ST

Schweizerisches Bundesblatt.

XXV. Jahrgang. IV.

Nr. 50.

15. November 1873.

J a h r e s a b o n n e m e n t (portofrei in der ganzen Schweiz): 4 Franken.

Einrükungsgebühr per Zeile 15 Rp. -- Inserate sind franko an die Expedition einzusenden.

Druk und Expedition der Stämpflischen Buchdrukerei in Bern.

# S T #

Bericht der

schweizerischen Gesandtschaft in Paris über die Verwendung der ihr aus der Schweiz zugekommenen Liebesgaben für die durch den Krieg in Frankreich bedürftig gewordenen Schweizer.

(Vom 10. Juli 1873.)

Hochgeachteter Herr Bundespräsident !

Hochgeachtete Herren Bundesrathe!

Unterm 10. Juli 1872 hatte ich die Ehre, Ihnen einen einläßlichen Bericht über die Verwendung der in der Schweiz zu Gunsten unserer zu Opfern des Kriegs gewordenen Landsleute in Paris, gesammelten Liebesgaben vorzulegen.

Sie geruhten, jenes Aktenstük nebst den Beilagen im Bundesblatt zu veröffentlichen.*) Heute habe ich die Ehre, die Uebersicht über die diesfalls vom 1. Juli 1872 bis 30. Juni 1873 gemachten Ausgaben nebst den bezüglichen Rechnungen Ihrer Würdigung zu unterbreiten.

  1. Rechnungswesen.

1.

Einnahmen.

Der verfügbare Saldo auf 1. Juli 1872 betrug (vergleiche die Beilage zum Bericht vom 10. Juli 1872) .

.' Fr. "54,914. 38 *) Siehe Bundesblatt v. J. 1872, Band II, Seite 177, 249.

Bundesblatt. Jahrg. XXV. Bd. IV.

17

242

Uebertrag Fr. 54,914. 38 Diese Summe ist bei einem Bankhause in Paris zinstragend in laufender Rechnung angelegt worden.

Die Zinsen vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 1872 beliefen sich auf .

.

.

. F r . 629.05 Unter dem nämlichen Datum wurde für Reisebillets zu halber Taxe, zurükvergütet .'

.

.

.

.

.

,, 185.50

Die Gesammteinnahmen während des 1. Semesters des Rechnungsjahrs betragen also ' ,, Im 1. Semester von 1873 haben die Personen, die von der Gesandtschaft Vorschüsse erhalten hatten, dieselben zurükvergütet mit .

. Fr. 530. -- Verschiedene neue Gaben belaufen sich auf .

.

.

.

.

41. -- ,, Die in laufender Rechnung angelegten Gelder brachten zu 3% vom 1. Januar bis zum 30. Juni 1873 an Zins ein .

.

.

.

,, 486. -- Die Schweiz. Hilfsgesellschaften in Paris und die Betheiligten haben für von der Gesandtschaft vertheilte Reisebillets zurükvergütet den Betrag von ,, 1767.47 Endlich hat die Schweiz. Wohlthätigkeitsgesellsehaft in Paris. den Saldo der ihr von der Gesandtschaft anno 1871 gemachten und nicht völlig verwendeten Vorschüsse zurükerstattet mit ,, 3174.90 Die Gesammteinnahmen des 1. Semesters von 1873 betragen also .

,,

814. 55

5,999. 37

und die während des Rechnungsjahrs 1872/73 zur Verfügung stehenden Gelder beliefen sich mithin auf Fr. 61,728. 30

243 II. A u s g a b e n .

  1. Die Gesandtschaft verausgabte vom 1. Juli bis «um 31. Dezember 1872 in Form direkter Unterstüzungen Fr. 8160.90 und vorn 1. Januar bis 30. Juni 1873 ,, 2976.15 zusammen Fr. 11,137. 05 2. Sie vertheilte an anonymen Gaben unter Zuziehung einer eigenen Kommission vom 1. Juli bis 31. Dezember 1872 Fr. 4891.25 vom 1.Januar bis 30. Juni 1873 . ,, 2965.-- zusammen

,,

7,856. 25

3. Sie. bezahlte den Eisenbahngesellschaften laut Rechnung (Beilage Lit. B) vorn 1. Juli bis 31. Dezember 1872 Fr. 6573. 40 ,, 1.Januar ,, 30. Juni 1873 ,, 4428.40 zusammen ,, 11,001.80 ·4. Verschiedenes : vorn 1. Juli bis 31. Dezember 1872 Fr.

