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Schweizerisches Bundesblatt.

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Nachtragsbotschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung betreffend Bewilligung des Kredites für die Erstellung eines Postund Telegraphengebäudes in Aarau.

(Vom

29. November 1910.)

Tit.

Mit Botschaft vom 20. Dezember 1909 an die Bundesversammlung (Bundesbl. 1909, VI, 662) haben wir um Bewilligung eines Kredites von Fr. 1,718,000 zur Erstellung eines Post- und Telegraphengebäudes in Aarau nachgesucht.

Im Laufe der Beratung des Geschäftes durch die Kommissionen der beiden Räte, die am 21. März 1910 in Bern zusammengetreten waren, wurde die Ansicht geäussert, das vorliegende Projekt gehe über die wirklichen Bedürfnisse des Post-, Telegraphen- und Telephondienstes in Aarau hinaus und verursache deshalb Kosten, die zur Wichtigkeit des in Frage kommenden Verkehrs in keinem richtigen Verhältnis stehen.

Vom Vertreter der Postverwaltung wurde daraufhin ausgeführt, man habe bei der Aufstellung des Lokalitätenprogramms nicht nur die jetzigen und die Bedürfnisse der nächsten Zukunft berücksichtigt, sondern man habe sich von der Ansicht leiten lassen, dass es im Interesse der beteiligten Dienstzweige liege und Bundesblatt. 62. Jahrg. Bd. V.

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auch wirtschaftlich vorteilhaft sei, die Diensträume so zu bemessen, dass sie für einen Zeitraum von 40--50 Jahren zu genügen vermögen.

Verschiedene der in den letzten Jahrzehnten erstellten Postund Telegraphengebäude hätten sich leider allzurasch als ungenügend erwiesen, weil bei Bemessung der Diensträume den mit der Zunahme des Verkehrs rasch sich steigernden Bedürfnissen nicht in ausreichendem Masse Rechnung getragen wurde.

Dies ist der Fall z. B. : in St. G a l l e n , wo das im Jahre 1887 bezogene Gebäude schon jetzt, also nach erst 23 Jahren, mit einem ganz bedeutenden Kapitalaufwand durch einen Neubau ersetzt werden muss ; in G e n f (Bezug des Gebäudes 1892) wo im Jahre 190fr das Hauptgebäude durch ein Nebengebäude vergrössert werden musste ; in B a s e l (Bezug 1880) und L a u s a n n e (Bezug 1901),.

wo in den Jahren 1908 und 1909 hauptsächlich zur Entlastung der Hauptgebäude an den Bahnhöfen grosse Dienstgebäude erstellt worden sind.

Auch in L u z er n entsprechen die im Postgebäude (Bezug 1888) verfügbaren Räume den Anforderungen des heutigen Verkehrs nicht mehr. Seit längerer Zeit werden deshalb mit den schweizerischen Bundesbahnen Unterhandlungen gepflogen zum Zwecke der Verlegung einiger Zweige des Postbetriebes in einen dem Bahnhofaufnahmsgebäude anzugliedernden Neubau.

Im Postgebäude Z ü r i c h (Bezug 1898) ist der Platzmangel so gross, dass, da vorläufig eine bessere Lösung nicht gefunden werden kann, eine der Einfahrten verbaut werden muss, und selbst im Postgebäude B e r n , das erst 1905 bezogen wurde, klagt man in einigen Abteilungen des Betriebsdienstes über ungenügende Raumverhältnisse.

Nun ist es aber angesichts der raschen Steigerung der Preise der Bauplätze und der Baukosten im allgemeinen nicht vorteilhaft, wenn Postgebäude sich schon nach etwa 20 Jahren als ungenügend erweisen, so dass dann zu Neubauten geschritten werden muss, durch die der eidgenössische Fiskus weit mehr belastet wird, als wenn man gleich bei Erstellung des Gebäudes auf die Bedürfnisse der Zukunft eine weitergehende Rücksicht genommen und demgemäss grösser gebaut hätte.

