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Schweizerische Bunundesblatt.

XIII. Jahrgang. l.

Nr. 7.

ST

7. Februar 1861.

B e r ic ht des

schweig. außerordentlichen gesandten in Brasilien, Herrn v.

Tschudi, über die Kolonialverhältnisse in den brasilianischen Provinzen Santa Isabel, Santa Leopoldina und Rio novo u.

(Vom 20. Dezember 1860.)

Tit.!

Den 25. Oktober 186..) schiffte ich mich, vom schweizerischen Generaleonsul, Hrn. Rasfaxd, begleitet, an Bord des Dampfers .....ao Matheus ein und langte den 28. Morgens iu Victoria, der Hauptstadt der Provinz Espirita Santo an. Da sieh in dieser Stadt (ia in der ganzen Broviuz) kein einziges Gasthaus befindet, so sandte, von unserer Anl.unst benachrichtigt, S. Ex. der Präsident der Provinz, Hr. Antonio Alez de Souza Cacvalho seinen Secretär an Bord und liess uns einladen, im Regiernngspalaste abzusteigen, was wir aueh. annahmen.

Die beiden folgenden Tage verwendete ich zu einem gründlichen Studium aller auf die Kolonien der Brovinz bezüglichen Dokumente, Deerete und offieiellen Korrespondenzen des Archives des Provinziallandamtes, das mir der Président n.it der dankenswertesten Offenheit zur freien Ver-

sügung stellte.

Durch dieses Studium wurde ich in die Lage gefegt, schon vor meinem Besuche der Kolonien eine klare und genaue Einsicht nicht nur der Eolonialverhält..isse im Allgemeinen, sondern auch der Lage einzelner Familien zu erlangen. Jeh habe durch diese Untersuehuug die UeberzeuB u n d e s b l a t t .

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152 gung gewonnen, dass die kais. Regierung von dem besten Willen beseelt ist, die Kolonisation aus die möglichst zweckmässige Weise zu fordern, und ^u diesem Zwecke kein Opfer scheut, dass aber, wenn sie dieses Ziel nicht erreicht,. die Schuld vorzüglich an untergeordneten Organen und in Verhältnissen liegt, die ich weiter unten näher bezeichnen werde.

Den 31. Oetober reiste ieh nach der Regiernngseolonie ^ .

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Diese Kolonie wurde im Jahre 184^ ans Regiernngsbefehl vom damaligen Präsidenten der Brovinz, Hrn. Consell.ero Ln.s ^.....^r.^ ...^ .^..^ ..^..r^.... mit 38 Familien aus Rheinpreussen g e g r ü n d e t . Sie liegt in westsüdwestlicher Richtung 8 .Leguas von der Brovin^alhauptstadt entfernt zwischen dem .^ .^..^ im Rorden und dessen Zufluss ...^...^ ...^ S.^l im Süden. Ersterer ist eine Strecke weit für Eanoes schiffbar, jedoch nicht bis zur eigentlichen Eolonie. Die neue Strasse, die von l.^orto velho in der Rahe der Hauptstadt (die auf einer Jnsel liegt) in die Eolonie führt, ist zwar nicht f a h r b a r , aber gut nnter-

halten und zweckmässig angelegt. Wenn sieh einmal das Bedürfniss durch

eine starke Exportation dazu fühlbar macht, so kann sie bis in das kolonialeentrum leicht zu einer Fahrstrasse erweitert werden. Von der Hauptstrasse verzweigen sieh zu den meisten Eolonistenbesitzungen gute Maulthierwege.

Rach dem Blaue der Regierung soll eine sede einzelne Besitzung einen solchen Weg bekommen.

Die Kolonie, deren Ausdehnung auf vier .^uadratleguas (3.^ deutsche ^Meilen) berechnet ist, besteht aus sehmalen Thaleru und be^ waldetem, niedrigem Gebirge. Der Boden ist von mittelmässiger Güte, lohnt aber doch bei ordentlicher Bearbeitung den darauf augewendeten Fleiss reichlich ; nur für Bohnen, einem der vorzüglichsten Rahrnn^smittel in Brasilien, ist er niehf tauglich, für die .^asseeenltnr hingegen, der grossten .^.osfnung der Eolouisten, ist er geeignet. Das Elima ist gesund, die Hitze nie so unerträglich, dass sie die Kolonisten au der Feldarbeit hindern würde. Jm laufenden Jahre, das sieh in ga..z Brasilien durch einen sast nie erlebten Regenmangel hoehst unvortheilhaft auszeiehnete, maehten die Feld^.uäuse hier, sowie in einen. grossen Theil der Vrovinz, einen sehr namhaften Sehaden.

Die D i r e k t i o n von ^ant^ lsabel ist einem ehemaligen preussisehen Ossifere, Hrn. Adalbert Jahn anvertraut, einem Maune, der durch seinen anerkannt rechtlichen Eharakter, ausgedehnte Sachkenntnisse, sesten Willen und strenge Unparteilichkeit seine Ausgabe auf das ehrenvollste erfüllt.

Es befinden sieh in der Eolouie ein protestantisches Bethaus und eine ^iemlieh grosse katholische Kixehe , erfteres ist im Ansauge der Eolonie und ziemlich vernachlässigt, letztere mehr gegen das Eentrum derselben gelegen , aber noch nicht gan^ vollendet. Den Gottesdienst versehen ein protestantisch^ Geistlicher und ein österreichischer Kapuziner aus Tirol.

153 Während meiner Anwesenheit in Victoria langte der neue protestantische Geistliche daselbst^ an. Zwei seiner Vorgänger sind in den verflossenen Jahren in der Kolonie gestorben. der eine an Lungentuberkulose , der andere an einem typhosen Fieber. Der sn.e Regierungsgehalt des p r o t e s t a n t i s e h e n Geistliehen beträgt per Jahr 800,000 Reis (eirea 2400 Fr^), der des Kapuziners 360,000 Reis (eirea 1080 Fr.). Den katholischeu Sehnlunterrieht versieht der katholische Geistliehe, den protestantischen provisorisch ein Sehullehrer, der zwei Mal wochentlieh in der Rahe des Zentrums , zwei Mal ein paar Stunden weiter gegen den Ansang der Kolonie Unterricht ertheilt. Wahrscheinlich wird nun der protestantische

Geistliche die Leitung desselben übernehmen. .

Ein brasilianischer Ar^t ist aus Regierungskosten in der Eolonie an-

gestellt.

Erst seit ungefähr ^wei Jahren, d. h. seit Hr. Jahn mit der Direetion betraut wurde, hat die Eolonie einen bedeutenden Aufschwung genommen. früher waren alle dortigen Verhältnisse in grösster Unordnung; es e^istirte nicht einmal ein Ramensverzeichniss der Eolonisten. Der erste Direktor oder sogenannte Superintendent war ein zelotiseher osterreichischer Kapuziner, Badre W e n d e l i n ; nach seinem ^lbgange wurde ein fast ganz ungebildeter Eolonist zu dessen Raehfolger ernannt, und die Eolonie wäre unter dessen sernern Leitung gänzlich in Versall gerathen.

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Jahre 1858 wurde endlich Hr. Jahn als Direktor angestellt, und es ist

im Juteresse der Regierung und der Eolonisten zu wünschen, dass er in seiner seligen Verwaltungsweise noch eine Reihe von Jahren fortfahren moge.

deiner der Kolonisten hat sieh bei mir weder über die kais. Regierung, noch über die Direktion beklagt, wohl aber ein Theil der deutschen Emigranten über die unverschämte .^rt, wie sie von den .^lusu.anderungsageuten betrogen und beftohlen werden. Die heftigsten klagen waren gegen einen gewissen Agenten T e ^ t o r in Frankfurt a^M. gerichtet.

Jn dieser Eolonie hat seit einiger Zeit ein boses Element Wurzel gefaxt, nämlieh religiose Jntoleran^ und die Wnth der Broselhtenmacherei.

Der erste Jmpuls ging ohne Zweifel von dem schon erwähnten osterreiehischen Eapuziner Wendelin aus ; in seine ^usstapfen traten seine Raehsolger, die beiden andern tirolischen Eapu^iner Badre Bedro Ouep und l^.

Hadrian Lausehner, die ihre Wirksamkeit über die beiden Eolonien ^....uta lsabel und ^nta Leopoldina erstrecken.

Jch kann indessen uieht verhehlen, dass auch einen der srühern protestantischen Geistlichen der nämliche Vorwurs trifft.

Es ist gegen den Willen der kais. Regierung, dass irgend ein Aet

der Jntoleranz ausgeübt werde. Unterm 18. August 1858 gab ^. B.

der damalige Minister des Junern, Marque.^ de Ciind^, dem Bräsidenten der Brovin.^ Espiritn ^nto den g e m e s s e n s t e n Befehl, darauf zu achten, dass aus den Eolonien die grosste Toleranz beobachtet werden solle,

154 und schreibt ihm bei dieser Gelegenheit. ^Sie sollen jedem, den es be.,trifft, fühlbar machen, dass die kais. Regierung die Vorschriften der Eon-

.,,stitution des Reiches ausgeübt wissen will, welche Allen den Eultus ,,ihxes Glaubens garantit, damit sie sich gegenseitig^ achten.^

Zwei Tage vor meinem Besnche in ^ant.^ lsabel hatte dort der Uebertritt eines protestantischen Eolonisten zur katholischen .Kirche stattgefunden , und zwar unter Umständen , die bei den Brotestanten grosse Jndignation erregt hatten. Jn Folge dessen sandte der Bräfident der Brovinz dem katholischen Geistliehen einen Erlass , in welchem er ihm sagte .

.,,die kaiserliche Regierung habe nicht Eolonisten nach Brasilien kommen lassen, um Seelen für den katholischen Glauben zu gewinnen, sondern denselben eine Existenz für die Zuknnst zu gründen. er verbiete anmit jede Konversion in den Eolonien selbst. Wenn ein Eolonist das Bedürsniss fühle, seinen Glauben zu ändern, so solle er nach der Hauptstadt kommen und sich bei ihm melden , damit er (der Bräsident) sich selbst überzeugen konue, ob die Glaubensändernng aus eigenem Antriebe stattfinde, und dann konne der Uebertritt in einer .Kirche von Victoria stattfinden.^ Sehnliche Mittheilungen machte S. Ei.. auch dem neu angekommenen protestantischen Geistlichen.

Dieser Befehl zeugt jedenfalls von dem Wunsche der kais. Regierung, den Bekehrungseifer so viel wie moglich zu paral^siren.

Da der P. Hadrian .^auseh..er während meiner Anwesenheit in Victoria auch dort war, so liess ihn der Bräfident in meiner Gegenwart rufen, und ich ergriff diefe Gelegenheit, ihm einige ernste Bemerkungen über die Wichtigkeit, unter den Eolonisten die religiose Harmonie nicht zu storen, z^u machen.

