ST

Schweizerisches Bundesblatt.

X. .Jahrgang. II.

Nr. 34.

ST

24. Juli 1.858.

Uftenstüfe betreffend

die .Auswanderung nach Brasilien.

(Veröffentlicht auf Anordnung des Bundesrathes.)

Bericht des Schweiz. Generalkonsuls in Rio-Janeiro au den Schweiz.

Bundesrath über die Auswanderung nach Brasilien

(Vom 1. Dezember 1857.)

Tit.!

Sehon seit mehr als einem Jahre habe ich dem h. Bundesrathe die traurige Lage unserer Landsleute geschildert, welche, von bezahlten Agenten und den brasilianischen Gesandten und Konsuln zur Auswanderung veran.laßt, mit wenigen Ausnahmen, statt der versprochenen Herrlichkeiten ein Loos finden, das ich offen und frei mit dem Namen einer schändlichen.

. L e i b e i g e n s c h a f t zu brandmarken keinen Anstand nehme.

Sie kennen alle Thatsachen, bewiesen durch unumstößliche Dokumente, welche es mir zur Pflicht machen, zu warnen, und meine Warnung immer.

und immer zu wiederholen; Thatsachen, welche mich zwingen, es auszusprechen, daß das sogenannte K o l o n i s a t i o n s s v s t e m B r a s i l i e n s , wie .es immer mehr zu Tage tritt, nichts anderes ist, als die angestrebte Verwirklichung des Planes, statt der durch Eholera, Fieber und schlechte Behandlung aussterbenden und in Folge der Wachsamkeit der Engländer an der afrikanischen Küste nicht mehr ersezbareu s c h w a r z e n Selaven w e i ß e .H und e zu erhalten, denen das unfchäzbare Gliff zu Theil werden soil, Schweiß und Blut zum Nuzen und Frommen der r e i c h e n P s l a n z e x zu vergießen, Weiße, die schlechter behandelt werden als die Sklaven,

weil der Kaufpreis eines Kolonisten (..irea 200,000 Milreis

Fr. 571.

52 Cent. wohlfeiler ist als der eines Selaven (eirea 2,000,000 Mi.reis

Fr. 5715. 20 Cent.

Bundesblatt. Iahrg. X. Bd. lI.

20

.l^ Augeschlosseu finden Sie die Kopie eines Artikels der allgemeinen Augs.burger-Zeitung über Auswanderung nach Brasilien. (S. Beilage zu Nr. 26..^ .^om 23. September 18.^7.)

Deu Verfasser des Artikels ken.ae ich uicht ; aber sachkundiger , ehreu.^ hafter und unabhängiger kann man fich nicht äußern , und ich unterschreibe.

Wort fiir Wort dieser wahrheitgetreuen Schilderung, indem ich hoffe,.

daß fie überall den tiefsten Eindruk hinterlassen möge und somit das Unglük.

verhüte, dem die Kolonisten, wenn sie sich täuschen lassen, unrettbar ver-.

fallen und vor dem sie mein schwaches Wort so lange und so fruchtlos^ gewarnt.

Zur obigen Klage, daß meine treue Stimme so lange und so fruchte los .gewarnt, berechtigt mich leider wieder eine neue Erfahrung, nämlich^ die Kontrakte der Gemeinde Malters, Kantons Luzern, mit einer Kolonie ., Sa n ta L u i z a ^ in der Provinz Rio de Janeiro.

Der schon besprochene Kontrakt, den die Gemeinde Malters mit deu.

Herren Steinmann und Komp., als Bevollmächtigten der sogenannten Kolonie Santa Luiza abgeschlossen, beweist mix aber, daß das Agentenunwefeu in ärgerem Schwunge geht als je...

Kontrakte mit einer Kolonie Santa Luiza, .von deren Existenz selbst^ die Generalabtheilung der Staatsländereien im Ministerium des Jnneru keine Ahnung hatte und die, wie genaue Nachforschungen ausweifen, zur Zeit des Kontraktabschlusses durchaus nicht existirt hat ! Gleichzeitig aber^ auch Kontrahirung für den Merenr^, wie Dokumente, die ich in Händen habe, beweisen! Jch kann Jhnen diese Dokumente jezt nicht einschiken, da^ ich fie hier zur Wahrung der Jnteressen unserer verkauften Landsleute und zur Verteidigung meiner Maßregeln brauche; später aber werde ich klagend gegen die Agenten auftreten und hoffe, daß^ endlich einmal Genugtuung und Strafe nicht fehlen können, und ein Beispiel gegeben werde, das ein für alle Mal vor ähnlichen Spekulationen abschrekt.

Jch übermache Jhnen a.^ch die Kopie eines Briefes an den Herrn Eonfelheiro B a r r e t o P e d r o z o , der sich als den Eigentümer der Kolonie Santa Luiza und Kontrahenten der genannten Luzerner ausgab. Jn Folge der dringenden Aufforderungen und Jnftruktionen zur möglichsten Beförderung der sogenannten Kolonisation, welche die brasilianische Regierung an ihr.. diplomatischen Agenten ergehen ließ, wollte der Generalkonsul M o t a in Antwerpen sich verdient machen, und engagirte darum für seinen Schwie-.

gervater, Herrn Eonselheiro Barreto Pedrozo, Kolonisten für eine Kolonie, die noch nicht exiftirte, die er aber im Geiste schon als groß und ^blühend erblikte und darum zu Ehren seiner Frau ,,Santa Luiza^ taufte.

Die Kolonisten kamen an; der Herr Schwiegervater wußte nichtsda^ von, wußte auch von keiner Kolonie, die er besizen sollte. Er nahm zwar die Leute auf und gab il.^.en zu essen, wollte ihrer aber gerne los sein und fagte ihnen, daß sie f^rt könnten und fort sollten, so bald möglich.

Somit kamen ste nach Rio, und zu mir, und ba.en um Rath und Hülfe.

Später sche.nt Herr Barreto Pedrozo von einem Koloniegründer eine Of^

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ferte erhalten zu haben, die ihm etwaige Geldauslagen bezahlt und vielleicht selbst noch einen Nuzen gegeben hätte; somit reklamirte er die Leute.

Man macht sich Geschenke mit unfern Landsleuten; man verkauft sie, und spekulirt mit ihnen.

Die Behandlung der Jndianer Mexikos und Peru.s und der Sklavenhandel haben noch nie Traurigeres ausgewiesen, als der neu erfundene Kolonistenhandel, der troz aller Warnungen und Bitten ungestört blüht.

^ So weit, was brasilianische Verhältnisse berührt; die schweizerischen find nicht erquiklicher.^ S t e i n m a n n - D r e v e t engagirtdie Leute für den Mereurv; später sezeu fich Steinmann und Komp. in Luzern mit denselben in Verbindung ; es entsteht ein Kontrakt für die Kolonie Santa Luiza in der Provinz Rio de Janeiro, der nach meiner Ansicht eine Anklage auf Betrügerei rechtfertigt. An wen sollen sieh die Kolonisten halten, im Falle ihr Kontrakt gebrochen wird.^ Wie sollen sie beweisen, daß der Ort, wo ihr Recht

unterdrükt, wo ihr Jnteresse geschädigt wird, wirklich die Kolonie Santa Luiza ist, für welche sie in Europa kontrahiert worden, während man sich hier an keine bekannte Persönlichkeit, an durchaus Niemanden halten kann, während ein fiktiver Name das Einzige ist, woraus sie sich berufen könnend Als sie anfänglich und bevor Herr Barreto Pedrozo den Verkauf mit einem Kolonie^Unt^rnehmer abgeschlossen hatte, als unsere Landsleute von der Kolonie fortgeschikt wurden: gegen wen hätte ich rekla.niren könnend Gegen Steinmann . und Komp. in Luzern^ Wie lange hätte der Entfcheid gedauert, der auch im günstigsten Falle bei solchen Umständen und Entferuungen schwierig und langweilig geworden wäre!

^ Unterdessen aber waren ^die Kolonisten de^n Hungertode ausgesezt, oder

auf das Mitleid und Pflichtgefühl der hiesigen Schweizer angewiesen, die bis je.^t auch noch nie gefehlt haben, aber bei den sich stets wiederholenden

Anlässen ähnlicher Art bald ohnmächt^ sind. Und solchen Menschenhandel duldet man in unserer schönen, freien Schweiz!

Jch habe Jhnen geschrieben, daß die brasilianische Regierung ihren Agenten den ^iustrag ertheilt hat, das Kolonistenwesen möglichst zu besördern und zu begünstigen. Wie diese Herren ihrem Auftrage nachkommen, beweist Jhnen nachstehendes Aktenstük, nämlich die Rede, welche Herr M o t a in Brüssel gehalten hat und die von Unwahrheiten wimmelt, welche aber nur in der Abficht können ausgesprochen worden sein, ferner w e i ß e S e l a v e n

nach diesem Lande der Knechtschaft und der Unbilligkeit zu loken.

Die Rede lautet auf deutsch wie^folgt:

,,Meine Herren! Der Augenblik ist - ich weiß es - zur Ergreifung des Wortes wenig geeignet. Da aber die Jnftitutionen eines jeden Bandes v.^r dem Kongresse aus einander gesezt worden sind, so halte ich mich verpflichtet, vor Jhnen von demjenigen Lande zu sprechen, das ich allein hier zu xepräsentiren die Ehre habe.

,,Von Wohlthätia.keitsänftalten meines Heimathlandes habe ich nichts .Besonderes vorzubringen; denn diejenigen, welche man in Brasilien findet,

184 bestehen überall. Nach meinem Dafürhalten kann es Sie gleichwol intereffiren, zu sehen, wie diese in der alten Welt schon längst bestehenden Austalten jenseits der Meere ihre Wirkung^ äußern.

Es ^scheint mir nothwendig, Sie mit dem Leben eines Landes bekannt zu machen, das, wenn auch ohne die intellektuellen Beziehungen, wie fie die Staaten Europa.s wechselseitig unterhalten, dennoch in kommerzieller Hinsicht sehr interessant und folglich für die alte Welt von großer Bedeutung ist.

,,Bevor ich in's Detail der einzelnen Jnstitutionen Brasiliens eintrete, muß ich zuvor die Lage dieses Landes beleuchten, damit Sie seine Einrichtungen begreifen können.

,,Brasilien ist ein Land, das eine Küstenlänge von 1^00 Stunden und eine Tiefe von 800 Stunden hat.

Man bezahlt daselbst keine Grundsteuern, keine Patentgebühren, keine Kapital-, noch Einkommensteuern. Das

Land ist fast so groß wie ganz Europa, und hat doch bloß .^-8 Millionen Einwohner.

Bei einer so ausnahmsweise Stellung hat Brasilien

nicht das, was die Europäer unglüklicherweise haben, nämlich das Elend.

Da dieses sich nicht vorfindet, so wurden deßhalb natürlich keine Anord...

nnugen getroffen, dasselbe zu entfernen.

,,Wir haben p e r m a n e n t e Hülfsinstitutionen.

T e m p o r ä r e hat es für Findelkinder, Waisen, Kranke und Gebrechliche, so wie für Jxrsinnige.

,,Alle diese Anstalten sind theils von der Regierung, theils von Ge^ meinden, oder auch von Privaten gegründet worden. Ein in diesen Eta^ blissen.enten erzogenes F i n d e l k i n d wird, sobald es sich thun läßt, in die Zeughäuser und Marineschulen ^. versezt, wo es lesen und schreiben lernt, und wo es zu dem Stande, zu welchem es Lust zeigt, vorbereitet wird.

,,Vom 10. bis 12. Altersjahre an erhalten. die Kinder einen ^ohn, der, wenn auch unbedeutend , von großem Werthe für die jungen Leute ist, weil er für sie sicher deponirt wird. Daraus und aus den Zinsen erwächst für dieselben ein Pekuliarver.nögen (un pécule^, worüber Jedes mit dem 1..^. Jahre nach Gutfinden verfügen kann.

,,Bei den W a i s e n wird fast das gleiche Verfahren beobachtet. Sobald sie arbeiten können, werden sie zu Beschäftigungen, die sich für sie eignen, angehalten.

Der Ertrag der Arbeit wird für sie ebenfalls in eine Ersparnißkaffe gelegt, woselb^ ihnen ein Peknlinm (Eigengut) erwächst, das ihnen, wenn sie sich einst verheiraten, als A u s s t e u e r dient.

,,Für die K r a n k e n gibt es in allen Ortschaften , in allen Gemeinden mehr oder weniger große Spitäler, in welchen der erkrankte Arbeiter Aufnah.ue und Pflege findet.

Nach feiner Genesung darf er versichert sein, ^eine einträgliche Beschäftigung zu sieden, indem ein Arbeiter täglich ^ bis 30 Franken in Brasilien verdienen .^nn.^

Ein Mitglied des Kongresses. Was kosten die Lebensmittel iu Brasilien .^

^

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Herr Präsident. Es kommt uns nicht zu, die Angaben, welche im Schooße des Kongresses gemacht werden, zu untersuchen; find diese ^unrichtig, so haben wir deßhalb keine Verantwortlichkeit, sondern einzig die Sprecher.

Herr da M o t a . Meine Angaben find keineswegs unrichtig. Man fragt mich, welche Preise die Lebensmittel in Brasilien haben. Hierauf nmß ich Jhnen erwidern, meine Herren, daß Sie vom Leben in der neueu Welt keinen Begriff haben können, .weil Sie im alten Europa wohnen, wo Alles ganz anders ist.

Jn Brasilien kostet das Fleisch 5 bis 6 Sous und der Reis 10 Eentimen. Der Schlüssel zu diesem Räthsel ist leicht zu finden. Unser Bo^den bietet unermeßliche Reichtümer dar; allein es fehlt uns an Arbeitern.

Ein Kongreßmitglied. Und die Selaverei.^ Herr da Mota. Diese Unterbrechung ist mir ganz erwünscht. Meine Herren l Das Wort ,,Selaverei.^ spreche ich nur ungern aus, und zwax nicht etwa deswegen, als berührte mich das, was deßhalb in meinem Vaterl^nde geschieht. Sie wissen wahrlich nicht, was Sklaverei in Brasilien ist; denn wenn sie dieß wüßten, so hätte mich Niemand darüber befragt.

,,Meine Herren! Um Jhnen den Unterschied zwischen der Sklaverei in .Brasilien und derjenigen anderer Länder zu zeigen, brauche ich Jhnen bloß zu sagen, daß der Selave in Brasilien der W a i s e gleichgestellt ist. ^.x ^hat einen eigenen Richter und einen Rechtsbeistand, sobald er den Schuz des Gesezes anzusprechen in den Fall kommt. Jedermann, und selbst der Grundbesizer, der annoch viele Selaven hält, wünscht das Verschwinden der Selaverei in Brasilien,. daher wir denn auch allen Mitteln aufbieten, f r e i e A r b e i t e r an uns zu ziehen. Und warum dieß.^ Gerade deswegen, weil wir die Selaverei , die für uns eine Plage ist, gänzlich beseitigen wollen. Wer hat sie uns aber gegeben.^ Sind wir verantwortlich für das, was uns unfere e u r o p ä i f c h e n Väter hinterlassen habend Was sollen wir mit zwei Millionen Menschen ansangen, die aus Afrika herkamen, keinen Unterricht erhalten haben und die, sobald sie in Freiheit gesezt würden, Exzesse begiengen. gönnten Sie solche Menschen frei machen wollen, Sie, die oft glauben, Jhre Arbeiter seien für die Freiheit nicht reif genug.^ Herx^. P resident. Wollen Sie zur Darstellung der Verhältnisse Jhres ^Landes zurükkehren und Erörterungen bleiben lassen.

Herr da M o t a . Sie haben Recht; allein ich sehe mich gezwungen, es ^u thun. Jch muß Sie erinnern, daß, wenn die Sklaverei plözlich abgeschafft und dadurch der Arbeit großer Abbruch gethan würde, Sie darunter selb^ zu leiden hätten, indem der Kaffee und der Zukex alsdann weit höher zu stehen kämen als jezt.

,,Meine Herren. Jch sage Jhnen nochmals, daß das Fleisch nur 5 Sous und der Reis sehr wenig in Brasilien kostet. Zur Begründung dieses muß ich Jhnen hier anführen, daß das Schlächterwesen bei uns sehr .vorteilhaft für den Arbeiter eingerichtet ist. Der Fleischverkauf wird

^86 nämlich von ganzen Gesellschaften betrieben, die zugleich in eigenen Gerbe...

reien das Led^.r bearbeiten lassen, wodurch es Jhnen möglich wird, da...

Fleisch zu sehr billigem Preise zu erlassen.

,,Was die Wohnungen für die Arbeiter anbetrifft. so haben wir A x b e i t e r q u a r t i e r e ; denn wir suchen durch alle nur immer mögliche^ Mittel f r e i e A r b e i t e r an uns zu ziehen, indem wir die Freiheit als das höchste Gut des Menschen betrachten. Die Arbeiterquartiere sind kleine hölzerne Häuser; sie haben einen Durchgang, vermittelst dessen alle Zimmer mit einander verbunden werden. Die Häuser sind kleiner und größer, sie stehen auf Pfeilern , die aus Ziegelsteinen erbaut wurden , so daß sie auf

allen Seiten der frischen Luft zugänglich sind; überdieß stehen ste frei, .mitten in einem Hofe oder Garten.

,, Wir befizen ferner E r f p a r n i ß - und R e t r a i t e - K a s s e n .

Sie wissen, meine Herren, was eine Erparnißkasse ist, und daher brauche ich Jhnen darüber nichts zu bemerken. Unsere Retraiten-Kasse^ find aber

viel wichtiger, und bei uns überall eingeführt. Sie bestehen nicht allein

für die Armen, sondern auch für wohlhabende Leute und sür Beamte, überhaupt für Jedermann, der will, daß, wenn er sterben oder krank werden sollte, seine Familie nicht in^ Noth gerathe.

,,Jn unferm Lande gibt es keinen öffentlichen Beamten, keinen Büxger, der, wenn er kann, an der Retraite - Kasse sich nicht betheiligte.

Teilnehmer an derselben können zu einem Jahresgehalte von 600 bis 6000 Franken gelangen, je nach dem Maße ihrer .Einlagen in die Kasse.

^ ,,Der Kongreß ist, ich sehe es, ermüdet, daher ich mich enthalte, von unfern S ch u l e n und B i l d u n g s a n s t a l t e n zu sprechen. B.loß das bemerke i c h noch, d a ß w i r b e s i t z e n , w a s w i r b e d ü r f e n .

D i e L a n d b a u e r , w e l c h e n i c h t g e n u g G e l d h a b e n , um e i n e i g e n e s G u t z u k a u f e n , w e r d e n a l s P ä c h t e r an.g este l l t. Es gi^t Landbesizer, welche eine große Anzahl solcher Land^ bauer halten , denen sie die Bearbeitung ihrer Güter überlassen , wofür ihnen dazu die Gerätschaften geliefert und Wohnungen angewiesen werden; auch erhält der Lehen^ann die Hälfte des Ertrags der lernte. Und da diese in der Regel sehr reich ausfällt, s o k a n n der P ä c h t e r in n i c h t lange^r Z e i t e i n P e k u l i a r v e r m ö g e n sich e r w e r b e n und v e r m i t t e l s t d e s s e n G r u n d b e f i z e r w e r d e n .

,,Was ich Jhnen, meine Herren, von den Abgaben in Brasilien gesagt habe, die, wie Sie wissen, zum Wohlstand eines Volkes wesentlich beitragen, i st d i e r e i n e W a h r h e i t . Wir haben weder Abgaben, .noch Kapital^ oder Einkommensteuern. Der Militärdienst, welcher in andern Ländern so viele Arme den Gewerben und dem Akerbau entzieht, ist bei uns ganz unbedeutend.

J... unserm sehr großen Lande wird bloß eine Armee von 20^000 Mann gehalten, welche zur Aufrechthaltung der Ordnung hinreicht. Jn einem Lande, wo Wohlstand herrscht und wo keine Unterdrükung ist, besteht immer Ordnung. Jch bin überzeugt, meine

^

^

1^

.Herren,

daß im Allgemeinen die Revolutionen nur die Folge von Noth

^nd Unterdrükung find.

,,J.t weitere Auseiuaudersezungen trete ich nicht ein. Neues kouute ^ich Jhnen nicht mittheilen ; allein ich habe den mir gewordenen Auftrag

erfüllt...

Statt jedes weitexn Kommentar.^ zu dieser Rede des Hexru da ^ota .gebe ich Jhnen eine Abschrift der Anmerkungen, zu denen fich ein in hier Wöchentlich in französischer Sprache erscheinendes Blatt ,,I..es Veinées ....ré..^ienIies^ veranlaßt fühlte. Jch könnte freilich noch Manches diesen Anwerkungen beifügen, doch unterlasse ich es , da ich denke , daß Sie uuu ..ach und nach ein klares Bild von dem .^abeu, was mau hier Koloui.satiou ueunt.

(Vei11ées Rrésili.^e.^ .^ l.^r.nson, page ^5.) Uebexsezuug.

,,Wenn Herr da Mota nicht so weit von hier eutferut wäre, so w..ir..

^den wir ihn fragen, auf welche ......hatsacheu gestüzt er vox einem Kongresse, .welchem Abgeordnete der meisten zivilifirten Nationen der Welt beiwohnten, behaupten konnte, 1) daß in Brasilien keine Grundsteuern, keine Patentabgabeu , keine Kapital- und Einkommensteuern bezogen wexden, während dieß doch wirklich geschieht, wenn auch nach einem kleinen Maßstabe., 2) daß der Arbeiter aus dem Spital treten könne iu der Gewißheit,

^

eine einträgliche Beschäftigung zu finden, wobei er täglich von ^ bis

30 Franken zu verdienen im Staude fei; (Gibt es keinen brasilianischen Konsul in Europa, der Arbeiter.

in der besten Lebenskrast sür Fr. 3, und sogar fiir Fr. 2. 50 tägtichem Lohne nach Brasilien angeworben hat.)

.3) daß ein Pfund Fleisch nur 5--6 Sous und 1.. Pfu.^d Reis bloß 10 Eentim..n koste , woraus man hätte schließen müssen, es ließe sich materiell äußerst wohlfeil iu Brasilien leben, während doch iui Gegentheil die Lebensmittelpreise ungewöhnlich hoch stehen, fast so^ hoch wie zur Zeit einer Theuxung; 4) daß es in Brasilien Ersparnis und Retraitenkassen habe, die i..^ ganzen Lande verbreitet und von großer Bedeutung seien.

,,Von kompetenter Seite ^erschien im .,,.^orn^l do Co.^.^rcio^ d. d.

^6. November, Folgendes: ^Es hat nur e i n e Ersparnißanstalt in Bra^filien, nämlich die in Rio, welche überdies^ in einem Zustande der Krisis ,,sich befindet und der eine unvermeidliche Liquidation bevorsteht , weil fie ^eine anomale Schöpfung ist, die weder legale Garantien, noch Vortheile ,,zu bieten vermag...

,,Wir könnten die Kritik der Rede des Herrn da Mota .1och weit, sehr weit ausdehnen ; allein wir halten dafür, daß das Wenige, das wir dax.^ ^iber gesagt haben, die Brasilianer werde überzeugen können, daß nicht bloß .Fremde, sondern oft Brasilianer selbst Unwahres über Brafilieu veröffentlichen.^

^188 ,,Seit einigen Wochen erschien eine Reihe von Artikeln in den Jon..^ ualen Rio's, welche sich über angeblich unwahre Berichte beklagten , di...^ . von Fremden von Rio aus nach Europa gesendet worden sein sollen. Diefer Anklage können wir nun den von einem b r a s i l i a n i s c h e n Konsul i......

