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Nos

Bundesblatt 110. Jahrgang

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Bern, den 6.Februar 1958

Band I

Erscheint wöchentlich. Preis SO Franken im Jahr, 16 Franken im Halbjahr zuzüglich Nachnahme- und 50 Rappen die Petitzeile oder deren Baum. -- Inserate franko an & Cie. in Bern

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Botschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung über den Ausbau der Chemieinstitute der Eidgenössischen Technischen Hochschule (Vom 27. Januar 1958) Herr Präsident !

Hochgeehrte Herren !

Wir beehren uns, Ihnen eine Botschaft mit dem Entwurf zu einem Bundesbeschluss über den Ausbau einiger Chemieinstitute der Eidgenössischen Technischen Hochschule zu unterbreiten.

I. Einleitung In der Schweiz und in allen hochindustrialisierten Staaten werden seit einigen Jahren zwei Probleme mit grösster Intensität diskutiert und geeignete Möglichkeiten zu deren Lösung erwogen: erstens die Sicherung eines zahlenmässig genügenden und zugleich qualitativ hochstehenden wissenschaftlichen und technischen Nachwuchses für die Wirtschaft und die Forschung; zweitens die starke Intensivierung der Forschung in den schon bisher erfolgreich gepflegten Wissensgebieten sowie die Schaffung von Forschungs- und Lehrinstituten für neue wichtige Disziplinen wie Kernwissenschaften, Reaktortechnik etc.

Eine genügende Wirtschaftskraft kann in der Schweiz nur dann gesichert werden, wenn vor allem der Industrie, aber auch wichtigen Teilen des Gewerbes, dauernde Auftriebspotenzen aus der Forschung zufHessen und wenn die Schulen aller Stufen fähig sind, den benötigten Nachwuchs auszubilden.

Wer die diesbezüglichen Debatten und Vorkehrungen in den umhegenden Ländern verfolgt, der kann nicht daran zweifeln, dass in der Schweiz für die Förderung der Lehre und der Forschung an den Hochschulen künftig grosse Mittel eingesetzt werden müssen, die die heute gewährten bedeutend übersteigen.

Bundesblatt. 110. Jahrg. Bd. I.

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314 Diese erhöhten Mittel müssen verwendet werden: a. zur Modernisierung und zum Ausbau zahlreicher veralteter Lehr- und Forschungsinstitute. Gerade in den technischen uid naturwissenschaftlichen Disziplinen verlangt die moderne Forschung eine neuzeitliche Ausrüstung, und eine gute Ausbildung des Nachwuchses kann nicht mit überholten Arbeitsmethoden und veralteten Labora,tor iumsausrüstungen gewährleistet werden. Es wäre unmöglich, für solch zurückgebliebene Lehrund Forschungsstätten erstklassige Lehrer und überragende Gelehrte zu finden ; b. zur Errichtung von Instituten für die Pflege neuer Unterrichts- und Forschungsgebiete (z. B. Kernwissenschaften etc.); c. zur besseren Dauerdotierung der Hochschulinstitute :nit Sachkrediten. Die von Stiftungen und Fonds gewährten Mittel sollen nur eine notwendige Ergänzung bilden und der Finanzierung besonderer Forschungsprojekte dienen; d. zur Vermehrung der normalen und gehobeneren ASS .stentenstellen, damit besonders befähigte jüngere Fachleute sich spezialisierend in besonderen Wissensgebieten vertiefen und an der Hochschulforschung teilnehmen können; e. zur Vermehrung der Professuren für spezielle Forschungsgebiete; erst dadurch wird es möglich werden, Teams zu bilden, die im weltweiten Wettbewerb über eine genügende Arbeitspotenz verfügen. Vermehrte Mittel sind überdies erforderlich zur Hebung der sozialen Stellung der akademischen Lehrer und Gelehrten, sowie ihrer ständigen Mitarbeiter. Dadurch kann die Abwanderung der Besten nach dem Ausland abgebremst werden und ihre schöpferische Arbeit bleibt dem Dienst an der Zukunft der Schweiz erhalten.

Diese Forderungen gelten auch im Hinblick auf die Eidgenössische Technische Hochschule. Sie hat in der Vergangenheit der schwe: zerischen Wirtschaft gute Dienste geleistet; diese Dienste werden künftig mit Sicherheit noch verstärkt werden müssen. Die Beiträge unserer Bundeshochschule und ihrer Gelehrten an die reine Wissenschaf t, die bekanntlich keine L indesgrenzen kennt, ist gross; der internationale Ruf der ETH als Lehr- und .?orschungsstätte gereicht dem Land zu Nutz und Ehre, er trug stark zum Ansehen bei, das die schweizerische wissenschaftliche Technik und die Schweiz« rische Arbeit in der Welt geniesst, er muss unbedingt gehalten werden.

Der Bund hat die Eidgenössische Technische Hochschule und die mit ihr verbundenen Anstalten bis anhin mit Umsicht betreut und kräftig gefördert.

Er wird aber auch weiterhin grosse Mittel für deren innere:i und äusseren Ausbau bereitstellen müssen.

Die schweizerische Wirtschaft und auch die Lehr- und Forschungsstätten melden mit Nachdruck ihren steigenden Nachwuchsbedarf. Das Ausmass dieses Ansteigens lässt sich nicht genau voraussagen, es ist aber gewiss, dass der Bedarf

315 ständig grösser wird und dass es auf die Dauer sehr schwer halten wird, dem Bedarf zu genügen. Die Hochschulen müssen bei Wahrung der hohen Ausbildungsqualität bereit sein, eine stark steigende Zahl von Absolventen auszubilden. In den nächsten Jahren wird die Studierendenfrequenz schon deshalb stark zunehmen, weil die Jahrgänge der geburtenreichen Nachkriegsjahre an die Hochschule kommen. Die Raumknappheit verschiedener Institute wird auch noch dadurch verschärft, weil der moderne Lehrbetrieb in Technik und Naturwissenschaften verstärkt in die Laboratorien und Konstruktionssäle verlagert wird, und weil der Platzbedarf je Student im Experimentalunterricht stark zunimmt. Neben dem Unterricht muss aber auch die Forschung intensiviert werden, hierüber sind sich Gelehrte und Wirtschaftsführer einig. Es kann nicht genügen, die Forderungen nach vermehrtem Nachwuchs und intensivierter technischer und naturwissenschaftlicher Forschung in der Presse, in den Jahresberichten industrieller Unternehmungen und auch in den Eatssälen zu betonen, die Zeit drängt zur Eealisierung.

