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Botschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung, betreffend den Ankauf eines Bauplatzes für ein neues Post-, Telegraphen- und Telephongebäude in Zug.

(Vom 28. Mai 1897.)

Tit.

Das Postbureau Zug befindet sieh seit dem Jahr 1882 im Erdgeschoß des Landtwingschen Fideikommißgebäudes, welch letzteres im Centrum der Stadt Zug an einem großen öffentlichen Platze, gegenüber dem Regierungsgebäude, gelegen ist. Der bezügliche Mietvertrag datiert vom 25. Februar 1882 und sieht eine feste Vertragsdauer von 20 Jahren vor. Der Mietzins beläuft sich auf Fr. 2000 per Jahr.

Das Telegraphen- und Telephonbureau Zug sodann befindet sich seit dem Jahr 1894 in einem an der Bahnhofstraße gelegenen Hause. Die Telegraphenverwaltung hat für die Lokale einen Mietzins von Fr.- 1000 per Jahr zu bezahlen. Die feste Vertragsdauer ist auf 10 Jahre bestimmt worden.

Die Lage des Postbureaus Zug ist als eine sehr günstige zu bezeichnen. Namentlich mit Rücksicht auf diesen Umstand wurde, als die Postverwaltung im Laufe der Zeit die Überzeugung erlangt hatte, daß die Lokale den Anforderungen des Verkehrs nicht mehr genügen, die Frage geprüft, ob durch Erweiterung derselben Abhülfe geschaffen werden könne. Es stellte sich dabei heraus, daß, auch wenn eine etwelche Erweiterung der mehrerwähnten Lokale

534 vielleicht möglich wäre, diese letztern auch nach Durchführung der Erweiterungsarbeiten bei der verkehrlichen Entwicklung des Platzes Zug jedenfalls nicht mehr für eine lange Zeitdauer genügen könnten.

Die Durchführung einer Umbaute der Lokale würde übrigens ziemlich teuer zu stehen kommen. Von diesen Erwägungen ausgehend, ließ die Postverwaltung das Umbauprojekt fallen. Inzwischen hatten die Behörden der Stadt und des Kantons Zug und die interessierte Bevölkerung zu der Frage der Beschaffung neuer Postlokale Stellung genommen, und es langten bei der Postverwaltung auch Offerten für Abtretung von Gebäuden, beziehungsweise Bauplätzen, eia.

Die Eingaben der Behörden und der Bevölkerung von Zug gipfelten in dem Begehren, es möchten neue Post-, Telegraphen- und Tclephonlokale in einem vom Bunde zu erstellenden Gebäude eingerichtet werden.

Wie bereits hiervor erwähnt, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die gegenwärtigen Postlokale in Zug den sich fortwährend steigernden Anforderungen des Verkehrs nicht mehr genügen. Der Schalterrauni weist einen Flächeninhalt von nur 'Jl m 3 auf, und die Grundfläche des Bureauraumes beträgt rund 100 in 2 .

Schon diese Zahlenangaben beweisen, daß die gegenwartigen Postlokale in Zug ungenügend sind. Die Postbureaux Glarus und Zug haben einen annähernd gleich großen Verkehr zu bewältigen, wie der nachstehenden vergleichenden Zusammenstellung entnommen werden kann. Eine wesentliche Differenz besteht einzig in Bezug aut den Korrespondenzverkehr zu gunsten des Bureaus Zug.

Glarus

Jahr Jahr 1896 1898.

Reisende Korrespondenzen Fahrpoststücke Geldanweisungen Einzugsniandate

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' Anzahl.

-- 514,951 152,67« 34,901 2,730

Zu

3' Anzahl.

5,865 910,235 141,164 37,034 3,998

In Glarus ist bekanntlich im Jahr 1896 ein voni Bunde neu erstelltes Postgebäude bezogen worden. Zur Abwicklung des Postdienstes steht in diesem Gebäude ein Raum von 225 in3 zur Verfügung, während die Schalterhalle 40 m 2 mißt. Der Burcuurauin in Glarus ist mithin mehr als doppelt so groß als derjenige in Zug, und die Sehalterhalle des Postgebäudes in Glarus mißt nahezu das vierfache der entsprechenden Räumlichkeit des Postburcaus Zug.

Wenn nun auch bei Erstellung des Postgebäudos in Glarus der im Laufe der Jahre eintretenden Verkohrszuuahme gebührend

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Rechnung getragen wurde, so wird doch durch die hervorgehobenen Größenunterschiede der Lokale bei den beiden Postbureaux der Beweis der behaupteten Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Lokale in Zug noch verstärkt.

