12 Es besteht hier ein schweizerischer Untersti.zungsverein, nach dessen Statuten aber nur Mitglieder desselben Unterstüzung verlangen können.

Hülssbedürftiger Schweizer nimmt sich die hiesige deutsche Gesellschaft wie ihrer eigenen Landsleute an und sucht denselben Arbeit zu verschaffen. Sie verdient in dieser Beziehung alles Lob.

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schweiz. Generalkonsuls in Mexiko (Hrn. A. Kienast, von Kilchberg, Kts. Zürich) sur das Jahr 1870.

(Vom 12. April 187l.)

An den hohen schweizerischen Bundesrath.

Tit. l Die innern Unruhen, mit denen das Jahr 1870 begann, wurden zwar binnen verhältnissmässig kurzer Frist unterdrükt. sie waren aber für nnsern Handel so missliehe Symptome, dass in Folge dessen in Europa und den Vereinigten Staaten nur sehr geringe Einleitungen für den gewöhnlichen Jmport getroffen wurden. Ganz gegen alle Erwartung und im Widerspruche mit den seit langen Jahren gemachten Erfahrungen, trat im Jnnern mit einem Male eine sehr rege Frage für Waaren ein und das Gesehäst belebte sich zusehends, obgleich wir uns mitten in der Regenzeit, der schlechtesten Saison für den Verkaus, besandeu.

Die meisten Märkte des Landes blieben in dieser günstigen Lage den ganzen Spätsommer, Herbst und Winter hindurch, bis zu Anfang dieses Jahres, wo bedeutende neue Zufuhren dem Begehr zu genügen vermochten, und schließlich einen foxmlichen Stnrz der Breise sämmtlicher Artikel herbeisührten.

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Als Hauptgrund zu der im vorigen Jahre bemerkten bedeutenden Besserung der Handelsverhältnisse ist wohl der Umstand hervorzuheben, dass sich unser Finanzministerium seit einiger Zeit ernstlich damit besehäftigt, das alte Zollwesen einer genauen Brüsnng zu unterwerfen, wobei es nach und nach, mit Hülse einiger hinzugezogenen hiesigen .^ausleute , fehlerhaste Dispositionen im alten Zolltarif heraussand, deren Abänderung und Rektifizirung sofort in Angriff genommen wurden.

Bereits seit einigen Monaten liegen einige Projekte zum neuen Zolltarif bereit, um als Vorlagen dem Kougress des Landes unterbreitet zu werden. Die vom Kongress dazu erwählte Kommisston hat jene Brojekte geprüft, die definitive Vorlage ausgearbeitet und der Kongress die Deliberation hierüber begonnen ; aber die Angelegenheit hat ihre definitive Regelung noch nieht finden kouuen, da sie mehr Zeit und Arbeit ersordert, als der Kammer bis jezt dasür zu Gebote stand.

Eine der wichtigsten neuen Dispositionen, die auch schon im Kongresse zur Abstimmung kam und leider nicht angenommen wurde, ist die Abschaffung der sogenanuteu Zona libre, die sich von Matamoros, Bro^vnsville gegenüber, längs dem Rio bravo bis uaeh Paso del Norte erstrekt, ein Distrikt, in welchem die importirten Waaren keine ^olle bezahlen, bis sie weiter landeinwärts geschafft werden. Dieses grosse Vorrecht wurde seiner Zeit jenem Distrikte darum bewilligt, weil es damals in dem Wunsche der Regierung lag, demselben durch alle Erleichterungen die Möglichkeit au die ^and ^u geben, sich rasch aus einem Zustande vollständiger Zerrüttung und Armuth herauszuarbeiten, andererseits aber um jene Landestl^eile so schnell als moglich zu be.oolkeru und in ^olge dieser Massregel die dortigen, noeh immer sehr zahlreichen wilden Judianerstämme der ^paches, Comanches .e. leichter zu verdrängen, und gleichzeitig auch um hierdurch eine Art von Boll^ werk zu errichten gegen den mächtigen und immer noch gesürehteten Raehbar im Rorden.

