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Bu u d e s b la Jahrgang V. Band I.

fro.

Samstag, den 26. März 1853.

Man abonniri ausschiießlich beim nächstgefegmen Postamt. Preis ffir Bas Jahr 1853 im ganzen Umfange der Schweiz p o r t o f r e i .Srfn. 4. 40 Sentimen. Inserate sind f r a n f i r t an dit ExueditioB einzusenden, -üebühr 15 (Sentimeli »er Ztüe oder beten Raum.

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Note

ter f. f. österreichischen G e s a n d t s c h a f t an den schweizerischen Bundesrath.

(Vom 22. Januar 1853 ) Der unterzeichnete K. K. Geschäftsträger hat nicht tH'rfehlt, die Srwiederungs Note Seiner Ereellenz des 4Jerrn Bundes Präsidenten und des hohen schweizerischen Sundes Rathes vom 3. d. auf die diesseitige Befchwerde wegen Vertreibung einer Anzahl aus der Lombardie stammenden verschiedenen Klöstern des Cantons Tesfiu angehörigra Capuziner-Mönche, seiner hohen Regierung ungefäumt zu unterlegen.

Indern der Unterzeichnete hiemü fein lebhaftes Be* dauern darüber auszufprechra in dem galle ist, daß diese Angelegenheit eine bi...» jetzt fo ungenügend.; und die gerechten Befchoeerden der Kais, Regierung nicht mehr be# ...8m.dt.3o.att. Jahrg. Y. Bd. I.

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ïuckfichtigende Erledigung gefunden hatte, glaubt er nu» .öeu Eindruck p schildern, welchen bie nach Form unfc Jnhalt so wenig - entsprechende Note des hohen Bundes Ukthes auf das Kais. Kabinet hervorzubringen nicht verfehlen konnte.

In der Zwischenzeit erhielt die Kais. Regierung die lier in Abschrift beiliegende Eingabe der vertriebenen.

Sapueiner, welche von 16 derselben (theils Priejler, iheils Saienbrüder) mit der Bemerkung unterzeichnet ist, foaß 6 bei der gertigung dieses Aktes abwesend waren.

Es ergibt fiel) hieraus, daf die Zahl der aus der -Sombarbie gebürtigen, vorn Santon Tesfin ausgewiesenes..

.Klofiergeisilichen, fich nicht »ie anfangs geglaubt wurde, fluf 8, sondern auf 22 belauft.

Es wird genügen einen Blick auf bie von dm VerIriebenen -- an deren Glaubwürdigkeit ju zweifeln nicht foer geringste Grund vorhanden ist -- gelieferte Darflellung der Umstände welche ihre gewaltsame Entfernung begleitet haben, zu werfen, um [ich zu überzeugen, daß foie von der Kais. Regierung erhobene ...BefchuldigungTÜckfichtsloser Härte, gegen welche der hohe Bundes Rat| .sie Eantonal Regierung von ïesfin in Schutz zu nehmen Dersucht, ïeineswegs unbegründet ober übertrieben war.

Muß doch Seitens Setner Emllenj des Herrn Bim..es Präsidenten und des hohen schweizerischen Bundes Ulathes selbst zugegeben werten, daß bie, mit ...erAus« führung des Austreïbungs Dekretes betrauten Comsnissaire die durch den Regierungs Beschluß vorn 19. No* sember eingeräumte grifi von drei Tagen nicht etngelalten haben, und daß zwischen der AnÌunbigwng und Ausführung der Maßnahme nur ï..tr Zeitraum weniget ·Stunden gelegen ist.

329Während ferner die tefsim'fchen Behörden angeben, '.Daß den Capucinern ein Gehalt fur 4 Monate öusbe-* lahlt worden sei, so behaupten diese dagegen, daß man ihnen nicht einmal die beim Eintritte in das Noviziat mitgebrachte Summe, deren Rückerstattung ihnen laut eines Gesetzes vom Iahr 1848 jedenfalls gebührt hätte, ausgefolgt worden fei.

