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Schweizerisches Bundesblaft.

32. Jahrgang. II.

Nr. 12.

20. März 1880.

J a h r e s a b o n n e m e n t (portofrei in der ganzen Schweiz): 4 Franken.

E i n r ükungsgebühr per Zeile 15 Bp. --Inserate sind franko an die Expedition einzusenden Druk und Expedition der Stämpflischen Buchdrukerei in Bern.

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Bericht des

Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung, betreffend seine Geschäftsführung im Jahre 1879.

Tit. !

Nach Vorschrift des Artikels 102, Ziffer 16 der Bundesverfassung, haben wir die Ehre, Ihnen hiemit unsern Bericht über die Geschäftsführung im Jahr 1879 zu erstatten.

I. Geschäftskreis des Departements des Innern.

I. Centralverwaltung 1. Referendumsangelegenheiten, eidgenössische Wahlen und Abstimmungen.

Zur Verhütung von Unregelmäßigkeiten, wie solche bei Sichtung der Unterschriften zum Referendumsbegehren über das Bundesgesez vom 22. August 1878, betreffend Subsidien für Alpenbahnen, und schon früherhin konstatirt worden waren, haben wir unterm 2. Mai eine spezielle Verordnung, betreffend Begehren um Volksabstimmung über Bundesgeseze und Bundesbeschlüsse und um Revision der Bundesverfassung, erlassen (Amtl. Samml. n. F. IV, 81). -- Beim Referendumsbegehren gegen das Bundesgesez, betreffend Erhöhung des Eingangszolls von verschiedenen Waarengattungen, wurden Bundesblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

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gleichwohl wieder zahlreiche Unterschriften präsentirt, welche offenbar nicht von den Impetranten selbst herrührten. Hierüber uns auszusprechen, hatten wir bereits in unserm Berichte vom 22. November (Bundesblatt III, 924) Gelegenheit. Alldort haben wir uns auch über die mit Bleistift, statt mit Tinte, beigesezten Unterschriften,, sowie über die Frage geäußert, ob der Stimmfähige seine Unterschrift in Gegenwart des Gemeindevorstandes abzugeben habe, welcher bezeugt, daß der Unterzeichnete in eidgenössischen Angelegenheiten stimmberechtigt sei und seine politischen Rechte in der betreffenden Gemeinde ausübe.

Unsern Bericht, betreffend die eidgenössische Abstimmung vom 18. Mai über die M o d i f i k a t i o n des A r t . 65 der Bundesverfassung, haben wir Ihnen in der Botschaft vom 4. Juni (Bundesblatt II, 850), denjenigen über das Begehren des schweizerischen Volksvereins u m R e v i s i o n d e r A r t . 3 9 u n d 1 2 0 d e r Bundesverfassung mit Vorlage vom 28. November (Bundesblatt III,, 1061) unterbreitet.

Durch Postulat der gesezgebenden Räthe vom 21. August 1878 (Amtl. Samml. n. F. III, 478) waren wir eingeladen worden,, ,,gesezliche Bestimmungen vorzuschlagen, welche den Stimmberechtigten die Möglichkeit der Stimmabgabe in thunlichster Nähe ihres Wohnortes sichern". Diesem Postulate folgte unterm 20. Dez. 1878 von Seite des Nationalrathes die weitere Einladung: ,,bis zur ordentlichen Junisession über die endgültige Festsezung des Textes des e i d g e n ö s s i s c h e n W a h l - und A b s ti m m u n g s ge s ez es (namentlich die Frage der Zulassung gedrukter Stimmzettel) Bericht zu erstatten.a Wir gaben diesen Einladungen in der Botschaft vom 6. Juni (Bundesblatt II, 927) Folge. Durch Schlußnahme vom 19. und 20. Juni haben Sie die ganze Frage der Wahl- und Abstimmungsgesezgebung neuerdings an den Bundesrath gewiesen ,,zur Berichterstattung und Antragstellung über Revision der Bundesgesezgebung, betreffend, eidgenössische Abstimmungen, vom 19. Juli 1872 und 17. Juni 1874." Nachdem der Bundesrath bereits in seiner Botschaft vom 27. November 1877 (Bundesblatt IV, 413) das diesfalls in den einzelnen Kantonen geübte Verfahren an Hand der damals bestehenden kantonalen Geseze und Vorschriften in den Hauptzügen zur Darstellung gebracht hat, erließen wir, um behufs Erledigung der neuerlichen Aufgabe vor Allem aus den gegenwärtigen Stand der bezüglichen Gesezgebungen kennen zu lernen, unterm 10. Juli ein Kreisschreiben an die Kantonsregierungen. Die hierauf gestüzte Berichterstattung und Antragstellung fällt in's laufende Jahr.

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Nach Art. 43 des Bundesgesezes, betreffend die eidgenössischen Wahlen und Abstimmungen, vom 19. Juli 1872 (Amtl. Samml. X, 915), sind die Namen der G e s c h w o r n e n , welche aus irgend einem Grunde diese Eigenschaft verloren haben oder verstorben sind, durch die Kantonalbehörden, welche dem Bundesrath hievon Anzeige zu machen haben, aus dem Verzeichnisse zu streichen, und wenn in Folge der dadurch entstehenden Luke eine Bezirksliste unter 200 Namen herabsinken würde, so hat der Bundesrath die Ergänzung derselben anzuordnen. Mit Zuschrift vom 7. Februar theilte nun der Staatsrath von Tessin mit, von den 232 eidgenössischen Geschwornen, welche der V. eidgenössische Assisenkreis (Tessin und die angrenzenden graubündnerischen Thalschaften Mesolcina und Calanca umfassend) zähle, hätten 36 namentlich aufgeführte, theils infolge Landesabwesenheit, theils aus andern im Art. 37 des citirten Gesezes vorgesehenen Gründen, die Eigenschaft von eidgenössischen Geschwornen verloren, so daß es angemessen erscheine, auf deren Ergänzung Bedacht zu nehmen. Nachdem wir sodann gemäß Art. 43, Lemma 3 des neueren Bundesgesezes über Organisation der Bundesrechtspflege, vom 27. Juni 1874 (Amtl.

Samml. n. F. I, 136), worin der Art. 43 des vorgenannten Bundesgesezes von 1872 eine Abänderung erfahren hat, den Staatsrath von Tessin eingeladen hatten, seine Mittheilung an's Bundesgericht zu richten, und das Präsidium des leztern uns mit Schreiben vom 4. Juli darauf aufmerksam machte, daß die Kantone bei Ergänzung solcher Luken ein abweichendes Verfahren einhalten, nahmen wir zur Aufstellung einer daherigen Norm Veranlassung, welche wir den Kantousregierungen durch Kreisschreiben vom 8. Juli (Bundesblatt III, 93) zur Kenntniß brachten.

2. Organisation und Geschäftsgang der Bundesbehörden.

Anläßlich der Integralerneuerungswahlen für die XI. eidgenössische Amtsperiode (1879--1882) haben wir bezüglich der F o I g e n des Konkurses für das Anstellungsverhältniß e i d g e n ö s s i s c h e r B e a m t e n u n d A n g e s t e l l t e n denjenigen grundsäzlichen Beschluß gefaßt, welcher unter der Abtheilung dieses Berichts ,,Geschäftskreis des Justiz- und Polizeidepartementsa näher ausgeführt ist.

Die Ertheilung von U r l a u b an Bea m t e und A n g e s t e l l t e der eidgenössischen Verwaltung wurde durch Bundesrathsbeschluß vom 21. Februar (Amtl. Samml. n. F. IV, 27), die Frage, betreffend E n t s c h ä d i g u n g f ü r a u ß e r o r d e n t -

l i e h e D i e n s t l e i s t u n g e n von Beamten und Angestellten der Bundesverwaltung, durch Beschluß vom 11. März (Amtl. Samml.

n. F. IV, 43) einheitlich geordnet.

Ueber die V e r w e n d u n g der O r d n u n g s b u ß e n (siehe Geschäftskreis des Post- und Eisenbahndepartements) haben wir uns in der Botschaft vom 2. Dezember (Bundesblatt III, 1024) ausgesprochen.

Der Anfangstermin für G e h a l t s n a c h g e n ü s s e (siehe Geschäftskreis des Finanz- und Zolldepartements) wurde durch Bundesrathsbeschluß vom 27. Dezember einheitlich festgestellt.

An der Stelle des demissionirenden U e b e r s e z e r s im S t ä n d e r a t h : Herrn Dr. G. Courvoisier, Advokat in Neuenburg, wurde unterm 23. Mai gewählt: Herr K a r l V o g t , Advokat in Genf.

Nachdem der bisherige U e b e r s e z e r des D e p a r t e m e n t s auf Ende August entlassen worden war, wurde an dessen Stelle unterm 4. November gewählt: Herr Jules D u b i e d von Couvet (Neuenburg), In Vollziehung der,Postulate, betreffend V e r m i n d e r u n g der D r u k k o s t e n in der g e s a m mt e n d e r w a l t u n g (Amtl. Samml. n. F. Ili, 113 und 335), haben wir unterm 31. Januar folgende Schlußnahmen gefaßt: I . A l l g e m e i n e V e r w a l t u n g (Bundeskanzlei).

  1. Botschaften des Bundesraths über Angelegenheiten, welche kein allgemeines Interesse haben, sind der Bundesversammlung fortan nicht mehr im Druk vorzulegen.
  2. Die Beilagen zum Bundesblatt sollen künftighin, mit Ausnahme der Zollübersichtstabellen und der Staatsrechnungen, wegfallen.
  3. Falls Departemente ihre Vorlagen an den Bundesrath von sich aus druke lassen, hat dies in der Regel in denjenigen Offizinen zu geschehen, welche den Druk des Bundesblattes besorgen, damit für dieses der erste Saz nicht verloren gehe.

II. M i l i tär d e p a r t e m e n t.

4) Die Gratisverabfolgung der Réglemente, Ordonnanzen, Formularien u. s. w., namentlich der Ordonnanzen, ist wieder zu beschränken. Mit den Formularien ist im Interesse von Ersparnissen haushälterischer umzugehen, und es sollen auf den

Waffenpläzen verschließbare, zwekdienliche Schränke erstellt werden, wo solche fehlen. Bei den Zirkularen sind kleinere Auflagen zu autographiren, nicht zu druken.

5) Beim Erlaß eines definitiven Verwaltungsreglements ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die große Menge von speziellen Verordnungen u. s. w. beseitigt und wo möglich eine Vereinfachung des Geschäftsbetriebs selbst erzielt werde.

III. D e p a r t e m e n t d e s H a n d e l s u n d d e r Landwirthschaft.

6) Das eidgenössische Seuchenbülletin soll, wie dies übrigens bereits seit 1. Januar 1878 geschieht, nur alle Monate erscheinen, sofern nicht das Auftreten bedeutenderer Seuchen die Veröffentlichung desselben in kürzern Zwischenräumen erheischt (dießfällige jährliche Ersparniß Fr. 500--700).

IV. P o s t - und E i s e n b a h n d e p a r t e m e n t .

7) Der Bundesrath nimmt Vormerk, daß von diesem Departement, außer den bereits erzielten, noch andere Ersparnisse in den Druk- und Lithographie-Arbeiten der Postverwaltung in Aussicht gestellt werden.

8) In der Auswahl des von der Abtheilung ,,Eisenbahn wesena zu veröffentlichenden Stoffes hat größere Beschränkung einzutreten.

Des Weitern wurde 9) Das D e p a r t e m e n t des I n n e r n eingeladen, zu untersuchen, ob behufs Erzielung weiterer Ersparnisse a. die Druk- und Lithographie - Arbeiten in sämrntlichen Zweigen der Bundesverwaltung jeweilen für ein Jahr zur Konkurrenz ausgeschrieben werden sollten; b. das dafür erforderliche Papier vom Bunde, resp. von der Bundeskanzlei (Drukbüreau) zu beschaffen sei.

Das Post- und Eiseribahndepartement hatte diese beiden Punkte, soweit dieselben sein Ressort betreffen, ebenfalls zu begutachten.

Nach einläßlicher Berichterstattung beider Departemente gelangten wir unterm 6. Februar laufenden Jahres zu der Schlußnahme, es sei unsern vorgenannten zwei Postulaten keine weitere Folge zu geben.

3. Bundeskanzlei.

Der Bundesrath hielt im Jahr 1879 128 Sizungen und erledigte 7145 Geschäftsnummern, während im Jahr 1878 6903 und im Jahr 1877 6907 zu erledigen waren. Die Zahl der Geschäfte wäre noch erheblich größer geworden, wenn nicht durch eine bundesräthliche Schlußnahme vom 13. Januar 1875 eine Reihe von Gegenständen der Kanzlei zugewiesen worden wäre, welche früher bis zum Jahr 1875, freilich in sehr ungeeigneter Weise, vom Bundesrathe selbst erledigt wurde. Dahin gehören nämlich alle gerichtlichen Vorladungen, Intimationen u. s. w., welche bis dahin das bundesräthliche Protokoll angeschwellt hatten. Diese Zuscheidung hat nun allerdings der Kanzlei einen wesentlichen Geschäftszusaz gebracht, wie aus folgender Darstellung zu entnehmen ist : "o11) Gerichtliche Eröffnungen waren zu bestellen: für Frankreich 427, Oesterreich 25, Deutschland 13, Rußland 7, total 472.

2) Militärvorladungen waren zu bestellen: für Frankreich 507, Oesterreich 130, total 637.

3) Civilstandssachen waren zu befördern: im Ganzen 6228.

4) Strafurtheile : 746.

Im Ganzen waren somit 8083 Aktenstüke verschiedenen Inhalts an ausländische Behörden zu befördern und beziehungsweise deren Vernehmlassungen entgegenzunehmen und wieder an die reklamirenden Behörden zurükzuschiken.

Der Stand der von der Bundeskanzlei zu führenden P r o t o k o l l e und Kontrolen ist ein befriedigender. Die Nachtragung der Rükstände war aber nur darum möglich, weil im laufenden Jahr noch keine außerordentliche Session der Bundesversammlung stattfand.

Mit aller Entschiedenheit muß auf eine wenigstens kleine Vermehrung des Kanzleipersonals Bedacht genommen werden, indem dieses gegenwärtig mit Arbeit wirklich überladen ist. Es kann in der That nicht angehen, daß das Personal der Bundeskanzlei gegenwärtig und nach der Geschäftsvermehrung durch die jezige Bundesverfassung, der Zahl nach, noch ganz dasselbe sei, wie vor dem Jahr 1874. Zur Bewältigung der Geschäfte mußte denn auch zeitweilige außerordentliche Aushülfe beigezogen werden.

Die R e g i s t r a t u r und die D r u k a r b e i t e n wurden mit bewährter Gewissenhaftigkeit besorgt.

Was speziell die besorgten D r u k s a c h e n betrifft, so wurden vom Bundesblatt, welches in 3 Bänden 2031/ deutsche und 1903/

französische Drukbogen und eine Menge Beilagen enthält, 1925 abonnirte und 865 Gratis-Exemplare, zusammen 2790 Exemplare ausgegeben. Vom IV. Bande der neuen Folge der Gesezsammlung sind 28 5/8 deutsehe,23s französische und 227/s italienische, von der Eisenbahnaktensammlung12s deutsche und122 französische Bogen zum Druk gelangt. Die Gesammteinnahmen für Druksachen beziffern sich auf Fr. 10,895. 70, die Ausgaben auf Fr. 98,329. 10.

Rechnet man aber die auf dem Bundesblatt durch mehrfache Sazbenuzung gemachten Ersparnisse zu den Einnahmen hinzu, so erscheinen diese entsprechend höher (Fr. 21,754. 15).

Im Ganzen waren das lezte Jahr 4152 L e g a l i s a t i o n e n auszuführen; die Einnahme belief sich auf Fr. 1833. 50; GratisLegalisationen nach Maßgabe des Gesezes wurden 1094 ertheilt.

Vom K a n z l e i p e r s o n a l sind im Geschäftsjahre mit Tod abgegangen: am 19. Februar der Kanzlist Hr. Heinrich Bauert, von Grüningen (Zürich), angestellt gewesen seit 21. November 1865, und am 9. Oktober: Herr Ferdinand Girard et, von Bôle (Neuenburg), gewesener Uebersezer seit dem 1. November 1841. Wegen fortdauernder Krankheit mußten als ausgetreten betrachtet werden die Kanzlisten : Herren Johann Mollet von Balm (Solothurn) und Gottlieb Häusler von Lenzburg. Freiwillig ausgetreten ist der Kanzlist: Herr Alexis Maridor, von Fenin (Neuenburg).

Zur Ergänzung der Fehlenden haben wir folgende Wahlen getroffen: Zum K a n z l e i s e k r e t ä r für den zum Vicekanzler beförderten Herrn Dr. Gisi wurde am 29. April 1879 gewählt: Herr Hans S c h a t z m a n n von Windisch (Aargau), gewesener Gerichtspräsident in Aarau. Zu K a n z l i s t e n wurden gewählt und zwar am 10. April 1879: die Herren G i s i g e r , Hermann, von Selzach (Solothurn); D u b o i s , Charles, von Renan und Chaux-de-Fonds, und F al l e r, Karl, von Kammersrohr (Solothurn).

4. Archive und Münzsammlung.

Aeltere Abschiede. Die Amtliche Sammlung der älteren Abschiede, an deren Erstellung seit 27 Jahren gearbeitet wird, ist bekanntlich zum größten Theil der Oeffentlichkeit übergeben, und zur Zeit sind nur noch die Zeiträume 1541--1555 und 1681--1712 nebst dem Supplement zum ganzen Werk im Ausstande. Im Berichtjahr haben auch diese Theile erhebliche Förderung erfahren.

  1. Das schon im Vorjahre bis zur lezten Revision zugerüstete Manuskript von Band VI, 2 (1681--1712) ist im Februar, resp.

März des Berichtjahres in der Offizin Wyß, Eberle & Cie. in Einsiedeln zum Druke gelangt und die Arbeit mit 72 Bogen bis in den Monat September 1695 fortgeschritten. Im gegenwärtig laufenden Jahr wird mindestens der Haupttext fertig werden und dann im Jahr 1881 mit Vollendung des Drukes der Vogteiangelegenheiten, der Beilagen und des Anhangs nebst Register die Veröffentlichung in zwei Abtheilungen, da der große Umfang (wohl über 300 Bogen) eine Theilung behufs größerer Handlichkeit nöthig macht, erfolgen können. Die Drukarbeit wird sauber und mit aller Sorgfalt Seitens der Offizin ausgeführt. Redaktor des Bandes ist bekanntlich Herr Kanzleidirektor Kälin in Schwyz.

2. Der Zeitraum 1541--1555 wird in zwei Bänden zur Darstellung kommen, deren erster als IV. 1. d die Jahre 1541--1548 umfaßt und schon in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres unter die Presse gelangen wird, nachdem vorher der Bearbeiter, Herr Fürsprech Deschwanden in Stans, die einschlägigen Aktenbestände einiger Archive, die jezt noch im Rükstande sind, für die Arbeit verwerthet und die lezte Revision des Gesammtmanuskripts besorgt hat. Im Berichtjahr sind die Akten von 16 Archiven herbeigezogen und verarbeitet worden.

Für den zweiten Band (IV. 1. e, Jahre 1549--1555) liegt zwar aus dem Nachlaß des frühern Redaktors, Dr. Krütli, auch schon ein Stük Manuskript vor; da dasselbe aber lediglich die Kopie des vor mehreren Dezennien durch den damaligen Vorstand des Luzerner Staatsarchivs zu andern Zweken angefertigten Repertoriums der dort befindlichen Abschiede ist und in keiner Weise in den jezigen Rahmen des Abschiedewerkes paßt, so gedenkt Herr Deschwanden, es ganz zu ignoriren und die Arbeit vollkommen neu aus den Originalen zu erstellen. Bis dahin konnte hiefür aber noch nichts gethan werden, so lange die Bände IV. 1. c und IV. 1. d die volle Thätigkeit des Redaktors in Anspruch nahmen, und es wird die Anhandnahme wohl erst im Laufe des nächstkommenden Jahres erfolgen.

3. Die Arbeit für das S u p p l e m e n t konnte in dem Berichtjahr wegen Krankheit des Redaktors, die diesen auf längere Zeit jeder Thätigkeit entzog, nicht in so erheblichem Maße wie in den Vorjahren gefördert werden. Immerhin aber ist ein gutes Stük Manuskript zu Stande gekommen, wofür hauptsächlich die Archive von Zürich, Luzern, Schwyz, Nidwaiden, Freiburg, Tessili und Waadt das Material lieferten. Der Zeit nach fallen die neuen Redaktionen vorwiegend iu's 14. bis 16. Jahrhundert.

Repertorium 1803--1813. Bereits im vorjährigen Geschäftsbericht ist darauf hingewiesen worden, daß und warum die Umarbeitung der ersten Ausgabe dieses' Repertoriums langsam vorrüke.

Immerhin konnte damals als Jahresresultat die Neubearbeitung von 57 Paragraphen gemeldet werden. Leider ist das Ergebniß aus dem Berichtjahr ein noch viel ungünstigeres, indem während desselben die Arbeit in Folge anderer, viel dringenderer amtlicher Thätigkeit des Redaktors (Kaiser) und späterhin wegen eingetretener Ei-krankung desselben gänzlich unberührt blieb. Es ist das um so bedauerlicher, als voraussichtlich auch das gegenwärtige Jahr kein günstiges für dieses Unternehmen sein wird.

Helvetische Aktensammlung. Mit bekannter Ausdauer und Produktivität hat der Bearbeiter dieser Aktensamrnlung, Herr Staatsarchivar Dr. Strickler in Zürich, das Unternehmen gefordert. Das Ergebniß im Berichtjahr beziffert sich auf zirka 85 Drukbogen ausgearbeiteten Manuskripts, das die Monate Oktober bis Dezember 1798 umfaßt. Damit ist für das erste Jahr der Helvetik, soweit es den staatsrechtlichen Theil betrifft, die Redaktionsarbeit der Hauptsache nach fertig; es bleiben nur noch einige wenige Materien nachzuholen, wie z. B. die Angelegenheit der Aufhebung der Feudallasten und die Organisation des obersten Gerichtshofes, deren Behandlung durch die gesezgebenden Räthe stükweise und in weit auseinander liegenden Zeitpunkten erfolgte, die aber für die gegenwärtige Aktensammlung in übersichtlicher Zusammenfassung zu bearbeiten und als ein Ganzes darzustellen sind. Aus diesem Grunde wurde deren Redaktion einstweilen bis zu dem Zeitpunkte verschoben, wo der endliche Abschluß durch die Gesezgeber eintrat, d. h. das fertige Gesez vorliegt. -- Im Fernern hat Herr Strickler auch bereits in das Jahr 1799 hinüber gegriffen und einige Vorarbeiten für die Monate Januar und Februar gemacht. Im -gegenwärtig laufenden Jahr glaubt er die Arbeit bis in den Monat Mai 1799 fortführen zu können. An die Druklegung wird man indeß erst gehen, wenn das Manuskript fertig vorliegen wird bis zum Zeitpunkt des ersten sog. Staatsstreichs, d. h. 7. Januar 1800; mit diesem Datum tritt die Helvetik in eine neue Phase ein. -- Die Größe der Arbeit und der Umstand, daß Herr Strickler einstweilen nur die Mußestunden, welche seine amtliche Stellung ihm übrig läßt, derselben widmen kann, dienen zur Entschuldigung, daß das Unternehmen vielleicht weniger schnell, als man wünschen möchte, fortschreitet.

Abschriftensammlung aus dem venetianischen Staatsarchiv. Dieses Unternehmen, für das zum ersten Mal im Jahr 1876 ein Kredit von Fr. 1000 durch die Bundesversammlung bewilligt worden ist, hat

10 im Berichtjahr mit Einlieferung von 33 neuen Bänden den völligen Abschluß innert dem Rahmen des hiefür aufgestellten Programms, das die Arbeit auf die Depeschen der venetianischen Gesandten in der Schweiz an ihre Regierung einschränkte, erhalten. Der Zeitraum, den diese neuen Bände umfassen, 1512--1795, markirt zugleich den Anfangs- und Schlußpunkt der ganzen Sammlung, die nicht über 1512 zurük und nicht über 1795 hinaus reicht, zwischen hinein aber viele Luken aufweist aus Jahren, während welcher Venedig in der Eidgenossenschaft keine diplomatische Vertretung hatte; die Depeschenserie beginnt eigentlich erst mit dem Jahr 1603, der Gesandtschaft J. B. Padavino's zur Abschließung eines Bündnisses mit Graubünden. Herr Archivar Dr. Kaiser wird späterhin einen ausführlichen Spezialbericht über diese Aktensammlung erstatten, die ein höchst werthvolles Material für unsere Landesgeschic'nte enthält; einstweilen beschränken wir uns auf die Bemerkung, daß die ganze Sammlung in ihrem nunmehrigen Bestände 96 Bände umfaßt und den sehr mäßigen Kostenaufwand von Fr. 8300 erfordert hat. Dem Herrn Konsul Ceresole in Venedig, der das Unternehmen anregte und dessen Ausführung leitete, haben wir für seine uneigennüzige Bethätigung unsern besondern Dank ausgesprochen.

Strickler'sche Aktensammlung aus der Reformationszeit. Hievon ist im Berichtjahr der zweite Band in einer Stärke von 51 Va Bogen, umfassend die Jahre 1529 und 1530, im Druke erschienen und in der subskribirten Anzahl (50 Exemplare) gegen Entrichtung des Abonnementspreises von Fr. 650 an das Bundesarchiv abgeliefert worden. Ueberdies wurde der Druk von Band III, der das Jahr 1531 enthalten wird, begonnen und bis zum 22. Bogen (Monate Januar bis Juni) gefördert, so daß das Erscheinen dieses Bandes im gegenwärtig laufenden Jahr unzweifelhaft ist, während auch das Manuskript zum vierten (Schluß-) Band der Hauptsache nach fertig vorliegt.

Bundesarchiv. Nachdem schon gegen Ende des Vorjahres die Ablieferung der Akten der IX. Amtsperiode (1873/75) Seitens einzelner Registraturen und Amtsstellen an's Bundesarchiv erfolgt war und auch bereits die archivalische Sichtung und Einordnung den Anfang genommen hatte, ist die Fortführung dieser Arbeit seither das Hauptpensum des Archivariats geblieben. In das Bundesarchiv gelangten überdies vom Finanzdepartement die Belegbände zu der eidg. Staatsrechnuag aus den Jahren 1871--1875, die Akten der Wiener Weltausstellung von 1873, die Referendums- und Abstimmungsverbale über eidg. Geseze im Jahr 1879, die Staatsverträge,

11 Kaufsurkunden u. dgl. aus dem Laufe des Berichtjahres. Sodann ist von der schweizerischen Gesandtschaft in Paris deren Archiv aus den Jahren 1826 -- 1860 in 32 Bänden und 15 Aktenfascikeln an das Bundesarchiv abgeliefert und dort aufgestellt worden, während hinwieder die Belegbände zur Linthrechnung seit 1861 an das Lintharchiv in Glarus zu bleibender Aufbewahrung daselbst aushingegeben worden sind.

Was die Benuzung des Archivs betrifft, so betrug die Zahl der edirten Akten 3510, wovon am Schluß des Jahres noch 1305 Nummern ausstanden.

Schließlich bleibt noch der Urlaub zu erwähnen, der wegen schwerer Erkrankung dem Archivar für sechs Monate ertheilt wurde und wovon zwei auf das Berichtjahr entfallen.

MUnzsammlung. Die eidg. Münzsammlung hat im Berichtjahr einen Zuwachs von 54 Stüken erhalten . wovon 4 in Gold, 38 in Silber, 3 in Billon, 9 in Kupfer und Bronze. Von diesen 54 Stüken fallen 22 in die Dubletten. Der Gesammtmetallwerth beträgt Fr. 184. 45, während der bezahlte Kaufpreis sich auf Fr. 546. 60 belauft. Unter den erworbenen Stüken sind einige von großer Seltenheit; dahin gehören das Berner Dreidukatenstük, der Haldensteiner Goldgulden, die beiden Bellenzer Münzen, die Diken von Sitten und Freiburg. Ein Abgang aus der Sammlung hat im Berichtjahr nicht stattgehabt, und es beträgt nun auf 31. Dezember 1879 der Totalbestand der Sammlung mit Inbegriff / der Dubletten 5360 Stüke mit einem Metallwerth von Fr. 15,355. 75.

5. Bibliothek.

Die Bibliothek erfreut sich fortwährend einer ziemlich lebhaften Benuzung. Es wurden, die zahlreichen Naehschlagungen nicht mitgerechnet, im Ganzen 843 Bände ausgeliehen, von denen am Jahresende noch ungefähr 200 ausstanden. Ueber den Zuwachs im Allgemeinen gibt das neu erschienene Katalogsupplement, die Jahre 1877--1879 umfassend, nähern Aufschluß. Von den übrigens in steter Abnahme begriffenen Büchergeschenken ist besonders die von der französischen Regierung als Austausch übermittelte Gesezsammlung von Frankreich von 1789 bis 1878, bei 200 Bände, besonders hervorzuheben. Nachdem durch Räumung der Kunstsäle weitere Lokale verfügbar geworden sind, ist es nun auch möglich, der Bibliothek, welche bisher in verschiedene Zimmer vertheilt untergebracht war, im Bundesrathhaus ein größeres Lokal anzuweisen,

12 wo sie als Ganzes vereinigt der Benuzung wieder zugänglicher ist. Nachdem die Lokalfrage definitiv geordnet sein wird, kann der Bibliothek auch eine rationelle Ergänzung und Ausgestaltung gegeben werden.

II. Vollziehung der Bundesverfassung und eidgenössischer Geseze.

  1. Primarunterricht.

Der Art. 27 der Bundesverfassung verpflichtet die Kantone, für genügenden Primarunterricht zu sorgen, und bestimmt, daß dieser Unterricht obligatorisch und in den öffentlichen Schulen unengeltli sein soll. Zur Einführung der Unentgeltlichkeit des öffentlichen Primarunterrichts ist den Kantonen durch Art. 4 der Uebergangsbestimmungen der Bundesverfassung eine Frist von 5 Jahren eingeräumt. Diese Frist war mit dem 29. Mai abgelaufen. Mit Rüksicht auf Reklamationen, welche von diesem Tage an gegen Bezug von Schulgeld bei uns einlaufen könnten, erachteten wir es als unsere Pflicht, die Kantone mit Kreisschreiben vom 30. April hierauf aufmerksam zu machen und damit die Einladung zu verbinden, uns bis Ende des Monats Mai über den Vollzug der genannten Vorschrift Bericht zu erstatten. Nachdem mit dem 14. Juli die daherig Berichtgabe allseitig erfolgt war, konnten wir konstatiren, daß die U n t e n t g e l t l i c h k e i t des ö f f e n t l i c h e n P r i m a r u n t e r r i c h t s nunmehr thatsächlich in allen Kantonen besteht.

Unsern Beschluß i m R e k u r s f a l l d e r K i r c h - u n d S c h u l g e m e i n d e k a t h o l i s c h D i e t i k o n gegen den Regierungsrath von Zürich, betreffend Vereinigung der beiden Primarschulen von katholisch und reformirt Dietikon (Bundesblatt III, 237), haben wir Ihnen in der lezten Dezembersession vorgelegt und es harrt derselbe noch der weitern Behandlung.

Unterm 23. Dezember 1878 hatten wir die Regierungen von Luzern und Appenzell I.-Rh. eingeladen, die in den Berichten der Experten: HH. Ständeräthe Birmann und v. Tschudi, betreffend die d u r c h L e h r s c h w e s t e r n g e l e i t e t e n P r i m a r s c h u l e n vergl.

unsern Geschäftsbericht pro 1878, Bundesblatt 1879, II, 171), namhaft gemachten Punkte zu prüfen und über die von ihnen diesfalls zu treffenden Abhilfemaßregeln Bericht zu erstatten, damit wir die obschwebenden Rekurse von Buttisholz, Ruswyl und Eggerstanden

13 abschließlich entscheiden könnten. Die Regierung von Luzejn ist dieser Einladung unterm 4. März 1879 nachgekommen, während von der Regierung von Appenzell I.-Rh., einer ganzen Serie von Mahnungen ungeachtet, ein Bericht erst am 10. November einlangte.

Die sodann folgende Bundesversammlung hinderte die Anhandnahme der Angelegenheit, deren Erledigung durch den Bundesrath in's laufende Jahr fallen wird.

Eine gleiche Verzögerung erlitt die Behandlung des Berichts und Oesezesentwurfs des Departements, betreffend A u s f ü h r u n g d e s Art. 27 der B u n d e s v e r f a s s u n g , soweit derselbe auf den Primarunterricht Bezug hat, aus dem Grunde, weil die Kantone Neuenburg und Appenzell I.-Rh. vor Jahresschluß ihre durch Kreisschreiben vom 27. Mai 1878 diesfalls erbetenen Bemerkungen, wiederholter Rechargen ungeachtet, noch nicht zu unserer Kenntniß " gebracht ö o ' hatten.

Die im Verlauf des Sommers in Luzern stattgehabte c e n t r a l sch w e i z e r i s eh e K u n s t - und G e w e r b e a u s s t e l l u n g , mit welcher auch eine A b t h e i l u n g für das S c h u l w e s e n verbunden war, gab uns Veranlassung, den Stand des Primarschulwesens der innern Schweiz, soweit dies auf diesem Wege möglich, einer Prüfung zu unterziehen. Auf unsere Einladung hin wurde dieselbe durch den bewährten Fachmann Herrn Dr. H. Wettstein, zürcherischer Seminardirektor in Küßnacht, vorgenommen, der als Mitglied der internationalen Jury bei der Weltausstellung in Paris vom Jahre 1878 auch Berichterstatter über das Primarschulwesen war. Diesen Bericht, dem ein Spezialbericht der Fräulein Seline Strickler, Arbeitslehrerin in Winterthur, über die Ausstellung der weiblichen Arbeitsschulen beigegeben ist, ließen wir in einer Auflage von 1000 Exemplaren druken und vertheilten denselben an die Erziehungsdirektionen sämmtlicher Kantone und an den schweizerischen Lehrerverein. -- Aus dem genannten Berichte glauben wir an dieser Stelle die nachstehende allgemeine Betrachtung mit dem Bemerken mittheilen zu sollen, daß wir derselben anläßlich unserer Berichtgabe über Ausführung des Art. 27 der Bundesverfassung weiter zu gedenken beabsichtigen : ,,In keinem Fall ist es für einen Staat, zumal für einen demokratisch-republikanischen Staat, vom Guten, wenn unter verschiedenen Theilen seiner Bevölkerung sich allzu schroffe Gegensäze der Bildung eutwikeln ; denn es wird dadurch fast zur Unmöglichkeit, daß sich diese Bevölkerungstheile bei den ernstesten Fragen verstehen. Ein friedliches Zusammenleben und auf gemeinsame Ziele hingerichtetes "Wirken wird in hohem Maße beeinträchtigt. Diese Ueberzeugung

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allein schon sollte den Bund dazu führen, sich in erster Linie eine klare Einsicht in den Stand der Volksbildung in den verschiedenen Theilen der Eidgenossenschaft zu verschaffen. Wie soll er sich ohne das darüber klar werden, ob überall der Primarunterricht den Forderungen der Bundesverfassung entspreche ? Diese Einsicht kann aber nur gewonnen werden durch eine einheitliche Inspektion ; denn Rekrutenprüfungen und Ausstellungen werden immer nur ein lükenhaftes und unsicheres Resultat liefern.tt Zu der vom 14. bis 20. Juli in L a u s a n n e stattgehabten S c h u l a u s s t e l l u n g schikten wir auf das Gesuch des leitenden Ausschusses der Lehrerschaft der französischen Schweiz, uns bei der Ausstellung zu betheiligen, den von Herrn Prof. Kinkelin in Basel ausgearbeiteten Atlas über das schweizerische Schulwesen ein, welcher 1878 bereits in Paris ausgestellt war und sich seither zu gleichem Zweke in der permanenten Schulausstellung in Zürich befand.

Was die Frage der p e r m a n e n t e n S c h u l a u s s t e l l u n g e n betrifft, so. haben Sie uns bei der Büdgetberathung für das laufende Jahr eingeladen, Ihnen hierüber, sowie über die Subventionirung dieser Institute durch den Bund Bericht und Antrag zu hinterbringen (Amtl. Samml. n. F. IV, 401).

Aus diesem Grunde enthalten wir uns an diesem Orte weiterer bezüglicher Ausführungen und verweisen auf denjenigen Spezialbericht, welchen wir Ihnen zu erstatten die Ehre haben werden. Lediglich einen Punkt wollen wir hier berühren: Mit Zuschrift vom 3. Juni machte uns die permanente Schulausstellung in Zürich die Mittheilung, daß die Lehrerschaft der Ostschweiz schon oft ihr Bedauern darüber kundgegeben habe, daß ihr die eidg. Kartenwerke nicht unter denselben billigen Bedingungen zugänglich seien, wie z. B. dem Militär. Mit dem Gesuche um eine daherige Preisermäßigung wurde die Offerte verbunden, es wolle die permanente Schulausstellung in Zürich innert zu bestimmenden Grenzen den Verlag jener Werke und deren Vertrieb an die Lehrer^chaft übernehmen. Grundsäzlich mit dieser Anregung einverstanden, berichtigten wir vorerst das Mißverständniß, welches darin, lag, es befinden sich die Militärpersonen beim Ankauf der eidg.

Kartenwerke in einer bevorzugten Stellung. In Wahrheit besteht nämlich schon seit Langem für das Militär der gleiche Preis wie für Jedermann. -- Dem fraglichen Gesuche konnte darum nicht sofort entsprochen werden, weil der Kartenverkauf durch Vertrag, mit der Buchhandlung Dalp in Bern geregelt ist. Immerhin ersuchten wir die Schulausstellung in Zürich, uns vorläufig die

15 ungefähre Zahl derjenigen Kartenwerke anzugeben, welche von der Lehrerschaft während eines Jahres verlangt werden dürften. Das Vorgehen von Zürich hatte unterm 5. September eine gleichartige Eingabe der permanenten Schulausstellung in Bern zur Folge.

Diesen löblichen Bestrebungen gegenüber waren wir im Falle, die Erklärung abzugeben, daß, wenn der Bund, was beabsichtigt werde, seinen Kartenwerken eine größere Verbreitung geben wolle, dieses, ohne große finanzielle Einbuße, zu ermäßigtem Preise nur durch eine Ueberdrukausgabe möglich sei, deren Anlage und Ausführung erst noch studirt werden müsse. Die Prüfung dieser Art der Kartenvermehrung wurde zwar vom eidg. Stabsbüreau bereits im Juni an die Hand genommen ; es konnte aber diese Neuerung, welche eine völlige Umgestaltung in der Erstellung und Verwaltung nöthig macht, während der Erkrankung des Chef des Stabsbüreau nicht gefördert werden und es wird dieselbe, nach dessen Tod, nun wohl noch längere Zeit suspendirt bleiben müssen.

Bereits in unserm Geschäftsbericht pro 1875 stellten wir die Vollendung der auf sieben Bände (Theile) veranschlagten s c h w e i zerischen S c h u l s t a t i s t i k durch Herrn Prof. Kinkelin in Basel in nahe Aussicht. Theils durch Krankheit, theils durch anderweitige Inanspruchnahme des Verfassers wurde indessen die Fertigstellung dieser Arbeit immer wieder verzögert. Aus dem von Herrn Kinkelin erstatteten Bericht ergibt sich folgender Stand der Sache: Die Gesezgeb.ung übet die Primär- und Sekundärschulen ist bis zum 30. Juni 1875 fortgeführt; die Tabellen über das Primarschulwesen sind publizirt ; das Gleiche ist der Fall mit der Darstellung der Lehrer' bildungsanstalten und der Statistik der Bilduugsvereine. Die Tabellen über die Armenerziehungsanstalten sind gedrukt, aber noch nicht publizirt, diejenigen über die Sekundärschulen im Manuskript vollendet und von den kantonalen Erziehungsdirektionen eingesehen, ebenso die Darstellung der Schulen dritter Stufe. Zusammengestellt sind sodann die Privatschulen und eine Abtheilung der Spezialschulen, sowie endlich ein Theil der Universitäten. Nachdem die Theile I, II und V bereits fertiggestellt sind, sollen im laufenden Jahr die Theile HI und IV zum Abschluß und zur Versendung kommen.

Die Frage t a b e l l a r i s c h e r Z u s a m m e n s t e l l u n g der S c h u l b e r i c h t e wird im laufenden Jahr behandelt werden.

Im Interesse einer bessern Erreichung der durch die a l l j ä h r liche p ä d a g o g i s c h e P r ü f u n g u n d d i e sanitarische Unters u c h u n g der R e k r u t e n in Aussicht genommenen Ziele hielten wir es für geboten, daß die beiden Fragen einer besondern sorgfältigen Untersuchung unterstellt würden. Das Departement, in

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dessen Ressort das Schulwesen und das civile Gesundheitswesen fallen und das auch durch die Aufgabe, welche das eidg. statistische Bureau bezüglich der pädagogischen Prüfung und der sanitarischen Untersuchung jeweilen zu erfüllen hat, an der Angelegenheit sehr betheiligt ist, wirkte darum speziell bei denjenigen Konferenzen vom 23. Mai und 24. Juni mit, welche die Berathung eines neuen Regulativs für die Rekrutenprüfungen zum Gegenstande hatten.

Den weitern Verlauf dieser Frage siehe unter ,,Geschäftskreis des Militärdepartements."

2. Freizügigkeit der Personen, welche wissenschaftliche Berufsarten ausüben; Medizinalprüfungen.

Mit Eingabe vom 10. Januar führte ein ini Kanton Bern praktizirender Arzt darüber Beschwerde, daß er für das Arztpatent, welches ihm unterm 17. Juli 1878 ausgestellt worden, eine Gebühr von Fr. 100 habe erlegen müssen. Rekurrent sfüzte sich darauf, daß er im Besiz eines von der Prüfungskommission für das Medizinalkonkordat vom 2. August 1867 (Amt!. Samml. IX, 98) ausgestellten Diploms sei, und daß laut diesem Konkordat, welchem auch der Kanton Bern beigetreten, die betreffenden Kantone nicht befugt seien, für die Bewilligung zur A u s ü b u n g des ä r z t l i c h e n Ber u f e s e i n e b e s o n d e r e G e b ü h r zu beziehen (Art. l, Lemma 2 des citirten Konkordates), wie dies übrigens die Regierung von Bern in einem Kreisschreiben an ihre Regierungsstatthalter vom 16. Juni 1868 selbst anerkannt habe. In ihrer Vernehmlassung stellle die Regierung von Bern darauf ab, daß das Konkordat, sowie ihr hierauf bezügliches Kreisschreiben als durch das Bundesgesez vom 19. Dez.

1877, betreffend Freizügigkeit des schweizerischen Medizinalpersonals {Amtl. Samml. n. F. ÏÏI, 379), aufgehoben zu betrachten seien, daß somit der bernische Emolumententarif vom 18. Dezember 1865 auch für die Aerzte wieder in Kraft bestehe. Denn es wäre nicht gerechtfertigt, länger von einer Patentgebühr für die Aerzte Umgang zu nehmen, während allen übrigen wissenschaftlichen Berufsarten eine solche auferlegt sei. Die Patentgebühr sei nicht zu verwechseln mit der Examenarebühr, welche durch Art. 6 des neuen BundesO > 'gesezes vorgeseheo, aber nur zur Honorirung der Prüfungsexperlen bestimmt sei.

Durch Kreisschreiben vom 17. Februar veranlaßten wir sodann zunächst einen Bericht darüber, ob auch in anderen Kantonen für die Ertheilung eines Patents zur Ausübung der ärztlichen Praxis Gebühren gefordert werden und eventuell welche? Es stellte sich folgendes Resultat, heraus :

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  1. Es werden keine besondern Patente verabreicht und keinerlei ·Gebühren bezogen von den Kantonen : Luzern, Uri, Obwalden, Nidwaiden, Glarus, Solothurn, Baselstadt, Baselland, Schaffhausen, Appenzell A.-Rh., Appenzell I.-Rh., St. Gallen, Graubünden, Aargau (die Uebernahme einer öffentlichen Apotheke ist von der Ertheiluug einer Konzession durch den Regierungsrath und von der Bezahlung «iner einmaligen Konzessionsgebühr von Fr. 25--50 abhängig") und Thurgau.
  2. Besondere Patente oder die einfache Bewilligung zur BeTufsausübung stellen aus, jedoch kostenfrei, die Kantone: Schwyz und Genf; -- gegen Bezahlung einer geringern Kanzleigebühr die Kantone: Zürich (Arzt und Apotheker Fr. 6; für Errichtung einer neuen eigenen Apotheke ist überdies eine vom Regierungsrath zu ertheilende Konzession nothwendig, für welche eine Gebühr von Fr. 300--700 zu entrichten ist; Thierarzt Fr. 4), Zug (Arzt Fr. 5, Apotheker Fr. 4, Thierarzt Fr. 3), Waadt (Fr. 2. 60), Neuenburg (Fr. 1).
  3. Besondere Patente resp. die Bewilligung zur Berufsausübung gegen eine höhere einmalige Taxe bestehen in den Kantonen : Bern (Arzt Fr. 100, Apotheker Fr. 50, Thierarzt Fr. 25) und Freiburg (Fr. 50).
  4. Keine besondern Patente bestehen, dagegen werden, in Form einer Einkommens- oder Erwerbssteuer, jährliche Gebühren bezogen in den Kantonen : Tessin (Arzt Fr. 10--50, Apotheker Fr: 10--20, Thierarzt Fr. 5--10) und Wallis (Arzt und Apotheker Fr. 20--100, Thierarzt Fr. 10--50).

Wir haben sodann unterm 4. Juni den fraglichen Rekurs abgegewiesen, die Regierung von Bern dagegen eingeladen, das Gesez vom 18. Dezember 1865, betreffend den Emolumententarif der Staatskanzlei, mit Bezug auf das Medizinalpersonal, einer Revision · im Sinne der Reduktion zu unterziehen. Unser Beschluß stüzte sichauf folgende Erwägungen : Das eidgenössische Medizinaldiplom erledigt für den Besizer gegenüber allen Kantonen ohne Weiteres die Frage der wissenschaftlichen und praktischen Befähigung, entbindet ihn aber nicht von den Vorschriften fiskalischer und polizeilicher Natur, welche in den Kantonen, betreffend Ausübung von Gewerben und wissenschaftlichen Berufsarten, bestehen. Aus diesem Grunde erscheint die durch den Kanton Bern vom Rekurrenten geforderte daherige Gebühr .grundsäzlieh gerechtfertigt.

Bundesblatt.

32. Jahrg. Bd. II.

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Die Freizügigkeit des Medizinalpersonals im ganzen Gebiet der Eidgenossenschaft, welche durch das Bundesgesez vom 19. Dezember 1877 gewährleistet ist, könnte indessen immerhin illusorisch werden, wenn jedem Kanton das Recht zustände, von den Betreffenden für Értheilung der Bewilligung zur Ausübung ihres Berufes eine unbeschränkte Gebühr zu fordern. Die durch Kreisschreiben bei den Kantonsregierungen eingezogenen Erkundigungen haben denn auch ergeben, daß die Mehrheit der Kantone keine besondern Patente ausstellt und auch keinerlei Gebühren bezieht, daß die Minderzahl zwar besondere Patente ertheilt, jedoch entweder unentgeltlich oder gegen eine geringe Kanzleigebühr.

Durch das allegirte Bundesgesez sind die Kantone von den Kosten, welche sie früher für die Medizinalprüfungen zu bestreiten hatten, entlastet worden, da jezt der Bund, nach Abzug der von den Kandidaten zu erlegenden Prüfungsgebühren, jene Kosten trägt.

Die Kantone haben daher lediglich noch zu untersuchen, ob die ihnen von denjenigen Medizinalpersonen, welche sich auf ihrem Gebiete niederlassen wollen, vorgelegten Ausweise gültig seien, worauf bejahendenfalls die Bewilligung zur Berufsausübung zu ertheilen ist.

Für diese Bethätigung scheint allerdings die Erhebung einer gewöhnlichen Kanzleigebühr eine genügende Entschädigung zu bilden, und es ist augenscheinlich, daß die von Bern geforderte Taxe von Fr. 100 das Maß einer Kanzleigebühr übersteigt. Hiezu fällt in Betracht, daß der bezügliche Tarif, der zwar zum Bezug jener hohen Taxe die gesezliche Befugniß gibt, in eine Zeit zurükreicht, wo der Kanton Bern die Kosten der Medizinalprüfungen selbst bestritt, und daß eben jene Taxe unter der Herrschaft des Konkordats vom 2. August 1867, welches ebenfalls die Freizügigkeit des Medizinalpersonals in den Konkordatskantonen bestimmte, als dem Konkordat zuwider, nicht mehr bezogen worden war. Diese Betrachtung läßt es allerdings in hohem Grade wünschenswerth erscheinen, daß die Medizinalpersonen, welche nunmehr in der ganzen Schweiz dem-.

selben Geseze unterstellt sind, nicht durch untergeordnete Bestimmungen über Emolumentenbezug in den verschiedenen Kantonen faktisch wieder eine gar zu ungleichmäßige Behandlung erfahren.

Das Gesuch des Herrn Dr. med. F e r d i n a n d A b b t von Hermetschwyl, in Bünzen (Aargau), um Ausübung der medizinischen Praxis haben wir in unserer Botschaft vom 15. April (Bundesbl. II, 665) erörtert und Sie haben unsern Antrag auf Abweisung genehmigt.

Ein mit dem eben genannten verwandter Fall ist der folgende:

19 Unterm 24. Mai 1877 hatte ein Advokat des Kantons St. Gallen, der später als solcher im. Kanton Zürich praktizirte und dann in den Kanton Bern übersiedelte, bei der Regierung von Bern die Bewilligung nachgesucht, im dortigen Kanton ebenfalls R e c h t s und A d v o k a t u r g e s c h ä f t e übernehmen und besorgen zu dürfen. Er stüzte sich diesfalls auf Art. 5 der Uebergangsbestimmungen zur Bundesverfassung vom 29. Mai 1874, resp. auf ein ihm · unterm 24. Oktober 1874 auf Grund jenes Artikels, sowie eines Fähigkeitszeugnisses des st. gallischen Kantonsgerichts, d. d. 31. Dez.

1872, von der Regierung des Kantons Zürich ertheiltes Patent als Kantonsfürsprech. Auf den motivirten Antrag des Obergerichts ihres Kantons wies die Regierung von Bern das Gesuch unterm 4. August 1877 ab. Hiegegen rekurrirte der Betreffende unterm 17. Februar an den Bundesrath, indem er das Begehren stellte : ,,es wolle der Bundesrath seinem Patente und seinen Ausweisen, sowie den Bestimmungen der Bundesverfassung bei den Berner Behörden Achtung und Gültigkeit verschaffen.tt Wir haben diesen Rekurs unterm 15. Juli, auf die nachstehenden Motive gestüzt, als unbegründet abgewiesen: Nach Art. 33 der Bundesverfassung von 1874 bleibt es den Kantonen anheimgestellt, die Ausübung der wissenschaftlichen Berufsarten von einem Ausweise der Befähigung abhängig zu machen ; doch existirt, soweit dies die Advokatur betrifft, die in jenem Artikel vorgesehene Bundesgesezgebung noch nicht, welche dafür zu sorgen hätte, daß daherige Ausweise für die ganze Eidgenossenschaft gültig erworben werden könnten. Es bleibt daher lediglich zu untersuchen, ob der Rekurrent im Besize eines solchen Ausweises sich befinde, welcher bereits im Sinne des Art. 5 der Übergangsbestimmungen zur Bundesverfassung die Berechtigung gibt, den Advokatenberuf in der ganzen Eidgenossenschaft auszuüben.

Bei Prüfung dieser Frage fällt in Betracht, daß nach der genannten Uebergangsbestimmung nur ein Kanton oder eine mehrere Kantone repräsentirende Konkordatsbehörde den nöthigen Ausweis der Befähigung zu ertheilen befugt ist. Nun besizt der Rekurrent allerdings ein Fürsprecherpatent des Kantons Zürich. Dasselbe kann aber gegenüber den Anforderungen, welche der Kanton Bern an seinen Advokatenstand gesezlich stellen muß, darum nicht ausschlaggebend sein, weil es, ohne jede vorausgegangene Prüfung, lediglich gestüzt auf ein Zeugniß des obern Gerichtshofes eines Kantons ertheilt wurde, in welchem keinerlei Examen besteht, sondern die Advokatur freigegeben ist, und weil jener Gerichtshof -- das Kantonsgericht St. Gallen -- aus eben diesem Grunde überhaupt nicht in der Lage hätte sein können, dießfalls mit staatlicher Auto-

20 risation eine Fähigkeitsurkunde auszustellen, welche die in Art. 5 der Uebergangsbestimmungen vorgesehene Wirkung ohne Weiteres nach sich ziehen würde.

Es folgt hieraus, daß der Rekurrent einen sachgemäßen Ausweis der Befähigung im Sinne des Art. 5 der Uebergangsbestimmungen zur Bundesverfassung nicht besizt und Seitens des Kantons St. Gallen auoh nicht besizen kann. Wenn trozdem die Regierung von Zürich sich bemüßigt fand, dem Rekurrenten ein für den dortigen Kanton gültiges Fürsprecherpatent auszustellen, so ist dies ihre Sache, und es kann, nachdem namentlich bekannt ist, auf welchen Ausweis gestüzt dies geschah, jenes Patent für einen Dritten, im gegebenen Falle für den Kanton Bern, keinerlei Rechtswirkung nach sich ziehen. Gegentheils macht Bern nur von seinem Rechte Gebrauch, wenn es sich lediglich an das Zeugniß des Kantonsgerichts von St. Gallen hält und dasselbe, mit Rüksicht auf den innert seinen Grenzen geltenden Patentzwang mit vorausgegangenem theoretischen und praktischen Staatsexamen, für die Zulassung zur Anwaltspraxis als ungenügend erklärt. Eine gegenteilige Rechtsstellung würde überdies die Angehörigen derjenigen Kantone, in welchen die Advokatur freigegeben ist, gegenüber denjenigen, die dem Patentzwang unterliegen, in unzuläßiger Weise begünstigen.

