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Schweizerisches Bundesblatt.

XXV. Jahrgang. II.

Nr. 32.

12. Juli 1873.

J a h r e s a b o n n e m e n t (portofrei in der ganzen Schweiz): 4 Franken.

E i n r ü k u n g s g e b ü h r per Zeile 15 Rp. -- Inserate sind franko an die Expedition ei u zuwenden.

Druk und Expedition der Stämpflischen Buchdrukerei in Bern.

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Bundesrathsbeschluss in

Sachen des Rekurses der Maria Kessler, von Galgenen, betreffend Verweigerung von Legitimationspapieren.

(Vom 15. April 1873.)

Der s c h w e i z e r i s c h e B u n d e s r a t h hat in Sachen der Maria K e ß l e r , von Galgenen, Kts. Schwyz, betreffend Verweigerung von Legitimationspapieren ; nach angehörtem Berichte des Justiz- und Polizeidepartements und nach Einsicht der Akten, woraus sich ergeben : I. Die Gemeinde Galgenen weigerte sich, der Rekurrentin, welche sich in Genf aufhält, einen Heimatschein auszustellen, und dio Regierung des Kantons Schwyz erklärte mit Beschluß vom 11/21. Januar .1873 diese Weigerung für begründet, weil Mariaa Keßler in Folge eines Paternitätsurtheiless der Gemeinde Fr. 50 Geldstrafe, sowie dem Bezirke March einen kleinen Betrag für die Prozeßkosten schulde, und gemäß § 7, Ziff. 3 der Verordnung des Kantons Schwyz vom 5. August 1864 die Ausweisschriften einer Person verweigert werden können, wenn ihre GläubigerEinsprache; machen und Gefahr obwalte, daß sonst die wirksame; Verfolgung der Ansprache unmöglich oder sehr erschwert würde.

II. Mit Eingabe vom 15. Februar 1873 rekurrirte Maria Keßler an den Bundesrath, indem sie geltend machte, daß in dieser Verweigerung der Schriften aus bloß fiskalischen Gründen (une nach Bundesblatt Jahrg. XXV. Bd. II.

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1004 Art. 41 der Bundesverfassung unzuläßige Beschränkung des persönlichen Verkehres liege.

Die Gemeinde Galgenen entgegnete mit Schreiben vom 27.

Februar 1873, daß es sich darum handle, die Geldstrafe, resp. die gegen die Rekurrentin eventuell ausgesprochene Gefangenschaftsstrafe von 6 Tagen zur Vollziehung zu bringen. Die zu diesem Zweite getroffene Verfügung sei nach der kantonalen Gesezgebung gerechtfertigt und sei nicht im Widerspruch mit Art. 41 der Bundesverfassung.

Die Regierung' des Kantons Schwyz ihrerseits bemerkte mit Schreiben vom 28. März 1873, daß sie glaube, an ihrem Beschluß vom 11/21. Januar 1873 festhalten zu sollen.

I n E r w ä g u n g- : 1) Der Rekurs der Maria Keßler müßte allerdings als begründet erklärt werden, wenn und soweit es sich um Bezahlung von Prozeßkostea handeln würde, da diess ganz in die Kategorie der gewöhnlichen persönlichen Ansprachen (Art 50 der Bundesverfassung) fallen müßte, für welche ein Arrest auf Ausweispapiere nicht gelegt werden darf; 2) dagegen stellt sich der Rekurs als unbegründet dar, soweit es sich um Vollstrekung eines polizeilichen Strafurtheils handelt, gleichviel, ob die Strafe in Buße oder Gefängniß bestehe. Jeder Kanton ist nämlich berechtigt, bei Verbrechen und Vergehen das Arrestverfahren anzuwenden und festzuhalten, bis der Kontravenient die ihm von der kompetenten Bahörde auferlegte Strafe erstanden hat ; beschlossen: 1. Es sei der Rekurs als unbegründet abgewiesen.

2. Sei dieser Beschluß der Regierung des Kantons Schwyz, sowie der Rekurrentin, Maria Keßler, Dienstmagd in Genf, unter Kuksendung der Akten mitzutheilen.

Bern, den 15. April 1873.

Namens des schweizerischen Bundesrathes, Der B u n d e s ' p r ä s i d e n t :

Ceresole.

Der Kanzler der Eidgenossenschaft: ScMess.

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Bundesrathsbeschluss in

Rekurssache des Herrn Augustin D üb e y in Gletterens, Kts. Freiburg, betreffend Gerichtsstand in Ehesachen.

(Vom 6. Juni 1873.)

Der s c h w e i z e r i s c h e B u n d e s r ath hat in Sachen des Herrn Augustin D ü b e y in Gletterens, Kts. Freiburg, betreffend Gerichtsstand in Ehesachen ; nach angehörtem Berichte des Justiz- und Polizeidepartements und nach Einsicht der Akten, woraus sich ergeben : I. Mit Eingabe an den Bundesrath vom 3. März 1873 erhob Hr. Advokat Stöcklin in Freiburg, im Namen des Herrn Augustin D u b e y, Beschwerde gegen ein Urtheil des bischöflichen Gerichtshofes der Diözese Lausanne vom 14. Februar 1873, womit der Leztere in contumaciam von seiner Ehefrau Marie geb. Dubey auf unbestimmte Zeit von Tisch und Bett geschieden worden war.

Zur Unterstüzung dieser Beschwerde machte Hr. Stöcklin geltend : Der bischöfliche Gerichtshof mache sich einer Verfassungsverlezung schuldig, indem er sich die Gerichtsbarkeit in Ehesachen beilege. Der Rekurrent anerkenne zwar, daß ein Kanton berechtigt wäre, diese Gerichtsbarkeit dem geistlichen Forum zu überlassen, allein dieses sei im Kanton Freiburg nicht geschehen. In Art. 59 der Verfassung sei vielmehr bestimmt, daß die Rechtspflege durch

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Bundesrathsbeschluss in Sachen des Rekurses der Maria Kessler, von Galgenen, betreffend Verweigerung von Legitimationspapieren. (Vom 15. April 1873.)

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1873

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32

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12.07.1873

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1003-1005

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