Die Jdee der Errichtung der Zona libre läugs dem Rio bravo hatte demnach wirklieh viel sür sieh und konnte nach den gewolmlichen Wal..rscheinlichkeits..Berechnuug..n von grossem Vortheil sür das ganze .Land werden. Weit entfernt aber, durch dieses bedeutende Vorrecht, welches kein anderer Distrikt des Laudes auszuweisen hat, zu dem gewünschten Ziele zu gelaugen, blieb jener Laudestheil, nach wie vor, unbevolkert, in einem Zustand der grossteu Armuth und hülflos gegen die fortwährenden Angriffe der wilden Jndianer, die in immer grosseren Trupps von den Vereinigten Staaten über den Fluss gedrängt werdeu.

in

Dagegen aber wurde dieser Vortheil dazu benuzt, um die ^dort grossem Massstabe stattfindenden Jmportationen fremder Brodu^te

14 aus die bequemste und sicherste Art und Weise über die Grenze der Zona hl.re zollfrei in das Jnnere des Landes zu schaffen, was bei den enorm hohen Zollen, die sremde Produkte hier im Lande bezahlen, dem Handel in Ver....cru.^ und Me^eo das Leben zu kosten drohte.

denn es wurde dadurch ermöglicht, solche Waaren von M.^moros aus zu Land bis nach der Hauptstadt zu versenden, und gleichzeitig sämmtliehe zwischenliegende Märkte des Jnuern des Landes zu versorgen, und zwar zu billigern Preisen, als es dem Handel in Ver.^r.^ oder Mexico moglich gewesen wäre. Wenn man nun bedenkt, dass die gewohnliche Fracht von Veracr.^ nach Mexico, wo, ungesähr für die

Halste des Weges, die Eisenbau.. benuzt wird, .^ t 4---t 6 per 400 .^

beträgt, und die Entfernung zwischen M.^moros und Mex^o hiermit vergleicht, so muss es in die Angen sallen, dass ohne besondere grosse Vortheile ersterer Plaz unmöglich mit dem leztern zu koukurriren im Stande sein koune. - Ans diese Thatsaehe wurde nun unser Finanzminister seitens der Regierung der Vereinigten Staaten, wie man sagt, auf.^ merksam gemacht, und da es nicht in der Absieht und dem Jnteresse unserer Regierung liegen kann, der zollfreien Ju.portatiou über die Rordgrenze, respektive dem Srhmuggel, Vorschub zu leisten, trug unser Finanzminister beim Kongress darauf an, die Zona libre abzuschaffen. Wenn dieses Projekt in der Kammer keine Unterstüzuug fand, so war unsere Regierung doch von seiner Wichtigkeit so überzeugt, dass sie sieh veranlasst gesunden hat, an der Grenze jenes Distrikts eine dreifache Zolllinie zu errichten, und seitdem haben wir Gelegenheit gehabt, zu sehen, w^ begründet die Vermuthnugen gewesen waren , dass die Schmuggelei an der Rordgrenze in einem grossartigen Massslabe betrieben werde, denn jezt ist das Gesehäst ein regelmässigeres geworden.

Ob sich nun diese heute sür unsern Handel günstigen Verhältnisse auf die Dauer behaupten , ist vorläufig nicht leicht vorauszusehen, da sie von allzu vielen Eventualitäten beeinflnsst werden. Sollte der Zoll^ienst an der Grenze der Zona libre so gewissenhaft fortgeführt werden, wie bis je^t, so würde dies allein allerdings schon eine grosse Garantie sein, aber es bliebe noch immer abzuwarten, ob die im Monat Juui beginnende .Präsidentenwahl , die im De^mber ihren definitiven Abschluss finden soll, nicht, wie schon so o f t , auch diessu.al z.. einer Revolution Veranlassung geben wird. ^ollle dieser ^all ung.ütlicherweise eintreten, dann ist mit vollständiger ..^.iehe^heit anzunehmen, dass das Geschäft, mindestens vom Dezember 1871 bis Juni --- Jnli 1872, voll-

ständig darnieder liegen wird. ^

Unsere Haudelsgese^gebung ist noch immer dieselbe, wie zur Zeit der spanischen Herrschaft. Diejenige, welche den Titel ,,Crdou^n^s de

Bilbao^ sührt, ist im Allgemeinen eine sehr gnte und zwekmässige zu nennen.