Europa^ erstatteten Bericht über ^die Zustände seines Heimathlandes ent.^ .gegen halten; und wir fragen, t) ob ein solcher Bericht nicht geeignet fei, den zur Auswanderung geneigten Ausländer zu täuschen und ihm falsche Jllusionen zu machen ; ^) ob die Enttäuschungen, die nach feiner Anknnft ..in Brasilien nicht ausbleiben, dem Kolonifationsf^steme nicht Schaden bringen ..^ Der oben besprochene Artikel der Allg. Augsburger Zeitung und der, wie es scheint, in der Schweiz veröffentlichte Bericht des Herrn l)r. Heuß er gaben jüngst dann dem offiziellen ,,Jornal do Commercio^ Anlaß, sich in mehreren Leitartikeln über die wichtige Einwanderuugsfrage zu äußeru. Mit Gemeinpläzen und Zeitungsartikeln fördert man freilich nie eine große Sache, und ich würde es auch überflüssig finden, dem hochgestellten Verfasser diesem ^Artikel zu antworten, wenn nicht zwei Punkte berührt würden, welche mie.^ zu einiger Beleuchtung nöthigen.

Zuerst wird mit bitterm Spott des Verfahrens des Herrn 1...r. Heußer gedacht, der mit der gleichen Feder und zu gleicher Zeit in Brasilien das^ Haus V e r g u e i r o und fein System in die Wolken erhoben, i n d e x

Schweiz der größten Unbilligkeiten und Bedrükungen angeklagt habe. Jm-

merhin bedachte aber der allem Anschein nach hochgestellte Verfasser de.^ erwähnten Artikel nicht, daß eigentlich der Spott über den .begangeneu Jrrthum des Herrn Heußer die Thatsachen und Anklagen gegen die Herren V e r g u e i r o nicht ändern und daß diefe Klagen und Thatsachen auch vom hiesigen Generalkonsul , ans andern O.uellen geschöpft, dem Herrr^.

M a r q u e z d . O l i n d a mitgetheilt worden, ohne daß man fie zu bestreiten wagte, leider aber auch ohne daß Abhülfe versucht oder gewährt wurde.

Eine andere Stelle der erwähnten Leitartikel ist wichtig , weil solche die Ansichten der Regierung über die Behandlung .der Kolonisten zu ent^ hüllen einen interessanten Beitrag liefert. Nach manchen Gemeinpläzen heißt es nämlich wörtlich : ,,Der brasilianische Eharakter, in jeder Hinsicht milde und nachsichtig^ wohlmeinend gegen Alle, sündigt wahrlich nicht aus übergroßer Strenge,.

^aus übergroßer Habsucht den Kolonisten gegenüber; unser Jrrthum m.^g

eher im Gegentheil bestehen, so daß es den Kolonisten möglich wird, sich ^en. Müssiggang zu ergeben und sich der pflichtgemäßen Arbeit zu entziehe.^.

Freilieh wird sich der Kolonist hierüber nicht beklagen.

So das offizielle Blatt. Den milden, wohlmeinenden, nachsichtige.^

Eharakter des Brasilianers beleuchtet indessen wohl besser als ein bezahlt^ u.^d parteiischer Zeitungsartikel das über die Kolonisten in K^ast bestehende Gesez, aus dem ich Jhnen die wichtigen Paragraphen, nämli.^.

7, 8 und 9 in getreuer Uebersezung gebe.

18^ ,,^. 7. Der Unternehme, der ohne triftigen Grund den Kolonisten ^oor Ablauf der im Kontrakte angesezten Zeit wegfchikt, hat ihm den ganzem ..Lohn zu vergüten, den er im Nichtentlassnngsf.alle verdient hätte. Al.^ triftiger Grund zur Entlassung wird angenommen : a. Krankheit des Kolonisten; wenn jene diesem .die Verrichtung der be^ dungenen Dienstleistungen unmöglich macht.

b. Verurtheilung des Kolonisten zu Gefangenschafts- oder irgend anderem Strafe, die ihn hindert, der kontraktlichen Arbeit nachzukommen.

c. Wenn der Kolonist dem.Trunke ergeben ist.

d. Jnjurie des Kolonisten gegen die Sicherheit, Ehre oder das Eigen^ thum des Fazendeiro, oder dessen Frau, Kinder oder sonstige zu'^ Familie gehörende Personen.

e. Wenn der Kolonist sich zu den bestimmten Dienstverrichtungen, fü.^.

welche er engagirt ist, ^nicht geschikt genug erweist.

,^. 8. Jn den in a und b des vorhergehenden Paragraphen bezeich-.

ueten Fällen ist der entlassene Kolonist verpflichtet, den Unternehmer beim Austritte aus desseu Die.nste für die noch schuldende Summe schadlos zu halten. Jn allen andern Fällen aber, wenn er nicht sofort seine Schuld.

bezahlt, wird er festgesezt und verurtheilt, so lange an den Staatsbauten.

zu arbeiten, bis er aus dem Reinertrage seiner Taglöhne dem Unternehmen

. die Schuld und die gehabten Unkosten abbezahlt hat.

..Jm Falle gerade keine Staatsbauten statthaben, bei denen er im Taglohn verwendet werden kann, so wird er für die Zeit seines Kontrakten zur Zwangsarbeit im Gefängniß verurtheilt, welche Strafe übrigens di^ Frist von zwei Jahren nicht überschreiten darf.

,,^. 9. Der Kolonist , ^der ohne triftigen Grund vor Austrag de.^ kontraktlichen Zeit sich entfernt, wird, wo er betroffen wird, festgenommen, und nicht wieder freigelassen , bis er den doppelten Betrag feiner Schuld.

an den Unternehmer entrichtet hat. Kann er nicht bezahlen , so muß e^ dem Unternehmer für die Dauer der kontraktlichen Zeit umsonst dienen..

Begibt ex sich wieder weg, so wird er festgenommen und nach den Bestimmungeu des vorhergehenden Paragraphen verurtheilt...

Krankheit des kontrahirten Kolonisten also gibt dem Herrn das Recht,.

ihn fortzufchiken ; der in's Elend Gestoßene aber muß dem Herrn all.^ Schulden und Kosten bezahlen.

^Das kleinste polizeiliche Vergehen oder Gefangenfehaft, welche hie^

willkürlich über jeden verhängt wird, gibt dem Herrn ebenfalls das Recht^.

^ den Vertrag mit dem Kolonisten zu brechen.

Wenn der Herr findet, sein Miethsmann tauge nicht zur Arbeit, di^ er ihm aufträgt, fort mit dem Mann, in's Elend, und wenn er die Schulden nicht bezahlen kann, welche die Herren Brasilianer gar schön zu eine.^ ^hübschen Summe zu steigern wissen (siehe l^r. Heußers Bericht über di^ .Kolonisation in St. Paulo), dann öffentliche Arbeit, in's Zuchthaus, nebe^ Selaven, Diebe und Mörder.

..

.I90 Und dieses Gefez findet der hochgestellte Verfasser des halboffizielle...

Artikels noch zu milde , exgeht sich in Lobpreisungen des brasilianischen Charakters, der den Kolonisten so edel, mild und großmüthig behandle..

Will die Schweiz fernerhin ihre Bürger, ihre Armen und Kranken Solcher Behandlung aussezen ^ ^ Vor mehreren Mon.aten war die Lage der Dinge besser für die Kolomisten ., ein anderer Geist durchdrang die Regierung. Partei-Jntrigen und persönliche Einflüsse haben seither manches geändert , und ...ie Regierung.

wagt nicht, gegen die mächtige Partei der P f l a n z e r aufzutreten. Obschou ^nau vorher die .Hoffnung hegen konnte , daß die entgegengefezte Anficht ^möglicherweise die Oberhand behalten könnte , so ist doch der Sieg dex ^..fianzerpartei leicht zu erklären. Wenn in den Freistaaten Nordamerikas ^.er selavenhaltende Süden . noch den Ton angibt und manche Vergehen ^egen die Menschheit ungestraft begehen kann , wie sollte dieß hier nicht .der Fall sein, wo keine freien, nicht selavenhaltende Provinzen einen Widerstand entgegensezen l Die 18 Millionen Franken, welche das Parlament zur Beförderung ^er Kolonisation bestimmte, werden verwendet werden, um .den Pflanzern statt der schwarzen , w e i ß e St.laven zu verschaffen. Sollen unsere freien Landsleute so tief fallen, fo ganz verlassen werdend Sie haben nun Dokumente genug in Händen, offizielle, unbestrittene Tatsachen, die Jhnen ein klares Bild geben von dem , was die Brasi.Iianer jezt eine freie, weiße Kolonisation zu nennen belieben. Sie wissen.

  1. Daß z. B. die Protestanten keines gesezlichen Schuzes genießen ; ^daß vom Bischof von Rio de Janeiro, Gro^almosenier des Kaisers, deren .Ehe ungültig, deren Weiber Konkubinen, deren Kinder somit als illegitim .erklärt wurden.
  2. Daß die Kolonisten einer Gesezgebung unterworfen sind , welche ^im entschiedensten Widerspruch mit der brasilianischen Verfassung steht, daß ^sie somit als vogelsrei und leibeigen betrachtet werden. Die Geschichten ^in Uba t u b a mit Bon in i und R é v i l le t beweisen, daß diese Gesez..

^ebung in voller Kraft steht und ausgeübt wird.

3) Daß die sogenannten Theilhabersehaftskolonien , wie solche heute ^bestehen, nichts mehr sind, als Leibeigenschaft und Betrug, und daß solchen Unfug zu unterdrüken die Regierung weder den Muth, noch die Kxaft befizt. 4) Daß im Gegentheil die brasilianische Regierung es zuläßt, daß ^urch Agenten und eine bezahlte Presse wissentlich Unwahrheiten verbreitet ^und die Auswanderer in^s Nez gelokt werden.

Ferner wissen Sie auch, wie die Agenten in der Schweiz und die Ge.feinden handeln. Soll dieß fortdauern^ Soll und muß da nicht eingeSchritten werdend Der erwähnte Korrespondent der Al.lg. Augsburgex^Zeitung schließt Deinen Bericht mit folgenden Worten:

1^1 ,,Wenn aber, nach dem Umfange der projektirten Auswanderung und^ ^uach der Energie, mit welcher dieselbe gefördert wird^ das ganze Unter....uehmen unleugbar den Eharakter einer ernsten Gefahr für Deutschland ^annimmt , so möchte fi..h vielleicht der deutsche .....^und als Gesammtheit ^veranlaßt sehen , Maßregeln der Abwehr zum Gegenstande seiner Be.... rathungen zu macheu, und es ist nicht unmöglich, daß bereits jezt ein ^darauf gerichteter Antrag ihm vorliegt.^ Schon lang.. sagte ich Gleiches. Soll Deutschland uns auch noch ^zuvorkommen; sollen deutsche Regierungen den freien Schweizern beweisen, .daß sie die Knetschaft und das Elend ihrer Landsleute weniger gleichgültig .ansehen l Portugal gab bereits eiu Beispiel. Die Schweiz kann und

^arf nicht zurükbleiben l

R i o . ^ J a n e i r o , den 1. Dezember 1857.

H. D a v i d, Generalkonsul der schweiz. Eidgenossenschaft.

^.Iote de... ...^nnde.^rathe^ an .^a... ..^.ini^erium der an...wartiaen ^ngeteu.euheiten von ^r...silien.

B e r n , den 2. Dezember 18.^7.

Exzellenz!

Obschon die Auswanderung bis jezt nicht unter die Zahl der.GeAnstände gehörte, welche direkt in die Kompetenz der Zentralbehörde der Schweiz. Eidgenossenschaft fallen , so sah sich diese doch durch die Macht der

^Umstände genöthigt, zu wiederholten Malen fich damit zu beschäftigen,

.und seit einiger Zeit besonders diesem Gegenstande alte Aufmerksamkeit zu schenken.

^Die immer mehr zunehmende Auswanderung, die Gefahren und Fall^rike, denen die Auswanderer ausgesezt sind von den ersten Schritten an, welche die Agenten durch glänzende Versprechungen zu ihrer Anwerbung .thun, bis zu ihrer Einführung in ihr neues Vaterland, wo die Unklügsten sich bitter getäuscht und die Bestunterrichteteu sogar sich gewöhnlich enttäuscht finden, veranlaßten uns, Vorsichtsmaßregeln sowol noch für

den Aufenthalt in der Schweiz, als für die. Ein- und Ausschifsungshäfeu

^u treffen. Durch die Kolonien, in denen fich Schweizer zu Körperschafte..

^onstituiren, entstehen mit fremden Ländern Beziehungen und auch Pfiich^ten, welch' leztere einzig von der Zentralbehörde erfüllt werden kennen.

Aus diesem Grunde solgten wir mit immer wachsendem Jntexesse dei...

.verschiedeneu Phasen der Auswanderung nach Brasilien.

.I92 Wenn wix durch die Erzählung der Leiden unserer Mitbürger er^ griffen wurden, so beruhigte uns dagegen die Redlichkeit der Regierung Jhrer kais. Majestät, wovon die Lösung der Konflikte von Ubatuba.

ein sprechender Beweis ist.

Als in den Kolonien V e r g u e i r o neue Konflikte entstanden, bexuhigte uns die Sprache dex Regierungsorgane in der Senatssizung vo.r^ 22. Juli vollständig, und wir erwarteten mit Vertrauen den Erfolg der .von unserm Genexalkonful gethanen Schritte , vornämlich aber seiner Note vom 8. Juni.

Jndessen find mehrere Monate verflossen , und noch läßt das Resultat auf fich warten. Jn den höchsten Dikasterien werden zahlreiche und gewich.^ tige Stimmen laut, welche den von den Ungleichen ausgestoßenen Noth^ ruf zu erstiken sich bemühen , auch Argwohn zu exregen suchen gegen diejenige Stimme , welche fich zu ihren Gunsten ausgesprochen hat.

Ohne in unferm guten Glauben an die kais. Regierung erschüttert zu sein, dürfen wir hiebei doch nicht in einer Ruhe verharren, die un^ ubel gedeutet werden könnte. Die erwähnte Note unsers Generalkonsuln schildert Jhnen in ergreifender Weise die Lage, in welche unglükliche Kolonisten in Folge der Nichterfüllung eines Vertrages geriethen, der be^ buchstäblicher Ausführung schon so viele Vortheile für den Eigenthüme.^ darbot.

Jn den erhaltenen Berichten kann , was wir nicht wissen, über irgend.

einen Detailpunkt Ungenauigkeit herrschen. Aber die Wahrheit des Gan-

zen, und selbst der Details, ist bestätigt, seitdem die Eigenthümer und..

ihre Vertheidigex vor dem Tribunal dex Oessentlichkeit gehört wurden.

Nach dxei bis vier Jahren Arbeit ergab sich nur eine Vermehrung de.^ Schulden um mehr denn Fr. 100,000 die bei dex Jnstallation in di^

.Kolonie schon Fr. ^00,000 überstiegen.

Dieses Resultat spricht deutlicher, als jedes andere Raisonnement.

Man würde vergeblich einwenden, es fänden fich nuter den Kolonisten

faule und schlechte Subjekte. Dieß ist möglich, allein doch immer nu.^ eine Ausnahme, wie in jedem andern Lande.

Eben so vergeblich würde man die den schweizerischen Gemeinden sü.^ die vorgestrekten Summen schuldigen Zinsen anführen, weil (einige Berner ausgenommen) die Kolonisten keine Zinsen zahlen müssen.

Wir ^erlangen demnach die kräftige Jnterventio^ der Regierung Jhre^ kais. Majestät, damit die durch die Herren V e r g u e i r o u. Eomp. enga^irten schweiz. Kolonisten aus ihrer Selaverei befreit und, wenn sie e^.

wünfchen , ans Staatsländereien vexsezt werden.

Wix haben uns uberzeugen müssen, daß jede andere Gewalt, außer derjenigen der Staatsregierung, zu schwach wäre. Denn wie sollte ma^ ^er richterlichen Gewalt arme Jndividuen zuschiken , denen die Mittel ^ur Führung eines Prozesses abgehen, die sich weder zu erklären, noch z^

193 ^ertheidigen wissen, die vielleicht oftmals in ihren Gegnern ihre Richter.

.und nirgends Unterstüzung finden würden, denen, wie fie es schon erfahren .haben, aus ihren Schritten keine andere Folge erwächst, als eine Verschlimmerung ihrer Lage. Wie könnte übrigens die richterliche Gewalt die .im Vertrage liegenden Gebrechen heilen^ Wie könnte fie eine Lage extäglich machen, die es nicht mehr ist^ Die Kantone sahen sich bereits gezwungen, zur Verhinderung der AusWanderung bis auf weitere Weifung einige Maßregeln zu ergreifen, und ^s ist wahrscheinlich, daß dieselben allgemein angewendet werden, wenu

.nicht schnelle Dazwischenkunft erfolgt.

Wir hoffen zuversichtlich, die Regierung Jhrer Majestät des Kaisers .verde Rath zu schaffen wissen; denn wir haben das vollste Vertrauen iu .ihre Einsicht, in ihre Weisheit und in ihre Humanität.

Genehmigen Sie, Exzellenz, die Versicherung unserer vollkommensten^ .Hochachtung.

...

Jm Namen des schweiz. Bundesrathes, Der Bundespräsident . ^. .^oruerod.

Der Kanzler dex Eidgenossenschaft.. Schieß.

^.tnte de.^ l.ais. Brasilianischen ...^u^erinm... der auswärtigen ...^u.^ete.genheiteu au deu ^rä^td.en.ten tIer schweig ^id.^eua^euschast.

Rio, den 8. Mai 1.^58.

Der Unterzeichnete, Mitglied des Raths S. M. des ^Kaisers von Brasilien, Staatsrath, Minister und Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten, hatte die Ehre, die Note vom 2. Dezember v. .^. zu erhalten, welche Seine Exzellenz Herr F o r n e r o d , Bundespräsident der.

schweizerischen Eidgenossenschaft, Namens der Bundesregierung an ihn zu richten beliebt haben. Jn dieser Note fezen Ew. Exzellenz die Gründe aus einander, welche die Zentralbehörde der Eidgenossenschaft bewogen haben, ^er Bewegung der schweizerischen Auswanderung nach Brasilien ihre volle Aufmerkfamkeit zu widmen. Gleichzeitig machen Hochdieselben, unter Hinweifung besonders auf die Verhältnisse , in welchen die von dem Hause des Senators V e r g u e i r o u. Eomp. in der Provinz S. Paulo gedungenen schweizerischen Kolonisten sich befinden sollen, verschiedene Beschwerden geltend, welche sich aus Berichte gründen, die seit den Vorfällen in Jbieaba.

Hochdenfelben eingegangen find , und die Bundesregierung überzeugt zu .^aben scheinen,

.I 94 1) daß die zwischen den brasilianischen Unternehmern und den Kolonisten abgeschlossenen Verträge, selbst wenu fie in allen Theilen vollzogen..

würden, für die ersteru immer noch sehr vorteilhaft seien ; .^) daß die Kolonisten keinen Schuz von Seite der Gerichtsbehörden des Kaiserreichs erwarten können , da sie die Landessprache nicht kennen und somit nicht im Stande sind, ihre Rechte vor den brasilianische^ Gerichten zu wahren ; 3) daß den Kolonisten ein günstiger Erfolg ihrer Arbeit nicht in Aussicht steht, indem fie nach drei bis vier Jahren sich noch tiefer verschuldet befinden, als bei ihrer Ankunft.

Se. Exzellenz Herr F o ruer od fügen bei, daß die Bundesregierung, durch die , wie ihr berichtet worden, von einem Organe der brasilianischen Regierung in der Session des Senats vom Jahr 1857 geführte Sprache vorerst beruhigt, die Erwartung hege, den Mißständen abgeholfen zu sehen, über welche die schweizerischen Kolonisten in der Provinz S. Paulo sich

beklagen; daß fie indessen, mit Rüksicht ^auf die Verzögerung in der An.^

ordnung der zu obigem Zweke erforderlichen Maßnahmen, befurchte, das Geschrei der Mächtigen dabei interessirten Männer möchte die Klagen der

Uuglüklichen übertönen und die Stimme verdächtig machen , die in Erfüllung ihrex Pflicht sich zu Gunsten derselben erhoben hat.

Jn dieser Voraussezung verlangen Ew. Exzellenz im Namen des Bundesrathes , daß die von Vergueiro u. Eomp. gedungenen Kolonisten aus ihrer angeblichen Selaverei befreit und aus Staatsländereien versezt wer^ den, und fügen diesem Begehren die Erklärung bei. daß einige Kantone sich veranlaßt gesunden haben. Maßregeln zur Verhinderung der Auswan^ derung zu ergxeisen, und daß diese Maßregeln wahrscheinlich a l l g e m e i n werden dürften, wenn die kaiserliche Regierung, in welche übrigens der Bundesrath volles Vertrauen seze, d^n erwähnten Uebelständen nicht besöxderlieh abhelfen würde.

Nachdem der Unterzeichnete die angeführte Note Sr. Maj. dem Kaisex vorgelegt hatte, ist er angewiesen worden, die Behauptungen derselben zu widerlegen und Sr. Exz. Herrn Fornerod nachzuweisen, wie wenig begründet die Befürchtungen seien , welchen die Bundesregierung hinsichtlich des Standes der Kolonisation in Brasilien Raum zu geben veranlaßt worden ist.

Jn erster Linie dürfte die Voraussezung kaum begründet sein, daß die zwischen den Eigentümern und den Kolonisten abgeschlossenen Ver-

träge, weil sie für die erstern günstig sind, für die leztern ungünstig seien.

Die Erfahrung hat im Gegentheil dargethan , daß vermittelst dex H.^lbpachtverträge manche Kolonisten nach 3 oder 4 Jahren im Stande waren, alle ihre von der Reise nach Brasilien und den Vorschüssen während der ersten Zeit ihres Hierseins herrührenden Schulden abzuzahlen. Diese Thatsache ist leicht nachzuweisen , selbst aus der Fazenda Jbieaba , gegen .welche die von Sx. Exz. Herru Fornerod erhobenen Beschwerden haupt^

^

19^

sächlich gerichtet find. Selbst der schweiz. Konsul auf dem hiesigen Plaze, Herr David, hat in seiner untexm 7. Juni 1857 an deu Unterzeichneten gerichteten Note erklärt . daß d i e s e V e r t r ä g e , w e u n sie g e t r e u l i c h ^ v o l l z o g e n w e r d e n , g e e i g n e t sind, d i e W o h l f a h r t d e r K o lo ni st en zu b e g r ü n d e n , und mau darf hiebei nicht übersehen, daß er^ fich sechs Monate nach den Ereignissen, die auf jener Fazenda stattgefunden haben, und nach der genauen Untersuchung, welche Herr ^r. Heußer i.r^ Auftrage seiner Regierung vorgenommen hat, in obiger Weise aussprach.

,,Der Unterzeichnete könnte noch andere, durch den nämlichen Konsularagenten geschriebene Dokumente anführen, ans denen sich ergibt, welch^ hohe Bedeutung er dem Halbpachts^stem beimißt , indem er es als eiI.^ großes und edles Unternehmen betrachtet, welches diesem fruchtbaren Lande

uüzliche Arbeitskräste zuführt und gleichzeitig eine bedeutende Anzahl armer,

durch die jezigen Verhältnisse Europas niedergedrükter Menschen aus dem Elend , ^vor Hungex und Kälte rettet. Die anerkannte Glaubwürdigkeit^ Herrn D a v i d ' s sowol, als die Erfahrung sprechen somit klar und deutlich dafür, daß die Halbpachtverträge den Kolonisten wie den Eigentümern

die möglichst größten gegenseitigen Voxtheile bieten , indem sie die erster^.

dem Elende entreißen , um sie einem glüklichen und augenehmen Lebern wiederzugeben.