Die Eolonisten, grosstentheils deutsche, werden im Ganzen genommen ^als fieissig bezeichnet, ein kleiner Theil unter ihnen, besonders Hessen^ Darmstädter, die blutarm ankamen, und wohl schon zu Hause zum schlecht tern Theile der Bevölkerung gehorten, soll dem Trunke ergeben sein und wird desshalb wohl auch ein schlechtes Fortkommen finden. Ungefälligst und unverschämte Forderungen sür die geringsten geleisteten Dienste findet man auch hier, wie in so vielen andern Eolonien.

Da gegenwärtig noch .Ländereien sür künftige Eolonisten vermessen werden, so finden die je^gen Eolonisten bei den Feldmessern, um ihnen Schneisen zu hauen, guten Verdienst. Da die .Arbeit hart ist, so setzen gewohnlieh die Arbeiter eine Woehe um die andere aus, besehästigen sich in der sreien Woche auf ihren Besitzungen , und konnen sich auf diese Weise doch in einem Monate 80 bis 100 ^ranken baar verdienen . bei den ^.Massenarbeiten in der Eolonie erhalten sie täglich eirea 4 Franken Arbeitslohn.

Es sind gegenwärtig aus der Eolonie ..^nta Is.^el 14^ ^amilien, die 628 Kopfe zählen, niedergelassen.

wenige Schweizer, nämlich:

Unter diesen befinden sieh nur sehr

155 t . W e r f e li. Samuel aus B o t t w ^ l , Bezirk Zofingen, Kant.

Aargau, früher Halbpächter beim Fa^endeiro Castro aus Ubatuba, sammt Frau und einem minderjährigen Kinde. ..

Diese Familie wird vom Direktor als brav, fleissig und sparsam sehr gelobt. Werfeli ist im dritten Jahre auf der Kolonie , hat über l 000 Kaffeebäume gefegt, besi^t schone Mais- und Mandioeapflauzungen, und bereitet schon ein ziem.iehes Quantum. Mandioeamehl ^..rinh.^ zum Verkauf. Er hat gegenwärtig fünf Stück Rindvieh, und beabsichtigt, nach und nach so viel Weide auzulegeu, um 50 Stücke halten zu konnen. Werseli ist mit seiner ^age zufrieden und kann, da er jung, arbeitsam und ordeutlich ist, ein wohlhabender Manu werden.

2. G i n s b e r g , Friedrich, ans M e t t m e n s t e t t e n , Kant. Zürich, vier Versone.. Wie m n. .versichert wurde, haben ihm im ersten Jahre nach seiner ^lnkunst die Kapuziner Hülse nüd Unterstützung versprochen, wenn er katholisch werde . Ginsberg liess sich^ überreden und änderte seinen Glauben, wurde dann aber, wie es in ähnlichen Fällen gewoh..lich gesehieht, von Katholiken und Protestanten verlassen; und da er überdiess kein fleißiger Arbeiter sein soll, so hat er es bis jetzt noch nicht viel vorwärts gebracht.

3. P a u m g a r t n e r , Elisabeth, Wittwe, sammt ihrem Sohn Ehristoph , aus E n g i , Kant. Glarus.

Da die Wittwe ziemlich alt und schwach ist, so lastet fast die ganze

Feldarbeit. allein aus ihrem Sohne. Sie bat mich um meine Verwenduug, damit ihr noch dreimonatliche Regierungsunterstützung verabfolgt werde, um Arbeiter aufzunehmen, die ihr eine grossere ^trecke Urwald schlagen und urbar machen sollen. Aus meine diesssällige Rücksprache mit ^. E^. dem Präsidenten, wurde uuver^üglich der Befehl gegeben, ihr diese Unterstützuug zu gewähren, obschon sie beim Vrovinziallandamte nicht gut angeschrieben ist.

Endlich wohnt aus dieser Kolonie noch eine Schweizerin, die Wittwe Maria Agnes ^ehopp bei ihrem ^chwiegersohne, einen. Breussen, Ranzens Velten.

Die kais. Regierung vergrossert fortwährend diese Eolonie durch Absendnug neuer Kolonisten und hat Befehl gegeben, dass in der Rahe der katholischen Kirche auf deu dazu reservirteu Vlätzen ein Dorf gegründet werden solle.

Man kann den gegenwärtigen Anstand der Eolonie einen durchaus geregelten nennen, und es darf dieselbe, wenn die Religionsumtriebe aushoren, kein Vorwarf tresfen. Jeh glaube indessen nicht, dass sie eine bedeutende Zukunft haben werde. Das Terrain ist. in seiner grossten Ausdeh..nng zu steil , als dass es später unter den Vflug geuommeu werden konnte, und die Entfernung von der Hauptstadt immerhin so gross, dass die ^roduetenaussuhr dahin für die Kolonisten mit ziemlich bedeutendem.

^,eit- und Geldaufwand verbunden ist. ^

156 Sonnabends den 3. Rovember langten wir wieder in Victoria an, und fuhren Montags den 5. Ropember nach der Regierungseolome .

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Aus Besehl der kais. Regierung vom damaligen Präsidenten der Provinz Esp^ritn^nto, Dr. .lo.^e M^uritio Fernand^ ^r^..^.. ^. .^r..

r^ im Jahre 185^ unter dem Ramen S^t.^ ..^^ gegründet, wurde diese Eolonie im nächstfolgenden Jahre bestimmt, die Schweizerkolonisten, die von der Regierung aus dem Halbpachtverhältnisse von Ubatuba befreit worden waren, auszunehmen. Sie liegt in einer Entfernung von 10 .Leguas in west-nordwestlicher Richtung von Victoria und wird im Borden vom .^ S^t.^ ...^.^.^ im Süden vom ..^ .^.....^..^h^ begräbt.

Die Verbindung mit der Hauptstadt geschieht zu Wasser aus . em zu jeder Jahreszeit sür Boote schissbaren l^io de ..^anta .^.ria. Jn einem von füns kräftigen Regern vorwärts geftossenen Eanoe legten wir den Weg von Victor.^ bis nach Por^. da C.^oeira in neun Stunden zurück. Von diefem funkte weiter nach Westen ist der Flnss nicht mehr schisfbar. Ungefähr eine .Legua von Porto d^ Cochoeir^ ergiesst sich der Rio de M.^.i.^...hv in den Rio de S. Mari.^, und ist auch eine Strecke weit gegen die Kolonie hin schiffbar. Die Eommuuieation mit der Hauptstadt ist also eine leichte und wohlfeile.

^rt^ .^ .^.^.ir...^ der E i n schi ff u n g s p l atz, ist eine halbe Legna von der eigentlichen Eolonie entfernt und bildet ein kleines Dorfchen.

Dort wohnt der Direktor und der .^ubdele^do ; auch befinden sich daselbst einige Vendas (Verkaufsläden), ein Bäcker, ein Fleischer und mehrere Handwerker.

Auch diese Kolonie ist bestimmt, einen Fläehenraum von vier .^uadratleguas einzunehmen. Sie wird von steilen Gebirgen und schma-

ten Thälern gebildet, deren ..^.ohle selten breiter ist als das ^lüssehen,

das sie durchsureht. Die Gebirge sind weit steiler und hoher als in .^nta lsabel. Der B o d e n besteht grosstentheils aus quarzigem .^ande.

die Ackerkrume ist durchschnittlich nicht ü.^er zwei bis drei Zoll dick, und

besteht da nicht einmal ans reinem Humus,. sondern vorzüglich aus einem mit etwas .^umns gemischten dichten Gewebe seiner Faserwurzeln. Rnr an einigen Stellen, .vo sich das Thal neben einem Bache etwas erweitert, findet man eine von den Gebirgen heruntergeschwemmte, stärkere .Lage fruchtbarer Erde und hier natürlich eine gro^ere Fruchtbarkeit.

Es ist leicht einzusehen, dass bei derartigen Bodenverhältnissen von keiner Fruchtbarkeit im Allgemeinen die Rede sein kann , und ich gestehe , dass ich in Brasilien, mit .Ausnahme der sandigen Meeresküste und fteiniger ^ampos , selten so steilen Boden gesehen habe wie in ..^..ua Leopoldin.^. Die traurigen Ersahruugeu der Kolonisten geben laut sprechende

.Beweise dieser Sterilität. Der Mais bleibt niedrig und trägt nnr kleine

Kolben , die Man^ioea ist auch im zweiten Jahre im Verhältniss zu an-

157 deren Eolonien klein und soll sehr oft in der Erde Schwarz und unbrauehbar werden. Bohnen pflanzen die Leute vergeblich; sie erndten keine, und was das traurigste ist, die angepflanzten Eafseebäume gehen im zweiten oder dritten Jahre wieder ein. Die Kolonisten sehen also ihre Hoffnung, sich durch diese wichtige Eultur eine bessere Ankunft zu gründen, gänzlich ^erstort. Selbst der magere Urwald, der die .Gebirge bedekt, gibt dem Beobachter die Ueberzeugung von der schlechten Qualität des Bodens.

Zum Unglücke sangen auch schon hier die großen Raubameisen, die immer der .Kultur folgen, an, die kümmerlichen Erndten zu verwüsten.

Es scheint unbegreiflich , dass die kais. Regierung in einer Provinz , die so reich an sehr fruchtbaren Staatsländereien ist, diese unglückliche Loealit.it für eine Kolonie ausgewählt hat. Rach genauer Prüfung aller Verhältnisse kann ich es mir nur ans folgende Weise erklären : Die Re^ierung wünschte in der sehr schwach bevölkerten Provinz E^irnu .^anto eine neue Kolonie ^u gründen. Als Hauptbedingungen zur Erreichung dieses Zweckes betrachtete sie Staatsländereien mit leichten Eommun.ieationswegen und nicht ^u grosser Entfernung von der Provin^ialhauptstadt.

Diese fanden sich am Flusse ^nt.a Maria. Der Präsident Perreiro de B^rros , der diese Läudereien n i e gesehen hatte , machte darüber an die Regierung einen sehr günstigen Bericht mit Bemerkungen über die Fruchtbarkeit des gewählten Terrains. Es wurden also von dem Generallandamte Feldmesser abgeschickt, um die Ansiedelungen zu vermessen ; diese erkaunten entweder die schlechte Qualität des Bodens nicht, oder im Falle sie dieselbe erkannten, vorheimlichten sie sie. Unter den Dokumenten fand ich einen Berieht des verstorbenen Direktors v. Pfuhl, der noch in diesem Jahr di^ .^ändereien als äußerst fruchtbar .^terras uherrimas^ schilderte. Jeh will nicht untersuchen , ob diess das Urtheil eines unüberlegten Enthusiasten oder für was es sonst zu halten ist. Jch habe mich aber überzeugt , dass es grundfalsch ist.

Das E li ma ist gesund und entspricht dem von ^anta lsabel.

Die Eolonie hat bis je^t noch keine ordentliche K i rche oder Bethaus und keinen eigenen Geistlichen. Es wurde sowohl dem protestantischen als den katholischen Geistlichen von ......mta lsabel die Obliegenheit auserlegt, alle vierzehn Tage in der Eolonie .^nta Leo^oldin.^ Gottesdienst zu halten , eine Massregel , die wegen der grossen Entfernung nicht ausführbar sein wird. Für Schulunterricht ift einigermassen , wenn gleich noch sehr mangelhaft, gesorgt.