Da aber hier kein Handelsgericht

er,istirt und alle Gekäste

15 durch das gewohnliche Gericht erledigt werden, so verliert sie sehx an Werth, weil viele der darin enthaltenen Dispositionen von andern des ...Cod^o civil^ durchkreuzt und viele der Reehtssälle von den Richtern ganz nach Gutdünken entschieden werden. Ausser den ^Crdon^n^as de Bilbao^ ex^istirt noch ein anderes Gesezbuch, welches unter dem Ramen ...Cod.^o de Coinerelo^ , meistens aber als ,,Codi.^o L...res^ bekannt ist.

Es war nämlich der Jnstizminister Teodosio Lares , der dieses

Gesezbuch im Jahre 1854 ins Leben ries.

Dieser Cod^o, obgleich unter einer ultramontanen Regierung herausgegeben, ist in einzelnen Staaten , wie Buebla , Jaliseo ..e. in Kraft, währen^ die meisten andern den erstern angenommen haben , und zwar mit Recht, da er bedeutend besser ist.

Ueber die E r z e u g n i s s e d e r L a n d w i r t h s e h a s t , d e r B e r g w e r k e u n d der J n d u s t r i e glaube ich nicht nothig zu haben, eingehend zu berichten, da hierüber in den Berichten meiner Vorgänger nähere Daten angeführt sein müssen und in der legten Zeit keine neunenswertheu Veränderungen stattgefunden haben.

Jeh beschränke mich demzufolge aus folgende kurze Uebersicht:

Die Landwirthschast ist im Ganzen und im Verhältnis zu den bedeutenden und fruchtbaren Terrains, die im Lande er^istiren, nur eine unbedeutende zn nennen : die meisten guten Haeiendas befinden sich in den Händen von Privatleuten und sind zum guten Theil von so kolossaler Ausdehuung , dass ausgedehnte Flächen unbebaut bleiben müssen, indem ein grosser Mangel an Arbeitskräften besteht und - was das Haupthinderniss bildet - weil der Konsum der landwirtschaftlichen Brodulte ein sehr begrenzter ist. Zum Beweise dieser Behauptung kann ieh anführen , dass die Breise dieser Brodukte je nach dem ^.lussall der Ernten ungeheuern Fluetuationen unterworfen sind, so stand der Breis

für Mais vor 2 Jahren ans .^ 7. - die ...^ de .t-. a. (^ 300 .^);

im vorigen Jahre, wo die Ernte eine ausgezeichnete war, fiel der Breis auf .^ 2^ und steht heute auf ^ 3. Gerste, Hefe kostete damals .^ 4^ per 300 .^. heute aber .^ 2^ und in diesem Verhältnisse alle übrigen Landesprodukte.

Es mogen diese Verhältnisse nach europäischen Begriffen als unglaubwürdig oder wenigstens als übertrieben erscheinen, sür den Eingeweihten sind sie aber ganz und gar verständlich , ja sogar natürlich.

Man muss bedenkeu, dass die Einwohnerzahl dieses so grossen und theilweise so reichen Landes 8 Millionen nicht übersteigt und dass davon 6 Millionen Jndianex sind, die bekanntlich so zu sagen keine Bedürsnisse haben, in elenden Erdhütten wohnen, sich nur mit einem groben bauu.wolleuen Gewebe bekleiden (^..ev Domesl^s) , hier m.^nta genannt, nichts weiter.

essen als t.orl^s (Maisl.uehen) mit ungeheuer viel Ehile, lr^oles (Boh-

16 nen) und hie und da etwas Schweinefleisch. Dazu kommt noch, daß die meisten dieser Judianer neben ihren Hütten kleine Gärten besten, wo

sie für ihre kleinen Bedürfnisse gewöhnlich den noti^igen Mais selbst

bauen. Um den Absa^ sür ihre Brodnkte zu finden , könnten die Haeendados freilich z..m Export ihre Zuflucht nehmen ; aber auch dieser Ausweg ist ihnen abgeschnitten, da, der starken Spesen beim Vebauen wegen, diese sehr treuer einstehen, besonders aber weil die Wege si.h in einem traurigen Zustande befinden und die Brachten so hoch sind, dass sie die betreffenden Artikel noch um ein Beträchtliches verthenern.

