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Botschaft über die Beteiligung des Bundes an einem schweizerischen Forschungszentrum für Mikrotechnik in Neuenburg vom 29. Februar 1984

Sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, Wir unterbreiten Ihnen den Entwurf zu einem Bundesbeschluss über die Beteiligung des Bundes an einem schweizerischen Forschungszentrum für Mikrotechnik in Neuenburg mit dem Antrag auf Zustimmung.

Wir versichern Sie, sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, unserer vorzüglichen Hochachtung.

29. Februar 1984

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Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Schlumpf Der Bundeskanzler: Buser

1984-160

Ueberaicht Die Forschung auf dem Gebiet der Mkroteehnik ist für die Zukunft unseres Industriestaates von grosser Bedeutung. Die ausländische Konkurrenz unserer Wirtschaft verfügt in gewissen Staaten über einen Vorsprung, der ohne "besondere Massnahmen der öffentlichen Hand "bedrohliche Ausmasse annehmen könnte. Der Bund trägt gerade deshalb eine besondere Verantwortung in der Förderung der Grundlagenforschung auf diesem Gebiet. Aus diese» Grund beteiligte er sich 1978 neben Kantonen, Städten und juristischen Personen des Privatrechts an der Gründung der Schweizerischen Stiftung für feintechnische Forschung in Neuenburg.

1983 beschlossen die Stiftung, das "Centre électronique horloger SA" und das "Laboratoire suisse de recherches horlogèree" zusammen mit einigen Industriefirmen die Gründung eines "Centre suisse d'électronique et de microtechnique SA - Recherche et Développement". Gleichzeitig wurde vorgesehen, die laboratorien zusammenzulegen. Bei der G-ründung der AG war allen Beteiligten klar, dass dieses Forschungszentrum für Mikrotechnik in..Neuenburg nur Bestand haben wird, wenn sich neben Industriefirmen auch die öffentliche Hand daran beteiligt.

Angesichts der Bedeutung, dieses Zentrums für zwei bundeseigene Verpflichtungen, die Förderung des Nachwuchses in der Mikrotechnik und die Pflege der Forschung in diesem Bereich, sowie des Umstandes, dass in diesen Laboratorien ein enger Kontakt zwischen Industrie- und Grundlagenforschung verwirklicht werden soll, ist eine Mitwirkung des Bundes bei der Förderung dieser Forschungsaktivitäten angezeigt.

Mit dem beiliegenden Bundesbeschluss beantragen wir Ihnen deshalb den Ankauf zweier Liegenschaften der Schweizerischen Stiftung für Feintechnische Forschung für 12,5 Millionen Pranken und die Ausrichtung einer Subvention von 42,2 Millionen Pranken in den Jahren 1984-1987 an ein Schweizerisches Forschungszentrum für Mikrotechnik in Neuen.burg.

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Botschaft

I

Allgemeiner Teil

I1

Die Bedeutung der Bürotechnik

Die Erfindung dea ersten Transistors im Jahre 1948 war zweifelsohne der Ausgangspunkt eines beachtlichen technologischen Umschwungs, dessen jüngstes Kind die Mikroelektronik ist.

Der Transistor ist eine aktive elektronische Komponente aus Halbleiterwerkstoffen mit ähnlichen Funktionen und Anwendungen wie die Elektronenröhre, d.h. es können damit Signale in einem Stromkreis verstärkt, geschaltet oder moduliert werden. Er unterscheidet sich von der Elektronenröhre durch viel geringere Grosse, schwächeren Energieverbrauch und höhere Zuverlässigkeit. Diese Eigenschaften ermöglichten es nicht nur, die Elektronenröhre fast in ihrem gesamten Anwendungsbereich zu ersetzen, sondern sie eröffneten auch einen breiten Fächer neuer Anwendungsmöglichkeiten, in dem elektromechanische Komponenten und Geräte durch rein elektronische Systeme verdrängt wurden.

Der ungeheure Erfolg der industriellen Anwendung des Transistors löste eine starke Forschungsaktivität aus, mit dem Ziel, die elektronischen, auf Halbleitertechnologie beruhenden Komponenten zu verbessern und ihren Anwendungsbereich zu erweitern. Daraus ergab sich eine Pulle von Innovationen seit den fünfziger Jahren bis heute. Das Zeitalter der Halbleiter fing an. Diese Forschung, weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein, wird in den industrialisierten Ländern mit grossem Einsatz weitergeführt.

Die Vielfalt der Halbleiterkomponenten ist schon heute beträchtlich und nimmt ständig zu. Drei Bereiche gilt es aus dieser technischen Entwicklung besonders hervorzuheben, weil ihr Einfluss auf alle industriellen Produkte so stark ist, dass man ohne Uebertreibung von einer technologischen Revolution sprechen kann. Es handelt sich um die Mikroelektrqnik, die Optoelektronik und die elektronischen Sensoren.

Der Begriff Mikroelektronik umfasst die Entwicklung der Halbleiterkomponenten in Richtung Miniaturisierung, die zur Herstellung von Komponenten führt, welche vollständige, kompakte und komplizierte Schaltkreise (integrierte Schaltun-

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gen) auf einem Plättchen, "Chip" genannt, zusammenfügt. Dieses Plättchen ist im allgemeinen kleiner als ein cm2 und enthält tausende, wenn nicht hunderttausende von aktiven Elementen. Die Mikroelektronik bietet daher fast unbegrenzte Möglichkeiten zur Herstellung von Schaltungen, in denen zahlreiche Punktionen, die für sehr verschiedene Aufgaben anwendbar sind, miteinander kombiniert werden. Solche Schaltungen waren bis anhin mit den herkömmlichen Technologien nicht realisierbar.

Die ersten integrierten Schaltungen vereinigten in dieser Miniaturform klassische Komponenten elektronischer Stromkreise (Verstärker, Oszillatoren, logische Punktionen usw.).

Die zunehmende Zahl aktiver Elemente, die in einer integrierten Schaltung eingebaut werden können, ermöglichten bald einmal integrierte Schaltungen, welche alle Punktionen eines Computers (Mikroprozessor) oder eines elektronischen Speichers auf engstem Raum aufweisen.