Die Funktionen eines A r z t e s versah bis im Oktober dieses Jahres ein deutscher Kolonist , Ramens B r a u n , der angibt , in d..r englischen ^lrmee während des Krin.mseldzuges gedient ^u haben. Den 5. Rovember traf ein von der kais. Regierung besoldeter brasilianischer Arzt in der Eolonie ein.

Die D ire e ti o n der Eolonie war von der Gründung derselben bis zu Ansang des lausenden Jahres eine in jeder Beziehung erbärmliche.

158 J... Januar 1860 wurde ein gewisser Baron Pfnhl zum Direktor ernannt, und es scheint , dass er mit Eifer bestrebt war, iu die wirren Verhältnisse einige Ordnung zu bringen. Rach nur Achtmonatlicher Amtsverwaltung starb er den 19. Juli d. J.

Die Regierung scheint mit seiner Wirksamkeit zufrieden gewesen zu sein. Er wird in dei. Berichten als sehr eifrig und zugleich sehr intelligent gelobt. Die Kolonisten sagen von ihm, dass ...... jähzornig , rücksichtslos hestig und sehr parteiisch gewesen sei.

Mit diesem Urtheile stimmen die Aussagen ein..r gross.m A.n^ahl anderer Personen überein.

Jeh kann hier nieht mit Stillschweigen übergehen, dass ziemlich allgemein das Gerücht verbreitet war, Pfuhl s...i vergiftet worden.

Man suchte dieses Verbrechen auf die katholische Parthei , besonders die E a p uziner, zu wälzen. Die k. Regierung in Bio de ^.ni.^iro, welche Knnde von diesem Gerüchte hatte, gab dem Präsidenten der Provinz die gemessensten befehle, die ...^aehe auf das strengste zu untersuchen.

Pfuhls Leiche wurde nach Victor^ gebracht und dort der gerichtliehen Obduktion unterworsen. Die Aerzte erklärten, Pfuhl sei am gelben Fieber gestorben.

Er war einige Tage vor seinem Tode in Victor^. gewesen, wo einzelne Fälle dieser verheerenden Krankheit vorgekommen waren ; bei seiner Rückkehr nach ..^nt.. Leopoldi.^ hatte er sich den ganzen Tag im offenen Eanoe der brennenden Sonne ausgesetzt und bei seiner ..Ankunft in der Eolonie terger gehabt, war überhaupt ü.^er den Gang der Eolon.eangelegenheiten sehr disgustirt.

Das Resultat der Untersuchungen war ein negatives; es liessen sich ^keine Beweise eines solchen Verbrechens vorfinden.

Jch habe auch in dieser Richtung ^ie serupuloseste.. Nachforschungen angestellt. .^fuhl hatte nach feiner Rückkehr vou Victor^ , wo er wie gewohnlich bei einem ihm befreundeten sran^osisehen Bäcker abgestiegen war, nur in seiner Wohnung unter der Aufsieht seiner ^rau bereitete ..Speisen genossen. Er verliess seine Wohnung unwohl und machte einen Ritt durch.

die Kolonie. Bei einem ihn. immer freundlich gesinnten luxemburgischen Kolonisten (der sich schon seit längerer ^eit wegen eines Eapelleubaues mit den Eapuzinern entzweit hatte) legte er sich mit ^ieber aufs Bett und trank ein Glas Wasser, bestieg nach einigen Stunden mit ungeschwächten. Fieber fein Pferd , kehrte nach Hause zurück , und starb den zweiten Tag darauf, ohne ärztliche Hülfe oder .^neien in Anspruch genommen zu haben. ...lus die erste Kunde von Pfuhl's Krankheit schickte der Präsident einen Ar^t von Vittori.. nach der .Kolonie. er langte aber dort erst na^ dessen Tode an.

Rach meiner innigsten moralischen Ueberzeugung liegt Psuhl's Tod kein Verbrechen zu Grunde. Pfuhles Raehsolger traf im Rovember in der Eolonie ein. Ob er fähig sein wird , die dortigen Verhältnisse zu ordnen, wird die Zeit lehren.

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Die K o l o n i s t e n , in einer Gesammtzahl von 100..... .^opf.m (232 Familienhäupter), gehoren den verschiedensten deutschen Ländern an. Ausser Schweizern (104) sind Hanoveraner (4), Luxemburger (70), Vreussen (384), Baiern (10), Badenser (27), Hessen (61), Tiroler 82), Rassauer (13), Holsteiuer (13), Meklenburger (5), Sachsen (76), serner Belgier (8), Hollander (126), Franzosen (1), Engländer (l) und einige Brasilianer durch Geburt.

Die S c h w e i z e r gehoren z... den ersten^ Bewohnern von ^.nna Leo.^oldma und wurden, wie^ anfangs bemerkt, von der kais. Regierung von .^tuba hierher verseht. Jhre Besi^u..g..n ....hmen den nordlichen Theil der Eolonie ein. . Es sind die schlechtesten und unfruchtbarsten .Ländereien der ganzen Riederlassuug. Bei der ersten Verteilung der Eo^onieu bestimmte der Feldmesser, statt sich au die Vorschriften des ..^enerallandamtes ^u halten, die Vareellen nach dem A u g e n m a s s e ^ ein Anderer sollte diese unverantwortliche Rachlässigkeit gut machen und fieug an. regelrecht ^u vermessen , schnitt einzelnen Kolonisten ihr schon bebautes .Land ab, und theilte es Anderen ^u, jenen aber Urwald, so dass sie die harte Arbeit des Urbarmachens wieder von Reuem beginnen mussten. Ein dritter, der in einem seandalosen Verhältnisse mit der Tochter eines preussischeu Kolonisten

lebte, beging wieder ^..m Vortheile eiuiger Begünstigten grobe Unge-

rechtigkeiten ; kur.. es herrschte eine unbeschreibliche Willl.ühr und Uuordnung. deiner der Schwe^ereoloniften besi^t seine ges.^liche ^Vareelle von 62,500 ^ Klastern ; alle haben ^u wenig , einzelne sogar nur 6^8000 ^.^laster, und dazu schlechten Boden.

Die kais. .Regierung. von diesen Verhältnissen unterrichtet, suchte die Fehler ihrer Beamten wieder einigermaßen gut zu macheu und proponirte, den Schweizer...olonisten entweder Ergän^ungspareellen etwa 1-1^ Leguas weiter, oder neue, vollständige Vareellen in einem andern Tl^ile der Eolonie zu geben. Unsere Landsleute nahmen keines dieser beiden Anerbieten an.

Aus das .erste erwiederten sie, dass es ihnen keine Rechnung trage, in stundenweiter Entfernung von ihrer Wohnung^ noch Land zu haben , da sie dasselbe nur mit grossem Zeitverluste bearbeiten und nicht gehorig überwa.hen Tonnen ; aus das zweite aber entgegnen sie , dass sie nicht ihre dreijährige Arbeit auf ihren jel^igen Kolonien gan^ verloren wollen , um ^in eiuem anderen Theile der Ansiedelung von ..^euem anzusangen ,. und zwar ohne Hoffnung , denn aus der ganzen Kolonie sei überall nur schlechtes Land ; sie haben sie nach allen Richtungen untersucht und es nirgends^bedeutend besser gesunden , als bei ihnen.

Ein gewisser Jost Hämmerli aus Engi, im Danton Glarus, schrieb im .Lause dieses Jahres seinem Bruder Joseph Hämmerli auf der Eolonie .^anta Leopoldina , es sei in der Schweiz eine Generaleolleete gemacht worden , zu der der. Bundesrath selbst noch eine bedeutende ..^umme beigesteuert habe . dieses Geld sei mir übergeben worden , und ich sei beauftragt, damit die Eolonisten in ^nt^ Leopoldina von der kais. Regierung

160 loszukaufen und nach ..^nta .l.^ in den Laplatastaaten zu bringen. Diesem dummen Briefe wurde voller Glauben geschenkt.

Als die Kolonisten erfuhren , dass ich in Vigoria angekommen sei , bereiteten sie sich , auf jenen Brief gestützt, zur Abreife vor.

Einzelne fingen an, ihren Hansrath, ihr Geflügel :.e. zu verkaufen ; andere rissen die noch unreifen Mandioeas aus und arbeiteten nicht mehr und würden , wenn ihnen nicht der provisorische Direktor vorgestellt hätte, sie mochten doch bis zu meiner Ankunft warten , Alles perkaust oder zerstort haben.

Am Abend meiner Ankunft^ in Porto d.i Cachoeira waren mehrere Schweizereolonisten vor dem Direetorenh..use versammelt; seit mehreren Tagen hatten sie schon in Erwartung meiner ihre Arbeit an der Strasse, wo sie 4 Franken täglich verdienten, ausgegeben. Rach kurzem Gespräche hatten sie die Ueber^eugung erlangt , dass ich nicht gekommen sei, sie nach .^n^ l^e ^u führen, und entfernten sich murrend.

Jn der Frühe des nächsten Tages ritt ich in die Eolonie . dort angekommen sand ich beim ersten Hause eine grosse Zahl Schweizer versane melt. Jch stieg ab, um mit ihnen zu sprechen. Drohend, schreiend und lärmend fielen sie über mich her, verlangten unverzüglich von der Eolonie weggenommen zu werden und erklärten, dass, wenn ieh es nicht thue, sie ihre sämmtlieheu Häuser verbrennen und mit Gewalt nach Victoria dringen werden, dort moge man sie erschiessen oder in's Gefängniss wersen, es sei ihnen gleichgültig , es werde ihnen doch besser gehen als in der Eolonie, .vo sie vor Hunger sterben müssen. - Den ehemaligen schweif Generaleonsul, Hrn. David, der bei der kais. Regierung so viel für diese Kolonisten gethan hatte , um sie aus dem Bareerieverhältniss von ^b.^uh..

zu erlosen , überschütteten sie mit den gemeinsten Schimpswortern, und behaupteten nuter unzähligen Flüchen , er habe sie in eine neue Sklaverei verkauft.

Als nur endlieh dieses Toben ^u arg wurde, trat ich mitten unter sie und verlangte im Ramen des Bundesrathes Ruhe und Achtung vor dessen Gesandten. Das wirkte, und nun gelang es mir, ruhig mit den Leuten zu sprechen.

Jch brauche wohl kaum ^n bemerken , dass gerade diejenigen Kolonisten, die mir vorher schon als die trägsten und die unruhigsten bezeichnet worden waren, die Hauptrolle in dieser so unangenehmen Seene spielten.

Die ordentlichen
Familienväter betheiligten sich gar nicht daran und brachten mir ihre begründeten klagen später mit aller Ruhe vor.