Der Schweizerische Schulrat befasst sich intensiv mit der Planung der künftigen Entwicklung der Eidgenössischen Technischen Hochschule und der mit ihr verbundenen Anstalten, damit sie in der Lage bleiben, ihre Aufgaben im Dienste unseres Landes richtig zu erfüllen. Die Planung hat Nah- und Fernziele zu beachten, und es darf damit keine Zeit verloren werden. Die Entwicklung in Wissenschaft und Technik geht rasch, und unsere Bundeshochschule muss bereit sein zu handeln, wenn vermehrte oder neue wichtige Aufgaben an sie herankommen. Zu gegebener Zeit sollen von den eidgenössischen Bäten die notwendigen Planungs- und Projektierungskredite anbegehrt werden.

n. Übersicht über die in der vorliegenden Botschaft zur Beschlussîassung unterbreiteten Erweiterungsvorhaben 1. 'Übersicht über die Projekte Sie betreffen ausschliesslich die Chemieinstitute der ETH. An der ETH nimmt die Chemie in Lehre und Forschung seit jeher eine besonders wichtige Stellung ein. Auf ihren Chemielehrstühlen wirkten stets Lehrer und Gelehrte von Weltrang, und sie haben sehr stark zum guten Ruf der Absolventen und zum hohen Ansehen unserer Bundeshochschule beigetragen. Fünfmal wurde der Nobelpreis an Chemieprofessoren verliehen, die an der ETH tätig waren. Die schweizerische chemische Industrie ist zunehmend mehr auf die Chemieabsolventen der ETH angewiesen, und die chemische Forschung der ETH-Gelehrten half ihr, die starke Stellung auf dem Weltmarkt zu behaupten und sogar auszubauen. Die schweizerische chemische Industrie hat denn auch je und je durch Wort und Tat auf die Notwendigkeit besteingerichteter chemischer Lehr- und Forschungsinstitute an der ETH hingewiesen: alljährlich fHessen grosse Mittel an die Hochschule, sei es zur direkten finanziellen Unterstützung bestimmter Forschungsprojekte, sei es durch Schenkungen an den Bund für den Bau und die Einrichtung neuer Laboratorien. So sind nur in den letzten fünf Jahren

316 a. die biochemischen Laboratorien, 6. die Laboratorien für die Strukturbestimmung organischer Molekel, c. die Versuchshalle für chemische Verfahrenstechnik zu einem sehr wesentlichen Teil durch Schenkungen der Industrie gebaut oder apparativ ausgerüstet worden. Die für die Biochemie ind für die Strukturforschungen nötigen Betriebsmittel entstammen zum ;;rössten Teil solchen Schenkungen.

Sechs grosse Baslerfirmen der chemischen Industrie haben dem Bund vor wenigen Monaten 2,05 Millionen Franken an den Bau einns neuen physikalischchemischen Institutes gespendet und damit ihr Interesse an Ausbau der Chemieinstitute der ETH dokumentiert.

Die in dieser Botschaft vorgelegten Begehren betref :en: a. die Einrichtung eines Neubaues für physikalische Chemie (einschliesslich kernphysikalische Chemie) auf dem für die Erweiterung der Chemieinstitute reservierten bundeseigenen Baugelände an der Uriversitätsstrasse (vgl.

Abschnitt III und Situationsskizze) ; e>.- die Aufstockung des Altbaues des Chemiegebäudes zur Gewinnung von Unterrichtslaboratorien für Anfänger und Vorgeschi ittene, sowie von drei mittleren Hörsälen und Mitarbeiterräumen etc. (% gl. Abschnitt IV und Situationsskizze) ; c. die Unterkellerung der beiden Lichthöfe, die sich in. NE-Teil des Chemiegebäudes befinden, zur Gewinnung von Lagerräume!., Apparatemagazinen, Lösungsmitteldepots, etc. (vgl. Abschnitt V und Situationsskizze).

2. Statistische Angaben über die Frequenz der im Cheiiiegebäude tätigen Studierenden Im Chemiegebäude der ETH müssen, zumal in den untern Semestern, die Studierenden der nachstehend aufgeführten vier Fachabteilungen dem obligatorischen Unterricht in Vorlesungen und Praktika folgen a. Abteilung für Chemie ; b. Abteilung für Pharmazie ; c. Abteilung für Mathematik und Physik; d. Abteilung für Naturwissenschaften.

Die Ingenieurchemiker (a) halten sich während der ganzen Studienzeit im Chemiegebäude auf, ihrer vertiefenden Ausbildung nach dem Diplom obliegen sie ebenfalls in den dortigen Laboratorien. Das gilt auch ;;ur Hauptsache für die Studierenden der Naturwissenschaften, speziell der Sonderrichtungen «ChemiePhysik» und «Chemie-Biologie».

Ausser den Studierenden obliegen zahlreiche Fachhörer höherer Semester ihren vertiefenden Studien und Forschungen im Chemiegebäude. Die Abteilung für Chemie weist an der ETH prozentual und absolut die grösste Zahl solcher Fachhörer höherer Semester auf, die aus der ganzen Welt herstammen. Ein

317 grosser Teil unter ihnen rekrutiert sich aus Doktoranden, die nach dem minimal siebensemestrigen Studium, also nach dem Diplom, sich noch weiter in einem bestimmten Gebiet vertiefen wollen. Diese vertiefende Ausbildung liegt im Interesse der Absolventen, sie liegt aber auch im Interesse der Industrie und auch der Hochschulforschung.

