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Bekanntmachungen von

Departementen und ändern Verwaltungsstellen des Bute, Kreisschreiben der

schweizerischen Bundeskanzlei an sämmtliche Kantonsregierungen betreffend die in Rußland bezüglich der Reisepässe geltenden Vorschriften.

(Vom 18. Juli 1889.)

Hochgeachtete Herren !

Ein Bericht des Schweiz. Konsulats in Warschau, in welchem auf die Unannehmlichkeiten hingewiesen wird, denen sich nach Rußland Reisende durch ihre Unkenntniß der dort bezüglich der Reisepässe geltenden Vorschriften aussetzen, gibt uns Veranlassung, Ihnen unsere Bekanntmachung vom 15. Februar 1877 (Bundesblatt 1877, Bd. I, S. 246) und das Kreisschreiben des Bundesrathes vom 25. März 1880 (Bundesblaft 1880, Bd. II, S. 231) in Erinnerung zu bringen. Daraus wollen Sie entnehmen, daß in Rußland in Bezug auf die Reisepässe folgende Vorschriften in Geltung sind : 1) Jeder Reisepaß nach Rußland soll von der kaiserlich russischen Gesandtschaft in Bern visirt sein und. die Unterschrift des Inhabers tragen ; 2) jeder Paßinhaber muß sich innerhalb einer Frist von sechs Monaten, vom Ueberschreiten der Grenze an gerechnet, eine russische Aufenthaltsbewilligung verschaffen, sonst unterliegt er für jeden Tag Verspätung einer Strafe von 30 Kopeken ; 3) die russischen Aufenthaltsbewilligungen sind für 12 Monate gültig und müssen regelmäßig erneuert werden.

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Da von den nach Rußland reisenden Personen erfahrungsgemäß nur wenige diese Vorschriften kennen, so wäre es angemessen, Jeden, dem ein Paß für Rußland ausgestellt wird, auf dieselben aufmerksam zu machen.

Hinsichtlich der Israeliten verweisen wir auf unser Kreisachreiben vom 5. März 1886 tBundesblatt 1886, I, 310).

Mit vollkommener Hochachtung !

B e r n , den 18. Juli 1889.

Im Namen der Schweiz. Bundeskanzlei, Der Stellvertreter des eidg. Kanzlers: Schatzmann.

28. Wochenbülletin über die Geburten und Sterbefälle.

Vom 7. bis 13. Juli 1889.

Während der verflossenen Woche sind dem eidg. statistischen Bureau von den Civilstandsbeamten der 15 größern städtischen Gemeinden der Schweiz, nämlich : Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne, St. Gallen, Chaux-de-Fonds, Luzern, Neuchâtel, Winterthur, Biel, Herisau, Schaffhausen, Freiburg und Locle, deren Gesammtbevölkerung 480,388 beträgt, 256 Lebendgeburten, 171 Sterbefölle und 12 Todtgeburten angezeigt worden. Außerdem von auswärts: 10 Geburten, 31 Sterbefälle und 3 Todtgeburten.

Von den Verstorbenen waren 46 im ersten Lebensjahre, außerdem l von auswärts kommend.

An den meist verhütbaren Krankheiten starben 15. Außerdem l von auswärts Gekommener, d. h. welcher seien Wohnsitz in einer ändern Ortschaft hatte. Es starben an Masern 0 ; -- an Scharlach 0; -- an Diphtheritis und Croup 3 (l in Hottingen, l in Wiedikon und l in Luzern") ; -- an Keuchhusten 5 (3 in Genf-Stadt, l in Basel und l in St. Gallen); -- an Rothlauf 0; -- an Typhus 6 (3 in Basel, l in Bern, l in Luzern und l in Freiburg, von Bärfischen kommend) ; -- an infektiösen Kindbettkrankheiten 2 (l in Lausanne und l in Schaffhausen; -- an Darmkatarrh der kleinen Kinder 20 (2 in Außersihl, l in Oberstraß, l in Genf-Stadt, l in Plainpalais, 3 in Basel, 4 in Bern, l in Lausanne, 2 in Chaux-de-Fonds, l in Biel, l in Herisau, 2 in Freiburg und l in Locle). -- 23 Todesfälle sind als Opfer der Lungenschwindsucht angegeben, außerdem 5 Personen, welche von auswärts kamen und also nicht zu der Wohn-