Jch machte auch hier die nämliche Beobachtung , wie auf mehreren Kolonien der Vrovinz .^o P^ulo, dass sich die Kolonisten vor meiner ^Ankunft verabreden und bei ihren Eolleetivklagen in Masse Einer für Alle und Alle für Einen einstehen , dass sie aber , wenn ich sie einzeln in ihren Wohnungen besuchte , gan^ anders sprachen und mit Deiner emporenden Falschheit einer über den anderen schimpften und mir auch immer die Anstister nannten.

161 Einer der Klagepunkte der Kolonisten war , dass die kais. Regierung und der Eonsul Hr. David sie betrogen haben; fie haben ihnen nämlich versprochen , sie nach der Eolonie S.^.^ ......^..^ zu bringen , hab^n sie aber nach ^anta Leopoldina verseht.

Vergebens erklärte ich diesen Leuten , dass diese Kolonie am Rio de .....an^ Maria gelegen , früher ebenso geheissen ha^e, dass aber der Kaiser durch leeret vom 27. Merz 1857 befohlen habe, die Kolonie solle (^u Ehren seiner zweiten Tochter Donna Leopold^) in ^ukunft ^.inla Leopoldma heissen. Das sei nicht wahr, erwiderten sie , das wissen sie besser als ieh l Ra.h den gegründeten Klagen der Kolonisten und nach meinen eigenen Untersuchungen und Beobachtungen kann ich folgendes Urtheil über die Eolon.alverh^ltnisse von ^anta Leo.^oldina fällen : 1. Das Terram ist im A l l g e m e i n e n schlecht und unfruchtbar.

Unbetheiligte ^endeiros, die die Eolonie genau kennen, haben mir das Ramliche versichert. Manche ^amilie, die nun schon seit drei Jahren aus ihren Grundstücken arbeitet, kann nicht genug für den täglichen Gebrauch erndten.

2. Die Schweizereolonisteu sind in ihren Vareellen aus unverantwortliche W.ise beeinträchtigt worden; keiner hat die von der Regierung bestimmte .^uadratfläche Land erhalten.

3. Die von der kais. Regierung vorschussweise verabfolgten Unterstützungsgelder ^liarios^ sind nach der Seala. wie ste gegenwärtig veral.^ reicht werden, für eine einzelne V^rson wohl hinreichend, für eine grossere Familie aber unzulänglich bemessen.

4. Das von der kais. Regierung befolgte ..^stem, statt direete Uuterstü^ung ^u verabfolgen, nach einigen Monaten den Kolonisten Verdienst bei den ^trassenarbeiten ^u geben. hat den ......achtheil, dass ^amilienväter , um baares Geld zur Ernährung der Jhrigen zu erhalten , zu den osfentlichen Arbeiten gehen , natürlich aber dadurch die Feldarbeiten zu Hause vernachlässigen. Der Rachtheil ist gross und nachhaltig , denn das Urbarmachen ist eine h...rte Arbeit, die nicht von Weibern und Kindern ausgeführt werden kann, und es liegt begreiflicherweise im Jnteresse der Kolonisten, so viel urbares Land als moglich zu erhalten.

Auch ist wohl zu berücksichtigen, dass die Strassenarbeiten mit der Zeit ein Ende nehmen werden und also diese^ Rachhülse der Eolonisten

von selbst wegfällt.

5. Ein nicht unbedeutender Theil der Kolonisten ist krank oder kränkelnd, vorzüglich von den Schweizern., Holländern und Vreussen.

Es macht einen schmerzlichen Eindruck^ diese blassen, ausgedunsenen, niedergedrükten und vertagten Gestalten einherschwanken zu sehen. Die Ursache von diesem Elende liegt nicht im Elima, sondern in einer mangelhasten Ernährung. Eine grosse Zahl der Kolonisten muss sich fast ausschließlich von Mandioeamehl, entweder ^in heissem Wasser gekocht oder zu einer Art

162 Buchen . gebacken , ernähren^ Durch dieses so sehr stärkemehlhaltige Mandio.^mehl (karinha^ führen die Kolonisten dem Körper eine grosse Menge von R..spirationsmitt..ln zu , deren U^berschuss unverdaut abgeht und ^.en Magen uunothigerweise beschwert , sie geben durch diese Rahrnng demselben täglich aber kaum den dritten Theil der notwendigen Blutbilder oder plastische, Fleisch und Blut eräugende Substanzen (Fibrin, Eiweiss, C.^eln).

Die Folgen dieser mangelhasten Ernährung äussern sich in einer in Europa ziemlich seltenen , hier aber so l.^uf.gen Krankheit der sogenannten ^.^..^^ (Opila^^o^. Das Blut der Kranken, wie es aus einer Schnittwunde oder bei einen. Verlasse fliesst, besteht nämlich fast nur aus Serum, mit einer staunenswerth geringen Menge von Faserstoff.

Schwäche, Mattigkeit, Herzklopfen, Oedeme, Bleichsucht, Wassersucht und atonische Geschwüre sind mit dieser Krankheit verbunden. Eine hinlängliehe rationelle Ernährung und grossere Heiterkeit der Gemüther, dnrch bessere Eolonialverh.^ltnisse bedingt, waren ^ie besten Mittel ^ur Verhütung diesel llebels, dem so viele Opfer erliegen.

6. Der h.^.uf^e Wechsel von Direktoren und die anfänglich sehr schlechte Wahl derselben haben der Eolonie sehr bedeutenden Rachtheil gebracht und das Vertrauen der Eolonisteu erschüttert. .......ie erkennen im Allgemeinen an, dass es die kais. Regierung gnt mit ihnen meint, behaupten aber, die Direktoren ersüllen nicht treu die Regierungsbesehle.

Jn wie ^eit .^iese Klage begründet ist, kann ich nicht entscheiden, wohl aber mit Bestimmtheit versichern , dass manche Eingaben , die die Eolonisten an den Präsidenten der Vrovin., machten, von früheren Direktoren n i eh t an ihre Bestimmung befördert wurden. Auch bei der Vertheilun^ eines Geldgeschenkes, das der Kaiser in Folge seines Besuches der Eolonie in diesem Jahre den dürstigen Kolonisten gemacht hatte, wurde vom verstorbeneu Direktor Vfuhl anf eine unbegreifliche Weise versahren , indem er verhältnissmässig grosse Betrage an Kolonisten , die sich in einer ertraglichen ^age befinden, gab, arme und äusserst dürftige aber gar nicht berü.^-

fi.hligte.

7. Die Eolonisten sind bis je^t noch in einer gänzlichen Unkenntniss über ihre finanzielle .^age ^der Regierung gegenüber; keiner weiss, was er schuldet, keinem ist noch eine Rechnung ausgestellt worden. Diese Rach-

lässigkeit kann nicht einmal durch den h.iufigeu Direetorenwechsel entschuldigt

werden ; denn die Rechnungen sollen von dem Brovineiallandamte ausgefertigt und den Kolonisten übergeben werden.

8.

Es ist eine dringende Rothwendigkeit, dass für die Kolonie ^.nl^ Leopoldh^ eigene Geistliche angestellt werden^ denn, wie schon oben erwähnt, die Regierungsmassregel, dass die Briester von .^an.^ ls..hel auch den Gottesdienst auf. .^mta Leopoldi^. verseheu, ist nicht ausführbar.

^s befinden sich gegenwärtig auf der Eolonie 67.) Protestanten und 324 Katholiken, ^ die laut uaeh Seelsorgern rufen; durch dort residireude Geistliehe kounte auch der n.angelhafte Schulunterricht geregelt werden.

.^3 ...... Auffallend war mir der .Mangel an Vieh in ^a.^ Leopoldi. , während in ^.iuta lsabel Rindvieh un^ Vserde in bedeutender Anzahl bei den Kolonisten zu finden sind, habe ich in der ganzen, grossen von mir besuchten Strecke der Kolonie ..^n^ Leopoldma nur ^bei einem der Eol....nisten ein zweijähriges Füllen gesehen, bei keinem .eine .^uh. Auch an Borstvieh ist ein grosser Mangel. . Die ^ meisten E.o^lonisten haben kaum für sich selbst zu essen, konnen also auch keine Schweine ernähren.

Es sind nicht die Schweizer geht; in einer noch traurigern .Lage grossen Theile an Hnng.r leiden.

faule Kolonisten bezeichnet. Jn wie ich nicht zu entscheiden, habe aber

allein, .denen es im Allgemeinen schlecht befinden sieh die Holländer, die zum Diese wurden mir als unreinliche uno weit dieses Urtheil begründet ist, wage gesehen, dass .ste gänzlich verzagt sind.

Jch habe mit ein paar Hundert Kolonisten, von fast allen Rationen, die auf Sant.... Leopoldma vertreten sind, gesprochen,^ und mit sehr wenigen Ausnahmen immer die nämlichen plagen , die nämliche Unzufriedenheit gesunden. Aus meine Frage . Wie geht es ^ erhielt ich immer die nämliehe trostlose Autwort. Schlecht. sehr schleicht, und aus meine weiteren Nachforschungen wurde mix immer das ^ämliche wiederholt . ,,Wir kouneu

,,noch so sleissig arbeiten, es nü^t uns nichts, der Boden ist zu schlecht,

,,wir bringen nichts vorwärts ; die .^asfeebäume dorren ab . dieses Jahr ,,haben wir drei Mal Bohueu gepflanzt. sie wurden entweder von den ..Mäus.m abgefressen oder welkten ab, und nun haben wir kein Geld .^u ,,neuem .^aamen. die Mandioeas bleiben klein und faulen oft in der ,,Erde, die Maiserndten sind unergiebig. wir wissen nicht, wie wir uns ..ernähren sollen, alles ist furchtbar th..uer; mit sechs Groschen in Deutsch-

,,land haben wir besser gelebt als hier mit vier .l^ata.^s (4 Fr.) täglich , ,,und dabei haben wir immer franke.

Es kann ^nicht so gehen. ^

Am wenigsten klagen die Neuangekommenen , am heftigsten die älteren Kolonisten, denn diesen stehen mehrjährige, traurige Erfahrungen zur Seite, sie sind enttäuscht, und h.^ben nur di^ Aussicht auf eine trostlose Zukunft.

Fünf Sehwei.^ereolonisten reelamirten bei mir den Lohn sür Tagwerke, die sie im Monat Juni sür osfentliche Arbeiten geleistet hatten, die ab..r in den vom damaligen Direktor Bfuhl dem Vrovinziallandamte eingereichten Monatslisten nicht aufgeführt waren, die er aber wahrscheinlich in der Liste vom Juli nachgetragen hätte, wenn er am Leben geblieben wäre.

Da aber bei der Eassa keine Beweise vorlagen. so konnte dieselbe natürlich nicht bezahlen. Ra.hdem ich mich dur.h genaue Erkundiguugeu von

der Richtigkeit der Angabe und der geleisteten Arbeit überzeugt hatte, so

bevorw ortete ich die Forderungen dieser Kolonisten nach meiner Rück^hr bei S. Er^. dem Bräfidenten , der auch unverzüglich den Besehl gab, das Geld im Betrage von eirea 450 Fra..l...n den Kolonisten. in meiner G.^genwart auszuzahlen.

