672

# S T #

Bericht des

schweizerischen Konsuls in Cincinnati (Hrn. Jakob Ritschie aus Zürich) über das Jahr 1874.

(Eingegangen 17. März 1875.)

An den hohen Schweiz. Bundesrath.

Tit.!

Wie bereits bekannt, verursachte im Jahre 1873 das Falliment der Herren Jaq. Cook und Komp., die ein Bank- und Wechselgeschäft , und außerdem großartige Eisenbahnspekulationen betrieben, eine große Calamität im ganzen Lande, indem in Folge leichtsinniger Spekulationen die im Bau begriffenen, nach Millionen gewertheten Eisenbahnlinien im Stich gelassen werden mußten, wodurch ganze Corporationen, sowie reiche Private, wesentlich geschädigt und eine allgemeine Panik hervorgerufen wurde. Es wirkte diese Katastrophe natürlich auch lähmend auf den Wohlstand des Staates Ohio und seiner westlichen Nachbarstaaten, und viele projektirte Bauten von Eisenbahnen, öffentlichen Gebäuden, Korrektion, von Kanälen behufs billigeren Transportes von Getreide u. s. w.

unterblieben. So ist zum Beispiel erst vor kurzer Zeit das ,,Central Ohio Hospital" für Wahnsinnige fertig und unter Dach gebracht worden, während es ohne das Eintreten besagter Katastrophe längst erstellt worden wäre. Die Krisis wirkte nicht allein lähmend auf das ganze Staatswesen, sondern auch auf Kapitalisten, Fabri-

675 kanten, Kaufleute u. s. w. für geraume Zeit zurück, und heute noch, sind Nachwehen zu verspüren.

In meinem Berichte vom Jahre 1873 erwähnte ich, daß in diesem Jahre Konzessionen für Erstellung von weiteren 4000 Meilca Eisenbahnen vom Staate bewilligt worden seien, die nun aber unglücklicher Weise durch die allgemeine finanzielle Mißstimmung (namentlich gegen die Eisenbahnen) mehr als jeder andere Geschäftszweig betroffen sind, daher. seit jener Panik nur wenige Linien vollendet wurden. Mancher Eisenbahnbau, der unter günstigeren Umständen ausgeführt worden wäre, wurde abermals auf unbestimmte Zeit verschoben. Während des Jahres wurden von den verschiedenen Gesellschaften folgende Strecken gebaut : Baltimore, Pittsburgh und Chicago Komp.

.

.

110 Meilen Painesville und Youngstown Komp. (schmalspurig) 39 ,, Manetta Pittsburgh und Cleveland Komp.

.

.

19 ,, Lake Erie u n d Louisville Komp. .

.

.

.

8 ,, Toledo u n d Manuce Komp. .

.

.

.

.

7 ,, Mansfield und Coldwater und Lake Michigan Komp.

27 .., Baltimore Shoreline Komp. .

.

.

.

.

30 ,, Cincinnati und Whitewater Valley Komp.

.

.

2 " Im Ganzen also 242 Meilen Eisenbahnen sind, wie bereits in früheren Berichten gesagt worden, in diesem Lande besonders nützlich und nothwendig und sollten nicht durch engherzige und lästige Gesetze beschränkt, sondern als volkstümliches Institut mit besondern Privilegien ausgestattet werden, dagegen einer rationellen aber strengen Gesetzgebung unterstellt sein, die sie daran hindert, sich zu Herren des Volkes aufzuwerfen und es unter das Joch des Monopols zu bringen.

An meinen Bericht vom vorigen Jahre anknüpfend, kann ich bezüglich der Eisenbahn von Cincinnati nach dem Süden durch Kentucky, Tennessee und Alabama berichten, daß das Trace abgesteckt und bereits einzelne Strecken in Angriff genommen sind.

Die Stadt Cincinnati votirte, wie ich bereits seiner Zeit berichtete, 10 Millionen Dollars für den Bau dieser Bahn, um direkt mit dem Süden in Verkehr zu treten. Die Vertreter der Stadt, die auf Vorschlag des Obergerichtes gewählt wurden, sind der Meinung, daß, bis die Bahn erbaut und gehörig ausgestattet sei, es noch weiterer 10 Millionen Dollars bedürfen wird. Es liegt außer Zweifel , daß, wenn einmal durch diese Bahn die Verbindung hergestellt sein wird, Cincinnati der von ihm erstrebten kommerziellen Vortheile in bedeutendem Maße theilhaftig wird. Erwähnen wir z. B. der Baumwolle, so wurden von solcher im Jahre 1873 per Dampf-

