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Ertragbeilage

zum schweizerischen B u n d e s b l a t t .

Samstag den 10. März 1848.

B e r icht des

Herrn Dr. Roth, schweizerischen Agenten in havre in Betreff der Auswanderung.

Vom 25. Hornung 1849.

Tit.

Erlauben Sie, daß ich Jhnen einen Rapport über meine hiesige Wirksamkeit, und über die Erfahrungen, welche ich bisher im Answanderungswesen gemacht habe, vorlegen darf.

Es wurde mir feiner Zeit vom h. Bundesvororte die Stelle, die ich hier bekleide, gütigst übertragen, und ich habe meine Geschäfte mit dem 1. Oktober 1848 begonnen.

Schon im ersten Monate meiner .hiesigen Wirksamkeit habe ich dem h. Vororte einen Bericht eingesandt, in dem ich eine Anleitung zur Auswanderung gab, und der nachmais öffentlich gemacht wurde. Obwohl mir derselbe von Seite der Agenten hestige Anfeindungen zuzog, hat er doch seinen Eindruck nicht verfehlt. Was erfolgt ist, ahnten die Agenten schon damals, daß er nämlich die Auswanderer von Abschlissung von Kontrakten mit ihnen abwenden werde. Und ich habe wirklich die Freude zu

sehen, daß ein solcher Abschluß von Kontrakten täglich weniger und nur noch bei Einzelnen stattfindet.

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Es ist unglaublich, welche Summen durch Ueberforderungen von Seite aller Agenten bei unfern Auswanderern verloren gingen. Eben so bedeutend sind die Verluste, die sie in den Wirthshäusern in Paris und Havre erlitten.

Meine hiesige Wirksamkeit besteht in zwei Hauptinomenten : 1) Abschließung von Kontrakten; 2) Korrespondenz mit Auswandcrungslnstigen , Kantonal-, Gemeinds- und Armenbehörden, fowie mit gemeinnützigen Vereinen.

Der Art. 2 nimmt mir bei weitem die meiste Zeit in Anspruch, und es ist unglaublich, welche Erläuterungen ich oft geben follie, z. B. wie viel eine Kuh oder ein Pflug je. in diefem oder jenem Staate Nordamerikas kosten möge.

Wenn ich nun auf der einen Seite mich über die Verhältnisse in Amerika, über die Preife der verfchiedenen Routen und Ländereien fo gut wie möglich zu belehren suchte und deßhalb auch in Korrespondenz mit Freunden daselbst getreten bin, fo daß es mir heute schon möglich ist, dem Auswanderer die nöthigsten Erläuterungen zu geben, so strebte ich nun anderseits dahin, meine Korrefpondenz zu verkleinern, indem ich eben im Begriffe bin, eine Anleitung für Auswanderer, enthaltend die nöthigsten Ausweife für die Reife bis Havre, in Briefform lithographiren zu lassen, der ich alsdann nur noch die befondern Anfragen, die zeitweilige Schisssgelegenheit und die muthmaßlichen Preise zuzufügen hätte; denn fonst wäre es mir in Znkunft nicht mehr möglich, allein nur die Korrespondenz zu besorgen.

Jch begann also mit dem 1. Oktober 1848 rneir.c

Wirksamkeit.

'' Da damals meine .hiesige Sendung in der Heimat^ nod) nicht überall bekannt war, so hatte ich Anfangs wenig p thun. Jm Monat Oktober schloß ich nur für 11 Perfonen Kontrakte ab.

Jn den ersten 15 Tagen Novembers 30 und in den legten 15 Tagen Januars 1849 72.

Sie fej>eu also, wie schnell sich die Zunahme, nachdem: einmal die hiesige Wirksamkeit bekannt war, vergrößert hat. Dennoch schätze ich immerhin die Anzahl derjenigen, welche theils schon in der Schweiz akkordiren, oder die in Paris -- in Havre fcïbst -- es thun, auf einen .-Drittheil sämmtlicher Auswanderer.

Es ist Jhnen, Excellenz, Hochgeachtete Herren, wohl schon bekannt, daß eine schwere Krankheit von Mitte Novembers bis Ende Dezembers mich an meiner Wirk* samkeit verhinderte.

Der Herr Konsul war so freundlich, meine Geschäfte während diefer Zeit zu beforgen.

Jch erlaube mir, Jhnen nun ein kleines Bild vorn jetzigen Answanderungswesen zn entwerfen, das Sie gewiß interessiren dürfte.

Gewöhnlich fehlen die Auswanderer schon von Hause aus, indem sie entweder ihre Kisten nicht zu gehöriger Zeit absenden oder indem sie zu viel Gepäck aus die Diligence mitnehmen. Darum gebe ich, feit ich diefe Erfahrungen gemacht, denen, die sich brieflich an mich wenden, in der Antwort immer die Reifeverhaltsmaßregeln an ; denn dieses ist besonders wichtig, weil sonst eine Familie sich schon dadurch aus der Reise ruiniren könnte, daß sie entweder zu viel Uebergewichtskosten zahlen oder, wenn die Kisten nicht, znr Absahrt ankommen, neue Einkäufe an Betten, Kochzeug, Kleidern je. machen müßte, welches sie fammt dem nachträglichen Transport der Kisten übers

Meer .hoher zu stehen käme, als die Reife selbst. Und dennoch kommen solche Fälle oft noch bei folchen vor, denen ich die genaueste Anweisung gab ; weil für Aufgabe solcher Kisten an gute Speditore zu Hause nicht gesorgt ist, une die meisten Auswanderer die Sache nicht verstehen. Eine weitere Ursache nachträglichen Mißlingens des Auswanderungsplanes und namenlosen Elendes ist

das Abreifen ohne die nöthigen Geldmittel. Da denkt ein solcher Mann, wenn ich ihm fchreibe, die Reise von Hause fcis nach New-forï oder New-Orleans kostet per Person (ob Kinder oder Erwachsene) wenigstens 260 Francs, er wolle sich einschränken, am Essen sparen, und die Kinder könnten unmöglich das Nämliche kosten. Z« spät sieht er dann ein, daß ich Recht hatte, aber auch, daß sein Loos "untergehen" heiße.

Eine weitere Mißlichkeit bildet das Geld. Gold ist thener, Silber zu schwer, und Wechsel sind nicht leicht, besonders nicht überall zu bekommen. Da kommen nun die armen Leute nach Basel, mit ihren hundert Schweizermünzforten. Hier müssen sie diefelben auswechsln und hier beginnt der erste Betrug.

Was kennen sie von den französischen Geldsorten? -- Die Fünflivres, aber gewiß nicht die Zwei- und Einfrankenstücke, die Zehn-, Fünf-, Zwei- und Einsousstücke, die manchmal so abgeschliffen sind, wie die Zungen oder der Charakter der Agenten, bei denen sie sie eintauschen., Jch habe eine kleine fchweizerifche Münzsammlung bereits h i e r a n z u l e g e n Gelegenheit gehabt, und Münzen, die ich in Zürich vergebens gesucht hätte, sind mir hier ins Haus gebracht worden. Die Sache wäre komisch, wenn im Hintergründe nicht so viel Trauriges läge.

Dann solgt unnöthiger Zeit- nnd Geldverbrauch in, Basel, dadurch, daß die Leute ihre Plätze aus der Dili-

genee nicht zum Voraus bestellt haben, was Besonders im Frühjahr und Sommer nothwendig ist.

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andern Schiffes erwachfen.

Noch will ich hier kurz bemerken, daß die Basleragenten jedem, der ihnen Leute in die Hände liefert, einen Gulden rheinifch für Erwachfene und dreißig Kreuzer für Kinder bezahlen.

Da ich noch bei Bafel bin, so wollen Sie mir er« lanben, noch von zwei Momenten zu sprechen: Man srägt mich, besonders Behörden, in neuerer Zeit häufig an, ob nicht ein A g e n t von B u n d e s w e g e n in Basel am Platze wäre, und ich weiß, es werden bald auch solche Anträge an @ie gelangen.

Jch a n t w o r t e d a r a u s mit Nein.

Jst die Auswanderung des Einzelnen von Hause aus

gut besorgt, so könnte er in Basel höchstens mit Geldund Zeitverlust davonkommen.

Oder was sollte ihn dort

der Agent nützen? Sein Postbillet kann doch gewiß jeder selbst lösen, und seine Kisten sollen dann längst voran..?

sein. Sein Geld einwechseln kann er nirgends ohne Verlust, und wiefe man den Agenten für die nöthigen Summen auf die Bank an, wie wollte er ihr das Geld wieder in gleicher Münzsorte ersetzen, ohne bei deren Wiedereinwechslnng Ausgeld bezahlen zu müssen? Kann der Agent 'serner verspätete Kisten schneller an Ort und Stelle Iringen, und müßte er, wenn die Kiste erst mit dem Aus·^anderer in Basel ankömmt, nicht ebensogut seine 25 Frkn.

per Zentner Jezahleu alò der Auswanderer fcljjst, .ui» sie .mit diesem zugleich «ach Havre zu bringen?

