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Bekanntmachungen von

Departementen und andern Verwaltugsstellen des Bundes.

Bekanntmachung betreffend

das Inkrafttreten der kommerziellen Verständigung mit Frankreich.

Nachdem die eidgenössischen Räte die unterm 25. Juni abbin mit der französischen Regierung vereinbarte kommerzielle Verständigung genehmigt haben, wird dieselbe am 19. A u g u s t nächsthin in Kraft treten. Gemäß dieser Vereinbarung sollen die aus Frankreich und seinen Kolonien herkommenden Waren bei der Einfuhr in die Schweiz zu den Ansätzen des Gebrauchstarifs zugelassen werden, wogegen Frankreich für Waren schweizerischer Herkunft die Zollbehandlung nach dem Minimaltarif gewährt, nachdem es eine Anzahl der Zollansätze des letztern gemäß Vereinbarung auf dem Wege der autonomen Gesetzgebung ermäßigt hat.

Beide Länder behandeln sich also vom 19. August an auf dem Fuße der meistbegünstigten Nation.

In Vollziehung dieser Vereinbarung werden nachstehende Vorschriften erlassen : I. Allgemeines.

Vom Beginn des Zolldienstes den 19. August an werden alle aus Frankreich oder dessen Kolonien herkommenden, zur Zollbehandlung angemeldeten Waren nach den Ansätzen des Konventionaltarifs abgefertigt.

I n f o l g e d e s s e n b e d a r f es v o m g e n a n n t e n Z e i t p u n k t an bei der W a r e n e i n f u h r in die Schweiz keiner Ursprungszeugnisse mehr.

815 Mit dem 19. August fällt der Bundesratsbeschluß betreffend die Einfuhr aus der zollfreien Zone von Hochsavoyen und der Landschaft Gex vom 25. Februar 1895 dahin, indem vom genannten Tage an für alle Provenienzen der zollfreien Zone von Hochsavoyen der Konventionaltarif zur Anwendung kommt, wogegen für die Einfuhr aus der Landschaft Gex ein besonderes Reglement besteht, welches sich in der bundesrätlichen Botschaft an die eidgenössischen Räte vom 29. Juli 1895, betreffend eine kommerzielle Verständigung mit Frankreich, reproduziert findet, und auf welches hier verwiesen werden muß.

u. Niederlagsverkehr.

In eidgenössischen N i e d e r l a g s h ä u s e r n e i n g e l a g e r t e W a r e n französischer Herkunft, welche vom 19. August an zur Eingangsverzollung angerneidet werden, sind nach den Ansätzen des Gebrauchstarifs abzufertigen.

m. Freipassverkehr.

Die H i n t e r l a g e n im F r e i p a ß v e r k e h r für Waren französischer Herkunft erleiden keine Änderungen.

Läßt der Freipaßinhaber den Freipaß verfallen, bezw. wird die mit Freipaß abgefertigte Ware nicht wieder ausgeführt, so ist die ganze Hinterlage zu verrechnen.

IV. Geleitscheinverkehr.

  1. E i n m o n a t l i c h e Geleitscheine für direkt transitierende Waren haften für den sichergestellten bezw. hinterlegten Zoll.
  2. Verbleite Güter mit z w e i m o n a t l i c h e m Geleits c h e i n , welche nach dem 19. August zur Verzollung angemeldet werden, unterliegen den Ansätzen des Gebrauchstarifs.
  3. P a r t i e g ü t e r mit z w ö l f m o n a t l i c h e m Geleitschein: Die Inhaber von Geleitscheinen für Partiegüter haben vom 19. August an Anspruch auf die Ansätze'des Konventionaltarifs für diejenigen Quantitäten, über welche bis zu jenem Tage noch nicht disponiert ist. Diese Geleitscheine müssen innert 7 Tagen, vom 19. August an gerechnet, dem Eintrittszollamte vorgewiesen werden, und zwar in Begleit eines notarialisch oder behördlich beglaubigten Buchauszuges, aus welchem ersehen werden kann, wie viel von der im Geleitschein vorgemerkten Ware am Tage vor Inkrafttreten des

816 Handelsübereinkommens noch auf Lager ist (Angabe der Verpackungen, Kisten, Säcke u. dgl., der Zeichen, Nummern und des Bruttogewichtes). Die Z o l l ä m t e r w e r d e n erm ä c h t i g t , g e s t ü t z t a u f diesen A u s z u g , n e u e G e leitscheine mit Berechnung des ermäßigten Zolles für das nach Abschreibung der wieder ausgeführten und der in den innera K o n s u m gebrachten Quantitäten restierende Betreffnis a u s z u s t e l l e n , m i t E n d e fr i s t w i e i m a l t e n G e leitschein.

Für die in den einheimischen Konsum übergetretenen Mengen ist der Zoll nach dem auf dem alten Geleitschein vorgemerkten Ansatz zu beziehen.

Wer den hiervor erwähnten Ausweis einzureichen unterläßt, bezahlt den Zoll für das bis zum Ablauf der Gültigkeitsfrist nicht ausgeführte und zur Löschung angemeldete Quantum nach den alten (höhern) Tarifsätzen.

B e r n , den 16. August

1895.

Schweiz. Oberzolldirektion.

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