So ist es. z. B. schon öfters vorgekommen, dass die Maisernte in ein^.

^eluen St.^en fehl schlag n..d eine grosse Hu^gersnoth hervorrief, während in den angrenzenden Staaten der Mais in Hülle und Fnlle vorhanden und der ^reis billig war, der hohen Frachten wegen aber die Versendung unterbleiben mnsste.

Bis dahin habe ich über die landwirtschaftliche.. Verhältnisse in der kalten Zone unseres .Landes gesprochen , und ich süge noch Folgendes bei.

Die Hanptprodukte dieser Zone sind : der Mais , welcher Artikel bezüglich seines Konsums unbedingt der wichtigste ist. dann kommt Korn, Hafer, Erbsen, Frijoles, eine besondere Art Bohnen, die im ganzen Lande ebenfalls eine Hauptrolle spielen ; Bul.^.e, ein Getränke, welches ans der Agave gezogen wird und einen so euormen Konsum hat, dass die Einfuhr desselben in die Hauptstadt der Munizipalität eine tägliche Solleinnahme von .^ 800 bis .^ 1000 liefert, Jr^tle, eine ^us der Agave gezogene Faser, die zur fabrication von Stritten, Matten ^e. sehr beliebt ist und allgemein vorton.mt. serner alle Arten von Holz aus den uugeheuern W.il^ern, die im ganzen Lande, besonders aber xings um die Hauptstadt noeh e^istiren und ans eine seandalose Art und Weise ruinirt werden , ohne dass die Geseze ihnen den geringsten ^ehu^ gewährten. Ausser diesen ^rodulten kommt no.^h eine Menge anderer hiu^u , die von weniger Bedeutung sind , wie alle Arten von Gemüsen, Früehten ^e.

Die Viehzn^ht wird in einzelnen Distrikten , wie ^. B. besonders im Worden in der kalten Gegend von der Lagnna z.^isehen Durango und dem Rio Bravo, in grosse^n Massstabe betrieben, da die enormen Haziendas , die osters 100 und mehr .^nadrat-Leguas gross sind und einem einzigen Eigentümer geboren, sich sehr gnt da^u eignen.

Jn Friedenszeit ist dies denn auch ein ungemein lucratives Geschäft, da wenig oder gar keine Spesen darans hasten , als diejenigen , welche dnreh das Einsangen der wild in den Pavanas uud Wäldern lebenden Teiere veranlasst werden.

Jn dem Distrikt der Lagena werden hauptsächlich Vserde, ^aultl.^iere , Riudvieh und Schafe gezogen , und zwar unglaublich .viel und von guter Raee, besonders was ^serde anbetrifft, die nach der

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Hauptstadt gebracht und da sehr beliebt sind. Die Ziegenzucht ist ebenfalls eine sehr bedeutende, ebenso die Schweinezucht; aber leztere findet sich schon , des leichtern Absazes von Talg und Sehmalz wegen , in Distrikten, die näher an der Hauptstadt liefen.

Von allen diesen Brodukten der kalten ^one werden nur die Biegenfelle ausgeführt.

Zu den landwirthschastlichen Produkten der Tierra calante und der Tierra templada (heisse und gemässigte ^one) übergehend , wird es mir sehr schwer, ein genaues Bild davon zu entwerfen, indem der Reichthum an ihnen einerseits ein so überschwänglicher und ihre Verschiedenheit in den verschiedenen Gegenden des Landes eine solche ist, dass die dor^ tigen Einwohner sie selbst nicht genau kennen ; anderseits, weil mir jene Zonen, die ich wohl ofters besucht habe, aber nie aus längere Zeit, ziemlieh unbekannt sind. Die Hauptprodukte sind folgende : Jndigo, (wird ziemlieh stark in Oajaea, ^ueatan und Tehuantepee gebaut), zerfällt in drei Qualitäten, wovon die beiden besseren, Flor und medio Flor, auf den europäischen Märkten sehr beliebt sind, die geringste, Tintarron genannt, kommt nicht zum Export.