In den Laboratorien sind weiterhin zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiter unter Leitung der Professoren forschend tätig. Diese Mitarbeiter, ebenfalls in steigender Zahl, werden überwiegend aus Fondsmitteln oder zweckbestimmten Zuwendungen der Industrie besoldet. Sie sind in der nachfolgenden statistischen Tabelle nicht inbegriffen.

Anzahl der immatrikulierten Studierenden und Fachhörer höherer Semester an der Abteilung für Chemie der ETH

Jahr

1986/37 1947/48 1950/51 1952/53 1954/55 1955/56 1956/57 x

Gesamtzahl Neuaufnahmen an den Fachabteilungen Total der StuNeudierenden Natur- dieser Pharma- Math.

aufnahmen an der ETH Chemie wissenzie u. Phys.

schaften

1698 4141 l)

3251 2697 2667 2778 2988

51 120 73 52 54 92 96

17 24 23 22 25 38 27

25 50 41 28 61 64 72

10 26 38 40 52 36 49

103 220 175 142 192 230 244

Anzalü Fachhörer h. S. für Chemie

40 116 109 138 137 121 128

) Die maximal hohe Studierendenzahl 1947/48 hat verschiedene Ursachen : das Studium wurde wegen des militärischen Aktivdienstes verlängert, die ETH nahm überdies grosse Kontingente ausländischer Studenten auf, die nicht in ihren gewohnten Hochschulen studieren konnten, dazu kam ein vermehrter Andrang zum Studium, eventuell als Folge der damals unsichern Zukunftsgestaltung.

Aus der Frequenztabelle ist ersichtlich, dass der Zustrom zum technischen und naturwissenschaftlichen Studium seit einigen Jahren wieder stetig ansteigt Aber auch im Frequenztiefpunkt des Studienjahres 1954/55 waren noch 1000 Immatrikulierte mehr vorhanden als im Vorkriegsvergleichsjahr 1936/37. Dieser Andrang erhöhte sich auch im Herbst 1957, wo dem Eektorat total 918 Anmeldungen zugingen, also 237 mehr als im Herbst 1956. Auch an der Abteilung für Chemie steigt die Zahl der Neueintritte seit 1952; das gleiche zeigt sich bei den Abteilungen für Mathematik und Physik, bzw. für Naturwissenschaften.

Im Jahr der maximalen Gesamtfrequenz (1947/48), als Hörsäle und Laboratorien überfüllt waren, wurden 220 Studenten neu an die vier oben genannten Abteilungen aufgenommen. Diese Neuaufnahmen fielen 1952/53 auf 142 und stiegen dann im Studienjahr 1956/57 auf 244. Bis zum 16. September 1957

318 meldeten sich beim Rektorat 262 Kandidaten für diese vier Abteilungen an, die alle im Chemiegebäude, zumindest in den ersten Seme >tern, dem Unterricht zu folgen haben.

Dieser Andrang kommt wohl den Wünschen unserer Wirtschaft entgegen, die verfügbaren Laboratoriumsplätze reichen aber nicht mehr aus. Durch die in dieser Botschaft dargelegten Erweiterungsprojekte liesse sich in den Unterrichtslaboratorien der notwendige Platz mit einigen Reserven schaffen.

in. Neubau eines physikalisch-chemischen Institutes l.Die bisherige Organisation der physikalischen Chenie an der ETH.

Frühere Erweiterungsprojekte An der BTH bestehen zwei Lehrstühle für physikalische Chemie: a. ein E x t r a o r d i n a r i a t für spezielle physikalische Chemie, das sich vornehmlich der vertiefenden Ausbildung der vorgerü îkteren Studierenden und der Doktoranden widmet. Es ist .dem neuesten Forschungstrakt der organischen Chemie eingegliedert und verfügt doit über wenige, aber apparativ gut ausgestattete Laboratorien. Dieses Ixtraordinariat wurde 1952 geschaffen; b. ein Ordinariat für physikalische Chemie (inkl. Elektrochemie), das 1896 errichtet wurde. Der Ordinarius hat mit seinen Mitarbeitern vor allem den Grundzügeunterricht in physikalischer Chemie und in Elektrochemie zu vermitteln. - An beiden Lehrstühlen wird in nützlicher Arbeitsteilung Forschung betrieben.

Dem Ordinariat für physikalische Chemie steht eine Anzahl von Laboratorien und Übungsräumen im Alttrakt des Chemiegebäudos zur Verfügung. Die räumlichen Verhältnisse sind sehr eng, und alleForschungslaboratorien befinden sich in dunklen Soussolräumen. In der Botschaft vom. 17.Dezember 1945 über den Ausbau der ETH x) wurde bereits eine Erweiteren}; dieser Laboratorien vorgesehen und im Rahmen des Bundesbeschlusses vom S.April 1946 2) wurden für die Erweiterung des Chemiegebäudes total 6 085 000 Tranken bewilligt. Die Verwirklichung der verschiedenen Erweiterungsprojekte verzögerte sich aus mehrfachen Gründen: a. wegen der Knappheit an Bau- und Installationsmaterialien in den ersten Nachkriegsjahren ; b. wegen der von den eidgenössischen Räten (1946) verlangten Revision des Bauprogrammes und Änderung einzelner seiner Projekte; c. wegen der durch die eidgenössischen Behörden geübten Zurückhaltung in der Freigabe der Bauarbeiten zur Eindämmung der Baukonjunktur.

!) BEI 1945, II, 737.

2 ) BS 4, 128.