In A a r a u steht ein schöner, vorteilhaft gelegener Bauplatz zur Verfügung. Man wollte deshalb nicht wieder das bei den

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vorgenannten Gebäuden beobachtete Verfahren anwenden, sondern die sich-bietende, günstige Gelegenheit in einer Weise ausnutzen, bei der nach jetziger Voraussicht eine Wiederholung der andernorts gemachten, unangenehmen Erfahrungen nicht wahrscheinlich gewesen wäre.

Dabei musste natürlicherweise auf die weitere Entwicklung des Postverkehrs in der Schweiz gebührend Rücksicht genommen werden. Dieser Verkehr hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als vervierfacht, wie aus den nachstehenden Angaben erhellt, die sich auf die Zahl der in den Jahren 1879 und 1909 aufgegebenen Postsendungen beziehen : Jahr

Briefpost

Pakete

Abonnierte Zeitungen

1879 65,036,917 6,674,295 94,509,957 1909 345,377,664 28,676,138 180,142,027 Die Stadt Aarau selbst weist eine, gegenüber diesen für die ganze Schweiz geltenden Ziffern, etwas langsamere, aber immerhin recht erfreuliche Zunahme des Verkehrs auf.

Wir geben hiernach die auf Aarau bezüglichen statistischen Erhebungen : Jahr

Briefpost

Pakete

Abonnierte Zeitungen

1879 1,014,613 71,947 1,119,964 1909 2,601,922 216,907 2,810,419 Da nun keine Anzeichen vorhanden sind, die darauf schliessen lassen, dass sich der Postverkehr in Zukunft nicht mehr in ähnlicher Weise entwickeln werde, so darf man wohl sagen, dass das ursprüngliche Projekt von dem Gesichtspunkte aus, der für die beteiligten Verwaltungen bei dessen Ausarbeitung wegleitend war, keine ungerechtfertigten Forderungen enthielt.

Im Schosse der Kommissionen der eidgenössischen Räte wurde aber diesem Standpunkt gegenüber geltend gemacht, dass es keineswegs nötig sei, schon jetzt den auf 40--50 Jahre hinaus berechneten Zukunftsforderungen gerecht zu werden, sondern dass es genüge, wenn man die Bedürfnisse der Gegenwart und diejenigen, welche sich in nicht allzuferner Zeit zeigen könnten, berücksichtige und im übrigen den Bau so anlege, dass eine spätere Erweiterung ohne Störung der Gesamtanlage möglich sei. Dieser Ansicht pflichteten die Mitglieder beider Kommissionen bei.

Der Vorsteher des Postdepartements sah sich deshalb veranlasst, zu erklären, dass er bereit sei, die Vorlage zurückzuziehen und den Auftrag entgegenzunehmen, ein reduziertes, weniger Kosten verursachendes Projekt ausarbeiten zu lassen.

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In diesem Sinne ist das Geschäft zur weitern Behandlung an uns zurückgewiesen worden.

Wir haben daraufhin die beteiligten Verwaltungen eingeladen, ein den Wünschen Ihrer Kommissionen entsprechendes, also in kleinerm Masstabe gehaltenes Projekt auszuarbeiten.

In Ausführung dieses Auftrages übermittelte das Postdepartement unterm 24. Juni abhin dem Departement des Innern ein von der Oberpostdirektion und der Obertelegraphendirektion gemeinsam aufgestelltes, vereinfachtes Lokalitätenprogramm, als Grundlage für das auszuarbeitende neue Bauprojekt. Dabei gab es der Hoffnung Ausdruck, dass es in Anbetracht der besonders bei den Postlokalen vorgenommenen, bedeutenden Abstriche möglich sein werde, den Bau bei Anwendung grösserer Einfachheit, hauptsächlich auch in der äussern Ausstattung, so zu gestalten, dass dessen Ausführung höchstens einen Betrag von Fr. 1,000,000 erfordern werde.

