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Aufruf des Bundesrates an das Schweizervolk.

Eidgenossen !

Zur. Entlastung und Unterstützung des Heeres im Kriegsfall hat der Bundesrat die militärischen Hilfsdienste neu organisiert. Durch Erweiterung der Militärorganisation ist die Wehrpflicht bis zum 60. Altersjahr ausgedehnt worden. In Zukunft werden alle arbeitsfähigen Männer, die keinen Militärdienst leisten können, hilfsdienstpflichtig sein. Die bisher dienstuntauglichen Leute vom 20. bis zum 32. Altersjahr werden dieses Jahr einer Nachmusterungunterzogen. Auf eine zwangsweise Heranziehung der älteren Jahrgänge wird verzichtet. Dagegen zählen wir auf eine grosse Zahl von Freiwilligen, bis sich die Neuordnung der Hilfsdienstpflicht voll ausgewirkt haben wird.

Deshalb richten wir an alle weder militärdienstplichtigen noch bis jetzt hilfsdienstpflichtigen Männer vom 33. Alterjahr an, auch an die schon aus der Wehrpflicht entlassenen, die Aufforderung, sich freiwillig zu den Hilfsdiensten zu melden. Dabei sollen Wünsche für die Einteilung berücksichtigt werden..

Früher im Heer eingeteilte Offiziere und Unteroffiziere werden ihrem Grad entsprechend verwendet. Die Armee braucht, uni möglichst viele Kämpfer für die Front einzusparen, eine grosse Zahl Gehilfen aller Art. Jeder arbeitsfähige Mann kann nach seiner besonderen Eignung ein wertvolles Glied in der Landesverteidigung werden.

Die gleiche Aufforderung richten wir an alle Frauen und Mädchen. Die Landesverteidigung ist auf die Hilfe der Frau in hohem Masse angewiesen.

Einerseits werden die Frauen im Kriegsfall die Lücken ausfüllen müssen, die im Wirtschaftsleben durch die Einberufung der Männer zur Armee entstehen -- dazu braucht es keine Anmeldung zu den Hilfsdiensten. Anderseits sind die Frauen berufen, der Armee im Sanitätsdienst, in den Fürsorgeeinrichtungen aller Art und auf vielerlei sonstigen Gebieten nicht nur wertvolle, sondern unentbehrliche Dienste zu leisten. Dafür können sich Frauen und Mädchen zu den Hilfsdiensten melden. Auch sie können dabei erklären, auf welchem Gebiete sie sich zu betätigen wünschen. Durch den Eintritt in die Hilfsdienste werden die Frauen wie Wehrmänner aktive Mitarbeiterinnen an der Landesverteidigung.

Es genügt nicht, Sich erst im Augenblick eines Kriegsausbruches melden zu wollen. Die Organisation muss im Frieden getroffen sein, um für den Kriegsfall von Anfang an einen zuverlässigen Gang zu gewährleisten. Zur richtigen Durchführung der Organisation sollen die Anmeldungen bis zum 1. Juli 1939'

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erfolgen; hingegen können solche auch später jederzeit angenommen werden.

Die Anmeldungen.sind an die kantonalen Militärbehörden zu richten; diese werden für ihr Kantonsgebiet die näheren Weisungen erlassen und sind in der Lage, über Einzelheiten Auskunft zu erteilen.

Der Bundesrat weiss sich mit dem gesamten Schweizervolk einig in der Erkenntnis, dass nur Opferbereitschaft, persönlicher Einsatz aller Männer und Frauen in einem künftigen Kriege, vor dem uns Gott bewahren möge, unsere überlieferten heiligsten Güter: unsere Freiheit und Unabhängigkeit, retten werden.

Eidgenossen, stellt euch jetzt im Frieden schon zur Verfügung, um im Kriegsfall an der Erhaltung des Vaterlandes mitzuhelfen, tretet freiwillig in die Hilfsdienste ein.

Bern, den S.April 1939.

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Im Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident: Etter.

Der Bundeskanzler: Gt. 'Bovet.

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Aufruf des Bundesrates an das Schweizervolk.

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Bundesblatt

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Jahr

1939

Année Anno Band

1

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15

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

12.04.1939

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573-574

Page Pagina Ref. No

10 033 926

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