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Schweizerisches Bundesblatt.

^lll. Jahrgang. l.

Nr. ^.

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19. Januar 18^1

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der

mit der Prüfung des Beschlußentwurfes über die Bewaffnung der Infanterie beauftragten nationalräthlichen kommission.

(Vom 10. Dezember 1860.)

.

Tit..

Jn seiner Botschaft vom 27.. Rovember 1860 hat der Bundesrath den mangelhasten Ausland der gegenwärtigen Bewaffnung der Jnfanter.e gezeigt und die Notwendigkeit dargethan, ohne Verzug die diessfalls beZeichneten Lüken auszufüllen.

Sie erinnern sich, Tit., dass nach dem Besehlnsse vom 25. September 1856 die ersten Jägerkompagnien eines jeden Bataillons, die Jägerkompagnien der Halbbataillone uud die einzelnen Jägerkompagnien das Jägergewehr erhalten sollten, ein Braeisionsgewehr, welches ansanglieh der Gegenstand eben so lauten Lobes als Tadels war, das aber schließlich als Blanklerwaffe, abgesehen von ihrem zu kleinen Kaliber, wesentliche Vortheile darbietet. Die Kosten dieser ersten Bewaffnung wurden zu einem Dritttheil von den Kantonen und zu zwei Dritttl,eilen vom Bunde getragen. Allein es muss hier bemerkt werden, dass ans jede Kompagnie nur die genaue reglementarische Zahl von Flinten geliefert wurde ; die Bewaffnung der überzähligen Mannschast, welche zur Ergänzung der Lüken im Falle eines Feldzuges bestimmt sind, wurde nicht vorgesehen ; eben so wenig geschah für die Errichtnng eines eidgenossischen Vorrathes dieser Waffen , wie es die . einsamsten Vorsichtsmaßregeln erfordert hätten.

Der Entwurf des Bundesrathes bezwekt nun nicht nnr eine Abhilfe für die so eben belichteten Mängel, indem er die Anzahl der JägergeB u n d e s b l a t t

J a h r g .

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wehre um 20^, auf jede Kompagnie erhöht, um auch die Ueberzahligen bewaffnen zu konnen , sondern er beabsichtigt auch , die in Betreff der Bewaffnung der ersten .Kompagnien getroffenen Massregeln auf die zweite Jägerkompagnie eines jeden ^Auszügerbataillons auszudehnen.

Zu diesem Zweke müsste man sofort 8000 Jägergewehre, entsprechend dem reglementarischen Bestande der zweiten Aus^ügerkompagnien , nebst 20 ^ überzähligen für beide Kompagnien, d. h. 3500 Flinten, und noch weitere .l 500, für das eidgenossisehe Vorrathsdepot anschaffen. Es han-

delte sich also um den sofortigen Ankauf von 13,000 Jägerflinten,

was der Eidgenossenschaft eine Ausgabe von Fr. 660,000 verursachen würde.

Der übrige Theil unserer Jnfanterie, des Auszugs und der Reserve, ist mit Vrelat^Burnand-Gewehren bewaffnet. allein der Bundesbeschluss vom 26. Januar 185.) ^), womit die Umänderung beschlossen wurde, belastete die Eidgen ossensehast nur mit den aus die reglementarisehe Stärke der Bataillone berechneten Kosten . und liess die Ueberzähligen gleichfalls vollständig ausser Acht, deren Bewaffnung doch eben so unerlässlich ist.

Freilich hat der Bundesrath dnr.h besonderu Erlass von. 2. Jnli laufeuden Jahres den Kantonen die Möglichkeit gewährt , 20 ^ über ihre reglementarische kontingentsmässige Flintenzahl hinaus umändern zn lassen. Allein obwohl die Kosten dieser Umänderung vom .Bunde getragen werden , so haben doch mehrere Kantone von diesem Zugeständnis. keinen gebrauch gemacht und sieh noch nicht über ihr Vorhaben in dieser Hinsicht ausgesprochen. Es wäre daher gut, wenn dieser Gegenstand durch einen Beschluss der Bundesversammlung geregelt und die in ^rage stehende Massregel unverzüglich ansgesührt würde.

Die Kosteu dieser nachträglichen Umänderung siud im Dekret vom 26. Jänner 185.) nicht vorgesehen worden, eben so wenig diejenigen der Munitionsumänderung , welche die Bundesversammlung gleichfalls dem Bunde aufzuerlegen beschlossen h^t, so das. der ursprüngliche Kredit von Fr. 500,000 um ein Beträchtliches überschritten werden wird , der erforderliche Raehtragskredit , dessen Ein..ela..s.^e in der. bundesräthli..hen Botschaft aufgezählt werden, belauft sich aus d.e Suunne von Fr. 533,000.

Endlich hält es der Bundesrath auch fur nothwendig, ein eidgenossisches Vorrathsdepot von 10,000 ^r.^lat.^Bnrnand-Gewehxen anzulegen.^ Laut deu vom Militä^epartement gemachten Angaben konnte n^an sieh solche sofort zu 25 ^r. das Stük, die Umformung von bereits gebrauchteu Flinten von ausg^e^ehueter Qualität inbegxifsen . verschaffen. Diese Ausgabe würde also aus Fr. 250.000 ansteigen.

Die verlangten .^...ehtragskredite werden in folgende drei Beträge zusammengefaßt .

.^) ^. eidg. ^ e s^sa m mIung , Band ..^ ^^i^e ^^.

73 ^ J^ergewehre . . . .

. . F r . 660,000 Rachtragskredit für die Umänderung der Gewehre und die Munition . . . . . . ,, 533,000 10,000 Vrelat-Burnand-Gewehre .