,, 1. Januar ,, 30. Juni 1873 ,,

615.25 228.80 844.05

Total der Ausgaben bis zum 30. Juni 1873 . Fr. 30,839.15 Kassensaldo auf 30. Juni 1873: a. bei der Gesandtschaft .

. Fr. 1,422. 30 b. bei Hentsch & Comp. laut Contocorrent, Beilage C .

.

. ,, 29,466.85 Verfügbarer Saldo auf 30. Juni 1873

,, 30,889.15

Gleich den Einnahmen Fr. 61,728. 30 In der als ,,verschiedene Ausgaben" im 2. Semester von 1872 aufgeführten Summe von Fr. 6154. 25 ist ein Betrag von Pr. 450 inbegriffen, welchen die Gesandtschaft an Johann Hübschi ausrichtete und welcher von den in Beilage A, Ziff. II. 11 zum Bericht vom 10. Juli 1872 (S. 13 des gedrukten Berichts) aufgeführten Ausgaben zu speziellen Zweken, abgezogen worden ist, weil er nicht auf das

^T^P^"

244

Haben des Contocorrents der Gesandtschaft mit der Bundeskanzler aufgenommen werden konnte. Diese Berichtigung fand infolge Ver1 ständigung mit der Bundeskanzlei statt.

&

B. Verwendung der Fonds.

Wie ich bereits in meinem Bericht vom 10. Juli v. J. hervorhob, mußte die Aufgabe derjenigen, welche berufen sind, die uns von unserm Mutterland in so reichlichem Maße zur Verfügung gestellten Gelder zu vertheilen, sich .in dem Maße beschränken, als die Ereignisse, welche diese Kundgebung der öffentlichen Liebesthätigkeit veranlaßt hatten, mehr zur Vergangenheit wurden, und auch in dem Maße als unsere Hilfsmittel sich von Fr. 461,924. 78 auf Fr. 54,914. 38 reduzirten. Die direkten Opfer des Krieges, diejenigen, nämlich, welche Familienglieder oder ganz oder theilweise ihr bewegliches Eigenthum verloren hatten, mußten nothwendigervveise für unsere Vorsorge in erster Linie stehen. Die Ausgaben des Rechnungsjahrs 1872/73 vertheilen sich nach folgenden Rubriken.

I. Durch den Krieg Verwaiste.

Die Gesandtschaft mußte darauf Bedacht nehmen, mit größter Sorgfalt die verschiedenen schweizerischen Familien zu ermitteln, welche ihre Stüze infolge des französisch-deutschen Krieges oder der Kommune-Ereignisse in Paris, verloren hatten. Sie mußte darauf die Lage jeder diese1- Familien, ihre materiellen und moralischen Bedürfnisse, die Arbeitsfähigkeit der Kinder und die Mittel, nach Möglichkeit die verlerne Stüze ihnen zu ersezen, prüfen. Vorläufig und in dringenden Fällen, nach Maßgabe des Bedürfnisses, wurden allmonatlich vor Fassung eines endgültigen Beschlusses, provisorische Unterstüzunaren verabreicht.

O Die Kommission, welche seit Ende des Kriegs der Gesandtschaft ihre Mitwirkung zur Vertheilung der anonymen Gaben an verschämte Arme lieh und welche stets bei allen wichtigen Anläßen berathen wurde, hat zu zwei verschiedenen Malen einläßliche Mittheilungen über die Lage jeder der betheiligten Familien erhalten. Sie ist zur Ueberzeugung gelangt, einerseits, daß es nicht statthaft war, jezt schon die jeder Waise zukommende Summe zu bestimmen, sondern daß es vielmehr erforderlich war, Pensionen im Verhältnis zu den augenblikliehen Bedürfnissen auszusehen unter dem Vorbehalt, sie später zu erhöhen oder zu vermindern, andrer-

