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Bericht des

Bundesrates an die Bundesversammlung über das Volksbegehren zur Erhaltung des Schweizerischen Nationalparkes (Vom 23. Mai 1958)

Herr Präsident !

Hochgeehrte Herren!

Die «Lia Naira» in Zernez hat am 24.März 1958 der Bundeskanzlei eine Anzahl Unterschriftenbogen zu einem Volksbegehren für die Erhaltung des Schweizerischen Nationalparkes eingereicht. Die Bogen und Karten trugen nach den Angaben der «Lia Naira» 90 787 Unterschriften.

Das Volksbegehren lautet me folgt : Im Bestreben, die Integrität des Schweizerischen Nationalparkes sicherzustellen, und in Würdigung der materiellen Opfer, die vor allem mit dem Verzicht auf einen Vollausbau der Wasserkräfte des Inngebietes für die Erhaltung des Nationalparkes gebracht werden müssen, stellen die unterzeichneten stimmberechtigten Schweizer Bürger das Begehren auf Partialrevision der Bundesverfassung durch Einfügung eines neuen Artikels mit folgendem Wortlaut : «Der Schweizerische Nationalpark im Unterengadin bleibt mit seiner gesamten Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt dem Volke und der Wissenschaft als Naturreservat unversehrt erhalten. Er umfasst mindestens das am 1.Januar 1957 bestehende Reservationsgebiet.

Der Erwerb von Rechten für den Nationalpark erfolgt gegen volle Entschädigung gemäss Artikel 23 der Bundesverfassung. Ausserdem leistet der Bund an die betroffenen Gemeinden des Engadins und des Münstertales sowie an den Kanton Graubünden eine angemessene Vergütung für die im Bestand des Nationalparkes begründeten Nachteile.

Ein Bundesgesetz wird die näheren Bestimmungen treffen. » Voulant assurer l'intégrité du parc national suisse et conscients des sacrifices matériels qui doivent être consentis pour son maintien, principalement en renonçant à utiliser entièrement le potentiel hydraulique du bassin de l'Inn, les citoyens suisses soussignés, jouissant du droit de vote, demandent la revision partielle de la constitution fédérale par l'introduction d'un nouvel article dont la teneur serait la suivante :

1019 «Le Parc national suisse dans la Basse-Engadine demeure intact dans l'ensemble de son paysage, sa faune et sa flore, comme réserve naturelle créée dans l'intérêt du peuple et deerla science. Il comprend pour le moins les territoires formant la réserve nationale au 1 janvier 1957.

L'acquisition de droits pour le parc national s'effectue contre indemnisation intégrale, conformément à l'article 28 de la constitution fédérale. En outre, la Confédération dédommage de façon équitable les communes intéressées de l'Engadine et de la vallée de Munster ainsi que le canton des Grisons des préjudices que leur cause l'existence du parc national.

Des dispositions plus détaillées seront édictées dans une loi fédérale. » Volendo assicurare l'integrità del parco nazionale svizzero e coscienti dei sacrifizi materiali che devono essere consentiti per la sua conservazione, principalmente rinunciando di utilizzare interamente il potenziale idraulico dell'Irai, i sottoscritti cittadini svizzeri, aventi diritto di voto, chiedono la revisione parziale della costituzione federale coll'introduzione d'un nuovo articolo il cui testo sarà il seguente: «H parco nazionale svizzero nell'Engadina bassa deve restare intatto col suo paesaggio, la sua fauna e la sua flora, come riserva naturale creata nell'interesse del popolo e della scienza. Esso comprende per lo meno i territori formanti la riserva nazionale al primo gennaio 1957.

L'acquisto di diritti per il parco nazionale si effettua contro piena indennità agli interessati conformemente all'articolo 23 della costituzione federale. Inoltre darà la Confederazione un adeguato risarcimento ai comuni dell'Engadina e della Valle Monastero come pure al cantone dei Grigiori! per i pregiudizi derivanti dalla esistenza del parco nazionale.

Una legge federale stabilirà le disposizioni di applicazione. » Massgebend für das Zustandekommen dieses Volksbegehrens ist der deutsche Text.

Das Volksbegehren ist mit einer Eückzugsklausel versehen.

