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Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Genehmigung der Rechnungen und des Geschäftsberichtes der Schweizerischen Bundesbahnen für das Jahr 1970 (Vom 12. Mai 1971)

Herr Präsident !

Hochgeehrte Herren !

Wir haben die Ehre, Ihnen Geschäftsbericht und Rechnungen der Schweizerischen Bundesbahnen für das Jahr 1970 zu unterbreiten. Wie bereits die Botschaft zum Voranschlag 1971 der SBB legen wir im Sinne einer Arbeitsrationalisierung auch die Botschaft über die Genehmigung der Rechnungen und der Geschäftsführung der SBB für das Jahr 1970 in einer etwas gedrängteren Form vor, wobei wir uns auf die Wiedergabe der wichtigsten Zahlen beschränken. Für Einzelheiten verweisen wir auf den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht der SBB.

Mit der neuen, übersichtlicheren Darstellung soll Ihrem Wunsch nach konzentrierterer Information Rechnung getragen werden.

I. Verkehrsleistungen und Verkehrserträge Verkehrsleistungen (in Millionen) 1966

Beförderte Personen Beförderte Gütertonnen

1967

1968

1969

1970

236,1 226,1 227,0 231,2 230,8 37,7 38,6 39,7 42,6 45,6

Im Personenverkehr ist im Vergleich zum Vorjahr ein geringfügiger Verkehrsrückgang von 400 000 Reisenden oder 0,2 Prozent eingetreten. Erfreulicherweise konnte dagegen die Zahl der Personenkilometer um 1,2 Prozent auf 8168 Millionen gesteigert werden.

975 Mit 45,6 Millionen beförderten Gütertonnen ist das Transportvolumen um 3 Millionen t oder 7,2 Prozent höher als im Vorjahr und erreichte einen neuen Höchstwert. Der schweizerische Güterverkehr nahm um 7,1 Prozent auf 33,8 Millionen t, der internationale Transitgüterverkehr sogar um 7,7 Prozent auf 11,5 Millionen t zu. An der gesamten Durchfuhr war die Gotthardlinie mit 7,9 Millionen t (70 %), der Simplon mit 2,5 Millionen t (22,%) .beteiligt.

Nahezu verdoppelt hat sich der Verkehr mit Transcontainern, von denen im Berichtsjahr 41 000 mit einer Nutzlast von 650 000 t hauptsächlich im Transit durch die Schweiz befördert wurden. Auch der Huckepackverkehr verzeichnete einen erfreulichen Verkehrszuwachs. Im letzten Jahrzehnt (1960-1970) hat das Gütertransportvolumen der SBB um 56 Prozent zugenommen, der Transitverkehr allein stieg um 85 Prozent.

Verkehrserträge (in Millionen Franken) Reiseverkehr Personenverkehr Gepäckverkehr Beförderung begleiteter Motorfahrzeuge . . . . . . . .

Güterverkehr Wagenladungsverkehr .

Stückgutverkehr Post Reise- und Güterverkehr . . .

1966

1967

1968

1969

1970

555,3 526,7 12,5

552,5 524,5 11,5

566,5 542,0 11,3

624,8 599,0 12,3

636,4 609,6 11,7

16,1 764,5 556,0 160,2 48,3

16,5 815,1 597,0 169,5 48,6

i3,:i 836,0 618,6 167,7 49,7

13,5 924,7 683,7 190,2 50,8

15,1 978,4 73,4,2 194,2 50,0

1319,8

1367,6

1402,5

1549,5

1614,8

Der Ertrag aus dem gesamten Reiseverkehr stieg gegenüber dem Vorjahr um 11,6 Millionen oder 1,9 Prozent auf 636,4 Millionen Franken. Die Zunahme ist vorwiegend der erfreulichen Entwicklung des internationalen Personenverkehrs sowie des schweizerischen Gruppenreiseverkehrs zu verdanken.

Auch bei der Beförderung von begleiteten Motorfahrzeugen durch die Alpentunnel hat sich - nach einem empfindlichen Rückgang im Jahre11968 (Eröffnung des Bemhardin-Strassentunnels) - der 1969 eingetretene Aufschwung weiter verstärkt.

