ST

Schweizerisches

Bundesblatt ro N . 24.

Mittwoch, den 9. Mai 1849.

Man abonnirt ausschließlich beim nächstgelegenen Postamt. Preis für das Jahr 1849 im ganzen Umfange der Schweiz p o r t o f r e i Frfn. 3.

Jnserate sind frankirt an die Expedition einzusenden. Gebühr l Batzen per Zeile oder deren .Kaum.

Verhandlungen des Bundesrathes.

Botschaft de..

schweizerischeST n

.Bundesrathes an die l). Bundes-

versammlung, die Reorganisation des Militärgesetzes betreffend.

(Fortsetzung.)

Die Versuche selbst lieferten folgende Resultate: Zuerst wurden zwei Raketen unter einer Elevation von 27° abgeschossen. Die Raketen gingen ans ungefähr 3600 Schritte, wovon die eine wieder gefunden und zurückgebracht wurde.

Eine Rakete unter 20 ° bohrte sich auf 1900 Schritte in den Boden. Unter 15 ° machte eine Rakete ihren ersten

-Aufschlag auf 1200 Schritte, den zweiten auf 2200 Schritte, im Wiederaufsteigen sprang die Granate.

Bunbesblatt I.

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492 Unter 10° wurdendrei Raketen abgefeuert. Die erste machte einen Aufschlag auf 500 Schritte und bewegte sich dann in flachen Sprüngen weiter bis auf 2200 Schritte, wo sie gefunden wurde. Die zweite schlug schon bei 30 Schritten auf, machte noch einen kurzen Sprung und bohrte

sich bei fünfzig Schritten in den Boden, woselbst die Granate sprang. Die Unregelmäßigkeit dieses Schusses hatte ihren Grund einzig in der etwas schwankenden Aufstellung des provisorischen Gestelles. Der dritte Schuß unter 10° schlug bei ungefähr 500 Schritten auf und ging in mehreren Sprüngen weiter. Die Rakete konnte nicht mehr ausgefunden werden.

Zuletzt wurde noch eine Rakete unter 5 ° (im Rollschuß) abgefeuert; sie schlug bei 60 Schritten auf und bewegte sich hierauf in langen flachen Sprüngen, welche nie höher als 6 Fuß über dem Boden waren, weiter bis zu ungefähr

1500 Schritten.

Die Seitenabweichungen waren äußerst gering. Die größte Abweichung betrug 49 Schritte auf die Distanz von 1900 Schritten, und zwar bei einer Rakete, welche schon bei 500 Schritten aufgeschlagen, auf höchst ungünstigem Terrain (im Sumpfe) fortrikoschirte und ein kleines Gehölj .passirt hatte.

Bei größerer Stabilität und überhaupt zweckmäßigerer Einrichtung des Gestelles wäre die Sicherheit des Treffens .gewiß erstaunenswerth gewesen.

Die Brennzeit einer Rakete von dem Augenblick ihrer .Entzündung bis zum Moment des Zerspringens der Granate betrug 13 Sekunden.

Die größte erreichbare Schußweite soll nach Herrn Hale..?

Angabe unter 55° stattfinden und 5000 Schritte betragen.

Wir weisen weniger daranf hin, wie vortheilhaft die -îriegsraketen im Felde verwendet werden könnten und wie

..403

fofinfchbar deren Einführung bei der eidgenössischen Armee Wäre, weil diefes auö obiger .Darstellung hinlänglich erhellt.

Allein darauf glauben wir aufmerkfam machen zu sollen, daß die Versuche so weit gediehen sind, daß ihre Einführung bei unferem Heere unbedenklich dekretirt werden darf. Zu diefem Ende schlagen wir. die Errichtung von Raketenkorps zu je 55 Manu niit 8 Gestellen vor.

Die Raketengestelle sind leicht gebaut, und können von zwei Mann überall hingetragen werden. Schon dieser Umstand läßt es zu, einer Batterie 8 Gestelle beizugeben.

Wenn angenommen wird, daß eine Rakete 9 Pfund wiegt, und auf ein Gestell 80 Raketen kommen, fo wiegen die

.Raketen auf zwei Gestelle 1440 Pfund. Diefes Gewicht erfordert auf je zwei Gestelle einen Kaisson und überdieß zur ganzen Batterie einen Rüstwagen. Zur Bedienung eines Gestells sind drei Mann erforderlich, einer zum .Richten, einer zum Zutragen, und einer zum Losbrennen der Raketen. Der Bestand der Mannschast und der Pferde einer Batterie wird folgender sein : 1 Hauptmann, 1 Lieutenant,

1 Feldweibel, 2 Wachtmeister, 2 Korporale, 1 Trainkorporal, 4 Kanoniergefreite (zu den Kaissons),

1 Hufschmied,

;

:

1 Sattler, 1 Trompeter, 26 Kanoniere, 14 Trainsoldaten.

55 Mann.

494 Pferde: Hauptmann 1 . Lieutenant l Feldweibel . l Trainkorporal l Trompeter l Zugpferde 20 Pferde "257

Besondere Aufmerksamkeit glaubten wir der Kavallerie zuwenden zu sollen. Es läßt sich nicht verkennen, dag

ihre geringe Zahl bisher nicht wenig dazu beitrug, sie

auf eine ungewöhnliche, ihrer Natur nicht entfprechende Art zu gebrauchen. Um es zu ermöglichen, unsere Kavallerie in Zukunft mehr ihrer Bestimmung gemäß in größern Massen zu verwenden und ihre Zersplitterung soviel thunlich zu vermeiden, hielten wir die Errichtung eines neuen, wenn auch nicht zahlreichen Kavalleriekorps sur zweckniäßig -- die Guiden. Außer dem bereits angegebenen waren aber auch noe.) andere Gründe, die uns zu diesem Vorschlage bewogen. Jm Sonderbundsseldzuge waren nämlich zwei Lücken hauptsächlich gefühlt worden, einerseits der gänzliche Mangel an znverläßigen berittenen Führern, anderseits der Abgang berittener Korps in den Divisionen, die mit der allgemeinen Polizei hätten betraut werden können. Beide Lücken sollen durch die Guiden ergänzt werden. Slußer dem Ordonnanzdienst haben sie also wesentlich den Dienst von berittenen- Führern und den Dienst der Maréchaussée zu versehen und namentlich ein wachsames Auge auf die Plünderer, Marodeurs und Traineurs 3u richten. Jhre Kleidung, Equipirung und Ausrüstung

ist ganz dieselbe, wie die der übrigen Kavallerie. Dagegen erhält jeder Guide einen Grad, »om Gefreiten aufwärts

495 Bis zum Oberlieutenant. Es ist dieses unerläßlich, wenn ihr Dienst »on Nutzen und wirksam sein soll; nur von Einem, der einen Grad bekleidet, kann der Soldat gültig zu 9ïecht gewiesen und nöthigen Falls verhaftet werden.

Wenn wir nun auch den Vorschlag machen, acht Guidenkompagnien zu je 30 Mann zu errichten, so glauben wir trotz dieser Zahl auf keine Schwierigkeiten zu stoßen.

Mehrere Kantone, die weder Artillerie noch Kavallerie zum .Bundesheere stellen, haben einen Pferdestand, der ihnen die Errichtung einer solchen Kompagnie nicht schwer satten läßt, und überdieß kann noch mancher Kavallerie oder Slrtillerie stellende Kanton mit der Errichtung eines solchen Korps betraut werden, ohne daß er dadurch unverhältnißmäßig belastet wäre. : Eine weitere Vermehrung der Kavallerie, als daß die bisherigen 231/2 Kompagnien reitender Jäger auf 24 Kompagnien Dragoner gebracht werden sollen, wird für den Augenblick nicht Beantragt. Der Benennung "Dragoner"' geben wir gegenüber der bisherigen "reitender Jäger" den Vorzug, weil diese Gattung Kavallerie vermöge unseres Pserdeschlags allerdings zwischen leichter und schwerer Kavallerie die Mitte hält und auch in andertt.

