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3825 Botschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung über Massnahmen zur weitern Förderung des Ackerbaues.

(Vom 12. Dezember 1938.)

Herr Präsident!

Hochgeehrte Herren!

Wir beehren uns, Ihnen im Anschlüsse an die Verhandlungen und Postulate der eidgenössischen Bäte, welche eine Eindämmung der übersetzten Milchproduktion und zugleich eine bessere Sicherung unserer Landesversorgung zum Ziele haben, einen vorläufigen Bericht zu erstatten und den Entwurf eines Bundesbeschlusses über Massnahmen zur weiteren Förderung des Ackerbaues vorzulegen.

Zur Einführung.

I.

Bei Anlass der Verhandlungen über die Gewährung eines Ergänzungskredites für die Milchpreisstützung hat der Nationalrat in der Frühjahrssession 1938 folgendes, von Nationalrat Abt begründetes Postulat gutgeheissen: «Es möchte der Bundesrat beförderlich eine Expertenkommission ernennen, mit der Aufgabe, den systematischen Aufbau einer neuzeitlichen schweizerischen Agrarpolitik zu studieren und zu umschreiben, und der Bundesrat möchte gestützt auf das Eesultat dieser Untersuchung den eidgenössischen Bäten eine bezügliche Vorlage mit Motivenbericht unterbreiten.»

Das Postulat Abt gab dem Volkswirtschaftsdepartement Veranlassung, das Problem am 24./2S. Juni 1938 zunächst einer grössern K o n f e r e n z von Vertretern der L a n d w i r t s c h a f t , des Gewerbes und der Industrie zur Stellungnahme vorzulegen. Es geschah dies in der Meinung, zunächst die allgemeinen Gesichtspunkte der schweizerischen Agrarpolitik, insbesondere die Probleme, die mit den übrigen Gebieten unserer Volkswirtschaft in engerem Zusammenhang stehen oder Massnahmen der Wirtschaft-

1056 liehen Kriegsvorsorge berühren, mit fachkundigen Vertretern der verschiedenen Wirtschaftsgebiete näher zu erörtern.

Die Z i e l p u n k t e der schweizerischen Agrarpolitik wurden von dieser Konferenz in folgender Fassung gutgeheissen : 1. Vermehrte Anpassung der Produktion an den Landesb e d a r f , unter Wahrung einer erhöhten A r b e i t s k a p a z i t ä t in der Landwirtschaft, a. um sich den Schwierigkeiten der Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte nicht bis ins Unerträgliche auszusetzen; b. um den Anforderungen an eine Landesversorgung im Kriegsfall ausreichend Eechnung zu tragen; c. um den Bedürfnissen der schweizerischen Arbeitswirtschaft zu entsprechen.

2. Auskömmliche und möglichst stabile Preise für die landw i r t s c h a f t l i c h e n Erzeugnisse, um zu erreichen, dass a. in rationell geführten und zu wirtschaftlich vernünftigen Preisen erworbenen Bauernbetrieben dem Bauer und seinen regelmässig im Betrieb mitarbeitenden erwachsenen Familienmitgliedern ausser einer landesüblichen, der Sicherheit der Anlage Eechnung tragenden Verzinsung des in der Landwirtschaft angelegten Vermögens ein Arbeitsverdienst ermöglicht wird, der mindestens den Dienstbotenlöhnen entspricht (siehe die Eichtlinien der begutachtenden Kommission für Wirtschaftsgesetzgebung) ; b. die Schwankungen der Produktenpreise, abgesehen von den Bückwirkungen von Gunst und Ungunst der Natur, dank einer geregelten Produktion und Einfuhr, sowie eines gut geleiteten Marktes auf das möglichste Mindestmass zurückgeführt und die aus den periodischen Preiseinbrüchen hervorgerufene Unsicherheit und Unzufriedenheit der Landwirte nach Möglichkeit vermieden werden.

3. Einflussnahrue auf die G ü t e r p r e i s e und die l a n d w i r t schaftliche h y p o t h e k a r i s c h e Verschuldung, zu dem Zwecke: a. die Überbewertung und Überzahlung landwirtschaftlich genutzten Bodens im Kaufs- und im Pachtfalle zu bekämpfen; 6. die Betriebe, die bereits zu sehr überschuldet sind, als dass ihnen von der Preis- und Umsatzseite her noch geholfen werden könnte, durch ein Entschuldungsverfahren zu sanieren; c. der Wiederkehr von untragbaren Überlastungsverhältnissen vorzubeugen durch Festlegung einer höchstzulässigen Belehnungsgrenze, durch eine gesetzliche Eegelung des bäuerlichen Liegenschaftshandels und des Bürgschaftswesens sowie durch die Verbindlicherklärung des Ertragswertprinzips für den bäuerlichen Erbgang.

1057 IL Für die weitere Behandlung des Postulates Abt hat das Volkswirtschaftsdepartement am 9. Juli 1988 eine Expertenkommission eingesetzt, bestehend aus den Herren: Dr. J. Käppeli, Direktor der Abteilung für Landwirtschaft, Bern (Präsident), Dr. Roman A b t , Nationalrat, Bünzen, H. Blanc, secrétaire de la Chambre vaudoise d'agriculture, Lausanne, J. J. Gabathuler, Nationalrat und Regierungsrat, St. Gallen, Dr. A. Gadient, Nationalrat, Serneus, G. Gnägi, Nationalrat, Schwadernau, Prof. Dr. E. Laur, Direktor des schweizerischen Bauernverbandes, Brugg, A. Müller, Kantonsrat, Altdorf, R. Reichling, Nationalrat, Stäfa, H. Schnyder, Nationalrat, Zürich, E.Schwarz, Direktor des Verbandes ostschweizerischer landwirtschaftlicher Genossenschaften, Winterthur, Dr. Carl Tanner, Liestal, E. Tobler, Direktor der Emmental AG., ZoHikofen, Dr. F. T. Wahlen, Vorstand der eidgenössischen landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Zürich-Oerlikon.

Den Verhandlungen folgte ferner der Vizedirektor der Abteilung für Landwirtschaft, Herr Dr. Ernst Feisst. Das Amt des Protokollführers übernahm Herr R. Lalive, Beamter der Abteilung für Landwirtschaft.

Zu den Kommissionsberatungen werden überdies weitere Experten für Spezialgebiete und Fachbeamte der Bundesverwaltung beigezogen.

III.

Auf Anregung des Volkswirtschaftsdepartements hat die Expertenkommission vorab die Positionen behandelt, welche mit dem Milchproblem in engerem Zusammenhang stehen. Dieses Vorgehen wurde durch die seit dem letzten Frühjahr eingetretene Entwicklung auf dem Milchm a r k t e a u f g e d r ä n g t . Diese führte zu der bekannten Änderung der Milchpreise auf 1. September 1988, welche in der Eegel für die Produzenten mit einem Abschlag und für die Konsumenten mit einem Aufschlag von je l Rappen per Liter einhergegangen ist.

Auf Grund von Interpellationen, Motionen und Postulaten haben die Verhältnisse unserer Milchwirtschaft während der letzten Herbstsession in den eidgenössischen Bäten erneut eingehenden Aussprachen gerufen.

Diese fanden u. a. Ausdruck in einer in beiden Bäten gutgeheissenen Motion folgenden Inhaltes: «Der Bundesrat wird beauftragt, unverzüglich die Vorbereitungen zu treffen, dass der Produzentenpreis der Milch wieder auf 20 Bappen erhöht werde, und mit Beschleunigung den eidgenössischen Bäten darüber Antrag zu stellen, wie er auf dieser Höhe erhalten werden kann.

Der Bundesrat wird ferner beauftragt, sofort wirksame Massnahmen zur Förderung des Viehabsatzes zu ergreifen.»

1058 Die mannigfachen Massnahmen zur Förderung des Viehabsatzes sind zurzeit noch in vollem Gange. Sie werden durch die Exportschwierigkeiten, noch mehr aber durch das starke Auftreten der Maul- und Klauenseuche im eigenen Lande sehr erschwert. Es wurde indessen das Mögliche, insbesondere für die Preisstützung zugunsten der viehzüchtenden Bergbauern getan. Über diese Seite der Motion kann jedoch erst später im Musammenhang berichtet werden.

IV.

Die zur Behandlung des Postulates Abt bestellte Expertenkommission hat dem Volkswirtschaftsdepartement am 10. November 1938 einen vorläufigen Bericht erstattet. Darin werden vorab die Postulate berührt, welche die Umstellung der L a n d w i r t s c h a f t auf vermehrten Ackerbau bezwecken, I n b e g r i f f e n die h i e f ü r e r f o r d e r l i c h e n w i r t s c h a f t s politischen Massnahmen des Bundes.

Unsere Darlegungen folgen zunächst weitgehend diesem Berichte der Expertenkommission, so dass von dessen Drucklegung abgesehen werden konnte.

Wandlungen unserer Landwirtschaft und erneute Betriebsumstellung auf Ackerbau.

l.

Ohne die weit zurückliegenden und bekannten Wandlungen näher erörtern zu wollen, sei bloss daran erinnert, dass die schweizerische Landwirtschaft noch um die Mitte des letzten Jahrhunderts einen umfangreichen und vielseitigen Ackerbau betrieben hat, der sich selbst auf höhere Berglagen ausdehnte. Neben einem umfassenden Getreide- und Hackfruchtbau, welche den Landesbedarf weitgehend deckten, nahm auch der Anbau von Öl- und Gespinstpflanzen, besonders für die bäuerliche Selbstversorgung, einen erheblichen Baum ein.

Entwicklung und Verbilligung der internationalen Transporte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten Produktions- und Konsumationsgebiete einander näher. Damit ging eine zunehmende Konkurrenzierung unseres Ackerbaues, besonders der Getreidekultur, durch billige Erzeugnisse des Auslandes einher. In der nämlichen Zeitepoche vollzog sich die industrielle Entwicklung unseres Landes, gefördert durch eine Politik der billigen Lebensmittel. So wurde von einem namhaften Schutz unserer Ackerprodukte durch Einfuhrzölle abgesehen. Damit vollzog sich eine zunehmende Umstellung unserer Landwirtschaft vom Ackerbau zum Futterbau mit Viehzucht und Milchwirtschaft. An Stelle der Selbstversorgung trat die Marktproduktion zusehends in den Vordergrund. So ging auch unsere Landwirtschaft selbst den Weg der industriellen Entwicklung. Auch sie bezog in zunehmendem Ausmasse allerlei Boh- und Hilfsstoffe (Kraftfutter, Stroh, Hilfsdünger, Pflanzen-

1059 Schutzmittel, Geräte und Maschinen) aus dem Auslande und exportierte einen Teil ihrer Erzeugnisse (Käse, Kondensmilch, Zuchtvieh, Obst).

Den greifbarsten Masstab dieser Entwicklung haben wir in unserem Getreidebau. Umfasste die Anbaufläche für Brot und Futtergetreide um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch rund 800 000 ha, so ging sie in den 80er Jahren auf rund 240 000 und in den 90er Jahren auf etwa 200 000 ha zurück, um im Zeitpunkte des Ausbruches des grossen Weltkrieges bloss noch rund 105 000 ha zu belegen.

II.

Einen erfreulichen Wiederaufstieg des Ackerbaues zeitigten die Anstrengungen für die Sicherstellung unserer Nahrungsmittelversorgung im Weltkriege 1914--1918. Dank der Bemühungen unserer Landwirtschaft, unterstützt durch eine angemessene Preispolitik und einen gewissen behördlichen Zwang, aber auch getragen vom Willen und der Mitarbeit des Schweizervolkes, ist es damals gelungen, den Ackerbau innert 2--3 Jahren wieder um gegen 100 000 ha zu erweitern, wovon über 50 000 ha Getreide (von 105 000 ha Anno 1914 auf 160 500 Anno 1918), gegen 15 000 ha Kartoffeln (1918 = 59 800 ha), dazu ausgedehnte Gemüsekulturen, Inbegriffen hunderttausende kleiner und kleinster Anbauflächen nichtbäuerlicher Kreise (Selbstversorger).

III.

Trotz bemerkenswerter Bemühungen zur Erhaltung der während des Weltkrieges erreichten Betriebsumstellung (Einfuhrzölle auf verschiedenen Ackerfrüchten, Förderung des Getreide- und Kartoffelbaues, Getreidegesetz vom 7. Juli 1932) konnte ein erneuter Eückgang des Ackerbaues in der Nachkriegszeit nicht verhindert werden. Die Gründe dieser unerwünschten Entn wicklung sind verschiedener Art. Grosse Begenmengen und hügelige Bodengestaltung vertragen sich mit Futterbau und Viehhaltung im allgemeinen besser als mit dem Getreide- und sonstigen Ackerbau, dem mancherorts auch die dichten Obstbaumbestände hinderlich geworden sind. Überdies waren die weitgehend gestützten Milch- und Milchproduktenpreise dem Futterbau und der Viehhaltung förderlich. Und schliesslich darf nicht übersehen werden, dass ein ausgedehnter Ackerbau anstrengende Arbeiten mit sich bringt und mehr Arbeitskräfte erheischt, die im Wettbewerb mit einer ordentlich gehenden Industrie manchenorts nicht leicht erhältlich sind.

So ist unser A c k e r b a u flächenmässig wieder annähernd auf die S t u f e der letzten Vorkriegsjahre z u r ü c k g e s u n k e n . Nach Menge und Güte der Enteerträge (Getreide, K a r t o f f e l n , Gemüse) hat er jedoch sehr bemerkenswerte F o r t s c h r i t t e zu verzeichnen.

IV.

Handelspolitisch liegen die Verhältnisse für die derzeitige Produktionsrichtung unserer Landwirtschaft ungünstiger als je: erschwerter Export von

1060 Käse, Kondensmilch, Zuchtvieh und Obst, bei gleichzeitig unzureichenden Preisen. Die Hoffnungen auf eine Besserung der Exportverhältnisse im Anschlüsse an die Frankenabwertung im September 1936 sind für Milchprodukte, Zucht- und Nutzvieh bloss vorübergehend in Erfüllung getreten.