Der Unterzeichnete verkennt zwar die Schwierigkeiten nicht , welche.

den Kolonisten bei Anrufung der Gerichte entgegenstehen, da sie die Lan^ desfprache nicht kennen und Niemand zur Seite haben, der ihnen Schuz.

und Anleitung unmittelbar gewährt; allein dieser tlebelstand ist nicht er-^ heblich genug, um die Einwanderung zu hindern.

Jn unserm Lande sehlt es, wie anderswo, nie an Uebersezern. Die Richter in Brasilien lassen es fich übrigens angelegen sein, und sind auch dazu verpflichtet, sie fich zu verfchassen, und man findet unter den Kolonisten selbst leicht zu diesen Verrichtungen geeignete Leute.

Was sodann den Schnz betrifft , der ihnen von verdächtigen Amts^ stellen verweigert werden könnte, so haben die Geseze des Kaiserreichs die^ Fälle genau bestimmt , in welchen die Gerichtsbarkeit an andere Richter überzugehen hat , wenn sie in den Händen von Betheiligten selbst odex^ deren Kreaturen liegen sollte. Ungeachtet dieser Vorsicht der in Kraft be^ stehenden brasilianischen Gesezgebung ist die kaiserliche Regierung indessen

geneigt die Wirksamkeit der Rechtspflege dadurch zu verstärken , daß sie durch anderweitige Maßregeln die Beurtheilung der aus den Verträgen entspringenden Streitäxten erleichtern und so den Kolonisten größerem Zutrauen in die Unparteilichkeit der Richter einflößen wird.

Den dritten der zur Kenntniß der Bundesregierung gebrachten Be^ schwerdepunkt betreffend , kann der Unterzeichnete nicht umh.n , auf di^ offenbare Ungerechtigkeit hinzuweisen, mit welcher man dem Halbpachtf^stem oder der schlechten Handhabung desselben, von Seite der Unternehmer die Thatsache zuschreibt, daß ..^le Kolonisten immer tiefer verschuldeten.

^96 Jn dieser Beziehung wird es genügen , das Zengniß des Herrn David, der für sein Land geschrieben hat, anzuführen, laut welchem die schweizerischen Auswanderer g r ö ß t e n t h e i l s zuchtlose Menschen oder aber ^akere und gebildete, der Landarbeit ungewohnte, mit romantischen Träu.nereien erfüllte und an ein bequemes Leben gewöhnte Männer find , ab^eseheu davon, daß unter ihnen sich Greise und ins Elend versunkene, mit .Kindern überladene Familien sich befinden.

Es kann daher nicht überraschen, daß solche Leute ein wenig giinstiges Ergebniß mit ihrer Arbeit erzielen , und nicht gedeihen können, welches auch das Verhalten der Unternehmer sei, die manchmal, wie Herr V e r g u e i r o und Andere gethan haben, diese Kolonisten unterhalten, ohne die geringste Ausficht auf eine dereinstige Rükerstattung der ihnen an Geld oder Waaren geleisteten Vorschüsse zu haben. Hinwieder ist Thatsache, daß die kaiserliche Regierung Angaben besizt, welche die unbestreitbaren Vortheile nachweisen, die eine ziemlich große Zahl fähiger und besser gesitteter Kolonisten in dem durch Unterzeichnung des Halbpachtvertrages freiwillig eingegangenen Verhältnisse sich errungen haben.

Jm brasilianischen Senate hat sich kein Organ der Regierung über die Vorfälle in J b i e a b a ausgesprochen, wie S. Exzellenz Herr Fornerod voraussez... Es hat eine nur unbedeutende Diskussion über diesen Gegenstand zwischen einigen Senatoren stattgefunden, die nicht den oberen Ver-^ waltungsbehörden angehören und nicht als deren Organe in den gesezgebenden Kammern des Kaiserreiches betrachtet werden können, somir auch nur ihren persönlichen Ansichten Worte geliehen haben.

Jmmerhin nimmt die kaiserliehe Regierung von dem Vertrauen , welches die Worte jener Senatoren der Eidgenossenschaft eingeflößt haben, als von einer ehrenden Kundgabe Akt, und wenn das Verhalten der kais. .

Regierung gegenüber den Kolonisten von U b a t u b a wohibegründete Hoff.nnngen erwekt hat, so wird eine gleiche Wirkung die Sorgfalt hervorbringen, welche die nämliche Regierung für diejenigen der Fazenda Jbieaba an den Tag gelegt hat, indem sie den Einen unentgeldliche Beförderung gewährte und den Andern die Schulden bezahlte und durch diese HülfeLeistungen sie in den Stand fezte, sich anderswo niederzulassen, was auch

^wirklich geschehen ist.

Wenn auch die Maßnahmen, weiche aus Anlaß der eben erwähnten Ereignisse ergriffen worden sind, etwelche Verzögerung erlitten, so war ^.iese doch nicht der A r t ^ um die Befürchtungen zu begründen, welche Se. Exzellenz Herr Fornerod zu erkennen geben; die sehr einläßlichen Er^ hebungen, die zu veranstalten waren, mußten in weiter Entfernung ausgenommen werden, und nahmen daher auch notwendig einen bedeutenden Zeitraum in Anspruch.

Allein noch bevor selbst die Note einlangte, welche der Unterzeichnete ^u beantworten die Ehre hat, war das Ergebni^ jener Untersuchungen durch einen Bericht b^annt geworden, den der hiefür ernannte Kommissär ...tuterm 8. Januar lezthiu an die .^ais. Regierung erstattete.

197 Der brasilianische Geschäftsträger bei der schweiz. Eidgenossenschaft ^..ird durch die nämliche Post die Weisung erhalten, diesen Bericht und ^den Beschluß zur Kenntniß der schweiz. Bundesregierung zu bringen, durch .welchen die^ Regierung Sx. Majestät des Kaisers neuerdings ihre seste

Absicht an den Tag gelegt hat, den schweizerischen Kolonisten allen mög-

Wichen Schuz zu gewähren, indem fie wie bisher auch fernerhin alle ihr ^u Gebote stehenden Mittel in Anwendung bringen wird, damit die Ver^ ^träge in gerechtester Weise vollzogen werden.

Derselbe diplomatische Agent wird auch die Ehre haben, der Bundesregierung noch andere amtliche Dokumente vorzulegen ,^ welche die aussührlichsten unverwerflichsten Aufschlüsse enthalten , und dazu beitragen werden, hochdiefelbe zu überzeugen, daß die Kolonisten von Jbieaba sich ^uicht im Zustande der Selaverei befinden , welcher Ausdruk übrigens schon durch die Zeugnisse der Herren David und Doktor H e u ß e r als offenbare ^ebertreibnng sich herausstellt.

Es wird also nicht nöthig fein, Menschen zu befreien, die als freie Menschen leben und behandelt werden, obschon sie freiwillig eingegangeneu

Bedingungen, die in allen zivilisirten Ländern als gesezmäßig betrachtet

werden, sieh zu fügen haben.

Unter solchen Umständen liegt um so weniger ein wirklicher Grund ^.oor, welcher die Versezung dieser Kolonisten auf Staatsländereien xathsam erscheinen ließe, als die besondern Ursachen, welche die kaiserliche Regie...

.rung bewogeu haben, eine solche Maßregel in Betreff der Kolonisten von Ubatuba zu ergreifen, zu ihren Gunsten nicht vorhanden ^find.

Jndem der Unterzeichnete sich darauf beschränkt, die Note vom 8.

Dezember in vorstehenden allgemeinen Ausdrüken zu erwidern, gibt ex sich der Hoffnung hin , daß die Bundesregierung nach Prüfung der gegenwäxtigen Darstellung und der oben erwähnten Aufschlüsse ihre Ansichten über den Zustand der schweizerischen Kolonisten in Brasilien wesentlich änderu ^vird.

Der Unterzeichnete benuzt diesen Anlaß, Se. Exzellenz den Hexr^ .^undespräfidenten feiner ausgezeichneten Hochachtung zu versichern.

V i s e o n d e de Maranguape.

^.tote de^ ...ais ^rajitianischen .^eschat^tra^er^ au deu .^unde^rasideuteu.

Bern, den 28. Juni 1858.

Herr P r ä s i d e n t !

Die Regierung Jhrer Majestät des Kaisers von Brasilien hat mich ........auftragt, der hohen Würdigung des Bundesrathes mehrere offizielle Do^

^undesblatt. Jahrg. X. Bd. II.

^1

^ .^...^te zu ^erbreiteu, welche ausführliche und unwiderlegbare Untere

su.^u^ .^ ^ g^.^rti.^ ..^ d^ Schweiz^l.^ien iu der Proviu^ S..^ Pau^o .nit^.lt^ Di^fe. Dokume.^ die ich Jhrer ^...zell^z vorz^ legen di^ Ehr^ habe, ^.........^

^ D.^ Bricht ^s ka.s.^i.ch^ Kommissärs, b^uftragt zur gerichtlich^..

Untersuchung der .^..n deu K^lo.nisten von Jbieaba und ^ Ang.eliea

erhobenen Kla.gen...

2) der Bericht, in welchem Derselbe Beamte nach seiner Rundreise uud Detailprüfung dex 26 andern Kolonien der Provinz die Resultate seiner Nachforschungen niedergelegt hat; .^) Die pom Minister des Jnnexn au den Präsidenten der Provinz S^. Paulo adressirte Depesche, welche bezwekte, dem ungesezlicheu ...^exf^hren gegen die Rechte und Jnteresseu der Kolonisten und Eigenthümer ein ^En.de zu machen und die Wiederholung der Mißbräuche zu verhüten, von denen in beiden Berichten die Rede ist; 4) Die Depesche des Ministers des Jnnern an den Ministex der ans^ wärtigen Angelegenheiten, den gleichen Gegenstand betreffend und die derselben beigefügten Aktenstüke.^) Der von der kaiserlichen Regierung mit der Prüfung des Zustandes dex Kolonie beauftragte, aufgeklärte und redliche Beamte hat seine NachForschungen bis ins Kleinliche ausgedehnt, um die wahre Sachlage zu konstatiren. Seine beiden Rapporte sezen mit Klarheit das Benehmen fowol der Kolonisten als der Eigentümer aus einander. Man verschweigt darin .die Wahrheit weder zu Gunsten der einen noch der andern.

Die vollständigste Unparteilichkeit hat bei dieser Arbeit geherrscht. Sind ^ie Kolonisten darin manchmal angeklagt, so find es ebenfalls die Eigentümer, die es verdienen.

Die Nachforschungen des kaiserlichen Kommissärs erstreiken sich auf die allgemein^ Ausführung der Vertragsbestimmungen ; auf die Bezeichnung der den Kolonisten anvertrauten Loofe von Kaffeebäümen und den jedem zur Anpflanzung seiner Lebensmittel ausgetheilten Bodenanteil , auf den Hans^ ^ins; auf den Preis der von den Eigentümern gelieferten Konsnmtions^ gegenstände und aus den Stand der Maße und Gewichte in jeder Kolonie.

Man hat die Büchlein der Kolonisten mit den Büchern der Kolonie vergleichend, die Rechnungen eines jeden Etablissements einer strengen Durchficht unterworfen; man hat die Frage der Transportkosten und die der Reduktion der ^olonistenfehuld in brasilianischer Münze geprüft ^ diejenige der Komn.ifsion der von den Kolonisten erhobenen 10,000 Reis; diejenige ^endlich^des Zinses von 6 o^, süx welchen man jedem von ihnen für^ die .von der Heimathgemeinde vorgeschossenen Gelder belastet hatte.

Diese Untersuchung hat die Klagen der Kolonisten auf ihre richtigen Verhältnisse zurürgesührt. Es hat sich herausgestellt, daß einige derselben ^) ^ie oberwähnte Depesche wnxde nich^ gedxukt, wohl aber ein daraus be^üg..

liches Aktenstük, nämlich das Schreiben des ^xn. I)r. .^eu^ex.

^

199 grundlos sind, andere, obwol übertrieben, einigen Grund haben.

Man hat den lezteren Recht wiedersahren lassen, und die kais. Regierung hat die entsprechenden Maßregeln getroffen, um die gegenwärtigen Mißbräuche abzufchaffen und zukünftige zu verhüten.

Jch kann nicht unterlassen, auf die bemerkenswerte Uebereinstimmung aufmerksam. zu machen, die aus den Resultaten dieser Untersuchung und aus dem Berichte des H.errn ^r. Heußex hervorgeht, des Abgeordneten der fünf bei der Auswanderung nach Brasilien besonders betheiligten Kantone.

Die beiden Dokumente führen bei Vergle^chnng zu demselben Schlusse. Beim aufmerksamen und vorurteilsfreien Lesen wird man finden, daß, einige Aufnahmen im Einzelnen abgerechnet, der erste Bericht des kaiserlichen Kommissärs mit demjenigen des schweizerischen Kommissärs übereinstimmt, der nicht ermangelte, zu wiederholten Malen die Uebertreibung der Klagen dex Kolonisten zu bezeichnen.

Jch muß noch beifügen, daß die zwischen beiden Untersuchungen verflossene Zeit die Stellung der Kolonisten gegenüber den Eigenthümern wesentlich verändert hatte. Dieß erklärt sich ans dex schnellen Wegränmung von Unordnungen, welche das Haus V e r g u e i r o und K o m p .

freiwillig unternahm , wie Herr l^r. Heußer auch selbst bezeugt. Es kann in dieser Beziehung kein Zweifel mehr herrschen , nach der Erklärung dex Kolonisten von Angelina, welche beinahe einstimmig dem kais. Kommissär bezeu^ten^, sich über die Eigentümer nicht beklagen zu können und ^ie Reklamation der Schweizer von Jbieaba unterzeichnet, o h n e sie gel e s e n z u h a b e n , d a s i e d a z u v o n D a v a t z u n d F e l d mann, denLehrer.n der b eiden K o l o n ien , h i n g e r i s s e n w u r d e n , die ihnen s a g t e n , sie w ä r e richtig u n d h ä t t e d i e V e r b e s s e r u n g i h r e s S c h i k s a l s zum Z w e k e . (Bericht Nr. 1.)

Zur Unterstüzung dieser leztern Thatsache führe ich noch die geschriebene Erklärung alier deutschen Kolonisten an, welche sich bei der Erhebung der Schweizer betheiligten. (Bericht Nr. 1.)

Was die gegründeten Klagen betrifft, von denen oben die Rede war, sagte ich, es sei ihnen abgeholfen worden. Um fich hievon zu überzeugen, genügt es, den Bericht des kaiserlichen Kommissärs zu lesen, der die .

folgenden Resultate konstatirt..

l) Jn Folge eines Jrrthums, der
aus dem Wortlaute des Vertrages selbst hervorgieng , belastete man die schweizerischen Kolonisten ohne.

Unterschied mit einem Zinfe von 6 .^ für die ihnen von ihren ^Gemeinden gemachten Vorfchüffe. Die Eigenthümer gier.gen auf die Bemerkungen des Beamten ein , und erstatteten den Kolonisten die unbilli^erweise erhobenen Summen, was auch das Haus V e r g u e i r o und K o m p . that, indem es noch den Zins beifügte.

^ Die Häuser wurden nicht in schlechtem Zustande befunden, wie die Kolonisten glauben machen wollten, und die vom Eigenthümer erhobene Miethe entspricht einfach dem Zins von 6 o^ (gesezlicher Zinsfuß)

200 ^

der zum Baue verwendeten Summen. Eine gewisse Anzahl voIt Kolonisten, die zufolge ihres Vertrages freie Wohnung haben sollte, beklagte sich mit Recht, daß man fie die Miethe zahlen machte..

Der kaiserliche Kommissär hat ihre Rechte anerkannt und ihnen zurük...

erstatten lassen, was unbilligerweise von ihnen gefordert wurde.

3) Eine gewisse Anzahl von Kolonisten war zufolge Vertrags speziell von der Verpflichtung befreit, bei ihrer Ankunft in Brasilien eine.

Kommissionsgebühr von l 0,000 Reis zu bezahlen. Nichts desto weniger wurde fie von ihr erhoben. Der kaiserliche Kommissär hat der Sache abgeholfen und zwar nicht nur in den Kolonien des Hauses Vergueiro und Komp., sondern in allen Kolonien der Provinz, welche er durchreiste.

(Bericht Nr. 2.)

4) Man hat die Maße und Gewichte in jedem Etablissement verifizixt und Unregelmäßigkeiten konstatirt, welche die Regierung veranlassen.

werden, durch allgemeine Maßnahmen diesem Zustande abzuhelfen.

Es ist zu bemerken, daß die Mission des kaiserlichen Kommissärs ganz einfach den Zwek hatte, die wahre Lage zu konstatiren, und daß

die durch sie au den Tag gebrachten Mißbräuche erst vollständig beseitigt werden können durch die Dazwischenrufst des Präsidenten der Provinz S.

Paulo, der beauftragt ist, die Absichten der Regierung in Aussührung zu bringen, wie dieß aus der Depesche vom 17. März 1858 hervorgeht.

(Beilage Nr. 3.)

Jnzwischen hat sich die kaiserliche Regierung beeilt, eine Hanptmaßregel zu ergreifen, die nicht nur ein Beweis ihrer Sorgfalt für die Kolonisten, sondern auch für die Mittel ist, über die sie verfügt, um ihnen zu helfen. Die Note vom 8. Mai abhin, welche ich Jhrer Exeellenz zu überreichen die Ehre hatte, kündigt in der That an, daß die kaiserliche Regierung die Schulden einer Anzahl von Kolonisten der Fazenda von Jbieaba bezahlt und andern freien Transport bewilligt hat, eine Hilfe, (fügt sie bei), welche sie selbst in den Stand sezte, sich anderwärts anzufiedeln, wie dieß wirklich stattgefunden hat.

Diese Thatsache ist geeignet, selbst diejenigen zu überzeugen, welche

bis zur vollständigen Gewißheit nichts glauben möchten. Jn der That, wo könnte man in den Annalen der Auswandernng finden, daß eine Re-

gierung das Wohlwollen und die Freigebigkeit so weit ausgeübt hätte,

Leuten ihre Schulden zu bezahlen, die sich weigerten, ihre sreiwillig eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, die in allen zivilisirten Ländern ais rechtmäßig angesehen werden..

Der Bundesrath hat bereits in einem offiziellen Dokumente einem ähnlichen Vorgehen der kaiferl. Regierung gegenüber den Kolonisten von Ubatuba Anerkennung gezollt, und auch dieses Mal wird er den hohen Protektionssinn der kaiserlichen Regierung anerkennen müssen, der die schweizerischen Angehörigen, welche nach Brasilien kommen, um sich ein neues Vaterland zu schaffen, niemals im Stiche gelassen hat.

201 Zudem soll ich hier schriftlich niederlegen, was ich Ew. Exeellenz schon mündlich anzuzeigen die Ehre hatte, nämlich, daß die kaiserliche

Regierung geneigt ist, Maßregel^ zu adoptixen, die geeignet find, auf die

Zukunft der Kolonisation einen großen Einfluß auszuüben.

Die kaiserl. Kommission hatte in erster Linie die Aufmerksamkeit der

.Regierung auf die Notwendigkeit gerichtet,^ eine Spezialgesezgebung aufzustellen, ^die, während fie die Kolonisten fchuzt, zugleich auch die Rechte der Eigentümer garantirt, und die Anwendung derselben einer Behörde zu übertragen, die, ü b e r l o k a l e n Einflüssen s t e h e n d , mit der Inspektion dieser établisse m e n t e b e a u f t r a g t w ä r e , sie

periodisch zu besuchen h ä t t e , und bekleidet mit der nöthi-

gen G e r i c h t s b a r k e i t , die sich v o r f i n d e n d e n U e b e l s t ä u d e heb e n k ö n n t e , indem s i e K e n n t n i ß v o n allen zwischen Kolomisten und Eigentümern erhobenen Fragen haben würde, und d i e s e l b e n summarisch zu entscheiden hätte. (Berieht Nr. 2.)

Die kaiserl. Regierung ist bereit, den Wünschen der Kommission entsprechend , in diesem Sinne Maßregeln zu ergreifen , wie sie dieß in ihrer Note .vom 8. Mai in folgenden Worten ausspricht: ,,Die kaisexl.

R e g i e r u u g ist b e r e i t , die R e c h t s p f l e g e noch dadurch zu verb e s s e r n , daß sie durch a n d e r e M a ß r e g e l n die B e u x t h e i l u n g der aus den Verträgen hexkommenden Streitigkeiten erleichtert und auf diese Weise den Kolonisten g x ö ß e r e s

V e r t r a u e n in die Unparteilichkeit der Richter einflößt...

Zweitens beschäftigt sich die kaiserl. Regierung damit, aus angemessenen Grundlagen die Frage der Ehen zu ordnen , welche in Betreff der nicht der katholischen Konfession angehörenden Kolonisten die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.

Ein Gesezentwurf hierüber ist ausgearbeitet, um den Kammern vorgelegt zu werden. Die Fr.^ge liegt so sehr in den unmittelbaren Absichten der Regierung, daß sie dieselbe zu einem speziellen Paragraphen der Rede gemacht hat, die S. M. .der Kaiser den 3. Mai lezthin bei Eröffnung der brasilianischen Kammern gehalten hat.

Die kaiserl. Regierung hat endlich, um den fremden Konsuln selbst die Ueberwachung der Jnteressen ihrer Landsleute im Jnnern des Landes möglich zu machen, wo ihre Thätigkeit bis jezt nur schwer sich geltend machen konnte, am 13. März abhin ein Dekret erlassen, welches die Besugniß zur Ernennung von Konsularagenten den fremden Konsuln einräumt. die von ihren Regierungen hiezu speziell ermächtigt werden und den Konsuln der Nationen, welche die gleiche Befugniß den brasilianischen Agenten einräumen.

Es geht aus allem Vorhergehenden l.ervor, daß die kaiserl. Regierung den plagen der Kolonisten Rechnung getragen und ihnen Recht angedeihen ließ, soweit sie begründet waren. Seit der Untersuchung von Jbi.^aba ist ihr keine neue Klage zugekommen, selbst nicht ein unbestimmtes ^Gerücht von Handlungen, die zum Schaden dex Kolonisten begangen wurden.

202 ..Es ist selbst u i c h t w a h x s c h e i n l i c h , ^sage ich in Wiederholung der von.

Sr. Exzellenz .dem Herrn Ministex des Jnnern an feinen Kollegen der auswärtigen Angelegenheiten gerichteten Worte, daß nach d e n Bew e i s e n von W o h l w o l l e n , welche die .Regierung g e g e b e n , nach d e r s t r e n g e n U n t e r s u c h u n g , w e l c h e s i e v o r g e n o m m e n , .und nach den B e f e h l e n , w e l c h e sie für A b s c h a f f u n g der b e stehenden U e b e l s t ä n d e und die V..rmeidu..g vo.... k ü n f t i a e n Mißbrauchen g e g e b e n h a t , die E i g e n t h ü m e r ..s gew a g t h a b e n w ü r d e n , sich a u f e i n e A x t zu b e n e h m e n , d i e das Schikfal der Kolonisten d e m j e n i g e n der S k l a v e r e i ..ihulich m a c h t e , wie man d i e ß in der S c h w e i z b e h a u p t e t .