Ein Agent in Basel würde nur dazu dienen, die Leute unnittzerweise wenigstens um einen Tag aufzuhalten; denn nun würden die Auswanderer sich in den Kopf fetzen, diesen zu konsultiren über die Reise nach Havre, der ihnen aber nur sagen kann, was ihnen vor der 9îeise gefagt «.-erden muß, schon ehe sie »on Hanfe abgehen, damit sie ihre Hülfsmittel und ihr Gepäck darnach einrichten können.

·Sie würden ihn über Schiffe und amerikanische Verhältuisse befragen, das heißt über Sachen, die er nicht wüßte, und die sie den hiesigen Agenten fragen sollen, weit sie dazu hier Zeit genug haben bis zur Abfahrt des Schiffes, .ohne sich der Verspätung und unnützem Geldverluste auszusetzen.

Seit ich hier bin, bestreben sich nun die Basleragenten, die Route nach und über Antwerpen in Aufschwung zu bringen, weil ihre Betrügereien dannznmal mir nicht zu ·Gesicht kommen können. Sie geben dem Auswanderer diesen wahren Grund natürlich nicht an, wohl aber einen unwahren, nämlich den, die Route über Antwerpen sei tjilliger, und die armen Auswanderer glauben ihnen, weil die Person von Basel nach Antwerpen mit Kost und 200 Pfund Freigewicht bloß 30 bis 34 frz. Franken bezahlen nwß. Daran denken sie dann freilich nicht: 1) daß sie darum um so mehr im Ueberfahrtskontrakt geprellt sind; 2) daß sie in Antwerpen Niemanden haben, der sich ihrer annimmt; 3) daß sie dort Lebensmittel, Kost und Logis theurer Bezahlen müssen als hierj .. 4) daß die Schiffe dort »iel unregelmäßiger abgehen

als hier, das heißt, weniger die zur Abfahrt bestimmte Zeit einhalten; 5) daß sie eine einwöchentliche längere Seereise zu ·machen haben, und also ein Viertheil mehr Lebensmittel kaufen müssen, als wenn sie hier abgingen.

Und zudem sind die Ueberfahrtspreife von Antwerpen aus natürlich fchon um foviel höher, als die Seereife länger ist. Auch hat Antwerpen lange nicht die Anzahl von Schiffen und Abfahrtstagen aufzuweifen als Havre.

Wo aber weniger Konkurrenz ist, sind höhere Preife. Zudem können im Winter keine Schiffe dort abgehen, und so gebt der, zur Ueberfahrt nach New-§Jork für den Bauersjnann, der im nämlichen Jahre noch etwas ansäen will, so günstige Monat Februar, dort meist verloren, während der Winter hier der Schifffahrt keinen Eintrag thnt. Selten gefriert es hier, niemals aber der äußere Hafen, denn das Meer gränzt an die Stadt.

Jst nnn auch u n t e r d i e f e n U m s t ä n d e n die Reise über Antwerpen dem Einzelnen nicht zu empsehlen, so möchte ich doch Ew. Tit. auf diefe Route aufmerksam machen, weil ich glaube, daß sie dannzumal wirklich billi* ger und vortheilhafter wäre, als die von Havre, wenn durch eine festere und bestimmtere Organisation der AusWanderung die Uebelstände in Nr. 1, 2, 3 und 4 beseitiget würden. Wir branche« den Winter für die Auswanderung nicht, und nähme die Schweizerauswanderung insgesammt ihren Weg über Antwerpen, so würde dort auch schnell größere Konkurrenz entstehen, und in Folge dessen Preise wie in Havre. Was die Auswanderer an Lebensmitteln für die Seereise von Antwerpen aus mehr bedürfen, macht per Kopf etwa 10 Frkn. ans, höchstens. Freilich wird es auch nicht mehr fo lange gehen, bis wir von Bafel bis nach Havre Eifenbahn haben, und träfe man dann

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von Bnndeswegen Unterhandlungen mit der Eisenbahndirektion, fo möchte man wohl Preise erhalten noch unter dem M a ß e d e r e r nach A n t w e r p e n , da die AnsWanderer mit dem Nachtznge von Paris nach Havre, sür eine Strecke von 60 Stunden, jetzt schon nur Frkn. 12 per Kopf bezahlen.

Jch fahre nun in meiner Erzählung fort: Sowie die Auswanderer in Paris ankommen, fehen sie sich gleich von einem unzählbaren Schwarm dienstbarer Geister umringt, die nm ihre Börsen herumschwärmen, wie die Bienen um die Honigstöcke. Da fliegen alle möglichen Dienstanerbieten durch einander. Da hat der Eine die letzten Billets aus ein morgen abgehendes Schiff, der Andere weiß den billigsten und besten Wirth, und der Dritte und Andere mehr wiffen noch viel schönere Sachen.

Da die Post bei schlechtem Wetter, und im Winter regelmäßig, sich bis zum Tagesanbruch des nächsten Tages verspätet, so muffen die Auswanderer bis Abends spät sich in Paris aufhalten, denn sie werden alle mit dem Nachtzuge hieher geliefert. Die armen Auswanderer sind froh, in dem großen Paris, wo sie weder Wege noch Stege kennen, sich in deutscher Sprache angeredet zu hören.

Man führt sie in Wirthshänfer und sie folgen, nicht wifsend, daß Der, welcher sie dahin sührt, vorn Wirthe per Kops, den er ihm bringt, 1'/2 Frkn. "bonification" erhält, welche natürlich auf die Rechnung des Auswanderers geschlagen werden.

Jn Havre kömmt der Auswanderer Morgens um 6 Uhr mit der Eisenbahn an und begiebt sich gleich in einen Gasthof, deren hier eine Unzahl sind, und in denen allen man deutfch spricht. Die Wirthe sind theils Elfäßer, theils Juden, und alle sind über einen Leist gefchlagen.

Angekommen, nimmt der Auswanderer feinen Kaffee

mit Brod, und er hat sich noch kaum an den Tisch gefetzt, fo weiß auch der Wirth oder dessen Angestellter schon, wohin er will und ob er an mich adressirt ist oder nicht.

Nach dem Kaffee läßt sich der Auswanderer gewöhnlich vom Wirthsknechte zu mir führen, in der Absicht, durch mich feinen Akkord abfchließen zu lassen, und vollen Vertrauens in mich nnd voller Freude, hier einen vaterländischen, einen eidgcnöfsifchen Beamten zu haben, der sich feiner annimmt.

Zwar hat der Wirth fchon geheimnißvoll gelächelt, als er meinen Namen nannte, und dabei ein künstlich affektirtes, verächtlich gleichgültiges ,,So" fallen lassen. Allein der Auswanderer, obgleich darüber erstaunt, weiß sich dieses noch nicht zu erklären.

Unterwegs fragt nun der Knecht den .Auswanderer fo gleichgültig obenhin: "Kennen sie den Herrn Dr. Roth?"

Und je nachdem sich nun der Auswanderer erklärt, fängt auch des Knechtes vorsichtig und fystematisch planirtes Untergraben des Zutrauens in mich an.

Er wirft kleine Anekdötchen über mich ans, an sich fcheinbar unbedeutende Dinge, aber doch ganz geeignet, meinen Charakter vorerst in l e i c h t f i n n i g e m Lichte erfcheinen zu lassen. Der Auswanderer ist erstaunt und sinnt in sich nach, allein er steht vor meiner Thür und so will ers doch probiren.

Jch empfange ihn brüderlich, heiße ihn sitzen und erfuche den Knecht, mich mit dem Auswanderer allein zu lassen; -- warnm, werden Sie gleich fehen. Jch gebe nun dem Auswanderer den bedürftigen Rath über Ueberfahrt, Lebensmittel, Küchengefchirr- und Bett-Einkäufe je.

Sehr oft kommen Solche hieher, die noch gar nicht wissen, wohin sie wollen, ob nach New-gjork oder New-Orleans;

1o da erkundige ich mich nun nach ihrem Berufe, theile ihnen ihre Aussichten in Betreff desfelben in Amerika mit, und weise ihnen ihre SDÎoute an; sage ihnen auch, wenn sie Handwerker oder arme Bauern sind, daß sie, bis sie Land und Leute, Sprache und Sitten und die ihren Beruf betressenden Verhältnisse kennen, besser thun, vorerst als Gefellen oder als Knechte zu arbeiten, wobei sie sich etwas ersparen, das allfällig noch Mitgebrachte bewahren und nachher um so sicherer sich selbst etabliren könnten.

Der Auswanderer fühlt sich bei mir heimisch, sieht, daß ich mich für ihn interessire, ihm vernünftige, praktische Lehren gebe, ihmrathe, wie er sich nach feinen Geldverhältnissen einzurichten habe, kurz, daß ich in seinem Jnteresse ihm beistehe, und überläßt mir nun für ihn zu akkordiren. So verläßt er mich, auf Nachmittag zur Antwort bestellt.

Jch habe ihm das nächste Schiff genannt und dessen Preis, Fr. 60.

Nun muß ich Etwas voransfchicken.

Sämmtliche hiesige Wirthe sind zugleich Agenten der Auswanderungsbürean's und erhalten von diefen für jeden eingelieferten Auswanderer, ob groß oder klein, 2 Francs.

,,Kopfgeld."

