich dargestellt und werden unter Ziffern 13 und 14 auf die neueren Revisionsbegehren und -bestrebungen eingehen. Im folgenden soll die Entwicklung der Krankenversicherung seit 1966 und ihr heutiger Stand darge: stellt werden.

122

Die versicherten Personen

122.1

Die Krankenpflegeversicherung

Die soziale Krankenversicherung ermöglicht es allen Einwohnern unseres Landes, sich für Krankenpflege zu versichern. Eine gut ausgebaute Krankenpflegeversicherung bildet zweifellos einen, wesentlichen Bestandteil der sozialen Si' cherheit. Wie die nachstehende Texttabelle, l zeigt, nimmt denn auch .die Versicherungsdichte - Zahl der Versicherten je 100 Einwohner - in diesem Bereich ständig zu.

Versicherungsdichte in der Krankenpflegeversicherung Texttabelle l Jahre

Geschätzte mittlere Wohnbevölkerung

1966 1967 1968 1969 1970 1971

5 996 000 6 063 000 6 132 000 6212000 6 267 000 6 324 000

1

Krankenpflegeversicherte1'

Versicherungsdichte2)

5 046 375 5 191 918 5319543 5447927 5 569 400 5 697718

842

85 6 86,8 '87,7 88,9 90,1

'' Ohne im Ausland wohnhafte Personen.

' Versicherte auf 100 Einwohner.

2

1127

Jahre

1972 1973 .

1974 1975 1976 1977 1978 .

1979

.

....

...

Geschätzte mittlere Wohnbevölkerung

KrankenpflegeVersicherte ^

Versicherungsdichte2)

6 385 000 6431000 6 442 800 6 405 000 6 346 000 6 327 000 6 337 000 6 356 300

5830521 5948851 6 029 863 6018233 5 990 076 6000486 6042418 6 096 509

91,3 925 93,6 940 944 94,8 954 959

') Ohne im Ausland wohnhafte Personen.

Versicherte auf 100 Einwohner.

2)

1979 gehörten rund 96 Prozent der Bevölkerung der Krankenpflegeversicherung an; bei den privaten Versicherungsgesellschaften dürften in dieser Sparte rund 130000 Personen versichert sein, so dass nur noch etwa 130000 Einwohner über keine Krankenpflegeversicherung verfügen. Gewisse Indizien deuten darauf hin, dass die Versicherungsdichte bei den Betagten geringer ist als bei Personen der mittleren und jüngeren Generation.

Einige Kantone und mehrere Gemeinden haben von dem ihnen in Artikel 2 KUVG eingeräumten Recht Gebrauch gemacht, in ihrem Gebiet für die Bevölkerung allgemein oder für einzelne Bevölkerungsgruppen eine obligatorische Krankenversicherung einzuführen.

Nach einer jahrzehntelangen Entwicklung ergibt sich gegenwärtig auf dem Gebiet der obligatorischen Krankenversicherung folgende Situation: - Der Kanton Neuenburg hat neuerdings die Krankenpflegeversicherung allgemein obligatorisch erklärt. Der Kanton Jura hat den Grundsatz des allgemeinen Obligatoriums in seiner Verfassung verankert, aber bisher noch nicht durch ein entsprechendes Gesetz verwirklicht; - 14 Kantone (AR, AI, BL, BS, FR, GE, LU, SG, SO, TI, TG, VD, VS, ZG) haben das Obligatorium im ganzen Kantonsgebiet für bestimmte Bevölkerungsgruppen - vor allem für wenigbemittelte Erwachsene und ihre Kinder - eingeführt und teilweise an die Gemeinden delegiert; - 6 Kantone (BE, GR, SH, SZ, UR, ZH) haben diese Befugnis ganz ihren Gemeinden übertragen; - 4 Kantone (AG, GL, NW, OW) haben weder auf kantonaler noch auf Gemeindeebene ein Obligatorium eingeführt.

Aufgrund dieser kantonalen und kommunalen Vorschriften ist schätzungsweise ein Viertel der Wohnbevölkerung obligatorisch für Krankenpflege versichert.

Ein Obligatorium besonderer Art schaffen ferner die in verschiedene Sozialversicherungsabkommen aufgenommenen Vorschriften, die die Arbeitgeber verpflichten, dafür zu sorgen, dass sich ihre ausländischen Arbeitnehmer für Krankenpflege versichern.

1128

122.2

Die Krankengeldversicherung

In der Praxis der Krankengeldversicherung, ist zu unterscheiden zwischen den lohnprozentualen Taggeldern für Erwerbstätige, die der Deckung des krankheitsbedingten Verdienstausfalles dienen, und kleineren Taggeldern, die nicht einkommensbezogen sind. Im Jahre 1979 betrug die Zahl der Erwerbstätigen 2,961 Millionen Personen. In der Statistik des Bundesamtes für Sozialversicherung werden zwar die beiden Typen der Krankengeldversicherung nicht gesondert erfasst. Berücksichtigt man indessen die Zahl der im Rahmen von Kollektivversicherungsverträgen sowie bei den Betriebskrankenkassen für Krankengeld versicherten Personen, sind bei den Kassen vermutlich ungefähr l Million Versicherte gegen Erwerbsausfall gedeckt. Schätzungsweise weitere 500 000 Erwerbstätige sind bei den privaten Versicherungsgesellschaften für Krankengeld versichert. Somit dürfte rund die Hälfte aller Beschäftigten für einen bedeutenden Teil des Lohnes krankengeldversichert sein. Angaben über den effektiven Versicherungsschutz der aktiven Bevölkerung sind jedoch nicht möglich, da die Höhe des versicherten Krankengeldes sehr unterschiedlich ist.

Auch die Krankengeldversicherung beruht grundsätzlich auf Freiwilligkeit. Nur ganz vereinzelt schliessen Kantone in die Obligatorien der Krankenpflegeversicherung auch ein bescheidenes Krankengeld ein. In Gesamtarbeitsverträgen werden zahlreiche Arbeitgeber verpflichtet (Abgeltung der gesetzlichen Lohnzahlungspflicht), ihre Arbeitnehmer bei Krankheit gegen Lohnausfall zu versichern. Eine Anzahl von Kassen verpflichten ihre. Pflegeversicherten zum Abschluss einer Grundkrankengeldversicherung in der gesetzlichen Mindesthöhe von 2 Franken.

123

Die Versicherungsleistungen und die Kostenentwicklung

Nach dem geltenden Recht haben die Kassen im Rahmen der Kranken- und Mutterschaftsversicherung mindestens die ambulante und stationäre Krankenpflege oder ein tägliches Krankengeld von wenigstens 2 Franken bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit zu gewähren. Sie können diese gesetzliche Leistungspflicht hinsichtlich Umfang und Dauer statutarisch erweitern, indem sie Mehrleistungen in die Grundversicherung,einschliessen oder diese in Form von Zusatzversicherungen erbringen. Starke Verbreitung haben insbesondere Zusatzversicherungen im Bereiche der Spitalbehandlung erfahren.

Die Übersicht über die Ausgaben aller Kassen nach den wichtigsten Ausgabengruppen in den Jahren 1966 bis 1979 (Anhangtabelle 3) zeigt, dass den Leistungen der Krankenpflegeversicherung das grösste Gewicht zukommt. Schon 1966 sind von den Kassen etwa 58 Prozent der Gesamtausgaben für Leistungen aus der Krankenpflegeversicherung ausgerichtet worden, die Aufwendungen für die Krankengeldversicherung betrugen dagegen damals nur rund 19 Prozent. Dieses Verhältnis hat sich in der Folge weiter in Richtung auf die Krankenpflegeversicherung verschoben, indem 1979 rund 9 Prozent auf die Krankengelder und rund 71 Prozent auf die Krankenpflegekosten entfielen.

Von ganz besonderer Bedeutung für die Beurteilung der Kostenentwicklung in der Krankenversicherung sind ohne Zweifel die durchschnittlichen Kranken1129

pflegekosten je Versicherten, die den allgemeinen Kostenanstieg deutlicher als alle ändern Indikatoren in Erscheinung treten lassen.

Ein Vergleich der verschiedenen Indikatoren in der Periode 1966 bis 1979 (Anhangtabelle 4 und Graphik 1) zeigt, dass der Preisindex um 77 Prozent, die Arbeiterlöhne um 147 Prozent und die Krankenpflegekosten um 329 Prozent gestiegen sind. Während seit 1966 die Arbeiterlöhne jährlich um durchschnittlich 7,3 Prozent zugenommen haben, stiegen die Krankenpflegekosten je Versicherten um durchschnittlich 11,9 Prozent im Jahr. Somit nahmen die Krankenpflegekosten seit 1966 im Durchschnitt um rund 60 Prozent stärker zu als die Arbeiterlöhne.

Der grossie Teil der Krankenpflegekosten (Anhangtabelle 5 und Graphik 2) entfällt auf die ärztliche Behandlung, obwohl deren Anteil im Laufe der Jahre etwas zurückging und im Jahr 1979 noch knapp 41 Prozent der Gesamtkosten ausmachte, gegenüber rund 48 Prozent im Jahre 1966.

Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Arzneimittelkosten festzustellen, die 1979 nahezu 21 Prozent aller Krankenpflegekosten ausmachen, gegenüber 25 Prozent im Jahre 1966. Dagegen ist bei den Aufwendungen für Behandlungen in Heilanstalten eine stetige Zunahme von 25 Prozent im Jahre 1966 auf etwas mehr als 36 Prozent der Gesamtkosten im Jahre 1979 zu verzeichnen.

Die Gesamtkosten je Versicherten haben in der Krankenpflegeversicherung während der letzten zwölf Jahre jährlich zwischen 5 und 18 Prozent zugenommen. Der Anstieg ist bei der ambulanten Behandlung zwar etwas geringer ausgefallen (Erhöhung zwischen 3 und 17%), bei den Behandlungen in Heilanstalten liegt er jedoch in der Regel ganz beträchtlich über diesen Zuwachsraten.

Bei den erwähnten Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte. Individuelle Kostenunterschiede ergeben sich insbesondere nach dem Alter und dem Geschlecht der versicherten Personen. Vorab das Alter spielt in der Krankenversicherung eine bedeutende Rolle. Nach den Untersuchungen einer grossen Kasse (siehe Graphik 3 im Anhang) verursacht bei den Männern ein 50jähriger Versicherter im Durchschnitt die doppelten, ein 70jähriger Versicherter sogar die fünffachen Kosten, bei den Frauen eine 60jährige Versicherte die doppelten, eine 70jährige Versicherte die dreifachen Kosten der 20jährigen Versicherten.

Nicht unwesentlich ist ferner die
Abhängigkeit der Kosten vom Geschlecht. Detaillierte Untersuchungen derselben Kasse ergaben, dass die im Altersbereich 20-50 Jahre höheren Kosten der iFrauen nur zum Teil durch die Mutterschaftsleistungen bedingt sind.

124 124.1

Die Finanzierung Allgemeines

Die hauptsächlichsten Finanzierungsquellen der Krankenversicherung bilden die Aufwendungen der Versicherten - Mitgliederbeiträge und Kostenbeteiligung - sowie die Beiträge der öffentlichen Hand. Wie die Anhangtabelle 6 zeigt, hat sich das Gewicht der einzelnen Einnahmenpositionen seit 1966 nicht wesentlich verändert.

1130

124.2

Die Mitgliederbeiträge

Die Beiträge der Versicherten werden für die Krankenpflege- und die Krankengel dleistungen getrennt festgesetzt, ;und zwar vorwiegend in festen Frankenbeiträgen; lohnprozentuale Beiträge kommen nur in Kollektiwersicherungsverträgen und bei einigen wenigen Betriebskrankenkassen vor. Die Beiträge können nach dem Eintrittsalter, nach dem Geschlecht, nach den örtlichen Verhältnissen sowie zugunsten von Minderjährigen oder wirtschaftlich schwächeren Versicherten abgestuft werden; eine, Abstufung der Beiträge ist immer dann vorgeschrieben, wenn ein zwischen Ärzten und Kassen abgeschlossener Vertrag die Einteilung der Versicherten nach ihren Einkommens- und Vermögensverhältnissen vorsieht und sich demgemäss die Vergütungen für die ärztlichen Leistungen nach diesen Gruppen richten.

Regional weisen die Beitragssätze relativ grosse Unterschiede auf. Diese Unterschiede sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Neben den kantonal unterschiedlichen Tarifen der Medizinalpersonen und der Heilanstalten spielt hier auch das ungleiche Angebot und, die unterschiedliche Inanspruchnahme von medizinischen Dienstleistungen in ländlichen und städtischen Regionen eine ausschlaggebende Rolle (gemäss Äfztestatistik 1979 entfallen auf einen freipraktizierenden Arzt in der Stadt 561 Einwohner gegenüber 1604 auf dem Land).

124.3

Die Kostenbeteiligung

:

Seit der Revision von 1964 besteht die Beteiligung des Versicherten an den Behandlungskosten aus einem prozentualen Selbstbehalt und - bei volljährigen Versicherten - aus einer Franchise. Jegliche Kostenbeteiligung ist ausgeschlossen bei Aufenthalt in der Heilanstalt, bei Erkrankung an Tuberkulose, auf den Kurbeiträgen für Badekuren sowie auf den Leistungen bei Mutterschaft.

Der Bundesrat hat den Selbstbehalt auf, .10 Prozent der ambulanten Krankenpflegekosten und die Franchise, die einen festen Mindestbeitrag darstellt, den die Kassen auf den Kosten der Behandlung durch den Arzt oder Chiropraktor bei jedem Krankheitsfall von den volljährigen Versicherten zu erheben haben, grundsätzlich auf 30 Franken festgesetzt; in Abweichung von diesem Grundsatz beträgt die Franchise 50 Franken für Versicherte der durch Ärzteverträge gegebenenfalls vorgesehenen oberen Tarifgruppe und mindestens 50 Franken für Versicherte in sehr guten wirtschaftlichen Verhältnissen.

Überdies sind die Kassen befugt, bei der Abgabe von Krankenscheinen mit einer Gültigkeitsdauer von 90 Tagen eine Gebühr von höchstens 2 Franken: zu erheben.

Wieweit die Kostenbeteiligung kostendämpfend wirkt, lässt sich nichtgenau abschätzen. Der finanzielle Effekt geht aus Anhangtabelle 6 hervor. Zweifellos muss sich jede Kostenbeteiligungsregelung vor allem auf Kleinfälle ausrichten.

Aufgrund von Untersuchungen einer grossen Kasse machen diese Kleinfälle mit Kosten von höchstens 250 Franken heute rund 50 Prozent der Fälle, aber lediglich rund 10 Prozent der gesamten Versicherungsaufwendungen aus (vgl. Graphik 4 im Anhang).

1131

124.4

Die Subventionen

Die Versicherungskosten werden zum Teil durch Subventionen der öffentlichen Hand, also durch Beiträge des Bundes sowie durch Kantons- und Gemeindebeiträge, gedeckt.

Der Bund gewährt den Kassen folgende Beiträge: a. Grundbeiträge in der Krankenpflegeversicherung (jährliche Kopfbeiträge für Männer, Frauen und Kinder) ; b. Beiträge an Leistungen bei Mutterschaft (Wochenbettbeiträge für Krankenpflege- und Krankengeldversicherte, Beiträge an Stillgelder); c. Beiträge bei Erkrankung an Tuberkulose (Krankenpflege- und Krankengeldversicherte); d. Beiträge an die Krankenpflege Invalider; e. Gebirgszuschläge (Beiträge an Krankenpflegeversicherte und Wartgeldbeiträge für Ärzte).

Die Bundessubventionen betrugen für das Jahr 1979 895 Millionen Franken, nachdem sie infolge Verschlechterung der Finanzlage des Bundes seit 1975 zunächst gekürzt und ab 1978 praktisch auf den Stand von 1976 plafoniert wurden (vgl. dazu Ziff. 112). Wegen des heute geltenden Auszahlungsmodus, nach welchem in einem bestimmten Jahr ein Vorschuss für das laufende Jahr und der Restbeitrag für das Vorjahr zur Auszahlung gelangen, stimmen diese Zahlen nicht mit jenen der Staatsrechnung überein. Im Jahre 1979 beliefen sich die effektiven Auszahlungen an die Krankenkassen auf rund 880 Millionen Franken.

Neben dem Bund leisten heute alle Kantone und mehrere Gemeinden Beiträge an die Kassen nach unterschiedlichen Kriterien, beispielsweise als Zuschläge zu den Bundesbeiträgen, als frankenmässige Kopfbeiträge oder als Beiträge zur Prämienermässigung für bestimmte Versichertengruppen. 1966 machten die von Kantonen und Gemeinden ausgerichteten Beiträge 61 Millionen Franken oder 4,9 Prozent aller Kasseneinnahmen aus und 1979 haben diese Beiträge eine Höhe von rund 296 Millionen Franken (Kantone 269 Mio., Gemeinden 27 Mio.

Fr.) bzw. 5,5 Prozent der gesamten Kasseneinnahmen erreicht.

125

Die Krankenkassen

125.1

Die Struktur

Die Durchführung der Krankenversicherung ist den anerkannten Krankenkassen anvertraut. Während die Zahl der Kassen seit den fünfziger Jahren dauernd zurückging, nahm der Versichertenbestand ständig zu. Lediglich in den Jahren 1975 und 1976 war - parallel zu dem meistens als Folge der Rezession einsetzenden Bevölkerungsschwund - eine gewisse Abnahme bei den Versicherten, zu verzeichnen. Seit 1977 ist aber die Versichertenzahl erneut um rund 113 000 angewachsen. Die nachstehende Tabelle zeigt die Entwicklung seit 1966.

1132

Gesamtzahl der Kassen und Versicherten Texttabelle 2 Jahre

1966 1967 1968 1969....

1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

'

,

Kassen

Versicherte1'

898 875 857 840 815 793 763 735 707 662 634 615 598 577

5551 116 5701 034 5 823 863 5 952 606 6081 402 6 229 413 6 395 624 6 535 407 6 629 638 6622191 6585088 6 594 968 6 659 723 6 735 370

'' Mitglieder der Kassen ohne Unterscheidung nach ihrem Versicherungsanspruch.

Dieses Anwachsen des Versichertenbestandes bei abnehmender Zahl der Kassen hat zugleich in der Aufteilung der Kassen nach ihrer Grosse zu einer strukturellen Umschichtung geführt (Anhangtabelle 7); die kleineren Kassen mit weniger als 20 000 Versicherten verloren etwas ; an Boden und wurden von den grösseren und grössten Kassen überflügelt, denen fast die gesamte Zunahme des Versichertenbestandes zugute kam. Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass 1979 die kleinste Kasse nur 28 Versicherte zählte, während die grösste Kasse rund 1,2 Millionen Mitglieder aufwies.

In der sozialen Krankenversicherung sind hauptamtlich rund 4500 Personen und nebenamtlich schätzungsweise gegen 15 000 Personen beschäftigt. Die Verwaltungskosten der Kassen sind im Verhältnis zu den Ausgaben von 9,6 Prozent (1966) auf 7,6 Prozent (1979) zurückgegangen (vgl. Anhangtabelle 3).

125.2

Die Finanzlage der Kassen

Die Leistungen der Kassen werden grundsätzlich durch die laufenden Einnahmen finanziert. Dieses Umlageverfahren muss aber noch durch einen Sicherheits- und einen Schwankungsfonds ergänzt werden, vor allem um ausserordentlichen Belastungen begegnen und die Prämien über einige Jahre stabil halten zu können. Die Mindesthöhe der Reserven hat einem nach der Anzahl der Versicherten abgestuften Anteil der jeweiligen Jahresausgaben zu entsprechen.

Der erforderliche Anteil - die sogenannte Vermögensquote - liegt gemäss den geltenden Vorschriften je nach dem Versichertenbestand der Kassen zwischen 20 und 160 Prozent einer Jahresausgabe.

1133

1966 betrug die durchschnittliche Vermögensquote aller Kassen 44 Prozent, 1971 nur noch 38 Prozent. Sie sank in den folgenden Jahren kontinuierlich weiter und erreichte 1975 den bisher tiefsten Stand von 28,5 Prozent. Seither besserte sich die Lage und 1979 betrug die durchschnittliche Vermögensquote 36,2 Prozent. Dank diesem Anstieg, der auf die etwas verflachte Kostensteigerung zurückzuführen ist, beträgt das Vermögenstotal der Kassen im Jahre 1979 1,9 Milliarden Franken bei Gesamtausgaben von nahezu 5,3 Milliarden Franken, was einem Betrag von rund 282 Franken je Mitglied entspricht. Diese Zahlen beziehen sich auf alle von den Kassen durchgeführten Ve Sicherungen, also nicht nur auf die Krankenpflegeversicherung.

Vermögen der Kassen Texttabelle 3 Ausgaben in

Jahre

1966 1967 .

1968 1969 1970 1971 .

1972 1973 1974 1975 1976 1977 ...

1978 1979

. .· ..

1234814 1 404 928 1 560 922 1 730 292 1 954 708 2 255 392 2 689 799 3 068 645 3577932 4 053 935 4467127 4 675 292 4961514 5 260 961

Vermögen absolut in 1 000 Franken

in Prozenten der Ausgaben

546 230 544819 620 940 707 551 792 497 858 068 904 655 994011 1 073 002 1 154305 1 297 977 1 546 137 1 769 125 1 904 108

442 38 8

39 8

409 405 38 0 33 6

324 300 28,5 29,1 33,1 35,7 36,2

Trotz einer beachtlichen Ausgabensteigerung in den vergangenen Jahren erfüllt heute die überwiegende Zahl der Kassen die gesetzlichen Vorschriften über die finanzielle Sicherheit, die letztmals 1971 revidiert wurden. Vermögensreserven von rund einem Drittel einer Jahresausgabe können als angemessen bezeichnet werden. Die künftige Entwicklung wird vom Ausmass der Kostensteigerung in den nächsten Jahren abhängen. Bei einem verstärkten Kostenanstieg dürfte ein Rückgang der Vermögensquote wahrscheinlich sein.

13

Die Revisionsbegehren

Das in weiten Kreisen empfundene Bedürfnis nach einer Revision der Krankenversicherung spiegelt sich in der Vielzahl der dazu eingereichten Begehren.

Diese haben seit der Abstimmung vom 8. Dezember 1974 über die Volksinitiative für die soziale Krankenversicherung und den Gegenentwurf des Parlaments

1134

noch zugenommen. Sie bewegen sich auf verschiedenen Ebenen. Neben der Standesinitiative des Kantons Waadt liegen praktisch aus allen politischen Lagern parlamentarische Vorstösse yor.

131

Standesinitiative des Kantons Waadt

Am 4. Oktober 1968 reichte der Kanton Waadt eine Standesinitiative ein, die die «Einführung einer allgemein-obligatorischen Krankenversicherung» zum Gegenstand hatte. : 132

Parlamentarische Vorstösse zur Krankenversicherung

In,den letzten zwei Jahrzehnten wurde in über 50 parlamentarischen Vorstössen (vgl. dazu die Zusammenstellung am Anfang der Botschaft) eine teilweise oder umfassende Revision der Krankenversicherung verlangt. Nachstehend werden die wichtigsten in diesen Vorstössen aufgestellten Forderungen - summarisch und nach Themenkreis gegliedert - erwähnt.

Bei den auf den Ausbau der Krankenversicherung gerichteten Vorstössen beschäftigt sich ein beachtlicher Teil mit dem Kreis der zu versichernden Personen. Das in dieser Hinsicht weitestgehende Begehren geht auf eine i für die ganze Bevölkerung obligatorische Krankenpflegeversicherung. Nach anderen Vorstössen soll der Versicherungsschutz der Bevölkerung verbessert werden durch Abschaffung der Versicherungsvorbehalte bei Neueintritten oder Höherversicherungen bezüglich vorbestandener Krankheiten, durch Gewährung der statutarischen Krankenkassenleistungen auch während des Straf- oder Massnahmenvollzugs sowie der Untersuchungshaft und durch Erleichterung des Beitritts von nicht versicherten Betagten und heimkehrenden Auslandschweizern.

Den Ausbau der Krankenversicherung bezwecken sodann auch jene Begehren, die auf eine Erweiterung des Leistungskatalogs gerichtet sind. Danach wären Zahnbehandlungen, Vorsorgeuntersuchungen und die Hauskrankenpflege neu in die Versicherung einzubeziehen, während die Leistungen für psychiatrische Behandlungen und Entziehungskuren von Alkoholikern ausgedehnt werden sollen. Andere Vorstösse verlangen bei Aufenthalt in einer Heilanstalt die Einführung einer zeitlich unbegrenzten Leistungsdauer der Krankenkassen.

Zur Eindämmung der Kosten sehen die .Begehren namentlich die Erhöhung der Franchise oder des Selbstbehaltes, den Ausschluss von Bagatellfällen, die Kontrolle der Kosten für Arzt, Arzneimittel und Spital sowie die Festsetzung von Tarifrichtlinien für Spitäler durch den Bund vor.

Zur Finanzierung der Krankenpflegeversicherung sind Vorstösse eingereicht worden, die u. a. ' ein gerechteres Finänzierungssystem, die Abschaffung des «Giesskannenprinzips» bei den Subventionen sowie die Prämiengleichheit von Mann und Frau verlangen.

Im Bereich der Krankengeldversicherung ist insbesondere das auf die Schaffung einer für alle Arbeitnehmer obligatorischen Krankengeldversicherung gerichtete Begehren zu erwärmen. Danach soll die Finanzierung über einheitliche und lohnprozentual gestaltete Prämien erfolgen, wobei diese je zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer zu tragen sind.

1135

133

Parlamentarische Vorstösse und Volksinitiative zur Mutterschaftsversicherung

Zahlreiche parlamentarische Vorstösse beschäftigen sich mit der Mutterschaftsversicherung. Die einen verlangen eine Leistungsverbesserung im Rahmen der bestehenden Krankenversicherung, andere streben die Trennung von Krankenund Mutterschaftsversicherung und die Einrichtung einer besonderen Versicherung für Mutterschaft an. Alle diese Vorstösse zielen auf einen besseren Schutz der Schwangeren und Wöchnerin, sei sie erwerbstätig oder nicht, und zwar postulieren sie folgendes: Ausdehnung des Versicherungsschutzes auf alle Frauen durch die Einrichtung eines Versicherungsobligatoriums, Ausbau der Pflegeleistungen oder Geldleistungen (sowohl für die erwerbstätige wie auch die nichterwerbstätige Mutter), Ausdehnung des Kündigungsschutzes, Verlängerung des Mutterschaftsurlaubes, Gewährung eines Elternurlaubes sowie Massnahmen zur späteren Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit.

Die am 21. Januar 1980 eingereichte Volksinitiative «für einen wirksamen Schutz der Mutterschaft» verlangt die Einrichtung einer obligatorischen und allgemeinen Mutterschaftsversicherung und enthält im wesentlichen die bereits aufgezählten Postulate ausser demjenigen betreffend Massnahmen zur Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit.

14

Die Revisionsbestrebungen

141

Bis zur Volksabstimmung vom 8. Dezember 1974

Die Bemühungen um die Neugestaltung der Krankenversicherung gehen auf die späten sechziger Jahre zurück. Im Jahre 1969 setzte das Departement des Innern eine Expertenkommission ein mit dem Auftrag, «alle Fragen, die sich im Hinblick auf eine Revision der Krankenversicherung stellen, zu prüfen und ihm zuhanden des Bundesrates darüber Bericht zu erstatten». Die Kommission behandelte sehr einlässlich die Problematik der Krankenversicherung und der damit zusammenhängenden Bereiche des Gesundheitswesens und legte am 11. Februar 1972 einen Bericht mit Grundsätzen für eine Neuordnung der Krankenversicherung vor, das sog. «Flimser Modell». Dieses Expertenprojekt befürwortete eine allgemeine obligatorische, durch Lohnprozente zu finanzierende Spitalversicherung; die übrige Krankenpflegeversicherung sollte bundesrechtlich weiterhin freiwillig bleiben, wobei aber ein gewisser Leistungsausbau (Prophylaxe, Zahnbehandlung) und ein gezielter Einsatz der Subventionen vorgeschlagen wurden. Zudem sollte für alle Arbeitnehmer eine obligatorische Krankengeldversicherung, finanziert durch Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge, eingeführt werden. Im Vernehmlassungsverfahren fand das «Flimser Modell» eine geteilte Aufnahme und gab zu einer Reihe von Gegenmodellen und abweichenden Revisionskonzepten Anlass. Der Bundesrat entschloss sich daher, auf eine Gesetzesrevision zu verzichten und das Problem der Neuordnung der Krankenversicherung auf Verfassungsebene weiterzuverfolgen.

Dieses Vorgehen drängte sich auch deshalb auf, weil im März 1970 eine Volksinitiative «für die soziale Krankenversicherung» eingereicht worden war, die in der Verfassung das Prinzip der obligatorischen und nach den Regeln der AHV 1136

finanzierten Krankenpflege- und Krankengeldversicherung verankern wollte.

Der Bundesrat arbeitete zu diesem Volksbegehren einen Gegenentwurf aus, der im .wesentlichen eine ; obligatorische Grossrisiko-Versicherung, eine freiwillige übrige Krankenpflegeversicherung und das Obligatorium für die Krankengeldversicherung der Arbeitnehmer vorsah. Dieser Vorschlag des Bundesrates wurde vom Parlament - nach grösseren Auseinandersetzungen - erheblich umgestaltet.

Auf die Einführung eines Bundesobligatoriüms in der Krankenpflegeversicherung wurde verzichtet; hingegen wurde die Erhebung eines Beitrags von höchstens 3 Lohnprozenten nach den Regeln der AHV .vorgesehen, der für die Verbilligung der Heilanstaltsbehandlung, der Hauspflege, .der Mutterschaftsleistungen und präventivmedizinischer Massnahmen verwendet werden sollte. Der Leistungsbereich der Krankenpflegeversicherung wurde im übrigen etwas1 weiter gefasst und die obligatorische Krankengeldversicherung für Arbeitnehmer belassen.

In der Volksabstimmung vom 8. Dezember 1974 wurden Volksinitiative und Gegenentwurf von Volk und Ständen abgelehnt, die Volksinitiative mit l 010 103 Nein gegen 384 155 Ja und der Gegenentwurf mit 883 179 Nein gegen 457 923 Ja; alle Stände lehnten beide Vorlagen ab.

142

Seit der Volksabstimmung vom 8. Dezember 1974

Unmittelbar nach dem negativen Ausgang der Abstimmung wurde in parlamentarischen Vorstössen eine Revision der Krankenversicherung auf Gesetzesebene verlangt. Schon in der Märzsession 1975 erklärte sich der Bundesrat bereit, die Vorarbeiten für eine Gesetzesrevision an die Hand zu nehmen. Er beauftragte daraufhin das Bundesamt für Sozialversicherung, mit den Kantonen und den interessierten Organisationen Vorbesprechungen über die Möglichkeiten einer Revision zu führen. Auf Grund der, Ergebnisse dieser Gespräche hat das Bundesamt Thesen für ein mögliches Revisionskonzept aufgestellt. Im Mai 1976 setzte das Departement des Innern eine Expertenkommission ein und gab ihr den Auftrag, Grundsätze für eine Teilrevision der Krankenversicherung auszuarbeiten. Die Kommission erstattete ihren Bericht am 5. Juli 1977. Vorgeschlagen wurde im wesentlichen eine bundesrechtlich freiwillige Krankenpflegeversicherung, die allerdings neben Individualprämien und (reduzierten) Subventionen auch durch einen lohnprozentualen Beitrag von .einem Prozent finanziert werden sollte; zudem wurde ein beschränkter Leistungsausbau und eine Änderung der Vergütung der Spitalpflege vorgeschlagen. Die Krankengeldversicherung sollte für Arbeitnehmer obligatorisch ausgestaltet werden. Ein förmliches Vernehmlassungsverfahren fand zu diesem Bericht nicht statt; hingegen wurde den Kantonen und den interessierten Organisationen Gelegenheit gegeben, dazu Bemerkungen und Anregungen einzureichen. Von dieser Möglichkeit wurde reichlich Gebrauch gemacht. Im grossen ganzen fanden die Vorschläge der Experten eine recht positive Aufnahme. Einzig die teilweise Finanzierung der Krankenpflegeyersicherung durch lohnprozentuale Beiträge stiess auf breite Ablehnung.

Ausgehend von den Vorarbeiten der Experten und von den verschiedenen Stellungnahmen arbeitete das Departement des Innern Bericht samt Vorentwurf für 1137

eine Teilrevision der Krankenversicherung aus und unterbreitete ihn im November 1978 den Kantonen, politischen Parteien und interessierten Organisationen zur Vernehmlassung bis Ende Mai 1979. Der Vorentwurf verzichtete auf eine lohnprozentuale Finanzierungskomponente für die Krankenpflegeversicherung und beschränkte sich auf die traditionellen Finanzierungsmittel, wobei allerdings ein gezielterer Einsatz und eine bessere Koordination der Beiträge des Bundes und der Kantone vorgesehen wurde. Für den Leistungsausbau und die Ausgestaltung der Krankengeldversicherung wurden im wesentlichen die Vorschläge der Expertenkommission übernommen. Besondere Sorgfalt wurde den Bestimmungen über die Kosteneindämmung gewidmet; namentlich im Spitalbereich wurden die Kostendeckung neu definiert und die Kostenanteile der Versicherung und der Spitalträger gegenseitig abgegrenzt.

Im Vernehmlassungsverfahren fand dieser Vorentwurf eine günstige Aufnahme.

Der Freiwilligkeit der Krankenpflegeversicherung erwuchs keine grundsätzliche Opposition, wenngleich insbesondere Arbeitnehmerorganisationen und Institutionen der Sozialpolitik für eine spätere Gesamtrevision der Krankenversicherung die Einführung eines Obligatoriums verlangten. Auch den Vorschlägen zum Leistungsausbau und zur Neugestaltung der Finanzierung wurde von breiten Kreisen zugestimmt. Als eines der vordringlichsten Ziele der Teilrevision wurde vielfach die Kosteneindämmung bezeichnet. Einzig den Vorschlägen zur Neuregelung der Spitaltarife erwuchs namentlich von Seiten der Kantone deutliche Opposition. Überwiegende Zustimmung fand hingegen das vorgeschlagene Obligatorium der Krankengeldversicherung für alle Arbeitnehmer.

Die Vorarbeiten für die vorliegende Botschaft erlitten einen gewissen Aufschub wegen der Diskussion über die Vorschläge zur Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen. Wir verweisen hiezu auf Ziffer 113. Insbesondere mussten die Vernehmlassungen zur Frage abgewartet werden, ob die Kantone unter Wahrung ihrer Tarifautonomie an den Kosten der sozialen Krankenversicherung direkt beteiligt werden sollen. Erst nachdem die Ergebnisse des Vernehmlassungsverfahrens bekannt waren, konnte der vorliegende Entwurf ausgearbeitet werden. Die zeitliche Verschiebung der Vorarbeiten erlaubte es anderseits, die Begehren der am 21. Januar 1980 eingereichten Volksinitiative «für einen wirksamen Schutz der Mutterschaft» ebenfalls in Erwägung zu ziehen.

2

Grundzüge der Vorlage

21

Allgemeines

211

Zielsetzung

Die Krankenversicherung und die mit ihr verbundene Mutterschaftsversicherung sind revisionsbedürftig. Darauf lässt allein schon die grosse Zahl der parlamentarischen Vorstösse schliessen. Aber auch in der vom Departement des Innern im Jahre 1976 eingesetzten Expertenkommission und in den Vernehmlassungen zum Vorentwurf der gegenwärtigen Vorlage wurde die Notwendigkeit einer Revision grundsätzlich bejaht. In die gleiche Richtung weisen kritische Äusserungen zum Stand unserer Krankenversicherung in der Presse, bei Umfragen und bei der parlamentarischen oder ausserparlamentarischen Behandlung sozialpolitischer Fragen (z. B. Revision der Unfallversicherung, Alterspolitik).

1138

Vorerst stellt sich die Frage, ob die Krankenversicherung als ganzes neu gestaltet werden soll oder ob eine Teilrevision angestrebt werden soll. Die grosse Zahl und die Vielfalt der Begehren würden an sich eine Totalrevision nahelegen. Die bisherigen Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass die Meinungen über: das Gesamtkonzept der Krankenversicherung erheblich auseinandergehen. Wir erinnern an die Vorschläge im sog. «Flimser Modell» (Expertenbericht vom 11. Febr. 1972), die zu einer ganzen Reihe von Gegenmodellen Anlass gaben und nicht weiterverfolgt wurden. Nicht mehr Erfolg hatten die Vorschläge für ein verfassungsmässiges Neukonzept der 'Krankenversicherung. Dem Volksbegehren für eine soziale Krankenversicherung wurde ein in mühsamen Auseinandersetzungen erarbeiteter Gegenentwurf gegenübergestellt; beide Verfassungsvorlagen wurden, wie schon erwähnt, am 8. Dezember 1974 von Volk und Ständen abgelehnt. Unter diesen Umständen haben wir darauf verzichtet, erneut eine völlige Neuordnung der Krankenversicherung und eine Totalrevision der gesetzlichen Bestimmungen ins Auge zu fassen. Dies lässt.sich umso eher verantworten, als die Kranken- und Mutterschaftsversicherung in ihrer bisherigen Struktur, aber mit einigen zeitgemässen Anpassungen in der Lage sein sollte, die sozial- und gesundheitspolitischen Aufgaben der nächsten; Zukunft in befriedigender Weise zu erfüllen. Selbstverständlich schliesst die gegenwärtige Teilrevision eine spätere Neuordnung nicht aus, wenn sich die Sicherung der Kranken als unzureichend oder die Lastenverteilung als unausgewogen erweisen sollte und sofern der nötige politische Konsens für eine Totalrevision gefunden werden kann.

Die Teilrevision muss sich unseres Erachtens auf jene, Punkte beschränken, deren Notwendigkeit prinzipiell von breiten Kreisen anerkannt ist. So sehen wir vor, dass das Leistungssystem der Versicherung den heutigen Erfordernissen angepasst wird, namentlich durch zeitlich unbegrenzte Spitalleistungen, durch den Ausbau der Mutterschaftsleistungen und durch die Sicherung aller Arbeitnehmer gegen Lohnausfall auch im, wirtschaftlich wichtigen Fall von Krankheit, nachdem eine solche Sicherung bei Unfall, Arbeitslosigkeit und Militärdienst bereits besteht oder ebenfalls angestrebt wird. Des weiteren soll die Teilrevision die Grundlage schaffen für eine wirksame Kosteneindämmung durch Neugestaltung der Kostenbeteiligung, durch bessere Kostenkontrollen und Sanktionen und durch begrenzte Tarifreformen. Schliesslich soll der Einsatz der öffentlichen Mittel neu geregelt und eine gezieltere Verwendung namentlich für Frauen, Kinder und wirtschaftlich Schwache erreicht werden.

Dass bei diesem Revisionskonzept einige kontroverse Punkte der Krankenversicherung nicht angegangen werden, liegt auf der Hand. An der bundesrechtlichen Freiwilligkeit der Krankenpflegeversicherung soll nichts geändert werden.

Das Arztrecht wird - trotz einzelner unzeitgemässer Regelungen - nicht in die Revision einbezogen. Das Prinzip der festen und weitgehend risikoabhängigen Einzelprämie für die Krankenpflegeversicherung wird nicht geändert, sodass der soziale Ausgleich weiterhin über die öffentlichen Subventionen erfolgen muss. Die Krankenpflegeversicherung behält somit nach unserem Vorschlag den Charakter einer bundesrechtlich freiwilligen Individualversicherung. Damit bleibt sie im westeuropäischen Raum ein ausgesprochener Sonderfall. Die bisherigen Erfahrungen mit diesem System gestatten aber die Erwartung, dass es die Aufgabe der Sicherung der Bevölkerung gegen die wirtschaftlichen Folgen

1139

von Krankheit auch in Zukunft zufriedenstellend zu lösen vermag. Voraussetzung hiefür ist allerdings, dass sich die Kostensteigerung in der Krankenpflegeversicherung in Grenzen hält und dass die Prämienbelastung für die breiten Schichten unseres Volkes tragbar bleibt.

212

Systematik

Das KUVG gliedert sich heute in drei Titel. Der erste Titel handelt von der Krankenversicherung, der zweite Titel von der obligatorischen Unfallversicherung und der dritte Titel enthält Übergangsbestimmungen und einige Bestimmungen allgemeiner Art. Nach Inkrafttreten des neuen BG über die Unfallversicherung, das vom Parlament am 20. März 1981 verabschiedet wurde, wird der zweite und der dritte Titel des Gesetzes aufgehoben werden.

Der nach Inkrafttreten des UVG noch verbleibende Titel über die Krankenversicherung soll in drei Kapitel aufgegliedert werden. Das erste Kapitel (Art. l und 2) enthält allgemeine Grundsätze über Zweck und Gegenstand des Gesetzes sowie über die Mitwirkung der Kantone in der Krankenversicherung. Das zweite Kapitel (Art. 2bis-Art. 39bis) handelt von der Krankenpflegeversicherung und der freiwilligen Krankengeldversicherung, also von jenen im Gesetz geregelten Versicherungen, die ausschliesslich durch die anerkannten Krankenkassen durchgeführt werden. Das dritte Kapitel (Art. 40a-40s) enthält sodann die neuen Bestimmungen über die obligatorische Krankengeldversicherung, also Bestimmungen, die von den Krankenkassen und den übrigen Versicherungsträgern, die diese Versicherung durchführen möchten, beachtet werden müssen.

Die bisherige systematische Gliederung der Bestimmungen über die Krankenpflegeversicherung und die freiwillige Krankengeldversicherung muss beibehalten werden, da es sich nur um eine Teilrevision des Gesetzes handelt. Dem im Vernehmlassungsverfahren verschiedentlich vorgebrachten Wunsch, die systematische Gliederung des Gesetzes umzugestalten, damit das Gesetz übersichtlicher werde, kann daher nur teilweise entsprochen werden.

Wir haben uns aber bemüht, die Ergänzungen und Änderungen so in das bestehende Gesetz einzufügen, dass die Übersichtlichkeit des Gesetzes möglichst nicht darunter leidet. Wo zusammenhängende Artikel revidiert werden, war diese Aufgabe etwas leichter als in Bereichen, wo nur ein einzelner Artikel geändert werden musste. Nach Inkrafttreten des Unfallversicherungsgesetzes wird es möglich sein, in einzelnen Punkten die systematische Gliederung noch zu verbessern.

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Krankenpflegeversicherung

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Versicherte Personen

Die Krankenversicherung ist als einzige Sozialversicherung von Bundes wegen freiwillig. In einer freiwilligen Versicherung sind zwar bestimmte Probleme schwieriger oder überhaupt nicht zu lösen. So kann beispielsweise von den Kassen nicht verlangt werden, dass sie für Krankheiten, die bereits ausgebrochen sind, sofort nach Abschluss der Versicherung Leistungen erbringen, weil damit das Versicherungsprinzip durchbrochen würde. Die Kasse muss daher das 1140

Recht haben, Vorbehalte für bestehende oder durchgemachte Krankheiten anzubringen. In einer freiwilligen Versicherung ist es den Kassen auch nicht ohne weiteres zuzumuten, Bewerber mit hohem Alter noch in die Versicherung aufzunehmen, weil das Krankheitsrisiko im Alter sehr stark ansteigt. Ferner lassen sich in einer freiwilligen Versicherung Solidaritätsleistungen zwischen den Versicherten nur in beschränktem Masse durch Gesetzesvorschriften verwirklichen, weil man auch Versicherungen abschliessen kann, in welchen diese Auflagen nicht gelten. Die Solidarität muss daher zur Hauptsache durch Beiträge der öffentlichen Hand sichergestellt werden. Aus all diesen Gründen wird von verschiedener Seite, insbesondere von den Gewerkschaften, von Institutionen der Sozialpolitik und von Frauenverbänden, die Einführung einer obligatorischen Krankenpflegeversicherung verlangt. Verschiedene Vorstösse zur Verwirklichung eines Versicherungsobligatoriums sind jedoch in der Vergangenheit gescheitert (vgl. Ziff. 141). Auch die Beratungen in der Expertenkommission und das Vernehmlassungsverfahren zum Vorentwurf haben gezeigt, dass der Vorschlag auf Einführung eines Versicherungsobligatoriums auf Bundesebene die Vorlage politisch stark gefährden würde. Wir sehen daher in unserem Entwurf keine Änderung in bezug auf den freiwilligen Charakter der Krankenpflegeversicherung vor. Vorbehalten bleibt wie bis anhin die Kompetenz der Kantone und allenfalls der Gemeinden zur Einführung eines Obligatoriums. Dies lässt sich umsomehr verantworten, als bereits heute rund 96 Prozent der Bevölkerung bei einer anerkannten Krankenkasse für Krankenpflege versichert sind.

Versichert ist somit nur. wer von sich aus einer Krankenkasse beitritt. Die Kassen sind verpflichtet, jeden Bewerber aufzunehmen, der die Aufnahmebedingungen erfüllt. In der Umschreibung der Aufnahmebedingungen haben die Kassen weiterhin eine gewisse Freiheit. Sie sollen aber künftig eine allfällige Altersgrenze für die Aufnahme nicht, unter dem Rentenalter der AHV ansetzen dürfen. Nachdem in den vergangenen Jahren einzelne Kassen die Altersgrenze für die Aufnahme völlig aufgehoben haben, hat dieses Problem allerdings an Bedeutung verloren. Es ist bereits heute praktisch jedermann, unabhängig vom Alter möglich, eine Kasse zu finden, die ihn aufnimmt. Aus diesem Grund kann darauf verzichtet werden, jegliche Altersgrenze für die Aufnahme von Gesetzes wegen zu untersagen. Weiter sollen die Kassen die Mitgliedschaft nicht mehr von einem guten Leumund oder ähnlichen Bedingungen abhängig machen können. Insbesondere Strafgefangenen erwachsen heute in dieser Beziehung noch Schwierigkeiten. Das Recht der Kassen, beim Abschluss der Versicherung Vorbehalte anzubringen wird beibehalten. Für Kinder soll jedoch die geltende Regelung etwas erleichtert werden. Damit soll auch ein Anreiz zu einem möglichst frühen Abschluss einer Krankenpflegeversicherung geschaffen werden.

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Leistungen

Die Krankenkassen haben ihren Mitgliedern in der Krankenpflegeversicherung bestimmte, im Gesetz umschriebene Pflichtleistungen zu erbringen. Die Kassen können diesen Leistungskatalog erweitern, indem sie ihren Mitgliedern in der Grundversicherung noch andere Leistungen erbringen oder indem sie besondere Zusatzversicherungen anbieten.

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Der gegenwärtige Leistungsstand, wie er nach dem Gesetz für die Grundversicherung gilt, darf im grossen und ganzen als angemessen bezeichnet werden.

Ein starker Leistungsausbau drängt sich daher nicht auf. In einzelnen Punkten soll die Leistungspflicht aber doch erweitert werden.

Die Kassen haben heute ihre Leistungen nur bei Krankheit, nicht aber bei Unfall zu erbringen. Zahlreiche Kassen schliessen aber in ihren Statuten und Reglementen den Unfall in ihre Versicherung ein, wobei sie ihre Leistungen aber in der Regel nur erbringen, wenn für den Unfall keine andere Versicherung aufkommt. Da aber nicht alle Kassen eine solche Regelung kennen, gibt es heute immer noch Lücken im Versicherungsschutz bei Unfällen, insbesondere bei Personen, die nicht in einem Arbeitsverhältnis stehen (Kinder, Hausfrauen und Betagte). Aus diesem Grund sollen nun die Kassen von Gesetzes wegen verpflichtet werden, das Unfallrisiko subsidiär zu decken.

Die Krankenversicherung erbringt nur Leistungen, die auf die unmittelbare Behandlung einer bestehenden Krankheit gerichtet sind. Präventivmedizinische Massnahmen sind nicht Gegenstand der Versicherung. Auch bei Nachbehandlungen stellt sich oft die Frage, ob noch eine Leistungspflicht besteht. In diesen Bereichen soll die Leistungspflicht erweitert werden, wobei aber insbesondere im Bereich der Vorsorgeuntersuchungen die Leistungspflicht nicht generell ausgedehnt wird, sondern auf bestimmte, in einer Verordnung des Bundesrates näher umschriebene Leistungen beschränkt bleibt. Die Kassen sollen nur Vorsorgeuntersuchungen übernehmen müssen, die sich bereits als besonders nützlich und sinnvoll erwiesen haben.

Bereits seit längerer Zeit wird von verschiedener Seite gefordert, dass auch die Zahnbehandlung in die Krankenversicherung einbezogen wird. Ein völliger Einschluss der Zahnbehandlung in die Grundversicherung für Krankenpflege ist aber nicht opportun. Die Leistungspflicht der Krankenkassen würde dadurch mit einem Schlag sehr stark ausgeweitet, was entsprechende Prämienerhöhungen nach sich ziehen würde. Auch könnte den Krankenkassen kaum zugemutet werden, bereits eingetretene und noch nicht behandelte Zahnerkrankungen sofort zu übernehmen. Zudem lassen sich gerade Zahnerkrankungen in stärkerem Masse als andere Krankheiten durch konsequente prophylaktische Massnahmen eindämmen. Aus diesem Grund sind auch nicht alle Versicherten in gleichem Masse an einem Einbezug der Zahnbehandlung in die Krankenversicherung interessiert. Aber auch das Risiko einer Zahnerkrankung lässt sich durch Prophylaxe nicht absolut vermeiden, weshalb für diese Krankheit grundsätzlich ebenfalls eine Versicherungsmöglichkeit bestehen sollte. Einige Kassen bieten bereits heute entsprechende Zusatzversicherungen an. Wir sehen nun vor, dass alle Kassen ihren Mitgliedern eine Zusatzversicherung ermöglichen müssen.

Daneben sollen, in Anlehnung an die neuere Rechtsprechung, bestimmte Behandlungen durch Zahnärzte ausdrücklich in die Grundversicherung eingeschlossen werden. Die Zahnbehandlung gehört damit von Gesetzes wegen zum Versicherungsangebot der Krankenkassen. Dadurch wird es auch möglich, die Bestimmungen des Gesetzes über die Tarifverträge zwischen Kassen und Ärzten auch auf die Zahnärzte anzuwenden, was die Wirksamkeit dieser Zusatzversicherung erhöht.

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Bedeutende Lücken in der Leistungspflicht bestehen heute noch für die stationäre Behandlung. Beim Aufenthalt in einer Heilanstalt haben die Kassen, nur bestimmte Leistungen zu übernehmen. Zudem sind die Leistungen nur während 720 Tagen innerhalb von 900 aufeinanderfolgenden Tagen zu erbringen. Einzig für Versicherte, die eine Rente oder eine Hilflosenentschädigung der IV beziehen, gilt diese Begrenzung nicht. Für die übrigen Versicherten, also insbesondere für Betagte, hört die Leistungspflicht bei langdauernder Spitalbedürftigkeit von einem Tag auf den anderen auf. Dies wird schon seit längerer Zeit als stossend empfunden. Die Einführung der unbegrenzten Leistungsdauer bei Spitalaufenthalten, die wir nun vorschlagen, ist denn auch jener Punkt der Vorlage, der bereits im Vorverfahren immer die breiteste Zustimmung gefunden hat. Neben der Leistungsdauer soll auch die Leistungspflicht neu umschrieben werden.

