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Botschaft des

Bundesrathes an die Bundesversammlung, betreffend Zusicherung eines Bundesbeitrages an den Kanton Zürich für die Erstellung eines Hochwasserdammes der Thur, in Verbindung mit der Anlage eines Binnenkanales in den Gemeinden Ueßlingen, Altikon und Thalheim.

(Vom 20. März 1891.)

Tit.

Wir sind im Falle, Ihnen ein Subventionsgesuch vorzulegen, betreffend die Erstellung eines Hochwasserdammes der Thur, in Verbindung mit der Anlage eines Binnenkanales in den Gemeinden Ueßlingen, Altikon und Thalheim. Dasselbe ist uns vom Regierungsrathe des Kantons Zürich mittelst Schreiben vom 17./22. Oktober 1890 eingereicht worden, unter Beifügung einer technischen Vorlage, bestehend aus den das Projekt darstellenden Plänen und einem Kostenvoranschlage im Betrage von Fr. 265,000.

Die nähere Begründung dieses Gesuches ist in dem vorerwähnten Schreiben folgendermaßen angegeben : Schon seit mehreren Jahrzehnten wird die linksseitige Thurebene von der Murgmündung bis in den Gemeindebann Thalheim bei höheren Ständen der Thur überfluthet; infolge dessen werden die Straßen zerstört, Wiesen und Aecker mit Schlamm überführt, die Ernten vernichtet und die Bewohner in großen Schäden, Furcht und Schrecken versetzt. Das Ueberschwemmungsgebiet mißt circa 1200 Hektaren, und es liegen in demselben die Ortschaften Erzenholz, Horgenbach, Feldi und die Höfe Ober-, Mittel- und Unterwyden, sowie die drei Hauptstraßen Frauenfeld-Ueßlingen, Ellikon-Ueßlingen

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und Altikon-Neunforu, auf welchen jeweilen bei Hochwasser der Verkehr unterbrochen wird.

Leider brachte die Thurkorrektion in dieser Beziehung nicht die gewünschte Besserung, denn das neue Flußbett mußte erst nach und nach theils künstlich, theils durch Abschwemmung erweitert werden, und eine Vertiefung des Bettes konnte nicht eintreten, weil das Wasser in der flachen und breiten Thalsohle sich zu sehr ausbreiten kann.

Auch konnte man von Seite des Kantons Zürich nicht an die Erstellung von Hochwasserdämmen denken, so lange der Fluß oberhalb fini Kanton Thurgau) nicht gefaßt war, welche an und für sich schon sehr kostspielige Eindämmung noch den Neubau der Brücke bei Ueßlingen erforderte.

Nachdem diese Brücke nunmehr erstellt ist, haben sich die beiden Regierungen über die Anlage des linksseitigen Hochwasserdammes, sowie eines Binnenkanales von der Rohrbrücke bis in den Gemeindebann Thalheim verständigt. Der Kanal soll sämmtliche Binnengewässer, Tegelbach, Gilgraben, Ellikerbach, aufnehmen und bei km. 18,4 der Thurkorrektion (1770 m. unterhalb der Brücke Altikon) der Thur zuführen. Dadurch wird es möglich, den Damm von der Rohrbrücke bis nach Thalheim ununterbrochen fortzuführen, und es hätte nuis noch das aus Streuland und Niederwald bestehende Gebiet von der A-ltikerbrücke bis zum Dammende durch Stauwasser zu leiden.

Zwar sollte der Damm noch um circa l km, weiter abwärts fortgesetzt werden, weil erst bei km. 17,5 das linksseitige Ufergelände vom Hoehwasser nicht mehr erreicht wird. Allein das nicht sehr breite Ueberschwemmungsgebiel; von km. 17,5 bis 18,e besteht nur aus Wald und Streuland, leidet also durch Uebèrfluthung keinen großen Schaden, und fût- die Fortbewegung der Geschiebe hat die Einschränkung nur auf dem linken Ufer wenig Werth, so lange der Fluß sich über das rechtsseitige Gelände 200 bis 250 m. breit ausdehnen kann.

Das Binnenkanal- und Dammprojekt ist in den mitfolgenden Plänen dargestellt und haben wir denselben nur Weniges beizufügen.

Der im Längenprofll eingezeichnete Niederwasserspiegel (4,io am Pegel in Andelfingen) ergibt ein durchschnittliches Gefäll von 1,5 °/oo. Da der jährlich im Winter eintretende Minimalstand um circa 0,s m. tiefer ist, wurde die Sohle des Binnenkanals 0,* m., die Thursohle 0,7 m. unter jenem Niederwasserspiegel angenommen.

