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Schweizerisches Bundesblatt.

XXV. Jahrgang. III.

Nr. 46.

# S T #

18. Oktober 1873.

B ericht des

Schweiz. Generalkonsuls in Batavia (Hrn. Heinrich Schellenbaum von Winterthur) über das Jahr 1872.

(Vom März 1873.)

An den hohen Schweiz. Bundesrath.

E r s t e r Theil.

§ 1.

Lage im Allgemeinen und Handelsgesetzgebung.

Das abgelaufene Jahr 1872 kann in vielen Beziehungen für unsere Colonie zu den günstigen gerechnet werden.

E x p o r t . Die hauptsächlichsten für den europäischen Markt bestimmten Produkte des Archipels ergaben nicht nur befriedigende Ernten, sondern hielten sich auch meistens auf den bereits bestehenden hohen Preisen oder stiegen, wie Kaffee und Tabak, noch fortwährend im Werth. Die meisten landwirtschaftlichen Unternehmungen warfen daher recht gute Resultate ab; es ist jedoch eine eigenthümliche Erscheinung, daß trotzdem der Werth der Ländereien nur wenig höher anzunehmen ist, als letztes Jahr, und dass Bundesblatt. Jahrg. XXV. Bd. III.

64

954 sich im Allgemeinen noch immer wenig Unternehmungsgeist zeigt.

Es scheint, daß, nachdem man in frühern Jahren in diesem Punkte zu leichtsinnig verfahren ist, jetzt gerade das Gegentheil sich geltend macht.

Die Ernte des Hauptartikels für die inländische Consommation, Reis, ist dagegen durchschnittlich ungünstig ausgefallen, was die Preise dieses für die inländische Bevölkerung so wichtigen Nahrungsmittels sehr in die Höhe trieb und in der zweiten Hälfte des Jahres bereits einen ungünstigen Einfluß auf das Import-Geschäft hatte.

Import-Geschäfte, speziell in Baumwollenwaaren, waren etwas befriedigender als im vorhergehenden Jahre, da die in den frühern Berichten hervorgehobenen Uebelstände, zu große Lager und Unsolidität der zweiten Hand, nicht mehr in dem gleichen Maße sich fühlbar machten. Es ließ sich auch in der ersten Hälfte des Jahres ansehen, als ob eine allgemeine Besserung eintreten wollte, und es konnten auch viele Artikel wieder auf einigermaßen lohnende Preise gebracht werden; der Ausfall in der Reisernte machte sich aber kurz nach Beendigung derselben geltend; und da die Bevölkerung alsdann ihr Geld für den Ankauf der theuer gewordenen Lebensmittel nöthig hatte, nahm der Absatz der' meisten europäischen Baumwollenwaaren rasch ab, und Preise fielen wieder auf das frühere Niveau zurück und gingen sogar in vielen Fällen noch tiefer. Unter diesen Umständen schloß das Jahr für diese Branche auf wenig befriedigende Weise.

Dagegen fanden nur wenige und kaum nennenswerthe Fallimente statt, was hauptsächlich eine Folge der durch frühere schlechte Erfahrungen hervorgerufenen Vorsicht ist. Es ist nur zu hoffen, daß die Importeurs in Folge der günstiger gewordenen Verhältnisse nicht aufs Neue in den alten Fehler verfallen und durch reichlicheres Ertheilen von Crediten wieder die zweite Hand veranlagen, über ihre Kräfte zu operiren.

Auf Exports zurückkommend, so hat, wie bereits im letztjährigen Bericht angedeutet, das Zucke r-Geschäft in Folge der Abschaffung der Gouvernementseultur eine gänzliche Umänderung erfahren, indem jetzt in der Regel die ganze Ernte bereits im Anfange des Jahres durch Contrakte in andere Hände übergeht, während früher die Geschäfte sich großentheils auf die GouvernementsAuktionen basirten, die zu bestimmten Zeiten im Laufe des Jahres stattfanden.