164 Es bleibt mir nur noch die nominelle Ausführung der SchwererKolonisten aus latita Leopoldma übrig.

  1. F^nk, Ja^b, an- Truttikon, Kant. Zürich, 6 Bersonen. Er persieht in I^orto da Caxo.^r.... mit einem Sohne das Geschäft eines Fleischers, das ihm einiges Geld einbringt. Auf seiner Eolonie befinden sieh seine übrigen Kinder unter Aussieht seiner ältesten Tochter und bearbeiten, so weit ihre Kräfte reichen, das Feld.
  2. Müller, Daniel, aus Unterkulm, Kant. Aargau. 7 Bersonen.

Er hat noch zwei Sohne ln Ubatuba, die dort als Dienstboten ihr Brod verdienen, und wünscht sie bei sich ^u haben. Er behauptet, dass er ohne Regierungsuuterstü.^ung nicht leben könne.

3. Hauser, Kas^r, aus Stadel, Kant. Zürich. 1 Berson; hat ^ seine Frau und sein Kind verloren; er ist halb blodsinnig. ^) Die kais. Regierung hat ihm lebenslängliche Unterstützung zugesagt.

4. Dürr, Elsbeth, Wittwe mit .) Kindern, aus G r a b s , Kant.

St. Gallen. Jhre beiden ältesten Knaben verdienen taglich gegen .) Fr. ; mit den übrigen Kindern kann sie auf ihrer Eolonie alle leichtern Feldarbeiten verrichten. Sie .hatte daher keine Ursache, sich so hestig und un-

anständig zu beklagen, wie sie es that.

5. V o l k a r t , Sebastian, aus Glatt, Kant. Zürich. 3 .Personen.

Da Volkart Zimmermann ist, so kann er bei öffentlichen Arbeiten in der Eolonie immer einen guten Taglohn verdienen.

6. Zinsli, Anna Maria, aus Z i z e r s , Kant. Graubimdten, 3 Bersonen. Sie hat sehon zwei Kinder an H^drämie verloren; eines leidet noch an dieser Krankheit und eines ist ein unglücklicher Eretin.

Diese Wittwe war naeh allgemeinem Zeugnisse immer sehr fleissig , hat aber bei dem schlechten Boden und den mangelnden Arbeitskrästen nie etwas erndten konnen, aber immer sehr viel gelitten. Wir haben Vorkehrungen getroffen, dass diese bedrängte Wittwe von der Kolonie weg kommt. Das blödsinnige Kind werden wir trachten , hier in einer wohlthätigen Anstalt unterzubringen, den kranken Knaben in ärztliche Behandlung geben und der Wittwe einen ordentlichen Vlal^ verschaffen, an dem sie ihren Lebensunterhalt anständig verdiene.... kann.

7. Kern, Heinrich, aus Bülaeh, Kant. Zürich, 7 Personen.

8. Kubli, Oswald, aus Matt, Kant. Glarus, 1 Berson. Sein

Sohn R.^dolph ist ihm gestorben. Der Mann ist 64 Jahre alt und sast

zu ^eder Arbeit untauglich. Die Regierung wird ihm auch ferner Unterstül^uug verabreichen.

^). Kopplin, Adam, aus Reunkirch, Kaut. Sehaffhausen, 8 Versone. Der Ma^.n ist an .^edem krank, seine Frau seit Monaten ^a^h neueren ^aehrlch^en ist er gan^ wahnsinnig , und daher in den Spltal ...on ^i.^o^a ^an^portirt worden.

165

arbeitsunfähig, theilweise bettlägerig. 2 minder leiden an H^drämie.

Die Familie ist in einem elenden Zustande, woran Kopplin theilweise wohl selbst Schuld haben mag, da er sich in eine Lage verseht hat, für die er, zu etwas Hoherm sich bestimmt glaubend, nicht taugt.

10. Hoffmann, Jakob, aus Unterkulm, Kant. Aargau,.

4 Personen.

11. .Landolt, Kaspar, aus Räsels, Kant. Glarus, 2 Personen;

ist nicht gut angeschrieben.

12. B ä b l e r , Jakob, aus Engi, Kant. Glarns, 4 Personen.

hat Heimathsvorschuss und bittet um Raehlass.

13. Hofli, Konrad, ans Z i z e r s , Kant. Granbündten, 3 Bersonen, hat seine Mutter und eine Schwester bei sich, eine andere Schwester ist in Rio de .l.ineiro an einen gewissen Schiess verheirathet.

14. Luch si n g er, Hilarius, aus Eugi, 4 Bersouen, leidet an einem alten Leistenbruch und ist fast arbeitsunfähig.

15. H ä m m e r l i . Joseph, aus Eugi, 4 Bersone.. , ift in Folge äusserer Verlegungen halb lahm; hat einen kräftigen arbeitsfähigen Sohn.

16. S eh an ut, Joh. Baptist, aus Grüsch, Kant. Graubündten, 6 Personen, er wird als ein wenig .fleißiger, stets unzufriedener Arbeiter bezeichnet.

17. Bäbler, Heinrich, aus Matt, Kant. Glaru^, 2Bersonen, fleissige Arbeiter, haben aber kaum den achten Theil der geglichen Landparcelle.

18. H alla u er, Konrad, aus dem Kanton Schaffhausen, 4 Bersonen ; ist nicht so unzufrieden^, wie die meisten Uebrigen , und soll ein fleissiger Arbeiter sein. Ein Theil seiner Läudereieu ist weniger unfruchtbar, als sie es im Allgemeinen sind.

1..). Buch er, Heinrich, aus ^tadel, Kant. ^ü^h, 6 Bersonen. Von allen schweizerischen Eolouisten steht Bud.er a... besteu, denn seine zum Theil in der Thalniederung gelegeneu Länder sind von mittelmassiger Fruchtbarkeit, uud er ehielt wenigstens Erndten, die ihn nicht nur vor .^oth schützen, sondern ihm no.h et^vas ^n erübrigen erlauben.

Unglücklicherweise hat Bucher sein .^aus, um leicht Koch- und Waschwasser zu haben, in der Tiefe au einer feuchten und desshalb ungesunden Stelle gebaut, und in Folge dieser Unvorsichtigkeit ^wei erwachsene Sohue verloren^ eiu dritter war bei meiner Anwesenheit bettlägerig.

20. Kaufmann, Kaspar, ans Mohlin, Kant. Aargan, 3 Bersouen. Eine 22jährige Tochter starb ihm vor K^em. Wle Heinrich Bäbler ist auch Kaufmann im Ausmasse seiner Eolouie sehr geschädigt worden. Vater uud ^ohn sind s^ sleissig... und ordeutliche Lente.

21. Ziegler, Anton, aus W e s e n , Kant. St. Gallen, 4 Bersonen. Diesem Manne geht es sehr schlecht. Er verlor seine -.0jährige

166 Tochter, die ihm nach dem Tode ihrer Mntter das ^.ausw^.sen geführt h.^te., voriges Jahr fiel er zufälligerweise in^s Feuer und verlebte sieh .

sehr stark.

gegenwärtig ist er bettlägerig und leidet an Wassersucht.

Er verheiratete sich voriges Jahr mit einer jungen Badenserin, die ihn wohl pflegt, sie wird aber von seinen beiden 8 und l0 jährigen Bnben aus die emporendste Weise mit den rohesten Schi.mpsnamen insultixt.

Ziegier wohnte in einer elenden Hütte, die jeden Tag dem .^inftur^e drohte. Auf d.m Vorsehlag des provisorischen Direktors besahl der Bräsident, dass aus Regierungskosten dem Betreffenden eine andere Wohnung gebaut werde.

22.

G a d i e u t h , Joseph, aus dem Kanton Graubündten, kam mit einer Schwester n..^ einem ^ehwestersvhn nach Brasilien, erstere starb in Ubatuba , leerer in V...i.ori... Gadienth ist verrückt und erhält von der

kais. Regierung lebenslängliche Unterstützung.

23. Bäbler, ..lnn.., aus S c h w a n d e n , Kaut. Glarus, war mit einen. Bäckergesellen, Caspar .^ chi uz ans Zürich, verheirathet, der in Vi.^ tori... am gelben ^ieber starb , in zweiter Ehe verheiratete sie sich mit einem preußischen Kolonisten, mit dem sie unglücklieh lebt.

. Ende Jnli verstarb in der Eolonie Heinrich ..Speich, ans dem Kaut. Glarus. Wie es scheint, war er ^ohn eines gewissen Speich, der unter den Kolonisten von Ubatuba unter dem Rameu ,,Waldmensch^ bekannt war. Dieser Speich lebte nur in den Wäldern , meistens aus Bäumen. Den Kolonien näherte er sieh nur, um Lebensmittel zu stehlen, mit denen er sich gleich auf eiuen Banm flüchtete. Dort ahmte er Bewegungen und Grimassen der Affen nach. Der Unglückliche starb in Ubatuba ; seine ^wei hinterlassenen Mädchen ^ wurden vom Generalkonsulate

in Rio sehr günstig plaeirt.

Jn l^orto d.i C..cnoeir.. trasen wir eine Waise von eirea 12 Jahren, Magdalena W i e s e r , aus Reuukirch, Kaut. ^chasshansen ; ihre Mntter war in Ubatuba gestorben und der Vater vor 1^ Jähren auf der Eolonie ^.n^ Leopoldin^. Das Mädchen besand sich bei einem durch Trunksucht und Ausschweifung bekannteu italienischen Bäcker im Verkaussladen.

Da wir das Kind nicht in solchen Verhältnissen lassen konnten, reklamirten wir es, und bei der hartnäckigen Weigerung des Jtalieners , dasselbe auszuliefern, sahen ^ir uns genothigt, die Hülfe des ^ubdele^do und eiues ^olizeisoldaten in Anspruch zu nehmen.

Wir nahmen das Mädchen mit uns nach Vi.^o...... und sandten es von ^da nach Rio de ^ neiro, wo es gegenwärtig im .^anse des Hrn. Generaleonsuls ausgehobeu ist , und entweder daselbst bleiben oder bei einer anderen vertrauenerweckenden Familie plaeirt werden wird.

Aus der vorliegenden Schilderung der Eolonialverhältnisse von ......nt...

Leopoldi.^ sehen E^o. E^e. , dass die ^age unserer dort niedergelassenen Landsleute eine wahrhaft Betrüb eude ist.

Wenn au.h bei manchem Eolonisten Mangel an Arbeitslust und Trunksucht eiuen Theil seiner Leiden

167 verursacht, so ist nicht in Abrede zu stellen, dass die Unfruchtbarkeit des Bodens, Beeinträchtigung im Ausmasse der zugetheilten Ländereien und ungeregelte Administration die Hauptursaehen der g e g e n w ä r t i g e n Roth und der trostlosen Znkunft der Ansiedler sind.

Jch werde diese Verhältnisse der kais. Regierung genau auseinandersetzen und mit aller Energie aus kräftige Abhülfe dringen.