245 seits, daß es wünschenswert ist, die Waisen soviel als möglich bei Gliedern ihrer Familien zu belassen, soweit nicht Anforderungen höherer Art oder Gesundheitsrüksichten dem entgegentreten. Die Kommission glaubte im Fernern, nicht die nämliche Summe für alle Waisen annehmen, n noch ihnen das nämliche Kapital aussehen zu dürfen, sondern je nach dem Bedürfnis ihrer Lage in jedem einzelnen Falle über den besten Unterstüzungsmodus sich berathen zu sollen. Sie meinte endlich, ihre Dazwischenkunft beschränken zu müssen, wenn die Waisen Paris verlassenhatten;; nichts destoweniger hat sie den Wittwen,> welche vorzogen, O O i unsere schweizerische Kolonie zu verlassen, urn sich anderswo anzusiedeln, ziemlich bedeutende Summen gewährt.

Man hat also unter den jungen Schweizern, welche der Krieg in Paris betroffen hat, zwischen denjenigen, deren Eltern noch dort wohnen und denen, welche Paris verlassen haben, zu unterscheiden.

Die Gesandtschaft hat 21 Kriegswaisen unterstüzt. Die für sie bereits verausgabten Gelder belaufen sich auf Fr. 6133 und die ihnen zugesprochenen Pensionen auf Fr. 1405 jährlich, wobei die voraussichtlich erforderlichen Erhöhungen für einige dieser Kinder nicht berüksichtigt sind. Die Repartitionsskala wird von der Kommission alljährlich revidirt werden, welche nach den neuen Bedürfnissen und der veränderten Lage jeder Familie entscheiden wird.

II.

Kriegsschaden an beweglichem Eigenthum.

Im Bericht vom 10. Juli 1872 (S. 10. Ziff. 2) war von der Notwendigkeit gesprochen worden, einige Fonds für diejenigen unserer Landsleute aufzubehalten, deren Wohnungen, Ernten etc., in Folge des deutsch-französischen Kriegs und der Commune Schaden gelitten hatten.

Seither hat die Gesandtschaft von Seite der französischen Regierung die offizielle Erklärung erhallen, daß die Schweizer auf dem gleichen Fuße wie die Franzosen an den von der Nationalversammlung zu Gunsten der Opfer des Kriegs dekretirten Subventionen participiren können. Indeß hat die Nationalversammlung erst vor Kurzem die vom Staate der Stadt Paris zu diesem Zweke bewilligte Summe definitiv festgesezt. Mittlerweile hatte die Schäzung des Schadens durch Experte, stattgefunden und war dann der Prüfung einer Departementalkommission unterstellt worden. Bis jezt sind die an spät bewilligten Hilfsleistungen von der französischen V errwalt ltung' erst d e n eigentlichen Armen ausgerichtet worden.

246 Zusprechung einer Entschädigung wurden abgewiesen, weil die Betreffenden nicht durchaus dürftig seien. Einige andere haben, wie die Franzosen der nämlichen Kategorie, die Vergütung von 1/8 des von den Experten ermittelten Schadens erhalten.

Man mußte also einer ziemlichen Zahl von Leuten zu Hilfe kommen, deren Mobiliar während der Feuersbrünste zur Zeit der Commune in Paris, sei es in ihrer Wohnung selbst, oder in den Niederlagshäusern,. zerstört worden war. Eine junge Näherin aus dem Kanton Waadt hatte ihre Effekten in ihrem Zimmer in der Straße Boissy d'Anglas zurükgelassen, und fand bei ihrer Rükkehr nur deren Asche vor. Ein Schreiner aus dem Thurgau sah alle von ihm angefertigten Gerätschaften in Flammen aufgehen. Ein Klavierlehrer aus dem Kanton Freiburg, welcher sich eben in Paris niedergelassen hatte und dessen Hausgeräth noch in den Entrepôts généraux von La, Villette lag, hat von der Stadt Paris, troz vielfältiger Bemühungen meinerseits, die Berüksichtigung seiner Reklamationen noch nicht erlangen können u. s. w. u. s. w.

Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich daraus, daß die von der Nationalversammlung votirten Summen bis heute noch nicht als auch auf diejenigen Personen anwendbar haben erklärt werden können, deren .Habe von der französischen Armee für die Verteidigung von Paris gegen die Deutschen zerstört worden ist. Der Staat ist laut der Erklärung des Kriegsministers, der sich dabei auf ein Dekret aus dem Jahr 1853 über den Belagerungszustand stüzte, ermächtigt, ohne Entschädigung das Eigenthum zu zerstören, wenn die Verteidigung des Landes es in einem im Belagerungszustand ' befindlichen Departement erheischt. Die französische Militärverwaltung verweigerte daher einem Genfer Pächter, dessen Scheuern zerstört, dessen Baumpflanzungen (20,000 Fuß Bäume) geschlagen, dessen Haus in Brand gestekt worden waren, alles auf Befehl der französischen Militärverwaltung, alle und jede Entschädigung.

Die Gesandtschaft hat alles gethan und wird noch Alles thun, was von ihr abhängt, um von der zuständigen Behörde die Gleichbehandlung der schweizerischen Angehörigen mit den französischen Bürgern zu erlangen; in Gewärtigung der Lösung dieser administrativen Konflikte indessen war sie genöthigt die betroffenen Landsleute zu unterstüzen. Sie hat zu diesem Zwek mehr als 6000 Franken verausgabt und hat sich dabei der Unterstüzung der schweizerischen Hilfsgesellschaft für französische Landwirthe behufs Zusendung von Pflänzlingen und Sämereien an diejenigen unserer Landsleute, welche deren bedurften, erfreut.

247 111.

Anonyme Unterstüzungen an verschämte Arme.

Die hauptsächlich für diejenigen unserer Landsleute, welche als Dürftige zu betrachten besondere Verhältnisse nicht gestatteten, verwendeten Gaben beliefen sich am 30. Junil872 auf Fr. 110,677. 25.

Von dieser Summe waren mir Fr. 47,000 mit der speziellen Bemerkung übermittelt worden, sie seien auf anonyme Weise zu vertheilen. Die Kommission, bestehend aus den Präsidenten oder Vizepräsidenten der schweizerischen Hilfsgesellschaften in Paris, hat auch in diesem Jahre fortbestanden und für obigen Zwek Fr. 7856. 25 Rp. verausgabt. Ihre gesammten Ausgaben seit ihrer Kreirung beliefen sich also auf Fr. 118,538. 50. Die Ausgaben dieses Jahres betrafen fast ausschließlich Kriegswaisen und Personen, deren Habe während der kriegerischen Ereignisse zerstört worden war. Ich konstatire bei diesem Anlaß mit Vergnügen, daß von den zur Kriegszeit gemachten Vorschüssen uns, Dank der gefälligen Verwendung- eines eifrigen Mitglieds unserer Kommission, der Betrag von Fr. 530 zurük vergütet worden ist.

ö IV.

Heimschaffungen.

Auch dieses Jahr sind entgegen allen Erwartungen die Arbeiten auf dem Plaz Paris nur unvollständig wieder aufgenommen worden. Obschon die Presse diese Thatsache wiederholt konstatirt, hat doch eine große Zahl unserer Landsleute, namentlich jüngere, der Versuchung nicht widerstehen können, in die große Kapitale zu kommen. Nach einigen Monaten, oft schon nach einigen Wochen, waren sie von allen Hilfsmitteln entblößt. Mehr als irgend sonst hat mir die Polizei solche junge Leute zur Verfügung gestellt, die Nachts auf den öffentlichen Pläzen und auf den Bänken der öffentlichen Promenaden, ohne Asyl und ohne Existenzmittel aufgegriffen worden waren, und welche etappenweise von der Gensdarmerie an die Grenze geführt worden wären, wenn die Gesandtschaft nicht über einige Hilfsmittel verfügt hätte, die ihr gestatteten, sie auf der Eisenbahn heimzudirigiren. Dieser Stand der Dinge ist bedauernswerth. Unsere Hilfsgesellschaften werden mehr als je in Anspruch genommen; man hat sie während der Belagerung kennen gelernt; man hat gewisse Bettelgewohnheiten angenommen; ihre Hilfsmittel reichen zur Noth noch aus. Es wäre daher angemessen, wenn der Bundesrath heuer in den bedeutendsten schweizerischen Zeitungen einen Aufruf erlassen würde, um unsere Landsleute nachdrüklich von der Reise nach Paris zu warnen, wenn sie nicht zuvor sicher sind, sofort Anstellung zu finden. Diejenigen, welche