674 boot und Eisenbahn 188,083 Ballen, im Jahre 1874 aber 195,895 Ballen an hiesige Commissionshäuser spedirt, d. h. 7812 Ballen mehr als im Vorjahre, und man zieht daraus den Schluß, daß nach hergestellter direkter Verbindung Cincinnati leicht einer der Hauptmärkte für Baumwolle werden könnte. Das Gleiche läßt sich von verschiedenen Hauptexportartikeln sagen, wie z. B. Schwein- und Rindfleisch, Mehl, Wisky, Stärke u. s. w., welche zu weiterem Export nach Liverpool, Bremen u. s. w. vom Süden nach Cincinnati spedirt würden.

Betreffend die Staatsinstitute in Ohio ist zu bemerken, daß die Reformschulen, für Knaben sowohl als Mädchen, bedeutende Fortschritte aufweisen. Man kann sich glücklich schätzen, daß diese Institute in keiner Weise von der obgedachten Kalamität berührt worden sind. Das ^Agriculture and Meehanical College" lieferte günstige Resultate, ebenso die Taubstummen-Anstalt.

Das Zuchthaus erfreut sich guter Verwaltung, welche nach Abzug aller Kosten, Besoldungen u. s. w. im verflossenen Jahre $ 23,425. 59 als Ueberschuß an den Staat abliefern konnte.

Man rühmt im Allgemeinen die den ausgedienten Soldaten und Invaliden im Staate Ohio gebotene Versorgung in Invalidenhäusern.

Im Verhältniß zu anderen Staaten ist die Einwanderung in den Staat Ohio eine verhältnißmäßig unbedeutende, da sie sich mit Vorliebe nach dem nördlichen Theil des Staates Indiana, nach v Illinois , Kansas und nach dem nordwestlichen Theil von Missouri, Wisconsin und Jowa hinzieht. Ist einmal die unglückselige Negerfrage im Süden erledigt, so bietet auch dieser ein weites Feld für Einwanderung. So lange aber der Congreß der Vereinigten Staaten in dieser Frage nicht entschieden hat, ist die Einwanderung nach genanntem Theil der Union nicht zu empfehlen.

Die Schifffahrt auf dem Ohiofiuß ergiebt folgende Resultate: Im Jahre 1874 kamen an 2596 Dampfer, 305 Dampfschleppschiffe .,, ,, 1873 ,, ' 2340 ,, 339 1874 also mehr 256 ,, und 34 ,, weniger als im Vorjahr.

Die Anzahl der im Jahre 1874 erbauten Dampfer und Dampfschleppschiffe beläuft sich auf 15, während sie 1873 25 erreichte.

Der Wasserstand war während des ganzen verflossenen Jahres im Ohioflusse befriedigend, was jedoch nicht verhinderte, daß der Schiffbau hier abnimmt, da Wassermangel im Sommer zur Regel geworden ist. Der Schiffbau nimmt dagegen in New-Albany unter-

675 halb Loiiisville (Kentucky), Evansville (Indiana), St. Louis (Missouri) alljährlich in Folge des regelmäßigeren Wasserstandes zu.

Wegen der Billigkeit des Transportes werden am Meisten Möbel, Mehl, Wisky, Eisen, Baumwolle, Tabak, landwirthschaftliche Maschinen, Petroleum, Salz, Getreide, Hopfen und eine Menge anderer Gegenstände, worunter Glaswaaren , von Pittsburgh per Dampl'boot spedirt.

Banken.

An Stelle der im Staate Ohio nicht zugelassenen Staatsbanken sind die Nationalbanken und Privatbanken getreten. In Cincinnati sind deren folgende zu verzeichnen : A. N a t i o n a l b a n k e n .

Erste Nationalbank, Kapital . . . $ 1,500,000 . . . ,, 200,000 Zweite n , . . ,, 800,000 Dritte ·n . . . ,, 500,000 . . . ,, 1,000,000 Merchants Bank "\7"ì QT«^-Q

$ 4,000,000 B. P r i v a t b a n k e n .

Kapital $ 500,000 Commercial Bank, Franklin Bank ,, 335,000 T) La Fayette Bank ,, 240,000 ·n C. F. Adae und Komp.

,, 50,000 ·n Espy, Heidelbach und Komp.

,, 150,000 ·n ,, 75,000 Gilmore, Dunlop und Komp.

·n Seasongood, Netter und Komp.

,, 100,000 i> Evans und Komp.

,, 150,000 ·n E. Kinney und Komp.