319 Wie in der Botschaft vom 21. Januar 1955 über den weiteren Ausbau der Eidgenössischen Technischen Hochschule *) einlässlich dargelegt, mussten wegen der seit 1944 rasch ansteigenden Verteuerung der Bauarbeiten, Installationen und Apparate, wegen der von den eidgenössischen Eäten verlangten oder durch Wandlung der Unterrichts- und Forschungsgebiete notwendigen Abänderung einiger Projekte zusätzliche Mittel für die Fertigstellung der Erweiterungsbauten gefordert werden. Die eidgenössischen Eäte konnten sich den begründeten Begehren nicht verschliessen und im Eahmen des Bundesbeschlusses vom T.Juni 1955 2) bewilligten sie zusätzliche 3 758 000 Franken für die Beendigung der vorgesehenen Erweiterungen der Chemieinstitute. Der 1946 und 1955 bewilligte Totalkredit belief sich demnach für diese Chemiebauten und deren Einrichtungen auf 9 843 000 Franken. Es wurde folgende Verteilung dieses Kredites auf die einzelnen Projekte vorgesehen: Franken a. Neubau für organische Chemie 3 966 000 fe. Neubau für technische Chemie 3 698 000 c. Neubau für physikalische Chemie ·.

785 000 d. Verbindungsgänge 66 000 e. Umgebungsarbeiten 318 000 /. Ausbau der technischen Eäume 550 000 g. Mobiliar und Glaswaren ' 460 000 Total 9 843 000 Für die apparative Ausrüstung der Laboratorien wurde ein Betrag von 540 000 Franken in Eechnung gesetzt; er ist in den Baukosten sub. a, b und c Inbegriffen.

Von diesen Bauvorhaben sind die meisten beendet. So konnten der Neubau für organische Chemie (vor allem Forschungslaboratorien) und der neue Bautrakt für technische Chemie (Forschungs- und Unterrichtsräume) dem Betrieb übergeben werden, sie haben die Bewährungsprobe gut bestanden. Die technischen Eäume der Lehrstühle für organische und für technische Chemie sind ebenfalls seit längerer Zeit beendet, und aus dem Mobiliar- und Glaswarenkredit der verschiedenen Lehrstühle konnten die dringenden Anschaffungen finanziert werden. Die Umgebungsarbeiten sind lediglich zwischen dem Chemiegebäude und dem Altbau für Land- und Forstwirtschaft wegen der Bauarbeiten am neuen Land- und Forstwirtschaftlichen Gebäude noch nicht abgeschlossen. Von den 1955 vorgesehenen Erweiterungsbauten der Chemieinstitute wurde nur der Neubau für physikalische Chemie noch nicht in Angriff genommen. Aus Gründen der lokalen Bauplatzorganisation figurierte dieses Vorhaben zuletzt auf der Zeitliste.

Das der Botschaft 1955 zugrunde liegende Erweiterungsprojekt für die physikalische Chemie sollte aus folgenden Gründen modifiziert werden: *) BEI 1955,1, 89.

2 ) BEI 1955,1,1163.

320 Das in der ursprünglichen Botschaft vom 17.Dezember 1945 vertretene Projekt für den Ausbau der Chemieinstitute sah eine totale Umgestaltung des alten von Bluntschli und Lasius in den Jahren 1884-1886 errichteten Backsteingebäudes vor. Durch den Aufbau neuer Stockwerke über H lupttrakt und Seitenflügeln und durch die Errichtung eines Querbaues im Vorplatz zwischen den Laboratoriumsflügeln längs der Universitätsstrasse, sucht 3 man den zusätzlich benötigten Eaum zu gewinnen.

Gegen diese radikale Umgestaltung des architektonisch eigenwilligen Backsteinrohbaus erhoben sich sowohl in Architektenkreisen als auch in den eidgenössischen Bäten berechtigte Widerstände. Das Erweitîrungsprojekt musste modifiziert werden. Den Altbau liess man gegen die Uaiversitätsstrasse hin architektonisch intakt, und die neuen Forschungslabor ;orien für organische Chemie sowie die chemisch-technischen Laboratorien wurden in selbständigen Baukörpern neben dem alten Chemiegebäude errichtet.

Für die Erweiterung des Laboratoriums für physikalische Chemie sah man noch in der Botschaft vom Jahre 1955 einen zur Universitätsstrasse parallel gestellten Verbindungstrakt zwischen dem Chemie- und dem Land- und Forstwirtschaftlichen Gebäude vor.

2. Die Planung eines Neubaues für physikalische Chemie. Begründung Der 1955 projektierte und mit den beiden oben genannten Altbauten räumlieh verbundene Quefflügel für physikalische Chemie hätte die Ansprüche der ordentlichen Professur für physikalische Chemie gerade knipp befriedigt. Gegen dieses Projekt erhoben sich die Bedenken einiger Vorstär. de der im Land- und Forstwirtschaftlichen Gebäude durch den Anbau eines Querflügels beeinträchtigten Institute. Das Kaumprogramm für ein neues physikalisch-chemisches Institut musste im Hinblick auf die sehr rasche Entwicklung dieses Faches nochmals überprüft werden. Ferner war abzuklären, ob die bisher auch räumlich getrennten zwei Professuren in Zukunft nicht besser in ein 3m zentralen Institut vereinigt werden sollten.

Der Schweizerische Schulrat kam nach gründlicher Ü oerprüfung der Sachlage zum Schluss, es sei auf den Bau eines raumknappen Querflügels für physikalische Chemie zu verzichten und der Bau eines grösseren, zentralen Institutes für physikalische Chemie (inklusive kernphysikalische Chemie) auf den bundeseigenen Liegenschaften, Uni versitätsstrasse Nrn. 20-24, in Aussicht zu nehmen.

Folgende Überlegungen veranlassten ihn zu diesem Sohh.ss:a. Die physikalische Chemie hat sich in den letzten 10 Jahren zu der Basis entwickelt, auf der die übrigen Spezialzweige der chemischen Wissenschaft und Technik aufbauen müssen. Sie dringt mit grosser Schnelligkeit in alle Zweige der Chemie vor, und die Zahl der in der Industrie eingesetzten Physiko-Chemiker ist in raschem Steigen. In der organischen Chemie z. B.

wurden die klassischen Verfahren durch moderne physikalisch-chemische Methoden ersetzt. Wir erwähnen unter diesen nur die L" Itrarotspektroskopie,

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die den raschen und sicheren Nachweis funktioneller Gruppen (Alkoholgruppen, Carbonylgruppierungen etc.) in komplizierten Molekülen gestattet. Die traditionellen Verfahren des Organikers zur Lösung derselben Aufgaben waren unvergleichlich schwieriger. Obgleich lange Zeit eine konservative Spezialdisziplin, anerkennt die organische Chemie heute, dass die raschen Fortschritte der Synthese und Analyse hinsichtlich Geld- und Zeitaufwand sowie Präzision zu einem wesentlichen Teil der Zusammenarbeit mit der modernen physikalischen Chemie zu danken sind. Die in der physikalischen Chemie entwickelten Messmethoden bilden schon heute die wichtigsten Hilfsmittel der Kontroilaboratorien und die Grundlagen der Automatisierung der chemischen Industrie.