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bevölkerung der Städte gehören ; -- 7 sind infolge akuter Krankheiten der Àthmungsorgane gestorben, außerdem 2 von auswärts ; -- 11 infolge organischer Herzfehler, außerdem l von auswärts; -- 7 an Schlagfluß, außerdem 2 von auswärts; -- infolge Unfall starben 8, außerdem 3 von auswärts; -- durch Selbstmord 3; -- infolge fremder strafbarer Handlung l von auswärts; -- 12 Kinder starben infolge angeborner Lebensschwäche und 4 Greise infolge Altersschwäche, außerdem l von auswärts kommend.

Auf l Jahr und 1000 Einwohner berechnet, ergibt sich für obgenannte Städte eine Totalsterblichkeitsziffer von 18,6 °/oo, für die 4 vorhergehenden Wochen eine solche von 17,8, 19,2, 17,2, 15,5 °/oo.

Morbidität.

Vom 7. bis zum 13. Juli 1889 sind folgende Fälle von ansteckenden Krankheiten angezeigt worden:

  1. Pocken und modifizirte Blattern.

Keine Fälle in den Kantonen und Ortschaften, welche dem eidgenössischen statistischen Bureau Anzeige machten.

2. Masern.

Schaffhausen (Kanton): 2 Fälle in Unterhallau (Klettgau). -- Grpß-ZUrich : 48 Fälle, wovon 14 in Hottingen, 7 in Zürich-Stadt, 7 in Außersihl, 7 in Kiesbach, 6 in Unterstraß, 5 in Oberstraß und 2 in Enge. -- Basel-Stadt: 5 Fälle. -- Ölten: 0. -- Bern: l Fall in der Länggasse. -- Neuenburg (Kanton): l Fall iu-Fleurier und l in Couvet. -- Waadt (Kanton) : 0.

3. Scharlachfieber.

Schaffhausen (Kanton): l Fall in Unterhallau (Klettgau). -- Groß-Zürich: 13 Fälle, wovon 4 in Wiedikon und 3 in Riesbach; die ändern Fälle sind in 5 ändern Ausgemeinden zerstreut. -- Basel-Stadt: 2 Fälle. -- Ölten: 0. -- Bern: 2 Fälle, wovon l in der Lorraine und l im grünen Quartier. -- Neuenburg (Kanton): 3 Fälle in Neuenburg-Stadt und 3 in La Sagne (Corbatière) in derselben Familie. -- Waadt (Kanton) : l Fall in Lausanne.

4. Diphtheritis und Cronp.

Schaffhausen (Kanton): 2 Fälle in Unterhallau (Klettgau). -- Groß-Zürich: 9 Fälle, wovon 6 in Wiedikon, 2 in Zürich-Stadt und l in Oberstraß. -- Basel-Stadt: 4 Fälle. -- Ölten: 0. -- Bern: 0. -- Neuenburg (Kanton): 0. -- Waadt (Kanton): l Fall in Lausanne und l Fall in Essertes.

942 5. Keuchhusten.

Schaffhausen (Kanton): 6 Fälle in Unterhallau und l in Thaingen. -- Groß-Zlirich : 3 Fälle, 2 in Oberstraß und der andere in ünterstraß. - Basel-Stadt: 2 Fälle. -- Ölten: 0. -- Bern: 0. -- Neuenburg (Kanton): 3 Fälle in Neuenburg-Stadt in der gleichen Familie. -- Waadt (Kanton) : 3 Fälle in Bérolles.

