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des schweiz. Konsuls in New-Orleans (Hrn. X. Weitzenbach. von Bremgarten, Kts. Aargau) über das Jahr 1870.

(Vom 18. Januar 1871.)

^ An den hohen schweizerischen Bundesrath.

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Tit..

Der Handel von New-Orleans hängt hauptsächlich von dem Ertrage der Banmwollenernte, sowie zum Theil der Zui.erernte ab. Jn Betreff der erstern hat sieh die Produktion seit einem Jahre bedeutend vermehrt, und trozdem, dass sich die Pflanzer nun über allzu billige Breise .beklagen , lassen ihnen solche bis jezt immer einigen Vrofit, und es ist anzunehmen, dass sich die Produktion in Zukunst, wenn nicht vermehrt, doch wenigstens gleich bleibt. Jezt müssen sich die Vflanzer noch in das neue Arbeitssystem hineinarbeiten und Mittel und Wege suchen, um

aus billigere Art zn produziren, als dieses vorläufig der Fall ist. So-

bald sie zu diesem Ziele gelangen, woran mit der Zeit nieht zu zweiseln ist, ist vorauszusehen, dass binnen einigen Jahren die Baumwollenproduktion grosser sein wird, als sie je vor dem amerikanischen Kriege gewesen. Vorläufig seheint der Pflanzer uoeh nicht okonomiseh genug zu arbeiten, seine vielen Hülfsmittel zur Ausbeutung des Landes nicht zu benuzen und sieh hauptsächlich immer zu viel auf das Kreditsystem zu verlassen, statt mit seinen eigenen Mitteln vorwärts zu sehreiten und sich darnach einzurichten. Es ist anzunehmen, dass New-Orleans von

der diessjä irrigen Ernte ungefähr 1,280,000 Ballen aus dem Lande.

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11 direkt empfangen wird, was dem allgemeinen Wohlstände des Landet und der Stadt ausweisen sollte.

. Was die. Znkerernte anbetrifft, so war das Wetter derselben nicht ^o günstig, und da die Produktion des Zukers mit mehr Uukosten verbanden ist, so vermehrt sich dieselbe vexhältnissmässig nur langsam seit Ende des Krieges. Man s.^äzt ...en Betrag derselben auf etwa 100,000 Fässer, von ungefähr l 000 ..^ netto, gegen 87,000 im legten Jahre. Jn den lezten Jahren hat die Produktion von Reis in uuserm Staate bedeutend zugenommen und sich an..h die ^nalität besonders verbessert.

Der Ertrag der leztjährigen Ernte belauft sich aus 100,700 ^ässex

^on je 2000 .^.

Dieses sind die Produkte, welche hauptsächlich erzengt werden und ^Erwäh...ung verdienen, indem von Getreidearten nicht genügend sür den Bedarf gepflanzt wird und man sieh dasür zum .^heii an die westlichen

Staaten hält.

Die Lage des Landes und die reiche Besehassenheit des Bodens werden oh^.e Zweisel mit der Zeit und Annehmender Axbeitskrast noch andere Erzeugnisse ins .^eben rnsen.

Es haben sich in d..r legten Zeit verschiedene Gesellschaften zur Ausbeutung von Salz, Kupfer, Vetroleum und Schwefel in unserm Staate gebildet, über deren Erfolge aber bis jezt noeh wenig zu berichten ist.

Jn industrieller Beziehung ist auch nichts Besonderes zu erwähnen , eine Spinnerei, die leztes Jahr errichtet wurde, ist bereits wieder ges^hlossen. wahrscheinlich aus Maugel an genügender Arbeitskrast und weil das hiesige Klima auch nicht gerade passend dasür sein mag.

Seit zwei Monaten besteht eine Eisenbahnverbindung zwischen hier und Mobile . auch sind einige kleinere Slreken im Jnnern des Landes, z. B. am Redriver dem Verkehre erosfnet worden.

Jm .Verlause des Jahres haben sich 5 neue Banken gebildet, und es beläuft sieh die Zahl derselben nun aus 17.

Der Zinssuss war das ganze Jahr hindurch verhältnissmäs...g hoch,

von 10 a 15^ im osfenen Markt. die Banken diskonti.^n Bapier

zum legalen Zinssuss von 8^/o per annum gegen 6^ vor dem Kriege.

Durch vermehrte Konkurrenz sind die Assekurauzprämien gegen früher billiger, aus Häuser und Eigenthum ungefähr 1/2 a ^/o per annnm, ^aus eiuzelue Produkte z. B. Baumwolle 1/2^/o sür 8 Tage .gegen 1/2^o wie ehemals. Marineassekuranz ist im Allgemeinen etwa 1/2^ niedriger wie in Enropa. Der grosste Tl^eil unserer Assekuranzgesellsehaften bietet volle Sicherheit.

12 Es besteht hier ein schweizerischer Untersti.zungsverein, nach dessen Statuten aber nur Mitglieder desselben Unterstüzung verlangen können.

Hülssbedürftiger Schweizer nimmt sich die hiesige deutsche Gesellschaft wie ihrer eigenen Landsleute an und sucht denselben Arbeit zu verschaffen. Sie verdient in dieser Beziehung alles Lob.

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schweiz. Generalkonsuls in Mexiko (Hrn. A. Kienast, von Kilchberg, Kts. Zürich) sur das Jahr 1870.

(Vom 12. April 187l.)

An den hohen schweizerischen Bundesrath.

Tit. l Die innern Unruhen, mit denen das Jahr 1870 begann, wurden zwar binnen verhältnissmässig kurzer Frist unterdrükt. sie waren aber für nnsern Handel so missliehe Symptome, dass in Folge dessen in Europa und den Vereinigten Staaten nur sehr geringe Einleitungen für den gewöhnlichen Jmport getroffen wurden. Ganz gegen alle Erwartung und im Widerspruche mit den seit langen Jahren gemachten Erfahrungen, trat im Jnnern mit einem Male eine sehr rege Frage für Waaren ein und das Gesehäst belebte sich zusehends, obgleich wir uns mitten in der Regenzeit, der schlechtesten Saison für den Verkaus, besandeu.

Die meisten Märkte des Landes blieben in dieser günstigen Lage den ganzen Spätsommer, Herbst und Winter hindurch, bis zu Anfang dieses Jahres, wo bedeutende neue Zufuhren dem Begehr zu genügen vermochten, und schließlich einen foxmlichen Stnrz der Breise sämmtlicher Artikel herbeisührten.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht des schweiz. Konsuls in New-Orleans (Hrn. X. Weitzenbach. von Bremgarten, Kts.

Aargau) über das Jahr 1870. (Vom 18. Januar 1871.)

In

Bundesblatt

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Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1871

Année Anno Band

3

Volume Volume Heft

31

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

05.08.1871

Date Data Seite

10-12

Page Pagina Ref. No

10 006 965

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