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Bericht des

schweizerischen Vizekonsuls in Philippeville, Algier (Hrn.

Friedrich Sider von Zweisimmen (Bern) über das Jahr 1873.

(Vom 27. Juli, eingegangen 1. August 1874.)

An den hohen Schweiz. Bundesrath.

Tit. !

Der Handel der Provinz Constantine hat im Jahr 1873 zufriedenstellende Ergebnisse geliefert, wenn man, wie billig, die schwierigen Umstände in Betracht; zieht, welche seit zwei Jahren der Handel Frankreichs durchzumachen hat. Nun aber ist Algier durch seine Lage, vierzig Stunden von einem der größten französischen Häfen entfernt, durch seine fortgesetzten Beziehungen mit dem Mutterlande, durch die Gemeinsamkeit der Interessen und Institutionen, schließlich so vollständig mit Frankreich verwachsen, daß es so zu sagen mit ihm nur noch einen denselben Einflüssen unterworfenen, von denselben Fluktuationen beeinflußten Körper ausmacht. Dieses Band ist so eng, daß die Konsequenzen jener Unbeständigkeit, welche seit drei Jahren das Bild Frankreichs ist, nicht verfehlten, sich auch bei uns geltend zu machen: das Vertrauen, weit entfernt davon, wieder zu erwachen, nimmt täglich ab, die Kapitalisten werden immer ängstlicher, der Kredit wird

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immer beschränkter und die Geschäfte gespannter und schwieriger.

Dieser Einfluß des Handels des Mutterlandes auf den der Kolonie ist so groß, daß es absolut nothwendig ist, ihn mit in Anschlag zu bringen, wenn man die erzielten Resultate beurtheilen will. Wenn man sich aber auf diesen Standpunkt stellt, darf man in der That behaupten, daß der Handel der Provinz Constantine im Jahre 1873 zufriedenstellende Ergebnisse geliefert hat.

Der Generalrath von Algier hat soeben als Beilage zu dem Bericht über seine Berathungen ein sehr interessantes statistisches Tableau über den Handel Algiers von 1850--1872 veröffentlicht, dem ich folgende an authentischster Quelle geschöpften Angaben entnehme : Die Ausfuhr Algiers betrug im Jahre 1850: Fr. 19,262,303; seit jener Zeit hat dieselbe stets und in fortlaufender Progression bis zum Jahre 1855 zugenommen, wo sie Fr. 49,320,029 betrug.

Bis 1863 blieb sie sich ungefähr gleich. Im Jahre 1864 stieg sie plötzlich auf über 108 Millionen Franken, hat aber seit jener Zeit, ausgenommen die Jahre 1866 und 1867, eine gewisse Abnahme erlitten, deren Hauptursache die in Folge der Dürre und der großen Heuschreckenzüge entstandene schreckliche Hungersnoth ist.

Im Jahre 1870 stieg der Betrag der Ausfuhr auf Fr. 124,456,249 und im Jahre 1872 auf Fr. 164,603,634.

Somit hat die algerische Ausfuhr in den Jahren 1850 bis 1872 um über 145 Millionen zugenommen und man kann behaupten, daß diese Zunahme noch bedeutender gewesen wäre, wenn wir nicht so verhängnißvolle Störungen, als wie: Epidemien, administrative Umwälzungen, Krieg und die arabischen Aufstände (z. B.

im Jahrel871), durchzumachen gehabt hätten.

Ich lasse einige auf die Hauptartikel unseres Ausfuhrhandels bezügliche Zahlen folgen: Im Jahre 1850 führte Algier nur 2815 Zentner Getreide aus; aber in Folge des Gesetzes vom Jahre 1851, das die französischen Häfen unsern Ackerbauprodukten abgabefrei öffnete, nahm die Bewegung bedeutend zu und in der That führte im Jahre 1852 die Kolonie 293,872 Zentner und im Jahre 1854 861,431 Zentner aus.

Im Jahre 1855 hat die Getreide-Ausfuhr den höchsten bis heute zu verzeichnenden Betrag erreicht, nämlich 1,026,821 Zentner.

Diese plötzliche Zunahme wurde durch den Krimmkrieg hervoi'gerufen, in welchem Algier zu bedeutenden Lieferungen herangezogen wurde.