Wenn diese Forderung auch nicht ganz hat erfüllt werden können, so glauben wir doch sagen zu dürfen, dass es das redliche Bestreben der beteiligten Verwaltungen gewesen ist, der erteilten Wegleitung nachzukommen und dass das nun vorliegende neue Projekt alle diejenigen Vereinfachungen und Einschränkungen in sich schliesst, die ohne Schädigung bereits vorhandener oder in naher Zukunft eintretender Bedürfnisse verwirklicht werden können.

Die nachstehenden vergleichenden Angaben gestatten einen Überblick über die im zweiten Projekt gegenüber dem ersten Projekt vorgenommenen Änderungen: Altes Projekt.

Neues Projekt.

Schalterhalle

190 m 2

450 m 2

Post: Briefpostbureau Paketbureau Mandatbureau Briefträgerbureau

280 359 99 122

175 329 73 76

Erdgeschoss.

Telegraph : Telegrammaufgabe . . . .

Telegrammkontrolle . . . .

Ausläuferzimmer

,, ,, ,, ,,

28 ,, 47 24 ,,

fl

,, ,, ,, ,,

28 ,, 43 ,, 21 ,,

605 Altes Projekt.

Neues Projekt.

53 m 2

25 m s

14 ,,

50 ,,

Zwischenstück.

Telegraph : Nachtdienstlokal Ausläuferlokal (Raum z. Trocknen der Kleider) I. Stock.

Post: 31 m 2 30 Zimmer des Kreispostdirektors 24 Vorzimmer 20 ,,f i 115 ,, 100 Kreispostkanzlei 22 ,, 28 Zimmer des Kreispostadjunkten Kreispostkontrolle 133 ,, 77 27 Zimmer des Kreispostkontrolleurs 27 ,, Kreispostkasse 50 106 ,, Vorzimmer zur Kreispostkasse und zum Wertzeichenbureau 20 21 ,, Wertzeichenbureau . . . .

48 ,, 27 30 Aufenthaltslokal für Beamte .

31 ,, Archiv der Kreispostkontrolle .

38 ,,| 2 Registratur und Archiv .

43 '^146 m 83 Magazin I d. Postmaterialbureaus 65 J -- 80 ,, Mandatkontrolle 52 ,, 51 Materialbureau Bureau für Train und Bekleidungswesen 64 ,, 31 Konferenzsaal 47 ,, 53 Disponibles Zimmer . . . .

2 0 ,, --

m ^f) fl

,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,,

II. Stock.

Post: Magazin II des Postmaterialbureaus 64 m 2 Kontostelle des Checkbureaus . . 114 ,, Additionsmaschinen . . . .

20 ^

-- 51 m 2 (I. Stock) --

Telegraph : Apparatensaal (Morse) . . .

Nachtdienstzimmer . . . .

Telegramm Vermittlung . . .

55 ,, 21 ,, 18 ^

56 ,, 28 ,, --

606

Altes Projekt.

Neues Projekt.

Telephon : Nachtdienstzimmer 27 m 2 21 m 2 Apparatensaal für den Lokalund Interurbandienst . . . 112 ,, 82 fl Zimmer des Telephonchefs . . 31 ,, 24 ,, Telephonkontrolle 54 ,, 25 ,, Gehülfen- u. Zeichnungszimmer 77 ,, 52 ,, Laboratorium und Monteure .

33 ,, 33 ,, Apparatenmagazin . . . .

50 ,, 51 ,, Akkumulatorenraum . . . .

52 ,, 31 ,, Maschinenraum 30 .. ) . , n , 00 T· · L -i or> ,, J1119 nr 83 ",, Lmienverteuerraum 8» Formularraum 27 ,, -- Garderobe .

