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Nachtrag zur Botschaft dea

Bundesrates an die Bundesversammlung über die Bewilligung von Nachtragskreditbegehren für das Jahr 1947, I. Teil.

(Vom 6. Juni 1947.)

Herr Präsident!

Hochgeehrte Herren!

Durch die Schweizerische Zentrale für Handelsförderung wurde letztes Jahr gemäss Beschluss des Bundesrates vom 26. April 1946 in London eine schweizerische Architekturausstellung durchgeführt, wofür Sie im Bahmen der Nachtragskredite 1946, I. Teil, einen Kredit von Fr. 140 000 bereitgestellt haben. Die Gesamtkosten dieser Ausstellung, an die auch die Schweizerische Verkehrszentrale einen Beitrag von Fr. 50 000 leistete, belaufen sich auf etwas mehr als Fr. 229 000, so dass noch ein Fehlbetrag von rund Fr. 39 000 durch den Bund zu decken sein wird. Dieser ergab sich einerseits aus Mindereinnahmen im Betrage von Fr. 18 000, entstanden zur Hauptsache infolge des durch die besondern Verhältnisse bedingten Wegfalles der vorgesehenen Eintrittsgebühren, anderseits aus Mehrausgaben von insgesamt rund 21 000 Franken, herrührend aus den Kosten für den unvorhergesehenen Transport von Modellen, die für die Wirkung der Ausstellung entscheidend waren, sowie aus erhöhten Propagandakosten.

Der Ausstellung in London war ein aussergewöhnlicher Erfolg beschieden.

Ihre Initianten haben uns deshalb durch Vermittlung der Schweizerischen Zentrale für Handelsförderung gebeten, sie in den Jahren 1947 und 1948 auch noch in einigen andern Hauptstädten Europas zu zeigen, und zwar in Kopenhagen, Stockholm, Warschau und Amsterdam.

Die Gründe, die uns daraufhin bewogen haben, diesem Wunsche Folge zu geben und die Ausstellung von London auch in andern Ländern zu zeigen, sind zum Teil die gleichen wie diejenigen für London.

Einmal soll die Ausstellung anschaulich die Vorstellung der vielfältigen Struktur der Schweiz vermitteln und zeigen, wie sie baulich ihren Ausdruck findet. Dem Beschauer muss die im kleinen Eaum vorhandene Vielfalt eindrücklich vor Augen geführt werden. Schweizerische Eigenart, die sich auszeichnet durch das Streben nach hohem Durchschnitt, durch die Präzision

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der Arbeit bis ins letzte Detail, durch eine kühle Nüchternheit, die alles Überschwängliche meidet, wird klar zur Darstellung gebracht. Auch gilt es zu zeigen, dass wir in der Schweiz wenig Extreme besitzen, das» vielmehr ausgeglichene soziale Verhältnisse, die andernorts erstrebt werden, bei uns schon weitgehend verwirklicht sind. Im Hinblick auf das besondere Interesse, dem die Fragen über Siedlungswesen, Wiederaufbau und Planung heute begegnen, werden diese Abteilungen besonders ausführlich und instruktiv vertreten sein. Die Ausstellung will keinerlei geschäftliche Propaganda auslösen. Sie will eine kulturelle Schau sein im Dienste der höchsten Interessen des ganzen Landes.

Wir müssen ferner auch bestrebt sein, den dringenden Wünschen unserer Gesandtschaften gerecht zu werden, die im Vergleich mit andern diplomatischen Vertretungen und im Bahmen der ihnen zur Verfügung stehenden sehr begrenzten Mittel die kulturelle Werbung für die Schweiz nicht immer in gebührender Weise vertreten können. Zu wiederholten Malen haben uns unsere Vertretungen im Ausland in letzter Zeit auf diese Verhältnisse nachdrücklich hingewiesen.

Dazu kommt, dass gerade jetzt die Zeit für eine Kulturwerbung in den nordischen und östlichen Staaten besonders günstig ist. Es besteht in diesen Ländern, die durch den Krieg vom Ausland abgeschnitten waren, ein grosses Bedürfnis nach geistigen und künstlerischen Anregungen. Man erwartet daher von unserem Lande, das vom Kriege verschont geblieben ist, neue Hinweise.

