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Schweizerische Bundesversammlung.

Die gesetzgebenden Räte der Eidgenossenschaft sind am 5. Juni 1906 zur ordentlichen Sommersession zusammengetreten.

Im N a t i o n a l r a t eröffnete Herr Präsident Hi r t er die Session mit folgenden Worten : Hochgeehrte Herren Nationalräte !

Bei Beginn unserer letzten Tagung tat ich Erwähnung des Grubenunglücks in Courrières, und wir glaubten wohl alle, dass damit das Jahr 1906 der Gewalt der Elemente seinen Tribut gezahlt habe. Seither ist die schöne Gegend des Vesuvs von einem Ausbruche desselben heimgesucht worden, der schwere Verluste an Menschenleben und den Ruin ganzer Ortschaften zur Folge hatte. San Francisco, die so rasch und so gewaltig entwickelte Hauptstadt des .Westens der Vereinigten Staaten ist infolge eines Erdbebens von erschreckender Heftigkeit zum grossen Teile in Trümmer gesunken. Dasselbe hat manches Leben gekostet und vielfach die Früchte jahrelanger Arbeit zerstört. Viele Schweizer, die dort eine zweite Heimat gefunden, tragen schwer an den Folgen dieser Katastrophe. Vor wenig Tagen hat in die Feste, die das spanische Volk am Ehrentage seines Königs beging, ein greller Misston hineingeklungen, und wenn auch die ruchlose Tat ihr eigentliches Ziel glücklicherweise verfehlte, so hat sie doch manches Opfer gefordert. Ich spreche wohl in Ihrem Einverständnis, wenn ich im Namen der schweizerischen Volksvertretung, Regierung und Volk der uns befreundeten Nationen Italiens, der Vereinigten Staaten von Nordamerika und von Spanien unserer aufrichtigsten Teilnahme an dem Unglück und der Trauer, die bei ihnen Einkehr gehalten, versichere.

Auch in unsern Reihen hat der Tod Lücken gerissen. Am 29. April verschied in Preverenges auf seinem Landgute, dem er seine Tätigkeit widmete, Oberst Delarageaz. Geboren im Jahre 1837 erwarb er im Jahre 1859 das Diplom als Ingenieur und stellte sich zuerst in den Dienst der schweizerischen Westbahn, dann der Chemins de fer du Midi, wurde hierauf Oberingenieur der Ligne de Jougne, Ligne de la Broie, Ingenieur der Juragewässerkorrektion und bekleidete dann noch die Stelle eines Ingenieurs der Jurabahn. Im Jahre 1890 übernahm er die Bewirtschaftung seiner Güter in Preverenges. Nachdem er bereits eine Reihe von Jahren dem waadtländischen Kantonsrat ange-

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hört hatte, wurde er 1893, und seither ohne Unterbrechung, in den Nationalrat abgeordnet. Seine militärische Laufbahn führte ihn bis zum Range eines Obersten der Artillerie. Dass ein mit so vielen Erfahrungen und überdies mit einem klaren Blicke und mit einem warmen Herzen für seine Heimat ausgerüsteter Mann berufen war, seinem Lande grosse Dienste zu leisten, bedarf keiner weiteren Ausführung. Wir haben uns jederzeit darüber gefreut, mit welcher Aufmerksamkeit und Hingabe Oberst Delarageaz der Arbeit des Rates gefolgt ist, und allen ist er durch sein freundliches, offenes Wesen lieb geworden, namentlich möchte ich noch daran erinnern, mit welcher Freundlichkeit er jüngeren Kollegen entgegenkam. Seine Arbeitstreue und seine Charaktereigenschaften sichern ihm bei uns ein gutes und ehrenvolles Andenken.

Kaum hatten die festlichen Weisen der Simplonfeier in den Tälern des Wallis verklungen, so hat dasselbe seinen bewährten Vertreter im Ständerate, Herrn de Chastonay, verloren, der noch mit una an der erhebenden Feier teilnahm.

Herr de Chastonay nahm seit Jahren im Kantonsrate seines Heimatkantones, den er auch mehrmals präsidierte, eine hervorragende Stelle ein. Während mehreren Jahren gehörte er dem Staatsrat an und leitete das Landwirtschaftsdcpartement ; seine Amtsdauer hinterlässt in der Entwicklung der Landwirtschaft seines Kantons unauslöschliche Spuren seiner Tatkraft und seiner sachkundigen Arbeit. Als Mitglied des Ständerates lernten auch wir ihn schätzen als einen zuverlässigen, wohlerfahrenen Mann ; er gehörte während mehreren Jahren als Suppléant und dann als Mitglied der gemeinsamen Finanzdelegation an, und wer mit ihm dort zusammen arbeitete, zollte der ernsten Auffassung, mit der er seines Amtes waltete, volle Anerkennung. Auch ihm werden wir ein ehrenvolles Andenken bewahren. Meine Herren !

Ich bitte Sie, das Andenken der Herren Nationalrat Delaregeaz und Ständerat de Chastonay zu ehren, indem Sie sich von Ihren Sitzen erheben.

Meine Herren ! Ich halte es für meine Pflicht, hier der herrlichen Tage zu gedenken, die den Teilnehmern an der Feier der Eröffnung des Simplöns beschieden waren. Ich spreche in Ihrem Namen, wenn ich hier dem warm empfundenen Dank Ausdruck verleihe für den prächtigen freundeidgenössischen Empfang, den wir bei Volk und Regierung der Waadt, Genfs und des Wallis gefunden haben.

Nicht weniger herzlichen Dank entbieten wir von dieser Stelle aus der Regierung und dem Volke Italiens für den gross-

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artigen und doch herzlichen Empfang, den sie uns bereitet, und wir danken ebenso sehr den Schweizerkolonien, die uns bewiesen, mit welcher Anhänglichkeit und Treue sie ihrem schweizerischen Vaterlande zugetan bleiben. Mögen die Freundschaftsbeziehungen, die in diesen Tagen von Behörden zu Behörden, von Bürger zu Bürger, und von Land zu Land enger geknüpft wurden, unzertrennbare sein, und möge das grosse Werk, dessen Vollendung die Feier gegolten, die Erwartungen erfüllen, die an dasselbe geknüpft werden.

Auch im S t ä n d e r a t gedachte Herr Präsident Dr. Amtnann des grossen Werkes des Simplondurchstiches und dankte für die grossartige Gastfreundschaft bei Anlass der Eröffnungsfeierlichkeiten.

Den beiden verstorbenen Kollegen Nationalrat Delarageaz und Ständerat de Chastonay werden warme Erinnerungsworte gewidmet. Zu Ehren der Verstorbenen erheben sich die Mitglieder von den Sitzen.

Im Ständerat sind als neue Mitglieder erschienen: Herr Dr. Gottfried Heer, von Glarus, in Hätzingen.

Herr Joseph R i b o r d y , von Sembrancher, in Sitten.

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Ans den Verhandlungen des Bundesrates.

Wahlen.

(Vom 5. Juni 1906.)

Post- und Eisenbahndepartement.

Telegraphenverwaltung.

Telegraphist in St. Gallen: Alfred Pfändler, von Flawil, Telegraphist in Bern.

Karl Schoop, von Romanshorn, Telegraphenaspirant in Zürich.

Telegraphist in Wettingen (Aargau) : Margaretha Schweri, von Mellstorf (Aargau), Posthalterin in Wettingen.

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