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Im Jahre 1871 betrug unsere Getreide-Ausfuhr 651,853 Ztr.

und endlich ini Jahre 1872 stieg sie auf 915,1H Zentner, die höchste Zahl .nach der im Jalire 1855 erreichten.

Das Seegras, dessen Produktion vor dem Jahre 1852 gleich Null wi*r,', tritt ira Jahre 18^3 mit 158,811 Kilo auf, um 1872 bis auf 9,011,919 Kilos zu steigen, die höchste Zahl in dem ganzen Zeitabschnitt. Der Export von Schafen endlich, deren im Jahre 1850 4984 Stück versandt wurden, erreichte im Jahre 1872 die Zahl von 655,642 Stücken.

Die Ëinfuhrsumme hat ebenfalls sehr an Ausdehnung gewonnen; es hat nämlich Algier, das im Jahre 1850 für die Summe von Fr. 7-2,692,78^ einführte, im Jahre 1872 für Fr. 197,144,977 eingeführt. " ' · ·'·''· - '" ' Vergleicht man also die Summe der Ein- und Ausfuhr vom Jahre 1850 mit derjenigen vom Jahre 1872, so ergiebt sich die Thatsachevdajy Algier, welches im Jahre 1850 für Fr. 53,430,399 Blchr "ein- als ausführte, ini Jahre 1872 soweit gekommen ist, nur noch für Eri 32',541,343 mehr ein-als auszuführen, während dieser 22 Jahre also ein Unterschied von 21 Millionen Franken zu Gunsten der Ausfuhr.

Handelsbewegung im Hafen von Philippeville.

Der Hafen von Philippeville als Kopfstation der Eisenbahn nach Constäütine begreift allein schon einen,guten Theil des Handels in sich. Er nahm im Laufe des Jahres 1873 ungefähr 1200 Schiffe aller Nationeü auf, deren Gehalt 314,609 Tonnen zu Tausend Kilo war und deren Bemannung aus 21,000 Seeleuten bestand.

t)ìe E i n n a h m e n d e r Z o l l v e r w a l t u n g gestalten sich für das Jahr 1873 wie folst': ..

1873.

1872.

Differenz.

plus minus Schifffahrtszoll . . .

425,039 389,657 35,382 -- Schifffahrt (?) ' . . .

11,937 5,132 6,805 -- Verschiedene Einnahmen 4,141 3,429 712 -- 441,117 398,218 42,899 -- Oktroi v. . . . . . . _8g.5,808 917,200 -- 21.392 Summa 1,336,925 1,315,418 21,507 -- Obgleich diese Tabelle eine schließliche Vermehrung von Fr. 21,507 für das Jahr 1873 aufweist, so bietet sie dennoch kein für die Provinz erfreuliches Ergebuiß, da die Zölle mit Ausnahme des Octroi thatsächlich in die Staatskasse fließen, während die als

835 Oktroi erhobenen Summen speziell dem Provinzialbüdget zufallen und in der Provinz Constantine die Haupteinnahme des Budget ausmachen. Es vermindert diese von Jahr zu Jahr, aus .Gründen, welche wir weiter unten berühren werden, sich schärfer markirende Abnahme die Hülfsquellen der Pïovinz, und der Generalrath wird sich binnen Kurzem in die Notwendigkeit versetzt sehen, sich nach einem andern Ausgleichmittel für das Budget umzuschauen.

Einfuhr.

Vergleichende Uebersicht der Einfuhr des Hafens von ville in den Jahren 1872 und 1873.

Bezeichnung des ZuArtikels.

Einheit. 1872.

nahme.

Î873.

Gesalzenes Fleisch Kilogr. 64,955 81,226 16,671 254,190 Käse aller Art .

253,955 11 -- 98,334 Fische ,, ,, .

22,417 120,751 ·n Kartoffeln . . . v 1,451,321 791,706 -- 110,037 Reis . . . . 71 145,500 35,463 61,129 Rohzucker . .

81,709 20,580 11 Raffinirter Zucker ·n 1,172,821 1,287,593 144,772 499,767 Kaffee . . . .

