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91.027

Botschaft über die Beschaffung von Rüstungsmaterial (Rüstungsprogramm 1991)

vom 27. März 1991

Sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, wir unterbreiten Ihnen mit dieser Botschaft den Entwurf zu einem Bundesbeschluss über die Beschaffung von Rüstungsmaterial (Rüstungsprogranun 1991) mit dem Antrag auf Zustimmung.

Wir versichern Sie, sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Damen und Herren, unserer vorzüglichen Hochachtung.

27. März 1991

Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Cotti Der Bundeskanzler: Buser

1991-212

27 Bvindcsblalt 143.Jahrgang. Bd.II

681

Uebersicht Mit dem votliegenden Rüstungsprogramm beantragt der Bundesrat folgendes Material zur Beschaffung:

Vorhaben

Kredit Mio. Fr.

Allgemeine Ausrüstung - individueller C-Schutz - 800 Wärmebildgeräte Infanterie - Panzerfaust - Kampfwertsteigerung n der Panzerabwehrlenkwaffen Dragon - 1530 Laserentfernungsmesser für die 8,1-cm-Minenwerfer, die PanzerJäger und die Panzer 68 Genie und Festungen - Verminungsraaterial - 240 Festungsartillerie-Feuerleitsysteme Artillerie - 15,5-cm-Annäherungs-Momentanzünder 91 - 15,5-cm-Kanistermunition - Reichweitensteigerung von 230 10,5-cmHaubitzen 46 Flieger- und Fliegerabwehrtruppen - Kampfwertsteigerung von 80 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75 - 4 Ziel- und Zielschleppflugzeuge PC-9

Total Rüstungsprogramm 1991

682

355,0 200,0

Kredit Mio. Fr.

555,0

285,0 129,0

50,0

464,0

83,0 80,0

163,0

57,0 190,0 80,0

327,0

232,0 29,0

261,0

1770,0

Botschaft I

Allgemeines

II

Das Rüstungsprogramm 91 und die Weiterentwicklung der Armee

III

Aussenpolitische Entwicklung

Die

Pariser Charta des KSZE-Gipfels vom

November 1990, der

Vertrag über die konventionellen Streitkräfte in Europa zwischen

den beiden Militärbündnissen NATO und

ebenfalls

im November 1990

VertrauensBausteine

und sicherheitsbildende zur Schaffung

WAPA sowie das

verabschiedete neue Paket Massnahmen sind

einer neuen,

friedlichen und

über erste von

demokratischen Systemen getragenen europäischen Sicherheitsordnung.

Ziel

der militärischen Vertrauensbildung und

Abrüstung ist

es, die Gefahr offensiver militärischer Operationen in Europa zu bannen. Zu diesem Zweck müssen die verbleibenden militärischen

Potentiale aber nicht nur zahlenmässig reduziert,

sondern

auch mit glaubwürdig defensiven Strukturen versehen

werden.

Dies verlangt eine Anpassung der

satzdoktrinen,

Rüstung, der Ein-

der Ausbildung und der Führung. Die Verwirk-

lichung dieser neuen Konzepte, aber auch der Vollzug der bereits beschlossenen Massnahmen, erfordert jedoch zeit.

Die Hoffnungen, welche der Pariser Gipfel und die militärpolitische durch worden.

bei

Entwicklung im Osten

die Geschehnisse

im

Europas geweckt haben,

Golf und in

Es zeichnen sich Verzögerungen

und Schwierigkeiten

der Realisierung der Vertragsabmachungen

schlägen und dem Aufkommen neuer wie vor gerechnet werden.

sind

Osteuropa gedämpft ab. Mit Rück-

Spannungsfelder muss nach

Trotz der Unsicherheit und Instabilität der strategischen Lage in Europa erscheint ein europäischer Krieg grösseren Ausmasses weniger wahrscheinlich. Auf alle Fälle kann -

683

abgesehen

von der reinen Luftkriegsbedrohung

lich längeren Vorwarnzeiten und damit mit einer entsprechend grösseren Vorbereitungszeit gerechnet werden. Krieg als Mittel der Konfliktbewältigung -- vor wenigen Monaten noch als nicht mehr zeitgemäss und unzweckmässig verurteilt - hat aber mit der Lage im Golf wieder brutale Realität erlangt.

Die zahlenmässige Reduktion der Streitkräfte schliesst nicht aus, dass diese das Machtinstrument souveräner Staaten zum Schutz ihrer Bevölkerung und ihres Staatsgebietes bleiben werden. Sie werden deshalb nicht nur in Stand gehalten, sondern auch laufend modernisiert. Trotz des Abbaus von zahlenmässigen Ungleichgewichten und der Fixierung von numerischen Obergrenzen für Hauptwaffensysteme wird es auch in Zukunft jedem Staat erlaubt sein, die Kampfkraft bestehender WaffenSysteme zu steigern und neue Waffen zu entwickeln, in Europa werden auch in den neunziger Jahren noch sehr grosse, schlagkräftige und modern ausgerüstete konventionelle und nukleare Militärpotentiale vorhanden sein.

112

Die Sicherheitspolitik und die Armee 95

Der Bericht 90 des Bundesrates über die Sicherheitspolitik der Schweiz ist eine erste Antwort auf die militärpolitischen Entwicklungen in Europa. Wenn auch Friedensförderung und .Erhaltung unserer Lebensgrundlagen als neue Schwerpunkte in den Bericht 90 aufgenommen wurden, bleibt doch die Fähigkeit, bei Rückschlägen und neuen Gefahren mit militärischen Mitteln reagieren zu können, das Hauptanliegen unserer Sicherheitspolitik. Die Existenzsicherung unseres Landes muss gewährleistet sein, wozu eine überlebensfähige, flexible und solide Armee aufrechterhalten werden muss.

Die

Armee 95 soll kleiner

aber dynamischer werden und

auf

verschiedene und vielfältige Bedrohungsformen mit angemessenen Mitteln reagieren können. Eines der wichtigsten Anliegen, das es mit der Armee 95 zu verwirklichen gilt, ist erhöhte Flexibilität, dies in Führung und Einsatz sowie in Situationen, die eine rasche Anpassung an neue Entwicklungen

684

im Bereich der Bedrohung und dern.

der Sicherheitspolitik erfor-

Die dynamische Raumverteidigung bleibt weiterhin die geeignete Konzeption zur Verteidigung unseres Landes. Die Kombination von Verteidigung und Angriff erlaubt es den infanteristischen Kräften, sich im starken Gelände zu verankern und mit den mechanisierten Verbänden der operativen Stufe den ein- und durchgebrochenen Gegner zu vernichten. Dabei handelt es sich um eine defensive Einsatzkonzeption, welche die vorhandenen Möglichkeiten und Mittel optimal berücksichtigt.

Sie muss jedoch jederzeit den neuen Rahmenbedingungen, den wechselnden Bedrohungskriterien und dem modernen Kriegsbild angepasst werden können. Während die bisherige Konzeption 66 den Abnützungskampf mit flächendeckenden Diapositiven über das gesamte Staatsgebiet vorsah, nimmt die neue Konzeption 95 bewusst Lücken in Kauf.

Die finanziellen Rahmenbedingungen erfordern, dass die Armee 95 vorerst weitgehend mit den heute vorhandenen Mitteln ausgerüstet bleiben muss. Verschiedene Vorhaben müssen zurückgestellt oder ganz aufgegeben werden. Nach wie vor bleiben aber Kriegsverhinderung und Verteidigung die Hauptaufgaben der Armee. Damit der Auftrag glaubwürdig erfüllt werden kann, muss die Armee auch in Zukunft gut gerüstet sein, das heisst ihre Kampfkraft muss erhalten und dort, wo es nötig ist, gezielt gesteigert werden. In der ersten Hälfte der neunziger Jahre geht es deshalb darum, eingeleitete und geplante Beschaffungsvorhaben fortzusetzen und abzuschliessen, um für die Verwirklichung der Armee 95 vertretbare Voraussetzungen zu schaffen.

113

Rüstungsprogramm 1991 - Ausbauschritt 1992-1995

Das vorliegende Rüstungsprogramm ist das letzte des Ausbauschrittes 1988-1991. Die Vorhaben sind auf die Armee 95 abgestimmt. Mit den Beschaffungsschwergewichten in den Bereichen Panzerabwehr und individueller C-Schutz ergibt sich eine wesentliche, Kampfkraftsteigerung und Schutawirkung.

685

Die Bedeutung eines wirksamen C-Schutzes wurde in den letzten Monaten im Nahen Osten deutlich hervorgehoben. Panzer und gepanzerte Fahrzeuge werden auch in Zukunft die terrestrische Hauptbedrohung unserer Erdtruppen bleiben. Es ist für unsere Armee und ganz besonders für unsere Infanterie auch wehrpsychologisch von Bedeutung, dass das altgediente Raketenrohr durch eine moderne Waffe ersetzt wird.

Mit

Ausnahme der neuen Kampfflugzeuge konnte die Verwirkli-

chung der wesentlichen Vorhaben eingeleitet werden. Eine Reihe weiterer Projekte konnte überwiegend aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden. Damit unser Luftraum glaubwürdig geschützt werden kann, muss die Luftverteidigung in der kommenden Legislaturperiode (1992-1995) wesentlich verbessert werden. Die üngewissheit bezüglich Beschaffung dieses Grossvorhabens beeinträchtigt nicht nur die Rüstungsplanung, sondern auch die Glaubwürdigkeit unserer Landesverteidigung nach aussen.

Mit dem Voranschlag 1991 und dem Finanzplan 1992-1994 wurden die Rüstungsausgaben des Eidgenössischen Militärdepartementes auf jährlich je 2,8 Milliarden Franken plafoniert. Gegenüber dem vorangehenden Finanzplan erfahren dadurch die Mittel für künftige Rüstungsprogramme eine Einbusse von rund 1,8 Milliarden Franken oder um einen Fünftel. Eine derart einschneidende Reduktion im Militärbudget zwingt zu einer umfassenden Ueberprüfung der Rüstungsplanung, was sich in der Legislaturplanung für die Jahre 1992-1995 niederschlagen wird. Nach Abzug der Mittel, die von den bereits bewilligten Rüstungsprogrammen sowie vom hier beantragten Programm beansprucht werden, muss auch für künftige Rüstungsprogramme ein finanzieller Handlungsspielraum erhalten bleiben. Der Bundesrat wird namentlich der finanziellen Sicherstellung der Beschaffung der neuen Kampfflugzeuge grosse Bedeutung beimessen. Für dieses grosse vorhaben wird es allerdings unvermeidlich sein, sogenannte Zahlungsspitzen in Betracht zu ziehen, die in den Folgejahren wieder zu kompensieren sind.

Es muss sichergestellt bleiben, dass Grossvorhaben auch in Zukunft realisiert werden können.

686

12

Verteilung der Aufträge des Rüstungsprogrammes 1991

121

Berechnungsscheaa

Den nachstehenden Zahlen liegt zugrunde :

folgendes Berechnungsschema

Beschaffungskredit Auslandanteil

L indirekte Beteiligung 1

-- Inlandanteil

L 122

-- Rüstungsbetriebe Privatindustrie

beschäftigungswirksam in der Schweiz

Inland- und Auslandanteil, indirekte Beteiligung und Beschäftigungswirksamkeit in der Schweiz

Der Inlandanteil des mit dieser Botschaft beantragten Materials wird auf 1215 Millionen Franken (69 %) veranschlagt.

Der Auslandanteil entfällt zur Hauptsache auf die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Israel, Oesterreich und Schweden, Durch indirekte Beteiligung der Schweizer Industrie an der Beschaffung von ausländischem Material wird die schweizerische Wirtschaft weitere Aufträge in Form von Ausgleichsgeschäften erhalten. Deren Grössenordnung beträgt 339 Millionen Franken. Die Beschäftigungswirksamkeit der mit dieser Vorlage beantragten Vorhaben wird dadurch auf rund 88 Prozent erhöht.

Für die Bild:

einzelnen

Rüstungsvorhaben ergibt

sich folgendes

687

Vorhaben

Produktion im Inland

Mio. Fr.

indirekte Beteiligung

%

291 180 101

82 90 35

129

100

50 6

100

80 - 15,5-cm-Annäherungs-Momentanaünder 91 40 - 15, 5-cm-Kanistermunition ....

28 - Reichweitensteigerung von 230 10 , 5-- cm-- Haubitzen 46 80 - Kampfwertsteigerung von 80 35-mm-Fliegerabwehrkanonen . . 214 - 4 Ziel- und Zielschleppflugzeuge 16

100

1215

69

Wärmebildgeräte - Kampfwertsteigerung II der Panzerabwehrlenkwaffen Dragon - Laserentf ernungsmesser für die 8,1-cm-Minenwerfer, die Panzerjäger und die Panzer 68

Mio.

7

%

Fr.

115

40

77

93

147

77

339

19

> 1215

69

Total ...

...

L

70 15

100 92 55

i

L Beschäftigungswirksam in der Schwe iz ...

. . . 1554

88

Mit der direkten Beteiligung, das heisst der Lizenzherstellung und der Endmontage von im Ausland entwickeltem Material in der Schweiz, sind folgende Mehrkosten verbunden:

Mio. Fr.

-- 15,5-- cm Annähe rungs-- Momentanzünde r 91 ........

25,6 1,6 5

3 35

688

123 Vom

Verteilung der Inlandproduktion Inlandanteil entfallen 78

Prozent auf die

Privatindu-

strie und 22 Prozent auf die eidgenössischen Rüstungsbetriebe. Letztere geben erfahrungsgemäss etwa die Hälfte des an sie erteilten Auftragsvolumens an private schweizerische Betriebe weiter.

Grössere Aufträge werden in der Regel an Generalunternehmer vergeben; diesen wird eine möglichst breite regionale Streuung der Unteraufträge zur Pflicht gemacht.

Aufgrund der Weisungen des Bundesrates vom 26. November 1986 über die regionalpolitische Koordination der Bundestätigkeit haben die entsprechenden Kontakte mit der Zentralstelle für regionale Wirtschaftsförderung im Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit stattgefunden. Bei der Auftragsvergabe wird deshalb nach Möglichkeit den regionalpolitischen Aspekten Rechnung getragen.

2

Beschaffungsvorhaben

21

Allgemeine Ausrüstung (555,0 Mio. Fr.)

211

Individueller C-Schutz (355,0 Mio. Fr.)

211.1

Einleitung

Die chemische Waffe ist heute durch das Genfer Protokoll vom 17. Juni 1925 über das Verbot des Kriegseinsatzes von erstickenden, giftigen oder anderen Kampfgasen und bakteriologischen Methoden der Kriegführung geächtet. Dieses Dokument wurde von vielen Staaten, insbesondere auch von don meisten Staaten, welche C-Waffen besitzen, ratifiziert und trat am 8. Februar 1928 in Kraft. Das Abkommen wurde bis heute mehrmals verletzt, so beispielsweise durch die Verwendung von

689

C-Waffen im Krieg zwischen Irak und Iran. Es hat den Mangel, dass es nur den Einsatz, nicht aber die Entwicklung, die Produktion und den Besitz von C-Waffen verbietet. Der Kreis der Besitzer solcher Waffen ist heute nicht genau bekannt.

Das Genfer Protokoll enthält überdies auch keine Bestimmungen über die Verifikation und kennt keine Sanktionen. Die Schweiz hat 1932 das Genfer Protokoll ohne vorbehalte ratifiziert.

Auf internationaler Ebene sind ernsthafte Bemühungen um ein Abkommen im Gange, das generell die Entwicklung, die Produktion, den Besitz, den Einsatz und die Weiterverbreitung von C-Waffen verbietet. So wurde anlässlich des Pariser KSZEGipfels vom 19. bis 21. November 1990 im Rahmen der "Pariser Charta für ein neues Europa" (BB1 1_9_91 I 1046) dazu aufgerufen, die Konvention über ein wirksam verifizierbares, weltweites und umfassendes Verbot chemischer Waffen sobald wie möglich abzuschliessen. Die KSZE-Staaten haben dabei ihre Absicht bekräftigt, zu den Erstunterzeichnern einer solchen Konvention zu gehören. Die Schweiz unterstützt diese Anstrengungen. Der bereits beschlossene Abbau der C-WaffenVorräte bei den Signatarstaaten dürfte jedoch mindestens ein Jahrzehnt beanspruchen. Es ist auch zu berücksichtigen, dass der Abbau von C-Waffen schwer verifizierbar ist; ein Neuaufbau ist zudem in verhältnismässig kurzer Zeit und im Geheimen möglich. Es ist ferner damit zu rechnen, dass nicht alle Staaten, die C-Waffen besitzen oder die an einem derartigen Potential arbeiten, dem Abkommen beitreten werden. Damit bleibt auf längere zeit ein erhebliches C-Waffen- und ein entsprechendes Gefahrenpotential bestehen. Dies wird durch die jüngste Situation in der Golfregion erneut bestätigt.

Die Armeeangehörigen müssen deshalb über einen glaubwürdigen C-Schutz verfügen.

690

211.2

Militärische Aspekte

211.21

Militärische Begründung

Der Angehörige der Armee hat Anspruch auf den bestmöglichen Schutz. Im Falle des Einsatzes von C-Waffen muss die Truppe in der Lage sein, zu überleben und ihren Auftrag über längere Zeit auch in vergiftetem Gebiet zu erfüllen.

Wir haben in der Botschaft zum Rüstungsprogramm 1986 (BEI 1986 I 949) darauf hingewiesen, "... dass der heutige ABCSchutzüberwurf unter günstigen Bedingungen das unmittelbare Ueberleben eines Einsatzes von C-Waffen ermöglicht. Für die Arbeit und den Kampf im vergifteten Gebiet ist der Soldat damit jedoch nicht ausreichend geschützt". Kampfstofftröpfchen durchdringen den Ueberwurf, und er bietet keinen Schutz gegen gasförmige Kampfstoffe; diese sammeln sich darunter an wie unter einer Glocke und durchdringen die Bekleidung in kurzer Zeit. Der grösste Teil der schweren KampfStoffverletzungen im Krieg zwischen Irak und Iran entstand auf diese Weise.

Wegen der Alterung des Materials muss zudem die eingeführte ABC-Schutzmaske aus Naturkautschuk, welche in den fünfziger Jahren hergestellt worden ist, in den nächsten Jahren ersetzt werden.

Mit Bundesbeschluss zum oben erwähnten Rüstungsprogramm 1986 (BBl 1986 III 403) wurde als Sofortmassnahme die Beschaffung eines französischen C-Schutzanzuges (C-Schutzanzug 86) bewilligt. Damit konnte der C-Schutz einiger besonders gefährdeter Formationen verbessert werden. Mit der vorliegenden Botschaft wird nun eine wesentliche Verbesserung des individuellen C-Schutzes aller Armeeangehörigen eingeleitet.

Damit kann eine gravierende Lücke bei der persönlichen Ausrüstung geschlossen und ein mit andern Streitkräften vergleichbarer Stand erreicht werden.

691

Mit

dem neuen individuellen C-Schutz soll die Truppe in der

Lage sein, ihren Auftrag während 12-24 Stunden nach einem C-Einsatz in vergiftetem Gebiet zu erfüllen. Damit kann ein Angreifer sein Ziel, mit C-Waffen Lücken in Verteidigungsdispositive zu reissen, Unterstützungswaffen auszuschalten und Kommunikationen lahmzulegen, nur schwer erreichen. Der neue individuelle C-Schutz bietet einen guten Schutz gegen alle heute bekannten chemischen Kampfstoffe,

211.22

Konzept des individuellen C-Schutzes

Der individuelle C-Schutz ist als Ganzkörperschutz ausgelegt und soll den Träger im Einsatz möglichst wenig in seiner Bewegungsfreiheit behindern. Der C--Schutzanzug stellt zusammen mit ABC-Schutzhandschuhen und ABC-Ueberstiefein den Hautschutz sicher. Der Anzug wird in der Regel über der Kampfbekleidung getragen. Eine neue ABC--Schutzmaske mit Mundfilter schützt ; die Atemwege. Weitere persönliche Schutzmittel (Entgiftungspulver), Detektionsmittel (Kampfstoffnachweispapier) sowie Prophylaxe- und Therapiemittel (Combopen-spritzen) vervollständigen die Ausrüstung; diese Mittel wurden bereits beschafft.

Gegenstand der vorliegenden Beschaffung ist allein die Ausrüstung für den Atem- und Hautschutz. Soll der Angehörige der Armee eine realistische Chance haben, einen überraschenden C-Angriff zu überleben und danach weiter seinen Kampfauftrag zu erfüllen, so muss er den vollen Schutz der Atemwege und der Haut in kürzester Zeit erstellen können. Während die ABC--Schutzmaske bei entsprechender Ausbildung innert zehn Sekunden angezogen werden kann, ist dies beim CSchutzanzug nicht möglich. Deshalb muss der Hautschutz prophylaktisch über Stunden oder gar Tage getragen werden können. Entsprechend kommt dem Aspekt der Tragphysiologie eine vorrangige Bedeutung zu.

Die neue ABC-Schutzmaske soll wie bisher den Angehörigen der Armee als persönliches Material abgegeben werden. Der neue C--Schutzanzug bleibt hingegen im Zeughaus eingelagert und

692

wird erst im Falle einer Mobilmachung gefasst. Für die Ausbildung in Schulen und Kursen wird die notwendige Anzahl c-Schutzanzüge ausgeschieden.

211.23

Beurteilung durch die Truppe

An den Truppenversuchen waren mehr als 500 Armeeangehörige aus den verschiedensten Truppengattungen beteiligt. Eine intensive medizinische Betreuung der Versuche erlaubte es, die körperliche Belastung der neuen Ausrüstung genau zu analysieren und detaillierte Trag- und Verhaltensvorschriften zu erarbeiten. Die neue ABC-Schutzmaske stellt, verglichen mit dem alten Modell, weniger körperliche und psychische Anforderungen. Schnitt und Stoffqualität des neuen C-Schutzanzuges schränken die Beweglichkeit bei der Arbeit relativ wenig ein. Bei körperlichen Anstrengungen bzw. hohen Aussentemperaturen ist eine Regulierung der körpereigenen Temperatur aber nur durch vermehrtes Schwitzen möglich. Die Zuführung von Flüssigkeit aus der Feldflasche ist mit der neuen Schutzmaske sichergestellt.

Die Versuche zeigten ferner, dass bei schrittweisem Aufbau der Ausbildung alle notwendigen Tätigkeiten auch im Vollschutz erfüllt werden können. Die Truppentauglichkeit konnte deshalb für die gesamte Ausrüstung ausgesprochen werden.

211.24

Einführung bei der Truppe

Mit der vorliegenden Botschaft werden 500'DOO Schutzmasken und 300'000 C-Schutzanzüge sowie das entsprechende Zubehörund Logistikmaterial zur Beschaffung beantragt. 100'000 CSchutzanzüge werden als Uebungsanzüge ausgeschieden. Vorerst werden nur 300'UOO C-Schutzanzüge beantragt, da in diesem Bereich eine rasante technische Entwicklung stattfindet. Bei der Beschaffung einer zweiten Tranche, die für den Ausbauschritt 1992-1995 vorgesehen ist, könnten allenfalls bis dann eingetretene Fortschritte berücksichtigt werden. Die Beschaffung von weiteren C-Schutzanzügen soll zudem erst er-

693

folgen, wenn die Struktur der Armee 95 festgelegt und die Notwendigkeit eines C-Schutzanzuges für alle Funktionsträger beurteilt ist.

Der individuelle C-Schutz soll truppengattungsweise in Wiederholungs- und Instruktionskursen eingeführt werden. Die dazu notwendigen Ausbilder werden jeweils im Vorjahr auf ihre besondere Tätigkeit und Verantwortung vorbereitet.

Die Einführung des individuellen C-Schutzes setzt im übrigen voraus, dass die Truppe bereits mit der neuen Kampfbekleidung 90 und der Gefechtspackung 90 ausgerüstet ist, da der neue C-Schutzanzug nicht über dem alten Kampfanzug 70 getragen werden kann. Mit Bundesbeschluss zum Rüstungsprogramm 1989 (BBl 1989 III 960) wurde die Beschaffung einer ersten Tranche neuer Kampfbekleidungen und Gefechtspackungen bewilligt. Eine weitere Tranche Kampfbekleidungen und Gefechtspackungen soll mit einem der kommenden Rüstungsprogramme beantragt werden.

211.3

Technische Aspekte

211.31

Technische Beschreibung

211.311

Allgemeines

Die zur Beschaffung vorgesehenen Ausrüstungsgegenstände des individuellen C-Schutzes bestehen aus einer neuen ABCSchutzmaske mit vorne eingeschraubtem Mundfilter sowie aus einem C-Schutzanzug mit ABC-Schutzhandschuhen und ABC-Ueberstiefeln.

Die

einzelnen Ausrüstungsgegenstände

des individuellen

C-

Schutzes sind speziell aufeinander abgestimmt, um gefährliche Lücken an den Uebergangsstellen zu vermeiden. Da aufgrund des Einsatzkonzeptes vor allem der C-Schutzanzug über Stunden oder Tage prophylaktisch getragen werden muss, kommt

694

einer

guten

Tragphysiologie des

Anzugstoffes (gute

Beweglichkeit, möglichst geringe Behinderung, Staus) grösste Bedeutung zu.

keine Hitze-

Bei Nichtgebrauch wird das Material in den hiefür in der Gefechtspackung vorgesehenen Taschen verstaut.

211.312

ABC-Schutzmaske

Die neue ABC-Schutzmaske wird aus einer synthetischen Kautschukmischung gefertigt und weist folgende Merkmale auf: - im unterschied zur eingeführten Maske sind die Gläser nicht mehr rund. Dies ermöglicht eine wesentliche Erweiterung des Gesichtsfeldes. Für Brillenträger wurde eine neue Lösung gefunden; sie besteht darin, dass die Korrektionsgläser direkt auf die Innenseite der Maskengläser aufgekittet werden.

695

-- Vor dem Mund ist die Sprechhilfe positioniert, die eine gute Verständigung ermöglicht.

696

Mundfilter

eingesetzt

werden können.

Der neue

Mundfilter weist bei besserer Filterleistung einen geringeren Atemwiderstand auf.

Die ABC-Schutzmaske wird in mehreren Grossen gefertigt. Das Gewicht der ABC-Schutzmaske samt Filter beträgt 720 g.

211.313 Der

C-Schutzanzug

C-Schutzanzug besteht

aus einer

Jacke mit

angenähter

Kapuze sowie einer Hose mit Hosenträgern. Im C-Vollschutz wird die Kapuze des C-Schutzanzuges unter dem Helm getragen.

Ein der neuen Kampfbekleidung entsprechendes Grössensortiment soll der Forderung nach einem guten Tragkomfort Rechnung tragen. Jacke und Hose werden separat in Packungen verschweisst und wiegen zusammen 2,6 kg. Eine Lagerung ist ohne Einbusse der Qualität über Jahre möglich.

