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Bericht des

Schweiz. Generalkonsuls in Philadelphia (Hrn. Rudolph Coradi von Oberneunforn, Thurgau) für das Jahr 1874.

(Vom 2. April 1875, eingegangen den 16. gl. Mts.)

An den hohen Schweiz. Bundesrath.

Tit.!

Wie die Verhältnisse der Vereinigten Staaten ein Jahr zurück sich dem Auge des Beobachters darboten, war es schwer, für das Jahr 1874 ein Prognostiken zu stellen, es ließ sich erwarten, daß es ohne unvorhergesehene Veranlaßungen kein Jahr von besonderer Bedeutung werden würde; immerhin war die Hoffnung vorhanden, daß nach dem Verrauschen und Verschmerzen der unheilvollen Folgen der Firianzkrisis vom Spätjahr 1873 endlieh der langersehnte geschäftliche Aufschwung zur Wahrheit werden und das Land in einem Zustande erwünschter geschäftlicher und industrieller Prosperität seiner Jubelfeier im Jahre 1876 entgegenführen würde. Diese Hoffnung erfüllte sich leider nicht. Trotzdem keine Ereignisse von, nach den Verhältnissen dieses Landes, erheblicher Tragweite hindernd in den Weg treten, wollte der Alp nicht weichen, der sich mitjener Catastrophe auf die geschäftliche und industrielle Energie des Landes gelagert hatte. Der Schlag war ein unglücklicher gewesen; er hatte gelähmt und nicht zerschmettert. Hätte er Letzteres gethan, so hätte sich aus den Trümmern neues Leben erhoben und die der Nation innewohnende frische Kraft würde bald

166 neue allgemeine Rührigkeit hervorgerufen haben. So aber schleppten sich die lahmgelegten Kiemente hin, um entweder langsam sich wieder emporzuarbeiten, oder aber schließlich doch noch zu erliegen, und es erhielt sich dadurch in den Hauptzweigen der geschäftlichen und industriellen Thätigkeit das Gefühl der Ungewißheit und Unsicherheit, welches sich hier zu Lande noch immer als der größte Feind der Unternehmungslust bewiesen hat. Das Capital blieb mißtrauisch dem legitimen Geschäftsbetriebe fern oder wurde aus Zaghaftigkeit nicht darin verwendet; die Thätigkeit in der Fabrikation und größeren Unternehmungen aller Art, die vor einem Jahre fast vollständig gelähmt war, entwickelte sich nur langsam wieder ; die arbeitenden Klassen hatten nur unzureichend Beschäftigung und Verdienst und das Bedürfniß in allen Klassen, sich sparsamer einzurichten, hemmte den sonst hier üblichen freien geschäftlichen Verkehr.

So kam es, daß trotz sonstigen nicht ungünstigen Zuständen und trotz reicher Ernten, die freilich nicht wie im Vorjahr denselben Absatz in Europa fanden, der einbrechende strenge Winter das Land in wenig verbesserter Lage fand und Tausende von beschäftigungslosen Familien in Noth und Bedrängniß brachte. Natürlich hatten die mittellosen Einwanderer stark darunter zu leiden und es erklärt sich aus diesen Umständen leicht, warum so manche, denen es noch möglich war, wieder in die Heimat zurückkehrten. Ein merkwürdiges Zeichen der Zeit ist es, daß trotz diesen Zuständen und trotzdem Tausende arbeitslos sind, dennoch die Strikes unter den Arbeitern, der stehende Conflikt zwischen Capital und Arbeit, nicht aufgehört haben; sie sind meist von Verbindungen ausgeführt und so «rganisirt, daß die arbeitslosen Massen selten davon profitiren konnten. Bei der Sachlage waren sie natürlich selten von Erfolg begleitet, trugen höchstens dazu bei, die allgemeinen Zustände noch zu verschlimmern, so daß z. B. ein statistischer Bericht vor Kurzem die Zahl der diesen Winter in der Union unbeschäftigten Arbeiter auf eine Million schätzt. Wenn der Nothstand bei alledem nicht so sehr zu Tage tritt, so haben wir das der in diesem Lande außerordentlichen Privatwohlthätigkeit zu danken. Die größten, gegenwärtig in Durchführung begriffenen Arbeitseinstellungen sind unter den Kohlen und Minen-, Eisen- und Eisenbahn-Arbeitern im Gange und treffen darum gerade unsern Staat, Pennsylvania, sehr stark.

Es scheint indeß, daß der feste Boden erreicht ist; das System der Sparsamkeit · hat die allgemeinen finanziellen Zustände im Volke gesund erhalten, die Preise der meisten Lebens- und Luxusbedürfnisse sind bedeutend gesunken, die lebensunfähigen Geschäfte, die von der vorjährigen Krisis betroffen wurden, sind nach und nach erlegen und ausgeschieden; es scheint sich, wie allseitig versichert

167 wird, eine gesundere Regsamkeit anzubahnen und man darf hoffen, daß das laufende Jahr bessere Verhältnisse bringen und sich zu würdiger Feier des Centennial anlassen wird.

Unter solchen Umständen konnte natürlich auch die Finanzlage des Landes sich nicht verbessern und ist es nicht zu verwundern, daß die Schuld der Vereinigten Staaten vom 30. Juni 1874 bis i. Februar 1875, statt einer Verminderung, eine wenn auch nur unbedeutende Vermehrung zeigt. Zoll-, wie Steuer - und Taxeinnahmen hatten sich vermindert, sowohl durch den flauen Geschäftsgang, als durch die Tarifveränderungen des vorhergehenden Jahres und da die Einnahmen unter solchen Umständen nicht genügen würden, die gesetzlich bestimmte jährliche Summe für den Amortisationsfond beizulegen, so mußten neue Tariferhöhungen und Wiedereinführung früher abgeschafter Zölle beschlossen werden, um das Resultat günstiger zu gestalten; glücklicher Weise ist dies in einer, dem allgemeinen Verkehr wenig nachtheiligen Weise geschehen.

Unter den Auspizien des neuen Schatzamts-Sekretärs, Herrn Bristow, der im Juni sein Amt antrat und die gleiche Politik verfolgt, wie seine Vorgänger, auch im Allgemeinen Befriedigung zu geben scheint, wird indeß, wenn auch langsam, die Placirung der 5prozentigen Regierungsanleihe fortgesetzt. Der Wiederaufnahme der Gold- und Silberzahlungen, durch das neue Finanzgesetz auf 1. Januar 1879 verfügt, sind wir inzwischen praktisch noch nicht näher gerückt; das Goldprämium hat im Gegentheil, meist durch Spekulation, in der letzten Zeit wieder angezogen und steht gegenwärtig ziemlich höher, als der Durchschnitt des vergangenen Jahres; hoffentlich werden sich bald Mittel und Wege finden, auf die Verwirklichung jener Verordnung hinzuarbeiten.

Die politische, Luge des Landes wäre während dieser Zeit eine ruhige und befriedigende gewesen, wenn nicht die Nach wehen den Krieges neuerdings, und zwar sehr ernstliche, Störungen gebracht hätten. Wieder waren es die Zustände eines Theils der südlichen (Secessions-) Staaten, welche das Gleichgewicht störten. Erst wa.

es Arkansas, wo der Kampf zwischen zwei Rivalen um das Am; des Gouverneurs große Aufregung, sogar Blutvergießen veranlaßte.

dann fanden Störungen in Süd-Carolina, Mississippi, Alabama im d Tenessee statt, meist hervorgerufen durch die Unzufriedenheit der weißen Bevölkerung mit der Stellung, welche die -'] hwarzen seit dorn Kriege zufolge der politischen Lage eingenommen haben. Es darf ja auch kaum Wunder nehmen, daß es in den hervorragendsten der früheren Sclaven-Staaten Zeit und große Ueberwindung kostet, l «s die früheren Besitzer sich an den Gedanken gewöhnen .können, ihre einstigen Sclaven in allen bürgerlichen Verhältnissen Bundesblatt Jahrg. XXVII. Bd. III.

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168 gleichberechtigt, tlieilweisc sogar in Aemtern und öffentlichen Stellungen über sich gesetzt zu sehen. Letzteres war bis zu einem gewissen Grade in den paar Vorjahren schon der Fall gewesen und Ersteres ist durch die Annahme des Civilrechtsgesetzes zur Thatsache geworden, indem dasselbe mit verschiedenen Modifikationen vom früheren Entwurfe des verstorbeneu Senators Carl Sumner und mit Ausnahme des Artikels für gemischte Schulen die schwarze Race in allen Verhältnissen des bürgerlichen Lebens den Weißen vollkommen gleichstellt. Es hatten sich daher in 'ihrer Erbitterung über solche Lage der Dinge die roheren Elemente der weißen Bevölkerung in einigen südlichen Staaten, namentlich in Louisiana, das schon mehrmals aus gleicher Veranlassung der Schauplatz blutiger Excesse war, mit der sogenannten weißen Liga verbunden, die in ähnlicher Weise, wie früher die Kuklux-Organisation durch gewaltsame Einschüchterung mit Mord und Excessen das politische Uebergewicht der schwarzen und der weißen Republikaner zu brechen suchte. Die September-Revolution in New-Orléans, die mit einem Schlage den vom Präsidenten anerkannten Gouverneur zu Gunsten seines früheren Nebenbuhlers entsetzen sollte, blieb durch das unentschiedene Auftreten der Bewegungshäupter gegenüber dem raschen, energischen Handeln des Präsidenten ohne Erfolg; dagegen bereitete sich für die späteren Wahlen in die Staatsbehörden eine neue Bewegung vor, welche durch das Auftreten des Generals Sheridan zwar ohne blutigen Ausgang blieb, jedoch im ganzen Lande große Aufregung verursachte. Der Congreß hat inzwischen die bisher nur vom Präsidenten gehaltene Regierung des Gouverneurs Kellogg anerkannt und es scheint sich durch etwas Nachgeben von beiden Seiten die Inauguration friedlicherer Zustände vorzubereiten.

In der Zwischenzeit hat auch in den politischen Verhältnissen des Landes ein Umschwung stattgefunden, indem die Wahlen des letzten Spätjahres, ohne besondere vorherige Anzeichen und ganz gegen die allgemeine Erwartung in der Mehrheit demokratisch ausfielen. Man kann dieses Resultat kaum -anderen Ursachen zuschreiben, als dem Gefühl allgemeiner Nichtbefriedigung im Volke mit den gegenwärtigen Zuständen und mit den ungenügenden Anstrengungen der Landesbehörden, dieselben wirksam ·zu verbessern, der allgemeinen Corruption entgegenzutreten und Mittel für das Wiederaufleben von Handel und Industrie zu beschaffen. Ob Letzteres überhaupt in der Macht des Congresses liegt, ist eine andere Frage ; doch war das Resultat ein Fingerzeig für die republikanische Partei, daß die Politik der Unthätigkeit dem Volke mißbeliebig geworden, und diesem Umstände ist es vielleicht mit zuzuschreiben, daß die letzte mit dem 4. März zum Abschluß-

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gelangte Congreß-Sitzung unter dem Regime bisheriger politischer Organisation die Passirung einer größeren Zahl wichtiger Gesetze aufweist, als früher; darunter sind außer der erwähnten CivilrechtsBill die Finanz-Bill, 2 Tarif-Bills und Morton's-Bill für einen neuen Modus der Wahl des Präsidenten und Vice-Präsidenten der Vereinigten Staaten zur Vermeidung bisheriger, unter besonderen Verhältnissen möglicherweise gefährlichen Uebelständen, die bedeutendsten.

Den Wechsel im Vereinigten Staaten-Schatzamt, wo Herr Bristow an die Stelle des bisherigen Sekretärs berufen wurde, habe ich bereits früher bemerkt; es ist aber außerdem durch Resignation des früheren Vereinigten Staaten Postmeisters auch diese Stelle im Kabinet des Präsidenten durch Gouverneur Jewell neu besetzt worden; beide Wahlen geben große Befriedigung. Sodann wurde das bisherige Territorium Colorado als 38ster in die Reihen der UniousStaaten aufgenommen. Eine Einrichtung, die seit ein paar Jahren auf damalige Anregung und Empfehlung des Präsidenten bestanden und von der man sich viel Gutes versprochen hatte, die CivilrechtsVerordnung zur Besetzung der Regierungsämter nur durch geprüfte Candidaten, wurde dagegen fallen gelassen, weil sie, dem herrschenden Protektions-Modus zuwiderlaufend, keinen Anklang gefunden hatte.