Die Optoelektronik nützt die optischen Eigenschaften von bestimmten Halbleiterwerkstoffen aus. Einige dieser Komponenten verwandeln Lichtsignale in elektrische Signale, während andere genau das Umgekehrte tun. Dank diesen Komponenten ist es möglich, mittels feiner Glasfasern Lichtsignale über grosse Distanzen zu übertragen.

Im Vergleich au den bisher üblichen Techniken bietet die Optoelektronik zahlreiche Vorteile an: Leichte nicht metallische Kabel mit kleinerem Durchmesser, grosse Informationsübertragungskapazität, Unempfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen, grosse Distana awischen den Signalverstärkungseinrichtungen usw.

Ausserhalb des Bereiches des Fernmeldewesens erobert die Optoelektronik stets neue Anwendungsbereiche nicht zuletzt wegen der Sicherheit, die eine Trennung von Stromkreisen verschiedener Spannungen mit sich bringt.

Ein weiterer vielversprechender Zweig der Mikrotechnik beschäftigt sich mit den elektronischen Sensoren, deren Aufgabe es ist, auf bestimmte physikalische Erscheinungen zu reagieren (wie z.B. Temperatur, Druck, Beschleunigung, Lichtintensität, Magnetfeld usw.) und diese in elektrische Signale umzuwandeln. Solche Komponenten sind wesentliche Elemente des modernen Werkzeugmaschinenbaus.

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Der allgemeine Begriff Mikroteohnik umfaast alle Techniken, die im- Zusammenhang mit der Herstellung von miniaturisierten Systemen stehen, d.h. zu ihr gehören die Mikromechanik, die Mikroelektronik und die Optoelektronik. (Die elektronischen Analog- und Digitaluhren sind typische Beispiele der mikrotechnischen Entwicklungen.)

Unter den wichtigsten technischen Polgen dieser neuen Technologie müssen zuallererst genannt werden: -

Die beträchtliche Reduktion der Grosse und des Energieverbrauchs elektronischer Geräte jeder Art.

Die verbreitete Einführung automatischer Regelfunktionen in den verschiedenen Bereichen der industriellen Technik durch die Anwendung der integrierten' Schaltungen (vor allem Mikroprozessoren).

Daraus ergeben sich gewaltige und mannigfaltige wirtschaftliche Polgen: Die Entstehung eines Industriezweiges für die Herstellung von Materialien und Geräten, die für die Fabrikation elektronischer "Komponenten benötigt werden.

-

Die Entstehung eines Industriezweiges für die Produktion mikroelektronischer Halbleiterkomponenten.

Die Verwendung der Mikroelektronik in Produktionsprozessen und in bestehenden Produkten und zur Schaffung vollkommen neuer- Produkte und Systeme. Das erfordert nicht nur die Herstellung von neuen Geräten, sondern auch eine Neukonzeption der "Software", d.h. der Programme zur Steuerung der spezifischen Punktionen, die diese Geräte ausführen müssen.

Diese Anwendungen können in vier Hauptkategorien klassiert werden: 1 . Automatisierung: - im Bereich der Produktion (Steuerung von Maschinen und Prozessen, Automatisierung von Fabriken, Entwurf von neuen Produkten und rechnerunterstützte Konstruktion und Fertigung usw.); - im Bürobereich (Automatisierung der Büroarbeiten und der administrativen Vorgänge uaw,); - im Bereich der öffentlichen Dienste (öffentlicher Verkehr, Energieverteilernetze usw.).

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2. Erneuerung schon bestehender Produkte: z.B. Telefonzentralen, Radio, Fernsehapparate, elektrische Haushaltgeräte.

5. Schaffung neuer Produkte, die ohne Mikroelektronik nicht realisierbar wären: Taschenrechner, elektronische Uhren, verschiedene biomedizinische Anwendungen usw.

4. Entwicklungen der Informatikindustrie; u.a. dezentralisierte Informatik und ihre Anwendungsmöglichkeiten zur Unterstützung der Führung und des Betriebe komplexer Systeme (öffentliche und private Unternehmungen, Spitäler usw.).

Gesamthaft betrachtet können die praktischen Polgen dieses technologischen Umschwungs wie folgt charakterisiert werden: -

Erhöhung der Produktivität in vielen Bereichen;

-

bessere Möglichkeiten zur Dezentralisierung;

-

Einsparung von Arbeit, Zeit, Kapital, Material und Energie; Zunahme der Zuverlässigkeit und der Anpassungsfähigkeit.

Die folgenden Zahlen zeigen Umfang und rasches Wachstum des Welthandels von Halbleiterkomponenten (Quelle: OECD): 1959...

0,395 Milliarden Dollar 1969 1,686 Milliarden Dollar 1974 5,400 Milliarden Dollar 1979 10,500 Milliarden Dollar 1982 14,700 Milliarden Dollar Der Verbrauch von integrierten Schaltungen im Jahre 1982 lag in Westeuropa bei 1,5 Milliarden Dollar, in den USA bei 5,9 Milliarden Dollar.

Die Regierungen der industrialisierten- Länder haben die Bedeutung dieser neuen technologischen Herausforderung sehr früh erkannt. Kommissionen befassten aich mit dem Problem, zahlreiche Analysen wurden veröffentlicht. Es überrascht, wie ähnlich die Schlussfolgerungen sind: Die Ueberzeugung ist heute weitverbreitet, dass es für die industrielle Zukunft eines Landes lebensnotwendig ist, sich rasch den neuen Technologien anzupassen. Dazu braucht es eine ausreichende Zahl qualifizierter Fachleute, die mit diesen Techniken vertraut sind, und eine Verstärkung der Forschung - der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung - in diesem Bereich.

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In dieser Hinsicht beschreibt ein Auszug aus einem österreichischen Bericht (Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Wien 1983) die Lage sehr t r e f f e n d und entspricht auch unserer eigenen Situation: "Bis erfolgreiche wirtschaftliche Nutzung der Mikroelektronik und der Informationstechnologie in unserem Lande hängt entscheidend von der Qualität und der Nutzung des Innovationspotentials ab. Besondere Bedeutung kommt auch der Grundlagenforschung zu, aus der langfristig neue .Technologien und neue Produkte hervorgehen.

... Die anwendungsorientierte Forschung "bildet die unmittelbare Nahtstelle zwischen wissenschaftlich-technischen Erkenntnissen und industriellen Produkten und Verfahren, sowie sozialen Innovationen.