Als drei Angehörige des deutschen Reiches, welche im Laufe des Jahres 1879 in Zürich das ärztliche Examen bestanden hatten, das eidg. D i p l o m beanspruchten, haben wir unterm 18. Dezember beschlossen, daß den Betreffenden das eidg. Diplom ausgestellt werden dürfe, in der Meinung jedoch, daß in dasselbe ein Vorbehalt bezuglich Leistung des Nachweises darüber aufzunehmen sei, daß Schweizerbürgern unter gleichen Umständen in den betreffenden deutschen Staaten die Ausübung des ärztlichen Berufes gestattet werde. Zugleich trafen wir die Anordnung, daß Ausländern, welche sich um Zulassung zu den eidg. Medizinalprüfungen bewerben, jeweilen von jenem Vorbehalte Kenntniß gegeben wird.

Ueber den Gang der eidg. M e d i z i n a l p r ü f u n g e n erstatten wir Ihnen gemäß Art. 3, Lemma b, des Gesezes vom 19. Dezember 1877 nachstehenden Bericht: Im Personalbestand des leitenden Ausschusses ist im Berichtjahr keine Veränderung eingetreten. Seit der Uebemahme der Medizinalprüfungen durch den Bund im April 1878 sind bis zur Stunde die damals aufgestellten provisorischen Bestimmungen in Kraft geblieben- Dem erhaltenen Auftrage gemäß beschäftigte sich, der leitende Ausschuß angelegentlich mit der Förderung definitiver Zustände durch Abfassung einer Prüfungsordnung. Der Gang dieser

21 Angelegenheit ist folgender: Am 15. Januar legte der Präsident dem leitenden Ausschuß einen ersten Entwurf der Verordnung nebst Motivenbericht vor; gleichzeitig ließ er denselben mit Genehmigung des Departements druken und an alle Kantonsregierungen, Fakultäten, Mitglieder und Suppleanten der Prüfungskommissionen, ärztliche und Apothekervereine, sowie an alle sich dafür interessirenden einzelnen Medizinalpersonen vertheilen, mit der Aufforderung, etwaige Bemerkungen, Eingaben etc. bis längstens den 30. April an den leitenden Ausschuß gelangen zu lassen. Mit Hinzurechnung einiger weniger schon vordem eingegangener Zuschriften belief sich die Zahl der Eingaben bis zum erwähnten Termin auf 48, nämlich 12 von Seite der Kantonsregierungen, beziehungsweise deren Medizinalbehörden, 6 von Fakultäten und Lehrerkollegien, 10 von Mitgliedern der Prüfungskommission und einzelnen Dozenten, 13 von ärztlichen und pharmazeutischen Vereinen, 7 von einzelnen Aerzten. Diese sämmtlichen Schriftstüke zirkulirten bei den Mitgliedern und Suppleanten des leitenden Ausschusses. Am 30. und 31. Mai fand sodann, unter Mitwirkung des Departements, die zur Berathung festgesezte Sizung in Bern statt. Die Schlußnahmen dieser Sizung machten eine Umarbeitung gewisser Abschnitte des aufgestellten Entwurfes nöthig. Die weitern Berathungen fanden auf dem Korrespondenzwege statt, wobei auch auf einzelne in der Maisizung angenommene Punkte zurükgekommen wurde und dieselben jeweilen durch Majoritätsbeschlüsse eine Umgestaltung erlitten. Anfangs September konnte der zweite Entwurf, d. h. die vom leitenden Ausschuß angenommene Prüfungsordnung sanimt Motivenbericht dem Departemente unterbreitet worden. Dieselbe ist gegenwärtig noch Gegenstand weiterer Berathungen, deren Resultat in das laufende Jahr fällt.

Außer dem Reglement beschäftigten den leitenden Ausschuß eine große Anzahl von Gesuchen, Reklamationen und Rekursen, der Mehrzahl nach hervorgerufen durch die immer noch andauernden Uebergangszustände. Nur wenige dieser Geschäfte wurden präsidialiter erledigt, alle anderen waren solcher Natur, daß der Gesatnmtausschuß darüber zu entscheiden hatte. Diese Geschäfte wurden sämmtlich auf dem Zirkulationswege erledigt. Am mißlichsten offenbarte sich die provisorische Periode in den Fragen der sogenannten reduzirten propädeutischen Prüfungen und der kantonalen Kompetenzen bei Lizenzirung auswärtiger und solcher einheimischer Medizinalpersonen, welche mit auswärts erlangten Diplomen zurükkehrten. Diese Fragen müssen durch das definitive Reglement endgültig entschieden werden, soll nicht der ganze Nuzen der Centralisation der Prüfungen ein illusorischer werden.

22 Es haben im Ganzen 283 Prüfungen, welche indessen bloß 275 Personen betreffen, stattgefunden, von welchen 60 (21,2%) ungenügend ausgefallen sind. Hievon waren 174 medizinische, 68 pharmazeutische und 41 thierärztliche Prüfungen.

3. Civilstand und Ehe.

B e z i e h u n g e n zum A u s l a n d . Art. 25, Lemma 3 des Bundesgesezes betreffend Feststellung und Beurkundung des Civilstandes und die Ehe, vom 24. Dezember 1874 (Amtl. Samml. n. F.

I, 506), lautet: ,,Die in einem Kantone oder im Auslande nach der dort geltenden Gesezgebung abgeschlossene Ehe soll im Gebiete der Eidgenossenschaft als Ehe anerkannt werden.01 Ueber die Tragweite dieser Vorschrift sind im Laufe der noch schwebenden Verhandlungen über den Abschluß eines Abkommens zwischen der Schweiz und dem deutschen Reiche bezüglich W e g f a l l der T r a u e r l a u b n i ß s c h e i n e Seitens einzelner deutscher Regierungen Bedenken geltend gemacht worden. Die Reichsregierung selbst faßt jene Vorschrift gemäß Art. 54 des zitirten Gesezes dahin auf, daß eine von einem schweizerischen Staatsangehörigen im Auslande in Gemäßheit des dortigen formellen und materiellen Rechtes abgeschlossene Ehe in der Schweiz sowohl in öffentlich-rechtlicher als in privatrechtlicher Beziehung schlechthin als gültig angesehen werde.

Im Einverständniß mit dem Bundesgericht ermangelten wir nicht, unterm 22. Januar der deutschen Reichsregierung die Erklärung abzugeben, daß wir ihre Auffassung als richtig erachten.

Mit Zuschrift vom 3./6. Februar signalisirte die Regierung von Aargau mehrfache Unregelmäßigkeiten, welche in der Zustellung von Civilstandsakten für im Auslande sich aufhaltende Aargauer Seitens der betreffenden auswärtigen Standesämter stattgefunden haben. Sie nahm hievon Veranlaßung zu dem Ersuchen, es möchten die betreffenden Regierungen (Baden, Bayern und Oesterreich-Ungarn) auf jene Unregelmäßigkeiten behufs Abhülfe in Gemäßheit der bestehenden Vereinbarungen aufmerksam gemacht werden. Zugleich regte sie den Abschluß einer V e r e i n b a r u n g , b e t r e f f e n d gegenseitige amtliehe Zustellung von Ci vilstandsauszügen, mit der d e u t s c h en R e i c h s r e g i e r u n g an. In ähnlicher Weise sprach sich unterm 8. Februar die Regierung von Zürich aus. Es gab uns dies Veranlaßung, die signalisirten Unregelmäßigkeiten unterm 14. Februar dem großherzoglich badischen Staatsministerium durch direktes Schreiben, der bayerischen und österreichisch-ungarischen Regierung durch Vermittlung der schweizerischen Gesandtschaft

23 in Berlin, resp. in Wien, mitzutheilen und dieselben um Remedur ·durch Empfehlung der bestehenden Vereinbarungen (mit Baden vom 7./11. Oktober 1858 [Bundesbl. II, 495], mit Bayern vom 7. Dezember 1874 [Amtl. Samml. n. F. I, 210], mit Oesterreich-Ungarn vom 7, Dezember 1875 [Amtl. Samml. n. F. II, 148]) zu strenger Nachachtung an die Standesbeamten zu ersuchen, und unsern Gesandten in Berlin einzuladen, bei der deutschen Reichsregierung den Abschluß einer bezüglichen Vereinbarung für das ganze deutsche Reich anzuregen.

Aus der Antwort des großherzoglich badischen Staatsministeriums vom 4. April resultirte, daß die dortige Regierung Veranlaßung nahm, ihren Standesbeamten die geordnete Mittheilung von Todtenscheinen an die betreffenden Heimatbehörden neuerdings einzuschärfen, bezüglich der Geburtsurkunden dagegen die Erklärung abzugeben, daß sie eine Mittheilung derselben nicht mehr in Aussicht stellen könne. Als Grund wurde angeführt, daß das Reichsgesez über die Beurkundungen des Personenbestandes und die Eheschließung, vom 6. Fehruar 1875, den Inhalt der Eintragungen in die Standesbücher auf die für den bürgerlichen Stand entscheidenden Thatsachen beschränkt wissen wolle, und daß zu diesen die Staatsangehörigkeit der Eltern eines neugebornen Kindes nicht gezählt werde. -- Das bayerische Staatsministerium der Justiz und des Innern brachte das Uebereinkommen mit der Schweiz seinen Standesbeamten und Aufsichtsbehörden durch Amtsblatterlaß vom 21. Mai in Erinnerung.

Die Verhandlungen über die angeregte Vereinbarung mit dem deutschen Reich haben ihren Abschluß noch nicht gefunden.

Ueber die vom schweizerischen Bundesgericht angeregte Gegenseitigkeitserklärung, betreffend Anerkennung von E h e s c h e i d u n g s u r t h e i l e n , in Deutschland und der Schweiz siehe ,,Geschäftsbericht des Justiz- und Polizeidepartements.11 Von der in Art. 13 des Civilstandsgesezes eingeräumten Kompetenz hatte der Bundesrath bisanhin nur für die schweizerischen Konsulate in Japan und Manilla Gebrauch gemacht. Unterm 5. November ermächtigten wir nun auch das s c h w e i z e r i s c h e K o n s u l a t in B u e n o s - A y r e s , Geburten und Todesfälle schweizerischer Angehöriger zu erwahren und Ehen zwischen Schweizern unter sich, sowie Ehen zwischen Schweizern und Angehörigen eines andern auswärtigen Staates als Argentinien abzuschließen. -- Im Uebrigen hielten wir daran fest, daß mit Bezug auf civilstandsamtliche Funktionen für die schweizerischen Konsulate keine allgemeinen Weisungen zu erlassen, sondern für jedes einzelne derselben

24 jeweilen eine spezielle Schlußnahme zu treffen sei. So ermächtigte» wir unterm 27. Dezember den schweizerischen Generalkonsul in Madrid, die Trauung zweier dem Kanton Graubünden angehöriger Verlobten vorzunehmen.

Art. 12 der von uns unterm 5. Oktober 1877 für den schweizerischen Konsul in Manilla, in dessen Eigenschaft als Civilstandsbeamter, erlassenen Instruktionen lautet: ,,Der Konsul ist berechtigt^ auch Trauungen vorzunehmen, sofern der Bräutigam ein Schweizerbürger und sofern die Braut keine Spanierin ist.a Der betreffende Konsul suchte um Aufhebung dieser Beschränkung nach: 1) weil Ehen mit Spanierinnen, beziehungsweise mit philippinischen Landesangehörigen, dortselbst am ehesten vorkommen dürften ; 2) weil ein Schweizer nicht römisch-katholischer Konfession bei Aufrechterhaltung jener Beschränkung sich auf den Philippinen mit einer Landesangehörigen nicht verehelichen könne, sofern er nicht zum katholischen Glauben konvertire, indem der landesübliche und gesezliche Eheabschluß die vorgängige kirchliche Einsegnung vorausseze, gemischte Ehen aber nicht eingesegnet werden. Wir haben sodann unterm 5. November dem schweizerischen Konsul in Manilla, die Ermächtigung ertheilt, Ehen zwischen einem Schweizerbürger und einer spanischen, resp. philippinischen Angehörigen abzuschließen, unter dem Vorbehalte, daß er 1) in solchem Falle anläßlich der Eheverkündung die Brautleute auf die ernstlichen Folgen aufmerksam mache, welche für sie aus dem Umstände erwachsen könnten, daß die Ehe nicht gemäß den Landesgesezen getraut worden ist; 2) daß es ihm unbenommen sei, je nach Umständen vor Vornahme der Trauung nähere Instruktionen des Bundesrathes einzuholen.

In einer Reihe von Fällen haben wir, von dem Anerbieten der deutschen Reichsregierung Gebrauch machend, die Ermächtigung zur Vornahme civilstandsamtlicher Handlungen deutschen Konsulaten solcher Pläze ertheilt, wo die Schweiz keine eigenen Repräsentanten besizt. Die Liste dieser Konsulate bis zum 2. Mai findet sich im Bundesblatt II, 658 publizirt.

Ueber w e i t e r e V o r k o m m n i s s e i m C i v i l s t a n d s w e s e n ist Folgendes zu bemerken: Die Anregung einer Kantonsregierung, betreffend Auslegung des Art. 12 des Civilstandsgesezes in der Weise, daß jedes Jahr nur eine bestimmte Serie von Civilstandsämtern inspizirt würde, wiesen wir mit dem Bemerken von der Hand, daß erst, nachdem noch einige Jahre verflossen seien und die I n s p e k t i o n e n durchweg befriedigende Resultate aufgewiesen haben werden, in Erwägung gezogen werden könne, ob das Gesez erlaube, das vorgeschlagene Verfahren anzuwenden.

25 Durch einen Spezialfall wurden wir auf den W i d e r s p r u c h aufmerksam gemacht, der z w i s c h e n Art. 57 des B u n d e s g e s e z e s , b e t r e f f e n d C i v i l s t a n d und E he, vom 24. Dezember 1876, und Art. 104 des G e n f e r G e s e z e s , betreffend Civilstand, Ehe und Ehescheidung, vom 5. April 1876, besteht. Der leztere Artikel besagt nämlich : ,, Jedes Ehescheidungsurtheil, von welchem in den Registern des betreffenden Civilstandsamtes innert sechs Monaten, vom Ablauf der Appellationsfrist hinweg gerechnet, nicht Vormerkung genommen ist, wird als nichtig und nicht zu Stande gekommen erachtet. -- Der klagende Theil kann seine Ehescheidungsklage nicht wiederholen, es sei denn aus einem neuen Grunde, in welchem Falle er nichtsdestoweniger die früheren (Scheidungsgründe) neuerlich geltend machen kann. a Art. 57 des Bundesgesezes lautet dagegen: ,,Alle Urtheile, betreffend Ehescheidungen oder die Nichtigkeit einer Ehe, sind von den Gerichten, welche dieselben ausgesprochen haben, den Civilstandsbeamten des Wohnortes und der Heimatgemeinde sofort mitzutheilen und von diesen am Rande des entsprechenden Traueintrags im Eheregister vorzumerken.a -- Statt sofort auf den Genehmigungsbeschluß vom 19. April 1876, betreffend das Genfer Gesez, zurükzukommen, richteten wir an Genf die Einladung, den genannten Artikel zu revidiren und denselben den Vorschriften des Bundesgesezes anzupassen. Genf hat die bezügliche Revision unverweilt an die Hand genommen.

Mit Eingabe vom 29. März führte ein Angehöriger des Kantons Appenzell I.-Rh. darüber Beschwerde, daß der ihm, anläßlich seiner Verehelichung mit einer Wittwe aus dem Kanton Bern, von Landammann und Rath seines Heimatkautons Ausgestellte Heimatschein mit der Bemerkung unterzeichnet worden sei: ,,daß die Ehe nach den Sazungen der römisch-katholischen Religion und in Folge dessen auch nach Art. 3 der Verfassung ungültig ist. a Rekurrent wollte sich diese Bemerkung in seinem Heimatschein nicht gefallen lassen, sondern verlangte eine in Form Rechtens ausgefertigte Urkunde.

Wir erklärten die Beschwerde begründet und veranlaßten die Regierung von Appenzell I.-Rh., einen formgemäßen Heimatschein auszustellen.

Durch Kreisschreiben vom 5. Juni machten wir die Kantonsregierungen zu Händen der Civilstaudsbeamten speziell auf die unterm 23. Mai erlassene Verordnung über die F ü h r u n g d e r M i l i t ä r k o n t r o l e n und D i e n s t b ü c h l e i n aufmerksam, wonach (§ 9, Ziff. 3) der Civilstandsbeamte verpflichtet ist, dem Sektionschef seiner Gemeinde von allen Sterbefällen Kenntniß zu geben, die bei männlichen Personen im Alter von 20--45 Jahren eintreten.

26 Unterm 25. Juli waren wir im Falle, den Staatsrath von Tessin einzuladen, gegen einen Civilstandsbeamten darum einzuschreiten, weil derselbe eine T r a u u n g v o r g e n o m m e n h a t t e , b e v o r d i e d u r c h Art. 36 des C i v i l s t a n d s g e s e z e s v o r g e s e h e n e Frist von 14 T a g e n n a c h der V e r k ü n d u n g v e r s t r i c h e n war.

Wir verwiesen dabei auf unser Kreisschreiben vom 11. Mai 1877 (Bundesbl. II, 759), durch welches die Kantonsregierungen noch speziell eingeladen worden waren, ihren Civilstandsbeamten die genaue Beobachtung jenes Artikels einzuschärfen. Mit Zuschrift vom 31. Juli erhob der Staatsrath von Tessin Einsprache gegen jene Weisung und machte geltend : 1) Das Bundesgesez sehe Strafen nur für solche Uebertretungen vor, welche wissentlich, mit böser Absicht oder wenigstens in Folge offenbarer Vernachläßigung stattgefunden haben, welche Voraussezung in casu nicht zutreffe; 2) daß das fragliche Zirkular aus Versehen im Kantonsblatt nicht veröffentlicht worden, daher den Civilstandsämtern nicht zur Kenntniß gekommen sei. -- Wir fanden es indessen sachlich durchaus gerechtfertigt, daß das Departement den Staatsrath zur Repression der unwidersprochen gebliebenen Gesezesübertretung, an der die Schuld allerdings nicht dem betreffenden Civilstandsbeamten, sondern der kantonalen Behörde zufiel, aufgerufen hatte, und nahmen im Uebrigen Vormerkung von der Erklärung des Staatsrathes von Tessin, daß jenes Versäumniß nunmehr nachgeholt werde.

Ein Bürger des Kantons Luzern und gleichzeitig des Kantons Aargau, der sich im Jahre 1860 mit Bewilligung seiner aargauischen, nicht aber auch Seiner luzernischen Gemeindebehörde, im Kanton Bern verehelicht hatte, verlangte die n a c h t r ä g l i c h e E i n t r a g u n g s e i n e r Ehe in der luzernischen Gemeinde, sowie Anerkennung der Ehe. Dieses wurde verweigert. Wir schüzten das Begehren des Rekurrenten und luden die Regierung von Luzern unterm 17. Oktober ein, die verlangte Eintragung in die B-Register der betreffenden Gemeinde zu veranlassen. Unsere Erwägungen waren die folgenden: Der Civilstandsbeamte hat einfach zu prüfen, ob die Ausweise, auf Grund welcher die Eintragung in die Register B verlangt wird, formell in Ordnung sind, und im bejahenden Falle die Eintragung vorzunehmen. Es ist hinwiederum Sache der Interessenten und nicht des Civilstandsbeamten, die Giltigkeit des Ausweises selbst anzugreifen, auf welchem die Eintragung beruht.

Die Eintragung in die Register B kann auf Grund von Ausweisen, die aus der Zeit vor dem Inkrafttreten des Bundesgesezes über Civilstand und Ehe datiren, ohne Anstand erfolgen, da die

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Bedeutung dieser Eintragung lediglich darin besteht, das Vorhandensein der Ausweise zu konstatiren, um die es sich handelt, während die Frage der Giltigkeit der lezteren durch die Eintragung nicht berührt wird. Die Bestimmung des Art. 5, Litt, b, des Civilstandsgesezes steht darum nicht entgegen, weil dieselbe augenscheinlich nur auf Trauungsfälle Anwendung finden kann, welche seit Inkrafttreten jenes Gesezes stattfanden. Jene Bestimmung bezwekt auch lediglich die Aufrechthaltung der nöthigen Ordnung in der Registerführung, und in keinem Falle könnte deren Außerachtlassung, z. B.

in Folge Nachläßigkeit eines Civilstandsbeamten oder* aus irgend einem andern Grunde, etwa die Ungiltigkeit des betreffenden civilstandsamtlichen Aktes nach sich ziehen. Selbstverständlich kann jene Bestimmung auch nicht auf Civilstandsmittheilungen aus dem Ausland oder auf daherige Verhandlungen Anwendung finden, welche in die Zeit vor Inkrafttreten des Civilstandsgesezes fallen. Wie bei solchen Eintragungen zu verfahren sei, ist aus einem zu Art. 9 des Civilstandsgesezes publizirten Entscheid (Bundesbl. 1876, III, 675) zu ersehen.

Da nun der Trauungsschein des Rekurrenten ordnungsgemäß und der im Zeitpunkt, wo jene Verhandlung stattfand, in Kraft bestehenden bernischen Gesezgebung entsprechend ausgefertigt ist, so kann die verlangte Eintragung nicht verweigert werden.

Dagegen fällt die Frage, ob die betreffende Ehe selbst giltig abgeschlossen worden sei, und ob in Folge dessen Rekurrent Grund habe, die gesezlichen Konsequenzen dieser Ehe zu verlangen, nicht in die Kognition der Administrativbehörde, sondern des Richters.

Die in Sachen des Civilstandes von Behörden und Privaten erfolgten Einfragen waren zahlreich und die diesfalls zu pflegende Korrespondenz umfaßte nicht weniger als 670 Kontroinummern des Departements. Durch die Aufstellung eines Kommentars zum Civilstandsgesez, resp. einer A n l e i t u n g für Ci vils t a n d s b e a m t e , wird darum, wie wir aus den verschiedensten Kundgebungen zu schließen berechtigt sind, einem längst gefühlten Bedürfniß gedient.

Es wurde diese Arbeit deutsch und französisch fertig gestellt und vorerst als Manuskript in Druk gelegt. Auf unser Kreisschreiben vom 13. März hin wurden uns durch die Kantone bereits 1733 deutsche und 954 französische Exemplare fest bestellt.

In der
Absicht, den Entwurf der ,,Anleitung für Civilstandsbeamte" vorerst einer Reihe von Sachverständigen zu unterbreiten und, nach Eingang der von denselben zu gewärtigenden Bemerkungen , eine Kommission zu ernennen , welche die Anleitung endgültig festzustellen hätte, ersuchten wir die Kantonsregierungen

28 durch Kreisschreiben vom 26. Juni, uns Experten zu bezeichnen, welche sich dieser Aufgabe bereitwillig unterziehen würden.' Von 21 Kantonen wurden uns sodann zusammen 34 Experten genannt, 2 Kantone wünschten lediglich Einsendung einiger Exemplare des Anleitungsentwurfes, ein Kanton verzichtete auf die Prüfung und ein lezter Kanton ertheilte uns keinerlei Antwort. -- Unter Zusendung der ,, Anleitung "· sammt Bericht des Verfassers, ersuchten wir auch die Herren Bundesrichter Roguin, s. Z. Referent über das Civilstandsgesez im Ständerath, den Direktor des eidg. statistischen Bureau und Herrn Legationsrath Dr. Lardy in Paris um ihre Kritik.

Es wurden uns 26 schriftliche Berichte eingereicht. Wir ergänzten dieselben durch ein Fragenschema, welches wir mit Kreisschreiben vom 19. September den Kantonen unterbreiteten und uns über diejenigen Punkte kurzgefaßte Aufschlüsse, geben ließen, welche das Civilstandsgesez der Kompetenz der Kantone vorbehalten hat. Es sollen diese Aufschlüsse in Form von Anmerkungen der ,,Anleitung11 beigegeben werden, um dieselbe für jeden einzelnen Kanton möglichst praktisch zu gestalten.

Aus der Zahl der uns von den Kantonen bezeichneten Experten besammelten wir am 5. November eine engere Kommission von Fachmännern französischer und deutscher Zunge, welcher wir den Entwurf der Anleitung sammt den hiezu eingegangenen Bemerkungen zur Berathung vorlegten. Während 10 Tagen hat sich dieselbe in eingehender Weise mit der Lösung der ihr zugewiesenen schwierigen Aufgabe befaßt. Die Kommission fand vorerst, daß die bisherigen Vorschriften, betreffend Führung der Civilstandsregister, vom 17. September 1875 (Amt!. Samml. n. F. I, 719), geändert und vervollständigt werden müssen. Sie empfiehlt uns deßhalb die Annahme eines neuen bezüglichen Reglements, worüber wir die Kantone durch Kreisschreiben vom 27. Dezember mit dem Bemerken verständigten, daß deren, gemäß Art. 12 des Civilstandsgesezes, jeweilen zu erstattende Jahresberichte in der in Berathung liegenden Anleitung vorweg ihre Würdigung und Verwerthung finden werden.

Aus diesem' Grunde wird das Departement erst nach Einführung der neuen Organisation, wenn nöthig, wieder in einem separaten Referat, wie dies pro 1876 geschehen (Bundesbl. 1878, I, 239), über die kantonalen Jahresberichte sich auszusprechen Veranlassung nehmen. -- Das neue Reglement, betreffend Führung der Civilstandsregister, welches noch unserer Genehmigung bedarf, einerseits, die möglichst klare Lösung einer Reihe bisanhin kontrovers gebliebener Punkte in der Vollziehung des Gesezes anderseits, sodann die logische Verarbeitung der zahlreich erlassenen Weisungen und Entscheide, etwelche Aenderungen im Schema für Erstattung der

29 kantonalen Jahresberichte, sowie der bisherigen Formulare für die verschiedenen civilstandsatntlichen Aufzeichnungen und Mittheilungen, endlich die gedrängte Zusammenstellung derjenigen kautonalen Bestimmungen, welche bei der Ausführung des Bundesgesezes über Civilstand und Ehe zur Anwendung kommen, -- dies Alles gestaltet die Arbeiten jener Kommission zu besonders wichtigen. Auf Grundlage der diesfalls gefaßten Beschlüsse ist der Entwurf der Anleitung vorerst zu bereinigen, und es soll sodann durch die nämliche Kommission eine zweite Lesung derselben stattfinden. Es fällt dieselbe in das laufende Jahr, und die vorbereiteten Neuerungen in der Civilstandsführuug werden auf Neujahr 1881 zur Einführung gelangen können.

e. Kosten der Verpflegung und Beerdigung armer Angehöriger anderer Kantone.

Der bereits in unserm Geschäftsbericht pro 1878 (Bundesblatt 1879, II, 178) berührte Fall zwischen Luzern und Aargau fand unterm 31. Januar in der Weise seine Erledigung, daß die Beschwerde der Regierung von Aargau begründet erklärt und die Regierung von Luzern eingeladen wurde, die von Aargau reklamirte Summe auf dem ihr geeignet scheinenden Wege bei dem Pflichtigen einheben zu lassen und dieselbe an die Regierung von Aargau zu verabfolgen. Es leiteten uns hiebei die nachfolgenden Motive : Das Bundesgesez über die Kosten der Verpflegung erkrankter und der Beerdigung verstorbener armer Angehöriger anderer Kantone vom 22. Juni 1875 (Amtl. Samml. n. F. I, 7'43) legt jedem Kantone die Pflicht auf, dafür zu sorgen, daß unbemittelten Angehörigen anderer Kantone, welche erkranken und deren Rükkehr in den Heimatkanton ohne Nachtheil für ihre oder Anderer Gesundheit nicht geschehen kann, die erforderliche Pflege und ärztliche Besorgung zu Theil werden, und bestimmt bezüglich der Kosten, daß ein Ersaz derselben nur dann beansprucht werden könne, wenn er vom Hilfsbedürftigen selbst oder von anderen privatrechtlich Verpflichteten geleistet werden kann. In einem solchen Falle sind die Behörden des Heimatkantons verpflichtet, Hand zu bieten^ daß die nach billigen Ansäzen gestellte Rechnung bezahlt wird.

Dieses Gesez stimmt fast wörtlich mit den Konventionen überein, welche über dieselbe Materie zwischen der Schweiz und einer Reihe von ausländischen Staaten abgeschlossen worden sind und in Kraft stehen. In Fällen von Kostenersaz wird im internationalen Verkehr das Verfahren beobachtet, daß die Reklamation auf diplomatischem

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Wege dem Bundesrathe übermittelt und von diesem dem betreffenden Kantone zugewiesen wird, welcher, wenn über die Evsazpflicht und die Kosten Einigung besteht oder hergestellt ist, den Pflichtigen zur Zahlung veranlaßt und der reklamirenden auswärtigen Staatsbehörde die Summe vermittelt.

In dem zwischen Aargau und Luzern waltenden Anstände, bei welchem es sich um Einziehung eines grundsäzlich anerkannten Ersazes handelt, stellt sich die Regierung von Luzern auf den Standpunkt, daß sie den Gemeinderath von W., welcher den daselbst erkrankten Luzernerbürger ärztlich hat behandeln und verpflegen lassen, beziehungsweise die Regierung von Aargau für die Einbringung der ergangenen Kosten von dem ersazpflichtig Erklärten auf den Betreibungsweg, eventuell den Prozeßweg verweist, indem sie geltend macht, es unterscheide sich die Forderung für aufgewendete Arzt- und Verpflegungskosten in nichts von einer gewöhnlichen privatrechtlichen Forderung und es müsse daher den Reklamanten überlassen werden, ihre Forderung selbst auf dem gewöhnlichen, d. h. gerichtlichen Wege zu betreiben und liquid zu machen.

Diese Auffassung mißkennt die Natur der in Frage stehenden Forderung und steht im Widerspruch mit dem G-eseze und der internationalen Praxis. Die Forderung ist nicht eine gewöhnliche, auf dem Boden der Freiwilligkeit entstandene privatrechtliche Forderung, sondern eine solche öffentlich rechtlicher Natur, hervorgegangen aus einer Leistung, welcher sich die aargauischen Behörden nicht entziehen durften. -- Das Gesez schreibt vor, daß die Behörden des Heimatkantons Hand zu bieten haben, daß die nach billigen Ansäzeji gestellte Rechnung bezahlt wird. Wenn die Regierung von Luzern geltend macht, daß unter der Behörde des Heimatkantons nicht ausschließlich nur die Administrativbehörde zu verstehen sei und das ,, Hand bieten "· eben darin bestehe, daß der Heimatkanton für die auswärts entstandene Forderung den Rechtsweg bei ihm öffne, so ist dagegen zu bemerken, daß dieser Rechtsweg kraft Verfassung und Gesez ohnedies offen steht und daß das ausdrüklich vorgeschriebene ,, Handbieten der Behörden des Heimatkantons "· für Einbringung von Kosten, welche auf dem Boden des in Frage stehenden Bundesgesezes entstanden sind, jedenfalls etwas Anderes und Mehreres sagen will, als die Regierung von Luzern anzunehmen scheint. Ihre Auffassung widerstreitet der Praxis, insofern noch von keinem Kantone Reklamationen anderer Staaten für Verpflegungs- und Arztkosten einfach auf den Rechtsweg gewiesen worden sind.

Das ,,Handbieten der Behörden des Heimatkantonstt darf im kantonalen Verkehr unter der Herrschaft der gleichen Bestimmungen

31 kein geringeres, beschränkteres sein als im internationalen Verkehr.

Haben sich in einem Falle von Restitution von Verpflegungskosten die Regierungen des reklamirenden und des angesprochenen Kantons über Eintreten der Ersazpflicht und über die zu ersezende Summe geeinigt oder hat im Streitfalle der Bundesrath darüber entschieden, so ist es Sache der Regierung des Heimatkantons, auf dem Wege, den sie als zwekmäßig und zuläßig erachtet, die Bezahlung der festgesezten Summe zu veranlassen.

5. Gesundheitswesen.

Eid g. S a n i t ä t s k o m m i s s i o n . In Ausführung des Art. 69 der Bundesverfassung, betreffend die dem Bunde zustehende Gesezgebung über die gegen gemeingefährliche Epidemien zu treffenden gesundheitspolizeilichen Verfügungen, haben wir unterm 1. März eine eidg. Sanitätskommission auf die Dauer von drei Jahren niedergesezt (Amtl. Samml. n. F. IV, 29) und in dieselbe gewählt die Herren Doktoren Sonderegger in St. Gallen, Lotz in Basel, Kummer in Aarwangen, Zehnder in Zürich und de la Harpe in Lausanne. Die Kommission konstituirté sich am 10. März. Ihre Aufgabe besteht darin: a. alle vom Departement ihr Uberwiesenen, in den Bereich des Art. 69 der Bundesverfassung fallenden Angelegenheiten, soweit dieselben nicht Prüfungen betreffen, vorzuberathen und zu begutachten ; b. in Sanitätssachen, soweit sie in die Befugnisse des Bundes fallen, die Initiative zu ergreifen und bei dem Departement des Innern diejenigen administrativen und legislativen Schritte anzuregen, welche ihr im Interesse des Landes geboten erscheinen. Die Sanitätskommission wird vom Chef des Departements präsidirt; zürn Vizepräsidenten wurde Herr Dr. Sonderegger gewählt. Ueber die Geschäftsabwiklung der Kommission besteht ein spezielles Reglement.

Die Verhandlungsprotokolle werden im ,,Korrespondenzblatt für Schweizer Aerzte a und im ,, Bulletin de la Société médicale de la Suisse romande" vollinhaltlich oder im Auszug publizirt; gleichzeitig wird dafür gesorgt, daß wichtigere Beschlüsse auch noch auf anderem Wege zur öffentlichen Kenntniß gelangen.

Nachdem die Kommission über ihre Obliegenheiten sich orientirt und die Kompetenz und Aufgabe der Bundesbehörden im Sanitätswesen vom Wirkungsgebiete der Kantone ausgeschieden hatte, stellte sie ihr Arbeitsprogramm fest und nahm als wichtigsten Punkt desselben sofort die Vorbereitung eines B u n d e s g e s e z e s , b e t r e f f e n d E i n r i c h t u n g e n und Maßnahmen zur Verh ü t u n g und Bek ä m p f u n g g e m e i n g e f ä h r l i c h e r E p i d e m i e n , an die Hand.

Als Resultat dieser umfassenden Arbeit, in welcher auch die Frage

32 des I m p f z w a n g s ihre Würdigung gefunden hat, waren wir in der Lage, Ihnen noch im Laufe der Dezembersession einen bezüglichen Gesezesentwurf nebst Botschaft zur Vorlage zu bringen i(Bundesbl. 1880, 1, 53). Die Kommission entledigte sich ihrer daherigen Aufgabe in der Weise, daß sie unter Benüzung der bei <len Kantonen und auswärtigen Staaten gesammelten Materialien, durch Spezialreferenten die einzelnen Materien behandeln ließ. Diese Arbeit unterstüzten wir durch einen Auszug aus den kantonalen Rechenschaftsberichten pro 1877, speziell das Sanitätswesen betreffend, wodurch ersichtlich wurde, welche Anwendung die diesfalls bestehenden G-eseze in jüngster Zeit gefunden haben und wie es überhaupt mit der Pflege des Sanitätswesens in den einzelnen Kantonen bestellt ist. Wir beabsichtigen, diese Arbeit inskünftig fortzusezen, damit der eidg. Sanitätskommission jeder Zeit ein bequemes Orientirungsmittel über den Stand des Sanitätswesens in den Kantonen zu Gebote stehe.

In der Absicht, das in den Kantonen bereits vorhandene Material speziell für Studien über den Erfolg der bisherigen Impfungen soweit möglich nuzbar zu machen, dabei aber den Regierungen Zusammenstellungen zu ersparen, welche wegen des Fehlens der Hauptangaben doch unnüz wären, ließen wir uns (Kreisschreiben vom 19. Juni) von den Kantonsregierungen folgende Fragen beantworten: 1. Für welche Kalenderjahre der Periode 1861 bis und mit 1878 können Sie angeben: a. die Zahl der Lebendgebornen, b. die Zahl der unter einem Jahr altsn Gestorbenen, c. die Zahl der Geimpften (mit und ohne Erfolg) und d. die Zahl der Revaccinirten (mit und ohne Erfolg) ? (Falls die Frage c nicht sollte beantwortet werden können, würde auch auf eine Antwort auf a, b und d für dasselbe Jahr verzichtet.)

2. Für welche Kalenderjahre derselben Periode kann angegeben werden : a. die Zahl der an Poken Erkrankten, b. die Zahl der an Poken Gestorbenen ?

3. Für welche Kalenderjahre derselben Periode kann die Zahl der an Poken Erkrankten angegeben werden nach Altersklassen?

(und welchen ?) Und innerhalb der Altersklassen mit Unterscheidung von a. mit Erfolg Geimpften (sc. Erkrankten), b. ohne Erfolg oder gar nicht Geimpften, c. Geblätterten?

4. Für welche Kalenderjahre derselben Periode kann die Zahl der an Poken Gestorbenen angegeben werden nach Altersklassen? (und welchen?) Und innerhalb der Altersklasse mit Unterscheidung von a. mit Erfolg Geimpften (sc. Gestorbenen), b. ohne Erfolg oder gar nicht Geimpften, c. Geblätterten.

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Diese Einfrage ergab, daß das betreffende Material außerordentlich mangelhaft vorhanden und kaum weiter zu verwertheu sei.

Die erwähnten Elaborate bildeten sodann, nach beendigter Zirkulation bei den Mitgliedern, am 19., 20. und 21. August den Berathungsgegenstand der Gesammtsanitätskommission, und bevor der Bundesrath selbst auf die Behandlung des hieraus resultirenden Entwurfes eintrat, gab er dem schweizerischen ärztlichen Centralverein Gelegenheit, in seiner Versammlung vom 25. Oktober sich über denselben auszusprechen.

Was speziell die im Berichtjahr aufgetretene Frage der Pest betrifft, so übersandte uns der russische Gesandte mit Note vom 6. Februar einen Auszug aus dem Protokolle des Ministerraths in St. Petersburg, enthaltend die zur Unterdriikung der Pest in der Stanitza Vetlianka (Gouvernement Astrachan) zu treffenden Vorkehren. -- IQ Ansehung der Vorkommnisse in Rußland hielten wir es für angezeigt, den Eutvvurf einer Anweisung über das Verhalten beim Eintreten der Pest aufstellen zu lassen. Derselbe würde die Grundlage einer Berathung der Sanitätskommission bilden, sobald die Notwendigkeit aktiver Pestpolizei wirklich eintreten sollte. -- Es sei hier noch erwähnt, daß unterm \. Februar Seitens des thurgauischen Departements des Innern die Mittheilung einlangte, daß, laut einer Zeitungsannonce aus Basel, in naher Zeit größere Sendungen von Mehl aus Kiew (Südrußland) in Romanshorn eintreffen werden. Die sofort angeordnete Einvernahme des betreffenden Inserenten durch das Polizeidepartement von Basel-Stadt ergab indessen, daß das fragliche, öffentlich angepriesene Mehl nicht aus Südrußland, sondern aus Galizien importirt werde.

Vom Erlaß einer V e r o r d n u n g , b e t r e f f e n d V e r k a u f v o n i m p o r t i r t e m S c h w e i n e f l e i s c h , wurde vorläufig darum Umgang genommen, weil ein durch Genuß von trichinenhaltigem Fleisch verursachter Krankheitsfall bei uns bisanhin nicht vorgekommen ist und weil die Gefahr einer Trichinenepidemie aus dem Grunde ferneliegend zu sein scheint, weil bei uns viel seltener, als z. B. in Deutschland, Schweinefleisch in ungekochtem Zustande genossen wird; endlich weil die ganze Frage bei uns jedenfalls noch nicht in wünschbarer Weise abgeklärt ist. Es soll indessen durch ein den Kantonen zu unterbreitendes Fragenschema der Versuch gemacht werden, den Stand der Trichinenfrage zu ermitteln.

Einem Petitum der Sanitätskommission von St. Gallen, vom l. August, glaubte die eidg. Sanitätskommission durch die Schlußnahme Folge geben zu sollen: es sei dafür zu sorgen, daß inskünftig weder die Eisenbahnen, noch die Post Sendungen von rohem, unBundesblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

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verarbeitetem Fleisch annehmen dürfen , welches nicht von einem, amtlichen Gesundheitsschein begleitet wäre. Die Oberpostdirektion erließ denn auch eine bezügliche Verfügung. Der praktischen Durchführung derselben stellten sich indessen solche Schwierigkeiten entgegen (Schreiben des Post- und Eisenbahndepartements vom 13. und 20. September), daß deren Sistirung und eine nochmalige Behandlung der Angelegenheit vom Standpunkte der bestehenden Verkehrsverhältnisse aus für angezeigt erachtet wurde. Die leztere ist im Gange.

W e i n f ä l s c h u n g . Der geringe Ertrag der schweizerischen Weinernte veranlaßte viel bedeutendere Ankäufe im Ausland als ia früheren Jahren, namentlich war der Import ungarischer Weine ein besonders starker. Da wurden eine Reihe solcher nach den Kantonen Bern, Zürich und St. Gallen effektuirter Weinlieferungen als mit Fuchsin gefälscht erkannt. Mangels bezüglicher Gesezesbestimmungen war uns ein direktes Einschreiten versagt. Der österreichisch-ungarische Geschäftsträger in der Schweiz sprach uns indessen unterm 20. November den Wunsch aus, über die Provenienz jener Weine, die Namen und Adressen der schuldigen Lieferanten und Absender, die Resultate der chemischen Untersuchung der beanstandeten Weine, sowie über diejenigen polizeilichen Verfügungen, welche auf deren Konfiskation Bezug haben, genaue Auskunft zu erhalten, um hierauf gestüzt an kompetenter Stelle die geeigneten Maßnahmen zur Verhütung solcher Vorkommnisse in Zukunft beantragen zu können.

Die betreffenden Kantonsregierungen stellten uns ihr bezügliche» Aktenmaterial bereitwillig zur Verfügung und wir beeilten uns, dasselbe der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft behufs Kenntnißnahme zu unterbreiten. -- Aus den Anfangs des laufenden Jahres durch die österreichische Gesandtschaft uns gemachten Mittheilungen haben wir mit Befriedigung entnommen, daß die ungarischen Behörden den Weinfälschern scharf zusezen und ernstlich bemüht sind, soweit es in ihren Kräften steht, diesem Unfug ein Ende za machen.

in. Gesezgeberische Vorarbeiten.

Die Vorbereitung eines Bundesgesezes, betreffend A n k ü n d i gung und Vertrieb von sogenannten Geheimmitteln, P a t e n t m e d i z i n e n und Spezialitäten, war, wie aus unserm Geschäftsbericht pro 1878 (Bundesblatt 1879, II, 205) bekannt.

35 bereits vor Ernennung einer eidgenössischen Sanitätskommission einer Spezialkommission übertragen. Durch dieselbe ließen wir darum die Angelegenheit auch zu Ende führen. Die nähere Entwiklung derselben ist in derjenigen Botschaft enthalten, mit welcher wir Ihnen in der lezten Dezembersession den bezüglichen Gesezesentwurf einzubegleiten die Ehre hatten (Bundesblatt III, 668).

Ebenfalls in der lezten Dezembersession brachten wir den Entwurf eines Bundesgesezes über E i n r i c h t u n g e n und M a ß nahmen zur Verhütung und B e k ä m p f u n g gemeing e f ä h r l i c h e r E p i d e m i e n (siehe II 5 hievor) zur Vorlage, welcher, nebst Botschaft, im Bundesblatt 1880, I, 53 enthalten ist.

IV. Ausstellungen und Kongresse im In- und Ausland.

Unsere Mittheilungen über die z e n t r a l s c h w e i z e r i s c h e K u n s t - u n d G e w e r b e a u s s t e l l u n g i n Luzern, d i e S c h u l a u s s t e l l u n g in L a u s a n n e und die p e r m a n e n t e n S c h u l a u s s t e l l u n g e n siehe unter II, l hievor.

Am zweiten i n t e r n a t i o n a l e n meteorologischen K o n g r e ß, welcher im April in R o m stattfand, ließen wir uns durch Herrn Professor Plantamour, Direktor der Sternwarte in Genf, vertreten. Einen weitern meteorologischen Kongreß, welcher am 1.. Oktober in H a m b u r g eröffnet wurde, beschikten wir nicht. Ebenso blieb der in B e r l i n stattgehabte K o n g r e ß der Leiter und Lehrer von Blindeninstituten Mangels Betheiligung der schweizerischen Blindenanstalten unbesucht.

Anläßlich des im September in G e n f stattgehabten i n t e r n a t i o n a l e n g e o d ä t i s c h e n K o n g r e s s e s bewilligten wir für Dekung der Drukkosten der bezüglichen Verhandlungen Fr. 500.

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V. Werke der öffentlichen Gemeinnüzigkeit und Wohlthätigkeit.

  1. Schweizerische naturforschende

Gesellschaft.

Aus den Berichten der einzelnen Kommissionen dieser Gesellschaft ergibt sich Folgendes: Die Arbeiten der g e o d ä t i s c h e n K o m m i s s i o n rüken stetig vor und als vollendet gelangten zur Vorlage: ,,Détermination télégraphique de la différence de longitude entre Genève et Strasbourg exécutée en 1876 par E. Plantatnour et M. Löw" und ,,Geschichte der Vermessungen in der Schweiz als historische Einleitung zu den Arbeiten der schweizerischen geodätischen Kommission, bearbeitet von R. Wolf.a -- Vom Präzisionsnivellement ist die siebente Lieferung drukbereit. -- Zur Ausführung der die Gradmessungstriangulation abschließenden Basismessungen hat die Bundesversammlung anläßlich der lezten Büdgetberathung einen Extrakredit von Fr. 10,000 bewilligt und damals hierüber auch bereits unsern .Bericht entgegengenommen. Bei Fr. 16,901. 60 Einnahmen betrugen die Ausgaben der Kommission Fr. 16,680. 27; Aktivsaldo Fr. 221. 33.

Die m e t e o r o l o g i s c h e K o m m i s s i o n fährt fort, in Feststellung der mannigfaltigen klimatischen Verhältnisse unseres Landes eine feste Basis sowohl für wissenschaftliche Untersuchungen als für praktische Verwerthung zu gewinnen, und hat seit ihrem lezten Berichte zur Publikation gebracht: Vom Jahrgang 1876, außer dem abschließenden siebenten Hefte, ein Heft, welches Vorwort und Beilagen enthält und über den Stand der Arbeiten bis gegen Ende 1878 die nöthigen Aufschlüsse gibt; vom Jahrgang 1877 sind Heft 5 und 6 bereits erschienen, die siebente oder Schlußlieferung ist in Angriff genommen; vom Jahrgang 1878 sind Heft 2, 3 und 4 erschienen, die fünfte Lieferung ist in Angriff genommen; vom Jahrgang 1879 ist die erste Lieferung erschienen, die zweite beinahe fertig; vom Supplementbaade kann Lieferung 5 zur Versendung kommen.

Denjenigen Bericht, welchen der von uns im April an den zweiten internationalen meteorologischen Kongreß in Rom abgeordnete Herr Professor Plantamour von Genf erstattete, haben wir der meteorologischen Kommission zur weitern Behandlung zugestellt.

Der schweizerischen Erdbebenkommission, die sich die Aufgabe stellt, die Erdbebenerscheinungen im Allgemeinen und speziell

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diejenigen der Schweiz zu studiren, verschafften wir Auskunft über die Apparate und Methoden, über Organisation und Umfang der Beobachtungen über Erdbeben und Erderschütterungen in Italien, Deutschland, Frankreich, Oesterreich und Griechenland ; auch bethätigten wir in der gleichen Angelegenheit Herrn Professor Plautamour anläßlich seiner Sendung zum meteorologischen Kongreß in Rom. Dessen Bericht stellten wir unterm 7. Juni der Erdbebenkommission zur Verfügung.

Wie bereits im leztjährigen Geschäftsbericht angekündigt werden konnte, ist im Berichtjahr die Herausgabe von W i t t e r u n g s b ü l l e t i n s zu Stande gekommen, worüber wir das Nachstehende mitzutheilen im Falle sind : Seit dem \. Mai erhält die meteorologische Centralanstalt in Zürich täglich, außer der schon früher täglich eingelaufenen Pariser Depesche, die Morgen- und Mittagsbeobachtungen von 7 schweizerischen meteorologischen Stationen, sowie eine Sammeldepesche aus Hamburg und eine solche aus Florenz. Dieselben enthalten die chiffrirten Beobachtungen einer Anzahl ausländischer Stationen, welche direkt auf der respektiven Cenlralstelle (Hamburg und Florenz) konzentrirt werden. Diese Depeschen langen alle zwischen 12 und 2 Va Uhr Nachmittags in Zürich an. Umgekehrt gehen von Zürich aus nach Hamburg und Florenz sogenannte Sammeltelegramme, d. h. chiffrirte Depeschen, welche die Beobachtungen von einigen Schweizerstationen enthalten. Das erhaltene Material wird sofort kartographisch dargestellt und hiedurch eine Uebersicht über die allgemeinen Witterungszustände in Europa gewonnen, welche dann als Grundlage der aufzustellenden Witterungsprognose für den folgenden Tag dient. Diese Prognosen werden für die Nordostschweiz in Zürich, für die Westschweiz durch das Observatorium in Bern gestellt, welches zu diesem Zweke das gesammte erwähnte Material von Zürich aus erhält. Da die Schweiz in verschiedene, klimatisch mehr oder weniger getrennte Bezirke zerfällt, so empfiehlt sich eine solche Lokalisirung der Prognosenstellung.

Als weitere lokale Centren für die Prognosen sind Genf für das Rhonebeken und Lugano für die Südseite der Alpen in Aussicht genommen ; dieselben haben jedoch ihre Thätigkeit im abgelaufenen Jahr noch nicht aufgenommen. -- Um der praktischen Verwerthung der Prognosen möglichst Vorschub zu leisten, hat die Telegraphenverwaltung die Einrichtung getroffen, daß von Seiten der Gemeinden und Privaten die Witterungsprognosen von Zürich und Bern zu bedeutend reduzirten Taxen als Depeschen bezogen werden können.

Es wurden Abonnements für l, 2 etc. bis 6 Monate mit entsprechenden Taxen von Fr. 10 für einen Monat bis Fr. 45 für 6

38

Monate eingeführt. Das Publikum hat sich denn auch diese Institution zu N uzen gezogen. Es zählte der Kreis Zürich 190 Abonnenten, d. h. Telegraphenbüreaux, an welche die Prognose übermittelt werden mußte und welche täglich zwischen 3 und 4 Uhr Nachmittags von dem einlangenden Bericht Kenntniß erhielten.

An vielen Orten wird die Prognose durch öffentlichen Anschlag bekannt gemacht, an andern werden Kopien an eine Anzahl Subscribenten ins Haus geliefert; auch sind Versuche gemacht worden, den Inhalt des Berichts in weithin sichtbare optische Signale zu übersezen. Der Kreis Bern zählte zirka 50 Abonnenten. Die Ausgabe der Berichte konnte dort erst zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags erfolgen. -- Ende Oktober wurden durch die meteorologische Centralaristalt in Zürich diejenigen Abonnenten, welche während mindestens 100 Tagen das Witterungsbülletin bezogen hatten und somit in der Lage waren, ein genügend begründetes Urtheil sich zu bilden, um Aeußerung ihres Urtheils ersucht. Bis zum 1. Dezember gingen 48 Antworten ein ; hievon sprachen sich 32 über die Institution der Witterungsprognosen günstig aus, 11 knüpften an deren Anerkennung gewisse Reservationen, wünschten aber immerhin deren Fortsezung, und nur 5 hielten dieselben für werthlos.

Die Einnahmen der m e t e o r o l o g i s c h e n K o m m i s s i o n bezifferten sich auf Fr. 16,191. 10, die Ausgaben auf Fr. 15,817. 15; Aktivsaldo Fr. 373. 95.

Die g e o l o g i s c h e K o m m i s s i o n berichtete uns : Die zwei, nach bestimmten Zusagen, im vorigen Jahr erwarteten und am schwersten auf unserem Voranschlag lastenden Arbeiten, die Darstellung der Kontaktzone der Gneiß- und Kalkgebirge im Berner Oberland von Dr. B a l t z e r in Zürich und der Text zu Blatt XXIV (Lugano) von Prof. T a r a n i e l l i in Pavia, sind beide, troz mehrfacher Mahnung, nicht eingegangen. Dagegen konnte endlich das Blatt XII (Freibürg, Bern), an dessen Aufnahme Herr G r i l l i è r o n in Basel seit dem Beginn unserer Arbeiten, Prof.

Bac h m a n n , seitdem er in Bern ist, sich betheiligt haben, veröffentlicht werden. Noch fehlen die erläuternden Texte zu demselben. Aucl» ist Blatt IV (Schaffhausen, Thurgau, St. Galleo) von den Herren S c h a l c h und G- u t z w i l l e r geliefert worden und befindet sich gegenwärtig zu chromolithographischem Druk in Winterthur. Die übrigen noch ausstehenden Blätter sind größenitheils zur Veröffentlichung bereit, die indessen theils wegen noch nicht abgeschlossener Aufnahme, theils um nicht unsern Kredit zu überschreiten, auf die folgenden Jahre verschoben werden muß.

Blatt XIII (Brünig und Berner Oberland) ist im Kalkgebirge von

39

·den Herren M o s c h und K a u f m a n n vollständig aufgenommen.

Den 80-Theil (Quellgebiet der Aare und Rhone) hatte Dr. B al t z er zu liefern zugesagt, ist aber seit zwei Jahren damit im Rükstande.