Staaten diesen Namen trägt. Dieselbe ist überdieß po.pnlär; noch, jetzt wird der Kavallerist an vielen Orten -oom Volke "Dragoner" genannt; auch hat' diese Benennung noch den Vortheil, daß sie in allen drei Sprachen unseres Landes gleich lautet, Dragoner.,, Dragon, Dra-.

gone. ' · Sluch die Jnfanterie ljat einige Aenderungen erlitten, deren Grund ebenfalls in der Erfahrung der letzten Jahre und namentlich des ©onderbundsfeldzuges zu suchen ist.

Was nun vorerst das Korps der Scharfschützen a«.fcelangt, so ist man durchgangig einverstanden, daß dasselbe

496., einer ÜResornt, wenn nicht in Bestand und Bildung, doa)>; in Bewaffnung und Ausrüstung dringend bedürfe. Auch die Jnstruktion dürfte eine gleichmäßigere und der Natur der Scharffchützen mehr entsprechende sein. Jndessen Daher Wir uns hier mit dieser, als befondern Verfügungen angehörend, nicht zu befassen; bezüglich auf erstere wirb bemerkt, daß vielfältige Versuche angestellt worden, deren Zweck Verbesserungen:in der Bewaffnung und Ausrüstung' waren. Die ..Resultate sind erfreulich, wenn sie auch noch nicht zu einem Endergebniß geführt haben. Wir werden dieser Seite des Scharfschützenwesens übrigens unsere angelegentliche Aufmerksamkeit angedeihen lassen und die als?

nothwendig erkannten Verbesserungen vollständig zu erzielen.

suchen. Jmmerhin wäre eine bedeutende Vermehrung dieses: wichtigen Korps sehr erwünscht. Jndessen sehen wir m$ nicht im Falle, hierüber schon jetzt Anträge zu stellen. Es möge dieses der Gegenstand einer besonderen Botschaft sein.

Ein großer Uebelstand war bisanhin die ungleiche Mannfchaftszahl der Jäger- und Linienkompagnien der Jnfanterie. Es entstund daraus eine beträchtliche Ungleichheit der Stärke der einzelnen Bataillone und dadurch größere Schwierigkeiten beim Manövriren, Komplikationen in der Verwaltung und bei der Anordnung der Befehle. Hier

that Abhülfe dringend Noth. Darum haben wir die Stärke

eines Bataillons auf 723 Mann festgefetzt ; jede der beiden Jägerkompagnien soll ans 118, jede der vier Lirnenkompag-.

nien aus 117 Mann bestehen; bringt mit Einschluß von: 19 Mann der Bataillonsstäbe 723 Mann, am Allgemeinen; durste diese Zahl etwas hoch, den 'Ueberblick,' das Korninando des Ehefs des Bataillon...:, und die Beweglichkeit' .bedeutend erschwerend erscheinen; jedenfalls ist eine Ver-; Orößerung der Mannfchaftszahl der Bataillone aus 800 Mann, wie sie »on gewisser Seite angestrebt wurde, gewißj

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unzuläßig. Uns scheint aber, die obbezeichneten Einwerfdungen verlieren in praxi viel von ihrem Gewichte. Viele ...Serumstcindungen vereinigen sich im Felde, um die Stärke der Bataillone, und zwar in kurzer Zeit, bedeutend zu reduziren, so Detafchirungen aller Art, Spitalgänger, Gefallene.«, s. w. Jm Hinblick auf diese Thatsache hätten wir Bedenken tragen müssen, die Gesammtzahl unter 700 Mann herabzusetzen, weil wir'die Gefahr vorausgesehen haben, Bataillone zu erhalten, die vermöge ihrer geringen Stärke dem ihnen vorgesteckten Zwecke nicht mehr entsprechen könnten.

. Jrn Allgemeinen haben wir zu wenig Jäger. Während bei mehrern Armeen des Auslandes das dritte Glied eine..?

Jnsanteriebataillons aus Jägern besteht und sie überdieß noch besondere, zahlreiche Jägerkorps besitzen, bestehen unsere Jäger dermal nur in einem Drittel der Linieninfanterie. Dazu kommt noch, daß es in einem Lande, wie das unsrige, das vermöge.des vielfach durchschnittenen Terrains so ganz für den Kampf in aufgelöster Ordnung

geeignet ist, von der höchsten Wichtigkeit ist, viele, tüchtig gebildete Jägerkorps zu haben. Darum unser Vorschlag, die Jäger durch besondere Jägerbataillone zu vermehren.

Diefe sind von denjenigen Kantonen zu stellen, deren Kontingent 500 Mann nicht übersteigt, und von denjenigen, welche nach der Formation der Bataillone zu 723 Mann noa) Bruchtheile bis auf 500 Mann aufzuweisen .haben. Auf diefe Weife hoffen wir fechs bis acht Jäger...-ataillone zu erhalten, was ermöglichen würde, jeder Wä Feld rückenden Division ein folches znzntheilen. Mit welchem Erfolge derartige, ihrem Zweck entsprechend gebildete Jägerforps zum Avantgarde- und ..Borpostendienst verwendet werden könnten, liegt auf der Hand. Diese Erfolge würden noch erhöht, indem mau solch ein Korps einem Ofsizier des

498 eidgenöfsifchen Stabes, der besonders hiezu kommandirt Würde, unterstellen könnte.

Statt des Ouartiermeisters wird jedem Bataillon ein Kriegskommissär mit Hauptmannsrang beigegeben. Es

geschieht dieß deßhalb,. um Komptable außer dem Ossizierskorps anstellen und wesentliche Aendernngen in diesem Zweig der Verwaltung einführen zu können.

Ueber den Bestand der Bundesarmee (§. 8) konnte Nichts bestimmtes festgestellt werden, so wenig als dieß

hinsichtlich der Vertheilung der Spezialwaffen auf die verschiedenen Kantone der Fall ist. Beides hängt von der Gefammtzahl der auszuhebenden drei Mann auf 100 Seelen schweizerischer Bevölkerung ab, die erst nach erfolgter allgemeiner Volkszählung ausgemittelt werden kann. Es muß diefer Gegenstand daher einer befondern Botschaft und einem besondern Gesetze vorbehalten bleiben. Jnzwischen ist der Bestand des Bundesheeres und der Leistungen der Kantone an Waffen aller Art unverändert (§. 10).

An die Eintheilung der Armee in verschiedene Waffen reiht sich diejenige in verschiedene Korps. Es ist in dieser Rücksicht keine Aenderung eingetreten, als daß außer der Eintheilung der Armee in -.Brigaden und ...Divisionen auch eine solche in Armeekorps stattfinden kann. Der letzte Feldzug lieferte nämlich den Beweis, daß in unserm .mannigfach eoupirten Terrain Divisionen bis auf 20,000 Mann schwer zu bewegen und äußerst schwierig zu leiten und zu überwachen sind. Darum ist schon der abgetretene Kriegsrath zu der Ansicht gekommen, es dürfte im Jnteresse

des Dienstes und der Truppenführung liegen, die Stärke der Divisionen nicht über 8--10,000 Mann ansteigen zu lassen, dagegen aber, wo bedeutendere Streitkräfte ihre Thätigkeit entwickeln sollen, besondere Armeekorps zu

.bilden.

499 Nicht unwesentliche Veränderungen treffen auch den

Bestand und die Eintheilung des eidgenössischen Stabes.

Jm Allgemeinen wurde die Zahl der Offiziere bei jeder Abtheilung um etwas erhöht, jedoch nicht in dem Verhältniß der Vermehrung der Bundesarmee durch die .Dîeserve. So wünfchenswerth ' eine Vermehrung in demselben Maße auch gewesen wäre, so fanden wir uns dennoch »eranlaßt, davon abgehen zu sollen, indem wir befürchteten, den taktischen Einheiten eine große Zahl tüchtiger Ofsiziere zu entziehen.

Eine neue Schöpfung ist auch der Stab der Kavallerie.