... Um die oben aufgezeigte Problematik (zu wenig ausgebildete Fachkräfte und au wenig industrieorientierte Forschung) gleichzeitig zu lösen, sind grundsätzlich für die Durchführung anwendungsorientierter Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, für die Prototypentwicklung und für die Mithilfe bei der Fertigungsüberleitung auf dem Gebiet der Mikroelektronik und Informationsverarbeitung die für diese Zwecke eingerichteten ausaeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie die kooperativen Forschungsinstitute einzusetzen."

Die Studie "La d i f f u s i o n de nouvelles'technologies en Suisse", die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes Nummer 9 "Mechanismen und Entwicklung der Schweizerischen Wirtschaft und deren sozialen Auswirkungen" durchgeführt wurde, untersucht speziell den Bereich der Uhren- und der Werkzeugmaschinenindustrie und kommt zum gleichen Schluss: "Die Studie hat einmal mehr bewiesen, dass die Schweiz zum technologischen Fortschritt ' v e r d a m m t ' ist, um ihr Lebensniveau aufrechtzuerhalten. " Die" vom Schweizerischen Nationalfonds im Zusammenhang mit dem Nationalen Forschungsprogramm Nummer 1 3 > "Mikro- und Optoelektronik" eingesetzte Expertengruppe hat, ausgehend von dieser Ueberzeugung, folgendes festgehalten: -

"Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in angewandten Bereichen der Mikro- und Optoelektronik wird in Anbetracht ihrer Bedeutung für die industrielle Zukunft der Schweiz von der öffentlichen Hand nicht genügend unterstützt; - Die Zahl der Ingenieure, die an unseren Hochschulen und technischen Lehranstalten in der Mikroelektronik ausgebildet worden sind, ist angesichts der gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse des Landes ungenügend. Ganz besonders gilt dies in den Bereichen der Konzeption, von Stromkreisen und der computergestützten Konzeption

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und Anwendung von integrierten Schaltungen hoher Dichte (veiy large scale integration VLSI) in komplexen elektronischen Systemen;

Angesichte dieses technologischen Umschwunges, von dessen Auswirkungen ganz besonders die Uhrenindustrie betroffen wurde, haben die eidgenössischen und kantonalen Behörden reagiert und verschiedene Massnahmen ergriffen. Erwähnen wir unter anderem die Impulsprogramme, die Schaffung eines "Centre suisse d'essais des composants électroniques" in Neuenburg und die Errichtung einer "Schweizerischen Stiftung für Peintechnische Forschung" in Neuenburg im Jahre 1978.

Die Entwicklung der Mikroelektronik und ihrer Anwendungen in einem hochindustrialisierten Land mit einem reduzierten Binnenmarkt wie die Schweiz; muse sich schon zum vornherein mit gewissen Einschränkungen für die mit begrenzten Mitteln realisierbaren Optionen abfinden. Vor allem die Schaffung einer Industrie zur Produktion standardisierter Halbleiterkomponenten in grossen Serien erfordert ein beachtliches Kapital (gem. OECD, 1982, mind. 60 Mio, Dollar) und einen sehr grosaen Markt.

Die bedeutenden Produzenten befinden sich deshalb in den meisten Fällen in den grösseren Industrienationen und haben vor allem von militärischen Entwicklungsanstrengungen profitiert. Standard-Komponenten sind auf dem Weltmarkt kommerziell von verschiedenen Anbietern erhältlich, so dass das Fehlen einer landeseigenen Herstellung solcher Komponenten für die Versorgung der meisten nationalen Industrien nicht kritisch ist.

Wichtig ist hingegen, dass die nationale Industrie sich mit kürzesten Lieferfristen Prototypen und ausreichende Serien von speziellen, kundenspezifischen integrierten Schaltungen besorgen kann, die den besonderen Spezifikationen des industriellen Verbrauchers entsprechen. Dazu bedarf die Schweiz Unternehmungen, die in der läge sind, "Software" zu entwikkeln und Prototypen mit Hilfe eines computergestützten "Entwurfs (CAD) herzustellen. Es ist Sache der betreffenden Industriezweige, eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen; es gibt bereits Ansätze dazu: sechs Firmen haben kürzlich ein Design-Zentrum mit Sitz in Neuenburg gegründet.

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Ohne qualifiziertes Personal "bleibt jedem industriellen Unternehmen der Erfolg versagt, selbst wenn es über die leistungsfähigsten Einrichtungen verfügt. Darum müssen Ingenieure und andere Spezialisten ausgebildet werden, die alle Aspekte der. Mikrotechnik beherrschen und in der tage sind, diese Technologie in verschiedenen Industriesektoren anzuwenden. Diese Ausbildung muss durch aktive Forschung unterstützt werden, die im internationalen Vergleich auf hohem Niveau zu halten ist. Die prioritär zu treffenden Massnahmen sollten deshalb zum Ziel haben, die im Bereich der Mikrotechnik bereits bestehende Infrastruktur für lehre und Forschung nach Möglichkeit zusammenzufassen und zu verstärken.

Dies ist Aufgabe der. eidgenössischen und kantonalen Behörden.

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Aufbau und Weiterentwicklung des schweizerischen . Forschungsschwerpunktes auf dem Gebiet der Mikrotechnik in Meuenburg

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Die Entwicklung der Ausbildung und Forschung auf dem Gebiet der Mllrrotechnik

In der Schweiz wurde die raikrotechnische Ausbildung auf Hochschulstufe mit einer gewissen Verspätung eingeführt.

Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in der Maschinenindustrie grosses Gewicht auf die Systeme der Energieumwandlung und -transporte gelegt wurde.

An den schweizerischen Hochschulen vergab die Universität Neuenburg seit 1945 ein Diplom eines "Ingénieur-horloger", das 1969 in ein solches für Mikrotechnik-Ingenieur umgewandelt wurde. Seit 1975 besteht an der Universität Heuenburg ein Institut für Mikrotechnik. Dieses profitiert davon, dass am gleichen Ort zwei Forschungslaboratorien der Uhrenindustrie bestehen, das 1962 gegründete und 1972 restrukturierte "Centre électronique horloger SA" (GEH, Personalbestand 1983: 101) und das bereits 1925 gegründete "Laboratoire suisse de recherches horlogères" (LSRH, Personalbestand 1983: 60).