6. Varicellen.

Schaffhausen (Kanton): 0. -- Grofi-ZUrich: l Fall in Oberstraß. -- Basel-Stadt: 0. -- Ölten: 0. -- Bern: 0. -- Neuenburg (Kanton): 0. -- Waadt (Kanton): 0.

7. Roseola: O.

8. Rothlauf.

Schaffhausen (Kanton): 0. -- Groß-Zürich: 2 Fälle, der eine in Außersihl, der andere in Riesbach. -- Basel-Stadt: 6 Fälle. -- Ölten: l Fall. -- Bern: 0. -- Neuenburg (Kanton): 0. -- Waadt (Kanton): 0.

9. Cerebrospinal-Meningitis: 0.

10. Typhus.

Schaffhausen (Kanton): l Fall io Wildlingen (Klettgau"). -- Groß-Zürich : 3 Fälle, je l in Außersihl, Hottingen und Riesbach. -- Basel-Stadt: 37 Fälle, wovon 19 in Klein-Base!. -- Bezirk ÖltenGösgen: 5 Fälle in Ölten und l in Wangen S. -- Bern: l Fall in der Lorraine und l im weißen Quartier. -- Neuenburg (Kanton) : ü. -- Waadt (Kanton) : l Fall in Provence.

11. Puerperalfieber.

Schaffhausen (Kanton) : l Fall in Schafi'liausen-Stadt und l in Unterhallau. -- Groß-ZUrich: 0. -- Basel-Stadt: l Fall. -- Bern: 0. -- Neuenburg (Kanton): 0. -- Waadt (Kanton): 0.

In allen obbenannten Ortschaften sind Präventivmaßregeln getroffen worden ; die Anzeige der Fälle beweist überdies, daß die Behörden und Aerzte der Gesundheitspolizei die nöthige Aufmerksamkeit widmen.

Die Anzeigen aus den andern Kantonen werden im Monatsbericht mitgetheilt werden.

Eidg. statistisches BUreau.

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Bekanntmachung.

Die k. k. Landwirthschaftsgesellsohaft in Wien veranstaltet im Jahre 1890 eine allgemeine land- und forstwirthschaftliche Ausstellung, deren Dauer vom 15. Mai bis 15. Oktober, eventuell bis 1. November 1890 festgesetzt ist. Nachstehende Hauptabtheilungen dieser Ausstellung können auch aus dem Auslande beschickt werden : 1) Maschinen und Geräthe für die Land- und Forstwirtschaft und deren Industrien, ferner für Garten-, Obst-, Wein- und Hopfenbau, für Geflügel-, Bienen- und Seidenzucht, für Hunde, Jagd und Fischerei; 2) Hülfsmittel des Wirthschaftsbetriebes, und zwar: Kunstdünger, Handelsfuttermittel, Thierheilmittel u. s. w.; 3) Modelle, Pläne und Zeichnungen, statistische Daten des landund forstwirthschaftlichen Meliorations-, Bau- und Ingenieurwesens, des Unterrichts- und Versuchswesens inkl. Literatur, der Verwendung und Verwerthung der Abfallstoffe und der Approvisionirung von großen Städten.

Für alle Arten von Ausstellungsgegenständen werden Preise im Gesammtwerthe von mindestens 20,000 Gulden vertheilt werden.

Die Anmeldungen zur Betheiligung sind unter Benutzung der vom Generalkomite zu beziehenden Anmeldungsformulare bis längstens 1. September 1889 ,,an das Generalkomite der allgemeinen land- und forstwirthschaftlichen Ausstellung, Wien, I, Herrengasse 13", zu richten.

Weitere Auskunft wird den Interessenten von unterzeichneter Stelle auf Verlangen gerne ertheilt.

B e r n , den 15. Juli 1889.

Schweiz. Landwirthschaftsdepartement.

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Bekanntmachung.

Revision des schweizerischen Zolltarifs.