,!

' Die Einnahmen aus dem Güterverkehr sind hauptsächlich als Folge der Verkehrszunahme um 53,7 Millionen oder 5,8 Prozent :auf 978,4 Millionen Franken angestiegen.

.

Auf den 1. Januar 1970 trat sodann die sogenannte Volumentarifierung in Kraft, die als Tarifgrundlage ' neben ; dem Gewicht auch den beanspruchten Laderaum berücksichtigt und pro Kubikmeter ein Mindesttaxgewicht vcn 120 kg vorsieht. Von dieser Tarifierung wurden rund 13 Prozent der Stückgüter betroffen.

.

,

976 II. Baurechnung (in Millionen Franken) Anlagen und Einrichtungen .

Um- und Ausbau von Bahnanlagen Kraftwerke , Werkstätten Verschiedenes Fahrzeuge Unvorhergesehenes

1966 264,2

1957 276,9

1968 265,8

1959 272,6

1970 292,9

219,9 24,3 12,9 7,1 173,7 -

224,2 29,5 13,5 9,7 167,9 -

218,3 20,5 11,3 15,7 165,0 -

226,6 23,3 9,8 12,9 162,1 -

251,8 18,2 10,3 12,6 154,2 -

Bauaufwendungen total

437,9

444,8

430,8

434,7

447,1

Die Bauaufwendungen des Berichtsjahres sind mit 447,1 Millionen Franken um 12,4 Millionen Franken höher als im Vorjahr. Der Aufwand für den Um- und Ausbau von Bahnanlagen (251,8 Mio. Fr.) setzt sich wie folgt zusammen: 142,2 Millionen Franken für den Um- und Ausbau von Bahnhofanlagen und Dienstgebäuden, 26,7 Millionen Franken für den allgemeinen Ausbau von Linien und Anlagen der offenen Strecke, 39,0 Millionen Franken für den Bau von neuen Linien und zweiten Gleisen sowie 43,9 Millionen Franken für die Erneuerung von Gleisen und Weichen. Der Aufwand für Fahrzeuge (154,2 Mio. Fr.) gliedert sich in jenen für Triebfahrzeuge (81,9 Mio. Fr.), Personen- und Gepäckwagen (41,9 Mio. Fr.) und Güterwagen (30,4 Mio.

Fr.).

Im neuen Rangierbahnhof Lausanne-Denges konnten die Bauarbeiten mit Ausnahme der Wagenreparaturwerkstätte abgeschlossen werden (Gesamtaufwand rd. 150 Mio. Fr.); im Rangierbahnhof Muttenz II wurden sie planmässig gefördert.

Als erste Bauetappe für den Schnellgutstammbahnhof Bern-Wylerfeld wurden die Hauptgleise Bern-Zollikofen verschoben. Der Ausbau der Station Killwangen-Spreitenbach zum Abzweigebahnhof (Ausgangspunkt der neuen Heitersberglinie Killwangen-Mellingen / Westzufahrt zum Rangierbahnhof Limmattal) ist in vollem Gang.

Doppelspuren konnten im vergangenen Jahr zwischen St-Leonard und Granges-Lens auf der Simplonlinie sowie zwischen Chur und Zizers in Betrieb genommen werden. Im Berichtsjahr konnten ausserdem 81 Niveauübergänge aufgehoben werden. Die Zahl der Lichtsignale erhöhte sich um 458 auf 12 567.

Bei den Fahrzeugen ist die Bestellung weiterer 50 Hochleistungslokomotiven vom Typ Re 4/4 II sowie von vier Prototyp-Triebwagenzügen (RABDe 8/16) zu erwähnen. Im Berichtsjahr selber wurden 29 Re 4/4 II abgeliefert, ebenso 77 Personenwagen und 34 Gepäckwagen. Bei der schmalspurigen Brünigbahn konnte mit der Ablieferung der letzten neun Personenwagen das Er-

977 neuerimgsprogramm abgeschlossen werden. Auch die Erneuerung des Güterwagenparkes wurde mit der Ablieferung von 474 neuen Güterwagen fortgesetzt.