Man kann innert dieser raschen Entwicklung der physikalischen Chemie zwei Hauptzüge erkennen : In den letzten Jahren kamen sehr viele neuartige Methoden zur Aufklärung von Moleküleigenschaften, zur Bestimmung von Eeaktionsmechanismen, zur Messung thermodynamischer Grossen aus der Physik zur physikalischen Chemie: z. B. die optische .Spektroskopie (z. B. für die Messung kurzlebiger Eadikale oder für sehr tiefe Temperaturen, Ultrarotspektroskopie), Methoden zur Messung sehr schneller Eeaktionen (Ultraschalldispersion, Dispersion dielektrischer Eigenschaften in starken elektrischen Feldern, high speed spectroscopy), Verfahren der chemischen Thermodynamik (elektronische adiabatische Kalorimeter, Eeinheitsmessungen im extremverdünnten Spurengebiet, Studium von Schockwellen).

Die physikalische Chemie wird immer stärker durch die Kernphysik beeinflusst. Es entwickelt sich neu eine kernphysikalische Chemie als Spezialzweig, der an der ETH unbedingt Pflege erheischt. Die Technik der physikalischen Chemie erfuhr durch die Nutzanwendung der Eigenschaften stabiler und instabiler Kernsorten eine sehr wesentliche Ergänzung. Neuartige Methoden kamen von der Kernphysik her, die tiefere Einblicke in die Stoffeigenschaften und in das Eeaktionsverhalten erlauben. Wir nennen z. B. Eadiospektroskopie (Kernresonanz, Elektronenspinresonanz, Mikrowellenspektroskopie), Arbeitsverfahren mit stabilen und instabilen Kernsorten (Massenspektroskopie, Tracertechnik bei Stofftransportvorgängen, Markierung bestimmter Atome in Molekülen, Spektroskopie mit Isotopen, Neutronenbeugung). Diese Verfahren führten zur Messung neuer Effekte, zur Erhöhung der Messgenauigkeit, zur Steigerung der Informationsfülle und zur Hebung der Messgeschwindigkeiten. Sie sind gleich wichtig für die Forschung und für die technische Anwendung.

In den angelsächsischen Ländern führte diese Entwicklung zu einer neuen physikalisch-chemischen Messtechnik unter Heranzug modernster Elektronik, und daraus entstanden dort zwei neue Zweige des Ingenieurwesens: Instrumentation Engineering und Atomic Engineering. Die Anwendung dieser elektronischen physikalisch-chemischen Messtechnik bei

322 der automatischen Überwachung, Eegelung und Steuerung industrieller Betriebe ist auch in der Schweiz in raschem Komme i.

b. Die beiden Professuren für physikalische Chemie sind vorteilhaft in einem zentralen Institut unterzubringen, das auch Baum für die künftige Entwicklung der kernphysikalischen Chemie bieten miss. Die heute nötige Teamarbeit wird dadurch erleichtert. Eine räumhcie Konzentration der verschiedenen Lehrstühle drängt sich aber auch ajf, um eine unnötige Duplizierung der feinmechanischen Werkstätten, de r Energieversorgungsanlagen und Spezialinstallationen zu vermeiden.

c. Mit Eücksicht auf die zunehmend empfindlicher werdenden Apparaturen, sollte das neue physikalisch-chemische Institut nicht in unmittelbarer Nachbarschaft der technisch-chemischen Laboratorien liegen. Die Gefahr eines korrosiven Angriffs der Instrumente wäre zu j;ross.

d. Der Unterricht in physikalischer Chemie und im modernen wichtigen Spezialfach kernphysikalische Chemie (Physikalische Chemie der Eeaktorprozesse und elektronische physikalisch-chemische ]\ fesstechnik) muss neu organisiert bzw. neu gestaltet werden. Die erste Stufe ist im Eahmen der Normalstudienpläne der Abteilungen für Chemie, für Mathematik und Physik und für Naturwissenschaften zu vermitteln. Die zweite Stufe muss der spezialisierenden Vertiefung dienen, sie wird vorwiegend nach dem Schlussdiplom für die Doktoranden und Mitarbeiter organisiert werden.

Die Zahl der die Stufe l absolvierenden Studierenden dürfte in den nächsten Jahren von ca. 80 auf über 180 ansteigen, während für die Stufe 2 minimal 25-30 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen sollten. - Die erste und zweite Stufe müssen gut aufeinander abgestimmt sein, auch dies drängt zu einer räumlichen Zusammenfassung und zu einer engen Zusammenarbeit der betreffenden Professoren.

e. Die schweizerische chemische Industrie ist auch sehr stark am innern und äus&ern Ausbau der physikalischen Chemie interessiert. So haben die sechs Basler Firmen Ciba AG, F.Hoffmann-La Eoche & Co. AG, Lonza AG, Sandoz AG, J.E.Geigy AG sowie Durand und Huf;uenin AG dem Bund 2,05 Millionen Franken an den Bau eines zentraler Institutes geschenkt und dadurch bekundet, wie gross sie die Bedeutung dieses Faches für die schweizerische chemische Industrie einschätzen.

/. Eine Verlegung der physikalisch-chemischen Labontorien vom heutigen Standort .weg in ein zentrales Institut bringt noch den Vorteil, dass dadurch sowohl die organisch-chemische Technologie als aucr. das organisch-chemische Forschungsinstitut einige wünschbare Ausdehnungsreserven erhalten.