Die schweizerische Bundesversammlung hat in ihrer letzten Dezembersession folgendes Postulat aufgestellt: ,,Der Bundesrath wird eingeladen, rechtzeitig eine Revision des Zolltarifs anzubahnen und über dieselbe Bericht und Antrag vorzulegen.'1 Um in den Stand gesetzt zu werden, die Vorarbeiten zu dieser Tarifrevision sobald wie möglich beginnen zu können, läßt das unterzeichnete Departement an alle hiebei interessirten Kreise der Industrie, der Landvvirthschaft, des Handels und der Gewerbe die Einladung ergehen, allfällige Begehren um Aenderung einzelner Tarifpositionen mit zudienender, aber kurzer Begründung und bestimmt formulirten Anträgen beförderlichst einreichen zu wollen.

Es wird hiebei bemerkt, daß eine gleichlautende Einladung direkt an die Kantonsregierungen, sovvie an den Vorort des schweizerischen Handels- und Industrievereins, an das Landwirlhschaftsdepartement zu Händen der landwirtschaftlichen Kreise und an den Centralvorstand des schweizerischen Gewerbevereins ergangen ist, welche Behörden und Vorstände in erster Linie daxu berufen erscheinen, daherige Petitionen von Angehörigen des betreffenden Kantons, beziehungsweise der betreffenden Berufsklassen entgegenzunehmen und dieselben in Form einer Kollektivvorlage an die Zollbehörde weiterzuleiten.

Als Schlußtermin für diese Eingaben ist der 31. August 1889 festgesetzt.

B e r n , den 17. April 1889.

Schweiz. Zolldepartement.

Bekanntmachung betreffend Anstellungsgesuche.

Eeproduzirt.

. Veranlaßt durch fortwährend bei ihr anlangende Anstellungsgesuche macht die Oberzolldirektion neuerdings aufmerksam, daß von der zuständigen Behörde keine neuen Stellen ohne dienstliche Nothwendigkeit kreirt werden, und daß somit Anstellungsgesuche nur in diesen Fällen, oder bei Erledigung bereits bestehender

945 Stellen, sofern solche zur Wiederbesetzung gelangen, Berücksichtigung finden können.

Da ferner den Zollgebietsdirektionen das Vorschlagsrecht bei Besetzung von Stellen in den Zollgebieten zusteht, so sind bezügliche Bewerbungsschreiben an die betreffende Zollgebietsdirektion zu richten, wobei der Ausweis über Kenntniß wenigstens zweier schweizerischer Landessprachen zu leisten, das Alter, der Heimathort, sowie die bisherige Beschäftigung des Postulanten anzugeben und ein amtliches Zeugniß über Ehrenfähigkeit und guten Leumund beizufügen ist.

B e r n , den 1. August 1884.

Eidg. Oberzolldirektion.

Inhalt des schweizerischen Handelsamtsblattes.

té 123, vom 13. Juli 1889.

Handelsregistereinträge. Fabrik- und Handelsmarken. Bundesrathsverhandlungen. Programm für die in Zürich am 30. Juli und folgende Tage stattfindenden Prüfungen von Probirerkandidaten.

Waaren-Ein- und Ausfuhr im Mai. Deutscher Text des schweizerischbelgischen Handelsvertrages. Weinausfuhr aus Portugal. Einwanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Situation ausländischer Banken.

JV« 124, vom 16. Juli 1889.

Rechtsdomizile. Handelsregistereinträge. Bilanz der Feuerversicherungsgesellschaft ,,La France" pro 1888. Wochensituation der Emissionsbanken. Französisch-deutsches Uebereinkommen betreffend Zollwesen in den Besitzungen an der Sklavenküste. Uhrenhändler in Warschau. Telegraphenwesen. Situation ausländischer Banken.

As 125, Tom 18. Juli 1889.

Handelsregistereinträge. Fabrik- und Handelsmarken. Bundesrathsverhandlungen.

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1889

Année Anno Band

3

Volume Volume Heft

31

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

20.07.1889

Date Data Seite

939-945

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10 014 487

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