Das Produktengeschäft im Allgemeinen hat durch die starke Benutzung der telegraphischen Communikation mit Europa, sowie

955 durch die neuen Steamerlinien einen großen Impuls erhalten, indem die Operationen mit größerer Sicherheit und viel rascher als bisher vor sich gehen. Allerdings haben dabei die Chancen auf großen Gewinn sehr abgenommen.

Das agrarische Gesetz, siehe Bericht von 1870, ist, obwohl schon längst publizirt, noch immer nicht in Kraft getreten, und es sind verschiedene Bestimmungen desselben inzwischen wieder abgeändert worden.

Durch die Créditeurs der Oost-Indischen Maatschappy van Administratie und Lyfrente ist inzwischen ein Akkord angenommen worden. Von den dieser Maatschappy gehörenden Ländereien sind im Laufe des Jahres einige verkauft worden, welche jedoch lange nicht mehr die früheren Ankaufspreise aufbrachten.

Im Punkte der Handelsgesetzgebung ist dieses Jahr nichts Neues vorgefallen.

Im Monat Januar fanden auf vielen Plätzen der Nordküste in Folge andauernder heftiger Regen Ueberschwemmungen statt in einem Grade, wie sie bisjetzt noch selten vorgekommen, und es war auf Batavia die chinesische Stadt total und ein Theil der europäischen ebenfalls überschwemmt. Eigentlich schlimme Folgen, wie Krankheiten u. A., haben diese Ueberschwemmungen nicht gehabt, obschon man sich darauf gefaßt gemacht hatte.

Im April und den darauf folgenden Monaten fand der Ausbruch des Vulkans ,,Merapi" statt, der bedeutende Verwüstungen der in seinem Bereiche gelegenen Dörfer und Plantagen zur Folge hatte.

Im Monat October fanden auf mehreren Plätzen von Mitten-Java Erdbeben statt.

Im Monat Mai wurde eine militärische Expedition nach Delhi (Sumatra) veranstaltet, um einige aufrührerische Völkerschaften zum Gehorsam zu bringen, was denn auch nach nicht unbedeutendem Widerstande derselben geschah.

Ungefähr um dieselbe Zeit wurde ein Traktat mit England publizirt, laut welchem Holland seine Besitzungen an der Westküste von Guinea an England abtritt, letzteres dagegen gänzlich auf alle Ansprüche auf Sumatra verzichtet und Holland mit Bezug auf diese Insel gänzlich freie Hand läßt.

Im August machte der Großfürst Alexis von Rußland einen Besuch auf Batavia.

956 § 2.

Erzeugnisse der Landwirtschaft, Bergwerke und Industrie.

Da die genauen Resultate der Ernten von 1872 erst im Laufe dieses Jahres bekannt gemacht werden, so können dieselben erst im nächstfolgenden Bericht mitgetheilt werden, und wir geben diesmal die Ergebnisse von 1871 auf Gouvernement. Particulier.

Total.

Kaffee Picols 445,720 50,140 495,860 Zucker ,, 1,124,774 1,435,331 2,560,105 Tabak ,, 141,830 Thee Amst. % 2,540,575 Indigo Picols 3,280 Zimmt Amst.

ÏÏ 41,625 ' Die Kaffee-Ernte ist sehr ungünstig und noch unter der sehr niedrigen Taxation ausgefallen, dagegen ist das Resultat der 1872er um so günstiger, und letztere kann als eine wirklich sehr gute Ernte bezeichnet werden.

Die Zuckerernte von 1871 ist als eine günstige anzunehmen, wurde aber doch noch von der diesjährigen (1872) übertroffen.

Das Gleiche kann vom Tabak gesagt werden, welches Produkt in jeder Beziehung vortheilhafte Resultate lieferte.

Von Thee und Indigo wurden i. J. 1872, wie aus folgenden approximativen Angaben zu ersehen ist, ebenfalls größere Quantitäten produzirt als im vorhergehenden Jahre; dagegen wird die Quantität Zimmt von 1872 nur auf die Hälfte derjenigen von 1871 taxirt.

