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BimdesYersammliuig.

Dia gesetzgebenden Räte sind am 16. März 1931, um 18 Uhr, zur 11. Tagung der 28. Legislaturperiode zusammengetreten.

Im N a t i o n a l r a t eröffnete der Präsident, Herr Dr. Sträuli, die Tagung mit folgender Ansprache: Als der Rat am Schlüsse der Dezembersessicm auseinanderging und die Kollegen gute Wunsche für angenehme Feiertage austauschten, da wussten die Eingeweihten, dass solche Wünsche sich für einen Kollegen nicht verwirklichen würden, der wegen schwerer, qualvoller Leiden an das Krankenbett gefesselt war. In der Tat erreichte uns schon wenige Tage nach der Heimkehr die Trauerbotschaft vom. Hinschiede unseres Kollegen Traugott Waldvogel in Schaffbausen. Als die Glocken Weihnachten einläuteten und man eich in den Häusern Schaffhausens anschickte, die Weihnachtskerzen zu entzünden, da erlosch das Lebenslicht des Dulders.

An seiner Bahre stand mit der Familie, den Freunden und den Behörden das ganze Schaffhauservolk in aufrichtiger Trauer. Einhellig war das Urteil: ein braver Mann ist dahingeschieden, ein unablässiger Arbeiter, ein tüchtiger Magistrat und treuer Berater des Volkes, ein idealgesinnter, selbstloser Menschenfreund.

Waldvogel war ein unablässig Strebender. Nachdem er während 10 Jahren eine segensreiche Tätigkeit als Reallehrer in Ramsen ausgeübt hatte, setzte sieh der reife Mann neuerdings auf die Schulbank und absolvierte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule die landwirtschaftliche Abteilung, um dann als Landwirtsohaftslehrer am Strickhof in Zürich zu wirken. Doch zog es Waldvogel in die Heimat zurück. Nachdem er einige Jahre als Stadtschreiber von Sehaffhausen geamtet hatte, trat er in die kantonale Regierung ein. Hier entwickelte er eine fruchtbare und initiative Tätigkeit. Er verfolgte nicht gern ausgefahrene Geleise, vielfach zeigte er Neuland. Seine besondere Liebe und Fürsorge galt der Landwirtschaft.

Die fachliche, -wirtschaftliche und geistige Hebung des Bauernstandes bildete den Mittelpunkt seiner Gedanken und Sorgen.

Im Jahre 1919 trat Waldvogel in den Nationalrat ein. Wenn wir auf seine Tätigkeit in unserem Rate zurückblicken, so steigt das Bild eines sympathischen und edeldenkenden Mannes in unserer Erinnerung auf. Traugott Waldvogel war ein Idealist. Aber er war nicht ein unpraktischer Idealist, Kennzeichnend war seine Stellung in der ihm so sehr am Herzen liegenden Frage der Arbeitsdienstpflicht für Junglinge und Mädchen. Mit Begeisterung trat er für diese, seinem Kopf und seinem Herzen entsprungene Idee ein. Aber er verstand die Einwendung, dass es besser sei, auf diesem

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neuen Gebiete vorerst in privater Tätigkeit vorzugehen. Rasch folgte er dem erteilten Eat, griff .tapfer au, und bald hatte er die Genugtuung, Verwirklichungen Beines Gedankens zu sehen. Und davon erzählte er gerne leuchtenden Auges, Wir bewahren Traugott Waldvogel ein gutes und freundliches Andenken.

In guter Erinnerung behalten wir auch den wenige Tage nach Dr. Waldvogel dahingeschiedenen Weibel Hans Schneeberger. Lange Jahre hat er dem Rat gute Dienste geleistet. Er war ein jederzeit dienstbereiter Angestellter. Niemand hätte geahnt, dass dem scheinbar starken und robusten Mann ein so frühes Ende beschieden sei. Er ist am 29. Dezember einer längern Krankheit erlegen.

Meine Herren! Ich bitte Sie, sich zu Ehren der Verstorbenen von Ihren Sitzen zu erheben.