248 die Zusicherung einer Anstellung nicht haben, sollten auf diese Reise verzichten. Denn unsere derzeitigen Hilfsmittel erlauben uns nicht, auch fürderhin so starke Ausgaben für Reissunterstüzungen zu machen. Andernfalls müßten wir uns darauf beschränken, einen kleinen Vorschuß zu machen und wie dies vor dem Kriege geschah, ' die kräftigen Mannspersonen ihre Reise nach der Schweiz zu Fuß machen zu lassen.

Während der sechs lezten Monate von 1782 wurden den Eisenbahngesellschaften für 398 Personen Fr. 6573 bezahlt, während der ersten sechs Monate dieses Jahres haben 272 Personen von der Gesandtschaft Billets zu ermäßigter Taxe erhalten, was eine Ausgabe von Fr. 4428. 40 veraalaßte. Total 670 Billets und Franken 11,001. 80 Rp. diesbezügliche Ausgaben.

Wenn man diese 670 im Rechnungsjahr 1872/73 vertheilten Billets zu den 7922 Billets zählt, welche vorher seit dein Beginn des Kriegs an Schweizerbürger ausgegeben worden sind, so ergibt sich die Zahl von 8592 heirngeschafften Schweizern. Wenn man dazu noch die 6709 Badenser und Bayern zählt, welche vor der Belagerung von Paris durch Vermittlung meiner Gesandtschaft in ihre, Heimat geschafft wurden, so beträgt die Gesammtzahl der ausgegebenen Billets Fr. 15,301.

Die kaiserlich deutsche Regierung hat, wie Sie wissen, ihre Zustimmung dazu ertheilt, daß auf den elsässisch-lothringischen Bahnen zu Gunsten dürftiger Schweizer Billets zur halben Taxe ausgegeben werden. Diese Vergünstigung ist sehr vortheilhaft für die Route Belfort-Basel. Troz verschiedener Bemühungen habe ich von der Direktion jener Bahnen die bezügliche Rechnung auf den 30. Juni, d. J. nicht erhalten können. Jedenfalls ist die bezügliche Summe nicht bedeutend (Fr. 53. 90 Rp.)

Die französischem und schweizerischen Gesellschaften haben mit wahrhaft rühmlichem Wohlwollen fortwährend die Heimkehr unserer unglüklichen Landsleute erleichtert und ich benüze jede Gelegenheit, um ihnen meinen lebhaften Dank dafür auszusprschen.

Um die für unsere Hüfskasse so nachtheiligen Wirkungen der beträchtlichen, durch die zu bewerkstelligenden zahlreichen Heimschaffungen veranlaßten Ausgaben zu mildern, habe ich erlangt: 1) Daß die schweizerische Wohlthätigkeiisgesellschaft in Paris mir die Summe von Fr. 3174 90, welche sie zu meiner Verfügung gelassen hatte (vergi. S. 6, lit. B., Ziffer 3 meines Berichts vom

249

10. Juli 1872), zurükerstattete. Jener Betrag rührte, wie Sie sich erinnern, von den genannter Gesellschaft durch meine Gesandtschaft im November 1871 gemachten Vorschüssen her. Diese Vorschüsse waren nicht vollständig verwendet und der Saldo war in beiderseitigem Einverständnisse dazu bestimmt worden, meiner Gesandtschaft die Kosten für die Reisebill'ets zu erleichtern; 2) daß die Gesandtschaft nicht mehr genöthigt ist, alle Heimschaffungskosfcen ausschließlich auf ihre Rechnung zu nehmen. Mit Anfang März d. J. haben die beiden schweizerischen Hilfsgescllschaften in Paris wieder angefangen, wie vor dem Kriege, Reisebons auszustellen. Doch gibt auch fürderhin die Gesandtschaft, um das Rechnungswesen zu erleichtern und die Beziehungen zu den Eisenbahngesellscha.l'ten zu vermeiden, die Billets aus; dafür erhält sie monatlich von den beiden schweizerischen Hilfsgesellscbaften Vergütung für die von ihr ihnen gemachten Vorschüsse.