Nichts desto weniger beauftragt mich die .kais. Regierung , den Klagen nachzuforschen, die noch einlangen könnten, und ihr davon Kenntniß zu

geben, in Berüksichtigung, daß es mit der besten Absicht

v o n d ^ x .^elt unmöglich ist, de.n a b z u h e l f e n , was man nicht gut k e n n t , o d e r was man gar nicht w e i ß . Zugleich bedauert fie, wenn diese Klagen, falls es solche gibt, vor den Bundesrath gebracht , statt ihr selbst eingereicht würden.

Dieß ist in dex That das beste Mittel, um zu bestimmten und entscheidenden Resultaten zu Gunsten der sich in Brasilien befindenden schweizerischen Kolonisten zu gelangen. Es ist zu bedauern, daß einige öfsentliche Blätter der Schweiz diese Wahrheit nicht begriffen und vorgezogen haben, fich unfichern Anschuldigungen hinzugeben, indem sie sich auf einzelne Beriefe von Kolonisten stüzten und die Nichtigkeit der Beweise unter Effektphrafen verbargen, wie z. B. die B e h a n d l u n g der W e i ß e n , S k l a v e r e i der W e i ß e n und andere deklamatorische Banalitäten, welche bloß zur Erbitterung dienen und keinen Vortheil für die Kolonisten selbst verschaffen.

Jch will nur ganz vorbeigehend gewisser Thatsachen erwähnen, welche durch die Untersuchung des kais. Kommissärs enthüllt wurden und die dem durch die Unwissenheit und Leidenschaft so verläumdeten brasilianischen Eharakter Ehre machen. Jn einer Kolonie wurde ein Schweizer während einer langen Krankheit vom Eigenthün.er kostenfrei besorgt und, nachher l^lind geworden , von diesem mit seinen 4 minderjährigen Kindern von aufgenommen, welche seitdem einen Theil der Familie des Fazendeiro ausmachen. (Bericht Nr. 2.)

Jn einer andern Kolonie sah der Eigentümer , daß die Aernte keine glükliche war und entschädigte die Kolonisten für das erste Jahr durch Erlassung des Zinses für die Vorschüsse und den Betrag der ihnen geli ferten Lebensmittel (Bericht Nr. 2). Anderwärts endlich erläßt der Fä^ zendeiro den Kolonisten alle Geldbußen, in die fie verfallen waren (Bericht

Nr. 2). .

Man könnte ähnliche Thatsachen aus dem Berichte des Herrn H e u ß e x anführen, z. B. die Anordnung des Reglements dex Kolonien Vexgueiro...

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^ach welcher die von deu Kolonisten ^ezahlte^ Bußen für ..ine Kxan^kas^ ^bestiinmt waren und so zum Wohl der Kol.^i.^u selbst verwendet wur^ .(Bericht des Hrn. Heußer). Weite... de.... Fall, 1^o .^r. Vergueiro einem .Knaben von 2 -3 Jahxeu , .^...n Vatex, Muttex und Br.üder gestorben .war^n, seine ganze Schuld nachließ. und ^o freiwillig auf deu Gebrauch der Klausel der Solidarität verzichtete, gegen welche die Presse sich mit so großem Eifer erhob und die übrigens vornämlich zu Gunsten der Ge-

.melnden aufgestellt ist (.Bericht des Hrn. Heü^r).

Diese Beispiele sprechen laut zu Gunsten des brasilianischen Ehaxakter.^ .und tonstatiren , daß die Presse jedenfalls Unre.^t gethau , die ganze Blasse dex Fazendeiros anzugreife...

.^ch wage die Aufmerksamkeit ..^w. Exzellenz auf den S^lu^ des Berichtes Nr. l zu lenken, in welchem mau die allgemeinen Gxün^ ^angibt, die dazu beitragen, daß einige .^olouisten in kurzer Z^eit ihre Schulden nicht zahlen konnen und diese fich dagegen noch vermehren.

Auch hier stimmen die Bemerkungen des .ais. Kom^iss.irs mit denjenigen

^des schweizerischen überein. Um dle^ zu bewtifeu, führe. ich die Stelle ^des Berichts des Hetxn Heuße^ nach dem Wortlaute an ^(Seite .^4) i

^,Die Verantwortlichkeit fiir das Uugliik der axbeitstt^ siihigen Kolonisten f^llt jedenfalls zum großen ^heil auf

A g e n t e n und Heimathgemeindeu. Nicht bloß alte Soldä tetr, g e w e s e n e Zuchthaussträflinge und arbeitsscheue L e u t e finden sich auf den Kolonie^, sondern ich^ habe selbst f....^ g e n d e O p f e r u n v e r z e i h l i c h e Leichtsinns ^ e t x ^ f f e n , o d e r .wenn d i e s e l b e n gestorben w a r e n , mit ihren r.ächsteu A u v e r ^ w a n d t e n g e s p r o c h e n . G r e i s e ^ou 70 ...i^s 85 J a h r e n (z. B.

^ex V a t e r von Nr. 13 bei J o a o Leite, M u t t e r v.^u Nr. 20

auf A n g e l i c a und ^iele A n d e r e ) ; J..valide^.; Einarmige

.(Nr. 12 auf S. Lorenzo), mit h ö l z e r n e n Beinen ^r. 1 b^ei Frane. M a r s G o l v a o ) B l i n d e ( S c h w e s t e x v o ^ N r . 1 b e i J o . . . . ^ Leite) ein a n d e r e r Blinder soll sich noch auf einer K o l o n i e

befinden, die ich nicht besuchte; ganz ausgebildete Kretins

(Nr. 2l auf Angelica). Und diese L e u t e wurd.... v o n de^u H e i m a t h g e m e i n d e u nicht bloß f o r t g e l a s s e n , sonder d^eu j ü n g e r e n , gesunden Kolonisten noch a u f g e d r u n g e n ; d.i^s^eu w u r d e n nur unter der Bedi.^gur.g, daß sie jene mit.rehmeu, die Vorschüsse extheilt. Die Gesunde... h a b e n uun ^ie A l t e n und K r a n k e n noch zu ernähren und, wenn ^ies^ ^e^ storben sind, d e r e n Schulden abzuzahlen. Von Gächlingen, K a n t o n s S c h a f f h a u s e n , sind z. B. w e n i g e arbeits^ u n f ä h i g e K o l o n i s t e n g e k o m m e n ; wohl aber n e b e n soliden und e h r b a r e n Leuten auch solche, die uach de^ Auss a g e j e n e x im Zuchthaus g e w e s e n w a x e u , o.dex nach i h r e m L e b e n s w a n d e l in d a s s e l b e gehört und nur durch A u s w a n ^ ^derung sich demselben e u t z o g e u hatten (z. B. Nx. 1^ und 12

..^4

.^..i l.)r. Elias). Dennoch e r h i e l t e n alle d i e s e G ä e h l i n g e ^ v o n ihrem G e m e i n d e x a t h ein und d a s s e l b e S i t t e n z e u g n i ß . ^ Dieser .Theil des Berichtes von Hrn. .0r. Heußer enthält Thatsachen^ die, wie ich nicht zweifle, die Aufmerksamkeit des Bundesrathes auf fich.

ziehen werden und mir die Pflicht auferlegen, meine Regierung davon i^.

Kenntniß zu sezen.

Das vierte hier beiliegende Dokument ist mit zwei wichtigen Beilagen versehen. Die erste ist ein Brief von Herrn I..r. Heußer an Herrn José.

.Vergueiro, welcher die vollständigste Lobrede auf den Gang der Kolonien Jbieaba und Angeliea enthält. Die Behauptungen des schweiz. Kommissär.^ sind um so bezeichnender, als fie nach einem Aufenthalte von drei Jochen au den Orten selbst ausgesprochen wurden , in Folge einer serupulöseu^ Untersuchung, die den Gegenstand seiner Mission ausmachte. Man bemerke,.

daß diese Behauptungen fich wiederholt in seinem Berichte bestätigt finden.

Der zweite Beleg ist eine Liste der seit ihrer Gründung in die Kolonie Senador Vergueiro eingetretenen Kolonisten , die mit einem Saldo zu ihrer^ Gunsten austraten, der ihnen die Erwerbung von eigenem Boden möglich

machte. Die Zahl dieser Kolonisten beträgt 99. Es bleibt übrigens zu.

bemerken, daß es sich hier um eine einzige Kolonie handelt.

Wir sehen.

auch im Berichte des kais. Kommissärs, daß in der Kolonie T a t i è 1..^ von 27 Familien ihre Schulden schon bezahlt haben, obschon der Vertrag,.

ein Halbpachtvertrag, sür die Kolonisten viel beschwerlichere Klauseln..

enthält, als derjenige des Hauses Vexgueiro und Eomp. , und obwohl mehrere dieser Familien erst seit 1855 angekommen sind (Bericht Nr. 22)..

Diese Thatsachen sprechen überzeugend zu Gunsten des Halbpachts^stems, itber welches sich übrigens wiederholt auf sehr günstige Weise sowol Her^ Konsul David und die schweiz. Wohlthätigkeitsgesellschaft in Rio, so wi^ auch Hr. ^r. Heußex ausgesprochen haben, von welch' lezterm wir folgend..

Stelle nach dem Wortlaute anführen .

,,Der beste B e w e i s , daß die Kolonisten uuter solchem .Bedingungen, w e n n s i e wirklich g e h a l t e n w e r d e n , f o r t k o m m e n k ö n n e n , i s t d e r , d a ß b l o ß 2 0 b i s 2 5 F a m i l i e n aus d a s A n e r b i e t e n d e s H e r r n J o s é V e r g u . e i r o e i n g e h e n wollten,.

Ländereien desselben als Grundeigentum zu übernehmen z u e i n e m v o n u n p a r t e i i s c h e n L e u t e n z u b e s t i m m e n d e n Preisen u n d doch w a r G r u n d e i g e n t h u m v o r h e r a l l e r . W u n s c h un^ Jdeal g e w e s e n ! (Bericht des Hrn. Heußer.)

Der gleiche Gedanke wurde nochmals unter verschiedenen Formen von.

.Hrn. l^r. Heußer ausgesprochen.

Jm Ganzen beweisen die Dokumente, welche ich Ew. Exzellenz zu.

.überreichen die Ehre habe, indem sie die Frage nach allen Seiten beleuch^ ten, daß man allen rechtmäßigen Klagen der Kolonisten Recht angedeihe....

ließ. Ferner wird keine ernstliche Befürchtung süx die Zukunft mehr be..

^ehen können nach all' den getroffenen und noch .zu treffenden Maß^

^

20:^

nahmen zur Abschaffung und Verhütung der Rükkehx der Mißbräuche..

'Die kaiserl. Regierung gibt in dieser Beziehung die ausdxüklichsten Ver-^ fichernngen, und man findet einen weitern Beweis dafür in einer Stelle der Depesche des Ministeriums des Jnnern an das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten (Dokument Nr. 4^, die wörtlich anzuführen i^ .mir zur Pflicht mache.

..Die kaiserl. Regierung, heißt es dort, hat geuii^ g e n d B e w e i s e ihrer f e s t e n A b s i c h t k u n d g e g e b e n , den K o - ^ l o n i s t e n , w o e s ist, alle m ö g l i c h e n G a r a n t i e n z u b i e t e n . .

sie h a t a l l e i n ihrer Macht l i e g e n d e n M j t t e l a n g e w e n d e t u n d w i r d s i e f e r n e r a n w e n d e n , d a m i t d i e V e r t r ä g e mit^ aller T r e u e und R e d l i c h k e i t a u s g e f ü h r t w e r d e n . Die de.^ K o l o n i s t e n b e i G e l e g e n h e i t e i n i g e r u n g e r e c h t e n Handl u n g e n v o n S e i t e d e r F a z e n d e i x o s v e r u r s a c h t e n Nachtheile.

w u r d e n in B e t r a c h t u n g g e z o g e n , und auch d e n a n d e r n wird m ö g l i e h s t R e c h n u n g g e t r a g e n w e r d e u ; n e u e w e r d e n ohn^ Z w e i f e l k e i n e e n t s t e h e n , u n d w ü r d e n - f a l l s s o l c h e ents t ü n d e n - schnell v e r b e s s e r t u n d g e h o b e n .

Nach einer so bestimmten Erklärung würde es mehr als böser Will^ sein, wenn man die Wirksamkeit der väterlichen Dazwischenkunst der kaiserl.

Regierung in die Angelegenheiten der Kolonisation in Zweifel sezeu wollte.^ Der Bundesrath, an der Spize der Staatsverwaltung stehend, kann.

die Nationalinteressen von einem von Vorurtheilen, die manchmal die öffentliche Meinung irre führen, befreiten Gesichtspunkte aus betrachten. E^ wird deßhalb die Dokumente, die ich ihm zu übermachen die Ehre habe, gehörig zu würdigen wissen. und daraus die Folgerung ziehen, daß er^ vollen Grund hat, fich mit der kaiserl. Regierung auf freundschaftlich^

Weise darüber zu verständigen , welche Folge allfällig künstigen Klagen der.

Kolonisten zu geben sei.

Die Art, wie die öffentliche Meinung in der lezten Zeit in Bezug.

auf die Lage der Schweizerkolonien in Brasilien irre geführt wurde, legt^ mir die Verpflichtung auf, Jhre Exzellenz zu bitten , den in dieser Not^ und in den beigelegten Dokumenten enthaltenen Jnformationen die mög^

lichst große offizielle Veröffentlichung zu geben. Diese wünsche ich im

Namen der guten Beziehungen, welche zwischen der Schweiz und Brasilien bestehen , so wie im wohlverstandenen Jntexesse der Kolonisten und in den..

der Sache der schweizerischen Auswanderung nach Brasilien, welche fü^

beide Länder gleich wichtig ist.

Jch benuze gerne diefe Gelegenheit, Ew. Exzellenz die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung zu wiederholen.

Der Brasilianische Geschäftsträger^ .

  1. L o u r e i r o .

^ D o k u m e n t Rr. 1.

Bericht iibex die ^...tonren ..^biraba und .^ u r e t r e a.. .ermattet vai.: ..^errn de ^atdetarI.. au da^ ^in^terinm de^ Innern ......n.. Brasilien.

(Von. 7. November 1857.)

Jn Vollführung der mir unterm 2. September übertragenen Kommis^ion verfügte ich mich der Reihenfolge nach auf die Kolonien S e n a d o x ^ . V e r g u e i r o und A n g e l i c a , um die zur Lösung meiner Aufgabe ^uöthigen Untersuchungen anzuheben über Natur und Bestimmungen dex Zwischen Pflanzern und Kolonisten abgeschlossenen Kontrakte, die Art und

^Weise der Vollziehung durch beide Theile, so wie über Ungerechtigkeiten,

.als deren Opser sich einige Kolonisten beklagen. Jch beeile mich nun, ..^w. Exzellenz das Resultat dieser meiner Arbeit zur Kenntniß zu bringen.

Jn diesen beiden Kolonien sind die Verpflichtungen der Pflanzer sowol ^ls der Kolonisten durch Theilhaberschaftskontrakte des Jnhalts von Bei-

^lage Nr. 1 regulirt, mit einiger Abweichung jedoch bezüglich derjenigen Kolonisten, welche von ihren Heimathgemeinden Vorfchüsse erhalten haben, .^nit Bezug auf die Rükzahlung und die betreffenden Zinsen, wo solche bedungen sind. Die Stipulationen dieser Kontrakte scheinen mir im gegenZeitigen Jnteresse der Parteien zusammengestellt und dem vorgenommenen .Ziele angepaßt zu sein, und ich denke, der mäßige und arbeitsame Kolonist Rollte aus diese Weise in wenigen Jahren die erhaltenen Vorschüsse zurükbezahlen und vorwärts kommen können, wie dieses auch durch nicht wenige .Beispiele dargethan ist. Von Seite der Pflanzer sind die Kontrakte getreulich eingehalten worden und es sind die Klageartikel , welche einige Kolonisten von Jbieaba durch Vermittlung des Brigadiers José Jouquim .Machado de Oliveira an die Provinzialregierung eingereicht haben, unbegründet, wie ich zeigen werde, wenn ich über jeden einzelnen Artikel besonders abhandle. Dasselbe kann man aber andererseits von jenen Kolomisten nicht sagen, welche den Frieden und die Ordnung der Kolonie uud Fazenda gestört haben, wie dieß von den Klageführern irn Dezember des ^ergangenen Jahres in Jbieaba geschehen ist, welche es unterlassen haben, ^ie ihnen angewiesenen Kasseebäume nach Uebereinkunft zu besorgen, zu ^flüken und die fehlenden nachzupflanzen, wovon ich mich mit eigenen Augen überzeugt habe, indem ich mich an Ort und Stelle begab, begleitet vou ^inem glaubwürdigen und intelligenten Landmann , dessen Gutachten ich zu .mehrerer Aufklärung anhören wollte. Jch darf nicht übergehen, daß in ^ex Zahl der in diesem Punkte Schuldigen auch ein großer Theil jener.

.^lageführenden Schweizer figurirt.

20'...

Jch gehe nun zur Behandlung der iu der oben berührten Klageschrift besprochenen Punkte .über.

Es handelt die erste .Klage ....vn der Verschiedenheit des Wechselkurses, .iu welchem die vou den Gemeinden ^eu Kolonisten vorgeschossenen Beträge in .brasilianisches Geld reduzirt sind, und von der Zwekiosigkeit dieser ^Maßregel.

^Da abex diese Reduktion zu dem am Tage der Ankunft der Kolonisten in Santos bestehenden Kurse ^nach den Kotationen von Rio de Janeiro stattgefunden hat, so ist sich nicht zu vexwunderu., im Gegentheil sehr uatüx...

lich , daß, weil di.e Kolonisten zu verschiedeneu Zeitpunkten ankamen, auch ^der Kurs variiren mußte. Was die Notwendigkeit der Maßregel anbe.langt, so ist dieselbe einleuchtend, indem ^ie Pflanzer durch .^. 3 des Zusazartikels verpflichtet sind, von dem Verdienste der. Kolonisten die Vorschüsse .zuzuhalten und den Gemeinen zu remitieren.

Man führt in zweiter Linie an, daß dem Kolonisten, der mit einer Schuld beladen ankommt und dieselbe hier in eben derselben Geldsorte ein-

.bezahlt, in der sie ursprünglich kontrahirt worden, dieses Geld zu geringerm

.Kurse angefezt ^ werde als die Schuld ,^ z. B. dex Franken zu 320 Rt.is.

Es ist richtig , daß die Pflanzer einige Beträge in Franken zum Kurse .von 320 und 340 Reis eingenommen haben ; es geschah dieß abex auf A^ suchen der Kolonisten, welche Niemanden finden konnten, der ihnen mehr geboten hätte, wie sie, von mix darüber einvernommen, selbst zugaben.

^Es können also die Pflanzer deßwegen mit Grund nicht angeklagt werden^ ^denn sie sind keineswegs verpflichtet, fremde Geldfoxteu zu einem höhexn .als am Orte selbst bestehenden Kurse anzunehmen, noch dieselben an ejueu .Handelsplaz zu schien, wo sie vielleicht höher stehen, und auf diese Weise ^..en Risiko und allfällige Nachtheile einer derartigen Operation ^uf sich zu nehmen.

. Der dritte Artikel bezieht sich speziell auf den Töpfer Foxster. Dieser

Kolonist wurde in Europa mit einem Jahresgehalt von 687,500 Reis ..^ ^irea Fr. 2200 engagirt ; in Brasilien angekommen , wurde er für

^den Vorschuß zur Reise im Betrage von Fr. 2000 mit 7.44.000 Reis ^ebitirt. Als er nun sah, daß Fr. 2000 in brasilianischem Gelde mehx ausmachen als Fr. 2200 , und in Unwissenheit über die Veränderlichkeit ^es Kurses, oder diese nicht kennen ^wollend, war er der Ansicht, daß ihm schweres Unrecht geschehe, und xeklamirte dagegen bei den schweizerischen Kommissären. Die Pflanzer erhöhten hierauf seinen Gehalt auf R. 748,000 obwol sie zu nicht mehr als zur kontrahirten Summe verpflichtet ^gewesen wären. So geschah es auch, daß eben demselben aus Verseheu und Nachläßigkeit des Direktors die Sonn... und Festtage in Abrechnung ^gebracht wurden, was ubrigens sogleich nach geschehener Reklamation gut .gemacht wurde; es wäre dieses auch schon früher geschehen, hätte er dabei ^erfahren, wie einer seiner Kameraden, bei dem sich dasselbe Verfahren hingeschlichen hatte, der aber sofort Vorstellungen dagegen machte.

Sie beklagen sich in vierter Linie, daß die Pflanzer von den durch .die Gemeinden d^. Kolonisten unverzinslich bewilligten Vorschüssen einen

^08 Zins von 6 ^ für fich beziehen. Einige diesex Vorschüsse sind wirkli^ .unverzinslich, andere jedoch mit 6 .^,, wieder andere mit 4 o/^ belastet.

Der damalige Direktor, aus Versehen oder Nachlässigkeit, berechnete Allen.

die 6 .^,, vielleicht auch beirrt durch .^. 3 des Zusazartikels, den e.^ auf die ^. 6 und 7, anstatt auf die Artikel 6 und 7 sich beziehen^ ausgelegt hatte. Wie dem auch sei, die Pflanzer, sobald sie von diesem Versehen Anzeige hatten, machten es gut, und es kann ihnen höchsten^ der Vorwurf zu .großen Vertrauens in den Direktor gemacht werden.

Jm fünften Artikel wird angeführt, daß die Pflanzer unter^ den.

.Titel ,, Kommission ^ den Betrag von 10,000 Reis für Erwachsene und^

von 5,000 Reis für Kinder jeden Alters beziehen, zu deren Leistung die

.Kolonisten nicht verpflichtet seien. Es ist wahr, daß eine solche ,,Kom^ .mission.^ in den Kontrakten nicht stipulirt ist; dessenungeachtet aber schein^ mir dieselbe billig und in Uebereinstimmung mit den kommerziellen Gebräuchen, so weit es Kolonisten befchlägt, die, von den Unternehmern au.^ Europa berufen , hier an andere Personen abgetreten werden. Diese Unter..ehn.er machen Vorschüsse für die Ueoerfahrt der Kolonisten, bezahlen die Agenten, die fie kontrahiren und spediren; sie haben die Mühe des Empfangs und des Transports an ihren Bestimmungsort ; es ist somit billig..

daß ihnen einige Entschädigung werde für die Auslagen und Arbeiten, di^ nachher Andern zu gut kommen. Jn Bezug aber auf diejenigen Kolonisten..

die auf den Pflanzungen der Unternehmer selbst angesiedelt sind und da.

Dienste leisten, scheint mir die Entrichtung der ,,Kommission.. nicht genü^ gend begründet, auch selbst dann nicht, wenn die Unternehmer behaupten^ daß es so allgemein anerkannter Gebrauch in und außer Brasilien sei.

Jn der sechsten Klage beschweren fie sich darüber, daß ihnen di.^ .Kosten der Reise von Santos nach den Kolonien ungerechterweife und zudem außerordentlich hoch angerechnet worden seien. Die Kolonisten find^ zur Tragung dieser Kosten ausdrüklich durch den Kontrakt verpflichtet. Wa^ den hohen Ansaz derselben betrifft, fo zeigte es sich bei Untersuchung de^ einzelnen Rechnungen, daß dieselben mit aller Genauigkeit, unter Anfüh^ xung des täglichen Verbrauchs an jeder Station, der Anzahl der Reitund Sanmthiere und der Bagage .^. geführt, und das Gefammtergebni^ der Kosten sodann nach Verhältnis^ der Anzahl der Personen und des Gepäkes auf die einzelne Familie vertheilt wurde. Die bis ins Kleinste ge^ hende Genauigkeit dieser Rechnungen läßt nichts zu wünschen übrig. Ob^ wol diese Kosten, die im hiesigen Lande gebräuchlich sind, so muß man sich doch nicht wundern, wenn sie dem neu angekommenen Europäer, de^ .

an die wohlfeilsten Transportmittel gewohnt ist, übertrieben erseheinen.

