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des

schweizerischen Konsuls in San Francisco (.Hrn. .J. Berton von Genf) über das Jahr 1870.).

(Vom 28. Januar 1871.)

Tit..

Das Jahr 1870 bietet dem Beobachter, welcher gewohnt ist, jed...

der raschen Errungenschaften auszuzeichnen, welche am Schlusse jedes Jahres in Kalifornien konstatirt werden konnen, nur wenig Stoff dar.

D.e in Folge der Erofsnung der transkontinentalen Eisenbahn plozlich durchaus veränderten Handelsverhältnisse sind noch immer nicht aus sichrer Grundlage wiederhergestellt ; denn wenn sie sich theilweise auch zum Bessern gewendet, so haben doch andere stark gelitt.en ; nichts desto weniger darf behauptet werden, dass sieh das Gleichgewicht zu Ende des Jahres wieder herstellen zu wollen schien.

Wenn San Franeiseo durch den Ban der Eisenbahn, welche das Binnenland mit den ostlichen Staaten in Verbindung sezt, hinsichtlich seiner Beziehungen mit dem Jnnern verloren hat, so steht es dagegen im Begriffe, durch die Erosfnnng von nenen Dampserlinien zwischen unserm Kontinent, Olsten und Oceanien, sowie auch durch eine Handelserweiterung nach dieser Richtung hin zn gewinnen.

Der Krieg, welcher in der lezten Jahreshälfte von 1870 Europa verheerte, hatte an der hier eingetretenen Geschästsruhe grossen ...lntheil.

Die Subseriptionsliste für die Verwundeten beider Theile haben im ganzen Lande zirkulirt, und Jedermann, zum Raehtheile des Kleinhandels, zur mogliehsten Verminderung der Ausgaben veranlagt. Gar

492 Manche, von Patriotismus beseelt, gaben, um ihren verwundeten Land..^ leuten und deren Familien behilflich zu fein, nicht nur ihren Ueberfluß her, sondern auch das, was sie selbst nöthig hatten. Die von San Francisco gesteuerten Summen berechne ich auf 2 Millionen Franken.

Die Handelshäuser warteten nur das Ende des Krieges ab, um neue Unternehmungen zu beginnen und in Europa Aufträge zu Waarenein^.

kaufen zu ertheilen.

Die Einfuhr von deutsehen Waaren ist übrigens, der Fnreht von den sranzosisehen Kreuzern wegen, nur sehr gering gewesen, das Gleiche war der ^all in Bezug auf die sranzosischen Waaren wegen des Mangels an Produktion in Frankreich und wegen der Schwierigkeit des Waarentransportes während der Besezuug Frankreichs dureh die Deutschen.

Aus gewissen Artikeln ist daher eine Hansse^ingetreten, die den Jmporteurs zu Ruzen kam. Der Verkehr mit Jmmobilien wurde von der allgemeinen Geschäftsstille beeinflnsst , es herrseht hierin weniger Leben als in den Vorsahren, und die Breise sind gesunken. Moglicherweise wird fich nach der Wiederherstellung des Friedens eine ziemlich starke Auswanderung aus Frankreich und Deutschland den Vereinigten Staaten zuwenden und auch Kalifornien hieraus ......uzen ziehen.

Es fehlt uns an einer industriellen und akerbauenden Bevölkerung im Jnnern des Landes; denn die Stadt ^an Franeiseo allein besizt beinahe den Drittel von Kaliforniens Bevolkernng, und diese Thatsache ist eine anormale.

Der Kauf und Verkauf von Jmmobilien erreichte

im Jahre 1869 den Werth von ^ 29,937,717 ,, ,, 1870 dagegen nur ,,15,630,272; dagegen beliesen sich die hypothekarischen Anleihen im Jahre 1869 auf .^ 6,964,195 und im Jahre 1870 auf ,, 8,355,605.