Der C-Schutz des Anzuges wird aus einer Schicht Aktivkohlekügelchen gebildet, welche mit einem speziellen Verfahren auf die Innenseite des Aussenstoffes aufgeklebt werden. Dieser so beschichtete Aussenstoff übernimmt den geforderten Schutz gegen alle heute bekannten C-KampfStoffe. Die Leistung dieses Schutzes, d.h. die Zeit bis ein auf das Aussengewebe auftreffender C-Kampfstoff den darunterliegenden Filter durchbricht, ist so ausgelegt, dass der Angehörige der Armee auch nach einem erfolgten c-Einsatz noch während 12 bis 24 Stunden in vergiftetem Gebiet seinen Auftrag weiterführen kann. Der verwendete Aussenstoff ist identisch mit dem bei der Kampfbekleidung verwendeten Anzugsstoff.

Die Aktivkohleschicht wird auf der durch einen Futterstoff abgedeckt.

Innenseite schliesslich

Die Ausführung des Anzuges ermöglicht es, diesen über der Kampfbekleidung zu tragen, wobei durch die speziell konzipierte Kapuze die Beweglichkeit des Kopfes optimal sichergestellt wird.

697

211.314

ABC-Schutzhandschuh

Es handelt sich um einen aus synthetischem Kautschuk gefertigten S-Fingerhandschuh, der zur Erleichterung des An- und Ausziehens mit einem einfachen Unterhandschuh aus Baumwolle ergänzt wird. Der ABC-Schutzhandschuh wird in fünf Grossen geliefert.

211.315

ABC-ueberstiefel

Der ABC-Ueberstiefel besteht aus einem konfektionierten Schaftstiefel aus kampfstoffbeständigem Schaftmaterial und einer anvulkanisierten Profillaufsohle. Die Stiefel werden in drei Grossen geliefert und sind über eingeführte Schuhwerk zu tragen.

das in der

211.32

Evaluation, Erprobung und Typenwahl

211.321

ABC-Schutzmaske

Armee

In einer Mitte der achtziger Jahre aufgenommenen Marktuntersuchung wurden vorerst auf breiter Basis von allen erhältlichen Modellen Muster eingekauft und erprobt. Die Auswertung führte zur Aufnahme der eigentlichen Evaluation mit drei Konkurrenten. im Rahmen der Marktuntersuchung wurden auch neuartige Maskentypen mit Vollsichtgläsern geprüft. Die Versuche bestätigten aber die Vorteile des nun gewählten Prinzips mit zwei getrennten, grossen Augengläsern: erstens kann dadurch die Maske auf relativ kleinem Raum verstaut werden, zweitens ergeben sich auch vorteilhaftere Lösungen für die Korrektionsgläser.

Schliesslich lieferten die Firmen Huber & Suhner AG, Pfäffikon

(Schweiz), AVON

Industriai Polymers,

Bradford-on-Avon

(Grossbritannien) und Drägerwerk AG, Lübeck (BRD) je 30 Masken für Prinziperprobungen. Aufgrund der Ergebnisse der Prinzipversuche schied das englische Modell aus der Evaluation aus, und die technischen Erprobungen und Truppenver-

698

suche wurden anschliessend mit je dreihundert Masken der Firmen Huber & Suhner AG sowie Drägerwerk AG durchgeführt.

In einem gross angelegten Truppenversuch in je sechs Winterund Sommer-Rekrutenschulen sowie in zahlreichen Kursen der verschiedensten Waffengattungen wurde die neue ABC-Schutzmaske zusammen mit dem C--Schutzanzug erprobt. Die Versuchs-- truppe trug dabei die Ausrüstung bei unterschiedlichsten Witterungsbedingungen über Stunden, in diesen Versuchen wurde auch der Parkdienst und das Reservematerial miteinbezogen, und es wurden insgesamt rund 40 persönliche Korrektionsgläser abgegeben.

Die Truppenversuche konnten mit der Erklärung der Truppentauglichkeit für die ABC-Schutzmaske der Firma Huber & Suhner AG, Pfäffikon, erfolgreich abgeschlossen werden.

211.322

C-Schutzanzug

Erste Studien zur Ablösung des heute verwendeten C--SchutzÜberwurfes wurden bereits in den Jahren 1975-1980 durchgeführt. Mit der im Rahmen des Rüstungsprogrammes 1986 erfolgten Beschaffung von C-Schutzanzügen für einige besonders gefährdete Truppen wurde erstmals ein neuartiger Ganzkörperschutz erprobt und in der Armee eingeführt. Aus Gründen der Dringlichkeit konnten damals jedoch nur auf dem Markt bereits eingeführte Systeme evaluiert werden. Der schliesslich gewählte C-Schutzanzug 86 verfügt über eine mit Aktivkohle angereicherte Schaumschicht als Filtermedium.

Vertiefte Truppenversuche mit neuartigen Filtersystemen konnten erst später durchgeführt werden. Es zeigte sich sehr bald, dass wegen der besseren Schweissdurchlässigkeit, der besseren waschbarkeit und Lagerfähigkeit ein Filtersystem mit aufgeklebten Aktivkohlekügelchen dem Polyurethanschaum vorzuziehen war. Die Laborversuche zeigten zwar, dass mit Aktivkohle beladener Schaum, wie er bei den C-Schutzanzügen 86 verwendet wird, die Schutzanforderungen auch zu erfüllen vermag. Anzüge, die Schaumstoffe enthalten, isolieren jedoch

699

zusätzlich und lassen die geforderten langen Tragzeiten kaum zu. Für die vorwiegend statisch eingesetzten Flieger- und Genieformationen vermag der C-Schutzanzug 86 zu genügen; für das Gros der Armee ergäben sich jedoch Nachteile und Einschränkungen im Einsatz. Aus diesen Gründen fiel die Wahl schliesslich auf das neue Schutzsystem mit Aktivkohlekügelchen, das ebenfalls zusammen mit der ABC-Schutzmaske als truppentauglich erklärt werden konnte.

ABC-Schutzhandschuhe

und ABC-Ueberstiefel waren bereits zu-

sammen mit den C-Schutzanzügen 86 erprobt und truppentauglich erklärt worden. Im Rahmen der weiteren Versuche ging es nur noch darum, Mängel, die sich im Gebrauch des eingeführten Materials zeigten, zu beheben.

211.4

Beschaffung

211.41

Beschaffungsumfang und -kredit

Der Beschaffungsumfang und -kredit für die beantragte erste Tranche setzen sich wie folgt zusammen:

Mio. Fr.

117,0 122,0 17,5

8,5 32,0

700

355,0

Für die meisten Elemente des individuellen C-Schutzes bestand während der Evaluation eine Wettbewerbssituation. Insbesondere bei der ABC-Schutzmaske standen sich, wie in Ziffer 211.321 dargelegt, ursprünglich drei, später noch zwei Maskenmodelle gegenüber. Das schliesslich gewählte Modell der Firma Huber & Suhner AG, Pfäffikon ZU, ist unter Berücksichtigung seiner technischen Leistungen mit den heute auf dem internationalen Markt angebotenen ABC-Schutzmasken preislich konkurrenzfähig. Ein Vergleich mit den aus den fünfziger Jahren stammenden heutigen ABC-Schutzmasken ist hingegen aufgrund der unterschiedlichen Einsatzanforderungen wenig aussagefähig. Das gleiche gilt für die in den siebziger Jahren beschafften ABC-Schutzmasken für den Zivilschutz.

Alle modernen ABC-Schutzmasken für den militärischen Einsatz verfügen heute beispielsweise über spezielle Innenmasken, eingebaute Trinkvorrichtungen und spezielle Sprechmembranen.

Diese Elemente sind weder bei der alten ABC-Schutzmaske noch bei der etwas vorhanden.

jüngeren

ABC-Schutzmaske des Zivilschutzes

Zur Bestimmung des Umfanges an Korrektionsgläsern wurde davon ausgegangen, dass rund ein Viertel der mit dieser ersten Tranche umzurüstenden Angehörigen der Armee ein Brillenrezept besitzt. Bei der Ermittlung dieser Zahlen wurde auf die Erfahrungen bei der Abgabe der Kampfbrillen abgestellt.

Ein Teil der zur Beschaffung beantragten C-Schutzanzüge wird zur Ausbildung in Schulen und Kursen eingesetzt. Die erst bei Kriegsmobilmachung abzugebenden Anzüge werden, wie bereits dargelegt, im Zeughaus eingelagert. Der neue C-Schutzanzug ist gegenüber dem C-Schutzanzug 86 teurer. Er ermöglicht aber aufgrund seines völlig anders gestalteten Filteraufbaus bei gleich guter Schutzleistung eine längere Tragdauer, womit der Mehrpreis gerechtfertigt ist.

Für die übrigen Teile des individuellen C-Schutzes Konkurrenzofferten eingeholt.

Der der

wurden

individuelle C-Schutz wird im übrigen zu 82 Prozent in Schweiz gefertigt. Beim C-Schutzanzug erfolgt die Be-

701

Schichtung des Aussenstoffes und die Konfektionierung der Anzüge im Ausland. Auch die als Filterelement verwendete Aktivkohle stammt aus dem Ausland.

211.42

Offerten und Verträge

Für die Herstellung der neuen ABC-Schutzmaske schloss die Gruppe für Rüstungsdienste mit der Firma Huber & Suhner AG, Pfäffikon ZH, einen Optionsvertrag ab. Die Firma wurde als Generalunternehmerin verpflichtet, mindestens die Hälfte des Auftragsvolumens an Unterlieferanten in der Schweiz weiterzugeben. So wird die Endmontage zum grössten Teil bei der Firma Biwi SA in Glovelier (Kanton Jura) erfolgen. Daneben sind weitere Unterlieferanten in allen Regionen der Schweiz beteiligt.

Für den neuen Mundfilter wurden im Wettbewerb zwei Modelle evaluiert. Nachdem beide Typen technisch ebenbürtig sind, wird die Typenwahl allein aufgrund von wirtschaftlichen Kriterien erfolgen.

Die Korrektionsgläser zur neuen ABC--Schutzmaske werden von der Eidgenössischen Waffenfabrik Bern bereitgestellt, da dieser Rüstungsbetrieb bereits heute über entsprechende Erfahrung und Einrichtungen für die Herstellung der Kampfbrillen verfügt.

Für den C-Schutzanzug wurde mit der Firma Saratoga AG, Wattwil, ein Optionsvertrag abgeschlossen. Die Firma Saratoga AG ist eine gemeinsame Gründung der Firmen Heberlein Textildruck AG, wattwil, und Blücher GmbH, Erkrath (BRD). Letztere ist Schutzrechtsinhaberin des Herstellungsverfahrens für den Stoff des Schutzanzuges. Die Firma Saratoga AG hat ihrerseits als Generalunternehmerin Offerten im Wettbewerb bei Spinnereien, Webereien, Veredelungsbetrieben sowie Konfektionären eingeholt.

Die Konfektion der Anzüge wird voraussichtlich bei zwei ausländischen Firmen erfolgen. Die Beschichtung des Stoffes mit

702

Aktivkohle soll auf bestehenden Anlagen blik Deutschland vorgenommen werden.

in der Bundesrepu-

Die ABC-Schutzhandschuhe werden im Inland gefertigt.

Die ABC-Ueberstiefel werden durch die Firma Dätwyler AG, Altdorf, geliefert, mit der ebenfalls ein Optionsvertrag abgeschlossen wurde. Die Firma Dätwyler übernahm diese Fertigung von der Firma Bata AG in Möhlin, welche ihre diesbezügliche Fabrikation im Frühjahr 1990 einstellte.

211.43

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Ablieferungen des Materials erfolgen ab 1994 und werden bis 1997 dauern, um einen unerwünschten Unterbruch in der Fertigung der Ausrüstungen zu vermeiden, ist geplant, eine Folgeserie von C-Schutzanzügen zur Ausrüstung der übrigen Truppen im Laufe des Ausbauschrittes 1992-1995 zu beantragen.

211.5

Risikobeurteilung

Wie sich aus den sehr sorgfältig durchgeführten Verifikationsversuchen ergab, stellt die Herstellung der ABC-Schutzmaske trotz der grossen Erfahrung des Herstellers ein mittleres Risiko dar.

Das Risiko bezüglich des c-Schutzanzuges wurde durch die Herstellung einiger tausend Laufmeter überprüft. Zudem verfügt die mit der Fertigung des Stoffes betraute deutsche Beschichtungsspezialfirma über ausreichendes Wissen bezüglich einer Seriefertigung. Trotzdem sind wegen der hohen Qualitätsanforderungen Anfangsschwierigkeiten nicht auszuschliessen. Das diesbezügliche Risiko wird ebenfalls als mittel eingestuft.

Beim übrigen Material handelt es sich weitgehend um bereits eingeführtes bzw. bekanntes Material.

703

Für das Gesamtvorhaben wurde 5 Prozent gerechnet.

mit einem Risikozuschlag

211.6

Folgekosten und Bauten

211.61

Folgekosten

von

Mit dem C-Schutzanzug und der ABC-Schutzraaske muss bei jeder Dienstleistung geübt werden.

Der neu zu beschaffende C-Schutzanzug besteht aus dem gleichen Aussenstoff wie der Tarnanzug aller Truppen. Die beiden Anzüge werden wahlweise getragen. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache sowie der bisherigen Ausfallrate von rund 5 Prozent beim Tarnanzug muss mit einem Ausfall von rund 2,5 Prozent der lOO'OOO Uebungsanzüge, das heisst mit 2500 CSchutzanzügen 90 pro Jahr, gerechnet werden. Allerdings wird dadurch auch die entsprechende Anzahl Tarnanzüge weniger beschädigt. Massgebend für die Berechnung der Folgekosten ist somit die Differenz zwischen den Kosten für Tarnanzug und CSchutzanzug. Es ergeben sich jährlich wiederkehrende Kosten von rund 140'000 Franken.

Hiezu kommen die mangels Erfahrung noch nicht schätzbaren Kosten für defekte ABC-Schutzhandschuhe und ABC-Ueberstiefel. Sollten diese Ausfälle zu erheblichen Folgekosten führen, so raüsste die Notwendigkeit des Tragens der Ueberstiefel und der Handschuhe im C-Teilschutz (Normalfall) im Truppendienst überprüft werden. Für die ABC-Schutzmaske, die wie bisher den Armeeangehörigen nach Hause abgegeben wird, ist nur mit vernachlässigbaren Abnützungserscheinungen zu rechnen.

Die

erwähnten Mehraufwendungen werden zum Teil kompensiert,

weil die bisherigen Plastik-ABC-Schutzhandschuhe tik-Schutzüberwürfe nicht mehr gebraucht werden.

Mit für

704

und Plas-

der Einführung des individuellen C-Schutzes ergibt sich die Bereitstellung sowie für den Unterhalt der in der

Ausbildung Stellen.

211.62

verwendeten Schutzanzüge

ein

Hehrbedarf von 16

Bauten

Die für die C-Schutzanzüge notwendige Einlagerungsfläche wird durch die Auslagerung der zurzeit noch als Korpsmaterial zugeteilten Schlafsäcke freigestellt. Der Wehrpflichtige erhält ab 1993 den Schlafsack als persönliche Ausrüstung mit nach Hause.

Die Bereitstellung der Fertigungsräume für die Korrektionsgläser der ABC-Schutzmaske 90 erfordern in der Eidgenössischen Waffenfabrik Bern bauliche Massnahmen im Betrag von rund 350'000 Franken. Die Finanzierung soll mit dem Bauvoranschlag 1992 beantragt werden.

212

800 Wärmebildgeräte (200,0 Mio. Fr.)

212.1

Einleitung

Die zur Beschaffung beantragten 800 tragbaren Wärmebildgeräte ermöglichen das Beobachten bei Nacht und schlechter Sicht. Sie arbeiten passiv und sind deshalb vom Gegner nicht zu orten. Mit ihrer Hilfe können Aktionen eines Gegners rechtzeitig erkannt werden. Sie können zum Schutz der stets verwundbarer werdenden zivilen und militärischen Infrastruktur und von Grenzabschnitten eingesetzt werden. Sie sind ein wichtiges Mittel, um die bei uns in den letzten Jahren in grosser zahl einzusetzen.

beschaffte

Beleuchtungsmunition

rechtzeitig

Das beantragte Gerät wurde in Zusammenarbeit zwischen der Schweizer Industrie und der Gruppe für Rüstungsdienste entwickelt.

705

212.2

Militärische Aspekte

212.21

Militärische Begründung

Moderne

Streitkräfte sind in zunehmendem Masse in der Lage,

mit Hilfe elektrooptischer Nachtsichtgeräte den Kampf auch nachts und bei schlechter Sicht mit hoher Intensität zu führen. Bei diesen Geräten handelt es sich um passiv arbeitende, d.h. nicht ortbare Systeme. Je nach der angewandten Technik ist zwischen Wärmebildgeräten und Restlichtverstärkern zu unterscheiden. Die zur Beschaffung beantragten Wärmebildgeräte machen Unterschiede in der wärmeabstrahlung von Körpern für das Auge sichtbar. Selbst auf Distanzen von rund 2000 m sind die mit Wärmebildgeräten gewonnenen Bilder aussagekräftig. Sie erleichtern entscheidend sowohl die Aufklärung als auch den Waffeneinsatz bei eingeschränkter Sicht.

Dies gilt nicht bloss für den Fall offener Kampfhandlungen, sondern auch für die an Bedeutung gewinnenden Ueberwachungsaufgaben.

Für

den Kampf

Mittel licht.

für die

bei

Nacht besitzt unsere

Beleuchtung des

Armee beschränkte

Gefechtsfeldes mit

weiss-

Die in der Armee eingeführten aktiv arbeitenden, d.h. für den Gegner ortbaren infrarot-Beobachtungs- und -Zielgeräte müssen aus Alterungsgründen liquidiert werden.

Einige neue Waffensysteme, wie z.B. der Panzer 87 Leopard, sind bereits mit einer modernen passiven Nachtsichttechnik für das Fahren, Beobachten und Kämpfen ausgerüstet.

Im

Bereich der elektrooptischen

Nachtsichttechnik bestehen

erhebliche Lücken. Unter erschwerten Sichtverhältnissen ist daher nicht sichergestellt, dass feindliche Aktionen frühzeitig erkannt und eigene Schwergewichte rechtzeitig gebildet werden können. Dieses Uncjenügen zählt umso mehr, als die militärische Dichte in unserem Land in den nächsten Jahren als Folge der reduzierten Bestände der Armee geringer wird.

Auch für den Schutz unserer zivilen und militärischen Infra-

706

Struktur ist es wichtig, über bachtung au verfügen.

eine wirkungsvolle Nachtbeo-

Die erwähnten Mängel sollen nun mit einer tranchenweisen Beschaffung moderner Nachtsichtgeräte beseitigt werden.

Mit dem Einsata von Wärmebildgeräten wird die Aufklärung bei schlechter Sicht, insbesondere bei Dunkelheit, Nebel oder Regen, ermöglicht oder wesentlich verbesssert. Aber auch bei guter Sicht wird die Erkennung von getarnten Objekten verbessert .

Nach Vorliegen der Strukturen der künftigen Armee 95 muss voraussichtlich der Restbedarf an Wärmebildgeräten mit einer weiteren Beschaffungstranche beantragt werden.

212.22

Beurteilung durch die Truppe

In der Zeit von September 1988 bis November 1989 wurden bei verschiedenen Truppengattungen eingehende Truppenversuche durchgeführt. Leistung und Funktionszuverlässigkeit der beantragten Wärmebildgeräte entsprechen den militärischen Anforderungen. Aufgrund der Versuchsergebnisse konnte das beantragte Wärmebildgerät als truppentauglich erklärt werden.

212.23

Eingliederung bei der Truppe

Die beantragten 800 Wärmebildgeräte sind primär für die Aufklärungsformationen vorgesehen; sekundär können sie für Ueberwachungsaufgaben eingesetzt werden.

212.24 Umschulung

Umschulung, Ausbildung, unterhalt und

Ausbildung

finden im

Rahmen der

normalen

Dienstleistungen statt und bieten keine besonderen Probleme.

707

Für den unterhalt der für uns neuen Technologie ergeben sich eindeutig Mehrbelastungen; ungefähr ein Fünftel der Beschaffungskosten muss in den Aufbau der Logistik investiert werden.

212.3

Technische Aspekte

212.31

Funktion und Zweck des Wärmebildgerätes

Das Wärmebildgerät wandelt die vom betrachteten Objekt und vom Hintergrund abgegebene langwellige Wärmestrahlung (8-12*/m) in ein für das menschliche Auge sichtbares Licht um. Dabei können Temperaturdifferenzen von nahezu einem Zehntelsgrad Celsius aufgelöst werden, was zusammen mit der geometrischen Auflösung von 0,2 Milliradian ermöglicht, ein Objekt von der Grosse eines Panzers auf eine Distanz von über l Kilometer zu identifizieren.

Die dabei verwendeten Wärmedetektoren funktionieren nur, wenn sie auf 77 Grad Kelvin (-196°C) gekühlt werden; eine solch tiefe Temperatur wird durch Entspannung von in kleinen Gasflaschen enthaltener hochkomprimierter Luft auf Umgebungsdruck erreicht.

Das Wärmebildgerät ist ein für länger dauernde Aufklärungsund Ueberwachungsaufgaben konzipiertes Beobachtungsgerät. ES kann bei Tag und Nacht sowie bei schlechter Sicht eingesetzt werden. Bei der Entwicklung wurde speziell auf einen ermüdüngsfreien binokularen Einblick, einen möglichst geringen Energiebedarf und ein grosses Sehfeld für die geforderten Reichweiten geachtet.

Technische Daten: - Sehfeld (umschaltbar) - typ. Leistungsaufnahme - Gewicht

708

9"x 19"

/

2,2°x 4,7" 3 Watt 12,5 kg

212.32

Beschreibung der Ausrüstung

Das Wärmebildgerät mit Zubehör ist in einer Einsatzverpackung untergebracht; darauf aufgeschnallt ist ein Kleinstativ. Zur weiteren Ausrüstung gehören ein Normalstativ und die Betriebsmittel wie Akkumulatoren und Gasflaschen. Die Ausrüstung kann von einem Mann getragen werden.

"" '> '«V,

Für den ortsfesten Einsatz kann das Gerät über ein Speisegerät an das 220-Volt-Netz angeschlossen werden. Für den Betrieb auf Fahrzeugen ist ein Gleichspannungskonverter vorgesehen.

Ein separater, robuster Stativkopf ist für Einsätze im Schützenpanzer oder auf dem Patrouillenboot 80 vorgesehen.

709

212.33

Logistische Aspekte

212.331

Betriebsmittel

Die

verbrauchten Akkumulatoren können mit

dem Ladegerät 90

innert drei Stunden wieder geladen werden.

Für

das Füllen

der

Gasflaschen mit reiner

Luft auf einen

Druck von 325 bar sind spezielle Hochdruck-Kompressoren mit nachgeschalteten Filtern erforderlich.

212.332

Prüf- und Reparaturausrüstungen

Für den unterhalt der neuen Ausrüstung werden nebst den herkömmlichen Elektronikprüfmitteln auch speaielle Testgeräte im Wärmebildbereich benötigt.

Das Wärmebildgerät ist mit einem Diagnosestecker ausgerüstet, was eine automatisierte Gerätekontrolle bis auf Stufe Baugruppe ermöglicht.

212.34

Entwicklung, Erprobung und technische Beschaffungsreife

Eine breite Marktuntersuchung zeigte, dass die spezifischen Truppenbedürfnisse für eine weiträumige, leistungsfähige Beobachtung und Aufklärung nur über eine Eigenentwicklung eines Gerätes auf Wärmebildbasis gedeckt werden konnten.

Nachdem die in den Jahren 1981 und 1982 durchgeführten Studien die technische Realisierbarkeit eines solchen Vorhabens ergeben hatten, wurde 1984 beschlossen, ein schweizerisches Wärraebildgerät als gemeinsames vorhaben der einheimischen Industrie und des Militärdepartementes au entwickeln. Bestimmend für diesen Entscheid waren zudem rüstungspolitische Ueberlegungen, d.h. das Bestreben, die bei der Schweizer Industrie vorhandenen Kapazitäten auf dem Gebiete der Infrarotstrahlung zu nutzen und zu erhalten, Exportmöglichkeiten zu öffnen sowie die bisherigen von der Gruppe für Rüstungs-

710

dienste getragenen Forschungsanstrengungen Entwicklungsvorhaben einzubringen.

in ein konkretes

Die Entwicklungskosten beliefen sich auf 6,7 Millionen Franken. Von diesem Betrag gingen 3,1 Millionen zulasten des Bundes, den Rest trug die Schweizer Industrie. Als Gegenleistung erhielt diese das Recht zur kommerziellen Verwertung des geistigen Eigentums, unter Vorbehalt der fallweisen Zustimmung des Militärdepartementes. Für den Fall von Verkäufen an Dritte hat sich die Lieferfirma Siemens-Albi s AG, Zürich, verpflichtet, dem Bund Rückzahlungen an die von ihm getragenen Entwicklungskosten zu leisten.

Die an den Funktionsmustern aufgetretenen Probleme konnten bei der Realisierung von drei Prototypgeräten bis Ende 1987 gelöst werden. Die erfolgreiche technische Erprobung und die darauf folgenden Truppenversuche bei verschiedenen Waffengattungen während anderthalb Jahren führten 1989 zur technischen Beschaffungsreife und zur Erklärung der Truppentauglichkeit des Wärmebildgerätes samt Zubehör. Ein erneuter Vergleich mit auf dem Markt erhältlichen Geräten bestätigte, dass die Bedürfnisse der Truppe mit der Eigenentwicklung am besten erfüllt werden.

212.4 212.41

Beschaffung Beschaffungsumfang und -kredit

Beschaffungsumfang men:

und -kredit setzen sich wie folgt zusam-

Mio. Fr.

136,2

136,2

711

Mio. Fr.

136,2

Total

200,0

212.42

1,2 2,7 33,0 0,5 21,6 4,8

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Die Beschaffung der Wärmebildgeräte wird innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste abgewickelt.

Vertragspartner als Generalunternehmer mit Systemsverantwortung ist die Firma Siemens-Albis AG, Zürich; wichtigster Unterauftragnehmer für den Bereich Optik ist die Firma Leica Heerbrugg AG, ehemals Wild Heerbrugg AG.

Die Akkumulatoren und Ladegeräte werden bei der Firma Leclanché SA, Yverdon, beschafft. Im weitern werden sowohl durch den Generalunternehmer Siemens-AIbis als auch durch die Firma Leica weitere Firmen als Unterlieferanten beigezogen.

Mit den Firmen Siemens-AIbis und Ledanone wurden Optionsverträge abgeschlossen, welche das Einsichtsrecht in die Preiskalkulation enthalten. Die weiteren Kosten sind teils durch verbindliche Offerten abgesichert, teils geschätzt.

712

212.43

Inlandanteil und Beteiligung

Der schweizerische Anteil an 90 Prozent.