Mit Bezug auf das Telegraphen- und Telephonbureau in Zug ist au bemerken, daß dasselbe den Anforderungen des Verkehrs zwar entspricht, daß aber der Urnstand, daß Post und Telegraph nicht im gleichen Hause sich befinden, vom Publikum von jeher als Mangel empfunden worden ist.

Angesichts dieser Sachlage konnte sich die Postverwaltung der Prüfung des Begehrens um Erstellung eines Postgebäudes in Zug nicht länger entziehen. Vorerst wurden zwar noch Unterhandlungen gepflogen mit dem Besitzer des Gasthofes zum ,,Hirschen "· in Zug, welcher der Postverwaltung sein Etablissement zum Kaufe angeboten hatte. Eine bautechnische Prüfung hat ergeben, daß es möglich wäre, durch einen Umbau des Gebäudes Räume zu beschaffen, die für Unterbringung von Post, Telegraph und Telephon genügen würden. Mit Rücksicht auf die Lage des Gebäudes und die Haltung, welche Einwohnerschaft und Behörden von Zug gegenüber dem Projekte einnahmen, hielt die Postverwaltung es aber als angezeigt, von der Erwerbung der genannten Liegenschaft abzusehen. An einer vom Einwohnerrat von Zug einberufenen Versammlung wurde beschlossen, dafür einzutreten, .daß das zu erstellende Posteebäude da zu stehen komme,) wo sich eeeenwärtis O ö O O das Postbureau befindet. Früher bereits hatte der Regierungsrat des Kantons Zug noch andere als Bauplätze sich eignende Liegenschaften namhaft gemacht. Eine Besichtigung aller dieser Bauplätze ergab als Resultat, daß der einzig richtige Platz für ein neues Postgebäude thatsächlich derjenige sei, auf welchem heute das eingangserwähnte Fideikommißgebäude steht. In diesem Gebäude ist, wie bereits erwähnt, das Postbureau Zug gegenwärtig untergebracht.

Die Postverwaltung trat mit dem dermaligen Besitzer des Landtwingschen Fideikommisses, Herrn Arnold Landtwing in Zug, in Kaufsverhandlungen ein, die damit endigten, daß unterm 23./2G. Februar 1897 zwischen dem Post- und Eisenbahndepartement und Herrn Landtwing unter Ratifikationsvorbehalt ein Vertrag abgeschlossen wurde, durch welchen das mehrgenannte Fideikommißgebäude mit allen Dependenzen und allern Grund und Boden im Flächeninhalte von 3309 m 2 in das Eigentum des .Bundes übergeht.

Bundesblatt. 49. Jahrg. Bd. 111.

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Dieser Vertrag ist sowohl vom Bundesrat, als auch von den Kuratoren des Landtwingschen Fideikommisses ratifiziert worden.

Er wird perfekt, sobald die Bundesversammlung den für Bezahlung des auf Fr. 130,000 festgesetzten Kaufpreises nötigen Kredit bewilligt haben wird.

Wir beehren uns hiermit, um Bewilligung dieses Kredites einzukommen.

Der Kaufpreis kann als ein mäßiger bezeichnet werden, namentlich im Hinblick auf die äußerst vorteilhafte Lage des Bauplatzes und den bedeutenden Flächeninhalt desselben. Ursprünglich war von einer Kaufsumme von Fr. 160,000 die Rede, es konnte dann aber eine Ermäßigung herbeigeführt werden bis auf die Summe von Fr. 130,000, trotzdem, um unter allen Umständen eine allseitige Freilegung des zu erstellenden Gebäudes zu sichern, die ganze Liegenschaft erworben wurde, während anfänglich die Erwerbung des gegen die Eisenbahnlinie zu gelegenen Areals nicht beabsichtigt war.

Vermutlich würde die Erwerbung eines der übrigen noch in Betracht gefallenen Plätze wesentlich höher zu stehen gekommen sein, auch wenn der Flächeninhalt desselben kleiner gewesen wäre.

Der jetzt erworbene Platz entspricht den Wünschen der Kantonsund Stadtbehörden von Zug und der dortigen Einwohnerschaft in allen Teilen, was von den übrigen in Frage gekommenen Plätzen nicht gesagt werden kann.

Selbstverständlich ist im Vertrag die Aufhebung des Mietverhältnisses betreffend die im Fideikommisgebäude untergebrachten Postlokale auf den Zeitpunkt des Übergangs des Kaufsobjekts an die Eidgenossenschaft stipuliert worden. Ferner sind im Vertrage der Stadtgemeinde Zug verschiedene, die Freilegung des Fideikommißgebäudes bezweckende Leistungen tiberbunden worden.