3. Projekt und Kostenvoranschlag An der Universitätsstrasse liegen oberhalb des neuen organisch-chemischen Forschungstraktes die vorn Bund für die künftige Erweiterung der Chemieinstitute erworbenen Liegenschaften Universitätsstrasse Frn. 10 bis 24, die zum

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Teil Zwecken der Hochschule dienen, teils aber privaten Mietern als Wohnungen belassen wurden. Die diese Eeihe abschliessende Liegenschaft Ecke Universitätsstrasse 26/Frauenklinikstrasse gehört dem Kanton Zürich, sie bleibt seinen Zwecken vorbehalten. Der Neubau für physikalische Chemie der ETH beansprucht den Platz der zuoberst gelegenen bundeseigenen Liegenschaften Universitätsstrasse 20, 22 und 24. Für die spätere Erweiterung der organischchemischen Laboratorien stehen künftig die fünf gegen den Forschungstrakt für organische Chemie gelegenen Liegenschaften Nrn. 10 bis 18 zur Verfügung.

Der Neubau für physikalische Chemie würde demnach den obern Abschluss des für die Chemieinstitute vorgesehenen Areals bilden, in günstiger Distanz weitab von den technisch-chemischen Laboratorien.

Bauliche Gestaltung Es ist ein Eisenbeton-Skelettbau mit 6 Geschossen und einem dachwärts gelegenen Kontrollgang vorgesehen. Seine Kubatur misst 16 600 Kubikmeter.

  1. Das zweite Untergeschoss enthält: Unterstation des Fernheizkraftwerkes, Klimaanlage, Ventilatoren-, Kompressor- und Transformatorenstation und einen für die Kernforschung benötigten kleinen Schleusen- und Entgiftungsraum.

fe. Das erste Untergeschoss mit direktem Tageslichteinfall umfasst: Materiallagerraum, mechanische und elektronische Werkstätte, Geschirrwaschraum, Sortiermaschinen- und Eechenraum, feuersicherer Nachtraum, Laboratorien für Isotopenchemie, Kälteraum.

c. Das Parterregeschoss birgt folgende Räume: Laboratorien für die Anfängerpraktika, Hörsaal für ca. 120-130 Studenten, Assistentenzimmer und Vorbereitungsraum.

d. Im ersten Stock sind vorgesehen: Speziallaboratorien für Eadiospektro skopie, für chemische Thermodynamik, Einheitslaboratorien für Spektrochemie und für Eeaktionskinetik sowie ein Professorenzimmer.

e. Im zweiten Stock sollen untergebracht werden: die Praktikumsräume für die Vorgerückteren, die Bibliothek mit Studienraum, die Spektrensammlung, das Sekretariat und ein Professorenzimmer.

/. Im dritten Stock sollen eingerichtet werden : Einheitslaboratorien für kernphysikalische Chemie, der zentrale Lagerraum für Isotope, die Laboratorien für Eeaktorchemie, Laboratorien für die physikalisch-chemische Messtechnik sowie eine Dunkelkammer und ein Professorenzimmer.

Die von der Direktion der eidgenössischen Bauten veranschlagten Kosten belaufen sich auf: Franken a. Gesamtkosten 4810000 Baukosten 150 Franken pro m3 = 2 488 550 Franken, technische Einrichtungen, Installationen und Mobiliar *) 138 Franken pro m3 = 2 289 660 Franken, Umgebungsarbeiten = 31 790 __ Franken Übertrag 4 810 000 x

) Schätzung auf Grund der Einrichtungskosten in analogen Instituten der ETH.

324 Franken

b. Fernheizkanäle und Leitungen 1) c. Apparative Ausrüstung 2) d. Unvorhergesehenes .

Übertrag 4 810 000 600 000 l 500 000 40 000 Total 6 950 000

*) Das Fernheizkraftwerk erachtet es als zweckmässig, die Kanäle und Leitungen bei Anlass des vorgesehenen Neubaus so zu dimensionieren, dass sie auch für spätere Erweiterungen der Chemieinstitute ausreichen.

2 ) Inklusive apparative Grundausrüstung der kernphysikalisch-chemischen Laboratorien.

IV. Die Aufstockung des Chemie-Altbaues 1. Projekt und Begründung Der Altbau des 1886 fertigerstellten Chemiegebäudes weist zwei Flügel auf, die in ihren drei Geschossen vorwiegend grössere Unterrichtslaboratorien enthalten. Mit der durchgreifenden Eenovatioii dieser «Laborsäle» wurde vor wenigen Jahren begonnen.

In den beiden Bauperioden der letzten drei Jahrzehnte wurden im Chemiegebäude vor allem die Laboratorien für organische Chemie und für technische Chemie erweitert; wie oben dargelegt, unterblieb der vorgesehene Ausbau der physikalisch-chemischen Laboratorien. Auch die anorganisch-chemischen und analytisch-chemischen Laboratorien konnten bisher nur unwesentlich vergrössert werden.

Unter Baummangel klagen bei der heutigen Frequenz alle im Chemiegebäude vertretenen Fachrichtungen; dieser Raummangel, der hauptsächlich den Unterricht trifft, ist nicht nur auf die starke anhaltende Zunahme der Frequenz, sondern auch auf die Notwendigkeit einer verstärkten Pflege vermehrter Unterrichtsgebiete zurückzuführen.

So sollten die Laboratorien für textilchemische und färbereitechnische Übungen unbedingt ausgebaut werden. Für die Textilchemie war bisher wenig Platz vorhanden, und das färbereichemische Praktikum vollzog sich in Kellerräumen mit veralteten Einrichtungen. Die Textil- und Farbenindustrie machte ebenfalls mit Nachdruck auf diesen Mangel aufmerksam, sie erhofft von verbesserten Laboratorien auch einen stärkeren Anreiz der Absolventen zur Wahl dieser wichtigen Sonderrichtungen. Die gartenwärts gelegenen Flügelaufbauten kommen im Projekt auf die gleiche Höhe zu hegen, wie das heutige Obergeschoss des strassenseitigen Haupttraktes. Die nach der Strasse gerichteten Flügel bleiben völlig intakt. Man vergleiche hiezu die Situationsskizze.

