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Bundesblatt

83. Jahrgang.

Bern, den 24. September 1931.

Band II.

Erscheint wöchentlich. Preis SO Franken im Jahr, io Franken im Haltjahr, zuzüglich Nachnahme- und Postbestellungsgebühr Einrückungsgebühr, 60 Rappen die Petitzeile oder deren Kaum. -- Inserate franko an Stämpfli £ de- in Bern,

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Botschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung über den Ankauf eines Bauplatzes und die Errichtung eines Postgebäudes beim Bahnhof Zofingen.

(Vom 11. September 1931.)

Herr Präsident!

Hochgeehrte Herren!

Das Postamt Zofingen leidet seit Jahren an empfindlichem Raummangel und es darf ohne Übertreibung gesagt werden, dass kein anderes Postamt in der Schweiz derart missliche Verhältnisse aufweist und sich seit so langem damit abfinden musa.

Die derzeitigen Diensträume wurden der Postverwaltung im Jahr 1877 von Herrn Bierbrauer Senn vermietet und in den Jahren 1910 und 1929 durch Hinzumiete der Erdgeschossräume "der anstossenden zwei kleinen Häuser Steinegger am Graben erweitert. Trotzdem blieben die Verhältnisse unbefriedigend, da dem Postamt auch nach diesen Erweiterungen nur folgende Grundflächen zur Verfügung standen: 88,5 m 2 für Schalterraum und Windfang, 187 m3 für Bureauräume und 33,6 m2 für Eemise. Es kommt hinzu, dass sich die eigentlichen Bureauräume aus 8 unübersichtlichen Lokalen in 3 alten, nicht übereinstimmenden Reihenhäusern zusammensetzen. Dicke Mauern, Säulen und enge Durchgänge bilden arge Behinderungen des Dienstbetriebes, und selbst bei schwachem Verkehr entsteht darin ein Gedränge, das bei Verkehrsanschwellungen, wie sie an den letzten Wochentagen regelmässig auftreten, zu verzögernden Stockungen führt. Zur Annahme der umfangreichen Massensendungen fehlt der nötige Platz. Durch den nur 165 cm breiten Vorraum werden täglich etwa 180 Fahrten mit Vierräderwagen und Handkarren ausgeführt.

Die Durchfahrt gestaltet sich um so schwieriger, als auch die Massenaufgeber den gleichen Weg benützen müssen. Eine zweckmässige Dienstabwicklung in diesen Eäumen ist daher zur Unmöglichkeit geworden. Zudem sind die Lokale verschieden hoch, zum Teil nur 210 cm; die Tagesbeleuchtung ist ungenügend und von 8 Eäumen sind nur 4 heizbar. Der Schalterraum mit seinen 88,5 m2 Bundesblau. 83. Jahrg. Bd. II.

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ist für die durchschnittlich 800 Schalterbesucher im Tag und ungefähr 400 Fachpostabholer viel zu klein. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit diesen Verhältnissen ist daher allgemein, Dass auch das Personal unter diesen räumlich und hygienisch ungenügenden Zuständen leidet, braucht kaum besonders hervorgehoben zu werden.

Der Postverkehr von Zofingen wächst zudem beständig. Nachstehende Zusammenstellung zeigt die Entwicklung seit 1900: 1900

1910

1920

1925

1930

Uneingeschriebene Kleinsendungen Aufgabe .

729,976 1,053,572 1,075,152 1,472,982 3,302,000 1,694,966 2,470,500 Zustellung Zeitungen: Aufgabe . . 1,565,844 6,267,788 6,527,060 11 409,520 23,494,731 159,427 196,500 * 282,598 Pakete: Aufgabe . . .

78,465 125,130 113,484 87,476 117,711 122,056 Zustellung. . .

61,526 Briefnachnahmen : 199,238 292,511 965,777 496,991 46,263 51,363 69,935 98,074 Geldeinzahlungen . , .

21,160 34,750 318,812 659,219 1,141,761 Wertzeichenverkauf . .

186,822 108,158 * Grosse Vermehrung trotz der ] Einführung des Briefpäckchens Ebenso weist der Te [ephonver]sehr eine befriedigende ide Entwicklung

Teilnehmern hl . . . .

Ferngespräche, Aus- und Eingang . . . . * .

Durchgangsgespräche . .

auf.