III. Betriebsrechnung (in Millionen Franken) 1966 1957 1968 1959 1970 Betriebsertrag 1454,9 1513,5 1556,0 1719,4 1794,6 Verkehrsertrag 1319,8 1367,6 1402,5 1549,5 1614,8 Reiseverkehr 556,6 552,5 566,5 624,8 636,4 Güterverkehr 763,2 924,7 815,1 836,0 978,4 135,1 Nebenertrag 15,3,5 169,9 179,8 145,9 Betriebsaufwand Personalaufwand 1J . .

Sachaufwand Unvorhergesehenes . .

Betriebsüberschuss

1175,9 1175,9 841,1 334,8 -

1200,5 863,6 336,9 20,0

1249,0 899,5 349,5 -

1352,4 965,9 386,5 -

1436,6 1033,3 403,3 -

279,0

313,0

307,0

367,0

358,0

Da im Berichtsjahr der Betriebsaufwand ( + 84,2 Mio. Fr. oder 6,2 %) stärker angestiegen ist als der Betriebsertrag ( + 75,2 Mio. Fr. oder 4,4 %), resultiert ein um 9 Millionen Franken niedrigerer Betriebsüberschuss von 358 Millionen Franken. Das Ansteigen des Betriebsaufwandes war vor allem durch höhere Personalkosten ( + 67,3 Mio. Fr.) bedingt.

Personalbestand (im Jahresdurchschnitt) Verwaltung und Leitung . . .

Stationsdienst Zugförderung Zugbegleitung Bewachung und Offenhaltung der Bahn Unterhalt der Anlagen und Einrichtungen Unterhalt des Rollmaterials .

Kraft- und Unterwerke . . . .

Übrige, inkl. Schiffsdienst auf dem Bodensee

1966

1967

1968

1969

1970

3204 20159 4587 3312

3257 19830 4570 3258

3319 19634 4589 3 175

3423 19747 4574 3111

3458 19829 4551 3055

l 276

l 129

1346

l 224

l 232

4527 3972 225 1296

4515 3929 228 1 302

4230 3840 224 1332

4170 3811 225 1366

4200 3757 229 1219 1

Total

42 558

42 018

41 689

41 651

41 530

Der Personalbestand betrug im Jahresdurchschnitt 41 530 Bedienstete und war damit um 121 Personen niedriger als im Vorjahr. Während die seit 1965 anhaltende Verminderung des Personalbestandes anfänglich weitgehend als erfreuliches Ergebnis verschiedener Rationalisierungsmassnahmen gewertet wer1

) Ohne Aufwendungen, die in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen sind.

978 den konnte, wurde der Personalbestand ab 1968 mehr und mehr von den zunehmenden Rekrutierungsschwierigkeiten beeinflusst. Eine in diesem Ausmass noch nie festgestellte Austrittswelle trug dazu bei, den Personalbestand weiter absinken zu lassen. Die prekären Personalverhältnisse zwangen ab Oktober 1970 zur Schliessung des Rangierbahnhofes Basel SBB an Sonntagen; im Rangierbahnhof Zürich musste der Pikettdienst an Sonntagen ebenfalls aufgehoben werden. Auch in anderen Dienstzweigen im Bereich grosser Städte gibt der Personalbestand zu Besorgnis Anlass.

IV. Gewinn- und Verlustrechnung (in Millionen Franken) Ertrag Betriebsüberschuss Im Betriebsaufwand enthaltene Abschreibungen und Zinsen Übrige Erträge

1966

1967

1968

1969

1970

321,7 279,0

366,6 313,0

352,9 307,0

415,3 367,0

416,0 358,0

30,2 12,5

31,8 21,8

32,4 13,5

33,8 14,5

35,7 22,3

Aufwand Abschreibungen vom Anlagevermögen Kapitalkosten Ergänzungsbeiträge an PHK und TZ an Rentner Zuweisung Rücklage Schiene/ Strasse Übriger Aufwand

329,3

365,5

368,5

414,4

412,3

187,2 78,9

195,6 92,6

205,5 98,3

211,5 108,1

214,2 118,8

59,7

64,4

61,8

70,9

75,6

3,5

10,0 2,9

2,9

20,0 3,9

3,7

0,9

3,7

Reingewinn des Jahres Fehlbetrag des Jahres .