,, 130,(;00 n Larkrie Wright und Komp.

,, 300,000 ·n Andrew Bissei und Komp.

_ 134,000 ·n J. A. Hemann und Komp.

,, 40,000 7) German American Bank ,, 100,000 T) Hermann Sevi und Komp.

_ 50,000 T) German Banking Komp.

fl 250,000 T) G. H. Bussing und Komp.

50,000 v T)

2,654,000

$ 6,654,000 Der stehende gesetzliche Zinsfuß, auf Hypotheken beim Verkauf von Grundeigentum beträgt 6 °/o, der Zins auf Handelseffekten

676 guter Firmen variirt zwischen 8 und 10 °/o. Gold variirte im Werthe während des vorigen Jahres von 110 bis 111 l/ii seit einem Monat stand das Gold-Agio auf 114 , Anfangs Januar 1875 auf 1161/».

Der Gesammtbetrag der in Cincinnati eingegangenen europäischen Importe betrug laut Ausweis des Zollhauses (im Jahre 1874 bis 30. Juni) $ 656,354. -- Faktura-Werth. Die dafür erlegten Zollgebühren beliefen sich auf $ 275,780. 76 es.

NachstehendeArtikel sind inCincinnati verzollbar: Reis, Bücher, Bilder, Chemikalien, baumwollene Manufakten, Erdwaaren, Spielwaaren, Leinenwaaren, Glaswaaren, Hopfen, Eisenwaaren, Gewehre, Feilen, Eisen, Mehl, Uhren, Juwelen, Leder, Oelgemälde, musikalische Instrumente , Seidenwaaren , Cigarren , Schnitt- und Wollwaaren, Senf, Spirituosen, Weine und Tabak.

In Bezug auf das Zollhaus in Cincinnati möchte ich die Aufmerksamkeit der schweizerischen Fabrikanten, jedweder Branche ohne Ausnahme, dahin lenken, daß der Spedition ihrer Artikel nach dem innera Westen, wo ein Zollhaus existirt, kein Hinderniß entgegensteht, sofern sie die vorgeschriebenen Regeln beachten. Außero ö i O O dem möchte ich ihnen empfehlen , so wenig als möglich mit den Speditoren in irgend einem Hafen zu thun zu haben, da dieselben sieh meist Ueberforderungen zu Schulden kommen lassen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein Fabrikant bei weitem besser fährt, wenn er den hiesigen Markt selbst besucht und sieh mit der hiesigen Handelswelt selbst bekannt macht, da er seinen Vortheil besser wahrnehmen und den Geschmack seiner Abnehmer besser kennen lernen kann. Außerdem sehe ich nicht ein, warum gerade nur New-York, Boston, Philadelphia und Baltimore Märkte für schweizerische Fabrikate sein sollen, da in Cincinnati ein ungeheures Feld für den Verschleiß von Waaren nach dem Westen eröffnet wird, insofern eine Menge größerer und kleinerer Städte von diesem Platze aus mit Waaren versorgt werden könnte. Möge dieser Fingerzeig unsre Fabrikanten zur bessern Erwägung ihrer Interessen veranlaßen, wie ich meinerseits gern bereit bin, ihre Bemühungen in dieser Richtungö nach Kräften zu unterstützen.

Der bedeutende Uhrenhandel wird an hiesigem Platze durch eine Zahl Häuser vermittelt, welche ihre Einkäufe meist in Europa, aber auch in New-York machen. Ebenso existirt am Platze eine große Anzahl von Geschäften in Schnitt-, Seiden-, Tuch-, Druck-, und Teppichwaaren, sowie Bandhandlungen. Seit einigen Jahren ist hier ein Industriezweig im Steigen begriffen, der zu den größten der Vereinigten Staaten gehört, nämlich die Brauerei. Es bestehen

677

hier 25 Brauereien, in welchen im Jahre 1874 465,886 Faß Bier (14,442,466 Gallonen) gebraut wurden. Es waren zur Herstellung dieses Quantums nöthig: 1,281,185 Bushel Malz, 1,164,714 & Hopfen, 4,000,000 Bushel Steinkohlen, 2,500,000 Bushel Coke. Die Zahl der hergestellten Tonnen war 70,000, die der Arbeiter 1800 und ihr Arbeitslohn repräsentirt die Summe von $ 1,700,000. Man schätzt den Bierkonsum in Cincinnati auf 9,628,311 Gallonen jährlich.