Durch den Aufbau der von der Strassenfront aus wenig sichtbaren Flügel, der den Charakter des Gebäudes nicht stark beeinflusst, kann sehr viel Baum gewonnen werden.

325 a.

b.

c.

d.

e.

/.

Das Aufstockungsprojekt umfasst folgende Teile: Zwei Unterrichtslaboratorien mit je 56 Arbeitsplätzen ina Aufstockungsgeschoss d (l.Obergeschoss) je im NE- und im SE-Flügel.

Je ein Assistentenlabor wird am Ende der beiden Praktikumssäle errichtet.

Zwei Unterrichtslaboratorien mit je einem Assistentenlabor gleicher Art wie sub a, im Aufstockungsgeschoss e (2. Obergeschoss) je im NE- und im SE-Flügel.

Im 2. Obergeschoss wird der parallel zur Universitätsstrasse gestellte Hauptbau an den beiden Seiten um eine Geschosshöhe aufgestockt, so dass er auf der ganzen Länge auf gleiche Fronthöhe kommt. Der unveränderte Mitteltrakt des Hauptbaues misst 56 m Länge, die beiden auf gleiches Niveau aufzustockenden Seitenteile weisen eine Frontlänge von je 15,8 m auf. In diesem Aufstockungsgeschoss sind beidseitig gleich vorgesehen: das Treppenhaus für den e-Stock, ein kleiner Hörsaal, 4 Laboratorien für Mitarbeiter, der Liftmaschinenraum und die WC.

Durch die Vermehrung der Unterrichtsfächer und durch den Ausbau des vertiefenden Unterrichts für die Doktoranden und andere Fachhörer höherer Semester, entstand in den letzten zehn Jahren empfindlicher Mangel an Hörsälen und Kolloquiumsräumen. Durch die Erstellung der beiden kleinen Hörsäle zu je 30-40 Plätzen kann dieser Mangel zum guten Teil behoben werden.

Die Aufstockung der Seitenteile des Mitteltraktes (sub e), zwingt zur Verlegung der 4-Zimmer-Wohnungen für die beiden Materialverwalter, bzw, für den Hausmeister. Diese sind beidseitig auf dem Flachdach über dem e-Geschoss des Mitteltraktes in einer architektonisch nicht störenden, da zurückgesetzten Aufbaute vorgesehen.

Im Mittelstück des Hauptbaues liegt im obersten Geschoss die chemischtechnologische Sammlung. Seit Errichtung des Chemiegebäudes 1886 wurde sie nie renoviert. Sie muss modernisiert und um einen Drittel der Fläche verkleinert werden. Im Abtrennungsteil sollte ein kleiner Hörsaal und ein Kolloquiumszimmer eingerichtet werden.

Die Kosten für die Ausstattung der neuen Unterrichtslaboratorien mit Praktikunm.tensilien (Glaswaren und Apparate) müssen mit 400 000 Franken in Kechnung gesetzt werden.

Die von der Direktion der eidgenössischen Bauten veranschlagten Kosten für diese neuen Aufstockungsbauten belaufen sich auf total 4,9 Millionen Franken.

326 2. Zusammenstellung der Kosten a. Aufstockung des NE-Flügels inklusive Eenovation1) des Franken alten Praktikurnssaales im c-Geschoss (329 Franken pro m3) inklusive Installationen und Mobiliar l 447 800 b. A u f s t o c k u n g des SE-Flügels (329 Franken pro m3) inklusive Installationen und Mobiliar 1196 400 c. Aufstockung der Seitenteile des Mitteltraktes (296 Franken pro m3) inklusive Installationen und Mobiliar 1179 200 d. Zwei Hauswarts- und Verwalterwohnungen und Ventilationskammer (125 Franken pro m3) 138 000 e. Eenovation des alten chemisch-technischen Sammlungsraumes mit Abtrennung und Einrichtung eines kleineren Hörsaales (56 Plätze) und Kolloquiumzimmers, inklusive Mobiliar . . . .

157 000 /. Laboratoriumsutsensilien (Glaswaren und Apparate) für die 224 neuen Laborplätze 400000 g. Unvorhergesehenes 381 600 Total

4 900 000

1 ) Für die Renovation des Laboratoriums lOc wurde 1957 ein Objektkredit von 220 000 Franken bereitgestellt. Dieser würde mit der Verwirklichung des vorliegenden Botschaftsprojektes entfallen.

V. Die Unterkellerung der beiden Lichthöfe des Chemie-Altbaues.

Begründung und Kostenvoranschlag Die Chemieinstitute benötigen für die Lagerung von Lösungsmitteln, Chemikalien, Apparaten, Laborutensilien und Glaswaren sehr viel Magazinraum. Die gestapelten Waren müssen leicht auffindbar und zugänglich sein. Brennbare und explosive Stoffe erfordern separate und brandsichere Lagerräume.

Auch das Fernheizkraftwerk, das im Maschinenlaboratorium untergebracht ist, verlangt Abstell- und Magazinräume für Installationsgüter. Seit Jahren suchte man diesem Mangel abzuhelfen. Das vorliegende Projekt gäbe die Möglichkeit hiezu. In den weiten ca. 20x22 m messenden Lichthöfen des Chemiegebäudes findet sich nutzbarer Platz, sie könnten unterkellert werden, ohne dass die gegen die Lichthöfe orientierten Eäume des Chemiegebäudes beeinträchtigt würden.

Der neu gewonnene Lagerraum in der Unterkellerung könnte überdies einige bessergelegene Lokale in den Arbeitsgeschossen der Chemieinstitute für andere Zwecke freimachen. Die neuen Lagerräume vermöchten auf Jahrzehnte hinaus zu genügen. Auch dem Hilfspersonal (Putzpersonal etc.) könnten endlich gut ventilierte Koch- und Waschräume zur Verfügung gestellt werden. Diese nur temporär verwendeten Eäume mangeln seit langem.