8,439 508,206 11 51,020 Tabak in Blättern 45,561 . ·· '-- ti -- ,, verarbeitet 11 13,833 6,961 Steinkohle . .

7,633,500 12,238,700 4,605,200 ·n Eisen , Gußeisen, _ Stahl . . .

730,759 760,251 11 Seife . . . . 11 975,265 922.976 52,289 --.

Wein aller Art . Liter 9,718/739 9,139,274 -- Branntwein -- .

503,379 447,753 11 Felle, präparirt u.

-- verarbeitet Werth 1,182,068 902,949 -- Metallarbeiten 1,087,697 1,021,483 V) Materialien . .

14,194 443,400 457,594 11 Bauholz, roh und -- in Balken .

863 Stere 901 -- Bauholz, gesägt . Meter 736,869 503,666 28,907 137,814 Olivenöl . . . Kilogr. 108,907 Hanf . Werth 1,225,510 1,649,483 423,973 BaumGewebe wolle .

110,224 t> 7,094,205 7,204,429 -- Wolle .

869,521 11 1,409,307 Seide .

798,092 1,136,566 338,474 il Glas und Kristall 357,668 304,100 -- ·n

PhilippeAbnahme.

--

235 -- 659,605 -- -- -- -- 5,459 . 6,872

-- 29,492

-- 579,465 55,626 279,119 66,214

--

38 233,203

-- -- -- 539,780

--

53,568

836

Wenn man auch nach vorstehender Tabelle auf den ersten Blick annehmen möchte, daß, weil die Zu- und Abnahmen in den letzten zwei Jahren sich annähernd ausgleichen, die Einfuhr nicht wesentlich sich geändert habe, so muß doch bemerkt werden, daß der größere Theil der in Abnahme begriffenen Artikel es darum sind,weil die Lokalproduktion einen großen Aufschwung genommen hat, und weil die Kolonie mehr und mehr darnach strebt, sich zu emancipiren und jetzt gewisse Artikel und Produkte, welche man früher aus Europa kommen lassen mußte, in genügender Menge selbst herzustellen. So ist z. B. dui Abnahme der Weineinfuhr zu erklären; denn der Weinbau nimmt in der That immer größern Aufschwung in der Provinz und die durch die Verwüstungen der Phylloxéra in den Weinbergen sein- in die Höhe getriebenen Preise haben nicht wenig dazu beigetragen, diese Kultur noch mehr zu ermuthigen.

ugt Die Steigerung in der Einfuhr des Salzfleisches mag in einem Lande, das von Eichenwäldern, welche den Schweinen eine reichliche und wenig kostspielige Nahrung bieten, bedeckt ist, verwundern; es muß jedoch bemerkt werden, daß unter dieser Bezeichnung Schinken, Würste, Gänseleberpasteten u. s. w. verstanden werden, welche die Händler direkt aus den Gegenden, welche für diese Produkte einn Namen haben, kommen lassen.

Käse beziehen wir aus Frankreich, der Schweiz und Holland.

Trotz des Zolles, welcher seit dem Monat Oktober auf Zucker und Kaffee lastet, sind diese Artikel in Zunahme begriffen; doch wird sich ohne Zweifel diese Zunahme nicht halten ; denn bereits weist das letzte Vierteljahr eine fühlbare Abnahme gegenüber dem entsprechenden Zeitabschnitt des Jahres 1872 auf. Es ist sehr zu bedauern, daß die allernothwendigsten Artikel so hoch besteuert werden; so z. B. wird der Kaffee, welcher ein viel verbreitetes und geschätztes Getränk zur Abwehr der endemischen Fieber ist, in Folge der neuen Besteuerung ein Luxusgetränk und zu kostspielig für den Arbeiter werden. Daher beginnt auch die Cichorie, welche hier unbekannt war, ihn in höchst unvorteilhafter Weise zu ersetzen.

Ausfuhr.