Eochenille wird ebenfalls vorzugsweise in den genannten Staaten gebaut und stark nach London e^portirt, wo der Artikel sehr beliebt ist.

Eaeao kommt uur im Staate Tabaseo vor , ist der beste von der Welt und für den Konsum im Lande so beliebt, dass er, so zu sagen, nicht zum Export kommt.

Holz der verschiedensten .^lrten (Bauholz und ^arbholzer) kommen in den vorzüglichsten .Qualitäten längs den beiden ..^eeküsten vor, am meisten aber in Eampeehe. ^ukatan und Tehuantepee. Der Export ist sehr bedeutend, da ausser den Segelschiffen, welche direkt von drüben kommen, um diesen Artikel zu laden, weitaus die meisten von denen, welche Ladung von drüben für unsere Häfen an der Oft- und Westküste bringen, die Holzer als Rükfracht nach Europa mitnehmen.

Rohe Häute von Ziegen, Rindern, tigern und hauptsächlich von Hirsehen , welche besonders in Rew-^ork sehr gesucht und in enormen Quantitäten dahin e^pedirt werden. Die .^irschhäute von ^ueatan und Veraeruz sind besonders beliebt.

Henne.^uen, ein ziemlich neuer Artikel, der als Faser von einer Art ...lgave seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten und auch in Europa die verschiedenartigste Verwendung findet und sehr beliebt ist. ^is jezt und troz aller schon angestellten Versuche kann dieses Vrodukt nur in ^ueatan gezogen werden und ist dasselbe von einer solchen Bedeutung geworden, dass der Reichthum in ^ueatan seit einiger Zeit ausserordentlich zugenommen hat.

Bund..sb..atl.. ^ahrg. XXIII. Bd. III.

2

18 Vanille wird in einer ausgezeichneten Qualität gezogen und ist von einer ziemlichen Bedeutung für den Export.

Zarzaparilla und Jalap-Wurzel, kleine Artikel , hauptsachlich süx den Export.

Zuker wird in allen Distrikten der gemässigten Zone gebaut , ist von einer sehr guten Qualität, der mangelhaften Maschinen wegen aber fehlecht rasfinirt und kann mit dem Znker der Havanna nicht konkurxiren ; ex kommt demnach auch gar nicht, oder in ganz geringen Quantitäten, zum Export.

Kaffee kommt nur in der gemässigten Zone vor, ist von einer vorzüglichen Güte, besonders in einzelnen Distrikten, wie Oaiaea, Eordova, Euexnavaea, Eolima ........ Der Artikel braucht, besonders für die Ernte,

sehr viele Arbeitskräfte, weil diese in möglichst kurzer Zeit beendigt wer-

den muss, damit die Frucht nicht verderbe. Da nun gerade in der tierra templada und ..i.^ra caheiite ein grosser Mangel an Arbeitskräften herrscht , so ist es troz des besten Willens unmöglich, die Produktion dieses Artikels zu vermehren. Sein Breis bleibt demnach verhältnissmassig hoch und der Export ist im Ganzen nur gering.

Ueber die Erzengnisse der hiesigen ..Bergwerke lasst sieh nur im Allgemeinen berichten, da die lezteren sich alle aussehliesslich in Brivathänden befinden und nirgends genaue Angaben zu bekommen sind. Das Hauptprodukt ist ganz unbedingt das ........ilber. Dasselbe kommt in allen Gegenden des Landes vox und wird in beträchtlichen Quantitäten gewonnen, doch ist es nicht möglich, den Ertrag, wenn auch nur annähernd, festzustellen. ......ach einer vom Finanzministerium ausgearbeiteten

Tabelle, betreffend das in den Münzstätten des Landes geprägte Silber,

^eht hervor, daß vom Juli bis Dezember 1868 und vom Januar bis

Juni 186..) im Ganzen für einen Werth von .^ 20 Millionen geprägt worden ist; es ist also m i n d e s t e n s sür diese Summe Silber produzirt worden. Jedenfalls darf angenommen werden, dass außerdem für ra.