1,1 7,6

15,6

Unter Berücksichtigung der 1969 erfolgten Zuweisung von 20 Millionen Franken an die Rücklage zur Verbesserung der Verkehrsanlagen Schiene / Strasse ergibt sich im Berichtsjahr eine Verschlechterung des Jahresergebnisses um 17,2 Millionen Franken. Statt des vorjährigen Ertragsüberschusses von 20,9 Millionen Franken resultiert somit für 1970 nur noch ein solcher von 3,7 Millionen Franken.

Die um 2,8 Millionen Franken höheren Abschreibungen vom Anlagevermögen setzen sich aus den Abschreibungen von den Anlagen, Einrichtungen und Fahrzeugen einerseits sowie von Restbuchwerten, vorsorglich erworbenen Grundstücken und Beteiligungen anderseits zusammen. Der gewogene Abschreibungssatz betrug 3,3 Prozent.

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Die Zunahme der Kapitalkosten ist bedingt durch das Ansteigen des Fremdkapitals. Die Ergänzungsbeiträge an die Pensions- und Hilfskasse (PHK) und die Teuerungszulagen an Rentner stiegen im Berichtsjahr um 4,7 auf 75,6 Millionen Franken.

Beim Ertrag der Gewinn- und Verlustrechnung stellen die im Betriebsaufwand enthaltenen Abschreibungen und Zinsen lediglich einen buchmässigen Ertrag dar. Sie entsprechen den Abschreibungen und Zinsen, die für gewisse Betriebsteile mit Vollkostenrechnung (Werkstätten, Kraftwerke usw.) im Betriebsaufwand ausgewiesen werden. Da die Abschreibungen und Zinsen gesamthaft in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen sind, müssen die im Betriebsaufwand enthaltenen Abschreibungen und Zinsen zum Ausgleich als Ertrag der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht werden.

V. Bilanz (in Millionen Franken) Aktiven Anlagevermögen Betriebsvermögen ÜbrigeAktiven

1966 3606 2987 531 88

1957 3776 3199 498 79

1968 3965 3385 513 67

1959 4211 3571 564 76

1970 4355 3764 476 115

Passiven Eigenkapital Dotationskapital Gesetzliche Reserve und Rücklagen Fremdkapital Rückstellungen Übrige Passiven

3612 999 800

3775 985 800

3980 970 800

4210 962 800

4350 947 800

199 2520 27 66

185 2701 23 66

170 2909 20 81

162 3152 19 77

147 3270 17 116

l

5

Aktivsaldo Passivsaldo

l 6

15

Im Berichtsjahr ist das Anlagevermögen um 193 Millionen auf 3764 Millionen Franken angestiegen. Von dieser Zunahme entfielen 111 Millionen Franken auf Anlagen, Einrichtungen und Fahrzeuge, 78 Millionen Franken auf unvollendete Bauten und 4 Millionen Franken auf vorsorglich erworbene Grundstücke und Beteiligungen. Das Betriebsvermögen reduzierte sich hauptsächlich als Folge zurückgegangener Bankguthaben um 88 Millionen auf 476 Millionen Franken.

Die «übrigen Aktiven» sind infolge ausstehender Verkehrsabrechnungen um 39 Millionen Franken angestiegen.

Bei den Passiven blieben Dotationskapital und gesetzliche Reserve (99 Mio.