Um sich genau über den Fortschritt einer Gegend zu belehren, ist es nothwendig und interes-sant, die Resultate des Exports einer Reihe von Jahren zu vergleichen. Aus diesem Grunde habe ich mir nachstehende zwei statistische Tabellen verschafft. Die

837

erste gibt Gewicht und Werth aller über den Hafen von Philippeville ausgeführten Artikel in dem zehnjährigen Zeiträume von 1863 bis 1873 an. Die zweite bringt den offiziellen, Jahr für Jahr aufgestellten Nachweis über die hauptsächlichsten, über den Hafen von Philippeville im gleichen Zeiträume ausgeführten einzelnen Artikel.

Quantitäten und Werthe der aus dem Hafen von Philippeville 1863--1873 ausgeführten Waaren.

1864 .

.

.

.

Kilo 40,847,700 F r . 23,644,542 1865 .

.

.

.

, , 22,428,286 ,, 18.426,723 1866 .

.

.

.

,, 21,589,811 , , 20,018,136 1867 .

.

.

.

,, 10,012,764 ,, 14,681,063 1868 .

.

.

.

,, 13,857,015 ,, 18,616,935 1869 .

.

.

.

,, 20,694,196 ,, 22,455,795 1870 .

.

.

.

,, 17,508,108 ,, 13,678,174 1871 .

.

.

.

,, 43,167,369 ., 23,637,780 1872 .

.

.

.

,, 87,895,704 , , 36,581,013 1873 .

.

.

.

, , 124,329,112 ,, 42,947,976

l

Zur Seite 837.

Uebersichtstabelle der hauptsächlichsten Artikel, welche in den Jahren 1863--1873 aus dem Hafen von Phileppeville ausgeführt worden sind.

1-- 1872.

1870.

1871.

1869.

1868.

1873.

1864.

1867.

Artikel.

1865.

1866.

Schafe .

Wolle .

Waizen Gerste .

Waizenm ehi Hülsenfri ichte . . . .

frische . . .

Früchte getrocknete und gepreßte . .

Olivenöl Seefische Blutegel Gerberriiide Roher K ork "A . .

Blätterta """· iak Wachs, '"" Futter .

Stück Kilo°T.

,, ,, ,,

,,

StückKilogr.

_n n n

33,515 2,608,372 15,077,1^4 5,405,100 2,429,^28 209,427 130,066

13,757 2,099,316 9,900,444 1,715,520 1,483,872 235,177 992,815

43,752 2,150,561 8,480,460 758,280 914,359 177,963 325,802

18,615 1,310,230 707,712 143,100 450,100 30,690 25,843

53,134 1,747,550 532,532 262,080 36,464 19,103

182,929 1,566,946 482,068 1,194,500

391,866 97,237 744,811 447,000

160,481 1,261,359 677,967 255,506

184,867 1,101,890

350,299 409,913 974,298 203,000

168,400 62,544 10,231 497,3,76

608,807 214,180 8,077 760,879

822,569 101,280 13,116 79,000

395,323 242,000 614,621 80,980 6,734 188,165

131,696

638,522 81,512 16,056 19,615

50,800 1,109,647 1,706,352 260,280 239,624 500,197 12,801 992,357 4,166,381 1,010,066 108,000 923,523 1,150,878 67,878 7,793 502,526

87,307 228J937 55,729 196,096 1,023,304 1,309,699 2,605,300 1,878,576 1,603,220 13,069,036 40,333,276 50,785,800 174,900 5,152,740 14,023,260 40,178,800 242,670 2,158,134 2,077,341 2,893,653 835,661 1,007,261 1,694,165 287,094 21,809 193,397 249,177 74,532 196,235 942,249 1,088,883 65,000 2,466,959 497,149 29,976 8,498 ,1,042,235

1,399,773 1,933,317 1,998,672

1,460,432 1,802,915 1,770,283

2,467,997 543,760 47,976 7,405 1,752,705

2,858,179 840,309 13,259 12,720 9,800

2,366,007 2,100,308 1,862,076 111 1,227,367 911,953 80,331 6,182 5,140

i

838

Aus vorstehenden Tabellen ergibt sich, daß die schönsten Resultate den letzten drei Jahren, d. h. der Eröffnung der Eisenbahn zwischen Philippeville und Cönstantine, zu verdanken sind, welche der Handelsbewegung der Provinz einen fühlbaren Impuls gegeben hat-, würde das seit langer Zeit besprochene Projekt zur Ausführung kommen, diese Eisenbahn bis nach Setif fortzusetzen und später bis nach Algier durch Kabylien, welches ein reiche?, und fruchtbares Land, ein wahrhaftes irdisches Paradies ist, so würden wir Zeugen einer noch bedeutendem Umwandlung werden; ,denn die -Schwierigkeit der Kommunikation ist noch ein großes Hinderniß: für die Entwicklung von Ackerbau und Handel in der Provinz.