Die Eolonie ..^anta Leopoldma hat keine Zukunft, die ansserordentliehen Opfer, welche d.e kaif. Regierung bisher für diese Ansiedelung gebracht hat, sind als verloren zu betrachten. Raeh meiner Ansieht sollte das Generallandamt dort alle weitern Vermessungen einstellen, keine neuen Kolonisten mehr hinsenden und denen , die wegen der Unfruchtbarkeit de^ Bodens dort kein Fortkommen finden, die Versetzung auf eine andere Regierungskolonie erleichtern. Jeh habe diese Ansicht schon vorläufig in Victor^ gegen den Vräsidenten der Brovinz, einem Manne, der sich durch hohe Jntelligenz und eine präeise Auffassung des Wesens einer wahren Kolonisation auszeichnet, ausgesprochen.

Nachdem wir nach unserer Rückkehr aus .^anta Leopoldina die nothigen Vorkehrungen getroffen hatten, um bei der Brovinzialhauptkasse das Geld, das ans dem Erlose der bewegliehen Güter des geisteskrank gewordenen L. ^. Manl.^ aus l^, .^ts. Waadt, vor acht Jahren dort depo.nrt und seither, tro^ manigsaeher Reklamationen, nie ausgeliefert worden war, flüssig zu machen, reisten wir den 1l). November zu ..^ande nach ^üden nach I^^emirim. Den 14. November langten wir an in der Eolonie .

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Diese Kolonie gehort nicht wie die beiden vorhergehenden der kais.

brasilianischen Regierung, sondern einer .^lktiengesellschast, an deren Spitze ein ehemaliger portugiesischer ^elavenhändler, der Major .^.^...^ ..^^ d.^ S^^ steht. Sie liegt in dem südlichen Theile der Brovinz Espiriti ^anto, 4--5 ^eguas von dem kleiuen Hafen ^^.^.^ und eirea 7 ^eguas von dem etwas bedeutenderen Hafen ^t^.^r^. Der bis jetzt in ^ngriff genom.nene Theil der Eolonie ist im Rorden von Rio .^^^.^ im Süden von ^ ^.^^ begränzt ; beide vereinigen sieh westlieh von der

Eolonie und bilden den Rio ^.^a. Gegenwärtig ist die Haupteom-

m u n i e a t i o n der Eolonie nach It^pemirim gerichtet. Man kann nämlich von diesem Städtchen in Booten bis nach L^.....^ einer der Gesellschast gehorenden ^azenda, in der gewohnlieh der Vieedireetor wohnt, und wo die Eolonialbücher deponirt sind, gelangen; von hier führt eine vier Leguas lange, sehr mittelmässige Strasse, die zur Roth für Ochsenkarren fahrbar ist, bis au den R.o iiovo, eine kleine ^ Legua von ^.^ .^^, dem Ausangspuukte der Kolonie. Die Wege durch die Eolonie und von der Haupta^er zu den einzelnen Eolonistenpareellen sind in sehr schlechtem Zustande ; zu manchen kann man nicht einu.al zu Vferde hingelangen.

^und^..la^.

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15

1.^8 Die natürliche Verbindungsstrasse der. Kolonie mit einem Meereshafen ist der Rio novo , dieser ist aber 2 Legnas von dem bewohnten Theile der Eolome, in der Ausdehnung von ungefähr 8--900 Klafter, mit einem so dichten Gewebe von ^Wasserpflanzen bedeckt und überwuchert, dass man, an dieser Stelle angekommen, die Boote über diese pflanzendecke hinwegschieben muss. Außerdem ist er an vielen Stellen durch hineingefallene Bäume mehr oder weniger gesperrt, also gegenwärtig nicht schiffbar. Die kais. Regierung hat im Jnteresse dieser Eolonisationsunter-

nehmung 8 Eontos Reis (eirea 24,000 Fr.) sür Schifsl.armachung des

Rio novo und eine gleiche Summe sür Herstellung ordentlicher Wege bestimmt. Es ist nur zu wünschen, dass diese Summen gewissenhaft verwendet werden n.ogen. Bei meiner Anwesenheit in der Eolonie waren eirea 300 Klafter der erwähnten Bslanzendecke des Rio novo zerstort. Jst einmal dieser Fluss. für Eanoe schissbar, dann ist durch ihn und den Rio I^uma eine äusserst zweckmässige Verbindung .mit dem kleinen, aber guten Meereshasen P.uma hergestellt.

Die Ausdehnung der Eolonie, wie sie von der Gesellschaft projeetirt ist, ist eine sehr bedeutende, und da an dieselbe in der Richtung von dem nordlieh gelegenen Benavente noch viele unbenutzte Staatsländereien gränzen, so konnte sieh .mit der Zeit dort eine gewaltige Ansied-

lung entwickeln. Das Relies der Eolon.e bietet ein sanftes Hügelland

dar, mit mehr oder weniger breiten Thälern . Berg und Thal sind mit dem üppigsten Urwalde bedeckt, in dem sich Ballisander und andere. kostbare Holzarten in Menge befinden. Ein niedriger Hügelzug scheidet den jetzt bewohnten Theil der Eolonie in zwei fast parallellausende Thäler ; das südliehe ist das Thal des Rio novo , ^ das nordliehe das Thal des Riber^o do l.^.o d'alio, sogenannt von. Knoblauchbaume ^pao d'a.i..^, der hier häufig wächst, und in ganz Brasilien als ein untrügliches Kennzeichen von sehr fruchtbarem Boden angesehen wird.

Der Boden ist von a u s g e z e i c h n e t e r Güte, ich habe in Brasilien keinen besseren getroffen. Die Fruchtbarkeit ift eine außerordentliche.

Der Kasfeebaum gedeiht vortrefflich und liefert eine durch vorzügliches Aroma werthvolle Frucht. Zuckerrohr, Reis, Mais, Bohnen, Mandi oea, Battatas, Ananas, Bananen u. s. w. gedeihen m seltener Ueppigkeit, und jede aus den Ack^. verwendete Arbeit lohnt sich , wenn sie rechtzeitig vorgenommen wird, hundertfältig.

Das Elima betrachte ich im Ganzen genommen sür gesund. Jm

Winter, d. h. vom Mai bis Oktober, ist es gemässigt ; die Rächte sollen ost empfindlich kühl sein. Jm Sommer, d. h. während der Regenzeit,

ist es heiss und feucht. Loeale Einflüsse bringen einige Modifikationen hervor. Der Rio novo, der, wie schon oben bemerkt, streckenweise verwachsen ist, hat einen trägen Lauf und stagnirt an einzelnen Stellen, und es entwickeln sich daher in der heissen Jahreszeit schädliche Miasmen, die l^rfache von manschen und verheerenden Krankheiten. Jch habe

169 in dem Thale von Rio novo, also dieht neben dem Flusse, bei den meisten Eolonistenfamllien kranke Personen gefunden; ein grosser Theil derselben leidet an atonisehen Fussgesehwüren, die an der Feldarbeit bedeutend hindern. Jn dem parallellausenden, nur wenig hoher gelegenen Thale waren die meisten Eolomsteu gesund. Je mehr sich die Eolonie vom Flussbette des Rio novo entfernt, desto gesünder ist sie.

Die D i r e k t i o n ist eine erbarmliehe. Herr Chetano D^s da ^ilva, der von der Aktiengesellschaft bestellte Direktor, befindet sieh fast immer hi. Rio de .laneiro, er ist mit den übrigen .^letionären verfallen. Seine Handlungsweise, diesen ^gegenüber, hat in den osfentlichen blättern der Hauptstadt zu vielen seandalosen Eorrespondenzartikeln Veranlassung gegeben. Jn seiner Abwesenheit fungirt als Vieedireetor einer seiner Sohne, ein junger Mann, der wohl zn andern Verwaltungen, nicht aber zu einer solchen sich eignet. Jn der Kolonie selbst ist als Administrator ein schlichter. wohlwollender Deutscher, Samens Gustav Broom, angestellt, der es wahrhast gut mit den Kolonisten meint, da sein Wirkungskreis em ungemein beschränkter ist, leider aber nur sehr wenig für sie thun kann. Wie mir versichert wurde, soll er schon über 300 Milreis von seinem eigenen Gelde an nothleidende Kolonisten vertheilt haben, hat aber selbst s^.it anderthalb Jahren noch keinen Vfenmng Gehalt vom Direktor bezogen.

Mit den Kolonisten ist bis je^t noch nie Abrechnung gehalten worden; keiner weiss, welche Summe er der Gesellschaft schuldet. Es sind ihnen nie Fassungsbüchlein übergeben worden. Was ihnen geliefert wird, wird in das Hauptbuch der l^enda geschrieben, aber ohne Eon trolle.

Wenn nun einmal nach 4-^5 Jahren den Eolonisten ihre Rechnung vor-

gelegt und mancher von ihnen mit 10,000^14,000 Franken belastet wird, so ist eine hoehst bedenkliche Gähruug unausbleiblich, und sie werden laut über Betrug schreien. .^..genommen auch, dass die Direktion bei diesem Verfahren nicht die Absteht hat^e, die Eolonisten zu übervorteilen, ihnen unbillig hohe Preise zu notiren oder ihnen mehr aufzuschreiben, als sie wirklieh empsangen haben, so ist dasselbe immerhin eine durchaus nicht ^u rechtfertigende, ftrasbare Nachlässigkeit. Die Eolonisten sind in hohem Grade misstrauisch gegen die Direktion; diese hat aber durch ihr Ver-

fahren hinlänglich Grund gegeben, dieses Misstrauen zu steigern.

Jn der Eolonie befinden sieh weder Kirche noch Geistliche, noch Schulen, tro^ der im programme gemachten Versprechungen. Mangel an jedem religiosen Beistand und Unterricht ist auch eine Hauptursache der tiefen Jmmoralität eines sehr grossen Theiles der Eolonisten von Rio novo. Zur Kennzeichnung der Verhältnisse dieser Eolonie mag folgendes

Beispiel dienen:

Jm Frühjahr 1857 kam ein gewisser L ü t k e aus Rheinpreussen, Wittwer, mit mehreren Kindern als Eolonist aus die Eolonie. Er war früher in Petropohs gewesen, und brachte eine ziemliche Menge Hausgeräthe

170 und einiges Geld mit. Einige Zeit nach seiner Ankunft auf der Kolonie starb er. Es wurde bei den Waiseub...hörden keine Anzeige gemacht, den Hinterlassenen , allen minderjährigen Kindern, also auch kein Vormund gegeben, um so eifriger nahm sich aber der damalige Administrator des ältesten au, eines hübschen Mädchens von 15 Jahren. Sie wurde, wie sie mir gestand, von ihm schwanger und dann mit den übrigen Geschwistern nach der l^enda Lim.^o , wo, wie schon bemerkt, der eigentliche Verwaltungssil... ist, gebracht. Dort traf man ein Abkommen mit einem portugiestschen Kolonisten, der die Lütkerschen Kinder zu sich nahm. Das älteste Mädchen wurde von diesem ^um zweiten Male schwanger , unterdessen war auch die zweite Schwester herangewachsen (je.^t eirea 15 Jahre alt) und der Portugiese violirte auch diese, so dass nun be.de Schwestern im nämlichen Zustande sieh befinden.