Die siebente Klage beschlägt die schlechte Beschaffenheit und hohe Mieth^

der Hänser. Die deu Kolonisten angewiesenen Häufer haben in Jbieaba 4l^ Palmen Front auf eben so viel Tiefe, mit einem Hofraum von 5 Vraça.^ .Breite und 15 Tiefe. Sie sind aus gezimmertem H.^lz konstr^rt, mit^ Ziegeln gedekt und den Kolonisten mit den anßern Wänden und Thüren.

.ubergeben, damit die Bewohner fie nach Bedüxfniß u.^.. Gutfinden selb^

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209

^iutheilen können^ alle daran angebrachten Verbesserungen gehören ihnen ^u und fie können fie an ihre Nachfolger verkaufen oder deren Betrag vom ^Pflanzer beziehen , wenn sie fich von der Kolonie zurükziehen oder überhaupt ^ihren Wohnfiz verändern. Die Ausbesserungen der ^äußern Wände und ^Dächer sind immer auf Kosten des Pflanzers gemacht worden, wie ich mich ..aus den Eahiers der Klagefühxenden selbst überzeugte. Jn Angeliea find .die Häufer von derselben Konstruktion, haben jedoch nur 25 Palmen Front

.auf 4.) Tiefe. Die Miethe für diese ist R. 9,600 und für jene R. 12,000

.was nach der Versicherung der Eigentümer kaum 6 .^ des darauf ver.wendeten Kapitals ausmacht. Es ist gewiß, daß die Kolonisten bei ihrer .Ankuuft nicht immer unbewohnte Häuser gerade vorfinden und deßwegen .im Schulhause oder bei andern Familien so lange untergebracht werden, bis neue Häuser konstruirt oder alte leer geworden find.

Die im achten Artikel gemachten Angaben find entkräftet durch das .Zeugniß zahlreicher Kolonisten, die ich hier und dort einvernommen habe, ...nd es bleibt für mich bewiesen, daß die Pflanzer in Bezug auf die VerTeilung des Pflanzlandes den Verpflichtungen des Kontraktes genau nachgekommen sind, und dasselbe in genügendem Umfange, zu geeigneter Zeit .und an gelegenem Orte angewiesen wurde, eben so auch die jeder Familie ^um Bearbeiten, Pflüken und Unterhalten übergebenen Kasseebänme, was .auch selbst von einem Theile der Klageführenden zugestanden wurde. Einige ^andere, die das Gegentheil versicherten, wurden der Unwahrheit ihrer .Aussagen überführt durch ihre eigenen Eahiers und durch den Zustand, in .velchem ich ihre Pflanzungen vorgefunden habe, und der genüglich von der Nachlässigkeit zeugte, mit welcher diese bearbeitet worden sind. Was nuu die Abtretung der Hälfte der von den Kolonisten verkauften oder vertauschten Lebensmittel an den Pflanzer anbelangt, so war selbst unter den Klagenden keiner, der solches behauptete; im Gegentheil gieng aus ihren Aussagen hervor, d.^ß die Pflanzer wenigen oder gar keinen Gebrauch von diesen.

ihnen kontraktlich zustehenden Rechte machten.

Eben so unbegründet ist, was im neunten .Artikel angeführt wird.

Durch den Kontrakt ist festgesezt, daß drei ...llqueiros grünen Kaffees gleich einer Arroba getrokneten und gereinigten .Kaffees zu betrachten sei; dieses allein würde schon hinreichen, um darzuthun, daß den Kolonisten in dieser .Beziehung kein Unrecht geschehen sei; gewiß ist aber, daß, zufolge dex Jnformationen, die mir von erfahrnen und glaubwürdigen Pflanzern in.

dieser Provinz sowol als in Rio de Janeiro ertheilt wurden, diese Be^ rechnung aus wiederholte Versuche basirt und überall angenommen ist. Sei dem wie ihm wolle, so kann immerhin aus dem Umstand^, daß nicht allex Kaffee zu gleicher Zeit reift und es bei verzögerter. lernte vorkommt, daß ein Theil davon schon troken gepflükt wird, dem Kolonisten einiger Nachtheil erwächst. Dieser Nachtheil ist indessen mehr als ausgeglichen durch den Verlust, den der Pflanzer auf den Troknung...pläzen und bei der Zubereitung erleidet und der die Kolonisten nicht mitbeschlägt , welche deu Kaffee schon in der Pflanzung abliefern und für das hier selbst abgelieferte:

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2I0

.Quantum bezahlt werden. Der Preis des Kaffees wird nach den von Santos geschiiten Vexkaufsrechnungen nach Abzug der Kommission, Fracht ......

festgesezt; dem Kolonisten ist die Einsicht in diese Rechnungen gestattet.

Das Zurukhalten der Cahiers durch^den Direktor, wenn dies^ wahr sein sollte, wie angeführt wird, konnte die Kolonisten in diesem Punkte nicht benachtheiligen, indem jene keinerlei Erläuterungen über den Preis des Kaffees enthalten. Um dergleichen, aus unbegründetem Mißtrauen entsprungene Klager..

künftig zu verhüten, wäre es vielleicht vorzuziehen, dem Kolonisten den Alqueiro abgelieferten Kaffee mit einem bestimmten, vorher ausbedungenen Betrage zu bezahlen, wie solches bereits auf andern Kolonien eingeführt ist.

Die Maße und Gewichte, die im Art. 10 der Ungenauigkeit angeklagt sind, habe ich selbst untersucht und mich überzeugt, daß sowol die Maße und Gewichte der Fazenda , mit denen die Kolonien die Lebensmittel zugemessen und gewogen bekommen, als auch diejenigen, in welchen diese den Kaffee in der Pflanzung abliefern, geeicht .find. Es ist wahr, daß eines dieser Maße abgenommen wurde; zufolge der Jnformationeu aber, die mir der jezige Direktor sowol, als auch der Küfer, der das besagte Maß gefertigt und auch abgenommen hatte, so wie serner ein früherer Kolonist, der dazumal mit dem Empfange des Kaffees beauftragt war, hierüber ertheilten, verhielt fich die Sache folgendermaßen: Der Exdirektox ließ dieses Maß machen und gab .die nöthigen Dimensionen dazu an; als es fertig war und der ^on den Kolonisten abgelieferte. Kaffee darin sollte gemessen werden , zeigte es fich als zu groß, und wurde dann um einen Viertelszoll abgenommen. Jch muß hier noch bemerken, daß ich mich nicht damit begnügte, die Maße geeicht gefunden zu habeu, sondern ich wollte mich auch noch überzeugen, ob fie zusammenstimmen, und fiel auf eine unbedeu.^ tende Abweichung des halben O.uarts zum Ganzen, die, zu gering, um Nachtheil bringen zu können , einzig von der Unfähigkeit oder wenigstens Nachläßigkeit des Eichmeisters zeugt.

Ueber den Art. 11 habe ich dem, was bei Art. 8 schon gesagt ist, nur noch beizufügen , daß der darin angeführte Kolonist der Schullehrer D a v a t z ist, das Haupt der im Dezember v. J. stattgehabten Bewegung.

Dieser gab von den 3:^00 Kaffeebäumen, die ihm anfänglich überwiesen wurden, bloß 1700 wieder zurük, und aus dem ihm verbleibenden Reste machte er die Aernte, über die er si.^ beklagt. Jch war selbst in seiner Pflanzung und überzeugte mich , daß kaum einige Steine sich darin vorfinden, die das Gedeihen der Kaffeebäume in keiner Weife beeinträchtigen können.

Art. 12. Die eigenen Eahiers der Kolonisten beweisen, daß die Pflanzer von den während des Jahres gelieferten Leben.^mitteln und Zah^ lungen an Geld keine Zinsen beziehen, sondern einzig von dem Saldo des Debits, der von einer Jahresrechnung in die andere übertragen wir'o.

Wenn im Fernern die Pflanzer nach Ablauf des Jahres den Kolonisten die ihnen laut Kontrakt zustehende Hälfte des ^rtr..ges des Kaffees nicht in baar einhändigen, fondern nur gutschreiben, so geschieht es, weil diese

^

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21.^

in der Regel im Verlaufe des Jahres an Geld und Lebensmitteln seh.^.

mehr als diesen Betrag bezogen haben.

Jm Art. 13 beklagen sie sich über die Preise der gelieferten Lebensm.ittel. Die Preise des Mehls richten fich nach denjenigen der nächst gelegenen Stadt, und werden von 14 zu 14 Tagen von zwei da ansäßigeu.

Kaufleuten beglaubigt. beim Vergleiche der in den Eahiers der Kolonisten angesezten Preise mit den Zertifikaten der Kaufleute fand ich sie größten^theils gleichlautend, zuweilen niedriger, nie höher. Einzelne Gattungen mögen vielleicht auf andern Fazendas billiger sein, wo sie selbst produzir.^ werden und weiter keine Transport- und andere Unkosten verursachen. Die Kolonisten haben vollkommene Freiheit, ihre Bedürsnisse zu kaufen, wo fie wollen, und sie thun es auch, wenn sie es können und es ihnen konvenirt.

Die Pflanzer, obwol nur verpflichtet, den Kolonisten das Nöthige zum.

Unterhalt nur dann zu liefern, wenn diese nicht selbst dafür forgen können, fahren dessen ungeachtet fort, sie mit Lebensmitteln und einem bestimmten monatlichen Betrage an Geld zu unterstüzen. Es scheint übrigens, daß, mit Ausnahme der Neuangekommenen und dex durch Krankheit oder andere Unglüksfäile an dex Arbeit Verhinderten, diejenigen, die sich den Preisen der Fazenda unterziehen, es so haben wollen und daher mit Recht sieh.

nicht beklagen können. Viele haben mir erklärt, daß sie zum Anbau dex Lebensmittel genügendes und gutes Land bekommen und schöne Aernten.

gemacht hätten, und doch ergibt sich aus ihren Eahiers, daß sie nie aufgehört haben, Geld und Lebensmittel aus der Fazenda zu fassen.

Jch werde mich für je.^t mit dem Art. 14 nicht befassen, behalte mix aber vor, später auf die Ursachen zurükzukommen, die im Allgemeinen dazu beigetragen haben, die Schulden, mit denen die Kolonisten angekommen, hier eher zu vermehren als zu vermindern.

Art. 15. Aus den Eahiers geht hervor, daß den Kolonisten an-

sänglich der Kaffee für ihren Hausbedarf zu 90--110 Reis per Pfund

abgegeben wurde ; später ist er von dem ihnen zustehenden Antheil dex Aernte abgezogen worden. Der Kaffee, den ich im Magazin der Fazenda gesehen, ist gewaschen und gut.

Um zu erfahren, ob die im Art. 16 angeführten Klagen über Posten, die sich nicht definire^ lassen, über Fehler und Unrichtigkeiten in den Eahiers begründet seien , habe ich einige dieser leztern mit dem Hauptbuche dex Kolonie verglichen und gefunden, daß sie geregelt geführt uud in Allem mit diesem übereinstimmend sind. Und in Wahrheit, bei dem hier eingeführten System ist jedex Betrug , jeder Jrrthum so zu sagen unmöglich.

Der Kolonist, der Geld .^der Lebensmittel gebraucht, wendet sich an den Direktor; dieser schreibt d.e verlangten Gegenstände mit den bestehenden Preisen auf ein gedruktes Billet, ^trägt es in das Koloniebuch und in das Eahier des Kolonisten ein. übergibt diesem das Billet, der sich damit nach dem Magazin der Fazenda begibt, wo er genau die auf dem Billet verzeichneten Gegenstände empfängt ; am Ende des Monats wird dieses mit dem Koloniebuch^ u..d dem Eahier des Kolonisten verglichen, und kehrt

^12 .dann ins Archiv der Fazenda zurük. Es muß bemerkt werden, daß zu^weilen in dem Eahier der Ausdruk ^Lebensmittel^ vorkommt, und darunter summarisch mehrere vom Kolonisten bei derselben Gelegenheit empfangene ^Gegenstände verstanden werden; da aber im Billet und im Koloniebuch die Gegenstände spezifizirt angeführt sind, so kann dieses von keinem Ge..

^alt sein, und kaum als ein Fehler betrachtet werden.

^ Dex Artikel 17, der von der Bezahlung des Arztes handelt, entbehrt eben so jedes Grundes und^ ist zudem von keinerlei Bedeutung. Jm Einverständnisse mit den Kolonisten wurde für die Kolonie eiu Arzt engagirt, .um ihnen in vorkommenden Krankheiten beizustehen, wofür ein Jeder jährliche 6,000 Reis bezahlte. Der Arzt gieng im zweiten Jahre ab, und der.

Direktor hatte bereits diesen Betrag in die Eahiers eingetragen ; so wie die Kolonisten dagegen reklamirten, wurde ihnen dieser Betrag abgesehrieben, so daß fie weiter dadurch keinen Nachtheil erlitten.

Der Kolonist, dessen Angelegenheit den Stoff zum 18 Artikel geliefert, ist S t e l l m a c h e r , und hatte einen besondern Kontrakt, demzufolge ex ^aus feiner Profession arbeiten sollte. Da aber auf der Kolonie keine Arbeit für ihn war, wurde er auf eine benachbarte Fazenda vermiethet, wo er es jedoch bald überdrüssig war und nach der Kolonie zurükkehrte. Man bot ihm nun den allgemeinen Kontrakt an , welchen er nicht annahm und es vorzog, da zu bleiben, ohne zu arbeiten , wobei die Pflanzer das Nöthige lieferten. Schließlich kam er dann zu Jose Estanislao de Oliveira, dessen Fazenda 2^ Stunden von der Stadt S. Juan und weniger als eine Stunde von der Kolonie Angelina entfernt gelegen ist.

Schließlich hat keiner der Kolonisten dieser beiden Kolonien irgend ^welche Gewalttätigkeit erlitten oder ist gefangen gesezt worden. Einer nur wurde bestraft , weil er sich ohne die im ^ .Kontrakte bedungene vorherige Aufkündigung wegbegeben hatte. Dieser Kolonist ist ein P o r t u g i e s e , der, im Jahre 1847 angekommen , nun wieder auf ^er Kolonie sich befindet, wo er mit seiner Familie zufrieden lebt, uud ein Kapital von mehr als

7 Eontos de Reis besizt. (Fr. 21,000.)

Nach allem diesem sind meiner Ansicht nach die Ursachen der Verruehrung der Schulden der Kolonisten, so wie der von einem Theile dieser leztern an den Tag gelegten Unzufriedenheit weder in der Natur der Bestimmungen der Kontrakte, noch in der Nichterfüllung derselben durch die Pflanzer zu suchen , sondern es haben ganz andere Umstände zur Herbeisührung dieses Zustandes mitgewirkt.

Drei Punkte sind es hauptfächlich, ^die dazu beitragen , daß selbst brave und arbeitsame Kolonisten die von Hause aus mitgebrachten Schulden in kurzer Zeit nicht nur nicht abtragen können, sondern dieselben noch vermehren. Der erste ist der so zu sageu gänzliche Verlust der Arbeit im ersten Jahre ihrer Ankunft , verursacht einerseits durch die mit Klimaveränderungen stets verbundenen Krankheiten, die Ungewohntheit dex Lebensmittel und andere Zufälligkeiten, und anderer^ seits durch die Unkenntniß unsers Landbaues. Der zweite liegt in de....

.^

2^

ungewöhnlich großen Anzahl minderjähriger Kinder , welche die Unkosten ^er Ueberfahrt vou Europa, des Transportes uach den Kolonien und des .Unterhalts in diesen sehr vertheueru, ohne daß fie den Eltern in der.

Arbeit beistehen können, im Gegentheil diese noch daran hindern und auf diese Weife größere Ausgaben verursachen und den Gewinn vermindern.

Der dritte Punkt endlich ist, daß die Kolonisten stch gewisser Bequemlich^eiteu und Genüsse nicht enthalten können. Um fich hievon zu über..

zeugen, bxaucht man nur ihre Wohnungen zu betreten, die im Allgemeinen ^.sehr schön eingexichtet .find und Möbeln und Gerätschaften aufweisen, wie .fie unsere kleinen Pflanzer kaum besizen. Beinahe alle haben Schweine, .^Kühe und Pferde , die einen großen Theil der gepflanzten Lebensmittel .aufzehren , und sie entweder in der Abhängigkeit zu der Fazenda erhalten, oder aber des Nuzens berauben, den sie aus dem Verkaufe des Uebexschusses ziehen könnten. Es muß ubxigens angeführt werden , daß der ^fleißige und sparsame Kolonist, im Vertrauen auf seine Arbeitskräfte uud .in den Pflanzer, der Schuld wenig Bedeutung beilegt und zufrieden zu leben .scheint ; ganz anders verhält es sich aber mit dem weniger fleißigen und verschwenderischen Kolonisten. Außer den angeführten Punkten, die auf ihn gleichfalls einwirken , verläßt er sich auf die Unterstüzung des Pflanzers .und ergibt sich entweder dem Müffiggange , oder aber er vexmiethet seine Arbeit da , wo ex unverzüglich dafür bezahlt wird , selbst außerhalb der .Kolonie oder Fazenda , wie ich mit eigenen Augen wahrzunehmen GeleNeuheit hatte. Auf diese Weife vernachläßigen sie die ihrer Besorgung .^ anvertrauten Kaffeebäume , die nichts produziren und zu Grunde gehen, und verursachen dem Pflanzer den Schaden nicht nur seines eigenen Antheils am Erzeugnisse derselben , sondern auch desjenigen des Kolonisten, ^der als das einzige Mittet zur Abbezahlung der Schuld betrachtet werden kann. Außerdem , daß auf dem Erstern zudem noch der Nachtheil de.^ Verschlechterung der Pflanzung lastet, macht ihn der Kolonist -- immer tiefer verschuldet, und entmuthigt durch die Unmöglichkeit, sich heraus zu.

arbeiten -- auch noch verantwortlich für sein Elend, dessen einzige.. Ur.^heber doch nur er selbst ist, weil ex die zu seiner Verfügung gestellte^ ^Mittel nicht anzuwenden wußte. Dieses sind die Hauvtursachen der Unzufriedenheit, die sich in diesen Kolonien kund gab, und die Veranlassung zu den Ereignissen im Dezember wurde. Die durch Vermittlung der betreffenden Gemeinden kontrahirten Schweizerkolonisten sind zum größeru Theil des Landbanes ganz unkundig, Revolutionäre, kompromittirt in den lezten politischen Ereignissen jenes Landes, Schullehrer, Musikanten, Schnei-

der, Zukerbäker, Müßiggänger endlich, deren die Gemeinden sich zu ent-

ledigen trachteten und ihnen die Beträge zur Bezahlung ihrer Schulden und das Reisegeld vorschoben. Auf den Kolonien .angekommen , ließ sich nicht leicht hoffen , daß sie von ihren Gewohnheiten ablassen und sich auf einmal in gute , friedfertige Landleute uud tüchtige Arbeiter verwandeln werden ; eher mußte man das Gegentheil befürchten , was auch wirklich eingetroffen ist. Sei es aus Trägheit, sei es , daß sie -- bis anhin an .^undesblatt. .^ahr^. X. Bd.^II.

22

214 ganz andere Berufsarten gewöhnt -- den landwirtschaftlichen Arbeitern sich uicht unterziehen konnten, fie verließen sich auf die Subfistenzmittel,.

die der Pflanzer liefexte, vernachläßigten die Pflanzungen und mit ihnen.

auch die Mittel zu allmäliger Abbezahlung ihrer Schuld , die sich im Ge^ gentheil immer mehrte. Jn diesen Verhältnissen ist es natürlich, daß sie zu jedem Mittel griffen , das geeignet schien , ihre Lage zu verbessern.

Einige besonders thätige Unruhstifter, diesen Umstand und die Unersahrenheit^ des größten Theils der Kolonisten benuzend, wußten mit Schlauheit einige Verseheu und Nachläßigkeiten des Exdixektors auszubeuten, zu übertreiben.

und Mißtrauen gegen den Pflanzer hervorzurufen , indem sie diesem vorsäzlichen Betrug und die Abficht unterschoben, sich auf Kosten der Kolonisten bereichern zu wollen. Auf diese Weife erklären fich jene Begebenheiten , zu deren Herbeiführung unzweifelhaft a.uch die Vortheile beige-. ^ tragen haben, welche den aufrührerischen Kolonisten in Ubatnba zu Theil geworden find.

Zu dieser Anficht veranlaßt mich außer andern Gründen auch die hier angefügte , von sämmtlichen deutschen Kolonisten abgegebene Erklärung , welche dieselben vor mir mündlich bestätigten ; ferner das

Zeugniß der Schweizer in Angelica, die faft einmüthig erklärten , daß sie

keine Klage gegen die Pflanzer haben und die Klageschrift der Schweizer in Jbieaba unterschrieben hätten, ohne sie zu lesen, und weil sie dazu von.

D a v a t z und Feldmann, den Schullehrern der beiden Kolonien, verleite^ worden seien, die ihnen gesagt, daß die Klagen gerecht seien und ihr Schiksal dadurch verbessert werde ; endlich die Ueberzeugung , von welcher die aus Jbieaba entlassenen Kolonisten befangen waren , daß die Regierung ihnen Ländereien ertheilen werde ; diese Ueberzeugung hatte so ieste Wurzeln bei diesen Kolonisten geschlagen, daß sie sich weigerten, bei andern Pflanzern.

einzutreten. Diese Ueberzeugung war aber nicht vereinzelt; denn auch Kolonisten aus andern Kolonien haben mich gebeten , ihnen Land zu geben, und waren der festen Ansicht, daß ich dazu autorifirt sei. Es gab welche, die versicherten , daß das Bestehen auf dieser Jdee ihnen von Personeu in der Residenz sei angerathen worden , die jenen Ereignissen nicht ferne gestanden hätten. Bis jezt ohne positivere Jnformationen über diesen Punkt, wage ich es nicht, näher darein einzutreten; sollten mir noch .welche zu Theil werden, so bringe ich sie zur Kenntniß Ew. Exzellenz.

Der gegenwärtige Zustand diefer Kolonien erfordert keine spezielle Maßnahmen; wenn ich erst die andern besucht und examinirt habe, werde ich Ew. Exzellenz die allgemeinen Maßregeln in Erinnerung bringen, di^e mir für deren erquikliche Zukunft passend scheinen.

Fazenda do Morro Azul, den 7. November 1857.

M. de J. V a l d e t a r o .

215 Erklärung von Thüringischen Kolonisten.

A n H e r r n Luiz V e r g u e i r o .

Wir unterzeichnete Kolonisten aus T h ü r i n g e n bitten Sie, uns keinen Haß nachzutragen wegen unserer Betheiligung bei den Klagen gegen das Haus Vergueiro, das fortfährt, uns mit der Liebe zu behandeln, mit welcher es uns jederzeit entgegen gekommen ist. Wir wurden zur Theilnahme an jenem Seandal verleitet durch die Drohungen und glänzenden Versprechungen der S c h w e i z e r , die sich von Personen in RiI.. de Janeiro protegirt ausgaben.

Sobald wir aber eingesehen, daß die Schweizer ganz andere Sachen im Sinne führen, haben wir uns, wie Sie wissen, sogleich von ihnen zurükgezogen. Sie wissen auch, wie wir zuweilen von den Schweizern bedroht und angegriffen wnrden , aber wir vertrauen auf Jhren Schuz uud die Geseze des Landes und bitten, daß Sie uns das, was wir gethan, verzeihen möchten ; wir sind zufrieden und erklären, nach den Bestimmungen des Kontraktes behandelt worden zu sein.