Blatt XIV (Reußgebiet und Weltbünden) ist noch am weitesten zurük, wird aber nun von Prof. H e i m , der einen Theil davon bereits in seinem 1878 selbstständig erschienenen Werke bekannt gemacht hat, vollständig aufgenommen. Blatt XVII (Berner und Waadtländer Alpen), von den Herren I s c h e r , B. F a v r e und R e n e v i e r aufgenommen, wird im nächsten Frühjahr zum Druk bereit sein. Blatt XVIII (Berner und Walliser Hochgebirge), bis an die Rhone von Herrn v. F e 11 e n b e r g vollständig aufgenommen, kann dem Druk übergeben werden, wenn man sich erlaubt, für den südlich von der Rhone liegenden Theil die vom verstorbenen Ingenieur G- e r l a c h hinterlassenen und früher von der geologischen Kornmission angekauften Aufnahmen zu benuzen.

Blatt XIX (N-Tessin und SW-Bünden), von Dr. R o t h e aufgenommen, ist bis auf einen kleinen, leicht zu ergänzenden Theil, ebenfalls zum Druk bereit. Es wird auch von Dr. R o t h e bereits am Texte gearbeitet. Nur Blatt XXIII (Mt. Rosa-Gruppe) ist bis jezt noch nicht angegriffen worden, da die uns angewiesenen Gelder wohl besser zur Herausgabe bereits zum Druk bereiter Arbeiten verwendet werden.

2. Schweizerische geschichtforschende Gesellschaft; schweizerdeutsches Idiotikon.

An Publikationen der allgemeinen g e s c h i c h t f o r s c h e n d e n G e s e l l s c h a f t der S c h w e i z sind im abgelaufenen Jahre erschienen : a. Jahrbuch für schweizerische Geschichte, Band IV (die bezügliche Abrechnung mit dem Verleger und die Honorare der Verfasser beziffern sich auf Fr. 1766. 40); b. Anzeiger für schweizerische Geschichte, Jahrgang X (die Abrechnung mit dem Druker und Verleger beträgt Fr. 608. 25) ; c. Quellensammlung zur Schweizergeschichte, Band IV (die daherige Abrechnung ist noch nicht geschlossen; sie wird auf Fr. 1500 veranschlagt).

Der Sammlung der kantonalen Grammatik haben sich, laut Bericht des gebchäftsleitenden Ausschusses für das s c h w e i z e r ·deuts'che I d i o t i k o n , solche Schwierigkeiten entgegengestellt, namentlich würde eine erschöpfende wissenschaftliche Behandlung des Stoffes nach dieser Richtung Veranstaltungen erheischen, die so weit über das Maß von Zeit und Mitteln der Redaktionskommission hinausreichen, daß, ohne dieses Fundament zu besizen, an die Ausarbeitung des Wörterbuches gegangen wurde. Auf die

40 Reinschrift einer ersten Lieferung gestüzt, sind mit verschiedenen Verlegern über den Druk des Werkes Verhandlungen angeknüpft worden, über deren Resultat der leitende Ausschuß noch nicht zu berichten in der Lage war. -- Besondere Mühe verursachte die de'm Wörterbuche zu gebende Einrichtung und Schreibweise. Jeder Artikel zerfallt in zwei Abtheilungen, von denen die eine das Faktische,, die andere (in Petitschrift) das Theoretische enthält. An der Spize steht als Stichwort eine Form, welche aus der Zusammenfassung der betreffenden landschaftlichen Aussprachen abstrahirt ist, d. h.

ein allgemeines Allemannisch darstellt und ungesucht, ohne die mundartlichen Prinzipien preiszugeben , dem Hochdeutsch sich nähert. Die Angabe der wirklichen Aussprache folgt gleich hinterher,, und solche Gebilde, deren Rekonstruktion man nicht jedem gebildeten Leser zumuthen kann, werden in der alphabetischen Reihenfolge aufgeführt mit der zugehörigen Verweisung. Da das Stichwort vor Allem das schnelle Finden erleichtern soll, ist dafür Sorge getragen, daß auch seine Schreibung nicht ohne Noth von dem dem Auge gewohnten Wortbilde sich entfernt. Mit Rüksicht auf die gesteigerten finanziellen Anforderungen, welche der nach den skizzirten Maximen auszuführende und nun beginnende Druk des Idiotikons stellen wird, wurde das Hauptpersonal der Redaktion im Berichtjahr bedeutend reduzirt. -- Die Jahreseinnahmen betrugen Fr. 9390. 23, die Ausgaben Fr. 5710. 50, so daß auf Ende 1879 ein Aktivsaldo von Fr. 3679. 73 verfügbar blieb.

3. Schweizerischer Kunstverein.

Der pro 1879 diesem Verein bewilligte Bundesbeitrag von Fr. 6000 hat, bisheriger Uebung gemäß, seine Verwendung zum Ankauf eines durch einen schweizerischen Künstler gemalten Bildes gefunden. Es wurde nämlich von Barzaghi Cattaneo das historische Bild: ,,Jenatsch, nachdenkend über die Befreiung Graubündens von der französischen Herrschaft a erworben und dasselbe der Gemäldesammlung in St. Gallen einverleibt.

An der vom schweizerischen Kunstverein ausgehenden Sammlung für Restauration der ehrwürdigen Tellskapelle haben wir uns unterm 18. November mit Fr. 1500 betheiligt.

4. Versicherungsverein der eidg. Beamten und Bediensteten.

Dieser Verein war zwar bis zum anberaumten Termin (10. Februar 1. J.) noch nicht in der Lage, pro 1879 definitive Rechnung zu

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stellen, immerhin konnte er uns folgende Angaben machen: Die Zahl der neuen Policen beträgt 162 mit einem Versicherungskapital von Fr. 433,500; es starben 34 Mitglieder, die zusammen zu Fr. 79,338 versichert waren ; es traten aus 30 Policen mit einer Versicherungssumme von Fr. 80,800. Nach Abzug der Todesfälle und der erfolgten Austritte ergibt sich gegenüber dem Vorjahr eine Vermehrung des Versicherungskapitals von Fr. 273,362 mit 96 Policen. Bei 2318 Policen beziffert sich das Gesammtversicherungskapital Ende 1879 auf Fr. 5.312,280. Der Vermögensbestand hat sich im Berichtjahr um Fr. 142,804. 54 vermehrt und beträgt auf Jahresschluß Fr. 503,863. 20. Wie hoch das Dekungskapital auf Ende 1879 sich belaufen, beziehungsweise welchen Theil vom Vermögensbestand dasselbe in Anspruch nehmen wird, kann erst nach Bereinigung dei1 noch pendenten Geschäfte sicher angegeben werden ; immerhin sieht der Vereinsvorstand, statt des vorjährigen Defizits von Fr. 13,923, einen Ueberschuß zu Gunsten des Reservefonds von zirka Fr. 15,000 voraus.

5. Schweizerische permanente Schulausstellnng in Zürich.

Bei der Liquidation der Pariser Weltausstellung wurden nach dem Berichte dieses Instituts um geringen Preis eine Menge werthvoller Sammlungsgegenstände erworben, mit welchen sowohl das Ausstellungslokal in Zürich, als auch viele Schulen der Ostschweiz bereichert werden konnten. Bei Anlaß der Generalversammlung der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft in St. Gallen wurde dort eine geographische Ausstellung veranstaltet, bei welcher sich Zürich mit Auszeichnung durch eine Spezialausstellung betheiligte. Unter Mitwirkung der Schulausstellung in Zürich ist es uns möglich geworden, der belgischen Gesandtschaft eine ziemlich vollständige Sammlung der Schulgesezgebüngen der Kantone, bezüglicher Literatur u. s. w. zu übermitteln. -- Die rege Bethätigung zur Herbeiführung einer Centralisirung des Vertriebs von Schreibund Zeiohnurigsmaterialien läßt den Vorstand der Ausstellung hoffen, daß es in nicht allzuferner Zeit möglich sein werde, den schweizerischen Schulen weit besseres Material um viel billigern Preis als bisanhin zu liefern.

Um das Material der Ausstellung und Schulfreunden "ö Lehrern nahe zu legen und zum bessern Verständniß zu bringen, nge wurden über Reliefs und ihre Entstehung, Pestalozzistübchen, Tellurien, Zeichen werke, Schreibunterricht etc. Vorlesungen gehalten, die sich eines großen Zuspruchs erfreuten. Es kam auch die Gründung eines eigenen Organs, ,,Schweizerisches S ch u l archi v "·, zu Stande.

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Die Einnahmen, welche der Ausstellung durch den Bund (Fr. 1000), die Schulpflegen des Kantons Zürich, das Gewerbemuseum Zürich und das Organisationskomite des schweizerischen Lehrertages in Zürich zugewendet wurden, beziffern sich auf rund Fr. 3000; die Ausgaben, bestehend in Anschaffungen für Sammlungen, Bibliothek, Archiv und in Büreauauslagen, betrugen Fr. 3400.

VI. Polytechnische Schule.

  1. Leistungen und Frequenz der Anstalt.

Die Zahl der angekündigten Vorlesungen belief sich im Wintersemester auf 211, im Sommersemester auf 187, von denen 176, resp. 167 wirklich gehalten wurden.

Gegenüber 1877/78 hat sich die Zahl der angekündigten Kurse im Winter um 10 vermehrt, im Sommer um 10 vermindert, während die Zahl der gehaltenen Vorlesungen in beiden Semestern etwas geringer ist.

Was die Frequenz betrifft, so haben sich im Berichtjahre zur Aufnahme gemeldet: im Oktober 1878 189 (im Oktober 1877 232) im April 1879 11 (im April 1878 21) 200 253 und es wurden aufgenommen: im Oktober 1878 175 (im Oktober 1877 207) im April 1879 9 (im April 1878 11)

218=r861/2°;o

184 = 92 %

nämlich : 1878/79

in ,., ,, ^ ,, ,, ,, in

d i e Bauschule .

. . . .

,, Ingenieurschule . . . .

,, mechanische Schule . .

,, chemische Schule . .

,, Forstschule ,, landwirtschaftliche Schule ,, Fachlehrerabtheilung den Vorkurs

10 24 40 31 16 4 19 40 184

1877/78 ° -11

33 43 35 20 6 18 52 218

43

Die Gesammtfrequenz betrug:

1878/79 564 223

au Schülern an Auditoren

1877/78 640 263

Total 787 903 und es zeigt sich sonach gegenüber dem Vorjahre eine Verminderung um 76 Schüler und 40 Auditoren, im Ganzen um 116.

Während des Schuljahres, vor Beendigung ihrer Studien, haben die Anstalt verlassen 41 Schüler, im Jahre 1877/78 115 Schüler.

Aus den obersten Kursen abgegangen 148 ,, ,, ,, ,, 144 ,, 189 Schüler, im Jahre 1877/78 Dieselben abgerechnet von der Gesammtfrequenz der Schule . . . ._564

,,

,,

,,

,,

259 Schüler.

640

,,

ergibt als Uebertrag auf dasJahr!879/80 375 Schüler, auf 1878/79 381 Schüler, oder eine Verminderung um 6 Schüler.

Von den 564 regelmäßigen Schülern fallen auf die Schweiz 300, auf das Ausland 264, gegenüber 331 auf die Schweiz, auf das Ausland 309 im Schuljahre 1877/78.

Das Verhältniß zwischen Schweizern und Ausländern an den verschiedenen Fachschulen und am Vorkurs gleichzeitig verglichen mit dem Vorjahre ist folgendes:

44

1878/79.

1877/78.

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gegenüber 1878/79.

27 11 38 77 121 198

--

7 37

11

60

74 134

67

78 145

--

47 52

22 2

69 54

47 51

37 2

84 53

4

8

12

7

10

17

15 -- 1 , -- -- 5

49 8

11 35

60 43

41 14

10 40

51 54

9 --

-- 11

300 264 564 331 309 640

10

86

Differenz -- 76.

Hiebei entfällt auf die einzelnen Kantone folgende Schülerzahl : Zürich 60, Bern 32, Aargau 29, St. Gallen 20, Graubünden 16, Waadt 16, Solothurn 15, Thurgau 15, Neuenburg 14, Tessin 13, Basel-Stadt 12, Genf 12, Schaffhausen 9, Glarus 8, Appenzell 7, Freiburg 6, Luzern 6, Basel-Landschaft 3, Schwyz 3, Unterwaiden 3, Zug 1.

Von den 264 Ausländern gehörten an: Oesterreich-Ungarn 94, Deutschland mit Elsaß-Lothringen 44, Italien 34, Amerika 2, Rumänien und Serbien 18, Rußland 14. Schweden und Norwegen 10, Großbritannien 7, Dänemark 5, Holland 4, Frankreich 4, Türkei 2, Griechenland 2, Egypten 1.

Die Zahl der Auditoren belief sich im Berichtjahre auf 223, inklusive 80 Studirende der zürcherischen Hochschule, gegenüber

45

263 im Schuljahre 187.7/78, unter welchen 101 Studenten der Universität.

Von denselben wurden irn Wintersemester 347, im Sommersemester 218 einzelne Vorlesungen, resp. Uebungskurse belegt.

2. Fleiss und Disziplin.

In Ausübung der reglementarischen Kontrole über Fleiß und disziplinarisches Verhalten wurden einer größern Anzahl Schüler Ermahnungen durch die Abtheilungsvorstände und den Direktor zu Theil, welche größtenteils gute Früchte trugen. Wegen Unfleiß erhielten 19 Schüler, wegen undisziplinarischen Verhaltens l Schüler die Androhung der Wegweisung. Es betrifft dieses 3,45 °/o der Gesammtschülerzahl gegenüber 4 °/o des Vorjahres.

Endlich wurde die Relegation ausgesprochen : in Folge Unfleißes gegen 4 Schüler, ,, ,, Vergehens ,, l ,, Summa 5 Schüler = 0,88 °/o.

Im Jahr 1877/78 waren es ebenfalls 5 Schüler oder 0,78 %.

Von 51 Bewerbern haben 47 die Diplomprüfung bestanden.

Seit Eröffnung der1 Schule sind Diplome ertheilt worden an 79 Architekten, 309 Ingenieure, 241 Maschineningenieure, 139 technische Chemiker, 115 Forst- und Landwirthe, 96 Fachlehrer.

Summa

979.

Von den gestellten P r e i s a u f g a b e n kamen diejenige der chemisch-technischen und der Forstschule zur Lösung.

Die chemisch-technische Abtheilung verlangte : ,, Erschöpfende und quellenmäßige Darstellung der Chemie des Chlorals und der Trichloressigsäure, verbunden mit der experimentellen Erledigung der noch immer streitigen Frage, in welcher Weise die Trichloressigsäure durch Alkalien zersezt werde. " Die Forstschule stellte als Aufgabe : ,, Die verschiedenen Systeme der Waldbesteuerung, ihre wissenschaftliche Begründung und praktische Ausführung. a

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Für Lösung der Aufgabe der chemisch-technischen Schule wurde der Hauptpreis, für Lösung der Aufgabe der Forstschule der Nahepreis ertheilt. Die Prämirten waren Schweizer.

Die reglementsgemäß vorgesehenen E x k u r s i o n e n fanden auch dieses Jahr in größerer oder geringerer Ausdehnung an allen Fachschulen ihre Ausführung, und wurden auf denselben je nach der Individualität der Abtheilungen architektonische Bauwerke, Brüken- und Eisenbahnbauten, mechanische und chemische industrielle Etablissemente, Gemeinde- und Staatswaldungen, Drainageanlagen und landwirtschaftliche Gutswirthschaften in der Nähe und Ferne besichtigt. Die Studirenden der Geologie und Botanik besuchten auf zahlreichen Ausflügen die geologisch und botanisch wichtigsten Orte der Ebene und des Hochgebirges der östlichen und eines Theiles der Mittel-Schweiz.

3. Sammlungen und wissenschaftliche Anstalten.

Dem daherigen Spezialbericbt, auf welchen im Uebrigen verwiesen wird, entheben wir folgende Angaben : Die Frequenz des p h y s i k a l i s c h e n L a b o r a t o r i u m s belief sich im Wintersemester auf 20, im Sommersemester auf 19 Laboranten.

Im p f l a n z e n p h y s i o l o g i s c h e n I n s fi t u t e arbeiteten während des Wintersemesters 38, während des Sommersemesters 40 Schüler und Auditoren.

Die M öd e l l i r w e r k s t ä t t e und die W e r k s t ä t t e für M e t a l l a r b e i t e n wurden im Wintersemester 1878/79 erstere von 16 Schülern, lezteie von 5 Schülern, im Sommersemester von 8, resp. 4 Schülern besucht.

Im a n a l y t i s c h e n L a b o r a t o r i u m arbeiteten im Wintersemester 56 Schüler und 14 Auditoren, im Sommersemester 45 Schüler und 7 Auditoren.

Die Frequenz des technischen L a b o r a t o r i u m s betrug im Wintersemester 23 Schüler und 3 Auditoren, im Sommersemester 28 Schüler und 2 Auditoren.

L a n d w i r t h s c h a f t l i c h e s L a b o r a t o r i u m . Da der Besuch desselben nur im Sommersemester obligatorisch ist, beschränkt sich die Frequenz im Wintersemester auf l Schüler und l Auditor, während dieselbe im Sommer 23 Praktikanten auswies.

Auf d e m l a n d w i r t h s c h a f t l i c h e n V e r s u c h s f e l d e wurden im Jahr 1879 Versuche angestellt : 1) mit Heublumensaat und Klee-

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grassaat; 2) mit Futtermais und Zukerrohrhirse, und auf das Gesuch des aargauischen landwirtschaftlichen Vereins 3) mit Syrnphytum asperrimum, einem neuen von England aus eingeführten Futtermittel.

Der Versuch mit Heublumen- und Kleegrassaat hatte einen überraschenden Erfolg, während die beiden andern, allerdings auch in Folge der nassen Frühlingswitterung, ein gänzlich negatives · Resultat lieferten. Immerhin waren die Versuche insofern von praktischem Nuzen, als dadurch konstatirt wird, daß die Hoffnungen, die von mancher Seite namentlich auf die Kultur der Zukerrohrhirse gesezt wurden, unter den hiesigen klimatischen Verhältnissen nicht zu verwirklichen sind und daß das Symphytum asperrimum ein Futter erzeugt, welches von den hier hauptsächlich in Betracht kommenden Nuzthieren gar nicht oder nur ungern aufgenommen wird.

Ein Theil des Kredites wurde auf Anlage einer Sammlung von Bodenarten verwendet.

Die l a n d w i r t h s c h a f t l i c h - c h e m i s c h e U n t e r s u c h u n g s und die S a m e n k o n t r o i s t a t i o n haben mit Schluß des Jahres 1879 das zweite Betriebsjafir hinter sich.

Zu den der Untersuchungsstation ursprünglich zugetheilten Funktionen der Düngeranalyse traten auf Anregung des schweizerischen Obst- und Weinbauvereins im Laufe des Berichtjahres noch die Weinanalyse und die Untersuchung der Oechsle'schen Mostprobe.

Die Thäligkeit der Untersuchungsstation hat sich im soeben abgelaufenen Jahre fast in jeder Richtung vervielfacht. Es muß als besonders erfreulich betrachtet werden, daß hieher auch die eigentliche Aufgabe der Station, die Dünger- und Futtermittelkontrole, zu rechnen ist. Man darf daraus mit Recht schließen, daß die Landwirthschaft das für sie gegründete Institut zu würdigen weiß und es zu benüzen Willens ist.

Die Zahl der Firmen, welche ihre Verkaufsartikel der Kontrole unterstellen, ist von 5 im Vorjahr auf 13 gestiegen, worunter sich auch 3 Futtermittelhandlungen befinden.

Die analytische Thätigkeit der Station war eine sehr vielseitige.

Sie erhielt zur Untersuchung : 103 Düngerproben, 9 Futtermittel, 10 Boden- und Gesteinsarten, 43 Getränke, 9 anderweitige Nahrungsmittel und 6 verschiedene Proben. Summa 180 Proben, welche im Ganzen 640 quantitative Bestimmungen erforderten. Im Jahr 1877 wurden 47 Einsendungen geprüft.

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Von den Getränksuntersuchungen umfassen 14 die allgemeine Schweizerweinuntersuchung, 23 ausländische, meist ungarische Weine; ferner figuriren darunter 4 gerichtliche Weinuntersuchungen, eine Milch- und eine Wasseranalyse. An den 180 Untersuchungen partizipiren die Kantone : Zürich mit 59, Thurgau mit 44, Aargau mit 22, Solothurn mit 11, Basel mit 9, Freiburg mit 8, Bern mit 7, St. Gallen und Schaffhausen mit je 4, Schwyz mit 3, Waadt mit 2, Graubünden und Luzern mit je l, das Ausland mit o Untersuchungen.

Außer dieser analytischen Thätigkeit lag der Station die Verifikation von 16 Oechsle'schen Mostwagen ob, die zum größten Theil mit einer fehlerhaften Justirung bis zu 13° eingeliefert wurden.

Zum Zweke der Anstellung von Düngungsversuchen wurde ein Versuchsfeld bei Herrn H. Bertschinger in Oberwyl, Zürich, bestellt und es sollen die daherigen Resultate im nächsten Jahre veröffentlicht werden.

Die Netto-Jahreseinnahmen mit Fr. 2914. 96 wurden auf Kompletirung des Inventars der Station verwendet.

Die Samenkontrolstation stund im Berichtjahr mit 31 Firmen in Vertragsverhältnissen.

Die Zahl der Einsendungen betrug 906, nebst 150 nur auf Keimfähigkeit zu untersuchenden Gemüse- und Blumensamen. Hievon entfallen 867 auf Kontroifirmen, 71 auf Nichtkontrolfirmen, 104 auf landwirtschaftliche Vereine, Landwirthe, Gärtner, Bierbrauer etc., 14 zur eigenen Orientirung ; zusammen 1056 Einsendungen. Dieselben vertheilen sich auf die Kantone: Bern mit 345, Zürich 242, Thurgau 121, Aargau 93, Schaffhausen 67,' Luzern 50, Basel 45, St. Gallen 38, Solothurn 32, Waadt 2, Zug und Freiburg mit je l, das Ausland mit 5, im eigenen Interesse 14 Einsendungen.

Die Netto-Einnahmen belaufen sich auf Fr. 2223. 22. Aus denselben wurden, außer den Kosten für die durchaus nöthige Aushülfe, die Bedürfnisse der Anstalt bestritten.

Die B i b l i o t h e k bereicherte sich um 1077 Bände. Der Bestand beläuft sich auf 21,561 Bände. Die Zahl der periodischen Zeitschriften beträgt wie leztes Jahr 120.

Zum Schlüsse dieses Berichttheiles erübrigt uns noch, der überaus zahlreichen Geschenke für die verschiedenen Sammlungen zu erwähnen und den verehrlichen Gebern hiemit unsern Dank auszusprechen.

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4. Amtsthätigkeit der Schulbehörden.

Der Schulrath behandelte in 12 Sizungen 155 Geschäftsgegenstände; das Präsidialprotokoll weist in der Zwischenzeit die Abwandlung von 397 Traktanden aus.

Mit 31. Juli 1879 ging die fünfte gesezliche fünfjährige Amtsperiode des Schulrathes zu Ende. Das inzwischen zum Direktor der Gotthardbahn ernannte Mitglied, Herr Nationalrath Dietler, lehnte eine Wiederwahl entschieden ab. Die Behörde wurde alsdann durch den Bundesrath für eine neue Amtsdauer in folgenden Mitgliedern und Suppleanten bestellt : Herr ,, ,, ,, ,, ,,

Karl Kappeier, Ständerath, von Frauenfeld, als Präsident; Dr. Alfred Escher, Nationalrath, von Zürich, als Vizepräsident ; Aug. Keller, Ständerath, von Aarau, J , Ed. Desor, Professor in Neuenburg, Mit v A Dr. Fr. v. Tschudi, Ständerath, von St. Gallen, J Mitglieder ; Nationalrath Dr. A. v. Planta von Samaden , ,-, R d R u m· Bern B l als ErsazRud R »,, Professor » Elie Wartmann - ohr von Genf ' l J männer mannei -

Zum Sekretär ernannte der Schulrath den bisherigen, Herrn Gottlieb Baumann von Goßau in Zürich.

Ins Berichtjahr fielen die alle zwei Jahre wiederkehrenden Erneuerungswählen des Direktors der Schule, seines Stellvertreters, der Fachschulvorstände, der Sammlungsdirektoren, des Bibliothekars und der Bibliothekkommission, der Examenkommission etc. Direktor und Vizedirektor der Schule in der Person der Herren Professor Dr. Kenngott und Professor Veith , ebenso die Fachschulvorstände, der Bibliothekar, die Bibliothekkommission und die Sammlungsdirektoren wurden in ihren Stellen bestätigt. Ebenso fand im Personal der schulräthlichen Kommission für Leitung des Aufnah ms Verfahrens keine Aenderung statt.

A e n d e r u n g e n im L e h r e r p e r s o n a l . Es sind auf ihre resp. Gesuche entlassen worden: Herr Dr. A. Kleiner von Maschwanden, Assistent der Physik, in Folge seiner Wahl zum Professor an der Universität Zürich; Herr Moritz Schröter von Zürich, Assistent der mechanischen Schule, in Folge Annahme eines Rufes an das Polytechnikum in München ; und fanden folgende Neuwahlen statt : Herr Emil Kürsteiner von Cincinnati erhielt die Stelle eines zweiten Assistenten der Ingenieurschule; Herr Heinrich Schellhaas von Wipkingen wurde an der Stelle des Herrn Schröter zum Assistenten an der mechanisch-technischen Schule und Herr Viktor Wietlisbach Bundesblatt 32. Jahrg. Bd. II.

4

50 von Bremgarten an der Stelle des Herrn Kleiner zum Assistenten der Physik ernannt.

Als Privatdozenten sind ausgetreten: Herr Dr. Heinrich Contzen^ für Nationalökonomie; Hr. Moritz Schröter, für Fächer des Maschinenbaues; dagegen hat sich neu habilitirt: Herr Dr. Joh. Barbieri von Hottingen, Zürich, für Chemie.

S t i p e n d i e n u n d S c h u l g e l d e r laß. Aus der Chatelain'schen Stiftung wurden für 17 Schüler Stipendien im Gesammtbetrage von Fr. 3200 ausgesezt. 33 Schüler erhielten überdies ganzen oder theilweisen Erlaß des Schulgeldes. Aus den Erträgnissen des Legates des sei. Herrn Professor Escher von der Linth für Unterstüzung dürftiger Geologiestudirender auf geologischen Exkursionen wurden zu diesem Zweke Fr. 223. 70 verwendet.

O r g a n i s a t o r i s c h e s . Zu der Notwendigkeit der Stellvertretung für einzelne Professoren wegen Krankheit gesellte sich die Stellvertretung wegen zeitweiser Vakanz einzelner Lehrstuhle: englische Literatur und Sprache, höhere Mathematik in speziellen Richtungen, schweizerisches Staatsrecht.

Die Ergänzung aller dieser Luken erforderte die Herbeiziehung: und aushülfsweise Mehrbelastung einer Reihe von Haupt- und Hülfslehrern der Schule selbst. Auch an zürcherischen Anstalten funktionirende Lehrer wurden zur zeitweisen Aushülfe beigezogen. Früher bestellte Provisorien in landwirtschaftlichen Fächern blieben auch dieses Jahr fortbestehen. Herr Nationalrath Fürsprech Dr. Ryf verstand sich zu einmaliger Uebernahme des Kolleges über schweizerisches Staatsrecht.

Das Anfügen neuer Vorlesungen zu Kompletirung der Unterrichtsinteressen einzelner Abtheilungen, eine stete Sorge der Schulbehörde, ist neben der Bestellung dieser zahlreichen Provisorien auch im Berichtjahre nicht versäumt worden.

Der Schulrath berieth unter Zuzug von bewährten Praktikern das von Herrn Professor Culmann ausgearbeitete Projekt eine& Reglements für den Betrieb der Festigkeitsprüfungsmaschine, welchem wir unsere Genehmigung ertheilten.

Die militärischen Kurse sollen nunmehr in zwei Semestern abgewandelt werden. Die aufgenommenen Haupt- und Hülfsfächer : Kriegsgeschichte, Strategie und Taktik, Heeresorganisation und Heeresverwaltung, Waffenlehre, Fortiflkation und Schießtheorie (Ballistik) werden von einem Hauptlehrer, Herrn Professor Oberst Rothpletz, und zwei Hülfslehrern, den Herren Artilleriehauptmann

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Affolter und Professor Dr. Geiser gegeben. Für weitere Ergänzungen ist Uebertragung an Lehrer oder Privatdozenten der Schule in Aussicht genommen. Man denkt hiebei namentlich noch folgende Fächer anzufügen : Konstruktion der Fuhrwerke, Fabrikation der Geschosse, Geschüzröhren und Laffeten, Schießpräparate und Explosivstoffe.

R e v i s i o n des D i p l o m r e g l e r n e n t s . Mit Rüksicht auf viele im Laufe der Jahre eingeführte eingreifende Aenderungen in den einzelnen Sektionen der Schule ist vom Schulrathe Einleitung getroffen, das bisherige Diplomreglement für alle Abtheilungen einer gründlichen Durchsicht und Revision zu unterwerfen.

M o d i f i k a t i o n des A u f n a h m s r e g u l a t i v s . Der Schulrath hat einerseits in Nachachtung eines Postulates der eidg. Räthe, anderseits in Uebereinstimmung mit geäußerten Wünschen des Lehrkörpers folgende Zusäze in's Regulativ für die Aufnahmsprüfungen aufgenommen : 1) Die Aufnahmskommission ist ermächtigt: a. den Kandidaten mit Maturitätszeugnissen ausländischer Schulen, deren Organisation und Prüfungsstrenge volle Gewähr der Reife bieten, den Zutritt in den ersten Jahreskurs der einzelnen Fachschulen ohne Prüfung zu gestatten; b. behufs Aufnahme in die landwirtschaftliche Abtheilung denjenigen Kandidaten die Prüfung zu erlassen, welche zufriedenstellende Zeugnisse aus tüchtigen Vorbereitungsschulen (auch Akerbauschulen), oder genügende Zeugnisse über Studien an höhern landwirtschaftlichen Anstalten vorweisen, oder endlich längere Zeit in der landwirthschaftliehen Praxis thätig gewesen sind.

2) Betreffend den Besuch der landwirthschaftliehen Abtheil'ung können Landwirthe von reiferm Alter, welche, ohne an die Jahresfolge gebunden zu sein, eine individuelle Studienrichtung an dieser Abtheilung verfolgen wollen, von strikter Einhaltung der Jahresfolge dispensirt und es kann denselben eine individuelle Auswahl der Vorlesungen gestattet werden.

Der Bundesrath hat unterm 1. Juli 1879 diese Modifikation genehmigt.

Eine vollständige Umarbeitung des Regulativs der Aufnahmsprüfungen im Sinne der Vereinfachung und stärkerer Hervorhebung allgemeiner Bildung ist beabsichtigt und in Vorbereitung begriffen.

(Vide den allgemeinen Bericht über die Reorganisation der Schule, der sich bereits in den Händen der gesezgebenden Räthe befindet.)

Petition der schweizerischen Aerzte und Apotheker p u n c t o L e b e n s m i t t e l c h e m i e und G e s u n d h e i t s p f l e g e . Der

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Schulrath hat zu Händen des Bundesrathes sein Gutachten über die Anregung des Vereins schweizerischer Aerzte und Apotheker, betreffend Behandlung der Lebensmittelchemie und Gesundheitspflege an der chemischen Abtheilung des Polytechnikums, abgegeben. Die Anregung wurde in entgegenkommendem Sinne behandelt. Es wurde vor Allem aus die Erwartung ausgesprochen, daß für die Staatsprüfung der Apotheker mindestens vier Semester Studienzeit am Polytechnikum oder an der Hochschule verlangt werden möchte.

Au der chemischen Fachschule sollen Vorträge über Lebensmittelchemie eingeführt werden. (Dies ist bereits geschehen.) Praktische Uebungen in sanitarisch-polizeilicher Richtung sollen in den Laboratorien abgehalten werden. Zu solchen Untersuchungen sollen namentlich im Neubau der chemischen Laboratorien die nöthigen Einrichtungen vorgesehen werden. Nicht nur den Apothekern, sondern namentlich allen Chemikern der Fachlehrerabtheilung naturwissenschaftlicher Richtung soll zum Besuche der genannten Uebungen Gelegenheit geboten werden.

F o r s t l i c h e s V e r s u c h s w e s e n . Ueber die durch den schweizerischen Forstverein angeregte Frage des forstlichen Versuchswesens, resp. einer mit der polytechnischen Schule zu verbindenden schweizerischen Station nach dieser Richtung und der damit zusammenhängenden Erweiterung und Ausdehnung des forstlichen Untenichtes hat der Schulrath seinen beistimmenden Bericht erstattet.

Die Ausführung dieser, ein bedeutendes Landesinteresse betreffenden Vorschläge wird nun Sache der Bundesbehörden sein. Mit dem Momente, da dieselben in's Leben treten, kann die längst projektirte Ausdehnung der forstwirtschaftlichen Sektion auf drei Jahre erfolgen.

B e z e i c h n u n g f ü r m e t r i s c h e Maße u n d G e w i c h t e . E s wurde ein Fachkollegium der Schule veranlaßt, sich über die beste und mit den Vorschriften der Länder, die dieses System angenommen haben, möglichst übereinstimmende Bezeichnungsart für das metrische Maß- und Gewichtssystem zu Händen des Bundesrathes auszusprechen.

R e o r g a n i s a t i o n d e r p o l y t e c h n i s c h e n Schule. P e t i t i o n des Vereins ehemaliger Polytechniker und damit zus a m m e n h ä n g e n d e E i n g a b e n . Diese für die Anstalt so hochwichtige Angelegenheit hat im Laufe des Jahres, nachdem noch im Anfange desselben bezügliche Eingaben eingingen, durch den schweizerischen Schulrath eine einläßliche Würdigung gefunden. Der Schulrath ist nicht bei einzelnen Anregungen stehen geblieben. Er hat

53 die eingegangenen Petitionen benüzt, eine gründliche und umfassende Prüfung der Anstalt und ihrer möglichsten Hebung in der Zukunft in's Auge zu fassen. Auf Grundlage der eingeholten Gutachten der Lehrer, auch auf Grundlage weiterer mündlicher Ausführung von Delegirten der Petitionäre und ganz besonders mit Verwendung aller seit dem Bestände der Schule gemachten Erfahrungen sind in einer vorberathenden Kommission des Schulrathes und sodann im Plenum des Rathes neuerdings alle Seiten der Frage einläßlich studirt, diskutirt und gewürdigt worden. Hiebei wurden die Frage der Vorbereitung für den Eintritt in die Schule, sodann alle Hauptgrundsäze der innern Organisation des Polytechnikums selbst, die durch den Fortschritt der Wissenschaft verlangten Ergänzungen und Verbesserungen und endlich die ökonomisch gedrükte und unzureichende Gesammtsituation der Anstalt in Erwägung gezogen. Diese Arbeit mit den formulirten Anträgen hat der Schulrath im Laufe des Jahres in einem gedrukten Berichte dem Bundesrath, den eidgenössischen Räthen und der Oeffentlichkeit übergeben. Ein zweiter ergänzender Bericht an den Bundesrath enthielt eine Spezialkritik der einzelnen Abtheilungen der Schule, gleichfalls mit Reformvorschlägen.

B a u l i c h e Fragen. L a n d w i r t s c h a f t l i c h e s Gebäude.

Die ungesunde, feuchte Wohnung des Gärtners und Hauswartes im Souterrain des landwirtschaftlichen Gebäudes ist auf die Vorstellungen des Schulrathes von der Regierung von Zürich durch angemessene bauliche Verbesserungen in einen wohnlichem Zustand gesezt worden.

G e b ä u d e für die F e s t i g keit s p r ü f u n g s ma schine. Die förmliche Kollaudation dieser von dem Bunde im Vorbahnhof der Nordostbahn in Zürich ausgeführten Baute hat in der ersten Hälfte des Jahres stattgefunden. Die Baute ist als eine gelungene zu bezeichnen. Der Kredit, war ausreichend.

Angelegenheit der B a u p f l i c h t für die Z w e k e des P o l y t e c h n i k u m s zwischen dem Bunde und Zürich. Die bald ein Jahrzehend in Behandlung liegende, zwischen dem Bunde und dem Kanton Zürich streitige Baufrage für das Polytechnikum ist durch die Delegirten des Bundesrathes und der zürcherischen Regierung im Laufe des Berichtjahres zu einem vorläufigen Abschlüsse gelangt. Ein Vertragsprojekt wurde vereinbart, das nach dem Urtheile der Delegirten beider Theile den Interessen Zürichs einerseits und denen der eidgenössischen Schule anderseits durchaus entsprach. In -der That schien dieser Entwurf die Fortent-

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wiklung des Polytechnikums und seine Ausgestaltung auf die volle Höhe der Wissenschaft in nächster Zukunft aufs Beste zu sichern.

Der Bund hätte allerdings, wie uns scheint, bei diesem Ausgleich auf günstige ökonomische Resultate für sich verzichtet, indem er in billiger Rüksichtnahme auf die bereits geschehenen Leistungen Zürichs sich mit einer sehr mäßigen Auskaufssumme begnügen und die größere ökonomische Last in Zukunft freiwillig auf seine Schultern nehmen wollte. Die weitern Baubedürfnisse wären in sachlichstem Interesse der Anstalt in Zukunft dem Theile zugefallen, dem Pflicht und Ehre, für die Anstalt aufs Beste zu sorgen, zunächst obliegen. Anderseits war auch für Zürich eine Art des Ausgleiches gefunden, die nicht nur für den Kanton die Baulast mit einer mäßigen Leistung für die Zukunft beseitigte, sondern die Rüktradition der jezigen chemischen Laboratorien sezte den Kanton auch in die Lage, dringenden Bedürfnissen für die höhern kantonalen Unterrichtsanstalten mit geringen ökonomischen Opfern in nächster Zukunft zu genügen. Die zürcherische Regierung hat dann auch einmüthig, der Große Rath nahezu einstimmig den Vertrag ratifizirt und ebenso der Bundesrath demselben seine Genehmigung ertheilt. Es fehlte ab Seite des Bundes noch die Ratifikation der Räthe, ab Seite Zürichs das ratifizirende Referendum des Volkes.

Dieses leztere sollte der Genehmigung durch die eidgenössischen Räthe vorangehen und fiel leider in verneinendem Sinne aus.

Dem Bund bleibt nun einzig noch die Klarlegung der Situation durch gerichtlichen Spruch übrig.

Vertrag über das landwirtschaftliche Versuchsf e l d b e i m S t r i c k h o f . Betreffend den von Zürich auf Ende 1878 gekündigten Vertrag vom 29. Mai 1872 (Ueberlassung und Besorgung des landwirthschaftlichen Versuchsfeldes beim Strickhof) haben die aufgenommenen Unterhandlungen zu einer neuen Vereinbarung geführt, welche von der Regierung von Zürich sowohl, als auch vom Bundesrathe genehmigt worden ist.

VII. Statistisches Bureau.

Da der Bundesrath für die Vorbereitung der Erneuerung der Handelsverträge mit Frankreich, Belgien, Deutschland, Oesterreich und Italien handelsstatistischer Angaben aus den leztverflossenen Jahren bedurfte, so "waren unverzüglich statistische Arbeiten über

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den Handel der Schweiz mit diesen Ländern in Angriff zu nehmen.

Erschienen sind bereits die Arbeiten: H a n d e l der S c h w e i z mit dem K ö n i g r e i c h e B e l g i e n in den J a h r e n 1871--1877, Waarenverkehr ü b e r die Grenze zwischen Deutschl a n d u n d d e r S c h w e i z i n d e n J a h r e n 1875--1877 u n d Handel der Schweiz mit Frankreich in den J a h r e n 1875--1877.

Zum größten Theil vollendet sind die Arbeiten über den Handel der Schweiz mit dem Königreiche Italien in den Jahren 1874--1878 und mit Oesterreich in den Jahren 1875--1878.

Die B e v ö l k e r u n g s b e w e g u n g im J a h r e 1878 wurde in derselben Weise wie in den beiden vorhergehenden Jahren bearbeitet und es hat diese Arbeit in den ersten Wochen des neuen Jahres die Presse verlassen.

Die wöchentlichen Zusammenstellungen über die G e b u r t e n und S t e r b e f ä l l e in O r t s c h a f t e n mit m e h r als 7000 Einw o h n e r n wurde in der bisherigen Form fortgesezt und den betreffenden Ortschaften, sowie einer großen Menge ausländischer Städte und Bureaux als Tauschexemplare zugesandt. Auf das Gesuch, diese Publikation auf Ortschaften von kleinerer, sogar von weit kleinerer Bevölkerungszahl auszudehnen, konnte jedoch nicht eingetreten werden, nachdem man bereits bei den Ortschaften mit blos 7--10,000 Einwohnern die Erfahrung gemacht, wie zufällig die wöchentlichen Ergebnisse bei kleineren Bevölkerungen sind.

Die Ausfuhr der Schweiz nach den V e r e i n i g t e n S t a a t e n im J a h r e 1878 wurde in bisheriger Weise durch das Bundesblatt zur Kenntniß gebracht; ebenso die ü b e r s e e i s c h e A u s w a n d e r u n g von Seh w e i z e r b O r g e r n im J a h r e 1878.

Die Lieferung der Angaben unterblieb nur Seitens des Kantons Uri, welcher vom nächsten Jahre an auch nicht mehr zu fehlen gedenkt.

R e k r u t i r u n g s s t a t i s t i k . Es konnten publizirt werden: ,, Mi 11 h ei l un g en, b e t r e f f e n d die ä r z 11 i c h en U n t e r s u c h u n g e n bei der R e k r u t i r u n g für die Jahrel878 und 1879"; ferner ,, P ä d a g o g i s c h e P r ü f u n g bei d e r R e k r u t i r u n g für das J a h r 1879ttp. Die Ergebnisse der pädagogischen Prüfung bei der Rekrutirung für das Jahr 1880 konnten noch nicht zusammengestellt werden, weil im Berichtjahre noch nicht die Tabellen sämmtlicher Kantone eingegangen waren. Was die sanitarischen Untersuchungen betrifft, so beschloß der Bundesrath, es bei den Zusammenstellungen des eidg. Oberfeldarztes bewenden zu lassen, so lange diese Untersuchungen nicht so einläßlich und genau

56 sein können, um als Grundlage wissenschaftlicher Arbeiten zu dienen.

Die Zusammenstellung der das V e r s i c h e r u n g s w e s e n betreffenden Geseze und Verordnungen der Kantone wurde im Berichtjahre vollendet und derselben im Anhang eine Uebersicht der Ergebnisse der kantonalen Brandversicherungsanstalten seit 1861, als Fortsezung der 1862 erschienenen bezüglichen Arbeit des statistischen Bureau, beigefügt. Auf eine Uebersicht der Ergebnisse der Privatversicherungsanstalten verzichtete der Bundesrath, nachdem Seitens einzelner Lebensversicherungsgesellschaften dessen Befugniß, vor Aufstellung legislatorischer Grundlagen (Verordnung oder Gesez) die Ausfüllung eines Formulars zu verlangen, in Frage gestellt wurde.

Da inzwischen die Frage der Uebernahme der Mobiliarversicherung durch die Kantone auf verschiedenen Punkten der Schweiz angeregt wurde, glaubte der Direktor des eidg. statistischen Bureau, diese Frage, gestüzt auf das in seinen Händen befindliche, wenn auch nicht vollständige Material, vorläufig in einer Privatarbeit (,,der Betrieb von Versicherungsgeschäften durch den Staat"), welche in der schweizerischen Zeitschrift für Gemeinnüzigkeit erschien und an der Jahresversammlung der schweizerischen gemeinnüzigen Gesellschaft diskutirt wurde, besprechen zu sollen. Auch wurde der Direktor des Bureau mehrfach als Mitglied von Kommissionen,, welche von einzelnen Departementen für Vorbereitung legislatorischer und administrativer Fragen niedergesezt wurden, in Anspruch genommen (Gesezgebung für Versicherungswesen, Auswanderungswesen, Verordnung betreffend Civilstandswesen). Ebenso suchten er und andere Kräfte des Bureau, so viel an ihnen, auch in dem abgelaufenen Jahre die Bestrebungen der schweizerischen statistischen Gesellschaft, welche vom Bunde mit einem Beitrag unterstüzt wird, zu fördern.

vni. Abtheilung Bauwesen.

  1. Allgemeines.

Laut leztjährigem Berichte haben wir die Erlassung der Geschäftsorganisation der Bauabtheilung des Departements des Innern für das Berichtjahr vorgesehen. Dieselbe ist dann auch unterm 27. März 1879 erfolgt.

57

Unterm 8. März 1879 haben wir ferner die VollziehungsVerordnung zum Geseze betreffend die Wasserbaupolizei im Hochgebirge, vom 12. Juni 1877, erlassen.

Da laut Erwähnung im leztjährigen Berichte bei Aufstellung des technischen Personals auf das besondere Bedürfniß für die Wasserbaupolizei noch keine Rüksicht genommen wurde, so ist dieß für das laufende Jahr durch eine im Budget vorgesehene Aushülfe geschehen.

Wir werden aber den Antrag auf ständige Anstellung eines Ingenieurs mit Rüksicht auf die daherigen Arbeiten einbringen.

Durch Kreisschreiben vom 10. Januar 1879 haben wir die betreffenden Kantons-Regierungen eingeladen, bis spätestens zum 6. Oktober, als dem Tage des Ablaufes der gesezlichen zweijährigen Frist, die Geseze oder Verordnungen betreffend Wasserbaupolizei einzusenden.

Unterm 27. Dezember wurden diejenigen Regierungen, welche dieses Kreisschreiben noch nicht beantwortet hatten, hieran erinnert.

Unterm 8. März 1879 haben wir die Grundsäze festgestellt, an welche das Departement des Innern bei der Vorberathung der kantonalen Geseze oder Verordnung betreffend Wasserbaupolizei sich halten soll.

B. Eigenes Bauwesen des Bundes.

I. Hochbauten.

Während des Berichtjahres sind nebst den gewöhnlichen Arbeiten für den Unterhalt der eidgenössischen Gebäulichkeiten auch wieder verschiedene Um- und Ergänzungsbauten, von welchen wir nachstehend die Bedeutenderen aufzählen, ausgeführt worden : 1) Umbau der Kunstsäle und des zu denselben führenden Treppenhauses im Bundesrathhaus, sowie Erstellung von Magazinen in den Dachräumen daselbst; 2) Pferde-Springgarten auf der Allmend in Thun; 3) Großer Krahnen im Zeughaus Nr. II in Thun ; 4) Umzäunungen und Blizableitungen bei dem Feuerwerkersaalgebäude und dem dazu gehörenden Munitionsmagazin in Thun ; 5) Blizableitung des Speiseanstaltgebäudes in Thun; 6) Gestelle für Pferdeausrüstungsgegenstände im Zeughaus Luzern ;

58 7) Umbau des Verkohlungshauses bei der Pulvermühle Chur, sowie Erstellung eines Retortenofens und eines freistehenden Dampfkamines daselbst; 8) Ausbau des dritten Stokes des Zollgebäudes Castasegaa ; 9) eingreifende Instandstellungs- und Umbauarbeiten an den Zollhäusern Col des Roches und Meudon ; 10) erster Theil der Instandstellung der neu angekauften großen Postremise in Chur (früheres Reitbahngebäude).

Ferner gelangten in diesem Jahre folgende Neubauten zur Ausführung : 1) ein Magazingebäude für den Schießoffizier des Waffenplazes Thun ; 2) ein Schußbeobachtungshaus auf der Allmend in Thun; 3) ein Werkstattgebäude für die Kriegsdepotverwaltung in Thun; 4) ein Stallgebäude auf der Allmend in Thun ; 5) drei Fourageschuppen ebendaselbst; 6) ein Munitionsmagazingebäude in Thun; 7) ein Zollgebäude in Gondo ; 8) ein Munitionsmagazingebäude in Gümlingen; 9) ein Munitionsmagazingebäude in Schwyz.

*· Für die beiden leztgenannten Bauobjekte erhielten wir die Baubewilligungen erst im Spätsommer und wurde daher der Beginn der Arbeiten so weit hinausgeschoben, daß diese Gebäude zwar noch vor Eintritt des Winters unter Dach gebracht werden konnten, deren Ausbau jedoch erst im kommenden Frühjahr möglich wird.

Die aus dem nämlichen Grunde im Jahr 1878 nicht zur Vollendung gekommenen Munitionsmagazingebäude in Payerne, Freiburg und Chur, sowie das Zollgebäude Oberriet wurden im Berichtjahre fertig erstellt und den betreffenden Verwaltungen zur Benüzung übergeben.

II. Straßenbauten.

Der der Eidgenossenschaft auffallende Unterhalt der auf ihren Besizungen liegenden oder zu denselben führenden Straßen und Wege wurde in gewöhnlicher Weise besorgt.

Nebstdem wurde in Thun das lezte Stük Rollbahn, welche die verschiedenen Gebäulichkeiten des Laboratoriums untereinander verbindet, ausgeführt.

59 An dieser Stelle erwähnen wir auch die Verebnung von Erdwerken auf der Allmend in Thun, sowie die Auffüllung der alten Kiesgrube daselbst, welche Arbeiten jedoch wegen der früh eingetretenen großen Kälte eingestellt werden mußten und daher erst im nächsten Frühjahr zur Vollendung kommen können.

III.

Wasserbauten.

Die Besorgung des Unterhalts der Fabrikkanäle in Lavaux, Worblaufen, Köniz, Kriens und Chur fand ebenfalls in gewöhnlicher Weise statt.

Bezüglich der Uferversicherungsbauten an der Aare längs der Allmend in Thun ist zu bemerken, daß wir uns im lezten Winter auf die Ergänzung der Uferversicherungen an einzelnen Stellen und auf die Anschaffung eines größern Quantums Bruchsteine, welche bei den spätem Uferbauten zur Verwendung kommen werden, beschränkten.

In diesem Jahre kam auch die Kanalisation des Kasernenareals in Thun, mittelst welcher die Abwasser in die Aare geführt werden, zur Ausführung. Diese Arbeiten sind in jeder Beziehung gelungen und es ist hiedurch einem längst gefühlten Uebelstand gründlich abgeholfen worden.

Beim Zollhaus Campocologno erfolgte ein Felssturz, welcher den hart an diesem Gebäude vorbeifließenden Poschiavino staute und das Zollhaus bedrohte, weßhalb in dem Flußbette Räumuugsarbeiten vorgenommen werden mußten.

IV. Bauliche Arbeiten in gemieteten Gebäuden.

In den Divisionsdepots Aarau und Zürich sind die für die Magazinirung der Beschirrungen und sonstigen Pferdeausrüstungsgegenstände erforderlichen Gestelle und Einrichtungen ausgeführt worden.

C. Mobiliar.

Der Bedarf an Neuanschaffungen war auch in diesem Jahre ein ausnahmsweise starker und ist der Grund hievon hauptsächlich im Bezug der neuen Lokale des dritten Stokwerkes des Bundesrathhauses (frühere Kunstsäle), sowie der durch den Ausbau des alten Treppenhauses daselbst gewonnenen Zimmer, welche sofort zwekmäßige Verwendung fanden, zu suchen.

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D. Beschaffung von Büreanlokalen für die eidgenössische Centralverwaltung.

Anschließend an das im lezten Geschäftsbericht über die Frage betreffend die Erstellung eines neuen Verwaltungsgebäudes Gesagte ist zu erwähnen, daß wir über das Inselspitalgebäude eine eingehende Untersuchung vornehmen, den Werth desselben bestimmen und die Instandstellungs- und Umbaukosten berechnen ließen. Ein Gleiches geschah bezüglich des Postgebäudes Bern, welches wir Ihnen, nebst dem Inselspitalgebäude, statt der Erstellung eines Neubaues, mittelst Botschaft vom 9. Dezember 1879 zum Ankaufe empfohlen haben.

Durch Bundesbeschluß vom 23. Dezember 1879 haben Sie uns dann zum Ankaufe des Postgebäudes ermächtigt, während die Frage betreffs des Inselgebäude-Ankaufes zu weiterer Prüfung an uns zurükgewiesen worden ist.

Durch den Ankauf des Postgebäudes, in welchem nebst dem Hauptpost- und Telegraphenamt, der Kreispostdirektion und der Telegrapheninspektion die ganze Centralpost- und TelegraphenVerwaltung untergebracht werden kann, wird es nun möglich, den im Bundesrathhause verbleibenden Verwaltungen die im Interesse des Dienstes liegende nothwendige räumliche Ausdehnung geben und zudem den jezt außerhalb des Bundesrathhauses befindlichen Abtheilungen der Centraladrninistration, mit Ausnahme der gesammten Militärverwaltung, in Lezterem ihre Bureaux anweisen zu können. Es wird sonach bezüglich der Beschaffung von Bureaulokalen für die eidgenössische Centralverwaltung nur noch übrig bleiben, in Betreff der Unterbringung der sämmtlichen Abtheilungen des Militärdepartements in e i n e m Gebäude zu einem Entschlüsse zu gelangen.

Infolge der auf 1. Januar 1879 in Kraft getretenen neuen Organisation des Bundesrathes mußten verschiedene Aenderungen in der Zutheilung der Räumlichkeiten im Bundesrathhause vorgenommen und einzelnen Departementen neue Zimmer angewiesen werden. Des leztern Umstandes wegen waren wir gezwungen, einen Theil des technischen Eisenbahninspektorates und das Bureau des Eisenbahnstatistikers auf einige Zeit außerhalb des Bundesrathhauses unterzubringen und hiefür die nothwendigen Zimmer zu miethen.

Nachdem Sie den Umbau der alten Kunstsäle bewilligt hatten, wurden die abgeschlossenen Mietverträge gekündet und es konnten die genannten Beatntungen auf 1. Oktober und 1. November 1879 ihre Zimmer im Bundesrathhause beziehen.

61 Im Militärdepartementsgebäude an der Bundesgasse machte sich der Mangel an genügenden Lokalitäten für die darin untergebrachten Verwaltungen höchst fühlbar, zudem zeigte sich, daß die auf der Nordseite gelegenen Zimmer des Erdgeschoßes, weil allzu feucht und ungesund, sich nicht zur Benüzung als Bureaux, sondern nur als Magazine eignen. Wir waren daher genöthigt, im Nebengebäude das Entresol zu miethen, welche Räumlichkeiten von der administrativen und technischen Abtheilung der Kriegsmaterialverwaltung bezogen wurden.