Gegen Ende der sechziger Jahre würden, bei den technischen Hochschulen die ersten Lehrstühle für Feinmechanik geschaffen, denen anfangs der siebziger Jahre solche für Mikroelektronik und Optoelektronik folgten- Im Mai 1976 hat der Schweizerische Schulrat beschlossen, -. an der EPFL einen Schwerpunkt für Mikrotechnik zu bilden. Dementsprechend wur-

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de der Lehrstuhl für Feinmechanik von Zürich nach Lausanne verlegt und das Diplom des Mikrotechnik-Ingenieurs geschaffen. Mikro- und Optoelektronik sind heute ein fundamentaler und unabdingbarer Teil der Ausbildung von Elektroingenieuren, aber auch von Physikern und Informatikern. Polglich müssen die beiden ETHe für eine entsprechende Ausbildung und Forschung sorgen.

Ausbildung und Forschung auf dem Gebiet der Mikroelektronik erfordern Laboratorien von sehr hoher Qualität. Zur Verwirklichung des Schwerpunktes für Mikrotechnik an der EFFL hätte ein grosses nationales Forschungslahoratorium für Mikroelektronik mit teuren und schweren Ausrüstungen (z.B. Lithographie, Ionenimplantation) in Lausanne errichtet werden müssen. Da jedoch in Neuenburg eine gewisse personelle und materielle Infrastruktur an der Universität und am GEH sowie LSRH für diese Forschungsgebiete bereitstand, wurden Verhandlungen über ein gemeinsames Vorgehen aufgenommen. Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und der gegebenen Umstände drängte sich eine engere Zusammenarbeit zwischen der Universität Neuenburg und der EPFL einerseits, sowie zwischen diesen und der Privatindustrie, das heisst dem GEH und dem LSRH, andererseits auf. Die Verhandlungen führten schliesslich 1978 zur Gründung der Schweizerischen Stiftung für Feintechnische Forschung (Fondation Suisse pour la Recherche en Microtechnique, FSRM).

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Die Schweizerische Stiftung für Feintechnische Forschung

Die FSRM wurde von der Eidgenossenschaft, von Kantonen und Städten und juristischen Personen des Privatrechts, insbesondere GEH und LSRH gegründet. Die Beiträge der Stifter von je 10'ODO Franken ergaben ein Stiftungskapital von 550'000 Franken. Die FSRM hat zum Zweck, im Bereich der Feintechnik, insbesondere der Mikroelektronik; -

neue Technologien zu erforschen;

-

bereits bekannte und entwickelte Technologien zu verbreiten und, wenn nötig, anzupassen;

-

die industrielle Verwendung der Feintechnik zu fördern.

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Hach Artikel 5 der Statuten hat die Stiftung vor allem folgende Aufgaben: a. ein allgemeines Forschungsprogramm durchzuführen, das den Bedürfnissen dea Landes und dem wissenschaftlichen Portachritt dient;

"b. ein Informationszentrum zu schaffen; c. bei der Ausbildung des erforderlichen wiaaenschaftlichen und technischen Peraonala mitzuwirken; d. die wirkungavolle Zusammenarbeit der Forscher in den Tätigkeitsbereichen der Stiftung zu fördern; e. die zur Verwirklichung der Stiftungszwecke notwendigen finanziellen Mittel (zur Deckung von Investitionen und Betriebskosten) zu beschaffen und sie rationell einzusetzen.

Die Tätigkeiten der FSRM gehen über den Bereich der Uhrenindustrie hinaus- und betreffen, die Mikrotechnik im weitesten Sinne. Sie beziehen sich auf die gesamte Industrie, soweit diese die Mikrotechnik anwendet, insbesondere die Apparateund die Maschinenindustrie. Die FSRM zentralisiert in Neuenbürg die mikrotechnische Forschung, die schwerer und teurer Laboreinrichtungen bedarf.

Mit seiner Beteiligung an der FSRM hat der Bund seinen Willen bekundet, in Neuenburg die Schaffung eines Forschungszentrum von nationaler Bedeutung zu unterstützen. Er hat darauf verzichtet, schwere Ausrüstungen für die Mikroelektronik, die sich in Neuenburg befanden oder für jene Laboratorien vorgesehen waren, für seine eigene technische Hochschule in Lausanne anzuschaffen, da die Einrichtungen der Stiftung auch für Forschungsarbeiten der bundeseigenen Hochschulen und für die Doktorandenausbildung zur Verfügung standen. Gleichzeitig mit dem Entscheid des Bundesrates, sich an der Gründung der FSRM zu beteiligen, beschloss der Schulrat, die Ausbildung für Mikrotechnikingenieure "bis zum Diplom in Lausanne (EPFL) zu konzentrieren. Es besteht die Möglichkeit, die erste Stufe (erstes und zweites Jahr) des Studiums an der ETH Zürich oder an der Universität Neuenburg zu absolvieren. Die Beteiligung der Professoren der Universität Neuenburg an der zweiten Stufe in Lausanne erleichtert die Verbindung mit dem Doktorat, das unter der Aegide einer der drei Hochschulen steht und, soweit ihre Forschung die schweren Ausrüstungen in Neuenburg benötigt, in den Laboratorien der FSRM vorbereitet werden kann. Um eine optimale Effizienz auf diesem Gebiet zu erhalten, müssen starke und

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gut ausgerüstete Forschergruppen der Hochschulen über eine genügende personelle und apparative Infrastruktur verfügen.

Dies bedingt, dass insbesondere die ETHs das erforderliche Potential mit Mitteln aus ihrem Budget aufbauen können.

Die von der Uhrenindustrie gegründeten Laboratorien der GEH und LSRH haben ihr Tätigkeitsfeld im Verlaufe der Jahre durch zahlreiche Aufträge ausserhalb der Uhrenindustrie wesentlich erweitert. Beim LSRH z.B. basieren heute nur noch 10 Prozent des Geschaftsumsatzes auf Aufträgen der Uhrenindustrie.

Ein "bedeutender Teil der Einnahmen von FSRM, GEH und LSRH, nämlich mehr als 23 Millionen Pranken in den Jahren 1978 "bis 1982 resultierten aus Beiträgen des Bundes via ETE, Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und Kommission zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (KWF) (vgl. Tab. 1).