In den Verhältnissen zu den Indianern ist keine besondere Veränderung ersichtlich, außer daß die vor einigen Jahren vom Präsidenten ernannte Commission zurückgetreten ist, weil ihr die beanspruchten Competenzen zur wirksamen Lösung ihrer Aufgabe nicht in befriedigendem Maße gewährt worden waren. Es ist dies zu bedauern, da ihre Verwaltung durch die paar Jahre augenscheinlich von guter Wirkung gewesen war. Im Uebrigen fehlte es auch dies Jahr nicht an Ausschreitungen aller Art von einzelnen Stämmen und die im fernen Westen stationirten Truppen hatten vollauf zu thun, die weißen Ansiedler auf den Grenzgebieten zu schützen und größere Ausbrüche von Feindseligkeiten zu verhüten. Die für das Indianer-Territorium beabsichtigte Formirung eines UnionsStaates ist noch nicht ins Leben getreten.

Wie selten in einem so weiten Gebiete, wie die Vereinigten Staaten, ein Jahr vergeht ohne Catastrophen und Calamitäten, veranlaßt durch klimatische und Natur-Ereignisse, so hat auch das letzte Jahr wieder einzelnen Gegenden Heimsuchungen und Unheil gebracht.

Im Frühjahr versetzten die Ueberschwemmungen des Mississippi, sowie des Arkansas ganze Länderstrecken in Schrecken und Noth; eine Reihe von Dammbrüchen von großen Reservoirs für den Wasser-

170 bedarf eines bedeutenden Fabrikdistrikts in Massachusetts verwüstete große kultivirte Länderstrecken und machte viele Hunderte von Arbeitern für lange verdienstlos; im Sommer richtete eine durch ungewöhnliche Regengüsse veranlaßte Ueberschwemmung in Pittsburg u n d Allegheny i n Pennsylvania Verheerung u n d Elend i n leben an, während im Westen in den Staaten Kansas undNebraskaa Heere von Heuschrecken die Hoffnungen und Ernte-Aussichten der Farmer von Grund aus zerstörten und sie für den außergewöhnlich strengen und langen Winter der äußersten Noth und dem Hungertod nahe gebracht haben.

An Todesfällen von nationaler Bedeutung war das Jahr dagegen glücklicherweise nicht so reich, wie das vorhergehende.

Außer den Todesfällen des früheren Präsidenten Fillmore, der in Zurückgezogenheit gelebt hatte, und mancher in lokalen Kreisen durch bürgerliche Tugenden oder politische Eigenschaften ausgezeichneter Persönlichkeiten, war es eigentlich nur der Tod des allbekannten Senators Carl Sumner, der im ganzen Lande Trauer und Sympathie erregte.

Auch in den Beziehungen der Vereinigten Staaten zu andern Nationen ist vom verflossenen Jahre wenig Bedeutendes hervorzuheben. Nur die Verhältnisse mit Spanien veranlaßten durch die Wendungen der Insurrektion auf Cuba und in Folge der VirginiusAffaire, die bis vor Kurzem unerledigt blieb, hie und da vorübergehende Aufregung. Die Stellung der Regierung gegenüber ersterer blieb dieselbe wie bisher, d. h. es wurde die Politik der NichtIntervention beibehalten; letztere fand vor Kurzem durch Ratifikation des Uebereinkommens über die Entschädigung au die Familien der Opfer jenes Vorganges ihre Erledigung, Im Staate Pennsylvania sind Regierung und Behörden, wie in der Schweiz, mit Abfassung und Umänderung von gesetzlichen Bestimmungen zur Ausführung der neuen Verfassung beschäftigt, was nicht immer in einer Weise geschieht, welche in der öffentlichen Meinung Anerkennung findet. Die politischen Combinationen, deren Interessen durch strikte Ausführung der neuen Verfassungsbestimmungen gefährdet sind, kämpfen hart für Modifikationen, Auswege und Anhänge zu ihren Gunsten, und es bedarf jedenfalls größerer Betheiligung des Volkes für das staatliche Interesse, und namentlich für tüchtige Wahlen in wichtige Aemter ohne bloße Partei-Rücksichten, ehe die zahlreichen und namhaften Verbesserungen der neuen Constitution zum Durchbruch komineu und die erwarteten Früchte tragen können. Das eingesetzte Revisionscomite hat bereits eine bedeutende Anzahl voa Anträgen auf Abänderungen, namentlich im Justiz- und Steuerwesen eingebracht.

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Unser Nachbarstaat New-Jersey fährt fort, gegenüber allen politischen Aufregungen im Gesammtgebiet der Vereinigten Staaten, wie in unserem Staate, ein Bild äußerster Ruhe und staatlichen Gleichgewichts zu bieten, wie es kaum anderwärts zu finden ist.

Wohl mögen seine kleinen Dimensionen, der Mangel an großen Städten mit ihrem politischen Treiben und die geringeren «ommerciellen und industriellen Interessen das Ihrige mit beitragen ; aber es läßt sich nicht übersehen, daß seine geordneten Finanzen, seine Thätigkeit für Schule und staatliche Wohlthätigkeitszwecke und das allgemeine Wohlbefinden seiner Bürger von einer soliden Grundlage, guten staatlichen Einrichtungen und strikter Handhabung der öffentlichen Ordnung zeugen.

Der hervorragendste Gegenstand allgemeinen Interesses für den Staat Pennsylvania, wie besondere für Philadelphia ist jetzt natürlich die Unabhängigkeitsfeier, resp. die Weltausteilung im Jahre 1876.

Die ungünstigen Verhältnisse der letzten zwei Jahre, der Mangel an thatkräftiger Betheiligung von Seite der Regierung, wie der andern Staaten hatten keineswegs die Wirkung, unser Volk oder die eingesetzte Kommission zu entra uthigen. Sie haben im Gegentheil nur dazu geführt, durch strikt systematisches Vorgehen, weise Oekonomie und praktische Einrichtungen vollständiges Gelingen, an dem hier Niemand mehr zweifelt, zu sichern. Wie aus den Berichten der Kommission an den Kongreß hervorgeht, sind die Kosten des Hauptgebäudes von 3 Millionen auf l l /2 Millionen Dollars reduzirt; das Fundament ist fertig; die Art-Gallery (Memorialgebäude), über ein Dritttheil im Bau vorgeschritten, das Konservatorium (Horticulturhalle) und die Maschinenhalle werden aus den Beiträgen des Staates und der Stadt gebaut, die Agriculturhalle und das Hauptgebäude dagegen aus den Ergebnissen der allgemeinen Subscriptiort. Es ist als Theil der Ausstellung ein Transportdepartement gebildet für die ganze Welt. Schienen von allen Eisenbahnen werden direkt in's Ausstellungsgebäude gehen und es sollen Extraschnellzüge eingerichtet werden, die in 2 Stunden von New-York (jetzt erfordert es 3l/i bis 5 Stunden) den Weg zurücklegen. Der Bodenraum für die Gebäulichkeiten ist 50 Acker ; Wien hatte nur 45 ; unser Stadtrath beschäftigt sich schon seit Monaten mit Verhandlungen über die nöthigen Einrichtungen in Transport, Straßen, Wasserabzügen und dgl. Es ist eine Repräsentation sämmtlicher Regierungsdepartemente der Vereinigten Staaten beschlossen, die jedenfalls einen Hauptzug der Ausstellung bilden wird und wofür vorläufig $ 505,000 bewilligt sind ; außerdem stellt zu erwarten, daß die Kosten der Kommission, die ja vom Präsidenten ernannt ist, sowie die Auslagen für Preise, Certificate, Schutz (Polizei), zusammen auf !1/2 Millionen Dollars veranschlagt, von der Regierung übernommen werden; die Gesammt-

172 kosten, mit Einschluß dieser 11/2 Millionen, dagegen mit Ausschluß der Beiträge des Staates Pennsylvania und der Stadt Philadelphia, sind von der Kommission auf $ 5,820,000 berechnet und durch vorhandene sowohl als in bestimmter Aussicht stehende Subscriptionen so ziemlieh vollständig gesichert. Bis zum 2 L. Januar hatten 24 Staaten offiziell und zwei nichtoffizielll ihreTheilnahmee zugesagt, 16 derselben Kommissionen ernannt, und jede Woche bringt neue Annahmen. Im Termin für Eröffnung und Schluß der Ausstellung ist auf Anregung überseeischer Kommissionen eineAenderung-1.5 vorO genommen worden, in lein der 10. Mai 1876 an Stelle des 19. April als Eröffnungstag, der 10. November, statt der 19. Oktober als Schluß .festgesetzt worden ist; der 1. Juni 1875 ist als Termin für die Anmeldungen von Kommissionen mit Angabe des benöthigten Raumes bestimmt. In den übrigen Staaten der Union fangt regere Theilnahme für das Unternehmen sich zu entwickeln an ; namentlich hat New-York mit namhaften Subscriptionen einen guten Anfang gemacht. Bei uns selbst ist es namentlich die Damenkommission, die unermüdliche Wirksamkeit entfaltet und das Interesse für das Unternehmen unausgesetzt rege erhält. S o wurde a m 2 8 . Februar v o n derselben wieder welche einen hübschen Ertrag abwarf und wobei auch die Schweiz mit einem Tisch vertreten war. Die Seideuassociation in New-York hatte schon seit längerer Zeit durch Cirkulare das Interesse ihrer Mitglieder angeregt z u r Veranstaltung einerGesammtausstellungg Resultate gehört und es scheint, daß die Meinung derMitglieder,, welcheEinzelausstellung d e r verschiedenenEtablissementee a l s

Lage im Allgemeinen und Handelsgesetzgebung.

Der am 4. März in's Amt tretende neue Vereinigten Staaten Kongreß besteht im Senat, wovon ein Drittel Neuwahlen unterworfen war, aus 43 Republikanern, 27 Demokraten, 3 Liberalen oder unabhängigen Republikanern und i unbesetzt, gegen 49 Republikanern, 20 Demokraten, 4 Liberalen und l vacant im letzten Termin ; im Repräsentantenhaus aus 167 Demokraten, 101 Republikanern, 6 Independenten und 21 Vacanzen durch Nichtwahlen und Todesfälle, gegen 195 Republikanern, 88 Demokraten, 4 liberalen Republikanern und l Vacanz im letzten Kongreß. Unter den neugewählten Mitgliedern sind 4 Exsoldaten und Senatoren der Secessionsregierung und befindet sich auch der s. Z. in Anklagezustand versetzte Ex-Vereinigten Staaten Präsident Andrew Johnson als von seinem Staate erwählter Senator.

173 Die V e r e i n i g t e S t a a t e n a r m e e, am 1. Januar 1874 noch aus 30,000 Mann bestehend, enthielt am 24. Oktober noch 26,441 Mann und wurde, laut Kongreßbeschluß bis 1. Januar 1875 auf 25,000 reduzirt, eine Stärke, nach Ansicht des Obergenerals, sowie nach allgemeiner Anschauung kaum hinreichend für die einerseits durch die Indianer, anderseits durch die häufigen Störungen im Süden, auf dem ausgedehnten Gebiet der Vereinigten Staaten erwachsenden Vorkommnisse für Militär Verwendung.

Die V e r e i n i g t e S t a a t e n - M i l i z , gebildet aus 3,701,977 dienstfähigen Männern, die aber noch nicht, organisirt sind, erreichte nach neulichem Rapport des Generaladjutanten der Armee nach unvollständigen Eingaben verschiedener Staaten, soweit organisirt, erst die Stärke von 84,724 Mann; 12 Staaten hatten iudeß noch keine Eingaben gemacht.

Die V e r e i n i g t e S t a a t e n - K r i e g s m a r i n e , nach Bericht des Sekretärs in verhältnißmäßig gutem, nach andern Berichten indeß durchaus nicht in wünschenswerth effektivem Zustande, zählt gegenwärtig 163 Schiffe mit 1254 Kanonen, worunter 16 in guter Ordnung befindliche Eisenpanzerschiffe.

Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n - F i n a n z e n zeigten am l. Ja nuar 1875 eine Totalschuld, abzuglich Vorrath im Schatzamt, von $ 2,142,598,302, am 1. Februar 1875 $ 2,143,996,172, sie hatte sich somit im Monat Januar um $ 1,397,870 vermehrt. Seit dem 30. Juni 1874 betrug die Vermehrung ,$ 907,931 ; dagegen brachte der Februar eine Verminderung von $ 6,680,180, so daß die Totalschuld am 1. März 1875 $ 2,137,315,989 betrag, Darin sind nicht inbegriffen die für die Pacificeisenbahnen ausgegebenen Obligationen, resp. die von der Vereinigten Staatenregierung bezahlten und noch nicht zurückerhaltenen Interessen im Betrage von $ 20,539,888 ; die Summe der ausgegebenen Obligationen betrug $ 64,623,512.