Nach der Handelsstatistik des Jahres 1937 stehen einem jährlichen Export an Milcherzeugnissen, Zucht- und Nutzvieh im Betrage von rund 60 Millionen Franken u.a. folgende Importe gegenüber: 45000 Wagen Brotgetreide im Werte von 100 Millionen Franken, 40 000 Wagen Futtergetreide (Hafer, Gerste, Mais) mit 70 Millionen Franken und etwa 10 000 Wagen Stroh mit rund 5 Millionen Franken. Dazu kommen grosse Mengen Zucker (jährlich 12 000--15 000 Wagen im Werte von rund 20 Millionen Franken), Gemüse, grün und gedörrt, Erbsen, Bohnen und anderes mehr.

Wenigstens einen Teil dieser A c k e r f r ü c h t e sollten wir im eigenen Lande zu p r o d u z i e r e n und gleichzeitig den Milch- und Viehmarkt zu entlasten suchen. Zu diesem Zwecke befürwortet die Expertenkommission v o r a b die Förderung des Anbaues von F u t t e r g e t r e i d e (Hafer, Gerste, Mais), K a r t o f f e l n und Zuckerrüben.

Ferner empfiehlt sie weitere Massnahmen zur Förderung der P f e r d e zucht, die unmittelbar eine Entlastung der Bind Viehhaltung herbeizuführen vermag.

Eine in dieser Eichtung gehende Betriebsumstellung unserer Landwirtschaft deckt sich zugleich mit den Bedürfnissen unserer Kriegsv o r s o r g e : mehr Getreide, mehr Stroh, mehr Ackerfrüchte überhaupt, mehr militärtaugliche Pferde. Mit der Umstellung auf Ackerbau muss aber gleichzeitig der weitere Ausbau der bäuerlichen S e l b s t v e r s o r g u n g in Betrieb und Haushalt einhergehen.

Y.

Die Kommission ist übereinstimmend der Meinung, dass die gebotene Entlastung unserer Vieh- und Milchwirtschaft nicht auf dem Wege einer allgemeinen Einschränkung der l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Betriebsintensität zu bewerkstelligen sei. Unsere Landwirtschaft mit ihren teuren Liegenschaften ist, wie durch die Eentabilitätsberechnungen des schweizerischen Bauernsekretariates bestätigt wird, auf eine gewisse Intensität angewiesen.

Diese gebietet sich auch vom Gesichtspunkte der Landesversorgung mit Nahrungsmitteln und der Arbeitsbeschaffung. Wer aber unbefangen Umschau hält, stösst nicht selten auf Erscheinungen einer ü b e r t r i e b e n e n , u n w i r t s c h a f t l i c h e n B e t r i e b s i n t e n s i t ä t , die sich mit den zeitgemässen Forderungen der Qualitätsproduktion nicht vereinbaren lassen. Gewiss sind stark gefallenes Getreide, Grünfutter und andere Kulturen offenkundige Folgen widerwärtiger Witterung, in einem gewissen Umfange aber auch missratene

1061 Produkte übermässiger und einseitiger Düngung. Und hat eine solche, vor allem eine übermässige Gülledüngung, nicht auch nachteilige Einflüsse auf die Wiesenflora wie die Qualität von Milch und Käse? Wer weiss, dass auch in.

unsern Viehbeständen die Gesundheit der Guter höchstes ist, -wird nicht verkennen, dass eine zu intensive, verweichlichende Jungviehaufzucht, fehlender Weidegang, übersetzte Kraftfuttergaben und zu forcierte Leistiingen überhaupt nicht unschuldig sind an sehr unerwünschten Begleiterscheinungen, wie geschwächte Konstitution, unbefriedigende Fruchtbarkeit, Abortus und unzureichende Qualität tierischer Erzeugnisse. Wer kennt nicht die unermesslichen Schäden, welche mit gewissen Tierkrankheiten, wie Tuberkulose, Abortus Bang, Euterfehler, mit Kälbersterben, fehlerhafter Milch und Ausschusskäse einhergehen. So mannigfach der Ursprung all dieser schlimmen Geisseln unserer Landwirtschaft sein mag, so lässt sich doch nicht von der Hand weisen, dass sie in einem gewissen Ausmasse d u r c h ü b e r t r i e b e n e , u n w i r t s c h a f t liche Betriebsintensität zum mindesten begünstigt werden.

In diesem Zusammenhang darf festgestellt werden, dass der mehrseitige Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau einer wirtschaftlichen Betriebsintensität eher förderlich ist, ohne so leicht die berührten Schattenseiten zu zeitigen. Je mehr man sich dabei zugleich bemüht, eine ausgiebige V i e h f ü t t e r u n g auf landes- und betriebseigener Futterproduktion aufzubauen, um so eher dürfte es gelingen, Misständen berührter Art zu begegnen.

VI.

Es werden gelegentlich Zweifel geäussert, ob die Betriebsumstellung auf Ackerbau tatsächlich ein e wirksame Entlastung des Vieh- und Milchmarktes bringen werde. Dabei wird mit Recht daran erinnert, dass mit dem Ackerbau in der Eegel eine rationellere, öfters auch intensivere Wirtschaftsweise (Fruchtfolge mit Kleegrasbau) einhergehe und im Ackerbau sich Nebennutzungen für die Viehfütterung (Futtergemenge nach Getreide als Zwischenkulturen, Abfälle im Hackfruchtbau) ergeben. Die Erfahrungen bestätigen in der Tat, dass eine Betriebsumstellung auf Ackerbau, die sich bloss innert den engen Grenzen einer betriebswirtschaftlichen Rationalisierung bewegt, in der Regel insgesamt höhere Roh- und Reinerträge zu bringen vermag bei ungefähr gleichbleibender oder etwas erhöhter Milchproduktion, die übrige viehwirtschaftliche Produktion inbegriffen. Geht j e d o c h die Erweiterung des Ackerbaues über diesen engen Rahmen hinaus, so wird sie mit aller Sicherheit von einer e n t s p r e c h e n d e n Verminderung der viehwirtschaftlichen Erzeugung begleitet. Solche Erfahrungen werden bestätigt durch die verhältnismässig kleinen Milcheinlieferungen der Ackerbaugegenüber den Grasbaugebieten der Gegenwart. War der ausserordentlich starke Rückgang der Milchproduktion während des letzten Weltkrieges zu einem ansehnlichen Teil auf die verminderte Fütterungsintensität (fehlende Kraftfuttermittel) zurückzuführen, so stand er doch vorab im engsten Zusammenhang mit der E r w e i t e r u n g des A c k e r b a u e s und der

1062 damit einhergehenden Selbstversorgung im bäuerlichen Betrieb und Haushalt. Geht diese aber künftig mit der Erweiterung des Ackerbaues einher, was mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu bewerkstelligen ist, so werden wir die unerlässliche Einschränkung der Vieh- und Milchwirtschaft erreichen. Zu diesem Zwecke wird vorab die maschinelle Entwicklung in unserer Landwirtschaft innert vernünftigen Grenzen zu halten, insbesondere einem unwirtschaftlichen Ersatz der tierischen Zugkraft durch Traktoren entgegenzutreten sein. Hier sind die allgemeinen und die privatwirtschaftlichen Interessen gleichlaufend, denn allzu häufig begegnet man Traktoren in Klein- und Mittelbetrieben, wo sie die wirtschaftliche Existenz der Besitzer geradezu gefährden.

Ein ebenso dringendes Gebot ist die tunlichste Einstellung unserer Viehhaltung auf die landes- und betriebseigene F u t t e r p r o d u k t i o n (sorgfältige Heubereitung, Ersatz fremder Futtermittel durch Kartoffeln und inländisches Futtergetreide, eigene Stroh- und Streueproduktion etc.).

Die Förderung des Futtergetreidebaues.

L Während des letzten Weltkrieges lag der Ansporn zur Erweiterung des Getreide-, wie auch des übrigen Ackerbaues, abgesehen von den Vorteilen der Selbstversorgung und vom amtlichen Anbauzwang, vor allem in der Preisgestaltung für landwirtschaftliche Erzeugnisse begründet. In der ersten Nachkriegszeit wurden Abnahme und Preise des Brotgetreides unter dem Einfuhrmonopol gesichert. Nach Ablehnung des Monopols in einer Volksabstimmung wurde, in Verbindung mit der Ordnung der Vorratshaltung, die weitere Förderung des Brotgetreidebaues durch das Bundesgesetz vom 7. Juli 1932 über die Getreideversorgung des Landes (Getreidegesetz) bewerkstelligt.

Darnach unterhält der Bund innerhalb der Landesgrenze zur Sicherung der Versorgung des Landes einen Vorrat von rund 80 000 Tonnen an lagerfähigem Weizen.

Von im Inland niedergelassenen Produzenten k a u f t der Bund selbstgebauten, mahlfähigen Weizen, Boggen und Dinkel, sowie Mischel aus Weizen und Boggen. Der Weizenpreis ist auf 36 bis 45 Fr.

per 100 kg festgesetzt. In diesem Bahmen soll der Abnahmepreis wenigstens um Fr. 8.50 höher sein als der mittlere Marktpreis des gleichwertigen, spesenfrei und verzollt an die Schweizergrenze gelieferten Auslandsweizens. Für selbstgebautes Brotgetreide wird den Selbstversorgern eine Mahlprämie von Fr. 7.50 je 100 kg Weizen, Boggen, Dinkel, Einkorn, Emmer oder Mischel aus diesen Getreidearten, sowie für Mais, in Gebirgsgegenden auch für Gerste verabfolgt. Für Berglagen wird die Mahlprämie bis auf Fr. 14 je 100 kg erhöht.

Über die Entwicklung des schweizerischen Getreidebaues seit 1918 orientiert die nachfolgende Aufstellung, die sich auf die Anbaustatistik und Schätzungen des schweizerischen Bauernsekretariates stützt.

Getreideanbauflächen der Schweiz.

Getreidearten

1918 ha

1919 ha

1926 ha

1929 ha

1931 ha

1932 ha

1933 ha

1934 ha

1935 ha

1936 ha

1937 ha

Winterweizen Sommerweizen Roggen Korn (Spelz), Einkorn und Emmer Mischel . . . .

56400 50513 48945 48988 50700 52000 54928 57165 58000 59370 60090 3000 2186 2522 3303 4000 5500 7620 9608 10000 10200 10370 22700 22053 19890 18999 18500 18500 16593 15642 15600 15530 15100

Hafer Gerste Mais

28600 23076 20462 20216 18400 14000 9586 10145 10200 10650 11080 10300 7457 6501 7266 7100 6500 3600 4168 4200 4250 4360 800 3000 2627 1 341 1032 790 800 820 1000 1000 809 41900 33160 28304 28514 26500 21 500 13976 15122 15200 15700 16260

26900 23112 13940 13043 12700 12700 11930 12033 12000 11920 11960 6100 6599 5247 5456 5500 6000 6599 7036 7050 7060 71201 115 100 104 463 90544 89789 91400 94700 97670 101 484 102 650 104 080 104 640 Total Brotgetreide . . . .

Total übriges Getreide . .

Total Getreide

157 000 137 623 118 848 118 303 117 900 116 200 111 646 116 606 117 850 119 780 120 900

Nach dieser Aufstellung ist gegenüber dem Höchststand im Jahre 1918 auch bei Brotgetreide eine Verminderung der Anbaufläche von rund 10 000 ha eingetreten. Die nach dem Getreidegesetz von 1932 gesteigerte Förderung vermochte jedoch den weitem Bückgang nicht nur aufzuhalten, sondern von 1931 bis 1937 eine Erholung um rund 13 000 ha herbeizuführen.

Auffallend ist einerseits die starke Anbauvermehrung von Sommerweizen, der seit 1919 eine Erweiterung von rund 2200 auf 10 400 ha zu verzeichnen hat. Zwei Momente dürften dies bewirkt haben: die guten Erfahrungen mit der neueren, ertragreichen Sommerweizensorte «Huron» und ihre bessere Rentabilität gegenüber den übrigen Sommergetreidearten, besonders des Hafers.

Die Anbaufläche für Puttergetreide ist nach Beendigung des Anbauzwanges innert wenigen Jahren um mehr als die Hälfte, von über 40 000 auf rund 16 000 ha zurückgegangen. Der stärkste Rückschlag fällt in die Periode 1932/33, was hauptsächlich darauf zurückzuführen sein dürfte, dass das Getreidegesetz die staatliche Förderung des Futtergetreidebaues ablehnte.

Tritt die Abnahme beim Hafer auch am auffallendsten in Erscheinung, so vermochte die Selbstversorgerprämie auch bei Mais und Gerste den Rückgang wohl zu mildern, aber nicht aufzuhalten. Schon der bescheidene Schutz, den die Belastung der Futtermittel durch Preiszuschläge verkörpert, hat den Anbau von Hafer, Gerste und Mais während der letzten Jahre wieder sichtbar anzuregen vermocht.

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1064 Die künftige Entwicklung des Brotgetreidebaues dürfte vorab durch die Parität der Preise für Brotgetreide einerseits und für Milch wie für andere viehwirtschaftliche Erzeugnisse anderseits bestimmt werden. Zwecks Neubelebung des Futtergetreidebaues (Hafer, Gerste, Mais) wird vor allem die Herstellung einer angemessenen Preisparität mit Brotgetreide zu bewerkstelligen sein. Um eine solche herbeizuführen, soll für Hafer, Gerste und Mais ein Preis gesichert werden, der etwa 3/4 bis 4/5 des Weizenpreises ausmacht. Wenn Preisparität besteht, so ist zu erwarten, dass schon aus Bücksichten auf die Fruchtfolge, selbst in ausgesprochenen Getreidegebieten der Gegenwart, eine weitere Ausdehnung des Getreidebaues erreicht wird, weil im Hinblick auf die Erzielung von Vollernten und das Auftreten von Krankheiten Weizen im Anbau nicht zu oft nach sich selbst folgen darf.