212.44

der Beschaffung beträgt

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Auslieferung des Materials Mitte 1996.

212.5

rund

erfolgt von Mitte

1993 bis

Risikobeurteilung

Das Risiko dieser erstmaligen Beschaffung bewertet.

wurde als mittel

Ein gewisses Risiko besteht bei den Terminen für die Herstellung der Nullserie sowie bezüglich des fristgemässen Bestehens der Qualifikations- bzw. der Typenprüfung. Das Risiko bei der eigentlichen Serienfabrikation wird als klein beurteilt.

212.6

Folgekosten und Bauten

Zur Sicherstellung des Unterhaltes sowie für das Abfüllen der Gasflaschen bei der Kriegsmaterialverwaltung sind fünf zusätzliche Stellen erforderlich; der Aufwand für jährliche Ersatzmaterialbeschaffungen sowie für die amtliche Prüfung der Gasflaschen wird auf 1,4 Millionen Franken geschätzt.

Für die Lagerung, den Unterhalt und die Ausbildung sind aus heutiger Sicht bauliche Anpassungen im Umfang von 0,3 Millionen Franken erforderlich.

28 Bundcsblall 143.Jahrgang. Bd. II

713

22

Infanterie ( 4 6 4 , 0 Mio. F r . )

221

Panzerfaust (285,0 Mio. Fr.)

221.1

Einleitung

Die Suche nach einem geeigneten Ersatz für das seit 1958 eingeführte und seither mehrfach verbesserte 8,3-cm-Raketenrohr hat mangels eines geeigneten Produktes lange gedauert. Mit der Panzerfaust der deutschen Firma Dynamit Nobel AG wird nun eine Waffe zur Beschaffung beantragt, welche die hohen Anforderungen an ein Nachfolgesystem erfüllt.

Bei der Panzerfaust handelt es sich um eine tragbare, ungelenkte Panzerabwehrwaffe, welche ab Schulter eingesetzt wird. Die Abwehr- und Kampffähigkeit des einzelnen Wehrmannes auf Stufe Kompanie gegen gepanzerte Fahrzeuge wird mit der Beschaffung der Panzerfaust erheblich verstärkt.

Beantragt wird die Beschaffung von Abschussgeräten, einer ersten Munitionsdotation sowie von Material für Ausbildung, unterhalt und Ersatz. Es ist vorgesehen, mit einem späteren Rüstungsprogramm zusätzliche Munition zu beschaffen.

Das hier beantragte Material wird teils beim Entwickler und Hersteller des Systems, der deutschen Firma Dynamit Nobel AG, gekauft, teils in der Schweiz unter Leitung der als Generalunternehmerin für die Teillizenz verpflichteten Eidgenössischen Munitionsfabrik Thun hergestellt. Die für die Fabrikation in der Schweiz benötigten Einrichtungen, Speaialwerkzeuge und Prüfmittel sowie der Aufwand für die Qualifikation der Lizenzfabrikation durch den deutschen Lizenzgeber sind im vorliegenden Antrag eingeschlossen.

714

221.2

Militärische Aspekte

221.21

Militärische Begründung

Trotz eingeleiteter Abrüstung und der damit verbundenen quantitativen Reduktion der mechanisierten Verbände geht in allen modernen Armeen die qualitative Verbesserung der Kampfpanzer und ihrer gepanzerten Begleitfahrzeuge weiter.

Solche modernisierte mechanisierte Verbände sind weiterhin die Hauptträger von Angriffsoperationen, unsere Füsilier-, Grenadier- und Radfahrerkompanien müssen somit auch in Zukunft gepanzerte Fahrzeuge bekämpfen können.

Für den Panzerabwehrkampf auf der mittleren taktischen Stufe (Regiment und Bataillon) werden heute die TOW-Lenkwaffen und die Dragon-Lenkwaffen eingesetzt. Beide sind von moderner Bauart. Ihr Einsatz erfolgt durch spezialisierte Einheiten.

Auf Stufe Kompanie stehen heute noch immer die 8,3-cm-Raketenrohre im Einsatz. Diese Waffe weist eine praktische Einsatzdistanz von rund 170 m gegen fahrende und 200 m gegen stehenden Ziele auf. Obwohl das Raketenrohr seit seiner Einführung durch mehrere Verbesserungen dem Fortschritt der Panzertechnologie angepasst wurde, ist seine Durchschlagsleistung zur Bekämpfung moderner gepanzerter Fahrzeuge nicht ausreichend.

Das eingeführte Raketenrohr basiert noch weitgehend auf der Technologie des Zweiten Weltkrieges. Die Kampfmotivation des Einzelkämpfers beruht jedoch auf dem vertrauen in seine eigene Waffe; dementsprechend schätzt er seine Verteidigungsmöglichkeiten ein. Folglich muss ihm eine moderne, der heutigen Technologie entsprechende und leistungsfähige Waffe gegen gepanzerte Fahrzeuge aller Art zur Verfügung stehen, auf deren Wirkung er vertrauen kann.

Die Verbesserung des Panzerschutzes und der Mobilität von gepanzerten Fahrzeugen wird weitere Fortschritte machen. Die neue Panzerabwehrwaffe sollte deshalb ein Entwicklungspoten-

715

tial aufweisen, um .zukünftige Entwicklungen im Panzerbereich auffangen zu können.

221.22

Einsatz

Der geplante Einsatz der Panzerfaust entspricht grundsätzlich demjenigen des Raketenrohres. Auch die neue Waffe wird im Verbund mit den anderen Panzerabwehrmitteln eingesetzt.

Dabei kommt den Panzerabwehrlenkwaffen Dragon und TOW die Aufgabe zu, den mechanisierten Gegner vor dem Auftreffen auf die Stützpunkte und Sperren zu bekämpfen und das Heranführen von weiteren Kräften zu verhindern. Im Verlauf der Kampfhandlungen ist jedoch damit zu rechnen, dass Teile der mechanisierten Verbände bis auf die Stützpunkte und Sperren vorstossen.

Die Infanterie, die Radfahrer und die Panzergrenadiere sind deshalb auf eine wirkungsvolle Panzerabwehrwaffe auf unterer taktischer Stufe angewiesen. Mit der Panzerfaust werden die Züge und Kompanien dieser Truppen befähigt, einen in ihren Einsatzraum vorgedrungenen mechanisierten Gegner zu bekämpfen. Für die Verbände der andern Waffengattungen bringt die Panzerfaust eine erhebliche Verbesserung des Selbstschutzes.

Die Füsilier-, Grenadier- und Radfahrerkompanien führen den Kampf vor allem im überbauten, engen Infanteriegelände des Mittellandes und in Engpässen entlang möglicher Vorstossachsen des Alpenraumes. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, aus Stützpunkten und Sperren sowie im Ortskampf gegnerische Vorstösse zu stoppen. Durch die starke Kammerung unseres Geländes sind oftmals nur kurze Schussdistanzen möglich. Die praktische Einsatzdistanz der Panzerfaust von 250 m entspricht somit den Bedürfnissen.

Von

Bedeutung ist auch die

grosse Durchschlagsleistung und

die bessere Erstschuss-Treffwahrscheinlichkeit der Panzerfaust gegen fahrende, nur teilweise sichtbare Ziele. Im immer bedeutsamer werdenden Ortskampf ist zudem mit der Pan-

716

zerfaust, im Unterschied zum Raketenrohr, der Einsatz Häusern ohne besondere Vorkehrungen möglich.

221.23

Eingliederung und Einführung

221.231

Eingliederung bei der Truppe

Mit der zur Beschaffung beantragten Panzerfaust wird das 8,3-cm-Raketenrohr abgelöst. Die frei werdenden Waffen werden liquidiert. Die Zuteilung der Panzerfaust erfolgt an die Formationen der Infanterie und der Mechanisierten und Leichten Truppen, abgestimmt auf die jeweiligen Aufgaben der betroffenen Einheiten und die sich daraus ergebenden Panzerabwehrbedürfnisse. Bei den übrigen Truppen erfolgt die Zuteilung im Rahmen der Armee 95 für Selbstschutzaufgaben nach einheitlichen Grundsätzen, Bei den beantragten 18'OOD Abschussgeräten, einschliesslich der Geräte für Ausbildung und die Reserve, ist die im Vorhaben Armee 95 geplante Bestandesreduktion berücksichtigt.

Allfällige Aenderungen der Zuteilung sind nach Festlegung der definitiven Strukturen der Armee 95 im Rahmen des beantragten Beschaffungsumfanges möglich.

221.232

Einführung

1992 werden die Instruktoren der Infanterie und der Mechanisierten und Leichten Truppen ausgebildet. 1993 bis 1996 erfolgt die Umschulung der verbände der Infanterie und der Mechanisierten und Leichten Truppen in der Reihenfolge Feldarmeekorps 4, Feldarmeekorps 2, Feldarmeekorps l, Gebirgsarmeekorps 3. Anschliessend erfolgt die Umschulung der übrigen Truppengattungen.

Die Einführung der Panzerfaust erfolgt gleichzeitig über die Truppenkurse und die Rekruten- und Kaderschulen der jeweiligen Armeekorps.

717

Für die Umschulung auf die Panzerfaust Truppenkurses vorgesehen.

221.24

Truppenversuche

221.241

Durchführung

ist die Dauer eines

Die Truppenversuche erstreckten sich über rund 18 Monate.

Bereits im Frühjahr 1989 wurden mit Vorseriematerial Truppenprinzipversuche durchgeführt. Ziel dieser Versuche war es, die organisatorische Gliederung sowie die Waffen- und Munitionszuteilung auf Stufe Gruppe und Zug festzulegen und erste Erkenntnisse über die Einsatamöglichkeiten der Panzerfaust im Rahmen der Panzerabwehrkampfführung der Infanterie und der Mechanisierten und Leichten Truppen zu gewinnen.

Von Januar bis Juni 1990 fanden dann unter Leitung des Bundesamtes für Infanterie die eigentlichen Truppenversuche mit der Panzerfaust statt. Als Versuchstruppe wurden Füsilierzüge aus mehreren an der Schiessschule Walenstadt dienstleistenden Füsilierbataillonen eingesetzt. Ihre Aufgabe bestand darin, die Eignung der Kriegsmunition und des Ausbildungsmaterials unter verschiedenen Kampf- und Umweltbedingungen zu ermitteln.

221.242

Ergebnisse

Nach Auswertung der Ergebnisse der Truppenversuche wurde das System Panzerfaust als truppentauglich erklärt. Die Reaktionen der bei den Versuchen eingesetzten Truppe waren durchwegs positiv.

Haffensystem Der und

718

Einsatz des Systems ist auch bei extremen klimatischen meteorologischen Bedingungen gewährleistet. Die erziel-

ten Treffergebnisse sind deutlich besser als diejenigen mit dem 8,3-cm-Raketenrohr 80.

Die Waffe ist im Unterschied zum Raketenrohr rückstossfrei, was für den Schützen von Vorteil ist. Sie ist zudem so konzipiert, dass sie aus geschlossenen Räumen heraus eingesetzt werden kann.

Die Fanzerfaust ist grösser und etwas schwerer als das 8,3cm-Raketenrohr 80. Die Truppenversuche bestätigten, dass die Fanzerfaust mit guter Erfolgsaussicht in die Kampfführung der Infanterie und der Mechanisierten und Leichten Truppen und für den Selbstschutz der übrigen Waffengattungen integriert werden kann.

Ausbildungsmittel in den Truppenversuchen wurden auch die vorhandenen Ausbildungsmittel erprobt. Gleichzeitig wurde ermittelt, welche minimalen Schusszahlen erforderlich sind, um eine ausreichende Ausbildung mit vertretbaren Kosten zu gewährleisten.

Als Ausbildungsmittel sind eine Vollkaliber-Uebungspatrone, ein Einsatzlaufsystem und eine Manipulierpatrone erhältlich.

Alle drei Ausbildungsmittel haben sich grundsätzlich bewährt.

um dem Schützen Vertrauen in die Waffe zu geben, rauss in den Rekrutenschulen und Umschulungskursen Vollkaliber-Uebungsmunition verschossen werden; aus Kostengründen ist dies nur in kleinen Stückzahlen möglich.

Ein wesentlicher Teil der Ausbildung wird vorläufig noch mit dem bei der Deutschen Bundeswehr eingeführten Einsatzlaufgerät erfolgen, welches bezüglich Formgebung, Gewicht und Handhabung der Kampfmunition entspricht. Die Munition dieses Einsatzlaufgerätes ist indessen teuer und verursacht zudem bezüglich Lärm und Munitionsrückständen unnötige Immissionen auf den Schiessplätzen. Es ist deshalb vorgesehen, raschmöglichst auf ein kostengünstigeres und umweltfreundlicheres

719

Gerät zu wechseln. Die entsprechenden Entwicklungsarbeiten sind schon weit fortgeschritten.

Mit den drei erwähnten Ausbildungsmitteln kann die Ausbildung an der Panzerfaust sichergestellt werden. Das Schiessen auf bewegliche Ziele und wechselnde Distanzen ist ein wichtiger Teil dieser Ausbildung. Für dieses Schiessen steht aber nur eine beschränkte Zahl fest installierter Zielbahnen auf

verschiedenen

Schiessplätzen

zur Verfügung.

In einem

späteren Schritt ist deshalb vorgesehen, Schiessimulatoren einzusetzen, ähnlich denjenigen, welche schon mit Erfolg beim Panzer 68 und Panzer 87 Leopard sowie bei den Lenkwaffen Dragon und TOW verwendet werden.

Unterhalt, Wartung Der Parkdienst am Abschussgerät ist einfach. Durch geringe Anpassungen ist es möglich, das Parkdienstmaterial des 8,3cm-Raketenrohres 80 für das Einsatzlaufsystem der Panzerfaust weiterzuverwenden.

Reparaturen sowie der Austausch von Baugruppen oder Teilen des Abschussgerätes sind nur in beschränktem Masse möglich, jedoch auch selten erforderlich. Aus diesem Grunde wird auf eine aufwendige Reparaturorganisation verzichtet. Es ist vielmehr vorgesehen, der Truppe und den Unterhaltsstellen der Kriegsmaterialverwaltung eine geringe Zahl von ReserveAbschussgeräten zur Sicherstellung einer möglichst hohen Verfügbarkeit der Panzerabwehr-Bewaffnung zuzuteilen.

Ein einfaches Prüfgerät soll dem Truppenhandwerker erlauben, allfällige DeJustierungen des Abschussgerätes festzustellen.

Die Nachjustierung fehlerhafter Geräte wird dagegen in den dafür vorgesehenen Betrieben der Kriegsmaterialverwaltung durchgeführt.

720

221.3

Technische Aspekte

221.31

Beschreibung der Panzerfaust

Die Panzerfaust ist eine tragbare Einmann-Fanzerabwehrwaffe, geeignet für die Bekämpfung von gepanzerten Kampffahrzeugen auf eine Distanz bis zu 250 m.

Abschussbereite Fanzerfaust mit ausgezogenem Abstandsrohr

Das Waffensystem wurde durch die Firma Dynamit Nobel AG im Auftrag des deutschen Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) unter der Bezeichnung Panzerfaust 3 entwickelt. Es wird bei der Bundeswehr als Nachfolgesystem der Panzerfaust 2 eingeführt.

Das System besteht aus einem wiederverwendbaren Abschussgerät und einer Hohlladungspatrone.

Das Abschussgerät umfasst zwei abklappbare Griffe, eine Abfeuerungsvorrichtung sowie ein Zielfernrohr. Es wird mit einer einfachen Bewegung an die Patrone angeklinkt und verriegelt.

Die Hohlladungspatrone besteht aus dem Abschussrohr und dem eigentlichen Hohlladungsgeschoss, dessen überkalibriger Gefechtskopf über das Abschussrohr herausragt. An der Spitze des

Gefechtskopfes ist ein ausziehbares

Abstandsrohr ange-

721

bracht, das dazu dient, die Zündung kurz vor dem Auftreffen einzuleiten. Damit kann eine wesentlich bessere Durchschlagsleistung erzielt werden.

Abschussgerät

Hohlladungspatrone mit eingeschobenem Abstandsrohr Beim Abschuss treibt die in der Mitte des Rohres angebrachte Ladung das Hohlladungsgeschoss nach vorne und die gleich schwere Gegenmasse nach hinten. Dieser symmetrische Vorgang verhindert die Entstehung eines Rückstosses. Nach Verlassen

722

des Abschussrohrs beschleunigt das Marschtriebwerk das Hohlladungsgeschoss auf seine Höchstgeschwindigkeit von 240 m/sek. Diese Geschwindigkeit ermöglicht praktische Einsatzdistanzen bis zu 250 m. Der Hohlladungsstrahl vermag mehr als 700 mm panzerstahl zu durchbohren.

Die beim Abschuss nach hinten beschleunigte Gegenmasse zerfällt nach dem Ausstoss aus dem Abschussrohr in energiearme Kartonschnipsel und Metallpulver, welche rasch abgebremst werden. Dieser Gegenmassenantrieb erfordert im Vergleich au anderen rückstossfreien Antrieben nur wenig freien Raum hinter der Waffe. Aus diesem Grund kann die Panzerfaust ohne Gefährdung auch aus einem geschlossenen Raum heraus eingesetzt werden.

Das leere Abschussrohr kann kein zweites Mal verwendet werden.

Die Leistungen und technischen Daten der Panzerfaust sind in der nachfolgenden uebersicht zusammengefasst: Durchschlagsleistung des Hohlladungsgefechtskopfes

mehr als 700 mm Panzerstahl

Praktische Einsatzdistanz - fahrende Ziele - stehende Ziele

200 m 250 m

Gewichte - Waffe, abschussbereit - Hohlladungspatrone - Abschussgerät

13 kg 10,7 kg 2,3 kg

Länge der einsatzbereiten Waffe

1,34 m

Kaliber des Hohlladungsgefechtskopfes

110 mm

(Flugzeit 0,9 Sek.)

(Flugzeit 1,1 Sek.)

Zur praktischen Ausbildung stehen drei verschiedene Mittel zur Verfügung, welche alle der Hohlladungsmunition nachgebildet sind und mit dem herkömmlichen Abschussgerät eingesetzt werden. Es sind dies:

723

221.32 Das

Vergleich mit dem Raketenrohr 80

heutige Raketenrohr 80

8,3-ctn-Raketenrohres wurde ab Mitte der somit dar.

ist eine Weiterentwicklung

des

50 und 58. Die Panzerfaust hingegen achtziger Jahre entwickelt und stellt

eine neue Generation der tragbaren Panzerabwehrwaffen

Raketenrohr 80

Panzerfaust

Durchschlagsleistung in Panzerstahl

500 mm

>700 mm

Praktische Einsatzdistanz auf bewegliche Ziele

170 m

200 m

Gewicht abschussbereit

10,05 kg

13 kg

Einsatz aus geschlossenen Räumen, Kellern, Befestigungen etc.

nicht möglich

möglich

TreffWahrscheinlichkeit

reduziert (wegen Rückstoss)

gut (rückstossfrei)

Erhöhung der Leistung

nicht mehr möglich

noch grosse Leistungs-- reserven

724

221.33

uebersicht über den Ablauf des Geschäftes

Bei der Suche nach einem geeigneten Ersatz des 8,3-cm-Raketenrohrs wurden verschiedene ausländische Projekte, wie z.B das französische Strinv und das schwedische Carl Gustav geprüft. Das Projekt Nora, eine schweizerische Eigenentwicklung, scheiterte. Gleich erging es vielen andern ausländischen Entwicklungsvorhaben.

Erst 1986 zeichneten sich neue interessante Entwicklungen im Ausland ab. Dies führte in der Schweiz zu folgenden Aktivitäten: Sommer 1986

Herbst 1986 Herbst 1989

Die Zeit bis zur Erhältlichkeit von Erprobungsmaterial wird zu vorbereitenden Arbeiten genutzt: Erarbeiten von Einsatz- und Ausbildungskonzepten, Durchführen von Versuchen zur Abklärung von Einzelfragen, Studium deutscher Erprobungsunterlagen und Planung der Erprobungen.

Herbst 1989 Mitte 1990

Erprobungsphase: Technische Erprobungen und Truppenversuche.

Herbst 1987 Mitte 1990

Beschaffungsabklärungen: Prüfung von Lizenzbaumöglichkeiten und Direktkaufsverhandlungen.

Herbst 1990

Evaluation der Resultate; Typenentscheid.

725

Die Systeme Apilas und Law 80 können nicht aus geschlossenen Räumen eingesetzt werden und erfüllen damit eine wesentliche Bedingung des militärischen Pflichtenheftes nicht. Zudem liegen die Kosten dieser beiden Systeme wesentlich über denen der Panzerfaust.

221.34

Technische Erprobung

Für die Durchführung der Evaluation bis hin zur Beschaffungsreife wurde auf Stufe Militärdepartement eine Projektleitung gebildet. Deren Leiter koordinierte und kontrollierte die Arbeit seiner Ressortprojektleiter aus den verschiedenen beteiligten Bundesämtern und setzte unter anderem die zu erreichenden Ziele für die technische Erprobung fest: - Ueberprüfen der Systemsleistung; - Beurteilen der Sicherheit und Lebensdauer des Systems; - Erarbeiten von Grundlagen für die Betreuung (Aenderungsdienst, Munitionsüberwachungskonzept); - Beurteilen der technischen Beschaffungsreife.

Um den zeitlichen und finanziellen Rahmen der technischen Erprobung klein zu halten, wurden soweit als möglich Unterlagen der Erprobungsstelle der Deutschen Bundeswehr beigezogen.

Die Auswertung der deutschen Erprobungsberichte zusammen mit den Ergebnissen der technischen Erprobung führten zum Schluss, dass die Panzerfaust die technischen Anforderungen bezüglich Sicherheit, Treffgenauigkeit und Wirkung im ziel erfüllt.

Aus der Erprobung ergaben sich allerdings verschiedene Aenderungsanträge, die zur Hauptsache auf die unterschiedlichen Einsatz-

und Ausbildungskonzepte bei der Bundeswehr und bei

uns zurückzuführen waren. Über die Aenderungsanträge wurde einzeln unter Beizug des Entwicklers befunden. Aus den genehmigten Anträgen resultierte eine geringe Anzahl von ergänzenden Entwicklungen. Von Bedeutung sind die Entwicklung einer

726

leichteren kostengünstigeren Munitionsverpackung, das

Anbringen einiger Verstärkungen am Abschuss- und am Einsatzlaufgerät, das Anpassen des Strichplattenbildes und Detailverbesserungen an der Einsatzlaufmunition. Das so geänderte Material wird noch einer Verifikation unterzogen. Die geringfügigen Mehrkosten sind im beantragten Kredit enthalten.

Die Panzerfaust erfüllt das militärische Pflichtenheft. Sie ist geeignet, das 8,3-cm-Raketenrohr abzulösen und gewährleistet mit dem vorhandenen Kampfwertsteigerungspotential eine lange Einsatzdauer.

221.35

Möglichkeiten zur Kampfwertsteigerung

Fortschritte in der Panzerungstechnologie verursachen zwangsläufig eine Verminderung der Wirkung der eingeführten Panzerabwehrsysteme. Deshalb kommt den technischen Systemsreserven für spätere Kampfwertsteigerungsmassnahmen hohe Bedeutung zu.

Während

beim

8,3-cm-Raketenrohr

80 diese

Reserven ausge-

schöpft sind, ist das Entwicklungspotential der Panzerfaust noch voll erhalten. Erste Versuche in dieser Richtung haben gezeigt, dass das Hohlladungsgeschoss der Panzerfaust auch mit einer vergrösserten Hohlladung und einer Vorderladung (Tandemladung) stabil fliegt und praktisch keine Reduktion der Einsatzdistanz erfolgt. Damit ist die Möglichkeit gegeben, die Panzerfaust auch zur Bekämpfung von Reaktivpanzerungen tauglich zu machen.

Aufgrund dieser Ergebnisse leitete die Gruppe für Rüstungsdienste die Entwicklung einer kampfwertgesteigerten Hohlladungsmunition ein, analog den erfolgreichen Kampfwertsteigerungen der Dragonlenkwaffen (s. Ziff. 222). Die Planung dieser Entwicklung sieht eine Beschaffungsreife im Laufe des Ausbauschrittes 1992-1995 vor.

727

221.4

Beschaffung

221.41

Beschaffungskredit

Das beantragte Material wird teils beim deutschen Hersteller und Entwickler der Panzerfaust, der Firma Dynamit Nobel AG, gekauft, teils in der Schweiz in Lizenz hergestellt.

Der Beschaffungskredit setzt sich wie folgt zusammen: Mio. Fr.

-

18'000 Abschussgeräte zu 1917 Franken Hohlladungspatronen Uebungspatronen 4'000 Einsatzlaufgeräte zu 3129 Franken und dazugehörige Munition -Logistik - Div. Unterrichtsmaterial - Geschätzte Teuerung bis zur Auslieferung -Risiko (3,5 '%) Total

34,5 65,5 87,0 43,0 17,0 6,0 22,0 10,0 285,0

in den 34,5 Millionen Franken für die Abschussgeräte sind die Kosten für die Lizenzfertigung von 12'000 Geräten in der Schweiz und für die Modifikation zwecks Verlängerung der Lebensdauer aller Geräte enthalten. Die Hohlladungspatronen werden vollumfänglich in Deutschland beschafft; die Verpackung wird indessen in der Schweiz gefertigt und der Firma Dynamit Nobel AG angeliefert. In den 87 Millionen Franken für Uebungspatronen sind die Lizenzkosten, d.h. die Kosten für den Aufbau der Infrastruktur, die Betriebsmittel, die Werkerprobung und die Qualifikation der Vorserie eingeschlossen. Die Beschaffung der Einsatzlaufgeräte und der dazugehörenden Munition wird zeitlich so gestaffelt, dass die geplante Ablösung durch ein kostengünstigeres und umweltfreundlicheres System gewährleistet ist. Die 17 Millionen Franken für Logistik umfassen die Kosten für die Ersatz-

728

teile, die Parkdienst- und Reparaturausrüstungen, die Werkzeuge, die Mess- und Prüfmittel für den Unterhalt sowie für die Dokumentationen und die Ausbildungskurse. Mit den 6 Millionen Franken für Unterrichtsmaterial werden Manipulierpatronen, Ausbildungstabellen, Modelle, Munitionsattrappen, Lehrmittel und Zieldarstellungsmaterial beschafft.

221.42

Spa rmas snahmen

Die Hohlladungspatrone der Panzerfaust ist um einiges teurer als die Kriegsmunition des 8,3-cm-Raketenrohrs 80. Diesem umstand wurde durch verschiedene organisatorische und logistische Massnahmen zur Kostensenkung Rechnung getragen: - Die Munitionsdotation bei der Panzerfaust ist wesentlich kleiner als beim 8,3-cm-Raketenrohr 80.

Damit wird verhindert, dass später alte Kriegsmunition liquidiert werden muss.