Der G o l d v o r r a t h der V e r e i n i g t e n St a a t e n betrug am 1. Januar 1875 $ 89,587,449.

Die Ges a m m te, i n n a h m e n der V e r e i n i g t e n S t a a t e n betrugen im Fiskaljahr, endigend am 30. Juni 1874, $ 289,478,756, wovon $ 163,000,000 Zoll und $ 102,644,746 Steuern und Taxen, exel. Bankabgaben ; dio Taxe auf Spirituosen brachte 491/2 Millionen die auf Tabak in jeder Form $ 33,242,875 ein.

Die G e s a m m t a u s
g a b e n erreichten im gleichen Zeitraum $ 287,133,873, wovon $ 107,000,000 für Interessen, 423/4 Millionen für die Armee, 31 Milliouen für die Marine und 29 Millionen für Pensionen; die Civilausgaben betrugen nahe $ 70,000,000.

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Der Revenueüberschuß im genannten Fiskaljahr betrug nur $ 2,344,883; dagegen wurde im gleichen Zeitraum die öffentliche Schuld vermindert um $ 5,762,447.

Das 3. Quartal 1874 zeigte an Vereinigte Staatengesammteinnahmen $ 80,884,285, an Gesammtausgaben $ 85,313,489.

Der P o s t v e r k e h r der V e r e i n i g t e n S t a a t e n verursachte laut Bericht des Generalpostmeisters im gleichen Fiskaljahr Ausgaben zum Betrage von $ 32,126,414 die Einnahmen dagegen betragen $ 24,596,568, er weist also ein Défiait von $ ll/z Millionen auf. Die Generalpostmeister der Vereinigten Staaten haben schon seit lange darauf hingearbeitet, das Postdepartement selbstzahlend zu machen ; die großen Entfernungen, die fortwährende Einrichtung neuer Routen, haben es aber noch nicht dahin kommen lassen. Das Moneyorder(Postanweisungs-) System wird immer populärer und haben sich die Zahlungen im letzten Jahr um 30°/o vermehrt; der Generalpostmeister spricht sich gegen das Projekt der Einverleibung der Telegraphen mit dem Postdepartement aus. -- Die F a l l i m e n t e in den V e r e i n i g t e n Staaten, erreichten im Jahr 1874 die Zahl von 5830 zum Gesammtbetrag von $ 155,239,000 gegen im Jahr 1873: 5183 zum Gesammtbetrage von $ 228,499,000. In den Staaten Pennsylvania, New-York und NewJersey betrugen die vorgekommenen Fallimente in den gleichen Jahren : Pennsylvania.

1874: 644. Betrag $ 34,774,000.

1873: 576.

,, ,, 31,445,000.

New-Yersey.

1874: 146. Betrag $ 3,854,000.

1873: 119.

,, ,, 2,482,000.

New-York.

1874 : 1218. Betrag $ 42,875,000.

1873: 1188.

,, ,, 106,356,000.

Die Fallissemente in Philadelphia beschränkten sich im Jahr 1874 meist auf Häuser, welche durch die Krisis von 1873 bereits geschwächt waren.

P e n n s y l v a n i a ' s F i n a n z l a g e stellte sieh nach dem Bericht des Gouverneur's am Schluß des Berichtjahrs, 30. November 1874, wie folgt : Einnahmen im Fiskaljahr, endigend 30. November 1874, inclus.

Saldo vom 30. November 1873 ($ 1,825,151) $ 7,697,119. Staatsausgaben im gleichen Zeitraum, inclus. $ 1,230,166 für abgelöste

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Anleihen $ 6,642,567. Saldo am 30. November 1874 $ 1,054,551.

Oeffentliche Schuld, fundirt $ 24,371,884, nicht fundirt $ 196,751.

Total der öffentlichen Schuld $ 24,568,635. Amortisations- Fond $ 9,000,000.

Durch aufgehobene Taxen hatten sich die Einnahmen im Jahr 1874 gegen des Jahr 1873 wesentlich vermindert.

Der Gouverneur empfiehlt in seiner Botschaft angelegentlich die Einrichtung von Gewerbeschulen für höheren industriellen Unterricht und für' s Allgemeine obligatorischen Schulunterricht als bestes Mittel gegen das Umsichgreifen von Verbrechen.

New-York's S t a a t s s c h u l d betrug am 30. September 1874: $ 30,199,456, abzüglich Tilgungsfond von $ 17,491,809 und zeigte gegen das Vorjahr eine Reduktion von $ 3,699,570.

P Philadelphia' s F i n a n z a u s w e i s zeigte, laut Bericht des Stadtschatzmeister's Einnahmen von Taxen und Steuern für das Jahr 1874 : $ 13,065,140 gegen $ 12,246,190 in 1873. Die Totaleinnahmen von allen Quellen betrugen 1874 : $ 17,712,317, die TotalAusgaben: $16,148,699. Unter den Einnahmen stellten sich die Taxen auf Grundeigenthum im Jahr 1874 auf $ 9,545,111 gegen im Jahr 1873 $ 8,931,044. Die Einnahmen des Wasserbaudepartements in 1874: $ 1,222,866 in 1873: $1,078,293. Das versteuerbare Grundeigenthum von Philadelphia ist gegenwärtig auf $ 565,819,065 geschätzt und die Taxrate auf $ 2.15 Ct.. vom Hundert fixirt.

Philadelphia's Totalschuld betrug am 1.Januar 1875 §64,290,463 wovon fundirt $ 55,272,132 ; dagegen beträgt das Stadtvermögen nach kleinster Schätzung an Grundeigenthum, Obligationen und Anständen $ 77,624,025. Der steigende Werth des Grundeigenthums von Jahr zu Jahr verbürgt natürlich die Fortdauer dieser günstigen Verhältnisse und es steht auch in der That der städtische Kredit sehr hoch., wie der Stand seiner 6procentigen Anleihen auf 105 beweist, im Verhältniß hoher als New-York oder Boston.

New-York's städtische Totalschuld hatte am 31. December 1874, abzüglich Amortisationsfond ($ 115,187,980) die Höhe von, §141,803,758 erreicht, wovon §118,241,557 fundirt.

Dem E r z i e h u n g s- u n d S c h u l w e s e n wird verdientermaßen in den Vereinigten Staaten fortwährend sich steigernde Aufmerksamkeit geschenkt und es wird das Nationalbüreau in Washington für Erziehung, bestehend seit 1867 und seit 1870 unter Leitung von General John Eaton, für Sammlung von statistischen Daten über das Erziehungswesen in den Vereinigten Staaten und andern Staaten als ein bedeutender Erfolg geschildert. General Eaton schätzt die Zahl

176 der Kinder zwischen 6 und 16 Jahren in den 37 Staaten und 11 Territorien der Vereinigten Staaten auf zirka 10,288,000 und die für deren Schulerziehung erforderliche Zahl von Lehrern auf 300,000.

Der Staat Pennsylvania besitzt 31 höhere Lehranstalten, Kollegien und Universitäten. Philadelphia hat gegenwärtig 468 öffentliche Schulen, nämlich : l Centralhochschule, l Töchternormalschule, 60 GrammatikSchulen, 29 consolidirte Schulen, 121 Sekundärschulen, 212 Primarschulen und 42 Abendschulen. DerDurchschnittsbesuch der Tagschulen beträgt 91,959, der Abend- oder Nachtschulen 21,500 -- Total: 113,459. Die Bewilligung der Stadträthe für Schulzwecke im Jahr 1874 war $ 1,639,811, wovon verbraucht wurden : $ 1,607,736.

Die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen im Jahr 1874 war: Lehrer 78, Lehrerinnen 1698. Die Nacht- oder Abendschulen, eingerichtet hauptsächlich zur Nachbildung für Solche, die in der regelmäßige Schulperiode zurückgeblieben odevernachläßigtgt worden waren, gewinnen fortwährend au Popularität. Im Jahr 1874 wurden in Philadelphia 11 neue Schulhäuser gebaut und weitere 14 sind im Bau begriffen' zusammen also 25, die auf $ 747,725 veranschlagt sind.

Die Neubauten in Philadelphia im Jahr 1874 umfaßten nach dem offiziellen Bericht der Bauinspektoren: 4310 Wohnhäuser, 177 Geschäftshäuser , Total mit Einschluß von Kirchen, Schulen, Fabrikgebäuden 5040, Die Zahl der Häuser in Philadelphia wird auf 125,000, nach andern sogar jetzt auf 147,000 augegeben. Es befinden sich darunter eine große Anzahl sehr schöner Bauten, sämmtlich auf das Solideste ausgeführt; neben dem bekannten Girardkollege dem Zollhaus, der Münze etc. sind es namentlich Kirchen, KlubLokale, Hotels und in neuerer Zeit geschäftliche, namentlich Bankund Finanzanstalten, welche durch reiche Ausstattung im Aeußern, wie im Innern hervorragen. Die letzten 10 Jahre haben in dieser Hinsicht ungemein zur Verbesserung des Aussehens der an und für sich schon schön gebauten Stadt beigetragen. Die Privatwohnungsbauten, worunter sich eine Menge von elegantester Einrichtung befinden, treten natürlich in den Reihen der großen Straßen kaum genügend hervor, um sich nach ihrem soliden Werthe erkennen zu lassen; dagegen bietet Philadelphia's Umgebung, von der Natur außerdem reich bedacht, an Zahl und Eleganz kostbarer Landsitze ein Panorama, das kaum von einer andern Stadt übertroffen oder auch nur erreicht werden kann. Gegenwärtig sind eine Menge der großartigsten Bauten im Gange, wie z. B. das große neue Stadthaus, veranschlagt zu $ 10,000,000, was indeß kaum vor 4 bis 6 Jahren zur Vollendung kommen kann; das neue Postgebäude, von der Vereinigten Staaten-Regierung gebaut, zu § 5,000,000 veranschlagt; die neue Kunst-

177 Akademie etc; vollendet wurden vor Kurzem au Prachtbauten: die neue große Freimurerhalle, das neue Pennsylvania Universitätsgebäude, das neue Korrektionshaus, sämmtlich mit Herstellungskosten von je l--3 Millionen Dollars. Nimmt man dazu die kürzlich vollendeten BrückenBauten von l u n d 1 1/2/2 Millionen Dollars zur Verbindung mit dem ,,schönen Parka, worin die Weltausstellung abgehalten werden soll, die großen merkantilen und Verkehrsbauten, die theilweise im Gange sind, so bietet Philadelphia, die bisher in Europa verhältnißmäßig unbekannte zweite Metropole der Vereinigten Staaten, mit seinen nahezu 800,000 Einwohnern, seinen 90Fabriketablissementen,en, betrieben mit 50,000 Pferdekraft, worin von 145,000 Arbeitern eine Produktion von jährlich 330 Millionen Dollars, nach neusten Angaben $400,000,000 erzielt wird, mit seinen 1000 Meilen Straßen und Wegen, wovon 500 Meilen gepflastert sind, seinen 134 Meilen Abzugs-Kanälen, 600 Meilen Gas-Hauptröhren, 546 Meilen Wasserleitungen, 10,000 Gaslaternen, 212 MeilPferdeeisenbahnenmen mit 1794 Wagen, 468 öffentlichen Schulen und über 400 Kirchen mit Raum für 300,000 Besucher, -- ein Gesammtbild, das an und für sich schon im Stande sein sollte, dInteresse derei- Welt für seine IndustrieAusstellung im nächsten Jahr anzuregen. Die günstige Lage der Stadt zwischen zwei Flüssen, mit offener Zufahrt vom Meere, unterhalten selbst im strengen Winter durch gewaltige Eisboote, die trefflichen Eisenbahnen und Dampfschiff-Verbindungen, wofür neue große Werften, Waarenhäuser, Hebe- uVerladungsmaschinenuen gebaut sind (der neue große Getreideelevator enthält 12 Maschinen, jede mit Kapacität 450 Büschel Getreide pStundemde zu verladen), die ungeheuren Ressourcen der größten der Vereinigion Staaten-Bahnen, der Pennsylvaniaeisenbahn mit Sitz und Betrieb in Philadelphia,-- alles dieß bietet Garantien, daß Philadelphia mit der neuerwachten Energie seines Handelsstandes auch im Welthandel sich nach und nach die Stellung erringen wird, die ihmVerhältnißlniß zu seinem industriellen Range zukommt.