Die Kultur von B r a u g e r s t e ist in einzelnen Gebieten der Ostschweiz heimisch, besonders im Kanton Schaffhausen, dem Jurafuss entlang mit jährlichen Niederschlägen von etwa 900 mm. Der Anbau erfordert vorab richtige Sortenwahl, geeignete Fruchtfolge, fachgemässe Behandlung und Düngung.

Die Preise für Braugerste sind derart, dass auf weitergehende finanzielle Stützungsmassnahmen verzichtet werden kann.

II.

Zwecks Hebung des Futtergetreidebaues hat die Expertenkommission eine Beihe staatlicher Massnahmen in Erwägung gezogen.

  1. Abnahme- und Preisgarantie, wie auch die Selbstversorgerprämie, die beim Brotgetreide in Anwendung sind, setzen eine umfassende Kontrolle voraus, um einer Unterschiebung der billigeren Auslandware an Stelle der privilegierten Inlandsproduktion vorzubeugen. Weil aber diese beim Futtergetreide nur einen sehr bescheidenen Teil des gesamten Landesverbrauches ausmacht (bei Hafer 10, bei Gerste 6, bei Mais 2,5 %) und in sehr zahlreichen Landwirtschaftsbetrieben ausländisches Futtergetreide verwendet wird, dürfte eine derart anzulegende Kontrolle kaum in Frage kommen. Die bäuerlichen Betriebe sind in der Eegel für das Schroten und Mahlen des Futtergetreides eingerichtet und würden daher kaum verstehen, wenn dies der Kontrolle wegen künftig auswärts im Lohn (Kundenmüllerei) geschehen müsste. Überdies liegen die Verhältnisse der Selbstversorgung nicht so einfach wie beim Brotgetreide. Wohl dient der Hafer vorab der Pferdehaltung, weshalb eine hierauf basierende Selbstversorgerprämie in Erwägung gezogen wurde. Wo keine Pferde gehalten werden, könnte an Stelle der Selbstversorger- eine sogenannte Ausgleichsprämie treten. Bei Gerste und Mais wäre die Prämie eher auf der Schweinehaltung aufzubauen. Klarheit bestand darüber, dass auch bei diesem System die Anbaufläche festgestellt werden müsste und für die Tiereinheit eine entsprechende Fläche anzurechnen wäre.

Das System wäre somit keineswegs einfach, nicht leicht verständlich, und es könnte der vielseitigen Verwendung von Hafer, Gerste und Mais als

1065 Futter- und Nahrungsmittel nicht hinreichend Eechnung tragen. Deshalb ist es als allgemeine Lösung abzulehnen. Für geschlossene Produktionsgebiete könnte es hingegen in Erwägung gezogen werden, so beispielsweise bei Mais.

2. Am einfachsten in der Durchführung wäre offenbar eine Belastung der i m p o r t i e r t e n Waren an der Grenze, um durch die damit einhergehende Verteuerung einen den inländischen Produktionskosten angemessenen Preis zugunsten der Inlandsproduktion herbeizuführen. Die Belastung könnte durch Preis- oder Zollzuschläge erfolgen. Für Hafer und Gerste sind jedoch die derzeitigen Einfuhrzölle handelsvertraglich gebunden, so dass für diese eine allfällige Zollerhöhung Verhandlungen mit den betreffenden Vertragsstaaten voraussetzen würde.

Auf Grund der Preislage der letzten Jahre wäre zu genanntem Zweck eine Belastung der Importware von etwa Fr. 10, zeitweise sogar von Fr. 12--15 erforderlich. Eine derartige Verteuerung wäre jedoch für viele Verbraucher nicht tragbar. Sie würde überdies Betriebszweige belasten, die wir im Interesse einer Entlastung des Milch- und Viehmarktes begünstigen möchten, so die Pferdehaltung, einzelne Zweige der Viehmast (Qualitätsproduktion), die Jungviehaufzucht der Alpgebiete etc. Hafer-, Gersten- und Maisprodukte dienen überdies in erheblichem Ausmasse auch der menschlichen Ernährung, was jener Lösung ebenfalls im Wege steht.

Eine so weitgehende Belastung der Einfuhr müsste daher durch ein System der Rückvergütung ergänzt werden, das für die Kreise in Anwendung zu kommen hatte, welche sonst zu stark betroffen würden. Diese wären aber erfahrungsgemäss nicht leicht abzugrenzen, das Eückvergütungsverfahren wäre überdies nicht einfach, auf alle Fälle mit viel Arbeit verbunden, und Missbräuche könnten kaum ausgeschaltet werden.

Wir schliessen uns daher der Auffassung der Kommission an, wonach aus den berührten Gründen auch eine solche Lösung für die hier in Frage stehenden Fälle als generelle Massnahme abzulehnen ist. In Kombination mit andern Massnahmen ist jedoch das System massiger Preiszuschläge geboten.

3. Die Druschprämie bestände darin, dass den Produzenten ein Zuschuss nach Massgabe der Körnererträge zu verabfolgen wäre. Grössere Körnererträge würden somit auch eine höhere Prämie bedingen, worin ein produktionsförderndes Moment läge. Bei diesem System müssten aber die Druschergebnisse festgestellt, bzw. das Dreschen in den Landwirtschaftsbetrieben überwacht werden. Angesichts der zahlreichen Kleinbetriebe, der oft sehr kleinen Erntemengen und in Würdigung der mannigfachen Druschmethoden (Flegeldrusch, Ausführung als Füllarbeit) muss auch von diesem System abgesehen werden.

4. So wurde nach allseitiger Abwägung das System der A n b a u p r ä m i e in den Vordergrund gerückt. Darnach wäre den im Inlande niedergelassenen Produzenten von Futtergetreide (Hafer, Gerste, Mais, eventuell Buchweizen), soweit dieses in reifem Zustande geerntet wird, eine nach der Anbaufläche berechnete Prämie zu verabfolgen. Uni damit zugleich die Qualitätsproduktion Bundesblatt. 90. Jahrg. Bd. II.

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1066 zu fördern, wäre eine gewisse Abstufung der Anbauprämien nach der Pflege und dem Stande der Kulturen, wie auch in Würdigung der Produktionsbedingungen in Erwägung zu ziehen.

Soweit die Flächen durch die amtliche Grundbuchvermessung nicht festgelegt sind, wären sie von Pali zu Fall kurz vor der Ernte zu bestimmen. Die Prämienbeträge könnten nach der Ernte ohne Verzug zur Auszahlung gelangen, was von Vorteil wäre.

Die Durchführung der Massnahme könnte gegen angemessene Vergütung in der Regel den im Dienste der eidgenössischen Getreideverwaltung stehenden Ortsgetreide- und den diesen vorgesetzten Zentralstellen übertragen werden.

Die bestehende Mahlprämie für Selbstversorger mit Mais und in Gebirgsgegenden mit Gerste könnte belassen werden, wobei die Anbauprämie entsprechend anzupassen wäre. Schwierigkeiten dürften hieraus kaum erwachsen.

Da die Maiskultur vorwiegend in begrenzten Gebieten heimisch ist, wo der Mais für die Selbstversorgung in den Vordergrund tritt, könnte für diesen an Stelle der Anbauprämie eventuell die Abnahme der Überschüsse zu angemessenen Preisen in Erwägung gezogen werden.

III.

Während H a f e r und Gerste in den meisten Landesteilen angebaut werden, beschränkt sich die Maiskultur überwiegend auf die Kantone Tessin, St. Gallen, Wallis und Graubünden. Die Erfahrungen während der Kriegszeit und neuere Beobachtungen im Zusammenhang mit der Schweinekontingentierung bestätigen indessen, dass die Produktionsbedingungen für Körnermais auch anderweitig vorhanden sind. Der Hafer gedeiht noch befriedigend in Gebieten mit erheblichen Niederschlägen und eignet sich daher für Berglagen, die für Gerste und Eoggen zu feucht sind. Anpassungsfähigkeit und Genügsamkeit machen den Hafer für meliorierte Böden besonders geeignet, wo er der eigentliche Wegbereiter für den Anbau von Brotgetreide ist.

Der Anbau von Buchweizen ist für einzelne Berglagen von Wichtigkeit, namentlich im Tessin und im Bündnerland. Die Anbauprämie wäre auf Berggebiete und auch dort auf Palle zu beschränken, wo er in reifem Zustande geerntet wird.

IV.

Das schweizerische Bauernsekretariat notiert folgende K ö r n e r e r t r ä g e pro h a : Durchschnitt 1925/1934

Winterweizen Hafer Wintergerste Sommergerste Mais

q

21,7 20,0 20,4 17,9 25,8

1Q ._ 1837

q

24,3 21,6 21,6 18,6 30,6

1067 Die gleiche Stelle schätzt die Produktionskosten für Hafer und Gerste bei allerdings bescheidenen Körnererträgen auf rund Fr. 30 je 100 kg. Dagegen stellten sich die Preise für Importware mit Preiszuschlägen und verzollt loco Hof, 'während der letzten Monate bei axisgesprochenern Tiefstand, für Hafer auf bloss Fr. 19--20 und für Gerste auf Fr. 22--23. Die Differenz gegenüber den Produktionskosten wäre somit auf Fr. 8--10 je 100 kg zu berechnen. Bei einem Zuschuss in dieser Höhe würde die Parität mit dem geltenden Weizenpreis von Fr. 86 erreicht. Wird der derzeitige Preiszuschlag noch etwas erhöht, was erträglich sein dürfte, so kann der Zuschuss entsprechend niedriger bemessen werden.

V.

Die derzeitige Anbaufläche für Futtergetreide beträgt rund 16 000 ha.

Eine Erweiterung auf mindestens 80 000 ha ist erwünscht und liegt im Bereiche der Möglichkeit. Wird eine Anbauprämie für die alten und die neuen Bestände von durchschnittlich Fr. 200 pro ha angenommen, so wäre schliesslich ein Betrag von 6 Millionen Franken erforderlich, der indessen erst allmählich voll in Anspruch genommen werden müsste.

Hinsichtlich der Kostendeckung dürfte, solange eine Lösung durch Zollzuschläge, abgesehen von Mais, aus handelspolitischen Gründen nicht angängig ist, die Heranziehung der Einnahmen aus Preiszuschlägen auf den betreffenden Positionen im Vordergrunde stehen und naturgemäss gegeben sein.

Nach dem Bundesbeschluss vom 18. März 1937 über die Fortsetzung der Bundeshilfe für die schweizerischen Milehproduzenten und für die Linderung der landwirtschaftlichen Notlage werden die Einnahmen aus Preiszuschlägen auf Futtermitteln zu 2/3 der Milchpreisstützung dienstbar gemacht, wogegen ein Drittel dem Bundesrat für anderweitige Massnahmen zur Linderung der landwirtschaftlichen Notlage, insbesondere in den Gebirgsgegenden, zur Verfügung steht. Dieser Beschluss hat Gültigkeit bis 30. April 1939.

Auf Grund der Handelsstatistik und von Schätzungen gestalteten sich Import und I n l a n d s p r o d u k t i o n von Hafer, Gerste und Mais in Wagenladungen à 10 Tonnen wie folgt:

1068 Hafer Inlandsproduktion

*)

Mais

Gerste

Einfuhr 2

)

1914 1932 1933 1934 1935 1936 1937

5740 2830 2070 2050 2020 2000 2390

14634 22302 21256 23376 20141 17819 20252

Durchschnitt 1932/1937

2226

20857

Inlandsproduktion T

Einfuhr 2

)

Inlandsproduktion ')

Wagen à 10 Tonnen.

1320 1674 500 1196 17906 265 701 1232 241 772 13054 226 808 13203 238 701 9153 211 843 15584 250

835

13535

238

Futtergetreide

Einfuhr 2

)

T otal InlandsEinfuhr produktion

7793 14302 8272 8612 9502 8438 10618

7560 4291 3012 3048

3066 2912 3483

54510 41849 45042 42846 35410 46454

9957

3299

44349

24101

*) Nach Erhebungen des Bauernsekretariates.

2 ) Laut Handelsstatistik.

Aus dieser Aufstellung erhellt zugleich der bedenkliche Stand unserer Landesversorgung in diesen Positionen nach kriegsvorsorglichen Erwägungen. Diese Verhältnisse gemahnen insbesondere beim Hafer zum Aufsehen. Hier müssen sich die Inlandsproduktion und die Vorratshaltung künftig ergänzen. Auch die mit der Erweiterung des Futtergetreidebaues einhergehende Vermehrung der S t r o h p r o d u k t i o n ist in der nämlichen Eichtung als namhafter Aktivposten zu bewerten. Kriegsvorsorglich ist die Erweiterung der Strohproduktion von eminenter Wichtigkeit.

Der Einfuhrzoll für Hafer und Gerste beträgt 60 und für Mais 50 Ep.

je 100 kg. Als Preiszuschläge werden nach Bundesratsbeschluss vom 26. August 1938 erhoben: auf Futterhafer Fr. 3, auf Mahlhafer Fr. 1.50, auf Futtergerste Fr. 3.50, auf Mahlgerste Fr. l. 50 und auf Mais Fr. 3. Die Einnahmen aus den sehr bescheidenen Einfuhrzöllen lassen wir in unsern weitern Betrachtungen unberührt, da sie auch fernerhin der Bundeskasse zu sichern sind.

Nehmen wir im Hinblick auf die Erweiterung der Inlandsproduktion auch einen namhaften Eückgang der Einfuhr von Hafer, Gerste und Mais an, so dürfte diese für die nächsten Jahre doch noch mit rund 30 000 Wagen eingesetzt werden. Eine Belastung mit durchschnittlich Fr. 2 würde demnach den erforderlichen Betrag von 6 Millionen Franken ergeben. Die Kosten der Administration dürften sich innert bescheidenen Grenzen halten. Soweit diese Summe während der ersten Jahre nicht voll beansprucht würde, könnte der Saldo einem später nach Bedarf heranzuziehenden Ausgleichsfonds zugewiesen werden.