Die Stadtgemeinde Zug hat einstimmig Übernahme der ihr zugemuteten Leistungen beschlossen, und der Regierungsrat des Kantons Zug hat die Erklärung abgegeben, daß sowohl die Stadtgomeinde, als auch der Kanton Zug in Gemäßheit einer Bestimmung des Vertrages auf den Bezug von Handänderungsgebühren und Stenipoltaxen für den bezüglichen Kaufsakt verzichten werden. Auch sonst enthält der Vertrag alle, Bestimmungen, deren Aufnahme in denselben geboten erschien ; wir erwähnen die Übernahme der Garantie für unbedingtes Baurecht durch den Verkäufer und die Verpflichtung desselben, die gegenwärtige Brunnenleitung fortbe~ stehen zu lassen.

537 Dio Größe des zu erwerbenden Platzes erlaubt die Erstellung eines Gebäudes, in welchem für das Postbureau und das Telegraphen- und Telephonbureau Räume angewiesen werden können, die den sieh stets steigernden Anforderungen des Verkehrs auf absehbare Zeit in vollem Umfange genügen werden. Es wird beabsichtigt, im Erdgeschoß des zu erstellenden Gebäudes das Postbureau (mit Telegrammaufgabe) einzurichten. In zweiter Linie würde in dem G-ebäude das Telegraphen- und' Telephonbureau untergebracht. Sodann haben sowohl der Regierungsrat des Kantons Zug, als auch die Direktion der zugerischen Kantonalbank um mietweise Überlassung von Räumlichkeiten in dem zu erstellenden Neubau nachgesucht. Die bezüglichen Unterhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, und es war daher auch noch nicht möglieh, Pläne und Kostenberechnungen für das zu erstellende Gebäude auszuarbeiten. Wir können uns daher heute auch nicht näher aussprcchen über die Anlage der Baute und die Höhe der Bausumme.

Die Verwirklichung des Neubauprojekts wird ohne Zweifel gegenüber den jetzigen Verhältnissen eine wesentliche Mehrausgabe zur Folge haben. Auf irgend eine Weise muß aber, da die gegenwärtigen Postlokale je länger je weniger genügen, Wandel geschaffen werden. Geschieht dies auf diese oder jene Weise, so werden Mehrkosten nicht vermieden werden können. Diese Mehrkosten werden aber selbst bei Erstellung eines Gebäudes durch den Bund nicht so groß sein, daß sie uns veranlassen könnten, eine andere, weniger rationelle und die interessierte Bevölkerung nicht befriedigende Lösung zu suchen. Wir ziehen dabei auch in Betracht, daß es sich um eine Kantonshauptstadt handelt und daß die Baute mit Rücksicht auf den Umstand, daß die Kantonalbank und andere öffentliche Institutionen in derselben Platz finden sollen, ohne allzustarke Belastung des Budgets der Post- und Telegraphenverwaltung in einer ihres öffentlichen Charakters würdigen Weise wird ausgeführt werden können.

Für die provisorische Unterbringung des Postbureaus Zug während der Zeit des Abbruches des Fideikommißgebäudes und der Erstellung des Neubaues sind die Parterreräumlichkeiten im alten Zeughause in Zug in Aussicht genommen worden. Der Einwohnerrat von Zug hat sich bereit erklärt, diese Räumlichkeiten der Postverwaltung bis zum Bezug des neuen Gebäudes unentgeltlich überlassen zu wollen, wogegen die Kosten der provisorischen Einrichtung vom Bunde zu bestreiten wären.

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Im Hinblick auf die vorstehenden Ausführungen empfehlen wir Ihnen die Annahme des hiernach folgenden Beschlußentwurfes und benutzen gerne diesen Anlaß, Sie, Tit., unserer vollkommenen Hochachtung zu versichern.

B e r n , den 28. Mai 1897.

Im Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident: Deucher Der I. Vizekanzler: Schatzmann

539 (Entwurf.)

Bnndesbeschlnß betreffend

den Ankauf eines Bauplatzes für ein neues Post-, Telegraphen- und Telephongebäude in Zug.

Die Bundesversammlung der schweizerischen E i d g e n o s s e n s c h a f t , nach Einsicht einer Botschaft des Bundesrates vom 28. Mai 1897, beschließt: 1. Dem Bundesrat wird behufs Ankauf eines Bauplatzes für ein neues Post-, Telegraphen- und Telephongebäude in Zug ein Kredit von Fr. 130,000 auf Rechnung des Jahres 1897 eröffnet.

2. Der gegenwärtige Beschluß tritt, als nicht allgemein verbindlicher Natur, sofort in Kraft.

3. Der Bundesrat ist mit dessen Vollziehung beauftragt.

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Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung, betreffend den Ankauf eines Bauplatzes für ein neues Post-, Telegraphen- und Telephongebäude in Zug. (Vom 28. Mai 1897.)

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02.06.1897

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533-539

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