Wir haben ihn eingeführt, weil die Bedeutung dieser Waffe mehr und mehr erkannt wird und der Bund nunmehr die Jnstruktion übernommen hat, folglich eine Ueberwachnng der speziellen Jnteressen derselben um so notwendiger wird. Dagegen haben wir die Grade des ersten und zweiten Unterlieutenants des General- und Kavalleriestab....'

fallen lassen, weil die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß sie vermöge ihres niedern Grades nicht geeignet sind, wesentliche Dienste-zu leisten, wohl aber dadurch den taktifchen ·Einheiten vorzeitig entzogen und fo in ihrer praktischen ·Ausbildung verkümmert werden. Freilich wird daraus die Schwierigkeit entspringen, die erforderliche Anzahl Subal* .ternofsiziere des eidgenöfsifchen General- und Kavalleriesta'bs zu gewinnen, weil ein Snbalternofsizier, wenn er einmal in einer taktischen Einheit eingetheilt, uniformirt, bewaffnet und derselben gemäß ausgerüstet ist, schwerlich im Grade »on Oberlieutenant oder Hauptmann in den eidgenössischen Stab treten, sondern zuwarten wird, bis dieses in einem höhern Grade geschehen kann. Um indessen dieses Hinderniß zu beseitigen, hielten wir für angemessen, folchen Ofsizieren, die in dem Grade von Hauptleuten oder Oberlieutenantö

500

eintreten, die im §. 40, LUI. e ausgesetzten Entsdjädigungen zu verabreichen.

Eine weitere Vermehrung des eidgenossischen Stabes .hat auch bei den Nichtkombattanten stattgefunden. Die Zahl der Justizbeamten der Kriegsgerichte und des subalternen ©rades war offenbar viel zu klein, was der schleppende Gang der Justizpflege im Sonderbundsfeldzuge zur Genüge dargethan hat. Der Stab der höhern Beamten ward deßhalb um so viel vermehrt, daß jeder Division ein Gericht, und derjenige der Subalternen um so viel, daß jeder Brigade ein Auditor beigegeben wurde. Wir hoffen dadurch nicht nur die Jnteresseu der Militärjustiz wesentlich zu fördern, sondern überdieß auch eine nicht unbeträchtliche Kostenersparniß zu erzielen.

Hinwieder werden die Ambülancenärzte in den eidgenössischen Medizinalstab aufgenommen. Diese Beamten stehen so ganz und gar ausschließlich unter der speziellen

Aufsicht und Leitung des eidgenössischen Oberfeldarztes, daß es unerläßlich ist, dieselben direkt der eidgenössischen Oberleitung im Militärmedizinalwesen zu unterordnen und dadurch gleichzeitig auch den Zweck zu erreichen, eine ge.hörige Auswahl für diefe so wichtigen Beamtnngen treffen zu können.

Der Rubrik: ,,Formation und Eintheilung der Armee" folgt jene über Ernennung, Beförderung und Entlassung der Offiziere und Unteroffiziere. Die Regnlirung diefer Verhältnisse wird unter Vorbehalt festzufetzender reglementarifcher Bestimmungen über die Tüchtigkeit der Betreffenden, soweit es.die taktifchen Einheiten betrifft, vollständig den Kantonen überlassen. Jn Kriegszeiten aber übt da* Siecht der Ernennung und Beförderung von Offizieren in den taktifchen Einheiten der Oberbefehlshaber. Die Gründe Ciefür sind einleuchtend. (Steht die Armee im Feld, so

501; .mïlssen die allfälligen Lücken "ohne Verzug durch tüchtige.'

Leute ersetzt werden. Hiezu eignet sich der Oberbefehls., paber, der mittelbar oder unmittelbar die Fähigkeiten seiner: Untergebenen fceurtheilen kann, besser, alò eine Kanton.-regierung, die keine Wahrnehmungen bezüglich der Thätig-« feit und der Kenntnisse der Einzelnen machen kann und .oon der Armee entfernt ist.

Die Ernennung und Beförderung der Offiziere und Unteroffiziere im eidgenöfsischen Stabe steht »ermöge der Bundesverfassung dem Bundesrathe zu. -- Der Eintritt in den eidgenöfsischen Stab ist an ziemlich erschwerende Bedingungen geknüpft. Es sind dieses wesentlich die nämlichen, die auch die bisher in Kraft feestandene Vorschrift enthielt. Es wird aber künftig vor: Allein auch auf eine vor der Aufnahme genossene theoretische Bildung in der Kriegswissenschaft geachtet werden.

Auch fanden wir angemessen, ein Alter für den Eintritt' sestzufetzen, da.5 wenigstens demjenigen gleichkömmt, das sür die Aufnahme des Rekruten in den Auszug gefordert wird. Allzu junge Leute besitzen selten die zu ihren Ver-

richtungen als Ossiziere des Stabs nöthige Energie, Takt und die auf praktische Kenntniß basirte Zuversicht.

Wenn aber der Eintritt in den eidgenössischen Stafc nicht eben leicht gemacht ist, so ist die Beförderung der einmal Aufgenommenen mit keinen großen Schwierigkeiten verbunden. Die Subalternen rücken nämlid) bis zum Hauptmannsgrad nach dem Dienstalter vorwärts; in den höhern Graden geschehen die Beförderungen in freier Wahl aus den unmittelbar vorhergehenden Graden.

Der eidgenöfsifche Stai) ist die Seele unserer Armee.

Wen« wir daher, der Formation desselben alle Aufmerksamkeit widmen, wenn wir den Eintritt erschweren, und init aller unserer Kraft dahin streben,, daß den Offizieren

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etnìe vvefentliche Bildung, die praktische, nicht aogehe, so jnuß uns auch daran gelegen sein/ dieselben dem ...üienste ju; erhalten. Deßhall) fanden wir uns veranlaßt, entgegen den bisherigen Bestimmungen den Austritt zu erschweren.

Hat die Eidgenossenschaft einmal einen Offizier, nicht ohne bedeutende Kosten, herangebildet, so soll ihm nur bei sehr erheblichen Motiven gestattet werden, vor der Zeit um seine Entlassung einzukommen. Aus diesen .Gründen »er.pflichtet §. 17 die Offiziere höhern Ranges bis zum fünfzigsten/die Subalternen aber bis zum fünfundvierzigsten Altersjahre, Waffendienste zu leisten, und nur dann findet, hieven eine Ausnahme statt, wenn ein Offizier erwiefener Maßen die mit seiner Stelle verbundenen Obliegenheiten nicht mehr erfüllen kann.

Die Lut. c des n. slbfchnitts befchlägt die Bewaff-

nung und Ausrüstung und zwar zunächst, unter Ziffer 1, die individuelle. -- Diese Rubrik bringt wenige Aenderungen.. Dem Kavalleristen wird statt zweier Pistolen in Zu-' kunft nur eine verabfolgt. Diefe Waffe dient hauptfächlich dazu, Signale zu geben, und zu diesem.Zwecke reicht eine Pistole vollständig aus. Dadurch wird noch · eine nicht unwesentliche Erleichterung; des Pferdes erzielt, sowie eine Erfparniß für die Kantone. Die meisten Armeen des ..Auslandes sind uns übrigens hierin bereits vorangegangen.

Für die Jäger war der Säbel bisanhin obligatorifch

.....orgeschrieben, bei der Linieninfanterie geduldet. Nach unserm Dafürhalten leistet diese Waffe der Jnfanterie wenig oder gar feinen Dienst. Eine Flinte mit gutem Bajonet ist bei zweckmäßigem Gebrauche eine vorzügliche Stoßwaffe, die einem Säbel weit vorzuziehen ist. Mit letzterem wird der Jnsanterist nur aus eine durchaus ersolglose Weise belästigt und der Staat zu sehr unnützen Ausga....... »eranlaßt. Jenes gilt aber noch insbesondere

503 für den Jäger. Möglichste Beweglichkeit ist die erste der »on ihm geforderten Eigenschaften; er soll die meisten Manövers im Laufschritt ausführen, über Gräben und Hecken setzen, Felsen erklimmen und durch Gebüfche dringeu können. Sln allen diesen Verrichtungen hindert ihn der Säbel sehr bedeutend, ja Bringt ihn ïieim Springen nicht selten zu Falle. Aus diesen Gründen hätten wir den Säbel gerne beseitigt. Es jcheint aber, der Jnfanterist und vorzugsweise der Jäger, habe für denselben eine besondere eingewurzelte Vorliebe, weil er ihn als eine Art Auszeichnung betrachtet. Aus diesen Gründen haben wir den Kantonen anheimgestellt, die Jäger und die Linie der Jnfanterie nach ihrem Ermessen mit dem Säbel zu bewaffnen oder nicht.