Die Knechte haben ihren Theil daran, welcher mit freier Kost ihren Gehalt ausmacht. Weiter bekommen sie vom Wirthe nichts. Die Auswanderungsagenten in der Schweiz und Deutschland sind angewiesen von den hiesigen Büreau's, d e m Wirthe die meisten Auswanderer zuzuschicken, der hier unter den frei, ohne Kontrakt ankominenden Auswanderern am besten für fie ,,arbeitet".

Die Rapporte darüber gehen monatlich an die Agenten ab.

So müssen die Wirthe alfo ..Mlles daran fetzen, bra» Slnswanderer einzuliefern, was sie auch fonst thun; denn

1l das Kopfgeld übersteigt bei Weitem ihren wirthfchaftlichen Verdienst; denn da die Lebensmittel, vermöge der hohe« Staats- und Kommunal-Steuern, die darauf lasten, sehr theuer sind, und sie die Preise doch nach den Vermögens.Verhältnissen der Answandererklasse einrichten müssen, so verdienen sie an der Wirtschaft felbst nicht viel, wenn sie nicht betrügen, was immer nachhaltig üble Folgen haben kann.

Von den Lebensmitteln, infofern die Wirthe die AusWanderer veranlassen, diefe in einem Lebensmittelmagazin zu kaufen, erhalten sie 5 Prozent, von dem Einkaufe eines Fasses Wein, kostend 40 Francs, sogar 15 Francs ,,Bonification", wie sie es nennen.

Aus diesem Allem erhellt Jhnen, Tit., gewiß ganz klar, daß durch meine hiesige Sendung den Wirthen ein bedeutender Strich durch die Rechnung gemacht wurde.

Wenn ich aecordire, verlieren sie das Kopfgeld, wenn ich die Lebensmittel und den Wein einkaufe, die Prozente.

Sie können sich daher wohl denken, wie lieb mich diese Leute haben und wie sie sich bestreben, mir meine hiesige Stellung zu erleichtern. Doch ich fahre erst in der Erzählung fort : Kommt nun der Auswanderer in's Wirthshans zurück,

so fetzt sich der Wirth z« ihm hin und erkundigt sich angelegentlich nach feinen Aussichten. -- Herr Dr. Roti) wird für mich akkordiren !

Wirth. So! zu welchem Preife, wenn ich fragen darf?

Auswanderer. Zu 60 Francs auf das erftabgehende

Schiff.

Wirth. Hoh! ho! Da sieht man wieder, wie der .betrügt. Es haben sich heute Morgens Auswanderer bei

12 N. N. um 50 Francs eintreiben lassen, und dieses Schiff geht wenigstens um drei bis vier Tage früher ab, als das andere. Es ist doch traurig, wie ein öffentlicher Beamter seine eigenen Landslente so betrügt und mit den Comptoirs unter einer Decke spielt. Aber lange wird er es gewiß nicht mehr fo treiben, die und die, die letzthin auch von ihm ausgesogen wurden, haben es nach Hause geschrieben, wie er's ihnen gemacht.

Und so geht es an einem fort über mich los, so daß dem Auswanderer ganz schwarz wird vor den Augen und er immer mißtrauischer gegen mich wird.

Leute, die er nicht kennt, sitzen am gleichen Tische bei ·einem Eognae, und diese Lente stimmen in des Wirthes Meinung ein ; so mnß er's doch am Ende glauben. Da geht dann nun der Wirth oder der Knecht mit ihm in das Bürean N. N. und wie gesagt, er schreibt ihn um 50 Francs ein. Jetzt ist der Auswanderer ganz willenlos: Lebensmittel und allsällig auch Wein (der Litre gewöhnlich sür acht bis zehn Sons) kauft er nnn, wo der Wirth will, und dieser lacht sich in's Fäustchen. Jch aber sehe den Auswanderer nicht wieder.

Was hat nnn der arme Mann gethan ? Er hat 10 Francs erspart an der Uebersahrt ; aber das Schiff,

ans das er sich verdungen, geht vielleicht fechs bis acht Tage fpäter ab, als das, auf welches ich ihn einschreiben wollte. Er konnte dieß nicht wissen, er wußte das Verhältniß des Wirthes zum Büreau nicht, er nahm den im ,,Journal du Havre'' angesetzten Abfahrtstag für den wahren, während er's nie ist. Und fo bleibt er dem Wirthe noch dazu fechs bis acht Tage länger im Haufe, verzehrt in diefen Tagen 13 '/2 -- 18 Francs wenigstens ·mehr, und was das Schlimmste ist, er erhält sie nicht .vergütet. Entweder hat man von einer Entschädigung bei

1s verspäteter Abfahrt des Schiffes gar nicht gefprochen, oder wenn auch, so hat man ihm die Verpflichtung doch g e w i f j nicht schriftlich gegeben, und wenn er sie dann fpäter fordern will, fo lacht man ihn aus, und er hat zum Schaden noch den Spott.

O, diefe Fälle kommen täglich vor! Dann, wenn dem Auswanderer endlich die Augen anfgehen und er die ganze fchändliche Betrügerei einsieht, wenn er erfährt, wie der, der bei'm Akkordabschluß dabei war, als ihm die Entschädigung zugesprochen wnrde, ihm vor den Gerichten nicht als Zeuge beistehen .will, dann erst (aber nicht immer, weil Scham ihn zurückhält oder Furcht) kömmt er zu mir, um Hülfe bittend, aber leider zu fpät: ich kann nichts mehr für ihn thnn, als ihn erfnchen, zum Nutzen Späterer dieß nach Haufe zu fchreiben.

Ein hiesiges Büreau hatte es noch schöner versucht.

Es sagte den Leuten : ihr könnt die Kost auf dem Schiffe nehmen und braucht dann keine Lebensmittel zu kaufen, sondern bezahlt dasür nur 40 Francs mehr auf's Bittet.

Einzelnen, die nicht kochen mochten oder konnten, und die so auch das Küchengeschirr und die Emballage ersparten, wäre damit sehr gedient gewesen. Allein was schrieb nun das Büreau auf die Billets ? ., Nourriture du Capitaine. * Wenn nun die Leute abgefahren wären -- und wie viele waren dieß, ehe ich dahinter kam -- und dann dem.

Kapitän ihr Billet vorgewiefen hätten, fo würde dieser erwiedert haben: "Das ist Unsinn, mit mir speisen keine,,Leute vom Entrepont, das geht nicht, feht, wo Jhr Euch "nährt," oder er würde sie noch für Betrüger erklärt haben. Was wäre ihnen nnn übrig geblieben, um nicht zu verhungern? Nichts Anderes, als mit den Matrosen

zu essen, das heißt, das, wosür sie eigentlich bezahlt hatten, noch einmal zu bezahlen. Als ich diese Schurkerei

14 inne wurde, -- es geschah durch Zufall bei einigen Beruern, -- ließ ich mir dieß deuten und zwang das Bureau, anstatt ,,Nourriture du Capitaine" -- ^Nourriture de [Equipage* zu schreiben.

Solche Fälle kommen nach allen Seiten hin und in allen möglichen Schattirungen vor, und der Auswanderer ist wirklich ,,tausend Gefahren" ausgefetzt. Es ist, als ob sich Alles verschworen hätte, ihn vor seiner Abreise um den letzten Heller zu bringen.

Jch habe .keine gefährlicher« Gegner als die Wirthe und die Angestellten derfelben, fowie diejenigen, welche in den Lebensinittelmagazinen der Auswanderungsbüreau's als Magazinknechte angestellt find; denn da diese letztem nur von dem besoldet sind, was sie bei'm Einmessen zu wenig geben, so sehen sie sich natürlich dadurch, daß ich, seit ich dieß weiß, die Auswanderer in respektable Magazine weise, bedeutend in ihrem Einkommen verkürzt.

Die Auswanderungsbüreau's selbst sind mir nicht minder unhold, obgleich ich mich, so gut wie möglich, mit ihnen auf verkehrlich angenehmen Fuße zu halten suche und alle Bevorzugung vermeide. Allein sie sehen sich durch mich nicht minder kontrollirt als die Andern, und das genirt sie.

Sie haben durch mich eine schöne Anzahl Leute verloren, die sie nicht mehr im Preise der Ueberfahrt überfordern können, und da ich die Konkurrenz unter ihnen immer möglichst zu benutzen suche, fo verursache ich dadurch stets ein Minimum des Preifes, was fehr störend für sie ist; denn da nun die deutfchen Auswanderer von den Schweizern in den Wirthshänfern den Preis, den diefe bezahlt haben, erfahren, fo können sie auch die Deutschen nicht mehr überfordern. Auch ihre Agenten in der Schweiz können die Preise nicht mehr in der Höhe halten; denn durch meine Korrefpondenz mit auswärtigen Behörden

15 und Vereinen nnd mit meinen Eltern, an die sich eine Masse Auswanderer richten, weiß man nun immer zum V o r a u s , ob starke Konkurrenz oder nicht, ob viele Schiffe erwartet werden oder nicht und welches die letzten Preife waren.