53 ,, 38 ,, Wohnung -- ,, 139 ,, K e l l e r g e s c h o s s und D a c h s t o c k werden im Sinne der Angaben in der Botschaft zum ersten Projekt, aber unter Anpassung an die kleinern Verhältnisse mit den zum Dienstbetrieb der Post-, sowie der Telegraphen- und Telephonverwaltung nötigen besondern Einrichtungen versehen werden, wobei immerhin im Dachstock statt der zwei erstmals vorgesehenen Wohnungen nur eine für den Abwart bestimmte Dienstwohnung erstellt werden soll.

Eemisengebäude.

Der erste Stock ist weggefallen, dafür musste die Grundfläche erheblich vergrössert werden : Altes Projekt. Neues Projekt.

Post :

Remise für Wagen- und Trainmaterial 900 m 2 · Zimmer für Postangestellte . 25 ,, Telephon: Remise 59 ,, Posthof 777 ,,

650 31 50 808

m2 ,, ,, ,,

Bei Aufstellung des vereinfachten Lokalitätenprogramms für die Postlokale wurden die Grössenverhältnisse beim Postgebäude Chur zum Vergleiche herangezogen, weil sich der dortige Postverkehr am ehesten demjenigen in Aarau gegenüberstellen lässt.

Für die Bemessung der Diensträume im Gebäude in Chur, das im Jahre 1905 bezogen wurde, war der Verkehr des Jahres 1899 massgebend. Er wies für letzteres Jahr folgende Zahlen auf:

607 Briefpostgegenstände.

Anzahl

Pakete.

Anzahl

Postanweisungen.

Anzahl

Abonnierte" Zeitungen.

Anzahl

4,960,190 510,895 101,606 2,294,101 Der Verkehr in denselben Sendungsarten betrug in Aarau im Jahre 1909 : Brielpostgegenstände.

Pakete.

^nTpoTtcST

Abonnierte Zeitungen.

Anzahl :

Anzahl :

Anzahl :

Anzahl :

5,456,071

338,060

94,537

3,585,986

Von der im Postgebäude Chur vorhandenen, nutzbaren Fläche beanspruchen die Postlokale im Brdgeschoss 733 m 2 und in den Stockwerken 574 m2. Dabei muss aber bemerkt werden, dass für den in neuerer Zeit eingeführten Postcheckdienst keine passenden Räumlichkeiten mehr verfügbar waren, so dass die Checkkontostelle mit dem Mandatbureau verbunden werden musste. Auch von den übrigen Diensträumen genügen nach dem Bericht der Kreispostdirektion Chur nur noch die Schalterhalle, das Paketbureau und einige Verwaltungsbureaux im I. Stock, während die ändern Lokale auf die Dauer nicht mehr ausreichen dürften. Trotzdem sieht das vereinfachte Projekt für ein Postgebäude in Aarau zu postdienstlichen Zwecken nur Flächen von 803 m 2 im Erdgeschoss 2 und 671 m in den Stockwerken vor, wobei ein Bureau von 51 m 2 für die Checkkontostelle mitgerechnet ist. Für die Stockwerke kommen in Chur allerdings auch in Betracht die Diensträume für die Kreistelegraphendirektion und die Kreiszolldirektion, was in Aarau nicht der Fall ist. Dagegen wird dann in Aarau vorderhand eine Mietwohnung frei, wie wir weiter unten ausführen werden.

Diese vergleichenden Angaben und ein Blick auf das Lokalitätenprogramm nach Projekt I und Projekt II lassen leicht erkennen, dass bei der Bemessung der dem Postdienst zugewiesenen Räume die grösstmögliche Zurückhaltung beobachtet worden ist, so dass wohl von einer ins einzelne gehenden Begründung abgesehen werden darf.