E. Verschiedene Aufträge betreffend Hochbau.

Von Geschäften, welche sich nicht auf das eigene Hochbauwesen des Bundes, sondern auf vom Bunde zu miethende, in dessen Einverständniß oder nach dessen Programm zu errichtende Gebäude beziehen, haben wir auch in diesem Jahre unserm Baubüreau mehrere zur Begutachtung überwiesen. So dasjenige betreffend das Bundesgerichtsgebäude in Lausanne, das Zollhaus in La Cure, die Postgebäude in Chaux-de-Fonds und Sissach. Die Behandlung dieser Geschäfte geht aus dem Jahresberichte derjenigen Departemente, in deren Ressort die Materie einschlägt, hervor.

F. Kantonale Straßen und Brükeu.

  1. Oberaufsicht Über den Unterhalt.

In gewohnter Weise sind bezüglich der Straßen, an deren Unterhalt der Bund ein Interesse hat (Art. 37 der Bundesverfassung), im vergangenen Jahre vom eidg. Oberbauinspektorate wieder Inspektionen vorgenommen worden. Die Ergebnisse derselben 'geben zu besondern Bemerkungen diesmal nicht Veranlaßung.

Anfangs des lezten Winters (1879--1880) erfolgten Beschwerden von Urnerseite wegen Besorgung der Schneebahnung am Gotthard auf Tessinergebiet, wie auch wegen angeblich vernachläßigtem Sandstreuen auf glatten und noch mit Wagen befahrenen Streken auf Urnergebiet selbst und veranlaßten zu Korrespondenzen mit den Regierungen dieser beiden Kantone.

Die Regierung des Kantons Waadt sandte mit Empfehlung zur Berüksichtigung ein Gesuch der Gemeinde Saint-Cergues um einen Bundesbeitrag an den Schneebruch auf dortiger Poststraße ein, auf welches wir erwiederten,' daß uns keine Büttel hiefür zur Verfügung ö O stünden und daß wir auch nicht einen bezüglichen Antrag bei den gesezgebenden Räthen stellen könnten.

62 2. Subventionirung von Neubauten.

  1. Die J a v r o z b r ü k e auf der B u l l e - B o l t i g e n s t r a ß e .

Wir haben im leztjährigen Berichte bemerkt, daß von solchen Bauten gegenwärtig nur die zur Bulle-Boltigenstraße gehörige, aber laut Bundesbeschluß vom 8. Februar 1872 besonders subventionnée Javrozbrüke mit Zufahrten vorliege.

Ueber diesen Gegenstand fanden im Berichtjahre Korrespondenzen mit der Regierung von Freiburg statt, welche leztere dann unterm 28. November die definitiven Pläne, Voranschläge, Pflichtenhefte und Bauverträge einsandte.

Der Voranschlag beläuft sich für die Brüke selbst auf Fr. 187,790 Für die Zufahrten, beziehungsweise die Straßenstreke zwischen Grand-Colin und Charmey .

.

Auf die Behandlung eines Gesuches der Regierung von Freiburg, betreffend Bewilligung einer Nachsubvention für den auf dortiges Gebiet fallenden Theil der Bulle-Boltigenstraße überhaupt, glaubten wir nicht eintreten zu sollen, bevor dieser Straßenbau mit der Vollendung der Javrozbrüke zum gänzlichen Abschlüsse gekommen sein wird.

b. S t r a ß e n d a m m ü b e r den Z ü r i c h s e e bei R a p p e r s w y 1.

Im leztjährigen Berichte wurde erwähnt, daß diese Unternehmung sich mit Erfüllung aufhabender Verpflichtungen betreffend Baggerungsarbeiten noch im Rükstande befinde und daß deßhalb von Schiffern auf dem Zürichsee Reklamationen erhoben worden seien. Diese Angelegenheit, mit welcher auch die Frage der Benuzung der Drehbrüke in Verbindung steht, gab im Berichtjahre zu Verhandlungen mit der Linthkommission und den Regierungen von Zürich und St. Gallen, beziehungsweise der Gemeinde Rapperswyi und der Unternehmung der Zürichsee-Gotthardbahn Veranlaßung.

63

Nach einer von unserm Departement des Innern zu Rapperswyl selbst am 29. Oktober mit Abgeordneten aller interessirten Parteien abgehaltenen Konferenz faßten wir zur endlichen Erledigung am 20. November einen Beschluß, wonach einentheils, von dem regelmäßigen Gebrauche der Drehbrüke absehend, dem Bundesrathe die daherigen Verfügungen für jene Wasserstände, wo das Oeffnen derselben als Bedürfniß für die Schiffahrt erscheint, vorbehalten bleiben ; anderntheils die Regierung von St. Gallen verpflichtet wird, dafür zu sorgen, daß die Ausräumung eines Fahrweges auf der Hurdener- (Schwyzer-) Seite, nach gegebenen Vorschriften stattfinde.

3. Verschiedene Straßen- und Briikenangelegenheiten.

  1. T r e s a b r ü k e bei C r e m e n a ga.

Diese im leztjährigen Berichte erwähnte Angelegenheit fand im Berichtjahre die Erledigung damit, daß ein Tessinerseits bezüglich der Reparatur dieser Grenzbrüke angefertigter Voranschlag Italienischerseits angenommen wurde.

Wir nahmen nämlich an und haben dieß auch gegen die Regierung von Tessin ausgesprochen, daß das Weitere in dieser nach dem Geldbetrage geringfügigen Sache direkt, also ohne fernere Betretung des diplomatischen Weges, mit den betreffenden italienischen Lokalbehörden geregelt werde.

b. S t r a ß e von C e n t o - V a l l i .

Weitere diesen schon wiederholt in unsern Geschäftsberichten behandelten Gegenstand betreffende Mittheilungen der Regierung von Tessin bestätigen blos, daß der gesezlich zulä-ßige Staatsbeitrag für genannte Straße vom Großen Rathe noch nicht bewilligt worden sei, aber auch im Falle der Bewilligung desselben die Gemeinden von Cento -Valli den ihnen selbst verbleibenden Theil der sehr großen Kosten nicht zu bestreiten vermöchten. Wir theilten demgemäß der Regierung von Italien mit, daß Tessin zur Zeit die von dort mit Rüksicht auf den fraglichen Straßenanschluß verlangten bestimmten Zusicherungen nicht geben könne, ohne zwar die Sache als definitiv aufgegeben betrachten zu wollen.

Es folgten dann noch direkte Eingaben der betheiligten tessinischen Gemeinden Palagnedra, Intragna und Borgnone und darauf bezügliche Aeußerungen der Regierung von Tessin, in deren Meinung es lag, daß mit dem Anerbieten eines Bundesbeitrages ein

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Anstoß in dieser Sache gegeben werden möchte, worauf wir erwiederten, daß der Bundesrath erst durch ein formelles, von nöthigen technischen Vorlagen begleitetes Subventionsgesuch sich veranlaßt finden könnte, einen dießbezüglichen Antrag an die Bundesversammlung zu bringen, also bis zu Erfüllung dieser nothwendigen Vorbedingungen sich lediglich zuwartend in der Sache verhalten werde.

Gr. Allgemeines Wasserbauwesen.

  1. Oberaufsicht Über die Wasserbaupolizei.

Aus dem schon im lezten Bevichte angegebenen Grunde, daß die den Kantonen zu Einreichung ihrer G-eseze oder Verordnungen, betreffend die Wasserbaupolizei, eingeräumte Frist von zwei Jahren erst gegen Ende 1879 abgelaufen ist, konnte diese Oberaufsicht, insoweit sie abgesehen von Subventionirung stattzufinden hat, auch leztes Jahr noch nicht i n's Leben treten. Dagegen fand unser technisches Personal, wie schon in frühern Jahren, auf diesem Gebiete wieder im Verhältnisse zu seinem Bestände sehr ausgedehnte Beschäftigung im Bureau uad auf dem Felde bezüglich der Prüfung der auf Subventionsgesuche bezüglichen Vorlagen, dann der Ueberwachung der Ausführung subventionirter Werke, sowie der Verifikation auf solche bezüglicher Kostenrechnungen, wozu noch eine größere Zahl anderer einschlägiger Aufträge laut näherer Angabe in der weiter unten folgenden Abtheilung ,,Verschiedenes " kommen.

2. Subventionirung von Korrektionen und Verbauungen durch Bundesrathsbeschlüsse.

K a n t o n Bern.

Die Ausführung des Kanal-oder Schalenbaues am G r ü n b a c h bei M er l i g en am Thunersee wurde fortgesezt und es ist eine dem Fortschritte derselben entsprechende weitere Zahlung im Betrage von Fr. 5000 an den Bundesbeitrag geleistet worden. An der Verbauung des obern Laufes dieses Baches, für welche ebenfalls ein Bundesbeitrag zugesichert und das Ausführungsprojekt sammt definitivem Voranschlag von uns genehmigt ist, wurde noch nicht gearbeitet.

Bezüglich des R i e d e r n b a c h e s bei O b e r h o f e n wurde die Subventionsbewilligung sowohl für die Korrektion des untern Laufes längs dem Dorfe, als für die Verbauung im obern Laufe grund.säzlich ausgesprochen und für erstere Abtheilung auch dem Ausführungsprojekte und dem definitiven Voranschlage die Genehmigung ertheilt.

65 Für das obere Gebiet sind die speziellen Vorlagen noch nicht gemacht.

Bezüglich einer angemeldeten Verbauung am hohen Niesen im D i e m t i g e r t h a ï e hat erst die vorläufige Besichtigung zur geeigneten Jahreszeit stattzufinden.

Auch die von der Regierung von Bern angemeldete Absicht, um eine Subvention für die V e r b a u u n g der G e b i r g s g ü r b e einzukommen, konnte mit Rüksicht auf die eine Besichtigung ausschließende Jahreszeit bisher nur zu einer vorläufigen Konferenz beidseitiger Techniker Anlaß geben.

L u z er n.

Den voriges Jahr auf Wunsch der Regierung von Luzern sattgehabten Untersuchungen, betreffend Korrektionen und Verbauungen an der E m m e und Z u f l ü s s e n bei P l ü h l i , hat diese Regierung bisher keine weitere Folge gegeben.

Dagegen hat auf deren bei Anlaß eines im leztes November zu V i z n a u eingetretenen Naturereignisses ausgesprochenen Wunsch daselbst eine Besichtigung durch den eidg. Oberbauinspektor stattgefunden. Es handelte sich dabei um einen am Viznauerstok entstandenen Felssturz und dadurch in Folge besonderer Vorumständung veranlaßte sehr heftige und lang andauernde Geschiebsentleerung durch den Altdorfbach bei Viznau. Bei diesem Anlasse kamen Arbeiten zum Zweke der Verbesserung der gefahrdrohenden Zustände an diesem Bache zur Sprache, dagegen sind darauf bezügliche Vorlagen an uns bisher nicht gelangt.

Uri.

Für die Korrektion des F ä r z b a c h e s auf dem U r n e r b o d e n , deren Subventionirung schon früher beschlossen war, wurde im Berichtjahre eine von dortiger Regierung nachgesuchte Modifikation des Projektes und des Voranschlages mit etwelcher Aenderuug genehmigt. Ausgeführt ist daran noch nichts.

S e h w y z.

Die leztes Jahr gemeldeten Untersuchungen an den Gewässern im I n n e r - W ä g g i t h a l hatten bisher keine hierauf bezüglichen Vorlagen von Seiten dieses Kantons zur Folge.

0 b w a l d e n.

Die Melchaa- und Aavrasserkorrektion findet sich weiter unten bei den durch Bundesbeschluß subventionirten Unternehmungen behandelt.

Bundesblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

5

66

Die K o r r e k t i o n und V e r b a u u n g der k l e i n e n Schlieren T für welche laut leztjährigem Berichte durch Bundesrathsbeschluß ein Bundesbeitrag bewilligt wurde, gelangte im Berichtjahre noch nicht zur Ausführung.

Nidwaiden.

Die V e r b a u u n g des B u o c h s e r - D o r f b a c h e s bildete laut leztjähriger Mittheilung den Gegenstand einer auf Wunsch der Regierung von Nidwaiden dem Oberbauinspektor aufgetragenen.

Expertise.

Dieselbe gelangte im Berichtjahre, nachdem von dieser Regierung dann ein darauf bezügliches Subventionsgesuch gestellt und demselben von uns entsprochen worden war, auch bereits zur theilweisen Ausführung, in Folge dessen eine Abschlagszahlung an den Bundesbeitrag im Betrage von Fr. 1416. 88 geleistet worden ist.

G l a r u s.

Betreffend die K o r r e k t i o n und V e r b a u u n g des G u p p e n r u n s bei Schwanden sind Ausführungsprojekt und Voranschlag der Sektion Eichwald-Weingellensteg nach einverstandenen Modifikationen genehmigt worden.

Die Polizeikommission des Kantons Glarus theilte das befriedigende Ergebniß der regelmäßigen jährlichen Besichtigung der Verbauungen im obern Theile des Guppenruns mit.

F r e i b u r g.

Auf den Wunsch der Regierung von Freiburg wurde die Besichtigung des W i l d b a c h e s M o r t i v u e 'bei S e m s a l e s dem Oberbauinspektor aufgetragen und von diesem mit dem Kantonaingenieur und Abgeordneten der Gemeinde vorgenommen.

St. G a l l e n .

Hier fand die grundsäzliche Bewilligung von Bundesbeiträgen, vorbehaltlich der sektionsweisen Genehmigung der detaillirten Ausführungsprojekte und Voranschläge, für die Verbauung des K i r c h e n baches und des L a u i b a c h e s zu Wall en st ad t und des T r ü b b a c h e s bei T r ü b b a c h statt.

Für den V i l t e r s e r b a c h wurde das eingereichte Verbauungsjprojekt sammt Voranschlag definitiv genehmigt.

67

Ein den K a l t b r u n n e r - D o r f b a c h betreffendes Korrektionsund Verbauungsprojekt wurde erst im November eingereicht und befindet sich noch im Stadium der technischen Prüfung und Begutachtung.

Graubünden.

In diesem Kanton wurden im Berichtjahre folgende Arbeiten ausgeführt und subventionirt: I. Im G e b i e t e des Vorder r - R h e i n s : a. Korrektionsarbeiten am Rhein selbst auf Gebiet der Gemeinden Somvix und Ilanz; b. Korrektionsarbeiten am Glenner auf Gebiet der Gemeinden Ilan Seevis und Kästris.

II. Im G e b i e t e des H i n t e r - R h e i n s : a. Im Rheinwaldthale : Bewuhrung des Rheins auf Gebiet der Gemeinde Nufenen, dann Verbauungsarbeiten am Medelserbache ; b. im Schamserthàle, Rheinbewuhrung bei Andeer; c. Rheinbewuhrung zu Rhäzüns in der Isla; d. im Albulathale: Verbauung des Albertibaches zu Davos-Plaz, ferner Verbauung des unterspülten Abhanges au der Albula im Schyn und Bewuhrung der Albula zunächst oberhalb der Einmündung in den Rhein.

III. V e r e i n i g t e r R h e i n : a. Korrektionsarbeiten am Rhein selbst auf Gebiet der Gemeinden Chur, Haldenstein, Untervaz und Trimmis; b. Verbauungen bei Chur in Valparghera und in der Altenschuzrüfe ; c. im Lanquartthale, auf Gebiet der Gemeinde Schiers: Bewuhrung des Schraubaches; auf Gebiet der Gemeinde Fideris: Bewuhrung der Lanquart.

IV. Im M o e s a - G e b i e t e : a. Auf Gebiet der Gemeinde Cabbiolo: Verbauung des Tobels al Grotto di Cabbiolo ; b. auf Gebiet der Gemeinde St. Vittore : Bewuhrung der Moesa.

Für die im Berichtjahre ausgeführten Arbeiten berechnet sich der Bundesbeitrag auf Fr. 56,756, woran bisher bezahlt sind

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Fr. 50,000. weil für einige Arbeiten die Verifikation nach Eingang der Abrechnung auf dem Terrain nicht mehr vorgenommen werden konnte.

Für das Baujahr 1880 ist von der Regierung von Graubüuden eine neue Bauvovlage eingereicht worden.

T e s s i n.

Für am D r a g o n a t o - B a c h e bei B e l l i n z on a ausgeführte Verbauungsarbeiten wurde, wie im lezten Geschäftsberichte schon bemerkt ist, die Abrechnung nach Ablauf des Rechnungsjahres 1878 eingereicht. Dieselbe konnte daher erst 1879 behandelt werden und es wurde dann der danach treffende Bundesbeitrag von Fr. 2580 ausbezahlt.

Für die Korrektion des F l u s s e s V e d e g g i o bei B i o g g i o hatten wir schon im Jahr 1876 einen Bundesbeitraa bewilligt.

TMÖ Nachdem seither an der Ausführung noch nichts geschehen war, kam die Regierung von Tessin darum ein. daß in Berüksichtigung der Hilfsbedürftigkeit der Gemeinde Bioggio die nach der nun geltenden Bestimmung des Wasserbaupolizeigesezes zuläßige Erhöhung des Bundesbeitrages von 30 auf 40 °/o der wirklichen Kosten bewilligt werden möchte. Unter gleichzeitiger Revision des als Maßstab für den Maxi m al bei trag dienenden Kostenvoranschlages wurde dem Gesuche entsprochen.

Die Ausführung der laut leztjährigem Berichte zur Subventionirung zugelassenen linkseitigen Bewahrung der Ver za se a b e i G o r d o l a ist ini Berichtjahre noch nicht erfolgt. Diese zunächst durch die sehr gefährdete Lage der Gemeinde Gordola veranlaßte Bewuhrung dient gleichzeitig zum Schuze der nächst unterhalb liegender Eisenbahnbrüke. Zu Erzielung dieses Schuzes auch auf der rechten Seite beabsichtigt die Gotthardbahn dort ebenfalls eine Wuhraulage und es ist das von ihr vorgelegte Projekt, als dem linkseitigen entsprechend, genehmigt worden.

W a a d t.

Bezüglich der Verbauung des obern Laufes der G r y o n n e waren 1878 mit der grundsäzlichen Bewilligung der Subventionirung dieses Werkes zugleich für eine Sektion das Ausführungsprojekt und der definitive Voranschlag genehmigt worden. Die rapiden Fortschritte, welche die Vertiefung des Bachbettes und die dadurch veranlaßten Bodenbewegungen machten, ließen es aber dringend nothwendig erscheinen, die Arbeiten sofort auch auf der übrigen

69 Streke in Angriff zu nehmen, und es wurden daher im Berichtjahre für diese das Projekt und der Voranschlag präzisirt.

Demgemäß wurden auch die Arbeiten an allen den Stellen, wo das dringendste Bedürfniß dafür bestand, in Angriff genommen und es' sind entsprechend ihrer bis Ende 1879 erfolgten Ausführung an den Bundesbeitrag Fr. 7,600 ausbezahlt worden.

Betreffend die Fortsezung einer begonnenen Verbauungsarbeit a n d e r G r a n d e E a u zu A i g l e haben Verhandlungen stattgefunden, die noch nicht zum Abschlüsse gekommen sind.

Betreffend die V e v e y s e hat die Regierung von Waadt den Wunsch ausgesprochen, daß durch den eidg. Oberbauinspektor eine Besichtigung mit Rüksicht auf beabsichtigte Verbauungsarbeiten vorgenommen werde. Da aber ein dabei in Aussicht gestelltes übereinstimmendes Gesuch von Seiten des mitinteressirten Kantons Freiburg noch nicht eingegangen ist, so unterblieb bisher diese Besichtigung.

Wallis.

Hier wurde die Ausführung der parallel zur Rhonekorrektion gehenden Entsumpfungskanäle von Brieg bis zum Genfersee fortgesezt. Dieselbe ist nun schon in verschiedenen Abtheilungen weit vorgeschritten und im Allgemeinen von sehr gutem Erfolge begleitet.

Die bisherigen Gesammtkosten belaufen sich auf Fr. 642,402. 59, woran Beiträge aus der Bundeskasse und aus der Hilfsmillion zusammen im Betrage von Fr. 244,902. 06 verabfolgt worden sind.

Die daherigen Zahlungen im Berichtjahre betragen : aus der Bundeskasse .

.

. F r . 12,979. 48 ,, ,, Hilfsmillion von 1868 . ,, 19,451. 23 Verschiedene neuestens aus diesem Kanton eingegangene Projekte und Subventionsgesuche betreffend Wildbachverbauung sind in Behandlung.

3. Große Flußkorrektionen subventionirt durch BundesbeschlUsse.

  1. Rheinkorrektion.

( K a n t o n St. G a l l e n , T a r d i s b r ü k e bis Monstein.)

Wir haben im leztjährigen Berichte bemerkt, daß der Kanton St. Gallen auf die Nachsubvention hin schon vor Bewilligung der-

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selben sehr bedeutende Arbeiten ausgeführt und damit bereits den Anspruch auf den Bezug eines großen Theiles derselben erworben hatte. Somit konnte es keinen Anstand finden, demselben den ersten auf dem Budget von 1879 vorgesehenen Jahresbetrag von Fr. 150,000 sofort verabfolgen zu lassen.

Uebrigens wurden auch im Berichtjahre die Arbeiten fortgesezt; die Kosten derselben belaufen sich laut Abrechnung auf Fr. 210,049. 91. Besondere Vorkommnisse haben nicht stattgefunden und ist daher hier kein Anlaß zu weitern Bemerkungen.

K a n t o n G r a u b ü n d e n (Gemeinden Maienfeld und Fläsch).

Hier fand nicht eine dem im Budget vorgesehenen Jahresmaximum von Fr. 20,000 entsprechende Arbeitsleistung statt und wurde daher nur eine Abschlagszahlung von Fr. 8000 geleistet.

In der Durchstichangelegenheit wurden im Einverständniß mit der Regierung von St. Gallen beidseitige Techniker (Bund und St. Gallen) mit der Begutachtung derjenigen Fragen, welche bei einer Verhandlung mit Oesterreich in Betracht kommen würden, beauftragt. Dieselben haben ihren Bericht erstattet und wir sehen nun einer bezüglichen Aeußerung über den Gegenstand von Seiten der Regierung von St. Gallen entgegen.

b. Rhonekorrektion.

K a n t o n Wallis.

Dem Kanton Wallis konnte, wie dem Kanton St. Gallen, schon mit Ruksicht auf sein Guthaben vor Bewilligung der Nachsubvention die erste für 1879 zahlbare Annuität im Betrage von Fr. 60,000 verabfolgt werden.

Die Arbeiten sind im Berichtjahre auf der ganzen Linie fortgesezt worden, wobei es sich meist um Vollendungsarbeiten handelte, wie namentlich an Erhöhung von Hinterdämmen und Neuanlage oder Verstärkung einzelner Traversen (Epis).

Der Fortgang der Korrektion ist fortwährend ein günstiger auch insofern, als auf den meisten Streken das Flußbett sich gut ausbildet. Eine Streke, auf der dies noch immer nicht nach Wunsch erfolgte, ist diejenige bei Granges, und es muß daher dort darauf Bedacht genommen werden, die Profilbreite noch mehr zu beschränken, um die Fortbewegung der Geschiebe vollständiger zu bewirken, als es bisher gelungen ist.

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^Betreffend zur Rhonekorrektionsunternehmung gehörige Arbeiten san "Zuflüssen sind besonders zu nennen Vollendungsarbeiten an der Vispkorrektion, dann. Arbeiten an der Vièze bei Monthey und an der Morges, Gemeinde Conthey bei Sion. Bei lezterer handelt es sich noch um Verlängerung des Kanals bis zur Rhone.

Ueber alle diese Arbeiten liegt eine detaillirte, einen Kostenbetrag von Fr. 162,414. 24 ausweisende Abrechnung vor.

K a n t o n Waadt.

Hier wurden im Berichtjahre zur Kompletirung der Eindämmung <Jer Rhone wieder verschiedene Arbeiten ausgeführt und es ist auf ißrrund der eingereichten Abrechnung eine dieser Arbeitsleistung -entsprechende Beitragszahlung von Fr. 25,000 geleistet worden.

<Jahresmaximum Fr. 40,000.)

c. Juragewässerkorrektion.

  1. K a n t o n B e r n .

Hier beschränken sich die Arbeiten, indem daneben blos solche von geringem Belange am Nidau-Büren-Kanal ausgeführt wurden, an der Hauptsache auf den Aarberg-Hagnek-Kanal.

An diesem wurde die Ausgrabung des Leitkanals vollendet, ·ebenso der größte Theil der beidseitigen Steinbekleidung der Ufer ; leztere befindet sich besonders im eigentlichen Hagnekeinschnitt und auf einer Streke des rechten Ufers zuoberst bei Aarberg noch im Rükstande.

Dann wurde auch die Abschwemmung in diesem Kanal mit im Ganzen günstigem Erfolge, so weit solche die nicht bedeutenden Wasserstände des lezten Jahres gestatteten, betrieben. Um im laufenden Jahre noch größere Resultate erzielen zu können, wurden am Schleusenwerke bei Aarberg Einrichtungen getroffen, welche gestatten werden, eine größere Wassermasse in den Kanal einzuleiten.

Auf Grund der eingereichten und vom eidg. Inspektorate der Juragewässerkorrektion geprüften Rechnungen ist dem.Kanton Bern auf den Bundesbeitrag eine Zahlung von Fr. 153,498. 91 geleistet worden.

Im Ganzen sind damit diesem Kanton auf den ihm zukommenden Oesammtbetrage von Fr. 4,340,000. -- bezahlt ,, 3,946,932. 36 und bleibt noch ein Rest von

.

.

. Fr.

393,067. 64

72 2. O b e r e Juragewässerkorrektion K a n t o n e F r e i b u r g , N e u e n b u r g u n d Waadt..

Hier wurden die Baggerungsarbeiten an der obern Zihl und am Broye-Kanal fortgesezt, ebenso die Anlage von Uferversicherungen, Beitragszahlung hat keine stattgefunden, da keine Rechnung eingereicht wurde. Disponibel ist für die obere Juragewässerkorrektion noch die Summe von Fr. 100,000.

Wir haben im leztjährigen Berichte einer Reklamation der Regierung von Bern Erwähnung gethan, dahin gehend, der zur obern Juragewässerkorrektion gehörige Zihlkanal zwischen dem Neuenburger- und Bielersee sei zum Nachtheile bernischer Interessen noch nicht vollständig ausgegraben und auch nicht genügend versichert.

Im Berichtjahre haben hinwieder die dort interessirten Kantone Reklamationen an Bern gerichtet wegen unvollständiger Ausführung der diesem Kanton bezüglich der Juragewässerkorrektion obliegenden Arbeiten.

Wir beauftragten die eidg. Inspektoren der Juragewässerkorrektion über diese gegenseitigen Beschwerden, beziehungsweise den gegenwärtigen Stand der Ausführung beider Hauptabtheilungem dieser Unternehmung auf Grund des genehmigten Projektes genaue Untersuchung zu pflegen und Bericht zu erstatten, und wir werden nach Eingang des leztern diejenigen weitern Schritte in der Sache thun, welche darnach angemessen erscheinen.

d. Melchaa- und Aawasser-Korrektion.

Diese Unternehmung ist im Berichtjahre bezüglich der Ableitung der Melchaa in den Sarnersee in Angriff genommen worden, auch wurde dieser Theil der Arbeiten größtenteils ausgeführt, indem am Melchaakanal selbst die Erdarbeiten und die Uferversicherungen bis auf Weniges vollendet sind und auch die damit in Verbindung stehende Straßenverlegung theilweise ausgeführt ist.

Die Kosten beliefen sich schon im Berichtjahre auf Fr. 100,600.

Eine Beitragszahlung kann, nach Mitgabe des Subventionsbeschlusses, erst für Rechnung von 1880 geleistet werden.

e. Aare-Korrektion im Haslithal.

Zufolge Subventionsbeschluss kommt dieselbe erst 1881 zum Beitragsbezug. Unterdessen hat die Regierung des KantonsBern*

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die Mittheilung gemacht, daß der Große Rath desselben durch Schlußnahme vom 16. Novembet.1878 entsprechend der an die Bewilligung des Bundesbeitrages geknüpften Bedingung den kantonalen Beitrag an diese Unternehmung erhöht habe.

f. Linth-Unternehmung.

Wir haben leztes Jahr nach dem Berichte der Linthkommission für 1878 mitgetheilt, daß wegen der zu voller Sicherstellung der Linthgegend nothwendigen Dammerhöhungen die allgemeine Linthauflage vom frühern Ansaze von 2 Rappen pro Are auf 3 Rappen habe erhöht werden müssen, in der Meinung, diese erhöhte Auflage für die Dauer der Dammerhöhungsarbeiten fort zu beziehen.

Aus dem Berichte genannter Kommission für 1879 ergibt sich nun, daß diese erhöhte Auflage nicht ohne Beanstandung bezahlt worden und daß es dann auch der Kommission selbst fraglich erschienen sei, ob ihr Bezug für längere Dauer nach Artikel 6 des Bundesgesezes vom 6. Dezember 1867 sich rechtfertigen lasse, in Folge dessen sie beschlossen habe, für das Jahr 1880 wieder zum Ansaze von 2 Rappen zurükzukehren, zugleich aber Untersuchung über die Frage walten zu lassen, ob eine Aenderung des genannten Artikel 6 nöthig und daher bei den eidg. Räthen zu beantragen sei ? Das Ergebniß dieser Untersuchung liegt noch nicht vor.

Laut dem leztjährigen Berichte war auf Anregung betreffender Korporationen in die Prüfung der Frage eingetreten worden, ob der Art. 8 des vorgenannten Gesezes von 1867 zu dem Zweke aufzuheben sei, auch die jezt den einzelnen .Korporationen aufliegende Unterhaltungspflieht der Hintergraben auf die Gesammtunternehmung zu übertragen. Aus dem diesjährigen Berichte der Linthkommission ist ersichtlich, daß sie auf Grund der Begutachtung durch eine Spezialkommission sich zur Verneinung dieser Frage veranlaßt gefunden habe.

Ueber die von der Linthkommission auch berührte Baggerungsangelegenheit beim Rapperswyler Seedamm haben wir Ihnen schon an anderer Stelle berichtet.

Aus den Mittheilungen derselben über die Schiffahrt und Rekerei auf dem Linthkanal ergibt sich ein Rükgang dieses Verkehres im verflossenen Jahre.

Weitere Mittheilungen der Kommission betreffen einen kleinen Bodenankauf, die Ausleitung des Biltenerkanals in die Linth und das Abstehen vom Projekte der Gründung einer Krankenkasse für die Lintharbeiter.

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Die ausgeführten Arbeiten bestehen in Steinwuhren am Escherkanal und am Linthkanal, auch in Faschinenwuhren an Lezterm, dann in Damm-Verbreiterungen und Erhöhungen und Flußbettausräumungen unterhalb Grynau, sowie Unterhaltsarbeiten am Hintergraben Bezüglich der Korrektion unter Grynau fand gegenüber dem lezten größern Uebernehmer die Schlußabrechnung und Saldozahlung statt.

Folgendes sind die Kosten dieser Arbeiten : Arbeiten a m Escherkanal .

.

.

. Fr. 8,661. 20 ,, ,, Linthkanal .

.

.

.

. ,, 27,954. 54 F ü r d i e Verwaltung .

.

.

.

.,, 6,700. Allgemeine Auslagen .

.

.

.

. ,, 5,564. 46 Korrektion unter Grynau .

.

.

. ,, 6,157. 15 ,, 5.856. 01 Grabenkorporation Schänis-Uznach .

,, '782. 02 ^ Bilten-Tnggen Fr. 61,675. 38 Unter Mittheilung, daß die bei der Domänenverwaltung in Zürich liegenden Werthschriften der Linthverwaltung, sowie ihre in Händen des Rechnungsführers befindlichen Bücher nebst Kassa im Berichtsjahre revidirt und in Ordnung befunden worden seien, schließt der Bericht der Linthkommission mit folgender Rechnungsstellung auf Ende 1879 : Vermögensbestand auf Ende 1879 Fr. 414,174. 81, nämlich: . Fr. 102,262. 42 a n Liegenschaften .

.

.

.

.

,, Kapitalien .

.

.

.

.

. ,, 305,337. 82 . ,, 7,623. 10 ,, Pachtzinsrestanzen .

.

.

.

,, Mobilien .

.

.

.

.

.

. ,, 8,000. ^ Baarschaft .

.

.

.

.

. ,, 5,573. 64 Abzug der Guthaben von Korporationen

.

Fr. 428,796. 98 ,, 14,622. 17

Fr. 414,174. 81 Es ergibt sich somit gegenüber dem Vorjahr ein Vermögensrükschlag von Fr. 745. 51.

4. Verschiedenes.

. a. Korrektion des untersten Aarelaufes.

Nachdem wir die von Hrn. Nationalrath Baidinger über diesen Gegenstand am 13. Dezember 1878 gestellte Motion der Regierung

75 von Aargau zur Vernehmlassung mitgetheilt hatten, reichte diese unterm 7./18. April 1879 ein die vorgenannte Korrektion betreffendes und von einer aus Plänen und Voranschlag bestehenden Vorlage begleitetes Subventionsgesuch ein.

Unterm 21. Mai 1879 kam die Regierung von Thurgau mit einer einläßlichen, von Plänen und Voranschlägen begleiteten Eingabe um Bewilligung von Bundesbeiträgeri an die Korrektionen der Thur, der Sitter und der Murg ein.

Wir haben diese Eingabe in vorläufige Erwägung gezogen und wir werden die nöthigen technischen Untersuchungen darüber walten lassen, um, nachdem deren Ergebnisse vorliegen werden, auf die weitere Behandlung auch dieser Angelegenheit einzutreten.

c. Gewässerkorrektionen im Kanton Zürich.

Die Regierung des Kantons Zürich machte mit Schreiben vom 16. Juni 1879 die vorläufige Mittheilung, daß sie beabsichtige, um Bundesbeiträge für dortige Gewässerkorrektionen einzukommen. Da dieß jedoch bisher nicht geschehen ist, so fanden wir bisher keine Veranlaßung, in dieser Richtung irgendwelche Schritte zu thun.

d. Grundsäzliche Bestimmungen.

Die drei vorerwähnten, theils schon eingereichten, theils in Aussicht gestellten Subventionsbegehren sind die ersten, welche seit djem Bestehen des Art. 24 der Bundesverfassung und des Wasserbaupolizeigesezes in Beziehung auf außerhalb des Forstgebietes liegende Gewässer vorliegen. Unser Departement des Innern hat hievon Veranlaßung zu Prüfung der Frage genommen, welche Stellung der Bund derartigen Begehren gegenüber einzunehmen habe und wir haben auf seinen Antrag unterm 11. November 1879 Folgendes als Instruktion für dasselbe bei der Vorbehandlung fraglicher Fälle beschlossen: ,,Wenn und insoweit von einem schweizerischen Gewässer oder einer Streke desselben nachgewiesen ist, daß es den Charakter

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des Wildwassers hat und demzufolge der Verbauung oder Korrektion zum Schuze des Landes bedarf, liege diese Streke im Hochgebirge, im Forstgebiete oder außerhalb desselben, so ist bezüglich der Stellung des Bundes zu diesem Unternehmen maßgebend der Art. 24, AI. 2 der Bundesverfassung unä das Bundesgesez über die Wasserbaupolizei im Hochgebirge, speziell Abschnitt III desselben, betreffend die Bundesbeiträge."e.

Tieferlegung

der Hochwasserstände des Bodensees.

Ueber diesen Gegenstand ist den leztjährigen Mittheilungen blos beizufügen, daß die dort erwähnte Abhandlung erschienen und zur Austheilung gelangt und damit allen interessirten Regierungen Anlaß gegeben ist, das Projekt dieser Tieferlegung prüfen zu lassen..

Darüber, wie nun der Sache weitere Folge zu geben sei, ist zwar ausdrüklich nichts festgesezt. Nachdem aber von den Vertretern dieser Regierungen bei der im Januar 1878 zu Konstanz stattgehabten Konferenz die Bearbeitung und Vervielfältigung jener gedrukten Vorlage zu dem Zweke, ihnen das genauere Studium derselben zu ermöglichen, nachgesucht worden ist, scheint dieß selbstredend mit sieh zu bringen, daß durch die Wiederberufung der Konferenz dazu Anlaß zu geben sei, das Ergebniß dieses Studiumsmitzutheilen, um dann je nach Beschaffenheit dieser Aeußerungen darauf gestüzt weitere Beschlüsse zu fassen.

f. Abflussverhältnisse des Vierwaldstättersees.

Für die diese Angelegenheit betreffende Expertise sind die im leztjährigen Berichte erwähnten Vorarbeiten im Berichtjahre während des Steigens und Fallens des Sees in umfassender Weise vorgenommen und von da weg die weitem Ausarbeitungen gemacht worden. Demzufolge liegt nun ein sehr vollständiges Material vor, auf welches gestüzt die Experten die ihnen gestellten Fragen, also namentlich die, ob und wie eine Senkung der Hoch wasserstände des Vierwaldstättersees bewirkt werden könne, zu beantworten haben.

g. Abflussverhältnisse des Genfersees.

Diese aus ihrer Erwähnung in frühern Geschäftsberichten im.

Allgemeinen schon bekannte Angelegenheit ist im Berichtjahre durch eine Eingabe der Regierung von Genf vom 4. September an uns gelangt. Dieselbe bezwekt mit Rüksicht darauf, daß die Regierung von Waadt iu dieser Angelegenheit eine Klage gegen Genf

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beim Bundesgerichte erhoben und dieses sich zu Anhandnahme derselben kompetent erklärt hat, den Bundesrath, von der Ansicht ausgehend, daß diese Angelegenheit vor die politischen Behörden gehöre, zu Erhebung des Kompetenzkonfliktes zur. veranlassen, woneben dann zwar auch die Bereitwilligkeit, zu einem vom Bundesrathe ausgehenden Vermittlungsversuche Hand zu bieten, ausgesprochen wird.

Diese Eingabe veranlaßte einen längern Briefwechsel mit den Regierungen von Genf und Waadt, auch eine Besprechung mit einer Abordnung der erstem. Wir nahmen dabei den Standpunkt ein, der Bundesrath sei nicht im Falle, die Kompetenz zum Entscheide über diese Angelegenheit für sich in Anspruch zu nehmen, da wir vielmehr auf Grund von Art. 113, Ziff. 2 der Bundesverfassung die Kompetenz des Bundesgerichtes anerkennen müßten.

Da aber Genf den Versuch einer gütlichen Verständigung unter Vermittlung des Bundesrathes beantrage, so wären wir bereit, diesem zu entsprechen, wenn Waadt unter Vorbehalt aller seiner Rechte dazu Hand bieten wolle. Von lezterer Seite wurde diese Bereitwilligkeit ausgesprochen, unter der Bedingung : 1) daß Genf seine Vorschläge bestimmt formulire und sie Waadt zur Kenntniß bringe; 2) daß durch diese gütlichen Vergleichsverhandlungen der Gang des vor dem Bundesgerichte schwebenden Prozesses nicht suspendirt werde.

Genf acceptirte das leztere Begehren, erklärte dagegen dies bezüglich des erstem nicht thun zu können, da vielmehr Waadt in der abzuhaltenden Konferenz seine Wünsche Genf zur Kenntniß zu bringen habe.

Waadt erklärte aber, an jenem Begehreu festhalten zu müssen, und unsere Mittheilung hievon an Genf bildet den schon über das Berichtjahr hinausgreifenden bisherigen Schluß dieser Verhandlung.

h.

Schoder- und Saubach.

Im Geschäftsberichte für 1876 wurde mitgetheilt, daß in einem diesen Grenzbach betreffenden Anstand zwischen Emmishofen und Kreuzungen einerseits und Konstanz andrerseits von der damit beauftragten Kommission ein Uebereinkommen entworfen und den Parteien mitgetheilt worden sei.

Zufolge des Zusammenhanges, welcher nach der Grenzregulirungsübereinkunft vom 28. April 1878 sammt Schlußprotokoll (A. S., n. F., IV, 282) zwischen dem künftigen strekenweisen Grenzzuge

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und der Korrektion des Saubaches stattfindet, mußte das Projekt dieser leztern so weit festgestellt werden, als es mit Rüksicht auf die Beziehung der erstem nothwendig war.

Zu diesem Behufe wurde einverständlich mit dem großherzoglich< badischen Staatsministerium auf den 27. Oktober 1879 gleichzeitig mit den beidseitigen Grenzkommissären auch die 1876 in der genannten Bachangelegenheit bestellte Kommission nach Konstanz einberufen.

i. Hemishoferbach (Kanton Schaffhausen).

Dieser Bach, dessen oberer Lauf auf badischem Gebiete liegt,, verursacht bei Hemishofen, wo er in den Rhein mündet, seiner Geschiebe wegen Schwierigkeiten. Auf den Wunsch der Regierung, von Schaff hausen, den wir an das großh. badische Ministerium übermittelten, fa,nd daher eine gemeinschaftliche Untersuchung dieses.

Baches statt, zu der wir den eidgenössischen Oberbauinspektor abordneten und deren Ergebnisse in einem Protokoll vom 12. September 1879 niedergelegt sind.

k. Wehra-Mündung.

Indem die Gemeindebehörde der aargauischen Gemeinde Möhlinder Ansicht ist, daß die Art und Weise, wie die jenseitige Wehra in den Rhein mündet, die Schuld an diesseitigen Uferbrüchen trage, so wurde auf Ansuchen der Regierung von Aargau dem gi'oßh.

badischen Staatsministerium hievon mit Ersuchen um geeignete Beachtung Kenntniß gegeben.

l. Krümmelbach.

Wegen der Korrektion dieses bei Rechswyl aus dem Kanto» Bern in den Kanton Solothurn übertretenden Baches wurden von der Regierung von Bern einbegleitete Wünsche dortseitiger Gemeinden an Solothurn übermittelt und hinwieder eine willfahrende Rükäußerung von Solothurn an die Regierung von Bern befördert..

m. Holzflössung im Kanton Tessin.

Die Regierung des Kantons Tessin stellte eine Anfrage betreffend eine beabsichtigte Holzflößung in der Melezza und Maggia..

Indem die im eidg. Wasserbaupolizeigeseze vorbehaltenen Vorschriften über diesen Gegenstand noch nicht erlassen sind, wurde unter gewissen Voraussezungen und Vorbehalten nach Antrag der Regierung: die Behandlung dieses Falles nach dem bestehenden Kantonsgesezegestattet.

79 n. Rekurs der Gotthardbahndirektion gegen das Konsortium der Dragonatoverbauung.

Die Erledigung des im lezteu Berichte schon erwähnten Rekurses der Gotthardbahndirektion gegen das Konsortium der Dragonatoverbauung zu Belliuzona, betreffend Kostenzutheilung, fand im abweisendem Sinne statt, mit der Begründung, daß die Entscheidungen betreffend Repartition der Kosten öffentlicher Werke nach dem Wasserbaupolizeigeseze den Kantonen zufallen.

o. Anstand zwischen den tessinischen Gemeinden Campello und Calpiogno.

Eine von der Gemeinde Campello erhobene Beschwerde wegen Gefährdung durch einen von der Korporation Calpiogno angelegten Bewässerungskanal fand ihre Erledigung durch die Regierung von Tessin im Sinne der Abhilfe, nachdem diese die Beschwerde begründet befunden hatte.

p. Beschwerde der Gotthardbahndirektion wegen des ungeregelten Zustandes des Tessin.

Die Bahn von Cadenazzo nach Locamo ist im Bereiche des Tessin durch den verwilderten Zustand dieses Flusses gefährdet.

Dabei fehlt für die deßhalb dringend nothwendigen Schuzbauten nicht nur jedwede Anlehnung, sondern auch jede Bestimmung bezüglich der zum Zweke der in Uebereinstimmung mit den Arbeiten anderer Interessenten einzuhaltenden Richtung und Lage. Aufdaherige Vorstellung der Gotthardbahndirektion mußten wir finden, daß es nach dem eidg. Wasserbaupolizeigeseze, wie auch nach dem des Kantons Tessin, in solchem Falle Sache des Staates sei, die nöthigen Grundlagen für das planmäßige Zusammenwirken der verschiedenen Interessenten zu Beseitigung des bestehenden gefährdeten Zustandes zu schaffen, und wir haben daher eine entsprechende Aufforderung an den Kanton Tessin gerichtet.

q. Grenzbach Valmara.

Im Bette des Baches Valmara, welcher auf der rechten Seite des Langensees die Landesgrenze gegen Italien bildet, wurden mit Bewilligung von tessinischer Seite zum Zweke der Gewinnung von Steinen Arbeiten ausgeführt. Gegen diese wurde aber von italienischer Seite Einsprache erhoben, weil man davon Nachtheile für die beiden Staaten je zur Hälfte angehörige Grenzbrüke befürchtete. Eine diesen Gegenstand betreffende Note der italienischen Gesandtschaft wurde

80

der Regierung von Tessin zur Vernehmlassung mitgetheilt, indem wir gleichzeitig die Lokalbesichtigung durch den eidg. Oberbauinspektor vornehmen ließen. Diese Regierung sprach sich in dem Sinne aus, daß sie die Anschauungsweise der betreffenden italienischen Lokalbehörde nicht zu theilen vermöge, welche Aeußerung der genannten Gesandtschaft mitgetheilt wurde und wobei es in dieser Sache bisher verblieben ist.

5. Hydrometrie.

Im Anschlüsse an die Auseinandersezungen in unserem leztjährigen Berichte finden wir uns hier über diesen Gegenstand bloß zu folgenden Mittheilungen veranlaßt. Die Antworten der Kantone auf das Kreisschreiben unseres Departements des Innern sind zwar eingegangen, aber es sind danach noch verschiedenerlei Verständigungen nothwendig, um zu der gewünschten neuen Organisation des hydrometrischeii Dienstes zu gelangen.

Eine nothwendige Vorbereitung bildete auch die Berechnung und Zusammenstellung der aus dem Präzisionsnivellement sich ergebenden Meereshöhen. Nachdem diese nun vom eidg. Stabsbüreau veranstaltet worden ist, kann die Bestimmung der Höhenlage der Nullpunkte der Pegel erst erfolgen und es. wird das eidg. Baubüreau im laufenden Jahr diese ganze Angelegenheit zum Abschlüsse zu bringen suchen.

Unterdessen ist die Bearbeitung und Herausgabe der hydrometrischen Bulletins für alle unsere Flußgebiete im Berichtjahre in bisheriger Weise fortgesezt worden.

81

II. Geschäftskreis des Handels- und Landwirthschaftsdepartements.

A.I Ige m ei n e s.

Mit Bundesbeschluß vom 21. August 1878 ist eine neue Geschäftsordnung des Bundesrathes aufgestellt und damit das Handelsund Landwirthschaftsdepartement kreirt worden.

Die Wirksamkeit dieses Departements begann mit dem 1. Januar 1879. Demselben wurden die sämmtlichen Geschäfte des bisherigen Handelsdepartementes mit Ausnahme der Rekurse betreffend den Artikel 31 der Bundesverfassung, ein großer Theil der Geschäfte des Departements des Innern (Versicherungswesen, Schuz des gewerblichen, literarischen und künstlerischen Eigenthums, Maß und Gewicht, Auswanderungswesen, Landwirthschaft, Viehseuchenpolizei, Forstwesen, Jagd und Fischerei) übertragen. (Siehe Amtl. Samml.

n. F., Bd. III, S. 492.)

Bundesblatt. 32. Jahrg. Bd. H,

6

82 Die Geschäftskontrole dieses neuen Departements enthält pro 1879 6183 Nummern ; davon fallen auf das Handelswesen, inclusive das Konsulatswesen, und die Neugestaltung der Rechtsverhältnisse der Rheinschifffahrt 1297, Vollziehung des Bundesgesezes über die Arbeit in den Fabriken 777, Ausstellungen 304, Schuz des literarischen und gewerblichen Eigenthums 379, Maß und Gewicht 225 ; Landwirthschaft, Maßnahmen gegen die Phylloxéra, Viehseuchenpolizei, Pferdezucht 1930, Forstwesen 427, Jagd und Fischerei 381, Auswanderung 154, Versicherungswesen 102, innere Verwaltung 213.

Bei dieser Berichtsabtheilung wird die Reihenfolge der Geschäftszweige, wie sie sich im Art. 28 des citirten Bundesbeschlusses vorfindet, eingehalten.

I. Förderung des Handels- und Gewerbewesens.

Die Beseitigung der Schranken, welche der Entwiklung des internationalen Verkehrs entgegenstehen, und die Regelung der bezüglichen Rechtsverhältuisse ist als eine der Hauptaufgaben des Bundes bei der Förderung des Handels- und Gewerbewesens zu betrachten. Es kommen dabei in erster Linie die internationalen Handelsverträge in Betracht, denen wir an anderer Stelle dieses Berichtes eine eigene Abtheilung widmen.

Durch die mit dem Großherzogthum B a d e n abgeschlossene Konvention über die Rheinschifffahrt von Neuhausen bis unterhalb Basel haben die R e c h t s v e r h ä l t n i s s e der R h e i n s c h i f f f a h r t eine Gestaltung erhalten, welche den Interessen des Verkehrs entspricht. Die Konvention ist von Ihnen genehmigt und hierauf der eidg. Gesezsammlung einverleibt worden.

Das Handels- und Landwirthschaftsdepartement sorgt dafür, daß über die Z o l l v e r h ä l t n i s s e a u s w ä r t i g e r S t a a t e n stets möglichst genaue Angaben vorliegen, um den vielen Gesuchen, welche von schweizerischen Industriellen und Kaufleuten in dieser Beziehung gestellt werden, jeweilen entsprechen zu können.

Eine wichtige Aufgabe fällt den s c h w e i z e r i s c h e n K o n s u l a t e n zu, die gleichsam als Vorposten für die Entwiklung des Exporthandels zu betrachten sind. Die im Bundesblatte publizirten Jahresberichte einer Anzahl Konsulate enthalten werthvolle Mittheilungen; andere dagegen bieten nur geringes Interesse ; einige wurden bei Seite gelegt, weil ihr Inhalt allzu dürftig war. Im Ganzen haben diese Berichte gegenüber denjenigen, welche in

83 früheren Jahren erstattet worden sind, an Werth und Brauchbarkeit gewonnen. Es ist zu erwarten, daß die Konsulate, die bis jezt dieser Aufgabe nicht in gewünschter Weise nachgekommen sind, sich anstrengen, daß inskünftig ihre Berichte billigen Anforderungen entsprechen. -- Das Bundesblatt, welchem diese Berichte beigelegt werden, zählt 1343 Abonnenten aus der deutschen und 507 aus der romanischen Schweiz. Es ist dies ein sehr kleiner Leserkreis für die Konsulatsberichte, von denen eine Anzahl größere Aufmerksamkeit verdienen würde.

Konsulatsberichte wurden gedrukt und publizirt : 1. Von Konsulaten in Europa.

  1. Belgien: Antwerpen, Brüssel.
  2. D e u t s c h l a n d : Hamburg, Bremen, Frankfurt a./M.
  3. F r a n k r e i c h : Havre, Nantes, Bordeaux, Nizza, Lyon. Marseille.
  4. G r o ß b r i t a n n i e n : London, Liverpool.
  5. Italien: Mailand, Venedig, Genua, Livorno, Neapel, Ancona.
  6. N i e d e r l a n d e : Amsterdam, Rotterdam.
  7. O e s t e r r e i c h : Budapest, Triest.
  8. R u ß l a n d : St. Petersburg, Odessa, Riga, Moskau.
  9. S c h w e d e n und N o r w e g e n : Christiania.
  10. S p a n i e n : Barcelona.
  11. Von aussereuropäischen Konsulaten.
  12. N o r d a m e r i k a : Charleston, Galveston, Knoxville, NewOrleans, St. Louis, Philadelphia, Washington, San Francisco.
  13. A u s t r a l i e n : Melbourne, Sydney.
  14. A s i e n : Manila, Yokohama.
  15. A f r i k a : Algier, Oran, Port-Louis (Insel Mauritius).

Von den Handelskammern in Basel und Genf, sowie vom kaufmännischen Direktorium in St. Gallen und dem Vorstande der kaufmännischen Gesellschaft in Zürich werden alljährlich Berichte über Handel und Industrie erstattet. Dieselben beschränken sich

84 aber auf die Geschäftszweige, welche die engern resp. Kreise zunächst interessiren.

Der Vorstand des Schweiz. Handels- und Industrievereins hat sich die Aufgabe gestellt, Jahresberichte abzufertigen, welche den gesammten schweizerischen Handel und die Industrie umfassen und mit einem solchen Berichte pro 1879 den Anfang gemacht. Das Unternehmen haben wir dadurch unterstüzt, daß wir die Uebersezung in die französische Sprache besorgen ließen und die Kosten der französischen Auflage übernahmen. Den Mitgliedern der Bundesversammlung ist je ein Exemplar des Berichtes zugesendet worden.

Wir verweisen ferner auf die Ihnen von den schweizerischen Preisrichtern über die in Paris abgehaltene internationale Ausstellung erstatteten Berichte, von denen mehrere Anregungen zur Ausdehnung bestehender und Einführung neuer Industrien enthalten und deshalb besondere Aufmerksamkeit der schweizerischen Industriellen verdienen. Zur Besprechung dieser Anregungen wird das Handels- und Landwirthschaftsdepartement, auf den vom Vorort des Schweiz. Handels- und Industrievereins ausgesprochenen Wunsch, Konferenzen von Industriellen in nächster Zeit anordnen.

In seinen Jahresberichten hat das schweizerische Generalkonsulat in Washington schon wiederholt auf die Zwekmäßigkeit der Einführung der Glacehandschuh-Fabrikation aufmerksam gemacht und in lezter Zeit einen eingehenden Spezialbericht über diese Industrie erstattet, den wir den Handels- und Industrievereinen, sowie den landwirtschaftlichen Gesellschaften der deutschen und romanischen Schweiz in einer größern Anzahl von Exemplaren zustellten, damit sie die Anregung prüfen und ins Werk sezen, wenn sie dieselbe für praktisch ausführbar und nüzlich halten.