" Sie haben daher, nebst den Wirthen, auch schon alle möglichen Mittel versucht, mich zur Pflichtvergessenheit zu verlocken, sich aber dabei wohlweislich .gehütet, selbst die Finger zu verbrennen, indem sie Unteragenten oder Knechte schickten. Die Wirthe ließen mir sogar das Anerbieten stellen, sie wollten das Kopsgeld mit mir gleichmäßig theilen; die Büreau's schickten Einladungen zu Dejeuners und stellten mir Geschenke in Aussicht; aber Alles auf feine, nicht beleidigende Art, obgleich darin die größte Beleidigung liegt, die man einem rechtlichen Menschen machen kann. Jch habe berechnet, daß ich durch alle diese Bestechungen über 3000 Franken jährlich gewinnen würde, und nun kann man sich denken, wie hoch die Summe wäre, die meine -x.ant>eleute dadurch verlieren würden.

Jeder würde per Kopf wenigstens 30 -- 40 Franken daran zahlen.

Da sie bei mir den Zweck verfehlten, fo legten sie sich nun sämmtlich aus Ausstreuung der schändlichsten Gerüchte über mich, und da diese in die Länge auch nicht ziehen,

obgleich ich mich wenig um deren Widerlegung bemühe, so hat man nun angefangen, meine persönliche Sicherheit zu gefährden, fo daß ich stets genöthigt bin, des Nachts bewaffnet auszugehen und frühzeitigst vom Mittagsessen (6 Uhr) nach Hanfe direkt zurückzukehren. Allein dieß Alles wird mich nicht abhalten, auszuharren, und wahr.(ich, die Anfeindungen follen Büreau's wie Wirthen schlechte Früchte tragen. Wenn ich das hiesige Klima in die Länge ertragen îa«n und der hohe Bundesrath

16 ·meine Vorschläge bewilligt, so zweifle ich nicht, die Büreau's mit der Zeit zu meinen Füßen zu fehen und den Wirthen jeden Schweizer vorenthalten zu können.

Ehe ich nun zu den Abhülfsmitteln für diefe Zustände übergehe, erlaube ich mir noch einige Worte beizufügen über verschiedene angebliche Vortheile, welche Auswanderer im Abschlüsse von Kontrakten mit Agenten in der Schweiz zu finden glauben.

Der angeblich wichtigste Vortheil, der ihnen daraus erwachsen sollte, wäre die Verköstigung in Havre auf Rechnung des Schiffsausrüsters (armateur) bis zum Abgange des ©chiffes, insofern nämlich die Auswanderer dafür ein Gewisses bei'm Agenten bezahlt haben.

Was ist nun aber die Folge diefer Uebereinkunft ?

Der Auswanderer wird alfo bei feiner Ankunft vom hiesigen Büreau verkostgeldet, allein zu einem Preife, zu welchem es dem Wirthe rein unmöglich ist, dem Auswanderer hinreichende Nahrung zukommen zn lassen. Da solidere Wirthe solche Begastung nicht annehmen, so kommt sie solchen zn, die schon aus der Neige des Untergehens stehen. Da trifft dann der Auswanderer schlechte Ernährung, sowohl nach Duantität als Dualität, und

zugleich findet er sich so im Schmutz begraben, daß er sich genöthigt sieht, ein anderes Logis zu suchen.

Das ist der fortwährende Ansgang solcher Kontraktsbestimmungen. Der Auswanderer zahlt lieber noch einmal seinen h i e s i g e n A u f e n t h a l t , als daß er an diefen Orten bliebe, wenn nämlich dieß zu thun feine Mittel auch nur einigermaßen ihm gestatten.

Einen zweiten Vortheil glaubt man darin zu finden f daß in den gedruckten Formularen der Agenten steht, man erhalte nach dem fünften Tage Aufenthalt in Havre von Seite des Schiffsausrüsters eine tägliche Entschädigung»

17 Allein dabei ist nur der Umstand mißlich, daß dabei zugleich auch steht: " S t u r m und W e t t e r v o r b e h a l te n." Dieses "Wetter" kann günstig, ungünstig, hinderlich und absolut hinderlich sein, es ist dieß aber ein so berechnet unbestimmter Ausdruck, daß damit allen möglichen Ausflüchten Thor und Thür geössnet ist, und der arme Auswanderer, der die Regel nicht kennt, nach welcher die Schisssausrüster gezwungen werden können. Entschädig««-

gen zu bezahlen, stets düpirt ist.

Die Winde drehen sich hier täglich mehrmals, auch

wenn einer der vorherrschende ist, so daß der Schiffsausrüster genug Ausflüchte hat. Zahlen aber muß er: sobald ein anderes Schiff für den " l a n g e n Lauf"*) aus dem Hafen gegangen ist, und da auf dem offenen Meere fast immer Wind ist, und man von allen Winden segeln kann, so muß er auch dann bezahlen, wenn andere Schisse, durch das Dampfboot an's Schlepptau genommen, sich auf das offene Meer hinausziehen lassen.

Da dieß aber mit bedeutenden Kosten verbunden ist, fo fuchen die Schiffsausrüster natürlich diese Ausfahrt zu vermeiden. Jener Satz im Kontrakte dient alfo nur dazu, den Auswanderer anzulocken, ihn sicher zu machen und ihn um fo unsicherer hinzustellen.

Auch ich schließe nnr Kontrakte mit Entschädigungsvorbehält von 2 Francs für Erwachsene und 1 Franc für Kinder per Tag, bei verspäteter Abfahrt, ,, W i n d und W e t t e r v o r b e h a l t e n " ab; allein ich kenne die Regeln, wann bezahlt werden muß, und da ich aber auch die Büreau's kenne, mit denen ich zu thun habe, fo zahle ich die Kontraktsfumme erst nach A b f a h r t des Schiffes *) .-Das heißt, wenn ein Schiff, nicht für Mstenfahvt, sondern für Sahïten über das SSltn bestimmt ist.

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aus oder bei Lichtung seiner Anker, und ziehe vorerst den Entschädigungsbetrag davon ab. Auf diese Weife habe ich schon beträchtliche Summen unsern Auswanderern erspart, zugleich dadurch aber auch bezweckt, daß sich die Biireau's wohl in Acht nehmen, mir den unwahren Absahrtstag anzugeben. Da dieß hin und wieder aber doch

noch vorkömmt, so suche ich mich durch Besichtigung des ©chiffes felbft davon zu überzeugen, w a n n es fortg e h e n könne.

Rechnet man zu den bereits angegebenen Vortheilen, welche Auswanderern durch Kontraktabfchlüsse mit Agenten zu Theil werden, nun noch den hinzu, daß sie gewöhnlich ans Unkenntniß der zeitweiligen hiesigen Verhältnisse noch 20 Francs mehr für die Ueberfahrt bezahlen müssen, sowie daß nach schon früher Bemerktem die Agenten angewiefen find, den fchlansten Wirthen am meisten Gäste zukommen zu lassen, fo wird man dann ungefähr auf die Summe desjenigen kommen, was sie im Ganzen dabei gewinnen.

Jch r e c h n e den Verlust durch e i n e n K o n t r a k t a b s c h l u ß m i t einem i A g e n t e n p e r P e r s o n a u f w e n i g s t e n s 35 F r a n c s durchschnittlich.

Noch bemerke ich hier, daß diese genaue Kenntniß aller dieser verwickelten Verhältnisse nicht ein Ergebniß meines Nachforfchens allein ist; denn auch der größte Scharfsinn würde nie durch sich selbst die ganze Machination dieser uu't der Auswanderung beschäftigten Menschenklasse zu entdecken vermögen.

Aber im Schlechten keimt keine Tugend und keine freundschaftliche Verschwiegenheit, und so hat mir denn auch ein in einem hiesigen Bureau Angestellter, o h n e m e i n D a z u t h u n , die ganze nichtswürdige Machination

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ïlar vor die Augen gelegt. Jch schätze mich glücklich,- dieg Alles nun zu wissen, denn nun ist es mir auch ganz klargeworden, welche Maßregeln man gegendiese Maschinerie!

anwenden muß, um sie in einen andern, für un..! wühlthätigen, Gang, zu bringen, und ich erlaube mir nun, dieselben Jhnen vorzulegen..

Jch gehe nun zu den Hülfstuitteln uber, die ich nach meinen Erfahrungen in (Sachen der Auswar.des

rung für zweckmäßig und- wohlthätig erachte und die ich mir erlaube, Jhnen, Tit.,, bestens zu empfehlen. Jck) theile diefen Abschnitt in drei besondere Theile, nach dm Fragen : I. Was follen die Auswanderer für sich thun, eine Anweifnng.

H. Was follen die Kautonalregierungen in Sache der Auswanderung Erleichterndes thun?

IIL Was kann der h. Bundesrath dafür thun, die fchweizerifchen Auswanderer möglichst vor Betrügereien zu fchützen und Reife und Ueberfahrt sicherer und billiger zu machen?

Jch weiß es wohl, daß Regierungen wie Privaten darauf hinsteuern, es folle die Auswanderung von der schweizerischen Bundesversammlung als Nationalangelegenheit erklärt und dem h. Bundesrathe die Ausführung derfelben übertragen werden.