221.43

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Die Beschaffung erfolgt innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste. Ihre beiden Vertragspartner sind: -

Dynamit Nobel AG, Troisdorf (BRD) als Generalunternehmer für den Direktkauf aus Deutschland; Eidgenössische Munitionsfabrik Thun (M+FT) als Generalunternehmer für den Kauf aus schweizerischer Lizenzfabrikation.

Die Firma Dynamit Nobel liefert alle Hohlladungspatronen und Einsatzlaufsysteme sowie diejenigen Abschussgeräte und Uebungspatronen, welche für die Ausbildung der ersten Formationen notwendig sind. Mit der Firma Dynamit Nobel wurde eine Optionsvereinbarung abgeschlossen.

729

Die Firma Dynamit Nobel hat sich verpflichtet, alle Anstrengungen zu unternehmen, um einen vollen wirtschaftlichen Ausgleich der Direktbezüge aus Deutschland zu erreichen.

Mit der M+FT hat die Gruppe für Rüstungsdienste einen Optionsvertrag für die Lizenzproduktion der Abschussgeräte sowie für die Teillizenzherstellung der uebungspatronen abgeschlossen. Das Abschussgerät wird im Auftrag der M+FT durch die Firma Leica Heerbrugg AG, ehemals Wild Heerbrugg AG, hergestellt. Die Lizenzproduktion der Uebungspatronen erfolgt durch die M+FT, wobei das Abschussrohr aus der Bundesrepublik Deutschland zugekauft wird. Die M+FT ist ferner für die Lieferung sämtlicher Munitionsverpackungen sowie für einen Teil des Logistik- und Unterrichtsmaterials verantwortlich.

Bei den Vertragspartnern Dynamit Nobel und M+FT hat die Gruppe für Rüstungsdienste das Recht, die Preiskalkulation zu überprüfen und bei übersetzten Gewinnen den Preis nach unten anzupassen.

221.44

Inlandanteil und Beteiligung der Schweizer Industrie

Der Inlandanteil dieser Beschaffung beträgt 101 Millionen Franken (35 %). Davon gehen 57 Millionen Franken an die Eidgenössischen Rüstungsbetriebe und 44 Millionen Franken an die Privatindustrie. Gegenüber einem Direktkauf verursacht die schweizerische Teillizenzfabrikation Mehrkosten von 25,6 Millionen Franken (9,8 %). In den Mehrkosten sind die Aufwendungen für die Einrichtungen, Spezialwerkzeuge und Prüfmittel, welche die M+FT und die Firma Leica für die Lizenzherstellung benötigen, sowie für den Know-how-Transfer enthalten.

730

Im Fall der M+FT werden durch diese Investitionen die Voraussetzungen zur späteren Herstellung von kampfwertgesteigerter Hohlladungsmunition und von weiteren Uebungspatronen geschaffen.

221.45

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Lieferplan

1991

1995

Abschussgeräte (Direktkauf) Abschussgeräte (Lizenz) Hohlladungspatronen Uebungspatronen (Direktkauf) Uebungspatronen (Lizenz) Einsatzlaufgeräte und Munition

Das für die Ausbildung der Instruktoren benötigte Material wird die Firma Dynamit Nobel im dritten Quartal 1992 liefern. Der Hauptanteil der Materiallieferungen erfolgt ab Ende 1992 und wird Mitte 1995 abgeschlossen sein.

221.5

Risikobeurteilung

Das Risiko beim Direktkauf der Abschussgeräte, Hohlladungsund Uebungspatronen ist klein, weil für diese Komponenten im Rahmen der Beschaffung für die Deutsche Bundeswehr die Seriefreigabe schon erteilt worden ist. Für das Einsatzlaufgerät, inklusive Munition, sowie für den Lizenznachbau des Abschussgerätes und der Uebungspatronen wird mit einem mittleren Risiko gerechnet.

731

Gesamthaft gesehen ist das technische, terminliche und finanzielle Risiko als mittel einzustufen.

221.6

Folgekosten und Bauten

Nach abgeschlossener Einführung der Panzerfaust entstehen verglichen mit dem heutigen 8,3-cm-Raketenrohr - bei der Ausbildung eher geringere Kosten.

Für Lagerung und Unterhalt entsteht wegen der gleichzeitigen Liquidation des 8,3-cm-Raketenrohres kein zusätzlicher Raumbedarf. Auch für die Ausbildung sind aus heutiger Sicht keine zusätzlichen Massnahmen erforderlich.

222

Kampfwertsteigerung II des Gefechtskopfes der Panzerabwehrlenkwaffen Dragon (129,0 Mio. Fr.)

222.1

Einleitung

Die Ende der siebziger und anfangs der achtziger Jahre beschafften Dragon-Lenkwaffen sind die wichtigste Panzerabwehrwaffe der Infanterie- und der Radfahrerbataillone.

Der Dragon wird als sehr gute, treffsichere grosskalibrige Panzerabwehrwaffe der unteren taktischen Stufe betrachtet.

Die Panzerung der Gefechtsfeldfahrzeuge ist in stetiger Entwicklung. Auf die konventionelle Panzerung folgte zuerst die Verbundpanzerung (Schichtung von verschiedenartigen Materialien wie Stahl, Keramik, Glasfaserkunststoffe und ähnliches); zur Zeit wird in modernen Armeen die Reaktivpanzerung eingeführt. In Zukunft wird ein Teil der Kampffahrzeuge damit ausgerüstet sein. Es handelt sich dabei um aussen am Panzer angebrachte, mit Sprengstoff gefüllte Pakete, die

732

beim Auftreffen einet Hohlladung explodieren und den Hohlladungsstrahl dermassen stören, dass kein Durchschlag mehr erzielt wird.

Mit Bundesbeschluss zum Rüstungsprogramm 1986 (BEI 1986 III 403) genehmigten die eidgenössischen Räte ein erstes KampfWertsteigerungsprogramm, mit dem die Dragon-Lenkwaffe zur Bekämpfung von Verbundpanzerungen tauglich gemacht wird. Mit dem

nun vorliegenden Antrag soll sie zusätzlich zur Bekämp-

fung von Reaktivpanzerungen befähigt werden. Der neueste Gefechtskopf erzielt gegenüber der Originalversion eine um 80 Prozent erhöhte Durchschlagsleistung. vorgesehen ist, den mit dem ersten Kampfwertsteigerungssprogramm beschlossenen Gefechtskopf HPz G 86 mit einer vorangestellten zusätzlichen kleinen Ladung (Tandemladung) zu versehen, welche die Aufgabe hat, die Sprengstoffpakete zur Explosion zu bringen und damit den Weg für die nachfolgende Hauptladung frei zu machen.

Im Rahmen dieses Rüstungsprogrammes wird rund ein Drittel der vorhandenen Dragon-Lenkwaffen umgebaut, nämlich diejenigen, bei welchen die erste Kampfwertsteigerung noch nicht vollzogen ist. um einen grösseren Produktionsunterbruch zu vermeiden, wird eine Anzahl Dragon-Lenkwaffen mit dem Budget für Persönliche Ausrüstung und Erneuerungsbedarf 1991 finanziert.

222.2

Militärische Aspekte

222.21

Militärische Begründung

Mit den Bundesbeschlüssen zu den Rüstungsprogrammen 1977 und 1978 (BB1 1977 III 258, 1978 II 892) wurden die erste und die zweite Serie der Dragon-Lenkwaffe beschafft. Eine dritte Serie wurde mit dem Bundesbeschluss zum Rüstungsprogramm II 1981 (BB1 1981 III 1132) in Auftrag gegeben. Die Fertigung dieser dritten Serie erfolgte vollständig in der Schweiz.

733

Die stärke der Panzerungen und die Durchschlagsleistungen der Panzerabwehrlenkwaffen stehen in einem ständigen Wettlauf. Bereits anlässlich der Behandlung des Rüstungsprogrammes II 1981 wurde darauf hingewiesen, dass die Durchschlagsleistung des Dragon--Gefechtskopfes zwar zur Aussergefechtssetzung aller eingeführten Kampfpanzer genüge, zur Bekämpfung von Panzern mit Verbundpanzerung jedoch nur noch beim seitlichen Beschuss ausreichen werde.

Zwischen 1982 und 1985 wurde ein neuer Gefechtskopf, welcher der Bedrohung durch Kampfpanzer mit Verbundpanzerung Rechnung trägt, entwickelt. Mit dem Rüstungsprogramm 1986 wurde dann die Nachrüstung des Grossteils der vorhandenen Lenkwaffen mit diesem wesentlich leistungsfähigeren Gefechtskopf 86 bewilligt. Zudem beschloss das Eidgenössische Militärdepartement, die im Rahmen des Rüstungsprogrammes II 1981 bewilligten Lenkwaffen der dritten Serie von Anfang an mit dieser Verbesserung auszurüsten. Die Militärkommissionen der eidgenössischen Räte wurden darüber orientiert. Die Herstellung dieser Lenkwaffen ist heute abgeschlossen.

Die Panzerabwehrlenkwaffe Dragon ist die Schwergewichtswaffe auf Stufe Füsilier- und Radfahrerbataillon sowie Gebirgsinfanterieregiment. Sie ist in grosser Zahl eingeführt und der Truppe wohlvertraut. Der Dragon gilt als modernes, zielgenaues Waffensystem, dem der Soldat vertraut. Dieses Vertrauen soll durch die beantragte zweite Kampfwertsteigerung erhalten bleiben.

222.22

Beurteilung durch die Truppe

in Truppenversuchen vom Oktober 1989, Februar 1990 und November 1990 wurden die durch die zweite Kampfwertsteigerung verursachten Veränderungen inbezug auf die Handhabung sowie das Abschuss- und Flugverhalten der Lenkwaffe beurteilt. Die Versuche bestätigten die Truppentauglichkeit der neuen Lenkwaffenkonfiguration.

734

222.23

Umschulung, Ausbildung und Unterhalt

Das höhere Gewicht und die grösseren Abmessungen der Lenkwaffe verlangen verschiedene Anpassungen der heute vorhandenen Ausbildungsmittel. Die Einführung bei der Truppe ist indessen problemlos und erfolgt im Rahmen der normalen Dienstleistungen.

222.3

Technische Aspekte

222.31

Technische Beschreibung

Der ist

neue Tandem-Gefechtskopf HPz G 90 der Dragon-Lenkwaffe eine Weiterentwicklung des in unserer Armee sowie bei

den amerikanischen und den niederländischen Streitkräften eingeführten Dragon-Hohlladungs-Gefechtskopfes HPz G 86.

Durch Ausschöpfung der in der Dragon-Lenkwaffe enthaltenen Reserven bezüglich Gewicht und Baulänge sowie durch die Anwendung neuer Technologien konnte ein Gefechtskopf realisiert werden, der gute Wirkung gegen konventionelle Panzerungen sowie gegen heute bekannte Verbund- und Reaktivpanzerungen aufweist.

735

Links: HPz G 90.

Der

Mitte: HPz G 86.

Rechts: HPz G 77

Tandem-Gefechtskopf besteht aus zwei hintereinander an-

geordneten Hohlladungen. Die erste, kleine Ladung bringt den Sprengstoff der getiotfenen Reaktivpanüerung sur Detonation und schafft dadurch die Voraussetzung, dass der Hohlladungsstrahl der nachfolgenden Hauptladung seine volle Wirkung erzielen kann.

736

Prinzipskizze HPz G 86 und HPz G 90

Als Hauptladung wird die Hohlladung des im Rahmen der ersten Kampfwertsteigerung entwickelten Gefechtskopfes HPz G 86 eingesetzt.

Der Anbau der kleinen, zusätzlichen Hohlladung macht den neuen Tandem-Gefechtskopf etwas schwerer und länger, was geringfügige Anpassungen an der Lenkwaffe, der Verpackung und am Zielgerät bedingt.

Die beiden Hohlladungen werden zeitlich gestaffelt durch zwei elektromechanische Zündsysteme und ein Verzögerungselement gezündet. Es ist vorgesehen, diese drei Elemente durch ein noch fertig zu entwickelndes vollelektronisches System zu ersetzen. Nebst grösserer Sicherheit bei der Fertigung und Handhabung der Lenkwaffen soll das neue Zündsystera ermöglichen, im Rahmen der Munitionsüberwachung die Funktionsbereitschaft des Zünders jeder einzelnen Lenkwaffe zu überprüfen.

737

Parameter / Charakteristik

Masse - Gefechtskopf - Lenkwaffe

Abmessungen - Kaliber Gefechtskopf - Lange Lenkwaffe

Durchschlagsleistung in repräsentativen Testzielen - Panzerstahl - Verbundpanzerung - Reaktivpanzerung plus Hauptpanzerung Praktische Einsatzdistanz - stehendes Ziel - fahrendes Ziel

DragonGefechtskopf Original USA (HPz G 77)

DragonGefechtskopf CH (HPz G 86)

DragonTandem-Gefechtskopf CH (HPz G 90)

2,5 kg 6,14 kg

3,1 kg (+24%) 7,03 kg (+14%)

3,4 kg (+36%) 7,73 kg (+26%)

100 mm 746 mm

120 mm (+20%) 846 mm (+13%)

120rara(+20%) 937 mm (+26%)

Faktor 1.0 Faktor 1.7 (+70%) Faktor 1.8 (+80%) kein Durchschlag Durchschlag Durchschlag kein Durchschlag kein Durchschlag

1000 m 1000 m

1000 m 960 m (-4%)

Durchschlag

880 m (-12%) 850 m (-15%)

Gleichzeitig mit der Umrüstung auf den Gefechtskopf HPz G 90 wird die Nachtkampftauglichkeit der Lenkwaffe verbessert.

Dies geschieht durch den Einbau des im Rahmen der dritten Serie bereits eingeführten neuen Starttriebwerkes, das die Dragon-Schützen beim Abschuss nicht mehr blendet.

738

222.32

Entwicklung und Erprobung

Die Entwicklung des neuen Tandem-Gefechtskopfes HPz G 90 erfolgte in drei Phasen. In einer ersten Phase wurden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Problematik der Bekämpfung von Reaktivpanaerungen mit Tandem-Gefechtsköpfen untersucht und die Randbedingungen für die nachfolgende Entwicklung definiert. Diese Arbeiten erfolgten von Frühling 1986 bis Herbst 1987 durch den Entwickler des Dragon-Gefechtskopfes HPz G 86, die Firma Physics International Company, San Leandro (Kalifornien).

in der zweiten Phase ab Herbst 1987 bis Frühling 1989 entwickelte Physics international Company, in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Munitionsfabrik Altdorf und der Schweizer Industrie, den Tandem-Gefechtskopf HPa G 90. In Schiessversu'chen konnte das Eidgenössische Flugaeugwerk Emmen, der Generalunternehmer für das gesamte Lenkwaffensystem, die Leistung und das prognostizierte Flugverhalten der mit dem Tandem-Gefechtskopf HFz G 90 ausgerüsteten DragonLenkwaffe nachweisen.

In einer dritten Phase wurde von Anfang bis Ende 1989 unter Leitung des Eidgenössischen Flugzeugwerkes Emmen das Vorhaben zur Seriereife gebracht.

Die technische Erprobung erfolgte von Mitte 1989 bis Februar 1990. Die Anforderungen wurden erfüllt.

739

222.4

Beschaffung

222.41

Beschaffungskredit

Der Beschaffungskredit gliedert sich wie folgt: Mio Fr.

Serie mit Tandem-Gefechtsköpfen HPz G 90 inkl.

-

Einbau eines verbesserten Starttriebwerkes ....

92,9

Abnahme Technische Assistenz Aenderungsdienst Umbau der Zielgeräte Anpassung des Unterrichtsmaterials Geschätzte Teuerung bis zur Auslieferung Risiko (rund 2,5 %)

3,3 3,0 3,5 5,0 3,5 14,9 2,9

Total

129,0

Umgerüstet werden wie erwähnt nur diejenigen Lenkwaffen, bei welchen die erste Kampfwertsteigerung noch nicht vollzogen ist. Diese sind noch immer mit dem ursprünglichen Gefechtskopf HPz G 77 versehen. Die Umrüstung auf den Gefechtskopf HPz G 86 wurde zwar mit dem Rüstungsprogramm 1986 bereits bewilligt. Die entsprechenden Arbeiten werden indessen im vorliegenden Rüstungsprogramm neu beantragt. Der mit dem Rüstungsprogramm 1986 bewilligte Kredit von 85 Millionen Franken wird abgerechnet; ein Betrag in der Höhe von rund 55 Millionen Franken verfällt ungenutzt.

In

den oben ausgewiesenen 92,9 Millionen Franken sind nebst

den Kosten für die Ausrüstung der Dragon-Lenkwaffen mit dem Tandem-Gefechtskopf HPz G 90 auch die Kosten für den Einbau des verbesserten Starttriebwerkes enthalten. Die Aufwendungen für das vollelektronische Zündsystem sind in der Position Aenderungsdienst eingeschlossen.

740

222.42

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Die Beschaffung erfolgt innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste. Gesamtverantwortlicher für die Lieferung der Dragon-Lenkwaffen mit dem Tandem-Gefechtskopf HPz G 90 ist das Eidgenössische Flugzeugwerk Eramen, mit dem ein Optionsvertrag unterzeichnet wurde.

Wichtigster Unterlieferant des Eidgenössischen Flugzeugwerks Emmen ist die Eidgenössische Munitionsfabrik Altdorf, welche für die Herstellung des Gefechtskopfes verantwortlich ist.

222.43

Inlandanteil

und

Beteiligung

der

Schweizer

Industrie Die Herstellung erfolgt vollständig im Inland. Ein Anteil von 85 Prozent entfällt auf die Rüstungsbetriebe; die restlichen 15 Prozent verteilen sich auf verschiedene Privatunternehmen in der Schweiz.

222.44

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Auslieferung der mit dem Tandem-Gefechtskopf HPz G 90 ausgerüsteten Lenkwaffen erfolgt ab 1993 und wird bis Mitte 1997 abgeschlossen sein.

222.5

Risilcobeurteilung

Der kampfwertgesteigerte Gefechtskopf stellt hohe Anforderungen an die Fertigung. Zum Abbau eines möglichen Fabrikationsrisikos beim Uebergang von der Entwicklungsphase zur Seriefertigung wurden zwei Vorserien mit serientauglichen Betriebsmitteln hergestellt. Dennoch lassen sich erfahrungsgemäss

Fertigungsprobleme nicht

Risiko

ist deshalb gesamthaft

völlig ausschliessen.

als klein bis

Das

mittel einzu-

stufen.

741

222.6

Folgekosten und Bauten

Die Realisierung der beantragten Kampfwertsteigerungsmassnahmen verursacht keine jährlich wiederkehrenden Folgekosten.

Zusätzlicher Lagerraum ist nicht erforderlich.

223

1530 Laserentfernungsmesser für die 8,1-cmHinenwerfer, die Panzerjäger und die Panzer 68

(50,0 Mio. Fr.)

223.1

Einleitung

Laserentfernungsmesser ermöglichen es, Distanzen rasch und sehr genau zu messen. Geschütze aller Art können damit schneller und präziser schiessen. Dadurch verringert sich ebenfalls der Munitionsaufwand.

Mit den Bundesbeschlüssen zu den Rüstungsprogrammen 1985 und 1987 (BBl 1986 I 84, jj87 III 271) wurde die Beschaffung von Laserentfernungsmessern, welche mit Goniometern (Winkelmessgeräten) kombiniert sind, für die Ausrüstung der ArtillerieSchiesskommandanten und der Beobachter der Schweren Minenwerferkompanien bewilligt. Mit dem vorliegenden Rüstungsprogramm sollen nun die 8,1-cm-Minenwerfer, die Panzerjäger und die nicht kampfwertgesteigerten Panzer 68 mit Laserentfernungsmessern ausgerüstet werden. Es handelt sich dabei um eine um das Goniometer reduzierte Version des bereits beschafften Materials.

742

223.2

Militärische Aspekte

223.21

Militärische Begründung

8,1-cm-Minenwerfer Für die Feuerleitung stehen den Minenwerferbeobachtern der Schweren Füsilierkompanien, der Flughafenminenwerferkompanien und der Radfahrerminenwerferkompanien nur einfache optische Geräte zur Verfügung.

Die

Distanzmessung mit

dem Telemeter

ist zeitraubend

ungenau. Das Einschiessen dauert deshalb oft die ziele werden nicht getroffen.

Mit ter

und

zu lange oder

dem Laserentfernungsmesser kann der Minenwerferbeobachdie Elemente der Feuerleitung rascher bestimmen und das

Ziel schneller und genauer bekämpfen.

Panzerjäger Für den Einsatz der Lenkwaffe steht dem Panzerjäger ein modernes Zielerfassungssystem zur Verfügung. Für die übrigen Aktivitäten vor und während des Kampfes ist dieses hochmoderne Waffensystem jedoch auf das im Korpsmaterial vorhandene Telenieter angewiesen. Durch den Laserentfernungsmesser können erhebliche Verbesserungen im Bereich der unter Zeitdruck erfolgenden Kampfvorbereitung sowie der Kampfführung erzielt werden.

Nicht kampfwertgesteigerte Panzer 68 Mit dem Bundesbeschluss zum Rüstungsprogramm 1988 (BEI 1988 III 1496) wurde für die Hälfte der Panzer 68 ein Kampfwertsteigerungsprogramm bewilligt. Dies beinhaltet auch den Einbau einer modernen Feuerleitanlage mit einem integrierten Laserentfernungsmesser.

Die kampfwertgesteigerten Panzer werden neu als Panzer 68/88 bezeichnet. Den 195 nicht moder-

743

nisierten panzern 68, die hauptsächlich für die bewegliche Panzerabwehr aus vorbereiteten Stellungen eingesetzt werden, steht für die Distanzmessung lediglich das Telemeter zur Verfügung. Die Messresultate sind im hohem Masse vom Können des Bedieners abhängig. Zur Verbesserung der Ersttreffwahrscheinlichkeit sollen deshalb Laserentfernungsmesser eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um eine kostengünstige und einfache Lösung. Die vorgesehene Einsatzform der Panzer 68

erlaubt es, dass

stehendem

der Laserentfernungsmesser bei

Panzer und bei geöffneter

still-

Luke eingesetzt werden

kann.

223.22

Beurteilung durch die Truppe

Der Laserentfernungsmesser hat sich als Bestandteil der eingeführten Lasergoniometerausrüstung im bisherigen Einsatz bewährt und ist auch für die neu vorgesehene Verwendung truppentauglich.

223.23

Eingliederung bei der Truppe

Pro Minenwerferzug der Schweren Füsilierkompanien, der Flughafenminenwerferkompanien und der Radfahrerminenwerferkompanien werden drei Laserentfernungsmesser für die Beobachter zugeteilt.

Für

jeden Kommandozug und PanzerJägerzug

ist ein Laserent-

fernungsmesser vorgesehen.

Jeder

der 195 Panzer

68 wird einen

Laserentfernungsmesser

erhalten.

223.24

Umschulung, Ausbildung und unterhalt

Die Umschulung erfolgt im Rahmen der normalen Truppenkurse durch Instruktoren der Infanterie und der Mechanisierten und Leichten Truppen. Die nachfolgende Ausbildung sowie der un-

744

tethalt erfolgen im gleichen Rahmen wie und den Schweren Minenwerferkompanien.

223.3

Technische Aspekte

223.31

Beschreibung der Ausrüstung

bei der Artillerie

Die Entfernungsmessung mit Laserstrahlen arbeitet nach dem Radarprinzip. Bei jeder Messung wird vom Laser ein einziger unsichtbarer Lichtpuls erzeugt. Das vom Ziel reflektierte Licht wird vom hochempfindlichen Empfänger aufgefangen; die Laufzeit wird elektronisch erfasst und als Distanz in Metern angezeigt. Der Elektronikteil verfügt über eine integrierte Selbsttestvorrichtung.

Die Strahlung des leistungsstarken Laserstrahls kann innerhalb einer Distanz von rund 500 m zu einer Schädigung des ungeschütaten Auges führen. Der Betrieb solcher Laser erfordert deshalb, ähnlich wie dies bei Schusswaffen der Fall ist, die Einhaltung von Sichecheitsvorschriften. Für den 29 Bundesblan 143.Jahrgang. Bd. II

745

uebungsbetrieb wird dem Gerät zudem ein Sicherheitsfilter vorgeschaltet, mit dem die Gefährdung auf eine Distanz von 50 m reduziert wird; der Messbereich wird dadurch jedoch bei gut reflektierenden Zielen und guten atmosphärischen Bedingungen auf 3-5 km begrenzt.

223.32

Prüf- und Reparaturausrüstungen

Bedingt pelte

durch die mit der Nachbeschaffung praktisch verdop-

Anzahl Geräte müssen die

bereits eingeführten Unter-

haltsmittel teilweise aufgestockt werden.

223.33

Abklärungen und Erprobungen

Sowohl die im Hinblick auf die Beschaffung mit dem Rüstungsprogramm 1985 durchgeführten Erprobungen als auch die inzwischen mit dem eingeführten Material gemachten Erfahrungen zeigen, dass die gestellten Anforderungen in technischer und militärischer Hinsicht erfüllt werden.

223.4

Beschaffung

223.41

Beschaffungsumfang und -kredit

Beschaffungsumfang men:

und -kredit setzen sich wie folgt zusam-

Mio. Fr.

746

37,2 1,6 4,4 4j^2

Mio. Fr.

43,2 4,9 1,9

Total

50,0

Im Beschaffungsumfang ist der um ein Drittel reduzierte Bedarf der zukünftigen Armee 95 berücksichtigt.

223.42

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Die beantragte Nachbeschaffung wird innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste abgewickelt.

Die Firma Leica Heerbrugg AG, ehemals Wild Heerbrugg AG, fabriziert die Laserentfernungsmesser in Lizenz der Firma Simrad Optronics A/S in Oslo, Norwegen.

Die Akkumulatoren und Ladegeräte werden wiederum von der Firma Leclanché in Yverdon bezogen. Daneben werden weitere Betriebe für die Firma Leica Heerbrugg AG als Unterlieferanten tätig sein. Zusätzliche Unterhaltsmittel für den Laserentfernungsmesser 85 werden direkt bei Simrad beschafft.

Mit den Firmen Leica und Leclanché wurden Optionsverträge abgeschlossen. Für weitere kleinere Zulieferungen liegen verbindliche Angebote vor.

Eine Beurteilung des Preises zeigt, dass der Laserentfernungsmesser gegenüber den ersten beiden Beschaffungen wegen der grösseren Stückzahl der hier beantragten Beschaffung und der zunehmenden Produktionserfahrung des Herstellers günstiger geworden ist. Trotzdem wurde in Anbetracht der Monopolsituation mit den Firmen Leica und Leclanché wie bei den

747

vorhergehenden

Beschaffungen

das

Einsichtsrecht

in

die

Preiskalkulation ausgehandelt.

223.43

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Auslieferung des Materials erfolgt von 1994 bis 1997.