Zudem richtete der Bund in derselben Zeitspanne aufgrund des Hochschulförderungsgesetzes 5,1 Millionen Franken an den Umbau der Liegenschaften der FSRM aus. Der Kanton Neuenburg seinerseits unterstützte den Ankauf der Gebäude und Einrichtungen mit rund 2,8 Millionen Pranken. Er beabsichtigt zudem, der FSRM weitere 2,2 Millionen Franken für Anschaffungen von Apparaten und andere Aufwendungen zu bezahlen, wobei er für einen Teil davon Anspruch auf einen Bundesbeitrag nach Hochschulfb'rderungsgesetz hätte.

Bundeabeiträge 1978-1982

(in Fr. 1'000 Franken)

Tabelle 1

1978

1979

1980

1981

1982

Total

ETHL») SNF KWF 1 '483

1 '625 158 3 '642

2' 190

1 '645

1'450 158

5'600

4 '628

2'663

6'910 316 16'016

1'483

5'425

5 '790

4'271

23'242

Total

*)Diese Zahlen umfassen Beiträge an die FSRM für Gebäude, Apparate und Betrieb, die über das Budget der ETHL an die FSRM bezahlt wurden.

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Die Reorganisation der Forschungslaboratorien in Heuenburg

Die gegenwärtige Situation der Laboratorien in Neuenburg ist durch Unzulänglichkeiten finanzieller und struktureller Art gekennzeichnet. Die FSRM hat mit einem beträchtlichen Aufwand zwei G-ebäude in Neuenburg umgebaut und mit .den modernsten Einrichtungen ausgestattet. Die Anschaffung der neuesten Einrichtungen war teurer als erwartet und überstieg die finanziellen Kapazitäten der Stiftung. Da sich die Industrie nicht stärker engagierte, belastete die Stiftung ihre Gebäude mit einer Hypothekarschuld von 9 Millionen Franken, um dies zu bezahlen. Zudem führten die Anschaffung weiterer Einrichtungen 'und der Betrieb zu einem Defizit, das bis zum heutigen Zeitpunkt rund 3,5 Millionen Franken erreicht.

Aus privaten Mitteln können weder die aufgelaufenen Betriebsdefizite abgebaut, noch die für die ETH notwendigen Anlagen und Einrichtungen betrieben und erneuert werden. Die drei Laboratorien vermögen deshalb ihre Aktivitäten nicht ohne eine verstärkte Bundeshilfe weiterzuführen.

Die drei Institutionen kamen deshalb mit ihren Partnern zum Schluss, dass es. zur Schaffung eines echten und effizienten Forschungszentrums in Neuenburg unabdingbar sei, dass die Laboratorien der FSRM, GEH und LSRH zusammengelegt werden und die öffentliche Hand eine verstärkte Hilfe leistet. Die Mikrotechnik im weitesten Sinne wird.in Zukunft eine bedeutend wichtigere Rolle als heute spielen. Dies bedingt ein Ueberdenken der Ausbildungs- und Forschungskonzepte. Um eine intensive und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen .den Hochschulen und der Industrie zu gewährleisten und die Effizienz der Forschungslaboratorien in Neuenburg durch eine Zusammenlegung der verfügbaren Mittel zu steigern, wurde am 13. Oktober 1983 die CSEM SA ("Centre suisse d 1 électronique et de microtechnique SA - Recherche et Développement"), gegründet, in.deren Rahmen zu einem späteren Zeitpunkt die Forschungseinrichtungen und das Personal von FSRM, GEH und LSRH vereinigt werden sollen. Das Institut für Mikrotechnik der Universität Neuenburg ist davon nicht betroffen.. Die CSEM SA hat vorläufig ein Aktienkapital von 80"000 Franken. Aktionäre sind die drei Institutionen FSRM, GEH und LSRH sowie .die Industriefirmen Hasler und Landis & Gyr. In einem nächsten Schritt ist beabsichtigt, weitere Aktionäre zu gewinnen, zudem aollen FSRM, GEH und LSRH ihre Apparate und andere Ausrüstungen als Sacheinlage gegen Abgabe von Aktien der CSEM SA"übertragen.

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Ziel der CSEM SA ist der Betrieb eines modernen Forschungszentrums, die Förderung der industriellen Entwicklung sowie der wissenschaftlich und wirtschaftlich motivierten Forschung und die Zusammenarbeit mit den Hochschulen auf dem Gebiet der Mikrotechnik, d.h. der Mikro- und Optoelektronik, der Mikromechanik und der Entwicklung von "Interfaces". Mit dem neuen Zentrum sollen Doppelspurigkeiten vermieden und gleichzeitig diejenige kritische Masse erreicht werden, die es erlaubt, in Forschung unä Entwicklung auf den obgenannten Gebieten Schwergewichte und Prioritäten zu setzen. Die CSEM SA soll mit Unterstützung der FSRM in Neuenburg diejenigen Forschungstätigkeiten entwickeln, für welche kostspielige Einrichtungen erforderlich sind. In ihren Laboratorien soll Doktoranden die Möglichkeit zur Durchführung ihrer Promotionaarbeiten gegeben werden. Parallel, dazu wird das neue Zentrum Entwicklungsaufträge der Schweizer Industrie übernehmen. Dadurch kann eine fruchtbare Symbiose zwischen Hochschul- und Industrie-Forschung erzielt werden. Für beide Aufgaben sind zum Teil dieselben teuren Einrichtungen und dasselbe qualifizierte Fachpersonal erforderlich. Es wird erwartet, dass zur Finanzierung der CSEM SA mittelfristig die öffentliche Hand und die private Industrie etwa zu gleichen Teilen beitragen werden.

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Die Notwendigkeit eines Engagements des Bundes

Die Laboratorien der FSRM, des GEH und des LSRH können nur zusammengelegt werden, wenn sich der Bund finanziell daran beteiligt. Nur mit Unterstützung des Bundes kann dieses Forschungszentrum aufrechterhalten und entwickelt werden und nur so ist es in der Lage, mit denselben Einrichtungen und demselben Bestand von Spezialisten zwei verschiedene Aufgaben, die in engem Zusammenhang stehen, zu erfüllen: - Beitragen zur Ausbildung von Spezialisten und Durchführen von Grundlagenforschungen, um auf einem hohen Kenntnisund Ausbildungsstand zu bleiben; - der Industrie das Know-how und die neuesten Kenntnisse auf diesem Gebiet zur Verfügung stellen.