Die Krankenkassen haben künftig in allen Spitälern eine kostenbezogene Pauschale je Pflegetag und Patient zu tragen (Behandlungspauschale). Daneben hat der Versicherte für Aufenthalt und Verpflegung eine für alle Spitäler einheitlich festgesetzte Pauschale zu übernehmen (Aufenthaltspauschale). Die Leistungspflicht der Kassen bei Spitalaufenthalten wird damit übersichtlicher gestaltet als dies heute der Fall ist.

Die Pflichtleistungen bei Hauskrankenpflege sollen ebenfalls ausgedehnt werden. Es ist aber nicht vorgesehen, die Hauskrankenpflege gänzlich der Krankenversicherung zu überbinden. Ähnlich wie bei den Vorsorgeuntersuchungen soll auch hier zunächst nur die gesetzliche Grundlage zur Übernahme einzelner Leistungen erweitert werden. Der konkrete Umfang der Leistungspflicht soll durch Verordnung umschrieben werden, um sowohl der finanziellen Belastbarkeit der Kassen wie auch dem konkreten Stand der Hauskrankenpflegedienste möglichst gut Rechnung tragen zu können.

Die geltenden Sonderbestimmungen für Tuberkulose werden aufgehoben. Unter den Krankheiten nimmt die Tuberkulose heute nicht mehr eine Sonderstellung ein, die es rechtfertigen würde, ihr besondere Bestimmungen zu widmen. Die Behandlung der Tuberkulosekranken wird dadurch aber nicht eingeschränkt.

Durch den allgemeinen Leistungsausbau (Prophylaxe, Rehabilitation, unbeschränkte Leistungsdauer bei Spitalaufenthalt) ist es vielmehr möglich, die bisher erbrachten Leistungen weiterhin zu gewähren.

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Kosteneindämmung

Die Kosteneindämmung muss aufgrund der stetigen und aussergewöhnlichen Kostensteigerung in der Krankenpflegeversicherung als eines der vordringlichsten Ziele der Teilrevision bezeichnet werden.

Da im Rahmen dieser Teilrevision tiefgreifende strukturelle Änderungen nicht möglich sind, versucht der Gesetzesentwurf der Kostenexplosion mit einer Reihe von Einzelmassnahmen zu steuern. Erwähnt seien namentlich folgende Bestimmungen: : Im Tarifbereich soll vermehrt betriebswirtschaftlichen Überlegungen zum Durchbruch verhelfen werden. Bei den .auf kantonaler Ebene zwischen den Kassen einerseits und den Medizinalpersonen und Heilanstalten andererseits festzusetzenden Tarifen sowie bei deren Genehmigung gilt es das Gebot der 1143

Wirtschaftlichkeit zu beachten. Sodann kann der Bundesrat Grundsätze für die Berechnung und Struktur der Tarife aufstellen sowie Richtsätze für die Tarifierung technisch-apparativer Leistungen festlegen.

Die Heilanstalten haben ihre Kosten nach Grundsätzen der Kostenstellenrechnung zu ermitteln, was eine kostenbezogene Tarifierung erlaubt und gleichzeitig Transparenz in die Betriebsrechnungen der einzelnen Heilanstalten bringt. Dadurch werden Betriebsvergleiche möglich, von denen man sich kostendämpfende Auswirkungen erhofft.

Auch auf dem Gebiet der Leistungen sollen wirtschaftliche Erwägungen vermehrt berücksichtigt werden. Danach ist der Bundesrat verpflichtet, bei der neu zu erstellenden Liste kassenpflichtiger Mittel und Gegenstände wirtschaftlichen Kriterien Rechnung zu tragen. Ebenso erfolgt bei den von den Kassen als Pflichtleistungen zu übernehmenden Arzneimitteln die Auswahl unter anderem nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Um die preisregulierende Funktion dieser Liste zu verstärken, dürfen die Kassen Arzneimittel, die nicht in dieser Liste enthalten sind, freiwillig höchstens bis zur Hälfte des Preises vergüten. Sodann überprüft der Bundesrat neue oder bereits angewandte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sowohl auf ihre Wissenschaftlichkeit als auch auf ihre Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus dürfen Beiträge nur noch für solche Badekuren gewährt werden, die ärztlich verordnet sind und in einem vom Bund anerkannten Heilbad vorgenommen werden.

Die Kosten der Krankenpflegeversicherung werden ausser durch Tarife und Preise von den im Einzelfall tatsächlich erbrachten Leistungen bestimmt. Deshalb werden die Ärzte verpflichtet, dem Honorarschuldner sämtliche für die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Behandlung notwendigen Angaben zu machen. Von der Zustellung der detaillierten Rechnungen an den Versicherten wird eine Stärkung des individuellen Kostenbewusstseins erwartet. Den von den Kassen zu bestellenden Vertrauensärzten obliegt insbesondere die Kontrolle der Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Behandlung. Das durch die Gerichtspraxis anerkannte Rückforderungsrecht der Kassen bei Überarztung wird ausdrücklich im Gesetz verankert. Schliesslich können die Laboratorien sowie die Ärzte mit Praxislabor einer Qualitätskontrolle unterstellt werden.

Auf dem
Gebiet der Finanzierung wird die von 10 auf 20 Prozent erhöhte wenn auch plafonierte - Kostenbeteiligung den Patienten in einem breiten Leistungsbereich stärker belasten. Daraus sollte sich ein kostenbewussteres Verhalten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen ergeben.

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Finanzierung

Das heutige Finanzierungssystem der Krankenpflegeversicherung bleibt grundsätzlich bestehen. Die Versicherung wird weiterhin durch individuelle Beiträge der Versicherten, durch Kostenbeteiligungen der Erkrankten und durch Beiträge der öffentlichen Hand finanziert. Lohnprozentuale Beiträge nach dem Vorbild der AHV werden nicht vorgesehen.

Die Mitgliederbeiträge der Versicherten sind und bleiben die wichtigste Finanzierungsquelle der Krankenpflegeversicherung. Jede Kasse wird diese Beiträge 1144

weiterhin selber festsetzen, wobei sie die im Gesetz enthaltenen Vorschriften über den Grundsatz der Gegenseitigkeit und die Prämienabstufungen beachten muss.

Die geltende Vorschrift, wonach die Prämien der Frauen diejenigen der Männer um höchstens 10 Prozent übersteigen dürfen, bleibt unverändert. Die namentlich von Frauenverbänden postulierte Prämiengleichheit zwischen Mann und Frau kann nicht verwirklicht werden. Die Krankenpflegekosten der Frauen sind nämlich - ohne Berücksichtigung der Mutterschaftskosten - um rund 50 Prozent höher als jene der Männer. Heute wird dieser Kostenunterschied durch höhere Bundesbeiträge für Frauen und die erwähnte Prämiendifferenz weitgehend ausgeglichen. Ein Teil des Kostenunterschiedes muss aber auch über Prämienzahlungen der Männer finanziert werden. In einer Sozialversicherung könnte man an sich verlangen, dass die Männer in noch stärkerem Masse solche Solidaritätsleistungen zugunsten der Frauen erbringen, dass also Männer und Frauen trotz des Kostenunterschiedes gleich hohe Prämien bezahlen. Die Schwierigkeit besteht aber darin, dass die Männer in einer freiwilligen, durch eine unbestimmte Zahl von grundsätzlich autonomen Kassen durchgeführten Krankenversicherung, wie wir sie in unserem Land kennen, dieser Solidarität sehr leicht ausweichen könnten. Zum einen könnten sie sich, insbesondere jüngere und gesunde Männer, ausserhalb der sozialen Krankenversicherung versichern. Anderseits kann der Tätigkeitsbereich von Krankenkassen (Betriebs-, Berufs-, Berufsverbandskassen) oder die Risikogemeinschaft in Kollektivverträgen so umschrieben werden, dass sie praktisch nur Männer umfassen. Bei hohen Solidaritätsleistungen würde die Tendenz, dass sich Männer in solchen Risikogemeinschaften zusammenfinden, verstärkt. Die Prämiengleichheit Hesse sich daher nur um den Preis von höheren Bundesbeiträgen zum Ausgleich des Kostenunterschiedes verwirklichen. Diese Lösung fällt jedoch mit Rücksicht auf die Finanzlage des Bundes ausser Betracht.

Neu sollen indes Vorschriften über die Höhe der Kinderprämie in das Gesetz aufgenommen werden. Das System der Individualversicherung, in welchem für jeden Versicherten eine besondere Prämie geschuldet ist, hat nämlich zur Folge, dass die Prämienlast einer Familie mit der Zahl der Kinder ansteigt. Aus diesem Grund wurden auch Forderungen nach Einführung einer Familienversicherung laut. Der Grundsatz, wonach die Versicherung zur Hauptsache durch individuelle Prämien finanziert wird, müsste in einer FamilienVersicherung aufgegeben werden. Die notwendigen Solidaritätsleistungen zugunsten der Kinder wären entweder durch Beiträge der öffentlichen Hand oder durch höhere Prämien der übrigen Versicherten zu erbringen. Auch hier gilt aber, dass Solidaritätsleistungen von freiwillig Versicherten nur in einem begrenzten Ausmass verlangt werden können. Anderseits sind auch den Leistungen der öffentlichen Hand Grenzen gesetzt. Eine prämienfreie Versicherung aller Kinder ist daher nicht möglich. Wir möchten aber doch die Solidarität der Erwachsenen mit den Kindern etwas verstärken. Die Kassen sollen daher für Kinder nur die Nettoprämie verlangen können, also keine Verwaltungskosten und Zuschläge für die Reservebildung berücksichtigen dürfen. Anderseits soll ein Teil der Bundesbeiträge zur Verbilligung der Kinderprämien und zur Übernahme der Prämien für das dritte und die weiteren Kinder einer Familie verwendet werden.

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Die Kostenbeteiligung der Versicherten wird beibehalten, aber etwas umgestaltet. Die nun vorgeschlagene Lösung wird vor allem für Personen, die wegen eines chronischen Leidens regelmässig den Arzt aufsuchen müssen, sowie bei sehr teuren ambulanten Behandlungen Erleichterungen bringen, während in anderen Fällen der Selbstbehalt höher sein wird als heute. Gesamthaft gesehen wird künftig durch den Selbstbehalt ein etwas erhöhter Anteil an den Kosten der Krankenpflegeversicherung gedeckt werden.

Die Beiträge der öffentlichen Hand an die Krankenkassen haben in erster Linie den Zweck, die im Gesetz enthaltenen Auflagen auszugleichen. Ohne diese Beiträge müssten die Kassen die Mehrkosten, die durch die Bestimmungen dieses Gesetzes entstehen (Aufnahme bereits kranker Bewerber, Beschränkung von Versicherungsvorbehalten auf fünf Jahre, zeitlich unbeschränkte Leistungsdauer ohne Prämienzuschlag für .schlechte Risiken, Einhaltung des gesetzlichen Leistungskatalogs usw.), allein durch Prämien finanzieren. Dies würde bedeuten, dass private Versicherungseinrichtungen, die die Krankenversicherung nach ihren selbstgewählten Bedingungen durchführen, jüngeren Personen mit guter Gesundheit, die von den Auflagen des Gesetzes an sich nicht profitieren, günstigere Prämien anbieten könnten als die Krankenkassen. Dadurch würde die Risikoverteilung innerhalb der Kassen verschlechtert. Eine Versicherung kann aber auf Dauer nur bestehen, wenn sie auch gute Risiken versichert, also Personen, die nach aller Wahrscheinlichkeit mehr Prämien bezahlen als Leistungen beanspruchen. In unserem heutigen System der freiwilligen Versicherung und der Konkurrenz mit Versicherungen, die nicht an die Auflagen des Gesetzes gebunden sind, sind deshalb Beiträge der öffentlichen Hand für das Bestehen der Krankenkassen notwendig.

Die Beiträge der öffentlichen Hand sollen aber auch dem sozialen Ausgleich unter den Versicherten dienen, da in einer Versicherung, die zur Hauptsache durch individuelle Prämien finanziert wird, die unterschiedliche wirtschaftliche Lage der Versicherten nur auf diese Weise berücksichtigt werden kann.

Die heutigen Kriterien für die Bemessung der Bundesbeiträge (vgl. Ziff. 124.4) wurden verschiedentlich kritisiert. Vor allem das System der Kopfbeiträge wird als eine zu undifferenzierte Art der Beitragsgewährung bezeichnet. Im Vernehmlassungsverfahren wurde insbesondere von Seite der Arbeitgeberschaft verlangt, die Bundesbeiträge seien künftig ausschliesslich oder doch zur Hauptsache für eine Prämienverbilligung zugunsten wirtschaftlich Schwacher und nicht zum Ausgleich allgemeiner gesetzlicher Auflagen zu verwenden. Aus den dargelegten Gründen lässt sich eine solche Lösung in unserem heutigen System der Krankenversicherung nicht verwirklichen. Wir tragen aber der gegen die heutigen Beiträge vorgebrachten Kritik Rechnung und schlagen ein differenzierteres System der öffentlichen Beiträge an die Krankenversicherung vor.

Die Beiträge werden gezielter für den Ausgleich bestimmter Auflagen eingesetzt (vgl. dazu Ziff. 412.1). Die heute geltende Plafonierung der Bundesbeiträge wird gelockert, ohne allerdings völlig zum früheren System der automatischen Anpassung der Beiträge an die Kostenentwicklung zurückzukehren. Nur noch einzelne Beitragsarten folgen von Gesetzes wegen der Kostenentwicklung. Bei den finanziell am stärksten ins Gewicht fallenden Beiträgen wird das Parlament in Abständen von drei Jahren eine Anpassung vorzunehmen haben. Im Zeitpunkt

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des Inkrafttretens der Teilrevision der Krankenversicherung soll die Summe der nach der neuen Ordnung ausgerichteten Beiträge ungefähr dem heutigen Niveau der Bundesbeiträge entsprechen.

Neben dem Bund gewähren auch die Kantone Beiträge an die Krankenversicherung (vgl. Ziff. 124.4), allerdings in recht unterschiedlicher Weise und in sehr unterschiedlicher Höhe. Die Beitragsleistungen der Kantone sollen künftig besser in ein Gesamtsystem von Beiträgen der öffentlichen Hand eingefügt Werden.

Den Kantonen wird deshalb die Aufgabe zugewiesen, durch Beiträge zur Prämienverbilligung für wirtschaftlich Schwache einen Sozialausgleich zu verwirklichen. Die Höhe dieser Beiträge soll jeder Kanton selber bestimmen können.

Daneben haben die Kantone gemäss den Vorschlägen über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen 50 Prozent der Bundesbeiträge zu übernehmen (vgl. Ziff. 113).

Der Anteil der einzelnen Finanzierungsquellen an den Gesamtkosten bleibt sich ungefähr gleich. Da die Bundesbeiträge praktisch auf dem heutigen Stand verbleiben werden, anderseits aber durch den Ausbau der Leistungen die Gesamtkosten leicht ansteigen, wird der Anteil der durch Prämien und Kostenbeteiligungen aufzubringenden Mittel etwas höher sein als unter der geltenden Ordnung (vgl. Ziff. 412.3, Tab. 9).

23

Krankengeldversicherung

231

Obligatorische Krankengeld Versicherung

231.1

Unterstellung

Die Krankengeldversicherung soll für alle Arbeitnehmer obligatorisch sein. Obwohl diese Neuerung im Vernehmlassungsverfahren vereinzelt Anlass zu Kritik gegeben hat, insbesondere seitens der Arbeitgeberorganisationen, ist ihr doch kein grundsätzlicher Widerstand erwachsen: Ein grosser Teil der Arbeitnehmer ist zwar gegen Lohnausfall bei Krankheit durch eine Einzel- oder eine durch den Betrieb abgeschlossene Kollektiwersicherung oder aufgrund des Arbeitsoder eines Gesamtarbeitsvertrages (siehe Ziff. 122.2) gedeckt. Die Höhe des Krankengeldes kann jedoch recht unterschiedlich sein und empfindlich unter den entsprechenden Leistungen anderer Sozialversicherungszweige, z. B. unter den von der Unfallversicherung gewähren Taggeldern, liegen. Diese Situation kann sich namentlich bei einem Wechsel des Arbeitnehmers in einen ändern Betrieb als ernsthafter Nachteil erweisen und sich auf die Mobilität der Arbeitnehmer hemmend auswirken. Zudem scheint es, da die Krankenpflegeversicherung freiwillig ist, besonders wichtig, dem Arbeitnehmer im Krankheitsfall wenigstens sein Einkommen zu sichern. Schliesslich sei daran erinnert, däss die Lohnausfallversicherung sowohl bei Arbeitslosigkeit (BB vom 8. Okt. 1976 über die Einführung der obligatorischen Arbeitslosenversicherung, Übergangsordnung; SR 837.100), bei Unfall als auch bei Militär- und Zivilschutzdienst (Erwerbsersatzordnung für Wehr- und Zivilschutzpflichtige; SR 834.1} bereits obligatorisch ist. Mit unserem Vorschlag, eine obligatorische Krankengeldversicherung einzuführen, möchten wir also eine Lücke im schweizerischen Sozialversicherungssystem schliessen.

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Das Versicherungsobligatorium erstreckt sich grundsätzlich auf alle Arbeitnehmer. Erwerbstätige Bezüger einer AHV-Rente sind ihm jedoch - anders als in der obligatorischen Unfallversicherung - nicht unterstellt. Dieser Unterschied erklärt sich aus der Tatsache, dass die obligatorische Unfallversicherung von Anfang an als eine Deckung der Haftpflicht des Arbeitgebers für die in seinem Betrieb dem einzelnen Mitarbeiter - gleich welchen Alters - zustossenden Unfälle konzipiert wurde. Abgesehen von diesem Unterschied soll der Kreis der Versicherten praktisch jenem entsprechen, der für die obligatorische Unfallversicherung vorgesehen ist. In den Ausführungsbestimmungen werden wir der Situation der Teilzeitbeschäftigten ganz besondere Beachtung schenken, um den im Vernehmlassungsverfahren - insbesondere seitens der Frauenorganisationen - dazu gemachten Begehren so gut als möglich Rechnung zu tragen.

Es ist Aufgabe des Arbeitgebers, die bei ihm beschäftigten Arbeitnehmer zu versichern. Diese haben jedoch, da sie einen Teil der Prämien bezahlen, bei der Wahl des Versicherungsträgers ein Mitbestimmungsrecht. Das gesamte Personal eines einzelnen Betriebes muss beim gleichen Versicherungsträger versichert sein. Diese Bestimmung strebt eine gerechte Risikoverteilung an. Die Solidarität spielt innerhalb des Personals. Der Versicherungsträger hat sowohl die «guten» als auch die «schlechten» Risiken des Betriebes zu versichern. Eine pluralistische Lösung innerhalb des Betriebes ist abzulehnen, da sie zu einer Schlechterstellung gewisser Arbeitnehmerkategorien, wie der Frauen und der älteren Arbeitnehmer, führen könnte.

Der Arbeitnehmer ist mit dem Antritt des Arbeitsverhältnisses versichert und bleibt es grundsätzlich auch während 30 Tagen, die auf die Beendigung des Lohnanspruches folgen. Die aus der obligatorischen Versicherung ausscheidenden Personen haben ausserdem Anspruch auf freien Übertritt in die freiwillige Krankengeldversicherung.

Schliesslich kann sich der Arbeitgeber beim Versicherungsträger seines Personals für Krankengeld freiwillig versichern. Dieses Prinzip ist ebenfalls im neuen Gesetz über die Unfallversicherung vorgesehen.

231.2

Leistungen

Heute sieht das Gesetz Krankengeldleistungen nur bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit (Art. 12bls Abs. l KUVG) vor. Allerdings wird bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit dann ein reduziertes Krankengeld gewährt, wenn die Kassenstatuten diesbezügliche Bestimmungen enthalten. Zahlreiche Kassen kennen jedoch keine solche Bestimmung. Der Entwurf bringt eine wichtige Neuerung auf diesem Gebiet: Sämtliche Versicherungsträger werden bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit ein entsprechend gekürztes Krankengeld zu entrichten haben, sofern diese mindestens zur Hälfte besteht.

Zur Verhinderung von Missbräuchen sieht der Entwurf eine Karenzfrist vor.

Diese verlangt, dass der Versicherte in den zwei Jahren vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit während mindestens drei Monaten versichert war. Diese relativ milden Voraussetzungen und die Tatsache, dass die Karenzfrist auch in der freiwilligen Versicherung erfüllt werden kann, erlauben es, besonderen Situationen 1148

(erstmals ins Erwerbsleben eintretende Personen, erneut erwerbstätige Frauen sowie Saisonniers) in weitem Ausmass Rechnung zu tragen. Da indes eine Missbrauchsgefahr .tatsächlich besteht, kann nicht auf jegliche Karenzzeit verzichtet werden.

Das Krankengeld soll - gleich wie in, der obligatorischen Unfallversicherung bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit, 80 Prozent des versicherten Verdienstes betragen. Der Prozentsatz ist,nicht,nach den,Familienlasten abgestuft. Es wird jedoch zu prüfen sein, ob die Familienzulagen, in den versicherten Verdienst einbezogen werden sollen. Dieser Verdienst entspricht - bis zu einem bestimmten Plafond - dem letzten vor dem Eintritt des Versicherungsfalles bezogenen Lohn.

Wir werden bestrebt sein, den Begriff des versicherten Verdienstes sowie dessen Höchstgrenze so gut als möglich mit den entsprechenden Regelungen der anderen Sozialversicherungszweige in Einklang zu bringen.

Der Satz von 80 Prozent bezieht sich auf den Bruttolohn. Trägt man lediglich den Abzügen für bundesrechtliche Sozialversicherungen (AHV, IV, Ep, A1V und SUVA-Nichtberufsunfälle) Rechnung, so erhält man einen «Netto»lohn, der sich bei Männern auf 93,55 Prozent und bei Frauen auf 93,95 Prozent des Bruttolohnes beläuft. Das Krankengeld erreicht diesen «Netto»lohn also nicht, sondern beträgt 85,51 bzw. 85,15 Prozent hievon.

Das Krankengeld soll - unter Vorbehalt abweichender Vereinbarungen - nach einer Wartefrist von 30 Tagen ausgerichtet werden. Dieses System erlaubt es, die Prämien in Grenzen zu halten und gleichzeitig den Regelungen über die Lohnfortzahlung in den Gesamtarbeitsverträgen Rechnung zu tragen. Als Korrelat dazu hat der Versicherte während der ganzen .Wartefrist Anspruch auf Lohn. , , Was die Dauer des Krankengeldbezugs angeht, so beträgt diese heute 720 Tage innerhalb von 900 aufeinanderfolgenden Tagen (Art. 12bis Abs. 3 KUVG). Der Entwurf setzt sie auf : 540 Tage fest und hebt gleichzeitig die Rahmenfrist auf.

Zudem sieht der Entwurf vor, dass :diese 540 Tage weiterlaufen, wenn die Arbeitsunfähigkeit nicht «wesentlich» unterbrochen wird. Dieser Begriff wird durch Verordnung noch näher umschrieben werden. Mit der vorgeschlagenen Herabsetzung der Leistungsdauer soll erreicht werden, dass der Bezüger einer IV-Rente nicht mehr - wie dies heute der Fall ist - neben der Rente längerfristig auch noch Krankengeld beanspruchen kann. Dem Versicherten bringt dieses neue System insofern einen Vorteil, als die; 540 Tage immer dann wieder neu zu laufen beginnen, wenn er während einer, bestimmten Zeit wieder gearbeitet hat.

Obwohl die IV-Rente nach 360 Tagen der Arbeitsunfähigkeit (Art. 29 Abs. l erster Satz IVG; SR 831.20) geltend gemacht werden kann, kommt es vor. ; dass sie nach 540 Tagen immer noch nicht festgesetzt ist. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn eine erste Verfügung der IV Gegenstand einer Beschwerde war. Um zu verhindern, dass der Versicherte ganz ohne Geldleistung dasteht, sieht der Entwurf daher eine Verlängerung der Leistungsdauer um 180 Tage vor, allerdings mit verminderten Krankengeldleistungen. Die Versicherungsträger können die von der IV rückwirkend zugesprochene Rente zur Kompensation der ausgerichteten Krankengelder einfordern. Dies gibt den Versicherungsträgern die Möglichkeit, Prämienerhöhungen als Folge der Vorleistungen zu vermeiden.

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Bundesblatt. 133.Jahrg. Bd.II

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231.3 Finanzierung Die obligatorische Kxankengeldversicherung soll ausschliesslich über Prämien der Versicherten sowie der Arbeitgeber finanziert werden. Beiträge der öffentlichen Hand sind nicht vorgesehen.

Die Prämien werden grundsätzlich auf der gleichen Basis wie die Krankengelder berechnet, nämlich nach Massgabe des (plafonierten) versicherten Verdienstes. Für die Arbeitnehmer eines einzelnen Betriebes soll durchwegs der gleiche Prämiensatz gelten; insbesondere ist ein Unterschied nach Geschlechtern ausgeschlossen. Angesichts der Vielfalt der Versicherer (vgl. Ziff. 231.4) können die Prämien verschieden hoch sein, doch sollen grundsätzlich überall die gleichen Berechnungsgrundlagen gelten; im Blick darauf werden namentlich Vorschriften über die Reservebildung zu erlassen sein.

Die Hälfte der Prämie wird vom Arbeitgeber übernommen. Dieser zieht den vom Arbeitnehmer geschuldeten Anteil von dessen Lohn ab. Abweichende Abreden sind erlaubt, sofern der Arbeitgeberanteil mindestens die Hälfte beträgt.

231.4 Organisation Die Privatversicherungen werden - wie dies ebenfalls im Bundesgesetz über die Unfallversicherung vorgesehen ist - an der Durchführung der obligatorischen Krankengeldversicherung teilnehmen können. Damit soll den heutigen Verhältnissen Rechnung getragen werden. Einrichtungen, die bisher in erheblichem Umfang die Krankengeldversicherung durchgeführt haben, sollen künftig hievon nicht ausgeschlossen werden. Alle Versicherungsträger, die sich an der Durchführung des Versicherungsobligatoriums beteiligen wollen, haben sich in einem besonderen Register einzutragen. Sie stehen unter der Aufsicht des Bundes. Dieser sorgt für die einheitliche Anwendung der geltenden Gesetzesvorschriften. Zu diesem Zweck kann er von den Versicherungsträgern alle benötigten Auskünfte einfordern und bei Zuwiderhandlung die notwendigen Massnahmen ergreifen. Da es sich bei der obligatorischen Krankengeldversicherung um eine Sozialversicherung handelt, wird die Aufsicht grundsätzlich vom Bundesamt für Sozialversicherung, aber in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Privatversicherungswesen, ausgeübt.

Die Versicherungsträger sind verpflichtet, eine Ersatzkasse zu errichten und zu finanzieren. Diese erbringt die Krankengeldleistungen, wenn der Arbeitgeber die Versicherung nicht abgeschlossen hat, oder wenn der Versicherungsträger zahlungsunfähig geworden ist. Diese Lösung geht weiter als der im Vorentwurf von 1978 vorgesehene einfache Hilfsfonds und entspricht damit weitgehend den im Vernehmlassungsverfahren, insbesondere seitens der Arbeitnehmerorganisationen, vorgebrachten Anliegen. Die Vorteile der Ersatzkasse ergeben sich aus der Tatsache, dass den Arbeitnehmern ein lückenloser Versicherungsschutz garantiert wird und sie die Folgen der Unterlassung ihres Arbeitgebers oder der Zahlungsunfähigkeit des Versicherungsträgers nicht unmittelbar zu tragen haben. Die Ersatzkasse erhebt vom fehlbaren Arbeitnehmer eine Ersatzprämie, die bei schwerem Verschulden oder im Wiederholungsfall vervielfacht wird. Die Ersatzprämien dürfen nicht zu Lasten des Arbeitnehmers gehen. Die vorliegende Regelung orientiert sich massgeblich am Gesetz über die Unfallversicherung.

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232

Freiwillige Krankengeldversicherung

Obschon die Krankengeldversicherung für Arbeitnehmer obligatorisch'Werden soll, behält die bis heute von den Krankenkassen betriebene freiwillige Krankengeldversicherung ihre Daseinsberechtigung. Sie kann als Zusatzversicherung dienen oder von Personen abgeschlossen werden, die einer selbständigen Erwerbstätigkeit nachgehen oder nicht erwerbstätig sind.

.Nachdem der grösste Teil der erwerbstätigen Bevölkerung obligatorisch versichert ist, rechtfertigt es sich, den Kassen in der freiwilligen Krankengeldversicherung hinsichtlich Leistungshöhe und Leistungsdauer eine gewisse Gestaltungsfreiheit einzuräumen. Der Entwurf führt - gleich wie in der obligatorischen Versicherung - eine Neuerung ein, wonach der Anspruch auf Taggeld bereits bei einer mindestens hälftigen Arbeitsunfähigkeit des Versicherten entsteht.

Bei Mutterschaft sind die Kassen verpflichtet, das Taggeld während der ganzen gesetzlich festgesetzten Dauer auszurichten, (16 Wochen, wovon mindestens 8 nach der Niederkunft, gemäss Art. 14 Abs. 6). Im weiteren haben die Kassen bei der Ermittlung allfälliger Überversicherungen zu beachten, dass bei Hausfrauen und Selbständigerwerbenden künftig auch die durch eine Ersatzkraft verursachten Kosten zu berücksichtigen sind (Art. 26 Abs. 1).

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Mutterschaftsversicherung

Zur Frage einer obligatorischen, selbständigen Mutterschaftsversicherung werden wir in unserem Bericht zur Volksinitiative «für einen wirksamen Schutz der Mutterschaft» Stellung nehmen. Bei der gegenwärtigen Teilrevision der Krankenversicherung handelt es sich einzig darum, ob und in welchem Umfang bereits jetzt im Rahmen des bestehenden Systems den in den parlamentarischen Vorstössen und in der Volksinitiative vorgebrachten Postulaten Rechnung getragen werden kann.

Die Zahl der versicherten Mütter ist schon heute beträchtlich; die .Krankenkassen erbringen daher bereits für gut 93 Prozent der Wochenbettfälle in der Schweiz Leistungen. Zur Behebung der noch bestehenden Lücke sah der Vorentwurf zur Teilrevision der Krankenversicherung vom November 1978 vor, dass auch nicht versicherte Mütter Anspruch auf reduzierte Krankenpflegeleistungen bei einer Krankenkasse ihrer WTahl erheben ;können. Dieser Vorschlag stiess aus verschiedenen Gründen auf Kritik. So wurde die Meinung vertreten, eine solche Regelung entspräche nicht einem System der freiwilligen Versicherung; ferner wurde eingewendet, sie könnte zur Folge haben, dass sich junge Frauen nicht rechtzeitig gegen Krankheit versichern; schliesslich wurde gerügt, dass eine solche Bestimmung allen nicht für Krankenpflege versicherten Frauen ungeachtet ihrer finanziellen Verhältnisse Vorteile bringen würde.

Nach nochmaliger Überprüfung dieses Problems sind wir zum Schluss gelangt, dass mit Rücksicht auf die Finanzierungsart - die wir im folgenden näher erläutern werden - zumindest die nicht versicherten Mütter in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen in den Genuss von Leistungen gelangen sollen. Die Zahl dieser Frauen lässt sich nicht genau bestimmen; wir haben sie auf 1500 ge-

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schätzt. Im übrigen sehen wir für sie jedenfalls nur beschränkte Leistungen vor, um der in den einzelnen Vernehmlassungen aufgezeigten Missbrauchgefahr Rechnung zu tragen.

Was die Leistungen betrifft, so ist zwischen der Pflege- und der Geldversicherung zu unterscheiden. Allgemein besteht heute ein Leistungsanspruch nur dann, wenn die Frau im Zeitpunkt ihrer Niederkunft während wenigstens 270 Tagen ohne eine Unterbrechung von mehr als drei Monaten Mitglied einer oder mehrerer Kassen gewesen ist. In der freiwilligen Versicherung kann auf diese Karenzfrist nicht verzichtet werden; sie würde jedoch durch die für nicht versicherte Frauen vorgeschlagene Lösung erheblich entschärft. Für die Mutterschaft sieht das Gesetz gegenwärtig die gleichen Pflegeleistungen wie bei Krankheit und zusätzlich einige spezifische Mutterschaftsleistungen vor. Auch in Zukunft soll im Sinne der Begehren der parlamentarischen Vorstösse und der Initiative die Versicherung alle durch die Schwangerschaft und Niederkunft entstehenden Pflegekosten decken; dies bedeutet jedoch nicht, dass die Zahl der Kontrolluntersuchungen, die als Vorsorgemassnahmen und nicht als Behandlung zu werten sind, unbeschränkt sein kann. Weiter soll nach unserer Auffassung die Versicherung während einer bestimmten Zeit nach der Niederkunft, deren Dauer noch festzulegen sein wird, einen Beitrag an die zu Hause erbrachten Pflegeleistungen gewähren. In einer Zeit, in der immer mehr Frauen zu Hause gebären wollen oder in der jedenfalls der Aufenthalt in einer Heilanstalt nur kurz dauert, ist diese neue Leistung gerechtfertigt.

Schliesslich schlagen wir vor, einen bescheidenen Geldbetrag in die spezifischen Krankenpflegeleistungen einzubeziehen, der jenen Frauen zugute kommen soll, die nicht der obligatorischen Krankengeldversicherung angehören. Wohl können sich diese selbständigerwerbenden oder nicht erwerbstätigen Frauen freiwillig für ein Krankengeld versichern, doch sollte ihnen ein prämienfreier Mindestbetrag an die besonderen Mutterschaftsaufwendungen gewährt werden.

In der Krankengeldversicherung erhalten aufgrund des Versicherungsobligatoriums für Arbeitnehmer die unselbständigerwerbenden Mütter automatisch eine Entschädigung für den Lohnausfall, den sie wegen der Niederkunft erleiden.

Diese Entschädigung wird derjenigen bei Krankheit entsprechen, also 80 Prozent des versicherten Verdienstes betragen; wir halten diese Leistung für ausreichend, obwohl die Motion J. Meier (M 77.429) und die Initiative eine höhere Entschädigung befürworten (100% des versicherten Verdienstes bis zu einem Maximalbetrag). Um in den Genuss. des Taggeldes zu gelangen, muss die Versicherte ihre Erwerbstätigkeit mindestens bis acht Wochen vor der Niederkunft ausgeübt haben. Die Leistungsdauer von 16 Wochen, wovon 8 Wochen nach der Niederkunft liegen müssen, stellt eine wichtige Verbesserung im Vergleich zum gegenwärtigen Gesetz (10 Wochen, wovon mindestens 6 nach der Niederkunft) und eine Angleichung an ausländische Regelungen dar; im wesentlichen entspricht dieser Vorschlag den Begehren in der Motion J. Meier (M 77.429) und in der Volksinitiative.

Wenn die Mutter freiwillig für ein Taggeld bei Krankheit versichert ist, soll sie auch bei Mutterschaft ein Taggeld während der eben erwähnten Dauer erhalten; die Höhe der Entschädigung wird derjenigen entsprechen, für die sie bei Krankheit versichert ist, dies unter der Bedingung, dass sie eine allfällige Er-

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werbstätigkeit nicht früher als acht Wochen vor der Niederkunft aufgegeben hat. Andernfalls erhält sie, wie die nicht erwerbstätige Versicherte, ein Taggeld, soweit es: keinen Versicherungsgewinn darstellt (siehe Ziff. 232). Die Volksinitiative verlangt für selbständigerwerbende Frauen ein Taggeld in derselben Höhe wie für Arbeitnehmerinnen, und für nicht erwerbstätige Frauen ein angemessenes Taggeld. Mit einem Beitritt zur freiwilligen Versicherung können Taggelder in solcher Höhe erreicht werden. Verschiedene parlamentarische Vorstösse und die Volksinitiative verlangen die Auszahlung, eines Taggeldes auch während eines Elternurlaubs; ,damit soll der Verdienstausfall des Vaters oder der Mutter während einer mehrmonatigen Betreuung des Kleinkindes kompensiert werden.

Diese Frage ist zu komplex und hat zu weitreichende finanzielle Auswirkungen, als dass sie im Rahmen einer Teilrevision der Krankenversicherung unter allen Aspekten des Arbeits- und des Versicherungsrechts geprüft werden könnte; wir werden dazu in unserem Bericht zur Volksinitiative Stellung nehmen: Die Befürworter einer obligatorischen Mutterschaftsversicherung verlangen im allgemeinen eine Finanzierung nach dem Modell der AHV, nämlich durch lohnprozentuale Beiträge und Subventionen der öffentlichen Hand. Wie schon früher ausgeführt, musste auf die Einführung einer derartigen Finanzierungskomponente für die Krankenversicherung verzichtet werden. Wir erachten es deshalb auch nicht als gerechtfertigt, einen derartigen Finanzierungsmodus allein für Leistungen bei Mutterschaft vorzusehen. Um jedoch - wie dies von zahlreichen Kreisen gewünscht wurde - eine grössere Solidarität zugunsten aller Mütter zu erreichen und um die versicherten Männer nicht mit zu hohen Prämien wegen der durch die Frauen verursachten Zusatzkosten zu belasten; schlagen wir vor, dass alle Pflegeleistungen bei Mutterschaft von der öffentlichen Hand übernommen: werden.

Über Subventionen würden somit den Krankenkassen alle aus der Mutterschaft entstandenen Pflegekosten zurückvergütet. Die bisher den Krankenkassen für Mutterschaft ausbezahlten Subventionen würden dadurch mehr als vervierfacht.

Die Taggelder zufolge Mutterschaft hingegen sollen in der obligatorischen Krankengeldversicherung durch lohnprozentuale Beiträge der Arbeitgeber und der Versicherten, in der freiwilligen Krankengeldversicherung durch die Prämien der Versicherten finanziert werden, so wie dies für die Taggelder bei Krankheit der Fall ist.

Schliesslich soll auch der arbeitsrechtliche Kündigungsschutz auf,,die ganze Dauer der Schwangerschaft und des Mutterschaftsurlaubes ausgedehnt werden.

Damit werden die arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Ansprüche der Schwangeren und Mütter, die mit einem Arbeitsverhältnis verknüpft .sind', stärker als bisher abgesichert.

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Koordination mit anderen Sozialversicherungszweigen

Um Missbräuche und Fälle von Überversicherung zu vermeiden, aber auch um den Versicherten administrative Umtriebe zu ersparen, enthält der Entwurf, verschiedene Bestimmungen über die Koordination der Krankenversicherung mit anderen Sozialversicherungszweigen oder erklärt den Bundesrat für den Erlass solcher Regelungen zuständig.

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In der Krankenpflegeversicherung sollen wie bisher Leistungen nur in dem Masse erbracht werden, als dem Versicherten kein Versicherungsgewinn durch weitere Leistungen eines anderen Versicherungsträgers oder eines öffentlichen Gesundheitsdienstes (z. B. Schulzahnpflege) erwächst. Die Beziehungen zu den anderen Sozialversicherungszweigen werden auf dem Verordnungsweg geregelt, namentlich was die Vorleistungspflicht betrifft, wenn die Zuständigkeit verschiedener Versicherungsträger noch nicht geklärt ist. Dies gilt namentlich für die Leistungsgewährung bei Zusammentreffen von Krankheit und Unfall. Im Verhältnis zur Invalidenversicherung enthält der Entwurf eine wichtige Neuerung, nämlich die Aufhebung von Artikel 12 IVG. Damit sollen die unzähligen Schwierigkeiten behoben werden, die sich aus der gegenwärtigen Abgrenzung der Behandlung des Leidens an sich von den auf Eingliederung gerichteten medizinischen Massnahmen ergaben. Die auf die Eingliederung gerichteten medizinischen Massnahmen sollen wie andere medizinische Behandlungen grundsätzlich zulasten der Krankenkassen gehen, die dafür die entsprechenden an die IV gehenden Subventionen erhalten sollen.

In der obligatorischen Krankengeldversicherung wird die Kumulation von Krankengeldern mit der Altersrente der AHV vermieden, indem die Bezüger einer solchen Rente, selbst wenn sie weiterhin eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausüben, von der obligatorischen Versicherung ausgeschlossen werden. Anderseits wird das Zusammenspiel zwischen Krankenversicherung und IV verbessert, indem die Leistungsdauer für das Krankengeld auf die Festsetzung der IVRente abgestimmt wird. Für die verunfallten oder arbeitslos gewordenen Arbeitnehmer, die Gefahr laufen, aus dem Obligatorium der Krankengeldversicherung herauszufallen, wird vorgesehen, dass die obligatorische Versicherung durch Verordnung verlängert werden kann. Auf dem Verordnungswege wird auch jene Versicherung zu bestimmen sein, die beim Zusammentreffen von Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit leistungspflichtig wird.

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Erläuterung der einzelnen Bestimmungen

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Titel und Ingress

Das geltende Gesetz trägt den Titel «Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung». Mit Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung werden der zweite und der dritte Titel des KUVG aufgehoben. Das Gesetz soll danach den Titel «Bundesgesetz über die Krankenversicherung» erhalten.

Mit dem vorliegenden Entwurf werden nicht nur Änderungen im Bereich der Krankenversicherung vorgeschlagen, sondern es sollen auch die Leistungen bei Mutterschaft ausgebaut werden. Zudem werden die Beiträge des Bundes an die Leistungen bei Mutterschaft in starkem Masse erhöht. Diese Bestimmungen stützen sich nicht auf Artikel 34bis BV, sondern auf Artikel 34iuiniuies Absatz 4 BV. Dies gilt übrigens bereits für die geltenden Sonderbestimmungen für Mutterschaft. Im Ingress ist daher auch Artikel 34[i1>in<ïuies Absatz 4 BV zu nennen. Diese Sonderstellung der Leistungen bei Mutterschaft sollte auch im Titel des Gesetzes zum Ausdruck kommen. Wir sehen daher vor, dem Gesetz künftig den Titel «Bundesgesetz über die Kranken- und Mutterschaftsversicherung» (KMVG) zu geben.

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Grundsätze

Artikel l Zweck und Gegenstand Der Artikel ist in dieser Form neu. Die bisher im ersten Artikel enthaltenen Bestimmungen finden sich nun in Artikel 2bis.

Absatz l umschreibt in allgemeiner Weise Zweck und Gegenstand der Krankenversicherung, wie sie anschliessend in detaillierten Bestimmungen geregelt wird.

Im Gegensatz zu anderen Sozialversicherungen, insbesondere zur AHV/IV, führt der Bund die Krankenversicherung nicht selber durch und er überträgt die Durchführung auch nicht einer Anstalt des Bundes. Die Versicherung wird durch die Krankenkassen durchgeführt, die zur Hauptsache als juristische Personen des Privatrechts und zum Teil als Institutionen des kantonalen öffentlichen Rechts organisiert sind. Durch das vorliegende Gesetz soll, wie dies bisher schon der Fall war, die Krankenversicherung gefördert werden. Bisher wurde als einziges Mittel der Förderung erwähnt, dass der Bund den Krankenkassen Beiträge gewähre, obwohl zumindest seit der Revision des KUVG vom 13. März 1964 die Krankenversicherung auch in anderer Weise, nämlich durch verbindliche Vorschriften über Entstehung und Inhalt des Versicherungsverhältnisses, gefördert worden ist. Diese Art der Förderung wird fortgeführt und weiterentwickelt und sie sollnun bereits am Anfang des Gesetzes dem Grundsatze nach zum Ausdruck kommen.

In Absatz 2 wird ausdrücklich erwähnt, dass die Krankenversicherung auch die Mutterschaftsversicherung umfasst. Dies ist zwar bereits heute der Fall. Durch den Ausbau der Leistungen erhält jedoch die Mutterschaftsversicherung ein grösseres Gewicht. Zudem wird durch diese Bestimmung zum Ausdruck gebracht, dass der Anspruch auf Leistungen bei Mutterschaft nicht durch den Abschluss einer besonderen Mutterschaftsversicherung erworben wird, sondern dass die Mutterschaft .durch den Abschluss einer Krankenversicherung mitversichert ist.

Absatz 3 regelt die Leistungspflicht der Kassen bei Unfall. Die heute von zahlreichen Kassen praktizierte Regelung (vgl. Ziff. 222) soll nun von Gesetzes wegen für alle Krankenkassen gelten, das heisst, bei einem Unfall sind die gleichen Versicherungsleistungen zu gewähren wie bei,Krankheit. Besteht eine andere Versicherung, sind die Leistungen soweit zu gewähren als sie nicht durch jene Versicherung gedeckt sind. Anderseits dürfen - im Rahmen der Krankenversicherung - bei Unfall aber auch nicht höhere Leistungen erbracht werden als bei Krankheit. Die subsidiäre Versicherung des Unfalles wird insbesondere für Kinder, Hausfrauen und Betagte von Bedeutung sein, da diese sehr oft keine spezielle Unfallversicherung haben.

Absatz 4 enthält die allgemeinen Grundsätze zur Frage des Versicherungsobligatoriums. Die Krankenpflegeversicherung bleibt wie erwähnt nach Bundesrecht freiwillig (vgl. Ziff. 211 und 221). Vorbehalten bleiben wie bisher kantonale oder kommunale Obligatorien. Dagegen soll die Krankengeldversicherung für alle Arbeitnehmer obligatorisch werden (vgl. Ziff. 231.1).

Artikel 2 Mitwirkung der Kantone Die Kantone bleiben nach Absatz l wie bis anhin ermächtigt, die Krankenpfle1155

geversicherung obligatorisch zu erklären. Im Bereich der Krankengeldversicherung sehen wir dagegen von Bundes wegen ein Versicherungsobligatorium für alle Arbeitnehmer vor. Dieses Bundesobligatorium soll abschliessend gelten.

Die Kantone können somit in der Krankengeldversicherung den Kreis der obligatorisch Versicherten nicht ausdehnen.

Der neu eingefügte Absatz 2bis sieht vor, dass die Kantone einen Teil der Bundesbeiträge übernehmen und daneben noch eigene Beiträge zur Prämienverbilligung für wirtschaftlich schwächere Versicherte gewähren. Bereits heute leisten die Kantone Beiträge an die Krankenversicherung (vgl. Ziff. 124.4). Dabei gibt es aber sowohl in bezug auf die Kriterien der Beitragsgewährung wie in bezug auf die Höhe der Beiträge grosse Unterschiede von Kanton zu Kanton.

Die Funktionen der Bundesbeiträge und jene der Kantonsbeiträge sollen künftig besser miteinander koordiniert und zu einem abgestimmten System von Beiträgen der öffentlichen Hand zusammengefügt werden. In diesem System soll den Kantonen - neben der Beteiligung am Bundesbeitrag - die Aufgabe zufallen, gezielte Beiträge zur Prämienermässigung für wirtschaftlich schwächere Versicherte zu gewähren. Das Bundesrecht beschränkt sich aber darauf, den Kantonen diese Art der Beitragsgewährung dem Grundsatz nach vorzuschreiben. Dies bedeutet, dass alle Kantone entsprechende Beiträge vorsehen müssen, dass sie aber die Höhe der Beiträge und den Kreis der Begünstigten nach eigenem Ermessen umschreiben können. Beiträge, die unabhängig von den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Versicherten gewährt werden und Beiträge, die keine individuelle, sondern eine generelle Prämienermässigung zur Folge hätten, fallen nicht unter Absatz 2bis. Es steht den Kantonen an sich frei, auch solche Beiträge zu entrichten. Sie dürfen diese aber nicht anstelle, sondern nur zusätzlich zu den Beiträgen für wirtschaftlich Schwache gewähren.

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Die Krankenpflegeversicherung und die freiwillige Krankengeldversicherung

Artikel 2hls Krankenkassen Der in Absatz l erwähnte Grundsatz, dass die Krankenpflegeversicherung und die freiwillige Krankengeldversicherung durch die anerkannten Krankenkassen durchgeführt wird, war bisher nicht ausdrücklich im Gesetz festgehalten. Es verstand sich bisher gewissermassen von selbst, dass die soziale Krankenversicherung von den anerkannten Krankenkassen getragen wird. Eine positive Erwähnung dieses Grundsatzes hat vor allem deshalb einen Sinn, weil für die obligatorische Krankengeldversicherung die Trägerschaft auch auf die Privatassekuranz ausgedehnt werden soll (vgl. Art. 40«). Die Bestimmung bedeutet nicht, dass andere Versicherungseinrichtungen das Krankheitsrisiko nicht versichern dürfen. Es wird aber ausdrücklich klargestellt, dass für eine Krankenversicherung durch andere Versicherungsträger die Vorschriften des KMVG nicht oder nur soweit gelten, als sie sich an der Durchführung der obligatorischen;Krankengeldversicherung beteiligen.

Jede Versicherungseinrichtung hat wie bisher einen Anspruch, als Krankenkasse anerkannt zu werden, wenn sie die Krankenversicherung nach den Vorschriften des KMVG durchführt. Die Unterstellung unter dieses Gesetz bedeutet, dass 1156

die Krankenkassen .auch alle übrigen Vorschriften, die die soziale Krankenversicherung ausmachen, zu beachten haben. Dazu zählen neben den gestützt auf das Gesetz erlassenen,Verordnungen insbesondere auch die allgemeinen Grundsätze des Sozialversicherungsrechtes, wie sie durch die Rechtsprechung des EVG entwickelt wurden. Im übrigen behalten die Kassen ihren autonomen Charakter. Dieser bezieht sich insbesondere auf die interne Organisation und Verwaltung sowie die Entrichtung von Leistungen, die über die Mindestvor; schriften des Gesetzes hinausgehen.

Bei der nach kantonalem Recht obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Art. 2 Abs. 1) stellt sich die Frage, ob die Kantone die Durchführung der obligatorischen Versicherung ausschliesslich den anerkannten Krankenkassen übertragen müssen. Bestimmungen, die auch andere Versicherungseinrichtungen für die Durchführung der obligatorischen Versicherung zulassen wollten, haben wir bisher immer die Genehmigung verweigert. Bereits im Jahre 1962 hat die damalige Kommission des Ständerates für .die Änderung des Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes den Bundesrat in Form eines Postulates eingeladen, zu prüfen, «unter welchen Voraussetzungen auch den privaten Versicherungsgesellschaften die Durchführung der obligatorischen Krankenversicherung übertragen werden kann»., Auch im Vernehmlassungsverfahren zum Vorentwurf vom November 1978 hat insbesondere die Konferenz Konzessionierter Krankenversicherer verlangt, dass alle Versicherungsträger, also auch die Privatassekuranz, zur Durchführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zugelassen werden. Zur Begründung wurde unter anderem ausgeführt, es dürfe kein Versicherungsmonopoi zugunsten bestimmter Versicherungsträger geschaffen werden. Zudem würde die Privatassekuranz in der neueren Sozialversicherungsgesetzgebung immer mehr als Träger anerkannt.