223.44

Inlandanteil und Beteiligung

Die Beschaffung wird gungswirksam.

223.5

zu

100 Prozent im

Inland beschäfti-

Risikobeurteilung

Da es sich bereits um die zweite Nachbeschaffung handelt, können die technischen, finanziellen und terminlichen Risiken als klein bezeichnet werden.

223.6

Folgekosten und Bauten

Für den Unterhalt bei der Kriegsmaterialverwaltung werden zusätzlich zwei Stellen sowie jährlich 0,3 Millionen Franken für Ersatzmaterial benötigt.

Für Lagerung und Unterhalt entsteht kein zusätzlicher Raumbedarf.

748

23

Genie und Festungen (163,0 Mio. F r . )

231

Verminungsmaterial (83,0 Mio. Fr.)

231.1

Einleitung

Die Minen sind ein wichtiges Mittel im Abwehrkampf. Beantragt wird der Ersatz von veraltetem Material.

231.2

Militärische Aspekte

231.21

Militärische Begründung

Der Grossteil unserer Verminungs- und Zerstörungsmittel wurde zwischen den vierziger und sechziger Jahren beschafft und ist technisch und taktisch überaltert. Da die Personenminen für den infanteristischen Kampf nach wie vor von hoher Bedeutung sind, müssen sie zu einem grossen Teil ersetzt werden. Mit der Bestandesreduktion der Armee 9S müssen vermehrt Lücken in den Dispositiven in Kauf genommen werden. Dies erhöht die Bedeutung der Unterbrechung von Achsen durch Verminung. Gestützt auf die hohe Leistungsfähigkeit moderner Minensysteme sind folgende Beschaffungen vorgesehen:

Ersatz der Springminen 63 und 64, Teilersatz der Tretmine 59 Verminungen gegen Personen dienen hauptsächlich dem Schutz von eigenen Stellungen und Einrichtungen. Die bisher verwendeten Springminen 63 und 64 sowie ein Teil der vorhandenen Tretminen 59 haben das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht und entsprechen bezüglich Handhabungssicherheit und Wirkung nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Eine Bedarfsanalyse sowie die Auswertung von Truppenprinzipversuchen führte zur Erkenntnis, dass die Aufgaben in diesem Bereich am besten durch horizontal wirkende Minen erfüllt

749

werden

können.

Solche

sind in

ausländischen Armeen

seit

Jahrzehnten eingeführt.

Aufgrund der gestellten Anforderungen ergab sich dabei ein Bedarf nach zwei Horizontalminentypen mit unterschiedlichem Leistungspektrum: - gorizontalpersonenmine 90 für den Einsatz gegen Personen bei und vor Stützpunkten und Sperren sowie im unbesetzten Zwischengelände. Dadurch kann gleichzeitig auf den Grossteil der bisherigen Tretminen 59 verzichtet werden.

Bei beiden Minentypen können die verminten Räume im Gegensatz zu konventionellen Verminungen während einer von der Truppe selber bestimmbaren Zeit begeh- und befahrbar bleiben.

Ersatz der 50-kg-Sprengkessel für Achsunterbrechungen Aus

Gründen der Ueberalterung musste das bei den Genietrup-

pen eingeführte Erdbohrgerät liquidiert werden, womit auch die Einsatzmöglichkeit der 50-kg-Sprengkessel wegfiel. Um die Bedürfnisse der Kampf- und Genietruppen für Zerstörungen im Gefecht abzudecken, wird eine Trichtersprengladung benötigt. In anderen Armeen sind solche seit längerer Zeit eingeführt.

Hilfsmittel für die Verminunq Gemäss geltendem Kriegsvölkerrecht ist eine minenverlegende Truppe verpflichtet, die verminung nach bestimmten Regeln zu kennzeichnen und die Lage der Minen dokumentarisch festzuhalten.

Die heute verfügbaren Mittel erlauben keine rationelle Erfüllung dieser Aufgaben, wobei auch die Gefährdung eigener Truppen durch ungenügend gekennzeichnete verminungen nicht

750

unterschätzt werden darf. Neuere dies eindrücklich.

Eine Ergänzung der bestehenden lich.

231.22

Kriegserfahrungen belegen

Mittel ist daher

unumgäng-

Truppenversuche

Das sur Beschaffung beantragte Material wurde bei der Infanterie und den Genietruppen erprobt; es erfüllt alle gestellten Anforderungen und ist truppentauglich.

231.23

Eingliederung bei der Truppe

Das zur Beschaffung beantragte Material wird gemäss Einsatzkonzept wie folgt zugeteilt: - Horizontalminen

in die Minengrundzuteilung der Kampftrup-

pen und der Verbände mit Objektschutzaufgaben formationen, logistische Formationen);

(Flugplatz-

231.24

Umschulung, Ausbildung, Unterhalt

Die Umschulung der Spezialisten auf die neuen Mittel erfolgt in normalen Dienstleistungen und ist bezüglich Zeitaufwand im gleichen Rahmen wie beim abzulösenden Material möglich.

Die Ausbildung an den Horizontalminen und der sprengladung erfolgt dabei in den zwei Schritten: - Grundausbildung (Kenntnis, Handhabung), - gefechtsmässiger Einsatz.

Trichter-

Da die Truppe für Uebungszwecke ausschliesslich mit Manipuliermunition arbeitet und nur in wenigen Fällen Demonstra-

751

tionen

mit Kriegsmunition vorgesehen sind,

beschränkt sich

der Unterhalt auf die üblichen Revisionsarbeiten an der Munition, welche in Abständen von 15 bis 20 Jahren erfolgen.

Bei den Hilfsmitteln für die Verminung besteht der Unterhalt in der Reparatur von defektem Material und dem Ersatz von Verbrauchsmaterial.

231.3

Technische Aspekte

231.31

Horizontalpersonenmine 90 und Horizontalsplittermine 90

Beschreibung Die Horizontalpersonenmine 90 wird gegen Personen eingesetzt, wogegen die Horizontalsplittermine 90 auch für die Bekämpfung von Helikoptern, Fahrzeugen und leicht gepanzerten Schützenpanzern verwendet werden kann. Beide Minen bestehen aus einem Wirkkörper mit integrierter, einfacher Visiervorrichtung, einem einfachen, klappbaren Stativ sowie einem Anschluss für die Zündleitungen. Im Gehäuse der Minenkörper befindet sich eine leicht gekrümmte Kugelmatte mit in Sprengstoff eingegossenen, vorgeformten, kugelförmigen Stahlsplittern. Im Fall der Horizontalpersonenmine werden die Splitter mit einer auf 50 m optimierten Streuung verschossen; bei der Horizontalsplittermine beträgt dieser wert 150 m. Die Visiereinrichtung ist auf den Minenkörpern montiert und so ausgelegt, dass sie den ganzen Streubereich der wirksamen Splitter zeigt.

Bei der Horizontalpersonenmine 90 besteht das Stativ aus zwei Spreizbeinen, die an beiden Seiten des Minenkörpers befestigt und ausklappbar sind. Das Dreibeinstativ der Horizontalsplittermine 90 besitzt ein Kugelgelenk, auf welchem der Minenkörper montiert, ausgerichtet und arretiert werden kann. Beide Stative ermöglichen eine Aufstellung und Ausrichtung der Minen unter allen feldmässigen Bedingungen. Die Mine wird in der Regel auf dem Boden aufgestellt; sie kann

752

aber auch an einem Baum oder einem anderen Gegenstand befestigt und zur Detonation gebracht werden.

Zur Ausrüstung der Horizontalpersonenmine 90 und der Horizontalsplittermine 90 gehören auch die entsprechenden Zündmittel und -Übertragungsleitungen.

Horizontalpersonenmine 90 Die Auslösung der Mine kann entweder durch einen eigenen Sicherungsposten oder mittels Stolperdraht erfolgen. Das dafür benötigte Zündsystem besteht aus pyrotechnischen Zündleitungen. Die Initiierung der Zündleitung erfolgt mit Hilfe einer manuellen, mechanischen Schlagvorrichtung. Die Zündung kann auch auf nassem Boden oder sogar unter Wasser erfolgen. Am Leitungsende ist ein Detonator angebracht, dessen Wirkung die Uebertragungsladung und somit die Mine sicher zur Detonation bringt.

753

Horizontalsplittermine 90

Technische Daten

Gesamtmasse

Horizontalpersonenmine 90

HorinzontalSplittermine 90

2,8 kg

20,0 kg

Minenkörper

Breite Höhe

260 mm 120 mm

420 mm 250 mm

Splitter

Anzahl

925

1200

Sprengstoff

Masse

1,4 kg

9,5 kg

Max, Einsatzdistanz

SO m

150 m

Wirkungsbereich Breite Höhe

50 m 2 m

100 m 4 m

Splitterdichte 754

4 Spl/m2

2 Spl/m2

Die Minen werden zusammen mit ihren Zündsystemen und den für die Auslegung des Zündsystems benötigten Hilfsmitteln in einer Holzkiste verpackt.

Evaluation Die Evaluation der Minen begann im Jahr 1986. Sie umfasste zu Beginn für beide Minentypen mehrere Produkte. Auf die Einleitung einer Eigenentwicklung wurde infolge des geringen Bedarfes verzichtet.

Aufgrund welche im sonenmine Leibnitz Firma FFV

der technischen Erprobung und der Truppenversuche, Herbst 1989 stattfanden, wurden die Horizontalperder Firma Südsteirische Metallindustrie (SMI), (Oesterreich), und die Horizontalsplittermine der Ordnance, Eskilstunat Schweden), als beschaffungs-

reif erklärt.

Zündsystem und Verpackung wurden im Laufe der Truppenversuche definiert und als Bestandteile dieses Vorhabens zur Beschaffungsreife gebracht.

Beide

Minentypen genügen den an

sie gestellten Anforderun-

gen.

231.32

Trichtersprengladung 88

Beschreibung Die Trichtersprengladung 88 dient zum Aufreissen von Kratern auf Verkehrswegen und Flugpisten, wodurch diese rasch unbrauchbar gemacht werden. Der Krater weist einen Durchmesser von 7 bis 9 m und eine Tiefe von 2,5 bis 3 m auf. Durch die Verwendung eines besonderen Sprengstoffgemisches erreicht man eine starke Auflockerung des im Krater verbleibenden Erdreiches.

Dadurch wird für Rad- wie auch für Raupenfahrzeuge das Kraterloch praktisch unüberwindbar, und das Fahrzeug bleibt im weichen Erdreich stecken.

755

Die Trichtersprengladung 88 setzt sich aus einer Hohlladung (Bohrladung) und einer Trichterladung (eigentliche Sprengladung) zusammen. Für die Initiierung der Hohlladung und der Trichterladung

werden Zündmittel verwendet, die

bereits in

der Schweizer Armee eingeführt sind.

Zuerst wird mit der Hohlladung, bestehend aus einem Blechgehäuse und einer Wirkladung von 11 kg Sprengstoff, ein Bohrloch von bis au 3 m Tiefe und 30 cm Durchmesser ins Erdreich, durch asphaltierte Strassenbeläge oder durch stahlarmierte Betonbeläge geschossen. Dazu wird die Hohlladung mit Hilfe eines zusammensteckbaren Dreibeins aufgestellt. Die Höhe des Dreibeins ist so gewählt, dass der Abstand der Hohlladung über dem Boden eine ' optimale Bohrwirkung garantiert.

Anschliessend werden mit der Trichterladung 30 kg Sprengstoff lose in das Bohrloch geschüttet. Dieser ist in zwei Kunststoffsäcken zu je 15 kg verpackt. Die Zündung der Trichterladung erfolgt mit einer zylindrischen Schlagladung.

Eine Trichtersprengladung umfasst als Verpackungseinheit alle Spreng- und Zündmittel für einen Krater.

Technische Daten der Trichtersprengladung 88 Hohlladung

Durchmesser Höhe Gesamtmasse Masse des Sprengstoffes

Trichterladung

Sprengstoff-Masse

30 kg

Schlagladung

Sprengstoff-Masse

rund 500 g

756

220 400 16 11

mm mm kg kg

Hohlladung

Trichterladung

Schlagladung

Trichtersprengladung 88

Evaluation Die

Evaluation der Trichtersprengladung 88 begann im Herbst

1986 mit - der Trichtersprengladung der Firma SMI (Oesterreich); - und

dem britischen

"Explosive Kit

Cratering Rapid"

der

Royal Ordnance in Chorley.

757

Beide Produkte wurden in verschiedenen Phasen erprobt. Dabei vermochte nur die österreichische Trichtersprengladung die technischen Anforderungen bezüglich Kratergrösse zu erfül-

len.

231.33

Hilfmittel für die Verminung

Diese bestehen aus: - Minenzeichnerausrüstungen, - Minenverlegeausrüstungen, - Minenzaunausrüstungen.

Die Minenzeichnerausrüstung enthält alle für die Erstellung von Minenplänen benötigten Zeichnungs-, Abmess- und Berechnungsgeräte sowie die für das Abstecken der Minenfelder notwendigen Fähnchen.

Die Minenverlegeausrüstung besteht aus sechs Rollen Trassierband und einem auf einer Haspel aufgerollten 100 m langen Minenband.

Wie unter Ziffer 231.21 erwähnt, müssen verlegte Minenfelder markiert und zwischen den einzelnen Minenfeldern offene Gassen bezeichnet werden. Diese Aufgaben sollen mit der Minenzaunausrüstung gelöst werden. Diese umfasst 500 m Warnzaun mit entsprechenden Pfosten sowie Signalpfeile für die beideitige Markierung einer Minengasse von 210 m Länge.

231.4 231.41

Beschaffung Beschaffungskredit

Der beantragte Kredit setzt sich wie folgt zusammen:

758

Mio. Fr.

-

Horizontalpersonenminen 90 Horiaontalsplitterminen 90 Trichtersprengladungen 88 Hilfsmittel für die Verminung (Minenzeichnerausrüstungen, Minenverlegeausrüstungen, Minenzaunausrüstungen) - Unterrichtsmaterial - Geschätzte Teuerung bis zur Auslieferung ....

5,2 7,8 9,6 2,2 83

Total

231.42

18,1 26,0 14,1

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Horizontalpersonensprengladunqen

und Horizontalsplitterminen,

Trichter-

Diese Beschaffungen erfolgen innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste. Vertragspartner für die Horizontalpersonenminen und die Trichtersprengladungen ist die Südsteirische Metallindustrie (SMI), Leibnitz (Oesterreich), während für die Horizontalsplitterminen der Vertrag mit FFV Ordnance, Eskilstuna (Schweden), geschlossen wird.

Mit allen Lieferanten sind Optionsverträge unterzeichnet worden. Die Lieferungen erfolgen ab 1993 bis anfangs 199B.

Hilfsmittel für die Verminung Dieses Material wird bei verschiedenen Firmen in der Schweiz nach Möglichkeit im Wettbewerb beschafft.

759

231.43

Inlandanteil und Beteiligung der Schweizer Industrie

Horizontalpersonen-

und Horizontalsplitterminen,

Trichter-

Sprengladungen Die Horizontalpersonen- und Horizontalsplitterminen sowie die Trichtersprengladungen werden im Ausland beschafft. Die beiden Lieferanten, nämlich FFV und SMI werden verpflichtet, je 100 Prozent des Kaufpreises in der Schweiz wirtschaftlich auszugleichen. Dabei wird der Tatsache Rechnung getragen, dass

FFV schon heute in erheblichem

Umfang Aufträge in der

Schweiz erteilt.

Hilfsmittel für die Verminung Die

Hilfsmittel für die Verminung werden

zu 100 Prozent in

der Schweiz beschafft.

231.5

Risikobeurteilung

Die beteiligten Lieferfirmen verfügen über eine grosse Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Minen und Sprengmitteln.

Gestützt darauf und unter Berücksichtigung des umstandes, dass die Hilfsmittel für die Verminung weitgehend aus handelsüblichem Material bestehen, können die technischen und kommerziellen Risiken als klein beurteilt werden.

231.6

Folgekosten und Bauten

Da vorhandene Munition bzw. vorhandenes Material ersetzt wird, entsteht kein zusätzlicher Lagerraumbedarf.

Durch den Wegfall der bisherigen Manipuliermunition ergibt sich auch keine Erhöhung des Betreuungsaufwandes für das Ausbildungsmaterial.

760

Lediglich auf den bestehenden Waffenplätzen müssen für die Ausbildung an den Trichtersprengladungen Uebungsanlagen im Gesamtbetrag von rund 250'000 Franken eingerichtet werden.

Die Finanzierung soll im Rahmen eines Bauvoranschlages beantragt werden.

232

240 Festungsartillerie-Feuerleitsysteme 91 FARGOr

(80,0 Mio. Fr.)

232.1

Einleitung

Mit Bundesbeschluss zum Rüstungsprogramm 1983 (BBl 1983 III 1085) wurde die Beschaffung von 280 elektronischen Feuerleitsystemen 83 FARGO für die Artillerie bewilligt. Diese errechnen Höhen- und Seitenwinkel sowie weitere Schiesselemente und übermitteln diese Werte über Draht oder Funk an Anzeigegeräte an den Geschützen. Das Feuer der Artillerie kann damit wesentlich rascher und präziser geleitet werden.

Das vorliegende Rüstungsprogramm enthält nun den Antrag zur Beschaffung von analogen Systemen mit dem Namen FARGOF für die Festungsartillerie.

232.2

Militärische Aspekte

232.21

Militärische Begründung

Das Waffensystem Festungsartillerie besteht aus mehreren untrennbaren Komponenten. Das schwächste Glied dieser Kette bestimmt auch hier die Kampfkraft des Systems. Die einzelnen Komponenten sind: - die präzise Zielerfassung durch die Schiesskommandanten mit Hilfe des Lasergoniometers 85 (Beschaffung mit Rüstungsprogramm 1985); - das Feuer der Festungsgeschütze in den definierten Räumen, permanent und rasch verfügbar, mit hoher Schusskadenz und moderrier Munition; - die Feuerleitung,

bestehend

aus

der

Berechnung

der

761

Schiesselemente unter Berücksichtigung der meteorologischen Bedingungen und der Uebermittlung an die Geschütze.

Die Festungsartillerie mit ihrem umfassenden Schutz und der hohen Verfügbarkeit ist eine wichtige Unterstützungswaffe unserer Kampfverbände. Die Verkürzung der Reaktionszeit und die hohe Erstschussgenauigkeit zählen zu den wichtigsten Faktoren für einen erfolgreichen Artillerieeinsatz. Diese Forderungen können nur durch den Einsatz moderner Feuerleitmittel erfüllt werden.

Bei der Feuerleitung der Festungsartillerie geht es darum, die Schiesselemente aufgrund des Standortes der Geschütze und der Lage des Zieles zu berechnen. Berücksichtigt werden dabei auch die meteorologischen Bedingungen entlang der Flugbahn der Geschosse sowie die individuellen Abweichungen der einzelnen Geschütze, Zudem werden die verschiedenen Zielformen und -ausdehnungen, die Sicherheitsbestimmungen, zahlreiche Vermessungwerte sowie Schusskorrekturen aufgrund der Beobachtungen der Schiesskommandanten berücksichtigt.

Heute werden bei uns diese Berechnungen durch die Batteriefeuerleitstelle mit mechanischen Rechengeräten, Tabellen und Formularen durchgeführt. Dieses zeitraubende Verfahren, welches die Geschützführer mit umfangreichen Rechenarbeiten belastet und zudem zahlreiche Fehlerquellen beinhaltet, verursacht eine lange Reaktionszeit und ist das schwächste Glied in der Kette. Das Verfahren ist für eine hohe Erstschussgenauigkeit zu wenig präzis; es stellt zudem hohe Anforderungen an die Ausbildung des Bedienungspersonals. Es entspricht nicht mehr der Realität des modernen Gefechtsfeldes, das durch die Mobilität und die kurze Verweilzeit des Gegners .im Zielgebiet geprägt ist. Unsere Festungsartillerie blieb in dieser Hinsicht auf dem Stand des Zweiten Weltkrieges stehen. Hinzu kommt, dass die mechanischen Rechengeräte die grossen Reichweiten des geplanten Festungsgeschützes Bison und zukünftiger Munition, wie Kanistergeschosse, nicht mehr zu berücksichtigen vermögen.

Mit der Industrie wurde unter dem Namen Festungsartillerie-Feuerleitsystem 91 FARGOF ein elektronisches System ent-

762

wickelt,

das die Schiesselemente unter Berücksichtigung der

vorgenannten Parameter automatisch ermittelt und die Resultate ohne Zeitverlust über Draht an ein Anzeigegerät zu jedem Geschütz übermittelt. Die Rechnerprogramme wurden von der Lieferfirma in enger Zusammenarbeit mit den Fachstellen des Eidgenössischen Militärdepartementes erstellt und erfüllen die hohen Anforderungen. Sie gestatten den Verkehr mit dem Rechner im Dialog. Damit kann der Ausbildungsaufwand relativ klein gehalten werden. Grosses Gewicht wurde im Programm auf die automatische Ueberwachung der Sicherheit gelegt, indem z.B. Feuerverbotszonen als Ziel ausgeklammert werden. Die Bedienungslogik von FARGOF entspricht im übrigen derjenigen des Artilleriefeuerleitsystems 83 FARGO, das sich seit 1986 im Einsatz bewährt.

Mit

der beantragten Beschaffung der Festungsartillerie-Feu-

erleitsysteme 91 FARGOF soll die Automatisierung der Feuerleitung der Festungsartillerie vollzogen werden. FARGOF verhilft der Festungsartillerie in kürzerer zeit und mit weniger Munition als bisher zu besseren Resultaten und erlaubt gleichzeitig, den Ausbildungsaufwand zu senken. zudem wird das Feuerleitverfahren zwischen der mobilen Artillerie und der Festungsartillerie vereinheitlicht.

232.22

Beurteilung durch die Truppe

Der Prototyp des heute zur Beschaffung beantragten Festungsartillerie-Feuerleitsysteras 91 FARGOF wurde Truppenversuchen unterzogen. Dabei wurden alle vorgesehenen Einsatzarten überprüft. Diese versuche verliefen positiv und führten zur Erklärung der Truppentauglichkeit.

232.23

Eingliederung bei der Truppe

Die Festungsartillerie-Feuerleitsysteme 91 FARGOF werden den Batteriefeuerleitstellen der 12-cm-Festungsminenwerfer, den mit

der Armee 95

in einer Uebergangsperiode

verbleibenden

763

10,5-cm- und 15-cm-Geschützen, lagen zugeteilt.

232.24

sowie

später den Bison-An-

Umschulung und Ausbildung

Mit Hilfe von speziellem Unterrichtsmaterial wird es möglich sein, sowohl die Umschulung als auch eine effiziente Ausbildung der Kader und des Bedienungspersonals anlässlich normaler Dienstleistungen sicherzustellen. Für die Organe der Batterie-Feuerleitstellen wird dagegen ein zentraler Einführungskurs notwendig sein; diese zusätzliche Dienstleistung wird zu gegebener zeit beantragt.

232.3

Technische Aspekte

232.31

Systembeschreibung

232.311

Feuerleitsystem

Das Festungsartillerie-Feuerleitsystem 91 FARGOF dient zur Automatisierung der technischen Feuerleitung auf Stufe Geschützbatterie für die bei der Festungsartillerie eingesetzten Geschütze. Auch das zurzeit in Entwicklung stehende Festungsgeschütz Bison könnte im Fall einer späteren Beschaffung angeschlossen werden. Das System lehnt sich funktioneil an das mit dein Rüstungsprogramm 1983 (BB1 198J I 1113) für die mobile Artillerie beschaffte Artillerie-Feuerleitsystem 83 FARGO an und löst im einzelnen die folgenden Aufgaben: - Berechnung der Schiesselemente unter Berücksichtigung des Geschütztyps, der Munitionsarten, des Zieles, der aktuellen meteorologischen Einflüsse sowie der Stellung des einzelnen Geschützes; - Unterstützung bei Vermessungsaufgaben im Beobachtungs- und Stellungsraum; - Aufbereitung und Uebermittlung der Feuerleitkommandos und Schiesselemente sowie Anzeige derselben an den Geschützen.

764

Die Berechnung der Schiesselemente erfolgt für jedes Geschütz einer Batterie individuell. Das Feuerleitsystem erlaubt eine Verminderung der Reaktionszeit, eine Verbesserung der Treffgenaugkeit und eine Steigerung der Sicherheit durch Elimination von Fehlerquellen.

Das

Festungsartillerie-Feuerleitsystem

aus : - einem

-

Digitalrechner

mit

91

FARGOF

besteht

zugehörigen Betriebsprogrammen

(Software); einem Bedienungsgerät zur Ein- und Ausgabe der Daten; einem Lochstreifenleser; einem Massenspeicher für die Daten; einem Drucker für den Einsatz auf der Feuerleitstelle; den Daten/Sprach-Modems und Anzeigegeräten für den Einsatz bei den Geschützen sowie den Hilfsausrüstungen für die Datenübertragung und die Speisung,

Die

digitale Datenübertragung zwischen

Feuerleitstelle und

Geschütz erfolgt über Draht. Gleichzeitig mit der Datenübertragung ist auch Sprechverkehr möglich.

Der Einsatz des Festungsartillerie-Feuerleitsystems 91 FARGOF erfolgt stationär. Die bisherigen Uebermittlungs-Netzkonfigurationen werden beibehalten und in die Verfahren mit dem neuen Feuerleitsystem übernommen.

765

CTi O\

P A R C 0 F

232.312

Unterrichtsmaterial

Die Ausbildung des Truppen- und Unterhaltspersonals am neuen Material (Grund- und Festigungsstufe) erfolgt mit Hilfe folgender Ausbildungsanlagen, in welchen nach Möglichkeit die Geräte des Feuerleitsystems selbst verwendet werden: - Feuerleitrechner-Ausbildungsanlagen: In Schulungsräumen fest eingebaute Anlagen zur Grundausbildung an den Arbeitsplätzen der Batterie-Feuerleitstelle, bestehend aus Kommando- und Kontrollpult für Instruktor und Gehilfen, vier Arbeitsplätzen der Batterie-Feuerleitstelle, sowie Uebermittlungs-, Anzeige- und Projektionseinrichtungen für die Schiesselemente und Kommandos.

des Uebungsleiters mit den

geschützseitigen Ausrü-

stungen des Feuerleitsystems.

Die Feuerleitkommandos werden selektiv aus den im Gerät gespeicherten Daten herausgelesen, übermittelt und an den Geschütaanzeigen zur Darstellung gebracht. Es können auch Uebungen im scharfen Schuss durchgeführt werden. Die Herstellung der entsprechenden Datensätze erfolgt auf einer zivilen Rechneranlage des Bundesamtes für Artillerie, welche dazu in ihrer Leistungsfähigkeit erweitert werden muss.

767

stehend aus den Geräten der Feuerleitstelle und GeschützSeite mit eingebauten Fehlersimulationsmöglichkeiten.