Die im Auftrage des Bundesrates vom Eidgenössischen Statistischen Amt gemäss Bundesgesetz vom 27. Januar 1892 über das Verfahren bei Volksbegehren und Abstimmungen betreffend Bevision der Bundesverfassung vorgenommene Prüfung der Unterschriften hat folgendes Besultat ergeben :

Zürich Bern Luzern

Ungültige Unterschriften

Gültige Unterschriften

24905

24503 14204 2660

136 269 46 58 251 481 883

402 410 · 78 5 38 5 -- 9 71 2

44826

1015

48311

14614 2738

Uri Schwyz Obwalden Nidwaiden Glarus

Zug

Hingelangte Unterschriften

'

Freiburg Übertrag

131 236 41 53 242 360 881

1020 Eingelangte Unterschriften

Übertrag Solothurn Basel-Stadt Basel-Land Schaffhausen Appenzell A.-Eh Appenzell I.-Eh St. Gallen Graubünden Aargau Thurgau Tessin Waadt Wallis Neuenburg Genf

44326 1988 · 9674 4983 3 555 187 ° 5 1586 663 4328 2156 2461 10347 292 1248 2988 90787

Ungültige Unterschriften

1015 25 1624 474 42 l --· 62 17 48 38 9 255 -- 116 112 3838

Die ungültigen Unterschriften verteilen sich wie folgt : Von gleicher Hand Ungenügende oder gar keine Bescheinigung Ungültig aus einem andern Grund Total der ungültigen Unterschriften

Gültige Unterschriften

43311 l 963 8050 4509 3 513 186 5 1524 646 4280 2118 2452 10092 292 l 132 2876 86949 12 198 3628 3838

Unter den 3628 «aus einem andern Grunde» als ungültig erklärten Unterschriften, befinden sich 3611, für welche die Ungültigkeitserklärung näherer Begründung bedarf: mehrere hundert Karten mit 3611 Unterschriften sind dem Aktionskomitee » oder seinen Vertretern ohne oberen oder unteren Teil zugegangen. Es fehlte somit entweder der Wortlaut des Artikels 3 des Gesetzes oder der Wortlaut der Initiative selbst. Da es sich um zwei Angaben handelt, die nach dem Gesetz als Erfordernisse für die Gültigkeit der Unterschriften gelten (Art.4, Abs.2, Ziff.3; Art.5, Abs.2, Ziff.2), wurden die unvollständigen Karten vom Aktionskomitee oder von seinen Vertretern zusammengeklebt, in der Absicht, eine Ungültigkeitserklärung zu vermeiden. Es bleibt zu prüfen, ob durch diese Handlungsweise die Gültigkeit der Karten gesichert werden kann.

Obschon bei der Ungültigerklärung von Unterschriften zur Unterstützung einer Initiative oder eines Referendums Zurückhaltung am Platze ist, sind wir der Meinung, dass die gesetzlichen Bestimmungen streng zu beachten sind, wenn man nicht den sicheren Boden verlieren will. Nun schreibt Artikel 5, Absatz 2, Ziffer 2, vor, dass für die Ermittlung der gültigen Unterschriften diejenigen ausser Betracht fallen, die sich auf einem ungültigen Bogen befinden (Art.4, Ziff.l, 2, 3 und 4). Im Artikel 4, Absatz 2, Ziffern l und 3, auf welchen Artikel 5

1021 ausdrücklich Bezug nimmt, werden namentlich zwei Gültigkeitserfordernisse angegeben : die Wiedergabe des Wortlautes des Eevisionsbegehrens und des Wortlautes des Artikels 3 des Gesetzes. Wenn man heute die zusammengeklebten Karten als vollständig und somit als gültig anerkennen würde, so könnte man später gezwungen sein, das gleiche bei Karten zu tun, die Gegenstand zweifelhafter Machenschaften waren. Das Initiativrecht ist eine so wichtige Einrichtung, dass die Behörden nicht zu Praktiken Hand bieten dürfen, die gelegentlich gefährliche Formen annehmen könnten.

In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass bei 242 Karten des italienischen Textes die Eückzugsklausel auf einem besonderen Streifen angebracht ist, der auf die Karte geklebt wurde. Das hat die Ungültigkeit der Eückzugsklausel für die 1119 Unterschriften zur Folge. Die Zahl der für sie gültigen Unterschriften beträgt daher 85 830, was für die Gültigkeit der Klausel genügt. Eine andere Frage ist es, ob der ganze Bogen ungültig sei, wenn er nicht eine gültige Eückzugsklausel trägt. Im ersten Bericht des .Bundesrates über das Volksbegehren für eine vorübergehende Herabsetzung der Militärausgaben (BB11955,1, 532) hat der Bundesrat das verneint, ohne dass in den Eäten Widerspruch erhoben wurde.

Aus der vorstehenden Zusammenstellung geht hervor, dass das Volksbegehren von 86 949 gültigen Unterschriften unterstützt wird. Es ist 'somit zustande gekommen.

Wir beehren uns, Ihnen das Volksbegehren nebst den zugehörigen Akten gemäss Artikel 5 des Bundesgesetzes vom 27. Januar 1892 zuzustellen.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Bern, den 23.Mai 1958.

Im Namen des Schweizerischen Bundesrates, Der B u n d e s p r ä s i d e n t : Holenstein 3814

Der Bundeskanzler : Ch. Oser

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Bericht des Bundesrates an die Bundesversammlung über das Volksbegehren zur Erhaltung des Schweizerischen Nationalparkes (Vom 23. Mai 1958)

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1958

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7629

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29.05.1958

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