.^ 2 bis 3 Millionen in Barren verschifft worden sind. Die Aussuhr ungemünzten Silbers ist zwar verboten, da aber das gemünzte einem Aussuhrzoll von 8^ unterliegt , so wird das Verbot hauptsächlich an der Westküste sehr oft umgangen. Grosse Barthien von Silber in Darren werden aus dem .Lande geschmuggelt, da der Export des Sil....ers in solcher Form erstens sehr gute Rechnung lasst und die Umgehung der 8^.. Zölle den Risieo einer Beschlagnahme reichlich eompensirt.

Jn dem obenerwähnten Verwaltnngsjahre Juli bis Dezember und Januar bis Juni 1868^..) gibt die Regierung den betrag des ex,por-

tirten gemünzten Silbers auf .^ 17^ Millionen an.

Sehr erfreulich für das .Land und den Handel ist der Umstand, dass in der lezten Zeit einige bedeutende Minen un^emein gute ...^esnl-

^

^

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tate geliefert haben und einige andere eine nahe gute Zukunft persprechen. So soll eine Mine in Bachuea, einer Stadt, die eine Tagereise von hier entfernt ist, eine wöchentliche Einnahm... von .^ 30,000 gewahren.

Die Ausbeute an Gold ist weniger häufig, doch wird auch davon ziemlich viel gewonnen. Dieses Metall kommt meistens in Silber por, aber auch häufig in Bäehen und in der Erde, in der Form von Kügelchen. Der Staat von Sonora soll besonders reich daran sein.

Die Aussuhr von ungemünztem Gold ist ebenfalls verboten , dagegen in Münzen erlaubt und ist der .Ausfuhrzoll daraus 1^^.

Jm Jahre 1868/69 wurt.e im ganzen Lande für einen Werth von .^ 900,000 geprägt, dagegen kam zum Export der Werth von ^ 1^

Millionen.

Ausser Silber und Gold wird im Lande viel .Tupfer, Eisen. Blei, Quecksilber gewonnen, und es ist der...Reichthnm an diesen Metallen unermesslich , kann aber nicht benuzt werden , weil die Frachten so enorm hoch sind, dass die Ausfuhr keine Rechnung lässt, während der Konsum im eigenen Lande nur gering ist.

Was nun die Jndustrie des Landes betrifft, so ist dieselbe fast nicht der Rede werth. Es bestehen freilich einige sehr bedeutende Baumwoll-Spinnereien; diese begnügen sich aber damit, das ganz geringe Banmwollengewebe zu verfertigen , welches in England .^.ey Domestik genannt wird und hier einen enormen Konsum hat. Ausser diesen

Spinnereien gibt es 3 oder 4 Easimir- und einige Glasfabriken. Es Gold- und Silbertressen, in Wachs, ^ilz- und Balmhüten ; aber ^llles

wird sehr hübseh in .Leder gearbeitet, ebenso in geringen Topferwaaren,

wird durch die ungemein hohen .^lrbeitslohne und durch die hohen Eingangszolle der fo kostspieligen Rohmaterialien so thener , dass an E^.port solcher Manufakturen nicht zu denken ist.

Es ist hier vielleicht die Bemerkung am Orte , dass der Mexikaner, sei er Ereole oder gehore er der reinen ursprünglichen Raee der Jndianer an, ungemein gelehrig ist und einen sehr ausgebildeten Rachahmungssinn befizt , der ihm erlaubt , fich sehr bald der von drüben kommenden Verbesserungen in der Jndustrie zu bemächtigen. Die Jndustrie hat demnach hier sehr viele und gnte Arbeiter, es fehlte derselben aber unbedingt an tüchtigen und in den betreffenden Branchen gut und von.