Folgendes sind die Taxationen der 1872er Ernte : Gouvernement. Particulier.

Total.

Kaffee Picols 988,306 99,280 1,079,586 Zucker ,, 2,736,446 Tabak ,, 144,082 Thee Amst. S 3,192,508 Indigo Picols 7,500 Zimmt Amst. S 20,500 Ueber R e i s können auch diesmal keine Angaben gemacht werden; soviel kann jedoch gesagt werden, daß die 1872ar Ernte eine schlechte war, hauptsächlich infolge der während der Westmousson im Uebcrmaße gefallenen Regen und den daraus erfolgten Ueberschwemmungen.

957 Mit Ausnahme weniger SpezialSorten, die gewöhnlich nach Europa exportirt werden, ist an keine Ausfuhr zu denken, und es werden, um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken, bedeutende Quantitäten Reis aus Saigon eingeführt werden, da sonst Mangel an Nahrungsmitteln entstehen würde. Bis zur Absendung dieses Berichtes sind bereits ca. l Million Picols Saigon-Reis hier eingeführt worden. Ob die nächstjährige Ernte besser ausfallen wird, ist unbestimmt, da die bereits sehr lange anhaltende Trockenheit die Cultur dieses Produktes sehr benachtheiligt. Reispreise bleiben voraussichtlich noch längere Zeit sehr hoch, wenn sie auch bei Annäherung der Ernte etwas hinuntergehen werden.

G o u v e r n e m e n t s - A u k t i o n e n . Das Gouvernement verkaufte.

im verflossenen Jahre, wie gewohnt, 100,000 Picols Kaffee liier auf Auktion und wird im Jahre 1873 ein gleiches Quantum hier auf den Markt bringen. Die Auktionen auf Padanz von Sumatra-Kaffee betragen jährlich annähernd dasselbe Quantum.

Die Produktion von Banca-Zinn betrug im Jahre 1372 68,147. 68 Picols, die von Billiton 49,850. 50 Picols; ersteres wird für Rechnung des Gouvernements nach Holland zum Verkauf gebracht, letzteres hier für Rechnung einer Gesellschaft auf Auktion verkauft.

§ 3.

Die Total-Einfuhr auf Java betrug im Jahr Baumwollenmanufakturen .

Baumwollengarne .

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.

Eisen Blattkupfer .

.

.

.

Stali!

Blei Zink Steinkohlen .

.

.

.

Steinzeug .

.

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Cognac Wein (Bordeaux u. Rothweine) Bier .

.

.

, .

Genièvre (Wachholder-Branntwein) .

.

.

.

Butter Schinken Käse

1872 an: 75,737 Kisten u. Ballen.

8,819 Ballen.'

157,870 Säcke u. Bündel.

1,411 Kisten.

6,136 Colli.

2,722 ,, 6,812 ,, 37,752 Tons von 20 Cwt.

19,170 Colli.

15,100 Kistchen.

59,037 Fäßer u. Kisten.

34,431 ,, ,, ,, 48,152 Kisten.

63,445 Fäßchen.

23,014 Stück.

15,159 n

958 Provisionen und div. Getränke 62,868 Colli.

. 238,883 Kistchen.

Seife . 23,003 Fäßer u.' Säcke.

Mehl Eisenwaaren .

. 4,005 Colli.

Kohltheer . 5,472 Fäßer.

.

. 2,010 ,, Schwedischer Theer . 4,460 Colli.

Glaswerk . 7,585 Kisten.

Leinöl . 5,372 Säcke.

Weizen .

4,204 Leggers.

Arrak . 16,404 Fäßchen.

Eiserne Nägel . . .

Eis .

. 3,308 Tons.

Petroleum . 76,052 Kisten.

. 4,878 Ballen. .

Säcke (Kaffee) Hierunter sind nicht begriffen diejenigen Quantitäten, welche für Rechnung des Gouvernements durch die Nederlandsche Handelmaatschappy eingeführt wurden.

