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Botschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung über die Errichtung eines Postgebäudes in Neuhausen.

(Vom 11. September 19S1.)

Herr Präsident!

Hochgeehrte Herren!

Die Frage einer zweckmässigern Unterbringung und Einrichtung des Postamtes in Neuhausen beschäftigt die Einwohnerschaft dieser Gemeinde und die Postbehörden schon seit Jahren. Die jetzigen Diensträume wurden im Jahre 1903 bezogen und weisen nur folgende Abmessungen auf: Bureau 79 ma, Schalterraum 19,2 m2, und Eemise mit "Umladeraum 24 m2. Der Mietzins betrug anfänglich Fr. 1100 und wurde in der Folge auf Fr. 8000 erhöht. Auch wenn er an den heutigen Preisverhältnissen gemessen als vorteilhaft bezeichnet werden darf, so ist andrerseits nicht ausser acht zu lassen, dass die Diensträume eben schon lange zu klein sind. Sie haben ausserdem schlechte natürliche Beleuchtung, und ihre ungünstige Anordnung hindert eine fliessende Dienstabwicklung. Dem stetigen Anwachsen dos Verkehrs vermögen sie nicht mehr zu genügen, und eine Änderung drängt sich gebieterisch auf.

Die Verkehrsentwicklung erhellt aus nachstehender Zusammenstellung:

Wertzeichenverkauf .

Aufgabe : Eingeschriebene Kleinsendungen Uneingeschriebene Kleinsendungen . .

Stücke aller Art ...

Geldeinzahlungen . .

11910

1920

1925

1929

1930

Fr.

66,132

Fr.

91,861

Fr.

120,273

Fr.

151,966

Fr.

162,702

7,107

10,599

12,966

13,978

14,270

583,340 34,595 13,630

399,964 47,025 34,285

476,643 561,600 650,500 43,095) 42,708) 44,589*) 48,230 65,917 73,933

*) Verminderung infolge Einführung der Briefpäckchen (= ca. 20% der Stücke)

240 1910

1920

1925

1929

1930

Fr Fr Fr Fr Fr Zustellung: ' Eingeschriebene Kleinsendungen 5,824 12,022 11,172 13,035 14,040 Uneingeschriebene Kleinsendungen . .

736.086 884,700 996,700 Stücke aller Art . , .

39,808 52,612 51,834 57,113 59,825 Geldauszahlungen . .

7,272 8,255 8,959 11,125 11,619 Besonders mittags und abends, nach Arbeitsschluss in den Fabriken, erweist sich, die Schalterhalle als zu eng. Die ankommende und abgehende Post muss vor dem Bureau ab- und aufgeladen werden, da der beschränkte Baum und eine Niveaudifferenz nicht gestatten,, mit Karren hineinzufahren. Im engen Bureauraum arbeiten während der Anwesenheit der Boten bis zu 16 Mann, die sich in der Arbeit s Verrichtung häufig stören und behindern. Die Paketvertragung muss zum grossen Teil unter freiem Himmel vorbereitet werden.

Das Telegraphenbureau, das mit dem Postamt vereinigt ist, zählt zu. den wenigen, deren Verkehr sieh in den letzten Jahren annähernd auf gleicher Höhe gehalten hat.

1925: 7426 Telegramme 1929.

7406 » 1930 7428 » Eine Telephonzentrale besitzt Neuhausen nicht. Die Teilnehmer sind an die Zentrale in Schaff haus en angeschlossen.

Die Bemise und der Umladeraum sind ebenfalls zu klein. Es ist nicht möglich, die 10 Handwagen und 5 Fahrräder, über die das Postamt verfügt, dort unterzubringen. Einige Fahrzeuge müssen ständig im Freien belassen werden.

Dieser misslichen Verhältnisse wegen ist der Gemeinderat von Neuhausen schon im Jahre 1919 bei den zuständigen Postbehörden vorstellig geworden.

Der Hauseigentümer konnte sich jedoch nicht zum gewünschten Umbau "entschliessen, da ihm die Kosten zu hoch erschienen. Er hätte es vorgezogen, wenn die Verwaltung das Gebäude erworben und die nötigen Umänderungen selbst vorgenommen hätte. Der Kaufpreis, den er verlangte, betrug Fr. 74,000, und die Umbauten hätten nach den Berechnungen der Direktion der eidgenössischen Bauten Fr. 52,000 verschlungen, ohne jedoch eine befriedigende Lösung zu versprechen. Ausserdem lässt die Lage des Hauses zu wünschen übrig. Die Verwaltung glaubte daher den Ankauf nicht empfehlen zu können und verzichtete darauf. Auch die Erwerbung der damals zum Kauf angebotenen Hotelliegenschaft «Zum Schweizerbof» in der Nähe des Bundesbahnhofes lehnte sie ab, da sich dieses Gebäude in verschiedener Hinsicht für die Zwecke der Postverwaltung nicht geeignet hätte. Überdies würden die Vorteile einer Verlegung der Post an die Eisenbahnstation im vorliegenden Falle durch Nachteile aufgewogen worden sein, weil der exzentrisch gelegene Bahnhof erheblich tiefer liegt als die Ortschaft.

241 Im Jahre 1921 anerbot sieh sodann der Gemeinderat, ani der an der Zentralstrasse gelegenen Liegenschaft zum Anker einen Neubau zu errichten und darin für die Post Verwaltung zweckdienliche Räume vorzusehen. Der Kostenvoranschlag betrug Fr. 275,000. Die Gemeinde hoffte von Bund und Kanton Subventionen zu erhalten, was jedoch nicht im gewünschten Masse zutraf. Die in der Folge eingetretene Krisis in der Industrie bewog schliesslich den Gemeinderat, von seinem Vorhaben abzusehen.