V. Beziehungen zu schweizerischen Hilfsgesellschaften in Paris.

Es sind heuer der schweizerischen gegenseitigen Hilfsgesellsehaft und der schweizerischen Wohlthätigkeitsgesellschaft keine Vorschüsse gemacht worden. Die leztere hat auch den Betrag von Fr. 3174. 90, über den sie auf den ihr früher zugestellten Gelder nicht verfügt hatte, zurükerstattet.

Der frühere Modus der Vertheilung der Unterstüzungen, wie er vor dem Kriege bestand, ist wieder hergestellt worden, doch haben die beiden Gesellschaften die Nothwendigkeit erkannt, eine Zentraliigentur zu errichten, welche über die zu unterstüzenden Personen, über die von der einen oder der andern unserer Gesellschaften den Ansprechern bereits bewilligten Beträge Erkundigungen einzuziehen, und schweizerischen Privatpersonen, welche die Mitwirkung des Agenten zur Vertheilung ihrer Unterstüzungen behufs Erlangung besserer Sachkenntniß in Anspruch zu nehmen im Falle sind, sich zur Verfügung zu stellen haben. Die jährlichen Berichte unserer Gesellschaften werden Ihnen über die Details dieser Organisation, sowie über die erlangten Ergebnisse Rechenschaft geben.

Dies sind, Herr Präsident, Herren Bundesrathe, die hauptsächlichsten Punkte, auf welche ich Ihre Aufmerksamkeit zu richten wünschte. Was die weitere Verwendung des auf den 30. Juni d. J.

verfügbaren Saldos betrifft, so ist dieselbe bereits durch die Anträge geregelt, welche ich die Ehre hatte. Ihnen am 10. Juli vorigen Jahres zu unterbreiten. Es bleibt mir noch übrig, Sie anzufragen,

250

ob Sie es nicht für passend erachten würden, wenn nicht diesen ganzen Bericht, so doch die Generalrechnung im Bundesblatt zu veröffentlichen, um so die freundlichen Geber in den Stand zu sezen, die Verwendung der Summen zu beurtheilen, welche sie mit so viel patriotischer Liebesthätigkeit unserer Kolonie zur Verfügung gestellt haben.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung.

Paris, den 10. Juli 1873.

Der Minister der Schweiz. Eidgenossenschaft: Kern.

Zur Seite 250.

Schweizerische Gesandtschaft in Frankreich.

B e i l a g e A.

Subskription zu Grünsten bedürftiger Schweizer in Paris.

Generalrechnung der Einnahmen und Ausgaben vom 1. Juli 1873 bis zum 3O. Juni 1873.

Schweiz. Gesandtschaft Generalrechnung der Einnahmen und Ausgaben vom 1. Juli 1872 bis 30. Juni 1873.

E i n n a Ja. m o n.

Saldo in Kasse.

Detail und Datum der Einnahmen.

zinse.

I.Juli 1872.

Fr.

Ct.

54,914

38

1872.

Saldo i n Kasse . . . .

Juli

ErstatErstattungen be- tungen von treffend VorReisebillets.

schüssen.

Kapital-

Ct.

Ct.

Fr.


629 05

45 30 30 35 50 45

629 05

185 50

FT.

--

.

-- .

T o t a l des Halbjahres

54,914

38

.

Fr.

--

--

Ct.

--

Neue Geschenke.

Fr.

--

Ct.

--

Total.

Fr.

Ct.

54,914 45 30 30 35

38 --

674

50 05

55,728

93

3,797

90

80 543 194 488

70 27 70

1873.

Januar, Erstattung des Saldos der ihr i. J. 1871 gemachten Vorschüsse durch die helvet. Gesellschaft Erstattung einer anonymen frlbp

.

.

Von Verschiedenen

.

Mm' Juni

--

--

--

, -- _

--


--


.

. .

März, April 1

-- -- -- -- .

--

T o t a l des Halbjahres 2. Halbjahr 1872

54,914

38

T o t a l der E i n n a h m e n des Jahres 1872--73 .

54,914

38

486 629

1,115

--

3,174 90

--

--

500

--486-

.