(Folgen 14 Unterschriften.)

D o k u m e n t Nr. 2.

....Bericht de^ ^rrn de ^ . r t d e t a r n an ........ 1.ais. brasilianische ..^..lini. ^eriuni de^ Innern, betretend ^ ^nl^nien der^roviu^ ^. ^anto.

(Vom 10. Januar 1858.)

Erze l lenz l Nachdem ich die Untersuchungen in den Kolonien S e n a d o r V e r g u e i r o und A n g e l i n a beendigt und Jhnen unterm 7. November über deren Resultat Bericht erstattet hatte, begab ich mich, in weiterer Ausführun^ meiner Miffion noch auf 26 andere Kolonien, und es folgen hiex der Reihenfolge nach die Beobachtungen, die ich da gemacht habe.

E r e s e i u m a l . Diese auf der Fazenda gleichen Namens errichtete Kolonie gehört dem Senator Franeiseo Antonio de S o u z a O u e i r o z , und liegt im Distrikt Peraßununga; sie ist zusammengesezt aus 17 brasilianischen Familien mit 86 Personen und 3 portugiesischen mit 14 Personen.

Sie basirt auf Teilhaberschaft nach den für die Kolonien des Hauses V e r g u e i r o u. Eornp. bestehenden Kontrakten, die zufolge eingegangener Erkundigungen und auch nach dem Zeugnisse sämmtlicher Kolonisten genau eingehalten wurden. Nicht ^dasselbe war der Fall mit einigen wenigen Kolonisten, die ihren Verpflichtungen fchlecht nachkamen, indem sie die ihrer Pflege anvertrauten Kaffeebäume vernachläßigten, wie ich dem Zustande derselben selbst entnommen, und wie auch die Betreffenden selbst eingestanden haben, sich

. 216

^

mit eigener oder der Krankheit der Jhrigen entschuldigend. Die Eahiers find mit gehöriger Klarheit geführt, und stimmen mit dem Hauptbuche der Kolonie. Die Preise für die den Kolonisten gelieferten Lebensmittel sind mäßig , und die Maße, obwol nicht geeicht, stimmen doch unter einander.

Als ich fie mit geeichten verglich, zeigte es fich, daß sie größer find als

diese, was aber keineswegs ein Beweis der Ungesezlichkeit sein kann , wenu

. mau die Verschiedenheit und Uugenauigkeit in Betracht zieht , die ich iu den Eichungen der verschiedenen Städte und Ortschaften angetroffen habe.

Bei den Gewichten ist dasselbe Verhältniß, dießmal aber zum Nachtheile des Pflanzers. Die Häuser haben 25 Palmen Front auf 40 Tiefe , einen

geräumigen Hof und kosten 6,000 Reis jährliche Miethe.

S. Jeron.,mo, auf der Fazenda gleichen Namens, im Distrikt Lim e i r a , gehört eben demselben Senator zu, und besteht aus 76 deutschen und schweizerischen Familien mit 317 Personen. Auch hier gilt derselbe Kontrakt mit geringen Abweichungen, worunter die hauptsächlichste , daß die Verpflichtung des Pflanzers, den Kolonisten zum Anbau der nöthigen Lebensmittel geeignetes Land mit dem^ Rechte zur Hälfte des Ueberschusses anzuweisen, dahin umgeändert ist, daß er ihnen zu .billigem Preise Streken Landes vermiethet , wobei alles darauf Gepflanzte ohne weitere Abgabe den Kolonisten zugehört. Der Kontrakt wurde eingehalten ; die Kolonisten leben zufrieden, und find nach dem Zeugnisse des Pflanzers mehr oder we^ weniger gute Arbeiter, mit einziger Ausnahme einer schweizerischen Familie, die er als unverbesserlich und zu Allem unfähig bezeichnet. ^ie Eahiers

find mit aller Genauigkeit geführt, und stimmen mit dem Hauptbuche der Kolonie. Die Preise der Lebensmittel sind mäßig und die Gewichte ge.^

eicht. Beim Vergleiche des Al.^ueiro, iu welchem die Kolonisten den Kaffee abliefern, mit dem halben Ale.ueiro, in welchem die Lebensmittel zugemessen werden, stellte fich heraus , daß , obgleich beide in derselben Stadt geeicht wurden, jener ein wenig zu groß war, was neuerdings das über diesen Punkt oben Gesagte bestätigt. Es muß hier noch bemerkt werden, daß, als der Pflanzer schon früher einen Aie.neiro als zu groß erkannte, ex denselben abnehmen und mit dem geeichten halben Alqueiro in Uebereinstimmung bringen und den Kolonisten den Mehrbetrag nachzahlen ließ.

Nach einiger Zeit beklagten sich die Kolonisten neuerdings über das ungeeichte Maß , was den Pflanzer veranlaßt hat , den gegenwärtigen machen zu lassen , der im Beisein eines von den andern hiezu bezeichneten Kolo^ nisten geeicht wurde. Die Häuser haben dieselbe Größe wie die auf der andern Kolonie, und befahlen auch die nämliche Miethe. Es besteht hier eine Schule, in der deutsch gelehrt wird.

S a n t a B a r b a r a . Diese Kolonie wird in einer Entfernung von einer halben Stunde von der frühern angelegt, und besteht gegenwärtig aus 38 brasilianischen Familien mit 2l2 Köpfen. Sie ist .demselben Kontrakte unterworfen, der von beiden Theilen genau beobachtet wird, so daß Kolonisten und Pflanzer zufrieden sind. Was die Rechnungen , Buch...

fuhrung , Maße nnd Gewicht anbelangt , berufe ich mich auf das bei

.

217

^..ex vorhergehenden Kolonie Gesagte. ^ Vor der Hand und bis au geeignetem Orte Häuser. ganz jenen in den beiden andern Kolonien ähnlich, hergerichtet sind, wohnen die Kolonisten in kleinen Stxohhütten, wofür fie nichts bezahlen.

M o r x o Azul. Diese Kolonie, von Joaquim Franeo E o m a r g o auf Deiner Fazenda in demselben Distrikt gegründet, ist zusammengefezt aus 20

Familien, worunter 8 brasilianische mit 69, 9 portugiesische mit 35, 2

schweizerische mit 10, zusammen 123 Personen. Sie hat denselben Theil..

haberschaftskontrakt wie die srühern, mit Ausnahme zweier kürzlich angeuommenen Familien, welche die Vorschüsse mit 12 o/^ zu verzinsen haben, und wovon d^r einen R. 400 für jeden abgelieferten Alqneixo des ihr zugetheilten Kaffees bezahlt werden. Jm Allgemeinen find die Kolonisten

. zufrieden ; der Pflanzer hingegen zeigt sich mißvergnügt über die beiden Schweizerfamilien, die wenig arbeiten, nud über eine brasilianische, wegen schlechter Aufführung des Familienvaters. Die Preise find mäßig und die Ansäze in den Eahiers mit der nöthigen Klarheit und Genauigkeit einge..

tragen. Diese Kolonie verspricht jedoch weder guten Fortgang, noch lange Dauer ; denn abgesehen davon, daß der Unternehmer wenig Vertrauen in seinen daherigen Gewinn hat und der Ansicht ist, daß selbst mit einigen Opfern der Dienst des Selaven dem des freien Arbeiters vorzuziehen sei, halte ich dafür, daß die in den neuen Kontrakten bedungenen Zinse.n von 12 ^ für den Kolonisten unerschwinglich, oder doch jedenfalls außer-

ordentlich drükend^ sind.

B o a V i s t a , von Benedico Antonio E a m a x g o auf feiner gleich.namigen Fazenda im Distrikt S. Juan do Rio E l a r o errichtet, zählt

27 Familien, daxunter 11 portugiesische, 6 brasilianische, 7 fchweizexische und 3 dentfche. mit zusammen 148 Personen. Der Kontrakt ist Derselbe, wie auf den srühern Kolonien , mit dem Unterschiede jedoch , daß die Deutschen und Schweizer, krast des in Hamburg mit dem Agenten des Haufes V e r g u e ir o abgeschlossenen Kontraktes frei von Zinsen für die Vorschüsse der Gemeinden sind, und während 4 Jahren freie Wohnung ausbedungen haben. Dieser leztern Bestimmung wurde nicht nachgekommen, indem der Pflanzer, in der Meinung, diese Bestimmung gehe nur V e r g u e i r o an, vom zweiten Jahre an Hausmiethe verlangte.

Jeh machte ihm verständlich, daß er im Jrrthume und der Kontrakt ihm mit allen darin stipulirten Rechten und Verbindlichkeiten übertragen worden sei. Ex zeigte sich überzeugt und verfprach , den Kolonisten abzuschreiben, wofür sie aus diese Weise unrichtig belastet seien. Auch beklagten sich einige Kolo^nisten über ungerechte Behandlung, die ihnen unter verschiedenem Vorwande vom frühern Direktor der Kolonie zu Theil geworden sei , was auch der Pflanzer anerkannte, mit der Erklärung , daß er sie aller von jenem Exdixektor auferlegten Strafen enthebe. Die Buchführung ist in Ordnung, und die Eahiers stimmen mit dem Hauptbuche der Kolonie; die Preise für die LebensInittel , im Allgemeinen mit dem Markte der nahe gelegenen Stadt übereinstimmend, sind in einigen wenigen Fällen übertrieben hoch.

Di^

218 Gewichte find ^geeicht, die Maße^stimmen unter sich, und find auch in der..

Stadt als mit dem Maße der Eichstätte übereinstimmend erfunden worden.

Einige Kolonisten behaupten , daß während 3 Jahren ein anderer größerer Alqueiro gedient habe , der zerbrochen , durch Neue ersezt worden , die schon zweimal abgeschnitten seien.

Es war nicht möglich , mich dieses Faktums zu vergewissern. So viel ist jedoch gewiß, daß dieser Pflanzer schon wegen Berichtigung von Rechnungen, Preisen von Lebensmitteln .e.

^on einigen seiner Kolonisten vor Gericht zitirt worden ist. Kürzlieh entfernten sich sechs portugiesische Familien aus dieser Kolonie , zu diesem Schritte ermuthigt durch einen Toriato da Silva Leitao, wohnhaft iu der Stadt E o n s t i t u i ç a o , der sich als den Delegirten des portugiesischen 'Vizekonsuls ausgibt, weil er in einer Erbschaftsangelegenheit als dessen Bevollmächtigter sigurirte. Die Häufer dieser Kolonie haben 21 Palmen Fxont auf 35 Tiefe, genügenden Ho^ranm und zahlen 12,000 Reis jährliche Miethe.

B e r ^ und E a u v i t i n g a , beide gegründet durch den 1^r. José Elias Pacheeo J o r d a o , liegen in demselben Distrikt, eine halbe Stunde von der frühern entfernt, und zählen 31 Familien, darunter 25 schweizerische und deutsche und 6 brasilianische, zusammen 156 Personen. Sie arbeiten nach dem System der Theilhaberschaft und nach den auf den andern Kolonien bestehenden Kontrakten. Aus den Aussagen der Kolonisten sowol , als den Erklärungen des Pflanzers und sonstigen eingezogenen Jnformationen geht hervor , daß jene bei ihrer Ankunft zum Anbau des für den Unterhalt Notwendigen genügendes und geeignetes Land bekommen hatten und das bis zur ersten Aernte Bedürftige geliefert worden ist, daß aber die an^ gewesenen Kaffeebäume , weil größtenteils noch zu jung, nur wenig produzirten. Auf der andern Seite muß gesagt werden, daß die Meisten der schweizerischem und deutschen Kolonisten sich widerspenstig und in der Erfüllung ihrer Pflichten nachläßig erwiefen haben, indem sie di.^ ihnen übertragenen Kaffeebäume nicht gehörig besorgten, und endlich mit der Arbeit ganz nachließen, dazu verleitet durch die Anwesenheit der schweizerischen Kommissäre und ihre unkluge Verfahrungsweife.

Nach Anhörung der Klagen der Kolonisten stellten sie übertriebene Anforderungen an den Pflanzer und drohten sogar, als dieser aus einige derselben nicht eingehen wollte, mit dem Wegziehen der Kolonisten, worauf der Pflanzer ihnen erwiderte, daß er, weit entfernt, sich diesem zu widerfezen, gerne mit einem Nachlasse von 10 ^ der Schuld dazu beitragen wolle. Herr 1^r.

H e u ß e r , diese Proposition annehmend, zeigte den Kolonisten an, d^ß fie innert acht Tagen nach einer andern Kolonie im Distrikt E a m pin as versezt würden, die ihnen mehr Vortheile böte, daß fie deswegen sich zur Abreise vorbereiteten, ihre gepflanzten Lebensmittel pslüken und verkaufen sollten. Mit Ausnahme von. sünf Familien befolgten alle andern diesen Rath und arbeiteten gar nicht mehr, worans ihnen auch der Pflanzer jede fernere Unterstüzung verweigerte. Die Kommissäre reisten ab , ohne ihrem .Versprechen nachgekommen zu sein, und ließen die Kolonie in Unordnung.

^

^

21^

^nd ihxe Landsleute in schlimmexn Verhältnissen zuriik, als fie fich je besunden hatten. Der größere Theil , nach drei Monaten endlich enttäuscht, kehrte zur Arbeit zurük und erhielt von Seite des Pflanzers wieder die gewöhnliche Unterstüzung ; sünf^Familien jedoch verharrten im Müßiggange, ^und folglich in der Noth bis auf heute.

Einige derselben sagen aus, S c h l i t t e r , einer dex Leiter der Bewegung iu J b i e a b a . habe aus der ^Hauptstadt geschrieben , daß mau in Unterhandlung begriffen sei , eigene .....ändereien für sie zu erhalten , was früher oder später doch erfolgen müsse.

Die Maße, bestehend in einem Ouart und einem Alqueiro, find nicht ^geeicht; bei Vergleichung mit einem geeichten Maße stellte sich dex erste als richtig heraus; der Alqueiro, in welchem der von den Kolonisten abgelieferte Kaffee gemessen wird, wax aber um ungefähr einen halben Selamim (16. Theil eines Alqueiro) zugroß. Die Kolonisten versicherten, ^aß ex bis zur Ankunft der schweizerischen Kommissäre viel größer gewesen ^ sei, welchem der Pflanzer auch nicht widersprochen und im Gegentheil die^ .Richtigkeit dieser Aussage zugegeben hat, mit dem Beifügen, daß damals auch nur 2^ Alqueiro für die Arrobq berechnet worden sei, statt der 3 im Kontrakt bedungenen.

Die Gewichte von der halben Arroba abwärts find geeicht; es existirt ^..bex noch ein solches von einer Arroba , d^as nicht geeicht , aber mehr als Vollwichtig ist.

Die Führung des Hauptbuches geschah mit einiger Ord.nung ; die Eahiers der Kolonisten dagegen , obgleich die empfangenen Gegenstände sich eingezeichnet finden, find in großem Rükstand in Bezug auf Rechnungsabschluß. Es sind in denselben noch nicht einmal die Produkte der Aernten von 1855 und 1856 eingetragen, so daß die Kolonisten weder .wissen, wie viel dieselben abgeworfen., noch wie viel sie annoch schulden.

Diese Abrechnung findet sich indessen im Hauptbuche der Kolonie, worin ^auch das Versehen vorkommt, daß einige Kolonisten sür die von den GeFeinden unverzinslich erhaltenen Vorschüsse mit .o ^ Zinsen belastet find, ^hne Zweifel veranlaßt durch dieselbe Zweideutigkeit, die ein ähnliches Verfahren in der Kolonie ,,Senador Vergueixo.. veranlaßte, wie ich in .meiner bezüglichen Abhandlung bereits gemeldet habe.

Der Pflanzer, meine Bemerkungen würdigend, versprach alles das abzuschreiben, was .unrichtig eingetragen sei. Die Häuser haben 25 Palmen Front auf 35 Tiefe und kosten 12,000 Reis jährliche Miethe. Einigen Kolonisten ist durch ihre in H a m b u r g abgeschlossenen Kontrakte freie Wohnung auf 4 Jahre zugesichert; der Pflanzer wax der Ansicht, daß er, da die Kontrakte nicht mit ihm, sondern mit Vergueiro abgeschlossen worden, zu dex freien Wohnung nicht verpflichtet sei ; nach einigen ihm darüber gemachten Bemerkungen schien er vom Gegentheil überzeugt zu sein.

Auf dieser .Kolonie gibt es weder Direktor, noch Schreiber , noch irgend einen andern bei dex Verwaltung solcher Etablissemente unumgänglich notwendiger. Au.gestellten; es wird dieser Umstand allgemein dem reizbaren und wenig .generosen Eharakter des Eigenthümers zugesehrieben. Die Kolonisten, mit .wenigen Ausnahmen, leben unzufrieden mit dem Pflanzer und dieser mit

.^0 ihnen. Nach allem , was ich auf diesen beiden Kolonien beobachtet habe^ glaube ich, daß diese Unternehmung, weit entfernt zu prosperiren, nu^ .^ou kurzer Dauer sein wird.

S. L o u x e n ç o , errichtet vom Eommandeur Luiz Antonio d^ S ou za B a r r o s auf seiner Fazenda gleichen Namens im Distrikt E o nstituiçao, ist diese Kolonie zusammengesezt aus 36 schweizerischen, 28^ deutschen und 1 brasilianischen, zusammen 65 Familien, mit 332 Personen.

Jn dieser Kolonie gilt, wie in den früheru, der Theilhaberfchaftskontrakt des Hauses Vexgueiro .^ Eomp. , der von dem Pflanzer gewissenhast beob-.

achtet worden ist.

Nicht so gewissenhaft wurde er dagegen von einem großen Theil der Schweizerkolonisten befolgt, welche den Kaffee uichr bearbeiteten , für ihren Unterhalt wenig pflanzten, und wegen schlechter Besorgung des Pflanzlandes noch weniger ärnteten, und sieh zu allem diesen^ uoch unzufrieden und klaghaft gegeu den Pflanzer zeigten. Jn den Rechuungen stieß ich auf die einzige Ungenauigkeit, daß die von den betreffenden Gemeinden au einzelne Sehweizex unvexzinslich gemachten Vorschüsse mit Zinsen belastet waren. Als ich die Aufmerksamkeit des Direktors auf diesen Punkt lenkte, versicherte mich dieser, daß dieß gut gemacht werden solle, indem er vom Eigentümer den Befehl erhalten habe, sich in Allem nach meinen Bemerkuugen zu richten.

Jm Uebrigen ist die Buchführung in schonster Ordnung und die Eahiers, deren Posten mit der größte^ Genauigkeit und Klarheit eingetragen find, stimmen in Allem mit dem Hauptbuche der Kolonie überein.

Die Gewichte sind geeicht; von den Maßen jedoch nur der halbe Alqueiro.. es wiesen fieh aber die übrigen, mit diesem .verglichen , ebenfalls als richtig ans.

Einige Kolonisten be^ haupten, daß von zwei Alqueiros, die beim Abliefern des Kaffees benuzt wurden, der eine größer gewesen sei, und daß drei Finger breit davon abgenommen worden sei. Der Direktor bestreitet es, bemerkend, daß das .Abgenommene nicht mehr wie einen halben Zoll betragen habe. Es wax uicht möglich , mir hierüber Gewißheit zu verschaffen. Die Häuser habeu 40 Palmen Front auf eben so viel Tiefe; die Miethe ist 12,000 Reis. E.^ besteht hier eine Schule, worin lesen, schreiben und rechnen in deutscher und portugiesischer Sprache gelehrt wird.

B o a V i s t a , gegründet aus der gleichnamigen Fazenda im Distrikt S. Joao do Rio Elaro, Eigenthum der Donna J o a q u i u a N o g u e i r a de O li v e ira, besteht diese Kolonie aus 9 portugiesischen Familien mit 38 Personen und l preußischen mit 8, zusammen 46 Personen. D.x .oon den Portugiesen in P o r t o vor den betreffenden Behörden mit den Agenten des Hauses Vergueiro u. Eomp. abgeschlossene Kontrakt ist derselbe, wie er in den Kolonien dieses Hauses besteht.

Jn Brasilien angekommen, wurden sie der Eigenthümerin dieser Kolonie überlassen, und^ schlossen mit dieser einen neuen Kontrakt ab, in welchem, nebst andern.

Uebertreibungen, Zinsen von 12 .^ und ein bestimmter Preis von Rs. 400 per Alqueixo stipulirt find. Einige dex Kolonisten erklärten, daß sie au.^ .Unwissenheit und Unkenntuiß der Verhältnisse einen derartigen Kontrakt

^-

^unterschrieben hätten, ^dex, nachtheiliger als der erste, ihnen nicht meh^ .behagt.

Ju der That kann dieser Kontrakt auch ^nicht fortbestehen^ denn , abgesehen von allen andexn Gründen , genügt zu seiner Ungültigkeit schon der Umstand, daß diese Kolonisten vom Hause Vergueiro ..^ Eomp., kraft eines zwischen diesem und der Provinzialregierung unterm 14. Sept.

1854 abgeschlossenen Uebereinkommuisses kontxahixt wurden, iu dessen Be^

stimmung ausdrüklich gesagt ist, daß allsällige, zwischen Pflanzern und.

.Kolonisten in hier abzuschließende Kontrakte, im Einverständnisse mit den^ genannten Hause und auf dieselbe Basis gestüzt, abgefaßt werden sollen, wie dieses die Leute iu ihrer Heimath kontrahirt hat.

Jch muß übrigen^ erklären , daß diese Handlungsweise der Besizerin mehr ihrer Unerfahren-.

heit, als schlechten Absicht zuzuschreiben ist. Die Buchführung ist in Ordnung, und die Eahiers stimmen mit dem Hauptbuche. Die vorhandenem Maße find ein Halbquaxt, eiu O.uart und ein halber Alqueixo; keinem derselben ist geeicht; die beiden leztern stimmen zusammen, aber nicht zu.^ ersterm. Die Wohnungen find gratis ; die Eigenthümerin beklagt fich übe.^ die Art der Jnstandhaltnng derselben durch die Portugiesen. Die Kolonisten..

zeigen sich im Allgemeinen zufrieden.

S. J o a o do M o r r o Grande. Von Joao Ribeiro dos Santon E a m a r g o auf seiner gleichnamigen Fazenda errichtet, zählt diese Kolonie gegenwärtig 5 portugiesische und 2 brasilianische Familien. Es besteht aue^ hier der Theilhaberschaftskontrakt, der befolgt wurde; denn die Kolonisten find zufrieden, mit Ausnahme eines einzigen, der auszutreten wünfchte,..

ohne aber Gründe dafür anzugeben. Außer den Eahiexs besteht keine andere Buchhaltung, und die Ansäze in jenen entbehren der nöthigen Genauigkeit ^ auch hat seit dem Bestehen der Kolonie (1853) keine Abrechnung stattge-^ sunden. Die Gewichte sind geeicht; von Maßen bestehen nur ein Ouar^ und Halbquart, die nicht geeicht find, aber unter fich stimmen.

Tatu. Diese Kolonie, von Eandido José da S i l v a S e r r a au^ seiner Fazenda im Distrikt Limeria errichtet, besteht aus 27 portugiesischen^ Familien mit 108 Köpfen.

Diese Famlien sind so. zu sagen in ihre.^ Gesammtheit durch das Haus Vergueiro .^ Eomp. , kraft jenes schon besprochenen, von diesem Hause mit der Provinzialregierung abgeschlossene.^ Uebereinkommnisses, eingeführt worden , was aber nicht hinderte, daß diesem Pflanzer, ohne Zweifel aus Unkenntniß jener Bestimmungen, einen neue.....