Da es aber noch nnentfchieden ist, ob dieß geschehen werde, so finde ich es meiner Stellung angemessener, mit meinen Ansichten darüber innezuhalten, bis man inich srägt und erlaube mir nur, hier noch zu bemerken, daß die Ausführung einer 'geregelten Auswanderung (abgesehen von der Kolonisation) ein fehr leicht ausführbares und wenig kostspieliges Werk fein würde. Wir würden selbst hiesige

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Schiffe befrachten und unter einem sichern Führer in verschiedenen Zeitabfchnitten 200--300 Auswanderer zu sehr tilligen Postpreifen hieher bringen lassen. Wir könnten auf Lebensmitteln sparen, sie zum Voraus abmessen, emballiren, so daß die Auswanderer nicht genöthigt wären, in Havre sich länger als einen Tag anszuhalten, d. h.

.wenn der Wind nicht gar zu ungünstig wäre.

Aber dieses Alles läßt sich auch erreichen, wenn von der Kolonisation abstrahirt würde, und daß es erreicht werde, liegt gewiß im Willen und Vermögen eines -h. Bundesrathes. Je mehr wir den Auswanderern durch zweckmäßige Anordnungen an der Reise Geld ersparen, um so weniger ist es nothwendig, eine eidgenössische Kolonisation einzuleiten ; denn mit je mehr Geld der Aus.wanderer in Amerika ankömmt, um so eher wird er sich dort selbst dnrchhelsen können. Bei den jetzigen Zuständen aber geht ost all sein Geld, in der Regel aber wenig*

jtens zwei Drittheile davon, schon sür die Reise bis New-

§)ork oder New-Orleans und von diesen zwei Drittheilen wieder wenigstens ein Drittheil nur durch Betrügereien verloren.

Die Kantone sollten sür die Ausstattung ihrer Auswanderer, der Bund aber nur sür die Reifeerleichternng sorgen nnd das Bezahlen der Reife den Auswanderern überlassen werden, Mie bisher. Dadurch würde man den Zweck vollständig erreichen; denn die Geldmittel, welche die Gemeinden bisher zur Ausstattung ihrer Auswanderer zuschössen, würden entweder rednzirt und sür Mehrere verwendet werden können, oder trotz ihrer

Dürftigkeit alsdann doch eher genügend fein, als jetzt. Anch die Kantone könnten mit geringern (Zuschüssen mehr erreichen, als nun mit größern ost dennoch nicht meicht wird.

2l L

-Anleitung für Schweizer zur Reise nach dem .^avre.

Vom Gelde.

Der Auswanderer bedarf zur Reife von Bafel bis nach New-§jork oder New-Orleans wenigstens 260 französische.

Franken oder 182 Schweizerfranken oder 121 Gulden 20 Kreuzer oder 113 Gulden 30 Schilling Zürcher-Valuta.

Für Kinder muß man immer das Nämliche rechnen.

Jn diefen 260 Francs sind begriffen: Reife nach Havre, Lebensmittel und Ueberfahrt, fammt Bettkosten und Küchengefchirr. Es ist besser, der Auswanderer wechsle fein Schweizergeld fchon zu Haufe in französifche....

Geld um, als erst in Bafel. Gold ist besser als Silber, am besten sind Wechsel auf Havre, zahlbar bei Sicht, und sranzösifche Bankscheine.

Vom Gepäcke.

Der Auswanderer nehme nur das Notwendigste mit.

Der Handwerker kann allenfalls feine leichtern Werkzeuge mitnehmen.

Der Bauer lasse alle feine Geräthfchaften zurück, da in Amerika ohnehin der Landbau anders betrieben wird, als bei uns.

Was man auf der Reife nach Havre nicht abfolut uothwendig hat, schicke man wenigstens vier Wochen vorher durch die Eilfuhre voraus und adressire die Kisten an Herrn Wanner, fchweizerischen Konsul in Havre.

Die französifchen Zollämter gestatten die freie Einfuhr nur für Passagiereffekten, d. l), für Hemder und Kleidungsstücke, die schon getragen worden sind.

Alle andere Sachen, als: trockene Früchte, Käse, Branntwein, Schinken, Tabak, Waffen oder Geschmeide.-

22.

·unterliegen in Frankreich der plombage und dem Acquit à Caution, d. l.», dem Zollscheint.

Diese letztern Arten von Gegenständen müssen daher in besondern Kisten verpackt werden.

.Auf der Diligence von Bafel bis nach Havre hat die Person 60 Pfund Freigewicht.

Jedes Pfund Ue...>ergewid..t wird mit 5 Sons (oder 7 Kreuzer) bezahlt, also der Zentner mit 25 Francs, während per Eilfuhre der Zentner, in 13 Tagen von Bafel nach Havre geliefert, nur 13 Francs kostet. Jst man genöthigt, neue Kisten machen zu lassen, fo diene dafür folgendes Maß: Höhe: 2 Fuß.

Breite: 2 ,,

Länge: 4--4'/2 Fuß.

Die Kisten müssen mit Handheben und Schutzleisten »erfehen sein.

Von der Reife.

Bafel. Jn Bafel nimmt der Auswanderer fein Billet sur die Reise über Paris nach Havre. Ein Platz in der Rotonde der Diligence kostet 57 Francs 9 Sons. Jn diesem Geldbetrage sind I n b e g r i f f e n Omnibusfahrten und die Fahrt auf der Eifenbahn von Paris nach Havre.

Ein Kind unter fünf Jahren zahlt nur die Hälfte, iBenn man es, w ä h r e n d der Reise, auf dem Schooße plt.

gàie Diligence fährt täglich Morgen!.! um, 6 Uhr von der Post in Basel ab, und die Reife dauert drei Tage.

Zahlreiche Familien oder Gesellschaften thun wohl, fcefonders im Frühjahr; und Sommer,, ihre Billetg zum .Borane in Bafel oder Mühlhausen zu bestellen.

2â Jn Basel foll kein Auswanderer die Reife eher antreten, bevor er überzeugt ist, daß feine Effekten in St. Louis verpackt, aufgeladen, und die Kisten auf der Feuille de route (dem Waarenlaufzedel) des Tages eingetragen sind.

Paris. Ungeachtet der Verpflichtung der Adminijiration für Eintreibung und Transport der Waaren, sollen die Auswanderer in Paris dennoch selbst nachsehen, ob alle ihre Sachen auf den Eisenbahnhof gebracht worden sind.

kostet. Bei einem Aufenthalte in Paris empfehle ich das Gasthaus des Herrn Stadler (Schweizer) "Zur Stadt Zürich," Mercierstraße, Nr. 9.

H a v r e . Bei ihrer Ankunft in Havre müffen sich die Auswanderer wohl hüten, den Waarenlaufzedel zu unterschreiben, bevor alle ihre Effekten ihnen in iljrer Wohnung abgeliefert wurden.

Wenn sie Uebergewicht zu zahlen gehabt haben, so müssen sie es auf dem Postfcheine bemerken lassen, welcher ihnen für den Platz in der Diligence gegeben wurde.

Diefer Schein muß zugleich die Nummern und die Anzahl ihrer Kisten enthalten.

Nach New-Orleans muß man, wegen des gelben Fiebers, nicht fpäter als bis Mitte April und nicht früher als Anfangs August von hier abreisen. Das gelbe Fieber herrscht dort von Ansang Juni bis Ende Angnst.

Jch anempfehle bemittelteren Auswanderern die hiesige Gasthof-Speifewirthschast der Mad. Bauer (von Bafel) ,,Zur Stadt Basel," Volontairesstraße, Nr. 11, Kost und Logis per Tag zu 2, S1/.? uud 3 Frcs.

24> Noch nenne ich ohne direkte Empfehlung als bessere Gasthänfer folgende: 1) den weißen Bären, bei Jof. Grafz, Danphinestraße,

Nr. 65, Kost und Logis per Tag, zu 1 Frcs. 15 Sons, 2 Frcs. und 2 Frcs. 5 Sons; 2) die Sonne, bei Jos. Jcher, 2 Frcs. per Tag.

4) die S t a d t Hamburg, bei Wittwe Lesebvre, Straße Floupteres, Nr. 16, Kost und Logis je nach Wil-

len. Sehr billig.

Schließlich bemerke ich noch, daß ich nur frankirte Briefe, französifche Bankbillete, Wechfel auf Havre, zahlbar bei Sicht, und baares Geld annehmen kann, PariserWechsel und Kisten aber an den hiesigen Schweizerconsul, Herrn Friedrich Wanner, gesandt werden müssen. Meine Wohnung in Havre ist am Quai du Commerce, N.63,

zwei Treppen hoch.

H a v r e , den 18. Februar 1849.

Dr. R o t h , eidgenössischer Auswanderungskommissär.

Jch erlaube mir nun, in Beziehung dieser Anweisung, Euer Exeellenz und Jhnen, Hochgeachtete Herren Bundesräthe, solgende Maßregeln anzuempsehlen : 1) Diese Anweisung möchte in dem (nun wie ich höre entstehenden) Bundesblatte veröffentlicht werden.