Wenn aber die fo plötzliche Vertreibung der Eapu einer damit entschuldigt werden will, daß sie nachdem sie weder Familie, noch Grundeigenthurn, noch ©ewerbe befitzen, auch keiner langen Vorbereitungen zu Ortsveränderungen bedürfen, so kann einer solche« Argument tation, wenn fie überhaupt ernstlich gemeint ist, doch, wohl mit vollem ©runde die Frage entgegengestellt wer- den, ..»b dann die freiwillige Arrnuth, zu welcher die Sapuciner durch ihre Ordensgelübde fich verpflichten, um dem katholischen Volke ein Beispiel der Entsagung unì.» (Selbstaufopferung vor die Augen zu stellen, nach der Ansicht des hohen schweizerischen Bundes Rathes jeden Anspruchs auf denjenigen Grad von Achtung und Be= rüjsichtung verlustig'machen, welchen eine gerechte und erleuchtete Regierung fclbst dem geringsten Bettler nicht »ersagt, so lange derselbe nicht eines Verbrechens schul dig und gehörig überwiefen ist.

Was nun das Wesen der vorliegenden grflge seïbfï Betrifft, fo vermag die Kaif. Regierung sich mit den vont hohen Bundes Ra.h aufgestellten Grundsätzen durchaus: nicht einverstanden zu erklären.

Die ganze Beweisführung der Note vom 3. d. Mts..

zielt darauf hin, die vertriebenen Eapuciner auf ganj gleiche Linie mit allen andern Fremden zu stellen, welchett die tessiner Regierung eine zeitweilige Aufenthalts Be'* willigung ertheilt hat, und welchen sie dieselbe nach Be# îund der Umstände auch wieder entziehen kann.

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Dieser Gefichtspunkt ifì aber nach unserer Ueber* jeugung ein irriger und auf die Sachlage durchaus nicht anwendbarer. Die vertriebenen Eapueiner haben ftch-, wie fie auch in der oberwähnten Eingabe anführen,, durch öffentliche, icbenslängliche und feierliche Gelübde «n eine geistliche Korperschaft gebunden, welche durch die Staats Grundgesetze sowohl des Cantons Teffin als der ·Eidgenossenschaft anerkannt und in ihrem Bestande ge.roährleistet war. Sie haben also, abgesehen davon, oli fie nicht nach tesfinischen Gesetzen durch einen mehr als 20jährigen Aufenthalt das Heimats Recht erlangt, wenigstens zweifelsohne das Recht erworben, in ihrer Eigen.-3 fchaft als Ordens Glieder bis an ihr Ende in den Klo flern, wo sie Profeß gethan, und an welche sie die Or fcens Disciplin bindet, zu verbleiben und des vollen ·Schutzes der Gefetze zu genießen.

Der hohe schweizerische Bundes Rath bemerkt allerdings in seiner Note, ,,daß die Capuciner keinen weitlichen Beruf, man müßte denn das Betteln einen solchen nennen, -- betreiben." Diese Behauptung soll nicht befiritten werden; dagegen wird wohl andererseits auch nicht bezweifelt werden wollen, daß fie als Diener und Priester der katholischen Kirche, einem geistlichen Berufe obliegen, den Gottesdienst besorgen, dem Volke die christliche Lehre »erkünden, die heiligen Sakramente aus fpenden, den Kranken geistlichen Beistand leisten, den Sterbenden die letzten Tröstungen der Religion dar Teichen. Wenn sie für diese dem katholischen Volke geleisteten Dienste -- und wer die Ueberzeugung thdlt, baß die Religion die einzig dauerhafte Grundlage des gesellschaftlichen Gebäudes ist, wird fie gewiß nicht zu gering anschlagen, -- nur eine im höchsten Grade mäßige Gegenleistung in Anspruch nehmen, indem fie von d«

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freiwilligen Milde der katholischen Gläubiger ihr farge iagliches Brod erbitten, so kann allerdings das Ver# fahren wie es vom hohen Bundes Rathe geschieht, mit dem Namen des Bcttelns bezeichnet werden. Ob aber eine solche in der kirchlich bestätigten Ordensregel ge- gründete Lebensweise hinreichende Motive darbiete, um die Capueiner in Beziehung aus den ihnen zu gewähren.« ben Rechtsfchutz mit gemeinfchädlichen und verdächtige..