Der Thurdamm steht mit der innern K.ronenkante 80,o m. von der Flußmitte ab und 'die Dammkrone liegt 5,s m. über der ideellen Bundesblatt 43. Jahrg. Bd. I.

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654 Sohle und bei der Altiker-Brüeke noch 0,9 m. über dem im Jahre 1876 beobachteten außerordentlichen Hochwasserstand. Allerdings floß damals nicht sämmtliches Wasser unter der Brücke durch, sondern 'ein Theil auch über das linksseitige Gelände und die Straße.

Nach Beobachtungen bei Andelfingen wurde bisher die Maximalwassermenge der Thur zu circa 1380 m 8 per Sekunde (auf 1724-km 2 Einzugsgebiet oder Ü.s m. auf l km 2 ) angenommen. Für den Abfluß dieser Wassermenge ist bei dem angenommenen Normalprofil nach der Rechnung eine Wassertiefe von 5,o m. erforderlich, wobei die Dammkrone den Wasserspiegel nur noch um 0,8 m. überragen würde. Diese anscheinend geringe Mehrhöhe darf jedoch als genügend betrachtet werden, weil infolge der Eindämmung doch etwelche Vertiefung des "Bettes eintreten wird. Bei der im Normalprofil angenommenen Wassertiefe von 4,s m. ergibt die Rechnung eine Wassermenge von 1291 m8 per Sekunde.

Durch ein weiteres Zurücksetzen des Dammes würde das Durchflußprofil ,,wenig vergrößert, dagegen das Entstehen von Querströmungen, welche deù Abfluß beeinträchtigen und dem Damme gefährlich werden,, begünstigt.

Für den Binnenkanal ist, ob der Einmündung des Ellikerbaches, eine Wassermenge von 21,9 m8 (24,s km 2 Einzugsgebiet à 0,9 m8) unterhalb von 40,i m 3 (j>3,5 km 2 Einzugsgebiet à 0,75 · m8) angenommen. Das Einzugsgebiet ist ziemlich flach ufTd enthält große Riedflächen,J welche einen lanssamen Abfluß der Niederschlage beO O günstigen. Zur Vergleichung diente die Eulach, welche im Jahre 1876 oberhalb Wülflingen bei einem Einzugsgebiet von 74 km 2 circa 35 m 3 oder 0,47 m 3 per km 2 führte.

Zur ^ ^ erstärkung des Thurdanimes auf der Flußseite werden außer der Wippen- und Rasen Verkleidung alle 50 rn. Querwahre erstellt, welche, 2,o m. unter der Dammkrone angesetzt, mit 10 °/o gegen den Fluß abfallen.

Die Kosten für die im Kanton Zürich auszuführenden Bauten werden bei einer Länge des Thurdammes von 3450 m. und des Binnenkanales von 3660 m. zu Fr. 265,000 veranschlagt, nämlich : Vorarbeiten und Bauleitung Fr. 12,000 Grunderwerb ,, 30,600 Erdarbeiten Fr. 130,700 Faschinenarbeiten . . . . ' . .

,, 34,140 Kunstbauten ,, 23,500 » ,, 188,340 Unvorhergesehenes ^ 34,060 . Total

Fr. 265,000

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Die Ausführung wird eine Bauzeit VOQ 2 -- 3 Jahren erfordern und es können die Arbeiten im Kanton Thurgau gleichzeitig durchgeführt werden. Die dortige Regierung hat uns die Erstellung des Dammes bis zur neuen Ueßlinger-Brücke im Laufe des Winters 1890/91 zugesichert.

Wenn wir nun.die Unterstützung dieses Unternehmens durch die Eidgenossenschaft nachsuchen, so haben wir zunächst nachzuweisen, daß die Thur-Dammbaute nicht im Unternehmen der Thurr korrektion, welches durch Bundesbeschluß vom 28. Juni 1882 mit 40 °/o der Kosten subventionirt wurde, in begriffen ist. In den damals an Ihre h. Behörde erstatteten Berichten, sowie in Ihrer Botschaft an die Bundesversammlung, vom 20. August 1881, wird allerdings die Anlage von Hinterdämrnen auf der Grenzstrecke zwischen Zürich und Thurgau besprochen, allein die Ausführung wurde erst für eine spätere Zeit, nach Eintritt der schon von den ändern Arbeiten zu erwartenden Vertiefung des Bettes, vorgesehen.