In letzter Zeit sind aus unserem Rate, nach den beiden zu Mitgliedern des Bundesgeriohtes gewählten Kollegen von Arx und Affolter, zurückgetreten die Herren Calarne, Logoz und Hofstetter. Jeder von ihnen hat in seiner Weise trefflich unter uns gewirkt. Ich habe den Herren das Bedauern über ihren Rücktritt aus dem Rate ausgesprochen und ihnen für angenehme Kollegialität gedankt, und glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich diese Worte heute wiederhole.

Am 31. Januar hat Herr Ständerat Isler in Aarau sein 80. Lebensjahr vollendet. Ich habe mir erlaubt," ihm auch im Namen unseres Rates zu diesem seltenen Ereignis zu gratulieren und ihm weitere Jahre seiner beneidenswerten körperlichen und geistigen Rüstigkeit zu wünschen.

Gestatten Sie, endlich darauf hinzuweisen, dass gestern Volk und Stände der Eidgenossenschaft zwei abgeänderten Verfassungsartikeln zugestimmt haben, welche die Wahl des Nationalrats betreffen. Auch in unserem Rate waren die Meinungen auseinandergehend. Doch werden sieh die Gegner mit dem Ausgang aussöhnen können; denn im Grunde darf der Entscheid ausgelegt werden als Zustimmung des Volkes zu dem seit einigen Jahren in stets steigendem Masse zutage getretenen Willen des Rates, seine Leistungsfähigkeit und die prompte Abwicklung der Geschäfte zu fordern.

Auch Herr Vizekanzler Dr. Bovet ist erkrankt. Ich begrüsse an seiner Stelle als Übersetzer Herrn Vizekanzler Dr. Leimgruber.

Die Ansprache des Präsidenten des Ständerats, Herrn Charmillot, ist in der französischen Ausgabe des Bundesblattes (1931, Bd. I, S. 381) veröffentlicht worden.

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In den N a t i o n a l r a t sind neu eingetreten: Herr Dr. Robert S c h i l d , Industrieller, von und in Grenchen (Solothurn), an Stelle des zum Bundesrichter gewählten Herrn Dr. A. von Arx ; Herr Arnold K a m b e r, Lehrer, von Hägendorf, in Derendingen, an Stelle des zum Bundesrichter gewählten Herrn Dr. H. Affolter; Herr Arnold R a h m , Fabrikdirektor, von und in Unterhallau, an Stelle des verstorbenen Herrn Dr. T. Waldvogel; Herr David R e v a c l i e r , Landwirt, von Laconnex, in Bourdigny, an Stelle des zurückgetretenen Herrn Dr. P. Logoz ; Herr Dr. Henri B e r t h o u d , Kaufmann, von Neuenburg und Boudevilliers, in Neuenburg, an Stelle des zurückgetretenen Herrn H. Calame.

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Aus den Verhandlungen des Bundesrates.

C Vom 10. März 1931.)

Als Delegierte zu der am 16. März 1931 in Genf beginnenden europäischen Tagung über den Strassenverkehr werden bezeichnet die Herren Dr. H. Rothmund, Vorsteher der Polizeiabteilung des eidgenössischen Justizund Polizeidepartements; 8. Häusermann, Oberzollinspektor und Stellvertreter des Oberzolldirektors; Dr. M. Ratzenberger, Stellvertreter des Vorstehers der Abteilung für Auswärtiges des eidgenössischen Politischen Departements, und als Experten die Herren Plumez, juristischer Beamter I, Klasse der Polizeiabteilung des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, und P. Girardin, technischer Experte der eidgenössischen Oberzolldirektion.

Als Mitglied der eidgenössischen Kommission für die anatomischphysiologische Prüfung Für Ärzte und Zahnärzte, für den Sitz Basel, wird gewählt : Herr Dr. med, Fritz Verzâr, o. Professor der Physiologie in Basel.

Herr Fernand Peltzer, belgischer Gesandter, hat am 5. März 1931 dem Bundesrate sein Abberufungsschreiben überreicht.

Laut Mitteilung der schweizerischen Gesandtschaft in Paris hat der Präsident der französischen Republik dem am 2. Februar 1931 zum schweizerischen Honorarkonsul in Lilie ernannten Herrn Frédéric Huber, von Basel, das Exequatur erteilt.

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Bundesversammlung.

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Bundesblatt

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1931

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1

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11

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

18.03.1931

Date Data Seite

371-373

Page Pagina Ref. No

10 031 298

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