Die Ausfuhr in 1872 betrug: Particulière: Kaffee 264,722 Zucker 2,924,169 Reis 146,123 Arrac 3,589 Rotang 49,379 Pfeffer 19,973 Gomme élastique .

.

.

1,503 Häute 312,276 Tabak 207,493 Indigo 496,452 Muskatnüsse .

.

.

.

7,186 Foeliè . . . . . .

1,538 Gomme Damar .

.

.

13,630 Gutta Percha .

.

.

.

9,469 Oelkuchen .

.

.

.

123,258 Zimmt 202 Zinn 43,956 Handelemaatschappy: Kaffee 681,064 Zucker 539,878

Picols.

,, ,, Leggers.

Picols.

,, ,, Stück.

Picols.

Amst.

Picols.

,, ,, ,, ,, ,, ,, Picols.

,,

959 Arrac Rotang Gomme élastique Häute .

.

Tabak Indigo Muskatnüsse .

Foeliè .

.

Gomme Damar Gutta Percha .

Zinn

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

400 Leggers.

14,007 Picols.

5 ,, 15,235 Stück.

8,290 Picols.

403 ,, 3,402 ,, 328 ,, 693 ,, 1,092 ,, 90,602 ,,

Vermehrung und Verminderung der Ein- und Ausfuhr.

Die Einfuhr des Jahres 1872 ergibt eine Vermehrung gegenüber 1871 auf folgenden Artikeln: .

6,031 Kisten u. Ballen.

Baumwollenmanufakturen Blei (früher nicht aufgeführt .

2,722 Colli.

. 5,813 ,, Steinzeug 815 Kistchen.

Cognac .

.

.

.

. 18,023 Fäßer u. Kisten.

Wein .

.

.

.

. 10,681 ,, ,, ,, Bier .

.

.

.

.

9,113 Fäßchen.

Butter .

.

.

.

1,379 Stück.

Schinken .

.

.

.

148 ,, Käse .

.

.

.

Provisionen und Getränke . 15,918 Colli.

. 110,657 Kistchen.

Seife .

.

.

.

97 Fäßer.

Kohltheer 539 ,, Schwedischer Theer .

2,041 Colli.

Glaswaaren 287 Kisten.

Leinöl .

.

.

.

2,386 Ballen.

Säcke .

.

.

.

Dagegen eine V e r m i n d e r u n g auf den folgenden: Baumwollengarne .

.

.

898 Ballen.

Eisen 84,625 Stäbe u. Bündel.

Blattkupfer .

.

.

.

616 Kisten.

Stahl .

.

.

.

. 4,877 Colli.

Zink 15,148 ,, Steinkohlen .

.

.

.

4 0 9 Tons.

Genièvre 10,856 Kisten.

Mehl 9,309 Fäßer.

Weizen 3,774 Säcke.

960 Legger 738 Stück.

Eiserne Nägel .

.

.

.

2,832 Fäßchen.

Eis 535 Tons.

Petroleum .

.

.

. 13,718 Kisten.

An Produkten wurde durch den particulière!! Handel m e h r ausgeführt als im Jahr 1871 : Zucker 736,681 Picols.

Rottang 17,800 ,, Pfeffer 9,863 ,, Gomme élastique .

.

1,156 ,, Tabak 64,493 ,, Muskatnüsse .

.

.

.

659 ,, Gutta Percha .

.

.

.

4,607 ,, Zinn 1,462 ,, wogegen m i n d e r folgende Artikel : Kaffee 515 Picols.

Reis 149,299 ,, Arrac 1,936 Leggers.

Häute 92,074 Stück.

Indigo 15,070 Amst. S Foelie 53 Picols.

Gomme Damar .

.

. 2,673 ,, Oelkuchen .

.

.

. 58,321 ,, Zimmt 244 ,, Bei der Ausfuhr der Handelmaatschappy findet folgendes Verhältniß statt: Mehr als im Jahr 1871: Arrac .

.

.

.

.

4 0 0 Leggers, Tabak 5,201 Picols.

Indigo 188 ,, Muskatnüsse .