1900

1910

1920

1925

1930

118 34 685

197 58,314

292 103,461

348 142,304

502 209,694

44,758 27,472

70,256 38,746

194,492 106,946

336,320 105,192

498,226 128,174

1

Unter diesen Umständen erscheint es begreiflich, dass schon seit Jahren Anstrengungen zur Beschaffung geeigneterer Lokale gemacht wurden, Einsendungen in der Presse und Eingaben der Behörden wiesen immer wieder auf den mangelhaften Zustand hin. Im Jahre 1920 regte der Gemeinderat die Errichtung eines neuen Postgebäudes auf dem Areal des alten Burgerspitals an. Dieses konnte aber hauptsächlich seiner zu beschränkten Abmessungen und ungünstigen topographischen Verhältnissen wegen hierfür nicht in Frage kommen. Die Postverwaltung nahm dann die Errichtung eines Gebäudes auf dem freien Platz zwischen dem Güterschuppen der Bundesbahnen und der untern Grabenstrasse in Aussicht. Das von der Bahnverwaltung zu erwerbende Terrain hätte aber nicht ausgereicht, sondern es hätte auch noch die Strasse in die Grabengärten

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hinein verlegt werden müssen, weshalb dieses Projekt in der Presse und hei der Bevölkerung teine günstige Aufnahme fand. Auch der Handels- und Industrieverein trat dagegen auf, weil diese Lösung seiner Ansicht nach nicht befriedigen konnte. Der zur Verfügung stehende Raum wäre in der Tat trotz allem zu beschränkt geblieben.

TOn aus der Bevölkerung hervorgegangener Vorschlag, das Postgebäude zwischen Aufnahmegebäude und Güterschuppen hineinzuschieben, wodurch die Flucht der Bahngebäude auseinandergezogen worden wäre, erwies sich als zu unwirtschaftlich. Er hätte Änderungen an den Bahnanlagen erfordert, deren Kosten allein auf Fr. 386,000 veranschlagt wurden. Hiervon hatte die Post Fr. 806,000 übernehmen müssen, denen keinerlei Gegenwert für sie gegenüberstand. Dazu wären die Verzinsung des Bauplatzes und die Kosten des Neubaus erst noch hinzugekommen.

Es warnichtzu verkennen, dass sich die zweckmässigste Lösung auf dem Areal des sogenannten Senngartens, der Gartenwirtschaft am Bahnhof, bieten würde, die aber des voraussichtlich hoben Preises wegen bisher nicht in den Kreis der Studien einbezogen worden war. Nachdem man vorher noch eine andere Liegenschaft in Bahnhofnähe geprüft und als wenig geeignet befunden hatte, blieb nichts anderes mehr übrig, als doch auf die Liegenschaft Senn zu greifen. Sie enthält die erforderliche Grundfläche, um den inzwischen eingetretenen, weitern Verkehrsvermehrungen zu genügen. Während den ersten Studien vor 10 Jahren noch ein kleineres Projekt zugrunde gelegt werden konnte, war der Festverkehr Zofingens seither so rasch weitergewachsen, dass er demjenigen von Baden und Montreux, trotz geringerer Bevölkerungszahl, ebenbürtig geworden ist und ihn in gewissen Zweigen sogar noch übertrifft. Die vorstehende Zusammenstellung der Verkehrsentwicklung gibt darüber klaren Aufschluss und zeigt namentlich, dass die Zunahme seit 1925 sehr stark gewesen ist. Es werden daher für das Erdgeschoss des Postgebäudes nun Lokale von ähnlichen Abmessungen nötig sein wie in Baden und Montreux. Dagegen bedarf die Telephonverwaltung weniger Lokale, da Zofingen kein Bauamt besitzt. Es handelt sich nur um die Unterbringung einer automatischen Zentrale, die im zweiten Stock leicht Platz finden kann, -während der erste Stock anderweitig vermietet werden kann und immerhin eine Eaumreserve bildet. Wie vorauszusehen war, forderte der Eigentümer dieser Liegenschaft einen sehr hohen, etwas subjektiv bemessenen Kaufpreis, der anfänglich über eine halbe Million Franken hinausging. Um eine richtige Verhandlungsgrundlage zu gewinnen, beauftragte die Postverwaltung zunächst Fachexperten mit, einer Schätzung sowohl der Liegenschaft Senn als auch noch anderer, in zweiter Linie in Betracht fallender benachbarter Grundstücke. Die Experten gelangten für die Liegenschaft Senn zu einer Schätzung von rund Fr. 260,000, in welcher Summe jedoch weder ]nkonvenienzen, noch die Ablösung eines Bierlieferungsvertrages mitberücksichtigt waren. Die Abwägung dieser weitem Punkte führte die Postverwaltung schliesslich dazu, für die Liegenschaft Senn, die sich im Vergleich zu Nachbargrundstücken für den Postbau in jeder Hinsicht als die

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vorteilhafteste erwies, eine Kaufsofferte von insgesamt Fr. 800,000 zu stellen.