' Noch bleibt uns zu bemerken übrig, daß wir die Verbessernngen, die in verschiedenen Ländern in der Konfektion der Feuerwaffen angestrebt werden, nicht aus dem Auge verlieren. Alle diefe Verbesserungen aber sind noch, nicht zu einem Refultate gediehen, daß wir uns fchon jetzt veranlaßt sehen könnten, Aenderungen zu empfehlen. Es muß diefes vielmehr, wie manches Andere, das auf die Bewaffnung Bezug .hat, als Gegenstand einer fpätern Botfchaft bezeichnet werden.

Eine wefentliche Abweichung von der bisherigen Ordonnanz besteht im Lederzeug. Mit Ausnahme der Scharfschützen trug bis jetzt die gefammte eidgenössische Armee weißes Lederzeug. Der Gebrauch desselben hat wesentliche Uebelstände herausgestellt. Der Unterhalt erfordert viel Zeit und Geld, und die Erdtheile, die .von demfelben auf die Uniform fallen, befchmutzen diefe nicht nur, fondern bewirken durch die entstehende Reibung ein vorschnelle..?

Abnutzen der Wolle. Zudem ist es bei den Spezialwaffen äußerst schwer, dasselbe im Dienst auch nur auf kurze Zeit ganz rein zu erhalten. Sobald der Kavallerist oder

504 ·der Trainsoldat mit weißem Lederzeug mit den .Pferden Verkehrt, .der Artillerist Schießübungen, oder das Genie (·Erdarbeiten vornimmt, so wird dasselbe .beschmutzt und .der Soldat sieht ohne sein Verschulden häßlich und un.reinlich aus. Zudem ist die Zubereitung der Pfeifenerde :zum ...anstreichen oft, und vorzüglich im Felde, mit beden.tenden Schwierigkeiten verbunden. Wir haben.uns daher entschlossen, das weiße Lederzeug durch schwarzes _zu ersetzen. Es wird dadurch viel Zeit gewonnen, die höchst zweckmäßig für die Jnstrnktion verwendet werden kann; .es wird damit das bisher für die Weißerhaltung verausgabte Geld größtentheils erspart; denn in Frankreich wer-

.den einer Kompagnie jährlich zehn.Pfund Wichse zu fünf-

zehn Schweizerfranken verabreicht, die vollkommen genügen, das schwarze Lederzeng zu unterhalten. Der Soldat kann serner mehrere Gegenstände der Ausrüstung entbehren, die Bisher seinen Tornister beschwerten und ihn zu Auslagen .veranlaßten. Sein ganzes Bedürfniß an solchen wird «och eine Doppelbürste zum Reinigen und Wichsen aller Gegenstände, und eine einzige Büchse zur Aufbewahrung'der Wichse sein. Es werden auch die Uniformftücke geschont und dieselben weniger der Verunreinigung und Abnutzung ausgesetzt. Dem Feinde gegenüber hat es endlich vor dem weißen Lederzeug den nicht außer 3lcht zu lassenden, ua·jnentlich für die Jäger höchst wesentlichen. Vortheil, daß

«s nicht so leicht in die Augen fällt, die Aufmerkfamkeit .erregt, und seinen Träger verräth. Auch hat sich das schwarze Lederzeug in der Praxis bewährt. Das einzige

-stehende Korps, das die Schweiz hat, die Landjäger, ist ..mit demfelben verfehen, und man hat sich dabei stets wohl befunden. Dasfelbe.gilt »on unfern.Scharfschützen, ja, «s dürfte sogar schwer halten, wenn nicht geradezu un.moalich sein, hei. diesem Äor-ps ...oeißeö Lederzeug einzuf

:505 führen. Das schwarze Lederzeug wurde auch in Folge ·.langjähriger Erfahrungen in Algerien .bei allen WaffenGattungen der französifchen Armee eingeführt.

Der Kostenpunkt ist kein Hinderniß. Vielfache ..Bersuche haben uns gezeigt, daß das weiße Lederzeug sich sehr leicht und sehr haltbar fchwärzen, und ohne eine Auslage, ·die auch nur. nennenswerth wäre, nach neuem System Verwenden läßt. Ja, es würde sich fogar hei künftigen Anschaffungen eine Ersparniß herausstellen, wenn man statt weißgegerbtes Leder rothgegerbtes wählen würde. Zu diesem letztern Verfahren könnten wir indeffen unter keinen Umständen rathen, weil sich unter dem rothgegerbten Leder alle Mängel verbergen lassen, ohne daß sie leicht zu entdecken wären. Vielmehr werden wir darauf halten, daß die Kantone auch bei veränderter Farbe des Lederzeug...

.das Leder sich ungefärbt in guter Oualität liefern lassen.

Den Vorfchriften über die individuelle Ausrüstung folgen unter Ziffer 2 jene über die Ausrüstung der Korps, und zwar zunächst an Materiellem. Nur bei der Waffe der Artillerie sind hierorts wefentliche Modifikationen de.5 bisherigen Reglements aufgenommen. Diese beschlagen Hauptsächlich die Zahl der Geschütze und die Zufammeufetzung der Batterien. Aus den bei Behandlung von Ziffer 2 ,des I. Abschnittes hjevor entwickelten Gründen bestehen die schweren Kanonen- und Haubitz-Batterien sürderhin aus vier Geschützen gleicher Art und gleichen Kalibers, die leichtern Feldbatterien aber aus sechs Geschützen, wovon .oier Kanonen und zwei Haubitzen. Unter jenen erblicke» wir als neu lange Haubitzen, und unter diesen Acht- und ...ßierpfünderkanonen, die früher nicht admittirt waren.

Was nun vorerst die langen Haubitzen anbelangt, so jbilden diefe schon seit Jahren Bestandtheile aller europäifchen Armeen. Sie haben vor der kurzen Haubitze den

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fcedeutendeu Vorzug, daß sie init der Eigenschaft, Hohlkugeln zu werfen, die Tragweite der Kanonen und ihre ©enauigkeit im Treffen verbinden. Der abgetretene Kriegsrath hat eine solche lange Haubitze angeschafft und damit in Thun Versuche anstellen lassen, welche die Vorzüglichkeit dieses Geschützes evident erwiesen haben. Besonders eignet es sich dazu, die Kartätschgranate zu werfen. So

.augenfcheinlich ist diefe Vorzüglichkeit gegenüber der kurzen Haubitzen, daß von experter Seite der Gedanke angeregt worden, alle letztern abzufchaffen, und dieselben durch lange Haubitzen verschiedenen Kalibers zu erfetzen. Diefe Ansicht gewann noch dadurch mehr Boden, daß die Geschoße der kurzen Haubitzen, sowie auch die Sechs- und Zwölf.pfunderkanonenlaffeten für die langen Haubitzen gebraucht

werden können, folglich die Umänderung des Systems nicht unverhältnißmäßig bedeutende Kosten verurfachen würde.

Wenn wir nun auch mit der Einführung der langen Haubitze in einer festznfetzenden Zahl bei unferm Heere vollkommen einverstanden sind, so sind wir weit entfernt,

die gänzliche Befeitigung der kurzen Haubitzen zu empfehlen.

Bei all den guten Eigenschaften, welche jene auszeichnen, läßt sich doch nicht bestreiten, daß auch die letztern Voriheile gewähren, welche mit jenen nicht erreichbar sind.