Einige aufklärende Bemerkungen mögen immerhin am Platze sein in bezug auf die Remise für Wagen und Trainmaterial, deren Fläche, wiewohl sie von 900 m2 auf 650 m 2 herabgesetzt worden ist, auf den ersten Blick noch immer als etwas reichlich bemessen erscheinen kann. Es muss aber in Betracht gezogen werden, dass der Postkreis Aarau über keine andere Remise verfügt, dass die Hauptreparaturen der im Kreise verwendeten Wagen zum grössten Teil in Aarau besorgt werden und dass

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deshalb zeitweise bis zu 40 Postwagen und 20 Handfuhrwerke in der Remise unterzubringen sind. Im weitern ist es nötig, in letzterer ein kleines, heizbares Lokal für den Wagenmeister, sowie zur Vornahme von kleinern Ausbesserungen zu erstellen und einen zweiten abgetrennten Raum von etwa 50 m2 zur Aufbewahrung" von Rädern und ändern Wagenbestandteilen vorzusehen. Die Grossen Verhältnisse auch der Remise sind somit den schon jetzt vorhandenen Bedürfnissen angepasst.

Weniger einschneidend als bei den Postlokalen sind die Einschränkungen, die bei den Telegraphen- und Telephonlokalen vorgenommen worden sind. Aber auch diese Diensträume wurden in bezug auf Grosse und Einteilung möglichst genau den Bedürfnissen angepasst. Einzelne Räume hätten, dem Programm der Telegraphenverwaltung entsprechend, noch etwas kleiner gehalten werden können, doch waren für deren nunmehrige Bemessung auch die durch die Form und Grosse des Gebäudegrundrisses gegebenen Verhältnisse mitbestimmend.

Eingehend geprüft wurde die Verlegung des Telegraphenapparatensaales ins Erdgeschoss, dies in der Absicht, dadurch in den Stockwerken Raum für eine weitere Mietwohnung zu gewinnen.

Die bezüglichen Untersuchungen ergaben jedoch die Unzweckmässigkeit einer solchen Verlegung. Im Erdgeschoss würde eine spätere Lokalerweiterung nicht möglich sein, und da die Notwendigkeiteiner solchen vorauszusehen ist, so müssteder Apparatensaal nach einigen Jahren doch im II. Stock eingerichtet werden.

Der Telegraphenbetrieb würde übrigens durch das Geräusch und .den Staub der verkehrsreichen Bahnhofstrasse in sehr ungünstiger Weise beeinflusst. Ausserdem wäre die Überwachung des Telegraphendienstes im Erdgeschoss durch den notwendigerweise im H. Stock unterzubringenden Telegraphen- und Telephonchef sehr erschwert.

Es liegt deshalb im Interesse eines richtigen Betriebes, den Telegraphenapparatensaal im II. Stock zu belassen.

Das vereinfachte Lokalitätenprogramm, wie es von den beteiligten Verwaltungen ausgearbeitet worden ist, hat gestattet, im jetzt vorliegenden Projekt II die in Projekt I vorgesehenen beiden Flügel am Hauptgebäude wegzulassen. Im weitern wird es möglich sein, im II. Stock eine Wohnung einzurichten, welche so lange vermietet werden wird, als nicht dringende Bedürfnisse deren Verwendung zu dienstlichen Zwecken erfordern. Auf diese Weise wird für einen wenn auch kleinen Teil des Baukapitals eine Verzinsung erzielt werden können.

,

609 Um trotz der Verzichtleistung auf die beiden Flügel eine geschlossene Gesamtanlage und eine gut gruppierte Bebauung des verfügbaren Areals zu erreichen, ist an Stelle der früher zweistöckigen Postremise ein eingeschossiger Bau mit zwei Flügeln und Durchfahrten projektiert.

Der Stil der um das Jahr 1800 entstandenen guten Aarauer Bauten ist beibehalten worden ; doch ist die Bauausführung nun wesentlich einfacher gedacht, als früher. Der Säulenvorbau ist in der Höhe reduziert; er durchschneidet das Hauptgesimse nicht mehr und steht im richtigen Verhältnis zu dem reduzierten Hauptbau. Eine weitere grosse Ersparnis hat sich dadurch ergeben, dass an Stelle der Quaderverkleidungen im I. und 11. Stock Putzflächen angenommen sind und das Hauptgesirns nicht mehr massiv in Stein vorgesehen ist. Die innere Ausstattung des Baues konnte nicht weiter vereinfacht werden ; man hatte schon beim frühern Projekte jeden Luxus vermieden und einzig auf die Schalterhalle etwas verwendet. Dieser Raum wird auch nach dem vorliegenden Projekte eine würdige Ausstattung erhalten.