Ohne finanzielle Unterstützung durch den Bund müssten diese drei Laboratorien einzeln redimensioniert werden. Sie wären somit, da sie ihre Tätigkeit auf das kurzfristige Ueberleben auszurichten hätten, nicht mehr in der Lage, Aufgaben im Interesse der Lehre und Forschung der Hochschulen zu erfüllen.

Würde der Bund neben den projektbezogenen Zahlungen keine Grundbeiträge an die CSEM SA leisten, so entstünde in Neuen-

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"bürg ein rein privatwirtschaftlich orientiertes Forschungszentrum. Der Kontakt zwischen wissenschaftlich und wirtschaftlich motivierter, Forschung ginge weitgehend verloren.

Die Forschung würde nur auf kurzfristige Erträge ausgerichtet. Einige Forschungsgebiete (z.B. hochkomplexe Schaltungen) würden vom Zentrum wahrscheinlich - weil sie nicht sofort zu wirtschaftlich selbsttragenden Tätigkeiten führen fallengelassen, obwohl sie für die Zukunft unserer Wirtschaft von grosser Bedeutung sind.

Die vorgeschlagene Hilfe bildet ein wesentliches Element der Anstrengungen des Bundes zur Erfüllung seiner Verpflichtungen bei der Sicherstellung des qualifizierten Nachwuchses und der Forschung auf dem Gebiete der Mikrotechnik. Da die Mikrotechnik auch auf lange Sicht eine Schlüsseltechnologie für die meisten Industrieprodukte "bleiben wird, geht es dabei darum, einen bedeutsamen Teil einer Daueraufgabe des Bundes wahrzunehmen. Die CSEM SA kann jedoch keineswegs alle von den Hochschulen zu erbringenden Leistungen für Ausbildung und Forschung auf den erwähnten Gebieten (Mikrotechnik-Ingenieure an der EPFL, angewandte Physiker an den ETHs und der Universität Neuenburg, Elektroniker und Informatiker an den ETHs) Übernehmen. Um nur ein Beispiel zu erwähnen: zur Ausbildung jedes Elektroingenieurs und jedes angewandten Physikers gehört der Entwurf und die Herstellung einer integrierten Sohaltung oder eines ähnlichen Elementes. Die ETHs benötigen an ihrem Standort weiterhin Laboratorien, in denen einige hundert Studenten ihre Semester- und Diplomarbeiten auf diesem Gebiet durchführen können. In Neuenburg sollen nur jene Einrichtungen konzentriert werden, die es für anspruchsvolle Forschungsarbeiten braucht. Ausserdem wird der Bund jedoch weiterhin Lehre und Forschung auf diesem Gebiet an seinen eigenen Hochschulen pflegen und ausbauen müssen.

Abgesehen davon, dass die Förderung der Grundlagenforschung auf diesem Gebiet eine Aufgabe ist, die dem Bund zufällt, erweist sich eine solche Unterstützung angesichts der massiven Hilfe, die diese Forschung durch die Behörden in ändern Staaten erfährt, als um so wichtiger und dringender. Nur wenn sich der Bund raschentschlossen und massiv engagiert, kann verhindert werden, dass der Konkurrenzvorsprung des Auslandes ein bedrohliches Ausmass annimmt.

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2

Besonderer Teil

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Beteiligung des Bundes am Forschungszentrum in ITeuentmrg

Das Eigentum der Gebäude der FSRM soll der Bund erwerben; deren Betrieb und Unterhalt wird jedoch Sache der CSEM SA aein. Die näheren Bedingungen werden in einem Vertrag zwischen dem Eidgenössischen Departement des Innern und der CSEM SA und der PSRM geregelt. Dieser Vertrag enthält auch die Auflagen für die Verwendung des Grundbeitrages des Bundes an die CSEM SA und des Beitrages an die PSRM.

Dieae Lösung bietet verschiedene Vorteile. So kann sichergestellt werden, dass dieser Forschungsschwerpunkt die Bedürfnisse der ETHs berücksichtigt. Die Anlagen stehen aber auch zu günstigen Bedingungen kantonalen Hochschulen und zur Durchführung von privaten und Öffentlichen Forschungs- und Entwicklungsaufträgen zur Verfügung. Eine andere gleichwertige Forschungsstätte ist in der Schweiz nicht vorhanden.

Die Institutionen der Forschungsförderung des Bundes, das heisst vor allem der Nationalfonds wie auch das Eidgenössische Volkswirtachaftsdepartement, sind nach wie vor "bereit, förderungswürdige Einzelprojekte der CSEM SA entsprechend ihrer Praxia zu unterstützen. Die Leistung von nicht projektgebundenen, institutionellen Finanzierungsbeiträgen kann aber weder vom Nationalfonds noch vom EVD erwartet werden.

Die Finanzierung vorwiegend im Interesse der ETHs betriebener Anlagen sollte über das Budget der ETHs erfolgen. Dieses musa zu diesem Zweck allerdings um den entsprechenden Betrag aufgestockt werden.

Die vorgeschlagene Löaung hat den Vorteil, dass die FSRM saniert und ihre Verantwortung klar definiert wird. Sie erlaubt der CSEM SA, ein kohärentes und dynamisches Arbeitsprogramm in die Wege zu leiten und gleichzeitig den Hochschulen, vor allem den ETHs, ein für die Bedürfnisse der Lehre und Forschung erforderliches modernes Forschungspotential aufrechtzuerhalten.

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Andere Möglichkeiten der Beteiligung des Bundea

Die Finanzierung des für Hochschulzwecke notwendigen Teils der Anlagen aufgrund des Hochschulförderungsgesetzes stellt nach unserer Meinung keine praktikable Lösung dar. Es lässt

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aich kein kantonaler Hochschulträger finden, der zu einem entsprechenden eigenen finanziellen Engagement bereit wäre.

Zwar gehören zur Ausbildung insbesondere von Physikern und Informatikern auch Kenntnisse der Mikro- und wohl "bald auch der Optoelektronik. Die entsprechende Forschung ist aber weitgehend auf die ETHs konzentriert. Dies liegt daran, dass diese Gebiete, soweit es um die praxisnäheren Problemstellungen geht, den Ingenieurwissensohaften zuzurechnen sind.