1069 VI.

Nach der derzeitigen Weltmarktlage ist eine Erhöhung der Preiszuschläge auf einzelnen F u t t e r m i t t e l n im Hinblick auf die Eegelung der viehwirtschaftlichen Produktion geboten. Dadurch kann ein namhafter Teil der für die Förderung des Futtergetreidebaues erforderlichen Mittel aufgebracht werden, so dass sich die Kürzung des Anteils für die Milchpreisstützung und die übrigen landwirtschaftlichen Hilfsmassnahmen innert erträglichen Grenzen halten dürfte.

Mit der Höhe der Belastung bei der Einfuhr verstärkt sich der Schutz zugunsten der Inlandsproduktion, was eine Ermässigung der Anbauprämie ermöglicht und überdies dem Kartoffelbau wie der Verwertung der Müllereiabfälle förderlich sein wird. Preiszuschläge und Anbauprämien sollen daher eine gewisse Beweglichkeit aufweisen.

Auf der andern Seite ist erneut daran zu erinnern, dass die Belastung von Hafer, Gerste und Mais innert bescheidenen, für die Verbraucher erträglichen Grenzen gehalten werden soll. Den Maiskonsumenten in Berggebieten wird dabei besondere Bücksicht zu tragen sein. Die Belastung soll derart bemessen werden, dass vom System der Rückvergütungen abgesehen werden kann.

Nach Auffassung der Expertenkommission sollte darnach getrachtet werden, auch die zurzeit nach einem Bundesbeschluss vom 13. April 1933 bestehende Bückvergütung von Preiszuschlägen zugunsten der Kleintierhaltung so bald als möglich abzulösen. Dies würde, wie sie weiter ausführt, dazu beitragen, unsere Geflügelhaltung noch mehr auf betriebs- und landeseigene Futterproduktion einzustellen, was besonders kriegsvorsorglich sehr geboten wäre. Gegebenenfalls wäre die Mehrbelastung der Geflügelhaltung durch eine entsprechende Ordnung der Eierpreise auszugleichen.

Die Erweiterung des Kartoffelbaues.

I.

Mit der Ausdehnung des Getreidebaues muss schon im Hinblick auf die Fruchtfolge auch eine Erweiterung des Hackfruchtbaues einhergehen. Dabei steht der Anbau von K a r t o f f e l n obenan.

Unser Kartoffelbau hat dank der Zusammenarbeit aller Interessentenkreise und des ihm gewährten staatlichen Schutzes in neuerer Zeit namhafte Fortschritte zu verzeichnen (Sortenwahl, verbesserte Anbautechnik, höhere Flächenerträge). Während noch vor einem Jahrzehnt auch bei normalen Inlandsernten jährlich etwa 10 000 Wagen Kartoffeln und mehr eingeführt worden sind (1930 = 9080 Wagen), ist der Iniport seither zusehends zurückgegangen und beschränkt sich allmählich auf Frühkartoffeln und Saatgut (1936 = 7370, 1937 = 5232 Wagen). Die derzeitige Inlandsproduktion von jährlich 50 000--80 000 Wagen geht normalerweise über den Inlandsbedarf an Speisekartoffeln namhaft hinaus, so dass, abgesehen vorn üblichen Aus-

1070 schuss an kleinerer und kranker Ware, bei grossen Ernten ein ansehnlicher Teil verfüttert wird. Die Kartoffeln sind in der Tat für Schweine und Eindvieh ein ausgezeichnetes Futtermittel, aber ihre Kosten müssen mit andern Futtermitteln, besonders mib Mais und Gerste, in angemessenem Verhältnis stehen.

Damit gehen die Bemühungen für den Anbau besonders ertragreicher Futterkartoffelsorten einher. Durch geeignete Konservierung (Eindampfen in Fässern, in grösseren Betrieben in Gruben) soll eine billige, tunlichst verlustfreie Aufbewahrung der Kartoffeln erreicht und damit deren Fütterung das ganze Jahr hindurch, ebenso ein Ausgleich nach Erntejahren, erreicht werden. Ferner soll durch eine entsprechende Handhabung der Schweinekontingentierung im Sinne einer vermehrten Anpassung an die betriebst und landeseigene Futterbasis einer gesteigerten Kartoffelfütterung Vorspann geleistet werden. So dürfte es möglich sein, einzig in den Schweinehaltungen der Käserei- und Molkereibetriebe jährlich noch etwa 8000--10 000 Wagen Kartoffeln an Stelle überwiegend fremder Futtermittel mehr zur Verfütterung zu bringen, vorausgesetzt, dass diese preiswürdig sind (nicht über Fr. 5.50 bis 6 je 100 kg unerlesen ab Station).

II.

Eine Vermehrung des Kartoffelbaues ist kriegsvorsorglich von grösster Wichtigkeit. Neben Getreide ist die Kartoffel in überragendem Masse geeignet, zur Sicherung der Landesversorgung beizutragen, ist sie doch für die menschliche Ernährung und die Viehfütterung gleichermassen geschätzt.

Die Kartoffel wird nötigenfalls Brot- und Mehlspeisen aller Art weitgehend ersetzen, und mit Erfolg kann sie, sei es in Form von Trockenmehl oder bloss in gekochtem Zustande, dem Backmehl beigemischt werden. Auf der nämlichen Kulturfläche vermag die Kartoffel etwa die doppelte Menge an für die menschliche Ernährung direkt verwendbaren Nährstoffen (Stärkeeinheiten, Kalorien) hervorzubringen wie unser gebräuchliches Brotgetreide.

Als erstrebenswertes und ohne besondere Schwierigkeiten erreichbares Ziel soll ein Anbau von jährlich mindestens 60 000 ha a b g e s t e c k t werden (1935 = 46 000, 1937 = 48 880 ha). Damit werden wir einen ansehnlichen Teil des importierten Kraftfutters, besonders des Maises, durch Kartoffeln ersetzen können, und unserer Kriegsvorsorge hätten wir sehr grosse Dienste geleistet.

Durch die Statistik wird für das Kriegsjahr 1918 eine Anbaufläche von 59 800 ha und der geschätzte Ernteertrag mit 93 000 Wagen registriert. Trotzdem waren die Kartoffeln im Herbst und Vorwinter 1918, bei einem Höchstpreis von Fr. 25 für Speise- und Fr. 19 für Futterkartoffeln, sehr gesucht; erst gegen das Frühjahr 1919 hin, nachdem inzwischen Kriegsstillstand eingetreten war, zeigten sich gewisse Überschüsse. Immerhin verfügte der Bundesrat am 15. Februar 1919, dass erneut mindestens die nämliche Fläche mit Kartoffeln zu bestellen sei wie im Jahre 1918.

1071 Das schweizerische Bauernsekretariat schätzte die schweizerische Kartoffelanbaufläche für die Mitte der 90er Jahre auf rund 80 000 ha.

III.

Der Verband ostschweizerischer landwirtschaftlicher Genossenschaften in Winterthur hat auf die Initiative seines Direktors, Herrn E. Schwarz, im Herbst 1987 D ä m p f e r k o l o n n e n in den Dienst der Kartoffelverwertung gestellt. Diese fahren den Kunden nach, und die Ergebnisse der hierauf basierenden Einsäuerung im grossen sind sehr ermunternd. Diesen Herbst hat das Beispiel auch beim Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften von Bern Nachahmung gefunden.

Die Herstellung von K a r t o f f e l f l o c k e n , sowie das Trocknen und Dörren von Kartoffeln setzen niedrige Kartoffelpreise und massige Betriebskosten voraus, Bedingungen, die bei uns kaum erfüllt sein durften. Dennoch sollen auch diese Probleme, besonders nach kriegsvorsorglichen Erwägungen, weiter verfolgt werden.

IV.

Die Kommission ist der Meinung, dass die befürwortete Erweiterung des Kartoffelbaues ohne b e s o n d e r e M e h r k o s t e n für den Bund zu bewerkstelligen sei. Alkoholverwaltung und Landwirtschaftsabteilung werden in bewährter Zusammenarbeit mit den Fachverbänden sich nach Massgabe der bisherigen Erfahrungen der Anbauforderung und der Verwertung der Kartoffeln annehmen. Durch eine angemessene Belastung der importierten Kraftfuttermittel soll aber ferner bewirkt werden, dass die Kartoffeln bei der Viehfütterung eine, bescheidenen Produktionskosten entsprechende Verwertung erzielen. Die Finanzierung der Aufwendungen für die Hebung des Futtergetreidebaues durch Belastung der Einfuhr von Hafer, Gerste und Mais ist daher auch vom Gesichtspunkte der Verwertung der Kartoffeln als Futtermittel zu befürworten.

Auf Grund der Initiative von Direktor Schwarz wird schliesslich eine Zusammenfassung aller an der Produktion und Verwertung der K a r t o f f e l n beteiligten Fachkreise b e f ü r w o r t e t . Diese Organisation hätte sich praktisch für die Erweiterung des Kartoffelbaues und die Kartoffelverwertung zu bemuhen. Den Landesbehörden wird empfohlen, diese Bestrebungen im Kahmen des Möglichen zu unterstützen.

Wir haben vorstehend den Bericht der Expertenkommission über die Förderung des Kartoffelbaues wiedergegeben und konstatieren mit Befriedigung, dass die Interessentenkreise gewillt sind, diese tunlichst ohne erweiterte Beanspruchung von Bundesmitteln auf dem Wege allseitiger Selbsthilfe grosszügig auszubauen. Diese Bemühungen verdienen volle Anerkennung und allseitige Unterstützung.

1072 Die Erweiterung des Zuckerrübenbaues.

I.

Die im Jahre 1898 errichtete Zuckerfabrik Aarberg hatte während einer Beihe von Jahren mit mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen. Einerseits hatte sie Mühe, die erforderlichen Mengen Buben zu erhalten, und anderseits wurde ihr auch der nötige Schutz gegen die ausländische Konkurrenz nicht im erwarteten Ausmasse zugestanden. Erst die Versorgungsschwierigkeiten des Weltkrieges rückten die Wichtigkeit einer eigenen Muckerproduktion ins richtige Licht. Seither hat die Z u c k e r f a b r i k und E a f f i n e r i e Aarberg AG., ein auf gemeinnütziger Basis aufgebautes, insbesondere vom Kanton Bern getragenes Unternehmen, dank auch der wohlwollenden Förderung durch die Eidgenossenschaft, einen sehr erfreulichen Aufstieg zu verzeichnen.

Gleichlaufend ist das Interesse der Landwirtschaft am Bübenbau stark gewachsen, seitdem diese dessen Wichtigkeit für einen intensiven Ackerbau durch jahrelange eigene Erfahrungen erproben konnte. Das führte in den Jahren 1936/87 zu einer namhaften Erweiterung der Fabrikanlagen, wodurch deren Produktionskapazität verdoppelt und damit auf etwa 15 000 Wagen je Saison gehoben worden ist. Die Entwicklung wird durch folgende Ziffern veranschaulicht :

1913 1918 1925 1930 1935 1936 1937.

.

Mittlerer Preis für Mittlerer Kristallzucker 100 kg franko Schweizergrenze verzollt Fr.

. . .

39 -- 110 -- 53 -- 31. -- 16 50/32. -- 33. -- 37.--

Bezahlter Rübenpreis

Anbauareal

Produzierte Zuckerrllben

Fr.

Juch.

2100 980 3750 3470 4070 4760 6700

318 900 95250 430 000 400 000 600 000 650 000 865 000

2.60 8. -- 4.50 3.50 3.10 3.20 3.30

q

Ausser den im Inlande gebauten Buben verarbeitet die Zuckerfabrik jährlich noch bis 3000 Wagen ausländischen Bohzucker. Bei voller Ausnützung der Produktionskapazität wird sie aus Inlandsrüben eine Zuckermenge fabrizieren, die reicTilich 10% des Inlandsbedarfes entspricht. Um den gesamten Landesbedarf an Zucker zu decken, wäre eine jährliche Anbaufläche von etwa 30 000 ha erforderlich. Von einer derartigen Erweiterung unseres Bübenbaues kann indessen zurzeit nicht die Bede sein. Es darf immerhin nicht übersehen werden, dass, wie schon bemerkt, die Ausdehnung des Getreidebaues notwendig auch einen erweiterten Hackfruchtbau erheischt. Von diesem Gesichtspunkte aus bemüht sich ein Initiativkomitee für die E i n f ü h r u n g des Z u c k e r r ü b e n b a u e s in der Ostschweiz. Ähnliche Bestrebungen gingen schon ein Jahr früher vom Tessin aus, wo indessen die Errichtung einer Zuckerfabrik mit Baffinerie zur Verarbeitung fremden Bohzuckers im Vordergrunde stand.

1073 II.

Zu der Eingabe des Staatsrates des Kantons Tessin vom 27. Oktober 1936 hat der Bunderat durch Beschluss vom 1. März 1988 in dem Sinne Stellung genommen, dass die Anhandnahme des Eübenbaues zu begrüssen und die Zuckerfabrik Aarberg zu veranlassen sei. die im Kanton Tessin angebauten Eüben zu den gleichen Bedingungen franko Abgangsstation zu übernehmen wie von den bisherigen Pflanzern.

Das ostschweizerische Initiativkomitee behandelt das Problem in einer Eingabe an den Bundesrat vom 25. Juli 1938. In einem erschöpfenden Exposé, das dieser beigegeben ist, wird das Problem des Anbaues und der Verwertung von Zuckerrüben in der Ostschweiz im Zusammenhang mit der beabsichtigten Betriebsumstellung eingehend und fachkundig behandelt. Die in verschiedenen Gebieten der vorgesehenen Anbauzone vorgenommenen Anbauproben haben im laufenden Jahre günstige und ermunternde Ernteergebnisse gezeitigt.