Es trifft zu, dass die .obligatorische Unfallversicherung künftig auch durch private Versicherungsgesellschaften, die dem Versicherungsaufsichtsgesetz (SR 961.01) unterstehen, durchgeführt werden kann (Art. 68 UVG). Für die obligatorische Krankengeldversicherung sieht der vorliegende Gesetzesentwurf ebenfalls neben den anerkannten Krankenkassen die Privatassekuranz als Träger der Versicherung vor. Sowohl in der Unfallversicherung wie in der Krankengeldversicherung werden aber alle beteiligten Versicherungsträger die obligatorische Versicherung nach den gleichen gesetzlichen Vorschriften durchführen müssen. Auf die Durchführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übertragen würde dies bedeuten, dass neben den anerkannten Krankenkassen auch die übrigen Versicherungsträger alle Auflagen des Gesetzes erfüllen müssten, die den Charakter der Sozialversicherung ausmachen, also insbesondere die Vorschriften über die Aufnahme in die Versicherung^ die Vorbehalte, die Beschränkung des Ausschlussrechtes, die Freizügigkeit, die Prämien, die gesetzlichen1 Pflichtleistungen unter Einschluss der Mutterschaft und :das Verfahren bei Streitigkeiten über Versicherungsleistungen. Unterschiedliche Regelungen für die Träger einer obligatorischen Sozialversicherung würden zum einen gegen das Gebot der Rechtsgleichheit verstossen und zudem wäre keine Garantie gegeben, dass die obligatorische Versicherung für alle unterstellten Personen in gleicher Weise durchgeführt wird. Die privaten Versicherungsgesellschaften, die sich an der Durchführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung beteiligen möchten, hätten sich also ebenfalls dem Anerkennungsverfahren nach Absatz 2 zu

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unterziehen. Nachdem aber bereits heute jede Institution, die die Anforderungen dieses Gesetzes erfüllt, als Träger der sozialen Krankenversicherung anerkannt werden kann, besteht keine Veranlassung, von der bisher geltenden Regelung abzuweichen. Schon heute gibt es übrigens anerkannte Krankenkassen, die von der Privatassekuranz gegründet wurden oder die eng mit dieser zusammenarbeiten.

Artikel 3 Absatz 4bis Zusatzversicherungen Die Krankenkassen haben bereits nach geltendem Recht mindestens die Krankenpflege- oder die Krankengeldversicherung zu betreiben. In diesen Grundversicherungen sind die nach Gesetz vorgesehenen Leistungen zu erbringen (vgl.

Art. 12 und 12bis). Die Kassen können in den Statuten noch weitergehende Leistungen vorsehen. Bedeutende und auch finanziell stark ins Gewicht fallende .Zusatzleistungen, beispielsweise im Bereich der Spitalbehandlung, werden in der Regel nicht in die Grundversicherung eingeschlossen, sondern den Mitgliedern in Form von sogenannten Zusatzversicherungen angeboten. Zusatzversicherungen können nur zusammen mit einer Grundversicherung abgeschlossen werden. Dies ergibt sich aus Artikel 12 Absatz l KUVG.

Die Frage, wieweit die Bestimmungen des Gesetzes auch für Zusatzversicherungen gelten, ist heute nicht ausdrücklich geregelt. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass die Bestimmungen und Auflagen des Gesetzes bei den Zusatzversicherungen grundsätzlich in gleicher Weise zu beachten sind wie bei den Grundversicherungen. Von diesem Grundsatz werden nach der Rechtsprechung des EVG bestimmte Ausnahmen zugelassen, insbesondere für die Pflicht zur Aufnahme in die Zusatzversicherung.

Die heutige Praxis ist nicht unbestritten geblieben. Die Krankenkassen haben geltend gemacht, die gesetzlichen Auflagen im Bereich der Zusatzversicherungen bringe ihnen einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Privatassekuranz, weil die übrigen Krankenversicherer jene Auflagen (Begrenzung der Prämiendifferenz zwischen Mann und Frau, Vorbehaltsdauer usw.) nicht beachten müssen. Nachdem diese Auflagen für die Zusatzversicherungen nicht durch Bundesbeiträge abgegolten würden, müsse den Krankenkassen die gleiche Freiheit zur Ausgestaltung dieser Versicherungen eingeräumt werden wie der Privatassekuranz.

Die Frage der anwendbaren Gesetzesbestimmungen bei Zusatzversicherungen soll deshalb künftig ausdrücklich geregelt werden. Zunächst wird festgehalten, dass die Kassen für Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft, die nicht bereits durch das Gesetz vorgeschrieben sind, Zusatzversicherungen anbieten können. Diese Versicherungen haben sich grundsätzlich im Rahmen des Gesetzes zu bewegen. Die Gestaltungsfreiheit der Kassen soll aber etwas stärker ausgebaut werden als dies heute nach der Rechtsprechung der Fall ist. Die Kassen sollen die Auflagen für die Aufnahme in die Grundversicherung (Art. 5) bei den übrigen Versicherungen nicht beachten müssen. Sie können also die Aufnahme in diese Versicherungen aus gesundheitlichen Gründen verweigern oder eine Vorbehaltsdauer von mehr als fünf Jahren vorsehen. Weiter sollen die Kassen bei diesen Versicherungen nicht an die Auflagen über die Festsetzung der Prämien gebunden sein (Art. 6bis Abs. 2-4). Sie können also beispielsweise die Prä-

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mien der Zusatzversicherungen dem Risikoverlauf anpassen (BonusVMalussystem) und die Prämienunterschiede zwischen Männern und Frauen nach dem effektiven Unterschied des Risikos festsetzen. Der Grundsatz der Gegenseitigkeit verlangt aber auch bei diesen Versicherungen, dass Prämienunterschiede sachlich begründet sein müssen und dass die Prämien nur zur Verwirklichung des Versicherungszweckes verwendet werden dürfen.

Wollen die Kassen bei den Zusatzversicherungen von den allgemeinen, für die Grundversicherung gültigen Grundsätzen abweichen, haben sie dies in ihren Statuten oder in anderen allgemeinen Bestimmungen ausdrücklich vorzusehen.

Weiter haben die Kassen auch die Leistungen dieser Versicherungen zu umschreiben und zu bestimmen, ob die Leistungen auch bei Unfall gewährt werden.

Für bestimmte Zusatzversicherungen schränkt das Gesetz den Freiraum der Kassen bezüglich der Aufnahme, der Festsetzung der Leistung und der Abstufung der Prämien ausdrücklich ein, nämlich für die Versicherung der Zahnbehandlungskosten und die Versicherung der Aufenthaltspauschale in : Heilanstalten (vgl. dazu hinten Art. 12ter und 12<iuater).

Die Krankenkassen bleiben weiterhin verpflichtet; mindestens eine der beiden Grundversicherungen anzubieten, damit sie überhaupt als Träger der sozialen Krankenversicherung anerkannt werden können (vgl. Art. 2bls). Hingegen soll die Auflage, dass die Kassen die Zusatzversicherungen nur Mitgliedern anbieten können, die auch eine Grundversicherung abgeschlossen haben, aufgehoben werden. Artikel 12 Absatz l KUVG wird daher gestrichen. In der Praxis hat diese Änderung keine grosse Bedeutung, da es nach dem geltenden Recht genügt, wenn die .Zusatzversicherungen mit einer Krankengeldversicherung von 2 Franken pro Tag verbunden sind.

Artikel 5 Recht auf Mitgliedschaft Im bisherigen Gesetz wird der Grundsatz aufgestellt, dass jeder Schweizer Bürger das Recht hat in eine Kasse einzutreten, deren statutarische Aufnahmebedingungen er erfüllt. Nach ständiger Praxis gilt dieser Grundsatz auch für alle Ausländer, die in der Schweiz wohnen oder arbeiten. Deshalb wird vorgeschlagen, das Recht auf die Aufnahme in eine Kasse in Absatz l allen in der Schweiz wohnhaften Personen ausdrücklich einzuräumen. Als logische Folge der Änderung von Artikel 12 Absatz l wird hier noch der Grundsatz der freien Wahl unter den von der Kasse geführten Versicherungen verankert.

Die Aufnahme in eine Kasse kann heute von der Zurücklegung oder von der Überschreitung eines bestimmten Alters abhängig gemacht werden. Viele Kassen sehen für den Beitritt eine Höchstaltersgrenze zwischen dem 50. und 60. Altersjahr vor, und nur wenige Kassen haben sich bisher entschlossen, Aufnahmebewerber ohne Rücksicht auf ihr Alter aufzunehmen. Dieses Recht der Kassen, die Aufnahmebedingungen in bezug auf das Eintrittsalter frei festzusetzen, wird nach Absatz 2 in Zukunft insofern eingeschränkt, als die obere Altersgrenze für die Aufnahme von Erwachsenen nicht unter dem AHV-Alter angesetzt werden darf.

Den Kassen soll es künftig auch nicht mehr gestattet sein, die Aufnahme aus Gründen des Lebenswandels abzulehnen. In gleicher Weise soll auch das Aus-

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schlussrecht eingeschränkt werden (vgl. Art. 11 Abs. 1). Heute enthalten noch zahlreiche Kassenstatuten solche Bestimmungen. Vor allem Strafgefangene sind davon oft betroffen. Die Kassen verweigern ihnen zwar meistens nicht die Aufnahme und schliessen sie auch nicht aus, aber es kommt vor, dass sie ihnen im Einzelfall die Leistungen verweigern. Dieses Vorgehen wurde von der Rechtsprechung mit dem Hinweis auf die Freiheit der Kassen bei der Aufnahme und beim Ausschluss als zulässig erklärt. Mit der nun vorgeschlagenen Änderung, die auch in parlamentarischen Vorstössen verlangt wurde (Postulat Villard P 76.334; Motion Eggli-Winterthur M 78.583), wird also gleichzeitig auch die heutige Praxis unzulässig, in solchen Fällen die versicherten Leistungen nicht zu erbringen. Keine Leistungspflicht der Kassen besteht allerdings für Untersuchungen und Behandlungen, die die Strafvollzugsbehörde auf eigene Rechnung durchführen lässt (vgl. Art. 26 Abs. 3).

Das bisherige Vorgehen bei der Aufstellung von Versicherungsvorbehalten sowie die Geltungsdauer solcher Vorbehalte bleiben von der Vorlage grundsätzlich unberührt. Der Revisionsentwurf bringt lediglich gewisse Erleichterungen bei der Aufnahme von Kindern. Absatz 3 schreibt die vorbehaltlose Aufnahme von Kindern während des ersten Jahres nach der Geburt vor und beschränkt die Dauer der Versicherungsvorbehalte für Kinder auf höchstens zwei Jahre.

Diese Regelung fördert den möglichst frühen Beitritt zu einer Kasse.

Nach Absatz 5 gelten als Kinder Versicherte bis zum zurückgelegten 16. Altersjahr (bisher 15. Altersjahr), alle ändern Personen werden als Erwachsene im Sinne dieses Gesetzes betrachtet. Die genannte Altersgrenze fällt in den meisten Kantonen mit dem Ende des obligatorischen Schulbesuchs zusammen, und bis zu diesem Alter werden in der Regel auch die Kinderzulagen ausgerichtet.

Artikel 6bis Mitgliederbeiträge Der in Absatz l verankerte Grundsatz verpflichtet die Kassen, die Mitgliederbeiträge so festzusetzen, dass sich - langfristig gesehen - die einzelnen Versicherungsarten selber erhalten können; ein zeitweiser Ausgleich zwischen den einzelnen Versicherungsarten ist hingegen durchaus möglich. Dieser Grundsatz soll vor allem verhindern, dass Versicherte mit ihren Beiträgen für Leistungen aufkommen müssen, für die sie nicht versichert sind.

Das heute
im Gesetz enthaltene Prinzip, nach welchem sich Kollektiwersicherungen selber erhalten müssen, hat sich besonders bei kleineren Kollektivitäten als nicht praktikabel erwiesen. Die Bestimmung wird daher fallengelassen. Der Bundesrat wird aufgrund von Artikel 5bls Absatz 5 des Gesetzes den Rahmen zu bestimmen haben, in dem sich die Kollektiwersicherung selber erhalten muss.

Die bereits heute in Absatz 2 vorgesehenen Abstufungen der Mitgliederbeiträge bleiben weiterhin zulässig. Neu wird vorgesehen, dass die Mitgliederbeiträge auch nach der Höhe des Lohnes abgestuft werden können, wenn die Versicherung in Verbindung mit einem Arbeitsverhältnis abgeschlossen wird. Dadurch wird es neben Kollektivverträgen auch in Betriebskrankenkassen möglich, die Prämien in Prozenten des Lohnes festzulegen. Den Kassen steht es auch frei, von Versicherten, die keine besondere Unfallversicherung haben, einen Prämienzuschlag für die Deckung des Unfalles (vgl. Art. l Abs. 3) zu erheben.

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Auf die allgemeine Bestimmung, die bisher eine Abstufung der Mitgliederbeiträge zur Erleichterung der Versicherung von Familienangehörigen sowie Minderjährigen oder zugunsten einzelner Personengruppen erlaubt hat, wurde verzichtet. Dafür werden sich aber die neuen Beiträge für Kinder zugunsten der Familien auswirken.

Absatz 3 verselbständigt den heute in Absatz 2 enthaltenen Grundsatz, dass die Beiträge für die Frauen diejenigen für die Männer um höchstens 10 Prozent übersteigen dürfen. Die Gründe für die Beibehaltung dieses Grundsatzes haben wir bereits dargelegt (vgl. Ziff. 224). , Absatz 4 bietet die Grundlage für die Berechnung der höchstzulässigen Kinderbeiträge. Die Kassen haben bei der Bemessung der Mitgliederbeiträge für Kinder ausschliesslich vom risikogerechten Mitgliederbeitrag - also einem Nettobeitrag - auszugehen; sie dürfen bei Kindern keine Zuschläge für Verwaltungskosten und für die Bildung von Reserven berücksichtigen. Die so errechneten Beiträge, vermindert um den Bundesbeitrag für Kinder (vgl. Erläuterungen zu Art. 37), ergeben die zu erhebenden Mitgliederbeiträge für Kinder.

Zur Erleichterung der Versicherung der Jugendlichen unter 25 Jahren (niedrigste Beitragsgrappe von Erwachsenen) wird i es den .Kassen in Absatz 5 erlaubt, Beiträge für diese Versichertengruppe niedriger anzusetzen als für übrige Versicherte; sie müssen jedoch höher sein als die Beiträge für Kinder. Nach dem vollendeten 26. Altersjahr erfolgt dann die Umteüung der Jugendlichen in die nächsthöhere Beitragsgruppe der ordentlichen Erwachsenenversicherung.

Artikel!! Ausschluss von Kassenmitgliedern Nach bisherigem Recht durften die Kassen keine Mitglieder aus politischen oder konfessionellen Gründen ausschliessen: Im übrigen waren die Kassen in der Regelung ihrer Ausschlussgründe weitgehend frei.

Dieser weite, den Kassen bei der Ausgestaltung der Ausschlussgründe belassene Freiraum erfährt in Übereinstimmung mit der für die.Aufnahme eines Bewerbers vorgesehenen Bestimmung insoweit eine Einschränkung, als die Kassen ein Mitglied nicht mehr aus Gründen des Lebenswandels (z. B. wegen Verbüssung einer Freiheitsstrafe) ausschliessen dürfen (vgl. auch Art. 5).

Absatz 2 sieht in Fällen, in denen ein Mitglied wegen nicht bezahlter Beiträge und Kostenbeteiligung ausgeschlossen werden soll, eine Anzeigepflicht der Kassen an die zuständige Behörde im Wohnkanton des Versicherten vor. Dieser Meldung hat eine Mahnung der Kasse an das Mitglied vorauszugehen. Der vom Versicherten geschuldete Betrag wird gemäss Artikel 38 Absatz 2 vom Kanton übernommen, sofern die Bezahlung für den Versicherten eine i «grosse Harte» - wozu auch wirtschaftliche Gründe gehören - bedeuten würde (vgl.

dazu Art. 11 Abs. 2 AHVG). Diese neue Bestimmung bezweckt, dem Versicherten den Versicherungsschutz auch bèi finanziellen Schwierigkeiten zu erhalten.

Da die Kassen darauf angewiesen sind, innert nützlicher Frist Bescheid über eine allfällige Kostenübernahme zu bekommen, hat eine diesbezügliche Stellungnahme seitens der zuständigen Behörde innerhalb von drei Monaten zu erfolgen.

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Artikel 12 Leistungen der Krankenpflegeversicherung Allgemeines (Abs. l, Einleitung und Ziff. 1) Das Gesetz enthält wie bisher einen Katalog von Leistungen, die die Kassen in der Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) mindestens zu gewähren haben. Die Kassen können allerdings weiterhin - neben ihrem Angebot an Zusatzversicherungen - den Leistungsbereich der Grundversicherung über das gesetzliche Minimum hinaus ausdehnen. Für diese statutarisch in die Grundversicherung eingeschlossenen Leistungen sind die Auflagen des Gesetzes (z. B. Aufnahme, Vorbehalte, Prämienfestsetzung) in gleicher Weise zu beachten wie für die gesetzlichen Pflichtleistungen.

Bestimmte Leistungen dürfen die Kassen aber nicht in die Grundversicherung einschliessen. So dürfen Arzneimittel, die nicht zu den Pflichtleistungen zählen nur beschränkt und zum Teil überhaupt nicht vergütet werden (Abs. 5). Sodann sieht das Gesetz für Zahnbehandlungskosten, die nicht zu den Pflichtleistungen zählen sowie für die Aufenthaltspauschale in Heilanstalten besondere Zusatzversicherungen vor (Art. 12ter und 12<iuater). Dies bedeutet ebenfalls, dass diese Leistungen nicht in die Grundversicherung einbezogen werden dürfen.

Das Gesetz unterscheidet wie bisher zwischen Pflichtleistungen der ambulanten und der stationären Krankenpflege. Zur ambulanten Versorgung zählen weiterhin in erster Linie diagnostische und therapeutische Tätigkeiten des Arztes sowie durch den Arzt verordnete Arzneimittel, Analysen und Heilanwendungen, die durch Dritte ausgeführt werden. Neben dem Arzt kann nur der Chiropraktor und neu auch der Zahnarzt von sich aus für die Krankenversicherung tätig werden. Die Leistungen der übrigen Personen und Institutionen haben die Krankenkassen nur zu vergüten, wenn sie von einem Arzt oder im Rahmen der Zahnbehandlung von einem Zahnarzt angeordnet wurden.

Hauskrankenpflege (Abs. l Ziff. l Bst. b) Bereits heute zählen bestimmte Verrichtungen der Hauskrankenpflege, die von selbständig und auf eigene Rechnung tätigen Krankenschwestern und Krankenpflegern erbracht werden, zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen. Der Umfang der Leistungspflicht ist in Verordnungen des Bundesrates und des Departementes des Innern festgelegt (Verordnung VI über die Krankenversicherung [SR 832.151.1] und Verfügung 7 des EDI [SR 832.141.11}). Seit längerer Zeit wird von verschiedener Seite eine Ausdehnung der Leistungspflicht der Krankenkassen bei Hauskrankenpflege gefordert. Es wird geltend gemacht, die Pflege und Betreuung in der gewohnten Umgebung sei von Vorteil für das seelische Wohlbefinden des Patienten und damit auch für den Heilungsprozess. Zudem sei die Hauskrankenpflege kostengünstiger als die stationäre Behandlung in einem Spital. Auf der anderen Seite befürchten insbesondere die Krankenkassen, ein Einbezug der Hauskrankenpflege in die Krankenversicherung führe dazu, dass die Kassen künftig finanzielle Lasten zu übernehmen haben, die bisher von öffentlichen oder von der öffentlichen Hand unterstützten Institutionen getragen wurden. Zudem wird auch geltend gemacht, der in den letzten Jahren

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erfolgte Ausbau der Spitäler habe eher zu einem Überangebot an Spitalbetten geführt. Eine Förderung der Hauskrankenpflege verstärke die Gefahr einer Unterbelegung der Spitäler. Dem wird entgegengehalten, dass in den vergangenen Jahren vor allem die Akutspitäler ausgebaut wurden, dass dagegen weiterhin ein Mangel an Pflegeplätzen für Chronischkranke bestehe. Gerade für diese Patienten eigne sich die Hauskrankenpflege in besonderer Weise.

Alles in allem muss anerkannt werden, dass,eine stärkere Berücksichtigung der Hauskrankenpflege begründet ist. Einer allzustarken Kostenverlagerung auf die Krankenversicherung müssen aber anderseits Grenzen gesetzt werden. Eine volle Übernahme der Hauskrankenpflege durch die Krankenversicherung lässt sich daher heute nicht verwirklichen. Wir sehen vor, dass die Kassen weiterhin nur bestimmte, von einem Arzt angeordnete, Verrichtungen zu übernehmen haben. Die bereits bestehende Kompetenz, des Bundesrates zur Bezeichnung der einzelnen Leistungen wird jedoch etwas ausgedehnt. Neben Heilanwendungen sollen künftig auch Pflegeleistungen, nicht aber die Hilfe im Haushalt der Patienten, in die Krankenversicherung einbezogen werden können. Die ausdrückliche Erwähnung des Personals der Hauskrankenpflege soll in erster Linie die Absicht dokumentieren, im Bereich der Hauskrankenpflege die Leistungspflicht über den heutigen Rahmen hinaus auszudehnen. Wieweit die Leistungen tatsächlich ausgedehnt werden und welche Pflegeleistungen in den Leistungskatalog aufzunehmen sind, wird bei der Ausarbeitung der entsprechenden Bestimmungen auf Verordnungsebene sorgfältig zu prüfen sein. Auf jeden Fall sehen wir vor,, dass künftig auch Leistungen, die durch unselbständig erwerbstätiges Pflegepersonal erbracht werden, von den Kassen zu übernehmen sind.

Mittel und Gegenstände (Abs. l Ziff. l Bst. d) Mittel und Gegenstände, die der Behandlung dienen oder diese unterstützen, haben die Kassen nach geltendem Recht nur in beschränktem Umfang zu übernehmen. Die Leistungspflicht bezieht sich heute nur auf sogenannte Endoprothesen, also Ersatzstücke, die fest mit dem Körper verbunden sind, nicht dagegen auf andere für die Behandlung und Wiederherstellung notwendige Mittel wie Stöcke, Arm- und Beinschienen, Katheter, Beatmungsgeräte,usw. In der Praxis wurde dies bereits seit längerer Zeit als Mangel empfunden. Es soll daher die gesetzliche Grundlage geschaffen werden, dass neben Endoprothesen auch Mittel und Gegenstände, die für die Behandlung einer Krankheit nötig sind, zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen gezählt werden können. Dabei hat es aber nicht die Meinung, dass Hilfsmittel, die heute von der Invaliden^ Versicherung übernommen werden, künftig von den Krankenkassen zu übernehmen wären. Die einzelnen Mittel und Gegenstände werden wie die Arzneimittel in einer Liste mit Tarif zusammengefasst und die Kassen sind nur dann zur Leistung verpflichtet, wenn der betreffende Gegenstand vom Arzt verordnet wurde.

Stationäre Versorgung (Abs. l Ziff. 2 und Abs. 3) Nach geltendem Recht haben die Kassen beim Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung einer Heilanstalt bestimmte, im Gesetz ausdrücklich erwähnte Leistungen (ärztliche Behandlung, medizinische Behandlung durch Hilfspersonal,

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Medikamente und Laboranalysen) zu übernehmen. An die übrigen Kosten der Spitalpflege ist nur ein täglicher Mindestbeitrag von 9 Franken zu leisten. In der Regel wird aber in den Verträgen zwischen Kassen und Heilanstalten nicht die Vergütung von einzelnen Leistungen, sondern ein Pauschalbetrag je Pflegetag vereinbart. Diese Tagespauschale deckt vielfach mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestleistungen. Oft wird für die Vergütung der Aufenthaltsund Verpflegungskosten noch eine besondere Pauschale vereinbart. Es bleibt dann jeder Kasse überlassen, ob sie diese Pauschale ebenfalls in die Krankenpflegeversicherung einschliessen will. Oft verpflichten die Kassen ihre Mitglieder für diese Pauschale eine Zusatzversicherung abzuschliessen.

Die heute geltende Regelung der Leistungspflicht ist sehr kompliziert. Dies bestätigt auch eine kürzlich durchgeführte Meinungsumfrage, in welcher weite Kreise der Bevölkerung das Leistungssystem der Krankenversicherung als unübersichtlich bezeichneten. (Das schweizerische Gesundheitswesen -im Spiegel der Öffentlichkeit, Publikumsumfrage des SRG-Forschungsdienstes, herausgegeben vom Bundesamt für Gesundheitswesen, Bern 1980.) Die Übersicht wird erschwert, weil es zwischen den einzelnen Kassen grosse Unterschiede in den durch die Grundversicherung gedeckten Leistungen geben kann. Zudem ist dem Versicherten - selbst bei einem Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung - nicht in jeder Heilanstalt der gleiche Umfang an Leistungen garantiert. Vor allem bei Behandlungen in Spitälern, die sich nicht am Wohnort des Versicherten oder in dessen Umgebung befinden, kann der nicht unter die Pflichtleistungen fallende Anteil sehr hoch sein, selbst wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen im betreffenden Spital erfolgen musste.

Der Versicherte soll künftig eine grössere Gewissheit über die Leistungspflicht der Krankenkassen bei stationärer Versorgung haben. Es werden nicht mehr Arten von Leistungen aufgezählt, die die Kassen mindestens zu übernehmen haben, sondern die Behandlung und der Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung einer Heilanstalt muss künftig von Gesetzes wegen in Form von Pauschalbeträgen je Pflegetag abgegolten werden. In Anlehnung an die heute weitverbreitete Praxis werden die Heilanstalten zwei Pauschalen in Rechnung stellen müssen, nämlich eine Beharidlungspauschale und eine Aufenthaltspauschale. Die Behandlungspauschale muss immer und die Aufenthaltspauschale darf nie in die Grundversicherung für Krankenpflege eingeschlossen werden. Für die Deckung der Aufenthaltspauschale müssen die Kassen ihren Versicherten eine besondere Zusatzversicherung anbieten (Art. 12iuater). Die Höhe der Pauschalen und das Recht des Versicherten auf Wahl der Heilanstalt ist in den Artikeln 19bis, 22iuin~ <)uies und 22sexies geregelt.

Absatz 3 sieht vor, dass die Leistungen bei stationärer Versorgung künftig, wie dies heute bereits für die ambulante Behandlung gilt, zeitlich, unbeschränkt gewährt werden. Das heute den Kassen eingeräumte Recht, die Leistungen bei Aufenthalt in einer Heilanstalt auf 720 Tage innerhalb von 900 aufeinanderfolgenden Tagen zu beschränken, wird schon seit längerer Zeit als stossend empfunden. Zahlreiche parlamentarische Vorstösse fordern zeitlich unbeschränkte Leistungen bei Spitalbehandlungen. Sowohl in der Expertenkommission wie im Vernehmlassungsverfahren zum Vorentwurf ist der Vorschlag, die Kassen auch bei Spitalbehandlungen zu zeitlich unbeschränkten Leistungen zu verpflichten,

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praktisch auf einhellige Zustimmung gestossen. Es ist heute tatsächlich kaum mehr verständlich, warum gerade das für die Versicherten finanziell am stärksten ins Gewicht fallende Risiko nach Ablauf einer bestimmten Leistungsdauer von einem Tag auf den anderen nicht mehr gedeckt sein soll. Die Leistungspflicht der Kassen bezieht sich aber nur auf eigentliche Heilanstalten.

Badekuren (Abs. l Ziff. 3 und Abs. 4) An Badekuren haben die Krankenkassen bereits nach geltendem Recht einen täglichen Kurbeitrag zu leisten. Da hier die Gefahr von missbräuchlicher Inanspruchnahme der Krankenkassen besonders gross ist, werden die Voraussetzungen der Leistungspflicht näher umschrieben. Der Beitrag ist nur zu gewähren, wenn die Badekur als Behandlung oder Nachbehandlung einer Krankheit angeordnet wurde, nicht dagegen bei Badekuren, die allein der allgemeinen Krankheitsvorbeugung dienen. Zudem soll auch der Begriff der Heilbäder näher umschrieben werden (vgl. dazu Art. 19bis Abs. 4). Die Höhe des Kurbeitrages wird wie bisher durch Verordnung des Bundesrates festgesetzt.

Für die Leistungsdauer bei Badekuren gilt heute die gleiche zeitliche Beschränkung wie bei Behandlungen in einer Heilanstalt. Diese Bestimmung soll aufgehoben werden. Für Badekuren ist aber eine zeitliche Beschränkung weiterhin angezeigt. Diese soll aber nicht dazu führen, dass die Leistungspflicht nach einer bestimmten Dauer ganz dahinfällt, sondern sie soll verhindern, dass die Badekuren übermässig zu Lasten der Krankenversicherung in Anspruch genommen werden. Die Leistungen für Badekuren sollen daher jeweils innerhalb eines bestimmten Zeitraumes begrenzt werden. Die konkrete Umschreibung der Leistungsdauer wird durch Verordnung des Bundesrates erfolgen.

Präyentivmedizin (Abs. l Ziff. 4) ' Die Präventivmedizin gehört nach geltendem Recht nicht zu den Pflichtleistungen der Kassen, da sie nicht auf die Diagnose oder Behandlung eines aktuellen Leidens gerichtet ist. Kennzeichen von Massnahmen der Präventivmedizin und insbesondere von Vorsorgeuntersuchungen ist vielmehr, dass sie - ohne Vorliegen eines konkreten Krankheitssymptoms - zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in bestimmten Zeitabständen vorgenommen werden.

In der Praxis kann allerdings sehr oft kaum unterschieden werden, ob .eine bestimmte Massnahme noch als Vorsorgeuntersuchung oder bereits als Untersuchung eines vorhandenen Leidens zu gelten hat. Zudem ist es durchaus sinnvoll, dass eine Versicherung auch Massnahmen ergreift und unterstützt, die auf die Abwendung und Verminderung der von ihr versicherten Risiken gerichtet sind (z.B. Unfallverhütung durch Unfallversicherer). Von verschiedener Seite wurde daher in den vergangenen Jahren gefordert, dass die Krankenkassen bestimmte Vorsorgeuntersuchungen übernehmen, weil auf diese Weise dem Ausbruch von schweren Erkrankungen vorgebeugt werden könne, was letztlich im Interesse der Krankenversicherung liege. Die Krankenkassen haben sich dieser Argumentation nicht verschlossen. Sie gewähren zum Teil bereits heute auf freiwilliger Basis Beiträge an bestimmte Vorsorgeuntersuchungen. Die Praxis ist allerdings nicht einheitlich, weshalb die Forderungen nach einer gesetzlichen Re1165,

gelung der Vorsorgeuntersuchungen keineswegs verstummt sind. In den letzten Jahren stand vor allem die Übernahme von Vorsorgeuntersuchungen auf Krebs, namentlich auf Brust- und auf Gebärmutterkrebs bei Frauen im Zentrum der Diskussionen.

Sowohl in der Expertenkommission wie im Vernehmlassungsverfahren fand der Vorschlag, in die Krankenversicherung grundsätzlich auch Vorsorgeuntersuchungen einzubeziehen, eine breite Zustimmung. Dabei wurde jedoch immer wieder betont, die Leistungspflicht solle sich nur auf Vorsorgeuntersuchungen beziehen, deren Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehe.

Wir sehen daher vor, dass Vorsorgeuntersuchungen künftig grundsätzlich in den Katalog der Pflichtleistungen der Krankenkassen aufgenommen werden können, dass sich die Leistungspflicht aber nur auf ausdrücklich bezeichnete Untersuchungen bezieht. Diese Untersuchungen werden nach den in Absatz 5 vorgesehenen Grundsätzen bestimmt, wobei wie erwähnt vor allem dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen Beachtung zu schenken ist.

Gleichzeitig soll auch die Grundlage geschaffen werden, um gezielte Massnahmen der Krankheitsvorbeugung in den Leistungskatalog aufnehmen zu können.

Solche Massnahmen werden jedoch nur bei Personen übernommen, die in erhöhtem Masse gefährdet sind, beispielsweise Impfungen gegen Tollwut bei besonders gefährdeten Wildhütern oder Tierärzten. Allgemeine Impfaktionen bleiben jedoch weiterhin Aufgabe der Kantone. Ebenso sollen auch Impfungen vor Auslandreisen nicht in den Leistungskatalog aufgenommen werden. Auch hier werden die Massnahmen im einzelnen durch Verordnung zu bezeichnen sein.

Medizinische Rehabilitation (Abs. l Ziff. 5) Die Massnahmen der medizinischen Rehabilitation bilden in einem gewissen Sinne das Gegenstück zu den Vorsorgeuntersuchungen. Auch sie zählen - bei einer engen Auslegung des Begriffes - nicht zur Behandlung einer Krankheit.

Im Gegensatz zu den Vorsorgeuntersuchungen, die der Behandlung einer Krankheit vorausgehen, schliessen Massnahmen der medizinischen Rehabilitation an die eigentliche Behandlung einer Krankheit an. Sie haben zum Ziel, die durch eine Krankheit oder eine durch die Behandlung selbst (z. B. nach einem chirurgischen Eingriff) hervorgerufene Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit wiederherzustellen oder zu verbessern. Man zählt dazu beispielsweise Bewegungstherapien im Anschluss an Herz- und Kreislauferkrankungen oder bei Lähmungen. Bereits heute besteht die Tendenz, solche Massnahmen im Zweifelsfalle zu den Pflichtleistungen zu zählen. Es darf aber nicht übersehen werden, dass sich bei einer grundsätzlichen Beschränkung der Leistungspflicht auf eigentliche Behandlungen doch die Frage der Abgrenzung stellt. Gerade im Bereich der Nachbehandlung von Krankheiten werden nämlich mehr und mehr Formen entwickelt, die nicht unbedingt unter den klassischen Begriff der ärztlichen Behandlung oder Heilanwendung durch medizinische Hilfspersonen gefasst werden. Mit einer Erweiterung der Leistungspflicht auf Massnahmen der medizinischen Rehabilitation soll daher eine ausdrückliche Grundlage zur Übernahme von Therapieformen der Nachbehandlung von Krankheiten geschaffen werden.

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In zahlreichen Vernehmlassungen zum Vorentwurf wurde der Einbezug von Massnahmen der medizinischen Rehabilitation in die Krankenversicherung mit, der Streichung von Artikel 12 IVG in Zusammenhang gebracht. Ein Zusammenhang besteht jedoch nur indirekt, indem zu den medizinischen Massnahmen, die unmittelbar auf die berufliche Eingliederung gerichtet sind, sehr häufig, aber keineswegs ausschliesslich, Massnahmen der medizinischen Rehabilitation gehören.

Zahnärztliche Behandlungen (Abs. 2) Die eigentlichen Zahnbehandlungen fallen heute nicht unter den Begriff der ärztlichen Behandlung im Sinne des Gesetzes. Die Kassen sind demzufolge befugt, die zahnärztlichen Verrichtungen von der Krankenversicherung ganz oder teilweise auszuschliessen.

Nach der Rechtsprechung des EVG besteht heute aber eine Gesetzeslücke. Es gibt nämlich therapeutische Verrichtungen in der Mundhöhle, die nicht zahnärztliche Vorkehren im engeren Sinne sind und trotzdem heute fast ausschliesslich von Zahnärzten, vorgenommen werden. Bei jeder derartigen Behandlung ist der Zahnarzt einem Arzt gleichzustellen und die Krankenkassen haben diese Leistungen zu übernehmen. Nach der Rechtsprechung ist für die Beurteilung der Frage, ob eine Leistungspflicht der Krankenkassen besteht, auch auf die Methode abzustellen, die für die Behandlung der Krankheit angewendet wird.

Behandlungen nach einer Methode der Zahhheilkunde fallen nicht unter die Pflichtleistungen. Zu den Pflichtleistungen der Kassen zählen insbesondere bestimmte operative Eingriffe am Kiefer und Behandlungen von Erkrankungen des Zahnfleisches (zur Rechtsprechung des EVG vgl. BGE 98 V 69; 100 V 70 : und 702 V 2).

Dieser Rechtsprechung soll nun bei der Teilrevision des Gesetzes Rechnung getragen werden. Der Zahnarzt soll künftig von Gesetzes wegen zu den Medizinalpersonen zählen, die für die Krankenversicherung tätig werden können. Die Krankenkassen werden aber weiterhin nicht sämtliche Verrichtungen von Zahnärzten zu übernehmen haben. In Anlehnung an die Rechtsprechung zählen nur zahnchirurgische und verwandte Behandlungen von Krankheiten zu den Pflichtleistungen. Die Leistungen können in dem nach Absatz 5 vorgesehenen Verfahren näher bezeichnet werden. Weiter sollen Kassen in der Krankenpflegeversicherung auch die Behandlung von Zahnschäden übernehmen, die auf einen Unfall zurückzuführen sind. Wie bei den übrigen Behandlungen nach Unfällen haben die Krankenkassen aber nur zu leisten, wenn der; Unfall nicht durch eine andere Versicherung gedeckt ist (vgl. Art. l Abs. 3). Durch diese Bestimmung sollen Personen, die durch eine Krankenkasse gegen Unfall versichert sind, einen Versicherungsschutz erhalten, den auch die obligatorisch gegen Unfall versicherten Personen geniessen.

Grenzen der Leistungspflicht (Behandlungsmethoden, Arzneimittel) (Abs. 5-7) Bereits nach geltendem Recht kann der Bundesrat die Leistungen näher bezeichnen, die von den Kassen übernommen werden müssen. Er hat vor seinem Entscheid eine Fachkommission anzuhören. Im übrigen enthält das Gesetz aber

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keine Kriterien, die der Bundesrat und die Fachkommission zu beachten hätten.

Durch Verordnung hat der Bundesrat bestimmt, die zu den Pflichtleistungen gehörende ärztliche Behandlung umfasse die vom Arzt vorgenommenen wissenschaftlich anerkannten diagnostischen und therapeutischen Massnahmen. Lediglich wenn die Wissenschaftlichkeit einer bestimmten Massnahme umstritten ist, muss ein ausdrücklicher Entscheid über die Leistungspflicht gefällt werden (V III Art. 21). Bei Heilanwendungen durch medizinische Hilfspersonen besteht dagegen die Leistungspflicht nur für ausdrücklich bezeichnete Massnahmen.

Diese Regelung wird dem Grundsatze nach beibehalten. Hingegen werden die Kriterien, nach welchen über die Leistungspflicht zu entscheiden ist, im Gesetz selbst genannt. Neben dem Aspekt der Wissenschaftlichkeit soll künftig auch massgebend sein, ob eine Untersuchungs- oder Behandlungsmethode zweckmässig und wirtschaftlich ist. Es soll damit im Interesse der Kosteneindämmung ermöglicht werden, teure und unzweckmässige Behandlungsmethoden von der Leistungspflicht auszuschliessen. Die Leistungspflicht bei Behandlungen durch einen Zahnarzt ist wie erwähnt bereits durch das Gesetz beschränkt (vgl.

Abs. 2). Sie kann nötigenfalls durch Verordnung präzisiert werden. Bei Vorsorgeuntersuchungen wird sich die Leistungspflicht ebenfalls auf ausdrücklich bezeichnete Massnahmen beschränken.

Zwischen Untersuchungen und Behandlungen, die auf eine bestimmte Krankheit gerichtet sind und medizinischen Massnahmen, die einfach dem allgemeinen körperlichen und seelischen Wohlbefinden dienen, kann in der Praxis oft nur schwer unterschieden werden. Heute ist es nur möglich, die Leistungspflicht der Krankenversicherung entweder voll zu bejahen oder voll zu verneinen. In Grenzbereichen können beide Entscheidungen zu unbefriedigenden Resultaten führen. Es soll deshalb die Grundlage für flexiblere Lösungsmöglichkeiten geschaffen werden, indem beispielsweise die Leistungen nur zum Teil oder nur während einer bestimmten Dauer übernommen oder bestimmte Arten von Behandlungen von der Leistungspflicht ausgenommen werden. Die Frage, ob die Leistungspflicht auszuschliessen oder einzuschränken sei, weil nicht mehr oder nur noch teilweise eine Krankheit behandelt wird, kann sich grundsätzlich in allen Bereichen der Medizin stellen, bestimmte Bereiche werden allerdings im Vordergrund stehen, so z. B. die Physiothérapie, die Psychotherapie, Massnahmen der Rehabilitation und kosmetische Operationen.

Für die Begutachtung von Leistungsfragen wird der Bundesrat Fachkommissionen bestellen. Im Gegensatz zum geltenden Recht muss sich also der Bundesrat nicht auf die Bestellung einer einzigen Fachkommission beschränken. Damit wird es besser als heute möglich, Fachleute für alle zu entscheidenden Fragen in die Kommissionen zu berufen.

Die Arzneimittel und Analysen, die die Kassen zu übernehmen haben, sind heute in Listen mit Tarifen aufgeführt, die von den Bundesbehörden erstellt werden. Bei den Arzneimitteln wird unterschieden zwischen solchen, die die Kassen in jedem Fall zu übernehmen haben (Arzneimittelliste), und solchen, deren Übernahme den Kassen lediglich empfohlen wird (Spezialitätenliste). Die Kassen können darüber hinaus auch Arzneimittel, die nicht in diesen Listen enthalten sind, übernehmen. Bestimmte Arzneimittel (z. B. Genussmittel, Anregungsmittel, Kosmetika usw.) sind aber von der Übernahme durch die Kran-

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kenkassen völlig ausgeschlossen. Diese Arzneimittel werden in der sogenannten negativen Liste aufgeführt, die auf einer Vereinbarung zwischen dem Konkordat der Schweizerischen Krankenkassen und dem Schweizerischen Apothekerverein beruht.

Nach Absatz 6 sollen; auch künftig die Arzneimittel und Analysen, die zu den Pflichtleistungen zählen, in Listen zusammengefasst werden. In gleicher Weise wird auch die Leistungspflicht für die neu im Gesetz erwähnten Mittel und Gegenstände umschrieben. Für die Aufnahme in: die Liste sind die gleichen Kriterien zu beachten wie bei den übrigen Leistungen. Es ist also zu prüfen, ob die Arzneimittel, Analysen usw. wissenschaftlich anerkannt, zweckmässig und wirtschaftlich sind. Die Beurteilung dieser Fragen hat nach Anhören einer vom Bundesrat bestellten Arzneimittelkommission zu erfolgen.

Arzneimittelliste und Spezialitätenliste sollen künftig für die Kassen gleichermassen verbindlich sein. Die bisherige Unterscheidung hat ohnehin an Bedeutung verloren, da mittlerweile alle Kassen auch die in der Spezialitätenliste enthaltenen Medikamente vergüten. Arzneimittel, die nicht in der Liste enthalten sind, dürfen die Kassen auch weiterhin freiwillig übernehmen. Sie dürfen dafür aber höchstens die Hälfte des Preises vergüten. Der Rest geht zulasten des Versicherten. Ohne diese Bestimmung würde die Liste auf die Dauer ihre preisregulierende Wirkung, verlieren. Bestimmte Medikamente werden auch künftig von einer Übernahme durch die Kassen völlig ausgeschlossen sein. Eine negative Liste wird nach dem gleichen Verfahren erstellt werden wie die Liste der Pflichtleistungen. Wie bereits heute wird der verschreibende Arzt auf diese Listen Rücksicht nehmen müssen. Falls er ein Medikament verschreiben möchte, das die Kasse nicht oder nur teilweise übernimmt, darf erwartet werden, dass er den Patienten vorher entsprechend informiert.

Der Bundesrat wird die Fachkommissionen und die Arzneimittelkommission ernennen. Er ist nach den Absätzen 6 und 7 grundsätzlich auch zuständig, die Leistungen näher zu bezeichnen. Heute ist, die Kompetenz zur Erstellung der Arzneimittelliste, der Spezialitätenliste und der Analysenliste an das Buhdesamt für Sozialversicherung delegiert. Ob diese Ordnung auch künftig gelten soll, wird noch zu prüfen sein. Nach der neuen Praxis .werden nämlich Rechtsetzungskompetenzen nur noch selten an ein Amt der Bundesverwaltung übertragen. Wir möchten aber auf jeden Fall nicht zum vorneherein ausschliessen, weiterhin gewisse Kompetenzen dem Departement des Innern oder dem Bundesamt für Sozialversicherung zu übertragen. Vor allem im Gebiet der Arzneimittel muss der Entwicklung (Produktion neuer Medikamente) möglichst rasch Rechnung getragen werden können. Zudem handelt es'sich meistens um Fragen, bei welchen die Behörden ohnehin auf eine Beurteilung durch die in den dafür eingesetzten Kommissionen vertretenen Fachleute angewiesen sind.

Artikel 12bis Freiwillige Krankengeldversicherung Die vom Bund anerkannten Krankenkassen können die freiwillige Krankengeldversicherung nach den allgemeinen Bestimmungen des Gesetzes weiterhin betreiben. Personen, die nicht oder nicht mehr der obligatorischen Krankengeldversicherung nach Artikel 40a unterstellt sind, oder jene Personen, die obligatorisch versichert sind, jedoch noch eine Zusatzversicherung abschliessen

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wollen, können dieser Versicherung beitreten. Auch nicht erwerbstätigen Personen, zum Beispiel Hausfrauen, steht der Beitritt zur freiwilligen Versicherung offen (Abs. 2). Lediglich Kindern, die das 16. Altersjahr noch nicht vollendet haben (siehe Art. 5 Abs. 5), steht diese Möglichkeit nicht zu.

Nach Absatz l hat der Versicherte Anspruch auf Krankengeld, wenn er mindestens zur Hälfte arbeitsunfähig ist. Diese Bestimmung, die sich auch in der obligatorischen Krankengeldversicherung findet, stellt eine Verbesserung dar, da das Gesetz gegenwärtig Krankengeldleistungen nur bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit vorsieht. Derselbe Absatz bestimmt, dass die Krankenkassen nach ihrem Gutfinden in ihren Statuten oder Reglementen die Höhe und die Dauer der von ihnen erbrachten Leistungen festlegen. Somit wird die geltende Bestimmung, wonach ein Mindestkrankengeld von 2 Franken zu gewähren ist (Art. 12bis Abs. l KUVG) aufgehoben. Die Kassen sind aber in jedem Fall gehalten, die Leistungsdauer von 16 Wochen bei Mutterschaft nach Artikel 14 Absatz 6 zu beachten, sowie die durch Artikel 26 Absatz l eingeführte neue Regelung im Falle von Überversicherung einzuhalten (namentlich die Berücksichtigung der notwendigen Aufwendungen bei der Anstellung einer Ersatzkraft für den erkrankten Versicherten).

Ähnlich wie im neuen Bundesgesetz über die Unfallversicherung sehen wir darüber hinaus in Absatz 4 vor, dass die Kasse das Krankengeld kürzen kann, wenn der Versicherte den Gesundheitsschaden, welcher die Ursache seiner Erwerbsunfähigkeit ist, absichtlich oder grobfahrlässig herbeigeführt hat, oder wenn der Versicherte die Anordnungen des Arztes nicht befolgt hat. Nur in besonders schweren Fällen können die Leistungen ganz verweigert werden. Die Kasse wird von Fall zu Fall darüber entscheiden, ob die Krankengelder zu kürzen oder zu verweigern sind und in welchem Masse sie gekürzt werden. Die Tatsache, dass zum Beispiel jemand unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol gehandelt hat, wird bei dieser Entscheidung zu würdigen sein. Die Bestimmungen des Absatz 5 schwächen die Kürzungsregeln etwas ab. Die Leistungen dürfen nicht verweigert und die Kürzung darf nur bis zur Hälfte vorgenommen werden, wenn der Versicherte für Angehörige zu sorgen hat, denn es wäre nicht angebracht, wenn diese vollumfänglich die Folgen des Verhaltens des Versicherten zu tragen hätten. Anderseits dürfen die Kassen ihre Leistungen während der von einem Arzt verordneten Entwöhnungskuren von Alkoholikern oder Drogenabhängigen weder kürzen noch verweigern. Es wäre nicht folgerichtig, wenn Patienten, die sich einer Behandlung unterziehen, die ja gerade auf eine Änderung des ihre Gesundheit gefährdenden Verhaltens abzielt, dafür einen Nachteil erleiden würden. Abschliessend ist noch darauf hinzuweisen, dass die Kürzungsregeln nur für das Krankengeld gelten und dass die Krankenpflegeleistungen weder gekürzt noch verweigert werden können.

Artikel 12ter Zahnbehandlungskostenversicherung Wie schon in den Erläuterungen zu Artikel 12 erwähnt, fallen die Behandlungen durch Zahnärzte zum Teil unter die Pflichtleistungen der Krankenpflegeversicherung (vor allem Kieferchirurgie und Behandlungen von Weichteilaffektionen der Mundhöhle), zum Teil bilden sie Gegenstand einer freiwilligen Zahnbehandlungskostenversicherung (zahnärztliche Vorkehren im engeren Sinn). Die

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wichtigsten Gründe, die zu dieser Zweiteilung der Versicherung geführt haben, wie auch die Vorteile1 der neuen Regelung sind in Ziffer 222 ausführlich dargelegt worden.

In Absatz l werden sämtliche Kassen verpflichtet, ihren für Krankenpflege versicherten Mitgliedern eine freiwillige Zahnbehandlurigskostenversicherung anzubieten. Dies bedeutet nicht, dass jede Kasse diese Versicherung selber durchführen muss. Vor allem kleineren Kassen kann dies nicht unbedingt zugemutet werden. Diese haben aber durch Zusammenarbeits- oder Rückversicherungsverträge mit anderen Kassen dafür zu sorgen, dass ihre Mitglieder diese Versicherung ebenfalls zu tragbaren Bedingungen abschliessen können. Die vorgesehene Regelung entspricht weitgehend derjenigen, die schon bisher von zahlreichen Kassen praktiziert wurde.

Absatz 2 verlangt vom Aufnahmebewerber, dass er sich über ein gesundes oder saniertes Gebiss ausweist. Die Aufnahme in die freiwillige Zahnbehandlungskostenversicherung ist nicht möglich, wenn aufgrund der zahnärztlichen Untersuchung der Zustand des Gebisses als schlecht beurteilt werden muss. Die Kosten der Behandlung von bereits bestehenden Gebissschäden können nicht zu Lasten der Versicherung gehen.

In Absatz 3 wird der Umfang der Leistungspflicht, der Kassen umschrieben. Im Rahmen dieser Versicherung haben die Kassen mindestens 50 Prozent der tarifmässigen Kosten für zahnärztliche Verrichtungen sowie eine jährliche Gebisskontrolle zu übernehmen, da diese in einem engen sachlichen Zusammenhang mit den durch die Versicherung gedeckten Behandlungen steht. Der Bundesrat kann - um es den Kassen nötigenfalls zu erleichtern, die Kosten im Griff zu behalten - die Leistungen für Behandlungen und Prothesen durch Höchstbeträge begrenzen. Eine jährliche Gebisskontrolle, die auch von den Zahnärzten als ausreichend erachtet wird, soll insbesondere bei Erwachsenen der Förderung der Prophylaxe dienen. Die Schulzahnpflege für schulpflichtige Kinder, die Jugendzahnpflege wie auch alle ähnlichen öffentlichen Gesundheitsdienste und deren Weiterausbau bleiben von der freiwilligen Zahnbehandlungskostenversicherung unberührt.