Herr ........muel Vigente de Ar.^n^, Vsarrer von Vill.i nova de Be..^..

^ente, der mich nach Rio novo begleitet hatte, und ich, liefen den Bortugiesen rufen und machten ihm Vorwürse über seine Niederträchtigkeit.

Er erwiderte, .,er sei willens gewesen, eine der beiden Schwestern zu heirathen, die Direktion belaste a b e r d i e s e Waisen mit 1200 T h a l e r n , und er sei nicht gesonnen, eine so grosse Schuldenlast mit zu übernehmen ; er thue genug , wenn er diese Familie ernähre .^ die alteste Tochter sei ohnehin vom Administrator geschändet worden^. Bei diesen beiden Schwestern ist noch ein jüngerer, eirea achtjähriger Knabe; ein älterer von eirea 14 Jahren soll früher, wie mir einstimmig von den Kolonisten versichert wurde, mit den Selaven zur Arbeit auf das Feld getrieben worden sein. Gegenwärtig leistet er Dienste in den Eanoen der Gesellschaft. Jch habe S. E. den Präsidenten der Brovin^ speziell ersucht, diesen Fall von den betreffenden Behorden strengstens untersuchen zu lassen.

Die Kolonie besitzt keinen A r ^ t , die Stelle eines solchen versieht ein ungebildeter, ungemein roher portugiesischer Kolonist. Wohl selten bedarf eine Eolonie so sehr eines ordentlichen Arztes und hinreichender Arzneien, wie diese; denn unter den gegenwärtigen Verhältnissen, bei denen die Eolonisten ärztliche Hülfe entweder gänzlich entbehrten oder aus Furcht, von jenem Bseudoarzt aus eine erbärmliche Weise ausgebeutet zu werden, die geringen Dienste, die er zu leisten befähigt ist, nieht nachsuchten, belies sich die Mortalität der neuangekommenen Eolonisten bis auf 20 ^...

Jn den beiden Thälern der Kolonie find bis je^t 9..... Bareellen an Eolonistenfamilien vertheilt worden. Sie sind Schweizer, Belgier, Holländer, Bortugiesen, einige wenige ^ran^osen und Deutsche, und eine Auzahl Chinesen.

Die Schweizerfamilien waren srüher aus keiner andern brasilianischen Eolouie. ^ie hatten sich durch den Renten Baravie.ini anwerben lassen, die Schweiz den 20. Oetober 1856 verlassen, und sind im Deeember des

171 nämlichen Jahres nach Rio aovo gekommen. Es waren im Ganzen zehn Familien, ^wei dem Danton Bern, zwei dem Kanton St. Gallen und s...ehs dem Kanton Aargan angehorend.

Diese Leute waren durch eine von C.^e^.no Dias da ^ilv.^ unterschriebene und durch seine . Agenten verteilte Broschüre zur Auswanderung verlort und in ihrem Vorhaben durch Artikel in der ^H..n^, hamburgesehen Auswauderuugs^e.tung, noch mehr bestärkt worden. Jn einem

d.eser Artikel heisst es (23. Augnst 1856): aus 1000 Kasseebä..me rechnet man einen niedrigsten Durehschnittsertrag von 600 Arrobas Kafsee, die Arroba ^u 32 .^. Um die Unverschämtheit dieser Uebertreibung zu feigen, bemerke ich, das.. man in Brasilien d u r c h s c h n i t t l i c h ans je 1000 ^afseebänme 65^70 Arrobas, unter ausnahmsweise günstigen Verhältnissen 100 Arrobas rechnet.

Jn dem programme oder Broschüre des C.^et^o D^s wird jeder ^amilie bei ihrer Ankunft oder in kürzest moglicher Frist eine Landpareelle

von 280,000^350,000 ......^..ss als ewiges Eigenthum gegen einen ge-

r.ngen Grundzins versprochen. Von diesem Lande soll eine Strecke von 70,000-^.140,000 l.^Fuf. urbar gemachtes Land sein: ,,Jede Familie wird daselbst ein bequemes Wohnhaus finden, uebst den nöthigen Werkzeugen, sowie auch Kaffee^, Mandioea-, Welsehkoru-, Bohnenpslanzungen und Saamen^. ,,^lllen ^amilien liefert man Schweine und alle .^lrten Geflügel zur Zucht. ^ Diese lederen sind unentgeldlich , die Vorarbeiten aber sollten nach den Erndten nach einem sestgesel^ten , massigen Verhältuiss.^ erstattet werden. Eine ganz illusorische Berechnung eiues wahrpeinlichen Jahreseinkommens einer ^amilie in diesem Vrogramme gibt

den Kolonisten die Hoffnung, jährlieh 2000,000 Reis (6000 Fr.) ,,z.n: Vermehrung ihres Vermogens^ ^u erübrigen.

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Die Versprechungen waren verlockend,^ und die Emigranten gingen in die Falle. ^ie laugten in der Kolonie l.io novo an, um bitter euttauscht zu werden. Keine der gemachten Verspreehuugen wurden erfüllt; C^et.^no Di^.s entschuldigte sieh, er sei nicht aus die Ankunft der Kolonisten vorbereitet ge.vesen , während er doeh durch seine Agenten schon ^ Jahr früher in der Auswauderungs^eitung erklären liess, dass die Vorbereitungen für 30^40 Familien schon beendet seien. Statt aber Eolouien von

280,000-360,000 ^^uss mit dem vierten Theile angebauter Felder, eine Wohnung u. s. w. zu finden, wurden ihnen Urwaldpareellen angewiesen, in denen sie selbst erst alle Vorarbeiten machen mußten.

Die Eo.ouisten waren dadurch gänzlich entmuthigt. Da das begangene Unrecht ^von Seite des Direktoriums aus keine Weise gut zu machen gesucht wurde, so hatten die Kolonisten während ein paar Jahren mit mauigfachen Leiden zu kämpfen. ^ Der Klimawechsel , der selbst beim Versehen in gan^ gesunde Gegeudeu Opser von den Emigranten verlaugt, bewirkte hier bei der ungünstigen Rahe des Rio novo eine grosse Mortalität unter den .^chwei^erfamilien. Bis den 1l). Merz 186l.) waren von ..^

172 Versouen 20 gestorben (zwei davon nicht anf der Colonie). 25 krank, 44 gesnnd; einer hatte die Eolouie verlassen. Die Binder waren meistens gesund.

Die Lage dieser Familien hat sich im verflossenen Jahre im Allgemeinen wesentlich gebessert, aber n.eht durch zweckmassige administrative Massregeln, sondern durch Fleiss der Kolonisten u..d günstige Bodenver-

hältnisse.

Die Schweizereolonisten in Rio novo sind folgende .

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  1. Obrist, Johann, ans Gansingen, resp. Galten, Bewirk kaufenburg, Kant. Aargau, drei Bersonen. Die Familie bestand anfanglich aus 8 Bersonen, von denen noch 3 übrig sind. Es starben der Vater Georg, die Mutter, der Sohn Fridolin und eine Anverwandte, Marie. Georg Senn, der mit dieser Familie kam, verliess die Kolonie und hat keine .Nachricht mehr von sich gegeben.
  2. L ä b e r , Joseph, Sohn, ans Dottingen, Kant. Aargau, Sohn des Joseph Läber; hat eine eigene Kolonie neben Obxist.
  3. Kobi, Christians Sohne, Benedikt, Jakob und Rieolaus, aus

Rappersehw^l, Kant. Bern. Christian Kobi starb den 9. Merz 1860,

seine Frau den 30. Mai 1857. Die Sohne, welche die Kolonie von ihrem Vater übernommen, litten bei meiner Anwesenheit an hartnäckigen ^nssgesehwüren.

4. S t a u f f e r , Friedrich, (zwei Versonen) aus Eggiw^l, Kant.

Bern , verheirathet m.t der Tochter des Christian Kobi , hat aus unbe^ kannten Gründen bis je^t noch keine eigene Eolonie erhalten.

5. ^ e h e i d e g g e r , Johann, aus ^umiswald, Kant. Bern, acht Versoneu , es starb die Schwester Barbara. Eine sehr brave und flüssige ^amilie, der es sehr gnt geht. Jhre Eolonie ist in tressliehem Zustande, und verspricht den Kindern eine schone Zukunft.

6. Wettler, Friedrichs Wittwe, aus Rheineck, Kant. St. Gallen , sechs Bersouen. Jhr Mann starb nach längerer Krankheit den 24. Juni 1860; die älteste Tochter, die nie auf die Kolonie gegangen. war, erlag in Rio de Janeiro dem gelben Fieber. Von den süns Kindern auf der Eolonie waren drei leidend.

Wettler war früher, wenn ich recht unterrichtet bin, Schreiber und taugte durchaus nicht zum Eolo.nsten. Er war nicht an harte Arbeit gewohnt, sehon ein älterer Mann, als er nach der Eolonie Rio novo kam, anch in ^olge des Klimawechsels immer leidend. Durch den Mangel

an Arbeitskräften beendet sich diese Familie in einer unglücklichen Lage.

C^et.mo D^s sieht sich natürlich nicht veranlasst, derselben die bedeutenden Schulden für Uebersahrt ^. ^u schenken, u..d wenn er es anch thäle, .^o ist doch^noch immer die Frage, was denn mit diesen sechs Bersonen

173 Anfangen, wenn sie keine Kolonie mehr haben. Auf der Eolonie brauchen ^e, bei einiger Arbeit, nicht zu hungern, und von Jahr zu Jahr werden die Binder Brosser und stärker, und konnen bei der Feldarbeit mehr leisten.

Der älteste Sohn ist übrigens 19 Jahre alt und kann also schon eine Stütze für die gan^e Familie sein. ^) 7. H o s s m a n n , Johannes, aus Windiseh, Kant. ^ Aargau. Er war mit seiner Frau und steben Kindern nach Rio novo gekommen. Dort starben seine Frau und seine beiden Sohne, Johannes und Heinrich ; ein dritter , Jaeob , kam krank naeh Rio de Janeiro und wird gegenwärtig auf Unkosten der sehweiz. Hülfsgesel.lschaft in einem Vrivatkraukenhause verpflegt. Aus der Reise nach l^pemirmi trafen wir in Piuma zwei Tochter des Hossmann ; die eine ist mit einem preussischen Bäcker dort verhe.rathet, die andere, jüngere, war, an einer heftigen Ehlorose leidend, bei ihr.

Wir sandten die letztere nach Rio de ..^neiro , wo sie ebenfalls aus Unkosten der Hülssgesellschaft in ärztlicher Behandlung ist.

Bei Hossmann befinden steh noch zwei minderjährige Mädchen, beide an H^drämie leidend. Hoffmann selbst sieht gesund aus.