Ueber die Korbflechterei wird unter der Rubrik ,,Forstwesen" berichtet.

Vom 27. September bis 1. Oktober 1879 fand in B r ü s s e l der zweite internationale Kongreß für Handelsgeographie statt. An demselben nahmen zwei Abgeordnete der ostschweizerischen geographisch-kommerziellen Gesellschaft Theil. Laut dem von der Abordnung erstatteten Bericht bildeten die Expeditionen und Handelswege, die Untersuchungen über Naturprodukte und Manufakturen, Handelsschulen, Konsulatswesen, Handelskammern u. s. w. Gegenstand der Verhandlungen.

An die Kosten der Theilnehmer am Kongresse leisteten wir aus dem für das Handelswesen ausgesezten Kredit einen angemesse-

85 nen Beitrag, und werden überdies dazu mitwirken, daß der Bericht gedrukt und in den Kreisen der Industrie und des Handels verbreitet wird.

Einzelne Fragen, welche Gegenstand der Verhandlungen jenes Kongresses bildeten, werden wir einer nähern Untersuchung unterwerfen.

II. Handelsverträge und Zolltarife.

Im Allgemeinen.

Die Schweiz hat bis jezt mit 17 Staaten Handelsverträge abgeschlossen. Wir lassen hier eine Uebersicht derselben folgen :

86

Enthalten in:

Staaten.

Abschluß.

In Kran getreten.

  1. Ver. Staaten v. Nordamerika 2. Großbritannien und Irland .
  2. Belgien . . .

G.-S. V, 201 G-.-S. V, 271 G.-S. VII 484

25. Novemb. 1850 8.Novemb.l855 6. Septemb. 1855 6. März 1856 11. Dezemb. 1862 18 Juni 1863 B.-BI. 1863, 11,705

4. Japan

G.-S. VIII, 683

6. Februar 1864

6. Febr. 1864

5. Frankreich.

G.-S. VIII, 215

30. Juni 1864

G.-S. IX, 497

20 Juli 1864

7. Oesterreich

G.-S. IX, 576

14. Juli 1868

  1. Juli 1865 B.-BI. 1865,11,229 lOOTagenachd.
  2. Nov. 1868 5. Febr. 1869
  3. Italien

G.-S. IX, 657

22. Juli 1868

  1. Mai 1869
  2. Hawaii-Inseln

.

.

8" Italien (prov. Konvention) . G.-S. n. P. IV, 99 28. Januar 1879 9. Deutscher Zollverein . . .

G.-S. IX, 888 13. Mai 1869

  1. Febr. 1879 1. Sept. 1869
  2. Spanien .
  3. Biussland . .
  4. Persien 13. Dänemark 14. Rumänien

G.-S. X, 283 27. August 1869 28. Juni 1870 G.-S. XI, 376 26/14 Dez 1872 30 Okt. 1873 G.-S. n. F. 1, 196 27 Okt. 1874 23 Juli 1873 G.-S. n. F. I, 668 10. Februar 1875 10. Juli 1875 G.-S. n. F. Ili, 643 30. März 1878 4 Dez. 1878

15. Niederlande 16. Portugal

G.-S. n. F. III, 522 19. August 1875 G.-S. n. F. II, 328 6. Dezemb. 1873

17. Serbien

G.-S. n. F. IV. S 26.Juli/7.Aug.1879

  1. Okt. 1878 · 30. Juli 1876

87

Dauer.

GekUndet.

Prolongirt bis:

Tarife, die im Vertragsstaat zur Anwendung kommen: 2.

l.

beim Vertragsabschluss,

gegenwärtig.

Generaltarif.

Generaltarif.

Konventionaltarif 12.Novemb.1878 mit England und Von der Schweiz) **.

andern Nationen.

Konventionaltarif id perpetuimi m. Amerika,England, Frankreich u. Niederlanden.

12 Jahre 22. Novemb. 1875 vide unten*** Konventionaltarif. Konventionaltarif.

(von Frankreich) 10 Jahre 10 Jahre 10 Jahre* 10 Jahre

Generaltarif.

Generaltarif.

Konventionaltarif mit England und andernNationen.

Konventionaltarif.

8 Jahre*

Konventionaltarif mit Frankreich, Belgien und Deutschland.

Konventionaltarif mit der Schweiz, Frankreich und Oesterreich.

8 Jahre

24. Februar 1875 (von Italien)

is 31. Dez. 1879 31. Dez. 1880 is 31. Dez. 1877 31. Dezemb. 1878 30. Juni 1880 Konventionaltarif mit Frankreich, (v. Deutschland) Oesterreich und Belgien.

10 Jahre Generaltarif.

10 Jahre Generaltarif.

12 Jahre 10 Jahre Konventionaltarif 7 Jahre mit Oesterreich.

10 Jahre Generaltarif.

Konventionaltarif .31. Dez. 1878* mit Frankreich.

Generaltarif.

is 13. Mai 1880

Konventionaltarif mit Italien und Generaltarif.

Konventionaltarif m. Oesterreich n.

Generaltarif.

Generaltarif.

JErmässigto Zülle fUr die ) Vortragsstaaten.

Generaltarif.

Konventionaltarif mit Oesterreich.

Generaltarif.

Konventionaltarif mit Frankreich.

Generaltarif.

*** Dieser Vertrag ist verlängert bis zum Ablauf einer Frist von sechs Monaten, eiche von dem Tage an läuft, an welchem der eine der hohen kontrahirenden Theile sm andern die Absicht kund gegeben haben wird, die Wirkungen des Vertrages ifhören zu lassen.

88 Ueber die Tarife, welche in den Vertragsstaaten zur Zeit des Abschlusses des Handelsvertrages mit der Schweiz zur Anwendung kamen, sowie über diejenigen, welche jezt maßgebend sind, folgen hier einige Bemerkungen : 1. Amerika Zur Anwendung kommt der Generaltarif mit Zuschlag von 10 °/o bei Waaren , welche auf Schiffen von Staaten, die mit Amerika in keinem Vertragsverhältniß stehen, importirt werden.

2. England läßt industrielle Erzeugnisse zollfrei eingehen, hat dagegen hohe Finanzzölle auf Spirituosen, Wein, Bier, Tabak, Kaffee, Thee, Spielkarten, Essenz, Aether, Feigen, Malz, Naphta, eingemachten Früchten, Gold- und Silberwaaren, Pflaumen, Zwetschgen, Trauben, Chocolat, Chloroform, Cacao, Collodium, Essig, Firniß.

3. Belgien hatte mit Frankreich am \. Mai 1861 einen Tarifvertrag abgeschlossen, welcher hinsichtlich der Eingangszölle in Belgien auch der Schweiz gegenüber zur Anwendung kommt. Für die Baumwollgarne sind die zwischen Belgien und England vereinbarten Zölle und für eine Anzahl anderer Artikel die zwischen Belgien und andern Nationen vereinbarten Zölle maßgebend. (Siehe A. S. VII, S. 507--529.)

4. Japan. Für den Importzoll in Japan waren zuerst die dem Handelsvertrage beigefügten Réglemente (A. S. VII1, S. 699) maßgebend, die bei einzelnen Artikeln einen Zoll von 5 %, bei andern einen Zoll von 20 °/o, bei berauschenden Flüssigkeiten von 35 °/o vorsehen. Zwischen England, Frankreich, Nordamerika und den Niederlanden einerseits und Japan anderseits ist später, und zwar am 25. Juni 1866, ein neuer Zolltarif vereinbart worden, dem die Schweiz ebenfalls beigetreten ist. (Siehe Bundesbl. v. J. 1866, III, S. 98 ff.)

5. Frankreich. Mit dem schweizerisch - französischen Vertrag ist ein detaillirter Konventionaltarif verbunden. (Siehe Amtl. Samml.

Bd. VIU, S. 241 ff.) Eine Anzahl zollpflichtiger Gegenstände, bei welchen seit 1. Dezember 1878 der französische Generaltarif in Anwendung kam, weil der franko-österreichische Vertragstarif außer Kraft getreten ist, werden in Frankreich wieder nach dem Konventionaltarife verzollt. (Siehe das Nähere im Bundesblatt vom Jahr 1879, Bd. I, S. 670.)

6. Hawaiian-lnseln. Die von den Schweiz. Produkten und Manufakturerzeugnissen zu bezahlenden Eingangszölle wurden durch den Vertrag auf denjenigen Saz ermäßigt, den die am meisten

89 begünstigte Nation zu bezahlen hat, und werden nach den gleichen Regeln und unter den nämlichen Bedingungen bezogen (Art. IX des Vertrages).

7. Oesterreich hatte mit mehreren Staaten von industrieller Bedeutung Verträge abgeschlossen und erheblich reduzirte Konventionaltarife vereinbart, am 11. Dezember 1865 mit Frankreich, am 23. April 1867 mit Belgien , am 9. März 1868 mit Deutschland etc.

(Siehe Bundesbl. v. 1868, III, Tabellen nach S. 262.) Die Schweiz trat in Folge ihres Vertrages mit Oesterreich in das gleiche Verhältniß. Namentlich für Käse und Wein, sowie für die Erzeugnisse der Seiden-, Wollen-, Leinen-, Baumwoll-, Stroh- und Eisenindustrie, waren durch die Konventionaltarife sehr wesentliche Zollerleichterungen geboten.

Gegenwärtig ist für die Schweiz der austro - italienische Vertragstarif maßgebend. Im Bundesblatt von 1879, I, S. 725, sind der österreichische Generaltarif und die mit Italien für den Import in Oesterreich vereinbarten Konventionalansäze publizirt und diese leztern mit einem Sternchen bezeichnet.

Laut Art. 3 des neuen österreichischen Zollgesezes vom 27. Juni zahlen Waaren , die aus Staaten kommen, welche österreichische Erzeugnisse ungünstiger behandeln, als diejenigen anderer Staaten, 10 % mehr als die Ansäze im Generaltarif, und von den zollfreien Gegenständen werden 5 °/o vom Werth gefordert.

8. Italien. Für einzelne Artikel, als: Metalle, Uhrenmacher waaren, Musik- und Spielwerke, Erzeugnisse aus der Thier- und Pflanzenwelt, Seidenwaaren, Töpferwaaren, Früchte, Thiere, Marmor, Alabaster, Zimmermannsarbeiten, Bürstenbinderwaaren, sind in dem im Jahre 1868 abgeschlossenen Vertrage, Tarif A (A. S. IX, S. 677), die Zölle für den Import in Italien aus der Schweiz festgesezt worden. In Bezug auf die dort nicht aufgeführten Gegenstände waren für den Import in Italien die Ansäze des italo-französischen Vertrages vom 17. Jänner 1863 und des italo-österreichischen Vertrages vom 23. April 1867 maßgebend. Ende Jänner 1879 ist der italo-schweizerische Vertrag vom Jahr 1868 dahingefallen und an dessen Stelle eine temporäre Uebereinkunft getreten. (Siehe A. S.

n. F. IV, S. 99.) In Folge dieser Uebereinkunft kommen für den schweizerischen Import in Italien die zwischen Italien und Oesterreich vereinbarten Zollansäze (siehe Bundesbl. v. J. 1879, I, S. 142 und 343) zur Anwendung. Bei Gegenständen, auf welche jene Konventionalansäze sich nicht beziehen, gilt der italienische Generaltarif (siehe Bundesbl. v. J. 1879, I, S. 351). Der austro-italienische Vertrag vom 27. Dezember 1878 bleibt bis Ende 1887 in Kraft.

90 9. Deutschland. Durch den Handelsvertrag trat die Schweiz in den Mitgenuß der zwischen dem deutschen Zollverein und Frankreich, Oesterreich und Belgien für den Import in Deutschland vereinbarten Tarifansaze. (Siehe die vergleichenden Zusammenstellungen nach S. 318 des Buudesbl. v. J. 1869, II.) Die Zölle, welche in Folge des Vertrages von der Schweiz an Deutschland weniger zu zahlen waren, wurden auf Fr. 4,192,050 per Jahr berechnet.

(Siehe Bundesbl. v. 1869, II, S. 320.} Deutschland hat sich nun von den Konventionaltarifen frei gemacht und bringt seinen neuen Generaltarif zur Anwendung. (Siehe Bundesbl. v. 1879, II, S. 708, ffl, S. 160, und Beilage zum Bundesbl. v. J. 1879, Nr. 37.) Gemäß § 6 des neuen Zollgesezes vom 15. Juli 1879 können Waaren, die aus Staaten kommen, welche deutsche Schiffe oder Waaren deutscher Herkunft ungünstiger behandeln, als diejenigen anderer Staaten -- soweit nicht Vertragsbestimmungen entgegenstehen -- mit einem Zuschlag bis au 50 % des Betrages der tarifmäßigen Eingangsabgabe belegt werden.

10. In Spanien kam beim Vertragsabschluß der allgemeine Zolltarif zur Anwendung (siehe Bundesbl. v. J. 1870, Bd. I, S. 100).

Am 1. August 1877 ist ein neuer Tarif in Kraft getreten, welcher für die Nationen, mit denen Spanien Handelsverträge abgeschlossen hat, mäßigere Zölle enthält, als für die Nationen, mit denen Spanien in keinem Vertrags verhältniß steht (siehe Bundesbl. v. J. 1877, Bd. III, S. 537).

11. Russland kennt überhaupt keine Konventionaltarife, sondern wendet allen Nationen gegenüber seinen Generaltarif an (siehe auch die Publikationen im Bundesbl. v. J. 1876, Bd. IV, S. 762 und 1879, Bd. I, S. 205).

12. Persien. Jede Vertragspartei hat sich die volle Freiheit vorbehalten, ihre Tarife abzuändern oder jede beliebige Waare mit Eingangs- oder Ausgangszöllen zu belegen, selbst wenn bei Abschluß des Vertrages dies nicht der Fall war. Jedoch kann sie dies in Folge des Vertrages gegenüber dem andern Staate nur dann thun, wenn die gleiche Maßregel auch gegenüber den Waaren der andern (Vertrags-) Staaten getroffen wird (Bundesbl. 1873, Bd. IV, S. 534).

13. Dänemark bezieht auf Waaren, welche aus nicht ,,pi'ivilegirtena Staaten kommen, neben den Tarifansäzen noch eine Zuschlagstaxe, welche die Hälfte jener Ansäze beträgt.

In Folge des Handelsvertrages gehört die Schweiz zu den privilegirten Staaten.

91 14. Rumänien. Für Geflechte und Gewebe aus Stroh und für Uhren sind mit Rumänien ermäßigte Eingangszölle vereinbart (Amtl.

Samml. n. F. Bd. III, S. 650). In Bezug auf andere Waaren gelten in Folge der Konvention auch für die Schweiz die zwischen Gestenreich und Rumänien für den Import in Rumänien vereinbarten Tarife, die durchschnittlich 7% vom Werth betragen und wesentlich mäßiger sind, als der rumänische Generaltarif vom 1. Juli 1875, welcher bei vielen Artikeln Importzölle bis 15% vom Werth enthält.

15. In den Niederlanden kommt der Generaltarif zur Anwendung. Derselbe enthält neben einigen spezifischen Zöllen Werthzölle von 5%. Gemäß Art. 3 des zwischen den Niederlanden und Frankreich im Jahre 1865 abgeschlossenen Handelsvertrages darf während der Dauer desselben der Tarif nicht erhöht werden. Die Schweiz ist durch ihren Vertrag mit den Niederlanden (Art. 3) der meistbegünstigten Nation gleichgestellt.

16. Portugal hat am 11. Juli 1866 mit Frankreich einen Handelsvertrag mit Konventionaltarif abgeschlossen und später (5. Mai 1873) noch einige Konventionalansäze mit Italien vereinbart.

Gemäß Art. 3 des schweizerisch-portugiesischen Vertrages finden auf schweizerische Waaren, die in Portugal importirt werden, die von lezterem mit Frankreich und Italien vereinbarten Tarife Anwendung.

17. Serbien. Die ausgewechselte Erklärung erhält praktische Bedeutung mit dem Momente, wo Serbien mit irgend einem andern Staate ermäßigte Konventionaltarife vereinbart, hat. Bis jezt ist dies noch nicht der Fall.

Admission temporaire und Veredlungsverkehr.

fSlÄ Anläßlich der dem Abschluß des f r a n z ö s i s c h - s c h w e i z e r i s c h e n Vertrages vorangegangenen Unterhandlungen hat die Schweiz verlangt, daß die französische Regierung sich verpflichte, das Regime der zollfreien temporären Einfuhr für solche Gewebe aufrecht zu erhalten, welche in Frankreich einem weitern Grade von Veredlung unterworfen und wieder ausgeführt werden sollten. Die französischen Unterhändler antworteten damals, daß ihre Regierung wenigstens ebenso sehr als die Schweiz wünsche, dieses Regime aufrecht zu erhalten, daß sie aber nicht glaube, eine Frage, die speziell in das Gebiet der innern Verwaltung falle, auf vertraglichem Wege regeln zu können.

Die französische Regierung hat nun in dieser Beziehung am 6. September 1879 Folgendes beschlossen:

92 ,,Art. 1. Die Gewebe aus Seide, gemischt mit Baumwolle oder anderen Stoffen, gleichviel welches Verhältniß die Mischung darbiete, welche dazu bestimmt sind, in Frankreich bedrukt. gefärbt oder appretirt zu werden, um identisch wieder ausgeführt zu werden, können zeitweise unter Zollfreiheit zugelassen werden unter den in Art. 5 des Gesezes vom 5. Juli 1836 aufgestellten Bedingungen.

,,Art. 2. Die beim Eingang vorzuweisenden Deklarationen müssen die Anzahl der Stüke, das Nettogewicht und Maß eines jeden derselben, sowie diejenige Arbeit angeben, mit Rüksicht auf welche sie eingeführt werden.

,,Art. 3. Die Zollbehörde wird an den beiden Enden jedes Stükes einen Stempel aufdrüken und ein Acquit-à-caution ausstellen, welches die Verbindlichkeit in sich schließt, bei Strafe der Zollentrichtung dieselben Gewebe bedrukt, gefärbt oder appretirt in einem Zeitraum von höchstens 4 Monaten wieder auszuführen.

,,Art. 4. Die Einfuhr der Gewebe und ihre Wiederausfuhr nach dem Veredlungsprozeß können nur bei den Zollstätten von Paris und Lyon bewerkstelligt werden.

,,Art. 5. Jeder Unterschleif, jede Substitution, jede mangelhafte Angabe, welche von dem Zollpersonal konstatirt wird, zieht die im Art. 5 des Gesezes vom 5. Juli 1836 aufgeführten Strafen nach sich.11 Nachdem Deutschland den zwischen der S c h w e i z und dem deutschen Zollverein abgeschlossenen H a n d e l s v e r t r a g gekündet hatte, entstand die Frage, ob mit dem Tage des Ablaufes desselben auch der Veredlungsverkehr aufhöre. -- Die hierüber dureh unsere Gesandtschaft in Berlin mit dem auswärtigen Amte des deutschen Reichs geführten Unterhandlungen hatten zur Folge, daß nunmehr über die bezüglichen Bestimmungen des Vertrags Einverständniß herrscht. Waaren, welche innerhalb der Vertragsdauer zum Zweke der Veredlung aus dein Gebiete des einen Staates in das Gebiet des anderen gehen, können noch innerhalb 12 Monaten, von Ablauf des Vertrags an gerechnet, zollfrei zurükkehren (siehe Publikation im Buudesblatt 1879, Bd. Ili, S. 219}.

Bei A b s c h l u ß des H a n d e l s v e r t r a g s mit Oesterr e i c h im Jahre 1868 ist der von der Schweiz verlangte freie Veredlungsverkehr von Oesterreich abgelehnt worden (siehe Bundesblatt 1868, Bd. III, S. 256).

Wir haben im Berichtjahre diese Frage neuerdings in Anregung gebracht und werden dieselbe nicht aus dem Auge verlieren.

93 Auch b e i A b s c h l u ß e i n e s d e f i n i t i v e n H a n d e l s v e r t r a g e s mit I t a l i e n werden wir den Veredlungsverkehr als einen Hauptzielpunkt betrachten.

Vorbereitungen für die Revision der Verträge.

Zu den im Jahre 1875 von Frankreich und Italien gekündeten Handelsverträgen sind, wie wir Ihnen bereits anläßlich unseres Jahresberichtes pro 1878 mitgetheilt, zwei neue hinzugetreten: 1) D e r H a n d el s v e r t r ag z w i s c h e n der S c h w e i z und dem d e u t s c h e n Z o l l - u n d H a n d e l s v e r e i n , vom 13. Mai 1869.

2) Der H a n d e l s v e r t r a g z w i s c h e n der S c h w e i z u n d B e l g i e n , v o m 11. D e z e m b e r 1862.

Bei der Untersuchung der Frage, welche Aenderungen bei diesen Verträgen im Interesse unserer Produktion und unseres Verkehrs liegen, haben wir das gleiche Verfahren, wie beim schweizerisch-französischen Handelsvertrage (s. unser Kreisschreiben vom 24. April 1876, Bundesblatt 1876, Bd. II, S. 173) eingeschlagen und sämmtliche Kantonsregierüngen ersucht, jene zwei Verträge einer Prüfung zu unterziehen und uns mit möglichster Beförderung das Ergebniß dieser Prüfung mitzutheilen und Vorschläge, die damit verbunden werden, eingehend zu motiviren.

In Folge dieser Einladung ist ein reichhaltiges Material eingegangen ; dasselbe ist successive gesichtet, nach Materien zusammengestellt und für die Benuzung bei den Unterhandlungen vorbereitet worden.

Veranlaßt durch die von Seite Frankreichs und Italiens erfolgte Kündigung der mit der Schweiz abgeschlossenen Handelsverträge haben wir im Jahre 1875 eine statistische Darstellung des Handels der Schweiz mit jenen Staaten angeordnet und das statistische Bureau mit derselben beauftragt. Die Darstellung des Handels mit Italien wurde noch im gleichen Jahre, diejenige des Handels mit Frankreich im Jahre 1876 veröffentlicht. Aehnliche Darstellungen sind in den Jahren 1876 und 1877 auch über den Handelsverkehr der Schweiz mit Deutschland und Oesterreich angefertigt worden.

Diese Arbeiten sind im Berichtjahre fortgesezt und auch auf den Handelsverkehr mit Belgien ausgedehnt worden. Die betreffenden Zusammenstellungen sind sämmtlichen Mitgliedern der eidgenössischen Räthe, den Kantonsregierungen und den Handels- und

94 Industriegesellschaften mitgetheilt worden. Bei den Untersuchungen,, welche Aenderungen an den zu revidirenden Verträgen im Interesse der schweizerischen Industrie vorgenommen werden sollen, sind diese Arbeiten unentbehrlich; deßhalb haben Sie auch den für die Ausführung derselben nöthigen Kredit von Fr. 10,000 bereitwillig eröffnet.

Für die von der japanesischen Regierung in Aussicht genommene R e v i s i o n d e s s c h w e i z e r i s c h - j a p a n e s i s c h e n H a n d e l s v e r t r a g e s (siehe den Geschäftsbericht pro 1878) machte die japanesische Gesandtschaft den Vorschlag, es möchten die Unterhandlungen in Tokio stattfinden und bei denselben die Zollfreiheit Japans zur Grundlage genommen werden. Dieselbe bemerkte gleichzeitig, Japan beabsichtige keineswegs, höhere Zölle einzuführen als die, welche in andern Vertragsstaaten bestehen.

Die hohen Zölle Rußlands und der Vereinigten Staaten von Nordamerika sollen nicht als Vorbild genommen werden.

In diesem Sinne beabsichtigt Japan seine sämmtlichen mit andern Staaten abgeschlossenen Handelsverträge abzuändern. Bis jezt ist ein solcher Vertrag mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika wirklich zu Stande gekommen. In demselben wird Japan gegenüber die volle Zollfreiheit zugegeben. Art. l, Alinea 2 des Vertrages lautet nämlich : ,,II est convenu en outre que lorsque la convention actuelle ,,entrera en vigueur, les Etats-Unis reconnaîtront au Gouvernement ,,japonais le pouvoir et le droit exclusif de modifier ses tarifs de ,,douane, et d'établir des règlements relatifs au commerce dans les ,,ports ouverts au Japon.tl Dieser Vertrag soll indessen erst in Kraft treten, wenn zwischen Japan und den andern Vertragsmächten ebenfalls ähnlich lautende Verträge zu Stande gekommen sind. Artikel 10 lautet: ,,La présente convention entrera en vigueur lorsque le Japon ,,aura conclu des conventions ou révisions de traités semblables ,,avec toutes les autres nations signataires des traités ayant des ,,relations avec le Japon, et que pareilles conditions ou révisions ,,entreront également en vigueur."

Der japanesischen Gesandtschaft wurde auf ihren Vorschlag Folgendes geantwortet: Seit den in den Jahren 1864 und 1866 zwischen Japan und der schweizerischen Eidgenossenschaft abgeschlossenen Konventionen habe sich ein Verkehr entwikelt, welcher in gleich hohem Interesse beider Länder liege. Wenn nun die kaiserliche Regierung-

95 an jenen Konventionen Aenderungen vorzunehmen wünsche, so werde der Bundesrath, soweit die Handelsinteressen und ihre Stabilität es gestatten, dem Wunsche entgegenkommen und zu Aenderungen, für welche die Zustimmung beider Länder nöthig sei, Hand bieten.

Der Bundesrath möchte indessen vor Allem die bestimmten und detaillirten Abänderungsvorschläge, die ihm den Einblik ermöglichen, wie sich nach denselben die Handelsverhältnisse zwischen beiden Ländern gestalten würden, kennen lernen. In der Zusicherung der japanesischen Regierung, daß weder die Zölle der Vereinigten Staaten von Nordamerika noch diejenigen von Rußland adoptirt, daß überhaupt keine prohibitiven, sondern vielmehr Zölle, wie diejenigen der europäischen Staaten, außer Rußland, eingeführt werden, glaube der Bundesrath nur die Grenzen zu erbliken, innerhalb welcher die detaillirten Abänderungsvorschläge -sich zu bewegen hätten. Es dürfe dabei nicht unberüksichtigt bleiben, daß die Waaren, welche Gegenstand des Handels mit Japan bilden, neben den Zöllen noch mit großen Transport- und Versicherungskosten belastet werden. Indem die japanesische Regierung eine Aenderung des Tarifs wünsche, so habe dies nicht nur eine Revision des Vertrages von 1864, sondern auch eine solche der im Jahre 1866 zwischen Japan einerseits, Großbritannien, Frankreich, den Vereinigten Staaten von Nordamerika und den Niederlanden anderseits abgeschlossenen Konvention, welcher die Schweiz nachträglich beigetreten sei, zur Folge, und es möchte deßhalb der Bundesrath auch gemeinsam mit jenen Staaten über die.Revision dieser Konvention verhandeln. Mit den detaillirten Abänderungsvorschlägen gewärtige der Bundesrath auch in Hinsicht auf die Revisionsunterhandlungen der genannten Staaten von der kaiserlichen Regierung nähere Mittheilungen. Sobald diese eingegangen sein werden, und die Verhandlungen beginnen können, werde für dieselben der Bundesrath eine Vertretung bestellen. Um auch in Beziehung auf den Ort der Unterhandlungen den Wünschen der japanesischen Regierung entgegenzukommen, könne der Bundesrath dazu einwilligen, daß dieselben in Tokio geführt werden. -- Anläßlich unseres Geschäftsberichtes pro 1878 haben wir Ihnen mitgetheilt, daß über den Handelsverkehr zwischen der Schweiz und Japan nähere Untersuchungen angestellt werden. Dieselben sind nun vollendet und liegen zur Benuzung bei den Vertragsunterhandlungen bereit. Der schweizerische Handels- und Industrieverein hat bei diesen Untersuchungen, wie überhaupt bei den Vorarbeiten für die zu revidireuden Handelsverträge, auch im Berichtjahre in anerkennenswerther Weise mitgewirkt.

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Neue Verträge.

  1. Die Erwartung, die wir in unserm Geschäftsbericht pro 1878 ausgesprochen haben, ist nicht in Erfüllung gegangen und ein neuer Vertrag mit Frankreich noch nicht abgeschlossen. Bevor überhaupt Frankreich über neue Verträge unterhandelt, will es seinen Generaltarif ändern. Der Entwurf zu einem solchen liegt ·seit Anfang des Jahres 1877 vor den französischen Kammern. Die Verhandlungen derselben über die Vorlage haben zur Zeit, als wir diesen Bericht anfertigen, begonnen.

Am 6. August 1879 ist ein Gesez in Kraft getreten, mit welchem von den französischen Kammern der Regierung die Ermächtigung ertheilt wird, die bestehenden Verträge und Konventionen zu prolongiren; diese Prolongation soll aber die Frist von sechs Monaten, welche vom Tage der Promulgation des neuen Zolltarifs an zu berechnen ist,' nicht überschreiten.

Gegen Ende des Jahres ist der schweizerisch-französische Vertrag bis zum Ablauf einer Frist von sechs Monaten, welche von dem Tage an läuft, an welchem der eine der kontrahirenden Theile die Absicht kundgegeben haben wird, die Wirkungen des Vertrages aufhören zu lassen, prolongirt worden (s. Bundesblatt 1879, Bd. III, S. 1052).

Mit Rüksicht auf die Revision unseres Zolltarifs haben wir nicht für zwekmäßig gehalten, weiter zu gehen und eine längere Prolongation anzustreben. Auch konnte es uns nicht konveniren, die Dauer derselben . von der Promulgation des französischen Zolltarifs abhängig zu machen.

2. Mit Italien haben wir unterm 28. Januar 1879 eine temporäre Handelsübereinkunft abgeschlossen, welcher mit Bundesbeschluß vom 26./27. März gleichen Jahres die Genehmigung ertheilt worden ist. Ueber die mit Italien geführten Unterhandlungen ist Ihnen in unserer Botschaft vom 3. März 1879 (s. Bundesblatt, Bd. I, S. 302) einläßlich berichtet worden. Den Kantonsregieruogen haben wir mittels Kreisschreiben vom 30. Januar 1879 (s. Bundesblatt, Bd. I, S. 139) die Verhältnisse, welche zu diesem Provisorium führten, näher auseinandergesezt.

Da jene Uebereinkunft nur für die Dauer bis 31. Dezember 1879 abgeschlossen ist und sich bald die Wahrscheinlichkeit einstellte, daß inzwischen ein neuer Vertrag kaum zu Stande kommen werde, mußte auf die Prolongation derselben Bedacht genommen werden. Wie wir in unserem Berichte vom 3. März näher auseinandergesezt, sind die Vortheile jener Uebereinkunft, in Folge welcher - für den schweizerischen Import in Italien die zwischen

97 Oesterreich und Italien vereinbarten Konventionalansäze (s. Bundesblatt 1879, Bd. I, S. 142) zur Anwendung kommen, nicht sehr hoch anzuschlagen; immerhin erachten wir es als wünschenswerth, daß dieselben einstweilen erhalten bleiben; wir hoffen, diesem Provisorium werde ein annehmbarer definitiver Tarifvertrag folgen. Die Uebereinkunft ist nun bis Ende 1880 prolongirt. Dadurch erleidet die Aktionsfreiheit der Schweiz hinsichtlich der Revision des schweizerischen Zolltarifs keine Veränderung, denn jene Uebereinkunft beschränkt sich bekanntlich auf die gegenseitige Zusicherung der Oleichstellung mit der meistbegünstigten Nation. Für den Import -der italienischen Erzeugnisse in die Schweiz kommt der schweizerisch-französische Konventionaltarif, so lange er fortdauert, in Anwendung.

3. Nachdem Serbien durch den zwischen Deutschland, Oestcrreich, Frankreich, England, Italien, Rußland und der Türkei um 13. Juli 1878 in Berlin abgeschlossenen Vertrag als unabhängiger Staat erklärt worden ist, bat die Landesregierung die Geneigtheit ausgesprochen, mit andern Staaten Handelsverträge abzuschließen.

Bei dsr in unsern Nachbarstaaten vorherrschenden zollpolitischen Konstellation schien es uns für den schweizerischen Handel und die Industrie zwekmäßig, mit Serbien einen Vertrag einzusehen, durch welchen unserer Industrie der Weg zu einem neuen Absazgebiete geebnet würde. Mit England, Rußland und Italien hatte Serbien bereits sogenannte Meistbegünstigungsverträge abgeschlossen und die Unterhandlungen über einen Tarifvertrag mit Oesterreich begonnen, Von der schweizerischen Industrie wurde der Abschluß «ines Handelsvertrages lebhaft gewünscht. Wir haben deßhalb unsere Gesandtschaft in Wien beauftragt, mit dem serbischen Geschäftsträger in Wien über einen Handelsvertrag zu unterhandeln.

Das Resultat der Unterhandlungen ist eine Uebereinkunft, die in die eidff.

GesezsammlungO aufgenommen ist.

O O Mittels Gesez vom 20. Dezember 1879 (1. Januar 1880) hat die serbische Nationalversammlung die Uebereinkunft sanktionirt.

Wir haben derselben ebenfalls die Genehmigung ertheilt. Sobald ein definitiver Vertrag zu Stande gekommen ist, werden wir Ihnen eine spezielle Vorlage machen, indem wir das gleiche Verfahren wie bei der mit Rumänien zunächst ebenfalls provisorischen, hier auf definitiven Konvention zu befolgen beabsichtigen (s. A. S. n. F., Bd. II, S. 576; Bd. III, S. 124, 142, 143; Bundesblatt 1878, Bd. II, S. 745).

Der Inhalt der mit Serbien vereinbarten provisorischen Uobereinkunft stimmt ganz mit der mit Rumänien ausgewechselten Erklärung vom 28. Dezember 1876 überein.

Bundcsblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

7

98

4. Als im Jahr 1869 die Schweiz mit dem deutschen Zollverein einen Handelsvertrag abschloß, bestanden zwischen dem Zollverein einerseits und Frankreich, Oesterreich und Belgien anderseits Konventionaltarife; diese fanden nun auch auf die schweizerischen in Deutschland ifnportirten Waaren Anwendung. DieVerträge, auf denen jene Konventionaltarife des Zollvereins beruhen, sind allmälig dahingefallen und zwar derjenige mit Frankreich i» Folge des deutsch-französischen Krieges vom Jahre 1870/71. An die Stelle jenes Vertrages sind folgende Bestimmungen des zwischen dem deutschen Reiche und Frankreich am 10. Mai 1871 abgeschlossenen Friedensvertrages (Art. 11) getreten: ,,Da die Handelsverträge mit den verschiedenen Staaten DeutschAlands durch den Krieg aufgehoben sind, so werden die deutsche ,,Regierung und die französische Regierung den Grundsaz der ,,gegenseitigen Behandlung auf dem Fuße der meistbegünstigten; ,,Nation sihren Handelsbeziehungen zu Grunde legen.

,,Diese Regel umfaßt die Eingangs- und Ausgangsabgaben, den ,,Durchgangsverkehr, die Zollförmlichkeiten, die Zulassung und Be,,handlung der Angehörigen beider Nationen und der Vertreter der,,selben.

,,Jedoch sind ausgenommen von der vorgedachten Regel die ,,Begünstigungen, welche einer der vertragenden Theile durch ,,Handelsverträge andern Ländern gewährt hat oder gewähren wird, ,,als den folgenden: England, Belgien, Niederlande, Schweiz, ,,Oesterreich, Rußland."

Den zwischen O e s t e r r e i c h und dem d e u t s c h e n Z o l l v e r e i n am 9. März 1868 abgeschlossenen Handels- und Zoll vertrag hat Oesterreich, um die für die Aufstellung eines neuen Generaltarifes nöthige Aktionsfreiheit zu gewinnen, im Oktober 1876 mit der Wirkung gekündigt, daß derselbe mit dem Ablauf des Jahres 1877 zu Ende gehen sollte.

Jezt war Deutschland nur noch durch einen einzigen Tarifvertrag gebunden, nämlich denjenigen mit B e l g i e n , und derselbe enthält nur wenige Konventionalausäze : dieser Vertrag wurde von Deutschland gekündet. Damit waren die sävnmtlichen Konventionaltarife, welche der deutsche Zollverein mit andern Staaten früher abgeschlossen hatte, außer Kraft getreten.

Mit dem zwischen der Seh w ei z und dem d e u t s c h e n Z o l l v e r e i n abgeschlossenen Vertrage ist ein Konventionaltarif nicht verbunden ; die beiden kontrahirenden Theile verpflichteten sich, in Beziehung auf Eingangs- und Ausgangsabgaben sich gegenseitig auf dem Fuße

99 der meistbegünstigsten Nation zu behandeln. Für den gegenseitigen Verkehr an den Grenzen, sowie für den Veredlungsverkehr ist einer Reihe von Artikeln Zollfreiheit zugesichert.

Die Verträge zwischen Deutschland einerseits, England, Italien etc. anderseits enthalten ebenfalls keine Konventionaltarife.

Deutschland kündete die Verträge mit Belgien und der Schweiz, gewann dadurch völlig freie Hand und stellte einen neuen, für den Import aus allen Ländern maßgebenden Zolltarif auf. (Siehe Bundesblatt 1879, Bd. III, S. 160, und Beilage zu Bundesblatt Nr. 37.) Derselbe enthält gegenüber den frühern Konventionaltarifen sehr hohe Ansäze und bereitet dem fremden Handel eine äußerst schwierige Lage. Bei dieser Sachlage stellten wir uns die Frage, ob der von Deutschland gekündete und den 31. Dezember 1879 auslaufende Vertrag (siehe Geschäftsbericht pro 1878) dahinfallen oder erneuert werden soll. Hauptsächlich mit Rüksicht auf den Grenz- und Veredlungsverkehr und in der Hoffnung, daß baldigst ein neuer und auch für die Schweiz annehmbarer Vertrag zu Stande kommen werde, haben wir mit der Regierung des deutschen Reichs das Uebereinkommen getroffen, daß der 69er Vertrag bis 30. Juni 1880 in Kraft bleiben soll.

Hinsichtlich des Veredlungsverkehrs hat diese Prolongation die Bedeutung, daß Waaren, welche bis zu jenem Datum aus dem Gebiete des einen Landes in das Gebiet des andern behufs ihrer Veredlung ausgeführt werden, bis zum 30. Juni 1881 zollfrei zurückgebracht werden können, sofern die bestehenden Kontroivorschriften beobachtet worden sind.

Im Laufe des Jahres sind sehr häufig Gesuche um Aufschluß eingelangt, ob Deutschland troz unseres Handelsvertrages seinen neuen Generaltarif auf die Waaren schweizerischer Provenienz in Anwendung bringen könne. Auf dieselben wurde jeweilen im Sinne obiger Auseinandersezung affirmativ geantwortet.

Neue Tarifverträge hat Deutschland bis jezt noch nicht abgeschlossen. Zunächst sollen die durch den neuen Zolltarif veränderten innern Zustände geregelt werden. Bei den Unterhandlungen über Tarifverträge wird -nach den uns eingegangenen Mittheilungen zunächst Oesterreich an die Reihe kommen. Sobald Deutschland für den Import neue Konventionalansäze mit einem andern Staate vereinbart hat, finden dieselben in Folge Art. l des schweizerisch - deutschen Vertrages auch auf die schweizerischen Waaren Anwendung.

'&· 5. Der im Jahre 1862 mit Belgien abgeschlossene und von uns gekündete Handelsvertrag (siehe unsern Geschäftsbericht pro

100 1878) ist am 18. November 1879 außer Kraft getreten. Für einstweilen sind die internationalen Rechtsverhältnisse, welche Gegenstand desselben gebildet haben, in der Weise geregelt, daß beide Staaten gegenseitig auf dem Fuße der Meistbegünstigung sich behandeln. Eine bestimmte Zeitdauer ist für dieses Uebereinkommcn nicht festgesezt. Ein jeder der beiden Kontrahenten kann zu jeder Zeit von demselben zurüktreten.

Der schweizerische Export nach Belgien betrug im Spezialhandel in den Jahren 1871--1877 durchschnittlich Fr 1,629,000; der Import Belgiens in die Schweiz dagegen durchschnittlich Fr. 20,040,000.

Dieses ungleiche Verhältniß ist namentlich dem Umstände zuzuschreiben, daß für einzelne industrielle Erzeugnisse der Schweiz der 62er Vertrag ungünstig ist und Belgien überhaupt bei vielen zollpflichtigen Objekten wesentlich höhere Zölle hat als die Schweiz.

Jener Vertrag hat namentlich für die leichten Baumwollgewebe und die Stikereien gegenüber dem frühern allgemeinen belgischen Tarif eine wesentliche Benachtheiligung mit sich gebracht. Sodann sind auch die belgischen Zölle auf Käse, Uhren etc. zu hoch.

Mit Rüksicht auf diese für unsere Landesindustrie ganz ungünstigen Verhältnisse sind in den industriellen Kreisen viele Stimmen laut geworden, daß wir auf einen neuen Vertrag mit Belgien verzichten sollten. Es wäre dies ein erster Schritt, um von den Handelsverträgen zurükzutreten. Wir sind indessen der Ansicht, daß die Schweiz so lange als möglich an den Handelsverträgen festhalten soll, und sind deshalb geneigt, auch Belgien gegenüber zu Unterhandlungen über einen neuen und definitiven Handelsvertrag Hand zu bieten. Die Abschließung eines solchen möchten wir jedoch davon abhängig machen, daß Belgien bei mehreren schweizerischen Industrieerzeugnissen Zollansäze zugesteht, die der Entwiklung des Handels günstiger sind, als der bisherige Vertrag.

III.

Anstände beim internationalen Handelsverkehr.

  1. Mit Frankreich. Einem Schweizerbüi-ger, welcher nach Paris reiste, um dort eine Stelle anzutreten, wurde von der französischen Douane eine goldene Uhr, welche er nebst einer silbernen mit sich führte, sequestrili und ihm noch eine Geldbuße auferlegt, weil die Zollstätte annahm, jene Uhr habe eingeschmuggelt werden wollen. Die französische Zollverwaltung hat, nachdem ihr der Nachweis geleistet war, daß jene Uhr dem Besizer geschenkt worden ist, diese und die Geldbuße restituirt. --

101 Es wurde darüber Beschwerde geführt, daß in Frankreich von jedem importirten Paket Nägel eine statistische Gebühr von 10 Cts.

bezahlt werden müsse. Dies betrage etwa 10 °/o vom Werthe, indem die einzelnen Pakete 5 Kil, schwer seien. Mit Hinsicht auf die in Frankreich bestehenden gesezlichen Vorschriften (Gesez vom 22. Januar 1872) wurde die Beschwerde von der französischen Verwaltung nicht berüksichtigt. Indessen könnte sich, bemerkte dieselbe, das Publikum dadurch behelfen, daß solche Sendungen nicht in kleinen Paketen stattfinden, sondern dali diese in Kisten verpakt werden. Die statistische Gebühr betrage ebenfalls 10 Cts. per Kiste, abgesehen von der Zahl der in derselben befindlichen Pakete. -- Ein schweizerisches Handlungshaus hatte einen Anstand mit der französischen Zollverwaltung wegen Verzollung von Seidenabfällen und verlangte die offizielle Vermittlung der Bundesbehörde.

Dem Verlangen konnte nicht entsprochen werden. Die Waaren wurden aus I t a l i e n nach Frankreich versendet, deshalb erschien eine offizielle Intervention der schweizerischen Behörde rechtlich ' nicht zuläßig. -- Der Zoll auf ,,farine lactée"1 wurde wegen des Zukergehaltes dieses leztern von der französischen Zollverwaltung von Fr. 17 auf Fr. 33 per 100 Kil. erhöht und damit dem Zoll auf Confituren gleichgestellt. Das Verlangen, den bisherigen Zoll zu belassen, fand keine Berüksichtigung. Eine Position des Konventionaltarifes bildet die ,,farine lactée"- nicht. -- Eine größere Sendung von rohen Häuten wurde von der französischen Eingangszollstätte angehalten, indem diese glaubte, die Häute seien nicht schweizerischen Ursprunges und liege somit eine falsche Deklaration vor. Die hierauf vorgenommene Expertise stellte heraus, daß die Zollstätte sich getäuscht hatte. Gemäß französischer Gesezesvorschrift (vom 28. April 1799) ist in einem solchen Falle dem Eigenthümer der Sendung eine Entschädigung von l °/o des Werthes, vom Tage an gerechnet, an welchem die Sendung angehalten worden ist, bis zur Zurükstellung derselben zu entrichten. Diese Entschädigung wurde geltend gemacht und hierauf von der französischen Zollverwaltung dem Eigenthümer ausgerichtet.

Dagegen wurde das Gesuch, daß ihm auch für den Schaden, den die Häute in Folge der Untersuchung, welche einige Wochen dauerte, erlitten haben, eine Entschädigung ausgerichtet werde, in abweisendem Sinne beschieden.

2. Mit Italien wurden während längerer Zeit Unterhandlungen über die Verzollung von Mousseline- und rohen Baumwollgeweben geführt, indem die italienische Zollverwaltung plözlich von jenen einen

102 Zoll von Fr. 300 statt bisher Fr. 74 und von diesen ebenfalls Fr. 300 statt Fr. 80 forderte. Der schweizerische Export jßner Objekte würde durch diesen höhern Zoll vollständig verumnöglicht. Nach längeren Verhandlungen, für welche unserer Gesandtschaft in Rom ein Experte beigegeben wurde, hat die italienische Zollverwaltung in beiden Beziehungen den mäßigen Zoll von Fr. 74 resp. Fr. 80 per 100 Kil. wieder aufgestellt und den höhern Zoll fallen lassen. -- 3. Mit Deutschland. Wie bereits an anderer Stelle bemerkt, hat Deutschland einen neuen Zolltarif mit wesentlich höhern Ansäzen aufgestellt. Ein auf Verlangen einiger schweizerischer Industrieller gestelltes Gesuch, es möchte gestattet werden, daß industrielle Erzeugnisse noch zum alten Zollgeseze, Maschinen also zollfrei nach Deutschland exportirt werden, wenn der Nachweis vorliege, daß die Lieferungsverträge im vorigen Jahr oder in den ersten Monaten des Jahres 1879 abgeschlossen worden sind, fand bei der deutschen Zollbehörde keine Berüksichtigung.

4. Mit Oesterreich. Beim Handelsvertragsabschluß zwischen der Schweiz und Oesterreich machte lezteres die Konzession, daß schweizerische Weine aus der Umgegend des Bodensee's, sogenannte Seeweine, zu dem ermäßigten Zollansaze von l fl. 89 kr. ö. W.

per 50 Kil. nach Oesterreich eingeführt werden können. Es wurden auch den Weinen anderer Länder mehr oder weniger reduzirte Tarifansäze zugestanden. Es waren dies sogenannte T a r i f k o n z e s s i o n e n , die so lange Geltung haben sollten, als der österreichische allgemeine Vertragszolltarif, der am i. Januar 1867 in's Leben trat, in Kraft besteht. Diese Konzessionen wurden von keinem Staate vertragsmäßig festgesezt, da sich die österreichische Regierung auf das Entschiedenste dagegen weigerte. Oesterreich kündete bekanntlich seine Vertragstarife und ließ mit dem 1. Januar 1879 einen neuen Zolltarif iu's Leben treten. Von diesem Augenblike an wurde auch der allgemeine Zolltarif von 1867 mit allen in demselben enthaltenen Konzessionen ungültig. Damit fiel auch die Ta.rifkonzession für die Weine aus der Umgebung des Bodensee's, sowie für die Weine aus andern Ländern dahin. Der neue österreichische Zoll auf Wein beträgt 12 fl. per 100 Kil. Auf das Gesuch einer ostschweizerischen Weinhandlung wurden Schritte zu dem Zweke gethan, daß der bisherige Zoll von l fl. 89 kr. per 50 Kil.

beibehalten werde. Dieselben waren erfolglos, indem, wie bemerkt, dieser mäßige Zoll im schweizerisch-österreichischen Vertrage nicht stipulirt ist.

5. Mit Spanien. Hinsichtlich der Anstände bei Ursprungsscheinen, welche Waarensendungen nach Spanien begleiten müssen,

103

wurde in's Bundesblatt (Bd, III, S. 98) eine Publikation inserirt, auf die hier hingewiesen wird.

Der Zoll auf ,,farine lactée" wurde in Spanien plözlich von Fr. 14 auf Fr. 100 per 100 Kil. erhöht, auf erfolgte Reklamation aber wieder auf Fr. 14 herabgesezt.

6. Mit Chile. Am 20. September 1879 ist ein neues Zollgesez ·in Kraft getreten, welches den fremden Handel ganz bedeutend erschwert. Die Zölle müssen jezt in Silberthalern oder in Wechseln ,auf London oder Paris bezahlt werden.

IV. Maß und Gewicht.

Unterm 20. Juni 1879 haben Sie bei Anlaß der Prüfung des 'Geschäftsberichts über das Jahr 1878 beschlossen: ,,Der Bundesrath wird eingeladen, zu prüfen, ob nicht der Bundesrathsbeschluß vom 17. August 1877, betreffend Abänderung von Art. 24 der Anleitung für die Eichmeister, im Sinne der Ermäßigung der Gebühren für die Eichung der Fässer einer Revision zu unterstellen sei." (Amtl. Samml.

n. F., Bd. IV, S. 204.)

Nachdem wir schon im Januar und Juni 1879 den Regierungen der Kantone Baselstadt und Zug, gestüzt auf Art. 10 des Bundesgesezes vom 3. Juli 1875, bewilligt hatten, die Eichgebühren für Fässer mit Rücksicht auf die vorhandenen Sinnanstalten selbstetändig festzustellen, beschlossen wir unterm 8. Juli, die Feststellung ·der Gebühren für die Eichung der Fässer den Kantonsregierungen .zu überlassen, immerhin in dem Sinne, daß die Gebühren nicht höher sein dürfen, als wie sie in dem Beschluß vom 17. August 1877 festgestellt sind.

Den Kantonsregierungen wurde von diesem Beschlüsse durch ein Kreisschreiben (Bundesblatt 1879, Bd. III, S. 94) Kenntniß gegeben und dieselben eingeladen, die daherigen Gebühren mit Rüksicht auf die bei ihnen vorkommenden Verhältnisse festzusezen. Die Gründe, welche uns bewogen haben, von einem allgemein verbindlichen Tarif zu abstrahiren, sind namentlich zu suchen in der durch passend eingerichte Sinnanstalten bedeutend erleichterten Arbeit gegenüber der Eichung mittelst der gewöhnlichen Probemaße. Da aber auch die Sinnanstalten selbst sehr verschieden ausgerüstet sind, so ist auch bei diesen die Arbeit eine sehr verschiedene, und wäre es unbillig, hier für alle gleiche Taxen vorzuschreiben. Durch den erwähnten Beschluß ist wohl dem Postulat Rechnung getragen worden. Dia

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Kantonsregierungen können durch Einführung und Errichtung' passender Sinnanstalten die Gebühren noch weiter ermäßigen.

Zu erO wähnen bleibt nur, daß der Tarif vom 17. August 1877 mit kleinen Modifikationen in den Kantonen in Kraft geblieben ist, wo keine Sinnanstalten bestehen, wohl auch ein Beweis, daß die Taxen nicht allzu hoch waren, während in den andern Kantonen geringere Gebühren aufgestellt wurden.

Die ständeräthliche Geschäftsprüfungskommission hatte ferner noch den Wunsch geäußert, es möchte die Eichung der Transportfässer obligatorisch gemacht werden. Es wurden deshalb die Kantousregierungen ersucht, auch über diese Frage ihre Ansichten mitzutheilen. Leider sind nicht von allen Regierungen Antworten eingelangt; es sprachen sich jedoch 13 Kantone gegen und 5 für obligatorische Eichung aus, so daß mit Rüksicht auf die ziemlich bedeutenden Schwierigkeiten, welche einer obligatorischen Eichung entgegenstehen und im Einverstäudniß mit der Mehrzahl der Kantonsregierungen diese Frage wieder fallen gelassen wurde.

Im lezten Jahresbericht wurde ferner erwähnt, daß in Bezug auf diejenigen Waagen und Gewichte, welche im Handel mit edeln Metallen, sowie in den Apotheken etc. gebraucht werden, ausführlichere Bestimmungen festgestellt werden sollten. Es wurde daher ein erster Entwurf zu einer Verordnung betreffend die Eichung von Präzisionsgewichten und -Waagen ausgearbeitet und einer Anzahl Fachmänner, sowie dem Vorstand des schweizerischen Apothekervereins zugestellt. Ein zweiter, etwas modifizirter Entwurf konnte noch im Dezember an die Kantonsregierungen zur Begutachtung abgehen, mit der Einladung, ihre allfälligen Abänderungsanträge bis Ende Januar 188U einzusenden, so daß diese Frage in nächster Zeit ihre Erledigung finden wird.

Die Anregung der Geschäftsprüfungskommission, den Art. 24 der Vollziehungsverordnung über Maß und Gewicht, vom 22. Oktober 1875, durch welchen Wirthe und Gastgeber verpflichtet worden,.

Probeflaschen zu halten, in Wiedererwägung zu ziehen, ist von Seite der Eichstättedirektion unterm 1. Juni dahin beantwortet worden, daß denn doch in vielen Fällen solche Probeflaschen sehr nüzlich sind. Namentlich früher war vielerorts die Eichung der Glaswaaren eine etwas mangelhafte, besonders da einige Glasfabriken hie und da die bestehenden Vorschriften zu umgehen suchten, und wenn auch in neuerer Zeit weniger Klagen vorkommen, so kann doch der Nuzen der Probeflaschen, besonders bei einer Nachschau durch die Polizei, nicht geläugnet werden. Sollte sich später allgemein herausstellen, daß dieselben in Folge genauer

105 Beachtung der Vorschriften nicht mehr nöthig sind, so kann der v betreffende Artikel fallen ö gelassen werden.

Von wichtigem Beschlüssen ist noch zu erwähnen der Bundesrathsbeschluß betreffend Maße, Gewichte und Waagen, welche in Fabriken verwendet werden, vom 30. September 1879. Derselbe wurde veranlaßt durch die Mittheilung einer Kantonsregierung, daß einzelne Fabriken sich weigerten, ihre Maße, Gewichte und Waagen der ordentlichen dreijährigen Inspektion unterziehen zu lassen, und es wurde deshalb an das Departement die Anfrage gestellt, ob Gewichte und Waagen, welche in Fabriken gebraucht werden, unter das Bundesgesez über Maß und Gewicht fallen. Diese Anfrage wurde von Seite der Eichstättedirektion sowohl als auch von Seite der Fabrikinspektoren (mit einzelnen Modifikationen) bejaht,, und nachdem auch die große Mehrzahl der Kantonsregierungen einem daherigen Entwurf zu einem Bundesrathsbeschluß ihre Zustimmung gegeben, wurde derselbe zum Beschluß erhoben. (Amtl.