Fr.) unverändert. Die Rücklage zur Verbesserung von Verkehrsanlagen Schiene / Strasse verminderte sich durch zugesicherte Beiträge an die Aufhebung von Niveauübergängen auf 10 Millionen Franken. Das Fremdkapital ist um 118 Mil-

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lionen auf 3270 Millionen Franken angestiegen. Der Anstieg ist im wesentlichen durch die Umwandlung von 100 Millionen Franken Kontokorrentguthaben der Pensions- und Hilfskasse in langfristige Depotscheine bedingt. Die um 39 Millionen Franken höheren «übrigen Passiven» enthalten als bedeutendste Posten die Schuldsaldi aus den noch nicht erledigten Verkehrsabrechnungen.

Somit stehen bilanzmässig ausgewiesene Aktiven in der Höhe von 4354,8 Millionen Franken Passiven im Betrage von 4350,2 Millionen Franken gegenüber. Die Differenz von 4,6 Millionen Franken bildet der Aktivsaldo, der gemäss Antrag auf neue Rechnung vorzutragen wäre.

VI. Schlussbemerkungen und Antrag Die meisten westlichen Staatsbahnen sind schon seit längerer Zeit defizitär; die finanzielle Lage der Bundesbahnen ist erst vor kurzem unstabil geworden.

Dank Rationalisierungen ist es gelungen, den Einfluss der Kosteninflation abzuschwächen und die Produktivität zu erhöhen. In den letzten Jahren haben jedoch die Kostensteigerungen die Einsparungen aus Rationalisierungen und die Mehreinnahmen aus Verkehrszuwachs und Tariferhöhungen überkompensiert. Die Rechnung 1970 schliesst zwar noch mit einem bescheidenen Reingewinn von 3,7 Millionen Franken ab, doch können weder die gesetzliche Reserve dotiert noch das Dotationskapital verzinst werden.

Im Voranschlag für das Jahr 1971 wird ohne Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen ein Fehlbetrag von 45,8 Millionen Franken erwartet.

Nach Berücksichtigung der mit Bundesbeschluss vom 11. März 1971 bewilligten jährlichen Abgeltung von 100 Millionen Franken ergäbe sich anstelle eines Fehlbetrages ein Reingewinn von 54,2 Millionen Franken.

Die Auffassung, dank der Abgeltung seien in den nächsten Jahren gute Abschlüsse der Bundesbahnen zu erwarten, bestätigt sich leider auf Grund der neusten Entwicklung nicht. Trotz der erfreulichen Verkehrszunahme verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Es bestehen Anzeichen dafür, dass diese Entwicklung sich noch verstärken wird. Auf Grund der im Jahre 1971 zu erwartenden ausserordentlichen Zunahme des Personalaufwandes wird trotz Abgeltung mit einem Fehlbetrag gerechnet werden müssen. Für die Jahre 1972 und 1973 zeichnet sich ein noch ungünstigeres Bild ab. Um weiterhin eine ausgeglichene Rechnung erzielen zu können, ist daher eine allgemeine Tariferhöhung unumgänglich, da die Abgeltung nie als Ersatz dafür gedacht war. Sie ermöglicht eine markt- und kostengerechtere Tarifierung, indem die Ausfälle bei den Sozialtarifen nicht mehr so ausgeprägt durch eine Überhöhung der kommerziellen Tarife kompensiert werden müssen. Allgemeine Kostensteigerungen müssen nach wie vor durch Tariferhöhungen aufgefangen werden.

Noch prekärer ist die Lage bei den meisten konzessionierten Bahnen des allgemeinenVerkehrs, derenVerkehrsdichte schwacher ist. 44 Unternehmungen wiesen 1969 zusammen einen Überschuss des Betriebsaufwandes von 33,4 Millionen Franken auf. Für das laufende Jahr ist mit einer weiteren Verschlechterung zu rechnen.

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Aus der Entwicklung des Personalbestandes der Bundesbahnen geht der Erfolg der Rationalisierungsbestrebungen hervor. Von 1965 bis 1970 konnte der Bestand um 1704 Bedienstete gesenkt werden. Im gleichen Zeitraum stiegen die Verkehrsleistungen um 3,3 Prozent im Personen- und um 27 Prozent im Güterverkehr. Ausserdem wurde die wöchentliche Arbeitszeit von 46 auf 44 Stunden gesenkt. In jüngster Zeit ist der Personalrückgang jedoch vor allem auf Rekrutierungsschwierigkeiten zurückzuführen, die es verhindern, alle Abgänge zu ersetzen. Vor allem die Rangierzentren Zürich und Basel weisen einen personellen Unterbestand auf, der die gesetzlich verankerten Verpflichtungen, insbesondere die Betriebs- und Beförderungspflicht ernsthaft in Frage stellt.