Die damalige Vorlage bezog sich ausschließlich" auf die Herstellung des innern Profiles oder des eigentlichen Flußbettes, und es war jene Grenzstrecke wie die übrigen zu Fr. 55,000 per km. Flußlänge oder Fr. 27,500 per km. Uferlänge veranschlagt, während die Dammbaute, um welche es sich heute handelt, allein auf circa Fr. 51,600 per km. zu stehen kommt. Die speziellen Kosten des Binnenkauales (Grunderwerb, zum Damm nicht verwendeter Aushub, Uferschutz und Kunstbauten) betragen nämlich Fr. 87,000 und es bleiben für den 3450 m. langen Damm Fr. 178,000.

Die'Ausführung ist gemäß §§ 2 und 3 unseres Korrektionsgesetzes Sache des Staates. Die interessirten Gemeinden haben an die Kosten, nach Abzug des Bundesbeitrages, laut § 9 des citirten Gesetzes einen Drittheil zu übernehmen.

Die Ende August und Anfangs September d. J. eingetretenen Hochwasser haben jenes Gebiet wieder vollständig unter Wasser gesetzt und dringlich gemahnt, diese nothwendige Ergänzung der Thurkorrektion energisch an Hand zu nehmen. Wir bitten daher um wohlwollende Aufnahme unseres Gesuches und möglichst baldige Erledigung desselben.01 Da wir das vorliegende Gesuch, anderweitiger Geschäfte wegen, den h. eidgenössischen Käthen in der verflossenen Dezembersession noch nicht vorlegen konnten, so stellte die Regierung von Zürich mitschreiben vorn 20. Dezember 1890 das Ansuchen, wir möchten sie ermächtigen, vorgenannte Damm- und Binnenkanalbauten längs der Thur auf Gebiet der Gemeinden Altikon und Thalheim schon im laufenden Winter in Angriff nehmen zu lassen, ohne daß die

656 vor der definitiven Erledigung des von ihr eingereichten Subventionsgesuches auszuführenden Arbeiten von der Subventionirung ausgeschlossen würden. Wir haben uns damit einverstanden erklärt, insofern diese Arbeiten technisch richtig durchgeführt und Theile des von ihr eingereichten Projektes bilden würden.

Das Oberbauinspektorat hat die erforderliche Lokal besiehtigung vorgenommen, das Projekt geprüft und sich mit demselben einverstanden erklärt. Der Kostenvoranschlag gibt zu Aussetzungen keine Veranlassung.

Einzig und allein hätte man sich fragen können, ob der Hochwasserdamm nicht noch weiter flußabwärts bis zum Anschluß au das höhere Bord daselbst hätte fortgesetzt werden sollen. Wir glauben aber, zur 'Zeit davon absehen zu können, denn erstens ist das zu schützende Land zum größten Theil nur Streuried, daher von geringem Werthe, und dann ist, so lange der Kanton Thurgau auf dem rechten Ufer keinen Hochwasserdamm anlegt, doch kein eigentliches Doppelprofil durchgeführt. Sollten sich jedoch später Uebelstände einstellen oder es sich erzeigen, daß im Interesse der Ausbildung des Thurbettes ein durchgehender, beidseitiger Hochwasserdamm nothwendig ist, so könnten diese Arbeiten noch jederzeit ausgeführt werden.

Das Schweiz. Industrie- und Landwirthschaftsdepartement, Abtheilung Forstwesen, pflichtet diesem Gutachten bei und spricht die Ansicht aus, daß an die Bewilligung eines Bundesbeitrages an die Kosten fraglicher Bauten keine forstlichen Bedingungen zu knüpfen seien, mit dem Beifügen, daß diesfalls nicht wohl bis in die obern Gebiete der Thur, die auf Gebiet des Kantons St. Gallen liegen, gegriffen werden könne.

Was nun die Frage anbelangt, ob diese Arbeiten auf Grund des Wasserbaupolizeigesetzes subventionirt werden können, so ist dieselbe ohne Zweifel zu bejahen, denn einerseits ist das vom Gesetze verlangte öffentliche Interesse vorhanden und andererseits sind dieselben, wie es im Schreiben der Regierung von Zürich richtig angegeben ist, nicht in dem ursprünglichen Devis vorgesehen gewesen, sondern es ist deren Ausführung einem spätem Zeitpunkte überlassen.

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Zu dem Beitragsverhältniß übergehend finden wir, daß das gleiche Verhältnis wie im Bundesbeschluß vom 28. Juni 1882, nämlich 40 °/o, beizubehalten sei.