Samml. n. F., Bd. IV, S. 345.)

Endlich wurden die Kantonsregierungen durch Kreisschreiben vom 23. September 1879 ersucht, vor Allem aus in amtlichen Blättern und bei amtlichen Publikationen nur Angaben nach den neuen Maßen und Gewichten zu gestatten und bei den Verlegern öffentlicher Blätter dahin zu wirken, daß in Publikationen aller Art, welche Angaben über Maß und Gewicht enthalten, die neuen Bezeichnungen angegeben werden, ferner möglichst dahin zu wirken, daß in Magazinen die Preise der Waaren nur uach den neuen Maßen angegeben werden.

Da laut Instruktion für die Eichung von Gasmessern vom 11. September 1876, sämmtliche Gasmesser bis zum 31. Dezember 1878 geeicht sein sollten, so wurden die Kantonsregierungen eingeladen, Bericht zu erstatten, in wie weit diesem Beschluß nachgelebt worden sei. Aus den bezüglichen Antworten ging hervor, daß in den meisten Kantonen die Eichung resp. Umänderung auf Kubikmeter vollständig durchgeführt war, und nur bei wenigen Kantonen mußte noch auf Erfüllung dieser Vorschrift gedrungen werden. Am Schlüsse des Berichtsjahres sind nur noch einzelne Gasanstalten im Rükstand, welche mit bedeutenden Schwierigkeiten zu kämpfen haben, welchen daher ein noch etwas längerer Termin zur vollständigen Eichung der im Gebrauche befindlichen Gasmesser, welche alle nach Kubikmetern registriren, gestattet werden mußte.

[m Laufe des Jahres war die Frage angeregt worden, auch bei uns einheitliche abgekürzte Bezeichnungen für die verschiedenen Größen des metrischen Systems einzuführen. Es wurde demnach

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vom Departement ein bezüglicher Entwurf den Kantonsregierungen, .sowie einzelnen wissenschaftlichen Gesellschaften zur Begutachtung vorgelegt. Die Idee als solche wurde lebhaft begrüßt, dagegen wurden ziemlich viele abweichende Meinungen kundgegeben, welche vorzugsweise durch die Verschiedenheit der Sprache bedingt waren.

Da auch in einzelnen unserer Nachbarländer offizielle Bezeichnungen bestehen, da ferner das metrische System sich immer mehr verbreitet, so mußte auch der Wunsch sich regen, es möchten solche abgekürzte Bezeichnungen nicht blos in einem bestimmten Lande Geltung haben, sondern überall da, wo das metrische System in Gebrauch ist. Um daher diese Frage möglichst allgemein zu regeln, wurde Hr. Professor Dr. Hirsch, Direktor der Sternwarte in Neuenburg und schweizerisches Mitglied des internationalen Comités für Maß und Gewicht, beauftragt, diesem Comité die Frage zu unterbreiten, ob es nicht thunlich wäre, allgemeine abgekürzte Bezeichnungen einzuführen. Gleichzeitig wurde ihm ein dahinzielender, an der Hand des eingelangten Materials ausgearbeiteter Vorschlag übermittelt, welcher allenfalls den Berathungen zur Grundlage dienen sollte. Der Vorschlag wurde von Seite des Comités günstig aufgenommen und auch mit wenigen Modifikationen adoptirt. Da uns ein offizieller Bericht über diese Frage noch nicht zugekommen ist, so konnte bisher auch von einer Publikation der gefaßten Beschlüsse nicht die Rede sein.

In Folge einer Beschwerde wurde uns zur Kenntniß gebracht, daß in ' einem Kanton von mehreren Eichmeistern ungesezliche Waagen mit dem amtlichen Eichzeichen versehen worden seien.

Die betreffende Regierung wurde eingeladen, dafür zu sorgen, daß ein solches eigenmächtiges Vorgehen nicht mehr vorkomme, und die Fehlbaren zu bestrafen, was nach erhaltener Mittheilung auch geschehen ist.

Im Januar des Berichtsjahres war von Seite des internationalen Comités für Maß und Gewicht die Anzeige gekommen, daß die Einrichtungen der Anstalt so weit beendigt seien, daß Vergleichungen zwischen den Maßen verschiedener Länder vorgenommen werden können, und es wurden die Regierungen der kontrahirenden Staaten eingeladen, ihre bisherigen Urmaße (Meter und Kilogrammj nach Paris zu senden. Obschon noch nicht definitive Vergleichungen mit den Prototypen vorgenommen werden konnten, da dieselben noch nicht erstellt sind, so mußten solche Vergleichungen dennoch einen gewissen Werth haben. Wir beauftragten deshalb die Direktion der eidg. Eichstätte, die betreffenden Maße in das internationale Bureau zu bringen und bei den Vergleichungen sich zu betheiligen, lieber diese Vergleichungen, die erst zum Theil beendigt sind, wird

107 seiner Zeit ausführlich Bericht erstattet werden. Zu erwähnen ist hier vorläufig nur, daß der schweizerische Normalstab, der seiner Zeit von Hrn. Professor Dr. Wild sorgfältig untersucht worden war, während der Anwesenheit des Eichstättedirektors bei einer mittleren Temperatur von circa 17 ° mit einem der Platinmeter des internationalen Bureau verglichen wurde. Es ist seither mitgetheilt worden, daß Hr. Dr. Pernet, welcher dem internationalen Bureau attachirt ist, die Vergleichungen auch bei 0° durchgeführt hat und demnächst solche bei 30 ° ausführen wird, so daß diese Vergleichungen bis zum kommenden Frühjahr beendigt sein werden.

Dagegen konnten die Vergleichungen des schweizerischen Platinkilogramms mit den beiden Platiniridium - Kilogrammen des internationalen Bureau und einem österreichischen Platinkilogramm beendigt werden, und hatte der Eichstättedirektor auch hier Gelegenheit, eine Reihe von Beobachtungen auszuführen. Nachdem die Berechnungen nun beendigt sind, wird in nächster Zeit hierüber ausführlicher Bericht erstattet werden. Dagegen konnte die Vergleichung des Messingkilogramms von Steinheil, welches im Jahr 1863 als Mutterkilogramm gedient hatte, nicht zu derselben Zeit stattfinden, sondern mußte auf später verschoben werden.

Im Anschlüsse an diese Arbeiten wurde nun mit der genauen Untersuchung der auf der eidg. Eichstätte befindlichen Gewichte begonnen und zwar zunächst der kleinern Gewichtsäze. Nach Beendigung dieser Arbeit sollen auch die größern Gewichtsäze mit den in Breteuil untersuchten Gewichten verglichen werden.

Im Laufe des Jahres 1879 wurde eine eidg. Inspektion im Kanton Solothurn vorgenommen, über deren Ergebniß auf den vorhandenen detaillirten Bericht verwiesen wird.

Im Fernern wurden auch im abgelaufenen Jahre noch einzelne Probemaßlieferungen ausgeführt oder defekt gewordene Probemaße neu justirt.

Wie in frühern Jahren, wurden auch in diesem Jahre mehrere Präzisionsmiren für die schweizerische geodätische Kommission als auch für fremde Staaten (Italien und Oesterreich) mit dem hiefür bestimmten Eisenstab verglichen, und endlich hatte die eidg. Eichstätte noch eine ziemlich große Anzahl von Anfragen aller Art von Behörden, Eichbeamten und Privaten zu beantworten.

Y. Ausstellungen.

Ueber die in Paris abgehaltene i n t e r n a t i o n a l e A u s s t e l l u n g von Werken der Kunst, Produkten der Landwirth-

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schaft und der Industrie ist Ihnen ein Spezialbericht vorgelegt worden. Der von Ihnen bewilligte Kredit beträgt Fr. 380,000.

Von demselben sind laut der Ihnen vorgelegten Rechnung bis Ende des Berichtjahres Fr. 318,441. 32 verwendet worden. Die Abwiklung sämmtlicher Geschäfte und die Schlußrechnung werden erst im Laufe des Jahres 1880 erfolgen können.

An der Ausstellung nahmen 1080 schweizerische Aussteller Theil. Wenn man von dieser Zahl die 118 an Kollektivausstellungen Betheiligten abzieht, so bleiben noch 962 Einzel-Aussteller. Von diesen sind 80 °/o vom Preisgericht prämirt worden.

Folgende schweizerische Preisrichter haben Berichte über die Ausstellung angefertigt: 1. Hr. Théodore de Saussure de Genève, über Malerei und Zeichnen.

2. ,, Dr. Wettstein, Seminardirektor in Küßnacht, über Primarschulwesen.

3. ,, Prof. Dr. Eug. Rambert in Zürich, über das höhere Unterrichtswesen.

4. ,, Eugen Stettier, Architekt in Bern, über Anwendung der Zeichnungskunst und der Plastik für industrielle Zweke.

5. ,, Oscar Hegar in Basel, über musikalische Instrumente.

6. ,, J. L. Soret, Professor in Genf, über Präzisions-instrumente.

7. ,,, Oberst Siegfried in Bern, über geographische und kosmographische Karten und Apparate.

8. ,, Julius Stadier, Professor in Zürich, über Möbel und Tapisserie.

9. ,, David Perret in Neuen bürg, über Uhrenindustrie.

10. ,, G. Kiefer-Bär in Basel, über Maroquinerie, Tabletterie und Vannerie.

11. ,, Rieter-Fenner in Winterthur, über Baumwollgespinnste und Baumwollgewebe.

12. ,, M. A. Meyer-Bürkli in Zürich, über Seidenwaaren.

13. ,, J. Blumer-Egloff in St. Gallen, über Bonneterie, Lingerie etc.

14. v Jean Isler-Cabezas in Wohlen (Aargau), über fertige Kleider, Strohwaaren etc.

15. ,, J. Rössel in Genf, über Bijouterie und Joaillerie.

16. ,, J. Piccard, Prof. in Basel, über chemische und pharmazeutische Produkte.

17. ,, Em. Meyer in Herisau, über Bleiche, Färberei, Druk und Appretur.

109 18. Hr. Ernest Mercier in Lausanne, über Häute und Leder.

19. ,, Friedrich Autenheimer, Direktor des Technikums in Winterthur, über Maschinen und Apparate der allgemeinen Mechanik.

20. ,, A. Achard, Ingenieur in Genf, über Maschinen zur Erzeugung elektrischer Ströme.

21. ,, R. Moser, Ingenieur in Zürich, über Bau- und Civilingenieurwesen.

22. ,, J. Doge in Vivis, über gegohrene Getränke.

23. ,, D. Flückiger in Aarwangen, über die Betheiligung und den Erfolg der schweizerischen Viehzüchter an der Nuzthier-Ausstellung.

Diese Berichte sind in einer größern Anzahl Exemplaren gedrukt und den Mitgliedern der Bundesversammlung, den offiziellen Vertretern der Schweiz im Auslande, den Kantonsregierungen und den Ausstellern zugesandt worden.

Als die Pariser Weltausstellung von 1878 geschlossen war, richtete sofort Neu-Süd-Wales in Australien an sämmtliche Nationen die Einladung zur. Betheiligung an einer i n t e r n a t i o n a l e n A u s s t e l l u n g , welche im Jahre 1879 in der Hauptstadt jener Provinz, Sydney, abgehalten werde. Hierauf folgte eine Einladung der australischen Provinz Victoria zur Betheiligung an einer ä h n l i c h e n A u s s t e l l u n g , welche für das Jahr 1880 in Aussicht genommen ist und in Melbourne abgehalten werden soll.

Weder für die eine noch für die andere jener Ausstellungen haben wir eine offizielle Organisation aufgestellt, sondern es wurde den Privaten überlassen, von sich aus die nöthigen Anordnungen zu treffen, sofern sie die Ausstellungen beschiken wollen. An der Ausstellung in Sydney, welche am 17. September abbin eröffnet worden ist, nahmen 15 schweizerische Firmen Theil. Folgende schweizerische Industrien sind an derselben vertreten: Uhren, Musikdoson, mathematische Instrumente, Klaviere, Holzschnizereien, Stikereien, Verbandstoffe, halbseidene Stoffe, Elastiques, farine lactée, Käse, Cigarren, gebrannte Wasser.

Die Herren John Icely in Zürich und Ernst Eugster aus Waldstadt, Kant. Appenzell, haben die private Vertretung der schweizerischen Aussteller für die Ausstellung in Sydney übernommen.

Dieselben werden die schweizerischen Industriellen an der Ausstellung in Melbourne, welche am 1. Oktober 1880 eröffnet werden soll, ebenfalls vertreten.

Bei dieser wird sich wahrscheinlich eine größere Anzahl Industrieller betheiligen, als bei der Sydney-Ausstellung.

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Dem an uns gestellten Gesuche, wir möchten die Herren Icely und Eugster bei den Ausstellungsbehöden in Melbourne als schweizerische Vertreter accreditiren, damit sie mit jenen Behörden offiziell in Verkehr treten können, haben wir aus folgenden Rüksichten entsprochen : An der Ausstellung in Sydney hatte Herr Eugster, welcher die schweizerischen Aussteller dort repräsentirt, die größte Schwierigkeit, den Ausstellungsraum, welcher der Schweiz zugesichert war, zu erhalten, weil er offiziell nicht accreditirt war. Durch die Vermittlung des schweizerischen Konsulats in Sydney ist ihm hierauf ein kleiner Plaz zur Verfügung gestellt worden. Derselbe reichte aber nicht aus, um die sämmtlichen schweizerischen Ausstellungsobjekte aufzunehmen, so daß diese in der Ausstellung zerstreut waren.

Aehnlichen Schwierigkeiten und Inkonvenienzen an der MelbourneAusstellung wird vorgebeugt, wenn die Vertreter der schweizerischen Industrie offiziell accreditirt sind und mit den Ausstellungsbehörden in direkten Verkehr treten können.

Die europäischen Industriestaaten England, Frankreich, Belgien, Holland, Deutschland und Oesterreich haben für die beiden genannten Ausstellungen offizielle Vertretungen aufgestellt. Die Schweiz riskirt, vom australischen Markte ausgeschlossen zu werden, wenn ihre Industrie an der Melbourne-Ausstellung nicht besser vertreten ist, als an derjenigen in Sydney. Es hatten sich bei Herrn Icely schon eine Anzahl Firmen für die Betheiligung an der Ausstellung in Melbourne angemeldet, jedoch in der Annahme, daß vom Bundesrathe eine offizielle Vertretung ernannt werde.

Im Mai 1879 fand in Prag eine Fachausstellung der M e t a l l i n d u s t r i e statt. Zur Betheiligung bei einzelnen Klassen der Ausstellung wurden auch ausländische Produkte zugelassen. Wir beschränkten uns darauf, das Ausstellungsprogamm dem schweizerischen Handels- und Industrieverein mitzutheilen.

Eine i n t e r n a t i o n a l e A u s s t e l l u n g v o n M a s c h i n e n E r z e u g n i s s e n u n d B e d a r f s a r t i k e l n d e r Müllerei, T e i g w a a r e n - F a b r i k a t i o n , Bäkerei und Schneidem a s c h i n e n fand in Berlin vom 22. Juni bis Ende Juli statt.

Das Programm derselben ist im Bundesblatt publizirt worden. (Siehe Bundesblatt 1879, Bd. I, S. 41.) Ueberdieß wurden die sämmtlichen Kantonsregierungen speziell auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht.

Die Zahl der Aussteller aus den einzelnen Staaten betrug: Aus Deutschland 304, Oesterreich 26, Schweiz 10, England 7, Frankreich 6, Italien 5, Nordamerika 3, Belgien, Holland, Däne-

Ili mark, Norwegen und Rußland je 1. Im Ganzen also 370 Aussteller.

Auszeichnungen wurden ertheilt 184; davon kommen auf Deutschland 137 (also auf 45 % seiner Aussteller), auf Oesterreich 18 (52%), auf die Schweiz 10 (100 °/o), auf England 3 (43 %), auf Prankreich 3 (50%), auf Nordamerika l (33%), auf Italien 2 (40 %), auf Belgien , Holland, Dänemark, Norwegen und Rußland je l Auszeichnung für je einen Aussteller.

Es ist mithin die Schweiz im Verhältnis zu anderen auswärtigen Staaten nicht allein am stärksten vertreten gewesen, sondern es haben auch ihre Aussteller die größte Zahl von Auszeichnungen erhalten. Auch in Bezug auf die Art der Auszeichnungen haben die schweizerischen Industriellen den besten Erfolg: zu verzeichnen.

VI. Ausführung des Fabrikgesezes.

Als eine der ersten Aufgaben bei der Vollziehung des Fabrikgesezes betrachteten wir eine genaue Kenntniß der bestehenden Fabriken, sowie der Verhältnisse der in denselben beschäftigten Arbeiter, und ordneten deßhalb eine Gesammtinspektion von Etablissementen aller Industriezweige an. Die Inspektoren haben mehrere Monate für diese wichtige Aufgabe verwendet und über das Resultat dieser gemeinschaftlichen Inspektionsreisen einen eingehenden Bericht erstattet. Derselbe wurde Ihnen mitgetheilt und in's Bundesblatt (1879, Bd. III, S. 289) inserirt.

Nach Vollendung der Gesammtinspektion begannen die Einzelinspektionen und damit zugleich diejenige Periode der 'amtlichen Wirksamkeit der Inspektoren, über die jeder Einzelne einen gesonderten Bericht angefertigt hat. Die drei Berichte werden Ihnen ebenfalls mitgetheilt.

Wir beschränken uns hier auf wenige Mittheilungen, die in Verbindung mit jenen Berichten indessen vollständig genügen, um Ihnen von der Vollziehung des Fabrikgesezes genaue Kenntniß zu verschaffen.

Inskünftig werden zu den Einzelberichten der Inspektoren noch die in Art. 17, Absaz 3, vorgesehenen Berichte der Kantonsregierungen hinzukommen.

Bis jezt sind diese Berichte noch nicht abverlangt worden, denn manche Verhältnisse sind nicht genügend abgeklärt, umv die

112 für die Anfertigung derselben vorgeschriebene einheitliche Anordnung zu treffen.

Für die Berichterstattung über das nächste Jahr (1880) \vii-d dies indessen rechtzeitig geschehen können.

Im Einzelnen haben wir Ihnen Folgendes mitzutheilen : 1. Das Bundesgesez vom 23. März 1877, betreffend die Arbeit in den Fabriken, hat in seiner Anwendung zu sehr verschiedenen Interpretationen von Seiten der Kantonsbehörden, Fabrik besizer und Arbeiter Veranlassung gegeben. Die erste Gesammtinspektion, welche von den drei Fabrikinspektoren gemeinsam vorgenommen worden ist, hat es ermöglicht, die hauptsächlichen Mängel, welche eine rationelle und einheitliche Ausführung des Gesezes abstellen soll, ausfmdio zu machen. Um zu diesem Ziele zu gelangen, ist es für nöthig erachtet worden, ein Vollziehungsreglement auszuarbeiten, welches eine authentische Interpretation der Bestimmungen des Gesezes, welche bis jezt nicht überall in gleicher Weise aufgefaßt worden sind, geben soll.

Das Departement hat demgemäß unter Zuzug der Inspektoren und auf Grund der von denselben gemachten Beobachtungen einen Regleinent,sentwui-f vorbereitet, welcher mit einem kurzen Motivenbericht den Kantonsregierungen und anderen Betheiligteu zur Prüfung unterbreitet wurde.

Die Berichte, welche über diesen Entwurf von Kantonsregierungen, industriellen Vereinen und Privaten erstattet wurden, sind sehr zahlreich. Die weitere Behandlung des Entwurfes und die definitive Feststellung der Verordnung, wobei jenes reichhaltige Material hatte seine Verwendung finden sollen, wurde mit Rüksicht auf die anläßlich der Berathung des Budget pro 1880 von Ihnen gefaßte Schlußnahme einstweilen verschoben. Dieselbe lautet : ,,Im vollen Vertrauen, daß der Bundesrath den Entwurf der Vollziehungsverordnung zum Bundesgesez über die Arbeit in den Fabriken in seiner jezigen Gestaltung nicht zur Geltung bringe, sondern die dem Handelsdepartement eingereichten Bemerkungen über denselben einläßlich prüfe und im wohlverstandenen Interesse aller Theile würdige und berüksichtige, wird der Bundesrath eingeladen, jene Bemerkungen zu verwerthen, um bald thunlichst durch geeignete Instruktionen der ungleichen Auslegung und Anwendung gewisser Paragraphen des in Frage liegenden Gesezes in den verschiedenen Kantonen vorzubeugen."· Ueber die Vollziehung dieser irn Dezember, von Ihnen gefaßten Schlußnahme wird der künftige Jahresbericht nähere Mittheilungen enthalten.

113 2. Im Geschäftsberichte über das" vorige Jahr haben wir Ihnen die Gesichtspunkte mitgetheilt, welche wir für die Entscheidung der Frage, ob eine industrielle Anstalt als Fabrik zu betrachten sei, aufgestellt haben. Die Bescheide, welche im Berichtjahre über ·diese Frage gegeben wurden, sind sehr zahlreich. Bei jedem einzelnen Falle wurde der Bericht der betreffenden Kantonsregierung (Art. l, Absaz 2 des Gesezes), sowie das Gutachten des eidgenössischen Inspektors eingeholt. Kalkbrennereien, Ziegeleien, Bierbrauereien, Ausrüstungsgeschäfte, Mühlen, Bleichereien und Buchdrukereien wurden bis jezt provisorisch dem Geseze unterstellt.

Der definitive Entscheid, ob dieselben als Fabriken im Sinne des Art. l des zitirten Gesezes zu betrachten seien, ist verschoben worden, bis noch weitere Untersuchungen angestellt und Erfahrungen gemacht worden sind.

Die Vollziehungsverordnung sollte für diesen Entscheid den .nöthigen Anhaltspunkt bieten und es sind'deßhalb in den Entwurf die nähern Bestimmungen über Ausführung des Art. l des Gesezes anfgenommen worden. In Folge der von Ihnen betreffend die Vollaiehungsverordnung gefaßten Schlußnahme werden wir nunmehr diese Fragen separat behandeln und erledigen.

3. Auf das Gesuch einer Anzahl Stikereiarbeiter um Berüksichtigung von verschiedenen Begehren betreffend die Réglemente derjenigen Fabriken, in denen sie beschäftigt sind, hat der Regierungsrath von St. Gallen folgenden abweisenden Bescheid ertheilt: ,,Da das Bundesgesez über die Arbeit in den Fabriken die Fabrikarbeitgeber in Art. 7 und 8 desselben nur verpflichte, über die Arbeitsordnung, die Fabrikpolizei etc. eine Fabrikordnung zu erlassen, den Arbeitern vor ertheilter Genehmigung Gelegenheit zu geben, sich über die Fabrikordnung auszusprechen und diese alsdann der Genehmigung der Regierung zu unterstellen; da die Thatsache unbestritten sei, daß den Arbeitern jene Gelegenheit wirklich gegeben worden sei, und da endlich die eingereichten Fabrikreglemente der betreffenden Firmen Angesichts der Forderungen des Bundesgesezes über die Arbeit in den Fabriken keinen Anhalt bieten, so sei der Regierungsrath nicht in der Lage, dem Begehren der Petenten zu entsprechen."

Gegen diesen Bescheid rekurrirten 117 Arbeiter an den Bundesrath und verlangten : ,, daß in den betreffenden Reglementen eine Bestimmnng aufgenommen werde, welche den Arbeitgeber zu einer Entschädigung an den Arbeiter für den Fall verpflichte, wenn der Arbeiter ohne sein Verschulden feiern muß, indem die Maschinen nicht in Btmdesblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

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Ordnung sind, oder aus anderà in den Verhältnissen des Arbeitgebers liegenden Gründen ; ,, daß durch die Bestimmungen über die Lohnbezahlungen das gesezliche Recht der Arbeiter ,,auf Stüka für vertragsmäßige Verständigung mit dem Arbeitgeber gewahrt werde und unter allen Umständen der Arbeiter nicht mehr als den Werth eines Wochenlohnes stehen lassen müsse.tt Wir haben das Rekursbegehren als nicht begründet abgewiesen.

Denn : a. Was vorab das Begehren der Rekurrenten betrifft, daß die Arbeiter entschädigt werden, wenn sie ohne ihr Verschulden feiern müssen, so mag dasselbe in dem Falle in Frage kommen, wenn sie wegen Fahrläßigkeit des Arbeitgebers ihre Arbeit nicht fortsezen können. Es ist aber nicht Sache der Administrativbehörden,, über diese Frage zu erkennen, sondern des Richters; denn das zitirte Gesez schreibt in Art. 9 ausdrüklich vor, daß Streitigkeiten über Vertragsverhältnisse vorn Richter zu entscheiden sind. Es ist allerdings richtig, daß die angefochtenen Fabrikordnungen eine Bestimmung betreffend die Entschädigungspflicht des Arbeiters, im Falle die Maschine aus dessen Verschulden stille steht, enthalten.

Daraus folgt aber nicht, daß auch die Entschädigungspflicht des, Arbeitgebers durch das Fabrikreglement geregelt werden muß. Es kann sich bei den Administrativbehörden nur um die Frage handeln, ob jene aufgenommene Bestimmung im Widerspruche mit dem Geseze stehe, oder von Betheiligten beanstandet werde. Keines von beiden ist der B'all. In der Beschwerdeschrift ist auch ausdrüklich gesagt, daß die betheiligten Arbeiter mit der Bestimmung einverstanden seien.

b. Das zitirte Gesez verpflichtet die Fabrikbesizer, die Arbeiter spätestens alle zwei Wochen auszuzahlen. Durch besondere Verständigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, oder durch die Fabrikordnung kann auch monatliche Auszahlung festgesezt werden.

Bei Arbeiten ,,auf Stüka überläßt das Gesez die Zahlungsverhältnisse zwischen den Betheiligten bis zur Vollendung des Stükes ihrer gegenseitigen Vereinbarung. Wenn eine solche Verständigung nicht besteht, so hat der Arbeitgeber die Befugniß, den Zahlungsmodus durch die Fabrikorduung zu bestimmen. Im vorliegenden Falle ist dieß geschehen, und es stehen die betreffenden Bestimmungen mit dem Geseze nicht im Widerspruch. Es geht aber auch selbst aus der Beschwerdeschrift hervor, daß die Auszahlung innerhalbjener gesezlichen Frist von 4 Wochen stattfindet.

115 c. Was schließlich das Begehren betrifft, daß unter allen Umständen der Arbeiter nicht mehr als den lezten Wochenlohn ausstehen lassen müsse, so steht dasselbe mit dem zitirten Gesez nicht im Einklänge, in welchem es ausdrüklich heißt, daß durch die Fabrikordnung auch m o n a t l i c h e Auszahlung festgesezt werden kann. Die gesezliche Bestimmung (Art. 10, Absaz 3}, wonach am Zahltage nicht mehr als der lezte Wochenlohn ausstehen darf, hat vielmehr den Sinn, daß an jedem Zahltage der Arbeiter sein ganzes Guthaben, mit Ausnahme eines Wochenlohnes, verlangen darf. -- Es entstand die Frage: a] Ob Arbeitgeber, welche neu eingestellten Arbeitern größere oder kleinere Vorschüsse an Baar machen und dann diese Vorschüsse ratenweise bei Ausbezahlung der Lohnbeträge wieder einziehen, mit Rüksicht auf die vorkommenden Fälle, daß Arbeiter wieder aus dem Geschäfte austreten, ohne den Vorschuß ganz abgetragen zu haben, angesichts des Art. 10 des citirten Gesezes durch Nichtauszahlung des ganzen Betrages des lezten Zahltagguthabens des Arbeiters sich zu deken befugt seien; bj ob es den Fabrikbesizern gestattet sei, für die Unkosten, die ihnen die Versicherung ihrer Arbeiter gegen Unfälle verursacht, Abzüge an den Arbeitslöhnen zu machen.

Ad a wurde geantwortet: Aus dem ersten Alinea des citirten Artikels gehe klar hervor, daß der Arbeitgeber nicht berechtigt sei, den schuldigen Lohn dem Arbeiter anders als in Baar zu bezahlen. Wenn aber in Folge besonderer Abmachungen der Arbeiter der Schuldner seines Arbeitsgebers geworden sei, so stehe im Streitfalle dem Richter der Entscheid darüber zu, ob und in welchem Verhältniß Abzüge stattfinden dürfen (Art. 9, leztes Alinea), wofern die kantonale Gesezgebung nicht bereits besondere Bestimmungen hierüber enthalte.

Das im lezten Alinea von Art. 10 aufgestellte Verbot des Zurükbehaltens von Lohnbetreffnissen zu Spezialzweken könne weder auf die vom Arbeitgeber in der Absicht, sich für gewährte Vorschüsse zu deken, gemachten Abzüge angewendet werden, noch auf diejenigen, welche auf richterlichem Wege angeordnet werden. Das Verbot habe einzig die erzwungenen Beiträge, welche für gewisse Institute, wie Unterstüzungs- und Sparkassen, abverlangt werden könnten, im Auge, in Bezug auf welche das Gesez dem Arbeiter die Freiheit, sich ihnen anzuschließen oder nicht, habe garantiren wollen.

116 In Bezug auf den zweiten Punkt [b] wurde geantwortet, daß für die Kosten der Unfallversicherung der Arbeiter nur für jenen Mehrbetrag angehalten werden kann, welcher gezahlt werden muß, wenn die Versicherung sich nicht nur auf die Folgen der Haftpflicht, sondern auf jeden Unfall ausdehnen soll. -- 5. Anläßlich des von einem Gerichte beim Fabrikinspektor des betreffenden Kreises gestellten Gesuchs, er möchte in einem Rechtsstreite betreffend Haftpflicht bei einer Verlezung, welche in einer Spinnerei vorgekommen ist, als Experte funktioniren, haben wir aus folgenden Gründen den Inspektoren die Weisung zugehen lassen, solche Gesuche abzulehnen: Der Inspektor soll in seinem Kreise Rathgeber und Vertrauensmann sein. Würde er auch als gerichtlicher Experte funktioniren, so riskirt er, daß er bei der einen oder andern Partei an seinem Ansehen und seinem Einfluß Schaden leidet. Wenn ein Inspektor in einem andern Kreise als Experte funktionirte, so könnte der Fall eintreten, daß er mit seinem Kollegen in Widerspruch käme. Im Interesse des Fabrikinspektorats muß auch diesem vorgebeugt werden.

6. Die Bestimmungen über die tägliche Arbeitszeit (Art. 11) finden namentlich bei der Stikereiindustrie Anstand. Während bei andern Industriezweigen Ueberschreitungen des Gesezes nur selten vorkommen, bilden sie hier die Regel. Die Stiker, welche das Gesez befolgen, klagen darüber, daß sie mit denjenigen, welche die Arbeitszeit überschreiten, nicht konkurriren können. Es gibt Ortschaften mit vielen Stikereien, die alle von sechs oder sieben Uhr Morgens bis neun Uhr Abends arbeiten lassen. Bei den Instruktionen, die wir zur Erzielung einer gleichmäßigen Anwendung des Gesezes in Folge der Schlußnahme, welche Sie bei der Büdgetberathung gefaßt haben, ertheilen werden, soll namentlich auch auf diesen Punkt Rüksicht genommen werden.

7. Bewilligungen von Nachtarbeit wurden verlangt und ertheilt: Für eine Mühle, eine Gußstahlfabrik, eine Maschinenfabrik, eine Gasfabrik, zwei Salinen, eine Eisfabrik, eine Rothgarnfärberei und eine Glasfabrik. Dabei bestanden die im vorigen Jahre ertheilten ähnlichen Bewilligungen fort.

Folgendes sind die Bedingungen, die mit der Bewilligung jeweilen verbunden werden: a) Zur Nachtarbeit dürfen nur männliche Arbeiter im Alter über 18 Jahren mit ihrer eigenen Zustimmung verwendet werden;

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b/ die auf den einzelnen Arbeiter fallende Arbeitszeit darf in keinem Falle 11 Stunden während 24 Stunden überschreiten; cj Für jeden Arbeiter muß je der zweite Sonntag frei bleiben.

Einer Glasfabrik wurde auf ihr Ansuchen bewilligt, auch junge Leute unter 18 Jahren zur Nachtarbeit zu verwenden. Die Arbeit derselben ist keine anstrengende; sie können ihre Aufmerksamkeit der gesammten Operation des Glasformens zuwenden, was die berufliche Ausbildung wesentlich fördert.

8. Am Ausschluß der Kinder unter 14 Jahren von der Fabrikarbeit halten wir strenge fest und gestatten keine Ausnahme. Der Schuz der Kinder ist eine der schönsten Errungenschaften. Es zeigt sich auch, daß in einzelnen Etablissementen, wie Baumwollspinnereien etc., dieselben leicht durch Erwachsene ersezt wurden.

9. Ueber die Fabrikation von Phosphorzündhölzchen haben wir Ihnen mit "Botschaft vom 21. November 1879 eine spezielle Vorlage gemacht und Ihnen beantragt, die Fabrikation, die Einfuhr und den Verkauf von Zündhölzchen, bei denen gelber Phosphor zur Verwendung kommt, zu verbieten. (Siehe Bundesbl. v. J. 1879, Bd. III, S. 792 ff.) Der Antrag wurde von Ihnen angenommen und über dieses Verbot ein Bundesgesez erlassen.

VII. Gewerbliches, literarisches und künstlerisches Eigenthum.

'Die Bundesverfassung vom Jahr 1874 gibt in Art. 64 dem Bunde die Befugniß zur Gesezgebung über alle auf Handel und Mobiliarverkehr bezüglichen Rechtsverhältnisse (Obligationenrecht mit Inbegriff des Handels- und Wechselrechts), sowie über das Urheberrecht an Werken der Literatur und Kunst.

Im Berichtjahre sind wiederholt Begehren um den gesezlicheri Schuz der Erfindungen gestellt worden, indem man von der Ansicht ausgeht, dieser Schuz sei im citirten Artikel 64 vorgesehen.

Seit der Inkrafttretung der neuen Verfassung ist der Erfindungsschuz in industriellen Kreisen, sowie in der öffentlichen Presse vielfach besprochen worden. Die Meinungen über die Zwekrnäßigkeit und die Konsütutionalität eines Bundesgesezes über diesen Schuz gehen wesentlich auseinander. Diese Fragen werden vom Handelsund Landwirthschaftsdepartement geprüft und die nöthigen Vorlagen von demselben vorbereitet.

118 Im Berichtjahre haben wir Ihnen vorgelegt: 1) Gesezesentwurf über den Schuz der Fabrik- und Handelsmarken und 2) Gesezesentwurf über Kontrolirung der Gold- und Silberwaaren.

Die Botschaften, mit welchen wir dieselben begleiteten, enthielten die nähern Mittheilungen über diese Arbeiten (s. Bundesbl.

v. J. 1879, IU, 717 und 986).

Der erste jener Entwürfe ist von Ihnen bereits berathen und angenommen woj-den.

Bei der Revision der Handelsverträge werden auch die Uebereinkünfte über literarisches und künstlerisches Eigenthum Gegenstand der Unterhandlungen bilden. Um hiefür eine unsern Interessen entsprechende Grundlage zu haben, hat das Departement den Entwurf zu einem Bundesgeseze über literarisches und künstlerisches Eigenthum angefertigt und denselben Sachkundigen zur Prüfung mitgetheilt.

Die zwischen der Schweiz und Italien im Jahr 1868 auf die Dauer des Handelsvertrages abgeschlossene Uebereinkunft betreffend den Schuz des literarischen und künstlerischen Eigenthums bleibt in Folge einer mit Italien ausgewechselten Erklärung (s. Amtl.

Samml. n. F., Bd. IV, S. 103) in Kraft, unter Vorbehalt jedoch des Rechtes der Kündigung von zwölf zu zwölf Monaten.

Bei Anlaß der internationalen Ausstellung in Paris ist ein internationaler Kongreß betreffend den Schuz des gewerblichen Eigenthums abgehalten worden. Die Schweiz war an demselben durch die Herren Konst. Bodenheimer in Bern, E. Imer-Schneider, Ingenieur in Bern, und Prof. Schreyer in Genf vertreten. Ueber die Verhandlungen und die Beschlüsse des Kongresses haben dieselben einen Bericht erstattet, welcher Ihnen gedrukt mitgetheilt worden ist.

Auf die im Berichtjahr von der französischen Gesandtschaft in Bern gestellte Einfrage, ob der Bundesrath geneigt sei, an einer internationalen Konferenz, welche zur Berathung eines vorliegenden Entwurfes zu einem ,, internationalen Vertrag betreffend den Schuz des gewerblichen Eigenthums a zusammentreten werde, sich vertreten zu lassen, wurde geantwortet: Wenn auch mit Bezug auf gewerbliche Erfindungen die Bundesverfassung keine Bestimmungen enthalte, welche dem Bundesrathe daherige Kompetenzen übertragen und diesfalls Vorbehalte gemacht werden müssen, so glaube die Behörde doch, die von der französischen Regierung gemachte Eröffnung bejahend beantworten zu sollen, und dies um so mehr, als andere

119 Oegenstände des Programms der Konferenz durch die Bundesgesezgebung bereits geregelt seien.

Einschreibungen von literarischen und künstlerischen Werken, welche im Jahr 1879 in F r a n k r e i c h veröffentlicht worden sind, haben gemäß Art. 19 der Uebereinkunft mit Frankreich vom 30. Juni 1864 stattgefunden: 1) bei der schweizerischen Gesandtschaft in Paris 1174 (340 literarische und 834 künstlerische); 2) beim Departement 1.

Für die in der S c h w e i z veröffentlichten Werke muß die Einschreibung entweder auf dem französischen Ministerium des Innern in Paris oder auf der Kanzlei der französischen Gesandtschaft in Bern stattfinden (Art. 3 des Absaz 2 der Uebereinkunft).

Im Jahre 1879 haben bei ersterem 92 und bei lezterer 96 Einschreibungen stattgefunden.

Die mit Italien und Belgien über den Sehuz des literarischen und künstlerischen Eigenthums abgeschlossenen Uebereinkünfte enthalten hinsichtlich der Einschreibungen ähnliche Vorschriften, wie die schweizerisch-französische.

Auf Grundlage der Uebereinkunft mit I t a l i e n sind eingetragen worden : 1) Werke, welche in I t a l i e n veröffentlicht worden sind (Art. 14 der Uebereinkunft) : auf der Gesandtschaft in Rom 313 und auf dem Departement keine; ~2) Für Werke, welche in der S c h w e i z veröffentlicht wurden (Art. 3 der Uebereinkunft) sind weder auf dem Ministerium des Innern in Rom, noch auf der Kanzlei der italienischen Gesandtschaft in Bern Eintragungen verlangt worden.

Auf Grundlage von Art. 14 der Uebereinkunft mit Belgien hat auf dem Departement l Einschreibung stattgefunden, auf dem schweizerischen Konsulat in Brüssel keine ; auf Grundlage vom Art. 3 auf dem belgischen Ministerium und der Kanzlei der Gesandtschaft in Bern ebenfalls keine.

Die Uebereinkunft mit dem Norddeutschen Bunde hatte auf dem Departemente 37 Eintragungen von Werken, die im Gebiete des Norddeutschen Bundes veröffentlicht worden sind, zur Folge (Art. 15 der Uebereinkunft).

F a b r i k m a r k e n wurden auf dem Departemente 47 einregistrirt und zwar 44 französische und 3 deutsche.

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YIII. Versicherungswesen.

  1. Ueber den zwischen der Regierung des Kantons Zürich und der schweizerischen Rentenanstalt waltenden Anstand, betreffend die Genehmigung der Statuten dieser leztern, ist Ihnen in den, Geschäftsberichten pro 1877 und 1878 Mitteilung gemacht worden.

Die vom Handels- und Landwirthschaftsdepartement in unserem Auftrage angeordnete Konferenz fand am 8. Februar 1879 in Zürich statt. Die Hauptschwierigkeit lag in der Frage der Ablösung der Rentenanstalt von der Kreditanstalt. Der Anstand erlangte seine Erledigung durch die unterm 1. September vom Regierungsrath des Kantons Zürich ertheilte Genehmigung'der infolge jener Konferenz einer nochmaligen Berathung unterstellten Statuten. § l derselben!

besagt nunmehr, daß die schweizerische Rentenanstalt keinen Zweig der schweizerischen Kreditanstalt bildet, sondern als juristische Person für sich besteht und ihr eigenes Vermögen hat.

Von einer Anzahl bei der schweizerischen Rentenanstalt Versicherter ist bei uns darüber Beschwerde erhoben worden, daß, 1) wie die Jahresrechnungen der genannten Anstalt schließen lassen, in der als Gewinn aufgeführten Summe ein Theil des Kapitals enthalten sei, 2) daß die Anstalt, entgegen der Vorschrift der Statuten, Börsenpapiere und zwar von sehr zweifelhaftem Werthe angekauft habe und 3) daß diese Papiere troz der bedeutenden Entwerthung in den Rechnungen der Anstalt al pari kompariren.

Mit der Untersuchung der bei der Prüfung dieser Beschwerdepunkte in Betracht kommenden Verhältnisse haben wir drei Fachmänner betraut, welche im September abhin die Expertise nach einem von uns aufgestellten Programme vorgenommen. Da der Bericht über diese Expertise uns erst im Monat Februar 1880 erstattet werden konnte, werden wir über die Weiterbehandlung der Angelegenheit Ihnen erst nächstes Jahr Mittheilung zu machen im Falle sein.

2. Schon im Jahr 1878 haben die schweizerischen Lebens- und Unfallversicherungsgesellschaften bei uns das Gesuch gestellt, es möchte Art. 34 der Bundesverfassung zur Verwirklichung und Ausführung gebracht und die staatliche Aufsicht über das Versicherungswesen in organisirter Weise vom Bunde übernommen werden. Zur Begründung dieses Begehrens wurde unter Anderm darauf hingewiesen, daß einzelne Kantone in dieser Materie fort legiferiren, als bestünde Art. 34 der Bundesverfassung nicht, während doch seit

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Erlaß der leztern (29. Mai 1874) die Kompetenz für diesfällige neue Verordnungen und Geseze nicht mehr den Kantonen, sondern allein dem Bunde zustehe.

Nachdem nun seither auch Neuenburg und Waadt (unterm 22., resp. 27. November 1878) derartige Geseze erlassen haben, richteten jene Anstalten unter Erneuerung des frühern das weitere Gesuch an den Bundesrath, er möge dafür sorgen, daß mit der neuen kantonalen Legislatur innegehalten werde, und daß derselben keine Folge gegeben werde, insbesondere auch bezüglich des neuenburgischen Gesezes vom 22. November 1878.

Wir sahen uns hiedurch veranlaßt, das Handels- und Landwirthschaftsdepartement einzuladen, unter Mitwirkung des Justizund Polizeidepartements ohne Verzug das Nöthige vorzukehren, um sobald als möglieh den Entwurf zu einem Bundesgesez über die Versicherungsanstalten, soweit sie nicht vom Staate errichtet sind, vorlegen zu können.

Dabei bestimmten wir, daß das Gesez sowohl die auf das Versicherungswesen bezüglichen civilrechtlichen, als die organischen Vorschriften betreffend die Aufsicht über die Geschäftsführung der Gesellschaften enthalten solle.

In Betreff der weitern Begehren um Aufhebung der von den Kantonen seit dem Inkrafttreten der jezigen Bundesverfassung erlassenen Geseze und Verordnungen über das Versicherungswesen erklärten wir den Petenten, für einmal nicht entsprechen zu können, indem diese Seite der Frage mit dem zu erlassenden Bundesgesez im engsten Zusammenhang stehe und bei der Bearbeitung desselben ihre Würdigung finden werde.

Des Fernern wollen wir noch mittheilen, daß eine vorberathende Kommission von zwei Statistikern, zwei Vertretern der Versicherungsanstalten und drei Rechtsgelehrten niedergesezt woi'den ist, und daß das Handels- und Landwirthschaftsdepartement sich mit der Sammlung von Material, sowie mit den Vorarbeiten für den Entwurf des Gesezes befaßt hat.

Im Hinblik einerseits auf die Zahl der gesezgeberischen Vorlagen, die noch ihrer Erledigung harren, und auf die allgemeine hohe Wichtigkeit eines Versicherungsgesezes, glauben wir Ihnen den Entwurf zu einem solchen erst nach Erdauerung sämmtlicher in Betracht kommenden Fragen vorlegen zu sollen.

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IX. Förderung der Landwirtschaft im Allgemeinen und Beiträge an landwirtschaftliche Unternehmungen im Besondern.

  1. Hebung der schweizerischen Pferdezucht.

Die eidgenössische Pferdezuchtkommission, welche im Berichtjahre zwei Sizungen hielt, hat sich mit folgenden Gegenständen befaßt : Ankauf und Verkauf von Fohlen und Zuchthengsten; Bericht über die Pferdezucht in den Kantonen ; Errichtung eines eidgenössischen Hengstendepots etc.

Außerdem haben einzelne Mitglieder der Kommission bisweilen Inspektionen des Fohlenhofes vorgenommen.

Im Bestand dieser Anstalt fanden im verflossenen Jahre folgende Veränderungen statt : Anfangs 1879 waren 16 Hengstfohlen mit einem Schazungswerthe von Fr. 12,280 vorhanden; .angekauft wurden 4 Fohlen, welche ohne die Transport-, und Besichtigungsspesen auf Fr. 3770 zu stehen kamen. Verkauft wurden 5 Hengstfohlen. Es waren somit Anfangs 1880 noch 15 Fohlen vorhanden, die einen Schazungswerth von Fr. 11,720 hatten. Der Erlös für die verkauften Hengstfohlen betrug Fr. 4795. 39. Ferner gingen ein Fr. 1000 von der Regierung des Kantons Wallis, die beim Ankauf eines Zuchthengstes den Vorbehalt gemacht, jene Summe erst dann bezahlen zu müssen, wenn das Thier sich als zuchtfähig erwiesen. Der zur Verwendung gekommene Kredit beträgt somit Fr. 29,795. 39; davon fallen Fr. 11,329. 21 auf die Bestreitung der Kosten des Fohlenhofes; Fr. 1500 wurden für Pferdeausstellungen bewilligt und zwar : Fr. 500 für die in Yverdon und ,, 1000 für die in Bern.

Auf eine vom Landwirthschaftsdepartement bei den Kantonen gestellte Anfrage haben sich die Kantone Bern, Solothurn, Waadt und die Société étalonnière des Kantons Neuenburg zur Uebernahme von zusammen 15 bis 16 ausgewachsenen Zuchthengsten im Monat September angemeldet. Der von Ihnen für Hebung der Pferdezucht bewilligte Kredit war um jene Zeit durch den Unterhalt des Fohlenhofes und durch Ankauf von Hengstfohlen schon dermaßen in Anspruch genommen, daß mit dem damals noch vorhandenen Rest von Fr. 6380 ohne eine Reduktion der Anmeldungen der Ankauf nicht hätte effektuirt werden können, und da diese Reduktion angesichts dieses bescheidenen Restes so stark hätte werden müssen, daß die Spesen außer allem Verhältniß zur Zahl der anzukaufenden Pferde

123 hätten stehen müssen, so beschlossen wir, es sei vom Ankauf pro 1879 abzusehen, iü der Meinung, daß derselbe dann 1880 stattfinden solle, für welches Jahr infolge beabsichtigter Reduktion des Fohlenhofes die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen würden.

Immerhin wurde den Regierungen der genannten Kantone und der Société étalonnière neuchâteloise für den Fall, daß sie gesonnen wären, den Ankauf gleichwohl noch im Jahr 1879 zu effektuiren, die Mitabordnung eines oder mehrerer Mitglieder der eidgenössischen Pferdezuchtkommission mit den kantonalen Delegirten behufs Vornahme des Ankaufs zugesagt und in der Voraussezung eines günstigen Ergebnisses des leztern auch die Verabfolgung der gewöhnlichen Bundessubvention für die erworbenen Hengste aus dem Kredite pro 1880 in Aussicht gestellt.

Es haben hierauf die Regierungen von Bern und Waadt, sowie die Pferdezuchtgesellschaft des Kantons Neuenburg auf ihrem Vorhaben beharrt, während die Regierung von Solothurn ihre Anmeldung zurükgezogen hat. Die Ankäufe fanden sodann 'in der Normandie, Caen, statt. Von Bern wurden 10, von Waadt 3 und von der neuenburgischen Gesellschaft 2 Hengste angekauft. Sowohl über die Thiere selbst als über den Preis, zu welchem dieselben erstanden worden und der etwas niedriger war, als in früheren Jahren, sprachen sich Fachmänner und Uebernehmer der Hengste in höchst befriedigender Weise aus.

Die Ankaufssumme belief sich auf Fr. 41,280, die Spesen auf Fr. 6325.10. Es kam somit jedes Pferd durchschnittlich auf Fr. 3173.67 zu stehen. Der Bundesbeitrag hiefür betrug Fr. 14,281. 53.

Um im laufenden Jahre und überhaupt in Zukunft nicht mehr in den Fall zu kommen, den Begehren der Kantone um Pferdeankäufe nicht entsprechen zu können, wird es absolut nöthig werden, den Bestand des Fohlenhofes auf ein bescheideneres Maß zurükzuführen. Außerdem sprechen hiefür auch die unangenehmen Erfahrungen, die in lezter Zeit mit diesem Institute gemacht worden sind. Es scheint, daß die Geschmaksrichtung der Pferdezüchter vollständig umgeschlagen hat. Die Nachfrage nach den im Fohlenhofe auferzogenen Thieren war in der That eine so geringe, daß der Verkauf nur bedeutende Verluste ließ. Es erscheint somit als dringend geboten, von einem Ankauf der Abkömmlinge der importirten Hengste für einstweilen Umgang zu nehmen. Da aber der Fohlenhof im Jahr 1874 infolge Ihres Beschlusses vom 24. Oktober genannten Jahres gegründet worden ist, wollten wir nicht an eine Reorganisation der Anstalt gehen, ohne Ihnen vorher den in unserer Botschaft betreffend das Budget für das Jahr 1880 (Bundesblatt 1879, IH, 566) versprochenen Bericht erstattet zu haben.

124

2. Verbesserung der kleinen Rindviehschläge.

Auf ein bezügliches Gesuch des landwirtschaftlichen Vereins der romanischen Schweiz haben Sie, bei Anlaß der Berathung über das Budget pro 1879, für Verbesserung der kleinen Rindviehschläge uns einen Kredit von Fr. 3000 bewilligt und unterm 20. Dezember 1879 uns eingeladen, durch Sachkundige prüfen zu lassen, ob die Erhaltung der kleinen Rindviehracen der Schweiz im Interesse der betreffenden Landesgegenden Hege, und bejahendfalls darüber Bericht zu erstatten, welches die geeignetsten Mittel sein dürften, dieselben zu verbessern und zu heben. (Amt!. Samml. n. F. HT, 669.)

Die von unserem Landwirthschaftsdepartement einberufene Kommission von Sachverständigen hat sich dahin ausgesprochen, daß die kleinen Rindviehschläge für die betreffenden Landesgegenden (um den Grotthard) nicht nur ein Interesse, sondern ein Bedürfniß, daß dieselben der Verbesserung fähig und werth seien, und daß die geeigneten Mittel dafür in der reichlichem Ernährung, sorgfältigem Pflege der Thiere und der umsichtigen Auswahl der Zuchtthiere bestehen. Einen ausführlichem Bericht hierüber haben wir Ihnen mit Botschaft vom 18. März 1879 (Bundesblatt 1879, I, 496) erstattet. Unterm 27. März/10. Juni haben Sie uns sodann für den Fall weiterer spezieller Subventionen für die Verbesserung der kleinen Gebirgsschläge eingeladen, Ihnen Bericht zu erstatten, in welcher Weise dieselbe angestrebt werden solle. Diese Frage wird jedoch erst, nachdem eine größere Reihe von Erfahrungen gemacht sein wird, endgültig gelöst werden können. Für einstweilen verweisen wir Sie auf die im Folgenden genannten Berichte.

Der Kredit von Fr. 3000 hat folgende Verwendung gefunden : 1. Beitrag an die erste schweizerische Gebirgsviehausstellung in Sitten: Fr. 1309. Diese Ausstellung fand am 23. und 24. Mai statt. Um in erster Linie eine Grundlage dafür zu schaffen, welche Thiere in die Kategorie der zu verbessernden Gebirgsschläge gehören, wurden zwei Experten nach Sitten abgeordnet, welche die ausgestellten Thiere in Bezug auf reine Race, Körperformen und Leistungsfähigkeit einläßlich untersuchten und das Milchergebniß von 40 Milchkühen unter Kontrole feststellten.

Die angestellten Untersuchungen bestätigen vollkommen die Konklusionen, zu denen wir in unserer Botschaft vom 18. März gekommen sind. Der Bericht über diese Ausstellung liegt zu Ihrer Verfügung bei den Akten.

2. Beitrag an die bei der Herbstviehschau in Meiringen für die braune Race des Oberhaslischlages ausgesehen Prämien : Fr. 400.

Auch über diese Schau ist dem Departement ein Expertenbericht erstattet worden.

125 3. Beitrag an die kantonale Viehausstellung in Chur: Fr. 796.

Auch hier wurden von einem Experten die nöthigen Untersuchungen vorgenommen behufs Verhütung, daß einerseits Thieve von zu kleinen, werthlosen und geringen Schlägen, anderseits solche, die wegen ihrer Größe und Schwere den Charakter des Gebirgsviehes verloren haben, an der speziellen Subvention noch partizipiren. Bei allen diesen Subventionen suchte das Departement, ehe es die Höhe derselben bestimmte, sich zuerst darüber zu vergewissern, daß von den betreffenden Kantonsregierungen ein wenigstens ebenso großer Beitrag für Prämien gewährt wurde.