Durch Beschluss vom 19. September 1938 hat der Bundesrat zur Eingabe des ostschweizerischen Initiativkomitees in einem Sinne Stellung genommen, welche der Auffassung der Expertenkommission entspricht. Darnach hat sich der Bundesrat bereit erklärt, den Zuckerrübenbau für die Ostschweiz in gleicher Weise zu unterstützen, wie er dies dem Tessiner Staatsrat in Aussicht gestellt hat. Zu diesem Zwecke wurde dem Initiativkomitee die Abnahme einer Menge von jährlich 10 000 bis höchstens 15 000 Tonnen Zuckerrüben zugesichert.

Diese hat durch die Zuckerfabrik Aarberg zu den gleichen Bedingungen wie für andere Pflanzer f r a n k o A b g a n g s s t a t i o n zu erfolgen zum Preise von zurzeit Fr. 3.30 je 100 kg. Dem Komitee wird überdies die wohlwollende Prüfung eventuell später einzureichender Vorschläge betreffend die Errichtung einer Zuckerfabrik, jedoch ohne Eaffinerieanlage, in der Ostschweiz in Aussicht gestellt, sofern Aarberg nicht mehr in der Lage sein sollte, die im Inlande anfallenden Hüben zu verarbeiten.

Im Falle der spätem Errichtung weiterer Zuckerfabriken wird somit vorgesehen, diese auf die Verarbeitung der Eüben zu beschränken und den anfallenden Eohzucker zur Eaffinade nach Aarberg abzuführen. So könnte die derzeitige Einfuhr von Eohzucker entsprechend eingeschränkt werden, wodurch den Fiskalinteressen des Bundes Eechnung getragen wird.

Damit dürfte nach Auffassung der Expertenkommission seitens des Bundes für einmal das Nötige für die Erweiterung des Zuckerrübenbaues vorgekehrt sein, so dass sie sich zurzeit weitergehender Vorschläge enthält.

Sie möchte jedoch, wie sie weiter darlegt, die Wichtigkeit eines erweiterten Z u c k e r r ü b e n b a u e s im landwirtschaftlichen Umstellungsprogramm auf v e r m e h r t e n A c k e r b a u für einzelne G e b i e t e nachdrücklich u n t e r s t r e i c h e n . Sobald das Bedürfnis nach Errichtung weiterer Zuckerfabriken sich einstelle, möchte seitens der Behörden ohne Zögern dazu Hand geboten werden.

1074 III.

Am 11. November 1938 ist von Nationalrat Schwär folgendes Postulat eingereicht worden: «Der Bundesrat wird eingeladen, in Zusammenarbeit mit den beteiligten Kantonen die Nutzbarmachung der Bhoneebene und den Bau einer Zuckerfabrik zu prüfen, wodurch der Anbau der Zuckerrübe und durch verbesserte Fruchtfolge der Getreidebau im Sinne des Postulates Abt begünstigt würde.» Die Stellungnahme des Bundesrates zu diesem Postulat im Sinne der vorstehenden Darlegung dürfte gegeben sein. Man wird daher zunächst feststellen müssen, in welchem Umfange Bedürfnis und Wille für den Anbau von Zückerrüben in der Bhoneebens bestehen. Gegebenenfalls wäre die Zuckerfabrik Aarberg zu veranlassen, die dort angebauten Eüben zu den gleichen Bedingungen, wie sie den Interessenten des Kantons Tessin und der Ostschweiz zugesagt worden sind, zu übernehmen. In der Folge dürfte sich dann zeigen ob und in welchem Umfange sich das Bedürfnis zur Einrichtung weiterer Zuckerfabriken geltend macht.

Kleinkulturen im landwirtschaftlichen Umstellungsprogramm.

(Hülsenfrüchte, Öl- und Gespinstpflanzen, Hopfen, Tabak, Medizinalpflanzen etc.).

I.

Trotzdem die vorstehend vermerkten und ähnliche Kleinkulturen im Umstellungsprogramm für den Binzelfall keine entscheidende Eolle spielen werden, sind sie besonders im Hinblick auf die Arbeitsbeschaffung und dio Selbstversorgung in ihrer Gesamtheit doch von grösster Wichtigkeit.

Unter den Hulsenfrüchten treten die K o n s e r v e n e r b s e n , deren Anbau seit Jahren einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen hat, in den Vordergrund. Es wurden früher auch Schälerbsen (Suppenerbsen) in erheblichem Ausmasse angebaut, und die Inlandsqualität ist bei der Fabrikation sehr geschätzt. Der inländische Jahresbedarf an Schälerbsen soll sich auf etwa 250 Wagen belaufen, was einer Anbaufläche von reichlich 1000 ha entsprechen durfte. Bei einem Preisansatz auf der Stufe unseres Weizenpreises wäre der Anbau bei uns unter passenden Verhältnissen lohnend. In diesem Sinne wurden vom Volkswirtschaftsdepartement aus den Notstandskrediten zugunsten der Pflanzer vorübergehend Preiszuschüsse verabfolgt, seither aber wieder fallen gelassen. Eine Mehrbelastung der Industrien, welche Schälerbsen verarbeiten, würde deren Konkurrenzfähigkeit im In- und Ausland schwächen. Im Hinblick auf die in Diskussion stehende Anbauförderung wäre das Problem indessen wieder aufzugreifen.

Der Anbau von Öl- und Gespinstpflanzen ist im Zusammenhang mit neueren Bearbeitungsverfahren für Flachs, ebenso mit Fragen der Selbst-

1075 Versorgung und der Lösung des Fettproblems erneut zu studieren. Neben Hanf und Flachs dürften Eeps und Mohn im Vordergrunde stehen.

Der vor einigen Jahren unter Leitung der eidgenössischen landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Zürich-Oerlikon probeweise aufgenommene Anbau von H o p f e n , der in unserem Lande früher eine gewisse Eolle spielte, hat bisher recht günstige Ergebnisse gezeitigt. Er ist eine der arbeitsintensivsten Kulturarten und könnte unter geeigneten Klima- und Bodenverhältnissen vereinzelt, besonders für Kleinbetriebe, von Nutzen sein.

Der Anbau von T a b a k hat in neuerer Zeit eine erfreuliche Entwicklung zu verzeichnen. Er hat auch qualitative Verbesserungen erfahren. Neben den alten Anbaugebieten (Broyetal, Tessin, Puschlav) hat der Tabakbau in Baselland, Solothurn, in der Ajoie, im Rhonetal, im sanktgallischen und bündnerischen Rheintal und im Seeztal eine gewisse Verbreitung gefunden. Die Oberzolldirektion, welcher die Kontrolle Überbunden ist, erklärt sich damit einverstanden, dass im Inland die Menge Tabak produziert wird, welche von den Fabriken verlangt wird. Qualitätshalber ist diese Menge jedoch begrenzt, hat aber infolge des Zollschutzes eine bemerkenswerte Erhöhung erfahren. Sie beträgt 10 000, höchstens 15 000 q (vor 1928 = jährlich 4000--5000, 1937 = 10800 q, 1938 = ca. 13 000 q Inlands Produktion an dachreifer Ware), bei einem jährlichen Gesamt ver brauch von rund 70 000 q.

Tabak wird in etwa 3500--4000 überwiegend kleinbäuerlichen Betrieben gepflanzt. Die Jahreseinnahmen der Produzenten aus Tabakverkauf bewegten sich in neuerer Zeit zwischen l bis 2 Millionen Franken. Der Tabakbau ist vorab als kleinbäuerliche Kultur zu sichern.

Das Problem des feldmässigen Anbaues von A r z n e i p f l a n z e n wurde in einzelnen Fällen zu gross aufgezogen, und der Anbau hat in dieser Form versagt.

Grosskulturen haben bei uns wenig Aussichten, besonders wegen der Konkurrenz des Auslandes mit billigen Arbeitskräften. Ein mehr gartenmässiger Anbau hat sich jedoch in einzelnen Fällen bewährt (billige Arbeitskräfte, Füllarbeit).

Beachtenswerten Nebenverdienst für einen bescheidenen Teil unserer Bergbevölkerung bietet das Sammeln wildwachsender Heilkräuter.

Auch ein erweiterter Anbau von Feldgemüse kann vereinzelt praktische Wichtigkeit erlangen, wie beispielsweise die Zichorie. Im Vordergrund stehen indessen auf ganzer Linie die Qualitätsproduktion, gute Einwinterung der Erzeugnisse und die Anpassung an die Bedürfnisse des Marktes. Wichtig sind sodann die handelspolitischen Beziehungen zum Awslande und die Ordnung der Einfuhr. Das ganze Gebiet soll in der Expertenkommission noch eingehender behandelt werden.

II.

Das in seiner Gesamtheit bedeutungsvolle Problem der Kleinkulturen ist im Rahmen des landwirtschaftlichen Um-tellungsprograrnrnes und der wirtschaftlichen Kriegsvorsorge, sowie in Würdigung der örtlichen Verhältnisse noch näher zu verfolgen und abzuklären. Die genannten und ähnliche Klein-

1076 kulturen sind vor allem nach den Gesichtspunkten der Arbeitsbeschaffung, der Selbstversorgung und des bäuerlichen Nebenverdienstes weiter zu studieren.

Sie erfordern viel und sorgfältige Kleinarbeit, sowie fachgemässe Anleitung.

Die mannigfachen Probleme der landwirtschaftlichen Betriebsumstellung sollen in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen und kommunalen Behörden, den landwirtschaftlichen und hauswirtschaftlichen Versuchs- und Lehranstalten, den landwirtschaftlichen Fach verbänden und weitem Berufsorganisationen noch eingehender abgeklärt und in die Praxis umgesetzt werden. Dies gilt in besonderem Masse für einzelne Kleinkulturen, für die auch die Volksschule zu interessieren ist.

Unter gewissen Voraussetzungen könnte, wie wir dies für die Schälerbsen erwähnt haben, durch die Gewährung einer Anbauprämie oder ähnliche, den besondern Umständen angepasste Massnahmen eine wirksame Förderung erreicht werden. Es sollten daher nach Auffassung der Kommission, der sich der Bundesrat anschliesst, bei Erlass von Förderungsmassnahmen für Futtergetreide den Behörden auch nach dieser Eichtung die gebotenen Kompetenzen eingeräumt werden.

Die Umstellung des Obstbaues soll künftig noch mehr als bisher unter dem Gesichtspunkte der allgemeinen landwirtschaftlichen Betriebsumstellung betrieben werden.

Erweiterte Förderung der Pferdezucht.

I.

Die Bundesmassnahmen zur Hebung der P f e r d e z u c h t sind auf Grund des eidgenössischen Finanzprogrammes II im Sinne eines gewissen Abbaues durch den Bundesratsbeschluss vom 81. Juli 1936 neu geordnet worden. Sie erstrecken sich insbesondere auf die Aufzucht und die Haltung von Zuchthengsten und einer kleineren Anzahl Zuchtstuten im eidgenössischen Hengstenund Fohlendepot in Avenches, die Unterstützung der privaten Hengsthaltung, die Prämiierung guter Stuten- und Fohlenbestände von Pferdezuchtgenossenschaften, sowie auf die Subventionierung von Fohlenweiden (mindestens 8 Fohlen anerkannter Abstammung erforderlich) und zweckentsprechender Winterung (Mindestzahl von 6 Fohlen), Die A u f w e n d u n g e n des Bundes haben b e t r a g e n : und Prämiierung für private Stutender FohlenJahr Zuchthengste Fohlenprämiierungen sömmerung Fr.

Fr.

Fr.

1921 62531.35 61156.-- 80713.-- 99404.-- 58351.-- 1926 42864.95

1931 1936 1937

24568.85 31622.20 27519.95

112901.-- 124054.-- 139658.--

63392.10 113920.65 100288.20

Prämiierung Pferdeausder Fohlen- Stellungen, Stamm- Total Winterung Zuchtbuch Fr.

Fr.

Fr.

-- 20740.-- 219983.-- -- 4206.-- 200000.-- -- 15 574.-- 216435.95 103934.20 19 251.30 392782.35 77596.-- 19823.-- 362993.40

1077

IL Ohne hier auf Einzelheiten einzugehen, soll doch eine kurze, ziffernmässig belegte Orientierung gegeben werden über die Entwicklung und den derzeitigen Stand unserer Pferdezucht und der Pferdezuchtgenossenschaften, sowie über die Einfuhr fremder Pferde.

  1. Nach den eidgenössischen Viehzählungen gestaltete sich der P f e r d e bestand wie folgt: Jahr

Pferdebestand

DaV n Zuchthengste

°

Zuchtstuten

Maultiere

Esel

trächtig oder saugend

1866 1886 1896 1906 1916 1921 1926 1931 1936

100324 98622 108969 135372 136836 134147 139668 140 300 139789

428 272 178 156 224 232 185 185 201

9505 6888 5999 5496 10071 7448 5480 5 320 7729

5476 2742 3125 3153 3079 3835 3854 3469 3405

2046 1740 1679 1288 904 943 802 793

Die eigentliche Pferdezucht (Zuchthengste, Zuchtstuten) weist seit der ersten eidgenössischen Viehzählung im Jahre 1866 einen bis gegen 1916 anhaltenden Eückgang auf. Der vorübergehende Aufschwung der Zucht während des letzten Weltkrieges 1914--1918 dürfte in der Hauptsache auf die erschwerte Pferdeeinfuhr, die daher gesteigerte Nachfrage nach Inlandsprodukten und den Wunsch der Besitzer, die Pferde im eigenen Betrieb zu behalten (trächtige und säugende Stuten waren von der Mobilisation für die Armee befreit), zurückzuführen sein.

Grössere Beachtung gebührt der erneuten Erweiterung der Zucht (Zunahme der Zuchtstuten von 1931--1936 um rund 2400 Stück, die seither angehalten hat) während der letzten Wirtschaftskrise. Sie ist unter dem Gesichtspunkte der Bemühungen zur Verminderung der Produktion in der Bindviehhaltung zu bewerten und darf als zeitgemässen Erfolg gebucht werden. Dazu haben die seit 1931 neu eingeführte Unterstützung der Fohlenwinterung und die Erschwerung des Pferdeimportes namhaft beigetragen.