Nach weiterer Würdigung aller Nachteile der unfreiwilligen Abtretung konnte schliesslich eine Einigung bei Fr. 820,000 erzielt werden. Hierzu kommt noch ein Betrag von ca. Fr. 5000 für die Ablösung einer auf der Liegenschaft Senn lastenden Baubeschränkung und die Handänderungskosten. Ein gewisses Entgegenkommen der Post liess sich auch mit Bücksicht auf den Umstand rechtfertigen, dass die Familie Senn, von der schon die gegenwärtigen Postlokale gemietet sind, den Mietzins jahrzehntelang auf gleicher Höhe belassen hatte. Um diesen Kauf zu erleichtern und die Postgebäudelösung auf diesem geeignetsten Platz zu ermöglichen, hat die Gemeinde Zofingen beschlossen, an die Gesamtkosten einen Beitrag von 10 %, im Maximum Fr. 75,000 zu leisten.

Bestandteil der Einigung bildet sodann noch das Zugeständnis, dem Verkäufer im Neubau verfügbare Lokale zu angemessenem Zins für die Fortführung seiner Wirtschaft zur Verfügung zu halten. Abgesehen davon, dass der Eigentümer durch einen langfristigen Bierlieferungsvertrag gebunden war, der hätte abgelöst werden müssen, war zu berücksichtigen, dass die bestehende Gartenwirtschaft am Bahnhof in grösserem Umkreis das einzige Bestaurant ist, das der Bevölkerung seit Jahrzehnten gewissermassen als Bahnhofbuffet dient. Ein allgemeines Bedürfnis für den Fortbestand eines solchen Büffets kann nicht wohl bestritten werden. Es -wurde daher in den Kaufsverhandluügen ein Mietvertrag vereinbart, der immerhin auf 10 Jahre beschränkt ist, so dass nach Ablaut' dieser Frist die Verhältnisse neu geprüft werden können. Für die Verwaltung bilden diese Wirtslokale, die übrigens in einem Anbau untergebracht werden, eine wertvolle Platzreserve für später.

Auf dieser Grundlage ist mit den üblichen Vorbehalten ein Kaufvertrag abgeschlossen worden.

Die Grundfläche der Liegenschaft misst 2045 m2. Darauf stehen Wirtschaftsgebäude, deren Wert auf Fr. 34.000 geschätzt wurde und die abzuräumen sind.

Die Direktion der eidgenössischen Bauten arbeitete auf G-rund des vorhandenen Vorprojektes ein definitives Bauprojekt aus, dessen Ausführungskosten auf Fr. 665,000 veranschlagt sind. Die Anlage, mit Hauptfront nach Süden gegen den Bahnhoi'platz, besteht aus Haupt- und Nebengebäude. Jenes enthält Untergeschoss, Erdgeschoss, I. und II. Stock, das anstossende Nebengebäude ist nur bis zum I. Stock aufgebaut und mit Flachdach versehen. Es biegt rechtwinklig zurück, ist nur teilweise unterkellert und steht im Erdgeschoss in Verbindung mit Perron und Hof. Der nordöstlich verbleibende Teil des Areals dient als Hof räum. Es entfallen von der Gesamtgrundfläche von 2045 m2 rund 910 m3 auf das Gebäude, 700 m 2 auf den Hofraum, 215 m 2 auf Trottoir, 170 m 3 auf Vorplatz beim Paketraum und ca. 50 m2 auf den Vorplatz für die Eestauration.