Indem wir hietnit den eidg. Räthen den nachstehenden Entwurf eines Bundesbeschlusses zu unterbreiten uns beehren, benutzen wir zugleich auch diesen Anlaß, dieselben unserer vollkommensten Hochachtung zu versichern.

B e r n , den 20. März 1891.

.

Im Narnen des Schweiz. Bundesrathes, Der B u n d e s p r ä s i d e n t :

Welti.

Der Kanzler der Eidgenossenschaft: Ringier.

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(Entwurf.)

Bundesbeschluß betreffend

Bewilligung eines Bundesbeitrages an den Kanton Zürich für die Erstellung eines Hochwasserdammes der Thur, in Verbindung mit der Anlage eines Binnenkanales in den Gemeinden üeßlingen, Altikon und Thalheim.

Die B u n d e s v e r s a m m l u n g der schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht: 1. eines Schreibens der Regierung des Kantons Zürich vom 17./22. Oktober 1890: 2. einer Botschaft des Bundesrathes vom 20. März 1891, auf Grund des Bundesgesetzes betreffend die Wasserbaupolizei im Hochgebirge, vom 22. Juni 1877, beschließt: Art. 1. .Dem Kanton Zürich wird ein Bundesbeitrag zugesichert für die Erstellung eines Hochwasserdammes der Thur, in Verbindung mit der Anlage eines Binnenkanales in den Gemeinden Üeßlingen, Allikon und Thalheim. Dieser Beitrag wird festgesetzt zu 40 °/o der wirklichen Kosten bis zum Maximum von Fr. 106,000, als 40 °/o der Voranschlagssumme von Fr. 265,000.

659 Art. 2. Die Ausführung der Arbeiten hat innerhalb 3 Jahren, vom Inkrafttreten der Beitragszusicherung (Art. 7) an gerechnet, stattzufinden.

Art. 3. Das Ausfiihnmgsprojekt und der definitive Kostenvoranschlag bedürfen der Genehmigung des Bundesrathes.

Art. 4. Die Beitragszahlungen erfolgen ini Verhältniß des Fortschreitens der Bauausführung auf Grund der von der Kantonsregierung eingereichten und vom Schweiz. Departement des Innern, Abtheilung Bauwesen, verifizirten Kostenausweise; jedoch wird das jährliche Maximum zu Fr. 36,000 und dessen erstmalige Anzahlung auf das Jahr 1895 angesetzt.

Bei Berechnung des Bundesbeitrages werden berücksichtigt die eigentlichen Baukosten, einschließlich Expropriationen und die unmittelbare Bauaufsicht, dann die Kosten der Anfertigung des Ausführungsprojektes und des speziellen Kosten Voranschlages, sowie die Aufnahme des Perimeters, dagegen sind dabei nicht in Anschlag zu bringen irgendwelche andere Präliminarien, die Funktionen von Behörden, Kommissionen und Beamtungen (von den Kantonen laut Art. 7 a des Wasserbaupolizeigesetzes zu bestellende Organe), auch nicht Geldbeschaffung und Verzinsung.

Art.'5. Dem Schweiz. Departement des Innern, Abtheilung Bauwesen, sind jährliche Bauprogramme zur Genehmigung einzureichen.

Art. 6. Der Bundësrath läßt die planmäßige Bauausführung und die Richtigkeit der Arbeits- ' und Kostenausweise kontroliren. Die Kantonsregierung wird zu obigem Zwecke den Beauftragten des Bundesrathes die nöthige Auskunft und . Hülfeleistung zukommen lassen.

Art. 7. Die Zusicherung des ßundesbeitrages tritt erst in Kraft, nachdem von Seite des Kantons Zürich, die Ausführung dieser Korrektion gesichert sein wird.

l

660 Für die Vorlegung der bezüglichen Ausweise wird der Regierung eine Frist von einem Jahr, vom Datum dieses Beschlusses an gerechnet, gesetzt. Der Bundesbeitrag fällt dahin, wenn der geforderte Ausweis nicht rechtzeitig geleistet wird.

Art. 8. Der Unterhalt der subventionirten Arbeiten ist gemäß dem eidg. Wasserbaupolizeigesetze vom Kanton Zürich zu besorgen und vom Bundesrathe zu überwachen.

Art. 9. Dieser Beschluß tritt, als nicht allgemein verbindlicher Natur, sofort in Kraft Art. 10. Der liuudesrath ist mit Vollziehung desselben beauftragt.

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25.03.1891

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652-660

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