Die Schweiz hat nun auf dem Gebiete der Architektur Neues und Eigenes zu bieten. Das Schaffen unserer Architekten konnte sich im Verlaufe der letzten Jahre in schönster Weise entwickeln. Es steht auf einer hohen Stufe und findet in einer Zeit, die im Zeichen des Wiederaufbaues steht, starken Widerhall und grosse Anerkennung. Man ist deshalb im Ausland bereit, eine Ausstellung schweizerischer Architektur mit Wohlwollen entgegenzunehmen, besonders da man weiss, dass unser Land mit einer solchen Veranstaltung keine eigennützigen Zwecke verfolgt.

Nachdem für die Ausstellung in London ein umfangreiches Ausstellungsgut zusammengestellt wurde, wäre es ausserordentlich bedauerlich, wenn das nun vorhandene wertvolle Material nicht noch in weitern Ausstellungen im Auslande gezeigt werden könnte.

Die finanziellen Leistungen
des Bundes für die Ausstellung in London an die Gesamtkosten von Fr. 229 000 belaufen sich auf insgesamt Fr. 179 000, während es nun möglich ist, mit einem Kredit von Fr. 126 000 drei weitere Ausstellungen veranstalten zu können.

Die vier in Betracht fallenden Ausstellungen in Kopenhagen, Stockhohn, Warschau und Amsterdam sollten in den kommenden Monaten stattfinden.

Bereits im Juni wird die Ausstellung in Kopenhagen gezeigt. Im Anschluss daran soll sie dann auch in den übrigen erwähnten Städten zur Durchführung gelangen. Die Kopenhagener Ausstellung wird von der «Pro Helvetia» finanziert.

Für die drei übrigen Veranstaltungen sind jedoch besondere Beiträge des Bundes erforderlich. Wir sehen uns deshalb veranlasst, die nötigen Mittel für die Aus-

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Stellungen auf dem Wege der Nachtragskredite zu verlangen. Um die Gewährung eines Vorschusskredites seitens des Bundesrates zu vermeiden, legen wir Wert darauf, Ihnen die Kreditbegehren noch im Anschluss an die Botschaft für die Nachtragskreditbegehren pro 1947, I. Teil, vorzulegen.

Laut den uns vorgelegten Kostenauf Stellungen muss für jede der drei in Betracht kommenden Ausstellungen mit einem Bundesbeitrag von Fr. 42 000 gerechnet werden. Für die Deckung des Defizites der Londoner Ausstellung ist ein weiterer Betrag von Fr. 89 000 notwendig. Den für die Amsterdamer Ausstellung erforderlichen Kredit beabsichtigen wir in den Voranschlag des Bundes für 1948 einzustellen.

Unsere wiederholten Bemühungen, seitens der Verkehrszentrale und der interessierten Architektenvereine namhafte Beiträge zu erhalten, blieben leider erfolglos. Einerseits war die Verkehrszentrale wegen der Kürzung ihrer eigenen Kredite nicht in der Lage, weitere Leistungen aufzubringen, anderseits ist es auch den konsultierten Berufsverbänden. nicht möglich, irgendwelche ins Gewicht fallende Beiträge zu übernehmen. So besteht denn leider keine Möglichkeit, durch anderweitige Einnahmen das Budget für die kommenden Architekturausstellungen wesentlich zu entlasten.

Wir beantragen Ihnen, den Entwurf zu einem Bundesbeschluss über die Bewilligung von Nachtragskrediten für das Jahr 1947, I. Teil, wie folgt zu ergänzen: 3 Departement des Innern 301 Departementssekretariat 088,82 Schweizerische Architekturausstellung in London . . Fr.89000 088.84 Schweizerische Architekturausstellungen in Stockhohn und Warschau » 84000 Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Bern, den 6. Juni 1947.

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W*

Im Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident: Etler.

Der Vizekanzler: Oi. Oser.

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Nachtrag zur Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Bewilligung von Nachtragskreditbegehren für das Jahr 1947, I. Teil. (Vom 6. Juni 1947.)

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1947

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23

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5132

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

12.06.1947

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338-340

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