Der Rest fand seine Verwendung zur Dekung der Spesen der Kommission, Expertise und Drukes der Berichte.

3. Weinanalysen.

Ueber dieses Projekt haben wir Ihnen in unserer Botschaft, betreffend das Budget für das Jahr 1880 (Bundesblatt 1879, IH, 564) nähere Mittheilung gemacht. Wir haben daselbst den Vorbehalt gemacht, daß die von Ihnen zur Ausführung des Projektes zu bewilligende Bundessubvention nur dann ausgerichtet werden solle, wenn die weinbautreibenden Kantone einen Theil der Kosten der Analysen übernehmen. Auf ein vom Departement an dieselben gestelltes Ansuchen haben sich mit Ausnahme von Zug und Neuenburg sämmtliche hiezu bereit erklärt. Ueber das Resultat des Projektes werden wir jedoch erst nächstes Jahr zu berichten im Falle sein.

4. Die Frage der Errichtung eines schweizerischen Heerdebuches hat das Landwirthschaftsdepartement vielfach beschäftigt. Nachdem zu Anfang des Jahres ein Programm zwischen den beiden landwirthschaftlichen Hauptvereinen vereinbart worden war, das ein gemeinsames Heerdebuch für die Viehracen der ganzen Schweiz und den Ausschluß sämmtlicher bis zu einem gewissen Termin nicht angemeldeter Thiere vorsah, machte sich bei einem Theil der schweizerischen Viehzüchter eine lebhafte Opposition gegen gewisse Bestimmungen des Programms geltend. Von der Abgeordnetenversammlung des schweizerischen landwirtschaftlichen Vereins wurde sodann ein anderes Programm aufgestellt, das ein offenes Heerdebuch in Aussicht nahm. Dies veranlaßte den landwirtschaftlichen Verein der romanischen Schweiz, seine Mitwirkung von dem Unternehmen zurükzuziehen und ein eigenes Heerdebuch zu gründen. Aehnliche separatistische Bestrebungen machten sich auch in anderen Theilen der Schweiz geltend. Da beide genannte

126

Vereine auf eine Unterstüzung ihres Unternehmens seitens des Bundes rechnen, werden wir Gelegenheit haben, Ihnen seiner Zeit über die Heerdebuchfrage nähere Mittheilungen zu machen und beschränken uns deßhalb für einmal auf diese.

5. Landwirthschaftliche Vereine.

Für das Jahr 1879 haben Sie denselben folgende Beiträge bewilligt : 1. Dem schweizerischen Obst- und Wein bau verein: a. Für das pomologisehe Bilderwerk. .

.

. F r . 700 b. Zur Förderung des schweizerischen Obstbaues . ,, 1,500 2. Dem alpenwirthschaftlichen Verein: Für die alpenwirthschaffcliche Versuchsstation .

für Abhaltung Ì 3. Dem schweizerischen landwirtvon Wanderschaftlichen Verein vorträgen und J 4. Dem landwirtschaftlichen Verein , romanischen - u d Schweiz ì , - .

der

,, fl

6,000 4,000

Verbreitung landwirthsch.

_ 2,000 ,-.

, , .,., Jl} " ' Drukschnften Total Fr. 14,200

  1. In Betreff des pomologischen Bilderwerks, für das der Bund bereits die Summe von Fr. 13,400 ausgeworfen hat, ist vom schweizerischen Obst- und Weinbauverein einberichtet worden, daß die Vorarbeiten für dasselbe mit dem Jahr 1879 als abgeschlossen betrachtet und zur Publikation desselben übergegangen werden könne.

Mit dem Frühjahr 1880 hoffe man, dasselbe lieferungsweise erscheinen lassen zu können.

2. Zur Förderung des Obstbaues hat derselbe Verein im Berichtjahr 24,000 Pfropfreiser unentgeldlich abgegeben und auch den Baumpflanzungen längs der Straßen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

3. In Bezug auf die Thätigkeit des alpenwirthschaftlichen Vereins und dessen Verwendung des Bundesbeitrages beschränken wir uns, auf dessen gedrukten Jahresbericht zu verweisen, den Sie bei den Akten finden.

4. Die Verwendung des Beitrages an die Arbeiten des schweizerischen landwirtschaftlichen Vereins geschah auf folgende Weise : Die Direktion warf jeder Sektion einen bestimmten, im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl und ihren Leistungen stehenden Betrag aus,

127 der einzig für Honorirung der Wandervorträge verwendet werden durfte. Solche Vorträge wurden im Berichtjahre 110 abgehalten Dieselben behandelten folgende Themata: Wiesenbau, landwirtschaftliche Betriebslehre, Düngung,.Viehzucht, Wein- und Obstbau,Garten- und Gemüsebau, Forstwirtschaft, Hauswirthschaft, landwirtschaftliche Gesezgebung, Preise und Bodenrente, Kreditverhältnisse, Versicherungswesen, der Wechsel als Verkehrsmittel, Einfluß des Genossenschaftswesens auf die Landwirtschaft. Nach dem Berichte der Vereinsdirektion findet dieses System der Wandervorträge immer mehr Anklang bei der Bevölkerung, doch konstatirt sie mit Bedauern, daß an manchen Orten gerade die Jüngern Leute sich von den Vortragen fernhalten. Für die Wandervorträge wurden Fr. 2300 ausgeworfen, die übrigen Fr. 1700 wurden für die Verbreitung landwirtschaftlicher Fachschriften und Broschüren verwendet. Zu diesen gehört in erster Linie die ^schweizerische landwirthschaftliche Zeitschrift". Von einer tüchtigen Redaktion geleitet und unterstüzt von den Herren Professoren der landwirtschaftlichen Abtheilung am Polytechnikum und anderen auf dem landwirthschaftlichen Gebiete bewährten Mitarbeitern, verdient dieselbe in vollem Maße das Prädikat eines vorzüglichen landwirtschaftlichen Bilduugsmittels. Leider hat sie noch immer nicht eine genügende Abonnentenzahl, um sich selbst zu erhalten und müßte ohne Unterstüzung eingehen. Der Verein erleidet auf derselben im Berichtjahre eine Einbuße von Fr. 600--700.

5. Der landwirtschaftliche Verein der romanischen Schweiz hat im Ganzen 41 Wandervorträge abhalten lassen und dafür Fr. 1520 verwendet, so daß der Bundeskasse auf diesem Posten eine Kreditrestanz von Fr. 480 bleibt. Auch die Direktion dieses Vereins spricht sich über die erzielten Resultate sehr befriedigend aus. Sie findet, daß diese Wandervorträge, wenn sie den lokalen Bedürfnissen angepaßt werden, die landwirtschaftlichen Kurse an den Schulen nicht nur ersezen, sondern in gewisser Hinsicht mehr zu leisten im Stande sind, indem sie einem größeren Publikum zugänglich sind, als die landwirtschaftlichen Schulen, in die die Landleute ihre Söhne wegen der Kosten nicht immer gerne hinschiken.

Schließlich sei noch erwähnt, daß auf Ansuchen verschiedener auswärtiger Staaten eine Enquête über den Anbau, die Fabrikation und den Verkauf von Tabak in der Schweiz, die zur Prüfung des Milchgehalts in Anwendung kommenden Instrumente und bezüglichen kantonalen Gesezesbestimmungen, sowie über die Organisation der staatlichen Fürsorge für die landwirtschaftlichen Interessen in der Schweiz veranstaltet worden ist. Es ist einleuchtend, daß die Enquête über den ersteren Gegenstand, da bei uns Fabrikation und

128

Verkauf von Tabak der Privatindustrie überlassen ist, nur mangelhaft sein konnte, weßhalb auch eine weitere Publikation der Ergebnisse nicht angeordnet wurde.

X. Yiehsenchenpolizei.

  1. Im Innern.
  2. Die Viehseuchenpolizei hat im verflossenen Jahre das Departement in hohem Grade beschäftigt, weist doch die Geschäftskontrole für diese Rubrik nicht weniger als 765 Nummern auf und sind in denselben die mit der Abfassung des Viehseuchenbülletins verbundenen Aus- und Eingänge nicht inbegriffen. Diese Geschäftsvermehrung hängt jedoch nicht etwa mit dem Stand und Gang der Seuchen in der Schweiz zusammen, sondern mit den Maßregeln, welche zur Verhütung der Einschleppung namentlich der Lungenseuche aus den Nachbarländern ergriffen werden mußten. In Bezug auf diese Maßregeln ist Folgendes zu bemerken : Die Konsumationsund Produktionsverhältnisse, wenn nicht der ganzen Schweiz, so .doch gewisser Gegenden derselben, lassen eine absolute Sperre nicht zu. Muß eine solche verhängt werden, so erfordern es jene Verhältnisse, daß gleichzeitig ein Ausweg gefunden wird, durch welchen auch aus einem Lande, gegen das die Schweiz ein Vieheinfuhrverbot erlassen hat, wenigstens Schlachtvieh unter gewissen sehüzenden Vorkehrungen eingeführt werden kann. Die Gesuche um solche ausnahmsweise Einfuhren, die Mittheilung der erfolgten Bewilligung an die Zollverwaltung und an die Kantonsregierungen, resp. deren mit der Viehsanitätspolizei betraute Direktionen, behufs Ueberwachung der Vorsichtsmaßregeln, sind es, welche jene hohe Nummernzahl bewirkten.

Ueber den Stand der Viehseuchen im Jahre 1879 gibt nachstehendes Tableau Auskunft^ Außer den darin aufgeführten Fällen von Maul- und Klauen-, sowie Lungenseuche, kamen noch 79 Fälle von Milzbrand, 11 Fälle von Hundswuth und 42 Fälle von Roz zur Anzeige. Während im Jahr 1878 399 Fälle von anstekenden Krankheiten vorkamen, weisen die Bulletins von 1879 nur 219 solche Fälle auf. Auf 1. Januar 1880 konnten sämmtliche Kantone als von der Maul- und Klauenseuche gänzlich frei erklärt werden.

Es ist somit seit vielen Jahren der Gesundheitszustand des Viehes in der Schweiz kein so befriedigender gewesen, als im verflossenen Jahre, eine Thatsache, die nicht genug hervorgehoben werden kann und die den Beweis liefert, daß das Bundesgesez und die dazu gehörigen Verordnungen größtentheils richtig angewendet werden und

129 gegen eine große Verbreitung der Seuche eine sichere Gewähr ·bieten. Wohl wird in denjenigen Gegenden, in denen der Viehverkehr ein äußerst lebhafter ist, die Abwesenheit jeglicher Thierkrankheit keine andauernde, sein, da die Transportmittel selbst mittelbar Träger des Anstekungsstoffes sind und mit ihrer Entwiklung ·die Seuche immer an Ausdehnung gewonnen hat, aber die strenge Beobachtung der Vorschriften, die Strafen gegen Verheimlichung werden mehr und mehr eine weitere Verbreitung sporadischer Fälle ·verunmöglichen.

Vollständig seuchenfrei während des ganzen Jahres waren die Kantone Uri, Schwyz, Unterwaiden, Zug, Appenzell I. Rh. und Tessin.

Von den Alpen ist auch im Berichtjahre die Seuche fern geblieben.

Bundesblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

Januar.

Kantone.

Zürich . .

Bern . . .

Luzern . .

uri

Februar.

März.

Mai.

April.

1 co o

Juni.

HanlHanlMaulMaulSlaulManlund Lungen- und Lungen- und Lungen- und Lnngen- nnd Lungen- und LungenKlauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- senche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

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1

.

Ställe.

Unterwaiden ob dem Wald Unter walden nid dem Wald Glarus . .

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--

2

Ställe.

Ställe.

1 1

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2 1

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Ställe. Ställe. Ställe.

--

--

Ställe.

--

Ställe.

Ställe. . Stallo.

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Total Ställe.

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--

--

2



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1

--

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--

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--

17 1P ìli 11 10*

^olotlmrn Basel-Stadt Basel-Landschaft . . . .

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Appenzell I. Rh St. Gallen .

. . .

2

8


1 3

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Thurgau .

To'sin Waadt Wallis

--

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--

1 7

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--

Total

22

--

--

2 2 51

--

--


12

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2

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2

-- 1

5

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-- 1

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--

5

9

1

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--

--

--

--

4


--

--

--

--

--

--

--

--

-

5

-

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--

3

2 151 !

August.

Juli.

Kantone.

Oktober.

November.

Dezember.

MaulMaulMaulHaulJlaulSlanlund Lungen- und Lungen- und Lungen- und Lungen- und Lungeu- und LungenKlauen- Seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche. Klauen- seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

seuche.

Ställe.

Zürich Bern . . . .

September.

. . .

Ställe.

2 2

Ställe.

Stalte.

staue.

Ställe.

Ställe.

Stalle.

39

9

Ställe.

1

Ställe.

Ställe.

Ställe.

1

Total Stalle.

34 58 10

Uri

Unterwalden ob dem Wald Unter walden nid dem Wald 2

Zug *

Basel-Stadt Basel-Landschaft . . . .

Appenzell A. Rh. . . .

Appenzell I. Rh St. Gallen


-- 1

--

3 1 --


--

--

--

--

--

--

--

--

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--

--

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--

--

--

--

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--

--

--

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1

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2

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1

35 1 1 18

1

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--

--

4

--

--

--

--

4 2 7 29

--

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2

Total

4

1

17

--

39

--

1

1

1

1

--

-

4

219

1 CO 1

132 2. Anstände und Rekurse.

  1. Im Januar 1876 erkrankten 3 Pferde eines Droschkenhalters in Basel an Roz. Die Sanitätsbehörde daselbst verfügte die Tödtuog derselben. In der Folge stand noch ein Pferd an der nämlichen Krankheit um und mußten daraufhin noch 2 weitere Pferde wegen Erkrankung an Roz abgethan werden. Unter Berufung auf die Art. 17 und 18 des Bundesgesezes über polizeiliche Maßregeln gegen Viehseuchen, vom 8. Februar 1872 (Amtl. Samml. X, S. 1029), stellte der Eigenthümer jener Pferde bei den Behörden von Baselstadt und bei unserm Departement des Innern das Gesuch um angemessene Entschädigung für die getödteten Thiere und für eie damit verbundene Umänderung der Stallung. Nachdem aber dasselbe von beiden Stellen abgewiesen worden, wurde von dein Droschkenhalter gegen den Kanton Baselstadt beim Bundesgericht Klage auf Ersaz von 3 /4, eventuell der Hälfte des Werthes der 5 auf Anordnung der Sanitätsbehörde getödteten Pferde im Gesiimrntbetrage von Fr. 4300 erhoben. Das Bundesgericht wies die Klage wegen. Inkompetenz von der Hand. Der Kläger wandte sich sodann an uns mit dem Begehren, wir möchten den Departementsentschoid aufheben und die Behörden von Baselstadt zur Ausrichtung einer angemessenen Entschädigung veranlassen, jedenfalls sei die Eutschädigungspflicht grundsäzlich und in dem Sinne auszusprecheii, daß die quantitative Ausmittlung an den kompetenten Richter gewiesen werde. Wir haben das Rekursbegehren in Erwägung folgender Momente abgewiesen: V) Die Frage des öffentlichen Rechts, welche hier zum Entscheide kam, war die, ob in dem Falle, wo Thiere, die ohnehin sicher dem Tode verfallen sind, auf Befehl der Behörden zur Verhütung der Ausbreitung einer Seuche abgeschlachtet werden, den Eigenthümern eine Entschädigung zugesprochen werden müsse.

Unter diesem Gesichtspunkte zieht der Art. 17 des Bundosgesezes über polizeiliche Maßregeln gegen Viehseuchen, vom 8. Februar 1872, selbst, unter Aufstellung des Prinzips der Entschädigung, die Grenze, innerhalb welcher eine solche Entschädigung ausbezahlt werden soll. Dieselbe soll nämlich angemessen sein dem Schaden, welcher den Besizern nachweisbar zugefügt wird.

Nun kann aber dieser Schaden sich nur auf den durch die angeordneten Maßregeln, nicht aber auch auf den durch die Krankheit selbst verursachten Nachtheil erstreken.

2) Es fragt sich daher, ob die Abschlachtung von Pferden, welche vom Roz befallen sind, den Eigenthümern einen wirklichen

133 Schaden bringt. Nach den thierärztlichen Gutachten endet diese Seuchenkrankheit für alle davon ergriffenen Thiere mit dem Tod, und das unverzügliche Abthun derselben ist das einzige Mittel zur Verhinderung der Ausbreitung der Krankheit. Die Besizer erleiden daher durch diese amtliche Handlung keinen wirklichen Schaden, außer dem, daß sie während längerer oder kürzerer Zeit von den Diensten der Pferde keinen Gebrauch machen können, ein Gebrauch, der übrigens nur mit den größten Gefahren verbunden sein dürfte. In Betracht dessen schienen die Fr. 50 ,,Vertröstung" auf das Pferd, welche die Regierung von Baselstadt zugesprochen hat, in genügender Weise den durch das amtliche Abschlachten verursachten Schaden zu deken. Es wurde im Uebrigen durchaus nicht bestritten, daß die 5 Pferde wirklich vom Roz befallen waren.

3) Die Behauptung der Beschwerde, die Regierung von Baselstadt habe implicite oder explicite das Abreißen und Wiederaufbauen der Stallungen des Droschkenhalters angeordnet, stüzte sich auf keine beweiskräftige Urkunde. Der einzige Befehl, dessen Erlaß durch die Anordnung des Sanitätsdepartements die Regierung von Baselstadt zugab, war auf sorgfältige Desinfektion der Stallungen gerichtet.

Diese Verfügung, welche dem Art. 30 des Gesezes vom 8. Februar 1872 entspricht, konnte nicht nothwendig die Folgen haben, welche der Rekurrent daraus gezogen haben wollte.

b. Von Herrn Bezirksthierarzt Heß im Sandhof, Gemeinde Diirnten (Zürich), wurde Beschwerde gegen den Regierungsrath des Kantons Zürich erhoben, weil die Fleischschauerstelle in Rüti, in dessen Nähe der Sandhof liegt, nicht mit einem Thierarzt besezt worden war, obwohl sich ein solcher, nämlich der Rekurrent, dafür angemeldet hatte. Gegen unsern Entscheid, welcher sich im Bundesblatt pio 1880, Bd. I, S. 261, abgedrukt findet, hat Herr Heß bei Ihnen Beschwerde erhoben.

c. Der Staatsrath des Kantons Wallis theilte uns mit, daß er vom dortigen Großen Rathe eingeladen worden sei, bei uns um einen B un des bei trag an die Entschädigung einzukommen, welche einigen Viehbesizern in Törbel (Bezirk Visp) gewährt worden, deren Thiere behufs Verhütung weiterer Ausbreitung der Lungenseuche daselbst hatten gekeult werden müssen. Die Summe der Entschädigung belief sich auf Fr. 2250.

In Erwägung: daß nach Art. 20 des Bundesgesezes über polizeiliche Maßregeln gegen Viehseuchen vom 8. Februar 1872 der Bund für den

134

Schaden, welchen Maßregeln gegen die Lungenseuche bedingen, an die Kantone einen Beitrag nur dann leistet, wenn von denselben in Folge größerer Ausbreitung der Seuche oder besonderer außerordentlicher Verhältnisse unverhältnißmäßig große Opfer gefordert werden, und daß demgemäß bisher auch so verfahren wurde (so 1873 gegenüber Appenzell A. Rh., 1874 gegenüber St. Gallen, 1875 gegenüber Waadt und Wallis), daß jene Voraussezung im vorliegenden Falle nicht zutraf, daß die Aufstellung eines derartigen Präzedenzfalles Konsequenzen nach sich ziehen müßte, die offenbar mit dem Sinn und dem Wortlaute des Gesezes nicht in Einklang stünden, beschlossen wir, dem Gesuche keine Folge zu geben.

d. Gegen Ende des Berichtjahres hat die Standeskommission des Kantons Appenzell I. Rh. gegen Appenzell A. Rh. wegen Ausbruchs der Lungenseuche in Teufen Viehsperre verhängt. Auf die Vorstellungen, die Appenzell A. Rh. bei der innerrhodischen Standeskommission erhob und auf die Erklärung, daß in strenger Einhaltung aller eidgenössischen und kantonalen Vorschriften Alles gethan worden sei. um eine Verschleppung der Seuche zu verhindern, hob sodann Innerrhoden die Sperre wieder auf. Veranlaßt jedoch durch die neuerdings in Appenzell A. Rh. und St. Gallen zu Anfang laufenden Jahres ausgebrochene Lungenseuche hat Appenzell 1. Rh. das Vieheinfuhrverbot gegen Außerrhoden erneuert und auch gegen St. Gallen angeordnet. Da jedoch in den beiden betroffenen Kantonen sowohl sämmtliche erkrankten Thiere als auch diejenigen, welche mit denselben im gleichen Stalle gestanden, abgeschlachtet worden und über die Gemeinden, in denen die Seuchenfälle vorkamen, von den betreffenden Regierungen Viehsperre verhängt worden war, und sich im Fernern ein Fall, auf den sich die Schlußnahme der Regierung von Appenzell I. Rh. stüzte, gar nicht als Lungenseuche erwies, versagten wir in Anwendung von Art. 15 des mehrfach erwähnten Gesezes der erneuerten Sperre unsere Genehmigung.

ß. Internationale Beziehungen.

Sperren.

  1. Unterm 12. Dezember 1878 hatte die französische Regierung wegen der im Norden und Osten des deutschen Reiches ausgebrochenen Rinderpest ein Verbot der Einfuhr von Wiederkäuern aus lezterem Staate nach Frankreich erlassen, und, um eine Umgehung dieses Verbots zu verhindern, die Sperre auch auf Belgien, Luxemburg

135 und die Schweiz ausgedehnt. Um Frankreich zur Zurüknahme dieser nicht durch die Gesundheitsverhältnisse des Viehes in der Schweiz begründeten Maßregel zu bewegen, haben wir unterm 24. Dezember 1878 einen Beschluß gefaßt, zufolge welchem aus Deutschland eingeführte Wiederkäuer erst dann wieder über eine andere als die deutsche Grenze ausgeführt werden durften, nachdem sich dieselben wenigstens 14 Tage in der Schweiz aufgehalten hatten (Amtl. Samml. n. F.

Bd. III, S. 747). Das von Frankreich erlassene Verbot dauerte indessen bis zum 24. März 1879 fort. Nachdem wir von der Aufhebung desselben -Kenntniß erhalten hatten, hoben wir auch unsere Schlußnahme vom 24. Dezember 1878 wieder auf (Bundesblatt 1879, I, 853).

2. Um die Mitte des Monats Februar kamen uns mehrere Anzeigen zu, daß die Lungenseuche in der Nähe der schweizerischen Grenze im Elsaß, sowie in den französischen Departementen du Doubs «t Jura ausgebrochen und daß einzelne Fälle auch bereits in den Kantonen Waadt und Neuenburg konstatirt worden seien, wohin die Seuche wahrscheinlich aus Frankreich eingeschleppt worden.

Da nach der deutschen und französischen Gesezgebung das an der Lungenseuche erkrankte Vieh nicht wie in der Schweiz sofort getödtet, sondern vielmehr ärztlich behandelt, durchseucht und wieder in den Handel gebracht wird, also das Contagium noch Monate lang aushauchen kann, haben wir unterm 14. Februar 1879 die Einfuhr von Rindvieh aus dem Elsaß und über die Grenze von Basel bis la Cure bei St-Cergues, also aus den französischen Departementen du Doubs, du Jura et Haut-Rhin, Territoire de Beifort, in Anwendung von Art. 25 des Bundesgesezes über polizeiliche Maßregeln gegen Viehseuchen, verboten.

Es zeigte sich indessen bald, daß dieses Einfuhrverbot in seiner ganzen Strenge nicht aufrecht erhalten werden konnte, indem von der Bevölkerung derjenigen Gegenden, welche ihren Fleischbedarf gänzlich oder größtentheils aus Frankreich beziehen, uns Gesuche zugingen, es möchte die Einfuhr von Rindvieh, welches für die Schlachtbank bestimmt sei, gestattet werden.

Mit Rüksicht auf den Kanton Neuenburg, der von dem Verbote am meisten betroffen wurde, gestatteten wir der Regierung dieses ·Kantons, auch während der Dauer der Viehsperre gegen Frankreich zum Schlachten bestimmtes Rindvieh über gewisse Zollstationen und an je zwei Tagen der Woche einführen zu lassen. Dagegen hatte die genannte Regierung die Verpflichtung zu übernehmen, schüzende Anordnungen zu treffen, damit durch diese Ausnahmsbestimmungen die Lungenseuche nicht verbreitet werde.

Aehnliche Ausnahmsbewilligungen wurden in der Folge auch für den Berner Jura, Basel, Solothurn und Waadt ertheilt.

136 Als wir durch die schweizerische Gesandtschaft in Paris davonKenntniß erhielten, daß zufolge der von den französischen Behörden angeordneten Erhebungen die Lungenseuche in den an die Schweiz anstoßenden französischen Grenzgebieten erloschen sei, hoben wir das unterm 14. Februar erlassene Verbot der Vieheinfuhr aus Frankreich unterm 9. Mai wieder auf.

Da gleich günstige Berichte über den Gesundheitszustand des Rindviehes im Elsaß uns nicht vorlagen, vielmehr das dortige Viehseuchenbülletin vom 10. April 1879 konstatirte, daß die Lungenseuche daselbst immer neue Verheerungen anrichte, so ließen wir das Einfuhrverbot gegenüber diesem Reichslande mit den bereits erwähnten Modifikationen fortbestehen und konnten dasselbe auch während des ganzen Berichtjahres nicht aufheben.

3. Die Aufhebung der schweizerischen Sperre gegen die französischen Grenzdepartemente, in denen nach Erhebungen der elsässischen Behörden die Lungenseuche noch herrschte, hat die leztern im Juni veranlaßt, das von ihnen erlassene Verbot der Einfuhr von Rindvieh aus Frankreich nach dem Elsaß a^ich auf die Schweiz, durch welche französisches Vieh nach dem Elsaß eingeführt werde, auszudehnen.

In Folge dessen haben wir durch das Mittel der schweizerischen« Gesandtschaft in Paris bei der französischen Regierung darauf gedrungen, daß dieselbe die Seuchenherde durch wirksame Tilgungsund Absperrungsmaßregeln unschädlich zu machen suche und überhaupt wirksame Garantien gegen eine Weiterverschleppung der Lungenseuche durch aus Frankreich importirtes Vieh biete, widrigenfalls wir uns im Falle sähen, die Sperre gegen Frankreich wieder einzuführen. Die von den französischen Behörden angestellten Untersuchungen ergaben jedoch, ' daß die an die Schweiz grenzenden Gegenden keineswegs von der genannten Seuche heimgesucht waren. Unter diesen Umständen und Widersprüchen mußten wir uns darauf beschränken, bei den deutschen Behörden Reklamationen zu erheben. Leztere sahen sich jedoch erst unterm 13. November veranlaßt, die Sperre wieder aufzuheben.

4. Wegen Ausbruchs der Rinderpest in Böhmen, Steiermark und Krain war die Vieheinfuhr aus Oesterreich-Ungarn nach Deutschland verboten worden. Zur Sicherung des Vollzugs der von den deutschen Centralbehörden erlassenen bezüglichen Verordnungen haben die Regierungen von Bayern und Baden Bestimmungen aufgestellt, zufolge welchen die Einfuhr von Rindvieh aus der Schweiz, nach diesen beiden Staaten nur gestattet wurde, wenn durch amt-

137 liches Zeugniß der mindestens SOtägige Aufenthalt der einzuführenden Thiere an einem seuchenfreien Orte der Schweiz nachgewiesen war. Diese Bestimmungen blieben über den Jahresschluß hinaus in Kraft. Wir konnten uns durch diese Maßregel nicht bewogen finden, eine Sperre gegen Oesterreich-Ungarn anzuordnen, und zwar aus folgenden Gründen : Seit vielen Jahren ist die Rinderpest in der Schweiz nicht vorgekommen. Die Verkehrs- und sanitätspolizeilichen Verhältnisse unseres Landes bürgen dafür, daß bei einem Auftreten der Seuche dieselbe nicht verheimlicht werden könnte, sondern rasch entdekt würde. In diesem Falle würde auch durch unsere in ganz Europaais zwekmäßig anerkannten Sperr- und Tilgungsmaßregeln eine Verschleppung verunmöglicht und das Erlöschen der Seuche rasch bewerkstelligt.

Die Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie, weichebezüglich der Rinderpest zeitweise Gefahr bringen, sind von der Schweiz durch das unverdächtige Reichsland Tirol getrennt. Die rasche Durchfuhr aus den östlichen Ländern ist nicht möglich, weil es an einer durchgehenden Eisenbahn fehlt. Das Vieh muß von Innsbruk bis Feldkirch zu Fuß getrieben werden. Abgesehen davon, daß der hohe Arlbergpaß dieses im Winter nicht gestattet, bedarf dieser Trieb eine solche Zeitdauer, daß ein infizirtes Vieh inzwischen erkranken und transportunfähig würde. Zudem hat das viehreiche Gebirgsland Tirol selbst ein so hohes Interesse an der Verhütung der Einschleppung der Rinderpest, daß -es seit vielen Jahren ausreichende Maßregeln getroffen, um sich vor dieser Seuche zu bewahren. Um des bloßen Vortheils einer Erleichterung des Grenzverkehrs mit Deutschland konnten wir von dem Grundsaze nicht abweichen, eine Sperre nur da zu verhängen, wo dieselbe aus sanitätspolizeilichen Gründen einzig gerechtfertigt werden kann.

5. Gestüzt auf Berichte des Slaatsraths des Kantons Tessia und der Direktion des IV. eidgenössischen Zollgebiets über die Ausdehnung der Lungenseuche in der Lombardei, namentlich in der Gegend von Mailand, haben wir in Anwendung von Art. 25 des Bundesgesezes über polizeiliche Maßregeln gegen Viehseuchen unterm.

29. April die Einfuhr von Rindvieh aus Italien über die Grenze des Kantons Tessin nur unter der Bedingung, daß gewisse Vorsichtsmaßregeln aufs strikteste beobachtet werden, gestattet.

Unterm 26. Juni stellten
darauf mehrere Viehhändler der Mittelschweiz das Gesuch, wir möchten auf diesen Beschluß zurükkommen. Es ward zur Unterstüzung dieses Ansuchens namentlich hervorgehoben, daß die Bestimmung, der zufolge das für die Schlacht-

138 bank bestimmte Vieh bis zu derselben geleitet und bis zur Abechlachtung, die innert dreier Tage zu erfolgen habe, sequestrirt bleiben müsse, für die innere Schweiz einem Einfuhrverbote gleichkomme. Wir waren nicht abgeneigt, diesem Gesuche nach Möglich. keit zu willfahren. Da aber nach einem Berichte der Sanitäts«direktion des Kantons St. Gallen bei einem aus Italien kommenden Mastochsen im Schlachthause der Stadt St. Gallen die Lungenseuche konstatirt worden, erachteten wir, daß von einer Aufhebung unseres Beschlusses keine Rede sein könne. Dagegen mußten wir berük«ichtigen, daß, wenn die Einfuhr über den Gotthard unmöglich gemacht werde, in der Sommersaison für die Verproviantirung von stark besuchten Ortschaften und Kuranstalten Verlegenheiten entstehen könnten. Wir sahen uns deßhalb veranlaßt, die Schlußnahme vom 29. April in der'Weise zu modißziren, daß sowohl den sanitätspolizeilichen als den Konsurnationsverhältnissen Rechnung getragen werden konnte und erliessen unterm 8. Juli den diesbezüglichen Beschluß (Bundesblatt 1879, III, 74).

Unterm 4. November waren wir, durch Einlangung befriedigender Nachrichten über die Gesundheitsverhältnisse des Viehes in Italien, in der Lage, auch diesen Beschluß wieder aufzuheben (Bundesblatt 1879, III, 641).

6. Im Berichtjahr sind endlich auch die gerichtlichen Untersuchungen über die Umgehungen des von Frankreich im Oktober 1877 gegen Deutschland verhängten Vieheinfuhrverbotes zum Abschluß gekommen. Von den gefällten Strafurtheilen ist der französischen Regierung Kenntniß gegeben worden. Nach einem Berichte der schweizerischen Gesandtschaft in Paris haben die französischen Behörden aus dieser Mittheilung die Ueberzeugung gewonnen, daß die Viehseuehenpolizei in der Schweiz strenge und mit der den internationalen Beziehungen schuldigen Rüksicjjt gehandhabt werde.

7. Endlich erwähnen wir noch, daß, nachdem unter der Wirkung des Gesezes der Gesundheitszustand der Hausthiere in der Schweiz wieder ein normaler geworden ist, wir den Zeitpunkt für geeignet erachteten, auch derjenigen Bestimmung unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, welche eine sanitarische Kontrole des Schlachtviehes vorschreibt. Nach Art. 2 des Gesezes ist die Ausführung der Bestimmungen desselben Sache der Kantone und hat der Bundesrath die richtige und gleichmäßige Vollziehung zu überwachen. Wir haben deßhalb vorerst bei den Kantonen angefragt, ·welche Vorschriften betreffend die Inspektion des Schlachtviehes, Fleischschau und die mikroskopische Trichinenuntersuchuug bei ihnen in Kraft bestehen, und welche Erfahrungen sie auf diesen Gebieten gemacht haben.

139 Die Untersuchung ist im Berichtjahr nicht zum Abschluß gelangt.

XI. Allgemeine Maßnahmen gegen die Schäden, welche die landwirtschaftliche Produktion bedrohen (Phylloxéra).

Nachdem Sie unterm '17. Dezember 1878 der internationalen Konvention betreffend die gegen die Phylloxéra vastatrix zu treffenden Maßregeln, d. d. Bern 17. September 1878 (A. S. n. F. IV, 423 u. ff.), die vorbehaltene Genehmigung ertheilt, haben wir unterm 14. Februar die Vertragsstaaten auf Art. 7 des Vertrages aufmerksam gemacht, zufolge welchem die Auswechslung der Ratifikationen in Bern stattzufinden habe und zwar binnen 6 Monaten nach dem Datum der Unterzeichnung des Vertrages, oder, wo möglich, noch früher.

Mit dem 17. März 1879 ging dann die für die Ratifikationsauswechslung festgesezte Frist zu Ende. Es waren jedoch nur die Schweiz, Frankreich und Deutschland im Falle, jene Auswechslung vorzunehmen. Wir beantragten deßhalb unterm 18. März bei den Regierungen der Vertragsstaaten Verlängerung der oben genannten Frist. Dieselben erklärten sich damit einverstanden.

Im Monat Juni wurde dann die Konvention auch von Portugal, später von Oesterreich und im Monat Dezember von Ungarn ratifizirt. Spanien und Italien hingegen beobachteten eine ablehnende Haltung.

Mit Rüksicht auf die zahlreichen und schwer wiegenden Interessen, die hier in Frage kamen, erachteten wir es als angemessen, daß der Austausch der Ratifikationen beförderlieh, jedoch immerhin innert einer Frist stattfinde, die es auch den Staaten, deren Ratifikationen noch nicht vorlagen, möglich machen sollte, diese noch einzuholen. Wir beantragten deßhalb bei den Vertragsstaaten, die Auswechslung der Ratifikationen möchte in der lezten Woche des Berichtjahres stattfiuden. Am 31. Dezember 1879 erfolgte dann auch diese Auswechslung zwischen unserm Bevollmächtigten und denjenigen Deutschlands, Frankreichs, Portugals und Oesterreich-Ungarns. In das bei diesem Anlasse unterzeichnete Protokoll wurde die Bestimmung aufgenommen, daß, obschou einige Mitkontrahenten die Konvention bisher nicht ratifizirt haben, die ratifizirenden Staaten sich gleichwohl als durch dieselbe gebunden erachten und Willens seien, sie durch den Ratifikationsaustausch unter sich in Kraft zu sezen. Gleichzeitig wurde vereinbart, den

140 übrigen Mitkontrahenten das Protokoll bis zum 1. Juli zum Zweke nachträglichen Ratifikationsaustausches offen zu halten, in dem Sinne, daß nach Ablauf dieser Frist es denselben unbenommen bleibe, der Konvention in der in Art. 7 derselben vorgesehenen Form nachträglich beizutreten.

Von denjenigen Staaten, welche den Vertrag nicht unterzeichnet haben, ist bereits Luxemburg demselben beigetreten; über den Beitritt Serbiens walten noch Unterhandlungen.

Zufolge leztgenannten Artikels trat die Konvention mit dem 15. Januar 1880 in Kraft. Es folgte hieraus, daß die von den Bundesund Kantonalbehörden zum Schuze gegen das Eindringen der Reblaus erlassenen Geseze und Verordnungen von diesem Tage ab nur insofern zur Anwendung gelangen dürfen, als dieselben mit den Bestimmungen der Konvention nicht in Widerspruch stehen. Wir haben deßhalb die Kantonsregierungen eingeladen, die bei ihnen in Kraft bestehenden diesbezüglichen Vorschriften zu prüfen und nötigenfalls alle diejenigen Modifikationen an denselben vorzunehmen, welche durch das Inkrafttreten der Konvention geboten erscheinen. Da auch unser Vollziehungsreglement vom 18. April 1878 in mehreren Punkten nicht mit den Bestimmungen der Konvention in Uebereinstimmung war, revidirten wir dasselbe (Bundesblatt 1880, I, 337). Die weitern von uns getroffenen Anordnungen zur Vollziehung der Konvention werden Gegenstand des Berichtes für das laufende Jahr bilden.

Aufgetreten ist die' Reblaus im Jahre 1879 nur im Kanton Neuenburg. Die energischen und sofort ergriffenen Maßregeln verhinderten ein weiteres Umsichgreifen des Uebels. Die auf der Karte, welche dem Jahresbericht der eidgenössischen Phylloxerakommissiqn pro 1878 beigegeben ist, als verdächtig bezeichneten Punkte der deutschen Schweiz wurden einer eingehenden Untersuchung unterworfen, die vollkommene Sicherheit darüber gab, daß jene Punkte durchaus reblausfrei seien.

Als die wachsenden Fortschritte der Reblaus in Frankreich und das Auftreten derselben in Italien, in unmittelbarer Nähe des Kantons Tessin, die weinbautreibende Bevölkerung der Schweiz in große Unruhe vcrsezten und Gesuche um Anordnung strengerer Maßnahmen gegen das Eindringen des Insektes an uns gerichtet wurden, ist an die Regierungen der weinbautreibeuden Kantone ein Kreisschreiben erlassen worden (Bundesblatt 1879, III, 387), mit welchem darauf hingewiesen wurde, wie unnöthig und andere berechtigte Interessen schädigend es sei, das Verbot der Einfuhr auf eine größere Anzahl von Gegenständen auszudehnen, als das Vollziehungsreglement

141

vom 18. April vorsieht. Gleichzeitig wurden die Kantone eingeladen, eine strenge und minutiöse Ueberwachung ihrer Weinberge, das beste Mittel, der Gefahr zu begegnen, anzuordnen.

Eine im gleichen Sinne gehaltene und in den betheiligten Kreisen verbreitete Broschüre, betitelt: ,,Die Maßnahmen gegen die Phylloxéra und die Ernährungsverhältnisse der Schweiz", vom 7. November 1879 (Bundesblatt 1879, HI, 1028), ist Ihnen in der Dezembersession mitgetheilt worden.

Unter Bezugnahme auf Ihre Einladung, Bericht zu erstatten, ob nicht bei der Bundesversammlung, in Vollziehung der Bundesbeschlüsse vom 15. Juni 1877 und 21. Februar 1878, der Nachti-agskredit zu verlangen sei, welcher erforderlich ist, um denjenigen Kantonen, welche zur Bekämpfung der Reblausgefahr Ausgaben haben machen müssen, die ihnen gewährleisteten Entschädigungen zu verabfolgen (A. S. n. F. IV, 412), fügen wir noch bei, daß es unmöglich war, im verflossenen Jahre den betreffenden Kredit au verlangen, indem die Rechnungen, welche 'die Grundlage des Begehrens zu bilden haben, wohl im Kanton Genf, nicht aber im Kanton Neuenburg bis zum Ablauf des Jahres zum Abschluß gekommen sind.

Da von der eidgenössischen Phylloxerakommission, wie im vorigen Jahr, ein ausführlicher Bericht über ihre Thätigkeit, sowie über diejenige der kantonalen Organe während des Jahres 1879 erscheinen wird, der Ihnen gleichzeitig mit diesem Berichte vorgelegt werden soll, glauben wir, uns auf obstehende Mittheilungen beschränken zu sollen.

XII. Forstwesen.

Die kantonalen Vollziehungsverordnungen zum Bundesgesez betreffend die eidg. Oberaufsicht über die Forstpolizei im Hochgebirg, vom 24. März 1876, welche die Grundlage zur Durchführung dieses Gesezes in den einzelnen Kantonen zu bilden haben, sind leztes Jahr leider noch nicht überall vollständig zur Genehmigung gelangt, obschon wir nicht unterließen, wiederholt den Gegenstand in Erinnerung zu bringen und auf Aktivirung desselben hinzuwirken. Wir werden darauf halten, daß bis zur Junisession der eidg. Räthe die Angelegenheit zum Abschlüsse gelangt, widrigenfalls wir den Art. 30 des Forstgesezes zur Anwendung bringen würden.

Die A n z a h l d e r w i s s e n s c h a f t l i c h g e b i l d e t e n Förster betrug den 31. Dezember 1879:

142

  1. Im eidg. Forstgebiet 52 oder durchschnittlich l auf 82,30 Hekt.
  2. in der Schweiz 139 ,, l ,, 78,28 ,, fl In ordentlichen Forstkursen herangebildete Forstangestellte besizen im eidg. Forstgebiet : Schwyz .

.

. 9 Obwalden .

.

. 8 Glarus .

.

. 4 Freiburg .

.

. 5 Appenzell A.-Rh.

. 3 ,, I.-Rh..

. 2 St. Gallen .

.

. 3 3 (Forstkreise 38, unbesezt o Stellen) Graubünden .

. 74 ,, 78, ,, 4 ,, Tessin .

.

.2 5 163

Forstkurse.

  1. U n t e r f ö r s t e r k u r s e , laut bundesräthlicher Vollziehungsverordnung vom 8. September 1876.

Nachdem die erste Hälfte eines, von Zöglingen der Kantone St. Gallen und Glarus besuchten Kurses vom 6. Oktober bis 6. November 1878 in St. Gallen stattgefunden hatte, wurde die zweite Hälfte vom 1. Mai bis 1. Juni 1879 in Ragaz abgehalten. Es nahmen an demselben 18 Zöglinge des Kantons St. Gallen und 5 des Kantons Glarus Theil. Geleitet wurde der Kurs von Herrn Oberförster Wild, unterstüzt von den St. Gallischen Bezirksförstern und und es fiel derselbe zur vollen Zufriedenheit der Abgeordneten der betreffenden Kantone und unseres Oberforstinspektors aus, welche der Schlußprüfurig beiwohnten. Sämmtlichen 23 Zöglingen konnte das Unterförsterpatent ausgestellt werden.

Ein zweiter Forstkurs fand in Locamo vom 21. April bis 21. Juni unter Leitung des Herrn Forstinspektors Zarro und Beihülfe des Herrn Forstkandidaten Giovanoli statt. Es nahmen an demselben 15 tessinische und 4 bündnerische Zöglinge Theil, zusammen 19.

Leider finden sich in der Gegend von Locamo keine Kulturanlagen und keine forstwirthschaftlich behandelten Waldungen, so daß in mancher Hinsicht der so instruktive Anschauungsunterricht fehlte.

Ferner waren einige tessinische Zöglinge zu schwach vorbereitet.

In Folge dieser. Umstände war das Resultat der Prüfung, ungeachtet der sehr tüchtigen Leitung des Kurses, nicht in jeder Hin-

143 sieht befriedigend und konnte deßhalb nur 7 Zöglingen das Zeugniß erster Klasse gegeben werden, fünf erhielten dasjenige zweiter Klasse und 3 wurden als zu schwach befunden.

Auf den Wunsch verschiedener deutscher Kantone bewilligten wir unterm 29. August auch für einen deutschen interkantonalen Forstkurs einen Bundesbeitrag. Derselbe theilt sich in einen Herbstkurs, der verflossenes Jahr in St. Gallen abgehalten wurde, und in einen Frühlingskurs, der 1880 stattfinden wird. Wir werden' über diesen Kurs nach Schluß desselben Bericht erstatten.

2. B a n n w a r t e n k u r s e . An die Kosten eines solchen wurde dem Kanton Luzern unterm 11. Februar ein Bundesbeitrag zugesichert. Die erste Kurshälfte fand im Oktober statt, die zweite ist auf nächstes Frühjahr angesezt und fällt die Berichterstattung daher ebenfalls in das nächste Geschäftsjahr.

Unterm 7. März haben wir, auf Veranlaßung einer Kantonsregierung hin, in etweleher Akänderung unseres Beschlusses vom 30. April 1878 über Verabreichung von Bundesbeiträgen an Bannwartenkurse, beschlossen, auf eingehende Gesuche hin auch solchen Kantonen Beiträge zu bewilligen, welche sich bereits an zweimonatlichen, vorn Bund subventionirten Forstkursen betheiligt haben ; es müssen dieselben jedoch auf je 6000 Hektaren wenigstens e i n e n wissenschaftlich gebildeten Förster besizen.

Von diesem Beschluß gaben wir den betreffenden Kantonen durch Kreisschreiben vom 30. April Kenntniß (Bundesblatt 1879, l, 430).

Einem Gesuch des Kantons A p p e n z e l l A.-Rh. um einen Bundesbeitrag an einen solchen Bann warten kurs haben wir unterm 21. März entsprochen; der Kurs konnte aber bisher noch nicht abgehalten werden.

Ein Gesuch des Kantons S t. G a l l e n um einen Bundesbeitrag an einen abzuhaltenden Repetirkurs für bereits in Dienst getretene Kreis-, resp. Unterförster wartet noch seiner grundsäzlichen Erledigung. Es stüzt sich dieses Gesuch auf Art. 8 der bundesräthlichen Vollziehungsverordnung vom 8. September 1876, wo solche Kurse in Aussicht genommen sind.

Die Bundesbeiträge an die im Jahr 1879 abgehaltenen Forstkurse belaufen sich auf Fr. 2973. 95.

Im Laufe des Berichtjahres haben die Kantone O b w a l d e n , Zug und A p p e n z e l l A.-Rh. die A u s s c h e i d u n g der S c h u z w a l d u n g e n gemäß Art. 5 des eidg. Forstgesezes vorgenommen;

144

nur diejenige von A u ß e r r h o d e n konnte bisher geprüft und genehmigt werden. Die Prüfung der von W a a d t im Jahr 1878 vorgenommenen Ausscheidung der SchuzWaldungen veranlaßte Verhandlungen mit der Kantonsregierung, welche hierauf, gleichwie in Freiburg, sämmtliche Waldungen im dortigen Theil des eidg. Forstgebietes als Schuzwaldungen erklärte. St. G a l l e n hat mitgetheilt, daß die Ausscheidung im dortigen Kanton bis auf zwei Gemeinden vollendet ·sei. Auch einige andere Kantone sind mit dieser Arbeit weit vorgerükt.

Es stehen gegenwärtig damit noch aus: L u z e r n , Uri S c h w y z , Nid w a i d e n , G l a r u s , A p e n z e l i I. -Rh., St. Gall en G r a u b ü n d e n , T es s in und W a l li s.

Da der von uns unterm 19. August 1878 zur Ausscheidung anberaumte Termin mit Ende des Berichtjahres abgelaufen ist, werden wir uns veranlaßt sehen, denselben zu verlängern.

Art. 11 des eidg. Forstgesezes untersagt A u s r e u t u n g e n in Schuzwa l d u n g e n mit Ausnahme besonderer Bewilligungen durch den Bundesrath. Auf Gesuch und Empfehlung von B e r n hin ertheilten wir im Laufe vorigen Jahres sechs solcher Bewilligungen, jedoch nur unter der Bedingung, daß anderorts entsprechende Neuanlagen von Waldungen stattfinden; die Ausreutungen betrafen nur kleinere Flächen.

H o 1z seh läge. Der ordnungswidrige Holzschlag in Näfels, Kantons Glarus, dessen wir in unserem leztjährigen Bericht Erwähnung gethan, fand durch eine Busserkanntniss des Kantonspolizeigerichts vom 22. April 1879 seine Erledigung.

Es ist uns zur Kenntniß gelangt, daß die Gemeinde Châtel St-Denis, Kantons Freiburg, ihre Waldungen übernuzt und daß neuerdings wieder ein außerordentlicher Holzschlag beabsichtigt war.

Es handelte sich dabei nicht um eine einmalige, sondern um erwiesenermaßen seit Jahren stattfindende Ueberhauungen. Die Waldungen dieser Gemeinde sind zum Schuz des Flußgebiets der gefährlichen Veveyse von ganz besonderer Wichtigkeit und bisher unwirtschaftlich behandelt worden. Diese Umstände veranlaßten uns, anzuordnen, daß an Ort und Stelle genaue Erhebungen angestellt werden.

Gestüzt auf den Bericht, den uns das eidg. Forstinspektorat über das Resultat dieser Erhebungen erstattete und nach Einsicht der bezüglichen Vernehmlassung der Regierung von Freiburg haben wir in Anwendung des Art. 30 des eidg. Forstgesezes, die Verfügung

145 ·getroffen, daß spätestens innert Jahresfrist ein definitiver oder doch provisorischer Wirthschaftsplan (Art. 16 und 17 leg. cit.) für Châtel St-Denis entworfen und anher mitgetheilt und daß bis dahin jener Gemeinde keine Bewilligung zu Holzschlägen behufs Verkaufs mehr ertheilt werde.

Betreffend die Niederwaldungen am M o n t e C a p r i n o (Tessin), Eigenthum der Gemeinden Castagnola und Gandria, welche als Schuzwaldungen für darunter liegende Realitäten von Wichtigkeit sind und, zur Nuznießung vertheilt, auf eine höchst unwirthschaftliche Weise behandelt werden, beschlossen wir unterm 9. Dezember, in Anbetracht, daß Gefahr im Verzug Hegt und der Kanton Tessin noch keine forstliche Vollziehungsverordnung besizt, in Anwendung des Art. 30 des eidg. Forstgesezes, genannte Waldungen als Schuzwaldungen zu erklären und in denselben alle und jede Nuzung zu untersagen, bis die Vertheilung derselben zur Nuznießung aufgehoben und eine forstgemäße Bewirthschaftung eingeführt und gesichert sein wird.

Der Kanton F r e i b u r g kam der Vorschrift des Art. 14 des eidg.

Forstgesezes, betreffend A b l ö s u n g von D i e n s t b a r k e i t e u , wofür der Termin erst im Jahr 1886 abläuft, bereits im Laufe des Berichtjahres durch Ablösung der lezten Dienstbarkeit vollständig nach.

Bundesblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

10

Die von 4 Kantonen angemeldeten und von uns 1879 genehmigten Aufforstuugsprojekte, mit welchen grösstentheils auch Verbauungen verbunden sind,· stellen sich wie folgt zusammen : i^l ( _ ) -- Beiträge aus der Hülfsmillion.

Kosten Voranschlag. Bnndeskasse.

Fr.

Fr.

  1. Bern (6 Projekte: Einwohnergemeinde Brienz Fr.

Zusammen.

Fr.

und Schwanden, Bürgergemeinde Brienzwyler, Bäuert Nessenthal und Schwenden, Berggegenossen Hohnieseu) .

.

.

.

.

2. Luzern (2 Projekte: Private) 3. Graubünden (1 Projekt : Gemeinde Thusis) .

4. Tessin (2 Projekte ^Gemeinde Cevio und Korporation Dragonataj .

.

.

.

.

11 Projekte

10,357. 47 676. 80 1,771.

-- 21,082. 22 33,887. 49

21,872. 90 1,692. -- 2,530. --

10,357. 47 676. 80 1,265. --

42,164. 44 68,259. 34

12,649. 33 24,948. 60


506.

-- 8,432. 89 8,938. 89

An bundesräthlich genehmigte und ganz oder theilweise ausgeführte Aufforstungen und Verbauungen wurden 1879 folgende Beiträge an 4 Kantone ausgerichtet: Beiträge aus der Kostenvoranschlag. Bundeskasse.

Hülfsmillion.

Fr.

Fr.

Fr.

  1. Bern (2 Projekte : Brienzwyler und Schwanden)

3,404. 95

1,499. 69

--

Zusammen.

Fr 1,499. 69

14,316. 08

5,206. 59

1,453. 49

6,660. 08

8,158. 83

2,083. 84

1,389. 23

3,473. 07

10,293. 08 36,172. 94

3,269. 38 12,059. 50

1,978. 76 4 ,821. 48

5,248. 14 16,880. 98

2. Graubünden (11 Projekte: Gemeinde Jenins,

co 4

1

Fellers, Vais, Sur, Stuls, Schmitten, Zuz, Ponte-Campo vasto, Samnaun, Fettan u.Zernez) 3. Tessin (2 Projekte: Gemeinde Cevio und Hof Cala, zur Gemeinde Ghironico gehörend) 4. Wallis (5 Projekte : Gemeinde Simpeln, Liddes, Salvan , Münster-Gesehenen und Genossenschaft Ganther) .

.

.

.

.

.

20 Projekte

147

Die Aufforstungen und Verbaue fanden sich im Allgemeinen vorschriftsgemäß und gut ausgeführt, doch waren die Pflanzen nicht überall von befriedigender Qualität, auch ist der Mangel an Pflanzmaterial überhaupt noch fast in sämmtlichen Kantonen merklich, am meisten an Arven und Weißtannen.

Um diesem Uebelstande abzuhelfen, haben sich mehrere Kantone durch neue Anlagen von Pflanzgärten hervorgethan, was aus folgender Zusammenstellung hervorgeht:

Saat- und Pflanzgärten in den Kantonen des eidg. Forstgebietes.