Es wurde auch eine vollständige Uebernahme der fusionierten Neuenburger Laboratorien durch die ETHs erwogen. Diese Lösung entspricht nicht dem Ziel, ein Zentrum aufzubauen, das sowohl den Hochschulen wie auch der Industrie dient und an dem sich neben der öffentlichen Hand auch die Privatindustrie beteiligt. Angesichts der finanziellen Situation des Bundes käme nur eine teilweise tlebernahme der Laboratorien in Frage, die sich auf denjenigen Teil des Personals und der Einrichtungen beschränkte, die für.die ETHs von besonderem Interesse wären. Damit ginge aber ein bedeutender Teil des heute vorhandenen wissenschaftlichen Potentiales verloren.

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.

Die konkrete form des Bundesengagements

Grundsätzlich sind zwei Problembereiche auseinanderzuhalten: Primär ist eine Sanierung der FSRM notwendig. S.odann ist langfristig eine ausreichende Infrastruktur für eine effiziente Ausbildungs-, Forschungs- und. Entwicklungstätigkeit auf dem Gebiet der Mikrotechnik in Neuenburg sicherzustellen.

·.

.

Für die langfristige Aufrechterhaltung einer effizienten Infrastruktur und die Sicherung von Basisaktivitäten, die eine erfolgreiche Ausbildungs-, Forschungs- und Entwicklungstä-

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tigkeit auf dem Gebiet der Mikrotechnik insbesondere der Mikroelektronik in Neuenburg ermöglichen, benötigen FSRM und CSEM SA institutionelle Finanzbeiträge des Bundes.

Wir schlagen vor, der FSRM von 1984 "bis 1987 jährlich rund 2 Millionen Pranken zu gewähren. Die kantonalen Beiträge an die Stiftung wären im selben Zeitraum von anfänglich 500'000 Pranken auf 2 Millionen Pranken jährlich zu erhöhen, um ein angemessenes Verhältnis zwischen den Leistungen des Bundes und der interessierten Kantone herbeizuführen. Es ist Aufgabe des Eidgenössischen Departements des Innern, zusammen mit dem Kanton Neuenburg dafür zu sorgen, dass sich die ändern Kantone stärker an der Stiftung beteiligen. Es kann die Bundeshilfe an die Stiftung von entsprechenden Leistungen der Kantone abhängig machen. Diese Mittel sollten es der FSRM erlauben, ihre Aufgaben zu erfüllen. Sie soll zur Koordination der Porschungstätigkeit im Bereich der Mikrotechnik zwischen den ETHs, den kantonalen. Hochschulen und der CSEM SA beitragen, Weiterbildungskurse organisieren und die Schweiz im ^Rahmen internationaler Forschungsprogramme auf diesem Gebiet vertreten. Ihre finanziellen Mittel hätte sie zum grösseren Teil für die Finanzierung von Forschungsarbeiten der Hochschulen in den Anlagen oder in Zusammenarbeit mit der CSEM SA zu verwenden.

Die CSEM SA "erhält jährlich rund 8 Millionen Franken als Grundbeitrag. Die übrige Finanzierung erfolgt über Beiträge und Mandate der Industrie sowie projektgebundene Beiträge via Nationalfonds und KWF. Der Grundbeitrag ist an die Auflage gebunden, dass sich die CSEM SA verpflichtet, die auf dem Gebiet der Mikrotechnik vorgesehenen und in den Subventionsbedingungen festgelegten Aktivitäten mit einem Basisstand von Fachleuten (etwa 60 Personen) bis 1987 weiterzuführen. Damit soll sichergestellt werden, dass das für den Betrieb der teuren Apparate und Einrichtungen notwendige Fachpersonal vorhanden ist. Allein dafür benötigt die CSEM SA gemäss Budget jährlich rund 9 Millionen Franken, so dass Sie gezwungen sein wird, sich um private Finanzmittel zu bemühen. Langfristig ist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen öffentlichen und privaten Mitteln anzustreben.

Der Wissenschaftliche Beirat ist ein gemeinsames konsultatives Fachorgan von Bund, FSRM und CSEM SA. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Grundlagen einer Forschungspolitik auf dem Gebiete der Mikrotechnik zu erarbeiten und für eine Koordination mit den Hochschulen zu sorgen.

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Des weitern wirkt er mit bei der Erstellung der Programme der CSEM SA und der FSRM und begutachtet insbesondere die mit den Grundbeiträgen im Interesse der Hochschulen durchzuführenden Tätigkeitsprogramme der CSEM SA und der FSRM.

Von den zehn Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirates werden neun zu je einem Drittel von Bund, CSEM SA und FSRM bestimmt. Um eine ausreichende Berücksichtigung der Interesaen des Bundes sicherzustellen, wird zudem der Präsident des Beirates vom Eidgenössischen Departement des Innern ernannt.

Das Engagement des Bundes ist vorläufig auf vier Jahre befristet. Die Förderung der Grundlagenforschung im Bereiche der Mikrotechnik in der Schweiz ist allerdings eine langfristige Aufgabe des Bundes, weshalb er sich auch in vier Jahren nicht seiner Verantwortung wird entziehen können. Das vorliegende Konzept muss deshalb bis 19.87 überprüft und allenfalls aufgrund der Erfahrungen modifiziert werden. Bereits jetzt steht aber fest, dass ein Forschungszentrum dieser Art nur mit einem verstärkten Engagement der Industrie realisiert werden kann.

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Der zukünftige Arbeitsbereich der CSEM

Die im Vordergrund stehenden Tätigkeitsgebiete in Forschung und Entwicklung können schematisch wie folgt aus heutiger Sicht beschrieben werden: -

Mikroelektronik-Technologie (CMOS-Technologie auf Siliziumbasis), grundlegend für das Verständnis der Schaltungen und Systeme und für die Beherrschung ihrer Anwendungen;

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Entwicklung und Untersuchung von Bauelementen (Transistoren usw.);

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Entwicklung von Schaltkreisen oder Funktionsblöcken (Beispiele: Speicherzellen, Verstärker); Entwurf von integrierten Systemen (komplexe integrierte Schaltungen wie Prozessoren, Speicher); Rechner-unterstützter Entwurf (Modellierung, Simulation, Entwurf), notwendige Informatikhilfsmittel für die obenerwähnten Tätigkeiten; Optoelektronik (Entwicklung von Bauelementen - Schalter 2.B. -, Untersuchung von Materialien);

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Periphere Bauelemente (Sensoren, Anzeigesysteme usw.).