Wahr ist, daß die kurze Haubitze weder die Tragweite noch die Sicherheit des Treffens der langen hat. Allein die eigenthümliche Beschaffenheit unseres Bodens darf hiebet nicht überfehen werden. Neben tiefen Einschnitten, Schlnchten und Thälern. erheben sich niedere und hohe Hügel und Berge, das Terrain wechselt auf.die mannigfaltigste Art, und diese Beschaffenheit desfelben erfordert eine Geschützart, die eine verhältnißmäßig hohe Elevation znläßt, um den Feind hinter Hügeln, Wäldern und Verschanzungen,

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sowie in tiefen Einschnitten erreichen zu können. Eine solche Elevation gewähren nun wohl die kurzen, nicht aber die langen Haubitzen. Und soll der Feind hinter verdeckenden Gegenständen erreicht werden, fo ist die Wahrscheinlichkeit des Treffens, sonst der langen Haubitze Vorzug, bei beiden Geschüizarten die gleiche. Zu diesen Gründen kommen aber auch noch sinanzielle Rücksichten. Die Kantone, die ..Artillerie zu stellen haben, sind hinlänglich mit kurzen Haubitzen versehen; wenn nun auch die Geschoße dieser letztern bei der langen Haubitze gebraucht werden können, so sind dagegen die Lasseten und verschiedenen Ausrüstungsgegenstände unbrauchbar. Statt dieser würden ohne Zweisei ilnschassnngen nothwendig, die große Kosten verursachten, während man voraussichtlich beim ersten ernsten Kriegsereignisse den Abgang der kurzen Haubitzen bitter zu fühlen hätte. Aus diesen Gründen wurden wir bewogen, die Abschaffung derselben nicht zu beantragen.

Die Achtpfünderkanone, welche nicht dem bestehenden, wohl aber einem frühern Systeme angehört, ist in verfchiedenen Zeughäusern noch in großer Anzahl vorhanden.

Sie mußte, wie in vielen andern Staaten, auch bei uns dem neuen System weichen. Seither ist sie wieder zur vollen Anerkennung gekommen. Neben einer bedeutenden, den Sechspsünderkanonen weit überlegenen Wirksamkeit .bedarf sie keiner größern Bespannung und Bedienung und eignet sich noch überdieß auch zum Wersen der Kartätschgranate, Eigenschaften, welche ihr Wiedereinführung bei den Armeen des Auslandes bewirkten, und auch uns zu demfelben Entschlusse bewegen.

Auch die Vierpfünderkanone gehört dem frühern, aber nicht dem dermaligen Systeme an. Wenn auch ihre Wirkfamkeit derjenigen des Sechspsunders nachsteht, so gewährt

sie in einem vielfach eoupirten Terrain, wie das unsrige, Bunksblatt I.

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\

wo die Tragweite oft durch verschiedene Hemmnisse feeschränkt wird, nicht zu übersehende Vortheile. Außerdem ist sie »erhältnißmäßig leicht und kann vermöge dessen selbst auf steile Anhöhen gebracht werden, wohin der Transport stärkerer Kaliber nicht mehr möglich ist. Auch ist sie in unfern Zeughäufern noch in großer Anzahl vorhanden und mit Munition versehen, die bei ihrer Beseitigung meistentheils nutzlos würde. Wenn wir daher diese Gefchützart aufs Neue admittiren, so geschieht es wesentlich in der Absicht, vorhandene Kräfte zu Nutzen zu ziehen, statt für Anfchaffung von neuen große Geldopfer in Slnfpruch zu nehmen. -- Es geschieht dieß jedoch in der bestimmt ausgesprochenen Meinung, daß bei einem allgemeinen Aufgebot die Artillerie des Bundesauszugs nur mit englischen laffetirten Sechs- und Zwölfpfünderkanonen und mit Haubitzen der verschiedenen Kaliber versehen werden soll,

während die Reserve hauptsächlich mit Vier- und Acht-

pfünderkanonen und einer entfprechenden Zahl kurzer Hau* bitzen auszurüsten wäre.

Der Raketenbatterien haben wir bereits oben gedacht.

Wir fügen hier nur noch bei, daß diefelben wesentlich geeignet sein dürften, die Bergartillerie zu unterstützen und zu ergänzen. Sie verbinden nämlich mit einer größern Tragweite eine ziemlich der der Bergartillerie sich annähernde Sicherheit des Treffens. Jene wie diefe können mit großer Elevation geschossen werden; allein die Raketen haben den Vorzug, daß sie niit großer Leichtigkeit (man kann sie nötigenfalls den Soldaten in die Tafchen mitgeben) sich überall hinbringen lassen, wo ein menfchlicher Fuß Raum findet, und Gegenstände vorhanden sind, au....

welchen sich ein, wenn auch nicht kunstgerechtes Gestell angefertigt werden kann. Unter andern Umständen hätten «.-.ir auf eine bedeutende Vermehrung der Bergartillcric

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Eingewirkt, was auô den ofcen erörterten Mottoen nun* ·mc^r. unterbleibt.

..Bon kompetenter (Seite ist die Ansicht geäußert worden, es sollte die Artillerie im Verhältrn'ß zu den übrigen Wassengattnngen «rn ein Bedeutendes vermehrt werden. Diese Ansicht sucht eine mehrere Unterstützung auch darin, dag sie den Satz ausstellt, die Artillerie müsse die verhältnißmäßig geringe Zahl unserer Kavallerie ersetzen. Wir könnten derselben noch beifügen, daß eine zahlreiche Artillerie wefentlich durch die Natur unserer Truppen geboten wird, indem die Erfahrung lehrt, daß junge Truppen mit einer Art Aengstlichkeit sich nach Artillerie umsehen und nur auf diese sich verlassen zu können glauben, was bei geübten, kampfgewohnten Truppen nicht mehr der Fall ist. Ohne die Stichhaltigkeit dieser Gründe zu bestreiten, müssen wir darauf aufmerkfam machen, daß ein durchfchnittenes Terrain die Beweglichkeit der Artillerie und den Transport derfelben überhaupt wefentlich erschwert, weßhalb bei der Anwendung derfelben mit größter Vorsicht zu Werke gegangen werden muß, wenn nicht Stockungen eintreten follen, die in gegebenen Fällen höchst verderblich einwirken könnten. Auch würden die Kantone eine Ver..nehrung des Verhältnisses dieser so kostspieligen Waffe zu den andern Waffengattungen kaum ertragen und günstig aufnehmen. Wir haben demzufolge das bisherige VerC'ältniß von zwei Gefchützen auf 1000 Mann (die Berg·artillerie Inbegriffen) beibehalten, fo daß eine Vermehrung der Artillerie nur durch die Aufnahme der Referve in das Bundesheer stattfindet. Freilich bleibt dieses Verhältniß hinter demjenigen, das in den neuen und neusten Kriegen angewandt wurde, zurück. Jn folgendem Verhältniß stand nämlich im Feldzug von 1815 die Artillerie in den hienach bezeichneten Staaten zu den übrigen Waffen:

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tei der preußischen Armee 2.68 Geschütze aus 1000 Mann ,,

,, englischen

,,

2.4

,,

,, 1000 ....,,

,, ,,französischen ,, 2 . 8 8

,,

,, 1000

,,

·Das Verhältniß der verschiedenen Geschützarten unter sich Bleibt unverändert dasselbe. Es sollen nämlich von der Gesammtzahl der Geschütze Ve »on schwerem -Miber und Vs Haubitzen sein. Das Ergänzungsgeschütz für die Zwolfpfünderkanonen und langen Haubitzen beträgt Ve/ für die leichten Kaliber der bespannten Geschütze Vs und sür die Gebirgöhanbitzen V/,.

Das Positionsgeschütz zur Slrmirung der Befestigungen ist nach Zahl und Kaliber dem Bedürfniß gemäß bereit zu halten, wie dieß auch d-ie Bisherige Organifation vorschrieb.