Wesentliche Voraussetzung für das gute Funktionieren der freiwilligen Zahnbehandlungskostenversicherung bildet ein ausgewogener Tarif, der den Versicherten einen wirksamen Schutz bietet und den Zahnärzten zugleich eine leistungsgerechte Honorierung garantiert. Alle Bestimmungen des Gesetzes, die die Ausarbeitung der Arzttarife regeln, gelten sinngemäss auch für die Zahnarzttarife (vgl. Art. 21 Abs. 1). Da im Vordergrund der diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen der Gedanke eines Vertragstarifs steht, wäre praktisch nur noch ein Ausbau der heute schon bestehenden Vertragswerke erforderlich.

Artikel 12iuater Versicherung der Aufenthaltspauschale Die Aufenthaltspauschale (Art. 22sexies) ist wie erwähnt durch die Grundversicherung nicht gedeckt. Die Kassen werden aber verpflichtet, ihren für Krankenpflege versicherten Mitgliedern eine Zusatzversicherung anzubieten, die die Aufenthaltspauschale übernimmt.

Das den Kassen in Artikel 3 Absatz 4bis eingeräumte Recht, für Zusatzversicherungen besondere Bestimmungen über die Aufnahme, den Anspruch auf Lei-

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stungen und die Abstufung der Mitgliederbeiträge aufzustellen, gilt hier nicht.

Die Zusatzversicherung für die Aufenthaltspauschale folgt vielmehr voll der für die Grundversicherung geltenden Ordnung. Wer nach dem Gesetz und den Statuten Anspruch auf Aufnahme in die Grundversicherung für Krankenpflege hat, kann auch diese Zusatzversicherung abschliessen. Bei der Prämienfestsetzung ist Artikel 6bis zu beachten. Die Kassen haben die ordentliche Aufenthaltspauschale (Art. 22sexies Abs. 1) in der jeweils geltenden Höhe zu übernehmen. Bei einer Erhöhung der Aufenthaltspauschale durch den Bundesrat kann also für die Differenz kein neuer Versicherungsvorbehalt angebracht werden. Die bei Chronischkranken mögliche Erhöhung der Aufenthaltspauschale durch die Heilanstalt (Art. 22sexies Abs. 2) ist dagegen nicht versichert. Die Aufenthaltspauschale ist wie die Behandlungspauschale der Grundversicherung zeitlich unbeschränkt und neben Krankheit auch bei Mutterschaft und unter Umständen bei Unfall zu gewähren.

Artikel 13 Wartefrist in der Krankengeldversicherung Die Krankenkassen sollen künftig in der freiwilligen Krankengeldversicherung das versicherbare Taggeld und die Leistungsdauer selber bestimmen können (Art. 12bis Abs. 1). Aus diesem Grund werden auch die Gesetzesbestimmungen über die Dauer der Wartefrist aufgehoben.

Artikel 14 Leistungen bei Mutterschaft Nachdem der Ausbau der Hauspflege ein immer wieder vorgebrachtes Postulat darstellt, wird in Absatz 2 Ziffer 3 neu ein Beitrag vorgesehen, der vom Bundesrat zu bestimmen ist und der für die Pflege von Mutter und Kind während einer bestimmten Zeit nach der Niederkunft zu Hause bestimmt ist, um den Frauen die Möglichkeit zu geben, zu Hause zu gebären oder so rasch wie möglich nach der Geburt wieder nach Hause zurückzukehren. Der Beitrag wird zur Pflege der Mutter und des Säuglings bei Hauskrankenpflege erbracht.

Bereits nach geltendem Recht (Abs. 2 Ziff. 4) haben die Krankenkassen während der Schwangerschaft vier und nach der Niederkunft eine Kontrolluntersuchung zu gewähren; daran wird festgehalten, da sich dies in der Praxis bewährt hat und die Notwendigkeit einer grösseren Zahl von Kontrolluntersuchungen nicht nachgewiesen wurde, obwohl namentlich von selten der Frauenbewegungen die zahlenmässige Fixierung der Kontrolluntersuchungen angefochten worden ist. Die Reduktion der Frist von zehn auf acht Wochen während der die Kontrolluntersuchung nach der Niederkunft durchzuführen ist, wurde im Hinblick auf eine Vereinheitlichung der im Gesetzestext erwähnten Fristen festgelegt und dürfte in der Praxis keine Schwierigkeiten bieten, weil diese Kontrolluntersuchung ohnehin kurz nach der Niederkunft durchgeführt wird.

Die im ersten Satz von Absatz 4 festgelegte Bestimmung figuriert bereits im geltenden Gesetz und stellt somit eine Weiterführung der geltenden Praxis dar; allerdings wird die Frist von vier auf acht Wochen vor der Niederkunft ausgedehnt. Die Bestimmung, dass ein Anspruch auf Krankengeld nur dann besteht, wenn die Schwangere und Wöchnerin keine gesundheitsschädliche Tätigkeit verrichtet, findet sich bereits in der Gesetzesfassung von 1911. Anlässlich des Vernehmlassungsverfahrens wurde diese Bestimmung als veraltet angefochten.

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Sie lässt sich jedoch damit begründen, dass hier eine grosszügigere Regelung Platz greift als bei Krankheit. Bei Mutterschaft wird nämlich das Krankengeld während eines bestimmten Zeitraumes ausbezahlt, ohne dass nachgeprüft wird, ob die zukünftige Mutter oder Wöchnerin arbeitsunfähig ist. Deswegen ist es angezeigt, weiterhin im Gesetz eine Bestimmung zu haben, wonach Schwangere oder Wöchnerinnen keine gesundheitsschädlichen Tätigkeiten verrichten dürfen, dies nicht zuletzt zum Schütze der Mutter und des ungeborenen Lebens.; Mit der in Absatz 5 vorgesehenen Regelung, dass Frauen, die für Krankenpflege versichert sind, nicht jedoch der obligatorischen Krankengeldversicherung angehören; ein Taggeld erhalten, dessen Höhe durch den Bundesrat festzulegen ist, wird dem verschiedentlich geäusserten Wunsche entsprochen, dass Frauen bei ihrer Niederkunft über einen bestimmten Geldbetrag verfügen sollten, der ihnen ermöglicht, die durch die Entbindung verursachten Zusatzkosten zu tragen. Die Höhe des Betrages wird vom Bundesrat festzusetzen sein. In den Berechnungen für die Kosten der Mutterschaftsversicherung sind wir von 5 Franken pro Tag ausgegangen. Den Frauen steht es offen, sich freiwillig für ein höheres Krankengeld zu versichern (siehe Art. 12bis in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1).

Zu Absatz 6 ist folgendes zu bemerken: Gegenwärtig gelten als Mutterschaftskosten alle Krankenpflegekosten während der gesetzlichen Leistungsdauer von zehn Wochen, selbst wenn sie wegen einer Krankheitsbehandlung entstehen; als Mutterschaftskosten gelten auch jene Kosten von ärztlichen Behandlungen, die als Folge von Kontrolluntersuchungen entstanden sind und vom selben Arzt erbracht wurden, der die Kontrollen vorgenommen hat. Mit der nun vorgeschlagenen Neuordnung wird die Dauer für Mutterschaftsleistungen auf die gesamte Schwangerschaft sowie bis acht Wochen nach der Niederkunft ausgedehnt, doch wird festgehalten, dass es sich nur um Pflegefeistungen handelt, ' die mit der Mutterschaft zusammenhängen, während sämtliche andere Pflegeleistungen in das Gebiet der Krankenversicherung fallen. Diese Regelung entspricht in etwa den Postulaten ider Volksinitiative sowie den verschiedenen parlamentarischen Vorstössen. Wie schon eingehend unter Ziffer 24 ausgeführt, wird die Leistungsdauer für Taggelder von zehn auf 16 Wochen ausgedehnt.

Absatz? enthält folgende Neuerung: Für diejenigen Frauen, die sich in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen befinden, und die durch ihre Niederkunft in eine schwierige finanzielle Lage versetzt würden, wird vorgesehen, dass auch sie Anspruch auf Mutterschaftsleistungen erheben können, selbst wenn sie im Zeitpunkt ihrer Niederkunft nicht oder weniger als 270 Tage krankenpflegeversichert gewesen sind. Die Frauen können diesen Anspruch bei einer Krankenkasse ihrer Wahl geltend machen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Schwangere seit 270 Tagen ununterbrochen in der Schweiz gewohnt hat. Diese Frist von 270 Tagen wird in manchen Vernehmlassungen als zu lang empfunden. Es muss jedoch hiezu festgestellt werden, dass es international üblich ist, Leistungen, die nicht durch Beiträge erworben worden sind, von einem längerdauernden Aufenthalt abhängig zu machen. Die Pflegeleistungen werden nicht vollumfänglich, sondern nur zu vier Fünftel erstattet, um jungen gesunden Frauen einen Anreiz zu bieten, schon vor einer allfälligen Schwangerschaft der Krankenpflegeversicherung beizutreten.

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Artikel 14bis Kostenbeteiligung Wie aus Absatz l hervorgeht, wird am Grundsatz einer Kostenbeteiligung nach wie vor festgehalten. Während Franchise (fester Frankenbetrag) und Selbstbehalt (prozentualer Anteil) bis anhin nebeneinander bestanden, soll künftig nur noch ein Selbstbehalt erhoben werden - wie dies bereits vor der Gesetzesrevision von 1964 der Fall war. Im Vernehmlassungsverfahren wurde zwar von verschiedenster Seite die Beibehaltung der Franchise gefordert, weil diese ein wirksames Mittel zur Entlastung der Krankenversicherung von Bagatellfällen darstelle. Nachdem die Franchise die erhoffte Verminderung der Bagatellfälle aber nicht gebracht hat, ist die alleinige Erhebung eines Selbstbehaltes vorzuziehen.

Die Aufhebung der Franchise wird vor allem den Chronischkranken, die regelmässig einen Arzt aufsuchen müssen, eine spürbare finanzielle Entlastung bringen. Zudem trägt der Selbstbehalt im Gegensatz zur Franchise, die immer Schwierigkeiten in der Anwendung bereitete und zu zahlreichen Kontroversen führte, ganz wesentlich zur Vereinfachung der Durchführung bei. Mit dem Wegfall der Franchise muss der Selbstbehalt allerdings eine entsprechende Verstärkung erfahren. Deshalb wird der Selbstbehalt von einem Satz von 10 auf künftig 20 Prozent der Krankenpflegekosten erhöht, wobei die Kostenbeteiligung durch einen vom Bundesrat festzusetzenden Höchstbetrag begrenzt wird. In unseren Berechnungen haben wir einen jährlichen Höchstbetrag von 400 Franken in Aussicht genommen. Für Kinder wird der Ansatz auf 10 Prozent festgesetzt und der Höchstbetrag um die Hälfte reduziert.

Die bisher in verschiedenen Fällen bestehende Befreiung vom Selbstbehalt wird gemäss Absatz 2 auf Vorsorgeuntersuchungen und Kontrollmassnahmen ausgedehnt. Damit soll für den Versicherten ein Anreiz geschaffen werden, sich den notwendigen im Interesse seiner Gesundheit liegenden Untersuchungen zu unterziehen. Nachdem künftig auf die der Tuberkulose gegenüber anderen Krankheiten eingeräumte Sonderstellung verzichtet werden soll, wird im Gesetzesentwurf auch die für Tuberkulose bis anhin geltende Ausnahme von der Kostenbeteiligung nicht mehr vorgesehen. Sodann wird auf die spezielle Erwähnung der Kurbeiträge für Badekuren als Ausnahme von der Erhebung eines Selbstbehaltes verzichtet, weil es sich hier um einen Beitrag handelt, der die Kosten ohnehin nicht voll deckt. Als Ausnahmen von der Kostenbeteiligung werden der Aufenthalt in einer Heilanstalt sowie die Leistungen bei Mutterschaft beibehalten; diese, weil die Mutterschaftsversicherung eine Sonderstellung im Gesetz einnimmt, jene, weil dem Versicherten neben der Aufenthaltspauschale nicht noch eine weitere finanzielle Belastung auferlegt werden soll.

Nach Absatz 3 wird der Bundesrat auch weiterhin das Nähere über den Selbstbehalt regeln. So kann er insbesondere bei erwachsenen Versicherten für bestimmte Leistungen zusätzlich einen festen Betrag oder einen höheren Selbstbehalt vorsehen. Sodann ist der Bundesrat ermächtigt, bei kostspieligen Dauerbehandlungen Ausnahmen zuzulassen.

Die im geltenden Recht vorgesehene Bestimmung, wonach die Kassen berechtigt sind, eine Krankenscheingebühr zu erheben, wird aufgehoben. Das hat zur Folge, dass die Kassen künftig nur noch den Selbstbehalt geltend machen dürfen.

In Absatz 4 wird denjenigen Personen, die es vorziehen, nur gegen grosse Risi-

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ken versichert zu sein, und die ihre Behandlungskosten bis zu einem bestimmten Betrag selber zu tragen gewillt sind, die Möglichkeit zum Abschluss einer Versicherung mit einer festen Jahresfranchise gegeben. Diese tritt an die Stelle der Versicherung mit1 prozentualem Selbstbehalt und hat mindestens gleichwertig zu sein. Die Jahresfranchise ist von einer entsprechenden Prämienreduktion begleitet, da die leichteren Fälle ja vom Versicherten selbst übernommen werden müssen. Wie von Seiten der Krankenkassen beantragt, wird die Versicherung mit Jahresfranchise - anders als im Vorentwurf - nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern offen stehen, weil es allein dem Ermessen der Eltern überlassen werden soll, welche Versicherung sie für ihre Kinder abzuschliessen gedenken. Die Kassen haben den Wechsel von der einen zur ändern Art der Kostenbeteiligung zu regeln, wobei sie verpflichtet sind, dem Versicherten bei dessen Übertritt mindestens die gleich günstigen Bedingungen wie bei der Neuaufnahme anzubieten.

Artikel 18 Vertrauensärzte Anders als nach bisherigem Recht wird den Kassen in Absatz l zwingend vorgeschrieben, Vertrauensärzte zu bestellen. Dabei steht im Zeichen der Kosteneindämmung vor allem die Kontrolle der Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Behandlung im Vordergrund. Wie die Kassen bei der Bestellung der Vertrauensärzte im Einzelfall vorzugehen gedenken, bleibt ihnen freigestellt.

Denkbar ist, dass namentlich kleinere Kassen auf kantonaler oder regionaler Ebene ihre Vertrauensärzte gemeinsam haben werden. Um einen reibungslosen Ablauf der vertrauensärztlichen Tätigkeit sicherzustellen, wird in Absatz 2 verbindlich vorgeschrieben, dass die Ärzte, Apotheker, Chiropraktoren, Hebammen, medizinischen Hilfspersonen, Laboratorien und Heilanstalten den Vertrauensärzten die notwendigen Angaben zu machen haben.

Artikel 19bis Wahl der Heilanstalt Freies Wahlrecht (Abs. 1) Das Recht der Versicherten auf freie Wahl unter den inländischen Heilanstalten bleibt gewahrt. Allerdings wird präzisiert, dass nur Heilanstalten gewählt, werden dürfen, die für die Behandlung der betreffenden Krankheit geeignet sind.

Das durch die Rechtsprechung aufgestellte Kriterium der Spitalbedürftigkeit weist bereits heute in die gleiche Richtung. Es soll aber im Gesetz ausdrücklich der Tatsache Rechnung getragen werden, dass es für die verschiedenen Arten von Spitalbedürftigkeit (Akutkrankheiten, chronische Krankheiten) verschiedene Kategorien von Heilanstalten gibt.

Die Definition der Heilanstalt, die in das Gesetz aufgenommen werden soll, übernimmt im wesentlichen die von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien.

Nach der Rechtsprechung ist das Kriterium der ärztlichen Leitung allerdings bereits erfüllt, wenn die ärztliche Betreuung der Patienten gewährleistet ist und · ein Arzt die Heilanstalt regelmässig besucht (z. B. einmal monatlich, vgl. BGE 100 V lì ff.). Den Begriff der ärztlichen Leitung möchten wir künftig etwas enger fassen. Als Heilanstalten sollen nur noch Einrichtungen gelten, in welchen

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die medizinische Betreuung der Patienten dauernd von einem Arzt geleitet wird.

Der Heilanstalt muss also ein Arzt zur Verfügung stehen, der ihr einen wesentlichen Teil seiner Arbeitszeit widmet, Diese engere Fassung des Begriffs der Heilanstalt ist gerechtfertigt, weil künftig eine Grundlage für die Leistungspflicht der Kassen in Pflegeheimen, die keine Heilanstalten sind, geschaffen werden soll (Art. 22qum<imes Abs. 6) und auch die Leistungen bei Hauspflege ausgedehnt werden (Art. 12 Abs. l Ziff. l b).

Das Recht auf freie Wahl der Heilanstalt bedeutet, dass die Kassen bei jeder Behandlung in einer Heilanstalt Leistungen zu erbringen haben, wenn der Versicherte einer solchen Behandlung bedurfte. Es bedeutet hingegen nicht, dass die Kassen immer die vollen von der gewählten Heilanstalt in Rechnung gestellten Behandlungskosten zu übernehmen haben. Hält sich beispielsweise ein Chronischkranker in einem Akutspital auf, ist die Krankenkasse nur zu jenen Leistungen verpflichtet, die sie bei einem Aufenthalt in einer Anstalt für Chronischkranke erbringen müsste, weil das Wahlrecht auf eine geeignete Heilanstalt beschränkt ist. Die Leistungspflicht der Kassen hängt überdies von den in den folgenden Absätzen enthaltenen Kriterien ab.

Volle Leistungspflicht der Kassen (Abs. 2) Die Krankenkasse hat die in der Heilanstalt geltende Behandlungspauschale im vollen Umfange zu übernehmen, wenn der Versicherte die allgemeine Abteilung einer Heilanstalt an seinem Wohnort oder in dessen Umgebung gewählt hat oder wenn er aus medizinischen Gründen in einer anderen Heilanstalt behandelt werden müsste. Diese Regelung besteht dem Grundsatz nach bereits heute.

Im Gegensatz zum geltenden Recht hat aber der Versicherte in diesen Fällen immer Gewähr, dass die Behandlung und Pflege in der Heilanstalt voll übernommen wird, während heute insbesondere bei Behandlungen, die aus medizinischen Gründen ausserhalb des Wohnkantons des Versicherten durchgeführt werden müssen, der Anteil für Aufenthalt und Pflege, der nicht zu den Pflichtleistungen zählt, sehr hoch sein kann. Im Vorentwurf war noch vorgesehen, dass die Kassen die jeweilige Behandlungspauschale auch voll zu übernehmen haben, wenn der Versicherte eine Heilanstalt wählt, die in der Nähe seiner Angehörigen liegt. Dieser Vorschlag ist im Vernehmlassungsverfahren vor allem von Seite der Kantone und der Krankenkassen als eine zu starke und praktisch schwer eingrenzbare Ausdehnung der vollen Leistungspflicht bezeichnet worden. Wir haben diesem Einwand Rechnung getragen. In Sonderfällen, in welchen die Nähe zu den Angehörigen auch den Heilungsprozess stark beeinflussen kann (z. B. bei psychisch Kranken), ist die Wahl einer Heilanstalt in der Nähe der Angehörigen unter Umständen auch medizinisch begründet.

Die Heilanstalt hat die vereinbarte oder die durch die Kantonsregierung festgesetzte Pauschale (vgl. Art. 22iuiniuies Abs. l und 2) auf alle Mitglieder von Krankenkassen in gleicher Weise anzuwenden. Im Gegensatz zum geltenden Recht darf es keine Rolle spielen, ob die Kasse, bei der der Patient versichert ist, am Abschluss des Vertrages beteiligt war. Wohl aber darf die Höhe der Pauschale nach dem Wohnort des Versicherten abgestuft werden (vgl. Art. 22iuin''uies Abs. 4).

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Beschränkte Leistungspflicht der Kassen (Abs. 3), : ..

Begibt sich der Versicherte, ohne dass er aus medizinischen Gründen dazu gezwungen ist, in eine Heilanstalt, die sich nicht an seinem Wohnort oder in dessen Umgebung befindet oder wählt er die private Abteilung einer Heilanstalt, soll die. finanzielle Belastung der Kasse dadurch kein grösseres Ausmass annehmen als bei der Wahl, einer geeigneten Heilanstalt in der Nähe des Wohnortes des. Versicherten. Ist also in der gewählten Heilanstalt die Behandlungspauschale oder der in Rechnung gestellte auf den Tag umgerechnete Betrag der ; Privatabteilung höher als die Behandlungspauschale der Heilanstalt, die der Versicherte in der Nähe seines Wohnortes hätte wählen ;können, muss die Kasse die Differenz nicht übernehmen. Befinden sich am Wohnort des Versicherten oder in dessen Umgebung mehrere Heilanstalten, bemisst sich die Leistung der Kasse nach der Behandlungspauschale der nächstgelegenen Heilanstalt, die für die Behandlung ebenfalls geeignet gewesen wäre. Dabei verstehen wir unter Wohnort («lieu de residence/luogo di residenza») den Ort, wo sich der Versicherte gewöhnlich aufhält. Die Kassen sollen nämlich bei der Berechnung der Prämien davon ausgehen können, dass sie grundsätzlich die Behandlungspauschale des Spitals in der Nähe des Wohnortes zu entrichten haben. Die dadurch entstehenden Prämienunterschiede nach dem Wohnort der Versicherten sind durchaus gerechtfertigt, da die Höhe der Behandlungspauschale auch von den Leistungen des Kantons - und damit seiner Steuerzahler - zugunsten der Spitäler abhängen wird.. Die vollständige Deckung der Kosten in jeder vom Versicherten gewählten Heilanstalt kann durch Zusatzversicherungen erreicht werden.

, Badekuren (Abs. 4) , Bei Badekuren hat der Versicherte ebenfalls ein Recht auf freie Wahl des Heilbades. Hier erübrigt sich eine Regelung über den Umfang der Leistungspflicht nach Wahl des Heilbades, weil die Kassen ohnehin nur einen vom Bundesrat einheitlich festgesetzten Beitrag an die Badekur zu übernehmen haben.

Die konkreten Voraussetzungen für die Anerkennung der Heilbäder durch den Bund sind in Zusammenarbeit mit den interessierten Stellen (Kantone, Kassen, Spezialärzte, Heilbäder usw.) durch eine Verordnung des Bundesrates ! zu umschreiben. Im Gesetz wird lediglich festgelegt, auf welche Bereiche sich diese Voraussetzungen beziehen werden, nämlich auf die ärztliche Leitung, die Heilanwendungen und das Heilwasser.

Liste der Heilanstalten (Abs. 5) Heute stellt sich bei vielen Anstalten, insbesondere bei Alters- und Pflegeheimen, immer wieder die Frage, ob sie als Heilanstalten gelten können. Zwar ist es möglich im Einzelfall durch die Versicherungsgerichte abklären zu lassen, ob der Heilanstaltscharakter und damit die Leistungspflicht der Kasse, gegeben ist.

Dies ist aber oft ein umständlicher und langwieriger. Weg. Zudem ist der Gerichtsentscheid nur für den beurteilten Fall wirksam. Die Kassen können später

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nicht unbedingt auf diesen Entscheid abstellen, da keine Gewissheit besteht, ob sich die Verhältnisse inzwischen nicht geändert haben. Die Kantone sollen daher verpflichtet werden, eine Liste der in ihrem Gebiet befindlichen Heilanstalten zu führen und diese regelmässig den geänderten Verhältnissen anzupassen.

Der Vorentwurf sah vor, dass die Kantone diese Listen dem Bundesrat zur Genehmigung vorlegen. Nachdem das Gesundheitswesen grundsätzlich in den Zuständigkeitsbereich der Kantone fällt und dieser Aufgabenbereich den Kantonen möglichst uneingeschränkt gewahrt bleiben soll, sehen wir die Genehmigung durch den Bundesrat nicht mehr vor. Hingegen werden die Gerichte wie bisher überprüfen können, ob die Kasse in einem konkreten Fall Leistungen für stationäre Versorgung schuldet. Dabei werden sie unter anderem die in Absatz l enthaltene Definition der Heilanstalt zu beachten haben. Die Listen sind zudem in geeigneter Form zu publizieren und den Bundesstellen zur Kenntnis zu brin-

Artikel 21 Eignung der Ärzte usw.

Nachdem die Kassen von Gesetzes wegen für gewisse Zahnbehandlungen aufzukommen und für krankenpflegeversicherte Mitglieder eine Zusatzversicherung anzubieten haben, ist es nur folgerichtig, wenn nach Absatz l die für die Ärzte geltenden Bestimmungen - vorbehaltlich anderer Regelungen - sinngemäss auch auf die Zahnärzte anwendbar sind.

In den Absätzen 4 und 5, die von der Zulassung der Chiropraktoren und der Hebammen zur Tätigkeit in der Krankenversicherung handeln, wird heute für das Wahlrecht der Versicherten und dessen Einschränkungen auf die bei Ärzten geltenden Bestimmungen verwiesen (Art. 15 Abs. l und 17 Abs. 1). In der Praxis hat sich das Bedürfnis gestellt, dass auch die Bestimmung über das Recht des Arztes, einem Tarifvertrag beizutreten (Art. 16 Abs. 1), für Chiropraktoren und Hebammen analog anwendbar sein sollte. Wir schlagen daher eine entsprechende Ergänzung in den Absätzen 4 und 5 vor. Gleichzeitig soll auch Absatz 6, der von den übrigen Medizinalpersonen und den Laboratorien handelt, in diesem Sinne ergänzt werden.

Der Bundesrat ist nach Absatz 6 auch weiterhin zum Erlass von Vorschriften über medizinische Hilfspersonen und Laboratorien, die Analysen im Rahmen der Krankenversicherung durchführen wollen, ermächtigt. Präzisiert wurde, dass der Bundesrat mit der Zulassung auch den Tätigkeitsbereich umschreiben kann, für den eine medizinische Hilfsperson zugelassen ist.

Nachdem die Grundlage für eine stärkere Übernahme der Hauskrankenpflege geschaffen wird (Art. 12 Abs. l Ziff. l Bst. b), sollen auch Vorschriften über die Zulassung von Personen der Hauskrankenpflege erlassen werden können. Der Kreis der Berufe, die konkret zu den medizinischen Hilfspersonen zu zählen sind, kann der Entwicklung und der Spezialisierung in der Heilbehandlung angepasst werden. Der Bundesrat hat vor Erlass seiner Vorschriften die Kantone, die für die Berufsbewilligungen für Medizinalpersonen zuständig sind, sowie die interessierten Organisationen anzuhören. Im übrigen finden die früher bereits erwähnten Artikel (Wahl des Arztes im allgemeinen, bei Verträgen und bei Behandlung durch Heilanstalten) ebenfalls sinngemäss Anwendung.

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Während nach bisherigem Recht lediglich sichergestellt war, dass Laboranalysen unter der Leitung und Aufsicht einer hiefür ausgebildeten Person durchgeführt wurden, wird nach Absatz 7 nun zusätzlich auch der Qualität dieser Untersuchungsergebnisse Beachtung geschenkt. Der Bundesrat kann sowohl für Laboratorien als auch für Ärzte mit Praxislabor eine Qualitätskontrolle für Laboranalysen einführen. Damit besteht - neben dem Vorteil einwandfreier Laboranalysen - gleichzeitig auch Gewähr für eine sachgerechte Verwendung der Mittel der Krankenversicherung auf diesem Gebiet.

Artikel 22 Wirtschaftlichkeit von Tarifen Die zwischen den Kassen und den Ärzten abgeschlossenen Tarifverträge bedürfen auch weiterhin der Genehmigung der Kantonsregierung. Im Zuge der Kosteneindämmung werden die vereinbarten Taxen und die sonstigen Vertragsbestimmungen allerdings nicht mehr nur unter dem Gesichtspunkt der Übereinstimmung mit dem Gesetz und der Billigkeit, sondern auch unter dem der Wirtschaftlichkeit zu überprüfen sein.

Artikel 22bis Absatz 7 Angaben an den Honorarschuldner Mit dieser Bestimmung, die insbesondere von seilen der Krankenkassen angeregt wurde, wird der Arzt verpflichtet, dem Honorarschuldner auch weiterhin all jene Angaben, die für die Festsetzung der Leistungen sowie neu auch jene, die für die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Behandlung notwendig sind, zu machen. Dabei hat es die Meinung, dass der Arzt dem Versicherten oder der Kasse Angaben betreffend Diagnose, Heilanwendungen und Daten, an welchen diese vorgenommen wurden, macht. Erst aufgrund dieser Angaben kann überhaupt eine im Interesse der Kosteneindämmung liegende Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Behandlung erfolgen. Im übrigen wird die Regelung, wonach der Arzt berechtigt ist, die medizinischen Angaben nur dem Vertrauensarzt der Kasse bekanntzugeben, beibehalten.

Artikel 22iuater Tarife für ambulante Behandlungen Dieser Artikel ist insofern neu, als er nur noch die Tarife der ambulanten Versorgung regelt, während jene der stationären Versorgung in den nachfolgenden Bestimmungen aufgeführt sind.

Nach Absatz l bestimmt der Bundesrat die Tarife der kassenzulässigen Arzneimittel, Analysen, Mittel und Gegenstände, wobei er diese Aufgabe weiterdelegieren kann. Bei der Festsetzung der Tarife (Preislisten) wird einerseits den Interessen der Sozialversicherung und anderseits wirtschaftspolitischen Erwägungen Rechnung getragen. Das bedeutet, dass die Tarife für die Sozialversicherung zwar möglichst günstig sein müssen, aber gleichzeitig - unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Kriterien - so zu bemessen sind, dass eine zeitgemässe und qualitativ hochstehende gesundheitliche Versorgung unserer Bevölkerung gewährleistet werden kann. Im Gegensatz zum geltenden Recht dürfen die Tarife für Analysen auf kantonaler Ebene nicht mehr erhöht, sondern nur noch herabgesetzt werden.

Die Bestimmungen über die Vergütungen für Leistungen der Medizinalpersonen sowie für ambulante Behandlungen durch Heilanstalten sind neu in einem ein-

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zigen Absatz (Abs. 2) geregelt worden, wobei sie weitgehend dem bisherigen Recht entsprechen.

Die in Absatz 3 vorgesehene Genehmigung der Tarifverträge durch die Kantonsregierung hat gleich wie in Artikel 22 Absatz 3 letzter Satz unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit zu erfolgen.

Auch auf die nichtärztlichen Leistungen ist Artikel 22bis Absatz 7 sinngemäss anwendbar. Es darf auf die zu diesem Artikel gemachten Ausführungen verwiesen werden. Die Möglichkeit einer erst nach abgeschlossener Behandlung erfolgenden Rechnungstellung durch den Apotheker bleibt weiterhin bestehen.

Artikel 22iuiniuies Behandlungspauschale in Heilanstalten Der Artikel handelt von der Höhe der Behandlungspauschale, die die Krankenkassen bei stationärer Versorgung eines Versicherten in der allgemeinen Abteilung zu übernehmen haben.

Nach geltendem Recht werden die Tarife für die allgemeine Abteilung in Verträgen zwischen der Heilanstalt und den Kassen vereinbart. Kommt kein Vertrag zustande, legt die Kantonsregierung die Tarife fest. Die Kassen sind aber nur zur Übernahme bestimmter Leistungen verpflichtet (vgl. die Erläuterungen unter Art. 12). Den Kassen können somit heute, selbst bei Festsetzung eines Pauschalbetrages durch die Kantonsregierung, nicht sämtliche Kosten, die in einer Heilanstalt anfallen, Überbunden werden. Den Heilanstalten steht es aber frei, durch die Krankenversicherung nicht übernommene Kosten den Patienten noch zusätzlich zu belasten. Dies führt zu der bereits erwähnten Unübersichtlichkeit und Unsicherheit über den Umfang des Versicherungsschutzes bei Spitalaufenthalten.

Nach dem vorliegenden Entwurf haben die Krankenkassen nicht mehr bestimmte Leistungen, sondern die jeweils vereinbarte oder festgesetzte Behandlungspauschale zu übernehmen. Es stellt sich somit die Frage, ob auch bei dieser Regelung der Umfang der Leistungspflicht der Kassen näher umschrieben werden soll, indem in das Gesetz Bestimmungen über die Höhe der Behandlungspauschale oder die dabei anrechenbaren Kosten aufgenommen werden.

Die Expertenkommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, dass die Behandlungspauschale nach einer Übergangszeit von zehn Jahren in jeder Heilanstalt 50 Prozent der Betriebskosten zu decken hätte. Während der Übergangszeit wären Deckungsquoten von 30 - 70 Prozent zulässig gewesen. Die Expertenkommission ging mit diesem Vorschlag von den heute bestehenden Verhältnissen aus. Die Leistungen der Krankenversicherung decken nämlich heute im schweizerischen Mittel rund 50 Prozent der effektiven Tageskosten je Patient.

Sowohl im Vernehmlassungsverfahren zum Vorentwurf wie in jenem zu den Vorschlägen über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen haben sich die Kantone mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass ihre Autonomie im Bereich des Spitalwesens, insbesondere auch die Tarifautonomie, gewahrt bleibt. Die Vorschläge zur Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen gehen davon aus, dass das Gesundheitswesen grundsätzlich ein Aufgabenbereich der Kantone bleiben soll. Die Kantone haben daher auch dafür zu sorgen, dass ihre Bevölkerung in ausreichendem Masse in Spitälern behandelt und gepflegt werden kann. Sie haben somit auch die Finanzierung der

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Spitäler sicherzustellen. Wieweit die Krankenversicherung für die Spitalkosten aufzukommen hat, ist dagegen eine Frage des Krankenversichemngsrechts und kann daher durch den Bund geregelt werden. Hier zeigt sich sehr deutlich, dass Gesundheitswesen und Krankenversicherung eng miteinander verknüpft sind.

Bund und Kantone müssen daher auf diesem Gebiet, welche Lösung auch immer getroffen wird, eng miteinander zusammenarbeiten und ihre Regelungen gegenseitig abstimmen.

In Verbindung mit den Vorschlägen über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen sehen wir nun folgende Lösung vor: Für die Berechnung der Behandlungspauschale dürfen nur die Betriebskosten der Heilanstalt berücksichtigt werden. Kosten für den Bau und die Einrichtung des Spitals wie auch die damit zusammenhängenden Kosten für Kredite (Zinsen und Amortisationen) können also nicht durch die Behandlungspauschale finanziert werden.

Ebenso dürfen Aufwendungen für Lehre und Forschung nicht der Krankenversicherung belastet werden. Welchen Anteil der Betriebskosten die Behandlungspauschale decken soll, wird im Gesetz offengelassen. Verlangt wird lediglich, dass die Behandlungspauschale überhaupt zu den Betriebskosten in Beziehung gebracht wird. Bei der Festsetzung der Behandlungspauschale muss somit auch angegeben werden, welchen Anteil der Betriebskosten der Heilanstalt vergütet wird.

Nach Absatz 2 wird die konkrete Höhe der Behandlungspauschale grundsätzlich in einem Vertrag zwischen der Heilanstalt und den Kassen vereinbart. Dieser Vertrag muss, wie dies auch für die übrigen Tarifverträge gilt, von der Kantonsregierung genehmigt werden. Er wird erst mit dieser Genehmigung wirksam. Die Kantonsregierung hat im Genehmigungsverfahren zu prüfen, ob im Vertrag die Vorschriften des Gesetzes beachtet werden.

Kommt zwischen einer Heilanstalt und den Kassen kein Vertrag zustande, hat die Kantonsregierung die Behandlungspauschale festzusetzen. Sie hat dabei die Heilanstalt und die im Einzugsgebiet der Heilanstalt tätigen Kassen vorher anzuhören. Die Kantonsregierung hat nur für solche Heilanstalten eine Behandlungspauschale festzusetzen, die über eine allgemeine Abteilung verfügen, in welchen für Mitglieder von Krankenkassen eine Tarifordnung nach den Vorschriften des KMVG gelten soll. In der Praxis wird dies im allgemeinen die öffentlichen und die von der öffentlichen Hand unterstützten Heilanstalten betreffen.

Im Gegensatz zum geltenden Recht kann also die Kantonsregierung auch über den Umfang der Leistungspflicht der Krankenkassen bestimmen. Die Kantone können dadurch in stärkerem Masse, als dies ihnen heute möglich ist, die Finanzierung der Spitäler der Krankenversicherung überbinden. Wir sind aber überzeugt, dass sich die Kantone ihrer Mitverantwortung für das gute Funktionieren unseres bestehenden Krankenversicherungssystems bewusst sind .und sich daher weiterhin auch an.der Finanzierung der Betriebskosten der Heilanstalten beteiligen werden. In einer freiwilligen, im wesentlichen durch individuelle Prämien finanzierten Krankenversicherung sind die Versicherten nicht unbegrenzt belastbar. Haben die Versicherten einen immer grösser werdenden Teil ihrer Einkommen für die Prämien der Krankenversicherung zu verwenden, werden auch die Forderungen nach einer Prämienverbilligung und allgemein nach 50 Bundesblatt. 133.Jahrg. Bd.II

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einer stärkeren Finanzierung der Krankenversicherung durch Beiträge der öffentlichen Hand zunehmen. Diese Beiträge sollen daher ebenfalls durch die Kantone mitgetragen werden (vgl. Art. 38 und 38ter).

Absatz 3 enthält Bestimmungen über die Berechnung der Betriebskosten und die Möglichkeit der Nachprüfung. Im Vorentwurf war vorgesehen, dass der Bundesrat einheitliche Rechnungs- und Buchführungsvorschriften zu erlassen habe. Die Autonomie der Kantone soll aber auch in diesem Bereich gewahrt bleiben. Wir sehen daher lediglich vor, dass die Heilanstalten ihre Betriebsrechnungen nach bewährten Grundsätzen der Kostenstellenrechnung zu führen haben. Damit sollen die Betriebsrechnungen der einzelnen Heilanstalten untereinander vergleichbar werden (vgl. auch Art. 22sePties Abs. 3). Werden für die einzelnen Abteilungen einer Heilanstalt unterschiedliche Behandlungspauschalen vereinbart oder festgesetzt, ist für die einzelnen Abteilungen auch eine getrennte Betriebsrechnung zu führen. Die Heilanstalten sind verpflichtet, ihre Betriebsrechnung und die dazugehörenden Unterlagen der Kantonsregierung und den Kassen offenzulegen.

Absatz 4 sieht vor, dass die Höhe der Behandlungspauschale vom Wohnkanton des Versicherten abhängen darf. Das Gebot der Gleichbehandlung der Mitglieder aller Krankenkassen bedeutet nämlich nicht, dass für eine bestimmte Heilanstalt oder eine bestimmte Abteilung nur ein einziger Pauschalbetrag vereinbart oder festgesetzt werden darf, der für alle Versicherten gelten muss. Wenn die Kantone auch in Zukunft einen Teil der Betriebskosten der Spitäler aus Mitteln der öffentlichen Hand und damit aus Einnahmen von Steuern der Kantonseinwohner finanzieren, ist es durchaus legitim, für ausserkantonale Patienten eine höhere Behandlungspauschale zu verlangen als für Kantonseinwohner.

Entgegen dem Vorentwurf soll aber auf eine gesetzliche Fixierung des Unterschiedes der Behandlungspauschale für Kantonseinwohner und für ausserkantonale Patienten verzichtet werden. Immerhin wird auch hier gelten, dass die Heilanstalt unter Einschluss der Aufenthaltspauschale höchstens die vollen Betriebskosten je Pflegetag und Patient verrechnen darf. Damit soll eindeutig festgehalten werden, dass die Krankenversicherung nicht zur Finanzierung von Investitionskosten der Heilanstalten herangezogen werden kann. Das Problem, dass das Einzugsgebiet bestimmter Heilanstalten über .die Kantonsgrenze hinausreicht und es daher dem Trägerkanton nicht ohne weiteres zumutbar ist, die Investitionskosten alleine zu finanzieren, soll nicht über die Tarifordnung für die Krankenversicherung, sondern durch Verträge zwischen den Kantonen über die gemeinsame Finanzierung von Heilanstalten gelöst werden.

Bei der Festsetzung der Behandlungspauschale soll das Ausmass der finanziellen Beteiligung der einzelnen Kantone berücksichtigt werden können.

Nach Absatz 5 muss die Behandlung und Pflege in der privaten Abteilung einer Heilanstalt nicht durch einen Pauschalbetrag je Pflegetag und Patient abgegolten werden. Hier kann wie bisher eine Tarifordnung gelten, nach welcher die erbrachten Leistungen einzeln vergütet werden. Offengelassen ist auch, wie die Tarifordnung zustandekommt. Sie kann also zum vorneherein durch die Heilanstalt selbst erlassen werden. Soweit nach der Tarifordnung für die private Abteilung einzelne Leistungen zu vergüten sind, die in gleicher Weise auch bei ambulanter Behandlung erbracht werden, dürfen die für die ambulante Behand-

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hing geltenden Tarife, nicht überschritten werden. Für Leistungen, die ambulant nicht erbracht "werden, also insbesondere die allgemeine Pflege und diei Unterkunft, hat diese gesetzlich festgelegte Höchstgrenze hingegen keine Bedeutung.

In Absatz 6 wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die Abgrenzung zwischen ambulanter Behandlung und stationärer Versorgung in bestimmten Fällen Probleme stellen kann. Im Normalfall wird eine stationäre Versorgung angenommen, wenn der Patient mindestens eine Nacht in der Heilanstalt verbringt.

Vor alleni in psychiatrischen Kliniken gibt es aber heute Formen von Teilaufenthalten (Tages- oder Nachtpatienten), die mit dem erwähnten Kriterium nicht mehr ohne weiteres erfasst werden können. In diesen Sonderfällen soll daher auf dem Wege der Verordnung näher geregelt werden, ob die Heilanstalt die volle Behandlungspauschale oder nur einen Teil davon in Rechnung stellen kann oder ob die Leistungen der Heilanstalt einzeln zu vergüten sind.

Der Aufenthalt in einer Anstalt, die nicht als Heilanstalt gelten kann (z. B. Altersheime), ist keine stationäre Versorgung im Sinne des Gesetzes und wird daher durch die Krankenversicherung ari sich nicht gedeckt. Werden die Personen, die sich dort aufhalten, auch'medizinisch betreut, haben die Krankenkassen ihre Leistungen eigentlich nach den Grundsätzen der ambulanten Behandlung und der Hauskrankenpflege zu bemessen. Mit diesen Grundsätzen wird man aber diese Sonderfälle nicht voll erfassen können, weshalb auch :hier besondere Regelungen möglich sein sollen. Immer wird aber zu beachten sein, dass diese Anstalten'keine Heilanstalten im Sinne des Gesetzes sind, die allgemeine Betreuung dieser Personen also nicht zu Lasten der Krankenversicherung gehen kann und von der Anstalt auch nicht ;nach den für Heilanstalten geltenden Regeln zu berechnen ist.

' , Artikel 22sexies Aufenthaltspauschale in Heilanstalten Neben der Behandlungspauschale haben, die Heilanstalten eine zweite. Tagespauschale, nämlich die Aufenthaltspauschale in Rechnung zu stellen. Diese Aufteilung der Rechnung der Heilanstalten in zwei Pauschalbeträge entspricht dem Grundsatz nach einer heute weitverbreiteten Praxis. Die Krankenkassen haben heute so die Möglichkeit, jene Leistungen der Heilanstalt, die nicht zu den Pflichtleistungen zählen, also insbesondere die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, von der Krankenpflegeversicherung auszunehmen oder den Versicherten zu verpflichten, dafür eine Zusatzversicherung abzuschliessen. Künftig werden die Kassen bei stationärer Versorgung immer die jeweils : gültige Behandlungspauschale zu übernehmen haben. Da diese einen Teil der Betriebskosten der Heilanstalt deckt, kann sie faktisch auch Kosten für Unterkunft und Verpflegung umfassen.

, . · . , Bei einem Aufenthalt in einer Heilanstalt spart der Versicherte: einen Teil seiner üblichen Auslagen für Unterkunft und Verpflegung ein. Es ist deshalb von der Sache her gerechtfertigt, dass der Versicherte ausserhalb der Grundversicherung einen Teil der in ; der Heilanstalt: anfallenden Aufenthaltskosten übernehmen muss.

; .

Ausgehend von dieser Überlegung sollen für die Bemessung der Aufenthaltspauschale aber nicht die effektiv anfallenden Kosten für Unterkunft und Verpflegung, sondern die vom Versicherten eingesparten Auslagen massgebend

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sein. Da diese Einsparungen nicht von der Heilanstalt abhängen, in der sich der Versicherte befindet, und für alle Versicherten ungefähr gleich hoch sind, soll die Aufenthaltspauschale nicht durch Vereinbarung zwischen einer Heilanstalt und den Kassen oder durch die Kantonsregierung, sondern - analog zur Regelung in der obligatorischen Unfallversicherung - einheitlich für das ganze Land durch den Bundesrat festgesetzt werden. Nur wenn der Versicherte die Gewissheit hat, dass die Aufenthaltspauschale bei jedem Aufenthalt in einer schweizerischen Heilanstalt sich in einem tragbaren Rahmen hält, kann überhaupt davon ausgegangen werden, dass er nicht unbedingt die Möglichkeit der Zusatzversicherung (Art. I2<iuater) in Anspruch nehmen muss. Die Expertenkommission hat seinerzeit vorgeschlagen, die Aufenthaltspauschale für alle Versicherten auf 15 Franken pro Tag festzusetzen. Dies scheint auch uns ungefähr der Rahmen zu sein, in welchem sich die Aufenthaltspauschale bewegen sollte.

In Absatz 2 ist eine besondere Regelung für Chronischkranke vorgesehen, die ihren Haushalt aufgegeben haben und eine Rente einer Sozialversicherung beziehen. Bei diesen Personen sorgt die Heilanstalt weitgehend auch für den normalen Lebensunterhalt, weshalb es durchaus gerechtfertigt ist, wenn der Versicherte zur Deckung dieser Kosten auch mit seiner Rente beiträgt, da diese ja der Bestreitung seines normalen Lebensunterhaltes dient. Es muss daher vermieden werden, dass die Rente lediglich zur Äufnung eines Sparkapitals dient.

In diesen Fällen soll der Versicherte eine höhere Aufenthaltspauschale zu entrichten haben, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind: Der Versicherte muss sich bereits während mindestens sechs Monaten ohne wesentlichen Unterbruch in einer Heilanstalt aufhalten. Ein wesentlicher Unterbruch wäre unseres Erachtens anzunehmen, wenn der Versicherte während mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen die Heilanstalt verlassen konnte. Der Versicherte muss bereits eine Rente der AHV, der IV, der obligatorischen Unfallversicherung oder der Militärversicherung beziehen. Führt er noch einen eigenen Haushalt oder hat er Angehörige zu unterstützen, kann die Aufenthaltspauschale nicht erhöht werden. Die Aufenthaltspauschale ist der individuellen Situation des Versicherten anzupassen. Dem Versicherten muss die Rente soweit verbleiben, als er diese zur Bestreitung seiner persönlichen Bedürfnisse benötigt. Das Gebot der Gleichbehandlung verlangt zudem, dass die Heilanstalt einem Versicherten für Behandlung, Pflege und Aufenthalt nicht einen höheren Gesamtbetrag in Rechnung stellen kann als einem Patienten, der vom Tarifschutz der Krankenversicherung nicht profitiert. Der Betrag, um den die normale, durch den Bundesrat festgesetzte Aufenthaltspauschale überschritten wird, ist durch die Zusatzversicherung nach Artikel 12iuater nicht gedeckt.

In Absatz 3 wird ausdrücklich festgehalten, dass die Heilanstalt in der allgemeinen Abteilung nur die Behandlungs- und die - nach Absatz 2 eventuell erhöhte - Aufenthaltspauschale in Rechnung stellen darf.

Artikel22sePties Harmonisierung und Koordination der Tarife In dieser Vorlage wird der Harmonisierung der vielen verschiedenen kantonalen Tarife innerhalb der Krankenversicherung sowie der Koordination mit den Tarifordnungen anderer Sozialversicherungszweige ganz besondere Beachtung geschenkt.

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Im Vernehmlassungsverfahren fand die im Vorentwurf vorgesehene Harmonisierung der Tarife bei der Mehrheit der befragten Organisationen allerdings nur hinsichtlich des Tarifaufbaus, nicht aber einer eidgenössischen Tarifregelung Zustimmung. Deshalb sehen wir nurmehr eine formelle Harmonisierung der Tarife für ambulante Behandlungen vor und zwar in dem Sinne, dass lediglich Grundsätze für die Berechnung und Struktur der Tarife festzulegen sind. Im weitern soll die im Vernehmlassungsverfahren unbestritten gebliebene Koordination mit den Tarifordnungen anderer Sozialversicherungszweige vorangetrieben werden. Der Bundesrat kann nach Absatz 2 neben dem Erlass von Grundsätzen überdies noch Richtsätze für bestimmte Leistungen oder Behandlungen im ambulanten Bereich aufstellen, so namentlich für Leistungen technisch-apparativer Art.

Nachdem die Behandlung mit Apparaten gegenüber der rein ärztlichen Betreuung immer wichtiger wird, sind Richtsätze auf diesem Gebiet von ganz besonderer Bedeutung, weil nur damit im Interesse der Kosteneindämmung Einfluss auf einen rationellen und massigen Einsatz der technisch-apparativen Einrichtungen genommen werden kann. Bei Mutterschaftsleistungen wird der Bundesrat ermächtigt, Höchstsätze aufzustellen. Der iGrund für diese recht weitgehende Kompetenz ist in der Verpflichtung des Bundes zur Übernahme sämtlicher Mutterschaftsleistungen gemäss Artikel 36 zu sehen.

Im weitern kann der Bundesrat für vergleichbare Heilanstaltsgruppen Betriebsvergleiche durchführen und hiefür von den Kantonen und Heilanstalten die notwendigen Unterlagen einfordern. Diese Vergleiche dienen letztlich auch den Kantonen für eine sachgerechte Tarifierung und sind den Tarifpartnerh beim Abschluss der Tarifverträge nützlich. Die Auswertungsergebnisse bilden aber auch die Grundlage für die Aufstellung der in diesem Artikel erwähnten Grundsätze, Rieht- und Höchstsätze.

Artikel 22oclies Beschwerderecht Bereits nach geltendem Recht kann gegen die Erlasse und Entscheide der Kantonsregierungen im Bereich des Tarifwesens Beschwerde an den Bundesrat erhoben werden. Die geltende Bestimmung wird nun um den Hinweis auf den neu eingefügten Artikel über die Behandlungspauschale ergänzt. Im Vernehmlassungsverfahren haben einzelne Kantone die Befürchtung geäussert, dass mit einer Beschwerde an den Bundesrat auch eine Ermessenskontrolle ermöglicht werde, eine Beschwerde an das Bundesgericht wäre daher vorzuziehen. Nachdem diese Bestimmung aber bis heute zu keinen Anständen mit den Kantonen geführt hat, sehen wir - auch mit Hinblick auf die allgemein stark gestiegene Geschäftslast des Bundesgerichtes - von einer Änderung der geltenden Ordnung ab. Wir werden aber in unseren Beschwerdeentscheiden, wie wir das auch bisher getan haben, nicht ohne Not in den Ermessensraum eingreifen, den das Gesetz den Kantonen im Tarifwesen gibt.