.

.

. 1°822 ,, Gomme Damar .

.

.

678 ,, Gutta Percha .

.

.

.

443 ,, Zinn 37,586 ,, Weniger als in 1871: Kaffee 21,994 Picols.

Zucker 427,761 ,, Rottanz 6,193 ,, Gomme élastique .

.

.

4 ,, Häute 12,757 Stück.

Foelie 182 Picols.

961

§ 4Einfuhr «ins der Schweiz.

Ueber die Bedeutung dieser. Einfuhr ist es beim Maugel an aller Statistik unmöglich, genaue Angaben zu machen; indessen läßt sich im Allgemeinen anführen, daß dieselbe lange nicht mehr so bedeutend ist, wie in früheren Jahren.

Im Anfange des Jahres 1872 zeigte sich eine bessere Stimmung für Fancy Goods im Allgemeinen, und obschon von schweizerischen Artikeln noch immer alte Lager vorhanden waren, die auch bis heute noch nicht verschwunden sind, so waren dieselben doch nicht im Stande, der beginnenden Besserung Einhalt zu thun. Für verschiedene Genres besserten sich die Erlöse; und wenn auch dieselben in vielen Fällen noch keineswegs befriedigend waren, so ließ sich doch annehmen, daß bei sich gleichbleibenden Verhältnissen man bald wieder auf gute Resultate zählen könne. Indessen gingen diese Erwartungen leider nicht in Erfüllung. Nachdem sich im Juli und August eine recht lebhafte Frage gezeigt, machte sich auf einmal der Einfluß der ungünstigen Reisernte geltend, und es trat allgemeine Stille ein, welche auch gegen Ende des Jahres, wo das Geschäft gewöhnlich eine Zeitlang wieder auflebt, nicht unterbrochen wurde. Infolge dessen gingen Preise nach und nach wieder zurück, und es sind nur wenige Genres, die sich halten konnten. Ob sich dies im Jahre 1873 wieder ändern wird, ist unbestimmt; so lange die Reispreise hoch bleiben, wird der Absatz von Importen nie zu seiner vollen Entwicklung gelangen können.

B a t i k - A r t i k e l aus den Kantonen Glarus und Zürich fanden im Vorjahr zu steigenden Preisen prompten Absatz, und es waren die Aussichten für den Artikel überhaupt sehr günstig, bis sich in der zweiten Hälfte des Jahres die Lage änderte. Trotzdem Preise nun wieder niedriger geworden sind und der Absatz schleppend von Statten geht, ist die Lage des Artikels gerade keine ungünstige, und man kann annehmen, daß, sobald sich das Geschäft überhaupt wieder etwas belebt, für den Markt passende Waare sich prompt und vortheilhaft verkaufen wird. Große Lager sind nicht mehr vorhanden, wenn auch die alte Waare noch nicht gänzlich ausverkauft ist.

B u n t g e w o b e n e W a a r e n aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Aargau und Zürich haben noch immer nicht die Wichtigkeit wieder erlangt, die sie früher hatten. Der Consum der früher courantesten Genres hat sich auf eine auffallende Weise vermindert, oder hat fast ganz aufgehört; so s. B. wird nach Ila. Buzzis Sa-

962 ronzo, wovon früher monatlich große Quantitäten umgesetzt wurden, garnicht mehr gefragt. Die Ursache besteht nach unserer Meinung in der Vermehrung der inländischen Fabrikation infolge der billigen Garnpreise, sowie auch in der Ueberhandnahme der Druckartikel.

Unter diesen Umständen sind die von früher her restirenden Lager noch immer groß zu nennen, und es werden dieselben wohl nicht so schnell geräumt werden. Auf eine energische Besserung des Artikels ist somit, auch wenn die Umstände besser werden, vorläufig nicht zu rechnen, doch sind wir deßwegen doch der Meinung, daß die Lage desselben sich nur bessern und nicht verschlechtern wird.