.Sandstreichern, die den Bettel als Gewerbe treiben, ungefähr auf die gleiche Stufe zu stellen, dies zu beurtheilen kann mit voller Beruhigung dem Ermessen jedes Unpartheiifchen überlassen werden.

Obschon nun die Eapuciner nach ihrer Ordensregel persönlich kein Eigenthmn befitzen dürfen, so gewährte ihnen doch im Canton Teffin die vollkommen gesetzliche ·Ausübung ihres geistlichen Berufes nicht nur ein ge# ineinschaftlichcs Obdach, sondern auch die Mittel des .Unterhaltes, und es muß sonach ihre ohne Urtheil und Recht vollzogene Vertreibung als in ihrer Wirkung mit einer gänzlichen Vermögens Konfiskation vollkommen gleichbedeutend angesehen werden ; denn wenn gleich der Sapueiner feinem Orden gegenüber nicht einmal bas grobe Gewand das ihn bedeckt, fein nennen darf, s» verliert er doch viel, ja alles, wenn ihm die Mittel, {ich das Wenige, dessen er zum Lebensunterhalte bedarf, .rechtmäßig zu erwerben, entzogen werden.

Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, kann daher iDie Kais. Regierung auf ihrer Behauptung , es sei rück sichtlich der vertriebenen Capuctner eine schreiende Rechtsverletzung begangen worden, nur beharren, eine Rechts verleizung, welche falls sie durch Wiederaufnahme der Ausgewiesenen in ihre Klöster nicht gesühnt wird, doch .prn mindesten der teffinischen Regierung die Pflicht auf«

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«rlegt, ihnen einen angemessenen Iahres Gehalt als OEnfrfchädigung zuzusichern.

Wenn der hohe Bundes Rath fich, in Betreff der ·Aufhebung geistlicher Körperschaften überhaupt auf das·Beispiel anderer Staaten beruft, so wird es erlaubt fein, ihn auch daran zu erinnern, daß bei dergleichen ·Vorgängen, deren Rechtmä§igfcit.. falls sie ohne Mit« wirkung des Oberhauptes der katholischen Kirche stattfanden, hier unerörtert bleiben mag, mit Ausnahme · einzelner gcrniß nicht nflchahrnungswürdiger, den Epochen .monarchischer Umwälzungen angehöriger Fälle, doch das ©esuhl »on Recht und Billigkeit nicht so ganz erloschea war, um nicht wenigstens den Mitgliedern solcher saktisch ausgelöster Genossenschaften eine lebenslängliche Entfchädigung für die verlerne Existenz zu gewähren.

Der Unterzeichnete beehrt fich demnach in Folge erhaltenen hohen Auftrags Seine Erecllcnz den Herrjt Bundes Präfidenten und den hohen schweizerischen Bundes Rath ergebenst zu ersuchen, seinen Einfluß dahin zu i,ver# ·wenden, daß die teffinische Regierung den vertriebene ·Sapucinern welche einstweiim in ihrer Heimat ein Afyl gesucht und gefunden hoben, eine angemessene lebens» längliche Pension als Entfchäbigung für den ihnen ent* zogenen Lebensunterhalt zusichere und ausfolge.

Von dem festen Vertrauen durchdrungen, daß der hohe schweizerische -.Sundes Rath fich durch sein Rechtsund Billigkcits Gefühl bewogen finden werde, das be·gründete Begehren der Kais. Regierung mit dem volle".!.