Kontrakt mit ihnen abschloß, welcher einige Paragraphen enthält, die^ diesen Kontrakt für die Kolonisten weit nachtheiliger machen, als jene^ war , auf den fie in ihrer Heimath kontrahirt worden sind. Dazu gehört

z. B. die Verzinsung der Vorschüsse zu 12 .^ und die Verpflichtung der.^ Kolonisten , den Kassee l.ei eintretendem Regenwetter von den Troknungs^

pläzen selbst wegzubringen , wobei die Vergütung von Rs. 400 pe.^ Arroba für diese Arbeit dennoch beibehalten ist. ..^er Pflanzer, ein Mann.^ von wenig Bildung, aber biederem und offenem Eharakter, hat jedoch dies^ Nachtheile einigermaßen gut gemacht, indem er ihnen freie Wohnung gibt.^ .und vom zweiten Jahre an die Zinsen auf 10 .^ heruntexgefezt hat^

^22 ^udem läßt er noch andere Begünstigungen eintreten ^ so daß die Kolonisten.

^uit Ausnahme von zweien, zufrieden leben und bereits 16 Familien, vou ^enen einige erst im Jahre 18.^5 ankamen, ihre Schuld abgetragen haben.

.Eine dieser Familien, deren Schuld bei Ankunft Rs. 520,000 betrug,

hat noch zirka Rs. 300,000 heraus bekommen. Die Buchführung ist in ^sehr gutem Stande ; die Eahiers , mit aller Klarheit geschrieben , stimmen vollständig mit dem Ha^ptbuche der Kolonie. An Maßen besteht ein Ouart,

^.er geeicht und ein Alqueiro, der nicht geeicht ist; im Verhältniß zu ^jenem ist dieser um zirka 3 Finger zu groß. Die Häuser haben 25 Palmen .Front auf 35 Tiefe, nebst Hofraum.

E a p i t a o Diniz. Diese Kolonie, seit Kurzem erst vom Eapitaine^ Joa^uim da S i l v a Diniz auf seiner Fazenda ,,Bom Retiro^ in demselben

^Distrikt gegründet, zählt 8 holsteinische Familien mit 34 Personen. Der

..auch hier bestehende Theilhaberschaftskontrakt ist durch einige Bestimmungen.

^nodifizirt, worunter die hauptsächlichsten sind: 1) daß die Kolonisten für die ^om Pflanzer empfangenen Vorschüsse keine Zinsen bezahlen; 2) daß sie .Rs. 480 für jeden Alqueiro Kaffee bekommen, den sie abliefern; 3) freie .Wohnung ; 4) daß der Pflanzer auf seinen Antheil auf die Hälfte der ^..on deu Kolonisten über Bedarf gepflanzten Lebensmittel Verficht leistet; 5) daß jede Familie 2 Arroben Kaffee per Jahr gratis bekommt, und .was sie darüber hinaus noch kaufen müssen, zum Preise von 3,000 Reis ^er Arroba, welches auch immer der Preis des Marktes sein möge.

Die Kolonisten erklären, daß der Kontrakt getreulich beobachtet worden

.sei, und find zufrieden. Die Gewichte find geeicht, nicht so die Maße, die ^aber untex einander vollkommen stimmen. Die Häufer find vor der Hand noch .^nnt Stroh gedekt und haben 20 Palmen Front und 30 Tiefe, mit einem geräumigen, zu Pflanzland dienlichen Hofraum. Es muß bemerkt^ werden, ^aß alle diese Familien schon auf andern Kolonien waren, von wo sie mit Bewilligung der betreffenden Pflanzer hieher überfiedelten.

B o a E s p e r a n ç a, im Jahre 1856 von Antonio de E a m a r g o ^ a m p o s auf seiner im Distrikt Eampinas gelegenen Fazenda gegründet,

^zählt 14 deutsche, 3 portugiesische und 1 brasilianische Familien, zufamn.eu

^76 Personen. Die Kontrakte lauten auf Theilhaberfchast , enthalten aber Bestimmungen, welche diesen Kontrakt für die Kolonisten nachtheiliger .machen, als es der in den Kolonien des Hauses Vergueiro adoptirte ist.

Beinahe alle diese Kolonisten sind durch das benannte Haus und auf seine .Kontrakte in Europa engagirt worden, und es scheint dieses bei Abschließung ^er neuen Kontrakte nicht zu Rathe gezogen worden zu sein. Bei Einigen ^ieng der Mißbrauch so weit, daß die mitgebrachten Kontrakte nicht etwa ^urch neue ersezt wurden, sondern es traten an die Stelle derselben einfach ^ie Dispositionen des Kolonie-Reglements. Die Lieferungen des Nothwen^digsten an die Kolonist^ sind mit außergewöhnlicher Sparsamkeit gemacht Borden. Die Kolonisten , ihrerseits unzufrieden , kommen ihren Pflichten ....ur lau nach, und andererseits ist auch der Pflanzer mit ihnen nicht zufrieden.

^lnter diesen Umständen kann diese Unternehmung natürlich nicht gedeihen.

.

^

...och von langer Dauer sein.

Die Buchführung ist in Ordnung , die Cahiers stimmen mit dem H..uptbuche. Die Maße find geeicht, mit Aus.nahme des Alqueiro, in welchem der Kaffee empfangen wird; indessen stimmt er vollkommen mit den andern übexein.

Boa V i s t a , in der gleichnamigen Fazenda von Floriano E am arg o ^ P e n t e a d o errichter, ist zusammengesezt aus 10 deutsehen, 7 schweizerischen, 4 portugiesischen und .... brasilianischen Familien. Der Kontrakt lautet auf .Theill.aberschaft mit einigen Modifikationen, als da sind.. t) Bezahlung ^von Rs. 400 für den abgelieferten gehäuften Alqueiro Kaffee; 2) Ver-.

.zichtleistung des Pflanzers auf die Hälfte der über Bedarf gepflanzten

Lebensmittel; 3) freie Wohnung und Weide für ein Thier.

Einiger Mißbrauch von Seite der Kolonisten abgerechnet, die an Stellen pflanzten, wo ihnen solches verboten war, was auch vom Pflanzer .mit gebührender Strenge gerügt wurde, ist der Kontrakt eingehalten worden, und es geht die Unternehmung geregelt vorwärts. Die Buchführung ist in Ordnung, außer daß dasselbe Versehen begangen wurde, daß einige Schweizer für die Vorschüsse der Gemeinden mit 6 ^. Zinsen belastet sind. Der Pflanzer, ^em ich aus einander sezte, wie der^Kontrakt zu verstehen sei, befahl dem Direktor, diesen Betrag abzuschreiben. Die Gewichte find geeicht, so wie ^uch von den Maßen der Ouart und Halbquart; derAlqueiro, in welchem ^ie Kolonisten den Kaffee abliefern, ist um 2^... Selamim zu groß, inbegriffen das laut Kontrakt und im Einverständnisse der Kolonisten bedungene Häuffen. Die Häuser haben 20 Palmen Front auf 40 Tiefe.

Jch kann nicht unterlassen , hier ein Faktum anzuführen , das nicht ^ur dem Eigentümer dieser Kolonie, sondern auch dem von unwissenden oder böswilligen Abenteurern so oft verleumdeten Eharakter der Brasilianer ^m Allgemeinen zur Ehre gereicht.

Es lebt hier ein Kolonist aus der Deutschen Schweiz , dessen Frau kurze Zeit nach seiner Ankunft, unter Hinterlassung von vier unerzogenen Kindern, worunter eines kaum einige Monate .alt war, starb. Der Pflanzer nahm dieses leztexe unverzüglich zu sich, ..gab ihm eine Amme und was ihm sonst nöthig war.

Als einige Zeit ^darauf der Vater von einer heftigen Augenkrankheit angegriffen wurde und ^das Unglük hatte, ganz zu erblinden, nahm der Pflanzer auch ihn sammt ^en übrigen Kindern zu sieh aus die Fazenda, wo ex ihm alles Nöthige .unentgeltlich liefert, ohne Aussicht, jemals für die Schuld dieser Familie ^utschädigt zu werden, die f.ich auf mehr als 800,000 Reis belauft.

T a p e r a , auf der Fazenda gleichen Namens, Eigenthnm der Donna Maria Jnnoeeneia de S o u z a , ^ zählt 9 deutsche und 6 schweizerische Familien .mit 67 Personen. Der Kontrakt ist derjenige des Hauses Vergueiro auf Theiihaberschaft, und wurde getreulich eingehalten.

Auch hiex wurde dasselbe Versehen oder derfelbe Jrrthum begangen, die Vorschüsse der Gemeinden ..ils zu 6 ^ verzinslich zu betrachten; es wurden aber meine Bemerkungen uber Auslegung des Kontraktes anerkannt und die Sache gut gemacht.

Jm Uebrigen ist die Buchführung geregelt, und die Eahiers stimmen iu Allem mit dem Hauptbuche der Kolonie. Es existiren in Maßen ein Ouart,

2.^4 ein halber Alqueixo und ein ganzer. Keinex derselben ist geeicht; auch Kimmen sie nicht zu einander. Zwei Ouart füllen bei zwei Tellern vol..

^en halben Alqueiro nicht ; zwei halbe Alqueiros geben mehr als deu Ganzen von gleicher Quantität. Die Häufer find von Lehm mit Ziegeln gedekt und haben 25 Palmen Front auf 40 Tiefe. Die Miethe ist 6,000 Reis per Jahr.

Sitio N o v o , auf der Fazenda desAntonioRodriguez Barbofa, besteht aus 5 deutscheu und 4 portugiesischen Familien, mit zusammen 4.^ ^Personen. Der Koutxakt ist der allgemein angenommene auf Theilhaberschaft mit einigen Modifikationen und hat seine getreue Erfüllung gefunden...

sowol Pflanzer als Kolonisten zeigen fich zufrieden. Die Eahiers, mit der nöthigen Klarheit geführt, stimmen mit dem Hauptbuche der Kolonie..

.Von Maßen existiren ein Ouart und ein halber Alqueiro , die nicht geeicht find, aber unter fich stimmen; die Gewichte find gleichfalls nicht geeicht.

S e t e O.uedas, durch Joaquim Bonifaeio d o A m a v a l auf seiner gleichnamigen Fazenda errichtet, zählt 8 deutsehe und eben so viele bxa-

filianische Familien. Es gilt hier gleichfalls der Theilhaberschaftskontralt mit

einigen Erschwerungen , worunter eine der bedeutendsten die Erhöhung des Zinses auf 8 ^ ist. Der Kontrakt wurde treu befolgt, und essindsämmtliche Kolonisten sehr zufrieden, und auch der Pflanzer mit ihnen.

Di^ Buchführung ist in bester Ordnung, die Ansäze in den Eahiers mit aller Genauigkeit aufgezeichnet und diese in vollkommener Uebereinstimmung mit dem Hauptbuche der Kolouie. An Maßen finden fich vor:. zwei halbe O^.uaxt, zwei O.uart, zwei halbe Alqueiros und ein Alqueiro, die, obwol geeicht, unter fich doch nicht stimmen. Außer den genannten Maßen existirt auch noch ein ungeeichtex Alqueiro, der, mit dem geeichten halben verglichen, sich um einen halben ..^...uart zu groß auswies. Der Pflanzer hat aber, wie aus den Eahiers erhellt, immer, wenn mit diesem gemessen wurde, 2^ Alqueiros anstatt der 3 im Kontrakt bedungenen auf di^ Arroba berechnet. Die Häufer haben , die einen 35 Palmen Front auf 40 Tiefe, die audern ^3 Front auf 35 Tiefe, alle aber einen Hofranm

von 400 ^ Braças.

Die größern Häuser zahlen Rs. 8,000, die

kleinern Rs. 5,340 jährliche Miethe.

Laranjal, im Juli 1856 von Lueiano T e x e i r a N o q u e i r a auf seiner Fazenda gegründet, zählt 22 Familien aus der französischen Schweiz und 14 belgische, mit zusammen 146 Personen. Die Kontrakte, aufweiche diese Leute angekommen, find gleichlautend denjenigen des Haufes Vergueiro u. Eomp., welches sie auch kontrahirt hat. Seit ihrer Ankunft wurden diese Kontrakte umgeändert, die Zinsen für die ersten Vorschüsse auf 12 .^ erhöht und nur für die Lieferungen des zu ihrer Subsistent Notwendigen die 6 ^ beibehalten. Ungeachtet dieser Erhöhung zeigen.

sich die Kolonisten im Allgemeinen zufrieden, uud anerkennen die getreue Erfüllung des Kontraktes von Seite des Pflanzers , der auch seiner^.

.[eits mit den Kolonisten zufrieden ist. Jn Bezug auf die Buchhaltung

^

225

.wiirde nichts zu sagen fein, wenn fich nicht auch hier das Versehen der.

.Anrechnung der Zinsen für die ^von den Gemeinden an einzelne Schweizer ^gemachten Vorschüsse eingeschlichen hätte.

Dieser Jrrthum wurde. aber Verbessert, so wie ieh daran erinnerte. Die Gewichte find geeicht; nicht so die Maße, von welchen der Ouart und Halbquart unter sich stimmen.

^nd auch der Alqueiro und Halbalqueiro unter sich, aber nicht mit jenen.

^Die Häuser haben 25 Palmen Front auf 40 Tiefe, einen Hofraum vou

^8 Braças uud kosten Rs. 6,000 jährliche Miethe.

F l o r e n e e , Eigenthum des Herkules Flor e n e e , besteht aus zwei schweizerischen Familien mit 18 Personen. Der Kontrakt ist der Ver^ueiro'sche auf Theilhaberfchast, dessen Bestimmungen befolgt worden find, denn beide Theile find zufrieden. Die Buchführung ist geregelt; einzig ist zu bemerken das Verseheu wegen der Zinsen süx die Vorschüsse der .Gemeinden, welches auch hier sofort gut gemacht wurde.

Die Gewichte find geeicht, nicht so die Maße; der Ouart stimmt zum Alqueiro, dieser Dagegen nicht zum halben Alqueixo. Die Häuser haben 25 Palmen Front auf 30 Tiefe, einen Hofraum und find frei von Miethe.

D o r e s , von Pedro Jose d o S an t o s Eamargo auf seiner Fazenda errichtet, zählt diese Kolonie 6 portugiesische Familien mit ^5 Personen.

Der Kontrakt ist der des Haufes V erg u e ir o, mit dem Unterschiede, daß r,ier die Vorschüsse mit 11^ .^ per Monat berechnet werden, und die Kol.onisten verpflichtet find, bei den Arbeiten aus den Troknungspläzen be^ hülflich zu sein. Jn lezterer Beziehung hat der betreffende Zusazparagraph .^enig Anwendung erheischt , und aus dem Hauptbuche und den Eahiers ergiebt sich, daß die Zinsen nur zu 1 o,.^ p. Monat angerechnet wurden.

Es zeigen sich die Kolonisten im Allgemeinen zufrieden ; nicht dasselbe läßt

sich vom Pflanzer sagen, der diese Unternehmung aufzugeben wünscht und auch aufgeben wird, sobald dieses ohne zu großen Nachtheil geschehen

kann. Die Buchführung ist geregelt; die Gewichte sind geeicht; vou Maßen findet fich nur ein halber Alqueiro vor, von dem der Pflanzer behauptet, daß ex geeicht gewesen , die Marke aber verwischt sei.

Die Wohnungen find unentgeltich.

S. F r a n e i s e o , gegründet durch Franeiseo de E a m a r g o Pen.^ t e ad o ^auf seiner Fazenda in demselben Distrikt, hat 8 deutsche, 1 schweizerische und l portugiesische Familien mit ^47 Personen. Der Kontrakt lautet auf Miethe. Der Pflanzer erlaubt den Kolonisten, auf seinem Lande das zu ihrem Unterhalte Nöthige pflanzen zu dürfen, unterftüzt sie mit Geld oder Lebensmitteln in dem Falle , daß das Gepflanzte nicht ausreicht, gibt ihnen freie Wohnung und Weide für die Thiere, und be^ zahlt ihnen endlich Rs. 400 für jeden Alqneixo Kaffee, den sie bebauen, pflüken und abliefern. Die Kolonisten zeigen sieh zufrieden, mit Ausnahme von zweien, welche die Absicht an den Tag legten, auszutreten, ohne aber hiesür Gründe anzugeben. Es gibt hier nur ein Buch , in welches dex Pflanzer die Beträge einschreibt, welche er den Kolonisten gibt; diese.

226 leztern haben keine Eahiers. Von Maßen gibt es nur einen ..Alqueiro..

welchen die Kolonisten selbst gefertigt haben und sieh damit zufrieden erklären. Die Häuser haben 24 Palmen Front auf 34 Tiefe.

Boa V i s t a , Eigenthum des Joao Leite de M o r a e s Eunha, liegt im Distrikt A m p a r o , und zählt 16 schweizerische Fami.ieu mit 71 Personen.

Der Kontrakt ist der des Hauses Vergueiro , durch welches sie auch kontrahirt find. Die Bestimmungen des Kontraktes sind im Ganzen erfüllt ; nur wurde einigen Kolonisten zur Anpflanzung der Lebensrnittel ein Ort angewiesen, der, weil dem Winde zu sehr ausgesezt, dazu wenig geeignet war.

Es muß übrigens bemerkt werden , daß nach der Aussage des Direktors ein großer Theil der Ländereien dieser Fazenda demselben Uebelstande ausgesezt ist.

Sechs Kolonisten beklagen sich , daß ein Theil ihres Kaffees von der vorjährigen Aernte nur mit Rs. 280 per Alqueiro gutgeschrieben worden sei , ohne daß man ihnen einen Grund dieser Verschiedenheit des Preises angegeben hätte. Es war unmöglich, dieses Faktum näher zu untersuchen, weil der Pflanzer selbst abwesend war und der Direktor, erst seit Kurzem als solcher angestellt, keinerlei .Aufschlüsse geben konnte. Die Preise für die den Kolonisten gelieferten Lebensmittel find im Allgemeinen mittelmäßig, doch zuweilen und für einzelne Gegenstände. höher, als in der benachbarten Stadt. Die Buchführung ist leidlich, und die Eahiers stimmen mit dem Hauptbuche der Kolonie ; es muß jedoch uotirt werden , daß seit 2 Jahren keine Abrechnung mehr stattgefunden hat.

Der O.uart, halbe Alque.ro und Alqueiro stimmen zwar zu einander, sind aber nicht geeicht, eben so wenig die Gewichte. Die Häufer haben 30 Palmen Front auf 40 Tiefe, und sind frei von Miethe, eben fodie Weide

für die Thiere.

S. J o a q u i m , durch den l^r. Joaquim Mariano Galvao de Moura L a e e r d a auf seiner in demselben Distrikt gelegenen Fazenda gegründet, ist zusammengeht aus 23 portugiesischen und 5 schweizerischen Familien französischer Zunge. Die Portugiesen hatten in Porto mit dem Agenten des Hauses Vergueiro u. Eomp. einen Theilhaberschastskontrakt unterzeichnet, wie er auf den^ Kolonien dieses Hauses gebräuchlich ist.

Jn Santos angekommen , schloffen sie in Gegenwart des betreffenden Vizekonsuls mit diesem Pflanzer einen andern Kontrakt ab, in welchem die Zinsen zu 8 .^ anstatt der gefezlichen 6 ^o des ersten Kontrakts, festgefezt wurden. Die Schweizerfarnilien find von andern Kolonien hieher übergesiedelt ; die einen haben sich dem gleichen .Kontrakt nnterzogen, andere dagegen schloßen eine .

besondere Uebereinkunft mit dem Pflanzer ab, dahin lautend, daß sie während einer Reihenfolge von drei Jahren für eine jährliche Entschädigung von Rs. 10,000 für je 1000 Bäume diese bebauen und pflüken wollen, wobei die nebstdem zu pflanzenden Lebensmittel ihnen ohne Abzug zugehören sollen. Der Pflanzer hat den Kontrakt getreulieh eingehalten ; und als er eingesehen, daß die den ersten Kolonisten angewiesene Kaffee^

pflanzung nicht genügend prodnzirte, entschädigte er sie großmüthig für den

gehabten Schaden, indem ex ihnen nicht nur für das erste Jahr die Zinsen

^

'

22.^

für die Vorschüsse abschreiben ließ, sondern auch die Schuld für empfangene Lebensmittel schenkte. Die Kolonisten leben zufrieden, und nux ein Portugiefe von störrigem Eharakter und dem Trunke ergeben, erklärte, austreten zu wollen, weil er mit seinen Landsleuten nicht auskommen könne..

Die Buchführuug ist geregelt und die Eahiers in Uebereinstimmnng mit dem.

Hauptbuche der Kolonie. Der halbe Ouart, O.uart und Alqueiro stimme...

unter sich, find aber nicht geeicht. Auf dieser Kolonie gibt es für die Besorgung des Feldbaues keiue Selaven , und die Kolonisten benuzen s.^ lange unentgeltich die Negerwohnungen der Fazenda, bis die sür sie bestimmten Häuser sertig find.

S. J o a q u i m , Eigenthum des Oberstlieutenant Joaquim Benedieto.de Oueiroz T e l l e s , liegt diese Kolonie in der gleichnamigen Fazenda im Distrikt Jundiahy, und besteht aus 7 schweizerischen Familien mit ..^ Personen. Der Kontrakt lautet auf Theilhaberschaft, nnd scheint getreu ausrecht erhalten worden zu sein ; wenigstens sind die Kolonisten zufrieden, mit Ausnahme eines Einzigen, der fich unzufrieden zeigt, ohne jedoch hiefür einen triftigen Grund angeben zu können. Der Pflanzer , dex im^ Anfange die Kolonisten mit dem zu ihrex Subsistenz Nöthigen zu unterstüzen pflegte , hat jezt das System angenommen , ihnen alljährlich die^ Hälfte des reinen Ertrages auszubezahlen , dagegen aber gar nichts mehx^ .

zu liefern. Die Eahiers stimmen mit dem Hauptbuche der Kolonie ; bei diesem leztern ist nur anzuführen das Versehen wegen Verzinsung der Vorschüsse der Gemeinden, was sofort gut gemacht wurde. Der halbe Alqueiro ist geeich.., nicht so der Alqueiro, welcher beim Vergleich mit dem halben sich als ein wenig zu groß ausgewiesen hat.

Die Häufer haben ^5 Palmen

Front auf 40 Tiefe und sind, gleich d^r Weide für die Thiere, frei vo....

Miethe.

S.

A n t o n i o , durch den Kommendador Antonio de O u e i r o z ^

Telles ausseiuer Fazenda in demselben Distrikt gegründet, zählt 14.schwei-

zerifche Familien mit 68 Personen. Der Kontrakt ist derselbe und wurden treu befolgt. Die Buchführung findet sich in bester Ordnung ; und da.

bis anhin den Kolonisten die Zinsen sür ihre Schulden noch nicht^ berechnet sind, so kommt auch hier das Versehen wegen Zinsansezung für^ die Vorschüsse der Gemeinden nicht vor ; es ist d.er Direktor davon pxe.venirt. Die vorhandenen Maße sind ein halber Alqueiro , nicht geeicht,.

aber mit einander übereinstimmend. Die Häuser von 40 Palmen Front und eben so viel Tiefe zahlten bis vergangenes Jahr keine Miethe, von jezt an aber Rs. 12,000 per Jahr.