Als vordringliche Aufgabe stellt sich den Bundesbahnen die Erhaltung der Vorrangstellung im internationalen Transitverkehr, der einen sämtliche Prognosen übersteigenden Umfang angenommen hat. Die im Transitverkehr erzielten Ertragsüberschüsse ermöglichen den Bundesbahnen unter anderem günstigere Wagenladungstarife und sind ein gewichtiger Aktivposten der schweizerischen Zahlungsbilanz. Wenn es nicht gelingt, die vorhandenen Transitlinien Gotthard und Lötschberg-Simplon rasch auszubauen, besteht die Gefahr, dass die Schweiz umfahren werden könnte. In der nächsten Phase des Ausbaus unserer Alpentransversalen soll daher nach den Empfehlungen der Kommission «Eisenbahntunnel durch die Alpen» ein Gotthard-Basistunnel (Amsteg-Giornico) gebaut werden. Mit dem durchgehenden Ausbau der Lötschberglinie auf Doppelspur und der Beseitigung der noch bestehenden Doppelspurlücken im Rhonetal kann eine weitere Leistungssteigerung erreicht werden. Angesichts der Tatsache, dass bis zur Fertigstellung eines Basistunnels rund fünfzehn Jahre verstreichen werden, sind Entscheide dringlich.

Der Leitung und dem gesamten Personal der Bundesbahnen gebührt Dank für die geleisteten Dienste.

Gestützt auf Artikel 8 des Bundesbahngesetzes beantragen wir Ihnen, die Jahresrechnung und Bilanz 1970 sowie die Geschäftsführung der Schweizerischen Bundesbahnen laut beiliegendem Beschlussesentwurf zu genehmigen und den Aktivsaldo der Gewinn- und Verlustrechnung von 4 600 241 Franken auf neue Rechnung vorzutragen.

Die Verfassungsmässigkeit des Bundesbeschlusses beruht auf Artikel 7 Buchstabe c des Bundesgesetzes vom 23. Juni 1944 über die Schweizerischen Bundesbahnen.

Wir benützen den Anlass, Sie, Herr Präsident, hochgeehrte Herren, unserer vollkommenen Hochachtung zu versichern.

Bern, den 12. Mai 1971 Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident : Gnägi Der Bundeskanzler: Huber

982

(Entwurf)

Bundesbeschluss über die Genehmigung der Rechnungen und des Geschäftsberichtes der Schweizerischen Bundesbahnen für das Jahr 1970 Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht in den Geschäftsbericht und die Rechnungen der Schweizerischen Bundesbahnen für das Jahr 1970, in den Bericht und Antrag des Verwaltungsrates vom 27. April 1971 an den Bundesrat und in eine Botschaft des Bundesrates vom 12. Mai 197l1', beschliesst:

Art. l Die Jahresrechnung 1970 und die Bilanz per 31. Dezember 1970 der Schweizerischen Bundesbahnen werden genehmigt.

Art. 2 Der Geschäftsbericht der Schweizerischen Bundesbahnen für das Jahr 1970 wird genehmigt.

Art. 3 Der Aktivsaldo von 4 600 241 Franken wird auf neue Rechnung vorgetra-

gen.

1802

V BEI 1971 I 974

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Genehmigung der Rechnungen und des Geschäftsberichtes der Schweizerischen Bundesbahnen für das Jahr 1970 (Vom 12. Mai 1971)

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Jahr

1971

Année Anno Band

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Volume Volume Heft

22

Cahier Numero Geschäftsnummer

10863

Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

04.06.1971

Date Data Seite

974-982

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10 045 052

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