2. Über die Ein- und A u s f u h r von Pferden, Maultieren und Eseln mögen folgende Zahlen Auskunft geben: Pferde Einfuhr Ausfuhr

1851 1866 1886 1896 1906 1911

5827 4292 8490 12576 11034 12271

4107 2872 1888 2120 1559 1421

Maultiere Einfuhr Ausfuhr

122 34 147 375 532 680

186 108 66 123 71 55

Esel Einfuhr Ausfuhr

140 84 -- -- -- 293

29 64 -- -- -- 14

1078 Pferde Einfuhr Ausfuhr

Maultiere Einfuhr Ausfuhr

Esel Einfuhr Ausfuhr

1918 1920 1930 1935 1936 1937

1821 l 9 -- -- -- 11853 112 428 l 110 -- 7914 16 267 l 267 -- 5170 24 166 l 50 -- 5683 9 134 6 31 l 6121 12 135 3 39 -- Die Kahlen der Bin- und Ausfuhr enthalten bis 1905 auch die «Pferde zum Schlachten», weil diese erst seit 1906 ausgeschieden werden. Die Einfuhr an solchen Pferden hat betragen: 1906--1913 jährlich je 4000--5000, von 1925--1931 je 1000 bis 1800, 1986 und 1937 211 bzw. 250 Stück.

Vom 14. big tief in das 19. Jahrhundert hinein nahm die Pferdezucht in der schweizerischen Landwirtschaft eine überragende Stellung ein. Nach Prof. Duerst1) hat die Pferdezucht unseres Landes damals den Pferdemarkt Südeuropas weitgehend beherrscht. Hauptabnehmer waren Italien und Frankreich. «Zwar war das Schweizerpferd nie schön im sportlichen Sinne und daher nie von Sportleuten aller Zeiten umschwärmt wie die Orientalen, die Engländer usw., es war nie ein eigentliches Eeitpferd, aber dafür das allgemein verwendete Arbeitspferd des Bauern und der Handelswelt, als noch keine Eisenbahnen existierten, und das Train- und Artillerie- und schwere Kavalleriepferd der Armeen Südeuropas.» Wie die vorstehenden Zahlen zeigen, hatte die Schweiz zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts immer noch einen ganz erheblichen Pferdeexport zu verzeichnen.

III.

Die erste eidgenössische Pferdezählung im Jahre 1866 fiel bereits in eine Periode des Niederganges unserer Pferdezucht. Sie wurde durch die aufstrebende Bindviehzucht zusehends bedrängt. Den in jener Periode einsetzenden Bemühungen, unserer Pferdezucht vom militärischen Standpunkt aus (Zuchtziel: Kavallerie- und Offiziersreitpferde) durch Verwendung von Halbblut und Vollbluthengsten neue Impulse zu geben, schlugen grösstenteils fehl. Es fehlten hiefür die züchterischen Unterlagen und teilweise die passenden Bodenverhältnisse, sowie der gut zahlende Käufer für Tiere dieser Zuchtrichtung, die Armee Inbegriffen.

Auf ansehnlicher Stufe vermochte sich die Zucht irn Berner Jura (Freiberger) zu halten. Die Veredlung mit Blutpferden wurde hier weniger weit getrieben, und an die Stelle planloser Kreuzung ist zeitig die Zuchtwahl innert typischen Vertretern des verbesserten bodenständigen Freibergerschlages getreten. Der Freiberger ist ein mittelschweres, weder ausgesprochen kaltnoch warmblütiges, genügsames und bewegliches Zugpferd, das für Landwirtschaft und Gewerbe sich eignet und als Artillerie-Bundespferd sehr geschätzt ist.

1 ) Duerst: Kulturhistorische Studien zur schweizerischen Pferdezucht, Schweizerische landwirtschaftliche Monatshefte, Jahrgang 1924.

1079 Während die Pferdezuchtgenossenschaften im Halbblut ursprünglich höhere Bundesprämien erhielten, ist seit 1918 eine Gleichstellung mit der Zuchtrichtung im Zugschlag eingetreten. Es geschah dies besonders im Hinblick auf die damalige Meinungsäusserung, dass militärische Eücksichten die Zucht eines Eeitpferdes nicht erheischen und sich die Armeeleitung mit einer nachhaltigen Förderung der Zucht eines Artillerie-Bundespferdes zufrieden geben könne.

Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass sich die Zuchtrichtung, ·wie nachstehende Ziffern zeigen, bis in die neuere Zeit zusehends zugunsten des Zugschlages verschoben hat.

Verschiebungen in den Zächtrichtuugen.

Jahr

1896.

1905.

1915.

1925.

1935.

1937.

Das eidg. Hengstendepot besass Hengste des Reit- des Zugschlages Schlages 55 2 49 25 50 44 19 37 7 57 10 52

Anzahl prämiierte Stuten und Fohlen bei Genossenschaften bei Genossenschaften für ,, Reitschlag " für ,,Zugschlag" -- 4 19 14 7 7

-- 76 1152 439 253 336

-- 11 38 58 62 65

-- 172 3659 4757 7524 9088

Seit etwa 20 Jahren hat die schweizerische Halbblutzucht insofern eine recht vorteilhafte Wandlung erfahren, als im Zuchtziel planmässig der schwerere, tiefgestellte Typ, ein für jeden Dienst, auch für die Landwirtschaft passendes, beweglicheres Pferd in den Vordergrund gerückt worden ist.

Nach den von der Landwirtschaftsabteilung des Volkswirtschaftsdepartements kontrollierten Beleg- und Geburtsausweisen zeigt die Entwicklung unserer P f e r d e z u c h t innert des letzten Jahrzehnts f o l g e n d e s Bild: . .

Jahr

1926 1931 1933 1935 1937

u

i "9sle 185 171 184 189 207

He

Belegte Stuten 7696 7643 8315 9234 10998

Geworfene Fohlen 3247 3204 3921 4459 5428

TrächtigkeiisProzentsatz 48,1 48,9 47,7 51,5 50,7

IV.

Die Expertenkommission empfiehlt vom Gesichtspunkte der Entlastung des Bindvieh- und Milchmarktes wie im Hinblick auf die wirtschaftliche und militärische Kriegsvorsorge eine Erweiterung der Pferdezucht. Die heute bestehenden Förderungsmassnahmen haben, wie die Kommission weiter darlegt, sich im allgemeinen bewährt. Sie bedürfen aber eines Ausbaues im Sinne des Postulates von Nationalrat Abt vom 22. September 1936.

1080 Das Postulat Abt wurde unter dem Vorsitz des Vorstehers des Volkswirtschaftsdepartements, in Anwesenheit des Chefs und weiterer Vertreter des Militärdepartements mit Delegierten der Pferdezuchtverbände bereits in einer Konferenz vom 26. Mai 1937 behandelt. Dabei wurde dessen Tendenz einer weitergehenden Förderung unserer Pferdezucht auch ira Interesse der Landesverteidigung allseitig unterstützt. Die hiefür geeigneten Wege bedurften indessen noch weiterer Abklärung.

Inzwischen hat Dr. Abt sein Postulat in der Expertenkommission in einer etwas abgeänderten Form vertreten, wonach sich die Spezialprämiierung auf die für den Eeitdienst der Armee qualifizierten Pferde beschränken soll: «Der Bundesrat wird eingeladen, zum Zwecke einer entscheidenden Ausdehnung und Verbesserung der schweizerischen Pferdezucht aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen folgende Förderungsaktion für Pferdezucht in die Wege zu leiten : 1. Jedes im Inland geborene und aufgezogene militärtaugliche, reitfähige und für den Zug brauchbare Pferd erhält im Jahre des Eintritts seiner Militärtauglichkeit vom Bunde eine Prämie von 300 Franken.

Diese Leistung, die erstmals im Jahre 1939 zu erfolgen hat, ist aus den ordentlichen Militärkrediten zu tragen.

2. Aus den Preiszuschlägen für Hafer ist ein Betrag von l 000 000 Franken als Unterstützungsfonds für Pferdeweiden auszuscheiden und separat zu verwalten.

Dieser Fonds soll sukzessive Verwendung finden zur Unterstützung der Pferdezuchtgenossenschaften beim Ankaufe passender Fohlenweiden und bei der Errichtung von Aufzuchtstationen, die den Zweck haben, ein- und zweijährige Fohlen von den Züchtern zur Ermöglichung rationeller und verbilligter Aufzucht zu übernehmen.»

Es bestehen bereits einige genossenschaftliche Fohlenhöfe, welche der Pferdezucht grosse Dienste leisten, so namentlich durch die Übernahme und die zweckentsprechende Aufzucht der abgesäugten Fohlen, die im gebrauchsfähigen Alter wieder an Mitglieder und andere Interessenten abgegeben werden.

Diese Einrichtungen stehen zugleich im Mittelpunkt einer aufstrebenden, planmassig geführten Pferdezucht. Die Bundesunterstützung beschränkte sich bisher auf Beiträge im Eahmen der gesetzlichen Unterlagen für das Bodenverbesserungswesen.

Eine besondere Prämiierung von militärtauglichen, für den Eeitdienst qualifizierter P f e r d e dürfte geeignet sein, vorab unserer Halbblutzucht neue Impulse zu geben. Sie gebietet sich im Interesse der Wirtschaftlichkeit dieser Zuchtrichtung, bei der die Aufzucht mit mehr Eisiken und grösseren Kosten verbunden ist und die Tiere erheblich später gebrauchsfähig werden als beim Zugschlag. Ohne verständnisvolle Förderung nach militärischen Gesichtspunkten wird sich die Halbblutzucht unter schweizerischen Verhältnissen nicht zu entwickeln vermögen.

Aber auch die andern Zuchtrichtungen können aus einer solchen Prämiierung Nutzen ziehen. Schon bei entsprechender Zuchtwahl und Aufzucht

1081 werden selbst bei Eeinzucht aus edleren Zuchtstämmen des Freibergers konkurrenzfähige Typen hervorgehen. Bei geeigneter Verwendung passender Halbbluthengste werden sich aber erst recht auch für den Eeitdienst geeignete Gebrauchspferde züchten lassen. Derartige Kreuzungsprodukte wären indessen in der Eegel von der weitern Verwendung zur Zucht fernzuhalten. In diesem Zusammenhang sei beispielsweise an die Zucht unseres Kavalleriepferdes in Irland erinnert (Paarung von Landesstuten mit Halb- und Vollbluthengsten).

V.

Die Expertenkommission hat sich auch Eechenschaft zu geben versucht über das Ausmass der b e f ü r w o r t e t e n Erweiterung unserer Pferdezucht. Es werden, wie sie weiter ausführt, in neuerer Zeit jährlich 5000 bis 6000 Pferde importiert. Neben Militär- und anderen Pferden im Eeitschlag von schätzungsweise etwa 1500 Stück überwiegen bei der Einfuhr Zugpferde im Typus starker Freiberger. Mit der zunehmenden Verwendung von Lastwagen ist der Import ganz schwerer Lastpferde zurückgegangen.

Ohne besondere Schwierigkeiten sollten künftig 2500--SOOO der importierten Pferde aus einer erweiterten Inlandszucht geliefert werden können.

Bei einer in diesem Eahmen gehaltenen Ausdehnung unserer Pferdezucht sollte es durch eine den Landesbedürfnissen angepasste Eegelung des Importes immer noch möglich sein, die Preise für Inlandsprodukte auf einer allseitig annehmbaren Stufe zu stabilisieren.

Die befürwortete Erweiterung unserer Pferdezucht (jährliche Mehrproduktion von 2500--3000 gebrauchsfähigen Pferden) dürfte geeignet sein, unsern K u h b e s t a n d um r u n d 10000 Stück zu entlasten.

VI.

Nach Auffassung der Expertenkommission ist es eine Ermessensfrage, in welchem Zeitpunkte mit dieser militärischen Spezialprämiierung eingesetzt werden soll. Das vor mehr als zwei Jahren eingereichte Postulat Abt hat den Beginn für das Jahr 1939 in Vorschlag gebracht, offenbar in der Absicht, damit alle seither geborenen Fohlen zu erfassen. Eine Verschiebung auf das Jahr 1940 dürfte nunmehr angängig sein.

Die erforderlichen Kredite können nach den Darlegungen der Kommission nur schätzungsweise berechnet werden. Anfänglich dürfte die Konkurrenz nicht gross sein, eine nachhaltige Zunahme sei jedoch erwünscht und zu erwarten. Eechnet man für die ersten fünf Jahre mit einem jährlichen Durchschnitt von 400 Stück und einer mittleren Prämie von Fr. 250, so ergäbe sich ein Betrag von Fr. 100 000.

Die Kommission ist der Meinung, die Prämie wäre, soweit durch die betreffenden Besitzer nicht andere Abmachungen vorliegen, nach Massgabe der Verdienste an der Züchtung solcher Produkte aufzuteilen: zwischen dem Besitzer des Pferdes im Zeitpunkte seiner Prämiierung und dem eigentlichen Bundesblatt. 90. Jahrg. Bd. II.

78

1082 Züchter, d. li. dem Besitzer der Mutterstute, der durch den Beleg- und Geburtsschein ausgewiesen -wird. Durch die Paarung, vorab die Auswahl des Zuchthengstes, werden Anlagen und Eigenart des Zuchtproduktes grundlegend bestimmt, die jedoch durch eine zweckentsprechende Aufzucht und Haltung (Fohlenhöfe) zur vollen Entwicklung gebracht werden müssen. «Die halbe Easse geht durchs Maul», im weitesten Sinne aufgefasst, gelte auch hier.