--

123 -- 80 530 70 194 27 450 70 388 HO

--

--

-- -- -- --30

13 -- 8


--9 A--

--

1,767 47 185 50

3,704

05

--

90 --

41 --

50

1,952 97

3,704

90

41

8f>


5,tf99 55,728

37 93

61,728

30

1873.

April 18 Mai 5

Juni 4

,,

7

« 19

-

Billets.

161 1 7 1 1 1 7 1 . 5 2 1

i 19 2 34 4 -- 2 2 7 7 1 5

Ct.

Fr.

Ueb ertrag 1 Paris-Genf, /i Taxe, ,, à Fr. 11. 55 ,, VaTaxe, ,, ,, 21. 20 Paris-Besançon, ,, · ,, 13. 85 fl Paris-Pontarlier, ·,, 2. Kl., ,, 21. 05 Paris-Genf, ,, 3. KL, ,, 21. 20 Paris-Pontarlier, ,, ,, ,, 15. 50 ' Paris-Havre, ,, ,, ,, 7. 70 Paris-Genf, ,, ,, ,, 2 1 . 20 Paris-Pontarlier, · ,, ,, ,, 15. 50 Paris-Dijon, .

,, 10. 75 fl fl Nantes-Paris, und Stempel ,, ,, 29. 60 l Paris-Belfort, /i Taxe, ,, ' 15. -- fl V* Taxe, ·,, . ,, 7. 50 ,, V« Taxe, w 15. - .

n Paris-Avricourt, ,, 19. 90 fl fl -- -- Stempel, ,, --.10 1 Paris-Pontarlier, /i Taxe, 2. KL, ^ 21.05 3. KL, ,, 15. 50 Paris-Genf, ·,, 21, 20 fl fl Paris-Pontarlier, ,, ,, ^ 1 5 . 50 Paris-Culoz, ,, 19. n w Paris-Genf, - ,, . , , , r, ^ 21. 20

272 398

T o t a l des 1. Halbjahres 1873 ,, ,, 2.

,, 1872

670

T o t a l des Rechnungsjahres 1872--1873

·

·

·

11

148 13 21 21 108 -- 106 31 10 -- '285 15 510 55 -- 42 62 148 108 19 106 . . .

' Fr.

.

55 40 85 05 20 50 -- -- 75 -- -- --

Ct.

2,567

10

159

95 *J*J

164 7

60 70

147 29

75 60

300

-- 60 10 10 _

/

40 50 -- --

565

70

252

50 *JV

233

50 *J\J

4,428 6,573

40 40

11,001

80

'

*

·

^T

--

Die Konformität bescheinigt, P a r i s , den 1. Juli 1873.

Larcly -, Legationsrath.

.

Kontokorrent bei Hentsch, Lutscher & Cie in Paris auf 30 Juni 1873 zu 3 °/o.

Fr.

Ct.

Fr.

Ct.

An D r Kern bezahlt «n

,,

f>

,,

n

,,

JËLD uar 2

2000

'.

Mai ^3 AIAO.A

1 000

.

. Mai 30

. . Juni 7

Bilanz der Kapitalien Fr. 28,980. 85 Juni 30 Saldo

Fr.

1872.

1873.

2 123

1 230

--

150

2,250

--

158

3,160

--

--

181

52,453

29,466

85

35,966

85

1,500

2,000

Saldo

40

59,133

1Dezember 31

Zinsen zu 3 °jo .

--

Ct.

Fr.

35480

85 Epoque

486

59,133

Ct

·

-- V

\ \ \

--

--

Saldo

18 73 Juni 30

35,966

85

29,466

85

59,133

--

Einnahmen der Gesandtschaft für Heimbeförderungen im Jahr 1872--1873.

1872.

Juli 31 Sept. 30 October31 Nov. 7

11 11

Februar 28 März

6

10

,, 11

31

April ,, ,, Mai

,, Juni n «

,, ,, n

31

Januar 31

11

·n TI

30

1873.

17 28 30 9 9

31 30 25 26

Fr.

.2. H a l b j a h r 1872.

Empfangen v o n Verschiedenen .

.

n n

n n

.

.

.

.

.

.

.

.

.

'

.

.

45

30 30

.