Der Postverkehr von Philadelphia lieferte im Jahr 1874 folgende Daten : Es wurden durch seine 207 Briefträger, die in eigenen Wagen, kleineu Omnibussen, nach ihren Stationen und zurück befördert werden, nahezu 36 Millionen Briefe und Zeitungen abgeliefert, gegen 31 Millionen in 1873: gesammelt zur Beförderung wurden von denselben in 1874 nahe 27Millionen, gegen 23 Millionen im Jahr 1873. PostMandate wurden ausgegeben im Jahr 1874 : 38,333 im Betrage von $ 761,079, in 1873: 34,601, Betrag $ 720,347; ausbezahlt im Jahr 1874: 172 555 im Betrage von $2,259,379 in 1873: 148,304, Betrag $' 2,094,563. Dia Polizeimacht Philadelphias besteht aus 1000

178 mit 92 Offizieren und Nebenbeamten. Die Polizeistationshäuser hielten im Jahr 1874 vorübergehend an Insaßen 40,857, gegen 62,460 im Jahr 1873. Das früher erwähnte neue Korrektionshaus, erst vollendet im Laufe des Jahres, nahm im Jahr 1874: 3734 Personen auf und enthält gegenwärtig 1097, hat aber Raum für zirka 3000; 9/10 waren in Folge des Trunkes hin ver wiesen worden; die Verwendungen für den Unterhalt betrugen für das Jahr $ 314,808, wovon verbraucht wurden $ 237,954.

Das Armenhaus, das eigentlich nur Raum hat für 2400 Personen, hat gegenwärtig 4050 Bewohner, wovon in der Irrenabtheilung, mit Raum für nur 600 Insaßen, sich 1100 befinden.

Da auch das County-Gefängniß ähnliche Uebelstände zeigt, so sind die Magistraten angewiesen worden, alle diejenigen, bei denen die Umstände es erlauben, künftig in's Correktionshaus zu. verweisen.

In's County-Gefängniß wurden im Jahre 1874 18,672 gegen 20.043 Personen im Jahre 1873 verurtheilt; die Polizeiarreste betrugen 1874 32,114, nämlich 1714 mehr als im Jahre 1873.

Die Statistiken über das Eastern-Penitentiary, das bekannte Zellengefängniß für Einzelhaft in Philadelphia, zeigen, daß in den zwölf Jahren von 1841--53 817 Personen aufgenommen wurden, von 1554--66 1314 Personen. Es waren hierin die Kriegsjahre inbegriffen und es zeigte sich da also eine Zunahme von 497 oder nahezu 61 %; die größte verhältnißmäßige Zunahme lieferten die Verurtheilten im Alter von unter 21 Jahren, wovon die erste Periode 186, die zweite 359 aufweist, also 173 oder 93 %; für das Alter von 21--25 Jahren, wovon in erster Periode 218, in zweiter Periode 361 inbegriffen waren, ergab sich eine Zunahme von 143 oder 65 % ; auch in den zwei Perioden von je vier Jahren von 1867--70 und von 1871--74 ergiebt sich für jugendliche Verbrecher von unter 21 Jahren noch eine Zunahme von 41 % für letztere, ein erschreckendes Beispiel von der Verwahrlosung der heranwachsenden Jugend und recht geeignet, die Empfehlung des Gouverneurs für obligatorischen Schulbesuch zu unterstützen.

Aus einem bezüglichen Berichte entnehmen wir, daß im Jahre 1874 in Philadelphia 6639 Trauungen (8,5 auf je 1000 Einwohner) vollzogen wurden, daß ferner an Geburten 19,387 oder 25 per 1000 Einwohner registrirt wurden. Die Todesfälle betrugen im Jahre 1874 16,315 oder 192/3 auf je 1000 Einwohnern gegen 15,224 im Jahr 1873, und zwar männliche 8488, weibliche 7827.

erwachsene 7943, minderjährige 8372.

Philadelphia hatte im Jahre 1874 626 Feuerbrünste (267 weniger als im Vorjahr) mit einem Totalverlust von $ 749,697, wogegen

179 Versicherungen von $ 5,108,572 bestanden. Die jetzige bezahlte Feuerwehr erweist sich der früheren freiwilligen gegenüber als sehr wirksam. Die Stadt hat 193, mit der Hauptstation im Stadthaus in telegraphischer Verbindung stehende Feueralarmzeichen.

Die Stadt ist zufolge Verordnung der neuen Constitution seit Kurzem in vorläufig 24 Magistrats bezirke abgetheilt, je ein auf circa 30,000 Einwohner, wogegen die früheren Friedensrichteriimter aufgehoben sind. In Parteirichtung ist Philadelphia der Mehrheit nach, trotz des Umschwungs im Gebiete der Union, republikanisch gesinnt geblieben; die neuen Stadträthe zählen 81 Republikaner gegen nur 16 Demokraten.

Die Wasserwerke Philadelphia's pumpten im Jahre 1874 14,487,695,497 Gallonen Wasser, gegen 14,223,198,443 im Jahre 1873.

Das National-Museum (die Unabhängigkeitshalle) im jetzigen Stadt- resp. Staats- und Gerichtshaus, das nach Vollendung des neuen Stadthauses unter den Auspizien der historischen Gesellschaft ganz zum amerikanischen historischen Museum benutzt und wo möglich in seine ursprüngliche Gestalt vom Jahre 1776 zurückrestaurirt werden soll, hat im letzten Jahre eine bedeutende Vermehrung au Reliquien aus der amerikanischen Geschichte erhalten.

Der Girardfond, die weltbekannte Stiftung aus dem Nachlaß von Stephen Girard, hat sich im letzten Jahre um über eine Million vermehrt, beträgt gegenwärtig in Philadelphia $ 6,104,862, außerhalb Philadelphia $ 1,634,597, zusammen nahe 73/4 Millionen Dollars.

Die Ausgaben für das College, dos gegenwärtig 550 Zöglinge hält und die Mittel, aber leider nicht den Raum, für Unterhalt der doppelten Zahl besitzt, waren $ 174,073. Lauf Bericht des Sekretärs betrugen die ursprünglichen Herstellungskosten $ 2,000,000, der Unterhalt seil 1 8 4 7 2 1/2z Millionen. Es richtete sich ein mit 100 Waisenknaben, hat jetzt deren 550 und ein jährliches Einkommen, von über ,',' 200.000. Die Bewilligung zum Durchschnitt für Straßen durch sein A red l, die seit einiger Zeit vor den Gerichten anhängig war, ist einstweilerefüsirtrf worden.

Das naturhistorische Museum (Academy of naturai sciences), wofür gegenwärtig eine große Neubaute itn Gange ist, enthält eine Bibliothek von 22,000 Bänden einschlägiger, meist illustrirter Werke, im Wert h von $ 200,000 und im Museum eine reiche Collektion von naturhistorischen Gegenständen zum Werthe von § 500,000.

Das Gebiet (1er Logen und Gesellschaften zu gegenseitigem Schutz, zur Unterstützung in Krankheits- und Sterbefällen, wie diese Ansialten hier zu Lande unter den arbeitenden Klassen namentlich so

ISO

zahlreich vertreten sind, illustrirt sich am besten durch eine Darstellung des gegenwärtigen Status der Odd-Fellows in den Vereinigten Staaten, einer geheimen, wohlthätigeii Verbindung, die seit einigen Jahren in Europa, auch in der Schweiz, Boden gewonnen hat.

Diese Gesellschaft zählte in den Vereinigten Staaten am 31. Dec.

1873, dem letzten Datum, wo Berichte vorliegen, 414,092 Mitglieder mit 5470 Logen: in dem einen Jahr 1873 waren 57,212 neue Mitglieder aufgenommen worden. Die Einnahmen dieser großen Verbindung betrugen im Jahr 1873 § 3,928,696, die verabreichten Unterstützungen $ 1,333,240. Der Orden ist in Pennsylvania mit 95,171 Mitgliedern am stärksten vertreten; die Einnahmen der 800 Logen in Pennsylvania betrugen nahezu $ 900,000, die verabreichten Unterstützungen $ 363,500.

Im Bereich der H a n d e l s g e s e t z g e b u n g hat das Jahr 1874 eine ziemliche Zahl mehr oder weniger bedeutender Bills in's Leben gerufen : So wurde im Congreß in Washington das Frankaturgesetz und die Portofreiheit für die Mitglieder für offizielle Sendungen zum Theil wieder in's Leben gerufen. Von größerer Bedeutung ist die Abschaffung des von den betreffenden geheimen Zollbeamten sehr mißbrauchten Gewinnantheilsystems für Aufdeckung böswilliger oder auch unbewußter Zolldefraudationen.

Der Zollcommissär beklagt sich freilich darüber, namentlich mit Bezug auf das Einschmuggeln zollfreier Waaren durch von Europa heimkehrende amerikanische Touristen und sagt, es seien im Fiskaljahr, endigend 30. Juni 1873, 36,830 derselben aus Europa zurückgekehrt, die für ungefähr $ 128,000,000 Waaren zollfrei hereingebracht hätten; dagegen ist die ganze Zahl der Importeure natürlich äußerst befriedigt über die Abschaffung dieses unheimlichen Systems.

Die neue Currency-Bill, vom Präsidenten im Juni gezeichnet, setzte die Circulation der Vereinigten Staaten-Noten auf $ 382,000,000 an, (welcher Beschluß inzwischen durch die neue Finanz Bill eine Modification erhalten hat) und schaffte die früher erforderliche Reserve der Banken im Verhältniß der Circulation ab; bestimmte Einlösung alter Nationalbauknoteu gegen Vereinigte StaatenNoten, wogegen die Banken ein Deposit von 5 °,'0 ihrer Circulation im Vereinigten Staaten Schatzamt haïtien müssen, erlaubte Depositen von gesetzlichem Gelde von den Nation al bauken an Stelle der deponirten Bonds bis auf $ 50,000 herunter, und verordnete das Zurückziehen von § 53,000,000 aus Natioualbanken von Staaten, die mehr als ihre Quota haben zur Wiedervertheiluiig an Staaten, die weniger haben.

181 Die kleine Tarif-Bill für Wiederbesteuerung früher zollfrei erklärter Artikel besteuert ferner gemischte Seidenwaaren, namentlich Bänder, alle die wenigstens 3/4 vom Werthe an Seidu enthalten, mit 60 °/0, sodann den Wein mit 40 Cents per Gallon und 60 Cents per Dutzend Quartflaschen.

Die neue Revenue oder Tax- und Tarif-Bill erhöht die Taxen auf Zucker, Tabak und Spirituosen und hebt die früher auf eine Anzahl von Artikeln gewährte Zollreduktion von 10 °/0 wieder auf.

Man schätzt deren Ertrag auf circa $ 30,000,000. Eine weit größere Bedeutung möchte die im Januar dieses Jahres passirte Finanz-Bill haben. Dieselbe gewährt: 1. Bankfreiheit, verordnet 2. das Zurückziehen von 80 °/0 Legal Bonds oder Vereinigten Staaten Banknoten an Stelle der neu auszugebenden Nationalbanknoten bis erstere auf $ 300,000,000 reducirt sind, und 3. das Zurückziehen des Papier-Kleingeldes und Ersatz desselben durch Silbergeld, sobald thunlich, schafft 4. die Kostenberechnung für Goldmünzenprägung ab und setzt 5. die Wiederaufnahme der Goldzahlungen auf den i. Januar 1879 fest. Wenn letztere Bestimmung indeß kein frommer Wunsch bleiben soll, so müssen noch Mittel und Wege geschafft werden, sie durchzuführen. Jetzt hat es noch nicht den Anschein dazu; das Goldprämium ist im Gegentheil in die Höhe gegangen. Doch liegt noch ein ziemlicher Zeitraum dazwischen.

Eine größere Anzahl auf Handel und Verkehr bezüglicher Bills wurde vom Congreß nicht behandelt oder nicht angenommen, theilweise weil die Zeit nicht mehr reichte, theilweise weil sie keinen Anklang fanden, wie z. B. der gegenseitige Handelsvertrag mit Canada, der verworfen wurde, weil er dem Schmuggel in die Hände arbeiten, gleichsam Freihandel herbeiführen und damit die Manufakturen dieses Landes beeinträchtigen würde.