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Da zwischen Mikroelektronik und Feinmechanik enge Zusammenhänge bestehen, wird sich die'CSEM auch mit Tätigkeiten auf dem Gebiet der Feinme.chanik zu befassen haben.

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Der Ankauf der Liegenschaften der Schweizerischen Stiftung für Peintechnische Forschung

Die Liegenschaften Grundbuch Neuenburg Nr. 8496 und Nr.

10951 der Schweizerischen Stiftung für Peintechnische Forschung befinden sich in einem ausgezeichneten Zustand und besassen am 1. Februar 1984 einen Verkehrswert von rund 21 Millionen Pranken. Nachdem über das Hochschulförderungsgesetz und das Budget der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne diese Liegenschaften bereits mit 8,1 Millionen Pranken subventioniert wurden, ist es deshalb angemessen, wenn der Bund diese Liegenschaften für einen Restbetrag von 12,5 Millionen Pranken erwirbt.

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Bemerkungen zum Bundeabeachluae

Der in Artikel 1 Absatz 1 vorgesehene Verpflichtungskredit ist einerseits vorgesehen für die jährlich im Voranschlag aufzunehmenden Grundbeiträge von rund 8 Millionen Pranken für die CSEM SA und anderseits rund 2 Millionen Pranken für die FSRM in den Jahren 1984-1987. Die genaue Aufteilung entscheidet jährlich das Eidgenössische Departement des Innern nach Konsultation des wissenschaftlichen Beirates und im Einvernehmen mit den ändern interessierten Bundesstellen.

Pur den Ankauf der Liegenschaften der PSRM (GB Nr. 8496 und 1095 1) in Neuenburg sind zusätzlich in Absatz 2 12,5 Millionen Pranken vorgesehen.

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Finanzielle und personelle Auswirkungen

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Finanzielle Auswirkungen

Die Vorlage hat für die Jahre 1984 bis 1987 Ausgaben des Bundes von insgesamt 54,7 Millionen Pranken zur Folge. Pur 12,5 Millionen Pranken erwirbt der Bund die Gebäude, der Stiftung. 42,2 Millionen Franken sind vorgesehen für die Grundbeiträge in den Jahren 1984 bis 1987. Die Beitrags der Jahre 1984 und 1985 unterliegen der linearen Beitragskürzung von 10 Prozent. Die Beiträge "für die Jahre 1985 bis 1987

44 Bundesblali. 136. Jahrgang. Bd. I

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sind im Legislaturfinanzplan des Bundes -vom 18* Januar 1984 für die Jahre 1985 bis 1987 (BEI 1984 I 266) enthalten. Für.

den Grundbeitrag 1984 und den Ankauf der Gebäude der Stiftung werden wir Ihnen einen Nachtragskredit von 23,6 Millionen Pranken unterbreiten.

Es kann jetzt schon damit gerechnet werden, dass auch nach 1987 der Bund die Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Mikrotechnik unterstützen mues. In welcher Form dies -zu geschehen hat, kann allerdings jetzt noch nicht abgeschätzt werden.

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Personelle Auswirkungen

Die vorgeschlagenen Massnahmen haben keine direkten Auswir kungen auf den Personalbestand des Bundes. Sie werden zwar zu einer zusätzlichen Belastung einerseits der Eidgenössischen Technischen Hochschulen, anderseits der über die Verwendung der Bundesmittel wachenden Verwaltungsstellen des Bundes führen; da keine zusätzlichen Stellen zur Verfügung stehen, muss diese Aufgabe innerhalb des bestehenden Personalbestandes "aufgefangen werden.

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.

Auswirkungen auf den Tollzug durch die Kantone

Diese Vorlage, hat ausser auf finanziellem Gebiet keine Auswirkungen auf die Kantone. Der Bund erwartet, dass sich die Kantone im Neuenburger Forschungszentrum finanziell zusätzlich engagieren. Das Eidgenössische Departement des Innern hat zusammen mit dem Kanton Neuenburg dafür zu sorgen, dass die Kantone stärker an die FSRM beitragen.

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Richtlinien der Regierungapolitik

Wir haben die Vorlage unter Ziffer 81 der Richtlinien der Regierungspolitik in der Legislaturperiode 1983 bis 1987 angekündigt (BB1 1984 I 157)

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Verfaaaungsmässigkeit

Die Förderungsmassnahmen dea Bundes stützen sich auf Artikel 27 der Bundesverfassung, welcher die Grundlage bildet für Artikel 16 Absatz 3 Buchstabe c des Forschungsgesetzee, nach

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welchem-· der Bund Beiträge an Forschungsatätten ausrichten kann. Die Zuständigkeit der Bundesversammlung ergibt sich aus Artikel 85 Ziffer 10 der Bundesverfassung in Verbindung mit den Artikeln 23 ff-, des Finanzhaushaltgeeetzes.

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Bundesbeschluss über die Beteiligung des Bundes an einem schweizerischen Forschungszentrum für Mikrotechnik in Neuenburg

Entwurf

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, gestützt auf Artikel 85 Ziffer 10 der Bundesverfassung sowie auf Artikel 16 des Forschungsgesetzes vom 7. Oktober 1983'), nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 29. Februar 19842\ beschliesst:

Art. l 1 Für die Beteiligung des Bundes am Forschungszentrum für Mikrotechnik in Neuenburg in den Jahren 1984 bis 1987 wird ein Verpflichtungskredit von 42,2 Millionen Franken gewährt.

1 Für den Erwerb der Liegenschaften der Schweizerischen Stiftung für Feintechnische Forschung GB Neuenburg Nr. 8496 und Nr. 10951 wird ein Kredit von 12,5 Millionen Franken bewilligt.

Art. 2 Dieser Beschluss ist nicht allgemeinverbindlich; er untersteht nicht dem Referendum.

9818

'> AS 1984 28 » BB1 19841 1106

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Botschaft über die Beteiligung des Bundes an einem schweizerischen Forschungszentrum für Mikrotechnik in Neuenburg vom 29. Februar 1984

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Jahr

1984

Année Anno Band

1

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15

Cahier Numero Geschäftsnummer

84.010

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17.04.1984

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1106-1128

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