232.313

Prüf- und Reparaturausrüstungen

Für den Unterhalt des neuen Materials werden nebst eingebauten Testhilfen in den einzelnen Geräten des Feuerleitsystems zusätzliche Prüf- und Reparaturmittel für den Feldeinsatz sowie Spezialprüfplätze in den zugewiesenen Betrieben der Unterhaltsinstanz bereitgestellt.

232.32

Evaluation, Entwicklung, Erprobungen und technische Beschaffungsreife

Unter Berücksichtigung des mehrheitlich stationären Einsatzes des Systems bei der Festungsartillerie wurde auf die beim eingeführten Feuerleitsystem FARGO notwendige Forderung für den mobilen Feldeinsatz bewusst verzichtet. Es wurde demgegenüber ein Industriestandard festgelegt, welcher die Verwendung und gezielte Anpassung bereits bestehender und erprobter Systemselemente, insbesondere im Bereich des Rechners, ermöglicht.

Ausgehend von dieser Grundlage und nach einer entsprechenden Marktabklärung wurden bei den schweizerischen Firmen Ascom Zelcom AG, Hombrechtikon, und Elektrowatt AG, Zürich, sowie bei der Eidgenössischen Waffenfabrik Bern Projektvorschläge und Angebote für das Festungsartillerie-Feuerleitsystem eingeholt, Nach Evaluation der Angebote inkl. Serieoptionen wurde 1987 die Firmenwahl zugunsten des Projektes von Ascom Zelcom AG, Hombrechtikon, getroffen.

Das anschliessend realisierte Prototypsystem wurde 1989 ausgedehnten technischen Erprobungen und Truppenversuchen unterzogen, welche im Frühjahr 1990 zur technischen Beschaffungsreife führten.

768

232.4

Beschaffung

232.41

Beschaffungsumfang und -kredit

Beschaffungsumfang

und -kredit setzen sich wie folgt zusam-

men: Mio. Ft.

-

240 Systeme FARGOF zu 173'300 Franken pro System Installationen Modifikationen, Aenderungsdienst Logistik, umfassend Reservematerial, Prüfund Reparaturausrüstungen, Dokumentation - Ausbildung, umfassend Ausbildungskurse und -material - Geschätzte Teuerung bis zur Auslieferung - Risiko (rund 4 %)

13,8

Total

80,0

232.42

41,6 2,5 0,7

11,3 7,2 2,9

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Die Beschaffung des Festungsartillerie-Feuerleitsystems 91 FARGOF erfolgt im Rahmen der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste.

Als Vertragspartner mit Generalunternehmerfunktion tritt gegenüber der Gruppe für Rüstungsdienste (GRD) die Firma Ascom zelconi AG, Hoinbrechtikon, auf. Mit ihr hat die GRD für das Hauptmaterial sowie für Ausbildungskurse und Dokumentation einen Optionsvertrag unterzeichnet. Die Kosten für Unterrichtsmaterial, Reparaturausrüstungen, Ersatzmaterial, Installationen, Modifikationen und Aenderungsdienst sind teils durch verbindliche Offerten abgesichert, teils geschätzt.

769

Im weiteren sind die Firma Leclanché SA, Yverdon, für Akkumulatoren und Ladegeräte sowie diverse weitere Lieferanten an dieser Beschaffung beteiligt. Von diesen Firmen liegen verbindliche Offerten vor.

232.43

Inlandanteil und Beteiligung

Dieser Auftrag wird vollumfänglich in der Schweiz beschäftigungswirksam.

Die Firma Ascom Zelcom hat sich verpflichtet, bei der Vergabe von Unteraufträgen an die schweizerischen Lieferanten eine möglichst breite regionale Verteilung anzustreben.

232.44 Nach

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

der für Mitte

1994 vorgesehenen Fertigstellung

einer

Nullserie für das Hauptmaterial können monatlich 15 Feuerleitsysteme der Truppe abgeliefert werden. Die Auslieferung des gesamten Materials wird gegen Ende 1996 abgeschlossen

232.B

Risikobeurteilung

232.51

Technisches Risiko

Das Festungsartillerie-Feuerleitsystem 91 FARGOF wurde speziell für die Bedürfnisse der Festungsartillerie entwickelt, wobei der Bedienungskompatibilität mit dem eingeführten Feuerleitsystem 83 FARGO grösstes Gewicht beigemessen wurde.

Gewisse Risiken, wie die Verwendung eines Industriestandards oder das spätere Zusammenwirken mit zukünftigen Vorhaben sind bei integrierten Lösungen nie ganz auszuschliessen.

Für die aufgrund der versuche vorzunehmenden Seriebereini-

770

gungen sowie für die sich noch in der Entwicklungsphase befindenden Ausbildungsanlagen ist das Risiko überblickbac.

Das technische Risiko ist daher als klein einzustufen.

232.52

Finanzielles Risiko

Die oben erwähnten technischen Risiken werden finanziell als roittel bewertet.

232.53

Terminliches Risiko

Ein gewisses Risiko besteht bei den Terminen für die Herstellung der Nullserie. Das Risiko bei der eigentlichen Serienfabrikation kann als klein beurteilt werden.

232.6

Folgekosten und Bauten

Für den Unterhalt bei der Kriegsmaterialverwaltung werden zusätzlich 1,5 Stellen sowie jährlich 0,2 Millionen Franken für Ersatzmaterial benötigt.

Für die Ausbildung am FARGOF muss auf den Waffenplätzen StMaurice, Mels und Airolo je ein Ausbildungszentrum eingerichtet werden. Die geschätzten Gesamtkosten von rund l Million Franken sollen mit einem kommenden Bauvoranschlag beantragt werden.

Die Einrichtung der FARGOF-Systeme bei den Festungsgeschützen erfordert zusätzliche Stark-- und Schwachstrominstalla-- tionen. Der geschätzte Gesamtbetrag von rund 7 Millionen Franken soll mit einem der nächsten Bauprogramme unter der Rubrik "Geländeverstärkungen" beantragt werden.

771

24

Artillerie ( 3 2 7 , 0 Mio. F r . )

241

15,5-cm-Annäherungs-Homentanzünder 91 (57,0 Mio. Fr.)

241.1

Einleitung

Die Aufgabe eines Annäherungszünders besteht darin, eine anfliegende Granate in dein Abstand vom Boden zur Explosion zu bringen, in dem sie die grösstmögliche Wirkung erzielt.

Für die 12-cra-Minenwerfer wurden bereits derartige Zünder beschafft. Nun sollen für die Munition der 15,5-cm-Panzerhaubitzen ebenfalls Annäherungszünder beschafft werden.

241.2

Militärische Aspekte

241.21

Militärische Begründung

Mit Bundesbeschluss zum Rüstungsprograram 1988 (BB1 1988 III 1496) wurde eine erste Tranche von 15,5-cm-Kanistermunition bewilligt, die zur Zeit in Beschaffung steht. Eine zweite Tranche wird mit diesem Rüstungsprogramm beantragt, in den Munitionsbeständen der 15,5-cm-Artillerie werden dennoch Stahlgranaten verbleiben. Es geht nun darum, diese wirkungsmässig zu verbessern.

Eine erhebliche Steigerung der Wirkung läset sich durch den Einsatz der bereits von der Minenwerfermunition her bekannten Annäherungszünde r erreichen.

Der 15,5-cm-Annäherungs-Momentanzünder 91 (AMZ 91) ermöglicht es, alle Geschosse auf der richtigen Höhe zur Detonation zu bringen, was eine wesentliche Steigerung der Splitterleistung erbringt.

Der Annäherungszünder soll die bisher verwendeten mechanischen Momentanzeitzünder (MZZ 68) vollständig ersetzen. Damit können nicht nur die heute in Kauf genommenen Nachteile

772

des Zeitzünders behoben, sondern auch eine Reihe weiterer Vorteile erreicht werden: - Die aufwendige Berechnung der Korrektur und das dadurch bedingte mehrmalige Einstellen der Tempierung am Zünder fällt weg; der Schiessablauf wird damit beschleunigt.

Aspekte verlagert werden kann.

241.22

auf andere

wichtige

Beurteilung durch die Truppe

Der Annäherungszünder wurde aufgrund kombinierter technischer Erprobungen und Truppenversuche sowie logistischer Abklärungen beurteilt.

Munitionsleistungen, ten entsprechen den

Zuverlässigkeit und Einsatzmöglichkeimilitärischen Anforderungen. Aufgrund

der Versuchsergebnisse konnte truppentauglich erklärt werden.

der

Annäherungszünder

als

773

241.23

Eingliederung bei der Truppe

Die Annäherungszünder werden der Grund-- und Ergänzungsausrüstung zugeführt und ersetzen dort die heutigen Momentanzeit-- zünder 68 (MZZ 68).

Die durch die Einführung der Annäherungszünder freiwerdenden MZZ 68 werden dem Verbrauch in Schulen und Kursen zugeführt.

241.24

Umschulung und Ausbildung

Für die Ausbildung der Artillerie-Schiesskommandanten sind geringfügige Anpassungen am Artillerie-Simulator 77, den Reglementen und den Schiesshilfsmitteln notwendig.

Das Erlernen der Einstellung und Handhabung von Annäherungs-- zündern ist einfach und erfolgt ohne Mehraufwand in Truppenkursen und Schulen.

Das hierzu notwendige Unterrichtsmaterial wird ebenfalls zur Beschaffung beantragt.

Der Einsatz von Annäherungszündern ist im Friedensdienst nur zu Demonstrationszwecken vorgesehen; Gründe hierfür sind die einschneidenden Sicherheitsvorschriften in unseren engen Zielgebieten sowie der sparsame Munitionsverbrauch (Aufbrauchen der vorhandenen Momentanzeitzünder in Schiessübungen).

241.3

Technische Aspekte

241.31

Technische Beschreibung

Der 15,5-citi-Annäherungs-Momentanzünder 91 (AMZ 91) ist ein elektromechanischer Doppelfunktionszünder, der die Stahlgranate unabhängig von äusseren Einflüssen kurz vor dem Ziel im optimalen Bodenabstand zur Explosion bringt.

Die Messung des Bodenabstandes erfolgt nach dem Doppier--Radarprinzip. Beim Erreichen des fabrikmässig fest einprogrammierten Bodenabstandes wird die Granate gezündet. Im Be-

774

darfsfall kann mittels eines Schalters auf Bodenaufschlagzündung umgestellt werden. Sollte die Bodenabstandzündung versagen, tritt automatisch die Bodenaufschlagzündung in Funktion. Damit wird die sehe hohe Funktionszuverlässigkeit des Zünders gewährleistet.

775

Im AMZ 91 eingebaut sind ein Radarsender und -empfänger, ein Signalverarbeitungsteil mit Zündlogik, Einrichtungen zum Schutz gegen elektromagnetische Störeinflüsse und zur Gewährleistung der Lager-, Transport-, Handhabungs-, Rohr- und Vorrohrsicherheit sowie eine Batterie, die beim Abschuss der Granate aktiviert wird und danach den Zünder mit elektrischer Energie versorgt.

Der Einsatz dieses Zünders erfordert keine Aenderung der eingeführten Stahlgranaten. Nötig ist indessen eine Programmanpassung am Artillerie-Feuerleitsystem 83 FARGO.

Je nach Art und Verhalten des Zieles erbringt die mit dem AMZ 91 ausgerüstete Stahlgranate gegenüber der mit einem Zeitzünder versehenen im Durchschnitt eine zweieinhalbmal grössere Wirkung. Im Vergleich zu der mit einem AufschlagZünder versehenen Stahlgranate ist die Wirkung im Durchschnitt viermal, bei eingegrabenen oder in weichem Terrain operierenden Zielen sogar bis zwanzigmal grösser.

241.32

Evaluation, Erprobung und Typenentscheid

Im Rahmen der Evaluation mehrerer ausländischer Produkte führten die Gruppe für Rüstungsdienste und die zuständigen Bundesämter in den Jahren 1987 und 1988 kombinierte technische Erprobungen und Truppenversuche durch. Das Bundesamt für Artillerie unternahm 1988 zusätzlich weitere Truppenver' suche. Aufgrund der Resultate dieser Erprobungen wurde das beantragte Produkt ausgewählt.

241.4

Beschaffung

241.41

Beschaffungskredit

Der Beschaffungskredit gliedert sich wie folgt:

776

Mio.

-- 15 , 5-- cm-Annäherungs-Momentanzünder 91

Ft.

46,0 2, 3 0,5 0,5 6,0 1,7

Total

,

241.42

57,0

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Die Beschaffung des AMZ 91 erfolgt innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste. Vertragspartner und Generalunternehmer ist die französische Firma Thomson-TRT Défense, Le Plessis Robinson bei Paris. Mit ihr hat die Gruppe für Rüstungsdienste einen Optionsvertrag unterzeichnet. Die Lieferungen erfolgen von 1993 bis Ende 1995.

241.43

Inlandanteil Industrie

und

Beteiligung

der

Schweizer

Der Inlandanteil an dieser Beschaffung beläuft sich auf rund 70 Prozent.

Die Firma Thomson-TRT hat sich verpflichtet, unter ihrer Verantwortung die Herstellung des Zünders zum grössten Teil in der Schweiz durchführen zu lassen. Dieser Auftrag wird in der Schweiz rund 50 Personen während drei Jahren beschäftigen.

Mit von

der Beteiligung der Schweizer Industrie sind Mehrkosten rund 5 Millionen Franken verbunden, was rund 10 Prozent

des beantragten Beschaffungskredites entspricht.

30 Bundesblatt 143.Jahrgang, Bd. II

777

241.5

Risikobeurteilung

Die Firma ThomSon-TRT verfügt über eine grosse Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Annäherungszündern. Derartige Zünder hat sie auch bereits an andere Armeen geliefert. Da die Firma Thomson-TRT zudem trotz des hohen schweizerischen Produktionsanteils die Gesamtverantwortung übernimmt, werden die technischen und die kommerziellen Risiken als klein beurteilt.

241.6

Folgekosten und Bauten

Durch die Einführung des Annäherungszünders entstehen keine Ausbildungs-Folgekosten.

Durch die Ablösung der MZZ 68 entsteht für die Annäherungszünder auch kein zusätzlicher Lagerraumbedarf.

242

15,5-cm-Kanistermunition (190,0 Mio. Fr.)

242.1

Einleitung

Mit Kanistermunition wird die Feuerkraft der Artillerie wesentlich verstärkt. Die Kanistergeschosse werden mit den 15,5-cm-Fanzerhaubitzen verschossen. Je nach Typ enthalten sie 63 oder 49 Tochtergeschosse. Diese werden über dem Zielgebiet ausgestossen und gehen auf einer Fläche von etwa 100x150 m nieder. Jedes Tochtergeschoss enthält eine Hohlladung, welche Panzerungen bis etwa 12 cm Dicke zu durchschlagen vermag. Die Tochtergeschosse wirken zudem durch Druck und Splitter. Gegenüber konventioneller Munition wird eine grössere Fläche dichter mit Splittern bedeckt. Auf diese Weise wird eine erheblich höhere Wahrscheinlichkeit des 2erstörens von gepanzerten Fahrzeugen eraielt als mit konventioneller Munition. Der Hauptvorteil der Kanistermunition

778

liegt somit im Erreichen einer grossen Flächenwirkung der ersten Geschosslage einer Feuereinheit.

mit

Mit Bundesbeschluss zum Rüstungsprogramm 1988 (BB1 1988 III 1496) wurde die Beschaffung einer ersten Tranche 15,5-cmKanistermunition bewilligt. Es handelte sich dabei um die beiden Typen Kanistergeschoss 88 mit 63 Tochtergeschossen und Kanistergeschoss 90 mit 49 Tochtergeschossen; letzteres verfügt über eine grössere Reichweite.

Mit der vorliegenden Botschaft wird die Beschaffung einer zweiten Tranche von Kanistergeschossen und zugehörigen Zündern beantragt.

242.2

Militärische Aspekte

242.21

nilitärische Begründung

Der heutige Munitionsbestand der Artillerie besteht zur Hauptsache aus Stahlgranaten. Wirkung und Aufbau dieser Munition sind in den letzten 60--70 Jahren im wesentlichen gleich geblieben; einzig bezüglich Sicherheit und vergrösserter Schussdistanz wurden Fortschritte erzielt.

Die zu bekämpfenden Ziele haben sich in den letzten 15-20 Jahren indessen stark verändert; man rechnet heute vorwiegend mit gepanzerten Zielen.

Mit der beantragten Beschaffung einer zweiten Tranche Kanistermunition für die 15,5--cm-Panzerhaubitzen kann Feuerkraft der Artillerie weiter verstärkt werden.

242.22

von die

Beurteilung durch die Truppe

Die Kanistermunition wurde vor der Beschaffung der ersten Tranche aufgrund kombinierter technischer Erprobungen und Truppenversuche sowie logistischer Abklärungen als truppentauglich beurteilt.

773

242.23

Eingliederung bei der Truppe

Die Kanistermunition wird der Grund- und Ergänzungsausrüstung sowie der Reserve zugeführt.

Die durch die Einführung der Kanistermunition teilweise frei werdenden Stahlgranaten und Rauchbrandgranaten werden in Uebungsmunition umlaboriert und dem verbrauch in Schulen und Kursen zugeführt. Damit wird ein weiterer Schritt im Hinblick auf die Neustrukturierung des Munitionssortimentes der 15,5-cm-Panzerhaubitzen realisiert.

242.24

Umschulung und Ausbildung

Da es sich um eine Nachbeschaffung handelt, sind keine zusätzlichen Ausbildungsmassnahmen notwendig.

Die Kanistermunition kann in Friedenszeiten mangels geeigneter Schiessplätze in der Schweiz nicht verschossen werden.

Die Ausbildung soll daher, wie bei der übrigen Artilleriemunition, mit der bewährten führt werden.

Explosiv-uebungsgranate durchge-

242.3

Technische Aspekte

242.31

Beschreibung und allgemeine 15,5-cm-Kanistermunition

Leistungen

der

Die 15,5-cm-Kanistergeschosse 88 und 90 werden mit den 15,5-cm-Panzerhaubitzen verschossen. Dabei können die bei uns eingeführten Teilladungen 3-7 und die Zusatzladung 8 verwendet

werden. Die Kanistergeschosse

sind drallstabili-

siert. Sie bestehen im wesentlichen aus einer Geschosshülle, Tochtergeschossen, einem mechanischen Momentan-Zeitzünder 88 und einer Ausstossladung.

780

Beim Abschuss wird der Momentan-Zeitziinder entsichert. Dieser entzundet nach Ablauf der eingestellten Zeit die Auestossladung, deren Druck iiber einen Ausstosskolben die Tochtergeschosse ausstosst. Diese werden im Ziel auf einer F1Sche von etwa 100x150 m verteilt. Die Ausstosshohe der Tochtergeschosse uber der zielflache liegt zwischen 700 m und

781

400 m. Sie wird von der Endgeschwindigkeit, dem Drall und dem Fallwinkel des Muttergeschosses beeinflusst. Die einzelnen Tochtergeschosse werden durch die Geschossrotation verteilt und mittels eines Textilbandes stabilisiert. Die Differenz zwischen der Rotation des Textilbandes und derjenigen des Tochtergeschosses entsichert den Zündmechanismus des Tochtergeschosses. Ausklappbare Flügel wirken als Bremse und verringern den Drall, was für die panzerbrechende Wirkung der Hohlladung von Bedeutung ist. Beim Auftreffen am Boden bringen Aufschlagzünder den Sprengstoff der Tochtergeschosse zur Detonation.

Für die Kanistergeschosse können die gleichen Schiessverfahren wie bei der konventionellen Munition angewendet werden.

Sie sind derart konstruiert, dass später Reichweitensteigerungen mit stärkeren Ladungen möglich sind.

242.32

15,5-cm-Kanistergeschoss 88

Das 15,5-cm-Kanistergeschoss 88 ist 90 cm lang und 47 kg schwer. Es enthält 63 Tochtergeschosse. Der Geschosskörper besteht im wesentlichen aus einer Geschosshülle aus Stahl, einer teilweisen Ummantelung mit glasfaserverstärktem Kunststoff und einem aufgeschweissten Kupferführungsband. Die Spitze und der Boden des Geschosses bestehen aus Aluminium.

Das Ermitteln der artilleristischen Unstimmigkeit, d. h. der Abweichung der tatsächlichen Geschossbahn von den errechneten Werten - was zum Beispiel meteorologische Gründe haben kann - erfolgt beim 15,5-cm-Kanistergeschoss 88 mit der eingeführten kostengünstigeren Sprenggranate. Beide Geschosse haben annähernd die gleiche Flugbahn.

782

Kanistergechoss 88; schussbereit (links) Transportzustand (rechts)

242.33

15,5-cm-Kanistergeschoss 90

Das 15,5-cm-Kanistergeschoss 90 ist 90 cm lang und 42,3 kg schwer. Der Aufbau des Geschosses ist ähnlich wie beim Kanistergeschoss 88. Es enthält jedoch als Zuladung nur 49 Tochtergeschosse. Gegenüber dem Kanistergeschoss 88 hat es eine aerodynamisch günstigere Form. Anstelle des Geschossbodens wird eine Sogreduktionseinheit (Base bleed) verwendet, die zur Vergrösserung der Schussdistanz führt. Diese besteht aus einem in die Geschosshülle einschraubbaren Gehäuse mit Brenn- und Zündsatz. Die am Geschossheck ausströmenden Gase vermindern den Sogwiderstand des Geschosses. Die Schussweite kann damit um 20-25 Prozent erhöht werden.

783

242.34

Tochtergeschosse

Das zylinderförmige Tochtergeschoss, in der Fachsprache auch Bomblet genannt, ist 56 mm lang, hat einen Durchmesser von 42 mm und wiegt 300 g. Der Wirkteil besteht aus einem Sprengstoffhalter aus Aluminium, einer Kupfereinlage und einem Stahlmantel. Letzterer besteht zum Teil aus vorfragmentierten Stahlringen, aus welchen sich die Splitter bilden. Die Hohlladung besteht aus einem gepressten, hochbrisanten Sprengstoff und einer trompetenförmigen Kupfereinlage.

Das mechanische Zündsystem ist am Tochtergeschoss aufgenietet. Die Elemente zur Drallverminderung und das Textilband zur Lagestabilisierung sind am Zündsystem befestigt.

Tochtergechoss

Links: vor dem Ausstossvorgang

.A

Rechts: nach dem Ausstossvorgang (mit entfaltetem Textilband und ausgeklappten Flügeln)

784

Der hochempfindliche Aufschlagzünder spricht bereits bei kleinsten Verzögerungen an, so auch beim Auftreffen auf Schnee. Die Auftreffgeschwindigkeit der freifallenden Tochtergeschosse liegt bei 40-50 m/s.

Anlässlich der technischen Schiesserprobung bei der Beschaffung der ersten Tranche Kanistermunition wurde festgestellt, dass mit einer kleinen Versagerquote zu rechnen ist. U» die Funktionszuverlässigkeit zu erhöhen und damit die Blindgän-- gerrate auf ein Minimum zu reduzieren, wurde ein Zündsystem mit automatischer Selbstzerstörung der Tochtergeschosse entwickelt. Dies wird durch einen pyrotechnischen Satz erreicht, der nach dem Ausstossen der Tochtergeschosse aus der Geschosshülle zu brennen beginnt und nach einer bestimmten Zeit den Wirkkörper selbständig ;sprengt.

242.35

Momentan-Zeitzünder 88

Der mechanische Momentan-Zeitzünder 88 ist in aufgeschraubtem Zustand 9,5 cm lang und wiegt 640 g. Er lässt sich zwischen 2 und 200 Sekunden stufenlos einstellen. Der Zünder verfügt über eine Lager- und Transportsicherung. Vor dem Schiessen ist er zu entsichern und auf die gewünschte Zeit einzustellen. Funktionsfähig wird er erst durch die Abschussbeschleunigung.

Der Momentan-Zeitzünder 88 wird für den Normalgebrauch auf Zeitzündung eingestellt. Für den Sonderfall des Einschiessens kann er auch auf Aufschlagzündung umgestellt werden.

Der Momentan-Zeitzünder 88 ist speziell für Kanistergeschosse konzipiert. Er wurde durch das amerikanische Heer unter der Bezeichnung M-577 entwickelt und später durch die amerikanische Industrie auf die Versionen M-577 AI und M-577 AI SSI verbessert. Es handelt sich um den Standardzünder für Kanistergeschosse der Kaliber 15,5 cm und 20,3 cm.

Die in den Beständen unserer Artillerie vorhandenen Zünder (Artillerie-Zeitzünder 565, Zeitzünder 80, Momentan-Zeitzünder

68) haben eine zu kurze Laufzeit oder sind von der Kon-

785

struktion geeignet.

her nicht zum Verschiessen mit Kanistergeschossen Der Mornentan-Zeitzünder 88 hingegen eignet sich

auch für die eingeführten 15,5-cm-Beleuchtungsgeschosse.

Momentan-Zeitzünder 88

242.36

Evaluation

Die Evaluation der 15,5-cm-Kanistergeschosse erfolgte bereits im Hinblick auf die Beschaffung dei ersten Tranche mit dem Rüstungsprogramm 1988. Für die hier beantragte Nachbeschaffung konnte somit auf eine erneute Evaluation verzichtet werden.

786

242.37

Munitionsüberwachung

Da, wie bereits erwähnt, in Friedenszeiten in der Schweiz keine Kanistergeschosse verschossen werden können, ist vorgesehen, während ihrer ganzen Nutzungsdauer technische Schiessen auf einem geeigneten Schiessplatz im Ausland durchzuführen. Es handelt sich um insgesamt 200-300 Geschosse, die in einem Zeitraum von etwa 25 Jahren nach Auslieferung der Munition verschossen werden sollen. Die Kanistergeschosse werden erstmals nach zehn Jahren überprüft, danach in Abständen von etwa fünf Jahren.

242.4

Beschaffung

242.41

Beschaffungskredit

Der Beschaffungskredit setzt sich wie folgt zusammen: Mio. Fr.

-

15,5-cm-Kanistergeschosse 88 15,5-cm-Kanistergeschosse 90 Momentan-Zeitzünder 88 Geschätzte Teuerung bis zur Auslieferung Risiko (rund 2,5 %)

Total

242.42

118,6 41,0 9,8 15,9 4,7 190,0

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Auch die hier beantragte Beschaffung soll, wie die 1988 bereits bewilligte, innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste abgewickelt werden. Deren wichtigste Vertragspartner sind: - Israel Military Industries (IMI), Ramat Hasharon (Israel), für das Kanistergeschoss 88 und 90;

787

Der mit der Firma IMI im Rahmen des Rüstungsprogramroes 1988 unterzeichnete Vertrag enthält eine Option für die Lieferung weiterer Kanistergeschosse. Die darin festgelegten Preise werden der zwischenzeitlich in der Schweiz eingetretenen Teuerung angepasst. zudem wird dem seit der letzten Beschaffung erzielten Produktionsfortschritt Rechnung getragen. Für die Momentan-Zeitzünder 88 liegen verbindliche Offerten vor.