327

Der durch die Unterkellerung jaeu-gewonnene umbaute Raum misst total 4579 m3. Die zentralen~BTä'chen der unterkellerten Lichthöfe werden in leichter Konstruktion überdacht zur Vornahme gewisser Arbeiten im Freien.

Die Kosten für den Bau und für die Einrichtung der Lichthofkellerräume werden wie folgt veranschlagt: Franken Bau und Einrichtungen 615 500 Unvorhergesehenes 34 500 Total !)

650 000

x

) Für die Erstellung eines Depotraumes für zum Teil brennbare Lösungsmittel wurden bereits 1956 in den Bauvoranschlag 50 000 Pranken eingestellt. Dieser Objektkredit würde bei der Verwirklichung des Botschaftsprojektes entfallen.

VI. Zusammenstellung der Kosten für die Neubau- und Erweiterungsvorhaben der Chemieinstitute der ETH In den voranstehenden Abschnitten III, IV und V wurden die verschiedenen Projekte kurz beschrieben und begründet. Aus den dort aufgeführten Kostenveranschlagen berechnet sich der benötigte Gesamtkredit wie folgt: a. Neubau des physikalisch-chemischen Institutes samt EinrichFranken tungen, apparativer Ausrüstung und Mobiliar 6 950 000 fe. Aufstockung der NE- und SE-Mügel sowie der Seitenteile des Haupttraktes; Bau von zwei Verwalterwohnungen; Renovation der chemisch-technologischen Sammlung; Anschaffung der Unterrichtsutensilien für die neuen Laboratorien (224 Plätze) 4900000 o. Unterkellerung der beiden Lichthöfe des Chemiegebäudes . .

650 000 Gesamtkosten

12 500 000

Diesen Gesamtkosten stehen f o l g e n d e Einnahmen sowie Einsparungen auf f r ü h e r bewilligten O b j e k t k r e d i t e n gegenüber: a. Schenkung der Firmen Ciba AG, F. Hoffmann-La Roche & Co.

Franken AG, Lonza AG, Sandoz AG, J. R. Geigy AG sowie Durand & Huguenin AG. für den Neubau des physikalisch-chemischen Institutes 2050000 b. Bewilligte O b j e k t k r e d i t e , auf die. bei A u s f ü h r u n g des vorliegenden P r o j e k t e s verzichtet wird: Kreditrest aus dem durch Bundesbeschlüsse vom2.Aprill946/ 7. Juni 1955 für die Erweiterung des physikalisch-chemischen Institutes bewilligten Kredit (Objektkredit Nr.320.01). . . .

670000 Bau einer Tankanlage für Lösungsmittel ausserhalb des Chemiegebäudes (Voranschlag 1956, Objektkredit Nr. 320.48) . .

50000 Übertrag

2 770 000

328 ~"^-'-

'

·----·--___

~

Franken T

--HQberTiraifp" 2 770 000 Totalrenovation .des Praktikantensaales 10c und des Assistentenzimmers Ile im Laboratorium für anorganische Chemie (Voranschlag 1957, Objektkredit Nr.320.71) 220000 Total 2 990 000

Auf Grund der vorstehenden Darlegungen ersuchen wir Sie, dem nachstehenden Entwurf zu einem Bundesbeschluss Ihre Zustimmung zu erteilen.

Da dieser Beschluss die Kreditgrenze von 5 Millionen Franken überschreitet, benötigt er, gemäss Bundesbeschluss über die Finanzordnung, das absolute Mehr der beiden Bäte (Ausgabenbremse).

Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Bern, den 27. Januar 1958.

Im Namen des Schweizerischen Bundesrates, Der B u n d e s p r ä s i d e n t : Holenstein Der Bundeskanzler: Ch. Oser

Situations-Skizze Bundesblatt. 110. Jahrg. Bd. I.

23

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(Entwurf)

Bundesbeschluss über

den Ausbau der Chemieinstitute der Eidgenössischen Technischen Hochschule Die Bundesversammlung der Schweizerischen E i d g e n o s s e n s c h a f t , nach Einsicht in eine Botschaft vom 27. Januar 1958, beschliesst :

Art. l Es wird ein Objektkredit von 12 500 000 Franken bewilligt: a. für den Neubau und für die apparative Ausrüstung des physikalischchemischen Institutes, b. für die Erweiterung, Eenovation und apparative Ausrüstung der Unterrichtsräume (Laboratorien, Hörsäle und Sammlung) im Altbau des Chemiegebäudes, c. für die Erstellung zweier Verwalterwohnungen im Altbau des Chemiegebäudes, d. für die Unterkellerung der beiden Lichthöfe des Chemiegebäudes, zur Schaffung von Apparate- und Chemikalienmagazinen, eines Aufbewahrungsraumes für brennbare und explosive Lösungsmittel und von Kochund Waschräumen für das Hilfspersonal.

2 Die Schenkung von 2 050 000 Franken von Firmen der chemischen Industrie für den Neubau des physikalisch-chemischen Institutes findet für die Bauausgaben Verwendung.

Art. 2 Früher bewilligte Objektkredite von insgesamt 940 000 Franken für Bauvorhaben, deren Ausführung durch das vorliegende Projekt erübrigt wird, werden als verfallen erklärt.

Art. 3 Am vorgelegten Bauprojekt dürfen, im Eahmen des genehmigten Objektkredites, noch jene Änderungen vorgenommen werden, die sich nachträglich als notwendig erweisen.

Art. 4 1 Dieser Beschluss ist nicht allgemein verbindlich und tritt sofort in Kraft.

2 Der Bundesrat wird mit dem Vollzug beauftragt.

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Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über den Ausbau der Chemieinstitute der Eidgenössischen Technischen Hochschule (Vom 27. Januar 1958)

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1958

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05

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7534

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06.02.1958

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313-330

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