.

vom Schweiz. Konsul in Havre, Heimbeförderung Huguelet .

.

.

.

.

v o n Verschiedenen .

.

.

.

.

11 n .

.

.

.

.

Ct.

123

80

-- -- 70 --

Von der Gesellschaft für gegenseitige Unterstüz. (Mai) Von der helvetischen Gesellschaft (Mai)

-- 57 70 -- 30 40 -- -- 10 70

T o t a l des ersten Halbjahres 1873

. .

·

'

'

T o t a l der E i n n a h m e n des Jahres 1872--1873

50 185

284 51 195 77 56 60 84 341 25 25 43 320

' 1l'

Ct.


20 "50 15 -- 45 --

  1. H a l b j a h r 1873.

Empfangen für die Hcirnbcförderungen Grognuz , Temperli, Storz, Schauer, Gutmann, Ambrosctti, Heu, Müller u n d Chaulemps .

.

.

.

.

.

Empfangen für die Heimbeförderungen Robert, Probst, Scheller, Boeckli, Baumann und Dotta .

Von der helvetischen Gesellschaft für Heimbeförderungen durch d i e Gesandtschaft .

.

.

.

.

Von der Gesellschaft für gegenseitige Unterstüzung V o n Verschiedenen .

.

.

.

.

.

.

Von der Gesellschaft für gegenseitige Unterstüzung Vom Generalkonsul in London, Heimbeförderung Giroud V o n Verschiedenen .

.

.

.

.

.

.

Von der Gesellschaft für gegenseitige Unterstüz. (April) Von der helvetischen Gesellsha!|[ (März und April) Von Verschiedenen .

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Er.

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1,767

47

1,952

97

6,573 4,428

40 40

11,001

80

1,952

97

9,048

83

Zusammcnzug.

A u s g a b e n des 2. Halbjahres 1872 für Abreisen ,, 11873 ,,

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Total der Ausgal-en 1872--1873

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E i n n a h m e n des 2. Halbjahres 1872 für Heimbeförd.

·et · 11 1n 1^73 ,, ,, Total der Einnahmen 1872--1873

185 1,767

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Total der Ausgaben i. J. 1872-1873 für Billets zu /i Taxe

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Bericht der

ständeräthlichen Eisenbahnkommission, betreffend Uebertragung der Konzessionen der Eisenbahn von Bern nach Luzern.

(Vom 13. September 1873.)

Die Bundesversammlung war zu wiederholten Malen im Falle, von der Eisenbahnunternehmung Bern-Luzern Kenntniß zu erhalten, theils in Folge eingelangter Begehren um Genehmigung ertheilter Conzessionen für Bahnstrecken, welche Bestandteile jenes Unternehmens bilden, oder des Uebergangs der Conzessionen der Bahnstrecke selbst an andere Inhaber und Eigenthümer (vgl. u. A. Eisenbahnakten IV. 29, 331, VI. 290 etc.).

Dagegen ist laut Bericht des Bundesrathes vom 8. September 1873 die Genehmigung des Bundes für Uebertragung der einzelnen Conzessionen der Bahnstrecke an die gegenwärtigen Besitzer der Eisenbahngesellschaft Bern-Luzern bis jetzt unterblieben und der Bundesrath ist der Meinung, daß dies nachträglich geschehen solle, weil, wenn auch die Praxis lax gewesen, schon nach Sinn-und Geist des alten Eisenbahngesetzes ohne Einwilligung des Bundes keine Aenderung der Person des Conzessionsinhabers möglich gewesen, und weil im Fernern die AbtretungO der Conzession Gümligen-Langnau O ^ erst mit dem 1. August perfekt geworden sei. Eine Herleitung dieser Befugniß aus dem frühern Gesetz könnte nun freilich nur auf dem Weg compliirter Folgerungen aus positiven Vorschriften,

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Bericht der schweizerischen Gesandtschaft in Paris über die Verwendung der ihr aus der Schweiz zugekommenen Liebesgaben für die durch den Krieg in Frankreich bedürftig gewordenen Schweizer. (Vom 10. Juli 1873.)

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1873

Année Anno Band

4

Volume Volume Heft

50

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

15.11.1873

Date Data Seite

241-251

Page Pagina Ref. No

10 007 936

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