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Botschaft des

Bundesrates an die Bundesversammlung, betreffend Beitrag an die Erstellungskosten neuer Kadettengewehre Modell 1897.

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(Vom 26. November 1897.)

Tit.

Nachdem bereits im Jahre 1893 der Vorrat an Kadettengewehren Modell 1870 erschöpft war und von verschiedenen Seiten die Erstellung eines neuen dem Repetiergewehr Modell 1889 oder dem Repetierkarabiner in der Konstruktion entsprechenden Kadettengewehres angeregt worden war, sah sich unser Militärdepartement am 6. April 1895 veranlaßt, unter dem Präsidium des damaligen Oberinstruktors der Infanterie, Herrn Oberst Rudolf, eine Kommission von 11 Mitgliedern zu bestellen, zur Prüfung der Frage, ob auf die Erstellung eines neuen Kadettengewehres eingetreten und eventuell welches Modell zur Einführung vorgeschlagen werden solle.

Unterm 19. April und im Monat Mai 1895 wurde sodann dem Militärdepartemente durch Vermittlung der Aufsichtskommission für die Turn- und Waffenübungen der Stadt Winterthur eine gedruckte und von 24 Erziehungsbehörden und Kadettenkommissionen unterzeichnete Eingabe eingereicht, welche in einläßlicher Begründung des Wertes der Waffen- und Schießübungen der Kadettencorps die Festsetzung einer neuen Ordonnanz für das Kadettengewehr und die Unterstützung der Anschaffung neuer Kadettengewehre durch Bundesbeiträge befürwortete.

1022 Schon früher hatte ein Gesuch der schweizerischen Industriegesellschaft in Neuhausen um Vornahme von Versuchen zur Erstellung einer geeigneten Patrone für ein von ihr konstruierte* Kadettengewehr mit Karabinerverschluß, sowie eine Anfrage der Kadettenkommission Baden, ob den Kadettencorps auch für die Schießübungen mit einem neuen kleinkalibrigen Kadettengewehr der Bundesbeitrag ausgerichtet werde, zu einschlägigen Untersuchungen; seitens der Organe des Militärdepartements Veranlassung gegeben.

Im Laufe des Jahres 1896 fanden sodann Versuche mit verschiedenen Modellen von Kadettengewehren statt, uud es trat die Kommission am 21. November gleichen Jahres zur Beratung der Kadettengewehrfrage in Bern zusammen.

Auf Grund der von der Kommission gepflogenen Verhandlungen und gefaßten Beschlüsse erstellte die eidgenössische Waffenfabrik zwei weitere Modelle, Kaliber 7,6 mm. Binlader mit Verschluß nach Gewehrmodell 1889/96, von denen Modell 2 allen von der Kommission gestellten Anforderungen entsprach und in der Folge zur Annahme empfohlen wurde.

Die Kommission hat die ihr vorgelegte Frage, ob ein neues Kadettengewehr zu erstellen sei, einstimmig bejaht und zugleich das von ihr vorgeschlagene Modell auch für den Gebrauch beim militärischen Vorunterricht als geeignet erklärt.

Nachdem wir schon im Jahre 1871 eine Ordonnanz für ein Kadettengeweh i- nach dem Vetterlimodell 1869 festgestellt und im fernem im Jahre 1887 ein Regulativ für die Schießübungen der Kadettencorps erlassen hatten, in welchem der Gebrauch des Kadettengewehres für die SchießübuQgen der Jüngern Kadetten förmlich Vorgeschrieben ist, verlangte es die einfache Konsequenz, daß, nachdem die vorhandenen Vetterli-Kadettengewehre aufgebraucht oder unbrauchbar geworden sind, für den Ersatz derselben durch ein neues, der Konstruktion der jetzigen Ordonnanzwaffe entsprechendes Kadettengewehr Vorsorge getroffen werde. Ein Nichteintreten auf die Wünsche kantonaler Erziehungsbehörden und der Kadettenkommissionen hätte zur Folge gehabt, daß von verschiedenen Kadettencorps Kadettengewehre nach eigener Wahl, nach Karabiner- , Martini- oder einem ändern System, die voraussichtlich billiger als ein der bestehenden Ordonnanz angepaßtes Kadettengewehr zu bekommen sind, beschafft würden, was der Bund nicht verhindern könnte. Eine derartige Zersplitterung zu verhüten, liegt aber im Interesse des Bundes, dem es nicht gleichgültig sein kann, wenn die Jungmannschaft sich mit einer von der Ordonnanz abweichenden -Waffe auf den spätem Wehrdienst vorbereitet. Die Kommission war zum Teil aus Mitgliedern zusammengesetzt, welche