Die Bill zu Gunsten der Texas-Paeific-Eisenbahn, die einen schweren Stand hat gegenüber den zahlreichen Widersachern gegen alle ferneren Landschonkungen an Eisenbahnen blieb unerledigt.

In Pennsylvania ging die sogenannte Röhren-Bill zur Inkorporation einer Compagnie für Herstellung und Betrieb von Röhrenleitungen zum Trausport von Petroleum vom Oelgebiet aus nach beliebigen Seiten hin nicht durch, da von den hiesigen Interessirten viele darin die Absicht sahen, den Petroleumtransport und dessen Export von Philadelphia nach Baltimore abzuleiten, eine Annahme, welche schon durch die Thatsache Bestätigung findet, daß Philadelphia im Monat Januar 1875 bereits von Baltimore überflügelt wurde, indem der Export von Petroleum des letzteren in genanntem

182

Monat 1,679,924 Gallonen betrug gegen nur 1,509,767 Gallonen von ersterem Platze.

Auch das Gesetz gegen höhere als gesetzlich erlaubte Zinsen bei Geldgeschäften in Pennsylvania blieb unerledigt, weil es doch mehr oder weniger den commerciellen Verkehr hindern und das Capital zum Theil aus dem Staate ziehen würde.

Erzeugnisse der Landwirthschaft, Bergwerke, Industrie.

In Bezug auf landwirtschaftliche Produkte aller Art war das Jahr 1874 ein günstiges Mitteljahr und es sind die Preise aller Lebensbedürfnisse gegen früher ziemlich gesunken. Pennsylvania, wie New-Jersey haben beide in den ihnen eigenen Produkten reiche Durchschnitts-Ernten gehabt, da sie nicht von der andern Gebieten der Union theilweise verderblichen Dürre heimgesucht wurden.

Die B a u m w o l l p r o d u k t i o n der Vereinigten Staaten zeigt für das am 31. August endigende Baumwolljahr 1873/74 4,170,388 Ballen gegen 3,930,508 Ballen im gleichen Zeitraum 1872/73.

Davon wurden exportirt in dem Fiskaljahr, endigend 30. Juni 1874 2,953,483 Ballen zum Goldwerth von $ 188,592,482, consumirt in den Vereinigten Staaten 1,321,089 Ballen im Fiskaljahr endigend 30. Juni 1873, exportirt 2,609,254 Ballen zum Goldwerth von S 196,547,172, consumili in den Vereinigten Staaten 1,201,127 Ballen.

Der Durchschnitt per Pfund im Jahr 1874 15,5 Cents., im Jahr 1873 16,15 Cents.

Die S e i d e n f a b r i k a t i o n in den Vereinigten Staaten hat unter dem flauen Geschäftsgange der letzten anderthalb Jahre in ähnlicher Weise gelitten, wie das Importationsgeschäft in diesem Hauptartikel unserer schweizerischen Produktion, und beide haben, wie im Vorjahr, durch den gegenseitigen Kampf um die Oberhand schwere Einbußen erfahren. Da bei überfüllten Lagern reguläre Nachfrage fehlte, wurden gleich von Anfang an Verkäufe von importirten Waaren auf Auction forchi zu Preisen, die den europäischen Fabrikanten eher Verlust als Gewinn brachten und billige, häufigVerlustp pivise blieben dann durch das ganze Jahr an der Tagesordnung.

Viele der hiesigen Fabriken, die sich natürlich mehr auf Bestellungen beschränken mußten, da Arbeiten auf Lager im Angesichte dar bestehenden Preise kaum möglich war, standen zeitweise still oder arbeiteten nicht die volle Zeit. Es liegt leider über das Jahr 1874 noch kein Bericht über die hiesige Fabrikation vor, da die Jahresberichte immer erst im Mai publizirt werden. Im Jahres-

183 berichte vom Mai 1874 giebt dagegen die Seiden-Association von Amerika den Stand der hiesigen Fabrikation in folgenden gegen den Bericht des Vorjahres eine nicht unbedeutende Reduktion anzeigenden Zahlen an.

Zahl der Fabriken 155, davon 30 in New-Jersey, 25 in Pennsylvania und 61 in New-York, in Connecticut 22, in Massachusetts 12, fünf übrige Staaten nur einzeln vertreten.

Beschäftigungszeit der Arbeiter in den Seidenfabriken durch das Jahr im Staat New-York 72%, New-Jersey 89 1/2, Pennsylvania 88, Massachusetts96 3/4t und Connecticut93 1/2%/0 der gewöhnlichen Arbeitszeit. Wenn auch im Ganzen mit etwas reduzirteArbeiterzahl,," bietet doch diese Aufstellung kein gerade ungünstiges Verhältniß gegenüber der allgemeinen Geschäftslage.

Zahl der Arbeiter 10,651 (gegen 11,713 im Vorjahr), wovon New-Jersey 3406 mit $ 1,139.485 Arbeitslöhnen] Total-ArbeitsP · 1106 lohne m allen Pennsylvania 1106 ,, ,, 371,550 ,, Staaten New-York 2890 ,, ,, 1,070,395 ,, j $ Staaten 3,722,988..

Von den Arbeitern sind 815 Knaben unter 16 Jahren, 2628 über 16 Jahren, 1813 Mädchen unter 16 Jahren und 5395 über 16 Jahren (Mädchen und Frauen).

Das in diesem Jahre (1873) in der Seidenfabrikation angelegte Capital ist angegeben auf $ 15,988,877 gegen $ 15,316,414 im Vorjahr. Hievon im Staat New-Jersey $ 5,497,416, Pennsylvania $ 1,618,000, New-York $ 3,819,500.

Der Werth der Produktion ist angegeben: für New-Jersey $ 5,615,983 , , ,, , ,, , , ,.

,, Pennsylvania * l 872 350 Total-Werth der Produktion m allen Staaten " New-York » 5,429,659 j $ 19,894,874 gegen $ 25,073,201 im Vorjahr.

Als die Hauptprodukte sind aufgeführt: Maschinen-Twist mit $ 5,658,332, Bänder mit $ 2,652,011 und Posamenterien mit $ 2,460,500. Seidenstoffe wurden nur für $ 1,159,300 angefertigt.

Es läßt sich erwarten, daß das Resultat des Jahres 1874 etwas ungünstiger sein wird, da in diesem Jahre öftere Arbeitsstockungen vorkamen und auch die Zahl der Arbeiter weitere Reduktion erlitt.

Die Seidenbandfabrik der Herren Werner-Itschner & Comp.

in meiner Nachbarschaft arbeitete durch das ganze Jahr, zum Theil jedoch mit reduzirter Arbeiterzahl.

An T a b a k wurde in den Vereinigten Staaten im Fiskaljahr endigend 30. Juni 1874 ein Total von 118,548,618 Pfund fabrizirt.

Bundesblatt. Jahrg. XXVII. Bd. II.

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184

Die Regierungssteuern von Tabak betrugen im gleichen Zeitraum $ 33,242,875 gegen $ 34,386,303 im Vorjahr.

Die Produktion von E d e l m e t a l l in den Staaten westlich vom Missouri ergab im Jahr 1874 $ 74,401,055 gegen $ 72,258,69» im Jahr 1873.

Für die E i s e n p r o d u k t i o n und E i s e n i n d u s t r i e in den Vereinigten Staaten war das Jahr 1874 ein ungünstiges, da Preise und Konsum noch mehr abnahmen, als im Vorjahr. Schon am 1. Januar waren von 666 Eisenöfen nur 400 im Gang und die Hälfte der Schienenwerke müßig. An Hand waren 450,000 Tonnen Eisenbarren. Die Durchschnittspreise betrugen für Eisenbarren $ 23, für Schienen $ 48 und für beste Schienen in Philadelphia $ 58. 75 Cts.

per Tonne.

Die ungefähre Produktion von Roheisen (Eisenbarren) betrug in den Vereinigten Staaten im Jahr 1874 1,900,000 Tonnen Nettò,, ungefähr 2/s von 1872 und 1873; Pennsylvania lieferte ungefähr die Hälfte davon. Die Total-Produktion von Schienen betrug im Jahr 1874 450,000 Tonnen Netto, wozu circa 100,000 Tonnen Stahlschieneii importili wurden. Konsumirt wurden 550,000 Tonnen.

Die Tütal-Reduktion von Roheisen, Schieneneisen und Stahl betrug in den Jahren 1872 und 1873 je 6 Millionen Tonnen Netto.

Der Export von amerikanischem Eisen, an und für sich gering, betrug, Werkzeuge und Maschinen inbegriffen, im Jahr 1872 $ 14,360,617 und im Jahr 1873 $ 16,687,754.

Unter den Eisenwerken . dieses Landes sind acht arbeitende ' Besserner (?) Stahl- und Stablschieneufabriken, jede mit Kapazität von 250,000 Tonnen Netto per Jahr; zwei weitere sind im Bau begriffen.

Von den gegenwärtig circa 696 Oefen, wovon 262 in Pennsylvania, waren zu Anfang Februar 1875 nur etwa die Hälfte im Gang.

Mit der Fabrikation von Ofen- und Heizungsapparaten sind in den Vereinigten Staaten ungefähr 350 Gießereien beschäftigt, die jährlich circa 500,000 Tonnen Eisen verbrauchen und einen Werth von circa $ 75,000,000 jährlich produziren.

Außer Kohlen, Eisen und Petroleum wird auch Kupfererz in Pennsylvania gefunden und es ist ein Kupferwerk im Gang, ein anderes im Bau begriffen. Der Export von Kupfer aus den Vereinigten Staaten betrug im Jahr 1874 9,000,000 Pfund.

Die Pullmann's Palast-Eisenbahnsvagen Compagnie, gegenwärtig mit Aufträgen für Canada, Rußland und die Türkei beschäftigt, hat weitere Aufträge für 9 Wagen nach Italien und 11 für England.

185 Die K o h l e n p r o d u k t i o n in den Vereinigten Staaten, welche im Jahr 1873 45,413,400 Tonnen betrug, soll im Jahr 1874 in Folge verminderten Konsums durch Stillstand oder theilweises Brachliegen vieler Fabriken, Eisenwerke u. dgl. bedeutend geringer gewesen sein.

Der Kohlentransport aus den Kohlenminen von Pennsylvania durch die Haupteisenbahn betrug im Jahr 1874 (das Kohlenjahr endigend 28. November) circa 25 Millionen Tonnen. Der Umsatz im gleichen Jahr (20l/2 Millionen Tonnen gegen 21]/2 Millionen im Jahr 1873) zeigt eine ungefähre Verdopplung in 10 Jahren.

Die ersten Monate dieses Jahres (1875) zeigen eine Abnahme, weil schon seit Anfang desselben in Folge proponirter Lohnreduktion von Seite der Compagnien eine allgemeine Arbeitseinstellung existirt, die indeß auf die eine oder andere Weise in Kürze ein Ende nehmen muß, da die Vorräthe sich zu erschöpfen anfangen.

Die Grangers, Vereine von Landwirthen durch das ganze Land für Herstellung billigeren Transportes für die Farmprodukte, Bedürfnisse etc., worüber ich Ihnen in meinem letzten Jahresberichte ausführlichere Mittheilungen machte, haben sich in der Zwischenzeit um 22,647 mit 1,800,000 Mitgliedern durch die Vereingten Staaten vermehrt.

Der Binnenhandel der Vereinigten Staaten wird auf das Zehnfache des auswärtigen Verkehrs mit allen fremden Ländern geschätzt und der Betrag der Binnentransportkosten auf das Doppelte der gesammten Revenuen per Jahr. Der Gesamtntwerth des Waarentransports auf den Vereinigten Staaten-Eisenbahnen wurde im Jahr 1872 auf $ 10,000.000,000 berechnet.

Philadelphia hatte im letzten Jahre, gewissermaßen als Vorläufer des Centennial, eine Industrie-Ausstellung in kleinerem Maßstabe, veranstaltet vom hiesigen Franklininstitut, einer bekannten Organisation für Fortschritt in Gewerbe und Industrie. Der Erfolg war ein sein- befriedigender; die Ausstellung reich und gelungen, recht geeignet, das industrielle Leben und Wesen Philadelphias in's rechte Licht zu stellen, wurde von 1251 Ausstellern beschickt, zählte 267,638 zahlende Besucher, hatte $ 92,000 Einnahmen, $ 40,000 Ausgaben und erzielte somit einen Reingewinn von über $ 50,000.