Jn meinem leztjährigen Bericht... habe ich über die H.^pothekarsteuer, deren Abschaffung angestrebt wurde, indem in ihrer Beziehung eine doppelte Anrechnung stattfand, Anfschluss gegeben. Viele unserer Kapitalisten in der Schweiz waren bei dieser Frage sehr interessirt ; denn es war die Mogliehkeit vorhanden, dass ihnen diese .^a^e für mehrere ..^ständige Jahre nachgefordert worden wäre, und diese Ra.hsorderungen würden ^ch, meiner ^........hnung na^.h, sür fle allein aus mehr als .^ 100,000 belausen haben. Jn der lezten Session hat unsere Legislatur die Tar,e sür die Gegenwart sowohl wie sür die Vergangenheit gänzlich und sür immer abgeschafft.

Wir haben in ^an Franeiseo zehn Ersparnisskassen ; das einge-

zahlte Kapital belänst sich aus .^ 31,289,550. Einleger gibt es 35,915; nahezu alle diese Kassen haben im Jahr 1870 eine Dividende von 5^ bezahlt.

Die Gold- und Silberausbeutnng in Kalifornien

493 und .......evada war 1870

stärker

als 1869.

Statistischen Erhebungen

zufolge belies sie sich 1870 aus.^ 41,126,594 und 1869 auf 40,712,657.

Jn der Münze wurden 507,000 Silbexdollars und 20,355,000 Golddollars geprägt. Die Export- und Zollgebühren bezogen hievon .^ 16,920,470, die Douane allein ^ 7,773,666.

Das Total des verkauften Getreides belief sieh aus ^ 7,073,404 oder 1^,^.. .^ per 100.^ im Durchschnitt; doch war zu Ende des Jahres eine Hausse eingetreten, von welcher das Jahr 1871 pxofitiren ^ixd. Das ausführte Getreide hat einen Wexth von ^ 8,420,748.

^lu.^fuhr.

Das

Total der .Aussuhr

kalifornischer Produkte und Waaren,

Gold und Silber nicht inbegrifsen, betrug .^ 17,135,702. Es erzeigt sich mithin gegenüber der Ausfuhr von 1869 eine kleine Vermehrung.

Die Aussuhr von kostbaren Metallen, hauptsächlich von Gold- und Silberbarren und mexikanischen Viastern, war wie folat:

,, ,, ,, ,, ,,

Ehina .

England .

Frankreich .

.

Japan . . . . , Rew^ork .

Bern . . . . ,

.^ .

,, , ,, ,

6,055,080 9,788,210 190,410 855,975 14,107,800 2,130,084

,.

verschiedenen .Ländern

,,

439,239

.

.^ 33,566,898 Jm Jahre 1870 hat demnach Kalifornien an Gold, Silber und andern Produkten ^ 53,748,296 ausgeführt.

Die Wolle figurixt

darunter mit ^ 3,718,491. Leztexes Produkt weist gegenüber dem Jahre 1869 eine Vermehrung von ^ 1,348,326 aus.

Einfuhr.

Die Einsuhr von fremden Waaxen zur See während des Jahres 1870 vertheilt sich wie folgt:

Aus Australien ,, ,, ,, ,, ,, ,,

Brasilien Zentxal^Amerika

Ehili Ehina Ostindien .

Falklandinseln

Uebertrag

Tonnen 62,004 466 ,, 80,511 bekanntex Wexth ,, 6,026 ,, 15,530 ^ 4,784 ,, 326 ,, Tonnen 169,647

.^ 539,006 12,050 ., 45,992 ,, 58,928 139,408 ,, 64,200 5,000 .^ 864,584

Uebertrag Tonnen ^9,647

Aus Frankreich .

.

,, England . .

" Deutschland .

,, Japan . .

,., Mexiko . .

,, Bern . .

" Sandwichinseln .

,, Ha.ti . .

,, Spanien . .

,, Britiseh-Eoiumbia

,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ..