Wie schon früher beiläufig angedeutet worden, hat auch eine theilweife Verminderung der Kriegsfuhrwerke stattgefunden. Statt mit Acht- werden die Zwölfpfünderkanoncn und langen Haubitzbatterien nur mit sechs Kaissons ausgerüstet. Dadurch wird eine Ersparniß von 144 Schüssen Munition und zwölf Pferden erzielt. Ueberdieß werden die Artilleriefuhrwerke verschiedener Art, wie Vorrathlafseien, Rüstwagen, Feldschmieden und Fourgons bei den leichten Feldgeschützbatterien ebenfalls um Ys vermindert.

Es werden dadurch wesentliche Ausgaben vermieden, ohne daß der Dienst auch nur einigermaßen teeinträchtigt wird.

Jm Gegentheil dürsten die Batterien um so beweglicher werden, je weniger Kriegsfuhrwerke sie mit sich führen.

Daß übrigens die Zahl der Kaissons rednzirt werden konnte, ohne der Beforgniß Raum zu geben, es dürfte zu wenig Munition bei einer Batterie vorhanden sein, verdient der .hohen Wichtigkeit dieser Frage wegen eine einläßliche Belenchtung, die wir sofort vornehmen werden.

Jm Allgemeinen hat es bezüglich der Ausrüstung der

Truppen init Munition bei den bisherigen Bestimmungen

511 sein Bewenden. Doch wurden auch hier einige nicht unwesentliche Abänderungen getroffen. Die Kavalleristen er* Calte«, weil nur eine Pistole, statt 60 Pistolen nur noch 30. Für das Geschütz der ....efpannten Batterien wie da..-?

Ergänzungsgeschütz wird der Bestand der Munition festgesetzt, wie folgt: Auf jede 12pfünder-Kanone 300 Schüsse statt fcisher 500 n ,,8-,6-,4pfünder-Kanone400 ,, ,, ,, 600 .v /, kurze Hauhitze 400 ,, ,, ,, 600 ,,

,,

schwere

,,

300

,,

,,

,,

500

·Das bisherige ...ßerhältniß war uamlich offenbar zu hoch. Verliere man nicht aus dem Auge, daß hei Feststellung desfelben hauptfächlich die Slrmeen, die Offensii..-kriege in entfernten Ländern führten, zum Vorbild genommen wurden und daß dieses Verhältniß weder unsern Zuständen noch unsern anderweitigen Vorrichtungen angemessen ist.

Wir haben nämlich in der Schweiz allenthalben Magazine, aus welchen der Abgang an Munition leicht und schnell ergänzt werden kann. Um so weniger ist es also nöthig, so große ..Borräthe mitzuführen, die noch der Gefahr aus* gesetzt sind, bei lang andauernden und ..jeschwerlichen Märschen zu leiden und ganz oder theilweise zu verderben.

Es gewährt übrigens die Erfahrung, die man in den Kriegen der Jahre 1813, 1814, 1815 bei ausländischen Armeen und auch im Jahr 1847 bei unserem Heere ge.macht hat, in dieser Hinsicht die größte Beruhigung. Ató Beweis dessen diene gegenwärtige Uebersicht der in mehrern großen Schlachten »er&rauchten Munition:

512 Dntchscï)mtt S.n}ahl d« der Schüfe auf preußischen in .ï&a.igïcit

·Schlachten und Gefechte:

1813 ,, ,, ,, ,, ,,

Groß-Gorschen .

Bautzen. . . .

Groß-Beeren . .

Katzbach Dresden . . .

Kulm

ein Ocschütz.

gewefentn Geschütze.

. 68 . 56 . 38 47 . 16

. . . . .

127 135 55 76 108

20

96

,, Demiewitz . . . . 51 ,, Wartenburg . . . 38

,, Leipzig

86 32

59

240

1814 B r i e n n e . . . . . 22 ,, Paria 46

106 96

1815 Ligny

47

m

,, Waterloo . . . . 41 118 Das M a x i m u m von Schüssen, das Ein GeschO.?

der preußischen Feldartillerie im Feldzug »on 1815 gethan .hat, war: 3n'tJ Seuet Sln einem 3m ganzen gekommen Sage. Sefezug. imi-Durchschnitt.

im-Kanone . . . . . 71 6tt- ,, Fuß-Artillerie . 116 6tt* ,, Reitende Slrtil» lerie . . .161 Ttt-Haubitzen, Fuß-Artillerie . . . 90 7tt- ,, Reitende Artillerie . . . 121 iOtt.

,,

41

89 jede 1,52 Mal 116 ,, 1,63 ,, 161 ,, 2,24 >, 116 ,, 1,62 >, 138 ,, 2,76 ,, 99

,, 2,07

.,

Jn den Gefechten tei Gislikon, Honau und ÜWoot am 23. .ïloceinber 1847 wurden, soviel wir ermitteln gekonnt.,

513 »on den in's Feuer gekommenen sieben Batterien 378 Schüsse gethan, was auf eine Batterie 54 und auf ein einzelnes Geschütz 13V2 Schüsse .....ringt.

Unter den Geschoßen ist die Kartätschgranate (ShrapncJ) neu eingeführt. Auch bei vielen Armeen des Auslandes ist dieses bereits geschehen und es erscheint deßhalb wünschfcar, in dieser Hinsicht nicht zurückzubleiben. Die Motive, die uns dazu vermochten, beruhen auf einer Reihe von .-Bersuchen, die in der Artilleriefchule zu Thun gemacht wurden und aus deren Resultaten unzweifelhaft hervorgeht, daß die Kartätschgranate bei dein von einem Herrn Böttcher aus Hannover uns mitgetheilten Verfahren ein furchtbare..?

Zerstorungemittel ist und »orzugsweife heim Positions- und .Bîeservegefchfitz ausgezeichnete Dienste leisten kann. Nicht zu überfehen ist überdieß, daß sie ohne alle Schwierigkeit nicht nur mit langen 24- und 12pfünder-Haubitzen, sondern auch aus 12- und Spfünder-Kanonen geworfen werden kann.

Hinsichtlich der Resultate der erwähnten, in Thun vorgenommenen Versuche, die jedenfalls so günstig, wo nicht noch günstiger anssielen, als ähnliche in Sachsen, Baiern, Würtemberg und in beiden Hessen, theilen wir folgende Uebersicht der geworfenen Granaten und ihrer Treffer mit:

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Lange 24pfünder-Haubitze.

800 6 1100 5 1200 3 1400 5 1800 5 2000 5

4 4 3 5 4 5

54 1100 5 4 1200 6 6 1400 5 5 1800 5 4 2000 5 2 800

213 176 71 429 191 76 123 115 7o 280 213 119 130 55 24 115 45 28 95 76 215 162 59 21

50 5o 32 49 18 20

510 746 34o 661 227 208

12pfünder-Kanonen.

198 68 39 400

129 69 40 314 183 117 51 566 94 85 27 368 39 36 18 152 11 4 2 38

127,50 149,20 186,50 113,33 113,33 132,20 132,20 45,40 56,75 41,60 41,60 85,00

80,00 100,00 62,80 78,50 94,33 94,33 73,60 73,60 30,40 38,00 7,60 19,oo

Bemerkung.

Die Wände, je 90 Fuß lang, waren je aus 50 Schritte von einander aufgestellt.

·

515 Da erst nach Ausmittlung der Gefammtzahl der Truppen der eidgenössischen Bundesarmee auch die Zahl der Spezialwaffen ausgemittelt werden kann, so ist eine Vertheilung derselben und des Materiellen auf die Kantone dermal noch nicht möglich, sondern muß, wie dieses mit dem Personellen der Fall ist, Aufgabe eines besonder« Gesetzes · werden.