Die Petroleumproduktion erfuhr auch im vergangenen Jahre durch Uebereinkommen der Produzenten etwelche Verminderung, um für die Consumatici! der lagernden Vorräthe etwas Zeit zu gewinnen und hat sich im Vertrieb ungefähr auf gleicher Höhe

186 wie das letzte Jahr gehalten.

Kleinigkeit geringer.

Der Gesammtexport war um eine

Total-Einfuhr und Ausfuhr.

Die G e s a m m t - A u s f u h r der V e r e i n i g t e n S t a a t e n betrug im Fiskaljahr endigend 30. Juni 1874 an Waaren in Goldwerth $ 586,283,040 und an Edelmetall S 66,630,405, nach letztem Bericht des statistischen Bureaus in Washington: Total in gemischte r Währung Fiskaljahr endigend 30. Juni 1874 $ 693,039,054 gegen Fiskaljahr endigend 30. Juni 1873 $ 649,132,563.

Die T o t a l - E i n f u h r der V e r e i n i g t e n S t a a t e n betrug im gleichen Zeitraum : an Waaren $ 567,406,342 in Goldwährung $ 595,681,248 gegen $ 663,617,147 im gleichen Zeitraum 1873. Die verzollbaren Waaren betrugen nahe 416 Millionen Dollars, der Gesammtzoll circa $ 163 Millionen.

Die Ausfuhr betrug an Waaren in Goldwerth im Fiskaljahr 1874 $ 18,876,698 an Edelmetall $ 38,175,499 in Summa Goldwerth $ 57,052,197 mehr als die Einfuhr.

Die A u s f u h r der V einigten S t a a t e n in den 11 Monaten endigend am 30. November betrug für 1874 $ 606,349,662 gegen $ 609,411,388 im Jahr 1873 in den gleichen Monaten an einheimischen Produkten; an fremden Produkten in gleicher Zeit 1874 $ 20,492,162 1873 $ 23,242,683. Die in obiger Summe inbegriffene Ausfuhr von Gold und Silber war in beiden Jahren nahezu gleich, nämlich circa 54 Millionen.

Die E i n f u h r der Vereinigten S t a a t e n betrug im gleichen Zeitraum 1874 $ 538,366,136, im Jahr 1873 $ 589,343,639, davon Gold uud Silber im Jahr 1874 circa 13 Millionen gegen circa 27 Millionen Dollars im Jahr 1873. Ueber 72 °/0 des Transports im Fiskaljahr 1874 wurden durch fremde Schiffe vermittelt.

New-York's Total-Import betrug im Jahr 1874 $ 393,683,734 (Goldwerth), in 1873 $ 398,565,836 (Goldwerth).

New-York's Total-Export mit Einschluß des Edelmetalls für 1874 betrug in Goldwährung $ 317,571,501 (incl. $ 61,222,228 Edelmetall), für 1873 (incl. $ 48,659,664 Edelmetall) $ 313,894,859.

Die bedeutendsten Ausfuhrartikel waren: 1. Baumwolle, 2.

Brodstoffe, 3. Provisionen, 4. Edelmetall, 5. Petroleum und 6. Tabak.

New-York's Export im Jahr 1874 betrug nach Zollwerth für nachfolgende Artikel: Baumwolle 37*/2 Mili, Brodstoffe 81 Mili., Provisionen 59 Mili, und Tabak 17 Mili. Dollars.

187

Philadelphias Export betrug im Jahr 1874 $ 29,878,911 gegen $ 29,633,186 im Jahr 1873; von den Exportationen von 1874 wurden circa 35 % auf amerikanischen Schiffen befördert. Die Hauptartikel von Philadelphia's Ausfuhr waren : Petroleum 9'/2Mill.,, Weizen4 3/4*Mill.. Dollars, Baumwolle, Welschkorn etc.

Der Export von Petroleum betrug von Philadelphia im Jahr 1874 73,009,112 Gallonen, im Jahr 1873 86,643,013 Gallonen; von New-York 1874 zum Zollwerth von $ 2 1/2 Mill. 150,395,390 Gallonen, im Jahr 1873 145,641,935 Gallonen. Gesammtexport von den Vereinigton Staaten im Jahr 1874 232,782,598 Gallonen, im Jahr 1873 236,899,223 Gallonen.

Die Abnahme der Petroleumausfuhr Philadelphia's gegen das Vorjahr hat ihren Grund in der Zunahme der Verschiffung dieses Artikels von Baltimore, welche von letzcrem Platze im Jahr 1873 nur 77,133 Faß, im Jahr 1874 aber 184,065 Faß, im Januar laufenden Jahres sogar mehr betrug, als von Philadelphia.

Die Zahl der im überseeischen Handel im Jahr 1874 in Philadelphia angekommenen Schiffe betrug 1098, wovon 439 amerikanische, 303 englische und 110 deutsche. Die Zahl angekommener im Küstenhandel verwendeter Schiffe betrug im Jahr 1874 1528 mit zusammen 664,456 Tonneu Gehalt.

Philadclphia's Import betrug im Jahr 1874 $ 25,506,525 gegen § 29,596,192 im Jahr 1873.

Die Einfuhr aus und nach der Schweiz läßt sich nicht bestimmen, dagegen ist die Einfuhr einzelner einschlägiger Artikel nach den Vereinigten Staaten angegeben, wie folgt: Unter dem Gesammt-Import der Vereinigten Staaten im Fiskaljahr endigend 30. Juni 1874, befinden sich : Seidenfabrikate . mit $ 23,997,301 gegen in 1873 $ 29,890,015 Rohseide .

. ,, ,, 3,854,008 ., ., ,, ,, 6,460,621 Taschenuhren .

,, ,, 2,374,298 " ,, ,, ,, 3,274,825 Strohwaaren .

,, ,, 2.085,842 ,, ,, ,, ,, 2,398,152 sodann in der Total-Einfuhr der Vereinigten Staaten in den 11 Monaten (Januar bis November inclus, von 1874) und im gleichen Zeitraum 1873 : Seidenfabrikate in 1874 $ 23,752,895 gegen in 1873 $ 24,406,960 Rohseide ,, ,, ,, 3,297,193 ,, ,, ,, ,, 4,172,237 Taschenuhren und Materialien., ., ., 2,235,952 ., ,, ,, ., 2,467,674 Strohwaaren " ,, ,', 1,981,997 " ,, ,, " 2,132,525.

188 New-York's Import fremder Webstoffe betrug nach Goldwerth ohne Zoll und Spesen im Jahr 1874 $ 106,520,453 im Jahr 1873 $ 114,160,465, darunter Seidenfabrikate im J. 1874 § 26,358,883 im J. 1873 $ 26,472,021 Taschenuhren ., ., ,, ., 2,254,065 ., ,, ., ,, 2,409,454 Käse ; ; ,, ,, 504,286 ; ,, ,', ,, 502,207 Wein ,, ,, ,, ,, 2,260,320 -- New-York's Import von Rohseide betrug in den drei letzten Jahren: 1874 8134 Ballen und Kisten, 1873 8726 Ballen und Kisten, 1872 10,907 Ballen und Kisten.

Nach dem Bericht der Seiden-Association in Amerika stellte sich der Import von Seide und Seidenfabrikaten wie folgt: Total-Import von Seidenfabrikation im Fiskaljahr endigend 30. Juni 1874 $ 22,669,653, 1873 $ 28,401,407,davon Seidenbänder im Jahre 1874 $ 4,098,470, 1873 $ 6,629,546.

Rohseide, importirt in New-York und San Francisco im Fiskaljahr endigend 30. Juni 1874 $ 4,374,556 gegen $ 7,032,711 im gleichen Zeitraum 1873.

Den Import von Seidenfabrikaten in den vollen Jahren 1874 und 1873 giebt der Bericht der Seiden-Association verschieden von obiger allgemeinen New-York Importstatistik für das Jahr 1874 auf $ 23,292,551 gegen 5 24,379,322 im Jahr 1873 und den von Rohseide für das II. Semester 1874 auf 4211 Kisten und Ballen an.

Unter Philadelphia's Import für 1874 figurirt als direkt eingeführt Seide z u m Betrag von $ 472,398, w a s natürlich New-York bezogen wird. -- Ueber die andern einschlägigen Artikel O O hiesiger direkter Importation sind detaillirte Angaben nicht vorhanden.

Vermehrung resp. Verminderung der Ein- und Ausfuhr.

Die Ergebnisse des Fiskal - Jahres endigend 30. Juni 1874 zeigen im Vergleiche der Total-Ein- und Ausfuhr der Vereinigten Staaten eine Mehrausfuhr als Einfuhr an Waaren von $ 18,876,698 und an Edelmetall von $ 38,175,499, in Summa von $ 57,052,197.

Der Export von Edelmetall war $ 24,952,138 weniger als im Vorjahr, während die Ausfuhr von einheimischen Artikeln §63,803,118 mehr betrug. -- Im Ganzen ergab sich eine Abnahme der Importation gegen das Vorjahr von $ 74.729,868. Die Abnahme betraf hauptsächlich folgende Artikel: Rohwolle $ 12,183,632, Wollen-

189 waaren $ 4,149,298, Rohseide $ 2,606,613, Seidenfabrikate § 5,893,253, feine Leinwandspitzen ete. $ 2,955,636, Uhren $ 900,531, Juwelen $ 876,997, außerdem in Lederwaaren, Handschuhen, Chemikalien etc.

Die zollfreien Waaren betrugen im Fiskaljahr 1873/74 $ IS1/» Millionen mehr, die zollpflichtigen $ 81J/2 Millionen weniger. Die Zolleinnahmen der Vereinigten Staaten betrugen im Fiskaljahr 1873/74 $ 163,103,833, in 1872/73 $ 188,089,522, Abnahme circa 25 Millionen.

Das volle Jahr 1874 gegen dasselbe 1873 zeigt immer noch aber bei weitem nicht mehr so bedeutend eine Verminderung im Import, sowie im Export, wenn von Letzterem die Kontanten ausgeschlossen werden; ebenso zeigen Import, sowie Waarenexport von New-York für die Monate Januar und Februar 1875 eine Verminderung, während der Export von Edelmetall eine bedeutende Vermehrung zeigt. Der Seidenimport New -Yorks war dagegen mit ,$ 4,916,932 circa $ 165,000 höher als für Januar und Februar 1874.

Veränderungen in den Ansätzen der Ein- und AusfuhrZolltarife sind, wie unter H a n d e l s g e s e t z g e b u n g aufgeführt, in den neuen und veränderten Zollgesetzen mehrfach vorgekommen, betreffen indeß schweizerische Fabrikate nur insofern, als dieselben etwa früher durch die aufgehobene Klausel des 10 Prozent-Nachlasses begünstigt waren, sowie die gemischten Seidenwaaren, namentlich Bänder, deren Zoll von 50 auf 60 Prozent erhöht wurde.

Eine Veränderung des Zollwerthes des französischen Franc, der früher auf 18,6 Cts. Gold gestellt war, jetzt aber nach einem neuen Kongreßakt auf 19,3 erhöht ist, hat dagegen für die schweizerischen wie für die französischen Exporteure einen dauernden JSaehtheil.

Eine Ermäßigung der Zölle, namentlich auf die Hauptartikel unserer schweizerischen Industrie ist natürlich bei jetziger Sachlage, wo die FmauzbiMinten dieses Landes die gegenwärtigen Einkünfte an Zoll und Steuern für uncenüsend erklären,5 in nächster Zukunft O o nicht zu erwarten.

Die Durchfuhr aus und nach der Schweiz läßt sich, wenn überhaupt vorhanden wie bisher, nicht bestimmen.

190

Eisenbahnen und Verkehrswege.

Laut der ,,Finanz-Chronik" betrugen die im Jahr 1874 ausstehenden Obligationen von allen Eisenbahnen, welche seit 1869 irgend welche Dividenden bezahlten, $ 1,178,000,000, wovon seit 1870 ausgegeben sind : $ 281,000,000 oder ungefähr 24 °/o. Dividenden nahmen in den Jahren 1873 und 74 bedeutend ab ; im letzten Jahre wurden nur ungefähr von 899 Millionen oder circa 46 Prozent des Totalbetrages ausstehender Obligationen, angeschlagen auf $ 1,947,000,000, Dividenden bezahlt.

Noch unter dem Eindruck der Krisis von 1873 weist das Jahr 1874 wenig Neubauten von Bedeutung im Eisenbahngebiete auf.