Die Eaumeinteilung ist in den Projektplänen veranschaulicht. Die verschiedenen Geschosse haben folgende Ausdehnung: Kellergeschoss 512 m2,

237 Erdgeschoss 772 m2, I. Stock 354 m2, II. Stock 232 m3, zusammen 1870 m2.

Es ist dafür folgende Verwendung vorgesehen: a. Kellergeschoss: Post (Garderobe, Tröckneraum, W.C., Bad und Duschen), Telegraph und Telephon (Kabelräume), Restauration (Küche, Spülküche, Office, Korridor, Torräte), Gemeinschaf tlich (Heizung, Kohlenraum, Korridor, Disponibel usw.).

b. Erdgeschoss: Post (Vorraummit Schlossfächern, Schalterraum, Bureau, Paketraum), Eestauration (Gaststube, Büffet, Toiletten).

c. Erster Stock: Post (Aufenthaltsraum und disp. Baum, zu vermieten), Telephon (Akkumulatorenraum, allfällig im Keller, in diesem Fall zu vermieten), Bestauration (Vorplatz, Billardsaal, Sitzungszimmer, Office, Toilette, Teeküche, ferner Korridor), 4-Zimmerwohnung mit Bad und W. C., Post und Telephon (Korridor und W. C.).

d. Zweiter Stock: Telephon (Zentrale, Monteurraum, Korridor, W.C.), Post (Hauswartwohnung), Gemeinschaftlich (Restaurationund Hauswart: Waschküche und Glättezimmer).

Die neuen Postbetriebsräume werden 610 m 2 fassen, wozu noch ungefähr 200 m2 Dependenzräume und 700 m2 Hofraum kommen.

Der Kubikinhalt des umbauten Raumes, ermittelt nach den Normen des S. I. A., beträgt für das ganze Gebäude 9500 m3. Die Baukosten sind nach dem detaillierten Voranschlag wie folgt berechnet: a. Abbrucharbeiten Fr. 5,000 fe, Gebäude » 589,800 c. Kanalisations- und Umgebungsarbeiten > 83,500 d. Architektenhonorar usw » 36,700 Total Baukosten Fr. 665,000 Der Einheitspreis je Kubikmeter umbauten Eaumes ergibt, nach Vornahme der üblichen Abzüge (Fr. 31,000) von den Gebäudekosten für nicht eigentlich zum Hochbau gehörende Aufwendungen: 558,800 : 9500 = Fr. 58. 82 per m3.

Die Fondation wird voraussichtlich keine Schwierigkeiten bereiten. Als Hauptmaterialien sind vorgesehen: Fundamente in Stampfbeton, Fassadenmauerwerk in Backstein; Sockel -in Granit; innere Tragkonstruktion, Pfeiler, Unterzüge, Decken und Hauptgesims in armiertem Beton; Treppen, Fenstereinfassungen und Abdeckplatten in Kunststein, innere Mauern in Backstein, Bedachung des Hauptgebäudes und sämtliche Spenglerarbeiten in Kupferblech. Die Fassaden zeigen den sachlichen Charakter in sehr einfachen Formen mit verputzten Mauerflächen.

Auf Grund der vorstehenden Darlegungen ersuchen wir Sie, dem nachstehenden Entwurf zu einem Bundesbeschluss gefälligst Ihre Zustimmung erteilen zu wollen.

238 Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Bern, den 11. September 1931.

Im Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident :

Häberlin.

Der Bundeskanzler:

Kaeslin.

(Entwurf.)

Bundesbeschluss über

den Ankauf eines Bauplatzes und die Errichtung eines Postgebäudes in Zofingen.

Die Bundesversammlung der Schweizerischen E i d g e n o s s e n s c h a f t , nach Einsicht einer Botschaft des Bundesrates vom 11. September 1981, beschliesst :

Art. 1.

Für die Errichtung eines Post-, Telegraphen- und Telephongebäudes in Zofingen wird ein Kredit von Fr. 990,000, wovon Fr. 325,000 auf den Ankauf des Bauplatzes und Fr. 665,000 auf die Ausführung des Baues entfallen, unter der Bedingung bewilligt, dass die Gemeinde Zofingen an die Gesamtkoaten einen Beitrag von 10 °/o, aber höchstens Fr. 75,000, leistet.

Art. 2.

Der Bundesrat wird ermächtigt, im Eahmen des bewilligten Kredites diejenigen Änderungen am genehmigten Projekt vorzunehmen, die sich noch als notwendig erweisen könnten.

Art. 8.

Dieser Beschluss tritt, als nicht allgemein verbindlicher Natur, sofort in Kraft.

Art. 4.

Der Bundesrat ist mit dem Vollzug beauftragt.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über den Ankauf eines Bauplatzes und die Errichtung eines Postgebäudes beim Bahnhof Zofingen. (Vom 11. September 1931.)

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Jahr

1931

Année Anno Band

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Volume Volume Heft

38

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2726

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

24.09.1931

Date Data Seite

233-238

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