Artikel23 Wirtschaftlichkeit der Behandlung Die an der Durchführung der Krankenversicherung beteiligten Medizinalpersonen und Heilanstalten hatten bei ihrer Tätigkeit1 schon bisher das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu beachten. Diese Bestimmung im Interesse der Kostenein-

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dämmung verankert nun aber auch die Gerichtspraxis, wonach Vergütungen für über das erforderliche Mass hinausgehende Leistungen von den Kassen zurückverlangt werden können. Das Rückforderungsrecht steht den Kassen sowohl gegenüber den Heilanstalten und Laboratorien als auch gegenüber den Medizinalpersonen zu.

Zusätzlich muss dem Versicherten eine detaillierte und für ihn lesbare Rechnung über die gewährte ambulante oder stationäre Behandlung zugestellt werden, damit sich dieser über das Ausmass der von ihm verursachten Kosten Rechenschaft geben kann. Dieses Vorgehen bezweckt, das Kostenbewusstsein des Patienten zu fördern. Ist der Versicherte Honorarschuldner, sind ihm mit der Rechnungstellung auch die Angaben nach Artikel 22bis Absatz 7 zu machen.

Artikel 25 Absatz 4bls Versicherungsgerichte als Schiedsinstanz Die Kantone sind auch weiterhin verpflichtet, für Streitigkeiten zwischen Kassen und Medizinalpersonen ein paritätisch zusammengesetztes Schiedsgericht zu bezeichnen und das Verfahren zu regeln. Allerdings hat die schleppende Behandlung der Geschäfte durch einzelne kantonale Schiedsgerichte verschiedentlich Anlass zu Kritik gegeben. Zur Behebung dieser Mängel, die sich teils auf das Fehlen eines erfahrenen Richterkollegiums, teils aber auch auf die Umständlichkeit des Verfahrens vor einem Schiedsgericht zurückführen lassen, soll den Kantonen, die Möglichkeit eingeräumt werden, die Kompetenzen des Schiedsgerichts dem mit erfahrenen Richtern ausgestatteten kantonalen Versicherungsgericht zu übertragen, wobei dieses durch je einen Vertreter der beteiligten Parteien zu ergänzen ist.

Artikel 26 Überversicherung In Absatz l wird der Bundesrat ausdrücklich ermächtigt, ergänzende Vorschriften zu dem schon bisher im Gesetz enthaltenen Verbot des Versicherungsgewinnes zu erlassen. Dabei soll der speziellen Stellung der Hausfrauen und der Selbständigerwerbenden besser als im geltenden Recht Rechnung getragen werden, indem auch Aufwendungen für Ersatzkräfte berücksichtigt und damit versicherbar werden.

Absatz 3 übernimmt den bisherigen Grundsatz, dass Kassen nicht leistungspflichtig sind, wenn eine andere Versicherung .das gleiche Risiko deckt, und dehnt ihn auf öffentliche Gesundheitsdienste aus. Darunter sind alle Gesundheitsdienste zu verstehen, die die Gemeinwesen eingerichtet haben oder betreiben (Schulzahnpflege, Jugendzahnpflege, medizinische Versorgung in den Strafanstalten u. ä.).

Nach Absatz 4 regelt der Bundesrat das Verhältnis der Krankenversicherung zu den übrigen Sozialversicherungen. Insbesondere wird er über die Vorleistungspflicht in den einzelnen Versicherungen und über die gegenseitige Meldung der festgesetzten Leistungen zu bestimmen haben; ferner wird der Bundesrat die Abgrenzungskriterien für die Leistungspflicht beim Zusammentreffen von Unfall und Krankheit aufstellen und das Beschwerderecht der Kassen gegen Verfügungen aus anderen Bereichen der Sozialversicherung ordnen. Wir haben diese Bestimmung neu formuliert, um sie analogen Bestimmungen in anderen Sozialversicherungsgesetzen anzupassen.

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Artikel 32 Regress ' Bisher hatten die Kassen kein gesetzliches Regressrecht gegenüber haftpflichtigen Dritten, weshalb sie sich vielfach in ihren Statuten die Ansprüche des Versicherten gegenüber dem haftpflichtigen Dritten abtreten liessen. In Übereinstimmung mit anderen Sozialversicherungszweigen sollen die Kassen nun bis zur Höhe ihrer Leistungen in die Ansprüche des Versicherten gegenüber einem haftpflichtigen Dritten eintreten. Dabei begnügt sich der Gesetzesentwurf mit der Aufstellung des iGrundsatzes des Rückgriffsrechts und verweist für die Einzelheiten ganz allgemein auf die Bestimmungen des AHVG (Art: 48ter - 48sexies) und des IVG (Art. 52), welche sinngemäss auf die Krankenversicherung Anwendung finden.

: ' · ' . . · · Artikel 33 und 34 Randtitel · ; : Durch Artikel 32 wird in das Gesetz ein neuer Randtitel eingeführt. In den Artikeln 33 und 34 ist daher die Numerierung der Raridtitel zu ändern.

Artikel 35 Bundesbeitrag für den Lastenausgleich .

Den Kassen wird ein Beitrag zum Ausgleich der allgemeinen gesetzlichen Auflagen gewährt (vgl. dazu vorne Art. 1). Zu diesen Auflagen zählen insbesondere die Aufnahmepflicht, die Beschränkung der Vörbehältsdauer, der gesetzliche Leistungskatalog, die unbeschränkte Leistungsdauer und die Beschränkung1 des Ausschlussrechtes. Die einzelnen Kassen werden von diesen Auflagen iri unterschiedlichem Masse betroffen. Allerdings ist es sehr schwierig, objektive und gleichzeitig relativ einfach praktikable Kriterien zu bezeichnen, nach welchen der Beitrag für die einzelne Kasse zu berechnen ist. Bisher verwendete man wie erwähnt das etwas un differenzierte System der Kopfbeiträge.

Zu den Versicherten, bei welchen sich die gesetzlichen Auflagen in besonderem Masse auswirken, gehören vor allem Betagte und Personen mit schweren chronischen Leiden, die zur Invalidierung führen. Wir sehen daher vor, den Beitrag an die einzelne Kasse nach der Anzahl der von der, Kasse für Krankenpflege versicherten Rentner der IV und Altersrentner der AHV zu bemessen.

Von Seite der Krankenkassen wurde der Wunsch geäussert, in Anlehnung an die heute bestehende Regelung (Art. 37 KUVG) Beiträge pro IV-Rentner, die sich in Spitalpflege befinden, zu gewähren. Diese Lösung wäre jedoch u. E. nur in der Anfangsphase administrativ einfacher. Haben die Kassen einmal alle bei ihnen versicherten IV-Rentner erfasst, bietet die Erfassung von neuen IV-Rentnern eher weniger Schwierigkeiten als eine laufende1 Kontrolle, ob der Versicherte, der eine Heilanstalt aufsuchen musste. eine IV-Rente bezieht. : Zudem stellen die IV-Rentner auch für ambulante1 Behandlungen ein höheres Risiko dar. Entscheidend ist für uns aber folgendes: Für die Höhe des Beitrages zur Abgeltung der allgemeinen gesetzlichen Auflagen sollen nicht mehr effektiv, ausgerichtete Leistungen oder Durchschnittskosten massgebend sein. Der gesamte für diesen Zweck zur Verfügung stehende Beitrag wird vielmehr zum vorneherein festgesetzt (Art. 38bis Abs. 2) und der pro Rentner ausgerichtete Beitrag wird nach der Anzahl der bei Krankenkassen versicherten Altersrentner der AHV und Rentner der IV bemessen. Die Beitragsbemessung soll dagegen keine kostenbezogenen Elemente enthalten.

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Die Beiträge werden zur Erleichterung einer ausgewogenen Lastenverteilung unter den Mitgliedern gewährt. Die Beiträge kommen also nicht speziell den Rentnern zugute, nach welchen sie bemessen werden, sondern sie sind für eine allgemeine Verbilligung der Prämien der Krankenpflegeversicherung zu verwenden, weil ihr Zweck ja gerade darin besteht, die Prämien auf einem Niveau zu halten, das die Krankenversicherung auch für die sogenannten guten Risiken (jüngere und gesunde Personen) attraktiv macht.

Die Beiträge werden so bemessen, dass auf einen Rentner der IV ein doppelt so hoher Beitrag entfällt wie auf einen Altersrentner der AHV. Bei den IV-Rentnern wirken sich die gesetzlichen Auflagen, insbesondere die Aufnahmepflicht, besonders stark aus. Die Kassen haben nämlich einen Bewerber, der bereits IVRentner ist, aufzunehmen, während sie einen Bewerber, der das Rentenalter der AHV bereits erreicht hat, nicht mehr aufnehmen müssen (vgl. Art. 5 Abs. 2).

Artikel 36 Vergütung der Mutterschaftsleistungen Wie bereits erwähnt sollen die Leistungen bei Mutterschaft voll durch Bundesbeiträge finanziert werden (vgl. vorne Ziff. 24). Im Gegensatz zum geltenden Recht soll sich der Beitrag an die einzelne Kasse nicht mehr nach den im Landesmittel errechneten Kosten pro Mutterschaftsfall richten, sondern es werden jeder Kasse die von ihr erbrachten Leistungen zurückvergütet. Der Bund übernimmt aber nur die nach dem Gesetz versicherten Leistungen (vgl. Art. 14). Leistungen, die aufgrund von weitergehenden Bestimmungen der Statuten oder durch Zusatzversicherungen erbracht werden, sind durch Prämien zu finanzieren.

Artikel 36bis Bundesbeitrag für den Ausgleich der Frauenkosten Der den Kassen erlaubte Prämienunterschied von 10 Prozent vermag die höheren Kosten, die die Frauen in der Krankenpflegeversicherung verursachen, nicht auszugleichen. In unserem System der freiwilligen Versicherung muss daher neben den Mutterschaftskosten zumindest ein erheblicher Teil der, höheren Frauenkosten durch Bundesbeiträge ausgeglichen werden (vgl. Ziff. 224).

Der für den Ausgleich der höheren Frauenkosten zur Verfügung stehende Beitrag wird ebenfalls zum vorneherein festgesetzt (Art. 38bis Abs. 2). Bei der Festsetzung des auf eine versicherte Frau entfallenden Bundesbeitrages soll dem durchschnittlichen Kostenunterschied zwischen Männern und Frauen Rechnung getragen werden. Vorerst wird ein für alle versicherten Frauen einheitlich festgesetzter Beitrag zu berechnen sein. Doch schliesst die Bestimmung nicht aus, dass altersmässige Differenzierungen vorgenommen werden können. Von einzelnen Kassen durchgeführte Untersuchungen zeigen nämlich, dass die Kostenunterschiede nicht in allen Altersgruppen gleich gross sind. Bei jüngeren Frauen scheint der Kostenunterschied - auch nach Abzug der Mutterschaftskosten - grösser zu sein als im hohen Alter, in welchem das Krankheitsrisiko unabhängig vom Geschlecht sehr stark ansteigt.

Artikel 37 Bundesbeiträge an Kinderprämien Das System der Individualversicherung kann vor allem für Familien zu einer grossen Belastung führen. Aus diesem Grund sind Solidaritätsleistungen zugun-

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sten der Kinder erforderlich. In einem bescheidenen Masse führen 1 bereits die Vorschriften über die Prämienbemessung bei Kindern (Art. 6bis Abs. 4) dazu.

Daneben sind aber auch Solidaritätsleistungen durch Beiträge der öffentlichen Hand notwendig. Bereits die Expertenkommission hat vorgeschlagen, die Kinderprämien durch Subventionen allgemein zu verbilligen und zum Teil ganz zu übernehmen. Im Vernehmlassungsverfahren ist dieses Postulat mehrheitlich auf Zustimmung gestossen. Wir schlagen zwei Arten von Beiträgen für Kinder vor.

Zunächst sollen durch einen Bundesbeitrag die Kinderprämien allgemein gesenkt werden. Auch hier wird der gesamte für diesen Zweck zur Verfügung stehende Bundesbeitrag zum vorneherein festgesetzt (Art. 38bis Abs. 2). Der auf die einzelne Kasse entfallende Beitrag bemisst sich nach der Anzahl der für Krankenpflege versicherten Kinder. Im Gegensatz zu den heutigen Kopfbeiträgen für Kinder und den in diesem Entwurf vorgesehenen Beiträgen für den Lastenausgleich (Art. 35) und den Ausgleich der höheren Frauenkosten (Art. 36b!S) hat der Beitrag für Kinder einen unmittelbaren Einfluss auf die Höhe der Kinderprämien. Die Kassen sind verpflichtet, Kinderprämien entsprechend zu senken (vgl. Art. 6bis Abs. 4).

Nach Absatz 2 übernimmt der Bund bei Familien mit mehr als zwei Kindern die Prämien der Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) für das dritte und die folgenden Kinder. Die Eltern haben also höchstens für zwei Kinder die Prämien selber zu bezahlen. Für die weiteren Kinder wird die Prämie durch einen Bundesbeitrag vergütet. Die Höhe des Bundesbeitrages richtet sich also nach den effektiv zu übernehmenden Prämien. Dieser Bundesbeitrag ist somit kostenabhängig. Er wird aber kaum proportional zur Kostensteigerung in der Krankenpflegeversicherung ansteigen, weil die Zahl der beitragsberechtigten Kinder eher rückläufig sein dürfte.

Übernommen wird jeweils die Prämie für das dritte und die folgenden Kinder.

Sobald ein Kind das 16. Altersjahr zurückgelegt hat, wird es grundsätzlich nicht mehr mitgezählt. Eine Familie mit drei Kindern, von welchen eines älter als 16 Jahre ist, hat also grundsätzlich für alle drei Kinder die Prämien selber zu bezahlen. Solange aber ein Kind noch in der Ausbildung ist und es das : 25. Altersjahr noch nicht vollendet hat, wird es als Kind mitgezählt. Im Vernehmlassungsverfahren wurde zum Teil die Ansicht vertreten, es seien nur Prämien von Kindern in wirtschaftlich schwachen Familien zu übernehmen.

Bereits in der Expertenkommission wurde aber dieser Vorschlag mehrheitlich abgelehnt. Es scheint uns richtig, diese Beiträge allen Familien, ohne Rücksicht auf deren wirtschaftliche Situation zukommen zu lassen, weil damit in erster Linie ein familienpolitisches Ziel verfolgt werden soll. Die Entlastung von wirtschaftlich Schwachen ist nach dem Konzept des vorliegenden Entwurfes eine Aufgabe der Kantone: Absatz 3 sieht vor, dass für Versicherungen mit einer Jahresfranchise (Art. 14bis Abs. 4) die Prämie weder ermässigt noch übernommen wird. Heute darf in der Kinderversicherung keine Franchise erhoben werden und im Vorentwurf war ebenfalls noch vorgesehen, dass die Versicherung mit Jahresfranchise nur Erwachsenen angeboten werden darf. Wir sehen nun vor, dass diese Versicherungsart, die eine deutliche Prämienermässigung zur Folge hat, auch für Kinder möglich sein soll. Hohe Jahresfranchisen sind jedoch für kinderreiche Familien

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kaum tragbar. Wir möchten daher keinen Anreiz schaffen, dass diese Familien für ihre Kinder Versicherungen mit hohen Jahresfranchisen abschliessen.

Artikel 37bis Wartgelder in Berggebieten In Berggebieten muss die Niederlassung von Ärzten oft durch besondere Massnahmen gefördert werden. Dies geschieht durch die Entrichtung von festen Beiträgen an Ärzte zur Senkung der fixen Kosten ihrer Arztpraxis oder durch Beiträge an den Bau einer Arztpraxis. Dies ist in erster Linie eine Aufgabe der Kantone. Bereits heute beteiligt sich aber der Bund an diesen Förderungsmassnahmen (Art. 38, Abs. 3 KUVG). Es scheint uns richtig, dass der Bund die Berggebiete weiterhin auf diese Weise unterstützt, zumal trotz der Zunahme der Zahl der Ärzte die ärztliche Versorgung der Berggebiete ein wichtiges Anliegen geblieben ist, das auch durch den Bund unterstützt werden muss. Die Belastung des Bundes hängt von den effektiv gewährten Wartgeldern ab. Bisher übernahm der Bund einen Viertel dieser Wartgelder. Der Gesamtaufwand belief sich damit jährlich auf knapp 250 000 Franken. Im Sinne einer gezielten Begünstigung der Berggebiete - der generell an die Bewohner in Berggebieten ausgerichtete Bergzuschlag entfällt dagegen - soll der Beitragssatz des Bundes auf 50 Prozent erhöht werden. Damit wird sich der Aufwand also auf rund 500 000 Franken erhöhen.

Artikel 38 Beiträge der Kantone Absatz l enthält den Grundsatz, dass die Kantone Prämienbeiträge an wirtschaftlich schwächere Versicherte zu gewähren haben. Nach dem Konzept des Gesetzesentwurfes ist der Sozialausgleich eine Aufgabe der Kantone, da sie durch eine gut ausgebaute Sozialversicherung im Bereich der Sozialfürsorge entlastet werden.

Den Kantonen werden keine Vorschriften über den Kreis der begünstigten Personen oder die Höhe der Beiträge gemacht. Sie sind lediglich verpflichtet, ein Beitragssystem vorzusehen,-das die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Versicherten berücksichtigt. Die Kassen haben diese Beiträge zur individuellen Prämienverbilligung der jeweils unterstützten Personen /u verwenden.

Die Bestimmung in Absatz 2, wonach die Kantone in Härtefällen die Mitgliederbeiträge und Kostenbeteiligungen zu übernehmen haben, entspricht, analogen Regelungen in anderen Sozialversicherungszweigen (vgl. Art. 11 Abs. 2 AHVG). Sie soll verhindern, dass Personen, die ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Krankenkasse nicht nachkommen können, deswegen den Versicherungsschutz verlieren. Daher haben die Kassen vor einem Ausschluss die zuständige kantonale Behörde zu informieren (Art. 11 Abs. 2). Es steht den Kantonen frei, auch die Gemeinden zur Beitragsgewährung heranzuziehen. Bereits heute leisten zahlreiche Gemeinden Beiträge zur Prämienverbilligung.

Heute gewährt der Bund an Versicherte in Berggebieten einen besonderen Beitrag (Art. 38 Abs. l KUVG). Dieser Bergzuschlag führt zu einer Prämienverbilligung für Versichert»; in Berggebieten. Er soll jedoch aufgehoben werden, weil er in der bisher praktizierten Art zu undifferenziert ist. Begünstigt werden nämlich alle Versicherten im Berggebiet ohne Rücksicht auf ihr Einkommen. Die Beiträge der Kantone an wirtschaftlich Schwache (Art. 38 Abs. 1) werden künftig

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unter anderem auch die heute von den Bergzuschlägen erfüllte Funktion zu übernehmen haben, jedoch in gezielterer Form.

Der Wegfall der ; Bergzuschläge wird für die Betroffenen eine Prämienerhöhung zur ' Folge haben, die vor allem für wirtschaftlich schwächere Personen eine spürbare Mehrbelastung bedeuten wird. Da aber gerade in Berggebieten der Anteil von wirtschaftlich schwächeren Personen relativ hoch ist, werden Kantone, in welchen der Bergzuschlag wegfällt, besonders hohe Leistungen an wirtschaftlich 'Schwache zu erbringen haben. Um diesen Kantonen, die in der Regel auch finanzschwach sind, ebenfalls eine wirksame Prämienverbilligung zu ermöglichen, sehen wir : in Absatz 3 vor, dass der Bund einen Teil der Beiträge nach Absatz l übernimmt. Auch hier wird der Gesamtbetrag, der für diesen Zweck zur Verfügung steht, zum voraus festgelegt. Die Bezeichnung der berechtigten Kantone und die Festlegung der auf die einzelnen Kantone entfallenden Anteile des Beitrages wird der Bundesrat unter Berücksichtigung der Finanzkraft und des Anteils an Berggebiet vorzunehmen haben. Um sicherzustellen, dass die Beiträge, zweckentsprechend verwendet werden, kann die Gewährung des Bundesbeitrages von einer angemessenen Prämienverbilligung durch den Kanton abhängig!gemacht werden.

Artikel 38bis Höhe der Bundesbeiträge ' Nach dem KUVG in seiner Fassung vom Jahre 1964 waren praktisch alle Beiträge des Bundes an die Krankenkassen von den landesdurchschnittlichen Kosten in der Krankenpflegeversicherung abhängig, sie stiegen also von Gesetzes wegen proportional zur Kostensteigerung in der Krankenversicherung an. Mit dem Bundesgesetz vom 5. Mai 1977 über Massnahmen zum Ausgleich des Bundeshaushaltes (SR 611.04) wurden Höchstbeträge fixiert, die nicht überschritten werden dürfen. Künftig soll nun eine Regelung gelten,-die yon der strikten Plafonierung der Beiträge, wie sie heute gilt, wieder abkommt, ohne aber zum ursprünglichen System zurückzukehren.

Nur noch wenige Beiträge sollen direkt von den Aufwendungen der Krankenkassen abhängig sein, nämlich die Vergütung der Leistungen bei Mutterschaft (Art. 36), die Übernahme der Prämien ab dem dritten Kind (Art. 37 Abs. 2) und die Bundesbeiträge an Wartgelder in Berggebieten (Art. 37bis). Diese Beiträge sind im Gesetz so definiert, dass eine automatische Anpassung an die effektiven Aufwendungen erfolgen muss. Eine Zunahme des Gesamtbetrages der Bundesbeiträge dürfte sich jedoch bei derartigen Subventionen in Grenzen halten.

Bei allen übrigen Beitragsarten wird der jährliche Gesamtbetrag durch einfachen Bundesbeschluss festgesetzt. Dieser Jahresbeitrag soll periodisch im Abstand von drei Jahren neu festgesetzt werden, wobei sowohl der Kostenentwicklung in der Krankenversicherung wie der Finanzlage des Bundes Rechnung zu tragen ist.

Im Vernehmlassungsverfahren ist diese Art der Festsetzung des Bundesbeitrages von verschiedener Seite kritisiert worden/ In zahlreichen Vernehmlassungen wurde verlangt, die Bundesbeiträge seien durch einen allgemeinverbindlichen, also einen referendumspflichtigen Bundesbeschluss festzusetzen. Dem ist entgegenzuhalten, dass i die Festsetzung von Bundesausgaben, soweit sich der Betrag nicht unmittelbar aus einer Gesetzesbestimmung ergibt, durch einen einfachen

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Bundesbeschluss erfolgt. Wir kennen auf Bundesebene das Finanzreferendum nicht. Dieser Grundsatz ist daher auch hier zu beachten.

Was das Ausmass und den Rhythmus der Anpassung der einmal festgesetzten Bundesbeiträge betrifft, wurden sowohl Stimmen laut, die eine strikte Plafonierung im Gesetz verlangten, wie auch solche, die sich für eine direkte Anpassung an die jeweilige Kostenentwicklung aussprachen. Auf Ablehnung ist insbesondere auch der Grundsatz gestossen, dass bei der Festsetzung des Bundesbeitrages auch die Finanzlage des Bundes zu berücksichtigen sei. Vor allem von seiten der Kantone und der Krankenkassen wurde die Befürchtung laut, dass sich der Bund unter Hinweis auf diese Bestimmung immer stärker zum Nachteil der Kantone und der Versicherten entlasten könnte. Die Finanzlage des Bundes muss bei der Festsetzung von Bundesbeiträgen aber immer berücksichtigt werden. Dieses Kriterium findet sich denn auch in analogen Bestimmungen anderer Gesetze.

Die Bundesbeiträge an die Krankenkassen sind, wie bereits dargelegt, für das gute Funktionieren unseres Systems der Krankenversicherung notwendig. Damit die Bundesbeiträge diese Funktion überhaupt erfüllen, dürfen sie ein bestimmtes Ausmass nicht unterschreiten. Ein kritischer Punkt würde erreicht, wenn die Prämien für die Krankenversicherung für einen grossen Teil der Bevölkerung einen Anteil des Einkommens beanspruchen würden, der als nicht mehr tragbar erachtet würde oder wenn infolge der gesetzlichen Auflagen an die Krankenkassen, die sich ja zugunsten der Kranken auswirken, der gesunde Teil der Bevölkerung langsam aber stetig zur Privatassekuranz abwandern würde. Aus diesem Grund ist bei der Festsetzung der Bundesbeiträge auch die Kostenentwicklung in der Krankenversicherung zu berücksichtigen. Dieser Auftrag ist aber nicht so zu verstehen, dass die Beiträge immer in vollem Ausmass mit der Kostenentwicklung Schritt zu halten hätten. Sie müssen aber so angepasst werden, dass sie ihre Funktion überhaupt noch erfüllen.

Artikel 38ter Beteiligung der Kantone am Bundesbeitrag Nach den Vorschlägen über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen (vgl. dazu vorne Ziff. 113) haben die Kantone 50 Prozent der Bundesbeiträge zu übernehmen. Der Bund wird also den Krankenkassen die nach dem Gesetz geschuldeten Beiträge entrichten und er wird die Hälfte dieser Summe bei den Kantonen einfordern.

Die Aufteilung dieser Summe unter die einzelnen Kantone soll nach einem Schlüssel erfolgen, der berücksichtigt, dass die Kantone durch ihr Verhalten, insbesondere durch ihre Befugnisse im Bereich des Tarifwesens und ihre Finanzpolitik im Spitalwesen, die Kosten der Krankenversicherung erheblich beeinflussen können. Bei der Aufteilung der Gesamtsumme unter die einzelnen Kantone sollen daher insbesondere folgende Elemente berücksichtigt werden: - Die Summe der Leistungen, die die Krankenkassen für die Versicherten, die im betreffenden Kanton wohnen, erbringen: Dieses Element ergibt sich sozusagen aus der Sache selbst. Kantone, in welchen mehr Versicherte wohnen und in welchen von den Versicherten mehr Leistungen beansprucht werden, sollen mehr an die Krankenversicherung leisten als Kantone mit weniger Ver-

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sicherten und geringeren Kosten. Berücksichtigt werden aber nur jene Leistungen, die die Kassen nach dem Gesetz zu erbringen haben.

Kostensteigerungen in der Krankenpflegeversicherung können von den Kantonen auch durch gut ausgebaute Prämienverbilligungssysteme aufgefangen werden. Die Aufwendungen der Kantone für die Prämienverbilligungen wirtschaftlich schwächerer Bevölkerungsgruppen sollen daher bei der Aufteilung der KantoEsanteile ebenfalls berücksichtigt werden. Im Unterschied zu anderen Subventionsordnungen soll hier die Finanzkraft nicht berücksichtigt werden, damit die anderen Verteilungselemente stärker zum Tragen kommen.

Wir beabsichtigen jedoch, in der Vorlage über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen den Finanzausgleich mit den Kantonsanteilen an der Wehrsteuer entsprechend zu verstärken.

Die konkrete Art der Berechnung der Anteile der einzelnen Kantone und die Gewichtung der einzelnen Elemente hat durch eine Verordnung des Bundesrates zu erfolgen. Der Bundesrat wird diese Verordnung erst nach Anhörung der Kantone erlassen. Dabei wird er, da die Formulierung in Absatz 2 nicht abschliessend ist, noch weitere Elemente, etwa die unterschiedliche Bevölkerungsstruktur der Kantone, berücksichtigen können. Des weiteren werden einzelne Elemente, die erst nach der Revision zahlenmässig zuverlässig erfasst werden, vorerst wenig differenziert in die Berechnung eingehen können; dies gilt na-

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mentlich für die Spitalaufwendungen der Kantone und die kantonalen Subventionen zur Verbilligung der Prämien wirtschaftlich schwächerer Versicherter.

Artikel 39 Koordination. Statistik Die enge Beziehung zwischen dem Gesundheitswesen und der Krankenversicherung, die beide eine starke Kostenzunahme zu verzeichnen haben, verlangt nach einer kostensparenden Koordination dieser Gebiete. Es bestehen heute schon zahlreiche Institutionen, die sich mit diesen Fragen befassen und deren Zusammenarbeit unter dem Gesichtspunkt der Kosteneindämmung notwendig ist. Daher wird dem Bund in Absatz l die Verpflichtung auferlegt, unter Mitwirkung der Kantone die Zusammenarbeit der an der Durchführung der Krankenversicherung beteiligten Personen und Institutionen zu fördern. Ausserdem kann er sich an Institutionen, die diesen Zweck verfolgen, beteiligen (z. B.

Schweizerisches Krankenhausinstitut) oder mit diesen Vereinbarungen über die Zusammenarbeit abschliessen. Der im Vorentwurf vorgesehene Passus über die Allgemeinverbindlicherklärung von Empfehlungen solcher Institutionen wurde jedoch fallengelassen.

Um der Kostenentwicklung und deren Ursachen wirksam begegnen zu können, bedarf es einer genauen Beobachtung und Analyse der Vorgänge, was einen entsprechenden Ausbau der statistischen Unterlagen voraussetzt. Der Bund wird daher in Absatz 2 ermächtigt, statistische Erhebungen durchzuführen oder sie durch andere Institutionen durchführen zu lassen. Bei diesen Erhebungen kann er von den Medizinalpersonen, Laboratorien und Heilanstalten die Mitwirkung sowie die Bereitstellung der erforderlichen Unterlagen verlangen. Im Vernehmlassungsverfahren wurden von selten der Ärzteschaft Einwände gegen solche statistische Erhebungen gemacht, würde dadurch doch das Berufsgeheimnis verletzt. Diese Befürchtungen sind aber aus zweierlei Gründen unbegründet; zum einen, weil in diesen Statistiken lediglich Angaben allgemeiner (wie Alter, Geschlecht u. a.), nicht aber solche persönlicher Natur (wie Name, Adresse usw.) aufgeführt werden, zum ändern, weil sämtliche an diesen Erhebungen beteiligten Personen entweder nach Artikel 40 Absatz 2 dieses Gesetzes oder nach Artikel 321 StGB zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.

Artikel 39bis Krankenversicherungskommission Zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den an der Krankenversicherung interessierten Kreisen sieht der Gesetzesentwurf in Anlehnung an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (vgl. Art. 73 AHVG) vor, auf eidgenössischer Ebene eine Kommission für die Krankenversicherung zu gründen. In dieser Kommission haben der Bund, die Kantone und die interessierten Organisationen und Institutionen angemessen vertreten zu sein. Aufgabe dieser Kommission ist es, im Auftrag des Bundesrates zu allgemeinen Fragen der Durchführung und Weiterentwicklung der Krankenversicherung sowie zu weiteren damit in Zusammenhang stehenden Fragen auf dem Gebiet der Gesundheitspolitik Stellung zu nehmen. Im Gesetzesentwurf wird ausdrücklich auf die nicht abschliessende Natur dieser Aufzählung hingewiesen, indem dem Bundesrat die Befugnis erteilt wird, der Kommission weitere Aufgaben zu übertragen. Es sind namentlich solche denkbar, die die Kosteneindämmung oder auch die Untersuchung bestimmter Teilaspekte der Krankenversicherung zum Gegenstand ha-

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ben. Diese Kommission wird allerdings nicht bloss beratendes Organ des Bundesrates sein,:um in dessen Auftrag Probleme der Durchführung der Krankenversicherung zu behandeln, sondern sie solLeine gewisse Eigenständigkeit besitzen und dem Bundesrat aus eigener Initiative Vorschläge unterbreiten können.

33

Obligatorische Krankengeldversicherung

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Versicherungspflicht

: : Artikel 40a Versicherte Personen , Die Krankengeldversicherung soll aus den unter Ziffer 231.1 erwähnten Gründen obligatorisch erklärt werden.

Versichert sind die Arbeitnehmer (Abs. 1). Es sind dies, ähnlich wie nach dem Gesetz über die Unfallversicherung (UVG), die auf Grund eines Arbeitsvertrages oder eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses beschäftigten Personen, zu denen auch Heimarbeiter, Lehrlinge und, Praktikanten zu zählen sind. Der Buchstabe a von Absatz 3 ermächtigt den Bundesrat, die Versicherung,auch für bestimmte Personengruppen obligatorisch zu erklären, die in einem arbeitsvertragsähnlichen Verhältnis stehen, wie zum Beispiel Unterakkordanten. Der Buchstabe b desselben Absatzes gestattet dem Bundesrat anderseits, Ausnahmen von der Versicherungspflicht vorzusehen, beispielsweise für die in einem Betrieb ohne Barlohn oder nur für eine bescheidene Entlöhnung mitarbeitenden Familienmitglieder, für unregelmässig Beschäftigte und für bestimmte der Militärversicherang unterstellte Beamte. In Anbetracht des Zweckes dieser Vorschrift wird der Bundesrat solche Ausnahmen mit einer gewissen Zurückhältung vornehmen, namentlich was die Teilzeitbeschäftigten betrifft. Bezüger einer Altersrente der AHV sind von Gesetzes wegen von der obligatorischen Versicherung ausgenommen, selbst wenn sie einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Arbeitnehmer, der das Rentenalter der AHV erreicht, kann jedoch vom erleichterten Übertritt von der;obligatorischen in die freiwillige Versicherung Gebrauch machen (Art. 40d). · ' · · ' · ' .

Grundsätzlich sind nur die in der Schweiz beschäftigten Personen versichert.

Absatz 2 sieht jedoch Ausnahmen vor. Um die Rechtssicherheit zu garantieren und administrative Umtriebe zu vermeiden, wird das Versicherungsverhältnis für Personen, die von einem in der Schweiz domilizierten Arbeitgeber für eine bestimmte, durch Verordnung festzulegende Zeit ins Ausland entsandt werden, aufrechterhalten, so zum Beispiel für einen von einer .schweizerischen,Firma ins Ausland geschickten Monteur, der dort eine Maschine installieren soll. Umgekehrt sind von einem im Ausland domilizierten Arbeitgeber in der Schweiz beschäftigte Personen der obligatorischen Versicherung nicht unterstellt, dies jedoch nur bis zum Ablauf einer begrenzten, durch Verordnung festzulegenden Dauer. Der Bundesrat kann besondere Vorschriften erlassen und namentlich vorsehen, dass die bei Transportbetrieben oder in einer öffentlichen Verwaltung oder in Zentralen für Verkehrsförderung usw. beschäftigten Personen selbst bei längerem Auslandaufenthalt versichert bleiben. Darüber hinaus werden hier die zwischenstaatlichen Abkommen über soziale Sicherheit eine Rolle spielen.

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Der Absatz 4 gibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, sich bei demselben Versicherungsträger und zu denselben Bedingungen wie seine Arbeitnehmer für ein Krankengeld zu versichern. Diese Regelung soll es allen Angehörigen eines Betriebes erlauben, sich beim gleichen Versicherungsträger zu versichern (Art. 406).

Artikel 40b Pflichten des Arbeitgebers Die Arbeitnehmer desselben Betriebes müssen beim gleichen Versicherungsträger für Krankengeld versichert sein. Dîeser Grundsatz entspringt im wesentlichen der Notwendigkeit, eine gerechte Verteilung der Risiken zu sichern (siehe Ziff. 231.1). Innerhalb einer Firmengrappe kann das Personal eines jeden Betriebes bei einem besonderen Versicherungsträger versichert sein.

Die Vertreter der Arbeitnehmer können gleich wie nach Artikel 69 UVG die Wahl des Versicherungsträgers mitbestimmen. Die Arbeitnehmer sind an einer Mitbestimmung interessiert, da sie einen nennenswerten Anteil der Prämien bezahlen werden, und sich die Prämienhöhe von einem Versicherungsträger zum ändern unterscheiden kann.

Artikel 40c Beginn und Ende der Versicherung Da die Versicherung dazu bestimmt ist, den Lohnausfall auszugleichen, tritt sie mit dem Antritt der Arbeit in Kraft (Abs. 1). Wegen des besonderen Charakters des Krankheitsrisikos lässt es sich nicht rechtfertigen, die Versicherung wie in der obligatorischen Unfallversicherung schon vor dem effektiven Antritt der Arbeit beginnen zu lassen.

Die Versicherung endet grundsätzlich dreissig Tage nach dem Erlöschen des Lohnanspruches (Abs. 2 Bst. a). Das Versicherungsverhältnis endet jedoch dann zur selben Zeit wie der Lohnanspruch, wenn der Versicherte im Ausland wohnt.

Ausnahmen hievon werden durch Verordnung vorzusehen sein, namentlich für Fälle von entsandten Arbeitnehmern (Abs. 2 Bst. b und Abs. 3).

Nach dem Buchstaben c des Absatzes 2 hört das Versicherungsverhältnis in dem Moment auf, in dem der Versicherte das Rentenalter der AHV erreicht, selbst wenn er weiterhin eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausübt. Wie erwähnt, kann ein solcher Versicherter unter bestimmten Umständen den erleichterten Übertritt in die freiwillige Versicherung geltend machen (Art. 40d). Das Ende der obligatorischen Versicherung hat keinen Einfluss auf die laufenden Leistungen (siehe Erläuterungen zur Art. 40A).

Es wäre nicht gerechtfertigt, dass
jene Personen keinen Versicherungsschutz haben, die arbeitslos oder als Folge eines Unfalles arbeitsunfähig werden. Für diese Fälle sieht Absatz 3 vor, dass durch Verordnung besondere Vorschriften über die Fortdauer des Versicherungsschutzes und die Leistungspflicht erlassen werden. Die Art und Weise, wie in diesen Fällen das Krankengeld auszurichten sein wird, ist in den Bestimmungen über die Koordination zwischen den einzelnen Versicherungszweigen der Sozialversicherung zu regeln (siehe Ziff. 25).

Artikel 40d Übertritt von der obligatorischen in die freiwillige Versicherung In Absatz l wird der Grundsatz aufgestellt, dass Personen, die aus der obligatorischen Krankengeldversicherung ausscheiden (namentlich Frauen bei Aufgabe

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der Erwerbstätigkeit und Arbeitnehmer, die eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnehmen oder die in den Ruhestand treten), Anspruch auf Übertritt in die freiwillige Versicherung haben.: und zwar ungeachtet ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes. Die Leistungen, die diesen Personen garantiert werden, sind unter Vorbehalt von Überversicherung grundsätzlich die gleichen wie in der obligatorischen Versicherung. Die Möglichkeit der Anbringung .von Versicherungsvorbehalten, die im Vernehmlassungsverfahren kaum bestritten war, ist beibehalten worden, um Missbräuchen vorzubeugen. Sie wird jedoch insofern gemildert als die in der obligatorischen Versicherung zurückgelegte Versicherungszeit auf die (maximale) Geltungsdauer von fünf Jahren für Vorbehalte anzurechnen, ist. Wenn also jemand während dreier Jahre der obligatorischen Versicherung angehört hat, macht die seiner freiwilligen Versicherung auferlegte Vorbehaltsdauer höchstens zwei Jahre aus. Diese Regelung geht davon aus, dass es ungerecht wäre, jemanden für die Fortführung der Versicherung mit einer Person gleichzustellen, die noch nie versichert war.

Nicht alle der obligatorischen Krankengeldversicherung unterstellten Personen können jedoch den erleichterten Übertritt in die freiwillige Versicherung'geltend machen. Nur wenn sie in der Schweiz wohnen, können sie dieses Übertrittsrecht beanspruchen. Insbesondere die im Ausland wohnhaften Grenzgänger werden den erleichtetten Übertritt nicht geltend machen können.

Die freiwillige Versicherung wird eine Versicherung im Sinne von Artikel 12bis des Entwurfs sein, wenn der Versicherungsträger eine Krankenkasse ist, oder eine Versicherung nach der Gesetzgebung über den Versicherungsvertrag (WG; SR 221.229.1), wenn es sich um eine private Versicherungsgesellschaft handelt.

Aufgrund von Absatz 2 wird es möglich sein, in der Verordnung einheitliche Vorschriften aufzustellen, sowohl was das Übertrittsrecht, wie z. B. die Frist zur Geltendmachung und die Pflicht zur Information des Versicherten, als auch was bestimmte Elemente der freiwilligen Versicherung an sich (Prämien, Versicherungsumfang) betrifft. Es gilt zu verhindern, dass die Versicherten, die vom Übertrittsrecht Gebrauch machen, vollkommen unterschiedlichen Regelungen unterstünden, je nachdem sie einer Krankenkasse oder einer Versicherungsgesellschaft angeschlossen sind. Wir werden namentlich darauf achten, dass sich die Versicherungsgesellschaften nicht die Vertragsauflösung wegen wesentlicher Gefahrserhöhung ohne Zutun des Versicherungsnehmers vorbehalten können (wie ,in Art. 30 Abs. 2 des WG vorgesehen). Für die privaten Versicherungsgesellschaften stellt die Beachtung solcher Regeln eine Ausdehnung der Verpflichtungen dar, die sie eingehen müssen, wenn sie sich um die Mitwirkung an der obligatorischen Krankengeldversicherung bewerben.

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Leistungen

Artikel 40e Ansprach auf das Krankengeld Nach Absatz l hat der Versicherte Anspruch auf Krankengeld, wenn er zur Hälfte arbeitsunfähig geworden ist. Diese Bestimmung stellt eine Verbesserung im Vergleich zur gegenwärtigen Gesetzgebung dar und ist auch für die freiwillige Krankengeldversicherung vorgeschlagen worden (siehe Ziff. 231.2).

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Für bereits zum Zeitpunkt der Unterstellung unter die obligatorische Versicherung bestehende Krankheiten können keine Vorbehalte angebracht werden. Dagegen sieht Absatz 2 zur Vermeidung von Missbräuchen eine Wartefrist vor. Damit soll verhindert werden, dass z. B. ein Arbeitsvertrag einzig und allein deswegen abgeschlossen wird, um in den Genuss der versicherten Leistungen zu gelangen. Der Anspruch auf Leistungen entsteht nur dann, wenn eine Mitgliedschaft von wenigstens drei Monaten während der beiden letzten Jahre vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Diese Mitgliedschaftszeit kann sowohl in der obligatorischen wie auch in der bei einer Krankenkasse freiwillig abgeschlossenen Versicherung zurückgelegt worden sein, was besonders für Frauen und Jugendliche, die erstmals eine Erwerbstätigkeit aufnehmen, von Bedeutung ist.

Absatz 3 erteilt dem Bundesrat die Kompetenz zum Erlass von näheren Vorschriften über die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit, Auf Verordnungsweg müssen sowohl die Angaben näher umschrieben werden, die eine solche Bescheinigung zu enthalten hat, wie auch die Personen bestimmt werden, die dazu ermächtigt sind (Arzt, in bestimmten Fällen der Arbeitgeber).

Artikel 40f Höhe des Krankengeldes Absatz l setzt das Krankengeld bei voller Arbeitsunfähigkeit auf 80 Prozent des versicherten Verdienstes fest. Dieser Ansatz ist der gleiche wie in der Unfallversicherung und entspricht den durch Artikel 3240 des Obligationenrechts vorgeschriebenen Voraussetzungen für die Befreiung des Arbeitgebers von der Lohnzahlungspflicht. Wir haben wie im UVG darauf verzichtet, das Krankengeld nach Familienlasten abzustufen, da vorgesehen ist, die Familienzulagen in den versicherten Verdienst einzubeziehen. Bei teilweiser, jedoch mindestens hälftiger Arbeitsunfähigkeit (siehe Art. 40<? Abs. 1) wird das Krankengeld entsprechend gekürzt.

Nach Absatz 2 gilt als Berechnungsbasis für das Krankengeld der versicherte Verdienst, der vor der Arbeitsunfähigkeit zuletzt erzielt worden ist. Dieser Verdienst wird jedoch nur bis zu einem Höchstbetrag in Rechnung gezogen (Abs. 3), der durch Verordnung festzulegen sein wird. Wir sehen vor, den Plafond des versicherten Verdienstes auf den gleichen Betrag festzusetzen wie jenen für die obligatorische Unfallversicherung. Auch durch Verordnung werden die Nebenbezüge (z.B. die Familienzulagen) und die Ersatzeinkünfte, die Teil des versicherten Verdienstes darstellen, festzulegen sein. Auch hier soll die Koordination mit Lohnbegriffen anderer Sozialversicherungszweige angestrebt werden. Darüber hinaus werden Bestimmungen über den in Frage kommenden Verdienst in Sonderfällen zu erlassen sein, namentlich für Personen, die an einer schleichenden Krankheit leiden oder die noch nicht den üblichen Lohn erhalten oder deren Lohn starken Schwankungen unterworfen ist.

Artikel 40g Kürzung und Verweigerung der Leistungen Das Krankengeld kann bei grobem Verschulden des Versicherten gekürzt und in schweren Fällen verweigert werden, wobei jedoch diese Bestimmung für jene Versicherten gemildert wird, die für den Unterhalt von Angehörigen sorgen oder die sich einer Entwöhnungskur unterziehen. Diese Bestimmung ist iden-

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tisch mit jener, wie sie für die freiwillige Krankengeldversicherung vorgeschlagen wird (siehe Erläuterungen zu Art. 12bis). · Artikel 40h Leistungsdauer , < Nach Absatz l wird das Krankengeld grundsätzlich, erst ab dem 31. Tag, der auf den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit folgt, ausbezahlt. Während der ersten dreissig Tage hat der Versicherte jedoch Anspruch :auf mindestens 80 Prozent seines Lohnes (Art. 3240 OR). Während verhälthismässig kurzen Krankheiten soll also der Lohnfortzahlung der Vorzug gegeben werden, was gestattet, die Prämienhöhe zu begrenzen und administrative Umtriebe zu vermeiden.

Nach Absatz 2 kann die Wartefrist durch Einzel- oderGesämtarbeitsvertrag verlängert oder verkürzt werden, aber immer unter der Bedingung, dass der Versicherte zumindest 80 Prozent des Lohnes während der ganzen Wartefrist erhält.

Damit soll ein breiter Spielraum für besondere arbeitsrechtliche Regelungen offen gelassen werden. Durch Gesamtarbeitsverträge können wie bisher relativ lange Fristen für den Anspruch auf Lohnfortzahlung vereinbart werden. Ähnliches gilt auch für die öffentlichen Bediensteten. Wie nach dem UVG sind sie nicht von der obligatorischen Versicherung ausgeschlossen, doch kann der Leistungsbeginn so angesetzt werden, dass vorerst der Besoldungsanspruch voll ausgeschöpft wird, was die Prämienhöhe beträchtlich verringern wird. Lediglich bei Einzelabreden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist die mögliche Verlängerung der Wartefrist auf drei Monate begrenzt. Diese Einschränkung zielt darauf ab, das Risiko eines Lohnausfalles bei langer Krankheit auszuschliessen.

Das Krankengeld wird ohne wesentlichen Unterbruch während längstens 540 Tagen ausgerichtet (Abs. 3). Die Wartefrist, während welcher der Versicherte den Lohn bezieht, wird auf die Dauer der Krankengeldzahlung angerechnet.

Diese Frist beginnt - in Anlehnung an die Regelung über den Rentenbeginn in der IV - von neuem zu laufen, wenn die Arbeitsunfähigkeit einen wesentlichen Unterbruch erfahren hat, was als Verbesserung im Vergleich zur gegenwärtigen Gesetzgebung betrachtet werden kann. Mit der Neuumschreibung der Leistungsdauer wird vor allem eine bessere Koordination mit den Renten der IV angestrebt (siehe Ziff. 231.2).

Für die Fälle, in denen der Versicherte die Bedingungen für den Anspruch auf eine IV-Rente erfüllt, diese Rente aber nach Ablauf der vorgesehenen 540 Tage noch nicht festgesetzt ist, sieht Absatz 4 vor, dass während höchstens 180 Tagen ein gekürztes Krankengeld ausbezahlt wird., Diese Lösung will erreichen, dass der Versicherte auch während der Dauer des Verfahrens zur Rentenfestsetzung über die nötigen Existenzmittel verfügt, ohne dass sich die Leistungsdauer der Krankengeldversicherung und der Invalidenversicherung allzulange überschneiden (siehe Ziff. 231.2). Vorgeschlagen wird für diese Zeit ein gekürztes Krankengeld in der Höhe von 50 Prozent des versicherten Verdienstes für Unterstützungspflichtige Personen und von 40 Prozent für Personen ohne Unterstützungspflicht. Im Gegensatz zum vollen Krankengeld (80% des versicherten Verdienstes geniäss Art. 40/Abs. 1) wird hier der Ansatz nach Familienlasten abgestuft. Diese Abstufung beruht auf der Überlegung, dass das während der 180tägigen Verlängerung ausbezahlte Krankengeld dazu bestimmt ist, das vorläufige Fehlen der IV-Leistungen zu kompensieren, die ja gerade nach Familienlasten

1199

abgestuft sind (siehe namentlich Art. 35 IVG; SR 831.20). Der Grundsatz der proportionalen Kürzung des Krankengeldes bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird auch auf das während der Verlängerung von 180 Tagen ausbezahlte Krankengeld angewandt. Zu beachten ist, dass die Versicherungsträger gemäss Artikel 40k Absatz l ihre Leistungen von der IV zurückfordern können.

Die Auszahlung des Krankengeldes aus der obligatorischen Versicherung entfällt, wenn der Versicherte weniger als zur Hälfte arbeitsunfähig wird oder stirbt. Dasselbe gilt für den Fall, dass der Versicherte das Rentenalter der AHV erreicht hat, gleichgültig ob er noch unselbständig erwerbstätig ist oder nicht.

Das Erlöschen des Versicherungsverhältnisses beendet grundsätzlich nicht die laufenden Leistungen. Die Dauer des Anspruchs auf Krankengeld kann jedoch durch Verordnung begrenzt werden, wenn das Versicherungsverhältnis wegen Wohnsitzverlegung ins Ausland aufhört. Besondere Vorschriften sind auch für Versicherte zu erlassen, die eine IV-Rente beziehen aber weiterhin arbeiten und nun ihre Arbeit wegen Krankheit aufgeben (Abs. 5).

Artikel 40i Taggeld bei Mutterschaft Bei Mutterschaft erhalten die Versicherten ebenfalls ein Taggeld von 80 Prozent des versicherten Verdienstes (Abs. 1). Die Voraussetzung, dass die Wöchnerin während 270 Tagen versichert war (Art. 14 Abs. 5), ist hier nicht verlangt, doch muss sie während mehr als drei Monaten innerhalb von zwei Jahren vor der Niederkunft für Krankengeld versichert gewesen sein (Art. 40e Abs. 2), um anspruchsberechtigt zu sein. Absatz 2 entspricht der für die freiwillige Krankengeldversicherung geltenden Bestimmung von Artikel 14 Absatz 4. Wir verweisen auf die dazu gegebenen Erläuterungen (Ziff. 31).

Mit dem in Absatz 3 vorgeschlagenen Ausbau der Dauer der Krankengeldleistungen bei Mutterschaft wird verschiedenen Vorstössen Rechnung getragen.

Diese 16 Wochen sind - wie auch schon die gegenwärtig zehn Wochen - nicht auf die maximale Auszahlungsdauer für Krankengelder von 540 Tagen anzurechnen.

Artikel 40k Subrogation und Verhältnis zu den übrigen Sozialversicherungen Der Versicherungsträger tritt bis zur Höhe seiner Krankengeldleistungen, die er nach Beginn des Anspruches auf eine IV-Rente erbracht hat, in die Ansprüche des Versicherten gegenüber der IV ein (Abs. 1). Die Krankenversicherung erhält somit praktisch die rückwirkend ausbezahlten Renten überwiesen, wodurch Überentschädigungen vermieden und die Lasten der Krankenversicherung vermindert werden.