Grund ans gebildeten grasten , um den industriellen Unternehmungen entweder in ihrem ganzen Umfange oder in einzelnen fächern vorzu-

stehen. Jch bin desshalb der Ansicht, die übrigens die allgemeine ist, dass

solche Männer hier ein reiches und lohnendes Feld für ihre Kenntnisse finden würden . nur verlangen es die Verhältnisse des .Landes , dass fie

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wenigstens einen kleinen baaren Fond mitbringen , denn ohne einen solchen wird jeder Einwanderer nieht nur nicht prosperiren , sondern ex muss sicher im Elend umkommen. Rach den traurigen Schiksalen , die ich mitangesehen, bin ich ein ganz entschiedener Gegner europi^scher Auswanderung nach Mexiko, insofern diese die Eolonisation zum

Zweke hat, weil ich weiss, dass weder das Elima des Landes dafür

passt , noch auch der Regierung die nöthigen , guten Ländereien zu Gebote stehen; denn diejenigen, die gut und demnach wasserreich sind, befinden sich , wie oben sehon erwähnt , im Besize von Privatpersonen, die ^ .r nichts oder nur zu exorbitanten preisen etwas davon verkaufen würden. Und wenn auch das Alles nicht wäre , so würde eine Eolonie doch nichts machen können , so lange nicht gute Strafen und Eommunikationsmittel e^istiren , die billige Frachten , resp. einen vorteilhaften Export der Produkte gestatten. Ganz anders verhält es fieh aber mit den Handwerkern und Technikern , an denen es hier sehr mangelt ; denn mit nur wenigen Ausnahmen find alle , die hier gewesen find , in perhältnissmässig kurzer Zeit vorwärts gekommen. Jeh wiederhole aber , dass das Mitbringen eines kleinen baaren Vermögens durchaus uothwendig ist , ebenso wie tüchtige .Kenntnisse und vor Allem. eine unbedingte Recht-

liehkeit.

Betreffend die T o t a l - E i n - und A u s f u h r ist es mir nach langem Suchen und durch Gefälligkeit des Fmanz-Minifieriums gelungen , eine kleine Tabelle. ausfindig zu machen , die von dem Total-

Jmport im Jahre 1868,^69 handelt und wörtlich Folgendes besagt:

Eingenommene Zölle in den See- und Land-Zollfiädten 18^69.

Jn den S e e - Z ol tstädten.

  1. Vexakrnz 2. Tampieo 3. Manzanillo 4. Mazatlau 5. Sisal (^ueatan) 6. Aeapuleo 7. Matamoros 8. Tabaseo 9. Gua...mas 10. Eampeehe 11. San Blas 12. La Baz 13. Jsla del Earmen 14. Goa^aeoaleos 15. .La Ventosa 16. Tonala 17. Turpam Total

^ 4,243,066 29 ,, 1,122,51..) 17 ,, ..)60,987 38 ,, 926,114 51 .. 380,762 15 ,, 358,083 61 ,, 310,838 73 " 218,886 54 " 172,249 33 " 155,392 05 ,, 94,008 90 ,, 58,569 10 ,, 57,153 57 ,, 43,867 47 ,, 23,114 37 ,, 12,613 01 ,, 10,163 69 --.--^--.-^-.-.-----^ ^ 9,148,38087

21 Uebextrag ^ 9,148,380 57 Jn den .Land-Zollst ädten.

  1. Biedras Regras 2. Presidio del Rorte 3. Eamargo 4. Baso del Rorte 5. Zapaluta 6. Mier 7. Renosa 8. Monterez Laredo

.^ 58,115 16 ,, 53,382 65 " 22,446 52 ,, 17,860 29 ,, 13,473 10 ,, 9,600 08 ,, 9,383 76 ,, 5,428 32 Total .^ 189,689 88 pro 1868,^69 Total-Betrag sämmtlicher Zolle ^ 9,338,070 75 Was nun die Total .Ausfuhr anbetrifft, so werden andere Artikel

als Gold und Silber, von denen ich oben gesprochen, nicht berükfichtigt, da deren Ausfuhr frei ist und von der Regierung keine Statistik darüber geführt wird.

Einfuhr

aus

der Schweiz

und

.Ausfuhr nach d e r

S ch w ei z.