,, Tonnen

9,547 75, l 93 5,17l 54,379 118,889 8,736 20,59l 2,254 278 l9,163 483,848

^

864,584

,, 159,958^ ,, 731,293 .,, 73^000 ,, 1.2,748 ,, 37,935 ,, 87,480 ,, 47,864 ,, 3 l ,808 ,, 9,000 ,, 75,159 ^ 2,230,829

Die Einsuhr zur See aus den andern Staaten der Union, sei es über Banama, sei es über Kap Horn, betrug 111,098 Tonnen im

Werthe von .^ 1,338,461. Jch rede hier nicht von der unmöglich z.^

kontrolirenden Einsuhr per Eisenbahn, eben so wenig von den sehweizerischen Waaren, welche aus deutsehen und sranzosisehen Schissen und per Eisenbahn von Rew^ork ankommen. So z. B. werden iezt die Gxe.^erzerkäse,^ die zu einem ziemlich bedeutenden direkten Handel mit der Schweiz Veranlassuug gegeben, ans der Eisenbahn von Rew^^or^ eingeführt, in welcher Stadt mehrere Schweizerhänser sich mit diesem Handel beschäftigen und unseren ^laz versehen. Jch glaube, dass die Einsuhr von schweizerischen Uhrenmacherarbeiten und von Bijouteriewaaren keine befriedigenden Ergebnisse geliefert, indem Jedermann sich bestrebte, seine Ausgaben einzuschränken und sieh darum der Luxusartikel ent^ halten hat.

Fischereien.

Die ..^abeljausiseherei uimmt immer grossere Dimensionen an. San Franeiseo sendet kleine Fahrzeuge nach dem Meere von Oehotsk und nach der Behringsstrasse aus, wo^sie^die ^angzeit zubringen. Sie haben

.^diesem ^ Jahre 3448 Tonnen Kabeljau im Wert^ von .^.1,227,800

heimgebracht.

...^...denerzeu^nisse.

Die Kohlenausbeutung im Teuselsberg betrug .^ 129,760. Sie erreicht diejenige des Vorjahres nicht. man hat noch einige Gänge mehr entdeckt, . die aber noch nicht in regelmässiger Weise ausgebeutet werden.

Wir geben eine Statistik des kalifornischen Früchtehandels im Jahr 1870.

Die grosse Menge von Früchten, welche nach San Fra,^ eiseo und den benachbarten Staaten gebracht wurde, gibt einen Begriff von der ausserordentlichen Fruchtbarkeit unsers Bodens :

495.

Aepfel^ .

Aprikosen .

Maulbeeren ^rschen .

. 415,000 Schachteln à 50 .^ . 60,965 ,, ^ 35 ,, . t0,500 .

,. 100 ,, . 32,275 ,, ,, 35 ,,

Johannisbeeren .

Feigen .

.

Trauben .

Rektarinen Pfirsiche .

Birnen .

Erdbeeren .

6.970 " 533 Tonnen

,,

100 "

. 5,827 ,, .

360 ., . 199,550 Schachteln à ^40 .^ . 163,800 ,, ,, 60 ,, . 19,570 ,, ., 100 ,,

u. s. w.

Der übrigen Früchte erwähne ich nicht, doch wäre noch die Orangenernte von Los Angeles beizufügen, welche 2,466,000 Orangen und 75,000 Zitronen geliefert hat.

Die Rebleute erklären einstimmig, dass die Weinernte von 1870, der Qualität wie der Quantität nach eine de.. besten sei. Man schäzt ihren Ertrag auf 10 Millionen Gallonen (1 Gallone.^4 Liter). Dazu kommen noch 150,000 Gallonen Branntwein.

Steuern.

Die Steuern für das mit 30. Juni 1871 zu End.. gehende Finanzjahr sind um ein Merkliches reduzirt worden -.- das Verdienst einer auf grossere Sparsamkeit bedachten Verwaltung ; so z. V. beliesen sich im Jahre 1869 die Steuern der Grafschaft San Franeiseo auf 2,05^, diejenigen des Staates Kalifornien aus .

.

.

. 1 ^,

Total 3,05^.

Von der kalifornischen Staatsschuld wird ein Theil, im Betrage von 3,000,000 ^, verzinslieh zu 7^, wahrscheinlich dieses Jahr zum Zinsfuss von 6^.. eonvertirt werden. Man wird diese Summe auf verschiedenen europäischen Vläzen zu erhalten suchen . ieh sehe die Titel als sehr solid an. Das Anleihen wird ans zwanzig Jahre abgeschlossen werden.

Be^lkernn.^.