Wie mir versichert wurde, soll Hofsmann sehr Egoist sein, die besseren Speisen für sieh behalten und seine Kinder nur Farinha essen lassen, was wohl Ursache der erwähnten Krankheit ist.

Hossmann übersandte mir im Juni 18.^0 eine 18 Seiten lange Klageschrift, in hochst verworrener, fast unverständlicher Sprache abgefasst. Manche seiner Klagen sind begründet, manche übertrieben, mehreren ist seitdem abgeholfen worden. Hofsmann ist ein hochst überspannter und ^abei eitler Menseh, der sieh mit dem ihm wiedersahrenen Unrechte brüstet. Auf seiner Kolonie ist er fleissig gewesen, und hat sehone Mais^, Reis- und Mandioeapflanzungen und einen Kasseeberg von .^irea 3000 Bäumen, was ein sprechender Beweis seiner Thätigkeit ist, da er über nur geringe Arbeitskräfte verfügt.

....... R o h r , Daniel, aus W indisch, Kant. Aargau, ^ Personen.

1^s starben ihm seine beiden Knaben Johann und Daniel. Keine Eolonistenwohnung in Rio novo ist so behäblieh und freundlich eingerichtet, wie die von Rohr. Seine Pflanzungen sind schon und ausgedehnt ; seine einzige Klage ist über den Gesundheitszustand seiner ^amtlie.

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..). F i s c h l e r , Eärl, aus Mohlin, Kant. Aargau, 10 Personen .^ klagt nur über Mangel an Gesundheit, sonst ist er sehr zufrieden. Jn drei Jahren hatte er 2^ Monate lang das ^ieber, was ihn natürlich in ^) ^t dem französischen Dampfe .^om 19. Deeember ist eine .^eldun.^rstu^ung aus .^helneck .für diese Camille eingetroffen. Sie wlrd nach dem Willen der ..^eber verwendet werden, und vorzüglich der älteste Sohn berüeksichtigr. ^eden.^ faIl.^ durch diese Unterstützung ver Camille bedeutend geholfen.

174

^

seiner Feldarbeit sehr zurückbrachte, denn seine Binder sind ihm ^loch. keine grosse Hülfe. Er halt seine Kolonie in trefflichen. Zustande.

10. Läbex, Joseph, Vater, au.^ D b t t i n g e n , ^aut. Aargau, 7 Versone. Auf der Seereise verlor er ein ^ind, at.s der Kolonie Riemanden.

11. J a p p e r t , Josephs hinterlassene Sohne Jgnaz, Jofeph nnd Stephan und 2 Tochter, aus G a l t e r n , .^ant. Freiburg. Vou dieser Familie, die ans 9 Gliedern Bestand, starben vier. D.e drei Brüder wohnen bei einander. Die älteste Tochter war an eineu Breussen, Ramens Bernhard Emmerich verheiratet. und ist je^t Wittwe, die jüngere lebt mit einem Portugiesen. Die beiden Schwestern behaupten, dass sie nicht mit den Brüdern leben tonnen , weil sie Joseph misshandle. Diese Anschuldigung dürste einigermassen übertrieben sein.

Jeh machte dem Jos. Jappert ernste .... orwürfe über seine Rohheit und er versprach , sich in Zukunft anständiger zu betragen.

12. Sche r r e r , Jakob, ans Resslau, ^aut. St. Gallen, 7^Bersonen, verlor einen Knaben und ein Mädchen. Scherrer leidet noch am

Wechselsieber. Die ganze Familie, gross und klein, ist äusserft thatig nnd

desshalb ihre Eolonie in einem blühenden Zustande, und es liefern ihr die ausgedehnten Pflanzungen reichliche Erndten. Scherrer hat schon 4500 .^.asseebäume gepflanzt, die ihm in ein paar Jahren eine jährliche Rente von eirea 4000 Franken abwerfen werden. Er arbeitet noch immer an Vergrosserung seines Kafseeberges. Als ich bei ihm war, hatte er l 7 Schweine eingepfercht und kurz vorher einige fette verkauft. Wenn nicht unvorhergesehenes Unglück diese Familie trifft, so kann sie sehr wohlhabend werden .

Die Z u k u n f t der Eolonie Rio novo ist unter der gegenwärtigen miserablen Administration eiue trostlose. Bei den Zerwürfnissen zwischen dem Direktorium und der Aetiengesellschast und bei dem steten Geldmangel des ersteren leidet natürlich die Kolonie fortwährend. Es muss dah.^r eine A.enderung getroffen werden, die wohl nur darin bestehen kann, dass .^ie kais. Regierung diese Eolonie der Gesellschast abkaust und aus ihre eigene Rechnung fortführt, ein Brojeet, das ich ans das wärmste befürworten werde.

Uebernimmt die kais. Regierung diese Eolonie, erbfsnet sie die Wasser^ strasse aus dem Bio novo bis naeh Pium.^, wodurch der ^luss ein besseres Gefäll erhält, die stagnirenden Stellen eineu Abfluss bekonnnen und also das Thal bedeuteud gesünder wird, legt sie durch die Eolouie ordentliche Wege an, stellt sie dieselbe unter eine vernünftige und gerechte Administration , entschädigt sie die betrogenen Eolonisten,. indem sie ihnen einen Theil ihrer eontrahirten Schulden nachlässt, den jetzigen Erbpacht aushebt und den Eoloniften das .Land zu Regierungspreisen verkaust, so dass sie, statt jährlich 100 Franken Bacht zu zahlen, mit 150 bis 300 Franken

175 das Land kaufen , baut sie drehen und Schulen und gibt sie würdige Geistliche und Lehrer hin , etablirt sie aus ihre eigenen Kosten einen mit hinreichenden Medikamenten versehenen Arzt und vermehrt sie die Ansiedelung durch ordentliche ^amilien mit den vorschristsgemässen Erleichterungen : so kann Rio novo die blühendste Eolonie des Kaiserreiches werden.

.Den 17. November selten wir unsere Reise ^u Land über C...mpos, .^. Fidelis nach C.^.^llo uud Reusreiburg fort, und trafen den 3. Deeember wieder in Rio de Janeiro ein. Jm ganzen Diftriete zwischen .^. .^ide.is und Morro qn^m^do .^ovo ^ribnr^) . leben eine betrachtliehe Anzahl Schweizer oder deren Kinder, zerstreut, die im Jahre l 8l 9 unter Konig Dom .Io.^o Vl. nach Brasilien gebracht wurden uud ^die Eolonie Reu-^reiburg gründeten. Jn den ersten Jahren ging es den Leuten schlecht, es geigten sich schon damals genau die nämlichen Verhältnisse wie heute bei den meisten neuen Kolonien . die Contraete wurden nicht eingehalten ^ die Regieruugsuntersiü.^uugen waren nicht hinreichend . der Boden sehr mittelmässig. Die Kolonisten fanden sich in ihren grossartigen Hoffnungen getäuscht und verloren den Muth. Die meisten von ihnen gaben ihre Kolonien auf, suchten wärmere und fruchtbarere Gegenden, liesseu sich dort nieder, arbeiteten unabhängig rüstig vorwärts und erreichten vollkommen ihreu Zweck. Mit einzelnen s e h r w e n i g e n Ausnahmen haben jene Eolonisten durch ihren Fleiss für sich und ihre Kinder eine sehr günstige Ex^isten^ gegründet , manche von ihnen sind reiche ^azendeiros,

die jel^t 100-^150 ^laven besinn und jährlieh süx .^)-^1 50,000 ^ranken

und darüber Kassee produeiren. Da seit der Gründung Reu-Freiburgs bereits 40 Jahre verflossen sind, so ist leicht einzusehen, dass fast alle Familienväter, die damals auswanderten, schon gestorben sind. Einen der wenigen Ueberlebenden traf ich auf eiuer ^azeuda, ungefähr 5 Legnas von Cantillo. Es ist ^..aver W e r m e l i n g e r aus Willisau, Kaut.

.Ludern , ein Greis von 84 Jahren. Er wohnt bei seineu Schwiegersohnen , den Brüdern Heggedorn aus Grindel, Kant. Solothuru, die mit ihrem Vater ebenfalls 18l.) ausgewandert wareu und jel^t reiche ^a^endeiros sind, aber imu.er noch ihre schlichten heimathlicheu Sitten bewahrt haben. Wermelin, glücklich und zufrieden im Kreise der Seinen, hat 46 Kinder und Enkel.

Auch die Kolonisten, die auf ihren Vareellen in Reu-Freiburg blieben, haben es nach und nach zu einer ziemlich günstigen Lage gebracht.

Jhre Kinder betreiben mit Ersolg die Eultur von Kartosfelu, für die sie mmer einen sehr guten Markt finden.

Wie es in Reu-Freiburg ging, so wird es auch je^t und iu Zukunft bei den meisten Eolonien Bräsilien's gehen. Enttäuschung uud Eutmuthigung, daher bittere Klage der Neuangekommenen, Entbehrungen und Krankheiten in den ersten Jahren , bei Ausdauer und ^leiss allmählige Ver-

^

176 Besserung der .Lage , und endlich ein Wohlstand , zu dem sie in Europa nie gelangt wären, wenn aneh nicht immer für sieh felbst, doch gewiss für ihre Kinder.

Aehnliche Verhaltnisse finden wir beinahe in allen Ländern , nach denen sich bisher die Eolonisation gerichtet hat, und nur sehr wenige sind unter so günstigen Bedingungen, dass sie den Einwanderern dnrch Elima, Bodenfruchtbarkeit, Gesetzgebung und soeiale Zustände alle jene Bedinjungen bieten, die der Kolonist bedarf, um sieh in kurzer Zeit eine glückliehe Existenz zu gründen.

Genehmigen Ew.

Hochachtung.

Excellenz den Ausdruck meiner ausgezeichnetsten

Rio de Janeiro, den 20. Deeember 1860.

Der ausserordentliehe Gesandte der schweizerischen Eidgenossenschaft :

von Tschudi.

ST

Aus den Verhandlungen des schweiz. Bundesrathes.

(Vom 4. Februar 1861.)

Jn Folge der im verwichenen Monate Januar eingegebenen Demissionen hat der Bundesrath die nachstehenden Offiziere, in allen Ehren und unter Verdanknng der geleisteten Dienste, aus dem eidgenossischen Stabe entlassen.

A.

G e n e r a l st ab.

Herr Oberst V e i l l o n , Frederie, in Lausanne.

,, Oberstlieutenant Sur..., Friedri.h Albert, in Kirchberg (Bern).

,,

,,

,,

d'Arbigny, Jean Adolphe Amédée, in Gens.

Major Wal f e r , Markus, in Solothurn.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht des schweiz. außerordentlichen gesandten in Brasilien, Herrn v. Tschudi, über die Kolonialverhältnisse in den brasilianischen Provinzen Santa Isabel, Santa Leopoldina und Rio novo u. (Vom 20. Dezember 1860.)

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

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Foglio federale

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1861

Année Anno Band

1

Volume Volume Heft

07

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

07.02.1861

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151-176

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10 003 295

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