242.43

Beteiligung der Schweizer Industrie

Anlässlich der Beschaffung von 15,5-cm-Kanistergeschossen mit dem Rüstungsprogramm 1988 wurde vereinbart, dass die Geschosshüllen für die Kanistergeschosse 88 von der Eidgenössischen Munitionsfabrik Altdorf gefertigt und der Firma IMI angeliefert würden. Dieses Konzept hat sich bewährt; es soll deshalb auch für die hier beantragte Beschaffung zur Anwendung kommen. Der Schweizer Anteil wird 15 Prozent betragen. Die Mehrkosten der Beteiligung belaufen sich auf rund 3,0 Millionen Franken; dies entspricht 1,5 Prozent des budgetierten Beschaffungskredites.

Die Firma IMI ist vertraglich verpflichtet, den Rest ihres Lieferumfanges in der Schweiz durch Gegengeschäfte auszugleichen. Diese indirekte Beteiligung ist durch eine Konventionalstrafe abgesichert.

242.44

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die mit der vorliegenden Botschaft beantragte Nachbeschaffung erlaubt es, die noch laufende Erstbeschaffung ohne Unterbruch weiterzuführen. Die Auslieferung erfolgt raum von 1993 bis 1995.

788

im Zeit-

242.5

Risikobeurteilung

Die 15,5-cm-Kanistergeschosse werden von der Firma IMI in grossen Stückzahlen hergestellt. Für die Herstellung der Geschosshüllen verfügt die Eidgenössische Munitionsfabrik Altdorf über eine gesicherte Fabrikation. Das Gesamtrisiko kann deshalb als klein eingestuft werden.

242.6

Folgekosten und Bauten

Die Beschaffung der beantragten Kanistermunition verursacht keine jährlich wiederkehrenden zusätzlichen Aufwendungen.

Da mit der Beschaffung von Kanistermunition auch eine Umverteilung der heute vorhandenen Munition verbunden ist, entsteht kein Mehrbedarf an Lagerraum.

243

Reichweitensteigerung von 230 10,5-ca»-Haubitzen 46

(80,0 Mio. Fr.)

243.1

Einleitung

Die Artillerie des Gebirgsarmeekorps 3 wird sich in Zukunft aus den zur Zeit noch in Entwicklung stehenden Festungsgeschützen Bison und den gezogenen 10,5-cm-uaubitzen 46 zusammensetzen. Die 10,5-cm-Kanonen 35 werden mit der Einführung der Armee 95 ausgemustert. Bison soll im Bereich der grossen Verkehrsachsen eingesetzt werden, während die verbesserten Haubitzen hauptsächlich im Zwischengelände Verwendung finden. Letztere müssen jedoch zur Erfüllung dieser Aufgaben in ihrer Reichweite gesteigert werden.

789

243.2

Militärische Aspekte

243.21

Militärische Begründung

Weil die Anschaffung eines modernen mobilen Artilleriegeschützes aus Kostengründen nicht möglich ist, müssen die vorhandenen 10,5-cm-Haubitzen 46 noch während längerer Zeit für die unmittelbare Feuerunterstützung im Gebirgsarmeekorps 3 im Einsatz bleiben. Für die Bekämpfung von nicht gepanzerten Zielen abseits der Hauptverkehrsachsen genügt das Kaliber 10,5 cm der vorhandenen Stahlgranaten, Mit der beantragten Reichweitensteigerung, welche mittels Anpassungen am Geschütz und an den Ladungen erreicht wird, werden die Möglichkeiten zur Feuerunterstützung der Gebirgskampftruppen jedoch ganz erheblich verbessert, würde dieses Projekt nicht verwirklicht, müssten die 10,5-cm-Haubitzen 46 dennoch einer Revision unterzogen werden um einsatzfähig zu bleiben.

Die

beantragte

Reichweitensteigerung

ist

nur

für

die

10,5-cm-Haubitzen 46 des Gebirgsarmeekorps 3 vorgesehen. Die noch in einem Feldarmeekorps vorhandenen 10,5-cm-Haubitzen 46 sollen mit Einführung der Armee 95 ausgemustert werden.

243.22

Beurteilung durch die Truppe

1987 wurden Truppenversuche mit drei modifizierten 10,5-cm-Haubitzen 46 durchgeführt. Die erzielten Resultate waren gut; die Truppentauglichkeit konnte ausgesprochen wer-

den.

243.23 Heute

Eingliederung bei der Truppe verfügt das Artillerieregiment in den Gebirgsdivisio-

nen über zwei Haubitzabteilungen und zwei Schwere Kanonenabteilungen. In Zukunft werden die Artillerieregimenter der Gebirgsdivisionen aus je drei gleichartigen Haubitzabteilungen gebildet sein. Jede dieser Abteilungen wird über 18 10,5-cm-Haubitzen 46 mit gesteigerter Reichweite verfügen.

790

Zusammen mit den geplanten drei Haubitzabteilungen für die Festungsbrigaden , den 14 Geschützen für die Instruktion und die Reserve ergibt sich ein Total von 230 10,5-cm-Haubitzen mit gesteigerter Reichweite.

243.24

Umschulung und Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt weiterhin in der entsprechenden Ar-- tillerieschule; die Umschulung findet während den normalen Wiederholungskursen statt. Es sind keine zusätzlichen Ausbildungs- und Einführungskurse notwendig.

243.3

Technische Aspekte

243.31

Technische Beschreibung

Die grössere Reichweite wird einerseits mit einem längeren Geschützrohr und andererseits mit einer neuen, stärkeren Ladungsgruppe erreicht. Damit kann bei der eingeführten 10,5-cm-Stahlgranate die praktische Schussdistanz von 10,8 auf 13,9 km gesteigert werden.

Wirkungsfläche mit Reichweitensteigerung

Wirkungsfläche ohne Reichweitensteigerung

Schusstoter Raum

791

Nebst dem längeren Rohr wurden bei der Munition zusätzliche Ladungen entwickelt. Für die eigentliche Pulverentwicklung wurde auf bewährte Komponenten der fabrik Wiramis zurückgegriffen.

Eidgenössischen Pulver-

Das Geschütz und die neuen Ladungen sind technisch beschaffungsreif .

Die Reichweitensteigerung erfordert eine Anpassung der Software des Artillerie-Feuerleitsystems 83 FARGO.

243.4

Beschaffung

243.41

Beschaffungskredit

Der Beschaffungskredit setzt sich wie folgt zusammen:

792

Mio. Fr.

bis zur Auslieferung

Total

243.42

28,8 3,5 4,7 31,9 8,4 2,7 80,0

Beschaffungsorganisation

Die Beschaffung erfolgt innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste. Vertragspartner und Generaluntecnehmer für das Reichweitensteigerungsprogramm ist die Eidgenössische Konstruktionswerkstätte Thun; für die Schussladungen ist die Eidgenössische Munitionsfabrik Altdorf zuständig.

Der Auftrag wird vollständig in der Schweiz vergeben. Die Eidgenössische Konstruktionswerkstätte Thun wird weitere inländische Unternehmen als Unterlieferanten am Projekt beteiligen.

243.43

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Durchführung des Reichweitensteigerungsprogramms streckt sich von 1992 bis 1995.

er-

793

243,5

Risikobeurteilung

Kampfwertsteigerungen älterer Waffensysteme sind risikoreicher als Neubeschaffungen. Bei den 10,5-cm-Haubit2en 46 ist der ausschlaggebende Risikofaktor der aktuelle Zustand der einzelnen Geschütze, insbesondere der Teile, welche durch den bisherigen Gebrauch einer Abnützung unterlagen. Diesem Umstand wurde bei der Schätzung der Revisionskosten und mit einem Risikozuschlag von knapp 4 Prozent Rechnung getragen.

243.6

Folgekosten und Bauten

Die beantragte Reichweitensteigerung verursacht keine jährlich wiederkehrenden Folgekosten, zusätzlicher Lagerraum ist nicht erforderlich.

Zwecks Steigerung der Wirkung im Ziel soll mit einem der nächsten Rüstungsprogramme auch ein Annäherungszünder für das Kaliber 10,5 cm zur Beschaffung beantragt werden.

25

Flieger- und Fliegerabwehrtruppen (261,0 Mio. Fr.)

251

Kampfwertsteigerung von 80 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75 (232,0 Mio. Fr.)

251.1

Einleitung

Die Kampfwertsteigerung der 35-mm-Fliegerabwehrkanone 63/75 umfasst sämtliche Massnahmen, die notwendig sind, um die technische und taktische Einsatzbereitschaft der Mittelkaliber-Fliegerabwehr für weitere 20 Jahre zu gewährleisten. Der Sicherheitsbericht 90 hält ausdrücklich fest, dass eine starke, allwettertaugliche Luftverteidigung zu den Grundlagen unserer militärischen Sicherheit gehört. Unter der Annahme, dass wenigstens ein Teil der insgesamt 264 35-mm-

794

Fliegerabwehrkanonen 63/75 noch in den neunziger Jahren durch modernere Mittel abgelöst werden könne, wurde mit dem Bundesbeschluss zum Rüstungsprogramm 1989 (BEI 1969 III 960) die Kampfwertsteigerung von 108 Kanonen bewilligt. Damit wird sichergestellt, dass diese Geschütze bis über das Jahr 2010 im Einsatz stehen können.

in der Zwischenzeit führten neue Erkenntnisse zu einer Ueberprüfung der zahl der für die Kampfwertsteigerung vorgesehenen 35-mm-Geschütze. Zum einen zeigt sich eine zunehmende Verschlechterung des technischen Zustandes der Mittelkaliberkanonen, was zur Folge hat, dass diese ohne Grundsanierung nur noch mit erheblichem Aufwand weiterhin einsatzfähig gehalten werden können. Zum anderen bringen neue finanzielle Vorgaben mit sich, dass die ursprünglich für die neunziger Jahre in Aussicht genommene Umrüstung von Teilen der Mittelkaliberfliegerabwehr auf ein modernes Lenkwaffensystem nicht realisiert werden kann.

Unter

Berücksichtigung dieser

neuen

Gegebenheiten soll in

Uebereinstimmung mit der Planung für die Armee 95 die gesamte Mittelkaliber-Fliegerabwehr der Flabregimenter einheitlich mit kampfwertgesteigerten Geschützen ausgerüstet sein.

Es wird deshalb nun beantragt, weitere 80 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75 entsprechend umzurüsten. Lediglich die Geschütze der Mittleren Flugplatz-Fliegerabwehrbatterien werden nicht mehr umgebaut. Dies kann in Kauf genommen werden, weil diese Kanonen als letzte produziert wurden und daher noch den besten technischen Zustand aufweisen. Sie dürften im Verlaufe der neunziger Jahre liqudiert werden.

Zur Beschaffung wird ferner das nötige Material für Ausbildung, Ersatz und Unterhalt beantragt. Wie bereits im Rüstungsprogramm 1989 (BBl 1989 II 113, Ziff. 243.14) angekündigt, wird auch die Beschaffung von 16 Basissimulatoren beantragt.

795

251.2

Militärische Aspekte

251.21

Militärische Begründung

Kanonenfliegerabwehrsystème, wie unsere Mittelkaliberfliegerabwehr, haben - wie dies erste Ergebnisse des Golfkrieges bestätigen - nach wie vor eine bedeutsame Abhaltewirkung gegen Angriffsflugzeuge, zum einen sind sie sowohl bei Tag als auch bei Nacht und schlechten Wetterverhältnissen einsetzbar; zum anderen werden wegen ihrer hohen Feuerkraft die angreifenden Kampfflugzeuge in vielen Fällen zur Einhaltung einer grösseren Flughöhe gezwungen, was wiederum die Erfolgschancen der anderen Abwehrsysteme des Luftverteidigungsverbundes erhöht. Die Feuerwirkung aus der Luft verliert dadurch an Präzision, und viele Schäden im Verteidigungsdispositiv können verhindert werden.

Die 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75 sind Hauptbestandteil unserer Mittelkaliberfliegerabwehr (Mittlere Fliegerabwehrbatterien und Mittlere Flugplatz-Fliegerabwehrbatterien).

Die Mittelkaliberfliegerabwehr wird im Verbund mit den weitreichenden Fliegerabwehrlenkwaffen Bloodhound und der Flugwaffe für die landesweite allgemeine Luftverteidigung (operative Stufe Armee) eingesetzt.

Die Beschaffung der Mittelkaliberfliegerabwehr wurde in der ersten Hälfte der sechziger Jahre als Hochleistungs-Waffensystem eingeleitet. Es steht nunmehr bereits seit rund 25 Jahren im Einsatz. Neben der 35-mm-Kanone ist das Feuerleitgerät der zweite Hauptbestandteil dieses Systems. Als Produkt der Elektronik veraltet es besonders schnell. So wurden die Feuerleitgeräte 63 Super-Fledermaus ab zweiter Hälfte der siebziger Jahre sukzessive durch Geräte einer zweiten Generation, die Feuerleitgeräte 75 Skyguard, ersetzt.

Aufgrund der weiterhin im Ausland vorhandenen grossen Potentiale an allwettertauglichen Hochleistungsflugzeugen und der begrenzten Leistungsfähigkeit unserer Kanonenfliegerabwehr wäre eine gelegentliche vollständige Ablösung des Mittelkalibersystems durch modernere Mittel wünschbar; dies wird

796

jedoch

aus

finanziellen

Gründen in

den neunziger

Jahren

kaum möglich sein.

Mit

Ausnahme des Materials der Mittleren Flugplatz-Flieger-

abwehrbatterien müssen deshalb genügend Geschütze der Mittelkaliberfliegerabwehr, nämlich 188 der ursprünglich beschafften 264 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75, durch kampfwertsteigernde Massnahmen wesentlich länger, das heisst bis zum frühestens im Jahre 2010 zu erwartenden Ende der Lebensdauer der Geschütze, im Einsatz gehalten werden. Die zugehörigen Feuerleitgeräte 75 Skyguard müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit kampfwertsteigernden Massnahmen sowie einem Programm zur Erhaltung der Verfügbarkeit auf mindestens die gleiche zeitliche Nutzungsdauer - bis über das Jahr 2010 hinaus - angehoben werden. Die nicht kampfwertgesteigerten Geschütze werden voraussichtlich Ende der neunziger Jahre aus technischen Gründen liquidiert, da bei den derzeitigen finanziellen Aussichten ein Ersatz durch neue Systeme nicht möglich sein wird.

Bei der beantragten Karapfwertsteigerung geht es in erster Linie um den Ersatz der zunehmend störungsanfälligen Geschützsteuerung in alter Röhrentechnologie und Kraftverstärkertechnik, zweitens um den Ersatz des heutigen, gegen moderne Luftfahrzeuge wenig wirksamen Visiers, drittens um die Erhöhung der Feuerkraft durch Einbau eines Ladeautomaten und viertens um Verbesserungen zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit und Langlebigkeit der Stromversorgung, der Lafette und der Kanone. Insbesondere der Visier-Ersatz bringt gleichzeitig eine wesentlich reduzierte Anfälligkeit der gesaraten Mittelkaliberfeuereinheiten gegenüber den Bedrohungen der elektronischen Kriegführung sowie eine bedingte Unabhängigkeit der Geschütze von ihrem jeweiligen Feuerleitgerät, Für weitere Angaben wird auf Ziffer 251.31 verwiesen.

Die kampfwertgesteigerten Geschütze erhalten die Bezeichnung 35-mm-Fliegerabwehrkanone 63/90.

797

251.22

Beurteilung durch die Truppe

Wie schon in der Botschaft zum Rüstungsprogramm 1989 erwähnt wurde, ergaben die durchgeführten Truppenversuche, dass die militärischen Anforderungen erfüllt werden. So wird beispielsweise beim Einsatz ohne Feuerleitgerät mit dem neuen optronischen Fliegerabwehrvisier "Gun King" eine Verbesserung der Flugzielbekämpfungsmöglichkeiten um den Faktor 2-3 erreicht.

251.23

Eingliederung bei der Truppe

Die Kampfwertsteigerung von 80 Fliegerabwehrkanonen 63/75 ermöglicht eine Umrüstung der restlichen sechs der insgesamt 15 Mittleren Fliegerabwehrabteilungen der Fliegerabwehrbrigade 33.

251.24

Umschulung, Ausbildung und unterhalt

Die Umschulung erfolgt in einem dreiwöchigen Umschulungskurs mit einwöchigem Kadervorkurs.

Die Ausbildung in den Fliegerabwehrrekrutenschulen erfährt nur geringfügige Anpassungen. , Um den Lärm zu vermindern, werden für die Ausbildung in Gebäuden sowie auf Waffen- und Schiessplätzen zusätzlich 20 Frequenzumformer beschafft, welche anstelle der Benzinaggregate auf den Geschützen verwendet werden.

Eingeführtes Unterrichtsmaterial, wie Schussfehlervermessungsanlagen, Ausbildungsanlage Veritas III, Sturmgewehrzwischenlafetten, kann mit geringfügigen Anpassungen weiterverwefidet werden.

Für die Schulung der Abläufe zum Erstellen der Feuerbereitschaft stehen zur Zeit 16 Basissimulatoren in Beschaffung.

Diese

798

werden eine intensivere,

zeitsparende und vor

allem

von der Anwesenheit eines Instruktors weitgehend unabhängige Ausbildung ermöglichen. Die beantragte Beschaffung von 16 weiteren Basissimulatoren deckt den gesamten Ausbildungsbedarf.

251.3

Technische Aspekte

251.31

Technische Beschreibung

Die beantragte Kampfwertsteigerung sieht folgende Massnahmen

vor: - Ersatz der störungsanfällig gewordenen Geschützsteuerung in Analogtechnik durch eine neue in Digitaltechnik. Dazu gehören unter anderem: - neue Antriebsmotoren mit Thyristor-Steuerung für die Höhen- und Seitenbewegungen des Geschützes; - neue, digitale Geschütz-Elektronik; - neue Richtergriffeinheit mit den für die Zielverfolgung und -bekämpfung erforderlichen Bedienungselementen zur Ansteuerung des Geschützes; - neues Dateneingabe- und -ablesegerät mit Schnittstelle zum Rechner des neuen Visiers; - Ersatz der gesamten Verkabelung.

Ausfall

des

Skyguard bei

nur geringfügiger

799

Leistungseinbusse sichergestellt. Zwei im "Gun King" eingebaute Testkreise erlauben eine einfache Ueberwachung der Elektronik und eine rasche Fehlerdiagnose.

Zuteilung eines optischen Zielzuweisungsgerätes zu jedem Geschütz, mit dem - hauptsächlich im Betrieb ohne Feuerleitgerät 75 Skyguard - die Ziele schnell und direkt dem neuen Visier zur Bekämpfung zugewiesen werden können.

Ersatz der heutigen Munitionsreservebehälter, aus welchen die Munitionszuführungen von Hand beschickt werden, durch elektrohydraulisch betätigte Nachladeautomaten. Durch den Richter oder automatisch durch den Rechner ausgelöst, laden diese die Munitionszuführungen innert weniger Sekunden maschinell nach. Diese Einrichtung hat folgende Vorteile: - Durch den beschleunigten Nachladevorgang wird schere Folge von Feuerstössen möglich;

eine ra-

Ersatz des heutigen Stromversorgungsaggregates, welches als separater Anhänger durch einen Geländelastwagen gezogen, in Stellung gebracht und mit dem Geschütz verkabelt werden muss, durch eine auf der Geschützunterlafette aufgebaute neue Stromversorgungsanlage. Diese Massnahme erhöht die Mobilität der Feuereinheit und erleichtert einen vom Feuerleitgerät 75 Skyguard unabhängigen Geschützeinsatz.

Folgende Aenderungen sind erforderlich: - neues Stromversorungsaggregat; - Kompensation des höheren Geschützgewichts durch Ausrüstung der Lafette mit breiteren Felgen und Reifen; - Teilerneuerung des Druckluft-Bremssystemes; - Ueberholen der Bremseinheiten und der Lenkung.

Aufbau einer Waffenabdeckung zum Schutze vor extremen Witterungseinflüssen.

Diese Abdeckung enthält zugleich eine automatische

800

Waffenschmierung, welche

Funktionsstörungen

durch äussere Einflüsse vorbeugt. Damit kann die bisherige periodische Gefechtsschmierung entfallen.

Kampfwertgesteigerte 35-min-Fliegerabwehrkanone 63/90

251.32

Entwicklungsverlauf

Der Kampfwertsteigerungs-Nachrüstsata (NDF-C) wurde von der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon-Bührle AG, (heute OerlikonContraves AG) auf eigenes Risiko entwickelt. Die gleiche Firma hat seinerzeit die 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75 entwickelt und hergestellt.

Neben der Schweiz haben sich auch Finnland und Oesterreich, bei denen das 35-mni-System ebenfalls eingeführt ist, für den Kampfwertsteigerungs-Nachrüstsatz entschieden. Er seit 1987 bei Oerlikon-Contraves in Serie hergestellt.

wird

801

251.33

Erprobung

Wie schon in der Botschaft aum Rüstungsprogramm 1989 erwähnt, ergaben die im August 1987 eingeleiteten und im Mai 1988 abgeschlossenen technischen Erprobungen und Truppenversuche mit zwei umgerüsteten Geschützen durchwegs positive Resultate. Die für unser Milizsystem als notwendig erkannten Aenderungen in der Bedienung und im Unterhalt konnten anschliessend in einer mehrere Monate dauernden Phase der Se-- riereifmachung realisiert und abschliessend beurteilt werden. Sie sind heute Teil der laufenden Serienfabrikation.

Das Serienmaterial erfüllt die technischen und taktischen Anforderungen.

251.4

Beschaffung

251.41

Beschaffungsumfang und --kredit

Beschaffungsumfang und -kredit gliedern sich wie folgt:

Mio. Fr.

161,7

-- Feripheriematerial - Ersatzmaterial - Spezialwerkzeuge, Prüf-- und Reparaturausrüstungen

26.,0

28,9

802

Mio. Fr.

2,9 161,7

Mio ·

-- Dokumentation Geschätzte Teuerung bis zur Auslieferung Risiko (rund 2 %) T<Dtal

Fr.

Mio. Fr -

28 ,9

161, 7

1 ,3 3 ,8 8,0 1 ,0 1 ,3

44, 3 21,0 5, 0

232, 0

Die beantragte Beschaffung umfasst die Kampfwertsteigerung von 72 operatiqnellen Geschützen und von acht Geschützen als Instruktionsmaterial für die Materialtruppen. Auf zusätzliche umgerüstete Geschütze als Instruktionsmaterial für die Fliegerabwehrschulen wird verzichtet.

Ueber das Budget für die persönliche Ausrüstung und den Erneuerungsbedarf 1991 wurde bereits eine erste Tranche von 16 Basissimulatoren bestellt. Um die Ausbildung an allen 188 karapfwertgesteigerten Geschützen zu gewährleisten, werden mit dem vorliegenden Programm weitere 16 Basissimulatoren beantragt.

Die Beschaffung von Ersatz- und Unterhaltsmaterial beschränkt sich auf die zahlenmässige Ergänzung der bereits bewilligten Sortimente der ersten Beschaffungstranche.

Im Rahmen der Nachrüstung werden die Kanonen auf ihren allgemeinen technischen Zustand hin überprüft und, soweit nötig, instandgestellt. Erfahrungsgemäss wird die Instandstellung einen von Geschütz zu Geschütz abweichenden Aufwand verursachen. Diesem Umstand wurde bei der Budgetierung der Anpassarbeiten Rechnung getragen.

803

Die Kosten pro Geschütz dieser Vorlage liegen teuerungsbereinigt rund 7 Prozent tiefer als bei der Erstbeschaffung.

Der Grund hiezu liegt darin, dass mit den beantragten 80 Geschützen total 188 Einheiten ohne Produktionsunterbruch gefertigt

werden können und

bei der zunehmenden

Produkti-

onserfahrung beim Hersteller.

Beim

Preisvergleich ist zu berücksichtigen, dass die Preise

der beiden Beschaffungen nur bedingt verglichen werden können. 1989 wurde mit Oerlikon-Contraves ein Vertrag mit Festpreisen abgeschlossen, welcher die Teuerung bis zur Auslieferung einschliesst. Die seither tatsächlich eingetretene Teuerung ist wesentlich höher als sie von Oerlikon-Contraves angenommen und dem Vertrag zugrundegelegt wurde. Die Lieferfirma ist deshalb heute nicht mehr bereit, einen Festpreisvertrag abzuschliessen. Der nun beantragten Beschaffung liegen Offertpreise mit Kostenstand Ende 1990 zugrunde; die bis zur Auslieferung der Geschütze auflaufende effektive Teuerung wird später anhand von Preisgleitklauseln in Rechnung gestellt.

Den oben genannten Kosten liegen folgende Teuerungsannahmen zugrunde: - Im Betrag von 161,7 Millionen Franken ist für den Zeitraum von Ende 1990 bis Ende 1991 eine Teuerung von 6 Prozent eingeschlossen.

Der Optionsvertrag mit Oerlikon-Contraves gibt der Gruppe für Rüstungsdienste das Recht, die Kalkulation des jetzigen Preises anhand der Werte der Nachkalkulation der Erstbeschaffung passen.

804

zu überprüfen und gegebenenfalls nach unten anzu-

251.42

Beschaffungsorganisation

Die Beschaffung erfolgt innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste.

Hauptvertragspartner und Generalunternehmer für die Herstellung des Nachrüstsatzes und den Umbau von 80 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75 sowie die Lieferung der Basissimulatoren ist die Firma Oerlikon-Contraves AG, Zürich.

Weitere wichtige Lieferanten sind: - Moser-Kran AG, Urdorf, für Logistikmaterial; - Anton Piller GmbH, Osterode am Harz (BRD), für die quenzumformer; - Eidgenössische Konstruktionswerkstätte versorgungsaggregate;

Fre-

Thun für die Strom-

251.43

Offerten und Verträge

Für die Lieferung der Nachrüstsätze, des Ersatzmaterials, der Basissimulatoren sowie der Frequenzumformer wurden mit den betreffenden Lieferanten Optionsverträge abgeschlossen.

Die weiteren Beschaffungen (wie beispielsweise der Werkzeuge) sowie der Umbau diverser Fahrzeuge und Anhänger sind durch Offerten, die verbindliche Preislimiten enthalten, abgesichert.

251.44

Inlandanteil

Das beantragte Material wird zu 92 Prozent in der Schweiz hergestellt. Die Firma Oerlikon-Contraves hat sich verpflichtet, bei der Vergabe von Unteraufträgen an die schweizerischen Lieferanten eine möglichst breite regionale Verteilung anzustreben.