Der Bundesrat kann in der Hauptsache den Darlegungen der Expertenkommission sich anschliessen. Die Ordnung von Einzelheiten bliebe indessen weitern Beratungen vorbehalten. Eine Erweiterung der Pferdezucht empfiehlt sich aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen. Sie hat Hand in Hand mit den Bemühungen für die Erweiterung des Ackerbaues und den zunehmenden Schwierigkeiten der Beschaffung geeigneter Militärpferde aus dem Auslande eine erhöhte Bedeutung und Dringlichkeit erfahren.

Hinsichtlich der Finanzierung könnte folgendes in Aussicht genommen werden : 1. Die zu einer Spezialprämiierung von militärtauglichen, für den Beitdienst qualifizierter Pferde erforderlichen Kredite wären in den Voranschlag des Militärdepartements aufzunehmen. Erstmals dürfte dies für das Jahr 1940 geboten sein. Für den Anfang wird ein jährlicher Betrag von weniger als Er. 100 000 genügen.

2. Die Verwendung der Einnahmen aus Preiszuschlägen auf Hafer und andern Futtermitteln ist, wie weiter oben dargelegt wurde, für die Zeit bis 30. April 1939 durch Bundesbeschlüsse geordnet. Wir hoffen indessen, es werde möglich sein, aus dem zur Verfügung des Bundesrates stehenden Drittel der Einnahmen aus Preis- und Zollzuschlägen auf Futtermitteln einen ansehnlichen Betrag, schätzungsweise mindestens Fr. 250 000, für die Einrichtung von Fohlenhöfen auszuscheiden. Dieser Betrag dürfte vorläufig ausreichen und wäre nach Massgabe der sich einstellenden Bedürfnisse so bald als möglich auf höchstens eine Million zu heben. Diese Lösung soll im anliegenden Entwurf eines Bundesbeschlusses gewürdigt werden.

Unsere Zielsetzung.

I.

Eine landwirtschaftliche Betriebsumstellung in der Eichtung eines tunlichst erweiterten Ackerbaues erweist sich nach betriebs- und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten wie im Hinblick auf die Sicherstellung unserer Landesversorgung als ein Gebot der Gegenwart.

Die geplante Umstellung bezweckt vorab die gebotene Entlastung unserer Vieh- und Milchwirtschaft, deren Erzeugnisse der Inlandsmarkt nicht mehr

1083 aufzunehmen vermag. Die sich daher ergebenden Überschüsse können nur mit grossen Schwierigkeiten und auf die Dauer nicht tragbaren Verlusten exportiert werden. Die Umstellung hat deshalb in der Bichtung der Bedürfnisse unserer eigenen Land- und Volkswirtschaft zu erfolgen, unter tunlichster Hebung der Qualitätsproduktion für den In- und Auslandsmarkt. Dabei soll vor allem auch die bäuerliche Selbstversorgung in Betrieb und Haushalt in den Vordergrund gerückt und verwirklicht werden.

Über Ausmass und Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Betriebsumstellung gehen die Ansichten auseinander. Das schweizerische Bauernsekretariat ^ befürwortet für einmal einen Mehranbau von 20 000 ha Getreide und 10 000 ha Hackfrüchte. Um diesen innert zwei bis drei Jahren zu erreichen, bedarf es offenbar nachhaltiger Anstrengungen und Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das Ziel muss jedoch für eine längere Frist viel weiter gesteckt werden, wenn wir die sich aufdrängenden Probleme losen wollen: die E n t l a s t u n g des Vieh- und Milchmarktes und eine angemessene Sicherung unserer Landesversorgung.

Wenn unser Getreidebau um die Mitte des letzten Jahrhunderts rund 300 000 ha, in den 80er Jahren noch etwa 240 000 ha umfasst hat, und wenn es während des grossen Weltkrieges 1914--1918, im Zeitpunkte seines Tiefstandes, innert zwei bis drei Jahren möglich gewesen ist, unsern Ackerbau um gegen 100 000 ha zu erweitern, so sollte es der Tatkraft der Schweizerbauern gelingen, unserem Getreidebau allmählich wieder eine Anbaufläche bis zu 200 000 ha zuzuführen. Gegenüber dem derzeitigen Stande läge hierin eine Erweiterung von rund 75 000 ha für Brot- und Futtergetreide zusammen. Im Interesse einer geordneten Fruchtfolge hätte damit eine Ausdehnung auch des übrigen Ackerbaues um mindestens 25 000 ha einherzugehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben nicht nur die heute schon bestehenden Ackerbaugebiete, sondern vor allem auch die Graslandwirtschaften zu Berg und Tal, wo die Selbstversorgung in den Vordergrund gerückt werden muss, tatkräftig mitzuwirken. Zahlreiche Beispiele der Gegenwart bestätigen solche Möglichkeiten.

II.

Die Massnahmen zur Einschränkung der viehwirtschaftlichen Produktion 2 ) (Schweinekontingentierung, Begelung der Milchproduktion) sind geeignet, den Ackerbau nachhaltig zu fördern. Sie sind derart angelegt, dass der in dieser Bichtung gehende Druck, in weitgehender Anpassung an die örtlichen Besonderheiten, allmählich gesteigert werden kann.

Eines der wirksamsten Mittel zur Beeinflussung der Produktionsrichtung verkörpern die Prodnktenpreise. Unerlässliche Voraussetzung einer nach*) Zeitgemässe Produktionsorientierung der Schweiz. Landwirtschaft, Brugg, Juni 21938, Nr. 120 der Mitteilungen des schweizerischen Bauernsekretariates.

) Verordnung vom 6. August 1935 über die Einschränkung der vielwirtschaftlichen Produktion.

Verordnung vom 25. April 1938 über die Regelung der Milchproduktion.

1084 haltigen Umstellung auf Ackerbau ist daher eine angemessene Preisparität f ü r A c k e r f r ü c h t e einerseits u n d f ü r v i e h w i r t s c h a f t l i c h e Erzeugnisse, insbesondere für Milch anderseits. Es sollte deshalb einleuchten, dass eine Umstellung auf Ackerbau, mit der eine Entlastung der viehwirtschaftlichen Produktion einhergeht, zugleich das wirksamste Mittel sein dürfte, um den Vieh- und Milchmarkt zu entlasten und damit wieder eine natürlichere Preisbestimmung zu erreichen, unter allmählicher Einsparung der derzeitigen grossen Zuschüsse zur Vieh- und Milchpreisstützung.

Die im Jahre 1935 in Kraft getretene Schweinekontingentierung, gegen die sich anfänglich eine starke Opposition geltend machte, die selbst in den eidgenössischen und kantonalen Batsälen Widerhall fand, hat sich bewährt.

Das wird heute auch von früheren Gegnern bestätigt. Die ausserordentlichen Preisschwankungen früherer Perioden konnten weitgehend ausgeschaltet und die Preise auf einer höheren, für die Produzenten vorteilhafteren Stufe gehalten werden. Ähnliche Ziele verfolgen die Massnahmen zur Eegelung der Milchproduktion. Sie nehmen auf die Berg- und Alpgebiete, auf die kleinbäuerlichen Betriebsverhältnisse überhaupt, weitgehend Rücksicht. Jeder Produzent kann die gesamte Milchmenge, die er für die Selbstversorgung nicht nötig hat, einliefern, aber für die Überlieferungen, welche für die einzelnen Betriebe zu bestimmen sind, hat er sich progressiv zunehmende Preisabzüge gefallen zu lassen. Das System entspricht der Billigkeit, denn es ist vor allem die über das Normale hinaus gesteigerte Produktion, welche die Milchpreise gefährdet und die Zuschussaktionen belastet. Das Auftreten der Maul- und Klauenseuche dürfte kaum dazu veranlassen, die Durchführung der Vorschriften über die Eegelung der Milchproduktion abzulehnen, denn die von solchem oder ähnlichem Unglück im Stall betroffenen Viehbesitzer produzieren weniger Milch und werden deshalb in der Eegel auch keine Abzüge zu tragen haben. Für die glücklicheren Besitzer, die eine Mehrproduktion auf weisen, werden hingegen bescheidene Abzüge erträglich sein. Soweit stichhaltige Gründe vorhanden sind, kann die Abgabe erlassen werden. Schliesslich sollte nicht übersehen werden, dass die bezüglichen Einnahmen im vollen Umfange dem Garantiefonds des Zentralverbandes schweizerischer Milchproduzenten zufliessen und damit erneut der Müchpreisstützung dienen.

III.

Man begegnet etwa dem Einwände, die befürwortete Umstellung schwäche unsere Position im K o m p e n s a t i o n s v e r k e h r mit dem Auslande. Gewiss ist Getreide eine schätzenswerte Austauschware, aber viel gewichtiger sind die viehwirtschaftlichen Erzeugnisse, wie namentlich Fleisch und Butter. Werden wir den Landesbedarf in diesen Waren auch nach vollzogener Umstellung in der Hauptsache aus der Eigenproduktion decken, so dürften sich doch wenigstens zeitweise gewisse Importbedürfnisse geltend machen. Sind die Mengen auch nicht gross, so werden sie doch geeignet sein, als sehr geschätzte Kompensationswaren, den Importausfall an Getreide auszugleichen.

1085 Die völlige Unterbindung der Buttereinfuhr hat unsere handelspolitische Position gegenüber verschiedenen Staaten (Dänemark, Lettland, Estland) unangenehm geschwächt, und sie könnte durch die Wiederaufnahme einer selbst bescheidenen Buttereinfuhr viel gewinnen. Betriebsumstellung auf Ackerbau und Erhaltung unserer Käseproduktion sind die hiefür geeigneten Mittel.

Land- und volkswirtschaftliche Interessen sind in dieser Eichtung weitgehend gleichlaufend.

IV.

Um die Möglichkeiten der Betriebsumstellung abzuklären, hat das Kriegsernährungsamt die Aufnahme eines das ganze Land umfassenden landwirtschaftlichen P r o d u k t i o n s k a t a s t e r s vorgesehen. Dieser soll die bestehenden Betriebsverhältnisse erfassen und die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Umstellung auf Ackerbau aufzeigen. Die Erhebungen sind in Zusammenarbeit mit den kantonalen und kommunalen Behörden geplant. Anschliessend sollen die Vorschläge unter Mitwirkung der Fachschulen und der landwirtschaftlichen Organisationen, in tunlichster Anpassung an die Besonderheiten der einzelnen Betriebe, im Rahmen des Möglichen und der Wirtschaftlichkeit in die grosse Praxis umgesetzt werden.

Es wird sich bestätigen, dass eine derart angelegte landwirtschaftliche Betriebsumstellung der A r b e i t s b e s c h a f f u n g in hohem Masse zu dienen vermag. Bekanntlich ist es schwierig, in Industrie und Gewerbe entwurzelte Arbeitskräfte wieder in die Landwirtschaft zurückzuführen. Um so wichtiger ist die Erhaltung des Nachwuchses im bäuerlichen Betrieb. Der Ackerbau kann dieser Aufgabe weitgehend dienen und die Bauernjugend bei lohnender Arbeit wieder mehr mit der heimatlichen Scholle verbinden. Derart verkörpert die landwirtschaftliche Betriebsumstellung auch nach dieser Eichtung ein zeitgemässes und langfristiges Problem unserer Volkswirtschaft.

Die Vorlage.

Die Massnahmen zur Erweiterung des Ackerbaues basieren einerseits auf dem Bundesgesetz vom 22. Dezember 1893, revidiert durch Bundesgesetz vom 5. Oktober 1929 betreffend die Förderung der Landwirtschaft durch den Bund, und anderseits auf dem Bundesgesetz vom 1. April 1988 über die Sicherstellung der Landesversorgung mit lebenswichtigen Gütern. Die Probleme sind indessen, abgesehen von der finanziellen Seite, von einer Tragweite, dass der Bundesrat es als geboten erachtet, den eidgenössischen Eäten deren Ordnung durch einen Bundesbeschluss vorzuschlagen.

Unter Hinweis auf die vorausgegangenen Darlegungen und die Vorlage selbst möchten wir uns auf einige erläuternde Bemerkungen beschränken.

  1. Art. l unterstreicht den Grundsatz einer erweiterten, allgemeinen Förderung des Ackerbaues. Eckpfeiler der bereits bestehenden Förderungsmassnahmen sind das Getreidegesetz (Brotgetreide) und die Alkoholgesetz-

1086 gebung (Kartoffeln). Es wird zugleich unterstrichen, dass für Ackerfrüchte eine angemessene Preisparität zu den viehwirtschaftlichen Erzeugnissen geschaffen werden soll, was für den Erfolg der Bemühungen zur Umstellung ausschlaggebend sein wird.

2. Art. 2 stellt die Förderung des Futtergetreidebaues (Hafer, Gerste, Mais) als wichtigste und dringlichste Massnahme obenan, ermächtigt jedoch den Bundesrat, die Massnahmen auf weitere Ackerfrüchte auszudehnen.

3. Art. 3 rückt im Sinne des Berichtes der Expertenkommission die Anbauprämie in den Vordergrund, wahrt jedoch die Möglichkeiten einer gedeihlichen Anpassung an die örtlichen Verhältnisse und der Anwendung anderer gleichwertiger Systeme der Anbauförderung. Den erschwerten Produktionsbedingungen der Berggebiete wird durch Zusatzprämien Eechnung getragen.

4. Art. 4 auferlegt dem Bundesrat die Pflicht einer tunlichsten Anpassung der Förderungsmassnahmen an die besondern Verhältnisse, und es werden ihm hiefür entsprechende Befugnisse eingeräumt. Er soll ermächtigt werden, die Massnahmen auf andere Kulturen auszudehnen oder sie angemessen einzuschränken.