Die S c h u h - und S t i e f e l f a b r i k a t i o n hat auf diesem Platze seit 2 Jahren bedeutend zugenommen. Es bestehen zur Zeit zehn solcher Fabriken, welche eine bedeutende Anzahl von Männern, Frauen und Mädchen beschäftigen.

Die seit etwa drei Jahren entstandenen c h e m i s c h e n Fab r i k e n machen gute Geschäfte und arbeiten meist mit New-York, Buffalo, Baltimore und dem ganzen Westen und Süden.

K ä s h a n d e l . Es hat derselbe in einheimischen Produkten seit mehreren Jahren bedeutend nachgelassen und zwar nicht etwa wegen Mangels an guter Qualität, sondern weil die Händler in direkte Verbindung mit den Produzenten getreten sind. Im Jahre 1874 waren hier auf Lager 181,865 boxes gegen 207,847 boxes im Jahre 1873. Der Handel mit Emmenthaler Käse hat ebenfalls bedeutend abgenommen, was entweder von der importirten schlechten Qualität oder aber von der unrichtigen Behandlung des Käses seitens der Händler herrühren mag.

M o b i l i e n - G e s c h ä f t . Diese Branche ist hier am Platee eine der umfangreichsten in den Vereinigten Staaten. Die Produktion im Jahre 1874 beziffert sich auf $ 7,216,982.

P a p i e r . In den Staaten Ohio und Indiana sind gegenwärtig 41 Fabriken im Gang, welche im Jahre 1874 in Cincinnati 48,036,400 S fertige Waare auf Lager hatten. Es verlheilt sich dieses Quantum auf 5 Sorten: Book, Manilla, News, Wrapping und Writing ; sein Werth repräsentirt ein Kapital von § 4,270,783.

Im Jahre 1873 waren von diesen 5 Sorten 43,236,400 » auf Lager, ihr Werth betrug: ,§ 4,105,946. -- S c h w e i n e f l e i s c h . Wegen f zu hoher Preise der Schweine hat dieses Geschäft, das hauptsächlich auf Export beruht, im verflossenen Jahre abgenommen, denn im Jahre, 1873 wurden 626,305 Schweine geschlachtet und verpackt, während im Jahre 1874 nur 581,253.

678 Wisky. Dieser aus Korn destillirte Branntwein ist ein Haupthandelsartikel für Cincinnati. Er unterliegt einer Spezialtaxe seitens der Vereinigten Staaten Regierung, welche beim Verkauf erlegt werden muß. Für das lediglich in Cincinnati im Jahre 1874 erzeugte Produkt bezog die Bundesregierung $ 5,413,770. 65 an Abgaben.

In den Staaten Ohio und Indiana ist eine starke Zunahme des "Weinbaus bemerkbar und zwar heißen die hier gepflanzten Sorten: Catawba, Delaware, Congress und Isabella. Seit den letzten 5 bis 6 Jahren ist auch Ive seedling gepflanzt worden, der namentlich, im Westen, Osten und Süden genannter Staaten gedeiht, während die obbezeichneten vier Sorten im nördlichen Theile jener Staaten außerordentlich , im südlichen Ohio und Indiana aber weniger gut fortkommt, da dort die Traubenkrankheit trotz allen Gegenmitteln, stark auftritt.

Der W e i n h a n d e l in einheimischem, Rhein- und CaliforniaWein ist sehr bedeutend. Die Preise der Rheinweine variiren per Gallon en gros zwischen $ 21/2 und $ 5 currency; die von California-Weinen zwischen 90 cent und $ 11/4; Catawaba zwischen 90 cent und $11/4. Viele Firmen beschäftigen sich am Platze mit Weinimport. Französische Weine werden wenig importirt, selbst der Champagner wird zum größten Theil aus Catawaba hergestellt und erfreut sich guten Absatzes. Die besten Sorten werden $ 16ìris 18 per Dutzend Flaschen bezahlt.

Nachstehende Produkte der Staaten Ohio, Indiana und Kentucky können, zu Markte gebracht, stets sofort umgesetzt werden, nämlich : 0 h i o : Hafer , Kartoffeln , Heu, Korn, Gerste, (nur wenig Waizen), Trauben, Tabak, Kohlen, Obst, (Pfirsiche), u. s. w.

I n d i a n a : Korn, Waizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln, Heu, Kohlen, u. s. w.

K e n t u c k y . Tabak, Vieh, Korn, Hafer, wenig Waizen, Kohlen, u. s. w. Ist unglücklicherweise in einem dieser Staaten ein Fehljahr gewesen, so ist es stark fühlbar. So erlebte z. B. im Jahre 1874 der Staat Kentucky eine Fehlernte in Tabak; der dadurch für den Handel von Cincinnati erfolgte Ausfall war wesentlich.