2) Es solle diese in Abschrift sämmtlichen Kantonal-

regiernngen mitgetheilt werden, und zwar zum Zwecke, daß diese Anweisung von den verschiedenen Kantonalregierungen in hinreichender Zahl von Exemplaren gedruckt werde. Dieselben würden alsdann von dieser Anweisung

25

jedem Gemeindschreiber eine Anzahl (die nach der Einwohnermenge bestimmt würde) von Exemplaren zustellen, welche die Gemeindschreiber an Auswanderungslnstige zum Preis der Druckkosten einzeln verkaufen würden.

3) Es möge der hohe Bnndesrath, zum Zwecke: mir meine Korrespondenz zu vereinfachen und mir um fo mehr Zeit zu perfönlicher Besorgung der Auswanderer zu verfchaffen, diese Anweisung sür mich in 500 Eremplaren ans Postpapicr drucken oder lithographiren laffen nnd mir dieselben sammt den nothwendigen Briefenveloppes bald mög-1

lichst zustellen lassen.

Ans dem ersten Blatte des Bogens wäre alfo die An-

weisung gedruckt und ans das zweite Blatt würde ich alsdann meine besondern Auskünfte, die ich zu beantworten hätte, hinschreiben.

Da sich fehr viele Auswanderer aus dem Kanton Zürich direkt an meine Eltern wenden, und man auf dem Eomptoir meines Vaters, mit dem ich in wenigst zweitwöchentlichem Briefwechfel stehe, stets bereit ist, denselben Auskunft zu ertheilen, fo möchte ich den hohen Bundesrath erfuchen, von jenen 500 Exemplaren 100 Exemplare meinem Vater, unter der Adresse : David Roth in Hottingen, bei Zürich, zukommen zu lassen. Es versteht sich, daß alle Gefälligkeiten meiner Eltern unentgeldlich gefchehen. Diefelben werden stets die Tagespreife und Abfahrtstage bis ans einen Monat hinaus von mir zugefchickt erhalten.

4) Wäre es sehr zweckmäßig, wenn ich dem künstigen Bnndesblatte (um dessen kostensreie Zustellung an mich ich den hohen Bnndesrath ergebenst ersuche) von 14 zu 14 Tagen Abfahrtstage und Tagespreise, nebst andern wichtigen, die Sache der Auswanderung betreffenden Nachrichten (ohne Jnsertionsgebühr) für mich unfrankirt ein-

26

schicken könnte, und wenn »ieTleicht dafür in jenem Blatte eine stets ossene Spalte bereit gehalten würde.

Da es sich erwarten läßt, daß das Bundesblatt überall wird gehalten werden, so wäre dadurch nicht nur meine Korrefpondenz fehr erleichtert, sondern es würde nnsern Mitbürgern auch viel Briefporto erspart.

Jch bin versichert, der hohe Bundesrath wird meine Anfragen in Nr. 3 und 4 bejahend beantworten, wenn ich bemerke, daß ich täglich wenigstens vier bis fünf, oft aber zehn bis fünfzehn Briefe erhalte, die ich entfprechend ..jeantworten, und nebenbei doch noch für Auswanderer Akkorde abfchließen, Lebensmitteleinkäufe machen, und denselben Anweisung geben muß, wo sie Betten, Küchengeschirr n. s. w. kaufen sollen.

Jch darf dieß um so mehr hoffen, als d a d n r ch d i e A u f s t e l l u n g e i n e r b e f o n d e r n A g e n t u r i n Zürich oder Bern überflüssig und u n n ö t h i g gemacht wird. Jch weiß, man hat die Aufstellung einer folchen dem hohen Bundesrathe beliebt; allein ich kann deren Zweckmäßigkeit nicht einsehen. Gefetzt, es wäre ein besonderer Agent in Zürich oder Bern, der die Privatkorrefpondenz führte und von mir von vierzehn zn vierzehn Tagen Nachrichten über die zeitweiligen hiesigen Verhältnisse erhielte, fo könnte derfelbe, bei dem Ungeheuern Andränge von Briefen, ebensowenig als ich es künstig könnte, ohne gedruckte Briefrapporte für das F e s t s t e h e n d e im Answ a n d e r n n g s w e f e n auskommen. Da sich aber die Preife ändern, und eine geraume Zeit verflöße, inner welcher meine Briefe an ihn und deren Jnhalt durch ihn an die Auswanderer käme; da ferner die Auswanderer nach den angebenen Preifen ihr Reisegeld einrichten und dann erst die Kisten abschicken, so könnte es durch jene indirekte Korrefpondenz viel eher als durch meine direkte

27 und daher ungleich schnellere, sich ereignen, daß , wenn die Preise nachhaltig gestiegen wären, Leute ohne genügende Reifemittel hier ankommend, liegen bleiben würden, weil es zu spät wäre, wieder an alle Auswanderer andere Preise aufzugeben. Ebenso ist es mit den Abfahrtstagen der Schiffe, deren wahre Abfahrtszeit ich oft erst fpät genau herausbringen kann, und wenn ich sie dann weiß, die Nachricht, die Leute auf direktem Wege, wenn sie sich schon zur Abreife bereit gehalten haben, eher noch frühzeitig genug erreicht, um mit dem aufgegebenen Schiffe abreifen zu können, als wenn erst an den Agenten in Zürich und von diesem an die Leute geschrieben werden müßte.

II.

SBas sollen die Kantonalregiernngen in Sache der Auswanderung Erleichterndes thun?

I. Jede K a n t o n a l r e g i e r u n g soll sich f ü r eine gewisse S u m m e f r a n z ö f i s c h e B a n k s c h e i n e von 500, 200 und 100 F r a n c s k o m m e n l a f f e n , welche d i e A u s w a n d e r e r a l s d a n n b e i i h r a u f der Staatskanzlei cinwechfeln können.

81 n m er k. (5s ist nnglaublich, wie die ...luswanberer ®elb einbüßen, wenn sie in Bafel oder hier erst franzosifches Gelb einwechfeln, und da ©olb zu theuer, Silber zu schwer unb 'zu voluminös ist, und man SBechfel nicht leicht unb befonders nicht überall erhält, so ist gewiß mein obiger ..Boxfchlag ber jweckbienlichste. Bis jetzt habe ich meist Baarfchaft erhatten und ein Paket Silber »on 7OO Srane« SBerth, von -Jlettstal..

îommend, zahlte z. B. 10 granes Poxto. Selcher GeftBerlust !

II. J e d e K a n t o n a l r e g i e r u n g soll mit einem soliden S p e d i t e u r i h r e r H a u p t s t a d t U n t e r Handlungen anknüpfen und einen Vertrag abfchließen: ü b e r L i e f e r u n g d e s Gepäckes i h r e r

2s K a n t o n s b ü r g e r von der Hauptstadt bis nach Havre per Eilfuljre. Hiebei ist zu wissen: a. wie theuer der Zentner per Eilsuhre von der Hauptstadt bis nach Havre zu stehen komme; b. wie viel Tage er von der Hauptstadt bis nach Havre

nöthig hat; c. welche Garantie der Spediteur nicht nur bei Verlust oder Beschädigung der Waare, s o n d e r n auch bei v e r (p ä t e t e m E i n t r e s s e n d e r se l b e n i n H a v r e a n e r b i e t e t u n d g e b e n kann.

F e r n e r ist zu b e o b a c h t e n : a. daß die Kisten vom Spediteur alle an unsern hiesigen Konsul geliesert werden; b. daß dem Auswanderer bei'm Uebergeben seiner Kiste an den Spediteur von diesem auf dem Empfangs* fcheine derfelben der Lieferungspreis und der Ank u n f t s t a g d e r Kiste i n H a v r e b e z e i c h n e t werde; c. daß kein Auswanderer früher von Hanfe abreist, als an dem Tage, welcher ihm von dem

Spediteur als Ankunftstag feiner Kiste in H a v r e b e z e i c h n e t w o r d e n ist; d. daß die Maßnahmen, welche eine Kantonalregierung

in Bezug auf Geldumwechslung und Spediteur getroffen hat, von ihr der Anweifung beigedrnckt werden, welche ich für sie oben gegeben habe, damit die Auswanderer Kenntniß zugleich erhalten

über Spediteur, Abgabeort der Kisten, Speditionskosten und Lieferungszeit, sowie über die verstandene Garantie ; e. daß die Regierung wo möglich vom Spediteur die Garantie erhalte, daß derselbe im Falle verspäteter

29 Ankunft der Kisten in Havre, nach zwei Tagen Zugabe zu der Lieferungszeit für jeden folgenden Tag bis zur Ankunft der Kiste an den Eigenthümer derselben, oder, wenn dieser Familie hat,-an jedes Familienglied 2 Francs Entschädignngs - oder Wart-

geld bezahle; daß ferner der Spediteur diefe Eutfchädigung auch nach A n k u n f t der verdateten

Kiste noch bis zu dem Tage bezahle, an dem das nächste Schiff nach dem Bestimmungsorte der Reisenden abgeht; wenn nämlich der Reisende durch mein Zeugniß b e w e i s e n kann, daß er durch v e r s p ä t e t e s Eintreffen der Kiste von der A b f a h r t mit einem f r ü h e r n Schiffe a b g e h a l t e n wurde.