Was diesen Gegenstand anbetrifft. so ist es mir aueh nicht möglich, Jhnen genaue Daten zu liefern, und ich muss mich aus allgemeine .^lngaben besehranken.

Die Artikel, welche für den hiesigen Markt aus der Schweiz bezogen werden, stnd leider nur sehr wenige, wie denn die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Mexiko im Ganzen nur gering sind, wenn auch bedeutend grösser als vor einigen Jahren. Eine weitere Zunahme steht für die Zukunft in Aussieht.

^lls aus der Schweiz bezogene Artikel sind mir folgende bekannt: Absinth ging während der franzosischen Oeeupation in großen .Quantitäten ein ; seitdem hat der Eousum bedeutend nachgelassen.

Käse ist hier beliebt und findet einen raschen und guten Absaz.

Es scheint diess überhaupt ein guter Artikel zu sein, und er hat nur den Fehler, dass er zuweilen die lange Reise nicht pertragen kann und mit ^rosser Vorsicht perpakt werden muss.

Wermuth geht wenig.

Grüner Käse von Glarus findet immer mehr Anklang , obgleich der Eonsum noch sehr unbedeutend ist.

Hol^schnizereien. ^ehr beliebt , und wenn erst die Fabrikanten den hiesigen Gesehmak besser kennen, kann dieser Artikel von einiger .^e-

22 deutung werben , obgleich er durch die hohen Zolle und Spesen hier theuer einsteht.

Uhren und Bijouterie. Jedenfalls einer der bedeutendsten Artikel, der während einigen Jahren durch Uebersührung ungemein flau gestimmt war. Seit einiger Zeit und während des deutseh-sranzosisehen Krieges kam er wieder zur.. Geltung und ist heute als gut zu bezeichnen.

Seidenwaaren von Zürich werden heutzutage hier ziemlich stark eonsumirt und theilweise direkt , theilweise indirekt über Hamburg von hier aus bezogen.

Appenzeller Broderien: wenig Konsum, da sie für unsere hiesigen Märkte zu thener sind. Dasselbe gilt anch von folgenden Artikeln : ...Ion.^elme, M o u .^ ...l m .. ^quard, Monssehn.... plumbee, Ridean^.

Der indirekte Handelsverkehr zwischen der Schweiz und diesem Lande hatte sich zu Ansang des Jahres bedeutend dadurch permehrt, dass, infolge der s. Z. von Frankreich bewilligten zeitweiligen Zulassung von Geweben behnfs Veredlung, die Baumwoltdrukereien in Mülhausen, des billigern Breises wegen , einen grossen Theil ihres Bedarfs an roher Mousseline in der Schweiz kauften und dann in ihren Etablissements drukten , wodurch sie in den Stand gesezt wurden, vermoge des immer so beliebten Drukes ihrer Dessins, der freilich etwas geringern, aber bedeutend billigeren Gewebe wegen, ihre Breise billiger zu stellen und dadurch ihren Eonsum um ein ..beträchtliches zu vermehren. Ob dieses jezt , wo Mülhausen in deutschen Besiz übergegangen ist , so fortgehen wird , hängt ganz davon ab , ob es den dortigen Fabrikanten von der deutschen Regierung erlaubt sein wird , ihren Bedars an rohen Geweben auch ferner zollfrei aus der Schweiz zu beziehen.

Betreffs der E i s e n b a h n e n und V e r k e h r s w e g e ist dem testen Berichte nichts Reues hinzuzusugen . als dass die Erbauung einer neuen Eisenbahn zwischen der .Hauptstadt und Toluea in's Werk gefezt werden soll.

Der vor dem Gesez gültige Zi n ss ussist 6^ jährlich im. Handel , bei gewohnlichen Diskont-Geschästen ist er 12^, ost aneh, je nach

Verhältnissen , 10 ^ , sogar 8 ^.

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Bericht des schweiz. Generalkonsuls in Mexiko (Hrn. A. Kienast, von Kilchberg, Kts.

Zürich) für das Jahr 1870. (Vom 12. April 187l.)

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