Was gebaut wurde, waren meist kurze Strecken sowie Lokalbahnen und bildeten eine Zunahme von nur ungefähr 2 T /2 °/o »u den vorhandenen Bahnmeilen, welche Ende 1873 in diesem Lande circa 70,000 Meilen betrugen, wovon 619l/4 Meilen schmalspurige. Der Neubau betrug nämlich im Jahr 1874 1923 Meilen gegen 3883 Meilen im Jahr 1873, für viele Jahre der geringste Zuwachs. Von den Neubauten in 1874 kamen auf Pennsylvania 184, auf NewJersey 39 Meilen. Vorher hatte seit dem Jahre 1869 mit nahezu 5000 Meilen bis 1872 iökl. mit 7340 Meilen eine stete Zunahme stattgefunden. 18 Prozent der Neubauten im Jahre 1874 sind 3 Fuss spurige Bahnen, leicht und billig gebaut. Auch für das Jahr 1875 ist wenig Aussicht für bedeutende Bauten in diesem Gebiete vorhanden. Erneuerte große Anstrengungen zur Erlangung von Regierungsunterstützung für den Bau der südlichen oder TexasPaciße-Eisenbahn blieben ohne Erfolg, wie überhaupt alle Empfehlungen von Staatssubsidieu für Eisenbahnen im letzten Kongreß abschlägig '"o'o beschieden wurden.

Von unseren beiden großen Staatsbahnen lauten die Jahresberichte günstig, wie bisher. Die Pennsylvania - Eisenbahn mit Kapitalstock von 683/* Millionen Dollars und ausgegebenen Obligationen im Betrage von 49T/2 Millionen Dollars weist in ihrem Rapport über das Jahr 1874 folgende Betriebsresultate auf: Einnahmen für alle Bahnen östlich von Pittsburg $ 37,386,427: Ausgaben für dieselben $ 23,011,749. Reingewinn $ 14,374,678 oder $ 1,202,648 mehr als im Jahr 1873.

Einnahmen für alle Linien westlich Pittsburg $ 25,551,923: Ausgaben für dieselben $ 16,410,896; Reingewinn $ 9,141,027.

Die Summe der Einnahmen für alle von der PenusylvaniaEiseubahngesellschaft betriebenen Bahnen betrug im Jahr 1874

191 $ 62,938,351; die Ausgaben mit Ausschluß der Miethen, Dividenden und Interessen $ 39,422,645, ergaben somit an Nettoverdienst $ 23,515,705.

Die ursprüngliche Hauptlinie von Philadelphia nach Pittsburg ergab an Einnahmen $ 22,642,371, an Ausgaben $ 12,701,518, an Gewinn $ 9,940,853. Der Netto-Ueberschuß der Linie PhiladelphiaPittsburg mit Zweigbahnen betrug nach Zahlung der Dividenden (10 Prozent), Interessen (7 Prozent) und Taxen $ 3,199,493.

Gegenwärtig ist ein Streit im Gange zwischen der Pennsylvaaiaund der Baltimore - Ohio - Eisenbahn in Bezug auf Fracht- und Passagepreise, der möglicherweise deren Prosperität für die nächste Zeit etwas bedrohen könnte; doch hofft man, daß es den Bemühungen unbetheiligter, kompetenter Parteien gelingen wird, ihn befriedigend zu schlichten.

Die Philadelphia- und Reading-Eisenbahn, unsere zweitgrößte Staatsbahn, rapportirt für 1874 gegen 1873 an Brutto-Einnahmen .

.

$ 14,452,122 $ 14,832,661 ,, Ausgaben .

.

.

,, 8,731,916 ,, 9,474,895 ,, Gewinn .

.

.

$ 5,720,2olT $ 5,357/766 Mehrgewinn in 1874 Doli. 362,440.

Die früher planirte große Schiffswerfte dieser Gesellschaft ist fertig, aber noch nicht in Operation wegen Schwierigkeiten bezüglich der Abfindung mit der Stadt für Straßentheile, die dadurch dem allgemeinen Verkehr entzogen würden. Die Compagnie besitzt jetzt 100,000 Acker Kohleuländereien, von denen sie im Jahr 1874 etwas über 3 Millionen Tonnen Steinkohlen selbst zu Markte lieferte; die Kapazität derselben erstreckt sich indeß auf 5 Millionen Tonnen per Jahr. Für diese Kohlenoperationen hat sie eine eigene inkorporirte Gesellschaft gegründet unter dem Namen : Reading, Kohlenund Eisengesellschaft, hat übrigens die Unzufriedenheit der in diesen Zweigen arbeitenden Firmen damit heraufbeschworen, auf deren Anregung gegenwärtig eine Untersuchung wegen Gewerbebeeinträchtigung gegen die Gesellschaft bei den Staatsbehörden in Harrisburg anhängig ist.

Die Vereinigten Eisenbahnen von New-Jersey wiesen im Jahr 1874 an Einnahmen $ 8,700,969, an Ausgaben $ 6,330,033, an Gewinn $ 2,370,936 a.uf.

Die Sew-Jersey-Zentraleisenbahn rapportirte für das Jahr 1874 Brutto-Einnahmen $8,589,631, Betriebskosten $4,140,601 = 48 °/o,

192 Gewinn $ 4,449,030, wovon Pacht einer Zweiglinie in Pennsylvania, Staatssteuern, Zinsen und 10 °/o Dividenden zu zahlen sind.

Die Union-Pacific-Eisenbahn berichtete als Ergebniß des Betriebes in 1874 : Brutto-Einnahmen $ 10,559,880, Ausgaben, Steuer Inbegriffen, § 4,652,314, Gewinn $ 5,907,565, gleich 7 °/o auf die gesammteu Aktien und Obligationen.

Gegen diese, sowie gegen die Vereinigte Central- und WestPacific-Eisenbahn steht gegenwärtig von der Ver. Staaten-Regierung aus ein Prozeß in Aussicht zur Eintreibung der Rückzahlung für die von den Ver. Staaten seit der Vollendung bezahlten Interessen.

Brstere offerirle auf die Aufforderung hin jährliche Zahlung von $ 500,000 für 20 Jahre und nachher $ 750^000 jährlich bis zur gänzlichen Abzahlung; der Ver. Staaten Schatzmeister verlaugte aber $ 750,000 jährlich schon nach 10 Jahren. Letztere offerirteli $ 200,000 per Ï. Oktober 1875 und $ 200,000 jeden 1. April und §. Oktober bis abgetragen. Ein Uebereinkommen scheint noch nicht bewerkstelligt zu sein, da der Ver. Staaten Staatsanwalt gerichtliches Einschreiten in Aussicht stellt.

Der Bau eines Tunnels (Musconetcong-Tunnel) auf der Eastou und Ainboy, der Verlängerung der Leleigh-Valley-Eisenbahn, des zweitgrößten diesseits des Mississippi, eine Meile lang, vollendet am 16. Oktober 1874 wird von den Blättern als ein Meisterwerk der Ingenieurkunst besprochen.

Die Untersuchungen für den Isthmus-Kanal vom Aspinvvall aus sind immer noch im Gange; doch ist bis jetzt noch keine Route fest acceptirt worden.

Die Verhältnisse der Pacilie Postdampfschiffgcsellschaft waren während der letzten Kongreßsitzung lange Zeit der Gegenstand peinlicher Untersuchung. Die Gesellschaft hatte vom Kongreß kontraktliche Zusicherung von $ 500,000 jährlichen Subsidien für 10 Jahre erlangt.

Wie es sich herausstellte, waren vom Präsidenten derselben und einem von ihm ernannten Agenten korrupte Mittel zur Erlangung der Approbation angewendet worden, wobei, wie es heißt, ohne Mitwissen der Vorstandsmitglieder und der Aktionäre circa $ 1,000,000 auf ganz leichtfertige Weise verausgabt wurden. Die Untersuchung bezweckte hauptsächlich aufzufinden, ob diese Summe oder ein Theil davon zur Bestechung von Kongreßmitgliedern verwendet wurde; es hat sich aber herausgestellt, dass nur an zwei neugewählte, noch nicht installirte Repräsentanten ein Theil davon, circa $ 200,000, bezahlt worden waren, daß aber nichts an Glieder des bestehenden Kongresses gegangen war. Der Compagnie sind die Regierungssubsidien entzogen worden.

193

Banken.

Seit Herstellung des Nationalbanksystems durch Akt vom 20. Februar 1863 hatten sich 2200 Nationalbanken in den Verein.

Staaten organisirt, von denen 35 zusammengebrochen und 137 liquidirt sind, so daß am 1. November 1874 noch 2028 blieben. Im letzten Jahre wurden 70 Nationalbanken organisirt; davon sind 3 zusammengebrochen und 20 liquidirt. 2004 Banken wiesen am 4. Oktober Ressourcen nach zum Betrage von $ 1,877,180,942.

Der Nationalbankakt erlaubte die Herausgabe von $ 300,000,000 Zirkulation; der Akt vom 12. Juli 1870 gestattete eine Vermehrung von $ 54,000,000, die inzwischen ausgegeben wurden.

Die Zirkulation der Legal-Tender oder Verein, Staaten Banknoten, nach dem Gesetze vom 20. Juni 1874 auf $ 382,000,000 festgesetzt, sollte nach Bestimmung desselben Aktes nicht reduzirt werden, während die Nationalbanknoten nach Belieben der Banken reduzirt werden konnten. Durch die im Januar dieses Jahres (1875) erlassene Finanzbill (sie«6 unter Ilandelsgesetzgebung) ist erstere Bestimmung abgeändert worden.

Die ausstehenden Nationalbanknoten sind sicher gestellt durch ein Deposit von über $ 385,000,(,00 Verein. Staaten - Anleihen, welche zu ungefähr Goldkurs stehen, Kapital, wie Ueberschuß der Banken circa $ 622 Millionen sind haftbar; außerdem garantiren die Verein. Staaten die Einlösung der Noten.

Die Papiergeldzirkulation betrug im Jahre 1874 in den Verein. , Staaten an Nationalbanknoten $ 339,000,000, an Ver. StaatenBanknoten oder Legal-Tenders $ 382,000,000, an Papier-Kleingeld S 46,538,000, Total $ 767,538,000.

Die 2027 Nationalbanken der Verein Staaten zeigten nach dem Bericht des Kontroleurs zu Ende letzten Jahres : an einbezahltem Kapitalstock .

.

$ 495,802,481 ,, Ueberschußfond .

.

.

,, 130,485,641 ,, unvertheilten Gewinnen .

.

,, 51,477.829 ,, Totalverbindlichkeiteii .

.

,, 1,902,408,455.

Das Aggregatkapital von 2004 Nationalbanken betrug am 2. Oktober 1874 $ 496,765,121 nebst einem Ueberschuß von $ 128,958,106.

Ihr Goldvorrath umfaßte zu gleicher Zeit $ 21,240,945.

Die Wirkungen «1er durch das Finanzgesetz vom Januar 1875 gewährten Baukfrcihcit sind, wie von vielen Seiten vorausgesehen, eine Vermehrung der Banken und des Bankkapitals in deu östlichen

194

Staaten, das Gegentheil von dem, was die westlichen Staaten zu erreichen strebten.

New-York hat im Ganzen 56 Banken mit einem Kapital von 81 Millionen Dollars und etwa halb so viel Ueberschuß, die grösste, die Bank of Commerce hat $ 10,000,000 Kapital, die kleinste, die 5te Nationalbauk ,$ 150,000.

Philadelphia^ 27 Banken wiesen zu Ende vorigen Jahres an einbezahltem Kapital $ 16,436,000, an Reserve $ 14,389,619, Anleihen $ 60,349,785, Depositen $ 39,208,513, an Goldvorrath dagegen nur circa i/i Million Dollars auf; sie stehen sämmtlich gut; die Anleihen von mehreren derselben auf doppelter und dreifacher Höhe von pari.

Pennsylvania hat 199 Nationalbanken mit circa 52 Millionen Dollars Kapital, 117 Staatsbanken und Sparkassen mit $ 8,370,161 einbezahltem Kapital, zusammen 316 Banken und Sparkassen mit circa Doli. 60 Millionen Kapital.

Der Gouverneur empfahl in seiner letzten Botschaft die Erlassung eines neuen Bankgesetzes mit der Vorschrift, daß von den Banken und Sparkassen keine oder nur geringe, sage 4 °/n Interessen für Depositen bezahlt werden dürfen.

Der Goldvorrath der Banken in der Stadt New-York betrug 31. Dezember 1874 Doli. 18,000,000.