Es ergeben sich nun die nachstehenden Grössenverhältnisse : Altes Projekt Haiiptgeb äiide : Überbaute Fläche Umbauter Raum Remise : Überbaute Fläche Umbauter Raum

Neues Projekt

1,744 m2 1,209 m 2 42,000 m 3 29,477 m s 556 m 2 5,000 m 3

1,021 m 2 7,278 m»

' Der detaillierte Kostenvoranschlag sieht folgende Posten vor : Fr.

Fr.

Hauptgebäude . 1,470,000 945,000 Remise .

.

.

108,000 105.000 Umgebungsarbeiten 13,000 20,000 Pläne und Bauleitung 78,000 65,000 Spezielle Bauaufsicht 12,000 12,000 Ankauf v o n 1 2 3 m 2 Land . . . .

3,075 3,000 1,684,075 1,150,000 Innere Einrichtungen, wie Schränke und und Gestelle, feste Schreibpulte, Beleuchtung, Ausstattung von Waschund Baderäumen und dergleichen .

33,500 30,000 1,717,575

1,180,000

610

Der Kubikmeterpreis nach dem neuen Projekt stellt sich auf Fr. 34. 65 für den Hauptbau und Fr. 14. 40 für die Remise.

Die Minderausgabe gegenüber dem Voranschlag nach Projekt I wird somit Fr. 537,575 betragen.

Damit ist die für den Bau eines Postgebäudes in Aarau in Aussicht genommene Summe auf einen Betrag zurückgebracht worden, unter den unseres Erachtens nicht herabgegangen werden kann, wenn ein Gebäude erstellt werden soll, das den dienstlichen Bedürfnissen für eine gewisse Zeit zu genügen vermag und wenn in bezug auf dessen äussere Gestaltung die Ansprüche in bescheidenem Masse befriedigt werden sollen, welche die Stadt Aarau, gestützt auf das, was andernorts in dieser Richtung getan worden ist, glaubt erheben zu dürfen.

"Wir ersuchen Sie, dem nachstehenden, abgeänderten Entwurf zu einem Bundesbeschluss betreffend die Erstellung eines Post-, Telegraphen- und Telephongebäudes in Aarau die Genehmigung erteilen zu wollen und benutzen gerne den Anlass, Sie, Tit., unserer vorzüglichen Hochachtung zu versiehern.

B e r n , den 29. November 1910.

Im Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident: Comtesse.

Der Kanzler der Eidgenossenschaft: Schutzmann.

611 (Entwurf.)

Bundesbeschluss betreffend

Bewilligung eines Kredites für den Bau eines Post- und Telegraphengebäudes in Aarau.

Die Bundesversammlung der schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht einer Botschaft des Bundesrates vom 20. Dezember 1909 und einer Nacktragsbotschaft der gleichen Behörde vom 29. November 1910, beschliesst : Art. 1. Für den Bau eines Post- und Telegraphengebäudes in Aarau wird eine Summe von Fr. 1,180,000 bewilligt.

Art. 2. Dieser Beschluss tritt, als nicht allgemein verbindlicher Natur, sofort in Kraft.

Art. 3. Der Bundesrat ist mit der Vollziehung desselben beauftragt.

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Nachtragsbotschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung betreffend Bewilligung des Kredites für die Erstellung eines Post- und Telegraphengebäudes in Aarau. (Vom 29.

November 1910.)

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Jahr

1910

Année Anno Band

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Volume Volume Heft

49

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119

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

07.12.1910

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601-611

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