S. J o s é da L a g o a, auf der Fazenda gleichen Namens, Eigenthum des Obersten Antonio Joaquim P e r e i x a G u i m a r a e s , hat 7 schweizerische Familien mit 38 Personen. Der Kontrakt ist derselbe , wie die vorhergehenden, und wurde von Seite des Pflanzers genau befolgt. Wenn.

einige Kolonisten fich auch beklagen, daß der Boden, weil sehr steinreich,.

wenig produzire, so stellte sich andererseits heraus, daß diese schlechte Ar-

^ Leiter find, welche die ihnen überwieseneu Pflanzungen nicht so, wie fie sollten, besorgt hatten und aus diesem Grunde auch wenig ärnten konnten.

^Die Eahiexs und das Hauptbuch der Kolonie stimmen; nur wurden auch hier sur die Vorschüsse der Gemeinden Zinsen berechnet, aber sofort abgeschrieben, ^als ich auf den Jrrthum aufmerksam gemacht hatte. Das ans dieser Kol.onie vorhandene Maß ist ein halber Alqueiro , der geeicht ist ,. zum Empfange des Kaffees dient ein Jaea (Korb), der genau zwei halbe Al.^ueiros faßt. Die Häuser sind gleich denjenigen auf der zulezt besprochenen

.Kolonie; die Miethe beträgt 12,000 Reis jährlich.

Es bleibt dem, was ich bereits gesagt habe, noch beizufügen übrig,

daß bei Anlaß der Anwesenheit des Hrn. 1)r. Heußer auf der Kolonie ,,Senador .Vexgueiro^ einige Schweizerkolonisten einen Ueberfahrtskontrakt vorgewiesen, welcher, in Hamburg vom Agenten des Hauses Vergueiro u. Komp.

^ausgefertigt, fie der Verpflichtung entbindet, in Brasilien Kommifsionsgeld zu bezahlen , worauf der Assoeié des genannten Haufes, der zugleich an ^er Spize dieses Unternehmens fteht, ihnen diese Anfäze mit den bezüglichen Zinsen abschreiben ließ , und sich bereit erklärte, solches arlen jeneu .zu thun, die ihm ein gleiches Dokument vorweifen würden. Nachdem ich mich in den Eahiers der Kolonisten über diefe Thalsache vergewissert hatte, trachtete ich^zu erforschen, ob vielleicht in andern Kolonien noch mehrere in denselben Verhältnissen sich befänden , und wirklich traf ich auf eine .

^ große Anzahl, denen ieh ihr zustehendes Recht aus einander sezte und sie mit einer von mir unterzeichneten Erklärung an Vergueiro u. Komp. adrefsirte, sofern die betreffenden ^Pflanzer die Reglirung dieses Geschäftes nicht auf fich nehmen wollten, was einige mit bestem Willen thaten. Es muß be^.

merkt werden , daß Herr I..r. Heußer für diese seine Landsleute nicht so^ sorgte, wie für jene; daß er sich im Gegentheil zweier Kontrakte bemäch^ ^tigte, die ^...Familien befchlagen und fie bis heute noch nicht zurükstellte,

^wodurch diese Kolonisten des einzigen Mittels beraubt sind, ihr Recht gel^ ^tend zu machen.

Nach allem Gesagten ist es meine Anficht, daß diese Kolonien ^keiue befondern Vorsichtsmaßregeln mehr erfordern und daß die Ereignisse, welche da stattgefunden haben, ihre Entstehung hauptsächlich zweierlei Ursachen verdanken 1) dem geringen Eifer und der wenigen Vorsicht der mit^ .Kontrahirung der Kolonisten in Europa beauftragten Agenten und der Leichtigkeit , mit der jene hier angenommen werden , ohne Rüksicht auf ihxe Gewohnheiten, Professionen, Moralist, .^r und physische Beschaffenheit, .woher es kommt, daß man in diefen Kolonien nicht nur lasterhaften, zum .^andban, so wie zu jeder andern Arbeit gänzlich untauglichen Menschen.

begegnet, sondern auch Greisen und Krüppel^ unfähig zu jedem Dienste^ 2) dem Mangel an Ueberwachung und Gerechtigkeitspflege..

Der Dringlichkeit einer entsprechenden Gesetzgebung , die , indem sie ^die Kolonisten schüzt, auf der andern ..^ite auch die Rechte der Pflanzex garantirt, ist allgemein gefühlt, und liegt auch im ^....ne der Staatsge..

.^29 Balten ; aber es .ist meine feste Ueberzeugung , daß jedes Gesez in dieser .Beziehung , so vorsorglich und weife es auch immer sei , unwirksam ist.

wenn seine Vollziehung nicht einer Behörde anvertraut wird, der, über ^die Lokaleinflüsse erhaben, die Oberaufsicht über solche Etablissemente zusteht, welche von Zeit zu Zeit mit Jurisdiktion auftritt, die vorkommenden Fehler bestraft und die zwischen Pflanzern und Kolonisten entstehenden ^Streitfragen ohne Verzug entscheidet. Der Friedensrichter und der SchiedsDichter, in den Kontrakten hiezu bezeichnet, bieten den Kolonisten nicht ge-

uügende Garantien der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit, hauptsächlich

^enen nicht, welche die Landessprache weder verstehen, noch sprechen, und roenige oder gar keine Verbindungen im Lande haben, weil sie uur unter sich verkehren. Auf der andern Seite haben sie auch weder Zeit, noch die ^Mittel , nach den Städten zu laufen und Gerechtigkeit zu fordern , noch weniger können fie sich Advokaten halten, die solches in ihrem Namen thun. Außer diesem ist noch ein Punkt , der durch seine Wichtigkeit und seinen bedeutenden Einfluß auf die Einwanderung die Aufmerksamkeit ^.er Regierung in hohem Grade anzuregen geeignet ist . Jch spreche von ^er Ausübung des Kultus und von der religiösen Unterweisung. Dex größere Theil der Kolonien ist auf nicht geringe Distanzen von den Ortschaften entfernt, und in keiner derselben wird Gottesdienst abgehalten. Auf ^..iese Weife wächst die Jugend in der Unwissenheit auch nur der ersten Anfangsgründe ihrer Religion heran , und es wird selbst den Katholiken so zu sagen zur Unmöglichkeit, den Vorschriften der Kirche nachzukommen,^ ^während die Protestanten , wie ich informirt bin , nicht einmal einen Friedhof haben, um ihre Todten zu begraben, es müßte denn der der.

.Fazenda sein.

Dieses ist, was ich bezüglich der Mission zu sagen habe, mit dere^.

^Ausführung beauftragt zu werden ich die Ehre hatte.

Rio de J a n e i r o , den 10. Jänner 1858.

M. de J. V a l d e t a r o .

D o k u m e n t Nr. 3.

D e p e s c h e d e s Ministeriums d e s J n n e r n a n den P r ä s i d e n t e n der P r o v i n z S. Paulo.

Rio, den 17. März 1858.

Herr Präsident!

Herr Valdetaxo, Mitglied des Asfisenhofes, welcher den 2. September ^..ezteu Jahres von der Regierung ernannt wurde, die in Jhrer Provinz .bestehenden Kolonien zu infpiziren, hat die zwei in Abschrift beifolgenden

Bundes...latt. Jah.rg. X. Bd. II.

23

230 .Berichte vorgelegt, in welchen einige Vorgänge als wahr daxgethan wer^.

den, die sowol zum Schaden der Kolonisten, als auch der Unternehmer ausfielen.

Jn Betracht, daß diese Vorgänge, außer ihrer Unbilligkeit, geeignet find, der Einwanderung neuer Kolonisten Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg zu legen , und zwar in dem Augenblike , wo der Akexbau Kolonisten so nothwendig bedarf; in Betracht, daß die kais. Regierung, für dieses vorhandene Bediirfuiß besorgt, große pekuniäre Opfer zur Anspornung der fremden Auswan-

derung bringt, wird Jhnen hiemit b e f o h l e n , die ungesezlichen, die

R e c h t e und J n t e r e s s e n beider P a r t e i e n v e x l e z e n d e n Vor..

gänge, welche in den Kolonien Jhrer Provinz. stattgefuuden und d e r e r in b e i l i e g e n d e n B e r i c h t e n E r w ä h n u n g g ..schieht, zu u n t e r s u ehen, und durch die Jhnen z u G e b o t e s t e h e n d e n M i t t e l d a f ü r z u s o r g e n , daß d i e s e M i ß b r ä u c h e a u f h ö r e n und sich^nicht w i e d e r h o l e n .

Bei der Ausführung dieses kaiserlichen Befehls haben Sie Rüksicht auf die durch den Berichterstatter konstanten Thatsachen zu nehmen, welche den Vertrag und die Gerechtigkeit verlezen, ohne daß Sie sich übrigens

durch das einzige Urtheil des Berichterstatters in der Würdigung der erwähuten Thatsachen influenziren zu lassen.

M. de Olinda.

S c h r e i b e n des H e r r n l.. r. H e u ß e r an H e r r n J. V e r g u e i r o .

An Herrn Joseph Vergueiro, Ehef des Hauses Vergueiro.

Angeliea, den 4. März I857.

Nach einem Aufenthalte von beinahe drei Wochen in Jhren Kolonien, ..Senador Vergneiro und Angeliea,^ kann ich mich nicht enthalten, in wenigen Worten meine Meinung auszufprechen und Jhnen, als Ehef des Hauses Vergueiro, meinen aufrichtigsten Dank auszudrüken für die Offenherzigkeit und das Wohlwollen , womit Sie mich aufgenommen halben und die ich nicht genug anerkennen kann.

Jch habe volle und gänzliche Freiheit gehabt, den ökonomischen und .moralischen Zustand jedes Kolonisten (nicht nur der S c h w e i z e r , sondern auch der Deutschen) feit ihrer Ankunft in Santos bis auf diesen Tag zu prüfen. Alle Bücher und Dokumente, welche ich zu diesem Besuche uöthig

hatte, wurden mir ohne Rükhalt zur Verfügung gestellt; endlich, mein Herr, haben Sie alles Mögliche gethan, um mich n.it d.'r ga.'.z..^ Sach-

.

231

lage vollständig bekannt zu machen. Diese Offenherzigkeit war schon eiu beweis, daß Sie die Kolonisationsunternehmung in einer edlen Absicht leiten; und durch die Einsieht, die ich von allen Büchern genommen, durch

^ie spezielle Prüfung aller Geschäfte bin ich in der That überzeugt , daß

das Haus V e r g u ei r o die Kolonisation nicht zu einer Geldspekulation exniedrigt, und daß es den doppelt schönen Plan nicht aus den Augen vexloren hat, einestheils die so nöthigen Arbeitskräfte nach Brasilien zu rufen, anderntheils zahlreichen Familien, die inmitten der übergroßen Bevölkerung Europas kaum ihre Existenz finden könnten, eine sorgenfreie Lage zu verschaffen.

Jch bedaure deßhalb offen und lebhaft , daß die Feinde Jhres Hauses einige mehr oder minder richtige Klagen der unter Jhrer Direktion stehenden Kolonisten geltend machen konnten, Klagen, denen Sie übrigens seit meiner Ankunft Abhülfe zu verschaffen versprachen, die benuzt wurden, um die Kolonisten gegen Jhr Haus aufzureizen und sie zu einer Reklamation zu bewegen, die Argwohn gegen das Haus V e r g u e i x o hexaufbefehwören, der nie gerechtfertigt werden könnte. Jch will mich nicht mit den Details^ der einzelnen Beschwerdepunkte beschäftigen, sondern beschränke mich darauf, ineinen Widerwillen gegen deren Abfassungsart auszufprechen, indem die Reklan.anten in jedem Punkte ohne irgend einen Grund das Haus Vergueiro anklagen, daß es die Kolonisten a b s i c h t l i c h habe betrügen wollen.

Es ist durchaus unnöthig, das Haus Vergueixo über die iusameu Schurkereien zu rechtfertigen , deren es in jener Beschwerde mit einer unvexzeitlichen Leichtfertigkeit angeklagt wird.

Nach der Erklärung meines Freundes D i e t h e l m , der mich in der Eigenschaft eines.^Experten zur Prüfung der Kaffeepflanzungen begleitet, ist es mir nicht möglich, in Opposition gegen jene Klagen, den schweizerischen Kolonisten das Zeugniß treuer Erfüllung ihrer Pflichten zu geben in Betreff der Besorgungen der Pflanzungen. Die Kaffeepflanzungen der Schweizer befinden fich durchschnittlich in einem sehr schlechten Zustande , was zu exwarten wir weit entfernt .waren; wenige Familien haben den Kaffee nach den Erfordernissen des Landes und auf die Art beforgt, um daraus den größten Nuzen zu ziehen. Die meisten haben darin eine große Nachläßigkeit gezeigt und erhalten so eine geringe Aernte, eben so sehr zu ihrem Nachtheil, als zu demjenigen des Haufes Vergueiro ; mehrere hab^u nicht einmal die Kaffeebäume gereinigt, so daß nicht nur das Haus Vergueiro deu Nachtheil einer geringen Aernte erleidet, sondern auch die Pflanzungen sich verschlimmern und nach und nach aus Mangel an Besorgung zu verderbeu drohen.

Während meines Aufenthaltes in Jhren Kolonien hatte ich manche Gelegenheit, mi^ zu überzeugen, daß Sie, weit entfexnt, deu Kolouisten etwas allgemein Notwendiges abzuschlagen, ehrenhaft zum Wohlfein jedes Einzelnen beigetragen haben, und daß felbst während der Erhebung Sie für Jeden Sorge trugen, ohne darauf zu sehen, wer kompro.mittirt sei oder nicht. Jch bin deßhalb überzeugt, die Kolonisten werden

^ ^ihxe Ungerechtigkeit einsehen und Jhnen bald wieder ihr ehemaliges Zu^ .trauen zuweuden. Jch schließe mit dem Wunsche, Jhr ehrenwerther Vate^ möge nvch gute Resultate seines Werkes genießen.

Empfangen Sie ...e.

l^r. J. Eh. H e u ß e r .

^tate de^ l.ais. brasilianischen ^eschat^tra.^er^ au deu ..^unde^ra^denten^ Bern, den 5. Juli

1858.

Herr Präsident^ Jch beeile mich, Ew. Exzellenz verschiedene Mittheilungen zu übex^ machen/ welche mir meine Regierung mit d^r am 8. Juni 1858 von Rio^ Janeiro abgegangenen Post hat zukommen lassen.

Jch hatte derselben das Schreiben des eidg. Handelt und Zoll^ departements, betreffend die Errichtung einer Konsnlar-Agentschaft in der .Kolonie L e o p o l d i n a mitgetheilt und sie auch erficht , mir über den Umstand , daß das schweizerische Konsulat in Rio^Janeiro mehrere Kolo^ nisten, welche nach ihrer Aussage von der Kolonie Senador Vergueir.^ verjagt wurden, mit Geldmitteln unterstüzen mußte, Aufschlüsse zu ertheilen.

Seine Exzellenz der Minister der auswärtigen Angelegenheiten zeigt mir mit Schreiben vom 5. Juni an, daß die kaiserliche Regierung, kraft eines neuen Dekretes vom 13. März, dem Konsular^Agenten in Leopoldina, so wie auch solchen in andern Orten des Kaiserreiches, das Exequatu..

...icht verweigern werde. Diese Agenten find von den Konsuln , deren Abgeordnete sie sind, zu ernennen; die Vizekonsuln haben hiezu keine Befugniß.

Was den zweiten Punkt anbetrifft, so hat sich Seine Exzellenz an das Departement des Jnnern, in dessen Geschästskreis die Kolonifationsa...gelegenheiten liegen, gewendet; aber die lurze Zeit, welche seit dem Empfang meines Berichtes und dem Abgang des Paketbootes verstrichen ist, machte

es ihm nicht möglich, mir mit diefem Kurier sachbezügliche Aufschlüsse

zu ertheilen.

Mit der nämlichen Post habe ich ein Schreiben erhalten, worin mi^ Seine Exzellenz der Minister des Jnnern anzeigt, daß die kaiserliche Re^ gierung auf die Anzeige, das Handlungshaus H. B e a u e o u r t ^ Eomp.

in Paris habe in der Eigenfchaft als Agenten der Zentralgesellschaft für die Kolonisation in Rio - Janeiro in der Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen und die Behandlung der Reisenden während der Ueberfahrt

sich Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen, den Beschluß gesaßt

hat, diefem Hause in Zukunft seinen Beistand nicht mehr zu gewähren.

.Jch bin beauftragt worden, diesen Beschluß den Regierungen. bei welchem

233 ich akkreditirt bin, auf amtlichem Wege mitzutheilen und denselben die Ver^ ficherung zu geben, daß die in den Einschiffungshäfen augestellten brafi.^ lianischen Konsuln, welche sich mit der Legalisation d..r Pässe zu befasse^ und bei den Verträgen dex.Kolonisten ins Mittel zu fezen haben, angewiesen worden sind, strenge darüber zu wachen, daß die Auswanderer nicht getäuscht oder durch schlechte Mittel verführt werden.

Jch beeile mich, Ew. Exzellenz die vorstehenden Mittheilungen zu.

machen, welche einen neuen Beweis liefern, wie sehr die kaiserliche Regiexung sich der Angelegenheiten der Auswanderer annimmt.

Jch habe die Ehre , Ew. Exzellenz meiner vollkommensten Hochachtung zu versichern.

Der brasilianische Geschäftsträger.

  1. L o u r e i r o .

^Iote de... i. ai s. brasilianischen ^escha^tra.ger.^ au den ^..unde.^ra^identen^

Bern, den 5. Juli 1858.

Herr Präsident!

Jch nehme zu der wohlwollenden Vermittlung Ew. Exzellenz Zuflucht^ indem ich Sie bitte, dem Bundesrathe meine hochachtungsvolle Erkeuntlichkeit für den Beschluß anszudrüken , den er zu fassen geruht hat , die wichtigen^ Aktenstüke, welche ich E. Erz. mit meiner Note vom ^8. Juni 1858 ein^ sandte, veröffentlichen zu lassen.

Jn diesem Besehlusse , welchem ich alle Ehrfurcht zvlle , erblike ich einen neuen Beweis von der Unparteilichkeit der Bnndesbehörde, indem dieselbe die öffentliche Meinung über alle Einzelnheiten einer Frage, welche

für unsere beiden Länder von gleicher Wichtigkeit ist, aufklären will.

Es sei mir nun erlaubt, Ew. Exzellenz einige Betrachtungen vorzulegen, die sich mir durch die Situation ausdringen, in welche die Frage der schweiz. Auswanderung nach Brasilien durch den Bericht der Kommission des Ständerathes versezt wird.

Die E. Erz. mit meiner Note vom .^8. Juni überdachten Dokumente geben die gesammteu Maßregeln an , welche die kaif. Regierung nach der Untersuchung des brasilianischen Kommissärs zu Gunsten der Kolonisten^ getroffen hat.

Dem Präsidenten der Provinz S. Paulo ist der Befehl ertheilt worden, den an den Tag gekommenen Mißbräuchen abzuhelfen, gegen die der .Magistrat, welcher die Untersuchung führte, nnzlos entgegen getreten ist.

Die kaif. Regierung hat mit einer Großn.uth, welche in den Annales der Auswanderung ihresgleichen nicht findet, die Schulden einer gewissem

234 Anzahl Kolonisten von Jbieaba bezahlen und andere Kolonisten unentgeltlich weiter befördern lassen, welche Hülfeleistung es ihnen möglich machte, siel^ auderswo niederzulassen.

Sie ist gesonnen , einen weitern Akt der Gerechtigkeit zu üben , indem sie die Entscheidung der auf Verträge bezüglichen , gerichtlichen Angelegen..

heiten erleichtern und so den Kolonisten ein größeres Vertrauen in die UnParteilichkeit der Richter einflößen will.

Sie ist damit beschäftigt, die Frage der Verheiratung nichtkatho^ lifcher Kolonisten auf schiklichen Grundlagen zu regnliren.

Sie bewilligt die Ernennung von Konsularagenten , damit die fremde^ Konsuln auch da die Interessen ihrer Landsleute können wahren lassen, wohin ihre Hülfe bishex nicht wol reichte.

Einige dieser Maßregeln sind bereits dekretirt worden ; andere werden durch die Note der tais. Regierung vom 8. Mai angezeigt; noch andere endlich sind in der von Sr. Maj. dem Kaiser bei der Eröffnung der bxaspanischen Kammern gehaltenen Rede speziell erwähnt worden.

Jm Weitern hat mich die kais. Regierung in ihrer Fürsorge sü..

die Kolonisten beauftragt, sie von jeder Klage, welche noch erhoben werden könnte , in Kenntniß zu sezen , indem sie ganz geneigt ist , derselbe^ schnell und wirksam abzuhelfen.

Wird man angesichts so eklatanter Beweise von Antheil, welchen die kais. Regierung an der Auswanderungsangelegenheit nimmt, nicht finden, der Vorschlag der ständeräihlichen Kommission stehe mit den vielen , von großem Wohlwollen uud väterlicher Fürsorge zeugenden Maßnahmen nichts in Uebereinstimmung .^

Die Nationen find einander Rükfichten schuldig.

Das Völkerrecht

stellt das Prinzip auf, ^s h^be jeder Staat das Recht, von den andern geachtet zu werden. Jch seze das vollkommenste Vertraueu in die BundesVersammlung , sie werde erkennen , daß es eine gegenseitige Pflicht ist,

dieses Prinzip nicht zu verlezen.

Da der Geschäftsbericht nicht weiter geht, als bis zum 31. Dezembex 1857, so kann ex die Sachlage nicht so ins Licht stellen, wie sie jezt

ist.

Seit jenem Zeitpunkte hat der Zustand der fehweiz. Kolonien i.^ Brasilien wesentliche Veränderungen erlitten, und ift in jeder Hinsicht besser geworden. Jch huldige gern dem Geiste der Unparteilichkeit, den der Bundesrath durch seinen Beschluß, die von mir erhaltenen, wichtigen Dokumente zu veröffentlichen , au den Tag gelegt hat.

Dieser Geist wird auch, wie ich hoffe, den Bundesrath bewegen, die Meinung der Bundesversammlung fo zu stimmen, daß bei der Behandlung einex^ für die Schweiz und Brasilien gleich wichtigen Sache nicht zum Nachtheil ^er Würde eines verbündeten Staates und der freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen der schweiz. Eidgenossenschaft und dem Kaiserreich Brasilien ^bestehen, Voruxtheile die Oberhand gewinnen.

^ 235 Die Kommission des Ständerathes sagt in ihrem dießfälligen Antrage..

^es wären auf der Basis eines solchen Beschlusses (Verbot gegen die Aus^ ^wanderung nach Brasilien) . ordentliche Bedingungen für die Zukunft zu ^erzielen...

Jch stelle es dem weiset Ermessen des Bundesrathes anheim , zu be..^theilen , ob die Annahme der vorgeschlagenen Maßregel, welche die Würde ^.er kais. Regierung so schwer verlezen würde, das vermuthete Ergebniß hervorbrächte, oder ob dieselbe nicht vielmehr den vielfachen kommerziellen .Beziehungen zwischen den beiden Ländern und den Jnteressen der Kolonisten Schaden würde, besonders im Augenblike, wo die kais. Regierung Maß.regeln ergriffen hat, welche der Schweiz ausgezeichnete Beweise des Antheils, ^den dieselbe an den Kolonisten nimmt, und des Wunsches, der dieselbe beseelt , ihr Schiksal zu verbessern , sein müssen.

Jch glaubte, Ew. Exzellenz diese Betrachtungen mittheilen zu sollen, und ergreife diese Gelegenheit zur erneuerten Versicherung meiner ausge.zeichneten Hochachtung.

Der brasilianische Geschäftsträger..

  1. ...^onreiro.

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Aktenstüke betreffend die Auswanderung nach Brasilien. (Veröffentlicht auf Anordnung des Bundesrathes.)

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1858

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34

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24.07.1858

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