In den Vereinigten Staaten Münzen wurden im Jahr 1847 deponirt: au Gold Doli. 68,861,594, an Silber Doli. 15,122,151.

Neu und eingemünzt wurden an Gold Doli. 50,442,690, an Silber Doli. 5,983,601: gestempelt an Barren wurden: Goldbarren Doli.

31,485,818, Silberbarren Doli. 6,847,799,'bedeutend mehr als voriges Jahr.

Zins- und Diskontofuss.

Die Durchschnittsiuteressen für Kapitalanleihen standen bei unbezweifelter Sicherheit durch das ganze Jahr 1874 sehr niedrig, da das Kapital aus allgemeinem Mangel an Vertrauen in Folge der Krisis von 1873 und der Geschäftsflauheit im Ueberfluß verfügbar war und wenig in Spekulation verwendet wurde. 4 bis 6 °/o war da der Zins- und Diskontofuß. Um so schwerer war es dagegen für alle diejenigen, deren Sicherheit nicht ganz über alle Zweifel erhaben schien, Geld überhaupt zu erlangen. Da galten die alten höheren Zinsansätze von 9 bis 18 Prozent.

Von den guten alten Staats-, Städte- und Eisenbahnanleihen wurden die Interessen, 6 bis 7 °/<>, sowie die Dividenden, meist 10°/o, regelmäßig bezahlt; dagegen fielen manche der neuern oder

195 der weniger lukrativen altern Unternehmungen mit ihren Interessen aus. (S. unter Eisenbahnen.) Der gesetzliche Zinsfuß in Pennsylvania und New-Jersey ist nach wie vor 6 °/o, New-York 7 °/o.

Das Goldprämium variile im Jahr 1874, beginnend und endigend mit 12*/2, zwischen 9, dem niedrigsten Stand im Juni und 141/?, dem höchsten Stand im April. In den ersten Monaten dieses Jahres (1875) ist es gestiegen bis 16'/2 in letzter Woche, gegenwärtig steht es zwischen 141/2 und 15.

Versicherungen.

Da wir durch das Jahr 1874 von außergewöhnlichen Heimsuchungen durch Feuer zu Lande und durch Schiffbrüche zur See glücklich verschont blieben, so hatten die Versicherungsgesellschaften sämmtlich günstige Zeit und erzielten bedeutende Dividenden wie Zuschüsse zu den Reservefonds.

Die Marine-Unglücksfälle, von denen im Jahre 1874 Vereinigte Staaten Schiffe und solche, die von oder nach Vereinigten Staaten Häfen bestimmt waren, durch Feuer, Schiffbruch, Zusammenstoß etc.

betroffen waren, erreichten die Zahl von 351 mit einem Werthe der Fahrzeuge, excl. Fracht, von Doli. 8,786,000 gegen 459 mit einem Verlust von Doli. 11,789,000 im Jahr 1873.

Feuersbrünste ereigneten sich in Philadelphia im Jahr 1874 626 mit einem Gesammtverlust von Doli. 749,697 gegenüber der Gesammtversicherung von Doli. 5,108,572, was 287 Feuer und Doli. 200,926 Verlust weniger ausmacht, als im Jahr 1873.

Neue Erfindungen, Patente.

Der Patentkommissionär in Washington berichtet, daß im Jahr 1874 an Vereinigte Staaten-Bürger 13,072 Patente ertheilt wurden, wovon 2785 an New-York er, 1644 an Pennsylvanier; an Engländer wurden 352, an Bürger anderer Länder 175 verabfolgt. Die fortwährende Zunahme des Verkehrs in dieser Branche macht bald neue Einrichtung und erweiterte Räumlichkeiten für die PatentOffice nöthig.

"oDie Ausstellung der Modelle dieses Departements auf der hiesigen Industrieausstellung im nächsten Jahre verspricht einer der Hauptanziehungspunkte derselben zu werden.

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Einwanderung.

Die Zahl der gesammten Einwanderer in die Verein. Staaten betrug im Fiskaljahr endigend 30. Juni 1874: 313,339, nämlich 189,225 männlich und 124,114 weiblich, 63,578 Kinder unter 15 Jahren.

Darunter waren: Deutsche, männlich 49,554, weiblich 37,737, zusammen 87,291.

Schweizer, ,, 1,845, ,, 1,248, ,, 3,093.

Die Gesammteinwanderung in den Ver. Staaten im Vierteljahr, endigend 30. September 1874, betrug: 74,095, und zwar männlich 43,558, weiblich 30,537, wovon Schweizer 448 (261 männlich und 187 weiblich).

Die Einwanderung im Hafen von New-York betrug im Jahre 1874 nach Bericht der Einwanderungskommission 149,762, wovon Deutsche 41,368 und Schweizer 2,395 gegen 266,818 Gesammtzahl im Jahr 1873. Dagegen nach Bericht der Deutschen Gesellschaft 1874: 140,041, wovon Deutsche 40,302, Schweizer 2,296.

In Philadelphia direkt kamen im Jahr 1874 8,869 Einwanderer an, wovon 4,975 männlich und 3894 weiblich gegen 3,681 Gesammtzahl im Jahre 1873. Zunahme 5188.

Unter den hieher Eingewanderten von 1874 befanden sich Schweizer 306 (176 männlich, 130 weiblich). Deutsche 1883 (1092 männlich, 791 weiblich).

Unschwer läßt sich die Abnahme der Gesammteinwanderung im letzten Jahre begründen durch die noch von der 1873er Krisis her anhaltenden ungünstigen Geschäftsverhältnisse, die mit der Zeit auch in Europa bekannt geworden waren, und es sind in der That auch von dieser geringeren Zahl manche aus bedeutend besseren in viel schlimmere Zustände hier gerathen. Der außerordentlich kultivirte Wohlthätigkeitssinn der Amerikaner, bethätigt durch zahlreiche Anstalten aller Art, konnte allein, neben den vaterländischen Unterstützungsgesellschaften, viele der Neuangekommenen, durch den ungewöhnlich strengen Winter ohne Chancen für Beschäftigung, vor äußerster Noth bewahren.

Wie reich vertreten auch dieser schöne Zug hier in Philadelphia ist, beweist nachstehende Aufzählung seiner wohlthätigen Institute. Es besitzt in vollständiger Organisation und Operation: über 50 große Hülfsgesellschaften verschiedener Art, ungefähr 60 Heimaten und Asyle für Kinder und Betagte, 30 Hospitäler und Krankenasyle, 25 unentgeldliche Apotheken, 15 Hülfs vereine, 10 Suppenhäuser und 40 andere Wohlthätigkeitsinstitute mannig-

197 faltigster Art, nebst den Hunderten von gegenseitigen Unterstützungs-, Kranken- und Sterbevereinen, Logen etc. und verdient somit in der That den Namen: ,,Stadt der Bruderliebe".

Schweizergesellschaften.

P h i l a d e l p h i a zählt noch, wie im letzten Jahre, 5 Schweizergesellschaften, wie folgt: 1) Der Grütliverein, Kranken- und Begräbnißkasse, gegründet 1849, mit 267 Mitgliedern, sämmtlich Schweizer, zahlte an Kranken- und Leichengeld im Jahre 1874 Doll. 662. 62 aus ; Kapital Doli. 2,988. 60, nach gegenwärtigem Goldstand circa Fr. 14,046.

2) Der Sozial-Rütliverein, gegründet 1858, mit gleichem Zweck, mit gegenwärtig 87 Mitgliedern, meistens Schweizer; Vermögen Doli. 750 gleich Fr. 3,525.

3) Die Schweizerische Wohlthätigkeitsgesellschaft, gegründet 1860, mit circa 130 Mitgliedern, zur Hälfte Schweizer ; Ver mögen am 15. Dez. 1874 Doll. 1,791. 25 gleich Fr. 8,418. 87.

4) Die Helvetia - Sterbekassa, gegründet 1871, mit 115 Mitgliedern, meist Schweizer, ohne Vermögen, zahlt 50 Cents per Mitglied bei jedem Sterbefall.

5) Der Schweizer Männerchor, neugegründet 1872, mit 30 aktiven und einer Anzahl passiven Mitgliedern, meist Schweizer; Vermögen Doll. 200 gleich Fr. 940.

In P i t t s b u r g und Alleghenny-City (Pa.) sind nachgenannte 3 Schweizergesellschaften vorhanden: 1) Verein der Söhne Winkelrieds in Pittsburg und AlleghennyCity, Kranken und Sterbekasse, gegründet 1866, Mitglieder 85, alle Schweizer; Vermögen Doll. 1,456 gleich Fr. 6,843. 20.

2) Grütliverein (Krankenkasse) in Alleghenny-City, gegründet 1852, zirka 60 Mitglieder, meist Schweizer; Vermögen Doll. 700 gleich Fr. 3,290.

3) Schweizer Männerchor in Alleghenny-City, neu, 18 Mitglieder, Schweizer; Vermögen Doll. 330 gleich 1,551.

In L au c a s te r, Pa. besteht ein Grütliverein für Krankenunterstützung, gegründet 1872, mit 30 Mitgliedern, sämmtlich Schweizer; Vermögen Doll. 464 gleich Fr. 2,180. 80.

S e r a n t o n , P a. hat ebenfalls einen Grütliverein (Unterstützung) gegründet 1869, Mitglieder 53, alle Schweizer; Vermögen Doll. 1,400 gleich Fr. 6,580.

198 Im Staate New-Jersey bestehen nachfolgende Schweizervereine: a. in N e w a r k : 1) Grütliverein (Kranken- und Sterbekasse), gegründet 1864, 76 Mitglieder, alle Schweizer; Vermögen Doll. 750 gleich Fr. 3,525.

2) Helvetia, Krankenunterstützungsverein, gegründet 1850, circa 40 Mitglieder, zur Hälfte Schweizer; Vermögen circa Doll. 2000 gleich Fr. 9,400.

3) Helvetia, Männerchor, gegründet 1866, Mitglieder circa 50, 2 /3 Schweizer; Vermögen circa Doll. 200 gleich Fr. 940.

4) Helvetia, Frauenunterstützungsverein, gegründet 1873, Mitglieder circa 16, Schweizerinnen; Vermögen circa Doll. 100 gleich Fr. 470.

b. in Paterson.

  1. Grütliverein (Krankenunterstützung), gegründet 1870, circa 55 Mitglieder, sämmtlich Schweizer; Vermögen circa Doll. 500 gleich Fr. 2,350.
  2. Schweizer. Männerchor, neu, von dem ich aber keine näheren Angaben erlangen konnte.

199

# S T #

Bericht des

schweizerischen Konsuls in Havre (Hrn. Emil Wanner von Nidau, Kantons Bern) über das Jahr 1874.

(Vom 25. April 1875.)

An den hohen Schweiz. Bundesrath.

Tit.

Wenn auch das Jahr 1874 in Bezug auf den Handel besser als das vorige war, so hat es für Havre doch nicht den Verkehr, welcher vor dem letzten Kriege bestand, wiedergebracht.

Trotzdem das Geld nicht rar war und Ernteverträge reichlich gewesen sind, fehlte doch das Vertrauen und der Handel zauderte, sich in wichtige aber langdauernde Geschäfte einzulassen.

O Der Discont, welcher seit 28. November 1873 auf 5 % stand, ist am 5. Mai J874 auf 41/2 % und am 5. Juni 1874 auf 4 % heruntergegangen, auf welcher Höhe er seitdem stehen geblieben ist.

Der Kaffee,, welcher Anfangs des Jahres zu äußerst hohen Preisen bezahlt wurde, erfuhr einen starken Abschlag und war demnach schwer zu plaziren und gab nur noch zu viel geringfügigeren Geschäften Anlaß.

Ein Theil der schweizerischen Transitwaaren, welche der leichte Verkehr, den die Eisenbahnen und Häfen in Belgien und Deutschland bieten, angezogen hat, zog sich von Havre zurück, trotz der Bundesblatt. Jahrg. XXVII. Bd. III.

14

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Bericht des Schweiz. Generalkonsuls in Philadelphia (Hrn. Rudolph Coradi von Oberneunforn, Thurgau) für das Jahr 1874. (Vom 2. April 1875, eingegangen den 16. gl.

Mts.)

In

Bundesblatt

Dans

Feuille fédérale

In

Foglio federale

Jahr

1875

Année Anno Band

3

Volume Volume Heft

25

Cahier Numero Geschäftsnummer

---

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

12.06.1875

Date Data Seite

165-199

Page Pagina Ref. No

10 008 648

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