1023 über den Wert und die Bedeutung der Corps junger Kadetten und über den Nutzen ihrer Schießübungen nicht die optimistische Anschauung haben, wie sie von den Anhängern dieser Institution geteilt wird. Wenn dennoch die Kommission sich einstimmig für die Erstellung eines Ordonnanzkadettengewehres ausgesprochen hat, so geschah es, weil damit Übereinstimmung zwischen Ordonnanzwaffe und Kadettengewehr erzielt, weil ferner ein Stock neuer auch als Kriegswaffe tauglicher Gewehre gewonnen wird und weil das gleiche Gewehr wenigstens für die Jüngern Klassen des Vorunterrichtes ebenfalls dienen kann.

Die Kommission war daher sowohl aus diesem, als aus den in der Eingabe kantonaler Erziehungsbehörden und Kadettenkommissionen vom März 1895 enthaltenen Gründen der Meinung, daß der Bund einen Teil an die Erstellungskosten der von den Kadettencorps verlangten Kadettengewehre leisten sollte. Sie beantragte den Bundesbeitrag mit 40 °/o der Erstellungskosten zu bemessen, womit der Anteil des Bundes per Gewehr, das auf Fr. 73 zu stehen kommt, Fr. 29. 20 oder rund Fr. 30 betragen würde, während ein Beitrag von Fr. 43 den Kantonen, beziehungsweise den Gemeinden, welche Kadettengewehre beziehen, auffiele, also ungefähr der gleiche Betrag, den sie für das Vetterli-Einladerkadettengewehr zu bezahlen hatten.

Der Bestand der Kadettencorps in der Schweiz betrug im Jahre 1896 cirka 5700 Schüler, angenommen es werden davon 4000 mit Gewehren ausgerüstet, so würde der Beitrag des Bundes sich auf Fr. 120,000 belaufen.

In Würdigung der vorstehend näher ausgeführten Gründe haben wir bereits unterm 2. Februar dieses Jahres beschlossen : 1. es sei das von der Kommission vorgeschlagene Kadettengewehr, Einlader von 110 cm. Totallänge, Kaliber 7,s mm., Verschluß nach Gewehrmodell 1889/96, gemäß vorgelegtem Modell, grundsätzlich als Ordonnanz für die neu zu erstellenden Kadettengewehre bestimmt; 2. der Bundesversammlung mit besonderer Botschaft zu beantragen, es seien 40 °/o oder rund Fr. 30 per Gewehr der Erstellungskosten der Gewehre, welche von den Kantonen und den Gemeinden für die Kadettencorps bestellt werden, vom Bunde zu übernehmen, in der Meinung, daß die hierfür erforderliche Summe von cirka Fr. 120,000 auf mehrere Jahre verteilt und pro 1898 erstmals Fr. 60,000 in das Budget aufgenommen werden.

In weiterer Ausführung obigen Beschlusses erlauben wir uns, den nachstehenden Entwurf eines Bundesbeschlusses den hohen

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eidgenössischen Räten zu unterbreiten und zur Genehmigung zu empfehlen, und benutzen diesen Anlaß, Sie, Tit., unserer vollkommenen Hochachtung zu versichern.

B e r n , den 26. November 1897.

Im Namen des Schweiz. Bundesrates, Der Bundespräsident:

Deucher.

Der I. Vizekanzler: Schatzmann.

1025 (Entwurf.)

Bundesbeschluß betreffend

Beitrag des Bundes an die Erstellungskosten neuer Kadettengewehre, Modell 1897.

Die Bundesversammlung d e r schweizerischen E i d g e n o s s e n s c h a f t , nach Einsicht einer Botschaft des Bundesrates, vom 26. November 1897, beschließt: Art. 1. Der Bund übernimmt von den Erstellungskosten neuer Kadettengewehre, Modell 1897, welche von den Kantonen und den Gemeinden für die Kadettencorps bezogen werden, 40 °/o oder rund Fr. 30 per Gewehr.

Art. 2. An die daherigen Kosten, welche im ganzen auf Fr. 120,000 veranschlagt sind, wird für das Jahr 1898 ein Kredit von Fr. 60,000 bewilligt.

Art. 3. Dieser Beschluß tritt, als nicht allgemein verbindlicher Natur, sofort in Kraft.

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Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung, betreffend Beitrag an die Erstellungskosten neuer Kadettengewehre Modell 1897. (Vom 26. November 1897.)

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