Diejenigen Genres, welche, allerdings bei beschränktem Geschäfte, ordentliche Resultate ergaben, sind Buzzis Saronzo la. und Spezialqualitäten, Kainpandjanzo Ila., sowie einige Sorten Ginghams und Mouchoirs; nach allem Andern war sehr wenig oder gar keine Frage.

Türkischrothe Artikel aus Zürich und Glarus waren im verflossenen Jahre etwas günstiger gestellt als i. J. 1871, indem die Concurrenz von Seite der schottischen Fabrikanten weniger stark war. Infolge dessen besserten sich die Preise ein wenig und würden weiter vorausgegangen sein, wenn im zweiten Halbjahre das Geschäft eben nicht von den hohen Reispreisen zu leiden gehabt hätte.

Wir glauben, daß, wenn sich die Fabrikanten etwas Mühe geben, .in bedruckten Stoffen, speziell Stückwaare, mit der Zeit wieder ein ordentliches Geschäft zu machen sein wird. Für Kainpandjanzo, Saronzo etc., la. Waare, hat der Consum sehr abgenommen, hauptsächlich wegen der Concurrenz durch die billigen englischen Fabrikate.

Im Allgemeinen, und speziell mit Bezug anf die vosausgehenden Artikel, für welche unser Markt von großer Wichtigkeit ist, müssen wir auf einen Uebelstand aufmerksam machen, welcher der weitern Entwickelung des geschäftlichen Verkehrs mit der Schweiz im Wege steht.

Mit Rücksicht auf die erleichterten Verkehrsmittel und der immer mehr überhand nehmenden Versendung der Waaren per Steamer ist es sowohl für den Importeur hier, als für den Aussender in Europa doppelt nöthig, die Bestellungen für Java mit der möglichsten Schnelligkeit ausführen zu lassen, um nicht hinter, der Concurrenz zurückzubleiben. Jetzt, wo Telegraph und Steamer zur Verfügung stehen, kann die Ausführung von Waaren nicht mehr, wie früher dies geschah, Jahre lang verschoben werden. Wenn sich Nachfrage nach einem Artikel zeigt, so ist der Importeur jetzt in den Stand gestellt, derselben in verhältnißmäßig kurzer Zeit entsprechen zu können, und wer die gewünschte Waare zuerst auf

963 den Markt bringt, wird natürlich bessere Resultate bedingen als derjenige, der erst hintendrein kommt. In dieser Beziehung sind schlechte Resultate jetzt eben weniger dem Markte zur Schuld anzurechnen, als der Langsamkeit der Ausführung.

Mousseline Artikel von St. Gallen und Appenzell spielen noch immer nur eine sehr bescheidene Rolle. Viele Artikel, die sich früher mit Nutzen verkaufen ließen, werden nicht -mehr consumirt, und es ist das Geschäft im Allgemeinen beschränkt.

Rothgarn. Hievon sind Anfuhren aus der Schweiz sehr unbedeutend.

Seidenwaaren von Zürich und Seidenbänder von Basel ließen sich bei kleinen Quantitäten befriedigend verkaufen.

Strohhüte aus dem Kanton Aargau wurden wiederholt eingeführt, ließen aber meistens Verlust, da die betreffenden Genres nicht für den Markt paßten. Feine Panamahüte, wenn genau nach den Anforderungen des Marktes gearbeitet, würden, sich hier vortheilhaft verkaufen.

Lakirtes Leder findet in kleinen Quantitäten vortheilhaften Absatz.

Uhren, Bijouterien un Spieldosen von Genf und Neuchâtel konnten kleine Quantitäten billiger Waare zu ordentlichen Preisen abgesetzt werden.

Bienenwachs wurde nicht mehr eingeführt; bei der großen Bedeutung des Artikels für unsern Markt würde ein weiterer Versuch zu empfehlen sein.

Provisionen (Eßwaaren). Wir bestätigen hierüber ganz das im letzten Bericht Gesagte*) und haben demselben nichts beizufügen.

§ 6.

Yeränderungen in den Ansätzen der Ein- und Ausfuhrzölle.