Stimmen aus dem Kanton Tessin befürworteten schon im Zusammenhang mit dem Getreidegesetz die Abnahmegarantie der über die Selbstversorgung hinausgehenden Maisproduktion. Man musste sich jedoch auf die Gewährung der Mahlprämie für Selbstversorger beschränken. Das Problem soll nun auf Grund jüngerer Vorschläge des Staatsrates des Kantons Tessin erneut geprüft werden. Wird eine Lösung in diesem Sinne gefunden, so soll damit einhergehend die verbilligte Abgabe des übernommenen Maises an abgelegene Berggebiete erwogen werden, soweit dort der Mais als Nahrungsmittel eine gewichtige Eolle spielt (Polenta), aus klimatischen Gründen aber nicht gedeiht.

Im Zusammenhang mit den Bemühungen zur Erweiterung der betriebseigenen Futtergrundlage für die Schweinehaltung ist der Anbau von Körnermais in verschiedenen Gebieten des schweizerischen Flachlandes neu eingeführt und erweitert worden. Diese Entwicklung, die zu begrüssen ist, dürfte bei entsprechender Handhabung der Schweinekontingentierung auch ohne Gewährung von Anbauprämien ihren Fortgang nehmen. Soweit sie aber notwendig werden sollte, bestände die Möglichkeit, sie zu gewähren.

In Berggebieten wird auch für Gerste die Mahlprämie verabfolgt. Diesem Umstände wäre bei der Festsetzung der Anbauprämie Eechnung zu tragen, was wohl ohne besondere Schwierigkeiten möglich sein dürfte.

5. Zugunsten von Berggebieten gewähren einzelne Kantone heute schon bescheidene Zuschüsse für den Ackerbau und die Verwertung von Ackerfruchten. Bekannt ist ferner die bisherige Bundesaktion zur Beschaffung verbilligter Saatkartoffeln für Bergbewohner. Diesen Umständen soll Art. 5 Eechnung tragen.

Soweit für ausgesprochene Grasbaugebiete die Wiedereinführung des Ackerbaues mit Erfolg bewerkstelligt werden soll, bedarf es neben Belehrung

1087 und Aufklärung vor allem des guten Beispiels. Die hierauf abzielende Pionierarbeit, gleichviel, ob sie durch Private oder auf genossenschaftlicher Grundlage betrieben wird, bedarf nachhaltiger Unterstützung, so in der Beschaffung der erforderlichen Ackergeräte und in der Verwertung der Erzeugnisse.

6. Nach den Aufstellungen der schweizerischen Genossenschaft für Getreide und Futtermittel wurden von den unter Art. 6 fallenden Positionen in den Jahren 1936 und 1937 mit Preiszuschlägen importiert in Tonnen: Hafer Gerste Mais Futterweizen Futterroggen Hulsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen) Total

1936

1937

168906 79240 81175 43433 8918 618

159540 147167 107710 45705 5182 582

382 290

485 886

Nehmen wir, unter Berücksichtigung des zu erwartenden Eückganges, die jährliche Einfuhr für die nächsten Jahre mit 350 000 und für eine anschliessende Periode mit 300 000 Tonnen an, so ergibt sich bei einer Belastung von Fr. 2 je 100 kg eine Jahreseinnahme von etwa 7, später von 6 Millionen Franken.

Die Aufwendungen werden anfänglich nicht so hohe Beträge erfordern, so dass sich für den vorgesehenen Ausgleichsfonds zunächst erhebliche Zuwendungen ergeben werden. Sollte infolge Erweiterung der Inlandsproduktion und des daherigen Importrückganges die vorgesehene Finanzquelle nicht mehr genügend fliessen, so wäre sie nach Massgabe der dem Bundesrat im selben Artikel eingeräumten Kompetenzen zu erweitern.

Kann die Ausscheidung aus den Preiszuschlägen auch nicht vor dem 1. Mai 1939 vorgenommen werden, so dürfte deren Ertrag dennoch ausreichen, um die Aufwendungen für das ganze Jahr 1939 zu decken.

7. Art. 7 ordnet die Verpflichtungen, welche den Produzenten in Sachen der Betriebsumstellung und einer allfälligen Ablieferung der Erzeugnisse für die Landesversorgung auferlegt werden können. Im Sinne der weiter oben gemachten Darlegungen gedenkt der Bundesrat in normalen Zeiten von einem eigentlichen Anbauzwang wie auch von Vorschriften über eine Ablieferung der Erzeugnisse abzusehen. Für die grosse Mehrheit der Betriebe steht ohnehin eine gedeihliche Selbstversorgung im Vordergrund.

8. Der Finanzierung des weiter oben erörterten Fonds für Fohlenhöfe ist Art. 8 gewidmet. Der Bundesrat wird in der Lage sein, aus den bis 30. April 1939 fliessenden und ihm zur Verfügung stehenden Einnahmen aus Preiszuschlägen auf Hafer einen Betrag von nicht weniger als Fr. 250 000 auszuscheiden. Wenn dazu auf je 100 kg des später importierten Hafers weitere 50 Ep. hinzugelegt werden, so wird der vorgesehene Maximalbetrag von l Million Franken innert weniger als Jahresfrist beieinander sein.

1088 Für das eidgenössische Hengsten- und Fohlendepot steht die Einrichtung einer Weide für Hengstfohlen im Berner Jura schon seit Jahren auf dem Programm. Damit sollte die Möglichkeit geschaffen werden, die Freibergerhengste des Bundes wenigstens zu einem Teil in ihrem heimatlichen Milieu aufzuziehen. Sofern die Mittel hinreichen, könnte der Fonds auch für diesen Zweck herangezogen werden.

Die Erweiterung unserer Pferdezucht steht im Hinblick auf die Sicherung der erforderlichen Zugkraft auch mit der künftigen Entwicklung des Ackerbaues in enger Beziehung. Überdies ist sie geeignet, der milchwirtschaftlichen Überproduktion zu steuern. Ihre Erörterung unter dem Titel der Förderung des Ackerbaues dürfte somit keineswegs aus dem Eahmen fallen.

9. Die sofortige Inkraftsetzung des Beschlusses dürfte im Hinblick auf die Dringlichkeit der Betriebsumstellung vom Gesichtspunkte der wirtschaftlichen Kriegsvorsorge wie der Entlastung des Milchmarktes gleichermassen erwünscht sein.

Die Durchführung ist in Zusammenarbeit der eidgenössischen Landwirtschaftsabteilung mit der eidgenössischen Getreideverwaltung und in Fühlungnahme mit den kantonalen Behörden in Aussicht genommen.

Wir beantragen den eidgenössischen Bäten, sie möchten den im Anhang beigegebenen Entwurf eines Bundesbeschlusses über Massnahmen zur weitern Förderung des Ackerbaues in Beratung ziehen und tunlichst bald verabschieden.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren National- und Ständerate, erneut die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Bern, den 12. Dezember 1938.

Ini Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident:

Baumann.

Der Bundeskanzler: G. Boret.

1089 (Entwurf.)

Bimdesbeschluss über

Massnahmen zur weitern Förderung des Ackerbaues.

Die Bundesversammlung der schweizerischen Eidgenossenschaft, in der Absicht, der milchwirtschaftlichen Überproduktion zu begegnen, in Anlehnung an das Bundesgesetz vom 1. April 1938 über die Sicherstellung der Landesversorgung mit lebenswichtigen Gütern und an das Bundesgesetz vom 22. Dezember 1893/5. Oktober 1929 betreffend die Förderung der Landwirtschaft durch den Bund, nach Einsicht einer Botschaft des Bundesrates vom 12. Dezember 1938, beschliesst: Art. 1.

Zürn Zwecke einer umfassenden Sicherstellung der Lebensmittelversorgung des Landes und der Entlastung des Milch- und Milchproduktenmarktes trifft der Bund Massnahmen zur weitern Forderung des Ackerbaues.

Bei deren Durchführung ist dahin zu wirken, dass zwischen den Erzeugnissen der Viehwirtschaft und des Ackerbaues eine angemessene Preisparität besteht.

Art. 2.

Der Bundesrat trifft vor allem Massnahmen zur Erweiterung des Anbaues von Hafer, Gerste und Mais. Sie können im Sinne der nachfolgenden Bestimmungen auf weitere Ackerfrüchte ausgedehnt werden.

Die Massnahmen sind so zu gestalten, dass sich beim Anbau von Hafer, Gerste, Mais und andern Ackerfrüchten ähnliche Betriebsergebnisse wie beim Anbau von Brotgetreide (Weizen, Eoggen, Dinkel) erzielen lassen.

Art. 3.

Zu dem in Art. 2 genannten Zwecke wird den im Inlande niedergelassenen Pflanzern von Hafer, Gerste und Mais landeseigener Produktion, die in reifem Zustande geemtet wird, zum Ausgleich von Produktionskosten und Preis

1090 eine Prämie gewährt, die vom Bundesrate festgesetzt wird. Sie darf den Betrag von Fr. 200 je ha in der Eegel nicht übersteigen. In Berglagen, ausnahmsweise auch unter andern ungünstigen Produktionsbedingungen, kann darüber hinaus eine zusätzliche Prämie bis zu Fr. 50 je ha bewilligt werden.

Bei der Bemessung der Prämien sind die Anbaubedingungen und der Stand der Kulturen zu berücksichtigen. Die Prämien können entsprechend abgestuft werden.

Der Bundesrat ist ermächtigt, soweit es die Umstände rechtfertigen, an Stelle der Anbauprämie andere, gleichwertige Förderungsmittel anzuwenden, wie die Abnahme der Ware bei den Produzenten zu angemessenen Bedingungen.

Art. 4.

Der Bundesrat wird die Förderungsmassnahmen den besondern Verhältnissen anpassen. Er kann insbesondere: a. die Vergünstigungen für Mais auf die bisherigen Anbaugebiete (St. Gallen, Graubünden, Tessin, Wallis) beschränken; b. sie für einzelne Spezialkulturen, wie die Braugerste, als nicht anwendbar erklären oder angemessen herabsetzen; c. sie nach Massgabe besonderer Bedürfnisse auf weitere Kulturen, wie Buchweizen und Hülsenfrüchte, unter den von ihm festzusetzenden Bedingungen ausdehnen.

Art. 5.

Der Bundesrat ist ermächtigt, den Kantonen an ihre Aufwendungen zur Förderung des Ackerbaues Bundesbeiträge zu verabfolgen. Diese sollen in der Eegel nicht über die kantonalen Leistungen hinausgehen und dürfen in Gebirgsgegenden höchstens den doppelten Betrag derselben erreichen.

Beiträge von Gemeinden, landwirtschaftlichen Vereinigungen und weitern, nicht direkt interessierten Dritten können nach dem Befinden des Bundesrates den kantonalen Leistungen gleichgestellt werden.

Diese Beiträge können sieh insbesondere erstrecken: a. auf die Anschaffung von Ackergeräten in Berggebieten; fe. auf die Abgabe von erstklassigem Saatgut zugunsten von Bergbewohnern; c. auf besondere Einrichtungen zur Verwertung von Ackerfrüchten.

Der Bundesrat ist überdies befugt, unabhängig von kantonalen Leistungen die Beschaffung von erstklassigem Saatgut von Kartoffeln, Futtergetreide (Hafer, Gerste, Mais) und weitern Ackergewächsen in ähnlicher Weise zu unterstützen, wie dies zugunsten des Brotgetreides gesetzlich geordnet ist.

Art. 6.

Zur Finanzierung der nach diesem Beschluss erforderlichen Aufwendungen wird aus den Einnahmen aus Preis- oder Zollzuschlägen auf der Einfuhr von

1091 Hafer, Gerste, Mais, Futterweizen und Futterroggen, sowie von Hülsenfrüchten zur Viehfütterung, ein Betrag von Fr. 2 je 100 kg ausgeschieden.

Der Bundesrat kann nach Bedarf diesen Betrag bis auf Fr. 3.--· erhöhen oder bis auf Fr. 1.50 herabsetzen und ihn überdies auf weitere Futtermittel ausdehnen.

Die sich aus den Preiszuschlägen ergebenden Jahresüberschüsse sind in einem Ausgleichsfonds anzulegen, der später zur Deckung von Fehlbeträgen heranzuziehen ist. Sollte sich in einer Eechnungsperiode ausnahmsweise ein Fehlbetrag ergeben, zu dessen Deckung die Mittel des Ausgleichsfonds nicht ausreichen, so ist aus allgemeinen Bundesmitteln ein Vorschusskredit zu beAvilligen, der im folgenden Eechnungsjahr zurückzuerstatten ist.

Art. 7.

Der Bundesrat ist nach Massgabe der Erfordernisse ermächtigt: a. die Ablieferung der Körnererträge von den Produzenten zu verlangen, soweit letztere auf Grund dieses Beschlusses Bundesbeiträge in Anspruch nehmen. Der Übernahmepreis wird gegebenenfalls unter Würdigung des Bundeszuschusses nach Massgabe der Produktionskosten durch den Bundesrat festgesetzt; fe. allgemeine Richtlinien für die landwirtschaftliche Produktion festzulegen und das Ausmass der Betriebsumstellung für den einzelnen Betrieb zu bestimmen.

Art. 8.

Für eine nachhaltige Förderung der Landespferdezucht wird der Bundesrat einen Fonds von höchstens l Million Franken anlegen.

Zur Äufnung des Fonds kann der Bundesrat im Eahmen der Bestimmungen von Art. 6 aus den Preis- oder Zollzuschlagen einen besondern Betrag bis zu 50 Eappen je 100 kg importierten Hafers ausscheiden.

Die Mittel dieses Fonds sind insbesondere für die Unterstützung von Einrichtungen zur rationellen Aufzucht und Anlernung von Fohlen (Fohlenhöfe mit geeignetem Weidegang) heranzuziehen.

Art. 9.

Dieser Beschluss wird als dringlich erklärt und tritt sofort in Kraft.

Der Bundesrat ist mit seinem Vollzuge beauftragt. Für die Durchführung kann er die Mitwirkung der Kantone in Anspruch nehmen.

Der Bundesrat ist ferner ermächtigt, Vollzugs- und Strafbestimmungen zu erlassen.

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Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über Massnahmen zur weitern Förderung des Ackerbaues. (Vom 12. Dezember 1938.)

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1938

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