Denn man muß nur bedenken, daß in einer solchen Kiste Kleider, Betten, Nahrungsmittel, Küchengeschirr :c.

enthalten fein können, das heißt, Sachen, die sich der Reisende hier, wenn er ohne die Kiste abreisen wollte, neu anschassen müßte, wozu ihm aber ost das nöthige Geld fehlen oder er alsdann ohne einen Sons in der Tasche abreisen könnte.

Wenigstens dieß darf man füglich verlangen und ohne dieß follte kein Kontrakt mit einem Spediteur abgeschlossen werden: daß derselbe sich verpflichtet, die Kiste, im Falle diese später als zwei Tage nach dem in der Schweiz von ·ihm aufgegebenen Ankunftstage in Havre ankömmt, auf seiue Kosten wenigstens bis nach New-Orleans oder Newgjork (besser aber noch bis an den Bestimmungsort der Reifenden in Amerika), gehörig asseknrirt, transportiren zu lassen, wenn nämlich deren Besitzer schon nach dem zweiten Tage Verspätung der Kiste ohne dieselbe abge-

reist ist.

Besser aber, und den Verhältnissen der meisten Aus-

30

«.anderer mehr entsprechend und genügend, ist der erste ..Borfchlag. Den südlichen Kantonen und den östlichen

möchte ich das Speditionshaus Hummel (Agent desselben in Zürich, Herr Helff), den nördlichen Kantonen das Speditionshaus Dan z as und L e v e q u e in S t. L o u i s (Haut-Rhîn) anempfehlen.

III.

..ïoas kann der h. Bundesrat..) dafür thun, die schweizerischen Auswanderer möglichst vor Betrugereien zu schützen, und Reise und liebersahrt stcherer und billiger zu machen?

  1. Jm Faße der h. Bundesrath gefonnen ist, das schweizerische ...luswandernngswesen von sich aus und ganz an die Hand zu nehmen und er größere Ausgaben dafür nicht scheut, so schlage ich, gestützt auf die Bedürfnisse, wie sie meine Erfahrung in diesem fpeziellen Fache kennen gelernt hat, dazu folgende Einrichtungen vor: Einrichtung eines H a u p t b ü r e a u s , u n t e r e i n e m D i r e k t o r für das A u s w a n d e r u n g s w e s e n , in Zürich, mit den n ö t h i g e n Schreibern.

Errichtung von Agenturen in H a v r e , New-§jork, N e w - O r l e a n s und St. Louis, welche erstere wöchentliche, letztere drei, vierteljährliche Rapporte an das HauptMreau in Zürich einzuschicken hätten.

Und im Falle größere Transporte, von 200 bis 300 Personen bei felbstifcher Schiffsbefrachtung, eingerichtet würden: Aufstellung eines Führers, welcher den Zug bis in den Seehafen zu leiten hätte, und seine Unteraufseher (ohne Lohn) aus der Mannfchaft des Zuges wählen würde.

31 Die Leitung des Ganzen wäre dem Direktor übertragen, welcher unter der unmittelbaren Aufsicht und dem Befehle des h. Bundesrathes stünde.

Die Agenten würden zu beforgen haben: Jn H a v r e . .Ueberfahrt und Einkäufe. Mittheilung an das Hauptbüreau über Tagesreife und die Zahl der von New-Orleans und New-^ork zu erwartenden Schiffe.

Ob Konkurrenz oder nicht, d. h. Steigen oder Fallen der Preise in nächster Zeit. Akkordabschlüsse zum Voraus, im Falle ihnen solche vom Hauptbüreau aufgegeben würden.

Jn N e w - i J o r k und New-Orleans. Anleitung mit Rath und That zur Niederlassung dafelbst und zur Reife ins Jnnere des Landes. Aufgabe von Gasthöfen und Reiferouten.

Jn St. Louis. Anleitung zur Niederlassung je nach den Vermögens-- und Berufsverhältnissen. Anweifung, wo gute und bittige Ländereien zu haben sind. Alles in Rath

und That.

Anleitung, wo und wie anfangen. Reiferoute. Aufgabe nach neuen, durch vortheilhafte Lage bekannten Niederlassungen. Rapport an das Hauptbüreau über folche Niederlassungen und die Aussichten für die verfchiedenen Berufsarten in den Staaten Missouri, Jndiana, Jllinois, Tenessee und Ohio. Jm gleichen Sinne würden auch die Agenten in New-§jork und New-Orleans zu rapportimi haben.

Die Agentur in St. Louis aber halte ich für die wichtigste, und bin versichert, daß sie ungemein viel Nutzen stiften und lange das vergüten würde, was sie kostet, ja es tausendfach erfetzen könnte.

Anstatt, daß jetzt der Bauer uud Handwerksmann wochenlang in St. Louis bleibt, bis er sich die nöthige

32 Auskunft verschaffen konnte, und so jeden Tag wenigstens einen Acker Land aufzehrt, würde er höchstens zwei Tage in St. Louis zu bleiben haben und ginge dann sicherer und unbetrogen und besser unterrichtet an feinen neuen Bestimmungsort ab, als es jetzt der Fall ist.

Das H a u p t b ü r e a u in Zürich würde an das answandernde, an das Publikum überhaupt, die Berichte der Agenten veröffentlichen, die Jnlands- und Auslandskorrespondenz besorgen, zum Voraus Plätze auf der Post und dem Schiffe bestellen und allfällig auch Landankäufe in Amerika durch feinen Agenten in St. Louis zu bewerkstelligen fucheu.

Diefe Organifation hielte ich sur die z w e c k m ä ß i g s t e und unser Bestreben würde im Verein derselben mit folgenden Punkten o h n f e h l b a r erreicht werden.

2) Da ich weiß, daß der Answanderungsspeditor Ruffli, von Siffeln, Kantons Aargan, sür seine Transporte den Postpreis von Basel nach Havre per Person um 8--10 Francs billiger erhält, als der einzelne Auswanderer, so ersuche ich den hohen Bundesrath, mir die Vollmacht ertheilen zu wollen, mit dem Direltor der Messageries générales Laflitc et Gaillard in Paris CübEr eine Preiserniederung für schweizerische Auswanderer), einen Kontraft aus bestimmte Zeit (etwa bis zur Eröffnung der Eisenbahn) abschließen zu dürfen, in welchem verfprochen würde, dieser Gefellfchaft gegen Preiserniedrigung und Freigewicht von einem Zentner, soviel als in nnferm Können liegt, die fchwcizerifche Auswanderung allein zu zuh a l t e n . Es ließe sich mit ihr vielleicht eine ähnliche ·Uebereinfunst zu Stande bringen, wie ich für die Kantonalregiernngen mit den Spediteuren vorgeschlagen habe, und dieß wäre sehr zu wünschen, denn jetzt kommt nichts häufigeres vor, als daß · die Koffer der Auswanderer unter-

33 wegs, z. B. in Nancy oder St. Louis (Haut-Rhin) zurückbleiben, erst zwei, drei Tage nach dem AusWanderer oder oft auch gar nicht hier ankommen, wodurch Auswandernden sehr häufig eine günstige Abfahrt entgeht, gewöhnlich aber mehr Zehrungskosten zur Last fallen.

Es ließen sich aber bei einem Akkordabschlnsse mit jener Gesellschaft, wenn man nämlich ihr dafür Garantien bieten konnte, daß wenigstens zwei Drittheile der schweizerischen Auswanderer ihrer Beförderung zugewiesen werden könnten, gewiß fehr günstige Bedingungen hinsichtlich des Preises und der Gepäckbeförderung mit dem R e i s e n d e n zu g l e i c h e r Z e i t a b s c h l i e ß e n , und die Gesellschaft würde niit ins Jnteresse gezogen werden können, daß das Gepäck nie an der französifchen Manth in St. Louis zurückbliebe.

Da ich nicht weiß, welche Gewalt sich der hohe Bundesrath über Auswanderer zumessen kann, fo gewärtige ich über diefen Punkt nähere Anschlüsse und bemerke nur noch, daß wenigstens Auswanderer, welche mit Gemeindsoder Kantonalarmengntsunterstuizungen reisen, recht wohl zur Benutzung dieser Post angehalten werden könnten, gerade wie man sie auch dazu v e r p f l i c h t e n sollte, ihren Uebersahrtskontrakt nnr durch mich abzuschließen, und zwar wäre dieß gut, sowohl in ihrem Jnteresse, als demjenigen der nicht unterstützten Auswanderer; denn je ·.mehr ich die Schweizer nur in m e i n e r H a n d h a b e , desto mehr habe ich auch die Sluswanderungsbüreans in meiner Hand.

Jm Falle der Vorschlag 1, in der Abtheilung III, betressend Errichtung eines Hauptbüreau's in Zürich, Jhre

Billigung fände, fo würde dieser zweite Vorschlag dann sehr leicht und mit ungemein vielem Nutzen ausführbar sein, weil das Hauptbüreau durch Vorausbestellung der

3

34 Postplätze die Reifenden sämmtlich an Lafitte abgebe« könnte.

3) Errichtung eines schweizerischen Gasthauses durch einen Schweizer in Havre.