Gewichte feines (..anflusses zu unterstützen, beehrt fict) 3>er Unterzeichnete zugleich um eine nach .-Thunlichfeit be'fchleunigte Antwort zu ersuchen, da es der Kais. Re* Vierung viel daran gelegen sein muß, baldmöglichst dai.»

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Schicksal der von ihr einstweilen aufgenommenen Mönche In erhalten.

Die Kaif. Regierung fühlt sich um so mehr zu der Erwartung berechtigt, daß wenigstens ihrem nunmehrigere Begehren eine volle und rafche Befriedigung zu Theil werde, als bisher zu ihrem gerechten Befremden, weder für die willkührliche Behandlung der vertrieben.-!- aus Desternich gebürtigen Capueiner, noch für das nnregelmäßige bei ihrer Abschiebung über die Grenze beobachtete SSerfahren, eine Genngthuung, ja nicht einmal eine Ente ichuldigung geleistet worden ist.

Der Unterzeichnete benützt im Uebrigen auch diefe Veranlassung, um Seiner Ercellenz dem Herrn Bundes!

Präsidenten und dem hohen fchweizerifchen Bundes Rathe den Ausdruck seiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu m jieuern.

B e r n , den 22. Iänner 1853.

Gf. ÄaruicFj.

33 e i ï a g e zur v o r s t e h e n d e n Note.

(Uebersezung.)

Tit.

Die unterzeichneten Kapuzinermönche, sämmtlich ge* -treue Unterthanen Sr. Majestät des Kaisers , haben ·angemessen gefunden, das willkührliche Verfahren zu den .güßen Ihrer K. K. Regierung zu legen, das man <jegeu sie von Seite der Regierung des Kantons .-.Eessiitt Kobachtet hat.

"334 Leztere verordnete mit Dekret vom 19. »erwichenen fiovembcrs die unverzügliche Ausweisung aller nicht im Kantone gebornen Kapuzinermonche aus ihrem Gebiete.

Dieses Dekret, allen Koinmissarien mitgetheilt, in deren Amtsbereiche Kloster des erwähnten Ordens bestanden, Besagte, dafj es den gedachten Mönchen nicht vor der Vesper des Sonntags werde eröffnet werden, der auf den 21. des angegebenen verflossenen Monats fiel. Die gedachten Kernrnissarien, mit Ausnahme desjenigen von gaido, gaben aber, wir wissen nicht warum, Kenntniß -oon jenem Dekret erst ungefähr um 2 Uhr Nachts, selbjî foen Mönche« des Klosters in Lugano erst um l Uhr nach .Mitternacht, und sogleich, nachdem fie es mitgetheilt hatìen, »erlangten sie, daß es von uns unverzüglich befolgt werde, wobei fie nur, und zwar erst auf die In* fiänBigsten Bitten, eine Stunde Zeit einräumten, nach Söeren Ablauf alle, gleich großen Verbrechern, mit Gewalt »ürden an die österreichischen Gränzen geführt werden.

3n diefem gall« fonnten wir nur protestiren gegen eine folche Handlungsweise, die uns als nichts anderes denn eine schreiende Verlezung des Volkerrechtes erschien, lieberfeieß haben wir den betreffenden Kommissarien bemerkt, baß, nachdem wir alle öffentlich und feierlich in eine Sftönchskongrcgation aufgenommen worden, die von der bestehenden Kantonsverfassung gutgeheißen und gewähr Seiftet .ist, nachdem wir fast alle über 20 Iahre darin gelebt haben -- ein mehr als hinreichender Zeitraum, um noch einem ©cseze desselben Kantons als nature ïifirte Tesfiner zu gelten- und nachdem einige von ur ab Seite der Regierung ausdrüflich, alle aber implitte .öttrch das Gesez von 1843 genehmigt (piacitati) worfelt find, vermittelst welchem festgesezt wurde, die Zahl ..er einheimischen und fremden Kapuziner dürfe 65 nicht Ufer

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Note der f. f. österreichischen Gesandtschaft an den schweizerischen Bundesrath. (Vom 22.

Januar 1853 )

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