Gewisse -Artikel, z. B. Putter, weisen eine Abnahme auf, welche auf eine verminderte Thätigkeit in den letzten Jahren schließen lassen. Es hängt dies an zweien Ursachen : erstens sind die ungeheuren, .durch den französisch-preussischen Krieg erzeugten Bedürfnisse nicht,mehr vorhanden, so daß das Geschäft wiederum auf seinen -mittlern Stand " zurückgegangen ist; alsdann hat der Getreidehandel so an Ausdehnung gewonnen, daß die Kolonisten ihre ganze Thätigkeit nach jener Richtung hin conzentrirten, in Folge dessen sie den übrigen Anbau ein wenig zu sehr vernachlässigt haben. 7 ' ' Die Quantitäten ausgeführten Getreides werden in der That jährlich grösser; im Jahre 1873 "hat der Hafen von Philippeville 37,000 Hektoliter mehr solches ausgeführt als im Vorjahre. Der Centralmarkt wo fast alle Geschäfte verhandelt werden, ist noch immer Cönstantine. Während des Jahres 1873 wurden dort 424,349 Hektoliter Korn auf den Markt gebracht, welche, zum Durchschnittspreise vonFr. 19. .50 bis Fr. 20 verkauft wurden, und 521,288 Hektoliter Gerste, welche zum Durchschnittspreise von Fr. 8. 50 bis 9 abgiengen. Hîebeî sind die bedeutenden Quantitäten nicht mitgerechnet, welche direkt,.vom Lager, ohne auf den Markt zu gelangen, verkauft werden. Es sind das schöne Resultate, wenn man bedenkt, daß Cönstantine nur ein Markt für die Produktion ist.

Nächst Marseille sind die Hauptabsatzplätze für unsere Gerste die Häfen von Dünkirchen und Antwerpen. Dieselbe ist im Allgemeinen die im Handel unter dem Namen ,,Brauergerste" bekannte Gerste. Der grössere Theil unseres Korns geht nach Marseille und Malta, bloß sehr wenig nach Italien, entgegen der Erwartung, welche man auf die dortige schlechte Ernte hin hegte. Die Nähe des Kornes vom schwarzen Meere wird übrigens stets verhindern, daß unsere Ausfuhr nach jener Seite hin- große Ausdehnung gewinnt.

839 Der Export an Seefischen weist eine Abnahme um 194,663 Kilo auf, ein Betrag, welcher Kleinlich bedeutend erscheint, wenn man erwägt, daß die Ausfuhr dieses Produktes bis dato in steigender Richtung stattfand. Das erwähnte Ergebniß bietet jedoch keinen Anlaß zu ernsten Befürchtungen; denn die Fischerei ergibt allo Jahre Schwankungen und sehr verschiedene Resultate.

Eine Abnahme, welche wir hingegen sehr bedauern, ist diejenige im Export des Korkes, welche nur zu deutlich für die Verheerungen zeugt, welche in unsern Wäldern durch die unsinnige Ausfuhr von Gerberrinde angerichtet worden sind (letztere hat gleicherweise im Jahre 1873 in Folge strenger, wenn auch verzögerter Maßregeln der höheren Verwaltungsbehörde merklichnachgelassen), sowie durch die fürchterlichen Brände, welche alljährlich einen guten Theil unserer Waldungen vernichten.

Werfen wir nun einen vergleichenden Blick auf die gesammte Ein- und Ausfuhr des Hafens von Philippeville, so sehen wir, daß die Summen der Ausfuhr) welche stets niedriger war, in den beiden letzten Jahren so zugenommen hat, <laß man gegenwärtig behaupten kann, die Ausfuhr übersteige die Einfuhr. Es ist dies ein wichtiges Ergebniß, und es ist aller Grund vorhanden, anzunehmen, daß noch größere Zunahme eintreten wird.