Unter Litt. D des zweiten Abschnittes kommen die Kleidung, die Unterscheidungszeichen und die Personalausrüstung zur Sprache. Jm Allgemeinen schwebte uns der Grundsatz vor Augen, möglichst viele Ersparnisse zu erzielen, wie denn die vorhergehenden Abschnitte von diesem unserin Streben bereits Beweise mögen abgelegt haben. Wir halten überhaupt dafür, daß einer republikanischen Armee vor Allem Einsachheit gezieme und daß daher jeder nutzlose Flitter und Tand zu vermeiden sei. In thesi scheint man mit dieser Ansicht allerwärts einverstanden, in praxi aber scheitert die Durchführung oft an sehr untergeordncten Rücksichten. <£$ wird sich nun fragen, ob es der.malen möglich fei, in dieser Rücksicht wirklich zu ökononiisiren und manchen höchst kostspieligen und außerdem ganz zwecklosen Prunk zu beseitigen.

Von diesem Gesichtspunkte ausgehend beantragen wir im Kleidungswesen, in den Unterscheidungszeichen und ber Personalausrüstung manche wesentliche Slenderungen.

Der bei den Truppen dermal eingeführte Uniformrocf hat zwar Vieles für sich, allein er entspricht seinem Zwecke nicht vollständig und ist für eine Milizarmee nicht praktisch.

Er schützt den Unterleib nicht gegen die Wechselfälle der Witterung; er wird dem Soldaten in seinen jüngern Jahren angepaßt und wird deßhalh, sobald der Träger alter und

dickleibiger wird, in der Taille zu kurz und steht ihm sehr :ö6el. Er gewährt den Beinkleidern in ihren obern Theilen

516 leinen Schutz und bedeckt die häufig eintretenden Defekte derselben nicht. Alle diese Uehelstände werden durch den Waffenrock gehoben. Wenn derselbe sich schon in dieser Rücksicht »ortheilhaft empfiehlt, so ist dieses noch weit mehr der Fall ans einem hienach zu erwähnenden Grund der Oekonomie und in sanitarifcher Beziehung. Hinsichtlich der Kosten tritt allerdings etwelche, zwar unbeträchtliche SSerrnchrung ein ; während der Unisormrock, aus bern'schern Kommistuch verfertigt, 14 Frkn. kostet, kömmt ein aus dem nämlichen Stoff verfertigter Waffenrock auf 14 Frkn.

80 Rpn. zu stehen. Es könnte nun eingewendet werden, auf diefe Weise könnte nicht nur keine Kostenersparniß, sondern sogar eine noch größere Slusgabe resultiren. Faßt man die Sache ohne allen Zusammenhang auf, so hat dieses allerdings seine Dichtigkeit. Allein wenn der Waffen* rock eingeführt wird, so kann auf der andern Seite eine

sonst nicht mögliche Erfparniß erzielt werden, die weit l;öhcr als acht Batzen zu stehen kömmt. Wir schlagen nämlich in diesem Fall vor, die leinenen Ordonnanzbeinkleider und Gnetres, die wenigstens 7 Franken kosteten, abzuschaffen und den Soldaten zu gestatten, ihre halbwollenen oder wollenen Beinkleider, gleichgültig welcher Farbe, die sie im bürgerlichen Leben tragen, als zweites Paar mitzunehmen. Es entspränge daraus noch der Vortheil, daß die Truppen nicht wie bisher Gefahr laufen, wenn sie im Sommer lagern oder bivouakiren, sich in den immerhin kühlen Nächten zu erkälten und infolge dessen zu erkranken, oder gar zur Winterszeit sich leinener Beinkleider .bedienen zu müssen, wie dieß »ielfältig im ©onderbundsseldzug geschah. Jm Uebrigen bliebe die Kleidung unverändert; namentlich fanden wir nicht, da§ es zweckmäßig wäre, die Ermelweste abzuschaffen. Gefiele dieses, so würde der Waffenrock teint innern Dienst um-

517

fomehr leiden und im Verlaus der Dienstzeit die Anschaffung eines neuen erforderlich werden, während im entgegengesetzten Fall ein Waffenrock für die ganze Dienstdauer in Auszug und Reserve aushält. Es ist uns nicht entgangen, wie wünschenswerth es wäre, dem Soldaten nur zwei Kleidungsstücke z« geben, entweder denKapntrock und die Ermelweste, oder jenen und den Waffenrock; wir haben namentlich nicht aus dem Auge verloren, wie sehr dauJ Gewicht des Gepäcks, das der Soldat zu tragen hat, init drei Kleidungen zunimmt. Allein nichtsdestoweniger fanden ttnr uns bewogen, den oben erwähnten Rücksichten der Oekonomie den Vorzug geben zu sollen.

Wir beantragen auch statt tüchener Kamaschen lederne einzuführen. Der erste Ankauf ist theurer als der »on tüchenen; jene kommen nämlich auf circa 27, diefe auf circa 16 Batzen zu stehen. Es hat sich aber herausgestellt, daß die tüchenen Kamaschen, nebstdern daß sie den Fuß des Soldaten weder gegen Nässe noch Kälte gehörig schützen, sehr schnell abgetragen sind, was den Soldaten nöthigt, während der Dauer seiner Dienstzeit mehrere Paare anzukaufen, da hingegen lederne für eine ganze ...Dienstzeit genügen. Wenn also ana) der erste Ankauf lederner Kamaschen theurer ist, ergibt sich dennoch eine Ersparniß. Außer diesem Vortheil haben die ledernen Gamaschen auch noch den, gegen Nässe und Kälte weit Besser zu schützen und tei zweckmäßiger Confection dem Fußgelenk einen Stützpunkt zu geben, der das Marschiren bedeutend erleichtert. Bei der französischen Armee sind die ledernen Guetre...! seit fünfzehn Jahren eingeführt und Caben sich als sehr .praktisch bewährt. Auch in Bafelland wurden dießfällige SBersuche gemacht, die so günstige SRe* fnltate zu Tage förderten, daß der hohe Landrath, ohne dag eidgenössische Uîeglement abzuwarten, die im Sonder.-

518 fcundsfeldzuge zu Grunde gegangenen Kamaschen sammtlich durch lederne ersetzen ließ.

Dem sachbezüglichen Berichte der .hohen Regierung »on Baselland entheben wir noch Folgendes: ,,Dem dortigen Jnstruktionspersonal, das alljährlich .auf längere Zeit im Dienst sia) befindet, wurden schon vor drei Jahren lederne Kamafchen verabfolgt, ohne daß diese bis dahin das Mindeste gelitten hätten. Ebenso wurden bei einem Theil des Landjägerkorps probeweise solche Kamaschen eingeführt und es hat sich ergeben, daß die* selben, obschon den ganzen Winter hindurch im Freien bei Regen- und Schneewetter getragen, ebenfalls nicht zu Schaden kamen, während der Mann selbst vor Kälte und Nässe trefflich geschützt war. Man wendet zwar ein, daß sie im Winter den Soldaten nicht gehörig erwärmen, und, ini Thau getragen, allzusehr zusammenschrumpfen und fceim Trocknen eine solche Härte erhalten, daß sie dem Soldaten die größten Schmerzen verursachen und das Marschiren bedeutend erschweren. Alle diese Einreden fallen aber dahin, wenn man daraus achtet, daß nur gutes Lcder gebraucht und dasselbe stetsfort gut unter.halten wird. Auch kömmt es sehr viel auf das erste Schwarzen dee. Leders an; wird hiefür ein allzufcharfer Stoff verwendet, so riskirt man, daß dadurch aud) die Beste Dualität Leder für immer verderbt ist. Endlich ist -noch zu bemerken, daß die nassen Kamaschen ja nie am Feuer, sondern an der Luft getrocknet werden dürfen."