Das Zusammenfallen von Leistungen der obligatorischen Krankengeldversicherung und anderer Sozialversicherungszweige wird nach Absatz 2 durch Verordnung zu regeln sein (siehe Ziff. 25).

333

Finanzierung

Artikel 401 Prämien Nach Absatz l wird der Prämienansatz in Promillen des versicherten Verdienstes festgesetzt, wie dies dem System der obligatorischen Unfallversicherung 1200

entspricht. Der massgebende Verdienst wird grundsätzlich jenem entsprechen, der die Berechnungsgrundlage für das Krankengeld darstellt, doch kann der Bundesrat bestimmte Abweichungen vorsehen. So werden wir voraussichtlich die Familienzulagen nicht in die Berechnungsgrundlage der Prämien einbeziehen. Auf jeden Fall werden wir für, eine Harmonisierung des Lohnbegriffs mit jenem der obligatorischen Unfallversicherung und jenem anderer Sozialversicherungen sorgen.

Alle Versicherungsträger müssen die Prämien nach den gleichen versicherungstechnischen .Grundsätzen festlegen, ob es sich nun um Krankenkassen oder private Versicherungsgesellschaften handelt. Dieser Grundsatz findet sich auch im UVG, in welchem ebenfalls die Mitwirkung ivon Versicherungsträgern verschiedener Art vorgesehen wird. Die Bildung von Reserven, die einen wichtigen Faktor für die Höhe der Prämien darstellt, wird durch Verordnung geregelt (Abs. 3).

Der Prämiensatz wird für das gesamte versicherte Personal eines Betriebes gleich sein. Im Gegensatz zur Krankenpflegeversicherung werden sich die Prämien für im selben Betrieb beschäftigte Frauen und Männer nicht unterscheiden dürfen.

Die Prämienlast wird vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam getragen, wobei der Anteil des Arbeitgebers mindestens die Hälfte betragen muss (Abs. 2). Der Arbeitgeberanteil kann jedoch durch Einzel- oder Gesamtarbeitsverträge höher angesetzt werden. Als Schuldner der gesamten Prämie .gilt der Arbeitgeber. Er zieht den Anteil des Arbeitnehmers von dessen Lohn ab. Der Bundesrat wird die für die Erhebung der Prämien notwendigen Vorschriften erlassen.

Ziffer 421 enthält Angaben über die voraussichtliche Höhe der Prämien.

Artikel 40m Ersatzprämien Hat ein Arbeitgeber sein Personal nicht nach den gesetzlichen Vorschriften versichert oder es unterlassen, die Prämie zu bezahlen, so muss er Ersatzprämien für die Dauer dieser Unterlassung, jedoch höchstens für fünf Jahre, entrichten (Abs. 1).

Die Ersatzprämien entsprechen in ihrer Höhe dem geschuldeten Prämienbetrag zuzüglich Verzugszinsen; ist jedoch der Arbeitgeber in unentschuldbarer Weise seinen Verpflichtungen zur Versicherung seiner Arbeitnehmer nicht nachgekommen oder hat er es unterlassen, die Prämien zu bezahlen, wird die Ersatzprämie verdoppelt; im Wiederholungsfall Ikann der drei- bis zehnfache Prämienbetrag gefordert werden (Abs. 2). Die Ersatzprämien gehen ausschliesslich zu Lasten der säumigen Arbeitgeber. Jegliche Beteiligung des Arbeitnehmers ist ausgeschlossen.

Die Ersatzprämien werden vom zuständigen Versicherungsträger erhoben, wenn es der Arbeitgeber unterlässt, die Prämien zu bezahlen, oder von der Ersatzkasse nach Artikel 40 o, wenn er es überhaupt unterlassen hat, sein Personal zu versichern.

Die Regelung über die Ersatzprämien entspricht jener der obligatorischen Unfallversicherung.

1201

334

Organisation

Artikel 40n Versicherungsträger An der Durchführung der obligatorischen Krankengeldversicherung können einerseits die anerkannten Krankenkassen und andererseits die privaten KrankenVersicherer mitwirken (Abs. 1). Diese Lösung entspricht derjenigen des UVG (siehe Ziff. 231.4).

Nach Absatz 2 kann ein Versicherungsträger nur dann die obligatorische Versicherung durchführen, wenn er sich in ein vom Bundesamt für Sozialversicherung geführtes öffentliches Register eintragen lässt. Dieses Register dient der Information der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer im Hinblick auf die Auswahl des Versicherungsträgers, und ermöglicht es der Aufsichtsbehörde, die betreffenden Versicherungsträger zu erfassen und die einheitliche Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen zu überwachen. Wird ein Versicherungsträger von der Versicherung in Anwendung des Artikels 40p Absatz 2 ausgeschlossen, so wird er aus dem Register gestrichen.

Artikel 40o Ersatzkasse Die Versicherungsträger haben eine Ersatzkasse in Form einer Stiftung im Sinne der Artikel 80 ff. des Zivilgesetzbuches zu errichten und ihre Organe zu bestellen (Abs. 1). Sie unterbreiten dem Bundesrat die Stiftungsurkunde und die Réglemente der Ersatzkasse zur Genehmigung. Für den Fall, dass die Versicherungsträger keine Ersatzkasse gründen, wird dies der Bundesrat tun (Abs. 3).

Der Bundesrat hat auch die nötigen Vorschriften zu erlassen, wenn sich die Versicherungsträger über den Betrieb der Ersatzkasse nicht einigen können.

Die Ersatzkasse richtet die gesetzlichen Krankengelder an Arbeitnehmer aus, wenn diese von ihrem Arbeitgeber nicht versichert worden sind, oder wenn der Versicherungsträger zahlungsunfähig geworden ist (Abs. 4). Sie begründet jedoch nicht dauernde Versicherungsverhältnisse, sondern weist nach Auszahlung der Leistungen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einem Versicherungsträger zu.

Die Finanzierung dieser Kasse erfolgt durch einen bestimmten Anteil der für die obligatorische Krankengeldversicherung einbezahlten Prämien, den die Versicherungsträger der Ersatzkasse überweisen müssen (Abs. 2), und durch die Sonderprämien, die gemäss Artikel 40m vom Arbeitgeber erhoben werden, der es unterlassen hat, sein Personal zu versichern. Der Prämienanteil, den die Versicherungsträger der Ersatzkasse abliefern müssen, ist so festzusetzen, dass er zusammen mit den Ersatzprämien die Aufwendungen der Ersatzkasse deckt.

Dieser Anteil kann vom Bundesrat festgesetzt werden. Die Regelung über die Einrichtung einer Ersatzkasse entspricht jener des UVG.

Artikel 40p Aufsicht über die Versicherungsträger Die Vorschriften über die obligatorische Krankengeldversicherung müssen von den Krankenkassen und den privaten Versicherungsgesellschaften einheitlich angewendet werden. Zu diesem Zweck werden nähere Bestimmungen zu erlassen sein. So muss namentlich darauf geachtet werden, dass die versicherungstechnischen Grundlagen für sämtliche Versicherungsträger dieselben sind. Des1202

halb ermächtigt Absatz l die Aufsichtsbehörde, Rechnungen, Statistiken und weitere Unterlagen sowie Auskünfte einzufordern.

Die einheitliche Anwendung des Gesetzes macht es auch nötig, dass die Aufsichtsbehörde Massnahmen zur Behebung von festgestellten Mängeln treffen kann. Im Falle von schwerer Missachtung gesetzlicher Vorschriften können diese Massnahmen nach Absatz 2 bis zum Äusschluss des Versicherungstfägers von der Durchführung der obligatorischen Versicherung führen.

Vorbehalten bleiben die Aufsichtsvorschriften die in diesem Gesetz und im Gesetz über die Versicherungsaufsicht (SR 961.01) enthalten sind (Abs. 3)^ Bei der durch Artikel 40 o eingerichteten Ersâtzkasse umfasst die Aufsicht1 nach diesem Gesetz auch die Stiftungsaufsicht nach Artikel 84 ZGB. Die Koordination zwischen den Ämtern, die mit diesen verschiedenen Überwachungsaufgaben betraut sind, wird durch den Bundesrat zu regeln sein., Artikel 40q Aufgaben der Kantone Wie es auch Artikel 80 des UVG vorsieht, werden die Kantone die Arbeitgeber über ihre Pflichten im Bereich der Versicherung aufzuklären und über deren Einhaltung zu wachen haben. Sie können hiefür die kantonalen AHV-Ausgleichskassen heranziehen (Abs. 1).

Der Bundesrat wird bei Bedarf den kantonalen Ausgleichskassen der AHV gegen Entschädigung weitere Aufgaben im Rahmen der obligatorischen Krankengeldversicherung übertragen (Abs. 2), so namentlich die Erhebung von Prämien in bestimmten Wirtschaftsbereichen wie z. B: in der Landwirtschaft.

335

Rechtspflege und Strafbestimmungen

Artikel 40r Rechtspflege , , Streitigkeiten aus dem Gebiet der obligatorischen Krankengeldversicherung fallen ebenfalls in .die Zuständigkeit der in den Artikeln 25 und 30 .bis 30ter bezeichneten Schiedsgerichte und Versicherungsgerichte und werden demselben Verfahren unterstellt. Dies gilt namentlich auch für Beschwerden gegen Verfügungen, die von einer privaten Versicherungsgesellschaft erlassen worden sind.

Artikel 40s Strafbestimmungen ' i, Die Strafbestimmungen sind auf ein Minimum reduziert worden und werden in einem einzigen Artikel zusammengefasst. Dieser lehnt sich an die Artikel 87 AHVG und 111 UVG an. Die Rechtsverletzungen können mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Busse bestraft werden. Die Höhe der Busse ist im Gesetz nicht begrenzt, doch wird sie den durch das Strafgesetzbuch festgelegten Höchstbetrag (gegenwärtig 40 000 Fr.) nicht übersteigen können.

34 Änderung anderer Bundesgesetze 341 Änderung des Obligationenrechts Artikel 336e Kündigungsschutz Der Kündigungsschutz (der gegenwärtig während acht Wochen vor und acht Wochen nach der Niederkunft gilt) wird auf die gesamte Dauer der Schwanger1203

schaft sowie auf die Höchstdauer des Anspruchs auf Mutterschaftsleistungen nach der Niederkunft (16 Wochen) ausgedehnt. Während dieser Zeit darf keine Kündigung ausgesprochen werden und eine bereits laufende Kündigungsfrist ruht. Mit der vorgeschlagenen Ausdehnung des Kündigungsschutzes wird in diesem Punkt der Volksinitiative «für einen wirksamen Schutz der Mutterschaft» entsprochen. Die vorgeschlagene Dauer des Kündigungsschutzes entspricht im übrigen derjenigen, die in den Nachbarstaaten Geltung hat. Wie bisher gilt der Kündigungsschutz nicht während der Probezeit.

Artikel 361 und 362 Zwingende Vorschriften Nach Artikel 336/OR besteht unter den gleichen Voraussetzungen wie nach Artikel 336e auch ein Kündigungsschutz für den Arbeitgeber: Daher darf der Arbeitnehmer unter anderem das Arbeitsverhältnis in den acht Wochen vor und nach der Niederkunft der Arbeitgeberin oder einer Vorgesetzten, deren Funktion er auszuüben vermag, nicht kündigen, sofern er während dieser Zeit deren Tätigkeit zu übernehmen hat.

Sowohl Artikel 336e wie Artikel 336/sind heute absolut zwingend. Nachdem nun eine erhebliche Ausdehnung des Kündigungsschutzes für die Arbeitnehmerin vorgeschlagen wird, scheint ein absoluter Schutz des Arbeitgebers im gleichen Ausmass unzweckmässig zu sein. Es sollte zulässig sein, diesen nach dem Gesetz grundsätzlich geltenden Kündigungsschutz durch vertragliche Abmachung zugunsten des Arbeitnehmers aufzuheben oder zu verkürzen. Eine Ausdehnung des Kündigungsschutzes zulasten des Arbeitnehmers soll dagegen ausgeschlossen bleiben. Die Bestimmung über die Voraussetzungen des Kündigungsschutzes bei Schwangerschaft und Niederkunft (Art. 336 e Abs. l Bst. c) ist daher unter den relativ zwingenden Bestimmungen (Art. 362) aufzuführen. Die übrigen Bestimmungen über den Kündigungsschutz bleiben für den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber absolut zwingend (Art. 361).

342

Änderung des Gesetzes über die Invalidenversicherung

Artikel 12 Medizinische Massnahmen Nach Artikel 12 IVG hat der Versicherte Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Eingliederung und die dauernde wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit gerichtet sind. Die Abgrenzung der auf Eingliederung gerichteten medizinischen Massnahmen von der eigentlichen Leidensbehandlung bereitet der Verwaltung und den Gerichten ausserordentliche Schwierigkeiten. Obschön in den Vollzugsvorschriften und von der Gerichts- und Verwaltungspraxis ein eindrückliches Instrumentarium an medizinischen, zeitlichen und erwerblichen Abgrenzungskriterien bereitgestellt worden ist, lassen sich die beiden Bereiche medizinischer Bemühungen bisweilen nicht klar und oft nicht in einer für den Versicherten verständlichen Weise auseinanderhalten. Die Folge davon sind erhebliche Umtriebe und zahlreiche Streitigkeiten.

Die Zuweisung von Heilbehandlungen an zwei verschiedene Versicherungssysteme ist um so problematischer, als die Sachleistungen der Krankenversicherung bis auf geringfügige Ausnahmen die gleichen sind wie jene, die die Invalidenversicherung im Rahmen von Artikel 12 IVG erbringt. Der Krankenversi1204

cherté, dessen Anspruch z. B. auf eine Coxarthroseoperation in einem oft langwierigen Verfahren von der IV abgelehnt wird, kann auf medizinische Indikation hin deren Übernahme durch die Krankenversicherung verlangen; dabei sind schon,heute seine persönlichen Aufwendungen für die Behandlungen in: der Regel nicht grösser und nur die Taggeldleistungen je nach der Art seiner Krankengeldversicherung verschieden.

Die gegenwärtige Teilrevision der Krankenversicherung bietet nun Gelegenheit, die medizinischen Massnahmen nach Artikel 12 IVG in die Krankenversicherung einzubeziehen. Damit wird ein wichtiger Schritt in Richtung auf eine bessere Koordination und rationellere Durchführung der gesamten Sozialversicherung gemacht.

Eine künstliche Abgrenzung im Bereich der medizinischen Leistungen entfällt überall dort, wo der Patient krankenversichert ist; nur für die Nichtkrankenversicherten, deren Zahl in dem von der IV erfassten Altersbereich gering ist, muss im IVG eine «Auffangregelung» vorgesehen werden (vgl. Art. 44bls). Das Leistungssystem der Krankenversicherung, das, in einigen Punkten (Spitalvergütung, Rehabilitation, obligatorische Krankengeldversicherung) verbessert werden soll, schliesst nennenswerte Benachteiligungen der Versicherten durch die Neuordnung aus; die im Vernehmlassungsverfahren geäusserten Befürchtungen einiger Invalidenorganisationen erscheinen daher unbegründet. Wenn schliesslich von anderer Seite auf die unterschiedlichen Tarife für Leistungen der Invaliden- und der Krankenversicherung hingewiesen wurde, so darf dies in diesem Zusammenhang nicht entscheidend ins Gewicht fallen.

Die Krankenkasse!] haben sich grundsätzlich mit der Streichung von Artikel 12 IVG einverstanden erklärt. Die Übernahme der entsprechenden Leistungen dürfte ihnen im Bereich der Pflegeversicherung einen Mehraufwand von rund 40 Millionen Franken verursachen. Da in der Invalidenversicherung die Hälfte dieses Aufwandes von der öffentlichen Hand getragen wird, erscheint es gegeben, einen entsprechenden Betrag den Krankenkassen zuzuweisen. Wir sehen daher vor, den Beitrag an die Sozialhypotheken der Krankenkassen um 20 Millionen Franken zu erhöhen (vgl. Ziff. 35 Est. e).

Im Vernehmlassungsverfahren ist vereinzelt die Anregung gemacht worden, auch die Leistungen der IV für die Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 13 IVG) auf die Krankenversicherung zu übertragen. Diese Leistungen lassen sich nun aber von der übrigen Krankenbehandlung auf Grund einer Liste weit besser abgrenzen als die medizinischen Massnahmen nach Artikel 12 IVG; sie sind zudem sehr oft mit ändern, vor allem pädagogischen Leistungen der IV (Sonderschulung) verknüpft; schliesslich würde sich aus einer Übertragung: eine viel höhere Belastung der Krankenkassen ergeben. Unter diesen Umständen muss an der bisherigen Zuweisung der Geburtsgebrechen zur IV festgehalten werden.

Artikel 31 Absatz l Verweigerung der Rente Die medizinische Behandlung wird grundsätzlich nicht mehr von der IV angeordnet; doch wird die IV die Auszahlung einer Rente verweigern können, wenn sich der Versicherte einer zumutbaren Behandlung nicht unterzogen hat. Dies ist der Grund, weshalb die medizinische Behandlung künftig in Artikel 31 ebenfalls erwähnt wird.

1205

Artikel 44bis Medizinische Behandlungen Es widerspräche den Grundsätzen der IV, dem Versicherten eine medizinische Behandlung nicht zu gewähren, weil er nicht Mitglied einer anerkannten Krankenkasse ist oder diese ihm einen Vorbehalt gemacht hat. Deshalb wird im Entwurf vorgesehen, dass medizinische Massnahmen, die der Wiedereingliederung eines solchen Versicherten dienen, weiterhin zulasten der IV gehen. Der neue Artikel 44bis bringt die für diese Fälle erforderliche Präzisierung, die durch die Streichung von Artikel 12 IVG und durch das Fehlen einer obligatorischen Krankenpflegeversicherung notwendig geworden ist. Die Zahl dieser Versicherten ist, wie schon im Kommentar zu Artikel 12 IVG erwähnt, relativ gering.

35

Übergangsbestimmungen

  1. Anpassung der kantonalen Erlasse und der Kassenstatuten Die Teilrevision der Krankenversicherung wird auch Anpassungen des kantonalen. Rechts notwendig machen. Nach Artikel 2 Absatz 2bis haben die Kantone Beiträge für wirtschaftlich schwächere Versicherte zu gewähren; ferner haben diejenigen Kantone und Gemeinden, die Vorschriften über die obligatorische Krankenversicherung und die Errichtung öffentlicher Krankenkassen erlassen haben, diese dem neuen Recht anzupassen. Die Kantone müssen diese Bestimmungen innert einer vom Bundesrat festzusetzenden Frist erlassen und soweit dies vorgesehen ist (Art. 2 Abs. 3 des Gesetzes) dem Bundesrat zur Genehmigung vorlegen. Sollte der für den Erlass oder für die Anpassung dieser Vorschriften zur Verfügung stehende Zeitraum zu kurz sein, wird den vollziehenden Behörden der Kantone und der Gemeinden die Kompetenz erteilt, eine provisorische Regelung zu treffen.

Für die Anpassung der Statuten und Réglemente der Kassen und Rückversicherungsverbände an das neue Gesetz muss diesen eine angemessene Frist eingeräumt werden. Bis zum Zeitpunkt der Anpassung gelten die bisherigen Bestimmungen weiter. Nach Ablauf dieser Frist gilt auch für jene Kassen das neue Recht, die ihre Statuten noch nicht angepasst haben.

b. Behandlungen in Heilanstalten Die Tarifverträge der Heilanstalten werden ebenfalls bis zu einem Zeitpunkt, den der Bundesrat bestimmen wird, sdem neuen Recht anzupassen sein. Da das neue Tarifrecht der Heilanstalten mit einer entsprechenden Änderung der Leistungspflicht der Kassen zusammenhängt, wird hier die gleiche Übergangsfrist vorzusehen sein wie nach dem Abschnitt a Absatz 1. Bis zum Zeitpunkt, in welchem der jeweilige Tarifvertrag einer Heilanstalt dem neuen Recht angepasst wird, gilt die bisherige Taxordnung grundsätzlich weiter. Wird die Taxordnung abgeändert, muss sie gleichzeitig dem neuen Recht angepasst werden, indem die nunmehr vorgesehenen Pauschalbeträge (Art. 22iuinciuîes und 22sexies) festzusetzen sind.

c. Zusatzversicherungen für Heilanstaltskosten Bei Inkrafttreten der Teilrevision der Krankenversicherung können sich Probleme mit der Anpassung der Zusatzversicherungen für Leistungen bei Aufent-

1206

halt in einer Heilanstalt an das neue Recht ergeben, insbesondere in bezug auf den Umfang des Versicherungsschutzes und auf die Versicherungsvorbehalte.

Deshalb ist in diesem Zusammenhang besonders der schon heute geltende Grundsatz hervorzuheben, dass neue Vorbehalte nur dann angebracht iWerden dürfen, wenn .der bisherige Umfang des Versicherungsschutzes erweitert wird, und lediglich für die, den bisherigen Leistungsumfang übersteigenden Leistungen. Den Kassen wird für diese Anpassung ein Zeitraum von einem Jahr seit Inkrafttreten der Teilrevision eingeräumt.

Den Kassen wird die Pflicht auferlegt, ihre,.Mitglieder innert sechs Monaten über den Anspruch auf Anpassung der Spitalzusatzversicherungen zu orientieren. Unterlässt eine Kasse diese Aufklärung, besteht für die Versicherten noch während zwei Jahren ein Anspruch auf rückwirkende Anpassung der Zusatzversicherungen.

' d. Bundesbeiträge nach altem Recht Im Jahr, in welchem die Teilrevision der Krankenversicherung in Kraft tritt, muss der Bundesbeitrag noch nach den Grundsätzen des alten Rechts ausgerichtet werden. Heute erhalten nämlich die Kassen in jedem Jahr einen Vorschuss für das laufende Jahr und, gleichzeitig wird für das Vorjahr definitiv abgerechnet. Diese Beitragsgewährung soll künftig vereinfacht werden. Die Kassen werden jedes Jahr den vollen für das betreffende Jahr geschuldeten Bundesbeitrag erhalten, wobei als Grundlage für die Berechnung die Daten des Vorjahres massgebend sind. Auf die Auszahlung von Vorschüssen wird somit verzichtet.

Das neue Recht geht davon aus, dass sich die Bundesbeiträge in den ersten drei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes etwa im bisherigen Rahmen halten und gesamthaft 880 Millionen Franken pro Jahr erreichen sollen. Nachdem im Jahr, in welchem das neue Recht in Kraft tritt, den Kassen noch der nach altem Recht geschuldete Restbeitrag für das Vorjahr auszuzahlen ist, wird den Kassen nach Absatz l und 2 für das erste Jahr noch ein Beitrag auszurichten sein, der der Differenz zwischen 880 Millionen Franken und dem Restbetrag für das Vorjahr entspricht. Für die Beitragsgewährung an die einzelnen Kassen'werden noch die Kriterien des alten Rechts massgebend sein.

Absatz 3 hält ausdrücklich fest, dass damit alle Ansprüche der Kassen nach, altem Recht abgegolten sind. Vorbehalten bleiben Differenzbeträge, die bei der Revision einer Kasse durch den Bund noch festgestellt werden.

e: Bundesbeiträge nach neuem Recht Die Subventionsordnung nach neuem Recht gilt ab dem zweiten Jahr nach Inkrafttreten der Revision. Die Höhe der Bundesbeiträge für die Vergütung der Leistungen bei Mutterschaft (Art. 36), die Übernahme der Prämien für das dritte und die folgenden Kinder einer Familie (Art. 37 Abs. 2) und für Wartgelder an Ärzte in Berggebieten richtet sich nach den effektiven Aufwendungen. Dafür werden zusammen 225 Millionen Franken pro Jahr in Rechnung gestellt (vgl.

Anhangtabelle 9).

Die übrigen Beiträge werden für die ersten beiden Jahre auf 675 Millionen Franken pro Jahr festgesetzt. Der jährliche Bundesbeitrag an die Krankenyersi-

1207

cherung wird sich somit voraussichtlich auf insgesamt 900 Millionen Franken belaufen. Im Beitrag nach Artikel 35 sind 20 Millionen Franken für die Übernahme der medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung enthalten.

Die Höhe der Beiträge wird für vorerst zwei Jahre festgesetzt. Nach Ablauf dieser Frist wird auch feststellbar sein, ob unsere Annahmen über die Höhe der unmittelbar kostenabhängigen Bundesbeiträge und über die Entlastung der Invalidenversicherung sich bestätigt haben. Je nach dem Resultat werden für die späteren Jahre die entsprechenden Korrekturen vorzunehmen sein.

Wir gehen davon aus, dass diese Beiträge nach dem Inkrafttreten der ersten Stufe der Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen den Krankenkassen ungekürzt gewährt werden können. Der Bundesbeschluss vom 20. Juni 1980 (AS 1980 1492), nach welchem die Beiträge an die Krankenkassen gegenwärtig um 5 Prozent gekürzt werden, ist als vorläufige Massnahme bis zum Inkrafttreten der Aufgabenteilung konzipiert.

/ Inkrafttreten von Artikel 38ter Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Beteiligung der Kantone an den Subventionen für die Krankenversicherung im Zusammenhang steht mit den Vorschlägen über die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen (vgl. Ziff. 113 und Erläuterungen zu Art. 38ter). Den Kantonen kann daher eine Übernahme der Beiträge an die Krankenversicherung von insgesamt 440 Millionen Franken erst vom Zeitpunkt an zugemutet werden, in welchem auch die übrigen Vorschläge zur Aufgabenteilung, welche die Kantone in anderen Bereichen entlasten sollen, in Kraft treten. Diese Vorschläge werden wir Ihnen in einer besonderen Vorlage unterbreiten. Es steht daher nicht fest, ob das Gesetzgebungsverfahren für beide Vorlagen gleichzeitig abgeschlossen werden kann. Die mit dieser Vorlage angestrebten Verbesserungen im Bereich der Krankenversicherung sollten aber nach der Verabschiedung durch die Eidgenössischen Räte möglichst ohne Verzug in Kraft treten können, da damit eine Reihe von Begehren, die schon seit längerer Zeit hängig sind, erfüllt werden sollen (vgl. Ziff. 13 und 14). Die aus der Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen resultierenden Umverteilungen von finanziellen Lasten müssen aber anderseits gleichzeitig in Kraft gesetzt werden können. Aus diesem Grund sehen wir vor, dass Artikel 38ter durch den Bundesrat erst in Kraft gesetzt wird, wenn durch andere Beschlüsse zur Neuverteilung der Aufgaben die Kantone finanziell angemessen entlastet werden.

Für den Fall, dass die Neuverteilung der Aufgaben erheblich später als die Teilrevision der Krankenversicherung in Kraft treten würde, sehen wir vor, dass für diese Zeit - nach Ablauf einer Übergangsfrist - die Spitaltarife 60 Prozent der Betriebskosten der Spitäler nicht übersteigen dürfen. Damit wird dem engen Zusammenhang zwischen dem Tarifrecht und der Finanzierung der Krankenversicherung Rechnung getragen. Es soll vermieden werden, dass sich die Kantone in der Spitalfinanzierung entlasten können, ohne dass sie gleichzeitig einen Teil der Subventionen an die Krankenkassen zu übernehmen hätten.

g. Krankengeldversicherung Die Krankengeldversicherung wird mit dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften grundsätzlich für alle Arbeitnehmer obligatorisch. Die unter dem alten

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Recht von Arbeitgebern zugunsten ihres Personals abgeschlossenen Verträge betreffend die Krankeilgeldversicherung fallen mit dem Inkrafttreten des Obligatoriums dahin, was namentlich bewirken wird, dass die vorausbezahlten Prämien zurückerstattet werden müssen. Auch die Auszählung der im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes laufenden Leistungen wird nach den neuen Vorschriften zu regeln sein. Die nach dem alten Recht gewährten Leistungen werden jedoch für die Berechnung der neuen Leistungsdauer in Betracht gezogen werden. So wird zum Beispiel ein Versicherter, der bereits während 500 Tagen Krankengelder ausbezahlt erhalten hat, diese noch während weiteren 40 Tagen erhalten (siehe Art. 40h Abs. 3).

; bis Nach Artikel 12 werden die Kassen in der Gestaltung der freiwilligen Versicherung weitgehend frei sein, namentlich in der Festlegung der Leistungsdauer.

Der Entwurf sieht jedoch vor, dass die im Zeitpunkt der Statutenänderung laufenden Leistungen noch nach altem Recht erbracht werden, und zwar für höchstens zwei Jahre nach Inkrafttreten des neuen Rechts. Diese Bestimmung bezieht sich vor allem auf jene Fälle, bei denen zur Vermeidung von Überversicherung die Leistungsdauer im Verhältnis zur Krankengeldkürzung verlängert worden ist (Art. 12bis Abs. 4 KUVG).

Das Inkrafttreten des Gesetzes beeinflusst nicht das Bestehen von Krankengeldversicherungen, die von den Arbeitnehmern individuell abgeschlossen worden sind. Eine derartige Versicherung ist als Zusatzversicherung zur obligatorischen Versicherung weiterhin sinnvoll, selbst für die Arbeitnehmer. So wird es jedem Versicherten freistehen, darüber zu entscheiden, ob er seine individuelle Versicherung weiterführen will, eventuell mit einem weniger hohen Krankengeld.

Durch das Gesetz erhält er somit die Ermächtigung, seinen Vertrag auf das Datum zu kündigen, ab dem er der obligatorischen Versicherung unterstellt wird.

Diesbezüglich werden die Versicherer den Auftrag erhalten, die Versicherten zu beraten und sie auf eine allfällige Überversicherung hinzuweisen.

4

Finanzielle und sozialpolitische Auswirkungen

Im folgenden stellen wir dar, wie sich die Revision nach unseren Annahmen im Jahre 1982 auf die Kosten und die Finanzierung der Krankenversicherung auswirken wird. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Revision schon in jenem Jahr in Kraft stehen wird. Weil aber Schätzungen umso unsicherer sind je weiter sie in die Zukunft reichen, möchten wir uns nicht allzuweit von den gesicherten Grundlagen der Gegenwart entfernen. Schätzungen beruhen nämlich immer auf Hypothesen, die sich zwar auf Erfahrungswerte abstützen, die aber immer auch einen Unsicherheitsfaktor enthalten. Die Ergebnisse dürfen 1 daher nur mit Vorbehalten aufgenommen werden. Schätzungen sind Modellrechnungen aber keine Voraussagen. Sie zeigen lediglich, wie sich eine gegebene Lage aufgrund der getroffenen Annahme entwickeln kann.

1209

41

Krankenpflegeversicherung

411

Die Kosten

Der vorgeschlagene Ausbau der Leistungen wird sicher einige Mehrkosten zur Folge haben. Anderseits sollten auch die kostendämpfenden Massnahmen Auswirkungen zeitigen. Diese lassen sich aber schwer beziffern. Offen ist schliesslich auch, in welcher Weise sich die Spitaltaxen entwickeln werden. Wir gehen hier davon aus, dass die Kantone ihre Tarif- und Finanzierungspolitik in den Spitälern in den nächsten Jahren nicht grundlegend ändern werden.

Grundlage für die Schätzungen bilden die heutigen Kosten der Krankenpflegeversicherung. Zunächst ist daher darzustellen, wie sich diese Kosten nach dem heutigen Leistungssystem entwickeln würden. Anschliessend wird auf die Auswirkungen der Leistungsverbesserungen einzugehen sein. Weil die Kassen die Prämien für Männer, Frauen und Kinder getrennt festzusetzen haben und auch die Beiträge der öffentlichen Hand für diese Personengruppen unterschiedliche Auswirkungen haben, ist auch bei der Darstellung der Kosten zwischen Männern, Frauen und Kindern zu unterscheiden.

411.1 411.11

Die Kosten nach geltender Ordnung Krankenpflegekosten je Versicherten

Bei einer Schätzung der künftigen Kostenentwicklung ist von den durchschnittlichen Kosten je Versicherten, wie sie sich heute darstellen, auszugehen. Dabei sollen nur die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen der Grundversicherung berücksichtigt werden.

In den vom Bundesamt für Sozialversicherung geführten Statistiken werden heute die Kosten der Grundversicherung und der Zusatzversicherungen für Krankenpflege nicht getrennt aufgeführt. Der Grund dafür liegt darin, dass das Gesetz heute die Zusatzversicherungen nicht ausdrücklich regelt und die Zusatzversicherungen lange Zeit eine geringe Bedeutung hatten. Erst in den vergangenen Jahren haben die Zusatzversicherungen einen grösseren Umfang angenommen. Nach Angaben einiger grösserer Krankenkassen dürfte der Kostenanteil der Zusatzversicherungen heute rund 14 Prozent der Gesamtkosten für Krankenpflege ausmachen.

Gestützt auf die Statistiken des Bundesamtes für Sozialversicherung kann von folgenden Kosten ausgegangen werden: Gesamtkosten je Versicherten 1979 (ohne Mutterschaft und Zusatzversicherungen) (Beträge in Franken)

Texttabelle 4

Versicherungsleistungen

Männer

Frauen

Kinder

Ambulante Behandlung Heilanstaltsbehandlung

35408

153.86

528 92 227.13

18622 52.73

Insgesamt

507.94

756.05

238.95

1210

In welchem Ausmass sich die durchschnittlichen Kosten je Versicherten in Zukunft verändern werden, ist ungewiss. In den vergangenen Jahren haben die Kosten ständig zugenommen (vgl. Ziff. 123) und es muss damit gerechnet werden, dass diese Entwicklung auch in nächster Zukunft fortdauern wird. In den Jahren 1970 bis 1976 liegt die jährliche Steigerungsquote zwischen 10.1 und 17,7 Prozent. Im Jahre 1977 ist sie auf 4,7 Prozent abgesunken und hat sich seither wieder etwas erhöht, ohne allerdings die früheren Werte zu erreichen. Im Jahre 1979 haben die Kosten um 6,6 Prozent zugenommen.

In den nächsten Jahren muss mit ähnlichen Kostensteigerungsraten gerechnet werden. Vorauszusetzen ist allerdings, dass sich auch bei der Erhöhung der Löhne und Preise keine grösseren Abweichungen von der Entwicklung der vergangenen Jahre ergeben. Wir legen unseren Berechnungen die letzte bekannte jährliche Kostensteigerungsrate, nämlich 6,6 Prozent zugrunde. Dies ergibt von 1979 bis 1982 einen Kostenanstieg von rund 21 Prozent! Ohne Berücksichtigung der vorgeschlagenen Leistungsverbesserungen würden somit die Krankenpflegekosten im Jahre 1982 folgende Beträge erreichen: Geschätzte Kosten je Versicherten 1982

(ohne Mutterschaft und Zusatzversicherungen) (Beträge in Franken)

Texttabelle 5

Versicherungsleistungen

Männer

Frauen

Kinder

Ambulante Behandlung Heilanstaltsbehandlung

428 44 186 17

639 99 274 83

22533 63 80

Insgesamt

614.61

914.82

289.13

411.12

Gesamtkosten der Krankenpflegeversicherung

Für eine Beurteilung der finanziellen und sozialpolitischen Auswirkungen sind nicht nur die durchschnittlichen Kosten je Versicherten, sondern auch die Gesamtkosten von Bedeutung. Die Höhe der Beiträge der öffentlichen Hand hängt zum Teil unmittelbar von den effektiven Gesamtkosten ab. Aber auch beim Entscheid über die Festsetzung der übrigen Beiträge wird die Höhe der Gesamtkosten mittelbar von Bedeutung sein. Schliesslich ergibt sich auch die effektive Belastung der Versicherten aus den Gesamtkosten abzüglich der Beiträge der öffentlichen Hand.

Die Gesamtkosten ergeben sich aus den durchschnittlichen Kosten je Versicherten und der Anzahl der Versicherten. Im Jahre 1979 waren bei den Krankenkassen für Krankenpflege versichert:

1211

Männer Frauen Kinder......

2 302 375 2 484 643 1309491

Total

6096509

Bei einer geschätzten mittleren Wohnbevölkerung im Jahre 1979 von 6 356 300 Personen ergibt dies eine Versicherungsdichte von 95,9 Prozent (Versicherte auf 100 Einwohner).

Diese relativ hohe Versicherungsdichte lässt den Schluss zu, dass die Zahl der Versicherten in den kommenden Jahren nicht mehr stark ansteigen wird, zumal auch nicht mit einer starken Zunahme der Wohnbevölkerung zu rechnen ist.

Der jährliche Zuwachs der Versicherten wird mit je 10 000 Personen angenommen. Dies ergibt für das Jahr 1982 einen Versichertenbestand von rund 6 130 000 Personen. Änderungen werden sich innerhalb der einzelnen Personengruppen (Männer, Frauen, Kinder) ergeben. Die Zahl der Kinder, nach geltendem Recht Personen bis und mit dem 15. Altersjahr, wird abnehmen, da der natürliche Zuwachs an Versicherten durch Neugeborene in den kommenden Jahren voraussichtlich geringer sein wird als die Zahl der versicherten Kinder aus den geburtenstarken Jahrgängen 1964 bis 1966, die bis 1982 in die Erwachsenenkategorien wechseln werden. Aufgrund dieses Sachverhaltes ist davon auszugehen, dass die Zahl der versicherten Kinder bis 1982 um etwa 70 000 abnehmen wird. Die Zahlen der für Krankenpflege versicherten Personen ergeben somit für das Jahr 1982 folgendes Bild: Männer Frauen Kinder

2 347 000 2 543 000 l 240 000

Total

6130000

Aufgrund dieser Zahlen und der für das Jahr 1982 angenommenen Durchschnittskosten je Versicherten (vgl. Ziff. 411.11, Texttabelle 5) ergeben sich folgende Gesamtkosten: Krankenpflegekosten 1982 (ohne Mutterschaft und Zusatzversicherungen) Texttabelle 6

(Beträge in Mio. Fr.)

Versicherungsleistungen

Männer

Frauen

Kinder

Zusammen

Ambulante Behandlung . .

Heilanstaltsbehandlung . . .

1005 437

1627 699

280 79

2912 1215

Insgesamt

1442

2 326

359

4127

1212

411.2

Auswirkungen des Entwurfes

411.21

Erhöhung der Altersgrenze für Kinder

Nach dem Entwurf gelten als Kinder Versicherte bis zum zurückgelegten 16. Altersjahr (Art. 5 Abs. 5). Es wird also künftig ein Jahrgang mehr als heute zu den Bündern zählen. Dies bedeutet, dass im Jahre 1982 der geburtenstarke Jahrgang 1966 (109 738 Geburten) im Gegensatz zum geltenden Recht nicht in die Kategorie der Erwachsenen wechseln wird. Der Bestand an Kindern würde sich damit gegenüber der geltenden Ordnung um rund 100 000 erhöhen. Diese Änderung beeinflusst auch die Durchschnittskosten und die Verteilung der Kosten auf die verschiedenen Kategorien der Versicherten. Die nachstehende Tabelle zeigt die daraus folgenden Abweichungen gegenüber den Texttabellen 5 und 6.

Versicherte und Krankenpflegekosten gemäss Entwurf 1982

' Versichertenkategorien

Männer Frauen Kinder

V

Total

,

Texttabelle?

Anzahl

Kosten je Versicherten ') Gesamtkosten1) i n Franken ' i n Millionen Franken

2 299 000 2491000 , 1340 000

621.40 927.88'.

289.13

6 130 000

673.30

, l 428 2311 '.; 388 |

:

.

4 127

') Ohne Mutterschaft und Zusatzversicherungen.

411.22

Ausbau der Leistungen

411.221 Krankenpflege Über die Auswirkungen des Leistungsausbaus im Bereich der Krankenpflegeversicherung lassen sich keine genauen Berechnungen anstellen, da noch keine Erfahrungszahlen vorliegen,, auf die sich eine Berechnung stützen könnte. Wir gehen aber von folgenden Annahmen aus.

Die zusätzliche Belastung der Krankenversicherung aus der Einführung: der unbeschränkten Leistungsdauer bei Aufenthalt in einer Heilanstalt wurde im Rahmen der Arbeiten der Expertenkommission auf 4 Prozent der bisherigen Kosten für die Versorgung in Heilanstalten geschätzt. Diese belaufen sich auf l 215 Millionen Franken (vgl. Ziff. 411.12, Texttabelle 6). Die zusätzlichen Kosten dürften daher für 1982 rund 50 Millionen Franken ausmachen.

Über die Kosten auf dem Gebiete der Vorsorgeuntersuchungen lassen sich schon deshalb keine genauen Berechnungen anstellen, weil der Leistungsumfang erst auf Verordnungsebene endgültig festgelegt wird. Zudem fehlen auch Erfahrungen, in welchem Ausmass die Versicherten vom Angebot an Vorsorgeuntersuchungen Gebrauch machen werden. Im «Flimser Modell», das seinerzeit 51

Bundesblatt. 133.Jahrg. Bd.II

1213

eine umfassende Prophylaxe vorsah, wurden dafür jährliche Kosten von 112 Millionen Franken (Basis 1974) angenommen. Wir gehen zum vorneherein davon aus, dass sich der Leistungsumfang für Vorsorgeuntersuchungen in einem engeren Rahmen als im «Flimser Modell» halten wird und schätzen die daraus entstehenden Kosten auf jährlich 50 Millionen Franken.

Eine Mehrbelastung für die Krankenversicherung hat auch die Aufhebung von Artikel 12 IVG zur Folge. Wie hoch heute diese Kosten sind, geht aus der Betriebsrechnung der Invalidenversicherung nicht eindeutig hervor, da diese Kosten zusammen mit jenen für die Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 13 IVG) erfasst werden. Im Jahre 1979 betrugen die Ausgaben für sämtliche medizinische Massnahmen der Invalidenversicherung rund 130 Millionen Franken.

Der grössere Teil davon entfällt auf die Behandlung von Geburtsgebrechen. Wir schätzen die aus der Aufhebung von Artikel 12 IVG für die Krankenversicherung resultierende Mehrbelastung auf jährlich rund 40 Millionen Franken.

Die übrigen Verbesserungen des Versicherungsschutzes (Beitrittsrecht von Strafgefangenen, Beschränkung des Ausschlussrechtes, Milderung der Vorbehaltsregelung bei Kindern) werden gesamthaft betrachtet die Krankenkassen nur gering belasten. Von etwas grösserer Bedeutung ist die subsidiäre Leistungspflicht bei Unfällen; dies allerdings nur für Kassen, die diese Regelung nicht bereits aufgrund ihrer Statuten kennen. Eine allgemeine Mehrbelastung wird dagegen die subsidiäre Deckung von Zahnschäden bei Unfällen mit sich bringen. Gesamthaft schätzen wir die Mehrkosten aus diesen verschiedenen Verbesserungen des Versicherungsschutzes auf jährlich 20 Millionen Franken.

411.222 Mutterschaft Im Jahre 1979 betrugen die Kosten je Wochenbettfall (ohne Berücksichtigung der Zusatzversicherungen) l 712 Franken. Rechnet man auch hier bis zum Jahre 1982 mit einer Zunahme der Kosten um 21 Prozent, werden bis zu diesem Jahr die Mutterschaftskosten beim heutigen Leistungsumfang auf 2 072 Franken ansteigen.

Im Jahre 1979 gingen bei insgesamt 71 986 Geburten 66 306 Wochenbettfälle zu Lasten der Krankenkassen. Wie sich die Zahl der Geburten und damit der Wochenbettfälle in den kommenden Jahren entwickeln wird, ist offen. Nachdem sich der seit Mitte der sechziger Jahre beobachtete Geburtenrückgang in den letzten Jahren verlangsamt hat und im Jahre 1979 sogar wieder eine leichte Zunahme der Geburten zu verzeichnen war, kann davon ausgegangen werden, dass sich die Zahl der Geburten in den kommenden Jahren ungefähr im heutigen Rahmen bewegen oder eventuell leicht zunehmen wird. Weiter ist auch damit zu rechnen, dass der Anteil der bei Krankenkassen versicherten Wochenbettfälle von gegenwärtig rund 93 Prozent noch etwas zunehmen wird. Im folgenden wird für das Jahr 1982 mit rund 68 000 Wochenbettfällen gerechnet, die von den Krankenkassen für versicherte Frauen zu übernehmen sind. Dies würde bedeuten, dass beim heutigen Leistungsumfang die Kosten für Mutterschaft im Jahre 1982 insgesamt 141 Millionen Franken ausmachen werden.

Die vorgeschlagene Gesetzesrevision führt auch zu einem Ausbau der Mutterschaftsleistungen. Finanziell am stärksten ins Gewicht fallen dürfte die Gewäh-

1214

rung eines Taggeldes an Mütter, die nicht als Arbeitnehmerinnen der obligatorischen Krankengeldversicherung angeschlossen sind (Art. 14 Abs. 5). Wir nehmen an, dass diese Voraussetzung bei rund 60 Prozent der für Krankenpflege versicherten Mütter erfüllt sein wird. Bei einem Taggeld von 5 Franken würde diese Leistung insgesamt rund 23 Millionen Franken ausmachen. Eine Zunahme der Kosten ist auch bei den Stillgeldern zu erwarten. Wir nehmen nämlich in Aussicht, den heutigen Ansatz von 50 auf 100 Franken zu erhöhen. Zudem dürfte in Zukunft auch die Zahl der stillenden Mütter wieder etwas zunehmen. Gesamthaft ist für Stillgelder mit einer jährlichen Mehrbelastung von knapp 3 Millionen Franken zu rechnen. Schliesslich wird auch die Gewährung von Leistungen an Mütter, die nicht für Krankenpflege versichert sind; (Art. 14 Abs. 7), die Kosten der Mutterschaftsversicherung erhöhen. Nach unseren Annahmen werden 1982 in etwas mehr als 3 000 Wochenbettfällen die Mütter nicht bei einer Krankenkasse versichert sein. Nur Mütter in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen werden aber in den Genuss von Leistungen kommen.

Wir gehen davon aus, dass diese Voraussetzung in rund l 500 Fällen erfüllt sein wird. Damit wären für Leistungen an nicht versicherte Mütter rund 3 Millionen Franken aufzuwenden.

Damit wäre der Ausbau der Mutterschaftsleistungen mit insgesamt 29 Millionen Franken zu veranschlagen, wodurch im Jahre 1982 die Kosten der Mutterschaftsversicherung rund 170 Millionen Franken ausmachen würden.

411.3 Übersicht Aufgrund der vorgenommenen Schätzungen dürften die Gesamtkosten für die Krankenpflegeversicherung im Jahre 1982 folgende Summen erreichen (vgl.

auch Anhangtabelle 8): ' · · Xostenkomponenten

,

1

Beträge in Millionen Franken

Ambulante Behandlung Heilanstaltsbehandlung Mutterschaft

2 912 1215 141

Basiskosten

4 268

Leistungsausbau: - Spital unbeschränkt - Vorsorgeuntersuchungen - Medizinische Massnahmen nach IVG - Andere Massnahmen .

'.

Total Mehrkosten Total Pflegekosten Verwaltungskosten Gesamtkosten

;

(50) (50) (40) (20) (29) 189

t

,

4 457 348 4 805 1215

Eine Gegenüberstellung der Kosten nach geltender Ordnung und der Auswirkungen des Entwurfes ergibt folgendes Bild: Kostenkomponenten

Beträge in Millionen Franken Geltendes Recht

Entwurf

Basiskosten . .

Versicherungs- und Leistungsverbesserungen

4268

4268

Total Pflegekosten Verwaltungskosten Gesamtkosten

412

...

Mehrkosten

189

189

4268 341

4457 348

189 7

4609

4805

196

Die Finanzierung

Die Krankenpflegeversicherung wird weiterhin durch individuelle Beiträge der Versicherten, durch Kostenbeteiligungen der Erkrankten sowie durch die Beiträge der öffentlichen Hand finanziert. Im folgenden stellen wir dar, wie sich die Gesamtkosten auf die einzelnen Quellen der Finanzierung aufteilen.

412.1

Die finanzielle Belastung des Bundes und der Kantone

Die Subventionen des Bundes an die Krankenversicherung werden zum grössten Teil durch das Gesetz selbst und später durch einen Bundesbeschluss festgesetzt. Bei diesen Beiträgen steht das Ausmass der finanziellen Belastung des Bundes also zum vorneherein fest (vgl. Art. 38bis sowie Est. d und e der Übergangsbestimmungen). Gesamthaft sollen sich diese Beiträge in den ersten beiden Jahren nach Inkrafttreten der neuen Subventionsordnung auf jährlich 675 Millionen Franken belaufen.

Nur bei der Übernahme der Mutterschaftskosten und der Prämien für das dritte und die folgenden Kinder einer Familie hängt die Belastung des Bundes unmittelbar von den effektiven Kosten ab und muss daher geschätzt werden.

Die Mutterschaftskosten, die voll durch die öffentliche Hand getragen werden, haben wir für 1982 auf 170 Millionen Franken geschätzt (vgl. Ziff. 411.222).

Für die Schätzung der Anzahl Kinder pro Familie müssen wir uns noch auf die Erhebungen der Volkszählung 1970 stützen, weil die entsprechenden Angaben der Volkszählung 1980 noch nicht vorliegen. Im Jahre 1970 machten die als dritte oder später geborenen Kinder einer Familie etwa 20 Prozent aller Kinder aus. Dieser Prozentsatz dürfte in der Zwischenzeit etwas gesunken sein. Nachdem aber dazu keine näheren Angaben vorliegen, gehen wir davon aus, dass von den rund 1,3 Millionen Kindern (vgl. Ziff. 411.12) etwa bei 258 000 die Prämien durch Beiträge der öffentlichen Hand übernommen werden. Daraus entstünde im Jahre 1982 eine Belastung von 55 Millionen Franken.

1216

Die nachstehende Tabelle vermittelt einen Überblick: über Art und Höhe der Bundesbeiträge nach : geltender Ordnung und nach dem vorliegenden Entwurf bezogen auf das Jahr 1982: ' ;.

Die Subventionen des Bundes an die Krankenkassen nach geltender Ordnung und nach dem Entwurf im Jahre 1982

Texttabelle 8 Elemente

Jahresbelastung in Millionen Franken geltende Ordnung

Entwurf

Männer Mutterschaft Frauen Kinder ..:...:.

Leistungen bei Erkrankung an Tuberkulose . . .

Krankenpflege Invalider ; Bergzuschlag :..

Sozialhypotheken

96 38 556 68 6. ' .

95 21 -

170 425 145 -

Total

880

140 880')

') Ohne Wartgelder und Subventionen von 20 Millionen Franken an Kantone.

Gesamthaft werden die Beiträge, die der Bund an die Krankenkassen ausrichtet, die Höhe von rund 880 Millionen Franken erreichen (für.Einzelheiten vgl. auch Anhangtabelle 9). Der Bund wird aber effektiv nur mit 440 Millionen Franken belastet, weil die Kantone die Hälfte der Bundesbeiträge zu,tragen haben.

Daneben wird der Bund noch Beiträge an Wartgelder in Berggebieten sowie an Leistungen von : Bergkantonen zur Prämienverbilligung von wirtschaftlich schwächeren Versicherten leisten (Art. 37bis und 38 Abs. 3). Der Beitrag an Wartgelder wird rund 500 000 Franken ausmachen (vgl. Erläuterung zu Art. 37bis), für die Unterstützung von Bergkantonen werden 20 Millionen Franken eingesetzt (vgl. Bst. e der Übergangsbestimmungen).