Ackerbau» Die Voraussetzungen, welche man bezüglich der Ernte hegte?

waren nicht trügerisch. Es gab viel Getreide, und die zahlreich aus Nordfrankreich und Belgien eingetroffenen Käufer haben fortwährend die Preise hoch gehalten. Diese Erfolge drängen die Kolonisten darauf hin, ihre Anstrengungen immer noch mehr auf den Getreidebau, welcher fast überall möglich ist, zu konzentriren. Auch ist der Absatz stets leicht und gesichert, das Jahr mag gut oder schlecht ausgefallen sein. Unglücklicherweise jedoch hat dieses Bestreben die mißliche Seite, daß es die Kolonisten veranlaßt, gewisse Ackerbauzweige zu vernachlässigen, welche nicht weniger nutzund gewinnbringend sind.

·

Industrie.

Die Provinz Constantine treibt wenig Industrie; zu erwähnen sind nur die zahlreichen Fabriken, welche an der Küste zur Herstellung der Sardinenbüchsen und überhaupt zur Zubereitung der Fische mit Oel errichtet sind. Der letztere Gewerbszweig beschäftigt in der That gegenwärtig eine bedeutende Zahl von Arbeitern und nimmt stets an Ausdehnung zu. Obgleich wir

840

eine ziemlich starke Abnahme in der Ausfuhr von Seefischen im Allgemeinen verzeichnet haben, d. h. von gesalzenen und von in Oel gelegten Fischen, so muß dennoch hervorgehoben werden, daß die eigentlichen Oelfische eine große Zunahme im Jahre 1873 aufweisen. Die Ausfuhr dieses Artikels, welche im Jahre 1872 207,052 Kilo betrag, hat sich im Jahre 1873 auf 408,738 Kilo gehoben, d. h. also sich ungefähr verdoppelt.

Bergwerke.

In Folge der stets zunehmenden Seltenheit des Erzes in Europa haben zahlreiche französische, belgische und englische Ingenieure Algier im Jahre 1873 durchforscht, um Lager von solchem zu finden. Mehrere Bergwerkskonzessionen sind nachgesucht und von der Regierung bewilligt worden, uad es ist möglich, daß die Werke binnen Kurzem in Betrieb gesetzt werden.

Das wichtigste Bergwerk in der Provinz ist noch immer AinMokra oder Mokta-el-Hadid, welches die von den Fachleuten gehegten Erwartungen noch bei Weitem übertrifft. Laut Bericht der Minenverwaltung übersteigt die Ausbeute gegenwärtig 30,000 Tonnen (zu 1000 Kilogramm) per Monat, gegenüber 20,000, welche sie vor dem Kriege betrug. Es werden im Durchschnitt täglich von der Mine 1600 Tonnen Erz nach dem Hafen von Bona geschafft. Dasselbe wird gegenwärtig bis nach Amerika spedirt.

Die letzten Verkäufe fanden zum Preise von Fr. 27 per Tonne statt, während die von den französischen Hüttenwerken gezahlten Preise im Durchschnitt nicht über Fr. 9. 50 gehen.

Die Versendungen von Erz betrugen: Im Jahre 1872 366,614 Tonnen.

,, ,, 1873 ungefähr 440,000 ,, Die Minenarbeiten, die Eisenbahn, die Werkstätten in Bona und die Verschiffung des Erzes beschäftigen gegenwärtig 1542 Arbeiter und Angestellte, d. h. 378 mehr als im Jahre 1872.

Aus den vom Greneralrath von Algier ühcr die Ausfuhr von Eisenerz veröffentlichten statistischen Angaben ergibt sich, daß Algier, welches im Jahre 1850 1800 Ztr. Eisenerz ausführte, im Jahre 1872 3,911,895 Ztr. ausgeführt hat.

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Bericht des schweizerischen Vizekonsuls in Philippeville, Algier (Hrn. Friedrich Sider von Zweisimmen (Bern) über das Jahr 1873. (Vom 27. Juli, eingegangen 1. August 1874.)

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19.05.1874

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832-840

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10 008 310

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