Flächenausdehnung der Forstgärten.

Kantone.

Zürich Luzern .

Uri

.

.

. . . .

.

Unterwaiden ob dem Wald . . .

Unterwaiden nid dem Wald . . .

Zug Preiburg Appenzell A.-Rh.

Appenzell I.-Rh St. Gallen Graubünden Tessin Waadt Wallis 00

** 1

. . .

Total

1878.

1S7q 1879

Aren.

43 1138 432 64 404 V 45 40 103 422 456 866 46 1230 529 56 282 88

Aren.

21 1356 503 87 619 108 55 155 450 243 892 84 1498 514 52 282 204

6244

7123

-

Oresamint-

Anf

100 Hektaren fläche Waldfläche des fällt Ver| Ver|J mehrong. minderung. "W aldareals. Forstgärtenfläche.

Aren.

Aren.

22

218 71 23 215 63 15 52 28 213

26 38 268 15 4 116 li 1133 ii ,i

254

Hektaren.

3,305 59,400 16,082 6,440 12,240 10,900 7,200 12,384 2,556 9,112 3,830 1,872 27,656 126,000 48,636 16,517 62,530 426,660

Aren.

6,4 22,8 31,2 13,5 50,5 9,9 7,6 12,5 176,0 26,7

i 1 1

232,9

44,9 54,2 4,0 1,0 17,1 3,2 28,9

!

149 Die 1879 im eidg. Forstgebiet stattgefundenen Aufforstungen sind in nebenstehender Beilage zusammengestellt.

Es wurden 5,299,977 Pflänzlinge versezt, 1,147,483 Stük mehr als im Vorjahr und 859 Kilogramm Samen verwendet, 35 Kilogramm weniger als 1878.

Gegen das seit 1. Januar 1875 in Kraft bestehende Gesez des Kantons Graubünden, betreffend die B e s t o ß u n g der b ü n d n e r i s c h e n A l p e n mit S c h m a l v i e h , beschwerte sich eine Gemeinde des Kantons Tessin, indem sie geltend machte, daß: a. gemäß Art. 5 desselben fremde Hirten nicht mehr als zwei Ziegen auf den Mann für den eigenen Milchbedarf mitnehmen dürfen, und b. daß durch Art. 7 verboten sei, vor dem 15. Juni die Alpen des Kantons Graubünden zu befahren.

Den Graubündnern sei erlaubt, die Alpen mit einer beliebigen Anzahl Ziegen und anderai Vieh und zu beliebiger Zeit zu beziehen, während die Tessiner hierin wie Fremde behandelt werden. Hiedurch erleiden fast sämmtliche Gemeinden der tessinischen Bezirke Bellinzona und Riviera großen Schaden. Unter Berufung auf die Art. 4 und 31 der Bundesverfassung wurde mit der Beschwerde das Gesuch verbunden, es möchte das fragliche Gesez aufgehoben oder doch verfügt werden, daß dasselbe allen Sehweizerbürgern gegenüber gleiche Anwendung zu finden habe.

Des Weitern wurde von derselben Gemeinde darüber Beschwerde geführt, daß ihre Bürger, sobald sie das graubündnerische Gebiet betreten, angehalten werden, sich mit einem Heimatschein zu versehen und eine Aufenthaltsbewilligung um eine Gebühr von Fr. l zu lösen.

Wir haben den Rekurs als nicht begründet abgewiesen und zwar aus folgenden Gründen : 1. Die angegriffenen GesezesVorschriften sind nicht nur zur ungeschmälerten Erhaltung der Alpweiden, sondern insbesondere auch zur Erzielung des so nöthigen Forstschuzes gegen BergarnaskerSchafe und -Ziegen aufgestellt worden^ 2. In dieser Präventivmaßregel liegt keine Verlezung des Art. 4 der Bundesverfassung, denn nicht nur die tessinischen, sondern auch die bündnerischen Angehörigen haben sich derselben zu unterziehen. Gleich wie die Beschwerdeführer bei der Bundesbehörde, haben die bündnerischen Gemeinden Rossa, Santa Maria, Landarenca, Mesocco, Santa Domenica und Augio beim kantonalen Großen Rathe Aufhebung der betreffenden Gesezesbestimmungen verlangt. Einem Bündner ist die Bestoßung einer Alp mit Bergamasker-Schafen vor

Aufforstungen im eidgenössischen Forstgebiet während des Jahres 1879.

Wadelhiöliei.-.

1

Kanton.

Fichte.

Weißtanne.

Lärche.

Kiefer.

krve.

Zur Seite 149.

Total.

Laubhölzer.

Verschulte Pflanzen.

Unverschulte Pflanzen.

Verschulte Pflanzen.

Unverschulte Pflanzen.

Zusammen.

1,699,140

37,368

400 51,952

186,000

3,500 4,320

400 89,320 3,500 4,320

Zusammen.

Verschalte Pflanzen.

Unverschulte Pflanzen.

Same.

Zusammen.

Kilogr.

Zürich

j Uri

23,350 1,200,925 147,000

305,170 31,000

27,025

3,500

288,214 Unterwaiden ob dem Wald .

Unterwaiden nid dem Wald

13,320

Glarus · .

1 Zue . . . . . . . .

Freiburg

67,119

4,628

175,950

11,350

10,100

365,000

Appenzell A.-Rh Appenzell I.-Rh

356,850

St Gallen

710,470 208,052

15,500

50,555

Graubünden

18,930 600

600 113,150 4,000 47,800 31,630 1,750 2,100 7,675 1,700 10,000 16,510 1,700 ' 51,420 118,010

23,950 79,395

500

4,000 23,625 14,860

15

900

15,300

186,000 70,150

31,800

101,950

322,419

12,300

9,600 73,815 79,150

_

26,350

1 Wallis

39,300

18,650

1,600 223,997

3,776,775

390,678.

446,735

1878

3,084,205

249,225

278,031

f Mehr . . Ì i 1879 l \ als 1878 , [Weniger . J

692,570

141,453

168,704

236,635

33,676 23,352 10,324 1

12,638

404,160

3,350

98,585

56,000 98,585

22,065

59,550

59,550

23,930

4,871,861

146,273

4,051,597

820,264

3,246,116

625,332

3,871,448

805,481

194,932

1,000,413

~

29 13 j 42

11,150

10,271

15,271

17,900 78,815

5,450 29,085

107,900

420 500 2,250

3,620

82,350

110,520

192,870

500 5,600

244,000

134,500

378,500

381,160

28,600

409,760

839,240

190,050

54,555 1,029,290

386,203

5,000

391,203

30,200

30,200

151

859 894

190,000 4,200

98,285 47,988

571 ,

15,970

54,555

26,000

106,270 334,719

2

2,850

54,555 17,930

11,000

Total

378,000

368,273

20,040

3,200

373,273

821,880

78,545

15,970

821,930

4,200 38,961

Waadt

15,970

50 5,000

36,910 17,650

15,000

12,300

8,300 5,000

24,350 1,788,460 189,500

322,419

92,629 189,250

377,810

189,500

334,719 12,200

244,000

1,283,258

400 505,202 31,800

18,814 110,100 134,000

23,950

74,470

2,600

54,555

2,300

Tessin

453,250

15,970

13,207 250 3,000

1,245,890

23,950

207,310 17,930 4,200

23,350

22,065

120,650

19,000

42,930

83,480

19,000

120,650 102,480

281,843

428,116

5,299,977

182,861 98,982 !

4,197,970 3,344,401

1,102,107

281,146 146,970

753,569

808,193 ! 4,152,594 293,914 ! 1,147,483 _ i ~ j

4 i

47

35

150

dem 15. Juni, laut Beschluß des Kleinen Raths ebenso wie einem Tessiner untersagt.

3. Auch dem Art. 31 der Bundesverfassung widerspricht jene Präventiymaßregel nicht. Verfügungen über Ausübung von Handel und Gewerben sind in jener Verfassungsbestimmung ausdrüklich vorbehalten. Die angegriffenen Vorschriften fallen in die Kategorie solcher Verfügungen und liegen im Interesse der Forstkultur.

4. Hinsichtlich der Handhabung der Fremdenpolizei haben sich die Beschwerdeführer zunächst an die zuständigen bündnerischen Behörden zu wenden. Dabei bleibt das Recht vorbehalten, nach Erschöpfung des kantonalen Instanzenzuges sieh an die Bundesbehörde zu wenden, wenn die Beschwerdeführer dafür halten, sie seien durch den von den kantonalen Behörden erhaltenen Bescheid in ihren verfassungsmäßigen Rechten beeinträchtigt worden.

Da hinwider aus einein Gutachten des eidg. Oberforstinspektorats hervorgeht, daß nicht nur die fremden Ziegen, sondern auch die bündnerischen Heimziegen, welche weder hinsichtlich der Zahl noch der Zeit des Auftriebs durch spezielle kantonale Verordnungen beschränkt sind, den Forsten wesentlichen Schaden verursachen, haben wir uns bei dem Entscheide vorbehalten, in Anwendung von Art. 24 der Bundesverfassung die nöthigen Maßnahmen für Beseitigung dieses Uebelstandes zu treffen, sofern dies nicht von den betreffenden bündnerischen Behörden selbst geschehen sollte.

A p p e n z e l l A. Rh. stellte unterm 24. November das Ansuchen um einen B u n d e s b e i t r a g an die K o s t e n von N e u a u f f o r s t u n g e n d u r c h den K a n t o n , welchem wir jedoch mit Hinweis auf Art. 25 des eidg. Forstgesezes, der das Forstareal des Staates von Bundesbeiträgen ausschließt, nicht entsprechen konnten.

Nachdem Ihr Beschluß vom 20. Dezember 1878, betreffend die Berichtigung, Vervollständigung und Versicherung der Triangulation im eidg. Forstgebiet (Bundesblatt vom Jahr 1879, Bd. I, S. 3) in Kraft erwachsen war, haben wir Ihnen mit Bericht vom 27. Mai folgenden Antrag unterbreitet : ,,Die Triangulation IV. Ordnung im eidg. Forstgebiet ist ,,Sache der Kantone; es übernimmt der Bund auf seine Kosten ,,die schließliche Prüfung der Arbeiten.tt Es beschloß hierauf der Ständerath unterm 6. und der Nationalrath unterm 10. Juni: ,,Der Bundesrath wird . eingeladen, das Ergebniß der ,,Kostenberechnung für die Triangulation IV. Ordnung, wie ,,dieselbe in dem Berichte des Stabsbüreau enthalten ist,

151 .,,den Regierungen der betheiligten Kantone mitzutheilén und ,,den gesezgebenden Räthen im Sinne des Postulates vom ,,20. Dezember 1878 neuerdings Bericht zu erstatten.tt In Folge dessen erließen wir den 12./19. August 1879 ein Kreisschreiben an sämmtliche Kantone des eidg. Forstgebietes, unter Beischluß der betreffenden Berichte und Kostenberechnung des iStabsbüreau, und sezten zur Anbringung. allfälliger Bemerkungen über leztere einen Termin bis Ende desselben Jahres fest.

Mit gleichem Kreisschreiben und unter Anberaumung des gleichen Termins ersuchten wir die Kantone, uns über den gegenwärtigen Stand des Waldvermessungswesens Bericht erstatten 7.u wollen.

Mit der weitern Vollziehung des zitirten Bundesbeschlusses vom 20. Dezember 1878 haben wir das Militärdepartement beauftragt und ihm den Kredit von Fr. 15,000 zur Verfügung gestellt.

Ueber die unter Benuzung desselben im Laufe des Jahres 1879 vorgenommenen trigonometrischen Arbeiten sind wir, gestüzt auf einen diesfälligen Bericht der topographischen Abtheilung des eidg.

Stabsbüreau, im Falle, Ihnen Folgendes mittheilen zu können : Es wurden zwei Ingenieure mit dieser Arbeit betraut und ihnen die erforderliche Anzahl Gehülfen, Träger und Heliotropisten beigegeben. Der Eine triangulirte in den Kantonen Schwyz und Zug, der Andere im Unterwallis und im angrenzenden Kanton Waadt.

Die Triangulation mußte neu aufgenommen werden, da die Untersuchung des bezüglichen Materials dasselbe größtentheils als unbrauchbar herausstellte. Der Fortschritt der Arbeiten litt sehr unter der ungünstigen Witterung des lezten Sommers.

Die Berechnungen der Triangulation wurden nach Schluß der Arbeiten im Freien in Angriff genommen, konnten aber im Berichtsjahr nicht mehr zum Abschluß gelangen.

Da mit dem 10. August 1881 der durch Art. 17 des eidg.

Forstgesezes festgesezte fünfjährige Termin zur Einführung von p r o v i s o r i s c h e n W i r t h s c h a f t s p l ä n e n zu Ende geht, so sahen wir uns veranlaßt, durch Kreisschreiben vom 10. November die Kantone des eidg. Forstgebietes erwähnten Artikel in Erinnerung zu bringen und sie einzuladen, uns die G-rundsäze mitzutheilen, nach welchen sie fragliche Wirthschaftspläne zu entwerfen gedenken.

Das Jahr 1879 hat namentlich durch S t ü r m e , dann aber auch in einigen Gegenden durch I n s e k t e n f r a ß den Waldungen großen Schaden zugefügt.

Der Sturm vom 20. Februar, welcher bei Genf von Westen her die Schweizergrenze überschritt, zog mit einer außerordentlichen

152 Stärke über den Genfersee in östlicher Richtung, vereinigte sich auf dem See mit einem durch Aspiration herbeigezogenen Windstrom aus dem Wallis und nahm dann eine nordöstliche Richtungan, indem er über den Jorat sich ergoß und jenseits zwischen den Vorbergen der Alpen und des Jura durch die Kantone Waadt und Freiburg und dann durch das Aarthal seinen rasenden Lauf nahm. Gegen den Kanton Zürich hin breitete er sich aus und verlor sich allrnälig in der Gegend des Bodensees.

Das durch diesen Sturm geworfene und gebrochene Holz beläuft sich nach den von den betreffenden Kantonen erhaltenen Angaben auf zirka 600,000 Kubikmeter.

Den 25. Juni Abends nach 6 Uhr bildete sich in der Gegend des Schlosses Greng, südwestlich von Murten, ein Wirbelwind, der sich ziemlich genau in östlicher Richtung über Salvenach fortbewegte, etwas nördlich von Laupen die Sense überschritt und jenseits bisin den sog. Engewald, etwas nördlich von Bern, Schaden anrichtete..

Der Sturm war bis fast zur Sense ziemlich scharf auf einen Streifen von zirka 250 Meter Breite begrenzt, auf dem er aber mit einer so außerordentlichen Gewalt auftrat, daß er Alles niederwarf, was sich über den Boden erhob, Gebäude, Waldungen und selbst junge Bestände in leztern.

Ein dritter Sturm folgte den 5. Dezember, der ziemlich den gleichen Weg einschlug wie derjenige vom 20. Februar. Obwohl er strekenweise mit fast ebenso großer Stärke wie der leztere dahinbrauste und bereits beschädigte Bestände vorfand, so war der durch ihn verursachte Schaden doch bedeutend geringer, Dank hauptsächlich dem gefrornen, festen Boden und seiner kürzeren.

Dauer.

Ein besonderer Bericht über obige Stürme wird in Bälde erscheinen.

Unter den Insekten ist es der g r a u e L ä r c h e n w i k l e r (Tortrix pinicolaoa), welcher in den bündnerisehen Lärchenwaldungen des Engadin, Puschlav, Münsterthal und Samnaun verheerend aufgetreten ist, namentlich im Oberengadin, wo fast sämmtliche Waldungen während des Raupenfraßes eine düstere, braunrothe Farbe hatten, als ob ihre Kronen vom Feuer versengt worden wären.

Die Ausdehnung der vom Insekt befallenen Waldungen im Oberengadin beträgt zirka 5500 Hektaren in sämmtlichen genannten Thälern zirka 7000 Hektaren.

153 Ein einläßlicher Bericht über diesen Raupenfraß wird den.

Kantonen nächstens mitgetheilt werden.

In Folge massenhaften Auftretens des Borkenkäfers in den Rothtannenwaldungen des Oberwallis mußten 860 Stämme geschlagen und Maßnahmen gegen weitere Verbreitung des Insektes getroffen werden.

Auch in den Waldungen der Tête noire ist der Borkenkäfer ziemlich verbreitet aufgetreten und gab dem Forstpersonal Veranlassung, dagegen einzuschreiten.

Um zur K u l t u r d e r W e i d e n anzuregen und Anleitung hiezu zu ertheilen, haben wir einen über diese Kultur 1878 in der Versammlung des Schweiz. Forstvereins in Aarau von unserem Oberforstinspektor gehaltenen Vortrag druken lassen und eine Anzahl Exemplare den Kantonen übermittelt.

In Folge dessen kamen leztes Frühjahr am Rhein, an der Thur, der Aare, am Murtnev-, Bieler- und Genfersee Weidenanlagen in einer Ausdehnung von 7--8 Hektaren zu Stande, welche im Herbste fast durchgehends schön stunden. Mehrere dieser Anlagen werden nächstes Frühjahr erweitert und anderorts neue Flächen mit Weiden in Kultur gesezt werden.

Den 23. April fand in Winterthur eine Besprechung mit Abgeordneten der Kantone Zürich, St. Gallen und Thurgau über Einführung einer Schule für K o r b f l e c h t e r e i statt, welcher Industriezweig bei uns noch so sehr vernachläßigt ist. Werthvolle Mittheilungen unserer Gesandtschaft in Wien über diesen Gegenstand lagen vor.

Da man fand, daß die Anhandnahme dieses Gegenstandes durch einen einzelnen Kanton eher zu einem günstigen Resultat führen dürfte, als wenn mehrere Kantone sich zum gleichen Zwek vereinigen, erklärte St. Gallen sich bereit, sich mit der Einführung einer Korbflechtereischule befassen zu wollen.

Noch haben wir einiger G e s c h e n k e zu erwähnen, welche uns für die Forstverwaltung im Laufe des lezten Jahres zugekommen.

Vom französischen Landwirthschafts-Departement wurden uns durch Vermittlung unserer Gesandtschaft in Paris eine größere Anzahl Werke forstlichen Inhalts übersandt, sammt einem forststatistischen Atlas Frankreichs und einer großen Zahl photographischer Aufnahmen von Aufforstungen und Verbauungen in dortigen Gebirgsgegenden.

154

Durch Vermittlung unseres Generalkonsulats in Tokio (Japan) erhielten wir vom japanesischen Ministerium des Aeußern ein Kistchen Sämereien verschiedener werthvoller Holzarten zu Anbauversuchen.

Endlich sandte uns der Schweiz. Generalkonsul in Washington O zu gleichem Zweke Sämereien verschiedener nordamerikanischer Holzarten und ferner 20 Exemplare eines Berichts über das Porstwesen der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Die Sämereien wurden zum Theil dem forst- und landwirthschaftlichen Garten des eidg. Polytechnikums, zum Theil dem hiesigen botanischen Garten zur Aussaat übergeben, unter der Bedingung, daß die Hälfte der gewonnenen Pflänzlinge dem Handels- und Landwirthschafts-Departement zur Verfügung gestellt werden.

XIII. Jagd und Fischerei.

  1. Jagd.

Von g e s e z g e b e r i s c h e n E r l a s s e n , die Jagd und den Vogelschuz betreffend, sind zunächst zwei Verordnungen zu erwähnen.

In Ausführung Ihres Beschlusses vom 28. Juni 1878, bezüglich >der Betheiligung des Bundes an den Kosten der Kantone für Ueberwachung der Bannbezirke für die Hochwildjagd, haben wir unterm 11. März 1879 eine diesen Gegenstand beschlagende Verordnung, über deren Vorbereitung wir Ihnen bereits im Vorjahre Bericht zu erstatten die Ehre hatten, erlassen.

Eine zweite Verordnung desselben Datums betrifft die Einfuhr und den Verkauf von ausländischem Wildpret während der geschlossenen Jagdzeit. Auch über diesen Gegenstand findet sich das Nähere schon im leztjährigen Geschäftsbei'icht.

Wünsche über M o d i f i k a t i o n gesezlicher Erlasse des B u n d e s sind mit Bezug auf die Jagd in zwei Kantonen laut geworden.

Aus dem Kanton Graubünden ist uns eine Petition von 155 Jägern zugekommen, welche die Verlegung des Freiberges am Bernina in das Albula- und Julier-Gebiet befürworten. Wir haben dieses Gesuch, sowie eine gegenteilige Kundgebung von 22 Bewohnern des Dorfes Ponti-esina, die sich für Beibehaltung des bisherigen Bannbezirkes aussprechen, der Regierung von Graubünden unterm 17. Juni 1879 zur Kenntnißnahme und Ansichtsäußerung zugestellt. Eine Antwort ist bis dato noch nicht erfolgt.

Ein ferneres Gesuch hat der Regierungsrath des Kantons Bern mit Empfehlung zur Berüksichtigung unserm Handels- und Land-

155 wirthschaftsdepartement einbegleitet. Eine Versammlung von Jägern aus den Amtsbezirken Thun und Niedersimmenthal stellt, unier Hinweisung auf die Nachtheile, welche die Jagdzeit für Hochwild, vom 1. September bis 1. Oktober, mit sich bringt, das Begehren, «s möchte eine Verschiebung derselben auf einen spätem Zeitpunkt stattfinden. Das Departement hat diese Eingabe, namentlich mit Rüksicht darauf, daß gegenwärtig eine Revision des Jagdgesezes nicht opportun erscheint, ablehnend beantwortet.

Von A n s t ä n d e n , die sich g e g e n B e s t i m m u n g e n kant o n a l e r V o l l z i e h u n g s - V e r o r d n u n g e n betreffend Jagd und Vogelschuz erhoben haben, sind noch immer die beiden bereits leztes Jahr vorgelegenen Fälle pendent.

Ueber die durch eine Petition des Jagd Vereins von Burgdorf aufgeworfene Frage, inwiefern dem Grundbesizer das Recht zur Erlegung von Wild, das seinen Gütern Schaden zufügt, zustehe, hat das Departement ein einläßliches Exposé ausarbeiten lassen.

Die Angelegenheit wurde sodann in der Jagd-Expertenkommission nochmals einer Erörterung unterstellt und daraufhin der Regierungsrath des Kantons Bern eingeladen, Art. 6 der Vollziehungs-Verordnung vom 26. Juli 1876 in dem Sinne zu ergänzen, daß Hasen und Hühner von denjenigen Thieren ausgenommen werden, welche der Grundbesizer auf seinem eigenen Grund und Boden, insofern sie Schaden verursachen, zu erlegen und zu behändigen befugt ist. Eine Antwort hierauf- ist zwar noch nicht eingegangen, jedoch steht zu erwarten, daß eine Verständigung in obigem Sinne möglich sein werde.

Hinsichtlich des Art. 16 der tessinischen Vollziehungs-Verordnung vom 28. Juli 1876, nach welchem der Staatsrath als Kassationshof für die von den Friedensrichtern verhängten Strafen für Uebertretungen in Jagdsachen aufgestellt wird, hat die Regierung das Ansuchen gestellt, es möchte im Interesse der Ordnung der fragliche Artikel, dem wir unsere Genehmigung entzogen hatten, bis zum Zusammentritt des Großen Rathes im Monat März des verflossenen Jahres in Kraft belassen werden. Wir haben diesem Gesuche entsprochen und in Abänderung der oben angeführten Bestimmung ist unterm 24. April 1879 vom Großen Rathe ein Dekret angenommen worden, welches dem kantonalen Obergericht die Entscheidung von Rekursen als oberste Instanz überträgt. Da uns aus Versehen dieser Beschluß erst unterm 25. Februar 1880 zur Genehmigung vorgelegt D O D O wurde, so füllt die vollständige Erledigung dieser Angelegenheit in das laufende Jahr.

Eine Beschwerde von zwei, durch Erkenntniß der Gerichtskommission Sargans wegen Jagdfrevels Verurtheilten über ungerechte

156 Bestrafung ist dahin erledigt worden, · daß die Vollziehung dieser Strafbestimmungen den kantonalen Behörden überlassen und eine Weiterziehung an die Bundesbehörde nicht zuläßig sei Ueber-die H a n d h a b u n g der Jagdpolizei, namentlich mit Bezug auf den Wildschuz in den Bannbezirken, sind wir, gestüzt auf die von den Kantonen eingelangten Halbjahresberichte, sowie auf die von den eidgenössischenExpertenvorgenommenenlnspektionen, im Falle, Ihnen nachstehende Auskunft zu ertheilen.

Abgesehen davon, daß die Erlegung von Raubthieren nicht überall die wünschenswerthe Berüksichtigung findet, wird die Wildhut im Allgemeinen in befriedigender Weise besorgt. Ueber die einzelnen Kantone ist im Speziellen noch beizufügen : Bern. Für jeden der beiden Bannbezirke sind zwei Wildhüter angestellt, welche ihren Dienst fleißig versehen und zu keinen besondern Bemerkungen Anlaß bieten.

O b w a l d e n und N i d w a i d e n haben zwar ihren Bannbezirk nicht häufig genug begehen lassen, jedoch wird die Wildhut, mit Ausnahme derjenigen am Pilatus, im Allgemeinen als befriedigend beschrieben.

Fr e i b ü r g besizt für seinen Freiberg zwei sehr eifrige und pflichtgetreue Wildhüter.

A p p e n z e l l A. R h. und A p p e n z e l l I. R h. Jeder Halbkanton hat einen Wildhüter angestellt, welche beide ihren Dienst, bis auf den oben erwähnten allgemeinen Mangel einer intensiven Vertilgung des Raubwildes, sehr gewissenhaft, erfüllen.

St. G a l l e n . Der Freiberg wird von zwei Wildhütern überwacht, welche zu keinen weitern Bemerkungen Anlaß geben.

G r a u b ü n d e n hat für jeden seiner drei Bannbezivke nur einen Wildhüter, was bei der großen Ausdehnung des I. und namentlich des III. Reviers kaum genügen kann.

T e s s i n leistet das Mögliche und hat, wie der mit der dortigen Inspektion beauftragte Jagdexperte konstatirt, dem massenhaften Wegfangen nüzlicher Vögel in wirksamer Weise entgegenzutreten gewußt.

W a a d t und Wal lis haben beide die Wildhut je vier speziell damit beauftragten Landjägern, welche beinahe täglich Streiftouren machen, übertragen. Besondere Aussezungen sind keine beizufügen.

In einigen wenigen Kantonen muß die Wildhut der Bannbezirke als unzureichend bezeichnet werden. Zwei Stände haben dieselbe

157

den übrigen kantonalen Polizeiorganen ohne weitere Entschädigung überbunden, bei welchem Verfahren, wie sich dies auch durch die eingelangten Berichte bestätigt, eine wirksame Handhabung der Jagdpolizei nicht möglich ist. Ein anderer Kanton hat eine Anzahl von Bannwarten und Landjägern mit diesem Dienste beauftragt, während ein vierter endlich einen Wildhüter nur mit Fr. 150 jährlich besoldete. Auch in diesen beiden lezten Fällen sind die aufzuweisenden Resultate sehr minim.

In Anbetracht dieser Verhältnisse und im Einverständniß mit der Expertenkommission hat das Departement, gemäß dem Bundesbeschluß, betreffend die Betheiligung des Bundes an den Kosten der Kantone für Ueberwachung der Bannbezirke für die Hochwildjagd, vom 28. Juni 1878, und der bezüglichen Verordnung vom 11. März 1879, denjenigen Kantonen, welche eine, dem Zwek entsprechende Wildhut angeordnet und durchgeführt haben, den gesezlichen Beitrag von einem Dritttheil der erwachsenen Kosten verabfolgt.

Die ausbezahlte Summe beläuft sich im Ganzen auf Fr. 10,067. 52, und zwar wurden diese Subsidien ausgerichtet sowohl an die Auslagen für Bekleidung und Bewaffnung, als auch an diejenigen für Besoldung der Wildhüter, Verabreichung von Munition, zeitweilige Veratärkung oder Vertretung des Schuzpersonals etc.

Bei den übrigen Kantonen wurde zum Theil von einer Beitragsleistung für dieses Jahr mit Hinweisung auf Art. 9 der oben erwähnten Verordnung Umgang genommen, theils konnte wegen verspäteter Eingabe der Berichte die Frage einer Beitragsleistung im Berichtjahre nicht mehr entschieden werden.

Ueberall wo nöthig, ließ das Departement den Kantonen die Einladung, mit aller Beförderung für die Einrichtung einer energischen Handhabung des Bundesgesezes über Jagd und Vogelschuz besorgt zu sein, zukommen.

Es erübrigt uns schließlich noch, einige Worte über den E r f o l g der B e s t r e b u n g e n des B u n d e s zur Hebung des W i l d s t a n d e s beizufügen. Es liegt zwar in der Natur der Sache, daß bei dem kurzen Zeitraum, während welchem das Jagdgesez promulgirt ist, und bei dem noch kürzern, während welchem von einem eigentlichen Vollzug die Rede sein kann, noch keine sehr namhaften Resultate aufgewiesen werden können. Nichtsdestoweniger sind aber bereits zahlreiche Anzeichen vorhanden, welche einen sehr erfreulichen Erfolg der Thätigkeit des Bundes auf diesem Gebiete voraussehen lassen. Aus den Berichten der Kantone, wie aus den übereinstimmenden Angaben der Jagd-Experten ergibt sich, daß überall, wo eine gehörige Wildhut ausgeübt wird, das Wild,

158 namentlich die Gemsen, in erfreulichster Weise prosperiren. In den Bannbezirken ist eine ganz wesentliche Vermehrung derselben wahrzunehmen und zwar nicht nur durch Fortpflanzung, sondern auch durch Einwanderung aus den umliegenden, nicht geschüzten Gebieten.

Unter dem Schuze einer strengern Jagdpolizei haben aber auch die kleinem Raubthiere, als Füchse, Marder etc., bedeutend an Menge zugenommen und dadurch den Stand an Hasen und Wildhühnern wesentlich beeinträchtigt. Manche Kantone haben denn auch, bei den fortwährenden Klagen, die über den von Füchsen etc. angerichteten Schaden laut wurden, gemäß Art. 4 des Bundesgesezes über Jagd und Vogelschuz, Bewilligungen zum Abschießen von Raubthieren außer der Jagdzeit ertheilt, wobei unser Bestreben darauf gerichtet war, den in erwähntem Artikel angeführten Beschränkungen genaue U Nachachtung 5 zu verschaffen.

Besonders fühlbar machte sich die Vermehrung der Raubthiere in den Freibergbezirken, indem die Wildhüter meistens der Erlegung solcher Thiere nicht die gehörige Aufmerksamkeit schenkten, mancherorts wohl auch zu einer wirksamen Vertilgung derselben nicht ausreichten. Um die Bewilligung zur Verfolgung schädlicher Thiere in den Bannbezirken, gemäß Art. 16 des Jagdgesezes, sind bei uns eingekommen die Kantone Obwalden und Graubünden. Wir haben diesen Gesuchen unter den zur Vermeidung von Mißbräuchen nothwendigen Beschränkungen entsprochen. Um aber auch anderwärts, eine energische Verfolgung des schädlichen Wildes zu fördern, hat das Departement bei Verabfolgung der Bundesbeiträge an die Wildhutkosten die Kantone aufgefordert, für Erlegung solcher Thiere Prämien auszurichten und den Wildhütern zu gestatten, wo immer nöthig, zuverläßige Gehülfen beizuziehen. Von verschiedenen Seiten sind bereits zustimmende Zusagen in obigem Sinne eingegangen.

Zu erwähnen ist endlich noch, daß die von der bündnerischen Sektion des S. A. C. aus der Mandria des Königs Victor Emanuel bei Aosta leztes Frühjahr angekauften und im Bannbezirk der Rothhorngruppe ausgesezten Steinbok-Blendlinge nach dem Berichte des Jagd-Experten, Herrn Ständerath Hold, bis zum lezten Winter recht erfreulich gediehen sind.

2. Fischerei.

In Ausführung des Art. 17 des Bundesgesezes über die Fischerei, vom 18. September 1875, wurde uns im Laufe des Berichtjahres vom Kanton Schaff hausen eine V o l l z u g s - V e r o r d n u n g zum Fischereigesez vorgelegt und genehmigt.

15&

Außer den an der Süd- und Westgrenze gelegenen Kantonen Graubünden, Tessin, Wallis, Waadt und Neuenburg, in welchen, mit Rüksicht auf die noch nicht zum Abschluß gelangten Unterhandlungen betreffend internationale Uebereinkünfte mit Italien und Frankreich, der Erlaß von Vollziehungs - Verordnungen verschoben wurde, fehlen dieselben nur noch in den Kantonen Zürich, Uri, Glarus und Zug. Auch bei diesen liegt die Ursache der Verzögerung theilweise darin, daß der vorherige Abschluß der in Aussicht genommenen interkantonalen Fischereikonkordate als wünschenswerth erscheint.

V o n p r i n z i p i e l l e n E n t s c h e i d e n ü b e r A u s l e g u n g des F i s c h e r e i g e s e z e s ist einzig der Bundesrathsbeschluß vom 1. März 1879, betreffend den Gebrauch von Reusen und Lachsfallen für den Fischfang, zu erwähnen. Seitens derjenigen Rheinfischer, die sich früher der jezt verbotenen Fallen bedienten, wurden nämlich mehrfach Beschwerden darüber laut, daß der Gebrauch der eisernen Reusen gestattet sei, trozdem diese die Fische häufig ebenfalls verwunden. Wir haben daher den Gebrauch dieser Apparate nur erlaubt, wenn die am innern Ringe des Trichters angebrachten Spizen oder Schneiden entweder ganz beseitigt oder durch stumpfe Bolzen mit abgerundeten Knöpfen ersezt werden.

Im Fernern haben wir die Anwendung der neu konstruirten Garnreusen den für die eisernen Reusen geltenden Beschränkungen unterworfen, die neue Lachsfalle, Modell Häfele, dagegen, weil die Verwundung der Fische bewirkend, ganz verboten.

Die oben berührten U n t e r h a n d l u n g e n mit F r a n k r e i c h zum Abschluß einer Konvention, die Fischerei in den schweizerischfranzösischen Grenzgewässern betreffend, konnten im Berichtjahre nicht zu Ende geführt werden. Der bezügliche Entwurf einer Uebereinkunft ist zwar angefertigt und von den interessirten Kantonen gutgeheißen worden ; der französische Delegirte, Herr von Quartéry, Ingénieur en chef des Ponts et Chaussées de la Haute-Savoie, hielt sich aber nicht zur Unterzeichnung ermächtigt, sondern referirte an die obere Behörde, welche verschiedene Modifikationen, namentlich in Betreff der Schonzeiten, wünschte. Troz wiederholter Anregungen,, sowohl von Seite unseres Delegirten, Herrn Staatsrath Ruchonnet in Lausanne, als auch seitens unseres Handels- und Landwirthschaftsdepartements, ist es erst im laufenden Jahre möglich geworden, diese Unterhandlungen wieder um einen Schritt zu fördern.

Auch die V e r e i n b a r u n g mit Italien über die Fischerei in den schweizerisch-italienischen Grenzgewässern ist noch zu keinem Abschluß gelangt. Der Entwurf der Konvention ist ebenfalls auf-

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gestellt, jedoch konnten die Unterhandlungen noch nicht stattfinden.

Zudem steht eine weitere Verlängerung des Termins zum Erlaß der Vollziehungs - Réglemente zum italienischen Fischereigesez in Aussicht, so daß sich das italienische Ministerium für Handel und Landwirtschaft vorbehält, später zu entscheiden, ob die Unterhandlungen vor oder nach dem 30. Juni 1880 stattfinden sollen.

In Folge mehrfacher Konflikte zwischen der thurgauischen und der badischen Grenzbehörde wurde die A n g e l e g e n h e i t e i n e r gemeinsamen Fischerpolizei auf dem Untersee und Rhein neuerdings aufgenommen. Eine Einigung wird aber namentlich dadurch erschwert, daß die großherzoglich badische Regierung von der Ansicht ausgeht, durch den Staats vertrag vom 20/31. Oktober 1854, betreffend die Grenzregelung gegen Thurgau, sowie durch die vom badischen Bezirksamt Konstanz unterm 16. November 1861 erlassene und von der Regierung von Thurgau, ,,soweit es von ihr abhängt"1, vorläufig anerkannte Fischerei-Verordnung sei dem Bezirksamt Konstanz eine Polizei-Strafgewalt über gewisse auf Schweizergebiet verübte Delikte in Sachen der Fischerei eingeräumt worden. Wir haben selbstverständlich diese Anschauungsweise, welche eine Schmälerung der schweizerischen Hoheitsrechte auf dem Gebiete des Untersees und Rheins einschließt, nicht theilen können, sondern uns gegen jeden Uebergriff entschieden verwahrt. Die Beschlüsse über ein Antwortschreiben an das großherzoglich badische Staatsministerium, sowie über die vorläufigen, der Regierung von Thurgau mitzutheilenden Verhaltungsmaßregeln, wurden erst zu Anfang des laufenden Jahres gefaßt.

Behufs Regulirung der Fischereipolizei im Innern der Schweiz wurden gegen Ende des Berichtjahres zwei Delegirtenkonferenzen abgehalten. Die eine fand am 13. November in Zürich statt zur Erzielung eines K o n k o r d a t e s ü b e r die F i s c h e r e i im Z ü r i c h see, W a l l e n s e e und L i n t h k a n a l ; sie war von unserm Fischerei-Experten, sowie von Delegirten der Kantone Zürich Schwyz und St. G-allen, besucht, wogegen Glarus sich der Vertretung enthalten hat. Es wurde der von Herrn Nationalrath Dr. Sulzer ausgearbeitete Konkordats-Entwurf sowohl einer allgemeinen als O o einer artikelweisen Berathung unterstellt, zu deren Fortsezung eine zweitägige Sizung im Januar 1880 in Aussicht genommen wurde.

Die am 24. November in Luzern abgehaltene und von den Kantonen Luzern, Uri, Obwalden, Jlidwalden und Schwyz beschütte Delegirtenkonferenz zum Abschlüsse eines K o n k o r d a t e s ü b e r die F i s c h e r e i im V i e r w a l d s t ä t t e r s e e führte ebenfalls noch zu keinem Resultate, indem seitens des Kantons Luzern vorerst Offerten darüber gewärtigt werden, wie die rechtliche Stellung der

161 Inhaber der umfangreichen privatrechtlichen Fischereigerechtsame in ein billiges Verhältniß zu den im Konkordats-Entwurf vorgeschlagenen Pflichten und Rechten der vier andern Uferkantone gebracht werden könnte.

Ueber H a n d h a b u n g der f i s c h e r e i p o l i z e i l i c h e n Vors c h r i f t e n sind leztes Jahr die in Art. 15 der VollziehungsVerordnung vom 18. Mai 1877 vorgeschriebenen Jahresberichte der Kantone, mit Ausnahme von Aargau, nicht eingegangen. Unser Handels- und Landwirthschaftsdepartement hat geglaubt, mit Rüksicht darauf, daß die Kantone vielfach anderweitig, wie z. B. für die internationale Fischerei-Ausstellung etc., in Anspruch genommen wurden, nicht weiters auf diesen Punkt dringen zu sollen. Um dagegen künftighin solche Mittheilungen zu erhalten, und zwar in einer Form,, welche diese interessanten Angaben auch zur Aufnahme in den Jahresbericht geeignet macht, hat das Departement ein bezügliches Fragenscherna aufgestellt und wird dasselbe irn geeigneten Zeitpunkte an die Kantone zur Ausfüllung versenden.

Besondere Aufmerksamkeit wurde der Vollziehung des Art. 12 des Fisehereigesezes vom 18. September 1875, welcher die Verunreinigung von Wasserläufen durch gewerbliche und landwirthschaftliche Abgänge verbietet, geschenkt. So wurde, zunächst mit Rüksicht auf die Verunreinigung der Birs durch die Erzwaschereien im Jura, sowie durch andere schädliche Einleitungen, diese Frage vom eidg. Fischereiexperten einer eingehenden Prüfung unterworfen, um .auf Grund dieser Ermittlungen die geeigneten administrativen oder gesezlichen Maßregeln anordnen zu können. Das Weitere über diese Angelegenheit fällt jedoch in das laufende Jahr.

Die im leztjährigen Geschäftsberichte erwähnte Differenz zwischen dem Staatsrathe von Freiburg und der dortigen Société générale des eaux et forêts, betreffend die Herstellung einer, das Aufwärtsschwimmen der Fische ermöglichenden Vorrichtung bei den Wasserwerken in der Saane ist im Berichtjahre beigelegt worden.

Die daherigen Arbeiten, in der Anfertigung eines ca. 120 Meter langen, in den Fels gehauenen und mit Stufen unterbrochenen Kanales bestehend, sind im Gange und werden nächstens beendigt sein.

Wie im leztjährigen Berichte des Departements des Innern erwähnt, war es nicht möglich gewesen, die von den Kantonen Waadt und Schaffhausen gestellten Gesuche um B u n d e s b e i t r ä g e für F i s c h z u c h t a n s t a l t e n pro 1878, gemäß Art. 13, Alinea l des Bundesgesezes über die Fischerei, zu berüksichtigen, indem damals zu diesem Zweke kein Kredit ausgewirkt worden war. Die Ausbezahlung dieser Subsidien, sowohl derjenigen an die erste Bandesblatt. 32. Jahrg. Bd. II.

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Anlage der Piscikulturen, als auch an die Betriebskosten während des Jahres 1878, fand daher zu Anfang des Berichtjahres statt..

Es wurden verabfolgt: an S c h a f f h a u s e n für die Fischzuchtanstalt bei Neuhausen Fr. 1000 an W a a d t für die Fischzuchtanstalt in Vallorbe Fr. 200 für diejenige in Aigle ,, 850 Zusammen an Z ü r i c h als Entschädigung für Erfüllung der vom Bunde eingegangenen Verpflichtung, jährlich mindestens 250,000 Sälmlinge in das Stromgebiet des Rheins einzusezen .

.

.

.

.

.

Total

,,

1050

. 1000 Fr. 3050

Außer diesen Subsidien pro 1878 wurden aus dem Kredit für das Berichtjahr auch noch diejenigen für 1879 verabfolgt und zwar: an S c h a f f h a u s e n für die Fischzuchtanstalt bei Neuhausen Fr. 800 an Waadt für die Fischzuchtanstalt de la Vallée du Joux Fr. 500 für diejenige in Vallorbes .

.

,, 150 für diejenige in Aigle .

.

.

,, 150 an

Zusammen Z ü r i c h gemäß eingegangener Verpflichtung Fr. 1000, und überdieß als Prämie für anderweitige Leistungen Fr. 300, zusammen .

.

Total

,,

800

,,

1300

Fr. 2900

Die Leistungen der künstlichen IFisch/ucht im Betriebsjahr waren dagegen folgende :

Kanton.

ZngerröthelAeschenSeeforellenFlnßforellenLachs-Eier.

Eier.

Eier.

Eier.

E£Mtrig Salmo Thymallus Trutta Salär.

L.

Trutta Fario L.

Agass.

Salvelinus L. vnlgaris Nils.

Tratta

110,000 20,400 Schaffhausen 783,000 Waadt Zürich

Total

913,400

Zusammen. Nach Abzug des Abganges bleiben :

220,000

659,000

--

195,000

1,184,000

947,600

550

249,600

3,300°

165,350

439,200

351,400

--

--

789,500

652,500

3,300

360,350

2,412,700

1,951,500

-- 220,550

6,500 915,100

Ueber die Kosten stehen uns leider nur unvollständige Angaben zu Gebote; um aber solche für die Zukunft zu erhalten und auch über andere Punkte eine gleichförmige Berichterstattung zu ermöglichen, ließ das Departement vom eidgenössischen Fischerei-Experten ein Schema für die bei der Anmeldung zu Beiträgen abzugebenden Berichte aufstellen.

Gemäß den zwischen der Schweiz, Baden und Elsaß-Lothringen wechselseitig eingegangenen Verpflichtungen wurden im Frühjahr 1879 von den drei genannten Staaten im Ganzen 1,416,000 aus künstlicher Zucht gewonnene junge Salmen in das Stromgebiet des Rheins ausgesezt; die Einrichtungen einiger vom Bunde subventionirter schweizerischen Fischzuchtanstalten bedürfen indessen, um des Erfolges sicher zu sein, noch etwelcher Verbesserung.

Es erübrigt uns noch, der getroffenen Maßnahmen zur Betheiligung der Schweiz an der im April 1880 in Berlin stattfindenden internationalen Ausstellung von Produkten der See- und Binnenfischerei Erwähnung zu thun.

i-i O3 CO

164 Nachdem wir die uns von der deutschen Gesandtschaft bereits zu Ende des Jahres 1878 zugegangene Einladung sammt Programm im Bundesblatt publizirt und überdies die Kantonsregierungen noch speziell auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht hatten, theilte uns die schweizerische Gesandtschaft in Berlin unterm 28. August 1879 mit, daß das Ausstellungskomite hohen Werth darauf lege, daß die Ausstellung auch von der Schweiz beschikt werde und namentlich die schweizerischen Pelchenarten in Probe-Exemplaren vorgelegt werden. Dagegen wurde das Anerbieten gestellt, schweizerischen Fischzüchtern Eier von einzelnen nur in Norddeutschland vorkommenden Maränenarten zu überlassen.

Wir haben diesem Begehren entsprochen, indem wir das Handelsund Landwirthschaftsdepartement vorläufig ermächtigten, für die Felchen-Ausstellung Fr. 250 zu verwenden und Herrn Nationalrath Dr. Sulzer zu beauftragen, die Frage einer systematischen Betheiligung der Schweiz, namentlich mit Rüksicht auf das durchzuführende Progamm und die erforderlichen Kreditgewährungen, zu begutachten. Wir haben das bezügliche Programm unterm 11. November 1879 genehmigt und zur Durchführung desselben um Erhöhung des Kredites für Fischerei sub F. IX. 3 um Fr. 1650 nachgesucht. Nach Genehmigung desselben wurde sodann das Programm sammt Einladungsschreiben zur Betheiligung sämmtlichen Kantonen zugestellt. Das Nähere hierüber fällt in die Berichterstattung für das laufende Jahr.

Die verdankenswerthen Anerbietungen des deutschen Fischereivereins, größere Quantitäten befruchteter Eier der geschäzten Maduimaräne für die Tessiner Seen zu bestimmen, gaben Veranlassung zu Untersuchungen darüber, ob die Existenzbedingungen der Feichenarten (Corregoni), vor Allem das Vorkommen der Tiefseefauna, in den italienischen Seen vorhanden seien. Da dies wenigstens in Bezug auf den Lago maggiore unzweifelhaft nachgewiesen ist, so wird für das Departement die Aufgabe erwachsen, die Verpflanzung dieser werthvollen Fischarteu zunächst in den Lago maggiore und nachher vielleicht auch in den Lago di Lugano zu versuchen, wodurch im Falle des Gelingens der Ertrag der Fischerei dieser Seen sehr bedeutend gehoben würde.

XIV. Auswanderiwgswesen.

  1. Unterm 25. November haben wir die Ehre gehabt, Ihnen einen Gesezentwurf betreffend den Geschäftsbetrieb von Auswanderungsagenturen vorzulegen und damit Ihrer Einladung vom 11. Juni 1877 Folge zu leisten. Wir beschränken uns hier darauf, auf die

165 den Entwurf begleitende Botschaft und den Auszug aus den über dieselbe Materie erlassenen Gesezen der Kantone und fremden Staaten (Bundesblatt 1879, Bd. III, S. 929) zu verweisen.

2. Außer mit den Vorarbeiten für diesen Entwurf hatte die Bundesbehörde auf dem Gebiete des Auswanderungswesens noch eine Reihe anderer Geschäfte zu erledigen, worunter auch einige Klagen über die Spedition von arbeitsunfähigen Leuten nach überseeischen Staaten. Wir geben uns, im Hinblik auf den Art. 10 des Ihnen unterbreiteten Gesezentwurfes, der die Fälle aufzählt, in denen den Agenturen die Spedition von Auswanderern verboten ist, der Hoffnung hin, daß solche Beschwerden, deren Begründetheit zwar nicht immer nachgewiesen werden konnte, mit Annahme des Gesezes sieh nicht wiederholen werden.

3. Vom schweizerischen Grütliverein ist das Gesuch gestellt worden, wir möchten auf das seiner Zeit von der Regierung von Kanada gemachte Anerbieten (Bundesblatt 1879, II, 202), behufs Abordnung eines schweizerischen Experten, der die Frage der Ansiedlung von Schweizern daselbst zu prüfen hätte, 1500 Dollars zur Verfügung zu stellen, zu Gunsten des Grütlivereins verzichten.

Dieser habe sich die Regelung der schweizerischen Auswanderung zur Lebensaufgabe gemacht und sei bereit, die von der Regierung von Kanada an jene Offerte geknüpften Bedingungen zu erfüllen.

Wir erwiderten hierauf, daß wir nicht im Falle seien, dem Gesuche zu entsprechen und den Verein der Regierung von Kanada für Ausführung eines Projektes zu empfehlen, welches aufzunehmen die Bundesbehörde selbst nicht für gut befunden habe. Ein weiteres Gesuch des genannten Vereins, es möchte ein angemessener Beitrag für das Auswanderungswesen, speziell zum Zweke der Unterstüzung von befähigten und sachkundigen Experten, welche die Verhältnisse der schweizerischen Auswanderer zu untersuchen und dabei Bericht zu erstatten hätten, bewilligt werden, wurde von uns an die nationalräthliche Büdgetkommission gewiesen.

4. Unterm 30. Dezember 1878 hat die Regierung von Schaffhausen es der Gemeinde Trasadingen freigestellt, bezüglich der Kosten, welche durch den Rüktransport eines auf der Reise nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika begriffen gewesenen Bürgers genannter Gemeinde erwachsen sind, den Regreß auf einen anderen Bürger derselben zu nehmen. Dieser hatte nämlich ersteren als geistesschwach und mittellos denunzirt und dadurch die Gesandtschaft der Vereinigten Staaten in Bern zu Maßnahmen veranlaßt, welche den Rüktransport des Ausgewanderten von Amtswegen nach Trasadingen zur Folge hatte. Gegen diese Schlußnahme der Regierung

166

von Schaffhausen rekurrirte der Betreffende, indem er geltend machte, daß die Auswanderung des ersteren nicht hätte gestattet werden sollen, weil derselbe armengenössig, geistesschwach, bevogtet und ' an einer Hand verstümmelt sei, und daß übrigens nicht er, der Beschwerdeführer, die Gesandtschaft zu Maßregeln gegen die Weiterreise veranlaßt habe, wofür er eine Erklärung derselben vorlegte.

Wir sind auf diesen Rekurs nicht eingetreten, weil die in Folge der Maßnahmen der amerikanischen Gesandtschaft auf administrativem Wege vorgenommene Untersuchung herausgestellt hat, daß die Behauptung, der Ausgewanderte sei geistesschwach und zur Auswanderung ungeeignet, grundlos war, und weil die Frage, ob die Kosten des Rüktransports zu restituiren seien und wer für dieselben einzustehen habe, nach kantonalem Recht zu entscheiden war und nicht in die Kompetenz des Bundesrathes fiel.

5. Im Berichtjahr wurde die Aufmerksamkeit des Bundesrathes auf die bedeutende Propaganda gelenkt, welche das Mormonenthum vom Territorium Utah aus durch Emissäre, wie in Europa überhaupt, insbesondere auch in der Schweiz mache, sowie auf die in lezter Zeit ganz beträchtliche Emigration, welche alljährlich von daher nach der Salzseestadt stattfinde. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Polygamie, wie sie in Utah bestehe, sich hauptsächlich aus diesem Zufluß aus Europa rekrutire Damit wurde das Gesuch verbunden, der Bundesrath möchte dem Treiben jener Agenten in der Schweiz Einhalt thun und die Abreise solcher Personen, welche sich dem Mormonismus anzuschließen gedenken, verhindern.

Wir erwiderten hierauf, daß wir nicht verkennen, daß in der Schweiz, wie auch anderwärts in Europa, für das Mormonenthum Propaganda gemacht worden sei. Weit entfernt aber, daß dies auch nur unter stillschweigender Billigung der Behörden geschehen, sei die Polygamie durch die schweizerische Gesezgebung aufs Strengste verpönt und jeder Fall, der zur Kenntniß gelangt, sei je nach den Umständen bestraft worden. So lange aber die amerikanischen Geseze betreffend Unterdvükung der Polygamie auf Utah-Territory nicht Anwendung finden, so lange also die Quelle des Uebels nicht verstopft sei, so lange werde dessen Wirkung, d. h- die Auswanderung nach dem Mormonengebiete, nicht aufhören.

6. Gleichzeitig hiermit kam ein die Verderblichkeit des Mormonenthums illustrirender Fall zu unserer Kenntniß. Ein Landmann aus dem Kanton Bern theilte uns mit, daß seine Tochter am 21. Juni 1879 mit anderen durch einen gewissen Flamm für das Mormonenthum gewonnenen Personen gegen den Willen ihrer Eltern nach Utah ausgewandert sei. Damit verband er das Gesuch,

167 wir möchten die nöthigen Schritte thun, daß seine Tochter, die ·durch die traurigsten Erlebnisse von ihren Illusionen gründlich geheilt worden sei, von Utah wegziehen und zu ihrem in Shanesville im Staate Ohio lebenden Oheim übersiedeln könne.

Den energischen Bemühungen des mit der Angelegenheit von uns betrauten schweizerischen Generalkonsulats in Washington und des Oheims gelang es zu Anfang laufenden Jahres, die Irregeleitete aus Utah weg und nach Ohio zu bringen.

7. Endlich erwähnen wir noch, daß auf Veranlassung von Berichten schweizerischer Konsulate wir auch im Berichtjahre des öftern im Falle waren, vor Auswanderungen nach Gegenden zu warnen, über deren Verhältnisse im Publikum vielfach irrthümlichejyieinungen verbreitet worden.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht des Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung, betreffend seine Geschäftsführung im Jahre 1879.

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Jahr

1880

Année Anno Band

2

Volume Volume Heft

12

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

20.03.1880

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1-167

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