Der Ruf nach einem neuen Postgebäude verstummte damit aber nicht.

Am 28. September 1929 stellte der Gemeinderat das Gesuch an die Postverwaltung, sie möchte in Neuhausen ein eigenes Postgebäude errichten.

Gleichzeitig erklärte er sich bereit, bei der Beschaffung eines geeigneten Bauplatzes in weitgehendem Masse behilflich zu sein. In den folgenden Verhandlungen offerierte er die unentgeltliche Abtretung der Liegenschaft «Zum Anker», deren Wert auf Fr. 50,000 veranschlagt wird. Ein daraufhin zwischen Postverwaltung und Gemeindebehörde unter den üblichen Vorbehalten vereinbarter Abtretungsvertrag erhielt in der Gemeindeabstimmung vom 26. Juli 1931 die erforderliche Genehmigung von dieser Seite. Der Vertrag wird jedoch erst rechtskräftig, wenn auch die zuständigen eidgenössischen Instanzen ihn genehmigt haben werden. Er sichert der Gemeinde ein Vorkaufsrecht für den Fall zu, dass einmal eine Veräusserung des Postgebäudes in Frage käme.

Die Liegenschaft zum Anker fasst 768 m2. Sie ist an der Tramlinie nach Schaffhausen, mitten im Dorf und in unmittelbarer Nähe des Gemeindehauses, des Werkhofes, der Schulhäuser und der Kirche vorzüglich gelegen und für ein Postgebäude gut geeignet.

Gestützt auf ein Vorprojekt, das von der Oberpostdirektion ausgearbeitet wurde und bei den Verhandlungen mit der Gemeinde als Grundlage diente, hat die Direktion der eidgenössischen Bauten hierauf Herrn Architekt Moser in Neuhausen, dem die örtliche Bauleitung übertragen, werden soll, mit der Aufstellung des Bauprojektes und eines detaillierten Kostenanschlages beauftragt.

Die Bausumme beläuft sich auf Fr. 270,000, wozu noch ungefähr Fr. 5000 für Handänderungskosten, Vorarbeiten und "Unvorhergesehenes kommen.

Im Postgebäude sind folgende Bäume vorgesehen: Erdgeschoss : Schalterraum mit Windfang 60 m2. Bureau- und Paketraum 276 m2, ferner ein geräumiger offener Posthof, der zugleich als Durchgang zum Werkhof plate der Gemeinde dient. Die Garage -wird gegen eine einmalige Entschädigung von Fr. 4000 im anstossenden Werkhof der Gemeinde untergebracht.

I. S t o c k : Eine Vierzimmerwohnung und eine Dreizimmerwohnung.

D a c h s t o c k : Eine Vierzimmerwohnung, ferner die gemeinsame Waschküche und Tröckneraum, sowie die Estriche.

Das Kellergeschoss enthält die Garderoberäume, Tröckneräume und W.C für das Postpersonal, sowie das Postarchiv, die zusammen 90 m2 beanspruchen, sodann die Heizungsanlage mit dem Kohlenraum und die Wohnungskeller.

242 Die gesamte Grundfläche dea Postgebäudes misst einschliesslich Treppenhaus zirka 420 m4. Der Kubikinhalt des Gebäudes beträgt rund 4000 m a . Der Einheitspreis für den Kubikmeter umbauten Baumes ergibt nach Vornahme der üblichen Abzüge Fr. 238,000 : 4000 = Fr. 59. 50 per m s .

Die äussere Gestaltung des Postgebäudes ist in einfachen Linien gehalten und der näheren Umgebung wie auch der Örtlichkeit angepasst. Es war insbesondere darauf Bücksicht zu nehmen, dass der Bau sich in die Gruppe von Gemeindebauten einfügt, als deren Abschluss er gedacht ist.

Gestützt auf die vorstehenden Darlegungen ersuchen wir Sie, den Kredit für die Errichtung eines Postgebäudes in Neuhausen zu bewilligen und dem nachstehenden Entwurf eines Bundesbeschlusses Ihre Genehmigung erteilen zu wollen.

Wir benützen den Anlass, Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, unserer vollkommenen Hochachtung. zu versichern.

Bern, den 11. September 1981.

Im Namen des Schweiz. Bundesrates Der Bundespräsident : Häberlin.

Der Bundeskanzler: Kaesliu,

243

(Entwurf.)

Bundesbeschliiss über die

Errichtung eines Postgebäudes in Neuhausen.

Die Bundesversammlung der Schweizerischen E i d g e n o s s e n s c h a f t , nach Einsicht einer Botschaft des Bundesrates vom 11. September 1931, beschliesst :

Art. 1.

Für die Errichtung eines Postgebäudes auf der AnkerliegenBchaft in Neuhausen wird ein Kredit von Fr. 275,000 bewilligt.

Der Bundesrat wird ermächtigt, im Eahmen des bewilligten Kredites diejenigen Änderungen am genehmigten Projekt vorzunehmen, die sich noch als notwendig erweisen könnten.

Art. 3.

Dieser Beschluss tritt, als nicht allgemein verbindlicher Natur, sofort in Kraft.

Art. 4.

Der Bundesrat ist mit dem Vollzug beauftragt.

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Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Errichtung eines Postgebäudes in Neuhausen. (Vom 11. September 1931.)

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1931

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24.09.1931

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