Die Taxationen dieses Jahres stimmten ungefähr mit denjenigen des vorhergehenden überein.

Das bereits früher erwähnte Gesetz betreffend Aufhebung der Differenzialzölle und Reduktion der Zölle im Allgemeinen ist inzwischen zu Stande gekommen und wird per 1. Januar 1874 in Ausführung gebracht werden. Während jetzt fremde Baumwollenwaaren 16 °/o und holländische mit Certifikat von Ursprung 10 °/o *) Siehe Bundesblatt v. J. 1872, Band II, Seite 913.

964

bezahlen, wird nächstes Jahr der Zoll für Beide auf 6 °/o heruntergesetzt. Diese Reduktion ist scheinbar eine sehr bedeutende, wird aber in Wirklichkeit wohl nicht so groß sein, da man so ziemlich sicher annehmen kann, daß die Taxationen bedeutend erhöht und sehr wahrscheinlich eine totale Aenderung erfahren werden, welche natürlich möglichst zu Gunsten des Gouvernements sein wird.

Näheres ist indessen noch nicht bekannt.

Dagegen wird die Gleichstellung der fremden mit den holländischen Waaren eine große Revolution auf unserm Markte hervorbringen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die englischen Grey und white Goods den holländischen eine sehr scharfe Concurreuz macheu werden, daß die Letztern Mühe haben werden, sich von den Erstem nicht verdrängen zu lassen. Was Fancy Goods betrifft, so kommt die schweizerische Industrie im Gegensatz zur holländischen in eine günstigere Stellung, und wir hoffen, daß dieses dem Verkehr zwischen der Schweiz und Java einen starken Impuls geben wird. Es ist zwar anzunehmen, daß die holländische Industrie ihre Anstrengungen verdoppeln wird, um auch ohne Schutzzoll mitconcurriren zu können, aber die schweizerische wird von der günstigem Stellung, die ihr eingeräumt wird, ohne Zweifel auch zu profiüren wissen.

Was Produkte betrifft, so wird sich infolge der neuen Maßregel unser Markt nach und nach bis auf einen gewissen Punkt vom holländischen Markte emanzipiren, welche Tendenz übrigens schon seit einiger Zeit vorlag.

§ 8.

Eisenbahnen und Verkehrswege.

Die Linie Samaranz-Djokdja ist im Mai dieses Jahres fertig geworden, und es wurde die Strecke Solo-Djokdja im Juni eröffnet und dem Verkehr übergeben.

Die kleine Strecke Batavia-Buitenzorg ist auch dieses Jahr wieder nicht fertig geworden. Dieselbe wurde seitdem am 1. Februar 1873 endlich eröffnet.

Es ist allerdings im Plan, ganz Java mit einem Eisenbahnnetz zu versehen, was für die Entwicklung unserer Colonie von ungeheurem Vortheil wäre, und hoffentlich auch einmal zu Stande komme» wird. Gewöhnlich dauert es sehr lange, bis solche Unternehmungen zur Ausführung kommen, und es wird dieselbe vielleicht erst einer künftigen Generation aufbehalten sein.

Der hiesige Tramway wird häufig benutzt und bietet ein billiges Verkehrsmittel dar.

965 Die Dampfbootvcrbindungen mit der Küste sind dieselben geblieben; je alle fünf Tage gehl, und kommt ein Boot nach und von Soerabaya, welches die dazwischen liegenden Plätze ebenfalls berührt. Mit den Hauptplätzen von Sumatra, Bornéo, Celebeo und den Molukken bestehen regelmäßige Verbindungen.

Wir erhalten und versenden monatlich zwei europäische Mails per Messageries und zwei mit der P. & 0. Company, so daß wöchentlich eine Mail ankommt und eine weggeht.

Die Dampfschifffahrt nach Australien wird nächstens zu Stande kommen; die Vorbereitungsmaßregeln dazu sind im Gange.