Hinsichtlich der Unterfcheidungs- und Dienstzeichen der Offiziere enthält unser Projekt wesentliche Abweichungen »on der bisherigen Ordonnanz. Die Epaulette ist "höchst unpraktisch ; der Offizier kann über dieselbe weder einen Mantel anziehen, noch im Bivonak und Lager sich damit niederlegen und die in solchen Fallen so nöthige Ruhe

-^

519

Bequem genießen. Ja sie gibt dem Soldaten im Felde oft selbst Slnlaß zu Mißtrauen gegen die Offiziere; sindet nämlich ein folcher sich infolge der Witterung genöthigt, die Epaulette wegzuthun, um den Mantel umlegen zu können, oder sie unter ein schützendes Oberkleid zu ver* decken, so entgeht er, wie die jüngste Erfahrung klar

gezeigt, der Verdächtigung nicht, es gefchehe solches aus

ganz andern Gründen, als sich gegen die Einflüsse des Wetters zu schützen. Jm höchsten Grade unbequem wird sie erst dann sein, wenn der Offizier den Tornister tragen soll, worauf wir später zurückkommen. Nebst ihrer Unzweckmäßigkeit ist sie aber auch noch äußerst kostspielig.

Die Zahl der Osfiziere des Bundesauszugs mit Jnbegriff der Kombattanten des eidgenössischen Stabes beläuft sich wenigstens auf 2940. Nimmt man nun an, daß ein Paar Epauletten durchschnittlich 40 Schweizerfranken kostet, so erfordert die erste Anfchaffung eine Summe von nicht minder als Frkn. 117,600! Bedenkt man ferner, daß ein Offizier mit Einem Paar Epauletten seine Dienstzeit nicht vollenden kann, sondern daß er während der Dauer des Avancirens bis zum Hauptmann gewiß noch ein zweites Paar bedarf, daß überdieß der Stabsoffizier zum dritten und vierten Mal sich neue Epauletten anderer Art anschaffen muß, ohne aus den abgetragenen etwas Bedeutendes erlöfen zu können, fo beläuft sich die Ausgabe einzig und allein für Epauletten auf eine unglaublich hohe Summe, die zudem noch größtentheils in's Anstand geht.

Wir beabsichtigen deßhalb hier eine beträchtliche Erfparniß und schlagen for, den Offizieren als Unterfcheidungszeichen statt der Epaulette eine einfache wollene Schärpe zu gehen, die er von der rechten Schulter gegen die linke Seite über die Brust trüge. Viele werden zwar diese Auszeichnung weniger schön finden, als die Epaulette;

520 es ist dieses Geschmacksache und wir wollen darüber nicht streiten. Gar Manche finden auch die Epaulette nicht schön.

Aber selbst den Punkt des Schönen zugegeben, würde eö sich noch immer fragen: was soll die Oberhand gewinnen!

das vorgeblich Schöne, Glänzende, Unpraktische, oder aber das äußerst Zweckmäßige, Wohlfeile und der republikanischen Einfachheit Entfprechende !

Das silberne Hausseeol als Dienstzeichen ist ebenfalls ein Luxusartikel. Obwohl dasselbe durch den Dienst nicht leidet und feinen innern Werth beibehält, fo gibt es doch zu verhältnißmäßig großen Auslagen Anlaß, ohne einen ...Bortheil zu erzielen, der nicht durch weit geringere Kosten ebensogut erreicht werden könnte. Wir schlagen daher vor, dasselbe durch eine Auszeichnung an der Kopfbedeckung (Dienstpompon) zu erfetzen. Außer einer nicht geringen Ersparniß hätte dasselbe noch den Vortheil, daß es der Mannschaft weit leichter in die Augen fällt, als das Haussecol, vorzüglich wenn der Offizier noch den Mantel trägt, folglich feinem Zwecke um fo mehr entfpricht.

Ein großes Gebrechen bei der eidgcnöfsischen Armee

war auch das übermäßige Gepäck. Jnfolge dessen litt die

Beweglichkeit ungemein, die Kolonnen wurden ungebührlich verlängert, die Bewachung erforderte eine große Zahl Truppen, die besser vor dem Feind verwendet werden könnten; eine folche Masse von Gepäck erhöht die Gefahr in den Engpässen bedeutend, es entzieht zu feiner Fortschaffung Pferde und andere Zugkräfte, die viel besser zum Transport der Lebensmittel u. s. w. verwendet werden könnten, und vermehrt die Kosten beträchtlich. Diefes viele Gepäck rührt wesentlich von den vielen, durch die Offiziere mitgeführten Effekten her. Obwohl reglementarifch das Gewicht bestimmt ist, welches das Gepäck eines Offiziîrs jeden Grades haben soll, so wurde dennoch diese Vor-

521

fchrift in praxi selten beobachtet und durchgeführt. Die Offiziere nahmen in der Regel Koffern nn't, die weit zu schwer waren, und viel Platz auf den Wagen in Anspruch nahmen. Nichtsdestoweniger waren sie »on den nöthigsten Kleidungsstücken ganz entblößt, wenn der Dienst sie irgendwohin rief und den Koffer nicht folgen konnte. Hier kann nur eine durchgreifende Reform helfen. 3«"achi- halte« wir dafür, es könne dieß dadurch gefchehen, daß nicht nur dem Unteroffizier und dem Soldaten geboten wird, einen Tornister zu tragen, sondern auch dem zu Fuß dienenden Offiziere. Ein Reglement hat festzustellen, was für Kleidungsstücke .in den Tornister zu verpacken sind. Wenn nun hiedurch auch eine Verminderung des Gepäcks erzielt

und der Offizier in die Möglichkeit versetzt wird, unter allen Umständen vorräthige Kleidungsstücke zur Hand zu haben, so wird dieß dennoch nicht genügen, die unerläßlich nöthige Gepäckverminderung in vollem Maße herbeizuführen, es muß auch noch genau die Form und die Größe des Offizierskoffers vorgefchrieben und auch festgestellt werden, was in einen solchen Koffer aufgenommen werden darf. Nur auf diefe Weife ist es möglich, den obenerwähnten Zweck möglichst annähernd zu erreichen.

Jn §. 48 der Militärorganisation wird vorgesehen, es könne je vier Offizieren unter gewissen Umständen zum Besten ihres Gepäckes ein Pserd gegeben werden. Die Gründe, die uns zu diesem Vorschlage bestimmten, werden wir später auseinandersetzen. Allein vorausgesetzt, jener Antrag werde zum Beschluß erhoben, so ist auch schon aus diesem Grunde uothwendig, über die Form der Koffer und ihren Jnhalt genaue Vorschriften festzustellen.

Die nun folgende Lit. E. des zweiten Abfchnittes enthält die Vorschriften über den Unterricht der Truppen. Es

läßt sich nicht ..»..-streiten, daß wir hier heim wichtigsten

522 ......heil der Militärverwaltung angelangt sind. Von seiner Einrichtung und Durchführung hängt die Brauchbarkeit und Kampffähigkeit der Truppen ab. Das bestimmte unö, diefem Zweige der Militärverfassung unsere vollste Auf» inerkfamkeit zuzuwenden. Es ist zwar Thatsache, daß viele Kantone aus eigenem Antriebe beim Unterricht der Trnppen sehr Vieles leisteten, und zu sehr günstigen Resultaten gelangten, dagegen ist ebenso wahr, daß andere Kantone mehr .oder weniger weit hinter dem zurückblieben, was billigerweise .oon ihnen hätte erwartet werden dürfen. Daraus entstand eine große Verschiedenheit in der taktischen Ausbildung der Kontingente der verschiedenen Kantone, die nicht selten störend auf die Manövers und die ganze Truppenleitung einwirkten. Eine weitere Folge davon war auch noch die, daß die Kantone, die kampfgeübte Truppen hatten, ver-

hältnißmäßig häufiger zur Einberufung derselben in eidgenössische Dienste in Anspruch genommen wurden. Es War dieß eine ungleiche Belastung bei gleichen Rechten und Pflichten, die nicht allemal gut aufgenommen wurde, und weder in Recht noch Billigkeit gegründet ist. Jnx Jnteresse der Hebung des vaterländifchen Wehrwesens im -Allgemeinen und um die erwähnten Uebelstände zu befeitigen, suchen wir daraus hinzuwirken, daß die Kontingente der Kantone gleichmäßiger unterrichtet werden, als solches bisher statt hatte.

(Schluß folgt.)

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1849

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24

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

09.05.1849

Date Data Seite

491-522

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10 000 076

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