Cincinnati, Indianopolis und Louisville haben eine große Zukunft, was den Handel im Westen jedenfalls lebhaft befördern hilft. Zur Stunde münden allein in Cincinnati dreizehn Eisenbahnlinien ein , zu welchen noch die Südbahn nach ihrer Vollendung kommt. Auch Indianopolis, im Staate Indiana, bleibt nicht

679 zurück, denn, noch vor zwei Jahren eine Bevölkerung von 75,000 Seelen aufweisend, soll dieselbe jetzt bereits 100,000 zählen. Es sollen dort Engros-Geschäfte mit einem Umsatz von einer Million Dollars existiren.

In gesellschaftlicher Beziehung stehen Indianopolis und Louisville allerdings gegen Cincinnati nach, doch bessern sich die Zustände in beiden Städten von Jahr zu Jahr und lassen auf eine brillante Zukunft schließen.

Louisville als Nebenbuhlerin von Cincinnati, in kommerzieller Beziehung, thut ihr Möglichstes, wenn auch ohne Erfolg, um letztgenannter Stadt den Rang abzulaufen; jedoch steht sie in kommerzieller Beziehung nicht auf so gesunder Basis wie Cincinnati. Der bisherige Zankapfel, der Kanal nämlich, gehört jetzt nicht mehr den Kapitalisten in Louisville, sondern der Regierung, und es können die Boote nicht mehr, wie bisher, mit Zoll belegt werden, in der Absicht, sie zu veranlaßen, bei Louisville anzuhalten, um dort ihre Ladung auszuschiffen und selbe durch "Vermittelung der Spediteure in Louisville weiter zu befördern -- ein Verfahren, das dem Handelsstand von Cincinnati nicht wenig ig Schaden und Hindernisse bereitete.

Schweizerische Gesellschaften.

Bezüglich der in Cincinnati ansäßigen Schweizer kann man behaupten, daß seit etwa zwei Jahren bessere Elemente sich hier niedergelassen haben, hauptsächlich waren es Uhrmacher. Im Allgemeinen herrscht unter ihnen landsmannschaftliche Gesinnung. Zu den bereits bestehenden drei Schweizervereinen, als : 1) Grütliverein, 2) Schweizerischer Männerchor, 3) Schweizerischer Wohlthätigkeitsverein, ist noch der im Laufe vergangenen Jahres neugegründete Helvetia-Männerchor gekommen. Sämmtliche Vereine erfreuen sich besten Gedeihens und Wirkens.

Bundesblatt. Jahr-. XXVil. Bd. IL

45

680

# S T #

Bericht des

Schweiz. Generalkonsuls in Neapel (Hrn. 0. Meuricoffre (von Frauenfeld) für das Jahr 1873.

(Eingegangen den 19. April 1874.*)

An den hohen Schweiz. Bundesrath.

Allgemeine Lage.

Das Jahr 1873 war in vielen Beziehungen wenig günstig für Italien und im Besondern für die südlichen Provinzen der Halbinsel. Wenngleich die innere und äußere Ruhe keine Störung erlitt, so haben doch schlechte Ernten und die Cholera ihren Einfluß empfindlich fühlen, lassen und in ökonomischer, sowie kommerzieller Beziehung große Schwierigkeiten auf die bereits bestehenden gehäuft.

Diese zwei Umstände machten sich stark und empfindlich fühlbar, einerseits durch Theurung der Lebensmittel und Einschränkung des Consums in Folge der schlechten Ernten, andrerseits durch gänzliche oder theilweise Unterbrechung des Verkehrs zwischen den von der Cholera infizirten und den nicht infizirten Lokalitäten, endlich durch das Ausbleiben der Fremden, deren Abwesenheit für Suditalien stets von ökonomischer Bedeutung ist.

*) Obgleich dieser Bericht verspätet eingelangt, wird derselbe dennoch, veröffentlicht, weil manche Mittheilungen auch jezt noch Interesse bieten dürften.

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht des schweizerischen Konsuls in Cincinnati (Hrn. Jakob Ritschie aus Zürich) über das Jahr 1874. (Eingegangen 17. März 1875.)

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1875

Année Anno Band

2

Volume Volume Heft

21

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

15.05.1875

Date Data Seite

672-680

Page Pagina Ref. No

10 008 614

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv digitalisiert.

Le document a été digitalisé par les. Archives Fédérales Suisses.

Il documento è stato digitalizzato dell'Archivio federale svizzero.