805

251.45

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Nachrüstung der 80 35-mm-Fliegerabwehrkanonen 63/75 erfolgt, nach Auslieferung der 108 Geschütze aus dem Rüstungsprogramm 1989, zwischen 1994 und 1996. Die neu beantragten 16 Basissimulatoren werden ab zweiter Hälfte 1993 bis Ende 1994 geliefert, im Anschluss an die bereits bestellten 16 Einheiten, welche ab Mitte 1992 ausgeliefert werden. Die Ablieferung der Ersatzteile und des Unterhaltsmaterials ist auf das Kampfwertsteigerungsprogramm der Geschütze abgestimmt.

251.5

Risikobeurteilung

Von den mit ten Kanonen sprechen in forderungen.

dem Rüstungsprogramm 1989 bestellten umgerüstewurden die ersten bereits geliefert. Sie entihrer Leistung und Qualität den gestellten AnDas Risiko der beantragten Nachbeschaffung kann

als klein eingestuft werden.

251.6

Bauten und Folgekosten

Auf allen Waffen- und Schiessplätzen der Mittleren-Fliegerabwehr werden für den Betrieb der Geschütze anstelle der Benzinaggregate besondere Frequenzumformer eingesetzt (siehe Ziff. 251.24). Mit Ausnahme von 16 zusätalichen Elektroanschlüssen auf dem Waffenplatz Emmen mit einem finanziellen Aufwand von 0,5 Millionen Franken entstehen keine weiteren baulichen Aufwendungen.

Für den Unterhalt entstehen keine zusätzlichen Folgekosten.

806

252

Vier Ziel- und Zielschleppflugzeuge PC-9 (29,0 Mio. Fr.)

252.1

Einleitung

Trotz des zunehmenden Einsatzes von Simulatoren ist für die Ausbildung der Fliegerabwehrtruppen ein Zielflugdienst unentbehrlich. Für die Schiessausbildung an den 35-mm- und den 20-nun-Fliegerabwehrgeschützen werden Schleppflugzeuge benötigt, die ein Flugziel in Form eines mit einem Trefferanzeigegerät versehenen Tuchsackes hinter sich her ziehen. Die 35-mm-Fliegerabwehr praktiziert auch das sogenannte Spiegelschiessen; dabei erscheint das Zielflugzeug ohne Schleppsack mittels eines Spiegels im Visier des Geschützes, das in die dem Zielflugzeug abgewandte Richtung schiesst.

Die Schiessausbildung der Fliegerabwehrformationen erfolgt mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des Tourismus jeweils in der Zeit von Ende September bis Ende Mai auf vier gleichzeitig betriebenen Fliegerabwehrschiessplätzen. Dabei reduzieren Verträge mit den Schiessplatzgemeinden sowie Einschränkungen ini Zielflug- und Schiessbetrieb durch schlechtes Wetter und andere Auflagen des Dienstbetriebes die Anzahl der möglichen Fliegerabwehrschiesstage pro Wiederholungskurs oder Schule beträchtlich.

Für Richtübungen mit den erwähnten Geschützen sowie den Fliegerabwehrlenkwaffen Bloodhound, Rapier und Stinger werden nebst Kleinzieldrohnen und Helikoptern auch Zielflugzeuge während des ganzen Jahres sowohl auf den Fliegerabwehrschiessplätzen als auch im Felddienst eingesetzt.

in den letzten Jahren mussten sämtliche bisher für den Zielflugdienst eingesetzten Flugzeuge ausser Betrieb genommen werden. Bereits 1987 schieden die 23 noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammenden und später zu Zielschleppflugzeugen umgebauten Maschinen des Typs C-3605 aus Sicherheitsgründen kurzfristig aus. Ende 1990 mussten aus Altersgründen auch die 56 um 1950 beschafften und zuletzt als Zielflugzeuge eingesetzten DH--100 Vampire ausser Betrieb genommen werden.

807

Bis

vor wenigen Jahren gab es auf dem internationalen Markt

für

Zielschleppflugzeuge kein Angebot.

Erst als die

Firma

Pilatus 1987 eines ihrer neuen Schulflugzeuge PC-9 mit einem Zielschleppsystem ausrüstete, bot sich eine Ersatzlösung an.

So konnten 1988 als teilweiser Ersatz für den Schleppdienst vorerst vier Flugzeuge vom Typ PC-9 gemietet werden. Diese wurden wegen der zeitlichen Dringlichkeit im Jahre 1990 über das Budget für die Persönliche Ausrüstung und den Erneuerungsbedarf

(AEB)

beschafft.

Die Militärkommissionen der

eidgenössischen Räte wurden darüber orientiert; gleichzeitig wurde die Absicht bekundet, die Beschaffung weiterer PC-9 mit einem späteren Rüstungsprogramm zu beantragen.

252.2

Militärische Aspekte

252.21

Militärische Begründung

Die beantragten vier PC-9 dienen zum Schleppen von Zielen für Schiessübungen. Sie ersetzen dabei die liquidierten Flugzeuge C-3605. Ferner können sie zur Darstellung von Flugzielen bei Richtübungen eingesetzt werden. Hier ersetzen sie einen Teil der DH-100 Vampire.

Unter der Voraussetzung, dass die zur Zeit noch in Entwicklung stehenden Schiess-Simulatoren für Fliegerabwehrsysteme beschafft werden können, benötigt die Truppe zur Abdeckung aller Zielflugbedürfnisse insgesamt 16 Flugzeuge PC-9. Davon sollen acht mit Schleppausrüstungen für die Schiessausbildung und acht ohne Schleppziele für die Richtausbildung ausgerüstet werden.

Die Planung sah bisher vor, die noch fehlenden 12 PC-9 mit einem Rüstungsprogramm des Ausbauschrittes 1992-1995 zu beschaffen. Man war sich bewusst, dass dies Einschränkungen der Schiessausbildung zur Folge haben muss, da die zur Verfügung stehenden vier Flugzeuge nur ein Minimum an Ausbildung erlauben.

808

Demgegenüber konnte mit den bis Ende 1990 noch in genügender Zahl vorhandenen Flugzeugen Vampire wenigstens die Richtausbildung vollumfänglich sichergestellt werden. Ab 1991 ist vorgesehen, dafür vorübergehend vermehrt die vorhandenen Flugzeuge des Typs PC-7 sowie Helikopter und Hunter-Kampfflugzeuge einzusetzen. Dabei wird in Kauf genommen, dass ein Teil der PC-7 der Pilotenschulung entzogen werden muss. Helikopter stehen für die Richtausbildung nur sehr beschränkt zur Verfügung, und Hunter sind wegen der höheren Betriebskosten und vor allem wegen des grösseren Fluglärms problematisch.

Nun zeigt aber die Praxis, dass sich die Lücke im Zielschleppflugdienst noch viel krasser auswirkt als angenommen, da der kleine Bestand von nur vier Schleppflugzeugen zu einem ungünstigen Ausbildungsrendement in den Schiesskursen führt.

Es steht zur Zeit pro Fliegerabwehrschiessplatz nur ein einziges Zielschleppflugzeug zur Verfügung. Dies ist wegen der damit verbundenen geringen Anzahl von Einsätzen pro Tag und der relativ kurzen Verweilzeit des Flugzeuges über dem Schiessplatz sehr unwirtschaftlich. Fällt nun eines der vier Zielschleppflugzeuge aus technischen Gründen für kürzere oder längere Zeit aus, so muss, wie dies leider schon öfters der Fall war, die Truppe zeitweise sogar vollständig auf das Schiessen verzichten.

Des weiteren wirkt sich erschwerend aus, dass bei Zerstörung des Schleppsackes durch eine gute Trefferlage das Zielflugzeug zwecks Montage eines neuen Schleppzieles auf seinen Flugplatz zurückkehren muss, was wiederum zu unliebsamen Ausbildungsunterbrüchen führt. Das heute verwendete Zielschleppsystem weist zudem eine relativ hohe Störanfälligkeit auf (vgl. Ziff. 252.32).

Zur Sicherstellung eines ausbildungswirksamen Schiessbetriebes auf Schleppziele ist es deshalb dringend erforderlich, die Beschaffung von vier weiteren Flugzeugen PC-9 zeitlich vorzuziehen.

3l Bundesblail 143.Jahrgang. Bd.II

809

Die

Beschaffung der restlichen acht Flugzeuge

finanziellen Gründen für ein Rüstungsprogramm schritt 1992-1995 vorgesehen.

252.22

PC-9 ist aus im Ausbau-

Erfahrungen der Truppe mit dem Flugzeug PC-9

Das Flugzeug PC-9 kann sowohl die Aufgaben des bisherigen Schleppflugzeuges C-3605 als auch jene des Zielflugzeuges DH-100 übernehmen. Die vier bereits vorhandenen Flugzeuge PC-9 haben sich im bisherigen Einsatz bewährt. Fliegerisch stellt das Flugzeug etwa die gleichen Ansprüche wie ein JetSchulflugzeug. Die PC-9 werden zum überwiegenden Teil durch ältere Milizpiloten, die auf Jetflugzeugen ausgebildet sind, eingesetzt.

252.23

Eingliederung bei der Truppe

Auch die vier beantragten Flugzeuge werden durch die Zielflugstaffel der Flugwaffenbrigade 31 ausschliesslich zugunsten der Fliegerabwehrtruppen eingesetzt.

252.24

Umschulung und Ausbildung

Die Umschulung der Piloten erfolgt im Rahmen jährlichen Dienstleistungen.

der normalen

Die Ausbildung des Bodenpersonals erfolgt ausschliesslich innerhalb des BAMF. Es werden keine Miliz-Bodentruppen ausgebildet.

252.25

Betrieb und Unterhalt

Die Verantwortung für den Betrieb und den Unterhalt der Flugzeuge obliegt dem Bundesamt für Militärflugplätze (BAMF). Es handelt sich dabei um die Sicherstellung der täglichen Einsatzbereitschaft und des Betriebes der Flugzeuge

8)0

ab den bereits für den PC-9 eingerichteten Flugplätzen sowie die Planung und Durchführung des periodischen Unterhaltes.

Umfangreichere Unterhaltsarbeiten sowie Reparaturen, die spezielle Einrichtungen benötigen, werden beim Hersteller in Auftrag gegeben. Mit dieser Aufgabenteilung soll einerseits die tägliche Einsatzbereitschaft der Flugzeuge und andrerseits ein möglichst wirtschaftlicher und kostengünstiger Betrieb und Unterhalt gewährleistet werden.

252.3

Technische Aspekte

252.31

Beschreibung des Flugzeuges

Das Turboprop-Flugzeug PC-9 wurde von der Firma Pilatus Flugzeugwerke AG, Stans, entwickelt. Die Zielsetzung der Entwicklung bestand darin, ein leistungsstarkes Flugzeug für die Grund- und Fortgeschrittenenausbildung von Militärpiloten zu schaffen. Seine Leistungen und Konstruktion gestatten es, das Flugzeug mit der entsprechenden Zusatzausrüstung auch als Ziel- und Zielschleppflugzeug einzusetzen. Die entsprechende Ausrüstung wird als Aussenlast unter dem Flügel mitgeführt.

Seit 1985 wurden vom Hersteller über 150 PC-9-Flugzeuge produziert, davon 16 als Zielschleppflugzeuge. Seit 1990 stehen von diesen 16 Flugzeugen zehn in Deutschland und seit 1968 vier in der Schweiz im Einsatz.

Das Turboprop-Flugzeug PC-9 ist ein Tiefdecker mit zwei Martin-Baker Schleudersitzen in Tandemanordnung und einziehbarem Fahrwerk. Für Zielschlepp-Einsätze kann das Flugzeug von nur einem Piloten geflogen werden. Durch das überhöhte hintere Cockpit bestehen auch für den Instruktor im Falle einer Pilotenausbildung sehr gute Sichtverhältnisse.

Ein Gasturbinen-Triebwerk vom Typ PT6A-62 der Firma Pratt & Whitney, Kanada, verleiht dem Flugzeug, in Verbindung mit einem geräuscharmen Vierblatt-Verstellpropeller, gute Flugleistungen.

811

Das und

Zielschleppsystem RM-24 ist unter dem Flügel aufgehängt besteht im wesentlichen aus einer Winde mit einem

Schleppseil von 3500 m Länge, einer umlenkrolle am Heck des Flugzeuges und einem Schleppsack mit einem Trefferindikator.

Zwei Bediengeräte, im vorderen Cockpit angeordnet, werden zur Steuerung der winde und zum Abwerfen des Schleppsackes vor der Landung verwendet. Der PC-9 kann je nach Bedarf und Verfügbarkeit mit einem oder zwei Zielschleppsystemen RM-24 eingesetzt werden.

Die Trefferregistrierung erfolgt durch eine Bodenstation auf dem jeweiligen Schiessplatz. Die Daten werden vom Trefferindikator über eine Funkverbindung an die Bodenstation übermittelt.

PC-9 mit Zielschleppsystem

Der

PC-9

und

das Zielschleppsystem

RM-24 sind

bezüglich

Lufttüchtigkeit nach internationalen Normen ausgelegt und konstruiert. Die Zertifizierung durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt liegt vor.

812

Technische Daten (Schweizer Version des PC-9)

Spannweite

10,12 m

Länge über alles Höhe Leermasse

10,175 m 3.26 m 1775 kg

Max. Startmasse

2250 kg

Max. Geschwindigkeit Max. Steiggeschwindigkeit Dienstgipfelhöhe Zulässiges Lastvielfaches

593 km/h 20,7 m/s 11560 m/M +7,0 g bis -3,5 g

Anzahl Triebwerke

l

Triebwerktyp Triebwerkhersteller Startleistung Treibstoffkapazität intern Startrollstrecke Landerollstrecke

PT6A-62 Pratt & Whitney, Kanada 950 PS 535 l 230 m 420 m

Die Angaben beziehen sich auf Flugleistungen ohne das Mitführen von Aussenlasten. Beim Einsatz des Zielschleppsystems RM-24 reduziert sich das zulässige Lastvielfache auf +4,5 bis -2,25 g und die Start- bzw die Landerollstrecke nimmt geringfügig zu.

252.32

Erfahrungen mit dem PC-9 aus technischer Sicht

Im Zeitraum September 1987 bis Juli 1988 wurden von Testpiloten der Gruppe für Rüstungsdienste Prinziperprobungen mit einem Standard-PC-9 der Firma Pilatus und dem damals einzigen auf dem Markt erhältlichen amerikanischen Zielschleppsystem RM-12 durchgeführt. Während dieser Versuche wurden 18 Flüge ausgeführt. Sowohl Flugzeug wie Zielschleppsystem erwiesen sich als gut geeignet und zuverlässig. Während der Prinziperprobung war die technische Einsatzbereitschaft von Flugzeug und Zielschleppsystem hoch, obschon noch kleinere technische Mängel auftraten, die bis zur Uebernahme der ersten Mietflugzeuge im Oktober 1988 weitgehend behoben wurden.

Im späteren Truppeneinsatz traten an den Zielschleppsystemen RM--12 zunehmend technische Störungen auf, die trotz der Aenderungen am Material bisher nicht vollständig behoben werden

813

konnten. Von der Lieferfirma wurde im Hinblick auf einen Einsatz des PC-9 in der Bundesrepublik Deutschland ein verstärktes und zuverlässigeres Zielschleppsystem unter der Bezeichnung RM-24 entwickelt. Dieses wird seit einiger Zeit in der Bundesrepublik Deutschland erfolgreich eingesetzt. Es ist so konstruiert, dass gleichzeitig zwei Systeme am FC-9 montiert werden können, womit sich die willkommene Möglichkeit ergibt, bei Ausfall des einen Systems sofort auf das andere auszuweichen. Bisher musste bei einer Beschädigung des Ziels durch Geschosstreffer jeweils das Flugzeug landen, was zu einem Unterbruch der Schiessübung führte. Die hier zur Beschaffung beantragten vier neuen Flugzeuge PC-9 werden von Anfang an mit dem Zielschleppsystem RM-24 ausgerüstet.

252.33

Besonderheiten der zweiten Tranche PC-9

Die bisherigen Erfahrungen mit dem PC-9 führen zu einigen Aenderungen gegenüber den bereits beschafften vier Flugzeugen. Aufgrund der hohen Reparaturanfälligkeit des bisher verwendeten Zielschleppsystems RM-12 wird das oben erwähnte System RM-24 zur Beschaffung beantragt. Die Aenderungen umfassen flugzeugseitig zudem mechanische Verstärkungen im Flügel und Rumpfheck zur Aufnahme des neuen Zielschleppsystems RM-24 sowie den Einbau von zwei dazugehörenden Bediengeräten im vorderen Cockpit.

252.4

Beschaffung

252.41

Beschaffungsumfang und -kredit

Beschaffungsumfang

men

814

und -kredit setzen sich wie folgt zusam-

Mio. Fr.

20,4 4,8

3,2 0,6 29,0

Die veranschlagten Beschaffungskosten von 29 Millionen Franken schliessen die Teuerung bis zur Auslieferung ein.

252.42

Beschaffungsorganisation, Offerten und Verträge

Die beantragte Beschaffung wird innerhalb der Linienorganisation der Gruppe für Rüstungsdienste abgewickelt.

Vertragspartner als Hersteller und als Generalunternehmer ist die Firma Pilatus Flugzeugwerke AG in Stans.

Für die Flugzeuge sowie für die Schleppsysteme liegen verbindliche Angebote der Firma Pilatus vor. Diese Angebote sind bis 15. Januar 1992 gültig und verstehen sich einschliesslich Teuerung bis zur Auslieferung. Die Kosten für den Aenderungsdienst, das Ersatz- und das Bodenmaterial, die Werkzeuge, die Ausbildung und die Dokumentation sind teils durch verbindliche Höchstpreisofferten abgesichert, teils geschätzt.

Mit der Firma Pilatus wurde ein Optionsvertrag für den gesamten Beschaffungsumfang abgeschlossen.

815

Die Gruppe für Rüstungsdienste hat das Recht, die Preiskalkulation bei der Firma Pilatus zu überprüfen und allenfalls übersetzte preise nach unten anzupassen. Für eine diesbezügliche Ueberprüfung können auch die Ergebnisse aus der Nachkalkulation der ersten Beschaffung von vier PC-9 im Jahre 1990 herangezogen werden.

252.43

Preisvergleich mit der ersten Beschaffung von vier Zielschlepp- und Zielflugzeugen PC-9

Der Stückpreis der im Jahre 1990 beschafften vier PC-9 belief sich bei der Auslieferung anfangs 1990 auf 4,5 Millionen Franken. Bezogen auf die gleiche Konfiguration beläuft sich der ausgehandelte Festpreis für die nun zur Beschaffung vorgeschlagenen weiteren PC-9 Flugzeuge bei Auslieferung 4. Quartal 1992 auf 5,1 Millionen Franken pro Flugzeug. Dies entspricht einer durchschnittlichen Jahresteuerung von rund 4,5 Prozent.

252.44

Inlandanteil

Das zur Beschaffung beantragte Material wird zu 55 Prozent in der Schweiz hergestellt. Die Firma Pilatus hat sich verpflichtet, bei der Vergabe von ünteraufträgen an die schweizerischen Lieferanten eine möglichst breite regionale Verteilung anzustreben. Dies hat zur Folge, dass rund 40 einheimische Zulieferanten mit kleineren und grösseren Aufträgen an der Beschaffung mitwirken können.

252.45

Zeitlicher Ablauf der Beschaffung

Die Auslieferungen der vier Zielschlepp- und Zielflugzeuge sowie der Zielschleppsysteme und der Logistik erfolgen im vierten Quartal 1992.

816

252.5

Risikobeurteilung

Die Zielschlepp- und Zielflugzeuge PC-9 werden von der Firma Pilatus seit 1985 in Serie hergestellt. Die vier vorhandenen Flugzeuge entsprechen in ihrer Leistung und Qualität, mit Ausnahme der Zielschleppsysteme RM-12, den gestellten Anforderungen. Die nun zur Beschaffung vorgeschlagenen neuen Zielschleppsysteme RM-24 sind bereits in Deutschland im Betrieb. Die Gruppe für Rüstungsdienste verfolgt diesen Einsatz; die endgültigen Ergebnisse liegen vor und wurden ausgewertet. In den vorhandenen technischen Vertragsunterlagen sind die Leistungen des Zielschleppsystems RM-24 verbindlich abgesichert; zudem liegt für dieses Material eine verbindliche Offerte der Firma Pilatus vor. Das beim neuen System noch vorhandene mittlere Risiko wird somit vom Generalunternehmer abgedeckt.

Gesamthaft wird das technische, terminliche und finanzielle Risiko als klein eingestuft.

252.6

Folgekosten und Bauten

Der jährlich wiederkehrende Sachaufwand durch drei Faktoren bestimmt:

wird hauptsächlich

und den Unter-

Der Arbeitsaufwand für die Bereitstellung und den Unterhalt der Flugzeuge wird pro Flugstunde nur etwa halb so gross sein wie bei den bisher für den Zielflugdienst benützten Vampire-Flugzeugen. Auch der Treibstoffverbrauch ist gegenüber dem mit einem Düsentriebwerk ausgerüsteten Vampire um rund 80 Prozent geringer.

Das

im Beschaffungsumfang das

eingestellte Ersatzmaterial

Minimum, das notwendig

be-

schränkt

sich auf

ist, um die

tägliche

Einsatzbereitschaft der Flugzeuge sicherzustellen.

817

Dies wird zur Folge haben, dass die später notwendig werdenden Beschaffungen von Ersatzmaterial höhere Kosten als bisher üblich verursachen. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt datin, dass nur das tatsächlich benötigte Material angeschafft wird.

Da mit den ersten vier im Dienst stehenden PC-9 nur rund zwei Jahre Betriebserfahrung vorliegen, ist die Schätzung der jährlich wiederkehrenden Folgekosten schwierig. Als Richtwert müssen die Flugstundenkosten des Vampire (2300 Franken) zugrundegelegt werden, was zu jährlichen Aufwendungen von rund 2,7 Millionen Franken führt.

Bezüglich nisse.

Personal und Bauten entstehen keine neuen Bedürf-

3

Kredite

31

Zusammenfassung der Verpflichtungskredite

Die beantragten Verpflichtungskredite setzen sich wie folgt zusammen:

Mio. Fr.

Allgemeine Ausrüstung Infanterie Genie und Festungen Artillerie Flieger- und Fliegerabwehrtruppen Total

818

555,0 464,0 163,0 327,0 261,0 1770,0

32

Hinweise zu den Kreditberechnungen

Bei den Ziel- und Zielschleppflugzeugen PC-9 konnte ein Festpreis vereinbart werden, der die Teuerung bis zur Auslieferung einschliesst. Bei den übrigen Vorhaben wurde die Teuerung bis zur vollständigen Auslieferung des Materials vorausgeschätzt und in den Kreditbegehren mit einem entsprechenden Betrag ausgewiesen.

Bei Beschaffungen in ausländischen Währungen wurde mit folgenden Teuerungsraten und Wechselkursen gerechnet:

Bundesrepublik Deutschland .......

Teuerung

Wechselkurs

(%)

(Fr.)

4,0 4,0 3,5 3,5 7,0

Obige Annahmen wurden im Einvernehmen mit dem sehen Finanadepartement festgelegt.

-.90 -.26 -.13 -.25

Eidgenössi-

Sollten sich im Laufe der Beschaffungen die oben erwähnten Wechselkurse und Teuerungsraten erhöhen, müssten allenfalls teuerungs- beziehungsweise währungsbedingte Zusatzkredite angefordert werden.

819

33

In der Riistungsbotschaft nicht beriicksichtigte Kosten

Im anbegehtten Gesamtkredit sind nicht enthalten: - die

WUST auf dera Importanteil. Dieser aufgrund der bishe-

rigen

Ansatze auf insgesamt rund 56 Millionen Franken ge-

schStzte

Betrag

wird

der Rubrik

"Warenumsatzsteuer auf

Importen" belastet.

Transportkosten auf dem Importanteil. Dieser auf ins-

gesamt

rund 4,8 Millionen Franken

geschatzte Betrag wird

der Rubrik "Transportkosten" belastet.

4

Uebersicht tiber die gegeniiber dem heutigen Zustand entstehenden personellen und finanziellen Mehraufwendungen (Kostenstand

1991)

Vorhaben

Zusatzliches personal

Zusatzlic :her Aufwand

Bauten Stellen - Individueller C-Schutz...

16

5

uebriges

Mio. Fr. jahrlich 0,35

0,14

0,3

1,4

0,3

2 0 ,25

1,5

820

8,0

0,2

Vorhaben

Zusatzliches Personal

Zusatzlicher Aufwand

Bauten Stellen - 15, 5-cm-Annaherungs-Momentanzunder 91

Mio. Fr. jShrlich

--

-

-

0,5

Uebriges

2,7 24,5

9,4

4,74

Die erwShnten 24,5 Stellen wecden dutch Rationalisierungen und Uroschichtungen innerhalb des bewilligten Bestandes aufgefangen.

5

Legislaturplanung 1987-1991

Die beantragten Vorhaben sind Tell des im Bericht ubet die Legislaturplanung 1987-1991 (BB1 1988 I 395, Ziff. 1.2) erwahnten Ausbauschrittes unserer Arinee.

6

Verfassungsmassigkeit

Die verfassungsmassige Zustandigkeit det Bundesversammlung beruht auf den Artikeln 20 und 85 Ziffer 10 der Bundesverfassung.

821

Bundesbeschluss über die Beschaffung von Rüstungsmaterial

Entwurf

(Rüstungsprogramm 1991)

vom

Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, gestützt auf die Artikel 20 und 85 Ziffer 10 der Bundesverfassung, nach Einsicht in eine Botschaft des Bundesrates vom 27. März 199l1', beschliesst:

Art. l 1 Der Beschaffung von Rüstungsmaterial nach der Botschaft vom 27. März 1991 (Rüstungsprogramm 1991) wird zugestimmt.

2 Es wird hierfür ein Gesamtkredit von 1770 Millionen Franken nach dem Verpflichtungskreditverzeichnis im Anhang bewilligt.

Art. 2 1 Der jährliche Zahlungsbedarf ist in den Voranschlag aufzunehmen.

2 Der Bundesrat regelt die Durchführung der Rüstungsmaterialbeschaffung. Er kann im Rahmen des Gesamtkredites geringfügige Verschiebungen zwischen den einzelnen Verpflichtungskrediten vornehmen.

Art. 3 Dieser Beschluss ist nicht allgemeinverbindlich; er untersteht nicht dem Referendum.

') BB1 1991 II 681

822

Rüstungsprogramm 1991

Anhang

Verzeichnis der Verpflichtungskredite Vorhaben

Allgemeine Ausrüstung Infanterie Genie und Festungen Artillerie Flieger- und Fliegerabwehrtruppen Total Verpflichtungskredite

Fr.

555 000 000 464 000 000 163 000 000 327 000 000 261000000 l 770 000 000

823

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Botschaft über die Beschaffung von Rüstungsmaterial (Rüstungsprogramm 1991) vom 27.

März 1991

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1991

Année Anno Band

2

Volume Volume Heft

21

Cahier Numero Geschäftsnummer

91.027

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

04.06.1991

Date Data Seite

681-823

Page Pagina Ref. No

10 051 834

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