Jch kann Jhnen keinen Vorschlag mehr anempfehlen als diesen. So lange nicht ein Gasthaus f ü r S c h w e i z e r hier besteht, dessen Wirth kein Emigrantenmäckler ist, so Hange werden meine besten Bemühungen fruchtlos sein.

Der Herr Konsul und alle Schweizer, die in Havre sind, stimmen darin überein, daß dieß das Beste wäre, was man thnn könnte; aber Niemand fühlt mehr, wie n o t h w e n d i g und fegensreich ein solches Haus w i r k e n würde, als ich, der ich sein Nichtdasein j e d e n Tag ans unzähligen Unvollkommenheiten. E n t g e g e n a r b e i t u n g e n und Betrügereien heraus verspüre.

Sie haben die Stellung der hiesigen Wirthe zu den Auswanderungsbüreau's aus meinem Berichte ersehen; Sie haben daraus vernommen, daß die Wirthe alle Mäckler der Auswanderungsbüreau's sind, daß die Auswanderer durch sie von mir abgehalten werden durch jedes Mittel, welcher Natur es auch sein mag, daß die Auswanderer durch dieselben zu theurerm Ueberfahrtsakkorde verleitet werden, daß sie ihre Prozente bei den Lebensmittel- und Weineinkäufen haben und es ihnen daher

gleichgültig ist, was für Waare dem Auswanderer geliefert wird, da z. B. die Schinken nicht alle besehen und aufgeschnitten werden können und der Auswanderer dieselben erst auf dem Meere erhält, wo er dann nichts mehr gegen den Betrug ansangen kann. Jch habe kaum die Zeit erwarten können, in der es mir möglich wurde, Jhnen diesen Vorschlag mit Aussicht auf dessen leichte und

35

solide Ausführung vorbringen zu können. Heute ist mir dieß möglich, und ich preise das Geschick, daß es mir einen Mann dafür zugeführt, wie man ihn für diefes Unternehmen nicht tüchtiger hätte wünschen können, einen Mann, der nicht nur Schweizer und laut Zeugniß unseres und des belgischen Konsuls redlich ist, sondern auch eine n e u n j ä h r i g e Platz- und S a c h k e n n t n i ß hat.

Jch habe bereits gesagt, daß hier ein Wirth bei den theuern Hauszinsen und Lebensmitteln ohne das Kopfgeld nicht aufkommen könne. Wenn daher ein folches ,, S c h w e i z e r h a u s " bestehen sollte, so müßte dem Wirth auf eine andere Weife jenes Geld ersetzt werden.

Dieß kann wiederum geschehen, ohne daß dadurch die Bundeskasse in Anspruch genommen werden müßte, nämlich dadurch, daß der hohe Bundesrath dem Wirthe bloß für die Hälfte des Hauszinses Garantie leisten würde, das heißt, diese a l s d a n n zu d e c k e n , im Falle die Prozenterhebung, wie ich sie nachfolgend vorschlagen werde, dazu nicht hinreichen würde.

Ein solches Haus würde jährlich etwa 2500 -- 3000 Francs Miethe kosten. Die Einrichtung würde der Wirth auf sich nehmen. Auf diese Weise könnte er, da doch bei

Weitem die Mehrzahl der Schweizer daselbst einkehren

würde, recht gnt bestehen, und alle jene Uebelstände wären plötzlich gehoben, und mein hiesiges Wirken doppelt segensreich gemacht. Dann würde es mich srenen, in dieser Stellung zu sein, die jetzt wahrlich [eine schwierige und vielsach verbitterte ist. D a n n h ä t t e ich auch die Büreau's um so viel mehr in meiner Gewalt, als die W i r t h e die Schweizer w e n i g e r in der ihrigen hätten.

4) Es ist hier allgemein im Kausrnannswesen der Brauch, bei sosortiger Baarzahlung 3 Prozente abzuziehen.

.36

und diese Regel hat sich auch im Auswanderungswefen geltend gemacht. Für Passage werden 3 Prozente und bei Lebensmitteln 5 Prozente abgezogen. Da nun bei dem »on den Wirthen erhobenen Kopfgelde, welches etwa 3 Prozente betrifft, dasselbe ohne Nutzen verloren ginge, ohne daß die Auswanderer dadurch etwas zu gut hätten; da ferner es hier allgemeiner Handelsgebrauch ist, 3 von 100 abzuziehen; so bin ich auf einen Gedanken gekommen,

der für uns von der größten Wichtigkeit ist, und durch dessen Ausführung wir fchnell eine Masse von Schwierigkeiten befeitigen können. Wir müssen uns nämlich diesen Handelsgebrauch zu Nutzen machen, d. 1). die Answanderungsbüreans .müssen mir künftig von den Summen für Passage und Lebensmittel 3 Prozente erlassen. Allein als D i s c o n t o nach H a n d e l s b r a u c h , und nicht als K o p f g e l d , und damit dieß kein fchiefes Licht aus mia) werfe, kann ich dieß nicht eher in Ausführung .oringen, als bis ich vom h. Bundesrathe dazu autori-

sirt bin.

Diese 3 Prozente zahlt nicht der Auswanderer; denn er kömmt um keinen Sons theurer dadurch sort, weil ich doch nur die Lagerpreise und je nach Konkurrenz bezahle.

Ja) will Jhneu nun eine Uebersicht geben, wie wichtig für uns diese Maßregel ist, und was wir dadurch erreichen können, und da ich versichert bin, daß Sie dieselbe in's Leben zu fetzen keinen Augenblick anstehen werden, fo habe ich bereits die Prozente für die letzten Auswanderer .bei einem hiesigen Haufe arretirt, um sie gleich naa) Autorisation erheben zu können.

Jch habe vom 15. Januar bis 23. Februar 1849 akkordirt für 166 Personen.

Davon waren : Erwachsene 120 ) - . _ . , , .,,, . -»- v ..c ) ® ' * ^ fc°ez ah l t e n : Kinder 46

37 Für Passage:

die Erwachsenen à 50 Fr. durchschnittlich 6OO0 Fr. ) die Kinder à 35 Fr. durchschnittlich 1610 Fr.} Für Lebensmittel: die Erwachsenen à 40 Fr. durchschnittlich 4800 Fr. l

die Kinder

à 20 Fr. durchschnittlich 2400 Fr. »

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Summa: 14810 Fr.

Der Passagepreis zum Minimum angenommen, und die ungünstigste Jahreszeit der Auswanderung sür die Berechnung benutzt, ergibt sich ans obiger Summe dennoch ein Dreiprozentertrag von 444 Fr.

Oder: Da jene Zahl von 166 Auswanderern sehr gut als Monatszahl angenommen werden kann, und eher zu

niedrig als zu hoch ist, ein jährlicher Dreiprozentertrag von 5328 Fr.

Diese Summe ist rein verloren, wenn wir sie nicht erheben, ohne daß durch deren Verlust der Auswanderer auch nur das Geringste weniger bezahlt.

Ueber die Erhebung und Verwendung der Gelder würde ich Jhnen dann alljährlich eine mit Belegen versehene Abrechnung zustellen.

Jch würde darüber meine erforderlichen Bücher halten

und diefelben stünden natürlich ganz zu Jhrer Verfügung bereit. Jch hätte diefe Maßregel fchon ausführen können, allein so weh mir die verlorene Summe auch that, weil ich in letzter Zeit mir mit einigen armen Familien kaum zu helfen wußte, fo konnte ich doch meines Namens und ineiner Ehre halber, um nicht als Unterfchlager angefehen zu werden, dieß Geld nicht erheben, bis ich Jhnen davon Anzeige gemacht und von Jhnen dazu autorisirt bin.

38

Aus einer neuerlichen Mittheilung des fchweizerifchen Generalkonsulates in Neapel vom 27. v. M. geht hervor, daß die Reklamationen für die von Schweizerhäufern infolge der Ereignisse in Messina erlittenen Verluste dem neapolitanifchen Ministerium abermals in Erinnerung ge-bracht worden sind, daß aber keine Hoffnung auf einen günstigen Entscheid gehegt werden dürfe, bevor die Ange-

legenheit Siziliens geregelt sein werde.

Das schweizerische Handelskonsulat in Turin machte unterm 5. d. M. dem Bundesrathe die Mittheilung, daß das Ministerium des Königreiches Sardinien dem herwärtigen Begehren, betreffend die Wiederherstellung der Dampsfchiffsahrt auf dem Lago maggioro auf zuvorkominende Weife entsprochen habe. Dieser Entschließung zufolge wird das Dampffchiff Verbano feine Fahrten wieder, wie vor der Befchlagnahme, fortfetzen, vorbehalten jedoch weitere Maßregeln, die bei einem allfälligen Wiederaustruche der Feindseligkeiten mit Oesterreich unerläßlich wären und die darin bestünden, daß das Schiff eine Besatznng einzunehmen hätte.

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Extrabeilage zum schweizerischen Bundesblatt. Samstag den 10. März 1848.

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1849

Année Anno Band

1

Volume Volume Heft

04

Cahier Numero Geschäftsnummer

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Numéro d'affaire Numero dell'oggetto Datum

07.03.1849

Date Data Seite

128-128

Page Pagina Ref. No

10 000 017

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