Wie in allen Staaten der Union hat auch in Kalifornien im Laufe des Jahres eine Volkszählung sür die lezten zehn Jahre stattgefunden.

Jhr zufolge besizen wir eine Bevölkerung von 655,613 Seelen, wäh-

rend sie 1860 nur 379,994 Seelen betragen hatte.

Schweizerische ^ohlth.^ti^eit^efellfchaft.

Das Komite dieser Gesellschaft hat über das Jahr 1870 Bericht

erstattet. Es geht daraus hervor, dass die Gesellschaft für ihre Mitglieder an Unterstüzu...gen in Krankheitsfällen .^ 4984 verausgabt hat.

Die Ausgaben von 1870 überschritten also diejenigen von 1.^69 um

496 nahezu .^ 1900 und dienten zur Untexstüzung von 102 Franken. Da .die Einnahmen der Gesellschaft mit den Ausgaben nicht gleichen Schritt halten, so hat sich ein Defizit von .^ 573 ergeben. ^Diefe Jnstitution gereicht unseren .Landsieuten zur grossen Ehre, weil durch das gemeinsame ......and der Mildthätigkeit die Schweizer aller Kantone vereinigt werden. Die .^ahl ihrer Mitglieder belauft sich gegenwärtig auf 570 und wird hoffentlich noch weiter anwachsen.

.

.

.

.

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^ r i e .

Auf dem Gebiete der seit meinem legten Jahresberichte zu Tage getretenen industriellen Fortschritte hebe ich hervor die in San Franeiseo durch ein amerikanisches Haus errichteten Hochofen zum Zweke der

Scheidung des blei- und silberhaltigen Minerals, das namentlich aus

Nevada, aus Utah und aus Unterkalifornien, ja sogar aus Me^ko hieher gebracht wird. Dieses Etablissement nimmt grossartige Dimensionen an . die Eisenbahn hat ihre Transportpreise dermassen reduztrt, dass es moglieh geworden ist, selbst weniger reiches Mineral mit Vortheil nach San Franeiseo zu schaffen, so dass die Quantitäten mit jedem Tage zunehmen. Minen, welche man der Transportkosten wegen verlassen hatte, werden jezt mit ^ortheil wieder bearbeitet. Mit jedem nach Rew^ork abgehenden Dampfer versenden wir jezt Bleibarre.., die einen ^rossen Werth repräsentiren ; vor zwei Jahren fand das Gegentheil statt.

Seidenzucht.

Ueber diese Jndustrie l.ässt sieh nur Weniges sagen. Die Ernte an Eiern war gut, aber die Züchter zählten allzusehr aus hohe preise bei ^er Ausfuhr; der europäische Krieg machte ihre Hoffnungen raseh zu niehte, indem die Ankaussordern aus ganz minime .Quantitäten befehränkt wurden. Man wird sieh künstighin mehr der. Seidenproduktion widmen und weniger aus den Eierverkaus rechnen. Die Maulbeerbäume sind zahlreich vorhanden. Jeh selbst habe sehr schöne Seidenmuster gesehen. Ein in San Franeiseo aus kalifornischer ^eide verfertigtes amerikanisches Vanner ist nach Washington gesandt worden, um dort vom Kapitol zu wehen.

Schluß.

Der Krieg in Europa hat die kalisornischen Getreidepreise um

etwas gehoben und die Landwirthe ermuthigt, für das Jahr 1871 starke

Ansaaten zu machen. Man erwartet eine sehr bedeutende Ernte, denn der Umsang des angesäeten Landes übersteigt denjenigen des Vorjahres um einen Drittel ; das Wetter war bisher sehr günstig und der Regen fiel zu rechter Zeit. Wenn also die Witterung fortsährt, günstig zu bleiben und die Breise stch halten, so konnen wir aus einen Export von 10 bis 12 Millionen Dollars rechnen,^ wodurch der Wohlstand unter unsern Landwirthen und auch der Staatsreiehthum vermehrt werden wird.

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Bericht des schweizerischen Konsuls in San Francisco (Hrn. J. Berton von Genf) über das Jahr 1870. (Vom 28. Januar 1871.)

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Jahr

1871

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2

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22

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

03.06.1871

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491-496

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10 006 885

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