Die konkrete Aufteilung des Beträges von 440 Millionen Franken auf die einzelnen Kantone ergibt sich erst aufgrund der entsprechenden Verordnung, die der Bundesrat nach Anhören der Kantone zu erlassen hat (vgl. Art. 38ter Abs. 3).

Nach den Kriterien, die dabei zu beachten sein werden (Art. 38ter Abs. 2) lässt sich allgemein sagen, dass Kantone mit unterdurchschnittlichen Krankenpflegekosten und solche mit überdurchschnittlichen Leistungen an die Spitäler und an wirtschaftlich schwächere Versicherte einen geringeren Anteil zu entrichten haben als ihrem Anteil an der Wohnbevölkerung entsprechen würde. Demgegenüber werden Kantone, in welchen die Krankenpflegekosten über dem schweizerischen Durchschnitt liegen und solche, die nur wenig Mittel für die Spitäler und an wirtschaftlich schwächere Versicherte aufbringen, einen höheren Anteil zu entrichten haben.

1217

Über die Höhe der Beiträge, die die Kantone für Prämienverbilligungen zugunsten von wirtschaftlich schwächeren Versicherten aufzuwenden haben (Art. 38), enthält das Bundesrecht keine Vorschriften. Für Kantone, die die Krankenversicherung bereits heute in starkem Masse unterstützen, dürfte keine Mehrbelastung entstehen. Ausgehend von der Feststellung, dass bereits heute Kantone und Gemeinden - allerdings mit sehr grossen Unterschieden - Beiträge in der Höhe von rund 300 Millionen Franken aufbringen (vgl. Ziff. 124.4), kann damit gerechnet werden, dass die Kantone für Prämienverbilligungen mindestens diesen Betrag aufwenden können.

412.2

Die Kostenbeteiligung

Nach der heute geltenden Regelung werden rund 15 Prozent der Kosten für ambulante Behandlungen oder 9,3 Prozent der Gesamtkosten durch Kostenbeteiligungen der Erkrankten aufgebracht. Die im Entwurf vorgeschlagene Regelung (Aufhebung der Franchise, Erhöhung des Selbstbehaltes von 10 auf 20% mit einer oberen Begrenzung, vgl. Art. 14bis) wird diesen Anteil etwas erhöhen. Aufgrund von Strukturanalysen über die Höhe der Rechnungen bei ambulanten Behandlungen, die uns von einigen grösseren Krankenkassen zur Verfügung gestellt wurden, schätzen wir, dass künftig durch Kostenbeteiligungen knapp 17 Prozent der Kosten für ambulante Behandlungen oder 10,3 Prozent der Gesamtkosten aufgebracht werden (vgl. auch Anhangtabelle 9).

412.3

Die Prämien der Versicherten

Die Versicherten haben durch Versicherungsprämien jenen Anteil der Kosten zu tragen, der weder durch die Beiträge der öffentlichen Hand noch durch Kostenbeteiligungen der Erkrankten finanziert wird. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Aufteilung der Gesamtkosten unter die einzelnen Arten der Finanzierung.

1218

Die Finanzierung des Gesamtaufwandes der Krankenkassen nach geltender Ordnung und nach dem Entwurf im Jahre 1982 Texttabelle 9 Beträge in Millionen Franken

Verteilung in Prozent

Geltende Ordnung

Entwurf

Geltende Ordnung

Entwurf

Gesamtkosten ^ Kostenbeteiligung

4609 430

4805 493

100,0 9,3

100,0 10,3

Nettokosten Bundesbeiträge .

4179 880 2 )

4312 880 3>

90,7 19,1

89,7 18,3

Durch die Mitglieder aufzubringen (Beiträge) ohne Prämienverbilligung durch die Kantone

3299

3432

71,6

71,4

Elemente

') Ohne freiwillige Zusatzversicherungen. , , ;, > Ohne Kürzung um 5 Prozent nach BB vom 26. Juni ,1980.

3) Ohne Wartgelder und Subventionen von 20 Millionen Franken an Kantone.

2

Aufgrund dieser Zahlen lassen sich die durchschnittlichen Prämienansätze ermitteln. Dabei ist aber daran zu erinnern, dass jede Kasse für sich eine Risikogemeinschaft bildet und dass innerhalb einer Kasse Abstufungen nach örtlichen Kostenunterschieden zulässig sind (Art. 6bis Abs. 2). Daraus können recht erhebliche Prämienunterschiede resultieren. Die im folgenden angegebenen Prämienansätze sind daher gesamtschweizerische Durchschnittswerte. Der grösste Teil der effektiven Prämien der Versicherten wird nicht mit diesen Durchschnittswerten übereinstimmen, sondern teils darüber und teils darunter liegen.

Nicht berücksichtigt sind ferner die Prämienzuschläge, die die Kassen zur Bildung von Reserven erheben müssen. Auch hier können sich je nach der Grosse der Kasse und der Höhe der bereits vorhandenen Reserven grosse Unterschiede zwischen den Kassen ergeben. Ein Vergleich zwischen den durchschnittlichen Prämien nach geltender Ordnung und nach dem Entwurf vermittelt aber jedenfalls ein Bild über die Auswirkungen, die die vorgeschlagene Teilrevision der Krankenversicherung generell auf die Prämienlast der Versicherten haben wird.

Die in Texttabelle 9 aufgeführten Gesamtbeträge, die durch Prämien zu tragen sind, müssen unter Beachtung der in Artikel 6bis enthaltenen Vorschriften auf die einzelnen Kategorien von Versicherten aufgeteilt werden. Die Frauenprämie darf somit nur um 10 Prozent über der Männerprämie liegen, obwohl der Kostenunterschied einen grösseren Prämienunterschied rechtfertigen würde. Für die Berechnung der Kinderprämien dürfen nach dem Entwurf nur die Pflegekosten der Kinder, also keine Verwaltungskosten, berücksichtigt werden. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ergeben sich die folgenden Durchschnittsprämien:

1219

Mittlere individuelle Belastung je Versicherten im Jahre 1982

(ohne Zusatzversicherungen) Texttabelle 10 Elemente

Männer Frauen Kinder

Jährliche Belastung in Franken

Veränderung

Geltende Ordnung

Entwurf -

in Franken

in Prozent

579 636 260

635 698 213')

56 62 -47

97 97 -18,1

Solidaritätsbeitrag der Männer in Prozent....

') Beiträge für 1. und 2. Kind. Die 3. und folgenden Kinder werden prämienfrei versichert.

Nach dem Entwurf würden die Prämien der Erwachsenen somit um etwa 9,7 Prozent ansteigen, was einerseits auf den Ausbau der Leistungen und anderseits auf die verstärkte Solidarität mit den Kindern zurückzuführen ist. Durch die Erhöhung der Subventionen zugunsten der Kinder und die Vorschriften über die Prämienbemessung werden demgegenüber die Kinderprämien um rund 18 Prozent reduziert. Der Prozentsatz, um den die effektive Prämie der Männer durch die Solidaritätsleistungen zugunsten der Frauen und der Kinder erhöht wird, bleibt nach dem Entwurf praktisch auf dem gleichen Stand wie nach dem geltenden Recht. Nicht berücksichtigt sind die Prämienverbilligungen, die die Kantone zugunsten von wirtschaftlich schwächeren Versicherten durchzuführen haben. Für Familien mit drei und mehr Kindern wird die Prämienübernahme ab dem dritten Kind zu einer starken Entlastung führen (vgl. dazu Anhangtabelle 10).

42

Obligatorische Krankengeldversicherung

421

Kosten und Finanzierung

Für die Berechnung der Kosten der obligatorischen Krankengeldversicherung kann auf die Morbiditätsstatistiken der bereits heute durchgeführten Krankengeldversicherungen abgestellt werden. Danach ist bei einem Leistungsbeginn ab dem dritten Tag pro Versicherten und Jahr mit 7,5 Krankheitstagen zu rechnen, die zu Lasten der Versicherung gehen. Für die heutigen Leistungen bei Mutterschaft (zehn Wochen) ist pro Versicherten, also nicht nur pro versicherte Frau, mit 0,95 Leistungstagen im Jahr zu rechnen.

Die Verlängerung der Leistungsdauer bei Mutterschaft von zehn auf 16 Wochen entspricht einer Erhöhung der Leistungen um 60 Prozent, es muss also künftig für die Mutterschaft mit 1,5 Leistungstagen pro Versicherten und Jahr gerechnet werden.

1220

In der obligatorischen Krankengeldversicherung können im Gegensatz zu den heute durchgeführten, Lohnausfallversicherungen keine Versicherungsvorbehalte angebracht werden. Wir schätzen, dass sich dadurch die Leistungen um etwa 5 Prozent erhöhen, dass also pro Versicherten und Jahr mit 7,9 Krankheitstagen zu rechnen ist. Wie sich die neue Regelung der Leistungsdauer (540 Tage ein volles und 180 Tage ein reduziertes Krankengeld, wobei nach einem wesentlichen Unterbruch .der Arbeitsunfähigkeit eine neue Leistungsperiode beginnt, vgl. Art.. 40/1 Abs. 3 und 4) auswirken wird, lässt sich schwer abschätzen. Es handelt sich im. Vergleich zur heutigen Regelung (720 Tage innert 900 Tagen mit Aussteuerung nach Erschöpfung der Leistungsdauer) nicht unbedingt und in jedem Fall um eine Reduktion der Leistungsdauer. Die Auswirkungen werden aber auf jeden Fall gering sein, weil in den allermeisten Fällen die Taggelder während einer kürzeren Dauer erbracht werden müssen, die absolute zeitliche Begrenzung also bei beiden Regelungen nur sehr selten eine Rolle spielt. Wir gehen daher davon aus, dass die neue Regelung der Leistungsdauer die Kosten der Krankengeldversicherung nicht wesentlich beeinflusst.

Bei einem Leistungsbeginn ab dem dritten Tag ist also für Krankheit und Mutterschaft mit Leistungen von 9,4 Tagen pro Versicherten und Jahr zu rechnen.

Bei einem Leistungsbeginn ab dem 31. Tag, wie dies in Artikel 40h Absatz l vorgesehen ist, reduzieren sich die Leistungen auf 3,6 Tage. Wird die Wartefrist noch weiter ausgedehnt, weil eine längere Lohnfortzahlungspflicht besteht (Art. 40A Abs. 2) verkürzt sich die durchschnittliche Leistungsdauer noch stärker. So ist beispielsweise bei einer Wartefrist von 90 Tagen mit Leistungen von 1,6 Tagen zu rechnen.

' ·' Die obligatorische Krankengeldversicherung wird ausschliesslich durch lohnprozentuale Prämien finanziert. Die Leistungen richten sich nach dem versicherten Verdienst. Für die Bestimmung des Ansatzes, der als Prämie vom Lohn erhoben werden muss, spielt daher neben der Morbidität (Krankheitstage pro Versicherten) nur die Höhe des Krankengeldes eine Rolle. Bei einem Krankengeld von 80 Prozent des versicherten Verdienstes und einer Wartefrist von 30 Tagen, wie dies im Entwurf als Normallösung vorgesehen ist, muss daher mit einer durchschnittlichen Nettoprämie von:0,8 Prozent gerechnet werden. Bei einer Wartefrist von zwei Tagen würde sich die Prämie auf 2,1 Prozent erhöhen, während bei einer Wartefrist für 90 Tage lediglich noch eine Prämie von 0,4 Prozent benötigt würde. Die hier angegebenen Prämiensätze beziehen sich auf die Nettoprämie. 'Es werden also noch Zuschläge für Verwaltungskosten und für versicherungstechnische Reserven hinzukommen. Weiter ist zu beachten, dass es sich bei diesen Angaben um Durchschnittswerte handelt. Nach dem Konzept des Entwurfes wird jeder Versicherungsträger die Prämien nach der Morbidität der bei ihm versicherten Personen zu bemessen haben. Von Kasse zu Kasse aber auch von Betrieb zu Betrieb können daher deutliche Prämienunterschiede bestehen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass im Norrrialfall bei einer Wartefrist von 30 Tagen die Prämie etwa l, Prozent des Lohnes ausmachen wird, Arbeitnehmer und Arbeitgeber also je etwa mit 0,5 Prozent belastet werden.

1221

422

Finanzielle Belastung von Bund und Kantonen

Der Entwurf sieht in der Krankengeldversicherung keine Beiträge der öffentlichen Hand vor. In dieser Hinsicht bringt also die obligatorische Krankengeldversicherung weder für den Bund noch für die Kantone eine finanzielle Belastung.

Bund und Kantone werden jedoch als Arbeitgeber verpflichtet sein, ihr gesamtes Personal nach den Vorschriften des Gesetzes zu versichern. Der Bund und grösstenteils auch die Kantone kennen bereits heute recht weitgehende Regelungen über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Diese Regelungen können unverändert beibehalten werden (Art. 40h Abs. 2) und es ist lediglich noch für die im Gesetz vorgesehene Leistungsdauer, die durch die Lohnfortzahlungspflicht nicht gedeckt ist, eine Krankengeldversicherung abzuschliessen. Der Bund müsste also beispielsweise für seine Beamten eine Versicherung abschliessen, bei welcher erst nach einer Wartefrist von einem Jahr Leistungen zu erbringen sind. Die dafür geschuldeten Prämien sind sehr gering. Die obligatorische Krankengeldversicherung wird also die Lohnkosten von Bund und Kantonen kaum wesentlich erhöhen.

5

Personelle und organisatorische Auswirkungen

51

Auswirkungen für den Bund

Die Aufgaben des Bundes im Bereich der Krankenversicherung bleiben nach der Teilrevision des Gesetzes im wesentlichen die gleichen wie heute. Im Vordergrund steht die Aufsicht über die Krankenkassen in finanzieller und rechtlicher Hinsicht. Diese erfolgt durch den Erlass von Ausführungsbestimmungen zum Gesetz, durch Kontrollmassnahmen bei den Kassen (Prüfung und Genehmigung der Kassenstatuten, Revision der Kassenrechnungen) sowie durch Stellungnahmen zu Streitigkeiten der Kassen unter sich oder mit ihren Versicherten (Vernehmlassungen und eventuell Beschwerden an das Eidg. Versicherungsgericht). Im weiteren sind die durch das Gesetz dem Bundesrat übertragenen Aufgaben im Bereich der Leistungen und Tarife zu erfüllen (Erlass der Arzneimittelliste, der Analysenliste usw.). Die Anpassung der Ausführungsbestimmungen und der Aufsichtstätigkeit an das neue Recht wird der Verwaltung, insbesondere dem Bundesamt für Sozialversicherung, zunächst eine deutliche Mehrbelastung bringen. Langfristig sollte sich die Arbeitslast zur Erfüllung dieser Aufgaben aber im bisherigen Rahmen halten. Zusätzliche Aufgaben werden dem Bund nach der Revision des Gesetzes insbesondere im Bereich des Tarifwesens und der Statistik (Art. 22sePties und Art. 39) sowie in der Aufsicht über die Durchführung der obligatorischen Krankengeldversicherung (Art. 40p) erwachsen. Auch hier handelt es sich aber um eine Ausdehnung und Neukonzipierung bereits heute wahrgenommener Tätigkeiten, so dass auch diese Aufgaben ungefähr mit dem heutigen Personalbestand bewältigt werden können. Im Bundesamt für Sozialversicherung sind heute 42 Personen ausschliesslich auf dem Gebiet der Krankenversicherung tätig und weitere fünf Personen befassen sich zur Hauptsache ebenfalls mit Fragen der Krankenversicherung. Für die zusätzlichen Aufgaben werden etwa zwei Personaleinheiten benötigt.

1222

Die mit der Einführung der obligatorischen Krankengeldversicherung verbundene Ausdehnung der Tätigkeit der Krankenkassen und der privaten Versicherungsgesellschaften dürfte auch den Arbeitsanfall des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes (EVG) vermehren. Anderseits wird sich dieses künftig wegen der Aufhebung von Artikel 12 IVG praktisch nicht mehr mit Fragen der Abgrenzung der Leistungspflicht zwischen Krankenkassen und Invalidenversicherung beschäftigen müssen. Gesamthaft gesehen dürfte daher dem EVG aus dieser Gesetzesrevision keine Mehrbelastung entstehen.

52

Auswirkungen für die Kantone

Auch die Aufgaben der Kantone im Bereich, der Krankenversicherung .werden durch die Revision des Gesetzes nicht grundsätzlich umgestaltet oder wesentlich erweitert. Die Hauptaufgabe der Kantone im, Vollzug des Gesetzes liegt weiterhin im Gebiet des Tarifwesens. Die Kantonsregierungen haben die Tarifverträge zwischen den Krankenkassen und den Medizinalpersonen, beziehungsweise den Heilanstalten zu überprüfen und im vertragslosen Zustand die nötigen Vorkehren zu treffen. Aus dem Umstand,, dass die Kantonsregierungen die Tarifverträge künftig auch unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit zu überprüfen haben werden, sollte keine wesentliche Mehrbelastung entstehen. Weiter haben die Kantone ihre Ausführungsbestimmungen und insbesondere ihre Gesetze über die Subventionen an die Krankenkassen dem neuen Recht (Art. 38) anzupassen. Zudem werden die Kantone als Träger von Spitälern auch darauf hinzuwirken haben, dass die Spitäler ihre Taxordnungen und ihre Rechnungsführung mit dem neuen Recht in Einklang bringen. Aus allen diesen Aufgaben sollte langfristig gesehen den Kantonen kein zusätzlicher Aufwand entstehen.

Hingegen wird die nun allgemein vorgesehene Pflicht zur Prärriienverbilligung wirtschaftlich schwächerer Versicherter all jenen Kantonen, die noch keine derartige Regelung kennen, einigen Mehraufwand verursachen.

Die den Kantonen in der obligatorischen .Krankengeldversicherung überbundene Pflicht zur Aufklärung und Überwachung der Arbeitgeber (Art. 40g) wird ebenfalls keinen nennenswerten Mehraufwand bringen, da die gleiche Pflicht bereits in der obligatorischen Unfallversicherung besteht.

Für die kantonalen Versicherungsgerichte gelten die gleichen Überlegungen wie für das EVG (vgl. unter Ziff. 51). Auch diesen Gerichten durfte aus der Gesetzesrevision keine Mehrbelastung entstehen.

: .

6

Richtlinien der Regierungspolitik

Wir haben die Vorlage in den Richtlinien der Regierungspolitik in der Periode 1979 bis 1983 (BB1 1980 I 588), Abschnitt 412, angekündigt. Es handelt sich um ein Vorhaben der ersten Priorität.

1223

7

Verfassungsmässigkeit

Die vorgeschlagene Teilrevision der Krankenversicherung stützt sich auf Artikel 34bls der Bundesverfassung. Nach diesem Artikel hat der Bund auf dem Wege der Gesetzgebung und unter Berücksichtigung der bestehenden Krankenkassen die Kranken- und Unfallversicherung einzurichten. · Der Bund hat somit auf dem Gebiete der Kranken- und Unfallversicherung eine umfassende Gesetzgebungskompetenz. Die Verfassung gibt dem Gesetzgeber, im Gegensatz etwa zur AHV/IV (Art. 34<illater BV), keine Ziele vor und sie enthält auch keine Hinweise, wie die Leistungen der Krankenversicherung und ihre Finanzierung auszugestalten sind.

Der Gesetzgeber hat den Auftrag des Artikels 34bis der Bundesverfassung für die Krankenversicherung anders erfüllt als für die Unfallversicherung. So besteht heute in der Krankenversicherung von Bundes wegen kein Versicherungsobligatorium und die Arbeitgeber wurden bisher nicht zur Finanzierung der Versicherung herangezogen. Künftig soll nun die Krankengeldversicherung für alle Arbeitnehmer obligatorisch erklärt und durch die Arbeitgeber mitfinanziert werden. Diese Regelung ist wie die entsprechende Ausgestaltung der Unfallversicherung verfassungsmässig.

Mit den neuen Vorschlägen im Bereich der Krankenpflegeversicherung wird im wesentlichen die geltende Ordnung etwas umgestaltet oder ausgeweitet. Der Verfassungsartikel lässt dies ohne weiteres zu. Auch die neu vorgeschlagene Verpflichtung der Kantone zur Mitfinanzierung der Krankenpflegeversicherung ist durch den allgemein gehaltenen Artikel 34bis der Bundesverfassung abgedeckt. Die Kantone sind schon heute an der Verwirklichung der Krankenversicherung vielfältig mitbeteiligt. So sind sie ermächtigt, die Krankenversicherung obligatorisch zu erklären, und sie haben zahlreiche Aufgaben im Vollzug des Gesetzes, insbesondere im Bereich der Tarifvereinbarungen. Die neue Verpflichtung der Kantone findet ihre sachliche Begründung im engen Zusammenhang zwischen Gesundheitswesen und Krankenversicherung sowie in der Tatsache, dass der Ausbau der Pflichtleistungen der Krankenkassen unter anderem eine Entlastung der Kantone und Gemeinden (öffentliche Fürsorge) bewirkt. Im Rahmen der Gesetzgebungskompetenz des Bundes wird daher ein besserer Ausgleich zwischen der Aufgaben- und Lastenverteilung angestrebt. Aus diesem Grund sollen neben den Versicherten und dem Bund auch die Kantone zur Finanzierung der Krankenversicherung beigezogen werden. Zum Teil haben die Kantone diese Verpflichtung bereits heute von sich aus auf sich genommen (vgl.

Ziff. 124.4).

Die Bestimmungen über die Leistungen bei Mutterschaft und die Finanzierung dieser Leistungen stützen sich auf Artikel 34iuiquies Absatz 4 der Bundesverfassung. Danach hat der Bund die Kompetenz, auf dem Wege der Gesetzgebung die Mutterschaftsversicherung einzurichten.

7861

1224

:

I

''..··

Anhang

Verzeichnis der Tabellen Nr.

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·

'

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|

' !

1 2

Gesamteinnahmen und -ausgaben der Sozialversicherung in der Schweiz Entwicklung der Ausgaben des Bundes, der Ausgaben der Krankenkassen und der. Bundesbeiträge an die Krankenkassen seit 1966 3 Ausgaben der Krankenkassen seit 1966Ì.: 4 Entwicklung der Konsumentenpreise und Löhne sowie der Pflegekosten j bei den Krankenkassen seit 1966 ',· .

5 Pflegekosten bei den Krankenkassen je! Versicherten nach Kostenarten seit !

1966 : 6 Einnahmen der Krankenkassen seit 1966 ; 7 Kassen und Versicherte nach Kassengrösse seit ;1966 8 Geschätzte Kosten 1982 9 Finanzierung 1982 : 10 Individuelle jährliche Belastung im Jahre 1982 Verzeichnis der Graphiken 1 2 3 4

Indizes der Konsumentenpreise und Löhne sowie der Pflegekosten bei den Krankenkassen seit 1966 Krankenpflegekosten je Versicherten seit 1966 Durchschnittliche jährliche Krankenpflegekosten pro Versicherten 1978 Verteilung der Krankenpflegekosten insgesamt 1978

7861

1225

Gesamteinnahmen und -ausgaben der Sozialversicherung in der Schweiz

Tabelle l Versicherungszweige

Einnahmen 1969

Ausgaben 1974

1979

1969

1974

1979

Absolut in Millionen Franken1' AHV/IV/EL (I. Säule) . . .

Berufliche AHIV (II. S.) . .

Krankenversicherung Unfallversicherung Übrige Total

3 930,6 4 490,0

9 783,4 12 349,8 7 914,5 10411,0

3701,0 1 460,2

9 038,1 12 568,0 2 107,8 3 117,0

8 420,6 17 697,9 22 760,8

5 161,2

11 145,9 15685,0

1 830,6 738,5 464,1

3 660,9 1 362,2 852,7

5 424,5 1 730,3 '1 432,2 741,6 1 820,7 459,3

11453,8 23 573,7 31438,2

8 092,4

3 577,9 1 347,0 768,9

5,261,0 1 416,3 1 306,9

16 839,7 23 669,2

Anteile der Versicherungszweige am. Total AHV/IV/EL (I. Säule) . . .

Berufliche AHIV (II. S.) . .

34,3 39,2

41,5 33,6

39,3 33,1

45,7 18,1

Zusammen

73,5

75,1

72,4

63,8

66,2

66,3

Krankenversicherung Unfallversicherung Übrige

16,0 6,4 4,1

15,5 5,8 3,6

17,2 4,6 5,8

21,4 9,2 5,6

21,2 8,0 4,6

22,2 6,0 5,5

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

Total

53,7 12,5

53.1 13,2

Entwicklung der Versicherungszweige seit 1969 AHV/IV/EL (I. Säule) . . .

Berufliche AHIV (II. S.) . .

100 100

249 176

314 232

100 100

244 144

340 213

Zusammen

100

210

270

100

216

304

Krankenversicherung Unfallversicherung Übrige

100 100 100

200 184 184

296 194 392

100 100 100

207 182 167

304 191 285

Total

100

206

274

100

208

292

') Quelle: Statistisches Jahrbuch der Schweiz

1226

Entwicklung der Ausgaben des Bundes, der Ausgaben der Krankenkassen und der Bundesbeiträge an die Krankenkassen seit 1966 Tabelle 2 Ausgaben des Bundes l >

Jahre

Ausgaben der Krankenkassen 2>

Bundesbeiträge an 2 die Krankenkassen >

Beträge in Millionen :Franken

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

5 682,9 5 873,8 6 446,7 7 080,8 7 765,0 8 962,5 10366,0 11 625,1 13 051,6 13 540,8 15 860,0 15492,9 15824,5 16612,5

1 234,8 1 404,9 1 560,9 1 730,3 1 954,7 2 255.4 2 689.8 3 068.6 3' 577,9 4 053,9 4467,1 4 675,3 4961,5 5 261,0

192,9 238,8 280,4 310,9 357,2 414,4 478,3 564,9 647,7 691,6 795,3 856,0 877,9 895,0

100,0 113,8 126,4 140,1 158,3 182,7' 217,8 248,5 289,8 328,3 361,8 378,6 401,8 426,1

100,0 123,8 145,4 161,2 185,2 214,8 248,0 292,8 335,8 358,5 412,3 443,8 455,1 464,0

Index (1966 = 100)

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

100,0 103,4 113,4 124,6 136,6 157,7 182,4 204,6 229,7 238,3 279,1 272,6 278,5 292,3

Prozentzahlen (Ausgaben des Bundes = 100)

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0

3,4 4,1 4,4 4,4 4,6 4,6 4,6 4,9 5,0 5,1 5,0

5,5 5,5 5,4

') Gemäss Finanzrechnung des Bundes ' Gemäss BSV - Statistik über die Krankenversicherung (Finanzhaushalt)

2

1227

K> K>

oo

Tabelle 3

Ausgaben der Krankenkassen seit 1966 Jahre

Leistungen (einschliesslich Zusatzversicherungen) Krankenpflegeversicherung

Krankengeldversicherung

Krankenpflege Invalider

Verwaltungskosten Tuberkulose

Ubrige usg

Total

Mutterschaft einschliesslich Kranken- und Stillgelder

Betrage in 1000 Franken

-

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

231 883 236317 246 407 263 736 280 753 297 627 323 809 367731 405 604 412 620 431 679 438 325 470 603 479 962

719271 851 040 954 035 1 096 562 1 270 986 1 490 901 1 755 059 2 048 738 2 433 958 2834181 3 115687 3 266 930 3 476 413 3 742 787

7168 12 185 13483 17457 22968 28480 37401 46725 55896 72277 90323 100 695 110658 112410

14656 14562 15027 16028 17553 18040 20757 20509 21537 22113 19435 16935 16002 13570

66 123 73834 78 148 83423 88030 93928 100 740 109 287 119082 128 823 136 909 144 150 151 446 161 059

157 452 173 940 199 161 226 645 271 349 312790 333 891 355 767 356 360 373 986 398 771

58,2 60,6 61,1 63,4 65,0 66,1 65,2 66,8 68,1 69,9 69,7 69,9 70,1 71,1

0,6 0,9 0,9 1,0 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,8 2,0 2,1 2,2 2,1

1,2 1,0 1,0 0,9 0,9 0,8 0,8 0,7 0,6 0,5 0,4 0,4 0,3 0,3

5,3 5,3 5,0 4,8 4,5 4,2 3,8 3,6 3,3 3,2 3,1 3,1 3,1 3,1

9,6 9,2 9,2 9,1 8,9 8,8 8,4 8,8 8,7 8,2 8,0 7,6 7,5 7,6

117990 129 784 144 576

77723 87206 109 246 95634

100 478 127255 225388- ..

204 306 229 065 250 030 317327 351 897 362 406 352402

1 234 814 1 404 928 1 560 922

1 730 292 1 954 708 2 255 392 2 689 799 3 068 645 3 577 932 4053935 4 467 127 4 675 292 4961 514 5260961

Prozentzahlen

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 !)

18,8 16,8 15,8 15,3 14,4 13,2 12,0 12,0 11,3 10,2 9,7 9,4 9,5 9,1

-

Leistungen anderer Versicherungsarten, Ruckversicherungspramien, Rilckstellungen usw.

6,3 6,2 7,0 5,5 5,1 5,6 8,4 6,6 6,4 6,2 7,1 7,5 7,3 6,7

100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0

Entwicklung der Konsumentenpreise und Löhne sowie der Pflegekosten bei den Krankenkassen seit 1966 Tabelle 4 Jahre

Indexstand Konsumentenpreise '> J > Jahresmittel

M K)

1966 - 100 Konsumentenpreise

Jährliche Veränderung in Prozent Arbeiterlöhne

1967

234,1

1968

239,8

176.79

107

100 106 111

1969

245,7

.516

200.66

109

. 118

1970

254,6

113

130

271,4

569 645

228.89

1971

262.30

121

1972

289,4

314,8

719 808

301.03

1973 1974

345,5

908

401.83

129 140 154

148 165 185

1975

368,6

975

468.59

164 167 169 171 177

225,0

141.91

100

162.52

104

34K49

1976

375,0

992

515.90

1977

379,8

1 015

540.21

1978

383,7

1 044

570.71

1979

397,7

1 080

608.46

'' > > 4 > 3

Krankenpflegekosten je Versicherten in Franken

437 464 486

1966

2

Arbeiterlöhne D «)

208 223 - 227

232 239 247

Krankenpflegekosten je Versicherlen

Konsumentenpreise

Arbeiterlöhne

2)

Krankenpflegekqsten je Versicherten

. 100

115 125 141

4,0 2,4 -

161 185 212 241 283 330 364

2,5

3,6 6,6 6,6 8,8 9,8 6,7

381 402

1,7 1,3 1.0

429

3,6

Quelle: Monatsbericht der Schweizerischen Nationalbank Quelle: Statistisches Jahrbuch der Schweiz Landesindex, August 1939 = 1 0 0 Durchschnittliche Stundenverdienste, Juni 1939 = 100 (allg. Lohn- und Gehaltserhebung des BIGA)

-

6,2

14,5

4,9 6,1

13,5

10,2

14,1

8,8

13,3

-

14,6

11,6

:

.14,8

12,3

~ 13,4

_ 17,7

7,3

16,6

,1,8 -.

2,3

2,8 3,5

-

10,1 ' 4,7

5,6 6,6

.

Pflegekosten bei den Krankenkassen je Versicherten nach Kostenarten seit 1966

Tabelle Sa Jahre

Ärztliche Behandlung

Arzneimittel

Behandlung Übrige durch Chiro- Kosten praktoren

Ambulante Behandlung

Heilanstaltskosten

Total

Beträge in Franken

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

67.48 76.14 82.01 91.70 105.21 120.73 136.52 153.58 183.84 210.67 221.29 228.41 235.79 248.06

34.82 40.33 45.24 51.85 58.95 66.04 73.-- 78.24 87.69 98.71 107.31 110.52 119.67 126.86

-.65 1.04 1.15 1.22 1.40 1.78 2.13 2.31 2.59 2.78 2.98 3.06 3.05 3.17

3.12 2.79 2.52 2.87 2.96 3.25 3.60 4.04 5.20 6.21 6.61 6.73 8.91 10.03

35.84 42.22 45.87 53.02 60.37 70.50 85.78 103.32 122.51 150.22 177.71 191.49 203.29 220.34

141.91 162.52 176.79 200.66 228.89 262.30 301.03 341.49 401.83 468.59 515.90 540.21 570.71 608.46

74,7 74,0 74,1 73,6 73,6 73,1 71,5 69,7 69,5 67,9 65,6 64,6 64,4 63,8

25,3 26,0 25,9 26,4 26,4 26,9 28,5 30,3 30,5 32,1 34,4 35,4 35,6 36,2

100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100

13,4

17,8

14,5

8,8

8,6

8,8

12,8 14,1 13,8 12,2 10,6 17,3 14,0

15,6 13,9 16,8 21,7 20,4 18,6 22,6 18,3

13,5 14,1 14,6 14,8 13,4 17,7 16,6 10,1

7,8 6,2 8,4

4,7 5,6 6,6

106.07 120.30 130.92 147.64 168.52 191.80 215.25 238.17 279.32 318.37 338.19 348.72 367.42 388.12

Prozentzahlen (Total = 100)

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

47,5 46,8 46,4 45,7 45,9 46,0 45,3 44,9 45,8 44,9 42,9 42,3 41,3 40,8

24,5 24,8 25,6 25,9 25,8 25,2 24,3 22,9 21,8 21,1 20,8 20,5 21,0 20,9

0,5 0,6 0,7 0,6 0,6 0,7 0,7 0,7 0,6 0,6 0,6 0,6 0,5 0,5

2,2

1,8 1,4 1,4 1,3 1,2 1,2 1,2 1,3 1,3 1,3 1,2 1,6 1,6

Jährliche Veränderung in Prozent

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

1230

12,8

7,7 11,8 14,7 14,8 13,1 12,5 19,7 14,6

5,0 3,2 3,2 5,2

15,8 12,2 14,6 13,7 12,0 10,5

60,0 10,6

7,2

8,5

12,1 12,6

12,1

6,1 14,8 27,1 19,7

7,3 7,2

8,7 3,0 8,3

6,0

3,9

2,7

-10,6 - 9,7 13,9

3,1

9,8 10,8 12,2 28,7 19,4

6,4 1,8 32,4 12,6

6,2 3,1 5,4 5,6

Pflegekosten bei den Krankenkassen je Versichertenkategorie seit 1966

Tabelle 5b Jahre

Frauen

Männer

Kinder

Zusammen

Beträge in Franken 1966 1967 1968 1969 1970

129.22 146.66 158.85 183.25 208.38

196.46 228.54 250.81 284.20 325.34

78.74 87.34 91.73 101.58 113.38

141.91 162.52 176.79 200.66 228.89

1971 1972 1973 1974 1975

241.10 277.72 315.11 367.86 434.10

370.85 430.03 486.29 572.62 663.73

128.04 136.64 151.45 175.93 194.51

262.30 301.03 341.49 401.83 468.59

1976 1977 1978 1979

478.56 498.71 526.58 559.72

729.06 762.88 799.36 849.60

210.38 214.74 228.91 238.30

515.90 540.21 570.71 608.46

14,5

1

Jährliche Veränderung in Prozent 1966 1967 1968 1969 1970

13,5

16,3

10,9

8,3

9,7

5,0

8,8

15,4 13,7

13,3 14,5

10,7 11,6

13,5 14,1

1971 1972 1973 1974 1975

15,7 15,2 13,5 16,7 18,0

14,0 16,0 13,1 17,8 15,9

12,9 10,8 16,2 10,6

14,6 14,8 13,4 17,7 16,6

1976 1977 1978 1979

10,2

9,8 4,6 4,8 6,3

8,2 2,1 6,6 4,1

4,2 5,6 6.3

6,7

10,1

4,7 5,6 6,6

1231

K> Ul to

Einnahmen der Krankenkassen seit 1966 Jahre

Aufwendungen der Versicherten Beitrage ''

Tabelle 6 Bundesbeitrage

Kostenbeteiligungz)

Beitrage von ICantonen und Gemeinden

Beitrage von Arbeitgebern 3)

Ubrige Einnahmen 4)

Total

Betrage in 1000 Franken

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

844 891 950 275 1 1 12 074 1 241 035 1 352 897 1 540 523 1 761 797 2 115999 2450681 2 821 726 3 1 1 1 204 3 346 688 3 542 572 3 671 454

84641 84258 97405 114517 126213 148 829 176 788 185625 213 722 242 139 303 529 325 407 346 327 361 057

192 862 238 801 280 360 310874 357 236 414 420 478 272 564921 647 735 691 639 795 282 855 996 877 931 895 048

61042 74710 83035 98337 110676 129 869 153 590 186 829 217 105 244 549 272 873 286 355 276 205 296 256

23072 24733 25057 26078 28426 29721 32052 37767 42256 39561 37861 42513 48752 53967

30535 33704 36316 39780 59068 66807 142 159 74091 89443 117544 119640 125 128 139 736 146 677

1 237 043 1 406 481 1 634 247 1830621 2034516 2 330 169 2 744 658 3 165 232 3 660 942 4157158 4640389 4 982 087 5231523 5 424 459

6,8 6,0 6,0 6,2 6,2 6,4 6,4 5,9 5,8 5,8 6,5 6,5 6,6 6,6

15,6 17,0 17,2 17,0 17,6 17,8 17,4 17,8 17,7 16,6 17,1 17,2 16,8 16,5

4,9 5,3 5,1 5,4 5,4 5,5 5,6 5,9 5,9 5,9 5,9 5,7 5,3 5,5

1,9 1,7 1,5 1,4 1,4 1,3 1,2 1,2 1,2 1,0 0,8 0,9 0,9 1,0

2,5 2,4 2,2

100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0

Prozentzahlen

1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 ])

68,3 67,6 68,0 67,8 66,5 66,1 64,2 66,8 67,0 67,9 67,1 67,2 67,7 67,7

Ordentliche und Zusatzversichenmgen ' Rrankenpflegekostenanteile, Krankenscheingebuhren 3 ) Soweit in der Jahresrechnung ausgewiesen 4) Zinsen usw.

2

-

2,2 2,9 2,9 5,2 2,4 2,4 2,8 2,6 2,5 2,7 2,7

Tabelle 7

Kassen und Versicherte nach Kassengrösse seit 1966 Jahre

Kassen (Versichertenzahl je Kasse) 1-2 000

2001-

20000

Versicherte (Versichcrtcnzahl je Kasse)

20001100000

über 100000

Total

1-2 000

2001-

20000

20001100 000

über 100000

Total

Absolute Zahlen 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

702 675 657 639 623 601 576 553 529 491 469 452 435 414

163

22

11

167 164 163 155 155 148 142 139 132 125 124 122 123

20 23 25 25 25 27 28 28 28 29 28 30 28

13 13 13 12 12 12 12 11 11 11 11 11 12

18,2 19,1 19,1 19,4 19,0 19,5 19,4 19,3 19,6 20,0 19,7 20,2 20,4 21,3

2,4 2,3 2,7 3,0 3,1 3,2 3,5 3,8 4,0 4,2 4,6 4,5 5,0 4,9

,2 ,5 ,5 ,5 ,5 1,5 1,6 1,6 1,6 1,7 1,7 1,8 1,8 2,1

898 875 857 840 815 793 763 735 707 662 634 615 -

598

577

472 470 456 544 452 233 443 199 438339 424615 408 078 392361 371 824 349 945 340 006 329210 - 317425 302 694

837712 855 452 801 392 790 699 772 163 789 475 744 349 705 545 700210 684 044 636712 647267 608 529 623 953

979951 3 260 983 803 101 3 585 937 881 556 3 688 682 924 477 3794231 1 020 882 3850018 1 035 649 3979674 1 098 248 4 144 949 1 142254 4 295 247 1 243 105 4314499 1 224 852 4363350 1 228 659 4379711 1 221 389 4397 102 1 304 042 . . 4429727.

4 590 603 1 218 120

5551 116 5 701 034 5 823 863 5 952 606 6081402 6229413 6 395 624 6 535 407 6 629 638 6622 191 6 585 088 6 594 968 6 659 723 6 735 370

Prozentzahlen 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979

78,2 77,1 76,7 76,1 76,4 75,8 75,5 75,3 74,8 74,1 74,0 73,5 72,8 71,7

100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0

8,5 8,0 7,8 7,5 7,2 6,8 6,4 6,0 5,6 5,3 5,2 5,0 4,8 4,5

15,1 15,0 13,8 13,3 12,7 12,7 11,6 10,8 10,6 10,3

9,7 9,8 9,1 9,3

17,7 · 14,1 15,1 15,5 16,8 16,6 17,2 17,5 18,7 18,5 18,6 18,5 19,6 18,1

58,7 62,9 63,3 63,7 63,3 63,9 64,8 65,7 65,1 65,9 66,5 66,7 66,5 68,1

100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0

£3 ·&·

Krankenpflegeversicherung Geschätzte Kosten 1982 (ohne Zusatzversicherungen) (Beträge in Millionen Franken) Art der Leistung

Tabelle 8 Geltende Ordnung Männer

Frauen

Entwurf Kinder

Zusammen

Männer

Frauen

  1. + 2.

Kind(er)

3. + ff.

Kinder

Total Kinder

Zusammen

Ambulante Behandlung Heilanstaltsbehandlung Mutterschaft

1 005 437

1627 699 141

280 79.

2912 1215 141

994 434

1 616 695 141

(244) ( 69)

(58) (17)

302 86

2912 1 215 141

Basiskosten

1442

2467

359

4268

1428

2452

(313)

(75)

388

4268

18 8

28 30

( 3) ( 10)

( O ( 2)

4 12

50 50

19 6

21 12 29

( 2)

( 0)

2

40 20 29

Versicherungs- und Leistungsverbesserungen: -- Spital unbeschränkt -- Vorsorgeuntersuchungen . . . .

-- Mutterschaft Total Pflegekosten . . .

Verwaltungskosten

1442 115

2467 197

359 29

4268 341

1479 127

2572 221

(328) ( -)

(78) (-)

406

4457 348

1 557

2664

388

4609

1606

2793

(328)

(78)

406

4805

Krankenpflegeversicherung

Finanzierung 1982 (ohne Zusatzversicherungen) (Betrage in Millionen Franken) Elemente

Tabelle 9 Manner

Frauen

Kinder

Zusammen

Manner

Frauen

  1. + 2.

Kind(er)

3. + ff.

Kinder

Total Kinder

Zusammen

Ges amtko sten

1 557 153

2664 249

388 28

4609 430

1606 181

2793 282

(328) ( 24)

(78) ( 6)

406 .30

4805 493

Nettokosten

1 404

2415

360

4179

1 425

2511

(304)

"(72)

376

4312

Subvenlionen Gemass geltender Ordnung: Kopfbeitrage -- Mutterschaft -- Krankenpflege Invalider -- Bergzuschlag ...

...

(96)

....

Zusammen Laut Entwurf: -- Mutterschaft . ...

-- Sozialhypotheken - Pramienannaherung Mann/

Durch die Mitglieder aufzubringen (Beitrage). Ohne Pramienverbilligung durch die Kantone KJ LO X/i

Entwurf

Geltende Ordnung

(68)

( 2) (46) ( 8)

(556) ( 38) ( 3) ( 49) ( 9)

(4)

(720) ( 38) ( 6) ( 95) (21)

152

655

73

880

( 1)

(170)

(170) ( 73)

(67)

1 252

1760

287

3299

>> Ohne Wartgelder und Subventionen von 20 Millionen Franken an Kantone

(17) (55)

(90) (55)

( 73)

( 90) ( 55) (140)

(425)

(425)

67

668

( 73)

(72)

145

1 358

1 843

(231)

(-)

231

880"

:

3 432 -

Individuelle jährliche Belastung im Jahre 1982 (ohne Zusatzversicherungen) (Beträge in Franken)

Tabelle 10 Geltende Ordnung

Versicherte

Entwurf ''

Familie mit 1 Kind Mann Frau Kind

579 636 260

635 698 213

1475

1 546

Familie mit 2 Kindern Mann Frau 1 . Kind 2. Kind Zusammen

579 636 260 260

635 698 213 213

1735

1759

Familie mit 3 Kindern Frau 1 Kind 2. Kind 3 Kind

... .

Zusammen

579 636 260 260 260

635 698 213 213

1995

1 759

Familie mit 4 Kindern Mann Frau 1 . Kind 2. Kind 3. Kind 4 Kind Zusammen

...

'' Prämienbefreiung ab 3. Kind

7861

1236

579 636 260 260 260 260

635 698 213 213

2255

1 759

Indizes (1966 = 100) der Konsumentenpreise und Löhne sowie der Pflegekosten bei den Krankenkassen seit 1966 Graphik l

1975

1978

19SO

1237

Anerkannte Krankenkassen Krankenpflegekosten je Versicherten seit 1966 Graphik 2

1966

1238

1967

1968

1969

1970

1971

1972

1973

1974

1975

1976

1977

1978

1979

1980

Durchschnittliche jährliche Krankenpflegekosten pro Versicherten 1978 Graphik 3

0

10

20

'

30

40

50

". 60

70

80

,

Alter

Quelle: Krankenkasse KKB

1239

Quelle: Krankenkasse KKB

1240

Bundesgesetz

Entwurf

über die Kranken- und Unfallversicherung Änderung vom (Teilrevision der Krankenversicherung)

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 19. August 1981 '', besehliesst: I

·

'

'

·

·

'

·

Das Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung 2) wird wie folgt geändert: ., Titel Bundesgesetz über die Kranken- und (KMVG)

Mutterschaftsversicherung

Ingress gestützt auf die Artikel 34bis und 34quinquies Absatz 4 der Bundesverfassung, Änderung von Ausdrücken In den Artikeln 27 Absatz l zweiter Satz und 33 Absatz l erster Satz wird der Hinweis auf den ersten Titel gestrichen.

Gliederungstitel

Erstes Kapitel: Grundsätze (neu) A. Zweck und Gegenstand

Art. l ', , !.. . . . . . . .

' Der Bund fördert unter Mitwirkung der Kantone die Krankenversicherung. Er sorgt insbesondere durch Beiträge dafür, dass sich die Bevölkerung zu. tragbaren Bedingungen versichern kann und dass die Lasten ausgewogen verteilt sind.

2

Die Krankenversicherung umfasst auch die Mutterschaftsversicherung.

') BB1 1981II 1117

2

> SR 832.01

'

1241

Kranken- und Unfallversicherung 3

Der Unfall ist in bezug auf Art und Höhe der Leistungen der Krankheit gleichgestellt, soweit hiefür keine andere Versicherung aufkommt.

4 Die Krankenpflegeversicherung ist unter Vorbehalt von Artikel 2 freiwillig. Die Krankengeldversicherung ist für in der Schweiz beschäftigte Arbeitnehmer obligatorisch.

bis

Art. 2 Randtitel sowie Abs. l Est. a und 2

B.Mitwirkung der Kantone

(neu)

1

Die Kantone sind ermächtigt: a ^ j^an^enpfiegeversicherung allgemein oder für einzelne Bevölkerungsklassen obligatorisch zu erklären; 2bis Die Kantone beteiligen sich an den Beiträgen des Bundes und gewähren eigene Beiträge für wirtschaftlich schwächere Versicherte, um deren finanzielle Belastung aus der Krankenpflegeversicherung zu vermindern.

Gliederungstitel

Zweites Kapitel : Die Krankenpflegeversicherung und die freiwillige Krankengeldversicherung Art. 2bis (neu)

  1. Krankenkassen

' Die Krankenpflegeversicherung und die freiwillige KrankengeldVersicherung nach diesem Gesetz werden durch die anerkannten Krankenkassen (Kassen) durchgeführt.

2 Die Kassen werden vom Bundesrat anerkannt, wenn sie den Anforderungen dieses Gesetzes genügen. Sie erhalten Beiträge der öffentlichen Hand. Im übrigen richten sich die Kassen nach ihrem Gutfinden ein.

An. 3 Abs. 4bis (neu) 4bis

Sie können im Bereich der Kranken- und Mutterschaftsversicherung Zusatzversicherungen betreiben. Sie regeln diese Versicherungen und können dabei für die Aufnahme, den Anspruch auf Leistungen und die Abstufung der Mitgliederbeiträge von diesem Gesetz abweichen, soweit es nicht ausdrücklich bestimmt, dass eine Vorschrift auch für Zusatzversicherungen gilt.

Art. 5

c. Recht auf L^m'aUgeme?-

' Jede in der Schweiz wohnhafte Person hat das Recht, in eine Kasse einzutreten, wenn sie die Aufnahmebedingungen der Statu-

nen

1242

~"

Kranken- und Unfallversicherung teh erfüllt. Sie kann unter den Versicherungen, welche die Kasse führt, frei wählen.

2 Die Kassen haben Bewerber, die das Rentenalter der AHV noch nicht erreicht haben und die die übrigen statutarischen Aufnahmebedingungen erfüllen, aufzunehmen.: Sie dürfen die Aufnahme nicht aus gesundheitlichen Gründen oder wegen Schwangerschaft oder aus Gründen des Lebenswandels, insbesondere wegen der Verbüssung einer Freiheitsstrafe, ablehnen. Überdies darf die Bedingung der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession oder zu einer bestimmten politischen Partei dem Bewerber, der bei einer Kasse seines Aufenthaltsortes eintreten will, nicht entgegengehalten werden, wenn ihm daselbst keine Kasse offensteht, deren allgemeine Aufnahmebedingungen er erfüllt.

3 Hat der Bewerber das erste Altersjahr vollendet, können die Kassen Krankheiten, die bei der Aufnahme bestehen, durch einen Vorbehalt von der Versicherung äusschliessen; das gleiche gilt für Krankheiten, die vorher bestanden haben, sofern sie erfahrungsgemäss zu Rückfällen führen körinen. Der Vorbehalt fällt bei Erwachsenen spätestens nach fünf Jahren, bei Kindern spätestens nach zwei Jahren dahin.

4 Kassen, die sowohl Kinder als auch Erwachsene für Krankenpflege versichern, sind verpflichtet, die Kinder, die wegen ihres Alters aus der Kinderversicherung ausscheiden, ohne neuen Vorbehalt in die Erwachsenenversicherung für Krankenpflege aufzunehmen.

5 Als Kinder gelten Versicherte bis zum1 vollendeten 16. Altersjahr.

Art. 6bis ii c. Mitglieder- ] Die Mitgliederbeiträge werden für die Krankenpflege-, die Kraneitrage kengeld- und die einzelnen Zusatzversicherungen getrennt festgesetzt und so bemessen, dass jede Versicherungsart selbsttragend ist und die nötigen Reserven gebildet werden können.

2

Die Mitgliederbeiträge können nach Eintrittsalter, Geschlecht und nach örtlich bedingten Kostenunterschieden abgestuft werden. Von Versicherten, die nicht anderweitig gegen Unfall versichert sind, kann ein Zuschlag erhoben werden. Richten sich die Taxen der Ärzte nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Versicherten (Art. 22-22ter), so sind die Mitgliederbeiträge entsprechend abzustufen: Steht die Versicherung in Verbindung mit, einem Arbeitsverhältnis, können die Mitgliederbeiträge nach der Höhe des Lohnes abgestuft werden. , 3

Die Beiträge für Frauen dürfen höchstens 10 Prozent höher sein als für Männer.