Die Fahrten dei- Dampfbootgesellschaft ,,Nederlanda zwischen Holland und Java waren dieses Jahr glücklicher; es sind gegenwärtig vier Steamers in der Fahrt. Bereits ist eine ConcurrenzCompagnie aufgetaucht, welche bisjetzt zwei Steamers in die Fahrt gebracht hat.

Da der vermehrte Steamerdienst eine Verbesserung der Rhede dringend nothwendig macht und überhaupt Löschen und Laden hier oft mit anderswo unbekannten Schwierigkeiten verbunden sind, wurde von der Regierung die Anlegung eines Hafens beschlossen und bereits die nöthigen Vorarbeiten angefangen; es ist sehr zu wünschen, daß dieses Projekt mit Energie ausgeführt werde.

Zu den im letzten Berichte erwähnten Telegraphenlinien ist keine neue hinzugekommen. Der Dienst über Java geht ziemlich regelmäßig, während die Verbindung mit Sumatra oft unterbrochen ist. Die telegraphische Verbindung mit .Europa 'wird stark benutzt und arbeitet sehr gut.

§ 9.

Banken.

Außer der unter der Aufsicht der Regierung stehenden JavaBank sind hier Filialen der Ned. Ind. Handelsbank, der Chartered Bank of India, Australia & China und der Chartered Mercantile Bank. Letztere ist erst in diesem Jahre eröffnet worden. Wahrscheinlich wird auch eine Branche der Oriental Bank hier gegründet worden. Dagegen ist die hiesige Agentur der Rotter dänischen Bank aufgehoben worden. Soviel bekannt, haben die hier bestehenden Banken dieses Jahr befriedigende Resultate ergeben.

§ 10.

Zins- und Discontofuss.

Die Fluktuationen dieses Jahres waren gering, und es war der Disconto für Wechselsctr. meistens ungefähr 6 °/0. o Es ist dies

966

niedriger, als auf den meisten Plätzen von Indien und China und.

beweist im Allgemeinen die wenige hier bestehende Unternehmungslust.

§ 11.

Versicherungen.

An Versicherungsgesellschaften und Agenturen von solchen auf hiesigem Platze fehlt es nicht; die Resultate i. J. 1872 waren durchschnittlich befriedigend.

Zweiter Theil.

§ 1.

Immigration.

Eine Immigration im Sinne des Wortes, wie z. B. in Amerika, besteht hier nicht; zudem ist die Bevölkerung hier meistens eine flottante, und der abgehende Theil derselben wird durch den neu ankommenden ersetzt. Doch läßt sich ein successive!- Zuwachs derselben beobachten.

Unter den diesjährigen ankommenden Truppentransporten waren nur wenige Schweizer. Da das hiesige Leger überzählig war, wurden eine zeitlang keine fremden Militärs angenommen. Wahrscheinlich war dies die Ursache des stark verbreiteten Gerüchtes, es würden überhaupt keine fremden Militärs mehr geduldet, und es würden die hier anwesenden nach Hause geschickt werden. Das Consulat hatte in Bezug hierauf eine Masse Anfragen zu beantworten. Es wäre sehr zu wünschen, daß sich keine Schweizer mehr für den hiesigen Dienst anwerben ließen; ungewohnte Verhältnisse und schlechtes Beispiel ruiniren Manchen physisch und moralisch. Doch können diejenigen, welche es ernstlich wollen, hier eine ganz ordentliche Existenz finden, und es werden solche Leute auch stets, wo es sich thun läßt, bevorzugt.

§2.

Schweizer-Gesellschaften.

Es besteht hier ein bereits in den frühern Berichten erwähnter Leseverein, welcher aus den meisten dem Handelsstande angehörenden Schweizern besteht, dessen Mitgliederzahl jedoch selten zehn übersteigt. Unter einigen schweizerischen Soldaten hat sich unter Mitwirkung des Consulates ein ähnlicher kleiner Verein gebildet.

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Bericht des Schweiz. Generalkonsuls in Batavia (Hrn. Heinrich Schellenbaum von Winterthur) über das Jahr 1872. (Vom März 1873.)

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