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250,000

Total Fr. 1,443,000 Einstimmig anerkannte die kommission die Zwekmassigkeit dieser Vorschlage, und sie würde ke^en instand genommen haben, deren Annahme dem ^ationalrathe zu empfehlen, wenn sie nicht gleichzeitig die Unmoglichkeit erkannt hätte, sie binnen kurzer Frist in so grossem Massstab^ iu^s Wert zu sezen.

Zugegeben, dass gute Gründe für die Bewaffnung der J^igerkompagnien de.^ linken F^ls in d...n Auszüger.. ataillonen mit J^gergew.^hren angeführt werden konnen , so konnte sich die kommission dennoch nicht verhehlen, dass die nur auf den Bu.^desauszug beschrankte Annahme einer solchen Massregel die Schwierigkeiten vermehren würde. welche sich se^t schon feigen , wenn Solche , die einmal mit dem J^igergewehr versehen waren, vom Auszug in die Reserve übertreten sollen.

Jn mehreren Kantonen wird, und wir glauben mit Recht, grosses Gewicht darauf gelegt, dass der Soldat jederzeit die Wafse in Händen habe, deren er zum Militärdienste bedarf. .^o lernt er si.^ kennen, besorgen und behandeln . was nicht geschehen kann , wenn der Mann sein Gewehr erst beim Eintritt in den Dienst erhalt. Mehrere Kantone zielen es daher vor, dem Soldaten die Waffen als vollständiges E^.nthum uni die Halste oder zu zwei ^ritt.heileu des Ankaufspreises z... überlassen, damit sie sein personliches Bestzthum werde. Wie soll man sieh in diesem ^alle denken, dass die Mannschaft, welche im ..^....zug^ gedient und da^ J.igerg.^wehr erhalten haben wird, in die noch nicht mit dieser Waffe versehene Bundesr...s...roe eingereiht werden kann ^ .^oll man den. J^ger ein Ge^ wehr nehmen, an^das er während 8 oder 10 Jahren gewohnt war, und il^u. dafür eine Brelat..Bnruand^inte zustellen .^ ^iese Schwierigkeit si..ht der .^ntwnrs nicht vor, d.ese Schwierigkeit besteht schon bei einer Kompagnie, diese ..^chw^eri^keit wird verdop^^lt, wenn beide Jägerkompagnien der ^luszügerbataillone u^it deu.. Jägergewehr bewaffnet werden.

...^oll die Anschaffung der vorgeschlagenen Flintenzahl beschlossen werden, so ist die .kommission der Ansicht, eh^r die ersten J.^g.rkon^ pagnien der Bundesreserve unt fraglichen. Gewehr aufzurüsten, we^l diese erste Kompagnie sich aus der entsprechenden .^ln^üge..kompagnie rekrntirt und mau nicht zageben darf, dass in der n.nnlichen R.serveko^npa^nie sich

J^ger befinden, welche tl^.ils nut deui Jägergew.hr, theils mit dem ..^relat^Bnrnand-Gewehr bewaffnet wären. Wir wollen un.^ nicht weiter über die au^ einer solchem Vermischung entspringenden Verwiklnng^n , be^ tresfend dte Munition solcher Kou^pagnien, verbreiten , n.an kann sich dieselben leicht vorstellen.

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Die Konmüssion ist im Fernern überzeugt , dass , man mag handeln wie man will, die 13,000 Jägergewehre in keinem Falle vor acht Monaten geliefert werden können, und es ist zu hosfen, dass alsdann das gleichförmige Kaliber ausgenutzt sein wird, mit dessen Auffindung man

sich so eifrig beschäftigt.

Die Kommission glaubt daher, man müsse sieh nur mit dem einen Bunkte befassen, so schnell als moglieh aus dem lügenhaften Zustande heraus^ugelangeu , worin sich die gegenwärtige Bewaffnung unserer Jnfanterie befindet, nämlich, man solle den ersten Jägerkompagnien die un-

erlässlichen überzähligen ^linten , d. h. im Verhältniss von 20 ^ zu-

stellen ; von den Kantonen einen ähnliehen Vorrath von Brelat..BnrnandGewehren für den Bnndesauszug und die Bundesreserve verlangen;

endlich ein eidgenössisches Reservedepot von 1000 J.igergewehren und

20,000 Brelat-Burnand- Gewehren, statt der im Entwürfe angesehen 10,000 Gewehre, erstellen.

Alle diese Massnahmen konnen binnen wenigen Monaten ausgeführt werden und ihre unmittelbare Anwendung finden. Die Bewaffnung der Jnfanterie des Bundesheeres darf alsdann in Bezug auf die Qualität als für mehrere Jahre genügend betrachtet werden, und man wird für die dringendsten Bedürfnisse in Bezug auf die .Quantität gesorgt haben.

Die Kommission glaubte, ihre Ausi.hten dem Vorsteher des MilitärDepartements mittheilen zu sollen, und glaubt annehmen zu konnen, derselbe habe ihre Anschauungsweise geteilt.

Die von der Kommission im Entwurfe angebrachten Aenderungen beschränken den verlangten Kredit aus Fr. 1,198,000, wonach eine Minder-

ausgabe von ^r. 245,000 erzielt wird.

Die Kommisston beantragt daher mit Einstimmigkeit, Sie, Tit., mochten nachstehendem Besehlussentwurs Jhre Genehmigung ertheilen.

Bern, den 10. Dezember 1860.

Der Berichterstatter in franzofischer Sprache : ^)

.^. ^hallet^enel.

^) Der Bericht ln d e u t s c h e r Sprache wurde von ^errn Oberst ^ l e g l e r mundllch erstattet.

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Bericht der mit der Prüfung des Beschlußentwurfes über die Bewaffnung der Infanterie beauftragten nationalräthlichen Kommission. (Vom 10. Dezember 1860.)

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