1243

Kranken- und Unfallversicherung 4

Für Kinder darf höchstens der risikogerechte Mitgliederbeitrag erhoben werden, vermindert um den Bundesbeitrag für Kinder (Art. 37 Abs. 1). Die Beiträge dürfen nicht nach dem Eintrittsalter und dem Geschlecht abgestuft werden.

5 Die Beiträge für Jugendliche unter 25 Jahren können niedriger angesetzt werden als für die übrigen Erwachsenen. Sie müssen aber höher sein als die Beiträge für Kinder.

Art. 11 iv. Ausschiuss ' Die Kassen dürfen keine Mitglieder wegen des Lebenswandels von Mitgliedern Q(jer aus polnischen oder konfessionellen Gründen ausschliessen.

2

Will eine Kasse ein Mitglied ausschliessen, weil es trotz Mahnung die geschuldeten Mitgliederbeiträge oder Kostenbeteiligungen für die Krankenpflegeversicherung nicht leistet, so muss sie dies der zuständigen Behörde des Wohnsitzkantons melden. Diese teilt der Kasse innert dreier Monate mit, ob sie die ausstehenden Mitgliederbeiträge und Kostenbeteiligungen übernimmt. Wird die Übernahme abgelehnt, so kann die Kasse das Mitglied ausschliessen.

Art. 12 D. versiehe' Die Leistungen der Krankenpflegeversicherung haben mindeLKgra£ngen stens zu umfassen: pfle8e 1. bei ambulanter Versorgung: a. die Untersuchungen und Behandlungen durch einen Arzt oder im Rahmen von Absatz 2 durch einen Zahnarzt; b. die Heilanwendungen und Pflegeleistungen von medizinischen Hilfspersonen oder Personen der Hauskrankenpflege, die ein Arzt oder Zahnarzt angeordnet hat; c. die Untersuchung und Behandlung durch einen Chiropraktor nach Artikel 21 Absatz 4; d. die von einem Arzt oder Zahnarzt verordneten Arzneimittel und Analysen sowie die für die Behandlung der Versicherten erforderlichen Mittel und Gegenstände.

2. bei stationärer Versorgung: die Behandlungspauschale für die allgemeine Abteilung (Art. 19bis und 22<ïuin<îuies) ; 3. einen Kurbeitrag für Badekuren, die ein Arzt zur Behandlung oder Nachbehandlung einer Krankheit angeordnet hat; 4. bestimmte Untersuchungen zur frühzeitigen Entdeckung von Krankheiten sowie vorsorgliche Massnahmen zugunsten von Versicherten, die in erhöhtem Masse gefährdet sind; 5. Massnahmen der medizinischen Rehabilitation.

1244

Kranken- und Unfallversicherung 2

Die Zahnbehandlung im Rahmen von Absatz l umfasst zahnchirurgische: und verwandte Behandlungen sowie, falls hiefür keine andere Versicherung aufkommt, die Behandlung von unfallbedingten Zahnschäden.

, 3 Die Leistungen der Krankenpflegeversicherung für die ambulante und stationäre Versorgung werden zeitlich unbeschränkt gewährt.

4 Der Bundesrat bestimmt Höhe und Dauer des Kurbeitrages bei Badekuren.

5 Der Bundesrat kann nach Anhören der von ihm bestellten Fachkommissionen die Leistungen der Krankenpflegeversicherung näher bezeichnen. Er kann neue oder bereits angewandte Untersuchungen oder Behandlungen nach Methoden, die wissenschaftlich nicht anerkannt, unzweckmässig oder unwirtschaftlich sind, von den Leistungen ausschliessen. Er kann insbesondere für Untersuchungen oder Behandlungen, die nicht mehr oder nur noch teilweise auf eine Krankheit gerichtet sind, die Leistungen ausschliessen oder einschränken.

6 Der Bundesrat erstellt nach Anhören der Arzneimittelkommission eine Liste der Arzneimittel, Analysen, Mittel und Gegenstände, welche die Kassen übernehmen müssen (Pflichtleistungen) sowie eine Liste der Arzneimittel und Präparate, welche die Kassen auch freiwillig nicht übernehmen dürfen. Für andere Arzneimittel dürfen die Kassen freiwillig höchstens den halben Preis vergüten. In die Liste der Pflichtleistungen werden nur Arzneimittel, Analysen, Mittel und Gegenstände aufgenommen, deren Anwendung wissenschaftlich anerkannt, zweckmässig und wirtschaftlich ist.

7 Der Bundesrat bestellt die Fachkommissionen und die Arzneimittelkommission. Er kann die Aufgaben nach den Absätzen 5 und 6 dem Eidgenössischen Departement des Innern oder, soweit sie die Festsetzung von einzelnen Pflichtleistungen betreffen, dem Bundesamt für Sozialversicherung übertragen.

Art. 12bis

n. Krankengeid

1

Die Kassen gewähren die Leistungen der freiwilligen Krankengeldversicherung, wenn der Versicherte mindestens zur Hälfte arbeitsunfähig ist. Sie bestimmen das versicherbare Krankengeld und die Leistungsdauer. Für die Mutterschaft gilt die Leistungsdauer nach Artikel 14 Absatz 6.

2 Die Krankengeldversicherung steht auch nicht erwerbstätigen Personen offen, soweit ihnen aus der Versicherung voraussichtlich kein Gewinn erwächst.

52 Bundesblatt.133.Jahr2.Bd.fi

1245

Kranken- und Unfallversicherung 3

Kinder dürfen nicht für Krankengeld versichert sein.

Hat der Versicherte den Gesundheitsschaden absichtlich oder grobfahrlässig herbeigeführt oder verschlimmert oder hat er trotz Mahnung die Anordnungen des Arztes nicht befolgt, so kann die Kasse das Krankengeld kürzen oder in besonders schweren Fällen ganz verweigern.

5 Hat der Versicherte für Angehörige zu sorgen, darf das Krankengeld um höchstens die Hälfte gekürzt werden. Während ärztlich angeordneten Entwöhnungskuren darf es nicht verweigert oder gekürzt werden.

4

Art. 121" 1

m. Zusatzversi- Die Kassen ermöglichen den für Krankenpflege versicherten Mit^Zahifbehand- gliedern eine Zusatzversicherung für Zahnbehandlungen, die nicht lungskosten nacfl Artikel 12 Absatz 2 gedeckt werden.

2

Diese Versicherung steht jedem Mitglied offen, das für Krankenpflege versichert ist und ein gesundes oder saniertes Gebiss hat.

3

Die Leistungen dieser Versicherung umfassen eine jährliche Gebisskontrolle und mindestens die Hälfte der Behandlungskosten, die nach dem anwendbaren Tarif geschuldet sind. Der Bundesrat kann die Leistungen für Behandlungen und Prothesen durch Höchstbeträge begrenzen.

Art. 12iuateT (neu)

2. Aufenthalt in ' Die Kassen ermöglichen den für Krankenpflege versicherten Mitemer Heilanstalt gj;e(jern ejne Zusatzversicherung, welche die Aufenthaltspauschale nach Artikel 22sexies Absatz l übernimmt. Die Leistungen dieser Zusatzversicherung werden zeitlich unbeschränkt gewährt.

2 Die Bestimmungen dieses Gesetzes über die Aufnahme und die Mitgliederbeiträge gelten sinngemäss. Bei einer Erhöhung der Aufenthaltspauschale darf kein neuer Vorbehalt angebracht werden.

3

Die Aufenthaltspauschale wird bei Krankheit und bei Mutterschaft ausgerichtet sowie bei Unfällen, soweit dafür keine andere Versicherung aufkommt.

Art. 13 Abs. 2 und 3 2 Im übrigen sind bei statütengemässer Krankheitsanzeige ärztliche Behandlung und Arznei vom Anfang der Krankheit an zu gewähren.

3 Aufgehoben 1246

Kranken- und Unfallversicherung Art. 14 Abs. 2 Ziff. 3 Bst. c (neu) und Ziff. 4 sowie Abs. 4-6, 7 (neu) Die Leistungen an die für Krankenpflege Versicherten haben überdies zu umfassen: 3. einen vom Bundesrat festzusetzenden Beitrag: c. an die Kosten der Pflege von Mutter und Kind zu Hause während einer beschränkten Zeit nach der Entbindung.

4. höchstens vier Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft und eine Kontrolluntersuchung innerhalb von acht Wochen nach der Niederkunft. ·, 4 Der Versicherten, die ihre Erwerbstätigkeit weniger als acht Wochen vor ihrer Niederkunft ganz oder teilweise aufgibt, darf deswegen das versicherte Krankengeld nicht herabgesetzt werden. Sie hat nur Anspruch auf das versicherte Krankengeld, sofern sie keine gesundheitsschädlichen Tätigkeiten verrichtet.

5 Ist die Frau nicht nach Artikel 40a für ein Krankengeld obligatorisch versichert, so gewährt ihr die Kasse ein Taggeld. Stillt die Versicherte ihr Kind während zehn, Wochen ganz oder teilweise, gewährt ihr die Kasse ein Stillgeld. Der Bundesrat setzt die Höhe des Taggeldes und des Stillgeldes fest.

6 Kbntrolluntersuchungen und Pflegeleistungen, die mit der Mutterschaft zusammenhängen, sind vom Beginn der Schwangerschaft an bis acht Wochen nach der Niederkunft zu gewähren. Die Leistungen der Krankengeldversicherung erstrecken sich auf 16 Wochen, wovon mindestens acht nach der Niederkunft liegen müssen.

Sie dürfen nicht an die Leistungsdauer bei Krankheit angerechnet werden und sind auch nach deren Erschöpfung zu gewähren.

7 Ist eine Frau nicht für Krankenpflege versichert und erreicht ihr anrechenbares Einkommen und Vermögen eine vom Bundesrat festgesetzte Höhe nicht, erhält sie die Leistungen bei Mutterschaft, wenn sie bei ihrer Niederkunft ohne Unterbrechung seit mindestens 270 Tagen in der Schweiz Wohnsitz hatte. Die Leistungen werden zu vier Fünfteln ausgerichtet. Die Frau kann den Anspruch gegen eine angemessene Gebühr bei jeder Kasse ihres Wohnortes geltend machen. Die Tarife, Leistungsansätze und Verfahrensregeln der betreffenden Kasse sind anwendbar.

1

Art. 14bis

vu. selbstbehalt ' Die Kassen sind verpflichtet, den Versicherten einen Selbstbehalt aufzuerlegen. Der Selbstbehalt ist für beide Geschlechter gleich und beträgt für Erwachsene 20 Prozent der Krankenpflegeleistungen bis zu einem jährlichen Höchstbetrag, den der Bundesrat festsetzt. Für Kinder beträgt der Selbstbehalt 10 Prozent bis zum halben Höchstbetrag.

1247

Kranken- und Unfallversicherung 2

Kein Selbstbehalt darf erhoben werden: a. bei einem Aufenthalt in einer Heilanstalt; b. bei Vorsorgeuntersuchungen und Kontrollmassnahmen ; c. auf den Leistungen bei Mutterschaft.

3 Der Bundesrat kann bestimmen, dass Erwachsene für bestimmte Leistungen zusätzlich einen festen Betrag oder einen höheren Selbstbehalt zu entrichten haben. Er kann für kostspielige Dauerbehandlungen den Selbstbehalt herabsetzen oder aufheben.

4 Die Kassen können eine Versicherung anbieten, nach der das Mitglied im Jahr einen bestimmten Betrag (Franchise) übernimmt, der dem Selbstbehalt mindestens gleichwertig ist. Die Prämie ist entsprechend zu reduzieren. Die Kassen regeln den Wechsel von der einen Art der Kostenbeteiligung zur anderen.

Art. 18

n. Vertrauens-

arzte

iv. Wahl der Koste"»«'nähme

1248

' Die Kassen bestellen Vertrauensärzte, insbesondere zur Kontrolle der Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Behandlung.

2 Ärzte, Apotheker, Chiropraktoren, Hebammen, medizinische Hilfspersonen, Laboratorien und Heilanstalten müssen den Vertrauensärzten die notwendigen Angaben machen.

Art. 19bis ' Der Versicherte kann unter den inländischen Heilanstalten, die f ur die Behandlung seiner Krankheit geeignet sind, frei wählen, Anstalten oder Abteilungen von solchen, die der stationären Behandlung von Kranken dienen, unter dauernder ärztlicher Leitung stehen, über das erforderliche fachgemäss ausgebildete Pflegepersonal und über zweckentsprechende medizinische Einrichtungen verfügen, gelten als Heilanstalten.

2 Begibt sich der Versicherte an seinem Wohnort, in dessen Umgebung oder aus medizinischen Gründen anderswo in eine Heilanstalt, die Mitglieder von Kassen nach diesem Gesetz behandelt, übernimmt die Kasse die in dieser Heilanstalt für den Versicherten geltende Behandlungspauschale.

3 Begibt sich der Versicherte in eine andere Heilanstalt, übernimmt die Kasse die Behandlungspauschale derjenigen entsprechenden Heilanstalt, die dem Wohnort des Versicherten am nächsten liegt und Mitglieder von Kassen nach diesem Gesetz behandelt.

4 Verordnet der Arzt eine Badekur, kann der Versicherte unter den anerkannten Heilbädern frei wählen. Der Bundesrat umschreibt die Voraussetzungen, denen Heilbäder hinsichtlich ärztlicher Leitung, Heilanwendungen und Heilwasser zu genügen haben. Das Departement des Innern anerkennt die Heilbäder.

Kranken- und Unfallversicherung 5

Die Kantone erstellen nach Anhören von Vertretern der Kassen eine nach Kategorien gegliederte Liste der Heilanstalten ihres Gebietes.

Art. 21 Abs. l zweiter Satz (neu), Abs. 4 zweiter Satz, Abs. 5 zweiter Satz sowie Abs. 6 und 7 (neu) l ... Die Bestimmungen für Ärzte gelten, wenn nichts anderes vorgesehen ist, sinngemäss auch für Zahnärzte.

4 ... Die Artikel 15 Absatz l, 16 Absatz l und 17 Absatz l gelten sinngemäss.

5 ... Die Artikel 15 Absatz l, 16 Absatz l und 17 Absatz l gelten sinngemäss.

6 Der Bundesrat erlässt nach Anhören der Kantone und der interessierten Organisationen Vorschriften über die Zulassung und den Tätigkeitsbereich von medizinischen Hilfspersonen mit Einschluss der Personen der Hauskrankenpflege und von Laboratorien mit einem wissenschaftlich ausgebildeten Leiter, welche Analysen durchführen. Strengere kantonale Vorschriften bleiben vorbehalten. Die Artikel 15 Absatz l, 16 Absatz l und 17 Absatz l gelten sinngemäss.

7 Der Bundesrat kann für Analysen von Ärzten und von Laboratorien, die für die Krankenversicherung tätig sind, systematische wissenschaftliche Kontrollen vorsehen.

Art. 22 Abs. 3 dritter Satz ,· 3 ... Die Verträge bedürfen" der Genehmigung der, Kantonsregierung; diese prüft, ob die vereinbarten Taxen und die übrigen Vertragsbestimmungen mit dem Gesetz und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Billigkeit in Einklang stehen.

Art. 22bis Abs. 7 zweiter Satz 1

... Der Arzt hat in der Krankenpflege- und Krankengeldversicherung dem Honorarschuldner alle Angaben zu machen, die für die Festsetzung der Leistungen und für die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit der Behandlung notwendig sind.

Art. 22'3uaKr n. Andere ' Der Bundesrat bestimmt nach Anhören: der Arzneimittelkommiskmte^ehan^11 si°n die Tarife für die von den Kassen zu übernehmenden Arzneilungen mittel, Analysen, Mittel und Gegenstände. Dabei ist er bestrebt, die Kosten in einem für die Kassen tragbaren Mass zu halten und eine ausreichende und zweckmässige Versorgung der Versicherten 53

Bundesblatt. 133.Jahrg. Bd.II

1249

Kranken- und Unfallversicherung sicherzustellen. Er kann diese Aufgabe dem Eidgenössischen Departement des Innern oder dem Bundesamt für Sozialversicherung übertragen. Die Tarife für Analysen können durch Vertrag und im vertragslosen Zustand durch die Kantonsregierung um höchstens 10 Prozent gesenkt werden.

2 Die Tarife für die Leistungen der Chiropraktoren, Hebammen, medizinischen Hilfspersonen und für ambulante Behandlungen der Heilanstalten werden in Verträgen mit den Kassen festgesetzt.

Kommt kein Vertrag zustande, bestimmt die Kantonsregierung nach Anhören der Beteiligten die Tarife.

3 Die Verträge der Kassen mit Apothekern, Chiropraktoren, Hebammen, medizinischen Hilfspersonen, Laboratorien und Heilanstalten bedürfen der Genehmigung der Kantonsregierung. Diese prüft, ob die vereinbarten Taxen und die übrigen Vertragsbestimmungen mit dem Gesetz und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Billigkeit in Einklang stehen.

4 Artikel 22bis Absatz 7 gilt sinngemäss. Der Versicherte kann verlangen, dass ihm der Apotheker erst nach Abschluss der Behandlung Rechnung stellt.

Art. 22iuìa<iuìes .

in. Vergütung Die Behandlungspauschale (Art. 12 Abs. l Ziff. 2) deckt einen aufeStef"8" Teil der Betriebskosten der Heilanstalt je Pflegetag und Patient für 'auscìwì'"1"185 ^i6 aUgemeine Abteilung. Investitionskosten sowie Aufwendungen für Lehre und Forschung dürfen nicht berücksichtigt werden.

2 Die Kassen und die Heilanstalt setzen die Behandlungspauschale in einem Vertrag fest. Der Vertrag bedarf der Genehmigung der Kantonsregierung. Sie prüft, ob der Vertrag mit dem Gesetz und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Billigkeit in Einklang steht.

Kommt kein Vertrag zustande, setzt die Kantonsregierung für die Heilanstalten, die Mitglieder von Kassen nach diesem Gesetz behandeln, nach Anhören der Beteiligten die Behandlungspauschale fest.

3 Die Heilanstalten ermitteln ihre Kosten nach anerkannten Grundsätzen der Kostenstellenrechnung. Die Kantonsregierung und die Kassen können die Rechnung und die Unterlagen einsehen.

4 Für Versicherte, die nicht im Kanton wohnen, in dem sich die Heilanstalt befindet, kann eine höhere Behandlungspauschale festgesetzt werden. .Diese darf zusammen mit der Aufenthaltspauschale höchstens die vollen Betriebskosten je Pflegetag und Patient für die allgemeine Abteilung decken.

1

1250

Kranken- und Unfallversicherung 5

Lässt sich der Versicherte in der privaten Abteilung behandeln, kann die Heilanstalt ihre Leistungen nach anderen Grundsätzen berechnen. Sie darf aber für die einzelnen Leistungen die Tarife für ambulante Behandlungen nicht überschreiten.

6 Der Bundesrat, bestimmt nach Anhören der Beteiligten über Art und Höhe der Kassenleistungen bei einem partiellen Aufenthalt in einer Heilanstalt und bei Aufenthalt in Anstalten und Heimen, die ihre Insassen medizinisch betreuen, aber keine Heilanstalten sind.

Art. 22^xies (neu) 2. AufenthaltsZusätzlich zur Behahdlungspauschale muss der Versicherte eine pauschale yom gun(jesrat festgesetzte Aufenthaltspauschale übernehmen.

1

2

Befindet sich ein Versicherter, der eine Rente der AHV, der Invalidenversicherung (IV), der obligatorischen Unfallversicherung oder der Militärversicherung bezieht, keinen eigenen Haushalt führt iund keine weiteren Personen zu unterstützen hat, ohne wesentlichen Unterbruch länger als 6 Monate in einer Heilanstalt, kann die Heilanstalt die Aufenthaltspauschale erhöhen. Die Heilanstalt darf für die Behandlungs- und Aufenthaltspauschale aber höchstens jenen Betrag verlangen, der den Patienten berechnet wird, die nicht Mitglieder von Kassen sind. Dem Versicherten muss injedem Fall von der Rente ein angemessener Betrag für die persönlichen Bedürfnisse verbleiben.

3 Mit der Behandlungs- und der Aufenthaltspauschale sind für die allgemeine Abteilung alle Ansprüche der Heilanstalt abgegolten.

Art. 22sePti" (neu) 1

iv. Harmonisie- Der, Bundesrat kann, Grundsätze für eine betriebswirtschaftliche Srond<te°°r~ Berechnung und sachgerechte Struktur der Tarife für ambulante Tarife Behandlungen ^aufstellen. Er sorgt für die Koordination mit den Tarifordnungen anderer Sozialversicherungszweige.

2 Er kann für bestimmte Leistungen oder Behandlungen, insbesondere für technisch-apparative, Leistungen, Richtsätze aufstellen.

Für die Leistungen bei Mutterschaft kann er Höchst- und Richtsätze aufstellen.

3 Er kann Betriebsvergleiche zwischen Heilanstalten anordnen. Die Kantone und die Heilanstalten müssen dafür die notwendigen Unterlagen liefern.

, , , Art. 22°aies (neu) v. Beschwerde- Gegen die Erlasse und Entscheide der Kantonsregierung nach den recht Artikeln 22-22<iuilKiuies kann Beschwerde an den Bundesrat erhoben werden.

1251

Kranken- und Unfallversicherung

Art. 23 Randtitel sowie Abs. l zweiter Satz (neu) und Abs. 2 (neu) vi. WirtschaftBehandiung

'... Die Kassen können für Leistungen, die über dieses Mass hinausgehen, ihre Vergütungen von diesen Personen oder Einrichtungen zurückfordern.

2

Dem Versicherten ist eine detaillierte Rechnung zuzustellen.

Art. 25 Abs. 4bis (neu) 4bis j)je Kantone können die Aufgaben des Schiedsgerichtes dem kantonalen Versicherungsgericht übertragen; dieses wird durch je einen Vertreter der Beteiligten ergänzt.

Art. 26 Abs. l, 3 und 4 1

Den Versicherten darf aus der Versicherung kein Gewinn erwachsen. Der Bundesrat umschreibt im einzelnen, wann ein Versicherungsgewinn vorliegt; er berücksichtigt namentlich bei Hausfrauen und Selbständigerwerbenden auch die Aufwendungen für eine Ersatzkraft.

3

Sind neben Kassen andere Versicherungsträger oder öffentliche Gesundheitsdienste leistungspflichtig, gewähren die Kassen ihre Leistungen höchstens soweit dem Versicherten unter Berücksichtigung der anderen Leistungen kein Gewinn erwächst.

4

Der Bundesrat regelt das Verhältnis der Krankenversicherung zu den übrigen Sozialversicherungen, insbesondere in bezug auf a. die Vorleistungspflicht für Pfiegeleistungen und Taggelder und die nachträgliche Übernahme der zum voraus erbrachten Leistungen; b. die gegenseitige Meldepflicht über die Festsetzung und Änderung der Leistungen ; c. die Abgrenzung der Leistungspflicht beim Zusammentreffen von Unfall und Krankheit; d. das Beschwerderecht der Kassen gegen Verfügungen aus dem Bereich einer anderen Sozialversicherung.

Art. 30ter 3. Beschwerde Gegen die Entscheide der kantonalen Schiedsgerichte und Vernossïchê^r- Sicherungsgerichte kann beim Eidgenössischen Versicherungsge'erichTM88 rïcht Verwaltungsgerichtsbeschwerde nach dem Bundesgesetz über die Organisation der Bundesrechtspflege1) erhoben werden.

» SR 173.110

1252

Kranken- und Unfallversicherung

VII. Rückgriff auf haftpflichtige Dritte

Art. 32 Die Kassen treten bis zur Höhe ihrer Leistungen in die Ansprüche des Versicherten gegenüber einem haftpflichtigen Dritten ein. Die Artikel 48 'et-48sexles des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) ^ und Artikel 52 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)2> gelten sinngemäss.

Art. 33 Randtitel

VIII: Aufsicht; Ordnungsmassnahmen

Art. 34 Randtitel IX. Verzicht auf die Anerkennung.

Neue Anerkennung

M. Beiträge der öffentlichen Hand I. Bundesbeiträge 1. Lastenausgleich

i. Beiträge für alvîutterschaft

Art. 35 1 Der Bund gewährt den Kassen in der Krankenpflegeversicherung jährlich einen Beitrag zur Erleichterung einer ausgewogenen Lastenverteilung unter den Mitgliedern. Der Beitrag an die einzelne Kasse bemisst sich nach der Zahl der versicherten Mitglieder, die eine Rente der IV oder eine Altersrente der AHV beziehen.

2 Der Beitrag für einen Versicherten, der, eine IV-Rente bezieht, ist doppelt so hoch wie der Beitrag für einen Altersrentner der AHV.

Art. 36 Der Bund vergütet den Kassen ' die Leistungen, die sie nach Arti^el 14 bei Mutterschaft ausrichten.

Art. 36bis (neu)

b. Kostenausgleich

Der Bund gewährt den Kassen in der Krankenpflegeversicherung jährlich einen Beitrag zum teilweisen Ausgleich der höheren Krankenpflegekosten der Frauen. Der Beitrag an die einzelne Kasse bemisst sich nach der Zahl der versicherten Frauen. Bei der Festsetzung wird der im Landesmittel errechnete Unterschied zwischen den Kosten der Krankenpflegeversicherung der Frauen und der Männer berücksichtigt.

'> SR 831.10 2 > SR 831.20

1253

Kranken- und Unfallversicherung Art. 37 3. Beiträge für Kinder

4. Wartgelder

1 Der Bund gewährt den Kassen in der Krankenpflegeversicherung jährlich einen Beitrag zur Ermässigung der Mitgliederbeiträge der Kinder.

2 Der Bund übernimmt ferner die Mitgliederbeiträge der Krankenpflegeversicherung für das dritte und die folgenden Kinder einer Familie. Dabei werden Kinder unter 25 Jahren, die noch in Ausbildung begriffen sind, mitberücksichtigt.

3 Er gewährt keine Beiträge nach diesem Artikel für Kinder bei Versicherungen mit Franchise (Art. 14bis Abs. 4).

Art. 37bis (neu) Der Bund übernimmt in Berggebieten nach dem Bundesgesetz vom 28. Juni 19741' über Investitionshilfe für Berggebiete die Hälfte der Wartgelder, welche die Kantone, Gemeinden und Kassen an Ärzte ausrichten.

Art. 38 n. Beiträge der ' Die Kantone gewähren Beiträge für wirtschaftlich schwächere Kantone Versicherte, um deren Mitgliederbeiträge zu verbilligen. Sie umschreiben den Kreis der wirtschaftlich schwächeren Versicherten und das Ausmass der Verbilligung der Mitgliederbeiträge.

2 Die Kantone übernehmen ferner die Mitgliederbeiträge für die Krankenpflegeversicherung und die Kostenbeteiligung, wenn deren Bezahlung für den Versicherten oder den Unterhaltspflichtigen eine grosse Härte bedeuten würde.

3 Kantonen mit geringer Finanzkraft und einem hohen Anteil an Berggebieten vergütet der Bund einen Teil der Beiträge nach Absatz 1. Die Höhe dieses Beitrages wird durch einfachen Bundesbeschluss festgesetzt. Der Bundesrat bezeichnet die berechtigten Kantone und den Vergütungssatz. Er kann die Vergütung von einem Mindestmass der Prämienverbilligung durch den Kanton abhängig machen.

Art.38bis in. Höhe der Bundesbeiträge

'> SR 901.1

1254

1

Die jährlichen Beiträge des Bundes nach den Artikeln 36, 37 AbAufwendungen und Prämienausfällen im vorangegangenen Kalenderjahr.

2 Die jährlichen Beiträge des Bundes nach den Artikeln 35, 36bis und 37 Absatz l werden durch einfachen Bundesbeschluss jeweils

satz 2 und 3?bis richten sich nach den

Kranken- und Unfallversicherung

für drei Jahre festgesetzt. Die Kostenentwicklung in der Krankenpflegeversicherung sowie die Finanzlage des Bundes sind dabei zu berücksichtigen.

Art. 38ter (neu)

:

'

..

iv. Beteiligung ' Die Kantone beteiligen sich zu 50 Prozent an den Beiträgen des der Kantone am Bundesbeitrag Bundes nach Artikel 38«'.

2 Der Anteil des einzelnen Kantons berechnet sich namentlich nach ' a. den gesetzlichen Leistungen für Krankenpflege, welche die Kassen für die Versicherten im Kanton erbringen; b. der Abweichung der Leistungen je Versicherten vom schweizerischen Durchschnitt; c. seinen Aufwendungen für das Spitalwesen und für die Verbilligung der Mitgliederbeiträge wirtschaftlich schwächerer Versicherter, 3 Der Bundesrat ordnet die Einzelheiten nach Anhören der Kantone.

Art. 39

N. Krankenversicherung und G e s u wesen Statistik '

n. Eidgenössi-

' Der Bund fördert unter Mitwirkung der Kantone die Zusammender ndheitsPerson Personen und Institutionen, die an der Krankenversicherung .beteiligt sind. Er kann sich an solchen Institutionen beteiligen öder mit ihnen Vereinbarungen über die Zusammenarbeit abschliessen.

2 Der Bund kann im Bereich der Krankenversicherung statistische Erhebungen durchführen oder durchführen lassen. Die Kassen, Ärzte, Apotheker, Chiropraktoren, Hebammen, medizinischen Hilfspersonen, Laboratorien und Heilanstalten oder ihre Organisationen müssen an solchen Erhebungen mitwirken und die erforderlichen Angaben machen.

Art. 39bls (neu) ' Der Bundesrat ernennt die Eidgenössische Kommission für die

sche Kommission f ü r d i e Krankenversicherung. I n i h r sind d e r Bund, d i e chenmg ten.

2

Die Kommission begutachtet zuhanden des Bundesrates Fragen der Durchführung und Weiterentwicklung der Krankenversicherung und damit zusammenhängende Fragen der Gesundheitspolitik. Der Bundesrat kann ihr weitere Aufgaben übertragen. Sie kann dem Bundesrat von sich aus Anregungen unterbreiten.

1255

Kranken- und Unfallversicherung Gliederungstitel Drittes Kapitel: Die obligatorische Krankengeldversicherung (neu) l. Abschnitt: Die Versicherungspflicht Art. 40a

Versicherte ersonen

pflichten des Arbeitgebers

Beginn und Versicherung

Ende der

1256

' Obligatorisch für Krankengeld versichert sind Arbeitnehmer, die ^ ^gj- Schweiz beschäftigt sind und nicht eine Altersrente der AHV beziehen.

2 Arbeitnehmer, die für beschränkte Zeit im Ausland für einen Arbeitgeber in der Schweiz tätig sind, bleiben versichert. Arbeitnehmer, die für beschränkte Zeit in der Schweiz für einen Arbeitgeber im Ausland tätig sind, sind nicht versichert. Der Bundesrat kann abweichende Vorschriften erlassen, namentlich für Arbeitnehmer von Transportbetrieben und öffentlichen Verwaltungen.

3 Der Bundesrat kann a. die Versicherungspflicht auf Personen ausdehnen, die in einem arbeitsvertragsähnlichen Verhältnis stehen; b. Ausnahmen von der Versicherungspflicht vorsehen, namentlich für mitarbeitende Familienglieder, unregelmässig Beschäftigte sowie Arbeitnehmer internationaler Organisationen und ausländischer Staaten.

4 Der Arbeitgeber kann sich zu den gleichen Bedingungen wie seine Arbeitnehmer beim gleichen Versicherungsträger versichern.

Art. 40b Der Arbeitgeber muss alle Arbeitnehmer des gleichen Betriebes beim gleichen Versicherungsträger versichern. Die Arbeitnehmer haben bei der Wahl des Versicherungsträgers ein Mitbestimmungsrecht.

Art. 40c ' Die Versicherung beginnt mit dem Antritt der Arbeitsstelle.

2 Die Versicherung endet a. mit dem Ablauf des 30. Tages nach dem Tage, an dem der Anspruch- auf den Lohn aufhört; b. für im Ausland wohnhafte Personen: mit dem Wegfall des Lohnanspruches ; c. mit Erreichen des Rentenalters der AHV.

3 Der Bundesrat erlässt besondere Bestimmungen über die Fortdauer der Versicherung und die Leistungspflicht bei Arbeitsunfä-

Kranken- und Unfallversicherung higkeit wegen eines Unfalles, bei Arbeitslosigkeit und für Arbeitnehmer, die im Ausland für einen Arbeitgeber in der Schweiz tätig sind.

Art.40d übertritt von sehen irfd'ie" freiwiiiige

'Die Versicherungsträger (Art. 40 n) sind verpflichtet, in der Schweiz wohnhafte Personen, die aus der obligatorischen Versicherung ausscheiden, ohne Rücksicht auf deren Alter oder Gesundheitszustand in die freiwillige Versicherung aufzunehmen. Die Versicherungsträger müssen diesen Personen den bisherigen Umfang der Leistungen wahren, wenn damit keine Überversicherung entsteht. Die Dauer der obligatorischen Versicherung ist auf die Dauer eines allfälligen Vorbehalts, die höchstens fünf Jahre betragen darf, anzurechnen.

2 Der Bundesrat regelt den Übertritt näher und erlässt Bestimmungen, insbesondere über die Pflicht zur Information der Versicherten und über die,Prämien für die freiwillige Versicherung.

2. Abschnitt: Das Krankengeld Art. 40e

Anspruch

Höhe

' Das' Krankengeld wird gewährt, wenn der Versicherte mindestens zur Hälfte arbeitsunfähig ist.

2 Kein Anspruch entsteht, wenn der Versicherte in den zwei Jahren vor Eintritt des Versicherungsfalles gesamthaft weniger als drei Monate nach diesem Gesetz obligatorisch oder freiwillig für Krankengeld versichert war.

3 Der Bundesrat kann die Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit näher regeln.

Art. 40f ' Das Krankengeld beträgt bei Voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird das Krankengeld entsprechend gekürzt.

2 Der versicherte Verdienst für die Berechnung des Krankengeldes entspricht dem letzten vor dem Eintritt des Versicherungsfalles bezogenen Lohn.

3 Der Bundesrat setzt den Höchstbetrag des versicherten Verdienstes fest und bezeichnet die dazu gehörenden Nebenbezüge und Ersatzeinkünfte. Er erlässt Bestimmungen über den versicherten Verdienst in Sonderfällen.

1257

Kranken- und Unfallversicherung Art. 40g

Kürzung und Verweigerung

' Hat der Versicherte den Gesundheitsschaden absichtlich oder grobfahrlässig herbeigeführt oder verschlimmert oder hat er trotz Mahnung die Anordnungen des Arztes nicht befolgt, so kann der Versicherungsträger das Krankengeld kürzen oder in besonders schweren Fällen ganz verweigern.

2 Hat der Versicherte für Angehörige zu sorgen, darf das Krankengeld um höchstens die Hälfte gekürzt werden. Während ärztlich angeordneten Entwöhnungskuren darf es nicht verweigert oder gekürzt werden.

Art. 40h

Dauer

' Der Anspruch auf das Krankengeld entsteht, wenn nichts anderes vereinbart ist, am 31. Tag nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit.

2 Die Wartefrist kann durch Vereinbarung verlängert oder verkürzt werden. Sie kann bis auf drei Monate verlängert werden, wenn der Arbeitgeber vertraglich verpflichtet ist, für diese Zeit Lohn zu entrichten. Besteht eine weitergehende Lohnzahlungspflicht aufgrund einer gesetzlichen Bestimmung oder eines Gesamtarbeitsvertrages, kann die Wartefrist entsprechend verlängert werden.

3 Das Krankengeld wird während längstens 540 Tagen ausgerichtet, wenn die Arbeitsunfähigkeit ohne wesentlichen Unterbruch andauert. Die Wartefrist wird an die Leistungsdauer angerechnet.

Der Anspruch auf das Krankengeld erlischt, wenn der Versicherte mehr als zur Hälfte arbeitsfähig wird, wenn er eine Altersrente der AHV erhält oder wenn er stirbt. Die Beendigung der Versicherung hat keinen Einfluss auf laufende Leistungen.

4 Nach Ablauf von 540 Tagen wird während längstens 180 Tagen ein vermindertes Krankengeld gewährt, sofern der Versicherte keine Rente der IV bezieht, aber die versicherungsmässigen Voraussetzungen für eine Leistung der IV erfüllt und sich zum Bezug einer solchen Leistung angemeldet hat. Dieses Krankengeld beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit für alleinstehende Personen 40 Prozent und für Personen mit Unterhaltspflichten 50 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend herabgesetzt.

5 Der Bundesrat kann die Leistungsdauer bei Verlegung des Wohnsitzes in das Ausland und an Rentner der IV einschränken.

Taggeld bei

Art. 40i ' Bei Mutterschaft wird das gleiche Taggeld ausgerichtet wie bei

Mutterschaft

^nkheit.

1258

Kranken- und Unfallversicherung 2

Die Versicherte hat Anspruch auf das Taggeld, wenn sie ihre Erwerbstätigkeit frühestens acht Wochen vor der Niederkunft einstellt .und sofern sie keine gesundheitsschädliche Tätigkeiten verrichtet.

3 Die Versicherte erhält das Taggeld vom Tag an, an dem sie nicht mehr oder zu weniger als zur Hälfte arbeitet. Das Taggeld wird während 16 Wochen ausgerichtet, wovon mindestens acht Wochen nach der Niederkunft liegen müssen. Diese Dauer darf nicht an die Leistungsdauer bei Krankheit angerechnet werden und das Taggeld ist auch nach deren Erschöpfung auszurichten.

Art. 40k

,

:

]

Die Versicherungsträger treten bis zur Höhe ihrer Krankengeldleistungen in die Ansprüche des Versicherten gegenüber der IV

Sozialversiche- . gjjj Hingen

,

·

2

Der Bundesrat regelt das Verhältnis der obligatorischen Krankengeldversicherung zu den übrigen Sozialversicherungen.

3. Abschnitt: Die Finanzierung Art. 401 ' ' ' ' ' ! ' .

Die Prämien werden nach einheitlichen versicherungstechnischen Grundsätzen in Promillen des versicherten Verdienstes (Art. 40/) festgesetzt. Für alle Versicherten eines Betriebes gilt der gleiche Ansatz.

2 Die Prämien werden zur Hälfte vom Arbeitgeber übernommen.

Abweichende Abreden zugunsten des Arbeitnehmers bleiben vorbehalten. Der Arbeitgeber schuldet die ganze Prämie. Er zieht den Anteil des Arbeitnehmers von dessen Lohn ab.

3 Der Bundesrat erlässt Bestimmungen über die Bemessung und Erhebung der Prämien und über die Bildung von Reserven.

Prämien

1

Ersatzprämien

ì

Art. 40m Unterlässt es ein Arbeitgeber, alle oder einen Teil seiner Arbeitnehmer zu versichern i oder die Prämien zu bezahlen, so erhebt der Versicherungsträger oder die Ersatzkasse (Art. 40o) für die Dauer der Säumnis, höchstens aber für fünf Jahre, eine Ersatzprämie.

2 Die Ersatzprämie besteht aus dem geschuldeten Prämienbetrag zuzüglich Verzugszinsen und wird verdoppelt, wenn sich der Arbeitgeber in unentschuldbarer Weise der Verpflichtung entzogen hat, seine Arbeitnehmer zu versichern oder die Prämien zu ent1259

Kranken- und Unfallversicherung richten. Im Wiederholungsfall kann die Ersatzprämie auf den dreibis zehnfachen Prämienbetrag festgesetzt werden.

3 Ersatzprämien dürfen dem Arbeitnehmer nicht vom Lohn abgezogen werden.

4. Abschnitt: Die Organisation Art. 40n

Versicherungs-

' Die obligatorische Krankengeldversicherung wird von den Kassen und von den dem Versicherungsaufsichtsgesetz vom 23. Juni 1978 ^ unterstehenden Versicherungseinrichtungen durchgeführt, welche die Bewilligung zum Betrieb der Krankenversicherung besitzen.

1 Die Versicherungsträger, die sich an der Durchführung der Krankengeldversicherung beteiligen wollen, lassen sich in ein vom Bundesamt für Sozialversicherung geführtes öffentliches Register eintragen.

Ersatzkasse

l

trager

Art. 40o

') SR 961.01

1260

Die Versicherungsträger errichten in Form einer Stiftung eine Ersatzkasse und bestellen deren Organe. Die Stiftungsurkunde und die Réglemente bedürfen der Genehmigung des Bundesrates.

2 Die Versicherungsträger überweisen der Ersatzkasse von den Prämieneinnahmen aus der Krankengeldversicherung einen Anteil, der zusammen mit den Ersatzprämien (Art. 40m) alle Aufwendungen deckt.

3 Kommt die Gründung der Ersatzkasse nicht zustande, so nimmt sie der Bundesrat vor. Er erlässt die nötigen Vorschriften, wenn sich die Versicherungsträger über den Betrieb der Kasse nicht einigen können.

4 Die Ersatzkasse erbringt die gesetzlichen Krankengeldleistungen an Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitgeber nicht versichert worden sind. Sie trägt die Kosten für die gesetzlichen Krankengeldleistungen von Versicherungsträgern, die zahlungsunfähig geworden sind. Die Kasse zieht vom säumigen Arbeitgeber die geschuldeten Ersatzprämien (Art. 40m) ein. Sie kann Arbeitgeber, die ihre Arbeitnehmer nach erfolgter Mahnung nicht versichert haben, einem Versicherungsträger zur Begründung des Versicherungsverhältnisses zuweisen.

Kranken- und Unfallversicherung

Aufsicht

Aufgaben der Kantone

Art. 40p ' Der Bundesrat erlässt einheitliche Vorschriften über die Durchführung der obligatorischen Krankengeldversicherung. Er kann von den Versicherungsträgern Rechnungen, Statistiken sowie weitere Unterlagen und Auskünfte einfordern und die notwendigen Massnahmen zur Behebung der festgestellten Mängel ergreifen.

2 Die Versicherungsträger können im Falle von schwerer Missachtung der gesetzlichen Vorschriften von der Durchführung der obligatorischen Krankengeldversicherung ausgeschlossen werden.

3 Im übrigen gilt für die privaten Versicherungseinrichtungen das Versicherungsaufsichtsgesetz vom 23. Juni 1978i1) und für die Kassen Artikel 33. Bei der Ersatzkasse übt der Bundesrat auch die Stiftungsaufsieht nach Artikel 84 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches2^ aus.

An. 40q Die Kantone klären die Arbeitgeber über die Pflicht zur Versicherung der Arbeitnehmer auf und überwachen deren Einhaltung.

Sie können für diese Aufgaben ihre AHV-Ausgleichskassen beiziehen.

2 Der Bundesrat kann den kantonalen AHV-Ausgleichskassen weitere Aufgaben im Rahmen der obligatorischen Krankengeldversicherung gegen Entschädigung übertragen.

l

5. Abschnitt: Rechtspflege und Strafbestimmungen

Rechtspflege

Art. 40r Die Artikel 25 und 30-30ter gelten sinngemäss für alle Streitigkeiten in der obligatorischen Krankengeldversicherung.

'Art. 40s strafbestimmun- Wer sich durch unwahre oder unvollständige Angaben oder in angen derer Weise der Versicherungs- oder der Prämienpflicht ganz oder teilweise entzieht, wer als Arbeitgeber einem Arbeitnehmer Prämien vom Lohn abzieht, sie indessen dem vorgesehenen Zweck entfremdet, wer durch unwahre oder unvollständige Angaben oder in anderer Weise für sich oder einen anderen eine Leistung aufgrund dieses Gesetzes erwirkt, die ihm nicht zukommt,

')2 SR 961.01 > SR210 1261

Kranken- und Unfallversicherung wird, sofern nicht ein mit einer höheren Strafe bedrohtes Verbrechen oder Vergehen des Strafgesetzbuches vorliegt, mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Busse bestraft.

II

Änderung anderer Bundesgesetze 1. Das Obligationenrecht ') wird wie folgt geändert : Art. 336e Abs. l Bst. c 1 Nach Ablauf der Probezeit darf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nicht kündigen : c. Während der Schwangerschaft und in den 16 Wochen nach der Niederkunft einer Arbeitnehmerin.

Art. 361 Abs. l 1 Durch Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag darf von den folgenden Vorschriften weder zu Ungunsten des Arbeitgebers noch des Arbeitnehmers abgewichen werden: Artikel 336e Absatz, l Buchstaben a, b und d, Absätze 2 und 3 und 336/(Kündigung zur Unzeit)

Art. 362 Abs. l 1 Durch Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag darf von den folgenden Vorschriften zu Ungunsten des Arbeitnehmers nicht abgewichen werden : Artikel 336 e Absatz l Buchstabe c (Kündigung bei Schwangerschaft und Niederkunft der Arbeitnehmerin)

2. Das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung2) wird wie folgt geändert:

Art. 12 Aufgehoben

') SR220 ) SR 831.20

J

1262

Kranken- und Unfallversicherung

i

Art. 31 Abs. l erster Satz 1 Entzieht oder widersetzt sich ein Versicherter einer angeordneten zumutbaren Eingliederungsmassnahme oder einer zumutbaren medizinischen Behandlung, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit erwarten lässt, oder trägt er nicht aus eigenem Antrieb das ihm Zumutbare zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit bei, so fordert ihn die Versicherung zur Mitwirkung bei der Eingliederung auf, unter Ansetzung einer angemessenen Frist und Androhung der Säumnisfolgen....

Art. 44bis (neu)

Medizinische Behandiungen

.

·

.

' Kommt für eine medizinische Behandlung keine andere Versicnenlng auf; übernimmt die Invalidenversicherung die Kosten, wenn die Behandlung nicht auf das Leiden an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Eingliederung gerichtet und geeignet ist, die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren.

2 Der Bundesrat ordnet die Einzelheiten der Kostenvergütung.

III

Übergangsbestimmungen a. Anpassung der kantonalen Erlasse und der Kassenstatuten Der Bundesrat bestimmt, bis zu welchem Zeitpunkt die Kantone und Gemeinden die Änderung ihrer Ausführungsbestimmungen erlassen und, soweit dies im Gesetz vorgesehen ist, zur Genehmigung vorlegen müssen.

2 Wenn der Erlass der definitiven Regelung nicht fristgerecht möglich ist, kann die vollziehende Behörde des Kantons oder der Gemeinde eine provisorische Regelung treffen.

3 Der Bundesrat bestimmt, bis zu welchem Zeitpunkt die Kassen und Rückversicherungsverbände ihre Statuten und Réglemente anpassen müssen. Von diesem Zeitpunkt an erbringen alle Kassen die Leistungen nach dem neuen Recht und nehmen Leistungen, die nach altem Recht dahingefallen sind, nach dem neuen Recht aber fortdauern würden, auf Begehren des Versicherten wieder auf. Bei der Änderung laufende Krankengelder aus einer früheren Kiankengeldversicherung sind noch für längstens zwei Jahre nach den altrechtlichen Bestimmungen über die Leistungsdauer zu gewähren.

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b. Behandlungen in Heilanstalten Die Vergütung des Heilanstaltsaufenthaltes muss spätestens von einem Zeitpunkt an, den der Bundesrat festsetzt, nach dem neuen Recht erfolgeri. Bis zu

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Kranken- und Unfallversicherung diesem Zeitpunkt gilt für die Kassen und die Heilanstalten die bisherige Taxordnung unverändert weiter. Wird sie abgeändert, muss sie gleichzeitig dem neuen Recht angepasst werden.

c. Zusatzversicherungen für Heilanstaltskosten Die Versicherten können Zusatzversicherungen für Heilanstaltskosten innert eines Jahres nach Inkrafttreten der Änderung dem neuen Recht anpassen. Wird durch diese Anpassung der bisherige Umfang des Versicherungsschutzes nicht erweitert, darf die Kasse keine neuen Vorbehalte anbringen.

2 Die Kassen klären die Versicherten innert sechs Monaten nach Inkrafttreten der Änderung über diesen Anspruch auf. Unterlässt eine Kasse diese Aufklärung, hat der Versicherte während zweier Jahre einen Anspruch auf rückwirkende Anpassung der Zusatzversicherung an das neue Recht.

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d. Bundesbeiträge nach altem Recht 1 Der Bund gewährt den Kassen und Rückversicherungsverbänden im Jahr des Inkrafttretens der Änderung einen Beitrag, der sich nach den Grundsätzen des alten Rechts bemisst. Er umfasst: a. den für das Vorjahr geschuldeten Restbeitrag; b. einen Beitrag für das laufende Jahr.

2 Die Beiträge nach Absatz l betragen zusammen 880 Millionen Franken.

3 Damit sind sämtliche Ansprüche nach altem Recht, unter, Vorbehalt von Differenzen, die bei der Kontrolle durch den Bund festgestellt werden, abgegolten.

e. Bundesbeiträge nach neuem Recht 1 Im Jahr nach dem Inkrafttreten der Änderung gewährt der Bund die Beiträge nach neuem Recht.

2 Für die ersten zwei Jahre richtet der Bund nach Artikel 38bis Absatz 2 pro Jahr 675 Millionen Franken aus. Davon entfallen auf Beiträge nach Artikel 35 140 Millionen Franken, Artikel 36bis 425 Millionen Franken, Artikel 37 Absatz l 90 Millionen Franken, Artikel 38 Absatz 3 20 Millionen Franken.

/ Inkrafttreten von Artikel 38ter 1 Der Bundesrat setzt Artikel 38ter in Kraft, wenn durch die erste Stufe der Neuverteilung der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen eine angemessene Entlastung der Kantone in anderen Bereichen erfolgt.

2 Für die Zeit, während der sich die Kantone am Bundesbeitrag noch nicht beteiligen, darf die Behandlungspauschale (Art. 22quinquies Abs. 2) nach einer vom Bundesrat festzusetzenden Übergangsfrist höchstens 60 Prozent der Betriebskosten je Pflegetag und Patient decken.

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Kranken- und Unfallversicherung g. Krankengeldversicherung 1 Der Bundesrat bestimmt, zu welchem Zeitpunkt die obligatorische Krankengeldversicherung wirksam wird. Unter dem alten Recht abgeschlossene Verträge der Arbeitgeber zur Deckung des Lohnausfalles bei Krankheit und Mutterschaft für obligatorisch versicherte Arbeitnehmer fallen auf diesen Zeitpunkt dahin.

Für die Zeit danach vorausbezahlte Prämien werden zurückerstattet. Die beim Inkrafttreten der Änderung laufenden Krankengelder werden nach neuem Recht weitergeführt. Die Dauer der unter dem alten Recht erbrachten Krankengelder wird auf die Dauer nach neuem Recht angerechnet.

2 Obligatorisch Versicherte können bestehende Krankengeldversicherungen unter Beachtung einer dreimonatigen Frist auf den Zeitpunkt, auf den der obligatorische Versicherungsschutz wirksam wird, kündigen. Die Kassen und die übri-: gen Versicherungseinrichtungen haben ihre Versicherten rechtzeitig auf die Kündigungsmöglichkeit hinzuweisen.

iv

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Referendum und Inkrafttreten 1 2

Dieses Gesetz untersteht dem fakultativen Referendum.

Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten.

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Botschaft über die Teilrevision der Krankenversicherung vom 19. August 1981

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

01.09.1981

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